»XV.yv
Militärischer
Maria Theresien-orden
J. Lukes, Jaromir Hirtenfeld
Goos
A Digitized by Google^,
Digitized by Google
i
)
■
Digitized by Google
Digitized by Google
MILITÄRISCHER
MARIA THERESIEIS -OR DEN.
o
I BER AUTORISATION DES ORDENS NACH AUTHENTISCHEN QUELLEN
VERFASST UND ANGEORDNET
VON
j. lukeS
ÜITTKK HKS KK\NZ JOSEPH ORDENS, BESITZER DEM MILITÄR-VERDIENSTMEDAILLE „SIONI'M LAUDIS" AM BANDE DES
MIl.lTAR.VERDIENSTKRErZKS, DER KRIEGS -MEDAILLE KTC.
O
MIT U BILDNISSEN.
NACH ORIGINAL- AUFNAHMbN IN KUHFKK GESTOCHEN VON J. KLAUS.
AKADEMISCHER KTPKERDRl'CK VON K. KAROL IN WIEN.
i
ALLE RECHTE VORBEHALTEN.
WIEN.
AUS DER KAISEHLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
1890.
DigitizÄJ by Google
Lg
tiotl, Man« Tbeieiia und ihren HitUrn zur KU»'
D«u TAI'FERN und KLUGtN der Zukunft aU Uhr
'in Kaisers und König«, iu V«t«rl«nd» Wehr!
Digitized by Google
>
Neue Folge der Ordens-Geschichte.
(Dritte Abtheilung- 1850 bis 1890 — zugleich Fortsetzung
des Werkes: „Der Militär- Maria-Theresien- Orden und seine
Mitglieder". Wien 1857.)
Digitized by Google
Das Bildnis Seiner Majestät des regierenden Kaisers und Königs FRANZ JOSE IUI I.
als Erhabenen Großmeisters des Militärischen Maria Theresien- Ordens und das
Monumental-Bildnis der Glorreichen Stifteriri des Ordens, weiland Ihrer Majestät
der Kaiserin und Königin MARIA THERESIA, nach dem Allerhöchslderselben
durch Seine Majestät errichteten Denkmal, erscheinen als Titel-Kupfer an der
Spitze des Werkes.
Digitized by Google
Inhalt.
Von Jen im »Inhalt4 mit Sternchen (*) bezeichneten Ordensmilgliedern sind Bild-
nisse den betreffenden Lebensläufen beigegeben.
Die wirklich.- Rangordnung der Ordensmitglieder der Promotionen CLX VI bis CLXVI1I
und CLXX ist auf Seite Tr2~ und zu entnehmen.
Die Namen uunirnniischer OnPnmtilglieder rrschcinai in liegender Schrift.
S«'il<>
Vorwort .......... IX
Oer Militärische Maria Thereslen Orden von 1757 bis 1890 1
Entstehen des Ordens . J
Wesentliche Ordenssulzungen :i
I islebentrcten der Commaiideur-Classe •*»
Promotion ausländischer Ordensmitglieder . . <i
Farster Statulen-Xachtr.ig vom Jahre 1810
Fünfzigjähriges Jubiläum des Cro f. kreuze« Erzherzog Carl 7
Brate Säcular-Feier des Ordens s
Status des Ordens am Tage der ersten Sändar-Feier sammt nachgefolgtem Lebenslaufe
der damaligen Ordensmitglieder . ■ I*
CLVIII. bis CLXX. Promotion des Mari;« Thei esien-Ordens in den Kämpfen von 1S59
bis 187S 4<i
Zweiter Statuten-Nachtrag vom Jahre 1S78 17
Dritter Statutcn-Xachtrag vom Jahre 1S8R IX
Kanzler und Schatzmeister des Ordens II»
Enthüllung des Maria ThereeienDenkmales ... 49
CL VIII. und CLIX. Promotion. - Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859 .... 51
* Commandern1 Ludwig Kitter von Itened ek ot
* Mitter Anton Kitter von Prockosch 71
* Ritter Leopold Freiherr von Edels heim Oyulai ■ 80
* Kitter Joseph Freiherr Dormus von Kilianshausen 8S
* Kitter Wilhelm Herzog von Wü rt temberg 91
* Ritter Joseph Freiherr von Döpfner 1"4
Ritter Friedrirh Freiherr von Kleine rt llo
* Ritter Philipp Graf von Stadio u- Warthause:i und Thannhausen 11",
* Ritter Alexander Prinz von Hessen und bei Rhein IlT»
* Ritter Anton Freiherr Dobrzensky von Dobiienitz I
' Kitter Eduard Freiherr von Litz elho fe n - • L17
* Kitter Adolph Freiherr von Catt y MI
" Kitter Johann Freiherr von A ppel • ... II»
' Ritter David Freiherr !J rs; de Margina ... LVJ
* Ritter Custav Adolph Freiherr von Neubauer 1;»/
' Ritler Ceza Freiherr Fejerv.uy de Kömlös Keres/.le, IW
Digitized by Google
VI
CLX. Promotion. — Während der Kriegsereignis»e im Königreiche beider Sicilien im Jahre 1860/61 108
Ritter .Seine Majestät Franz II. König beider Sicilien 168
Kitter Seine königliche Hoh.it Ludwig Graf von Trani. Prinz beider Sicilien .... 109
Hilter Seine königliche Hoheit Alphons Graf von Caserta, Prinz beider Sicilien . . 160
Hiller Seine königliche Hoheit Franz de Paula Graf von Trapani, Prinz beider Sicilien 169
CLXI. bis CLXIH. Promolion. - Im Kriege gegen Danemark in Schleswig und JUtland 1864 . . . 170
* Commandeur Ludwig Freiherr von (Ja b 1 e» z 1*2
* Hitler Leopold Graf Gondrecourt 191
Commandeur königl. preußischer GFM. Friedrich Graf von Wränget 197
Commandeur Seine königl. Hoheit Prinz Friedl ich Carl von Preußen 198
Hilter Seine könijrl. Hoheit Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen (nachmals
Friedrich III., deutscher Kaiser und König von Preußen) 203
Ritter königl. preußischer GL. Carl Eberhard Herw trth ton Kittenfehl 20+
Hitler königl. preußischer GL. Albrecht Khrenreich Gustav von M<in*tcin 208
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion — Im Kriege gegen PreuOen und Italien im Jahre 1866 . . 213
In den Kämpfen in Deutschland 216
Commandeur Seine Majestät Georg V., König von Hannover und Ritter Seine
königl. Hoheit Ernst August, Kronprinz von Hannover (nachmals Herzog
von Cmnl.erland. Herzog um Braunschweig und zu Lüneburg! 219
Im Kriege gegen Italien 221
* Großkreuz Seine k. und k. Hoheit FM. Kr/herzog AI brecht Friedrich Rudolph . . . 23+
* Commandeur Joseph Freiherr Maroici. di Madonna del Monte ... 252
* Commandeur Franz Freiherr von John 260
' Ritter Ernst Härtung 270
* Ritler Gabriel Freiherr von Rodich 280
* Ritter Eugen Freiherr Piret de Rihain 292
* Ritter Ludwig Freiherr von Pulz 29S
* Ritter Ludwig Freiherr von Fielst ick er 306
* Ritler Anton Freiherr von Bechtolsheim 315
Im Kriege gegen Preußen 323
' Ritter Alberl Freiherr Knebel von Treuenschwert 336
* Hilter Rudolph Freiherr Wagner von Wehrborn 3+1
' Hilter Moritz Ritler von Lehmann 3+5*
Ritter Sein»; königl. Hoheit Albert. Kronprinz (nachmals König) von Sachsen . . 350
* Hitter August von der Groeben 359
Bei der Ycrtheidigung Tirols 301
* Commandeur Franz Freiherr Kuhn von Kuhnenfeld 370
* Ritler Ludwig Freiherr von Gredler 3S5
* Ritter Bruno Freiherr von M o n tl u i s an t 3S9
' Hitler Moritz Freiherr Manfroni von Manfort 392
Im Kampfe auf dem A d ri a t i sc h e n .Meere . .... 399
* Commandern- Wilhelm von l eget! hol t +05
* Hilter Anton Freiherr von Pelz 423
' Hilter Maximilian Freiherr Daublebsky von St er neck zu Ein > nstein 133
Digitized by Google
VII
CLXIX. Promotion: Seine Majestät AI f. rauher lt. Kaiser von Russland W3
CLXX. Promotion. - Bei Bekämpfung des Aufstandes in Süddalmatien 1869 und bei der Occupation
Bosniens und der Hercegovina 1878 t-14
Bei Bekämpfung des Aulstandes in Süddalmaticn ISo'J .... ilt
* Hitler 1I< tnrich Freiherr von Pittel 1 1 ö
bei <lor Oeeupation Bosniens um) der Hercegovina im Jahre 1S78 . . 15J
' Connnandcur Joseph Freiherr Philippovic von Philippsberg 4<»1
• Biü<-r Stephan Freiherr von Jovannvir 472
• Bitter Ladislaus <5raf Szapäry 4SI
* Bitter Joseph Freiherr Vecsey de Vecse et Boröllyö Isagfa . -. -fs«
Schlussbemerkungen 493
A n h a n g :
Status des Mililfiris« In ti Maria Theresien-Ordens hei der Feier der Enthüllung de-
Maria Theresien-Denkmals — 13. Mai ISSN — beziehungsweise bei Ah.-ehluss
der vorliegenden HI. Abtheilunf: der Orden- Geschichte (Oi tober IS'JO) . . . \'M
Promotionen des Militärischen Maria Theresien-Ordens sei» der Stiftung bin auf die
Gegenwart, I bis CLXN 5t»>
Statistische Übersicht der Promotionen des Mllitii.isclieii Manu Theresien-Ordens und
«los Status desselben in den Proniotions-Jahren seit der Stillung im Jahre 1757
bis 1871», beziehungsweise ISMO 530
Alphabetisches Namens - Register zur \orliegenden 111. Al-thtilniiy der Ordens
Geschichte und zu den Promotionen I bis Cl.XX 5:i7
Digitized by Google
igitized by Google
Digitized by VjOOQlc
Y orwo r t.
Die Errichtung des Denkmals weiland Ihrer Majestät der Kaiserin-Königin
Maria Theresia durch Seine k. und k. Apostolische Majestät Kaiser und König
Franz Joseph 1. bildet einen der erhebendsten Momente der vaterländischen
Geschichte.
Am hunderteinundsiebzigsten Jahrestage der Geburt Maria Theresias
stattete der Neubegründerin der Monarchie Deren ritterlicher Urenkel namens
des Vaterlandes unvergänglichen Tribut der Dankbarkeit und Verehrung ab.
Seit dem 13. Mai 1888 — dem Tage der weihevollen Enthüllung — ist die glor-
reiche Herrscherin wiedererstanden in einem der herrlichsten Denkmale. Als
strahlender Inbegriff1 Ihrer an Großthaten überreichen Epoche thront min Maria
Theresias majestätische Erzgestalt angesichts der altehrwürdigen Kaiserburg
der Habsburger in unser Aller Mitte, der Gegenwart wie nachkommenden
Geschlechtern ein leuchtend Symbol der Regenten-Tugend und des Herrscher-
Genie: fortan ein Palladium für ganz Österreich- Ungarn!
Maria Theresias Denkmal hat aber außer dieser erhebenden patriotischen,
für den Maria Theres ien-Or den noch eine besondere, stolze Bedeutung.
Die erhabene große Monarchin ist ja die weise Stifterin dieses Ihren
hehren Namen tragenden Krieger-Ordens. Ihres Denkmals Abglanz verklärt gleich-
zeitig auch den Maria Theresien-Orden als eine Ihrer genialsten Schöpfungen.
Durch Maria Theresias Denkmal werden dank der huldreichen Großherzigkeit
Kaiser Kranz Josephs I.. von den Leuchten und ruhmreichen Stützen der
Theresianischen Herrscherzeit acht der hervorragendsten Helden und unter diesen
nicht weniger als fünf der ältesten Maria Theresien-Ri tter in Erz und
Marmor mit verewigt.
Es sind dies außer den Feldmarschällen und Koryphäen des österreichischen
Erbfolgekrieges Khevenh üller , Traun und Wenzel Liechtenstein, die
Feldmarschälle und aus dem siebenjährigen Kriege hervorgegangenen ältesten
Maria Theresien-Ordens-Ritter Daun. Hadik. Nädasdy, Loudon und Lacy.
i.
Digitized by Google
X
Vorwort.
In jedem derselben verkörpert sieh ein Stück vaterländischer Geschichte, die
glänzende kriegerische Epoche aus Maina Theresias glorreicher Herrscherzeit.
DAUN, Leopold Josef Maria Graf, Fürst von Thiano, errang als Feld-
tiiarschull durch die Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757, „dem Geburtslage
der Monarchie*, wie Maria Theresia ihm gegenüber diesen glorreichen Tag
nannte, über den bis dahin unbesiegten König Friedrich von Preußen jenen
glänzenden Sieg, mit welchem bekanntlich die Stiftung dieses Ordens ins
Leben trat, und infolge dessen Daun der allererste — nach dem Herzog von
Lothringen der Zweitälteste — Großkreuz des Marin Theresien-Ordens wurde.
NÄDASDY auf Fogaras, Franz Graf, entschied als General der Oavallerie auf
dem rechten Flügel Dauns durch seinen siebenten Angriff in die linke Flanke der
Preußen den Sieg bei Kolin und schwang sich dadurch zum drittältesten
Großkreuz des Ordens empor.
HAÜIK von Futak, Andreas Reichsgraf, schon im Erbfolgekriege als kühner
Reiterführer hervorragend, unternahm als Feldmarschall-Lieutenant im Jahre 1 757
seinen berühmten Zug nach Berlin und ward durch diese Waffenthat ak
Großkreuz der vierte Ritter des Maria Theresien-Ordens.
LOUDON Gideon Ernst Freiherr von, schon als Oberst seit der Schlacht bei
Prag 1757 Ritter, sodann als Generalmajor Großkreuz seit 1758, ward er der
kühne und unternehmende, zu jedem Wagestücke bereite Held von Kunnersdorf,
der Sieger bei Landshut, der Eroberer von Glatz und Schweidnitz, der
Bezwinger von Belgrad.
LACY Franz Moritz Graf, als Feldmarschall-Lieutenant und Dauns General-
Ouartiermeister Großkreuz seit Hochkirch und Maxen 1759, ward überdies
als vertrautester Rathgeber Maria Theresias der Reorganisator des öster-
reichischen Heerwesens jener Zeit.
Diese Heldengestalten sind es, denen Kaiser Franz Joseph I. aus der Reihe
der Ordens-Mitglieder einen Ehrenplatz am Denkmal anwies: gleichsam einer Ehren-
wacht von Erz und Stein an den Stufen des Marmortlirons Maria Theresias!
Durch diese Ritter erscheint auch der Orden selbst auf
dem Denkmal seiner erlauchten Stifterin unzertrennlich mit
verherrlicht.
Und darum hat Maria Theresias Denkmal außer der hehren allgemein
patriotisch en, für den Orden auch noch eine besondere, stolze Bedeutung. Darum
wird dessen Errichtung durch Kaiser Franz Joseph I. stets auch eines der denk-
würdigsten Ereignisse in den Annalen des Maria Theresien-Ordens bleiben. Daher
auch der Impuls zur Fortsetzung «ler mit der ersten Säcular-Feier des Maria
Theresien-Ordens im Jahre 1857 abgeschlossenen Ordensgeschichte.
Digitized by Google
Vorwort .
XI
Uber Antrag des Ordens-Kanzlers FZM. Frli. von K u hu geruhte Seine Majestät
Kaiser Franz Joseph I. im Juni 1888 allergnädigst zu genehmigen, dass die
Geschichte des Ordens bis auf die Gegenwart fortgeführt werde. Durch diese
Allerhöchste Entschließung wurde die vorliegende neue Folge der Ordcns-
Ge schichte ins Leben gerufen.
Diese Fortsetzung musste nicht allein der veranlassenden Ursache — der
Errichtung des Maria Theresien-Denkmals — sondern auch der Allerhöchsten
Genehmigung des Unternehmens würdig, überdies aber nicht minder den vielseitig
vorgeschrittenen Zeitverhältnissen angemessen ausgeführt werden.
Durch die großartige Entwicklung der Wehreinrichtungen innerhalb der
letzten vier Decennien hat sich aus unserem ehemals verhältnismäßig kleinen
Berufsheer eine geradezu ungeheure Streitermasse entwickelt, welche aus Millionen
von Wehrfähigen, aus dem „Volk in Waffen" selbst besteht. Dadurch haben sieh
auch unsere Officiers-Elemente nahezu verdreifacht. Außer dem Officier von
Beruf ahnen aber wohl die Wenigsten die verborgene Größe und hohe moralische
Macht des Militärischen Maria Theresien-Ordens. Die Wenigsten wissen, dass der-
selbe eine der weisesten, eigenartigsten, für die vaterländische Wehrmacht und
dadurch auch für das Vaterland segenvollsten Schöpfungen der großen, unsterb-
lichen Herrscherin Maria Theresia ist. Die Wenigsten kennen die außerordent-
lichen kriegerischen Leistungen näher, welche unmittelbar nach Enthüllung des
Maria Theresien-Monumentes Seine Majestät veranlassten, nicht nur die Nach-
kommen der auf dem Denkmal Verewigten, sondern auch jeden der anwesenden
Maria Theresien-Ritter selbst, vom ältesten bis zum jüngsten, durch huldvolle
Ansprache vor allem Volke zu ehren. Mit kurzen Worten: Unser „Volk in Waffen"
muss seine Helden, unsere zu dem Ehrendienste des Oftkiers berufenen Söhne
des Volkes müssen unsere edelste militärische Einrichtung, unseren Militärischen
Maria Theresien-Orden kennen, schätzen, lieben lernen!
Da gilt es denn im Geiste der allgemeinen Wehrpflicht, nicht bloßden Berufs-
Uffieier in der Geschichte des Ordens auf dem Laufenden zu erhalten, sondern
all' den verschiedenen Officiers-Elementen des Heeres und der Kriegsmarine,
wie nicht minder der Landwehren und des Landsturmes, ja der gesammten
waffenberufenen Intelligenz Einblick zu erschließen in diese ureigenste militärische
Institution der österreichisch-ungarischen Monarchie, umsomehr, als durdh diese
weise und geniale Schöpfung Maria Theresias wiederholt die Geschicke des Vater-
landes, soweit dies durch außerordentliche Waff'enthaten überhaupt geschehen
kann, mitbestimmt wurden und auch in der Zukunft mitentschieden werden
dürften.
Jeder Officier. gleich allen jenen, so zu der Ehrenstelle eines solchen berufen
sind - der Heer- und Truppenführer jeden Grades, wie der jüngste Berufs-,
Digitized t>y Google
XII
Vorwort.
Reserve-, Landwehr- und Landsturm-Ofticier, ja schon der Gadet und Einjährig-
Freiwillige, wie der Zögling der Militär-Bildungsinstitute und die studierende
Jugend überhaupt — sie alle sollen sich an den oft geradezu wunderbaren Thaten
unserer Maria Theresien-Ritter zu jener patriotischen Begeisterung entflammen
können, welche dazu anspornt, im Frieden mit Einsatz aller physischen, moralischen
und geistigen Kräfte sich auch militärisch immer mehr zu vervollkommnen, —
welche dazu befähigt, in künftigen Kämpfen gleiche Thaten heldenmütiger
Tapferkeit und überragender Kriegerklugheit zu vollbringen. — welche die Weihe
verleiht, durch solche siegbringende Waflenthaten die großen, weltgeschichtlichen
Aufgaben der Monarchie unter der Ägide unserer glorreichen Dynastie fördern
zu helfen.
Es gilt aber zugleich auch die Maria Theresien-Ritter der jüngsten Kriegs-
und Kampf-Perioden, nicht nur durch Wort sondern auch durch Bild, im Geiste
der Mit- und Nachwelt um jenes erhabene Denkmal von Erz und Marmor, um
jenes Palladium der gesammten Monarchie scharen, auf dass auch den jüngsten
Paladinen Maria Theresias der gebärende Zoll an Dank und Ehre werde.
Daruni sind in diesem patriotischen Werke, auf dass es seine Bestimmung
nach allen Richtungen noch besser erfüllen könne, durch künstlerisch ausgeführte
Kupferstich-Bildnisse verewigt: Seine k. und k. Apostolische Majestät der regierende
Kaiser und König Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister des Militärischen
Maria Theresien-Ordens. — dessen Glorreiche Stiflerin, die große Kaiserin-
Königin Maria Theresia, wie Sie nunmehr auf dem Denkmal für Mit- und
Nachwelt monumental verewigt thront, — sodann Seine k. und k. Hoheit der
durchlauchtigste Feldmarschall Erzherzog Albrecht als Sieger von Custozza.
endlich dieMaria Theresien-Ritter der Promotionen CLVII1 bisCLXX aus den
Kämpfen seit 1859 bis 1.S7H, u. zw. durchgehend» lebensgetreu aus der Zeit
ihrer ordenswürdigen Thaten
Solchermaßen ausgeführt und ausgestattet, möge diese neue Folge der
Geschichte des Militärischen Maria Theresien-Ordens als huldigendes Complement
des Maria Theresien-Denkmals nicht allein für die gesammte k. und k. Wehrmacht,
sondern auch für die waflVnberufene Intelligenz wie für alle patriotischen Kreise
der militärische Plutarch der Monarchie aus jüngster Vergangenheit sein:
Gott, Maria Theresia und ihren Rittern zur Ehr*
Den TAl'FKRN und K LIT, EN der Zukunft als Lehr
Zu Kaisers und Königs, zu Vaterlands Wehr!
Digitized by Google
Der Militärische Maria Theresien-Orden
von
1757 bis 1890.
Der Militärische Maria Theresien-Orden vollendete zur Zeit der Enthüllung
des Maria Theresien-Denkmals im Jahre 1888 das 131., beziehungsweise bei
Abschluss der vorliegenden III. Abtheilung der Ordensgeschichte im Jahre 1890
das 133. Jahr seines ruhmvollen Bestandes.
Das Entstehen und die Stiftung des Ordens, die Geschehnisse, welche sich im
Schöße desselben im ersten Jahrhundert seines Bestehens vollzogen, die Thaten.
welche seine Mitglieder aus den Promotionen IbisCLVH in der Zeit seit 1757 bis
1849 vollbrachten: alles dies findet sich in der I. und II. Abtheilung der Ordens-
geschichte verzeichnet, welche im Jahre 1857 erschienen sind.
Auf den Blättern dieser neuen Folge und zugleich III. Abtheilung sind vor-
nehmlich die Thaten und der Lebenslauf der Mitglieder der Promotionen
GLVIII bis CLXX aus den Kämpfen der Monarchie seit 1859 aufgezeichnet.
Die Geschichte des Ordens bedarf jedoch, um nicht lückenhaft zu sein, auch
nach anderer Richtung einer Vervollständigung. Und zwar zählen dazu die
abschließenden Ergänzungen des Lebenslaufes jener Mitglieder, welche nach dem
Erscheinen der I. und II. Abtheilung noch gelebt und zum Theile im Allerhöchsten
activen Dienste auch weiter gewirkt haben.
Nicht minder heißt es aller den Orden als Ganzes betreffenden Vorkommnisse
seit jenem Zeitpunkte zu gedenken. Hiezu zählen hauptsächlich einzelne Ordens-
feste, sowie aus besonderen patriotischen Anlässen begangene allgemeine Feierlich-
keiten, zu welchen der Orden in innigerer Beziehung stand. Derlei Solennitäten
vollzogen sich stets unter den Auspicien des erhabenen Großmeisters, bei Anwesen-
heit aller Ordensmitglieder und unter Antheiluahme der Armee, j;i der Bevölkerung
selbst. Schon um desswillen dürfen diese Feierlichkeiten in der Geschichte des
Ordens nicht fehlen.
Vor allem aber erschien es, nachdem die vor mehr als drei Decennien erschie-
nenen beiden ersten Abtheilungen der Ordensgesclüchte nur melu vereinzelt in
Bibliotheken zugänglich, sonst aber aus der Öffentlichkeit entschwunden sind.
MiliUn*ch«r JUna Tti«r«»ien-Ordcu. 1
Digitized by Google
Der Militärisch»» Maria Theresit-n Ordcn vou 1757 bis 1*00.
dringend geboten, gleich an der Spitze dieser III. Abtheilung wenigstens einen
flüchtigen Rückblick auf wesentliche und denkwürdige Momente der Gesehichte
des Ordens während des ersten Jahrhunderts seines Bestandes zu werfen.
Entstehen des Ordens.
Die Stiftung des Ordens entsprang dem unablässigen Bestreben der glor-
reichen Kaiserin und Königin Maria Theresia, die Thatkraft des Heeres in jeder
erdenklichen Weise zu heben. Nachdem sich die große Monarchin, welcher seit
dem österreichischen Erbfolgekriege in dankbarer Anerkennung ihrer thatkräftigen
Wohlgeneigtheit für das Militär der Beiname .Mutter der Heere* (Mater
Castrorum) beigelegt worden, schon längere Zeit hindurch mit dem Vorhaben
getragen hatte, einen militärischen Verdienst -Orden zu stiften, wurde dieser
Gedanke bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges, dank der warmen Unterstützimg
durch den erlauchten Gemahl Maria Theresias, Kaiser Franz, zur That.
Die Kaiserin gedachte ursprünglich, den aus den Berathungen und Vor-
schlägen der Conferenz-Minister hervorgegangenen Entwurf der Orden s-Bestim-
mungeri durch den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Heere. Herzog Carl von
Lothringen, am 13. Mai 1757 bei der Armee verlautbaren zu lassen. In Wirk-
lichkeit geschah dies erst fünf Wochen später, und zwar aus Anlass des ruhm-
vollen Sieges bei Kolin, indem die Kaiserin an den Feldmarschall Grafen
Daun als Sieger ein huldvolles Cabim tsschreiben dd. Wien, 22. Juni 1757, rich-
tete, welches folgendermaßen anhub:
.Lieber Graf von Daun! „Die Zuneigung und das Wohlwollen, so ich für
Mein Militare trage, hat Mich schon seit einigen Jahren auf den Vorschlag
geführt, einen neuen Militär-Orden zu errichten, und demselben einen sicheren
Fundum zur Bestreitung der dafür gewidmeten Pensionen zu verschallen, damit
die vorzüglichen Verdienste Meiner Officiers sowohl durcli ein öffentliches
Ehrenzeichen distinguiret, als auch ihnen ein besseres Auskommen und ein
Zufluss zu ihren Gagen verschafft werde.
„Die wirkliche Ausführung dieser Absicht hat seithero an dem Abgang
einer dem Vorhaben gemäßen Veranlassung gehaftet. Nachdem aber solche
nunmehr durch den von euch und euerer unterhabenden Armee ertbchtenen
herrlichen Sieg verschaffet worden, und Ich euch die Ehre bei der späten Nach-
kommenschaft mit Freuden gönne, dass der Orden seinen Anfang dem erwähnten
Siege zu verdanken habe; so will ich nicht länger verziehen Mein Vorhaben in
das Werck zu stellen, und andurch dem Militari eine neue Probe Meiner Gnade
und danknehmigen Wohlwollens zu geben."
Am Schlüsse des Cabinetsschreibens waren folgende eigenhändige Zeilen der
Kaiserin beigesetzt:
»Ihr habt eure Ordensproben vor den Augen der ganzen Armee schon
abgelegt, ihr seid also als der erste Großkrenz aufgenommen.»
Digitized by Google
Entstehen des Ordens. —
Wesentliche Ordens -bittzunireii.
Der Siegestag von Kolin — der 18. Juni 1757 — ist also der
durch Maria Theresia bestimmte Stiftungstag des Ordens.
Gleichzeitig mit dem Feldmarschall Grafen Daun wurde auch der Herzog
von Lothringen zum Großkreuz ernannt.
Außerdem enthielt das Cabinetsschreiben eine Reihe von vorläufigen
Bestimmungen, welche durch die am 12. December 1758 verlautbarten Ordens-
Statuten völlig ausgestaltet, in Kraft und Geltung traten.
Die erste jener Bestimmungen lautete, dass der Orden nach dem Namen
der glorreichen Stifterin Militärischer Maria Theresien-Orden genannt
werden soll.
Zum bleibenden Andenken an die Stiftung des Ordens wurde eine
Stiftungs-Medaille geprägt. Die Vorderseite dieser Medaille zeigt die Brust-
bilder des Kaisers Franz und der Kaiserin Maria Theresia mit der gebräuch-
lichen Umschrift, während die Kehrseite einen mit kriegerischen Rüstungen
umgebenen Genius vorstellt, welcher in der rechten Hand das Ordensband mit
dem daran hängenden Kreuze, in der Linken aber einen Palmzweig hält. Die
Umschrift lautet: „Praemio virtuti bellico constituto" und im Abschnitte
ist das Datum der Stiftung zu lesen: „MDCCLVII. D. XVIII. lVN.k
Zur Feier des Andenkens an die Stiftung wurde überdies alljährlich am
15. October. als dem Tage der heiligen Theresia, das Ordens- oder Titular-
Kest begangen, doch kam es im Verlauf der Zeit von diesem Feste ab.
Nachdem, wie erwähnt, die Kaiserin-Königin schon am 22. Juni 1757 zwei
Ordens-Großkreuze ernannt hatte, fand auf Grund der vorläufigen Bestimmungen
die 1. Promotion von 2 Großkreuzen und 14 Rittern am 7. März 1758 und
deren »Solenne Reception* durch den hiezu bevollmächtigten Feldmarschall
Grafen Daun im Hauptquartier zu Skalitz am 23. April 1758 mit besonderer
Feierlichkeit statt. Aus diesen Mitgliedern wurden die ersten Gapitel für die
nächstfolgenden Promotionen gebildet.
Der erste Erhabene GROSZMEISTER war Seine Majestät Kaiser FRANZ.
Wesentliche Ordens-Satzungen.
Laut der unter hervorragender Mitwirkung des Feldmarschalls Grafen Daun
und des Staatskanzlers, Grafen, später Fürsten Kaunitz abgefassten Statuten
vom 12. December 1758 kann der Orden — mit Ausnahme des Großmeisterthum*.
welches „jederzeit dem Regierer des Erzhauses Österreich und Beherrscher dessen
sämmtlieher Erbkönigreichen und Länder eigen seyn und verbleiben" soll — nur
auf Grund besonders tapferer und kluger, vor dem Feinde verrichteter Thaten
erworben werden. *)
*) Die betreffende Bestimmung der Statuten lautet:
.3tcn4 Setzen Wir zur unverbrüchlichen Grundregel, dn -s niemand, wer der auch sey, wogen
«einer hohen Geburt, langwierigen Dienste, vor dem Feind überkommenen Blessuren, oder wegen
vorhergehender Verdienste, noch viel weniger aber aus bloßer Gnade, und auf das Vurwort
1*
Digitized by Google
1
Der Militärische Maria Theresien-Ürden von 1757 bis 180(1.
Zur Untersuchung solcher Thaten — nach genau bestimmten Vorschriften —
sind die Ordens capitel berufen, welche in der Regel nach jedem Keldzuge
aus den vorhandenen Ordensmitgliedern — deren Zahl jedoch nicht weniger als
sieben betragen soll — eingesetzt werden, und den Capitel -Vorschlag über die
ordenswürdigen Gandidaten dem Allerhöchsten Großmeister, welchem allein die
Kntscheidung und Verleihung zusteht, vorlegen.
Fünfunddreißig solcher Ordenscapitel wurden seit der Ordensgründung
abgehalten und durch dieselben im Laufe von 132 Jahren 713 von 3320 sich um
den Orden bewerbenden Candidaten den das Großmeisterthum in ununter-
brochener Folge bekleidenden Allerhöchsten Regenten des Kaiserstaats zur
Bestätigung vorgeschlagen und kraft der I. bis CLXX. Promotion in den Orden
aufgenommen.*)
Der höchste Stand des Ordens betrug im Jahre 1815 340 inländische,
127 ausländische Mitglieder, verminderte sich bis zum Jahre 1848 auf 71 Inländer
und 51 Ausländer, hob sich im Jahre 1850 auf 133 Inländer und 54 Ausländer und
besteht im Jahre 1890 bei dem Abschlüsse dieser Abtheilung der Ordensgeschichte
in 23 Inländern und 6 Ausländern.
Zum ersten Ordenskanzler wurde im Jahre 1757 der Staatskanzler Graf
Kaunitz ernannt, welcher diese Würde bis zu seinem Tode im Jahre 1794
bekleidete.
Durch die Statuten vom 12. December 1758 wurden als Pensionen für die
Ordens-Mitglieder festgesetzt:
Zur Bestreitung dieser Pensionen wurde im Jahre 1763 ein Capital von
2,255.000 fl. in der Wiener-Bank hinterlegt und hierüber von der Kaiserin-Königin
ein eigener Stiflbrief ausgefertigt, durch welchen bestimmt ist, dass dieses Capital
als ein beständig vinculirles mit 5 pro cento jährlich zu verzinsendes Stiftungsgut
ungeschmälert für alle Zeiten zu belassen sei und der jeweilige Ordens-Schatz-
meister die Interessen zu erheben, getreulich zu verrechnen und die jeweiligen
Ersparnisse in den öffentlichen Fundis als Capitals-Zuwachs wieder verzinslich
anzulegen und damit insolange fortzufahren habe, bis die zur vollständigen
anderer, sondern einzig und uliein diejenigen in den Orden aufgenommen werden sollen, welche
nicht nur nach Ehre und Pflichten ihrer Schuldigkeit ein völliges Genüge geleistet, sondern sich
noch über da» durch eine besondere herzhafte That hervorgethan, oder kluge, und für Unseren
Militärdienst ersprießliche Rathschläge nicht nur an Hand gegeben, sondern auch solche mit vor-
züglicher Tapferkeit ausführen geholfen haben.
Von dieser Regel soll niemals abgewichen, noch in Ansehung derselben eine Ausnahme
gestattet werden, so dass Wir selbst Uns hieriuueii die Hände zu binden gnädigst erschlossen sind.*
*) Näheres hierüber in der „ Statistischen Übersicht* der Promotionen im Anhange.
für 20 Großkreuze ä 1.500 fl.
„ 100 Ritter ä Ü00 .
, 100 Ritter ä 400 ,
30.000 fl.
60.000 ,
40.000 „
130.000 fl.
Digitized by Google
Inslebentreteu der Commandeur-Clusse.
5
Dotierung der Ordenscasse erforderliche Summe von 150.000 fl. jährlicher Einkünfte
im Capitale erreicht sein werde.
Außer den Pensionen wurden den Ordensmitgliedem durch die §§. 35 bis 37
der Statuten noch besondere Prärogative bezüglich des Eintritts bei Hofe und
allen der Ritterstand ,eo ipso', der Freiherrnstand aber jenen, welche
darum ansuchen, eingeräumt.
Die Witwen der Ordensmitglieder haben die Hälfte der von ihren
verstorbenen Gatten bezogenen Ordenspension auf Lebensdauer zu genießen.
Inslebentreten der Oommandeur-Olasse.
Im Jahre 1765 errichtete Kaiserin Maria Theresia über Initiative des:
Mitregenten Kaiser Josephs II. zu den ursprünglich festgesetzten zwei Classen
von Ordensmitgliedern (Großkreuze und Ritter ) nach dem Vorbilde anderer Orden,
die Zwischen-Classe der Commandeure. Dieselben hatten das Ordenszeichen
am Bande um den Hals, — die Großkreuze, wie bis dahin, am Bande von der
rechten Schulter zur linken Seite, außerdem aber einen Ordensstern auf der linken
Brust zu tragen.
Infolge dieser neuen Bestimmung wurden gelegentlich des Titular-Festes
am 15. October 1765, welches in besonders feierlicher Weise begangen wurde,
durch Promotion X zum erstenmale Commandeure promoviert, indem 9 Ritter,
welche im Verlaufe des siebenjährigen Krieges auf Grund vollbrachter Waffenthaten
sich um das Großkreuz beworben, dasselbe aber nicht zuerkannt erhalten hatten,
in die Commandeur-Glasse erhoben wurden.
Die Promotions-Feierlichkeit wurde von Seiner Majestät Kaiser Joseph II.
als Großmeister in der Feldmarschalls-Uniform, mit dem Maria Theresien-Ordens-
Sterne in Brillanten, unter dem Throne vollzogen. Hiebei hielt der Ordenskanzler
Fürst Kaunitz von seinem links neben dem Throne befindlichen Platze, in
Gegenwart der ersten Würdenträger, der Minister, der Geheimen Räthe, der
Generalität und der Ordensmitglieder eine dem feierlichen Anlasse gemäße
Ansprache. Er nannte die neun zur Aufnahme bestimmten Candidaten, deren
einer nach dem andern sich Seiner Majestät dem Großmeister näherte und aus
dessen Händen die Decoration empfieng. Hierauf verfügten sich Seine Majestät,
von den Versammelten begleitet, zur Anhörung der heiligen Messe in die Hof-
Kapelle. Nach Beendigung derselben gieng der Zug in der nämlichen Ordnung in
die kaiserlichen Appartements zurück und dann in den großen Saal, wo Seine
Majestät unter dem Baldachin öffentlich speisten. In demselben Saale bei einer
etwas entfernteren Tafel war für 7 Großkreuze, und in einem anderen Saale
für 9 Commandeure und 23 Ritter die Tafel gedeckt. Mit diesem Mahle schloss
das Fest.
Für die Commandeure wurde keine neue Dotation bestimmt und es
verblieben dieselben bis zum Jahre 1810 im Bezüge der höheren Ritter-Pension
per 600 Gulden.
Digitized by C^pogle
6
Der Militärische Maria Theresien-Orden von 1757 bis 1890.
Promotion ausländischer Ordensmitglieder.
Obwohl die Verleihung dos Ordens an Officiere fremder Mächte in den Sta-
tuten nicht in Aussicht genommen war, so wurde hievon doch schon im letzten
Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts Umgang genommen und der Orden, welcher
bald ein hohes Ansehen erlangt hatte, durch die dem Allerhöchsten Großmeister
stets zukommende Machtvollkommenheit an einige Officiere der an der Seite
Österreichs kämpfenden Mächte verliehen, so dass, insbesondere durch die großen
Promotionen in den Kriegen 1813 bis 1815, im ganzen seit der Gründung 103
Ausländer mit dem Orden betheilt wurden.
Dieselben hatten und haben jedoch weder Anspruch auf Pensionen, noch
auf die den inländischen Ordensmitgliederu statutenmäßig zustehenden Vorrechte.
Erster Statuten-Nachtrag vom Jahre 1810.
Am 12. December 1810 erließ Seine Majestät Kaiser Franz einen Nachtrag
zu den Theresianischen Statuten.
Derselbe enthielt:
1. Erläuternde Bestimmungen über die Ordenswürdigkeit, über die Art der
Bewerbung und den Vorgang bei den Ordenscapiteln.
2. Die Wiederherstellung der Ordenseinkünfte, welche, schon durch den bei
der Gründung errichteten Fond für den vollen Staud der festgesetzten Mitglieder
kaum ausreichend, durch die Interessen-Keduction im Jahre 1706 und die Witwen-
Pensionen derart geschmälert worden waren, dass bereits im Jahre 1794 eine theil-
weise Suspension der Pensionszahlungen an die im letzten Jahrzehnt des XVI11.
und im Anfange des XIX. Jahrhunderts in stets steigender Zahl promovierten
Ordensmitglieder eintreten musste, welche bis zum Jahre 1810 dauerte. Als
Dotation und Maximalzahl der zu pensionierenden Mitglieder wurden nunmehr fest-
gesetzt:
8 Großkreuze . . . . a 1500 II. = 12.000 11.
16 Commandeurs . . a 800 , = 12.800 .
100 Ritter ä 600 , 60.000 .
100 Ritter a 400 , = 40.000 ,
~T2TS00 fl.
Auch über diese neue Dotation wurde von Seiner Majestät dem Kaiser ein
Stiftbrief ausgefertigt.
Infolge des Patents vom 20. Februar 1811 wurden die Ordenseinkünfte
neuerdings erheblich vermindert, so dass Seine Majestät sieh veranlasst sah. in
steter Fürsorge für den Orden einen neuen außerordentlichen Zuschuss zu bewil-
ligen, welcher es ermöglichte, die festgesetzten Pensionen an die berechtigten Mit-
glieder im vollen Retrage, jedoch in der damals geltenden Valuta der Einlösungs-
seheine, zu bezahlen.
Digitized by Google
Fünfzisjj&hriges Jubiläum des Großkreuzes Erzherzog Carl.
7
Fünfzigjähriges Jubiläum des Großkreuzes Erzherzog Carl.
Am 5. April 1843 beging der Orden die fünfzigjährige Jubelfeier des Erzherzogs
Carl als Großkreuz des Maria Theresion-Ordens, welches er durch seine Tapferkeit
und Klugheit in dem Gefechte bei Aldenhoven am 1. März 1702 und in der Schlacht
bei Neerwindcn am 18. März 1793 errungen hatte und das ihm durch Promotion
XXVI vom 1. April 1793 verliehen worden war.
Am Vorabend des Jubelfestes. 4. April, wurde vor dem Palaste des Erzher-
zogs von vier Regiments-Musikbanden und 100 Tambours vereint, bei Fackelschein
die Retiaite begonnen. Hiebei führten 20 Tambours und 20 Pfeifer den altöster-
reichischen Zapfenstreich auf, wie er einst an den Abenden von Aldenhoven und
Xeerwinden vor dem erlauchten Jubilar ertönt. Dann zogen die Reg'uuentsbanden
und Spielleute auf den äußeren Burgplatz vor die Fenster des Kaisers, endlich auf
den Hof vor den Hofkriegsrath (das nachmalige Kriegsministerium).
Am 5. früh fand auf dem Glacis. zwischen dem Burg- und Schottenthore eine
große Militärparade statt, zu welcher die gesammte Garnison, eine Abtheilung
von Invaliden und die Zöglinge der Ingenieur-Akademie, sowie auch vier Vete-
ranen, Ghevaux-legers von Windisch-Grätz, die bei Aldenhoven und
Neer winden mitgekämpft hatten, ausrückten, überdies infolge Allerhöchster Ein-
ladung 59 von den 100 lebenden inländischen Ordensmitgliedern, die Generalität,
die Leibgarden und der Hof und endlich das gesammle Kaiserhaus erschienen.
Nachdem Seine Majestät Kaiser Ferdinand zu Pferde, von der Kaiserin zu
Wagen begleitet, die Truppen besichtigt hatte und die Feldmesse gelesen worden
war, übergab der Kaiser dem Erzherzog feierlich die Insignien des Großkreuzes
des Maria Theresien-Ordens in Brillanten und ertheilte demselben die
Accolade.
Darauf empfing Erzherzog Ca rl die Glückwünsche des Kaiserhauses, nahm
auch außerdem durch den ältesten Großkreuz nach dem Erzherzog Carl, durch
Erzherzog Johann, die Beglückwünschung namens des Maria Theresien-Ordens
entgegen.
Zum Schlüsse ließ der Kaiser die Truppen defilieren.
Nachmittags fand in dem zu dieser Jubelfeier zu Ehren des Erzherzogs Carl
mitTrophäen aus seinerHeldenlaufbahn und sonst historisch bedeutsam doeorierten
Cerernoniensaale der Hofburg, eine Familientafel statt, bei welcher der Kaiser
unter dem Donner der Kanonen einen Toast auf den Er/herzog Carl und einen
zweiten auf die „Ordensgelährten des hochgefeierten Jubilars* ausbrachte, namens
welcher, sowie namens der Armee, wieder Erzherzog Carl Seiner Majestät einen
Toast darbrachte.
Zur Erinnerung an diese Jubelfeier wurde eine Medaille, mit dem Brustbilde
des erlauchten Jubilars, sowie der Legende und den entsprechenden Inschriften,
geprägt und an sämmtliche Ordensmitglieder vertheilt.
Am Tage dieser Jubelfeier erließ femer Kaiser Ferdinand an den ordens-
kanzler Fürst Metternich das folgende Handschreiben:
Digitized by Google
Der Militärische Maria Theresen Orden von 1757 bi* 1890.
„Lieber Fürst Metternich! Ich finde an dem Tage, an welchem Mein
vielgeliebter und verehrter Herr Oheim, der Erzherzog Carl Liebden das fünfzig-
jährige Jubiläum des auf dem Schlachtfclde ruhmvoll erworbenen Maria
Theresien-Ordens-Großkreuzes begeht, eine Meinem Herzen erfreuliche Ver-
anlassung, hiemit anzuordnen: dass die Auszahlung der Maria Theresien-Ordens-
Pensionen, welche infolge der Zeitumstände neuerlich einige Veränderung erlitten
hatten, von dem gegenwärtigen Verwaltungsjahre angefangen, wieder nach
ihrem vollen Betrage in Conventions-Münze stattfinde. Sie haben in Ihrer Eigen-
schaft als Ordenskanzler Sorge zu tragen, dass diese Meine Verfügung sämmt-
lichen Ordensmitgliedern bekannt gemacht werde, sowie auch die zu deren
Vollzug erforderlichen Einleitungen zu treffen.
Wien, am 5. April 1843.
Ferdinand m. p."
Erste S&cular-Feier des Ordens.
Am 18. Juni 1857 waren es hundert Jahre, seit der Militärische Maria
Theresien-Orden, an Ruhm und Ehren überreich, bestand. Unter Seiner Majestät
dem Kaiser und König Franz Joseph I., dem Erhabenen Großmeister, begieng an
diesem Tage der Orden seine erste Säcular-Feier in einer alle früheren Ordens-
feierlichkeiten überragenden, großartigen Weise. Dieselbe fand in Gemäßhcit der
diesfalls Allerhöchst genehmigten Anordnungen in der Haupt- und Residenzstadt
Wien statt. Es war eines der denkwürdigsten und imposantesten militärischen
Feste, die seit langer Zeit ihre Pracht vor den Augen der Welt entfalteten, — ein
Fest, getragen von einem erhabenen, die Geister mächtig anregenden Grund-
gedanken militärischer Kraft und Größe.
Die Klänge eines großen militärischen Zapfenstreiches leiteten am
Vorabende, den 17. Juni, die Säcular-Feier des Maria Theresien-Ordens bei herr-
lichem Wetter ein. Derselbe wurde von den gesammlen Infanterie-, Jäger- und
Gavallerie-Musiken der Garnison — acht an der Zahl — mit Zuziehung sämmt-
licher Tambours, unter der Leitung des k. k. Armee-Kapellmeisters ausgeführt.
Zunächst spielten diese Musiken, in ein einziges Riesen-Orchester vereinigt und
von unabsehbaren Massen umgeben, drei Stücke in der k. k. Hofburg auf dem
Franzensplatze. Das erste dieser Stücke hatte historischen Charakter; es war der
»Große Zapfenstreich*, mit Benützung der Motive des alten Zapfenstreiches und
Grenadier-Marsches der Pfeifer — mit Introduction und Finale — componiert von
dem Armee-Kapellmeister A. Leonhardt. Aus der Hofburg begab sich der Zug
zu den Wohnungen der in Wien anwesenden Großkreuze vom Maria Theresien-
Orden, des Erzherzogs Johann und des Feldmarschalls Fürsten zu WTindisch-
Grätz, dann vor das Generalcommando auf der Freiung. als der Wohnung des
Commandanten der ersten Armee, FZM. Grafen von Wimpffen, endlich auf die
Hauptwache Am Hof, überall ein Musikstück abspielend.
Digitized by Google
Hrste Sflcular-Feier des Ordens.
'.»
Der Donner von 101 Kanonenschüssen und eine schon um fünf Uhr
morgens des 18. abgehaltene Tages-Reveille entboten die Bewohner der Haupt-
und Residenzstadt zu dem hehren Fest. Eine Musikbande mit den Tambours eines
Regiments begann dieselbe am Franzensplatze, durchzog ohne Halt zu machen,
einige Straßen und Plätze der inneren Stadt und sehloss am Hofe vor der Haupt-
wache. Die Musikbanden, Trompeter und Tambours der übrigen Regimenter und
Jüger-Bataillone führten die Tages-Reveille in den Kasernen und der nächsten
Umgebung derselben aus.
Um neun Uhr vormittags fand auf demGlacis die militärische Kirchenfeier
in voller Parade statt. Seine Majestät erschien zu derselben in Feldmarschalls-
Parade-Uniform, mit den Insignien des Großkreuzes des Maria Theresien-Ordens.
Für Seine Majestät und die Allerhöchsten Herrschaften war ein prachtvolles,
mit dem kaiserlichen Adler geschmücktes und in reichem Fahnenschmuck pran-
gendes Zelt errichtet worden. Neben demselben erhoben sich zur rechten und zur
linken Seite im Halbkreise zwei ebenfalls glänzend decorierte Zelte für die Ordens-
mitglieder, dann für die Generalität und die hohen Gäste aus allen Zweigen des
Staatsdienstes und aus der Elite der Gesellschaft. Gegenüber dem kaiserlichen
befand sich das Kapellen-Zelt.
Rundum waren von dreiSeiten dieTruppen in concentrierter Aufstellung mit
eingeschwenkten Flügeln aulgestellt, zunächst die Arcieren-Leibgarde (zu Pferde),
die Trabanten-Leibgarde, die Garde-Gendarmerie und die Hofburgwache. Ferner
waren ausgerückt: die sämmtliehen Truppen der Garnison Wien, die im Lager
stehenden Brigaden, die auf dem flachen Lande im Kronlande Niederösterreich
disiocierten beiden Gavallerie-Regimenter. die Jäger-Bataillone aus der Umgebung,
ein Pionnier-Bataillon von Klosterncuburg, ein Genie-Bataillon von Krems, ein
aus den Repräsentanten sämmtlicher Fußtruppen der Armee, dann der Flotte, der
Gendarmerie-Regimenter und des Matrosen-Corps, der Grenz-Regimenter, des
Fuhrwesens und der Wiener Militär-Polizeiwache combiniertes Bataillon, eine aus
Repräsentanten der gesammten Cavallerie ebenso zusammengesetzte Escadron
zu Fuß, sämmtliche bespannte Raketen-Batterien aus Wiener-Neustadt; sodann
die Militär-B ildungs- Anstalten und zwar theils auf vollem Stande, theils durch je
zwei der vorzüglichsten Zöglinge aus jedem Jahrgange repräsentiert; endlich eine
Abtheilung von Invaliden. Die ausgerückten Truppen formierten 31 Bataillone,
10 Gompagnien, 31V* Escadrons, 38 Geschütze.
Zu der Messe verlugten sieh die mit der Truppe ausgerückten Mitglieder
des Maria Theresien-Ordens in das für sie bestimmte Zelt. Nach der Messe
traten dieselben wieder in Reih' und Glied ein.
Nach beendigtem Gottesdienste erfolgte die Defilierung, und zwar bei der
Infanterie in halben Divisionen, bei der Cavallerie in halben Schwadronen, bei der
Artillerie in ganzen Batterien.
Eine berittene Suite von mehreren Hundert Generalen und Officiercn der
kaiserlichen Armee, darunter auch jene fremder Heere, bildete in glänzendein
Waffenschmuck die imposante Begleitung Seiner Majestät.
Digitized Google
10
Der Militärische Maria There«icnOrden von 1757 bis 1890.
Von den Ordensmitgliedern auswärtiger Staaten, die sämmtlich
von der Feier in Kenntnis gesetzt worden, wohnten dem Feste mehrere bei, und
zwar der großbritannische Viceadmiral Moresby-Fairfax, Seine königliche Hoheit
Prinz Carl von Bayern, der großbritannische General Lord John Seaton und
der kaiserlich-russische General, Armee-Commandant und Gouverneur. General-
adjutant Seiner Majestät des Kaisers von Russland, Nikolaus von Paniutine.
'Von allen anderen ausländischen Rittern des Ordens waren Schreiben ein-
gegangen, welche mit innigstem Bedauern, zu der Feier sich nicht einfinden zu
können, die wärmste Sympathie für das Fest und die herzlichsten Glückwünsche
für den Orden ausdrückten. Zwei Ordensmitglieder waren auf der Reise nach
Wien erkrankt und deshalb gezwungen zurückzubleiben, der königliche neapoli-
tanische General-Lieutenant und General-Adjutant Seiner Majestät des Königs,
Carlo Fi langi er i. Principe di Satriano, und der kaiserlich russische General,
General -Adjutant Seiner Majestät des Kaisers von Russland etc. etc. von
Soukhozanett.
Die österreichischen Ordensmitglieder waren fast vollständig ver-
sammelt. Zu den wenigen, die durch Krankheit am Erscheinen verhindert wurden,
zählte auch Feldmarschall Graf Radetzky, der Zweitälteste Großkreuz des
Ordens.
Unabsehbare, dichtgedrängte Volksmassen wohnten diesem großartigen
militärischen Feste bei, welches von dem herrlichsten Wetter begünstigt wurde,
und die wiederholten jubelnden Ovationen der Bevölkerung beim Ansichtigwerden
Seiner Majestät, sowie während der Defilierung bezeugten, dass da zugleich
eine Nationalfeier im edelsten Sinne des Wortes begangen wurde, welche das
Volk in patriotischem Hochgefühle mitfeierte.
Um drei Uhr nachmittags fand in Schönbrunn das Festbanket statt.
In der großen Gallerie des Sommerpalastes war eine Tafel für 120 Personen
gedeckt.
Unter dem reichen Schmucke dieser weiten, welthistorisch berühmten
Räumlichkeit fiel zuerst die Statue der großen Kaiserin Maria Theresia ins
Auge, welche von Laxenburg liieher gebracht, an jene Epoche schwerer Prüfungen
und siegreichen Bestehens erinnerte, deren Früchte dankbare Enkel, der unver-
gesslichen Ahnfrau in tiefer Rührung gedenkend, zu ernten berufen waren.
An den Wänden des Saales prangten überdies große, in breite Goldrahmen
gefasste Tafeln, auf welchen mit goldenen Lettern auf weißem Grunde die
Namen sämmtlicher Ritter des Maria Theresien -Ordens seit dessen
Stiftung verzeichnet waren.
An der Tafel in der großen Gallerie nahmen Platz: die Allerhöchsten Herr-
schaften, die Ordensritter nach ihrem Ordensrange ohne Rücksicht auf Charge,
die Obersten Hof Chargen, die Minister und Militur-Notabilitäten. dann je ein
Großkreuz, ein Commandern* und ein Ritter des St. Stephan-, des österreichi-
schen Leopold-, des Ordens der Eisernen Krone und des Franz Joseph -Ordens,
ferner der Kanzler und die höheren Beamten des Maria Theresien -Ordens.
Digitized by Google
Erste Sflculnr-Fcier de» Ordens.
11
Eine zweite Tafel von 50 Gedecken versammelte die in der großen Gallerie
nicht untergebrachten Gäste in einem anderen Festraume.
Im Momente der Ausbringung der Toaste wurden von einer nächst der
Gloriette aufgestellten Batterie Salven gelöst, während zwei auf dem Parterre
nächst des Palastes aufgestellte Musikbanden abwechselnd Musikstücke, nach den
Toasten aber die Volkshymne spielten.
Bei dem Banket geruhte Seine k. und k. Apostolische Majestät der Kaiser
nachfolgenden Toast auszubringen:
.Mit gerechter Zuversicht begrüße Ich den Tag. der ein Jahrhunderl des
Ruhmes und kriegerischer Ehren für Mein Heer abschließt, als den Wieder-
beginn eines neuen Jahrhunderts von Ruhm und kriegerischen Ehren für Öster-
reich und seine Kriegsmacht.
„Ich genüge dem Bedürfnisse Meines Herzens, indem Ich die Feier dieses
Tages benütze, um den Rittern Meines Maria Theresien-Ordens den Dank ihres
Monarchen, Meinem tapferen Heere die freudige Anerkennung seines Kaisers
und Kriegsherrn auszusprechen.
„Mit warmer Theilnahme gedenke Ich der Abwesenden, in tiefer Rührung
der Dahingeschiedenen !
.Dem Andenken der erhabenen Stifterin des Ordens, der
Kaiserin Maria Theresia! — Den Rittern Meines Maria Theresien-
Ordens! — Meiner tapferen Armee und ihren Führern!"
Vom Krankenlager aus gedachte der Hekienmarschall Graf Radetzky mit
lebhafter Theilnahme der Feier; bei dem Banket gelangte an Seine k. k. Hoheit
den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Johann als ältesten Großkreuz aus Verona
die telegraphische Bitte, den Waffenbrüdern die herzlichsten Grüße und den
Schmerz, nicht in ihrer Mitte weilen zu können, kundzugeben.
Ein wenn auch nicht so glänzendes und feierliches, so doch nicht weniger
freudig bewegtes Bild als das Banket in der Gallerie bot das Parterre nächst
dem Palaste. Parallel mit der dem Parke zugewendeten Facade waren dort zur
Bewirtung der Officiere, sodann in den drei zum Neptun-Bassin führenden
breiten Wegen für alle mit Tapferkeits-Medaillen Decorierten. sowie für Mann-
schaft und Zöglinge als Repräsentanten der Armee und der Bildungs-
Institute Tafeln in mehreren Reihen aufgestellt.
Das Parterre mit den unmittelbar angrenzenden Gartenpartien, welche von
ersterem durch Jagdgarne abgetheilt waren, bot völlig das Bild eines Feldlagers.
In einer Reihe von Feldküchen, aus Ziegelsteinen aufgefühlt, wurde für die Mann-
schaft und die Zöglinge von Köchen der Garnison «las Mahl bereitet, welches dann
durch Soldaten aufgetragen und von den Gästen frohgemuth und jubelnd verzehrt
wurde.
Auch zu dieser Festlichkeit hatten sich in den frei gelassenen Theilen des
Gartens, welche theilweise durch Burgwachen und Infanterie-Posten besetzt waren,
Zuschauer aus allen Ständen massenhaft eingefunden.
Digitized by Google
12
Der Militärische Maria Theresen Orden von 1757 bis 1890.
Nach dem Banket geruhte Seine Majestät sich in das Parterre zu begeben,
dort in huldvollster Weise die meisten der Officiere anzusprechen und auch an
eine große Anzahl der Mannschaft Worte voll Leutseligkeit zu richten, etwa
anderthalb Stunden unter den (Meieren und Soldaten verweilend. Ein Sturm der
Begeisterung brauste in donnerndem Jubelruf empor und die Höhen hallten wider
von dem Enthusiasmus, womit die Anwesenheit des Obersten Kriegsherrn unter
seinen Kriegern dankbaren Herzens bejubelt wurde.
Um yt7 Uhr abends fand eine Festvorstellung im Hof-Operntheater
nächst dem Kärnthnerthore statt. Dieser Theil der Feier war von dem Director
des k. k. Hof-Burgtheaters Dr. Laube in Scene gesetzt und wurde von Mitgliedern
des k. k. Hof-Burgtheaters und den musikalischen Kräften des k. k. Hof-Opern-
theaters aufgeführt. Die ganze Festvorstellung war mit der auserlesensten Pracht
ausgestattet, mit größter Sorgfalt vorbereitet und gieng bewundernswert in Scene.
Die erste Abtheilung bestand aus drei historisch-allegorischen
Tableaux, künstlerisch entworfen und angeordnet von Professor Geiger. Den-
selben gieng eine trefflich ausgeführte Fest-Ouverture voran, von Carl Eckert,
Kapellmeister am k. k. Hof-Opern theater, componiert aus einem feierlichen Andante
religioso, Schlachtmusik und reich instrumentierter Hymne.
Unter deren letzten Rhythmen flog der Vorhang in die Höhe; man erblickte,
von der Pyramide der »Spinnerin am Kreuze" aus gesehen, Wien und die von
der Donau umsäumte Ebene des Marchfeldes, gemalt von Lehmann; links an
die Pyramide selbst gelehnt, die Austria, in den Farben Österreichs gekleidet,
die Mauerkrone und den Kranz von Weinlaub auf dem Haupte, mit Österreichs
Wappenschild vor sich, während von ferne Kanonendonner und kriegerische
Musik erschallte.
Als die letzten Klänge der Ouvertüre verhallten, trat Austria (Darstellerin
Frau Rettich) von den Stufen herab und sprach von dem durch Eligius Freiherrn
von Münch-Bellinghausen (Friedrich Halm) für die Säcularfeier gedichteten
Poem, nachfolgenden
PROLOG:
Zuruf und Jubel brausen um mich her!
Von WaiTenklang und vom Gestampf der Pferde,
Vom Donner der Geschütze dröhnt die Erde,
Von festlicher Musik der Lütte Meer;
Und Trommeln wirbeln und Gewehre klirren,
Und wogend drängt der Menge dichter Schwall
Kings froh bewegt dein kriegerischen Schalt,
Den Fahnen, die im Winde rauschend schwirren.
Dem Kaiser nach, ura dessen Brust rothweiß
Das Band sich schlingt, des Tages Glanz und Preis
Wohl ziemt es, solche Feier zu begehen,
Und lange harr' ich freudig ihrer schon.
Die heut versammelt um des Kaisers Thron,
Als Söhne ihrer Thaten ihn umstehen!
Digitized by Google
Er^le Sttrular Feier de? Ordens.
13
Doch nicht dem Glanz »lor Gegenwart allein
Bewundernd frommt's die blicke zuzuwenden;
Mich drängt das Herz, auch rückwärts sie zu senden,
Denn treu gedenken, nur heißt dankbar sein!
Auch sie, Theresia, da vor hundert Jahren
In Ihrer Seele der Entschluss erwacht,
Verdienst durch äuß'rer Zeichen Glanz und Pracht
Heim ersten Blick der Welt zu offenbaren.
Theresia auch die große Kaiserin,
Gedachte nicht bloß dieses einen Tages,
Nicht eines Sieges bloß und eines Schlages,
Wie hilfreich auch ihr sein Erfolg erschien.
Nein, aller Schlachten, die ihr Heer geschlagen.
Und aller Siege, die ihr Volk errang,
Und all der Helden, die in Kampfes Drang
Der Ehre Bahn den Doppelaar gelragen.
Der aller dachte sie und dankbar schwoll
Ihr großes Herz von freudigem Entzücken,
Das » Österreich so hoher Ehre voll,
Dass solche Lorbeern seine Fahnen schmücken;
Und vor den Kaiser tritt sie hin und spricht: —
Wie lebend tritt das Bild mir vor die Seele —
„Die Tapfern, Herr, auf deren Arm ich zähle.
Bedürfen, weiß ich, nur den Sporn der Pflicht,
Nicht andern Antrieb, dass sie Thatkraft stähle;
Doch uns'rer Hoheit würdig scheint es mir,
Die Rittersinn bewährt im Drang der Schlachten.
Die Kitter sind, als Ritter auch zu achten;
Und so vergönn', dass meiner Farben Zier,
Dass meinen Namen jene Edlen tragen,
Die Sieg gewonnen uns durch kühnes Wagen,
Sie, deren Arm uns heute Hilfe beut.
Wie jene, die der Sühne Recht verfechten.
Dass ewig sich der Heldenkranz erneut.
Den strahlend wir um uns're Krone flechten ;
Dass, rauschen auch Jahrhunderte daliin.
Kein treu Soldatenherz in Ostreich schlage.
Das eingeprägt nicht meinen Namen trage,
Das nicht gedenkend seiner Kaiserin
Das Lehen froh für jeden Herrscher wage
Des Kaiserhauses, dein ich Mutler bin!"
Während dieses Prologs hatten leichte Wolken den Hintergrund verhüllt:
nun flogen sie empor und in goldenem Rahmen bot sich als
ERSTES TABLEAU:
Die Stiftung des Maria ThereBien-Ordens.
In einem Gemach der Hofburg weist Kaiserin Maria Theresia ihrem
Gemahl Kaiser Franz die Insignien und die Urkunde des neu zu stiftenden
Ordens, — nächst des Kaisers Erzherzog Joseph, — sodann die Kaiserfamilie
Digitized by Google
14
Der .Militärische Muria Theresien Orden von 1707 bU 1?*90.
umgebend, die hervorragendsten Persönlichkeiten aus Maria Theresiens Zeit, die
beiden ersten Ordensritter Herzog Carl von Lothringen, Graf Daun, sodann
Kaunitz, Lucy, Loudon und andere. — Austria fährt fort:
Erfüllung ward dem kaiserlichen Wort;
Theresiens Ritter tragen ihre Farben,
Den Schmuck, den ihres Thrones Schirm und Hort
In heißen Schlachten blutend sie erwarben ;
Denn Rang nicht, war der Kaiserin Geheiß,
Und nicht Geburt verleihen solchen Preis;
L)a will es mehr als treu geübte Pflicht —
Denn wer in Ostreichs Heer erfüllt sie nicht? —
Da gibt's freiwill'gen Drang, ein freudig Streben
Nach Sieg und Ehre, kost' es Blut und Leben.
Da gilt's Trotz bieten nachtendem Geschick,
Da gilt es festen Muth und rasches Handeln.
Da braucht es Geistesgröße, Feldherrnblick.
Die zauberhaft Gefahr in Sieg verwandeln,
Da braucht's Verdienst, nicht trüg'risch eitlen Schein ;
Die Kampfgenossen müssen zeugend sagen:
.Der hat dein Kreuz verdieut, der soll es tragen,
Theresia, der soll dein Ritter sein!1-
Dann erst schmückt lohnend seines Kaisers Hand
Die Brust des Tapfern mit Theresiens Band ! -
U hoher Preis, erwirbst du dich auch schwer.
Du hast ihr stolzes Hoffen nicht betrogen,
Denn Feldherrn hast du < »sterreich erzogen,
Und Helden ihm erweckt in seinem Heer;
Erkor sie dich, Verdienst mit Ruhm zu krönen.
O edler Schmuck, wie schön vergaltst du ihr!
Wie wohl verdient umgab nicht deine Zier
So viele schon von ihres Blutes Söhnen;
Vor allen ihn. dess' edle Züge mir.
Als dürfte dieses Fest sein nicht entbehren,
Aus fernen Tagen dämmernd wiederkehren! —
Und so den Zeiten und Kämpfen, welche Österreich seit der Mitte des
vorigen Jahrhunderts bestanden und geschlagen, folgend, sieht Austria der ver-
dientesten Ordensritter einen vor ihr Auge treten — den Einzigen, welcher so
lange allein dein gewaltigen Kriegsgenius Napoleon die Wage gehalten. Austria
hört die wilde .Schlacht entbrennen am Ufer der Donau; sie sieht den Feldherrn
hoch zu Ross die Fahne Österreichs schwingen und allen vonius in den Kugel-
regen sprengen ....
Die Erde zittert, wie Orkane rollt's
Vom Sturm herüber, dumpf wie Donner grollt's;
Von Nachtgewölk liegt Flur und Feld umfangen.
Und Blitze flammen leuchtend d'raus hervor,
Und durch die Lüfte zuckt's wie Feuersehlarigeti :
Wie Waflcnklang schlägt's dröhnend au mein Ohr!
Digitized by Google
Erste Sftcular-Feier i!rs Orden».
15
Und nun zerreißt der düstem Wolke Flor;
Zwei Heere seh' in heißem Kampf ich ringen.
Und Schwerter blitzen und Trommeln klingen,
Und ihn, den Feldherrn, seh' ich hoch zu Ross,
Ich seh' ihn. Ostreich, deine Fahne schwingen.
Die Stirne bietend feindlichem Geschoss,
Voran der erste in die Feinde dringen ! —
„Für unsern Kaiser!* ruft er, und „Ihm nach,
Theresiens Enkel!" hör ich's wiederklingen! —
Bei Aspern war's, und unser war der Tag! —
„Frzherzog Carl!* flüstert* durch das ganze Haus; der Vorhang, der sich
gerenkt, fliegt zum z weitenmale in die Höhe und es stellt sich dar als
Erzherzog Carl, hoch zu Ross. schwingt da am zweiten Tage der Schlacht
die Fahne des Regiments Z;ich und führt dessen Grenadiere selbst gegen den
Feind; sein Adjutant, Graf Grürine, in cl.issischer Ruhe mitten im Getümmel,
ebenfalls hoch zu Pferde, dicht hinter ihm. und die Grenadiere, im Sturmschritt,
mit gefälltem Bajonnette in den Pulverdampf hineindrängend! — Austrias Worte
aber erheben sich zum begeisterten Hymnus:
0 Schlachtenruhm, du theuerster von allen.
Denn Blut erkauft dich ; wen dein Lorbeer schmückt.
Der hat auf Heldengräbern ihn gepflückt.
Der Erbe der Gefährten, die gefallen !
Gefallen sag' ich. doch gestorben nicht ;
Denn, wer für seinen Kaiser treu gestritten.
Für Österreich den Schlachtentod erlitten.
Der stirbt nicht, wenn sein Aug' erlöschend bricht;
Der lebt in seines Ruhmes Angedenken,
Der lebt im Dank des Vaterlandes fort.
So lebensfrisch wie jene Helden dort,
Auf die nun stolz sich meine Blicke lenken!
Ihr kennt die Namen — Ostreichs Stolz und Lust —
Kennt ihre Thaten — flammend eingeschrieben
Bewahrt sie jedes Österreichers Brust,
Ihr kennt sie alle, die wir alle lieben!
Die Männer, die im Sieg, wie im Verlust.
Sich selbst und ihrer Pflicht getreu geblieben,
Die Retter, da Gefahren rings gedroht.
Die Führer in des Kampfes schweren Tagen.
Die Ritter, die Theresiens Farben tragen,
Dem Feinde abgerungen und dem Tod.
Hier sind sie! — Wie Theresien sie umstanden.
Umringt nach hundert Jahren, die entschwanden.
Noch beut" den Thron des Kaisers ihre Schar!
Die Namen wechselten, die Helden blieben!
ZWEITES TABLEAU :
Die Schlacht bei Aspern.
10
Der Militärische Maria Theresien-Orden von 1757 bis IhOO.
Denn grünend stets im Drange der Gefahr
Hat neue Schösslinge der Baum getrieben,
In dessen Krone horstet Österreichs Aar!
Kennt ihr den Baum? Kennt ihr die Rieseneiche,
Die überschattet eurer Heimat Reiche?
Sein Kern ist Treue, Eintracht ist sein Mark,
Gehorsam heißt die Wurzel, die ihn nährte;
Durch Treue, Eintracht und Gehorsam stark,
Vertrauend selbstbewusst dem eigenen Werte,
Festruhend auf dem starren Felsgrund Pflicht.
Zersplittern kann er. aber wanken nicht!
Kennt ihr den Baum? In seinen Zweigen schallen
Die Sprachen all', die heimisch diesem Reich
Verschieden Klanges, doch der Sinn bleibt gleich;
,Ein Kaiser und ein Österreich!" spricht's aus allen!
Kennt ihr den Baum? In seinem Schatten stieg
Ein neues Ostreich aus dem Schutt des alten,
Ein neues Östreich, dessen Losung Sieg
Und Fortschritt durch vereinter Kräfte Walten;
0 edler Baum! Fern über Land und Meer
Hör' Feinde selbst ich deinen Ruhm bekennen.
Doch ich in stolzer Freude, ich darf mehr,
Frohlockend darf ich dich mein eigen nennen.
Du Baum der Treue — Östreichs tapferes Heer!
Wie elektrisierend wirkte der Eindruck dieses zweiten Bildes. Die Darstellung
der Scene war von hinreißender Macht. Die Wirkung steigerte sich aber noch, als
der anwesenden Helden selbst gedacht wurde, die in jüngster Zeit Schlachten
geschlagen, Siege errungen. Da saßen sie leibhaftig inmitten der übrigen Festtheil-
nehmer und alles jubelte den Theresien-Rittern begeistert zu. Wenn etwas den
Jubel zu dampfen vermochte, so war es das Bedauern, welches jedermann in tiefer
Rührung empfand, dass der allverehrte greise Held, dass Radetzky. an das
Krankenlager gefesselt unter den Theresien-Rittern fehlen musste. Um so inniger
gedachte alles des Dichtet Wortes: »In deinem Lager ist Österreich!"
Und zum letztenmale flogen die Wolken auseinander und es zeigte sich
unter den befeuernden Klängen des Radetzky-Marsches — von Militärmusik und
Orchester intoniert — ein Bild, welches sich aus Kriegern aller Waffengattungen —
Sereschaner, Grenzer und Matrosen eingeschlossen — farbenreich aufbaute bis
zum Träger von Österreichs Banner. Alles scharte sich in den mannigfaltigsten
Gruppen um die hochwallende, theure, schwarzgelbe Adlerfahne. Einen über-
wältigenden, das ganze Haus zu einem Sturm der Begeisterung hinreißenden
Anblick bot da als
DRITTES TABLEAU:
Die österreichische Armee.
Ja, Armee und Flotte scharte sich in begeisterten Gruppen um Österreichs
Fahne, während Austrias Heldengesang auf den Schwingen patriotischen Hoch-
gefühls sich zu stürmisch aufjubelnden Worten erhob:
Digitized by Google
Erste SAculai Feier lies Ordens.
17
0 selge ^us'- mir im Herzen schwillt.
Nun brich heraus in lauten Jubelklängen,
Dass nicht Entzücken, eh' es überquillt.
Und Stolz und Wonne mir den Busen sprengen ! —
Mein Österreich, du gottgesegnet Land,
An Saaten reich, an Mannern und an Eisen.
Wie üppig schwillt der Kranz, den Gott dir wand,
Und größ're Huld noch wollt' er dir beweisen!
Kuhm schmückt dich in den Tagen, die vergangen.
Ruhm schmückt dich heut mit seinem Strahleiischein.
Was kann die Zukunlt. Österreich, dir sein.
Als wieder Ruhm und wieder Siegesprangen!
Die Treue zieht einher zu deiner Linken.
An deiner Rechten streiten (ilück und Mulh,
Wo rast ein Sturm, dess' zornempörte Wuth
Dich scheitern machte jemals oder sinken?
Die Taube Eintracht senkte dir sich nieder,
Und mit der Eintracht wuchsen Kraft und Machl.
Und wie ein Riese, der erwacht,
Regst thatbegierig du die mächl'gen Glieder!
Was ist zu fern dir, was zu hoch, zu groß;
Kranz Joseph ebnet Wege dir und Bahnen,
Der Flug des Adlers rauscht in deinen Fahnen,
Und Blitz und Donner führt er als Geschoss!
Rings keimt und blüht es! Lass, o Herr der Wellen!
Die Saat gedeihen, die in HaJme schießt,
I,ass (»streich sein, was noch der Keim verschließt,
Und was es wahrhaft wiegt, das wird es gelten!
Gib Licht und Wlirme, Herr, nicht bloß der Scholle,
Nein, auch den Herzen, lieh' ich ernst und still,
Gib, dass dies Segensland stets Rechtes wolle,
Denn Ostreich über alles, wenn es will!
Lass Schrecken her vor seinen Fahnen wallen.
Und kehrt einst wieder dieser Feier Glanz,
Erfülle mit so edler Hehlen Kranz
Wie heut des Kaisers fcslgeschmücklc Hallen!
Den Sclirei. der heute jeder Brust entstieg.
Lass nach Jahrhunderten ihn wiederhallen !
Hoch Österreich, lass aus jedem Mund es schallen.
Ruhm denen, die im Kampf für uns gefallen.
Dem Kaiser Heil und seinem Heere Sieg!
Die Volkshymne, in brausendem Chor gesungen und von rauschendem
Orchester geführt, erklang zu den letzten Worten und schloss zu allgemeiner patrio-
tischer Erhebung die erste Hälfte dieser Festesfeier.
Nachdem während der nun eintretenden längeren Pause Erfrischungen ser-
viert worden, beschloss den Festubend eine doppelt belebte und in allen Hollen
charakteristisch dargestellte Aufführung von „ Wallensteins Lager8.
Der Festvorstellung im Ilof-Operntheater wohnten die Allerhöchsten und
Höchsten Herrschaften an, und zwar Seine Majestät der Kaiser und Erhabene
Militärischer Maria Thcre»ieu-Onk-ii. 2
Digitized b^Google
IS
Der MilifAiix-lie Maria TheresieirOrden von 1 7 ."»7 bis 1*!H>.
Großmeister, Ihre k. k. Hoheiten die durchlauchtigsten Frauen Erzherzoginnen
Sophie, Hildegarde. Elisabeth und Marie, Ihre königl. Hoheit die durch-
lauchtigste Frau Herzogin Louise in Bayern und deren durchlauchtigsten Prin-
zessinnen - Töchter, Ihre k. k. Hoheiten die durchlauchtigsten Herren Erzherzoge
Franz Carl, Maximilian, Ludwig Victor, Johann, Albrecht, Carl
Ferdinand, Wilhelm, Joseph, Leopold, Ernst, Siegmund. Rainer,
Heinrich, Seine königl. Hoheit der durchlauchtigste Herzog Carl Theodor
in Bayern und Ihre königl. Hoheiten Prinz Carl von Bayern und Graf von
Syrakus.
Die bei dem Feste anwesenden Ordensmitglieder erschienen, überein-
stimmend mit der bei der Festtafel eingehaltenen Ordnung, nach ihrem Ordens-
range zu drei und vier Personen in den Logen ersten Ranges.
Die übrigen Logen fassten die obersten Hofchargen, die Minister, das diplo-
matische Corps, Notabilitäten des Staatsdienstes und der Generalität. Die Sperr-
sitze des Parterres waren ebenfalls mit Generalen, höheren Staatsbeamten etc. etc.
besetzt.
Auf der Gallerie befanden sich die Zöglinge aus den Militär-Bildungsinstituten,
welche an dem Festbanket theilgenommen; der oberste Stock war gänzlich den
decoriertenUnterofficieren, Soldaten und Invaliden überlassen worden.
Mit der Festvorstellung schloss die denkwürdige erste Säcular-Feier des Ordens
in ebenso glanzvoller als erhebender Weise ab. Das großartige militärische Fest
lebte in der Erinnerung aller Zeitgenossen unvergesslich fort. Als patriotische
Verherrlichung der Wehrmacht der Monarchie möge diese Feier auch nachkom-
menden Geschlechtern getreu und würdig überliefert werden.
Status des Ordens am Tage der ersten Säcular-Feier sammt nach-
gefolgtem Lebenslaufe der damaligen Ordensmitglieder.
Am Tage der ersten Säcular-Feier — 18. Juni 1857 — bildeten den Status
des Ordens 88 inländische und 24 ausländische Mitglieder. Von den inländischen
wohnten 78. von den ausländischen die bereits vorerwähnten 4 Mitglieder dem
Feste an. Von den inländischen waren 1 1 und von den ausländischen 20 Mitglieder
durch Krankheit oder andere Hindernisse ferngehalten. Aber auch die abwesenden
Mitglieder nahmen sämmtlich, wie bereits erwähnt worden, im Geiste theil an dem
hehren Feste.
Mögen denn nachfolgend die Heldennamcn aller jener Tapferen und Klugen
verzeichnet sein, die am Tage der ersten Säcular-Feier des Ordens zu dessen
lebenden Zierden zählten.
Möge bei jedem derselben die Erinnerung an Stätte und Zeitpunkt seiner
Waffenthat aufgefrischt werden, auf Grund deren er sich zu der Gemeinschaft
des Ordens, beziehungsweise zu höheren Classen desselben emporgeschwungen.
Möge aber auch gleichzeitig das der Säcular-Feier nachgefolgte Leben und
Wirken dieser Ordensmitglieder geziemende Aufzeichnung finden und damit deren
Digitized by Google
Status des Ordens ;im Tagt' der ersten Söculur-Feier.
19
Lebenslauf, welcher im Jahre 1S57 in (kr Ordensgesehichtc naturgemäß unab-
geschlosscn geblieben war. ergänzt oder — sofern sie inzwischen gestorben — völlig
abgeschlossen werden.
So gestaltet sich die Übersicht der Mitglieder des Ordens, die am Ehrentage
seiner ersten Säcular-Feier lebten, zugleich zu einem die Ordensgeschichte von 1857
ergänzenden Bilde des Lebens und Wirkens der damaligen Mitglieder in den nach-
gefolgten Kriegen, welches sich bei vielen durch neue, verdienstvolle und aus-
gezeichnete Leistungen, bei mehreren sogar durch neue, höhere Maria Theresien-
Piitterthaten bekundete.
Die Ordensinilglieder, welche der ersten SActdiir -Feier in Person anwohnten,
erscheinen mit einem * bezeichnet: die übrigen waren, wie gesagt, durch Krankheit oder
sonstwie am Kracheinen verhindert.
Die betreffenden Otden->classen der angeführten Mitglieder sind wie im k. k.
Militär Scheinatmnus bezeichnet, und' zwar:
Cn.ßkreuz = tgt GK.
Coinmandeur = tgt (1.
Ritter = igt
Inländische Ordensmitglieder.
GIIOSZMKISTKR.
Seine k. und k. Apostolische Majestät Kaiser und König Franz Joseph 1.
GROäZKIlEUZE.
* JOHANN Baptist Erzherzog, kaiserlich-königliche Hoheit, KM., igt C. im
Jahre 1805 für besondere Verdienste in Tirol, GK. im Jahre 1809 für die
Schlacht bei Sacile. - (Näheres Abth. II, Seite 839 bis 84G.) Nachdem der Erz-
herzog das am 12. Juli 1818 übernommene Amt eines deutschen Reichs Ver-
wesers am 20. December 1849 in die Hände der Bundes-Conmiissarien nieder-
gelegt hatte, zog er sich nach Steiermark auf seine Besitzungen zurück und setzte
seine segensreiche Wirksamkeit in diesem Kronlande, die er im Jahre 1811 durch
Begründung des Johanneunis in Graz begonnen hatte, fort, so dass er auch
weiterhin eine Quelle von Wohlthaten für das Land war. Er blieb immer rührig,
immer thätig in dem Streben nach einem großen Zweck bis zu seinem letzten
Atbemzuge. Noch am lü. April 1859 präsidierte Erzherzog Johann der zehnten
allgemeinen Versammlung des historischen Vereines von Steiermark; am
7. Mai führte er den Vorsitz in einer Sitzung des Curatoriums des Joh anneums,
und wenige Tage später, am 11. Mai desselben Jahres, hauchte er im 78. Lebens-
jahre, ein thaten- und segensreiches Leben beschließend, seinen edlen Geist aus.
Unvergesslich lebt sein Name in Steiermark fort.
Seine irdische Hülle ruht aber im schönen Lande Tirol, in der stolzen Grab-
kiipelle von Schloss Schönna. das auf des Berges Spitze sieh erhebt und herunter-
blickt in das Thal Passeyer, dessen Name mit der Geschichte Tirols und des
kaiserl. königl. Prinzen für alle Zeiten verwoben bleibt.
2«
Digitize
20
Der Militärische Maria Theresien Orden von 1757 bis 1890.
1ÜDKTZKY Joseph Graf, K.M.. tg« als Oberstlieutenant lür die Schla« l.t Lei
Novi 179«), # C. als GM. für die entscheidende Waffenthat bei Wels 2. Mai 1800,
und tgt GK. als KM. bei Custozza 1848.
(Näheres: Abth. II. S. 13G3 bis 1384.) Nachdem Seine Majestät Kaiser
Franz Joseph 1. gelegentlich Allerhöchst seines Besuches in Italien mittels
überaus huldreichen Allerhöchsten Handschreibens vom 28. Februar 1857 der
nach 72 ruhmvollen Dienstjahren gestellten Bitte des greisen Feldmaischalls
um Enthebung von dem Posten eines Armee-Commandanten und General-
Gottverneurs des lumbardisch -venetianischen Königreiches willfahrt hatte, ver-
abschiedete sich Vater Radetzky am 1. März mittels eines ergreifenden, letzten
Armeebefehls von der Armee und schlug seinen Wohnsilz in dem kaiserlichen
Schlosse zu Monza auf. Am 21. Mai desselben Jahres erlitt der greise Held
durch einen unglücklichen Sturz einen Beinbruch. Durch diesen beklagens-
werten Unfall wurde er eben verhindert, der eisten Säcular- Feier des Maria
Theresien-Ordens beizuwohnen. Am 31. Juli nahm er seinen Aufenthalt in der
Villa reale in Mailand und wohnte noch am 10. December einer Ausrückung
des Uhlanen-Regiments Nr. 12 persönlich bei. Es war dies seine letzte Revue,
überhaupt sein letzter Ausgang. Am 20. December von Unwohlsein befallen,
verlangte der hohe Kranke am letzten Jahrestage nach den Tröstungen der
Religion, wurde am 2. Jänner 1858 mit der letzten Ölung versehen und am
5. Jänner 1858 gegen 8 Uhr morgens verschied Österreichs größter Helden
einer. Noch an demselben Tage erließ Seine Majestät der Kaiser folgenden
Armeebefehl:
«Dem Willen des Allmächtigen hat es gefallen, den ältesten Veteranen
Meiner Armee, ihren sieggekrönten Führer, Meinen treuesten Diener, den FM.
Grafen Radetzky, aus dem Leben abzurufen. Sein unsterblicher Ruhm gehört
der Geschichte; damit jedoch sein Heldenname Meiner Armee erhalten bleibe,
wird Mein 5. Husaren-Regiment denselben fortan und für immer-
währende Zeiten zu führen haben. Um dem tiefen Schmerze Meines mit Mir
trauernden Heeres Ausdruck zu verleihen, befehle Ich weiter, dass in jeder
Militärstation für den Verblichenen ein feierlicher Trauelgottesdienst
gehalten und von Meiner ganzen Armee und Flotte die Trauer 14 Tage
hindurch angelegt werde. Alle Fahnen und Standarten haben auf diese Zeit
den Flor zu tragen.*
Überdies geruhte der Kaiser ein Allerhöchstes Reileidschreiben an den
Sohn des Verblichenen, den GM. Theodor Grafen Radetzky zu erlassen, worin
der Monarch seiner tiefen Trauer und innigsten Theilnahme gegenüber den über-
lebenden Angehörigen des Feldmarschalls Ausdruck gab und welches mit den
Worten schloss:
„Ks wird Meine Sorge sein, das Andenken des großen Mannes in würdiger
Weise zu ehren und die Erinnerung an seine Verdienste um Mich, Mein Haus
und das Vaterland den Nachkommen durch ein bleibendes Denkmal zu über-
liefern."
Digitized by Google
Statu* des Onlens am Tape der ersten Sflcular Feier.
21
Gemäß der Allerhöchsten Anordnung fanden anlässlich der Bestattung und
Überführung der sterblichen Überreste des Verblichenen nach der letzten Ruhe-
stätte in Niederösterreich, große militärische Begräbnisfeier statt und zwar
zunächst am 14. Jänner zu Mailand, am 15. zu Venedig, am 16. zu Tri est und
am 18. zu Wien. Bei der Begräbnisfeier in Wien geruhte Seine Majestät der
Kaiser Allerhöchst persönlich den Leichen-Conduct zu commandieren. Am
19. Jänner erfolgte die feierliche Beisetzung der Leiche im Parkfrieder' sehen
Mausoleum, der letzten Ruhestätte Radet/.kys, auf dem Heldenberge im Schloss-
parke zu Wetzdorf. Hierauf wurden die Allerhöchst angeordneten Traucrfeier-
lichkeiten für den Dahingeschiedenen im Bereiche der ganzen Monarchie abgehalten.
Radetzkys Andenken wurde in Wort und Bild, gleichwie zu seinen Lebzeiten,
so auch nach dem Tode, vielfällig verewigt; Medaillen verherrlichen sein Helden-
thum; Denkmale von Erz und Stein erheben sich zu Prag, Laibach etc. und in
Kürze wird seine Manen auch in der Haupt- und Residenzstadt Wrien ein würdig
Denkmal ehren, von ganz Österreich errichtet seinem unsterblichen Vater Radetzky.
Das 5. Husaren-Regiment führt seinen Namen für immerwährende Zeiten.
* WlNDISCH-GKÄTZ Alfred Fürst zu, FM., tgi als Oberstlieutenant für die
Schlacht bei Leipzig 181:1, tgi GK. für Prag und Wien 1848.
(Näheres Abth. II, S. RJ84 bis 1:198.) Seit dem Jahre 1849 lebte FM. Fürst
Windisch-Grätz vom activen Dienste wie überhaupt vom öffentlichen Wirken
zurückgezogen, bis er im Jahre 1859 während des Krieges der Monarchie gegen
Frankreich und Piemont von Seiner Majestät dem Kaiser in einer Special -Mission
anfangs Juli nach Berlin entsendet wurde, um in directem Verkehr mit dem Prinz-
regenten von Preußen, späteren Kaiser Wilhelm I., wegen Abschluss einer Allianz
gegen Frankreich zu unterhandeln. Diese Mission halte keinen Erfolg und wurde der
Fürst, da infolge dessen die Präliminarien von Villafranca zum Abschlüsse gelang-
ten, am 11. Juli von Berlin wieder abberufen.
Anlässlich der Constituierung des österreichischen Reichsrathes im Februar
1SG1 wurde der Fürst zum erblichen Mitglicde des Herrenhauses ernannt.
FM. Fürst Windisch-Grätz starb im 75. Lebensjahre am 21. März 1802
zu Wien.
Ein vom 22. März datierter Allerhöchster Armee-Befehl enthielt die An-
ordnungen bezüglich der Trauer und bestimmte, dass das damalige 2. Dragoner-
Kegiment*) für immerwährende Zeiten den ruhmvollen Namen des
FM. Fürsten Windisch-Grätz zu führen habe. Ein gleichzeitiges Allerhöchstes
Handschreiben an des verstorbenen ältesten Sohn, GM. Fürsten Alfred W indisch-
• !rätz, drückte die innigste Theilnahme des Monarchen aus.
Am 26. März fand das feierliche Leichenbegängnis zu Wien statt und
auf Allerhöchst ausdrücklichen Befehl gieng der vom FM. Grafen Wratislaw
geführte Gonduct durch die kaiserliche Hofburg.
*) Seit il.-m Jahre 1S»i7: Itülnnischos l>iai,'uner-H.-iini.ri) Nr. 1 (.
Digitized by Google
22
Der Militärische Muria Theresien Orden von 1757 bis 18'.IO.
Der Kaiser von Russland und der König von Preußen sandten hiezu
Militär-Deputationen nach Wien, desgleichen die Bundesfestung Mainz, deren
Gouverneur Fürst Windisch -Grat 2 gewesen war.
Am 28. März folgte dieselbe Feierlichkeit in Prag unter dem Befehl des
commandierenden Generals von Böhmen, GdC. Grafen Clam-G alias. Hierauf
«•folgte die Überführung der Leiche in die Familiengruft zu Tachau unter Be-
gleitung von Abtheilungen des Regiments Fürst Windisch-Grätz-Dragoner.
GOMMANDKURK:
* NUG E NT Laval Graf, FM., igt für seine großen Verdienste als Haupt-
mann des Generalstabes im Feldzuge 1799, tgi C. als GM. für erfolgreich
durchgeführte Operationen in Italien 1813 und 1814.
(Näheres: Abth. II, S. 1131 bis 1137.) Seit dem Jahre 1849 lebte FM. Graf
Nugent außer der Aetivität. Am 18. März 1858 geruhte ihn Seine Majestät Kaiser
Franz Joseph I. zum Ritter des Goldenen Vließes zu ernennen. Im Jahre 1859
machte er trotz seines hohen Alters — er stand damals im 82. Lebensjahre —
die zweite Periode des Krieges der Monarchie gegen Frankreich und Pieniont
als Volontär im Hauptquartier Seiner Majestät des Kaisers und zwar die Schlacht
beiSolferino am 24. Juni mit. Bei der Errichtungdes österreichischen Reichsrathes
im Februar 1861 ernannte ihn der Kaiser zum lebenslänglichen Mitglied»
des Herrenhauses. FM. Graf Nugent starb am 21. August 18G2 auf seiner
Herrschaft Bosiljevo bei Carlstadt und fand in der Familiengruft des alten
Frangipanischen Schlosses Ter satlo bei Fiume. Kigentluun der Familie Nugent,
seine letzte Ruhestätte.
*JELLACIC Joseph Graf, FZM. und Banus, tgt C. für kluge, selbständig
geleitete Entschlüsse und Handlungen und tapfere Durchführung aller seiner mit
Erfolg gekrönten Unternehmungen während des Jahres 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1420 bis 1433.) Nach denbewegten Kriegsjahren 1848/49
und der demselben gefolgten Neuorganisation des Kaiserstaates fungierte FZM. Graf
Jellaeic als Commandierender General in Kroatien, Slavonien und Dalmatien
und Gouverneur von Fiume in Agram, von wo er von Zeit zu Zeit in Fragen der
Politik an den kaiserlichen Hof berufen wurde. Er starb am 19. Mai 1859. Die
allgemeine Trauer im Lande war um so größer, als der Banus gegen sein Lebens-
ende durch längere Zeit an schwerer Krankheit gelitten, deren sich immer heftiger
wiederholende Anfälle einen tödtliehen Ausgang nahmen. Seine sterblichen Über-
reste ruhen gemäß seinem eigenen, bei Lebzeiten ausgesprochenen Wunsche in
der Kapelle zu Novidvori. Bei der im Jahre 1S73 erfolgten Aufhebung der Militär-
grenze übergieng sein Name von dem aufgelösten 10. Grenz- auf das 79. Infanterie-
Regiment, welche« denselben seitdem für immerwährende Zeiten führt.
Digitized by Google
Slulus des Ordens am Tage der ersten Sacular -Feier.
23
* HESS Heinrich Freiherr von, FM., t& als 1- ML. für den Feldzug in Italien
1848, tgt C. für 1849 als FML. und Chef des General-Quartiermeister-Stabes.
(Näheres: Abth. II. S. I UI bis 1148.) FZM. Baron Hess machte als General-
quartiermeister Seiner Majestät des Kaisers und Chef des General-Quartiermeister-
Stabes der Armee den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im
Jahre 1859 mit. In dieser Eigenschaft wohnte er der Schlacht bei Magenta am
4. Juni an und übernahm in der zweiten Periode des Feldzuges unter dem
Allerhöchsten Oberconnnando Seiner Majestät des Kaisers die Functionen eines
Generalstabs-Chefs des operierenden Heeres, als welcher er die Schlacht bei
Solferino mitmachte. Am 12. Juli 1859 zum Feldmarschall befördert, wurde
er am 13. mit dem Obercommando über die I., II. und IV. Armee, dann das
abgesonderte VI., X. und XI. Armee-Corps, sowie über alle in Italien, Küstenland.
Krain, Kärnten und Tirol stehenden Militär-Körper und Anstalten betraut. Mit
Allerhöchster Entschließung vom 30. Jänner 18(>0 wurde er zum Hauptmann
der Trabanten-Leibgarde und Hofburgwache, bei der Errichtung des
österreichischen Reichsrathes zun» lebenslänglichen Mitgliede des Herren-
hauses und am 16. August 1802 zum Kanzler des österreichischen
Leopold-Ordens ernannt. Am 24. December 1865, als dem Tage seines zurück-
gelegten sechzigsten Dienstjahres wurde ihm für die treuen und erfolgreichen
Dienste erneut der Allerhöchste Dank zutheil. Sein Ableben erfolgte am
13. April 1870 zu Wien. Der k. k. Generalstab ehrte das Andenken seines ehe-
maligen ausgezeichneten Chefs in der Folge durch Errichtung eines Denkmals
auf dem Centrai-Friedhofe der Haupt- und Residenzstadt. Das 49. Infanterie-
Regiment führt seinen Namen für immerwährende Zeiten.
* TlIURN VON VALLE SASSIXA Georg Graf, FZM., egt als Hauptmann für die
That bei Pesaro 29. April 1815, tg« C. für die Verdienste bei Novara 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1418 bis 1456.) Fungierte seit dem 19. Februar 1857
als Präsident des Obersten Justiz-Senats, trat am 1. Juli 1800 in den
Rullestand und starb am 9. Februar 1866 zu Wien.
* ALBRECHT Erzherzog, kais. königl. Hoheit, FM., C. als FML. für
den mit seiner Division durch mehrere Stunden dem übermächtigen Feinde
geleisteten heldenrnülhigen Widerstand bei Novara 1849, tg: GK. als FM. für
Custozza 1866.
(Näheres: Abth. II, S. 1456 bis 1460 und vorliegende Abth. III, Abschnitt:
,CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. Im Kriege gegen Preußen und Italien im
Jahre 1866«.)
* WLMPFFEN Franz Graf, FZM., # als FML. im Jahre 1848 für die Verthei-
digung von Volta am 26. und 27. Juli, tg> C. für den freiwillig unternommenen
und durchgeführten kühnen Zug von Bologna nach Ancoiiii und Eroberung
dieses festen Platzes am 16. Juni 18 V.).
Digitized by Google
21
Der Militärische Mnna Theresen Orden von 17S7 bis IH90.
(Näheres: Abth. II, S. 1400 bis 1 1(»5.) Er befehligte in dem Krieg gegen
Frankreich nndPieniont in Italien im Jahre 1859, und zwar in der Schlacht bei
Solferino am 21. Juni die I.Armee, wurde am 8. October 1859 in Disponihilität
versetzt, trat am 1. Üctoher 1800 unter Bezeigung der Allerhöchsten
Anerkennung für seine lange, ausgezeichnete und erfolgreiche Verwendung im
Militär- und Civilstaatsdienste in Ruhestand und starb am 20. November 1870.
* SCHLIK Franz Graf, GdC, tgt als FML. für den Sieg bei Kaschau am
1. Jänner 1819, tgi G. für den unter den Augen Seiner Majestät freiwillig unter-
nommenen und ruhmvoll durchgeführten Angriff auf Raab und die Hinnahme
dieser Stadt am 28. Juni 1819.
(Näheres: Abth. II, S. 1100 bis 1171.) Kr befehligte im Kriege gegen
Frankreich und Piemonl in Italien im Jahre 1859 in der zweiten Periode des
Feldzuges und zwar in der Schlacht bei Solferino am 21. Juni die II. Armee.
Kr starb am 17. März 18G2 zu Wien.
MTTEn.
Cl VA LA KT VON HA1TANC0URT Carl Graf. GdC., igt als Oberst bei Ulm 1805
und auf dem Rückzüge des Erzherzogs Ferdinand nach Böhmen.
(Näheres: Abth. II, S. 770 bis 773.) Seit 1851 im Ruheslande, starb er am
12. August 1.S05 in Baden bei Wien.
ENSCH Franz Freiherr von, GM., tgt als Oberlieutenant bei Ulm 1805.
(Näheres: Abth. II. S. S10 bis 81 7.) Seil 18:50 im Ruhestände, starb er am
15. März 1801.
KüVAK Sigmund Joseph Freiherr von. FML., tgt als Hauptmann bei Cal-
diero 1805.
(Näheres: Abth. II, S. 788 bis 799.) Seit dem Jahre 1830 im Ruhestände,
slarb er am 12. Februar 1800.
SlfiLKR VON EBERSWALD Heinrich Freiherr, GM., igt als Hauptmann bei
Kbelsberg 1809.
(Näheres: Abth. II, S. 910 bis 919.) Seil dem Jahre 1831 im Ruheslande,
slarb er am 21. März 1802 zu Graz.
*PIRUI*KT VON CKSKNAT1C0 Peler Freiherr, FZM., tgt als Oberlieutenanl bei
Kbelsberg 1809.
(Näheres: Abth. II, S. 919 bis 953.) Seit dem Jahre 1811 in der Arcieren-
Keihgarde dienend, starb er als Capitän-Lieutenanl. derselben am 21. No-
vember 1801 zu Wien.
Digitized by Google
Statu- <l«rs Ordens um Ta*f«f tU-r .Tstfti Sflcular Feier.
25
* DIETRICH VON llKRMAXNSBKUli Emanml Freiherr. FML., tgt als Arlilleric-
Olierlieutcnnnt bei Aspern ISO«».
(Näheres: Abth. II. S. 007 bis 000.) Seit dein Jahn- 1810 im Ruhestände, starb
er am 31. Juli 1857 zu Baden bei Wien.
* WALLMODEN -(i IMBOKN LudwigGraf von, GdC, tgi als GM. bei Wa gra in 1 800.
(Näheres: Abth. II, S. 1027 bis 1030.) Seit dem Jahre I8l8 im Ruhestände,
starb er am 20. März 1802 zu Wien.
* Rl'KBER VON Rl' FREUSBURG Heinrich Freiherr, GM., igt als Oberlieute-
nant auf der Donau-Insel Tabor bei Mauthausen ISO'.).
(Näheres: Abth. II. S. 1012 bis 1014.) Seil dem Jahre 1810 im Ruhestände,
starb er am 1. October 1857 zu Baden bei Wien.
* LAZARICH VON LINDARO Joseph Freiherr, GM., igt als Hauptmann für die
Eroberung von Istrien 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 1 103 bis 1 108.) Seit dem Jahre 1850 im Ruhesland.-,
starb er am 27. Jänner 1870 zu Weißkirchen in Ungarn.
* JETZER August Freiherr von, FML.. igt als Oberlienfenant bei Hohlen-
bnrg an der Drau, 10. September 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 1200 bis 1211. » Seit dem Jahre 1850 im Ruhestände,
starb er am 11. Jänner 18(12 zu Wien.
FÜLLER VON DER KRÜCKE Maximilian Freiherr, Major, tgt als Lieutenant
bei Rubia an der Wippach. am C. October 1S13.
(Näheres: Abth II, S. 1211 bis 1212). Seit dem Jahre 1813 im Ruheslande
starb er am 15. October 1850 zu Pilsen in Böhmen.
* HAUGWITZ Eugen Graf von, FML., tgt als GM. bei Leipzig 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 121* bis 1210). Seit dem Jahre 1820 im Ruhestände
starb er am 1. November 18G7 zu Wien.
* HESSEN-HOMBURG Ferdinand reg. Landgraf zu, Durchlaucht. GdC. tgt als
Oberst bei Leipzig 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 1222 bis 1223.) Seit dem Jahre 1821 außer Aetivitäl
stehend, starb er als regierender Landgraf am 21. März 1800.
KROPFREITER Johann Freiherr von. GM., tgt als Artillerie-Lieutenant bei
Zara am 0. December 1813.
(Näheres: Abth. II. S. 1200 bis 1207.) Seit dem Jahre 1851 im Ruhestände,
starb er am 17. August 1800.
Digitized by Google
26
Der Militärische Maria Theresen Orden \xn 1757 bU 1890.
* PROCHASKA VON Gl' ELPHEX BURG FranzAdolphFreiherr,GdC,tgtalsOberst
am Taro am 13. bis 15. April 1814.
(NAheres: Abth. II, S. 1270 bis 1273.) Seit dem Jahre 1848 im Ruhestand*-,
starb er am 20. August 1862 zu Wien.
BERGER VON DER PLEKSE Johann Freiherr, FZM., # als Oberst bei St.
Julien am 27. Februar 1814.
(NAheres: Abth. II, S. 1293 bis 1295.) Seit dem Jahre 1849 im Ruhestände,
starb er am 20. August 1862 zu Wien.
* PlTTEL Christoph Freiherr von, Oberstlieutenant, igt als Genie-Oberlieutenant
für die glückliche Erstürmung der Position von Befort 1815.
(Näheres: Abth. II, S. 1317 bis 1318.) Seit dem Jahre 1840 im Ruhestand,
starb er am 13. Septemher 1863.
* ROSSBACH Heinrich Freiherr von, FML., igt als Oberstlieutenant und Com-
mandant des 8. Jflger-Bataillons für die vom 2. bis 8. August 1838 gegen die
Montenegriner vollführten erfolgreichen Waffenthaten.
(NAheres: Abth. II, S. 1474 bis 1481.) Seit dem Jahre 1848 Commandant
der Landesverteidigung von Tirol und DivisionAr, trat nach sechsundfünfzig-
jähriger ausgezeichneter Dienstleistung am 1. Mai 1859 bei gleichzeitiger Verleihung
des Feldzeugmeister-Charakters in den Rullestand und starb am 2. Mai 1867
zu Innsbruck.
* STWRTXIK August Freiherr von, FML., igt als Oberst für seine großen Ver-
dienste als Feldartillerie-Director im Feldzug 1848, namentlich bei Vicenza und
Custozza.
(NAheres: Abth.II.S. 1483 bis 1485. )Er machte den Krieg gegenFrankreich
und Piemont im Jahre 1859 in Italien als Feldartillerie-Director der II. Armee
mit, trat nach fünfundfünfzigjahriger Dienstzeit am l.Oclober 1859 unter Verleihung
des Feldzeugmeister- Charakters ad hotwres in den Ruhestand und starb im
79. Lebensjahre am 9. Derember 1809 zu Venedig.
*G0RZK0\VSKI VON GOR^KOW Carl Ritter, GdC, igt als C.dC. für die Erhal-
tung der wichtigen Festung Mantua 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1489 bis 1495.) Seit dem Jahre 1849 Stadt- und
Festungs-Coniniandant von Venedig, starb er auf diesem Posten im 82. Lebens-
jahre am 22. März 1858.
* SMOLA Carl Freiherr von, Oberst, igt als Oberstlieutenant des (ieneral-
OuartiermeisU'r-.Stabes für die Einnahme von Udine am 21. April 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1495 bis 1500.) Er fungierte, nachdem er im Jahre 1848
das rechte Bein verloren hatte und dadurch zum a» tiven Militärdienst untauglich
Digitized by Google
Stalu« <1e» Orden* am Tag«- der ersten SAcular Feier.
27
geworden war, als Direktor des k. k. polytechnischen Institutes in Wien
bis zum Jahre 1858. in welchem Jahre er nach mehr als vierzigjähriger Dienstzeit
am 23. October mit dem Generalmajors-Charakter ad honorr* in Ruhestand
trat; er starb im 59. Lebensjahre am 14. Februar 1802 zu Graz.
* ZOBEL VON GIEBELSTADT und DARSTADT Thomas Freiherr, FML., igt als
Oberst bei Pastrengo am 30. April, bei Bardolino am 28. Mai und Calmasino
am 29. Mai 1848.
(Näheres: Abtli.ll, S. 1500 bis 1505.) Er machte den Krieg gegen Frankreich
und Piemont in Italien im Jahre 1859 als Commandant des VII. Armee-Corps mit,
und zwar das Treffen von Palestro am 31. Mai, die Schlacht bei Magenta am
4. Juni und die Schlacht bei Solferino am 24. Juni; wurde am 6. November 1859
zum Festungs-Commandanten inOlmütz ernannt, trat nach dreiundfünfzigjähriger
Dienstzeit am 1. April 1801 in den Ruhestand und starb im 71. Lebensjahre am
1-2. Juli 1869 zu Görz.
* Kl HN VON KUHNENFELD Franz Freiherr. Oberst, igt als Hauptmann im
(•eneral-Quartiermeister-Stabe bei St. Lucia am 0. Mai. und bei Mailand am
4. August 1848, # C. als GM. in Tirol 1800.
(Näheres: Abth. II, S. 1512 bis 1510 und vorliegende Abth. III, Abschnitt
.CLXIV. bis CLXVI1I. Promotion. Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre
180G.»)
* WlUTlSLAW NETT0L1TZK1 VON MlTTROWTTZ Eugen Graf, FM,tgtals FML.
bei Curtatone am 29. Mai und Vicenza 10. Juni 1818
(Näheres: Abth. II, S. 1517 bis 1522.) Seit dem Jahre 1848 Feldmarschall
und Hauptmann der Arcieren-Leibgarde, zählte er seit der Constituierung
des österreichischen Reichsrathes zu den erblichen Mitgliedern des Herren-
hauses, wurde mit dem Allerhöchsten Handschreiben vom 10. August 1802 zum
Kanzler des Maria Theresien-Ordens ernannt, am 31. Juli 1804 in huld-
vollster Anerkennung seiner sechzigjährigen ausgezeichneten Militär-
Dienstzeit mit dem Großkreuz des St. Stephan-Ordens ausgezeichnet, am
0. Juli 1800 zur Stellvertretung des Obersten der kaiserl. königl. Garden ernannt
und starb am 14. Februar 1807 zu Wien.
* CLAM GALLAS Eduard Graf, FML.. igt als GM. bei Montanara am 29. Mai
und Gardon i am 25. Juni 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1525 bis 1 528.)Er machte den Krieg gegen Frankreich
und Piemont in Italien im Jahre 1859 als Commandant des 1. Armee-Corps in der
II. Armee mit und kämpfte in den Schlachten bei Magenta am 4. Juni und bei
Solferino am 21. Juni. Nach dem Kriege kehrte er wieder auf seinen Posten
als Commandierender General in Böhmen zurück, wurde am 11. Mai 1801 zum
General der Cavallerie befördert und am 10. August 1802 zum Ritter vom
Digitized
28 I>e« Militärische Maria TlicreMtii-Ordeti v,.„ 175? Iiis 18<JO.
■
Goldenen Vließe ernannt. Er machte im Kriege gegen Preußen nnd Italien
im Jahre 1800 als Connnandant des I. Armee-Corps den Feldzug gegen Preußen
in Böhmen mit und zwar vorerst unter dem Kronprinzen Albert von Sachsen die
Kämpfe an der Iser vom 2(1. bis 28. Juni, das Treffen bei Jicin am 29. Juni,
sodann mit der Nordarmee die Operationen bis zur Schlacht bei Königgrätz. Am
23. October 1800 über seine Bitte in den supemumerären Stand versetzt,
quittierte er den Dienst am 28. Februar 1808 mit Beibehalt des Militär-Charakters.
Frist erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes.
* LIECHTENSTEIN Friedrich Fürst zu, FML., igt als GM. bei Montanara
am 29. Mai und in Voltaam 2(1. und 27. Juli 1848.
(Näheres: Ablh. 11, S. 1528 bis 1532.) Seitdem Jahre 1853 Commandanl
des VI. Armee-Corps, wurde er am 2(1. Juli 1858 zum Gouverneur und Comman-
dierenden General in Siebenbürgen und zum Commandanten desll. Armee-Coq^,
unter gleichzeitiger Verleihung der Geheimen Rathswürde ernannt und am
20. October 1800 mit dem Orden der Eisernen Krone 1. Classe ausgezeich-
net; am 11. Mai 18G1 erfolgte seine Beförderung zum General der Cavallerie
hei gleichzeitiger Ernennung zum Commandiorenden General in Temesvär. Am
29. October 1801 wurde er unter Enthebung von der Stelle des Inhabers des 3. Uh-
lanen-Regiments zum Inhaber des Jazygier und Kumanier Freiwilligen
Husaren-Regiments und am 18. April 1805 zum Commandierenden General in
Ungarn ernannt. Er inachte den Krieg gegen Preußen und Italien im Jahre 1800
und zwar den Feldzug in Italien als Commandanl des V. Armee-Corps mit,
wohnte jedoch wegen schwerer Erkrankung keiner Affaire bei. Nach seiner Ge-
nesung wurde er am 12. October 1800 auf seinen früheren Posten als Comman-
dierender in Ungarn rückversetzt. In Anerkennung der durch thätiges Wirken um
das Wohl verwundeter Krieger während der Kriegsepoche 1800 erworbenen Ver-
dienste wurde ihm der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt-
gegeben. Am 18. August 1807 wurde erzürn Ritter des Ordens vom Goldenen
Vließe ernannt. Am 3. Juli 1.S09 trat er bei gleichzeitiger Verleihung des Groß-
kreuzes des St. Stephan-Ordens in den Ruhestand. Im Jahre 1872 wurde
er als lebenslängliches Mitglied in das österreichische Herrenhaus
berufen. Er starb am 1. Mai 1885 zu Wien.
* BENEDEK Ludwig Ritter von, FML., igt als Oberst bei Curtntone am
29. Mai 1848, tgt C. als FML. bei Solferino 1859.
(Näheres: Abth. II, S. 1532 Iii- 1537 und vorliegende Abth. III. Abschnitt
„CLV1II. bis CLIX. Promotion. — Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in
Italien im Jahre 1859.")
* REISCHACH Sigmund Freiherr von, FML.. tgl als Oberst bei Montanara
am 29. Mai 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1537 bis 1539.) Er machte den Krieg gegen Frank-
reich und Piemont in Italien im Jahre 1859 als Divisionär im VII. Armee-Corps
Digitized by Google
Slitu« de? Ordens am T;i>:e der eisten Särulur-Feier.
mit und zwar die Vorposten- und Gesehützkämpfe an der Sesia im Mai, sodann
die Schlacht bei Magenta am 4. Juni, in welcher er bei dem Angriffe auf Ponte
nuovo di Magenta eine schwere und eine leichte Verwundung erlitt Wegen seiner
hervorragenden Leistungen in dieser Schlacht wurde er am 27. Juni 185'.) mit dem
Commandeurkreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet und gleichzeitig zum
Commandanten des XI II. Armee-Corps ernannt Bei der im August desselben
Jahres bewirkten Auflösung dieses Corps erfolgte seine Versetzung in Disponibilität
Am 20. Decembcr 1859 wurde ihm die Geheime Raths würde verliehen. Am
27. November 1860 zum Truppen-Di visionär ernannt trat er am 1. Juli 1862 in
den Ruhestand. Am 28. Februar 1873 wurde ihm infolge Allerhöchster Ent-
schließung aus besonderer Allerhöchster Gnade der Feldzeugmeister-Charakter
(ul houores verliehen. Er starb am 13. November 1878 zu Wien.
* MARTINICII VON MART1NK6G Kranz Freiherr, GM., tg< als Majorbei Monta-
nara am 20. Mai 1848.
(Näheres: Abth. IL, S. 1541 bis 1543.) Er war bis zum Jahre 1858 bei der
III. Armee in Ungarn GM. und Rrigadier im X. Armee-Corps und im Jahre 1859
Brigadier bei den Besatzungs-Truppen in T liest. Nach dem Kriege von 1850 trat
er nach fünfzigjähriger Dienstzeit am 1. September 1859 in den Ruhestand und
wurde ihm am 2. October desselben Jahres der Feldmarsch all-Lieutenants-
Charakter ad honores verliehen. Er starb am 24. April 1871 zu Wien.
* CtLOZ Carl Freiherr von, FML., tgj als GM. bei Vicenza am 10. Juni 1848.
(Näheres: Abth. IL, S. 1544 bis 1547.) Seit 1852 Festungs-Commandant von
.Maulua, hat er auf diesem Dosten den Krieg gegen Frankreich und l'iemont
in Italien im Jahre 1859 mitgemacht, trat nach fünfundseehzigjähriger Dienstzeit
am 1. Mai 1860 in den Ruhestand und starb am 1 1. November 1862 zu Venedig.
*MAK0IC:iC 1)1 MADONNA DKL MONTK Joseph Freiherr, GM., tgi als Haupt-
mann des General-Quartiermeister-Slabcs, bei Vicenza am 10. Juni KS 48, jgi C.
als FML. bei Custozza 1866.
(Näheres: Abth. II, S. 1551 bis 1553 und vorliegende Abth. III. Abschnitt
.CLX1V. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege gegen Preußen und Italien im
Jahre 1866*.)
* JABLONSKY DKL MONTK-HERICO Joseph Freiherr. Oberst, tgs als Haupt-
mann bei Vicenza um 10. Juni 1848.
(Näheres: Abth. IL S. 1553.) Seit dem Jahre 1 8515 Commaudant des 14. Infan-
terie-Regiments, wurde er am 25. Juli 1857 zum Generalmajor befördert. Er
machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 als
Brigadier im X. Corps bei der Küsten-Armee mit, ohne zu einer Affaire zu gelangen.
Nach dem Feldzuge Brigadier beim I. Armee-Corps, wurde er am 16. August 1861
zum zweiten Inhaber des 1. Infanterie-Regiments ernannt, sodann am :5. Juni 18155
Digitized by Google
lU-r Militäri^du' Muri« Tlu-resien Onleii von 17.r.7 Iii- lN'.Mi.
zum Fehlmurschal 1-Li cutonunt befördert und dem Landes -General-
Commando zu Prag zugetheill. am 21. Jänner 186G in gleicher Eigensehall zum
Landes-General-Commando nach Brünn übersetzt. Vom 11. Mai 1860 an mil
der Leitung des Landes-General-Commandos für Mähren und Schlesien betraut,
übernahm er am 5. Juli das Festungs-Commando in Olmülz, auf welchem
Posten er den Krieg 1806 gegen Preußen mitmachte. Für seine ersprießlichen
Leistungen als Landes-Commandierender und Festungs-Commundant während des
Feldzuges wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone II. Clusse aus-
gezeichnet. Am 8. Jänner 18G9 wurde ihm aus Anlass seines fünfzigjährigen
Dienst-Jubiläums in Anerkennung seiner im Kriege wie im Frieden stets
erprobten, sehr guten Dienstleistung die Würde eines G e h e i m e n R a t h e s verliehen.
Am 18. Jänner 1 809 erfolgte seine Ernennung zum Inhaber des 30. Infanterie-
Regiments. Am 28. April 1872 zum Feldzeugmeister befördert, wurde er am
1. November 1873 auf seine Bitte in den Ruhestand übernommen und bei diesem
Anlasse in Anerkennung seiner langjährigen, jederzeit ersprießlichen Dienstleistung
durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone I. Glasse ausgezeichnet. Er
starb am 1. Februar 1876 zu Graz.
* SCHAAFFGOTSCIIE Franz Graf, GdC., # als FML. bei Sona am
23. Juli 1848, bei Novara am 23. März 1849.
(Näheres: Abth. II. S. 1554 bis 1558.) Seit dem Jahre 1856 GdC., dabei
Commandant des IX. Corps und Commandierender General in Mähren und
Schlesien, wurde er am 18. September 1858 aus Anlass seiner fünfzigjährigen
Dienstleistung mit dem Großkreuze des österreichischen Leopold-
Ordens ausgezeichnet. Er machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in
Italien im Jahre 1859 mit der II. Armee als Commandant des IX. Corps, und zwar
die Schlacht bei Solferino am 24. Juni mit. Am 8. October 1859 in Disponi-
bilität versetzt, trat er am 1. December desselben Jahres in den Ruhestand, wobei
ihm die Allerhöchste vollste Zufriedenheit mit seiner mehr als fünfzig-
jährigen, treuergebenen, eifrigen Dienstleistung ausgesprochen wurde. Er starb
am 3. November 1866.
* WEISS Franz FreiheiT von, GM., »g« als Oberstlieutenant bei Sona am
23. Juli 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1563 bis 1565.) Seit dem Jahre 1851 im Ruheslande,
starb er im 74. Lebensjahre am 3. November 1866.
*CASTIGLIONE Johann Graf, GM., # als Major bei Sona am 23. Juli 1848.
(Näheres : Abth. 1 1, S . 1 565 bis 1 5G7.) Seit dem Jahre 1 85 4 G e n c r a 1 m a j o r und
Brigadier, machte er den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im
Jahre 1859 mit, kämpfte mit dem IX. Armee-Corps in der Schlacht bei Solferino
am 2L Juni und wurde für seine hervorragenden Leistungen in dieser Schlacht
am 15. August 1859 mit dem Ritterkreuze des österreichischen Leopold-
Ordens ausgezeichnet. Am 4. Mai 1861 zum Obercommandanten der Landes-
Digitized by Google
Stahl* des Orden» am Toge der ersten Säcular-Keicr.
Verteidigung für Tirol und Vorarlberg und zugleich zum Truppen-Commandanten
in Bolzen, am 29. November 1 80 1 zum zweiten Inhaber des Tiroler J a gei-
lt egitnen Is ernannt, wurde er am 13. August 1863 zum Feldmarschall-
Lieutenant befördert und ihm am 25. April 1866 die Geheime Rathswürde
verliehen. Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 blieb ihm die
Organisierung der Tiroler Landesverteidigung übertragen, während GM. Frh. von
Kuhn mit dem Truppen-Commando betraut wurde. Am 1. November 1866,
unter Verleihung des Ordens der Eisernen Krone I. Classc, in den Ruhe-
stand versetzt, starb er am 7. November 1871 zu Bötzen.
* FEIDEGG Carl Freiherr von, Hauptmann, # als Oberlieutenant bei S a 1 i o n z e
am 21. Juli 1818.
(Näheres: Abth. 11, S. 1571 bis 1575.) Seit dem Jahre 1851 im Ruhe-
stande, stirb er am 13. Juni 1869 zu Teplitz.
* FRÖHLICH VON SAL10NZE Johann Freiherr, Major, igt als Lieutenant bei
Salionze am 24. Juli 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1571 bis 1575.) Seit 1856 im Adjutantencorps und
zweiter Flügeladjutant beim I. Armee-Commando, wurde er am 23. Februar 1859
zum Obcrstlieutenant befördert, am 6. April desselben Jahres zum 21. Infan-
terie-B.egimente transferiert und in demselben zum Gommandanten des Grenadier-
Bataillons ernannt. Als solcher machte er den Krieg gegen Frankreich und
Piemont in Italien im Jahre 1859, und zwar die Schlacht bei Solfcrino am
21. Juni mit, in welcher er mit dem V. Armee-Corps kämpfend, schließlich das
Castell von Solferino aufs äußerste verteidigte. In Anerkennung seiner hervor-
ragenden Leistungen in dieser Schlacht wurde er am 15. August 1859 mit dem
Ritterkreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet. Am 9. Deccmber 1859
quittierte er den Dienst und wurde ihm bei diesem Anlasse der Obcrsten-
Character ad honore* verliehen. Er starb am 25. Deccmber 1878 aufSchloss
Wernberg bei Villach.
* MAYER VON LÖWENSCHWERDT Franz Freiherr, Oberst, tgt als Major bei
Custozza am 25. Juli 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1575 bis 1577.) Seit dem Jahre 1851 Feslungs-Com-
mandanl von Carlstadt, trat er mit l.März 1865, unter gleichzeitiger Verleihung
des Ordens der Eisernen Krone II. Glasse, in den Ruhestand, und starb am
1. Mai 1869.
* HÄUSER Heinrich Freiherr von, Oberst, tgi als Hauptmann bei Volta am
26. und 27. Juli 1818.
(Näheres: Abth. II, S. 1577 bis 1578. ) Seit dem Jahre 185t; Commandant de>
2. Feldjäger-Bataillons, machte er den Krieggegen Frankreich und Pieniont in
Italien im Jahre 1859 mit, kämpfte mit dem I. Corps iti der Schlacht bei Magen ta
am 1. Juni und gerieth bei der Verteidigung dieses Ortes in französische Krieg—
Digitize
Her MiliMriM he Maria Tln-rcxien Ordtu \<»n 1757 IV.H).
gefangenschaft. aus welcher er am 13. September 1859 ranzioniert wurde. Er
trat am '.10. Oclober 1859 unter Verleihung des Generalmajor-Charakters
dil lionores in den Ruhesland.
* IjKC'SKY DK LA VOI.TA Stephan Freiherr. Oberstlieulcnaul, # als Haupt-
mann hei Volta am 26. und 27. Juli 1818.
(Näheres: Abth. II, S. 1579 bis 1584.) Seit dein Jahre 1852 im Ruhestand»-,
slarb er am 15. Juli 1865.
* JOHN Franz Ritter von, Oberst, tgi als Hauptmann des GcneraMjuai tier-
meister-Stabes bei Volta am 20. und 27. Juli 1848, jgt C. als GM. bei Custozza 1806.
(Näheres: Abth. II. S. 1581 bis 1587 und vorliegende Abth. III, Abschnitt
.Promotion CLXVI. Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866.»)
* STREICHER Heinrich Freiherr von. ObersllieutenanL # als Hauptmann bei
Volta am 26. und 27. Juli 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 15S7 bis 1589.) Seit dem Jahre 1852 in der Trabanten-
Leibgarde, (rat er am l.März 1863 in den Ruhestand und starb am 27. März 1865.
* SCHWARZENBERG Edmund Fürst zu, KAIL., tg» als GM. bei Vigentino
vor Mailand am 4. August 184s.
(Näheres: Abth. II, S. 1589 bis 1593.) Seil dem Jahre 1856 Commandant des
HI. Armee-Corps zu Wien, führte er das Commando über die bei der ersten
Säcular-Feier des Maria Theresien-Ordens zur Parade ausgerückten
Truppen. Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
kämpfte er mit seinem III. Corps in den Schlachten bei Ma genta am 4. Juni und
bei Solferino am 24. Juni und wurde am 27. Juni 185') mit dem Großkreuze
des österreichischen Leopold -Ordens ausgezeichnet. Am 8. Oclober 1859
mit dem Commando des II. Armee-Corps und dem Landes-General-Commando in
Wien betraut, wurde er am 27. November 1859 zum General der Cavallerie
befördert. Als solcher am 28. December zum Capitän-Lieutenant der Ersten
Arcieren-Leibgarde ernannt, wurde er am 16. August 1862 Ritter des
österreichischen Ordens vom Goldenen Vließe. Am 27. Oclober 1866
erfolgte seine Versetzung in den Disponibilitäts-Sland. am 2. März 1867 seine
Beförderung zum Hauptmann der Ersten Arcieren-Leibgarde und am
19. October 1867 zum Feld marsch all mit Belassung in seiner Anstellung. Am
22. April 1808 wurde er zum Inhaber des 10. Dragoner-Regiments ernannt
Er starb am 17. November 1873 auf dem Schlosse Worlik in Böhmen.
* MARTINI VON NoSKDo Joseph Freiherr FML., tgc als Oberstlieutenant bei
Montebello am 8. April. 26. und 27. Juli bei Volta und am V August 1818 bei
Vigentino.
(Näheres: Abth. II. S. 1593 bis 1505.) Seit dein Jahre 1850 Generalmajor,
wurde er am 27. Juli 1857 zum Keldmarschall-Lieutenant befördert und
\
Digitized by Google
Statu» des Urdons am Tage der ersten Sfteultir-Fi'ier.
33
inachte als .Di visionär im III. Armee-Corps den Krieg gegen Frankreich und
Fiemont im Jahre 1859 und zwar die Schlacht, bei Ma genta am 4. Juni mit. Am
I. Octoher 1859 trat er in den Ruhestand und starb am 28. December 1868.
•
*ZEISBERC, Carl Bitter von, FML., igt als GM. bei Wien am 28. und
30. Öctober 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1604 bis 1606.) Seit dem Jahre 1852 im Ruhestande,
starb er am 29. Juni 1863.
* HARTLTEB VON WAUTHOK Carl Freiherr. FZM., t& als GM. hei Wien am
28. Üctober 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1606 bis 1609.) Seit 1849 im Ruhestande, starb er am
21. August 1862 zu Carlstadt.
* (RURICH VOX MONTK CRETO Anton Freiherr, FML., # bei der Einnahme von
Wien am 31. Octoher 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1609 bis 1614.) Seit 1848 FML., dabei ad latus beim
Conunando der III. Armee in Ungarn, trat er am 1. October 1859 bei gleichzeitiger
Verleihung des Feldzeugmeister-Charakters ad honores in den Ruhestand
und starb am 15. Juli 1864 zu Wien.
* ÜXUKIC VON* ARADGKAI) Georg Freiherr, Hauptmann, # alsüberlieutenant
aus der Festung Arad 35 Ausfälle gemacht 1848/49.
(Näheres: Abth. 11, S. 1614 bis 1617.) Am Tage der ersten Säcular-Feier des
Maria Theresien-Ordens, 18. Juni 1857, zum Major befördert, zog er mit dem
Infanterie-Begiiuente Graf Coronini Nr. 6, in der Brigade GM. Schiller des X. Corps,
in den Krieg gegen Frankreich und Piemorit in Italien im Jahre 1859, ohne
aber eine Affaire zu bestehen, indem er infolge der Feldzugstrapazen erkrankte.
Er trat am 1. März 1860 unter Verleihung des Oberstlieutenants-Charakters
ad honores in den Buhestand und starb am 3. April 1867 zu Essegg.
* SlMUNICH Balthasar Freiherr von, FML., jgj als FML. bei Tyrnau am
16. December 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1617 bis 1620.) Seit dem Jahn- 1853 im Ruhestandr,
starb er am 8. Juli 1861 zu Wien.
* OTriNGER Franz Freiherr von, FML., * als GM. bei Moor am 30. De-
cember 1848.
(Näheres: Abth. II, S. 1620 bis 1623.) Seit dein Jahre 1856 Oberlieutenant
der Ersten Arcieren-Leibgarde, wurde ihm am 7. April 1860 die Geheime
Raths wurde verliehen. Er trat am 1. Jänner 1867 unter Verleihung des
Charakters eines General? der Cavallerie in den Buhestand und starb am
8. April 1869 zu Wien.
Digitized by Google
Der Militärische Maria Theresen Orden von 1757 bis 1800.
* MAYRHOFKK VON GRÜNBÜHL Ferdinand Freiherr, FML., tgj al^ Oberst
bei Pancsova ani 2. Jänner 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1623 bis 1625.) Seit dem Jahre 1856 im Ruhestande,
starb er am 3. März 1869 zu Klagen fürt.
* GABLESZ Ludwig Freiherr von, GM., tgt als Major des General-Ouartier-
meister-Stabes bei Kaschau am 4. Jänner 1849, tgt C. bei Oeversee 1861.
(Näheres: Abth. II, S. 1625 bis 1627 und vorliegende Abth. III, Abschnitt:
„Promotion CLXI. — Im Kriege in Schleswig und Jütland im Jahre 1864.")
* HEULE Johann Ritter von, Major, tgt als Oberlieutenant bei Hermannstadt
am 21. Jänner 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1627 bis 1629.) Seit April 1857 im 2. Feldartillerie-
Regiment, wurde er am 28. April 1839 zum Obersten im 2. Feldartillerie-Regiment
befordert. Er machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im
Jahre 1859 mit und zwar anfangs als Commandant der Armee-Geschütz- Reserve,
vom 15. Mai an als Artillerie-Chef des II. Armee-Corps. Als solcher kämpfte er in
der Schlacht bei Magenta am 4. Juni und wurde wegen seiner hervorragenden
Leistungen in derselben am 27. Juni 1859 mit dem Orden der Eisernen Krone
II. Classe ausgezeichnet. Am 24. Jänner 1863 zum Artilleriestabe transferiert,
wurde er gleichzeitig Artillerie-Director für Galizien, Mähren und Schlesien. Am
19. April als Artillerie-Director nach Lemberg versetzt, wurde er auf diesem Posten
am 11. Juni 1866 zum Generalmajor befördert, sodann am 12. August 1867
zum Landes-Artillerie-Director für Ungarn ernannt. Am 22. April 1868 erfolgte
seine Ernennung zum Oberst-Inhaber des 9. Artillerie-Regiments. Er
starb am 3. November 1869 zu Carlsbad.
* VEVER Carl Freiherr von, Oberst, tgt als Hauptmann bei Salzburg vor
Ilermannstadt am 4. Februar 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1631 bis 163H.) Seit 1851 Commandant des 51. Infan-
terie-Regiments, wurde er am 29. März 1859 zum Generalmajor befördert. Er
machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 im
Verbände der Küsten-Armee mit, ohne einer Affaire beizuwohnen. Nach demselben
wurde er als Brigadier in das II. Armee-Corps eingetheilt. Im April 1866 zum
Festungs-Truppen-Brigadier zu Mantua ernannt, machte er im Kriege gegen
Preußen und Italien im Jahre 1866 den Feldzug in Italien auf jenem Posten mit
und wurde am 28. October mit der Allerhöchst belobenden Anerkennung
ausgezeichnet. Er trat am 1. November 1866 unter Verleihung des Feldmarscball-
Lieutenants-Charakters a<l honore* in den Ruhestand und starb am 24. October
1885 zu Pressburg.
* URBAN Carl Freiherr von, GM., tgj als Oberst bei Moroseheny am
6. Februar 1849.
r
Digitized by Google
Status des Ordens am Tage der ersten SflcularFeicr.
35
(Näheres: Abth. II, S. 1634 bis 1639.) Seit 1854 Brigadier, wurde er am
3t). September 1857 zum Feldntarschall-Lieutenantbefördert. Im Krieg gegen
Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1S59 befehligte er die Reserve-
Infanterie-Truppen-Division, welche im Rücken der Armee Aufstände in Veneticn
hintanzuhalten hatte. Er machte das Treffen bei Monlebello am 20. Mai, die
Gefechte bei Varese am 26. Mai, bei S. Fermo und Comu am 27. Mai, die
Beschießung von Varese am 31. Mai und bei Castenedolo am 15. Juni mit. Für
sein Verhalten bei Montebello wurde er am 2. Juni mit dem Ausdrucke der Aller-
höchsten Zufriedenheit ausgezeichnet. Am 16. Juni erfolgte seine Ernennung
zum provisorischen Festungs-Commandanten von Verona. Am 13. Juli 1859 von
diesem Posten enthoben, wurde er am 2. November 1859 als Truppen-Di visionär
zum IV. Armee-Corps nach Brünn versetzt, späterhin dem Landes-Gencral-Com-
mando zu Brünn zugetheilt Er trat am 1. Mai 1865 in den Ruhestand und starb
am 1. Jänner 1877 zu Brünn.
K0L0WK AT- KR A KOWSK Y Leopold Graf, igt als GM. bei Mortara am 21.
und Novara am 23. März 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1639 bis 1640.) Seif dem Jahre 1850 Feldmarschall-
Lieutenant im Ruhestande, hatte er im Jahre 1854 den Militär -Charakter
abgelegt. Er starb arn 21. März 1863 zu Wien.
* BARCO Joseph Freiherr von, FML., igt als FML. bei Novoselica und bei
Toronya am 21. und 22. März 1819.
(Näheres: Abth. II, S. 1641 bis 1641.) Seit März 1857 Oberlieutenant der
Ersten Arcieren-Leibgarde, starb er am 26. September 1861 zu Wien.
* DEGENFKLD SCHONBURG August Graf. FML.. igt als GM. bei Novara
am 23. März 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1644 bis 1647.) Seit 1853 Comniandant des VIII. Armee-
Corps, übernahm er am 17. August 1858 das Coinrnando des VI. Armee-Corps.
Er machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 18.V.)
mit und zwar anfangs als Comniandant des VI. Corps in Südtirol, vom 17. Juni 185«»
als Commandant der IV. (Küsten-) Armee in Triest. Im Juli wurde er zum Com-
mandanten der II. Armee, am 1. August zum Conimandierenden General im
Venetianischen. im Küstenlande. Kärnten und Kram ernannt. Am 29. April 1860
erfolgte seine Berufung zum außerordentlichen Reichsriil.lt auf Lebensdauer. Am
20. October 1860 wurde er mit der provisorischen Führung des Kriegstninislerium-
betraut, am 10. November 1860 zum Feldzeugmeister betoniert und definitiv zum
Kriegsminister ernannt, sodann am Iii. Jänner 186:2 mit dem GroHkreuze des
Leopold-Ordens ausgezeichnet. Am 19. Februar 1864 auf sein Ansuchen von
der Stelle des Kriegsministers mit dem Ausdrucke der Allerhöchsten Anerken-
nung enthoben, trat er am 1. Juni 1861 in den Ruhestand. Infolge der Kriegs-
3"
Digitized by Google
36
Der Militärische Maria Theresien Orden van 17S7 bis 1890.
ereignisse 1866 ließ er sich am 1. August 1866 reactivieren. Nach dem Friedens-
schlüsse trat er am 1. September in den Ruhestand zurück und starb am
5. December 1876.
* BlANCHI Friedrich Freiherr von, Ruca di Casa Lanza, FML., tgt als Oberst
bei Novara am 23. März 1819.
(Näheres: Abth. II, S. 1647 bis 1651.) Seit 1853 Divisionär, trat er am
1. November 1859 in den Ruhestand und starb am 28. September 1865 zu
Graz.
* RÜIJNG Joseph Freiherr von, Oberst, tgi als Oberlieutenant bei Novara am
23. März 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1652 bis 1655.) Seit dem Jahre 1850 Capitän-
Lieutenant und Haus-Commandant der Trabanten-Leibgarde, trat er
am 1. Jänner 1867 unter gleichzeitiger Verleihung des Generalmajor-Charakters
<«/ honores in den Ruhestand und starb am 26. Juli 1869 zu Wien.
* Hl'BEL VON OLENfiO Christian Freiherr. Oberst, igt als Major bei Novara
am 23. März 1849.
(Näheres : Abth. II, S. 1655 bis 1657.) Seit 1852 Militär-Badehaus-Commandant
in Baden, wurde er am 27. Mai 1859 zum Generalmajor befördert und war
während des Krieges gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
erst Brigadier, sodann interimistisch Divisionär bei der IV. (Küsten-) Armee. Er trat
am 1. October 1859 in den Ruhestand und starb am 16. December 1868.
* PACKENJ VON KILSTÄDTEN Friedrich Freiherr, Oberst, & als Hauptmann
im General-Quartiermeister-Stab bei Novara am 23. März 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1657 bis 1660.) Seit 1854 Chef des Generalstabes der
I. Armee, machte er auf diesem Posten — am 27. Mai 1859 zum Generalmajor
befördert — den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
und zwar die Schlacht bei Solferino am 24. Juni mit. Für seine Leistungen wurde
er am 15. August 1859 mit dem Orden der Eisqrnen Krone II. Classe aus-
gezeichnet. Nachdem er bis 29. Jänner 1860 in Disponibilität gestanden, wurde
er im Februar desselben Jahres zum Brigadier und Militär-Commandantcn in Linz
ernannt und am 28. Juli 1861 als Truppen -Brigadier nach Krakau übersetzt.
Er fungierte sodann vom 12. April 1865 bis 10. September 1866 als präsidierender
Bevollmächtigter bei der Militär-Commission des Deutschen Bundes zu
Frankfurt am Main. Am 15. September 1866 zum Feldmarschall-Lieutenant
befördert, wurde er gleichzeitig zum Commandanten der XVI. Truppen-Division in
Hermannstadt ernannt, am 10. October 1868 in der gleichen Eigenschaft zur
V. Truppen-Division nach Olmütz übersetzt. Am 26. November 1871 wurde er
zum Commandanten der XIV. Truppen-Division und zum Militär-* iornmandanten
Digitized by Google
Status des Ordens am Tage der ersten Sftcular-Feier.
37
in Pressburg »mannt. Am 3. April 1874 erfolgte seine Ernennung zum
Oberst-Inhaber des 9. Infanterie-Regiments und am 9. April 1876 wurde
ihm die Würde eines Geheimen Rathes verliehen. Am 1. November 1870
wurde er unter Belassung auf seinem Dienstesposten als Militär-Commandant in
Pressburg zum Feldzeugmeister befördert, sodann mit Allerhöchster Ent-
schließung vom 19. October 1878 zum Stellvertreter des Ober-Com-
mandantcn der k. k Landwehr ernannt. Anlässlich der Vollstreckung seines
fünfzigsten Dienstjahres wurde FZM. Packenj am 10. October 188:2 in
Anerkennung seiner sehr ersprießlichen und vor dem Feinde ausgezeichneten
Dienstleistung mit dem Orden der Eisernen Krone I. Glasse ausgezeichnet.
Kr trat am 1. November 1885 in den Ruhestand und wurde ihm bei diesem
Anlasse in Anerkennung seiner durch mehr als 50 Jahre in mannigfacher Ver-
wendung geleisteten, im Frieden wie im Kriege ausgezeichneten Dienste der Aus-
druck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben. Sein Ableben
erfolgte am 30. Jänner 1889 zu Meran.
* iMAMULA Lazarus Freiherr von, FML., tgt als Oberst vor Peterwardein
;.m 29. März 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1663 bis 1665.) Seit dem Jahre 1851 Stellvertreter des
Militär- und Civil-Gouverneurs in Dalmatien zu Zara, wurde er am 14. Juni 1858
/.um Inhaber des 25. Infanterie-Regiments, sodann im Juli 1859 zum
wirkliehen Gouverneur und Militär-Gommandanten in Dalmatien
ernannt. Am 16. August 1864 mit dem Orden der Eisernen Krone I. Glasse
ausgezeichnet, trat er am 1. November 1865 in den Ruhestand und wurde ihm bei
diesem Anlasse unter dem Ausdrucke der Allerhöchsten Anerkennung und
des Allerhöchsten Dankes für seine Verdienste der Feldzeugmeislers-
Charakter ml honore« und das Großkreuz des österreichischen Leopold-
Ordens verliehen. Im Jahre 1S70 erfolgte seine Ernennung zum lebensläng-
lichen Mitgliede des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes. S-in
Ableben erfolgte am 12. Jänner 1S7S zu Wien.
BERNAY VON FAVANC01KT Julius Graf, GM.. # als Oberst vor Brescia
am 31. März 18+9.
(Näheres: Abth. II, S. 1665 bis 1000. i Seil dem Jahre 1*52 im Ruhestand«',
starb er am 24. Februar 1880 zu Graz.
* KALCHBERG Wilhelm Freiherr von. Hauptmann, tgi als Hauptmann bei
Hat van am 2. April 1849.
(Näheres: Abth. 11, S. 1666 bis 1008.*) Seit dem Jahre 1850 Gomniandant drs
Schlossberges zu Graz, erhielt er im Juni 1857 die Kintheiluug als Garde und
Rittmeister in die k. k. Arcieren-Leibgarde, trat am 1. Juli 1*60 unter
Verleihung des Majors- Charakters in Ruhestand und starb am 16. December lhs:;
zu Graz.
Digitize<4 by (Joogle
38
Der Mililftrische Maria Theresien Orden von 1757 bis 1890.
* Jl'RKOVIC Paul Freiherr von. Hauptmann, tgt als Lieutenant bei Tapio-
Bicske am 4. April 1819.
i Näheres: Abth. II. S. 1071 bis 1072.) Seit dem Jahre 1853 Hauptmann
im 2. Grenz-Regiment, machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in
Italien im Jahre 185'.) und zwar die Schlacht bei Solferino am 24. Juni mit.
trat am 1. März 1800 in den Ruhestand und starb am 11. Jänner 1880 zu Zengg.
* M0NTENT0V0 Wilhelm Albert Graf, FML.. # als Oberst vor Komorn
.im 20. April 1849.
(Näheres: Abth. ll.S. 1G72 bis 1 076.) Er wurde als Divisionär beim III. Armee-
Corps am 13. März 18öS zum Inhaber des 5. Husaren -Regiments ernannt,
machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 als
Divisionär beim 1. Armee- Corps mit. anfänglich eine Zeit hindurch als selb-
ständiger Commandant an der Adda-Linie, sodann in der Schlacht bei Solferino
am 24. Juni und wurde am lö. August 1859 für seine Leistungen bei Solferino mit
dem Orden der Eisernen Krone II. Classe ausgezeichnet. Er war sodann
Divisionär beim II. Armee-Corps. Am 29. December 1860 wurde ihm die Geheime
Ralhswürde verliehen. Am 6. März 1861 zum Truppen-Divisionär in Hermann-
stadt ernannt, wurde er am 1 4. Mai 1861 interimistisch mit der Leitung des Landes-
General-Cnmmandos zu Hermannstadt betraut und am 7. Juni 1801 definitiv zum
Commandiei enden General in Siebenbürgen ernannt. Am 20. Juli 1804
wurde FML. Montenuovo aus dem Grafen- in den erblichen Fürslenstand des
österreichischen Kaiserreiches erhoben. Am 12. November 1800 zum Comman-
dierenden in Prag ernannt, wurde er am 4. Jänner 1807 General der
Gavallerie ad honorem, am 18. August 1807 Ritter vom Goldenen Vließe.
Am 20. April 1870 erfolgte seine Ernennung zum Hauptmann der Trabanten-
Leibgarde und Hofburgwache, am 5. Mai desselben Jahres seine Relörderung
zum General der Gavallerie. Am 1. September 1878 aufsein Ansuchen in den
Ruhestand versetzt, wurde ihm bei diesem Anlasse in Anerkennung seiner lang-
jährigen, besonders im Kriege ausgezeichneten Dienstleistung der Ausdruck der
Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben.
* WlLUBUKCi Adolph Freiherr von, Major. igt als Rittmeister vor Komorn
am 20. April 1849.
( Näheres: Abth. II, S. 1070 bis 1077.) Seit dem Jahre 1853 Second-Wach t-
meister bei der Arcieren-Leibgarde. starb er am 1 4. März 1S7S zu Illvo
in Ungarn.
* SOHKRl'ON VuN KKOXESsTKKS Oswald Freiherr. Oberst, jfo als Oberst-
lieutenant in Ofen am 21. M;d IN49.
(Nähens: Abth. II. S. 10sl bis 1084.} Seil dem Jahre 1882 im Ruhestande,
starb er am 21. Mai lsOV zu Wien.
Digitized by Google
Status des Ordens am Tage der ersten Sacular-Feier.
39
* STERXBERG Leopold Graf, GM., tgt als Oberst bei Kaacs am 7. Juni 1849.
(Nähorrs: Ablh. II, S. 1684 bis 1687.) Seit dem Jahre 1850 Cavallerie-
Brigadier im I. Gavallerie-Armee-Corps, wurde er am 2. (Mober 1858 zum Feld-
marschall-Lieutenant und Truppen-Divisionär in Agram ernannt. Er machte
den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1850 und zwar
die Schlacht bei Solferino am 24. Juni als Truppen-Di visionär im V. Infanterie-
Armee-Corps mit, übernahm sodann das Commando der Reserve- Cavallerie-
Division der I. Armee und wurde für seine hervorragenden Leistungen in der
Schlacht bei Solferino am 15. August 1859 mit dem Orden der Eisernen
Krone II. Classe ausgezeichnet. Am 13. November 1859 wurde er zum zweiten
Inhaber des 8. Kürassier-Regiments ernannt. Seit dem 27. November 1859
auf unbestimmte Zeit beurlaubt, trat er am 19. Juli 1872 unter Verleihung des
Charakters eines Generals der Cavallerie ad honores in das Verhältnis außer
Dienst. Am 18. September 1872 wurde ihm die Würde eines Geheimen Rathes
verliehen.
HUIUTS VON Pol'RNAY Anton Freiherr, FML., tgt als FML. bei Pered
am 21. Juni 1849.
{Näheres: Abth. II, S. 1690 bis 1692.) Seit dem Jahre 1852 im Ruhestande,
starb er am 30. März 1858 zu Warasdin.
* SIMBSCHKN Carl Freiherr von, FML., % als GM. bei Komorn am 2. Juli 18+9.
(Näheres: Abth. II, S. 1692 bis 1695.) Seit dem Jahre 1854 Divisionär im
1. Cavallerie-Armee-Corps, wurde er am 30. August 1859 zum Festungs-Comman-
danten von Theresienstadt ernannt, und ihm am 14. Juni die Würde eines
Geheimen Rathes verliehen. Er trat am 1. December 1864 unter gleichzeitiger
Verleihung des Ordens der Eisernen Krone I. Classe in den Ruhestand
und starb am 26. März 1870 zu Schönau bei Teplitz.
* MENSDORFF-POUILLY Alexander Graf, GM., ig« als Oberst bei Komorn
am 2. Juli 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1695 bis 1697.) Seit «lein Jahre 1853 Brigadier, wurde
er am 1. März 1859 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und machte den
Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 als Commandanl
der Reserve-Cavallerie-Division bei der II. Armee und zwar die Schlachten bei
Magenta am 4. Juni und bei Solferino am 2V. Juni mit und wurde für sein«'
hervorragenden Leistungen in der letzteren Schlacht mit dem C o m m a n d e u r k r e u z
des Leopold-Ordens ausgezeichnet. Seitdem 17. Jänner 1860 Inhaber des
73. Infanterie-Regiments, wurde er am 20. October 1860 zum komman-
dierenden Genoral im Banat und der serbischen Woj w odsch a l't und
zugleich zum k. k. Commissär für dieses Kronland unter gleichzeitiger Verleihung
der Würde eines Geheimen Rathes ernannt. Am 9. März 1861 erfolgte seine
Ernennung zum Statthalter in Galizien und zum Commandierenden General
Digitized by Google
40
Der Militärische Maria TheresienOrden von 1767 bis 1890.
in Galizieri und der Bukowina. Am 14. Juli 1863 wurde er in Anerkennung
meiner ausgezeichneten, erfolgreichen Dienste mit dem Großkreuz des Leopold-
Ordens ausgezeichnet. Mit Allerhöchstem Handschreiben vom 27. Öctober 18G4
berief ihn Seine Majestät der Kaiser zum M inister des kaiserlichen Hauses
und desÄußeren. Am 16. Mai 1865 wurde er unter Enthebung von der Jnhaber-
stelle beim 73. Infanterie-Reginiente Inhaber des 9. Uhlanen-Regiments.
Nach der Enthebung vom Ministerposten im Jahre 1806 beurlaubt, wurde FML.
Graf Mensdorff am 2. Mai 1868 zum General der Cavallerie befördert und am
3. Juli 1869 zum Comniand ierenden General in Ungarn ernannt. Am
18. Jänner 1870 von diesem Posten enthoben und in Disponibilität versetzt,
wurde er am 27. Februar unter gleichzeitiger Versetzung in den überzähligen
Stand auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Am 11. Mai 1871 erfolgte seine Berufung
als Stalthalter nach Böhmen, auf welchem Posten er am 14. Februar 1871 zu
Prag starb.
* NOSTITZ-RlENECK Hermann Graf, GM., igt als Oberst bei Puszla-Harkäly
am 3. August 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1697 bis 1699.) Seit dem Jahre 1851 Brigadier, wurde
er am 1. März 1859 zum Feldmarschall-Lieutenant und Divisionär bei dem
I. Armee-Corps in Prag befördert, am 15. Mai 1861 zum zweiten Inhaber des
Freiwilligen (nachm. 13.) Uhlanen-Regiments, am 1. Februar 1862 zum
Gommandanten der Gavallerie-Division in Böhmen ernannt, am 29. Jänner 1861
dem Landes- Genend -Commando in Siebenbürgen zugetheilt und ihm am
13. April 1866 die Würde eines Geheimen Rathes verliehen. Seit dem
1. December 1866 in Disponibilität, trat er am 1. December 1867 in den Ruhe-
stand. Im Jahre 1886 wurde er zum Oberst- Inhaber des 13. Uhlanen-Regiments
ernannt.
* SCHERPON VON KRONENSTERN Joseph Freiherr, Rittmeister, tgt als Ober-
lieutenant bei Puszta-Harkäly am 3. August 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1699 bis 1701.) Seit dem Jahre 1853 Rittmeister im
9. Uhlanen-Regiment, trat er am 31. Mai 1860 unter Verleihung des Major-
Charakters ad honores in den Ruhestand.
* HAUSLAB Franz Ritter von, FML., tgt als GM. bei Szöreg am 5. August,
Temesvär am 9. August 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1701 bis 1705.) Seit dem Jahre 1850 Feld-Artillerie-
Director der ersten Armee in Wien und mit dem Präsidium bei den Commissionen
zu Versuchen in den verschiedenen Zweigen der Artillerie betraut, wurde er
am 20. December 1858 zum General-Artillerie-Direetor ernannt. Er machte
den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859. und zwar
die Schlacht bei Solferino am 24. Juni als General-Feld-Artillerie-Direetor
im Allerhöchsten Hauptquartiere mit. Am 8. December 1860 wurde er zum Stadt-
und Feslungs-Conimaudanten in Prag ernannt, am 1. März 1861 auf seine
Bitte unter Verleihung des Feldzeugmeister-Charakters ad honores in den
Digitized by Google
Statu« des Ordens am Tage der ersten Sacular-Feier.
41
Ruhestand versetzt, am 20. December 1865 reactiviert, zum Feldzeugmei ster
befördert und gleichzeitig zum Präses der neu aufgestellten militär - wissen-
schaftlichen Central - Commission ernannt. Am 1. Mai 1868 trat er unter
Verleihung des Großkreuzes des Leopold-Ordens in den bleibenden Ruhe-
stnnd. Er war lebenslängliches Herrenhaus-Mitglied. Sein Ableben erfolgt«;
am 1 1. Februar 1883 zu Wien.
* KAMMIS6 VON RlEDKlRCHEN Wilhelm Freiherr. GM..* als Überstlieutenant
bei Temesvär am 9. August 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 170."» bis 1700.» Er machte den Krieg gegen Frank-
reich und Piemont in Italien im Jahre 1859 mit, kämpfte als Brigadier im
III. Armee-P.orps in der Sohlacht bei Magenta am 1. Juni, fungierte sodann vom
S.Juni bis 31. August als Souschef des Generalstabes beim Allerhöchsten
Arrnee-Obercommando und kämpfte in der Schlacht bei Solf erino am 24. Juni mit.
Für seine hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Magenta wurde er mit
dem Orden der Eisernen Krone II. Classe ausgezeichnet, sodann am 28. Juni
1859 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und am 17. Jänner 1860 zum
Inhaber des 72. Infanterie-Regiments ernannt. Seit Februar bis November
1860 dem FZM. Ritter von Benedek. sodann bis December 1861 dem Reichskriegs-
Ministerium zugelheilt, trat er am 1. Jänner 1862 in den Ruhestand, wurde jedoch
wieder reactiviert und am 25. November 1864 zum Commandanten des VI. Armee-
Corps ernannt. Am 19. April 1865 wurde ihm die Würde eines Geheimen Rathes
verliehen. Er machte im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 als
Commandant des VI. Armee-Corps den Feldzug gegen Preußen und zwar das Treffen
bei W yssokow am 27. Juni und die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli mit. Am
2. September 1866 zum Commandierendeu General in Böhmen ernannt,
wurde er bald darauf, am 12. November desselben Jahres, als Commandierender
General von Siebenbürgen nach Hermannstadt übersetzt. Am 22. April 186S
zum Feldzeugmeister ad honoirs befördert, wurde er am 3. Jänner zum Com-
mandierenden General in Brünn ernannt und am 30. April ls70 zum Feld-
zeugmeister befördert. Am 28. Jänner 1874 zum Hauptmann der Ersten
Arcieren-Leibgarde ernannt und gleichzeitig mit dem Orden der Eiserneu
K rotte I. Classe ausgezeichnet, wurde er in demselben Jahn; als lebens-
längliches Mitglied ins Herrenhaus berufen. Er starb am l. Juli 1876 zu
Carlsbad.
* LIECHTENSTEIN Franz Fürst zu. FML.. tgi als FML. bei Temesvär
am 9. August 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1709 bis 1713.) Seit dem Jahre 1850 Commandant des
I. Cavallerie-Armee-Corps, wurde er am "21. November 1859 zum General der
Cavallerie ari hotiore« befördert und am 2S. Mär/ 1860 zum General-Caval-
lerie-lnspector ernannt. Am 29. April 1*60 erfolgte seine Ernennung zum Mil-
gliede des außerordentlichen Reiclisraths und in der Folge zum lebenslänglichen
Digitized by Google
42
Der Milü&rUche Maria Theeesien Orden von 1757 bis 1890.
Mitgliede des Herrenhauses. Am 1. Juli 1860 zum General der Gavallerie
befördert, wurde er mit Allerhöchstem Befehlschreiben vom 20. October 1860 mit
der Leitung des General-Commandos in Ungarn mit Belassung in seiner Eigenschaft
als General-Cavallerie-lnspector betraut, mit 28. Juni 1861 von diesem Pusten
enthoben und ihm die General-Cavallerie-lnspection mit dem Sitze in Wien über-
tragen. Anlässlich der Auflassung der freiwilligen Cavallerie-Regimenter wurde er
am 7. Juli 1862 für seinen Antheil und seine Mitwirkung an dem befriedigenden
Erfolge bei Aufstellung und Ausbildung dieser Regimenter mit der Allerhöchsten
Anerkennung ausgezeichnet. Am 15. November 1866 trat erinden supernume-
rären Stand, bei welchem Anlasse ihm der Ausdruck der Allerhöchsten Zu-
friedenheit bekannt gegeben ward. Das Ableben dieses hervorragenden Reiter-
Generals erfolgte am 31. März 1887 zu Wien.
* SZTANKOVITS Ludwig Freiherr von, GM., tgt als Oberst im General-Quartier-
mcister-Stabe bei der Verteidigung von Temesvär 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1713 bis 1715.) Seit dem Jahre 1850 Truppen-Brigadier,
wurde er am 3. April 1858 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Er
machte den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 mit.
und zwar als erster General -Adjutant der II. Armee vom Beginne bis Mitte Juni,
betheiligte sich an der Schlacht bei Ma genta am 4. Juni und kämpfte als
Divisionär mit dem I. Armee-Corps in der Schlacht bei Solferino am 24. Juni.
Kur seine Leistungen bei Magenta wurde er mit dem Commandeurkreuz des
Leopold-Ordens ausgezeichnet. Sodann Divisionär beim V. Armee-Corps und
Militär- Commandant zu Innsbruck, wurde er am 4. Mai 1860 zum Festungs-
Commandanten in Mantua ernannt. Seit dem 16. Jänner 1860 zweiter
Inhaber des 66. Infanterie-Regiments, wurde ihm am 21. November 1861
die Würde eines Geheimen Rathes verliehen. Im Kriege gegen Preußen und
Italien im Jahre 1866 machte er den Feldzug in Italien als Festungs-Commandant
von Mantua mit und wurde hiefür am 3. October 1866 mit dem Militär-
Verdienstkreuze mit der Kriegs-D ecoration ausgezeichnet. Er trat am
1. November 1866 unter gleichzeitiger Verleihung des Feldzeugmeister-
Charakters <u\ honores in den Ruhestand, und starb am 19. April 1868 zu Wien.
Ausländische Ordensmitglieder.
GOMMANDEURE:
Seine Majestät WILHELM 1., König von Württemberg, Inhaber des k. k.
Husaren-Regiments Nr. 6, igi C. als Commandant des IV. Corps der Armee der
Verbündeten im Jahre 1814.
i Näheres: Abth. II, S. 1166 bis 1168.) Gestorben am 25. Juni 1864.
FlLANGlERl Carlo. Dura di Satriano, neapol. GL. und General- Adjutant des
Königs, igt C. bei Unterdrückung des Aufstandes in Sicilien 1848.
(Näheres: Abth. II, Seite 1723 bis 1724.) Gestorben am 16. October 1867 zu
S. Georgio a Cremano.
Digitized by Google
Status des Ordens am Tage der ersten SacularFeier.
43
LÜDERS-NlKOLAJEWlCZ Alexander, russ. lidl.. General- Adjutant. im
Jahre 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1724 bis 1725.) Er machte die Operationen und den
Krieg Busslands gegen die Türkei in den Jahren 1853 bis 1851» mit. und zwar seit
März 1855 als ( '.ommandant der Südarmee, seit Jänner 185(1 als Oberbefehlshaber
in der Krim. Er starb im Februar 1874 in .St. Petersburg.
HITTEK:
U'ESIJUILLE Joseph Marquis von, igt als Hauptmann des IG. Infanterie-
Hegimenls bei Volano am 21. April 1809.
(Näheres: Abth. II. S. 935.» Gestorben im Jahre 18G8zu Tan in Frankreich.
D'ANDREIS Julius Graf. sard. GL. in der Armee, jgj als kais. Genie-Haupt-
mann bei Trient 25. April LS09.
(Näheres: Abth. 11, S. 937 bis 939.) Gestorben in den ersten Monaten des
Jahres 18G4 zu Cannes in Frankreich.
EUGEN, Prinz von Württemberg, Hoheit, rnss. Gdl., igt bei Königstein und
Kulm im J:ihre 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 1243.) Gestorben am 18. September 1857.
1'AllhEN Graf von der, russ. GdC., General-Adjutant und General-Inspector
der ganzen Cavalleric, tgt bei Leipzig 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 1215.) Gestorben am l.Mai ISG4 zu St. Petersburg.
('ADOGAN Georg Lord, großbr. Vice-Admiral, jgt in Italien 1813.
(Näheres: Abth. II, S. 1282.) Gestorben im Jahre 18G5.
* MOKESBY FaIUKAX. kün. großhr. Vice-Admiral, t& bei Zura ISU.
(Näheres: Abth. II, S. 12*2.) Gestorben als Admiral am 22. Jänner 1*77.
* CARL. Prinz von Bayern, kön. Hoheit, Inhaber des k. k. Husaren-Begi-
menls Nr. 3, rgi bei Arcis sur Aube 1811.
(Näheres: Abth. II. S. 1825.')
Während des Krieges 1 )sterreichs gegen Preiilien und Italien im Jahre I SfiG war
FM. Prinz Carl von Bayern Oberbefehlshaber derjenigen Streitkräfte, welche
die mit Österreich verbündeten deutschen Bundesstaaten gegen Preußen ins Kehl
stellten und die unter der Bezeichnung „Westdeutsche Bundesarm er- gegen
die preußische „Main- Armee» unter dem Gdl. Vogel von Falkenslein zu
operieren hatten. Die Westdeutsche Bundesarmee bestand uu> dem Vll. deutsehen
Bundes-Armee-Corps unter speziellem Befehle des FM. Prinzen Carl von Bayern
und aus dem VIII. deutschen Bundes-Armee-Corps unter Commaiido des groü-
S
Digitized by Google
44
Der MiliUrische Maria Thereaien Orden von 1757 bLs 18-M).
herzoglich hessischen Gdl. Prinzen Alexander von Hessen.*) Außerdem sollte
sich mit diesen beiden Corps auch die hannoveranische Armee vereinigen.
Während der auf die Vereinigung abzielenden, leider zusammenhanglosen und
allzu langsamen Operationen dieser drei Armeekörper sah sich jedoch die hannove-
ranische Armee, trotz ihres bei Langensalza am 27. Juni über eine der preu-
ßischen Colonnen erfochtenen Sieges, infolge allseitiger Umzingelung durch andere
überlegene preußische Streitkräfte gezwungen, am 28. Juni zu eapitulieren. Darauf-
hin machte FM. Prinz Carl von Bayern die auf Vereinigung der Westdeutschen
Bundes-Armee abzielenden Operationen rückgängig. Die weiteren Operationen
und Kämpfe in Westdeutschland beschränkten sich auf eine Defensive, welche auf
den großen Verlauf des Krieges keinen anderen Einfluss zu üben vermochte, als
dass dadurch die preußische Main Armee in Westdeutschland festgehalten wurde.
Prinz Carl von Bayern starb am tti. August 187« zu Tegernsee.
Gl'RlEW Graf von. russ. geheimer Hath, igt im Jahre 181-4.
(Näheres: Abth. II. S. 1310.) Er starb im Jahre 1868.
Tst'HERXlTsrHEFF Alexander Fürst von. russ. GdC. und General-Adjutant,
% in den Freiheitskriegen 181:5 bis 14.
(Näheres: Abth. II. S. 1310.) Starb zwei Tage nach der ersten Säcnlar-Feier
• les Maria Theresien-Ordens, am 20. Juni 1857. zu Caslel lamare.
SorKHOZANETT. kais. russ. GdA.. General-Adjutant und Kriegsminisler, tgi
bei Leipzig 1813.
i Näheres: Abth. II, S. 1311.) Er starb im Jahre 1800.
WesTMORELASI) Graf, vordem Lord Burghersh. John F ane. kön. großbr. GL..
;§: bei Ar« i> sur Aube 1814.
■ Näheres: Abth. II. S. 1313 bis 1314.) Seit 1851 bis 1855 großbritannischer
BoN. hafter in Wien, von da an im Buhestande, starb er am 1»V. October 1859.
Seine Majestät LEOPOLD I.. Georg Christian. König der Belgier. Inhaber des
Infanterie-Regiments Nr. 27. ;gi in den Jahren 1813 bis 1814.
Näheres: Abth. 11. S. 1314. i Gestorben am 10. December 1865 zu Laeken.
SF.AToN Lord, vordem John Colborne. grotfbr. General, tgi Waterloo 1815.
Näheres; Abth. II. S. LJH». ■ Gestorben im April 1863 zu Tonjuai.
'< 1 H' Lr> tl ! - t'rimeii A I \ .i toi e r v<m Hes-en. welcher im Kriege Ö.«tenvioh* geg«n
KmiiLr-ich ui;<; IVü. ail in "i J.ihie 1*V.< aJ- t. k. rVMmarsch.dl -I.ieutenaut eine llivuion
•U-s VII C .rps b- ■ und in .!• : Schlicht W. S.>:tVrin-< an; H. Juni das Kitterkreiu des Mari.t
l iieresien-Urd i.s errui'g-:: halt-. ?iehe Nidere« im Abscluut'r : .LLYIl bis (ILYIII t'iüim>ti<»n. —
Im Kriege gegen r ra -.^reich i:nd FVmont I - . I'ult. n im Jahr* lv.y-.
Digitized by Google
Statu» de* Ordens am Tage der ersten SAcular-Feier.
45
WOODFORI) Alexander Sir, kön. großbr. General, igt Waterloo 1815.
(Näheres: Abth. II, S. 1319.) Als FM. geworben am 26 August 1870.
KOSTITZ August Ludwig Ferdinand Graf von, kön. preußischer GdC, egt
hei Ligny 1815.
(Näheres: Abth. II, S. 1320.) Gestorben am 28. Mai 1866 aut seinem Gute
Zobten bei Löwenberg.
STRAFFORl) Lord, vordem John BYNG, kön. großbr. Fcldmarschall, tgt bei
Waterloo 1815.
(Näheres: Abth. II, S. 1320.) Gestorben am 3. Juni 1860.
CLIFTON Arthur Benjamin Sir, kön. großbr. GL., igt bei Waterloo 1815.
(Näheres: Abth. II, S. 1320.) Gestorben am «J. März 1869.
NA PIER Charles Sir, kön. großbr. Vice-Admiral, igt bei Saida 1840.
(Näheres: Abth. II, S. 1340.) Gestorben am 6. November 1860 zu M ri-
eh iston.
CONSTANTIN Nikolajewitsch, Großfürst von Russland. kais. Hoheit, Inhaber
des Infanterie-Regiments Nr. 18, tgt im Jahre 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1725.) Lebt in St. Petersburg als Admiral.
* PANIUTINK Nikolaus von, russ. kais. Gdl., Genend -Adjutant, igt im
Jahre 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1725 bis 1726.) Er starb im Jahre 1867.
G ROTE NHJ ELM von, kais. russ. GL., tgt im Jahre 1849.
(Näheres: Abth. II, S. 1726.) Er starb im Jahre 1867.
Dies die imposante Schar von Ordensmitgliedern der eigenen Armee wie
fremder Heere, die am Tage der ersten Säcular-Feier des Orde-ns dessen Status
bildeten. Der weitaus überwiegende Theil der Mitglieder wohnte, wie aus dem
Vorstehenden ersichtlich, den glanzvollen Festlichkeiten in Person bei. Dass
jedoch diese Säcular-Feier kein bloßes militärisches Schaugepränge war, sondern
eine wahrhafte Musterung des Maria Theresien-Ordens bildete, bei welcher sich
der ungesproehene Schwur der Tapferkeit und Klugheit nicht bloß seitens der
Maria Theresien-Ritter, sondern im Geiste der gesainmten Armee thatenzeugend
wieder erneuerte, davon gaben die Kämpfe in den bald nachgefolgten Stürmen,
welche die Monarchie zu bestehen halte, selbstredendes Zeugnis.
Digitized by Google
4«i
Der MiliUkri.-clie Maria Thvrt^ien-Onlcu von 17Ö7 bis 18*.iO.
CLVIU. bis CLXX. Promotion des Maria Theresien-Ordens in den
Kämpfen von 1859 bis 1878.
Wie in allen früheren Kriegs-Perioden seit der Gründung übte der Genius
des Maria Theresien-Ordens auch in den Kriegen und Kämpfen der Monarchie von
lSö'.l Iiis IS7S mächtigen Einfluss. Insbesondere in den beiden unglücklichen
Kriegen von lS-VJ und 18oo\ in welchen die Monarchie, gleichwie schon mehrcre-
male zuvor, neuerdings isoliert gegen verbündete und übermächtige Feinde um ihre
Existenz zu ringen hatte, waren es Maria Thcresien-Ritter. die durch ihre Thaten
den Salzungen des Ordens gemäß wesentlich dazu beitrugen, die nachtheiligen
Folgen des so ungleichen Kampfes für die Monarchie nach Menschenmöglichkeit
einzuschränken, dem Kriegsunglück Einhalt zu thuu. das Verderben vom Vater-
lande abzuwenden.
Wie aus den nachfolgenden Abschnitteu dieser III. Abtheilung der Ordeiis-
gesehiehte des Weiteren hervorgehen wird, schwangen sich von den voran-
geführten Maria Theresien-Rittern in den der ersten Säcular-Feier nachgefolgten
Kämpfen in höhere ('lassen des Maria Theresien-Ordens empor, und zwar:
Kraft Promotion C.LYlll im Kriege gegen Frankreich und Pumont in Italien
im Jahre 185'J:
BESEDEK. Ludwig lütter von. als FML. bei Solferiuo am 24. Juni vom Ritler zum
Commandeur.
Kraft Promotion CLXI im Kriege in Schleswig und Jütland im Jahre 1804:
GABLENZ. Freiherr vi.m. als FML. bei Oevvrsre am o. Februar vom Ritter zum
Commandeur.
Kralt Promotion CLXVi im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre
lSf>0:
ALBKKCHT. Erzherzog, k. k. Hoheit, als FM. bei Custozza am 21. Juni vom Com-
mandeur zum Gn »Bkreuz.
MARJWV\ Freiherr von. als FML. für Custozza am 21. Juni vom Ritter zum Com-
mandeur.
•I'dlN. Freiherr von. als GM. für Cu-tozz.i ;un 2C Juni vom Ritter ziuu Com-
mandeur.
Kl "HS. Freiherr von. ;■!- GM. für die Vertheid immg Tirol- vom Ritter zum Com-
mandeur.
Außerdem erstanden in den Kämpfen \ < mi IvWm« 1s7> dein Maria Theresieu-
Ofden 2 neue Com man den r.- und :iö n-ue Ritter • Au-Mtidt \ ungerechnet! So
wurden summt den in höhen.- CU-s-r: Emporsteigend»-!] in den der ersten Sacular-
Feier nachfolgenden Promotionen an Inländern promovier:, und zwar:
Digitized by Google
Zweiter SUluteuNachtrag vom Jahre 1878.
47
kraft Promotion CLVIII und CL1X im Kriege gegen Frankreich und Pie-
niont in Italien im Jahre 1859: 1 Comntandeur und 15 Ritter;
krall Promotion CLXI im Kriege gegen Dänemark in Schleswig und Jüt-
land im Jahre 1864: 1 Commandeur und 1 Ritter;
kraft Promotion GLXIV bis CLXVHI im Kriege gegen Preußen und Italien
im Jahre 1866: 1 Großkreuz, 4 Gommandeure und 15 Ritter:
kraft Promotion GLXX anlasslich der Kämpfe in Süd-Dalmatii'ii im Jahre
1861): 1 Ritter, sodann bei den Kämpfen in Bosnien-Hercegovina im Jahre 1878:
1 Commandeur und 3 Ritter; — im ganzen an Inländern seit 1851) bis 1878:
1 Uroßkreuz, 7 Gommandeure, 35 Ritter.
Überdies wurden an Ausländern, und /war kraft Promotion CLX im
Jahre 1860 4 Ritter: — kraft Promotion CLXH und CLXU1 im Jahre 1864
2 Gommandeure und 3 Ritter; — kraft Promotion CLXIV bis CLXVIII im
Jahre 1866 1 Commandeur und 2 Ritter; — kraft Promotion CLXIX im
Jahre 1875 1 Ritter; — im ganzen an Ausländem seit 1860 bis 1S75:
3 Gommandeure, 10 Ritter promoviert.
Zweiter Statuten-Nachtrag vom Jahre 1878.
Im Jahre 1878, am 21. October, geruhte Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. die von weiland Seiner Majestät Kaiser Franz im Jahre 1810 am
12. December zu den Ordenstatuten erlassene erläuternde Nachtrags- Verordnung
nach achtundsechzigjähriger Geltung außer Kraft ?.u setzen und an deren Stelle
unter Aufrechthaltung der alteu Theresianisi hen Statuten, in Erläuterung und
Ergänzung der letzteren, eine neue Allerhöchste Nachtrags- Verordnung zu
erlassen, um hierdurch eine — sowohl den Absichten der erlauchten Stifterin, als
auch den in Bezug auf Beurtheilung militärischer Leistungen inzwischen wesent-
lich geänderten Verhältnissen — entsprechende Auffassung und Auslegung der
Ordensstatuten seitens der Ordenscapitel zu erzielen.
Durch diesen Statuten-Nachtrag, dessen Aufnahme als Anhang zum Dienst-
Reglement gleichzeitig Allerhöchst angeordnet ward, wurden gewisse Grundsätze
in Bezug auf die Beschaffenheit der ordenswürdigen Thalen und die Geltend-
machung der Anspruchsberechligung in klarer, bestimmter Weise festgestellt.
Ferner wurden auch die Pensionen erhöht, und zwar für
6 Großkreuze . . . . ä 3000 fl. = 18.000 tl. j
16 Commandeurs . . ä 1500 fl. = 21,000 , f
100 Ritter ä 800 II. = 80.000 „ ( lo*,CU
50 Ritter ä 600 fl. = 30.000 „ *
Zu dieser erheblichen Erhöhung der Pensionen trat noch die zu liunsten der
ganz elternlos zurückbleibenden Waisen der Ordensmitglieder erlassene
hochherzige Begünstigung, dass jene Pension, welche der Witwe statutenmäßig
gebürte, an solche Waisen bis zur Vollstreckung des 18. Lehensjahres überzu-
gehen habe.
Digitized by Google
IS
Der Militärische Maria TliorcMen Urdi n von 1757 bis 1890.
Dritter Statuten-Nachtrag vom Jahre 1886.
Weilers geruhten Seine Majestät durch das folgende Nachtrags-Statut vom
II. Februar 188G einen erneuerten Beweis AUerhöchstdessen steter Obsorge zu
geben, den Orden zu ehren:
.NACHTRAGS-STATUT.
Wir FRANZ JOSKPH I. von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von
Böhmen u. s. w. und Apostolischer König von Ungarn.
Nachdem Unser erlauchter Herr Sohn, Kronprinz Erzherzog Hudolph.
als l'rotector des Heeres-Museums aus anerkennenswertem, patriotischem
Gefühle und Sympathie für die kaiserliehe Armee den Wunsch ausgesprochen
hat, dass in Hinkunft die Ordenszeichen verstorbener Mitglieder des Maria
Theresieu-Ordens nicht wie bisher ;m die Ordenskanzlei zu weiterer Verwendung
zurückgestellt, sondern in dem lleeres-Museum in würdiger Weise aufbewahrt
werden sollen, und Wir diesem Wunsche Unsere Genehmigung zu ertheilen
befunden haben, so wird diese eine Abänderung der Ordensstatuten bedingende
Bestimmung hiemit angeordnet und hat die Ordenskanzlei sich darnach zu
verhalten.
Wien, am 11. Februar 1886.
Franz Joseph m. p.
Friedrich Ferdinand Graf Beust m. p.
Auf Seiner kaiserl. und künigl. Apostolischen Majestät
Allerhöchst eigenen Befehl
Franz Freiherr v. Mensshengen m. p.*
Infolge dieser Verordnung und einer nachgefolgten Allerhöchsten Ent-
schließung vom 21. Decemher 1889. wurden bis zum Abschlüsse dieser UI. Ab-
theilung der Ordeusgeschiehte
7 Großkreuze,
37 Commandeurkreuze,
289 Bitterkreuze
der Promotionen IX bis CLXX :tus den Kriegsjuhren 17l»'! bis 1878, mit dem
Nationale ihrer letzten verstorbenen Besitzer bezeichnet, in dem der öffentlichen
Besichtigung zugänglichen Heeres-Museum zu Wien in würdiger Weise ausgestellt.
Digitized by Google
Kanzler und Schatzmeister de* Orden.-.
— Enthüllung des Maria Theresieu Denkmals.
49
Kanzler und Schatzmeister des Ordens.
Sott der Stiftung des Ordens zählt derselbe bei Abschluss der vorliegenden
III. Abtheilung der Ordensgeschichte sechs Ordenskanzler und sechs Ordens-
schatzmeister. Als der Letzte der Ordenskanzler wurde am 4. November 1886
der Ordenscommandeur FZM. Franz Freiherr Kuhn von Kuhnen feld, als der
Letzte der Ordensschatzmeister am 27. December 1887 der Ordensritter FML.
Ludwig Freiherr von Pielsticker durch Seine Majestät den Kaiser und
Erhabenen Großmeister beruf« n.
Die vollständige Reihe der seit der Stiftung bisher in Function gestandenen
Ordenskanzler und Ordensschatzmeister stellt sich nachfolgend dar, und zwar:
ORDENS-KANZLER:
KAUNITZ-RlETBERG, Fürst, 1757 bis 1794.
LACY, Graf, FM., 1794 bis 1801.
METTERNICH, Fürst Clemens, 1813 bis 1859.
WRATISLAV, Graf, FM., 1862 bis 1867.
BEUST, Graf, 1870 bis 1886.
KUHN, Freiherr von, FZM., seit 1886.
ORDEN S-SCHATZ MEISTER :
COLLENBACn, Freiherr von, Hofrath, 1757 bis 1790.
SPIELMANN, Freiherr von, Hofrath, 1790 bis 1813.
HUDELIST, Freiherr von, Staatsrat^ 1814 bis 1818.
BRENNER, von, Hofrath, 1826 bis 1849.
MENSSHENGEN, Freiherr von. Hofrath, 1849 bis 1887.
PIELSTICKER, Freiherr von, FML., seit 1887.
Wie aus den Lücken der vorstehenden Daten zu ersehen, blieb der Posten
des Ordenskanzlers von 1801 bis 1813. jener des Ordensschatzmeisters von
1818 bis 1826 unbesetzt, doch wurden die Functionen des Letzteren während der
Vacanz von dem Ordensgreffier Hofrath Frh. von Lebzeltern versehen.
Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals.
Zu den denkwürdigsten Ereignissen in den Annalen des Ordens zählt, wie
schon eingangs im Vorwort hervorgehoben wurde, die Errichtung des Maria
Theresien-Denkmals, welches in den Heldengestalten der fünf ältesten Ritter des
Maria Theresien-Ordens diesen selbst mit verewigt. Die Weihe und Enthüllung des
Denkmals vollzog sich am Sonntage des 13. Mai 1888 nach 1 Uhr mittags, bei
herrlichstem Frühjahrswetter, unter großartigem Gepränge in feierlichster Weise,
als wahres Kaiser- und Reichsfest zugleich.
In Anwesenheit Ihrer Majestäten des Kaisers Franz Joseph I. und der
Kaiserin Elisabeth, sowie des gesammten Allerhöchsten Kaiserhauses,
Ma,Uri.eh.r Maria There.i.o-Ord«. 4
Digitized by Google
50
Der Mil.Umche Maria Theresiea-Orden von 1757 bis 1890.
der obersten Hofwördenträger, der beiderseitigen Reichsvertretungen, der höchsten
geistlichen, Civil- und Militär-Autoritäten der Monarchie, fast sämmtlicher Maria
Theresien-Ritter*), der k. und k. Garden, der en parade ausgerückten Truppen,
sowie des Officiers-Corps der Garnisonen von Wien und aus dem Reiche, der
Wiener-Neustädter Militär-Akademie, sämmtlicher anderen durch Maria Theresiii
ins Leben gerufenen Institute, der nach Tausenden und aber Tausenden zählenden
Elite der Gesellschaft, endlich einer unabsehbaren Volksmenge: mit einem Worte
angesichts der Sendbotschaft von ganz Österreich-Ungarn gieng die Enthüllungs-
feier vor sich, unter dem Donner der Geschütze, unter dem Geläute sämmtlicher
Glocken der Residenz, unter unermesslichein Jubel des Volkes.
Nachdem der Cardinal Fürsterzbischof von Wien die kirchliche Weihe
vollzogen und nach abgesungenem Tedeum stimmte der Wiener Männer-
Gesangsverein folgende, von Joseph Ritter von Weilen gedichtete und von
Eduard Kremser in Musik gesetzte Festhymne an:
Edelste der Habsburgsprossen,
Klar im Geiste, thatentschlossen,
Und voll zartem Frauensinn.
Wohin auch die Blicke neiden,
Nirgend sah man Deinesgleichen,
Ruhmgekrönte Kaiserin!
Rings umdränget von Gefahren,
Ruft sie, Reich und Recht zu wahren,
Land und Volk zum Widerstand.
Ostreich kühn sein Banner schwinget
Und ein freud'ger Kriegsruf klingi t
Durch das treue Ungarland.
Kaum der lange Krieg beendet,
Friedenswerken zugewendet,
Herrscht voll Weisheit sie und Kraft ;
Volkeswohl ihr Herz durchglühet,
Unter ihrem Scepler blühet
Kunst empor und Wissenschaft.
Ewig soll dies Denkmal ragen
Ihr zum Ruhm, und künftigen Tagen
Sei es stets ein Mahnungsruf:
An die Herrlichste der Frauen,
Die voll Math und Gottvertrauen
Uns ein Reich, ein starkes, achut.
Als die Festhymne verklungen, besichtigten unter deren weihevollem,
erhebendem Eindrucke Ihre Majestäten, von dem gesammton Kaiserhaus
gefolgt, das im Sonnenglanze erstrahlende Standbild der glorreichen Altermutter
•) Siehe: .Status des Maria Theresien-Ordens am Tage der Enthüllung des Maria Theresien'
Denkmals* mm Schlüsse des Werkes im .Anhange*, Seite 497 bis +99.
Digitized by Google
Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals.
51
in feierlichem Rundgange um dasselbe. Dabei zeichnete der Monarch durch
huldvolle Ansprachen die auf dem Ehrenplatze nächst des Denkmals versammelten
Nachkommen der durch dasselbe mitverewigten Persönlichkeiten aus. Des-
gleichen geruhte Seine Majestät an die zur Feier befohlenen Mitglieder des
Maria Theresien-Ordens huldreiche Worte zu richten.
Den festlichen Tag schloss im Hof-Opernhause ein thfdtre pari, wobei das
Festspiel „Im Feldlager4, Militär-Scenen mit Volks- und Kriegsliedern aus dem
XVIII. Jahrhundert darstellend, zur Aufführung gelangte, welchem Seine Majestät
der Kaiser mit den Mitgliedern des Allerhöchsten Kaiserhauses und die meisten
hohen Theilnehmer an der Enthüllungsfeier, darunter auch die Maria Theresien-
Ritter beiwohnten.
Die Errichtung des Maria Theresien-Denkmals hatte aber für den
Maria Theresien-Orden außer der höchsten Auszeichnung, die ihm durch die
Milverewigung der fünf ältesten seiner ruhmreichen Mitglieder am Denkmal selbst
zutheil wurde, auch noch andere dauernde Beweise der Allerhöchsten Huld und
Gnade Seiner Majestät des Kaisers Franz joseph I. im Gefolge.
Um den weihevollen Tag der Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals,
welchen der Oberste Kriegsherr als einen Ehrentag der gesammten Wehrmacht
erklärte, für dieselbe zu einem ewig denkwürdigen zu gestalten, und in der Absicht,
das Andenken Seiner Ahnen, sowie der hervorragendsten Heerführer und Kriegs-
männer des Vaterlandes in der Armee wach zu erhalten und zu ehren, geruhte
Seine Majestät der Kaiser am Tage der Denkmals-Enthüllung mittels Aller-
höchsten Armee-Befehls anzuordnen, dass eine Reihe von Regimentern
für immerwährende Zeiten Namen erlauchter Ahnen Seiner Majestät,
sodann Namen der hervorragendsten Heerführer und Kriegsmänner
zu führen habe.
Nachfolgende Regimenter sind es nun, welche fortan Allerhöchste Namen
erlauchter Vorgänger des erhabenen regierenden Monarchen, und damit zugleich
der glorreichen STIFTERFN, sowie der, dem Gemal Maria Theresias, Seiner Majestät
dem Kaiser FRANZ, nachgefolgten GROSZMEISTER des Ordens für immerwährende
Zeiten zu führen haben:
Kaiserin und Königin Maria Theresia Infanterie-Regiment Nr. 32 ;
KAISER JOSEPH IL Uhlanen-Regiment Nr. 6;
KAISER LEOPOLD II. Infanterie-Regiment Nr. 33;
KAISER FRANZ Dragoner-Regiment Nr. 1 ;
KAISER FERDINAND Dragoner-Regiment Nr. 4.
Und unter denjenigen Regimentern, welche fortan Namen der hervorragend-
sten Heerführer und Kriegsmanner zu tragen haben, sind es nachfolgende 10 Regi-
menter, welche die ruhmreichen Namen der bereits durch das Maria Theresien-
4*
Digitized by Google
52 Her Militärische Maria Theresen- Orden von 1757 bis 1890.
Denkmal verewigten fünf, sodann weiterer fünf der ältesten und verdienstvollsten
Maria Theresien-Ritter für immerwährende Zeiten erhielten:
General - Lieutenant und Feldmarschall Carl V. Leopold Herzog von
LOTHRINGEN und BAR Dragoner-Regiment Nr. 7. (tgt GK. Schlacht bei
Breslau, am 22. November 1757. Näheres: Abth. I, S. 32 bis 33.)
Feldmarschall Leopold Joseph Maria Graf DAUN, Fürst von Thiano Infanterie-
Regiment Nr. 56. GK. Siehe Vorwort und Abth. I, S. 33 bis 37.)
Feldmaischall Franz Leopold Graf NADASDY auf Fogaras Husaren-Regiment Nr. 9.
(igt GK. Siehe Vorwort und Abth. I, S. 37 bis 39.)
Feldmarschall Andreas Graf HADIK von Futak Husaren-Regiment Nr. 3. (igt GK.
Siehe Vorwort und Abth. I, S. 39 bis 41.)
Feldmarschall Gideon Ernst Freiherr von LOVDON Infanterie-Regiment Nr. 29.
(igt GK. Siehe Vorwort und Abth. I, S. 48 bis 57.)
Feldmarschall Franz Moriz Graf von I.ACY Infanterie -Regiment Nr. 22. (igt GK.
Siehe Vorwort und Abth. I, S. 60 bis 62.)
Feldmarschall Carl Joseph Graf CLERFAYT DE CllOIX Infanterie-Regiment Nr. 9.
(igt C. bei Mebadia am 27. August 1789; ig: GK. bei Kalefat am 26. Juni 1790.
- Näheres: Abth. I, S. 284 bis 287.)
Feldzeugmeister Paul Freiherr KRAY DE KRAJOVA ET TOPOLYA Infanterie-
Regiment Nr. 67. (igt bei Porcseny, am 10. Mai 1788; tgt C.Treffen Courtray
und Menin am 15. September 1793. — Näheres: Abth. I, S. 407 bis 411.)
Feldmarschall Friedrich Josias Prinz zu SACHSEN-COBURG-SAALFKLI) Infanterie-
Regiment Nr. 57. (igt GK. Schlacht bei Fokschan am 1. August 1789. —
Näheres: Abth. I, Seite 245 bis 250.)
Feldmarschall Johannes Joseph Fürst von LIECHTENSTEIN Dragoner- Regiment
Nr. 10. (igt als Oberstlicutenant bei Czettin am 20. Juli 1790; igt C. als GM.
Schlacht bei Würzburg am 1. bis 3. September 1796; igt GK. als GM.,
Schlacht an der Trebia am 17. bis 19. Juni 1799. — Näheres: Abth. I,
S. 570 bis 576.)
Diese vorstehenden 10 Regimenter gesellen sich nun zu jenen 7 nach-
folgenden, welche bereits vor Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals die
ruhmvollen Namen hervorragender inländischen Maria Theresien-Ritter für immer-
währende Zeiten erhalten hatten:
Feldmarschall Erzherzog CARL Infanterie-Regiment Nr. 3;
Feldmarschall Erzherzog CARL Uhlanen-Regiment Nr. 3;
Feldmarschall Carl Philipp Fürst zu SCHWARZENBERG Uhlanen-Regiment Nr. 2 :
Feldmarschall Joseph Graf RADETZKY VON RADETZ Husaren-Regiment Nr. 5;
Feldmarschall Alfred Fürst zu WjNDISCHGRATZ Dragoner-Regiment Nr. 14;
Feldzeugmeister Joseph Gral* J ELLA CI<5 de Buzim Infanterie-Regiment Nr. 79;
Feldmarschall Heinrich Freiherr von IlESS Infanterie-Regiment Nr. 49.
Digitized by Google
Enthüllung de« Maria Theresien-Denkmals.
So erhalten nunmehr außer jenen Regimentern, welche die Namen der
glorreichen Stifterin des Ordens, sowie anderer erlauchten Herrscher Österreichs
und zugleich Erhabenen Großmeister zu führen haben, nunmehr bereits
17 Regimenter das Andenken an hervorragende Heerführer, die zugleich Maria
Thcresien-Ritter waren, in der Armee unvergesslich wach, — gleichsam
geistige Denkmale, durch welche die erhabenen Herrscher und zuletzt Seine
Majestät Kaiser und König Franz Joseph 1. den Maria Theresien-Orden für
immerwährende Zeiten mit zu ehren geruhten.
Die höchste aller Auszeichnungen wurde aber dem Orden durch jene monu-
mentale Mitverewigung der ältesten fünf seiner Ritter auf dem Denkmal Marin
Theresias zutheil, welche nunmehr in historisch getreuen Erzgestalten inmitten
des Volkes und seiner nachkommenden Geschlechter unvergänglich fortleben.
Möge hiebei ehrend gedacht sein des Künstler-Schöpfers des herrlichen
Denkmals, des Bildhauers Professors Caspar Ritter von Zumbusch, des Mitschöpfers
Architekten Freiherrn von Hasen auer, dann des Hofhistoriographen Hofraths
Alfred Ritter von Arneth, wie überhaupt der gesammten Denkmals-Com-
nüssion, welche von Seiner Majestät dem Kaiser zur Verwirklichung Aller-
höchstseiner erhabenen und großherzigen Intentionen berufen war.
Die Errichtung des Maria Theresien-Denkmals ward außerdem zum Anlass
eines neuen huldreichen Beweises Allerhöchster Fürsorge des Erhabenen Groß-
meisters für das Wohl des Ordens, beziehentlich seiner Mitglieder und deren
Nachkommen, indem seine Majestät der Kaiser über Antrag des Ordenskanzlers
zur dankbaren Erinnerung an die erhabene Stifterin allergnädigst zu bewilligen
geruhte, dass vier Maria Theresien-Ordens-Stiftsplätze für Söhne und Töchter der
Ordensmitglieder in Militär- (Marine-) Krziehungs- und Bildungs-Anstalten aus
verfügbaren Ordensmitteln gestiftet und gleich mit Beginn des Schuljahres 1888/89
besetzt wurden.
Endlich gab die Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals, wie bereits
eingangs im Vorworte des näheren dargelegt wurde, den Anstoß zur Vervollstän-
digung der Ordensgeschichte durch deren vorliegende neue, selbständige Folge
und zugleich III. Abtheilung, welche auf nachfolgenden Blättern die Lebensläufe
undTliaten der Ritter aus den Promotionen CLVII1 bis CLXX in den Kriegen und
Kämpfen von 1859 bis 1878 verzeichnet und diese Tapferen und Klugen der jüngsten
Vergangenheit, auch im Bilde um Maria Theresia geschart, der Mit- und Nachwelt
überliefert.
Digitized by Google
54
CLVI1I. und CLIX. Promotion.
CLVIII. und CLIX. Promotion.
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859.
Gleichwie in den Jahren 1848 und 1849 sah sich die Monarchie auch im
Jahre 1859 genöthigt. den von Piemont fortgesetzt ausgehenden Anfeindungen
unbestreitbarer Rechte des Allerhöchsten Herrscherhauses, wie auch der Bedro-
hung der Integrität Österreichs entgegenzutreten. Piemont unternahm es aber
diesmal nicht mehr, bloß mit eigenen Kräften Österreich herauszufordern. Unter
dem Drucke der italienischen Revolutionspartei kam ein Bündnis zwischen dem
Könige Victor Emanuel und dem Kaiser Napoleon III. zustande. Abtrennung
der Lombardie und Venetiens von der Monarchie, Verdrängung der Herrschaft
und jedweden Einflusses Österreichs aus Italien : dies galt als nächstes offen-
kundiges Ziel der Verbündeten. So hatte Österreich diesmal gegen zwei Gegner
anzukämpfen. Dabei ergab sich aber aus dem Bündnisse Piemonts mit Frankreich
schon vor Beginn des Krieges auch noch der schwerwiegende Nachtheil für
Österreich, dass es als Mitglied des Deutschen Bundes darauf Bedacht zu nehmen
hatte, den französischen Streitkräften nicht allein in Italien, sondern auch am
Rhein entgegentreten und die für diese Eventualität erforderlichen Streitkräfte
bereit halten zu müssen. Dieser Umstand und die Notwendigkeit, die italienischen
festen Plätze, die Küsten, das Innere und die Ostgrenze der Monarchie stark
besetzt zu halten, wirkten zusammen, dass Österreich bei einem effectiven Kriegs-
stande von 629.000 Mann anfangs etwa nur mit dem vierten Theile seiner Streit-
kräfte, nämlich mit 100.000 Mann, wovon nicht ganz 120.000 streitbaren Standes,
auf dem Kriegsschauplatze erscheinen konnte, während die Verbündeten gleich
bei Beginn ihrer Operationen über rund 180.000 Mann verfügten. Doch auch in
den Rüstungen und in der rechtzeitigen Eröffnung des Krieges sah sich Österreich
durch finanzielle Schwierigkeiten wie nicht minder durch diplomatische Einflüsse
derart gehemmt, dass es erst angesichts der sich vollziehenden Vereinigung der
verbündeten Streitkräfte den Krieg eröffnen konnte. Mit einem Worte, Österreich
trat unter ungünstigen politischen wie militärischen Verhältnissen in diesen
Kampf ein.
Den Oberbefehl über die feindlichen verbündeten Streitkräfte führte
Kaiser Napoleon III., wobei unter ihm König Victor Emanuel die piemon-
tesische Armee befehligte.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859.
55
Der streitbare Stand der Verbündeten bei Beginn des Feldzuges betrug,
und zwar: jener der französischen Armee: 107.656 Mann, 9008 Pferde, 312
Geschütze, jener der sardinischen Armee: 55.648 Mann, 3984 Reiter, 90 Geschütze,
demnach zusammen: 163.304 Mann, 12.992 Reiter und 402 Geschütze.
Die französische Armee bestand aus der kaiserlichen Garde unter Renault
de Saint- Jean -d'Angely und 5 Corps, und zwar dem 1. unter Baraguey
d'Hilliers, dem II. unter Mac Mahon, dem III. unter Canrobert, dem IV. unter
Niel, dem V. unter Prinz Napoleon.
Die sardinische Armee bestand aus 5 Infanterie-Divisionen, und zwar:
1. Castelborgo, 2. Fanti, 3. Durando, 4. Cialdini, 5. Cucchiari, aus der
Gavallerie-Division Sambuy und den Freischaren unter Garibaldi.
Die gegen die Verbündeten aufgebotene k. k. II. Armee stand unter Füh-
rung des FZM. Franz Grafen Gyulai. Als Generalstabschef fungierte Oberst Frh.
von Kuhn.
Der streitbare Stand der Armee belief sich bei der Eröffnung der Feindselig-
keiten auf 106.631 Mann, 6068 Reiter und 364 Geschütze.
Diese Armee bestand zu jener Zeit aus 5 Armee-Corps, und zwar: dem 11.
unter FML. Eduard Fürsten Liechtenstein, dem III. unter FML. Edmund Fürsten
Schwarzenberg, dem V. unter FML. Grafen Stadion, dem VII. unter FML. Frh.
von Zobel, dem VIII. unter FML. Ritter von Benedek, ferner der Reserve-Caval-
lerie-Division unter FML. Grafen Mensdorff und der Armee-Geschütz-Reserve.
Eine selbständige Reserve-Infanterie-Division unter FML. Frh. von Urban
mit dem streitbaren Stande von 11.573 Mann, 700 Reitern und 20 Geschützen
hatte im Rücken der Armee Aufstände im Innern des Landes hintanzuhalten.
Die k. k. Armee überschritt die durch den Ticino gebildete Grenze bei
Pavia am 29. und 30. April. Sie durchzog in drei kurzen Märschen die Lomellina
bis in die Linie Robbio-Pieve di Cairo. Als nächstes Operationsziel galt, die
Piemontesen zwischen Alessandria und Casale anzugreifen, bevor sich mit
ihnen die Franzosen vereinigt haben würden.
Schon am 2. Mai gab jedoch das Armee-Commando diese Offensiv-Operation
auf, weil inzwischen die Vereinigung der Verbündeten bei Alessandria ihren
Anfang genommen hatte. Nach einer Reihe von Demonstrationen, welche in den
Tagen vom 3. bis 5. Mai durch verschiedene Corps gegen Valenza, Casale,
Tortona — zum Theil durch Wetterunbilden behindert — ausgeführt wurden,
setzte sich die k. k. Armee über Vercelli gegen die Dora Baltea in Bewegung.
Doch auch diese am 5. Mai begonnene Operation gelangte nicht zur Durch-
führung, weil inzwischen in der linken Flanke der k. k. Armee ein großer Theil
der französischen Streitkräfte seine Vereinigung mit den piemontesischen bei
Alessandria vollendet hatte.
Die k. k. Armee bezog daher am 9. Mai eine Central-Stellung in der Lomel-
lina, in welcher sie bis zum 30. Mai verharrte, um die Lombardie sowohl gegen
einen directen feindlichen Einbruch zu decken, als ein eventuelles Vorgehen des
Feindes über Piacenza zu flankieren.
Digitized by Google
56
CLVI1I. und CLIX. Promotion.
Während dieser Zeit wurden Streifungen und Recognoscierungen unternom-
men, welche ergaben, dass die Verbündeten ihre Streitkräfte auf 180.000 Mann
und 400 Geschütze gebracht hatten.
Die k. k. Armee hatte inzwischen eine Verstärkung erhalten. In der zweiten
Hälfte Mai traf auf dem Kriegsschauplatze das IX. Corps unter GdC. Grafen
Schaffgotsche ein, jedoch mit der Bestimmung, die Stellung von Stradella
besetzt zu halten.
Am 20. Mai Heß das Armee-Commando durch ein combiniertes Corps von
5 Brigaden in der Stärke von 20.251 Mann, 1 164 Reitern und 68 Geschützen
unter Commando des FML. Grafen Stadion eine scharfe Recognoscierung
am rechten Po-Ufer von Vaccarizza nächst Pavia gegen Voghera ausführen. Dieses
Unternehmen führte zu dem Treffen von Monte bei lo, aus dessen Verlauf mit
Sicherheit auf das Vorhandensein von beträchtlichen feindlichen Streitkräften bei
Voghera geschlossen werden konnte.
Nach dem Treffen von Montebello bewirkten die feindlichen Streitkräfte
einen Klankenmarsch von der Operationslinie Alessandria-Piacenza am rechten
auf das linke Po-Ufer, um die Operationslinie Turin-Mailand zu gewinnen. Diese
Operation vollzog sich in der Zeit vom 26. bis 31. Mai hinter der Sesia unter einer
Reihe von beiderseitigen Demonstrationen, Recognoscierungen und Gefechten ent-
lang der Sesia bis V er cell i aufwärts.
Währenddem drangen auch Garibaldi'sche Freischaren, welche am 22. bei
Sesto Calende in die Lombardie eingebrochen waren, unter Gefechten gegen
FML. Frh. von Urban am 26. bis Varese und am 27. bis Como vor, wurden
jedoch am 30. gegen Laveno abgedrängt.
Am 30. Mai überschritt die piemontesische Armee die Sesia bei Ver-
celli und drängte in dem Gefechte vonPalestro und Vinzaglio eine auf
dem rechten Flügel der k. k. Armee stehende Brigade des VII. Corps gegen Robbio
zurück.
Am 31. unternahm FML. Frh. von Zobel mit 4 Brigaden — aus dem VII.
und II. Corps combiniert — einen Gegenstoß auf Palestro, musste jedoch vor
der feindlichen Übermacht ebenfalls auf Robbio zurückweichen.
Am Tage dieses zweiten Kampfes bei Palestro überschritten 2 französische
Corps die Sesia, und zwar jenes Canroberts bei Prarolo in der Richtung auf
Palestro, und jenes Mac Mahons bei Vercelli in der Richtung auf Cameriano.
Während so die Verbündelen ihre Kräfte gegen den rechteu Flügel der k. k.
Armee auf der Linie Turin - Mailand vorschoben, traf das k. k. I. Armee-Corps
unter FML. Grafen Clam-Gallas aus Böhmen staffelweise auf dem Kriegsschau-
platze ein. Bis 1. Juni vermochten jedoch nur 2 Brigaden des Armee-Corps zur
Armee zu stoßen, von denen die Besatzung im Brückenkopf bei S. Martino ver-
stärkt und ein Detachement gegen Turbigo entsendet wurde.
Am 1. Juni überschritt das Gros der französischen Armee die Sesia.
Das k. k. Armee-Commando hatte für den 1. Juni einen Vorstoß gegen Novara
beabsichtigt. AngesichU der feindlichen Übermacht unterblieb derselbe jedoch.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 18fi9.
57
Das k. k. Heer trat vielmehr am 2. Juni mittags in zwei Golonnen über Vigevano
und Bereguardo den Rückmarsch hinter den Ticino an, um eventuell vom
linken Ufer aus den Verbündeten den Übergang über diesen Fluss zu verwehren.
Am 3. Juni abends befand sich die ganze k. k. Armee hinter dem Ticino in dem
Räume von Bereguardo bis Magen ta echelloniert.
Schon hatte aber auch der Gegner die Überschreitung des Ticino begonnen.
Während die k. k. Armee im Bogen südwärts des Brückenkopfes von S. Marti no
den Uferwechsel vollzog und auf dem linken Ufer Aufstellung zu nehmen eilte,
überschritt das französische Corps Mac Mahon nordwärts von S. Marti no, bei
T u rb i go, den Fluss und drängte von dort den detachierten äußersten rechten Flügel
des k. k. I. Corps gegen Magenta zurück.
Auf die Nachricht, dass der Feind bei Turbigo den Ticino überschritten
hatte, räumten die Truppen des I. Corps in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni den
Brückenkopf von S. Marti no. Dabei misslang die Sprengung der großen Ticino-
Brücke bei Boffalora. Auf derselben überschritt nun der Feind am 4. Juni auch
bei S. Martino-Ponte nuovo di Magenta den Ticino. Dies und die weitere Vor-
rückung Mac Maiions von Turbigo führte zu der Schlacht bei Magenta.
Zunächst trachteten das halbe I. und das II. Corps vor Magenta am Naviglio
grande dem Feinde das Festsetzen auf dem östlichen Ticino-Ufer zu verwehren.
Nach Zurückweisung der von Turbigo über Cugiono gegen die rechte Flanke dieser
Heerestheile vorgerückten Spitze des französischen Corps Mac Mahon und nach
hartnäckigem Kampfe gegen die in der Front am Naviglio grande angreifende
französische Garde wurde das Centruin der Naviglio-Stellung bei Ponte nuovo di
Magenta durchbrochen und auch der linke Flügel der k. k. Truppen von Ponte
vecchio di Magenta theil weise zurückgedrängt.
Eine durch den Armee-Commandanten zunächst vom VII. Corps über Ma-
genta vordisponierte Division (FML. Reischach) stellte das Gefecht am Naviglio
grande wieder her. Das fast gleichzeitig gegen die rechte Flanke und Rückzugslinie
des Feindes über Robecco mit drei Brigaden, westlich des Naviglio, vorrückende
III. Corps zwang denselben. Ponte vecchio di Magenta zu räumen und seine An-
griffe auf die Naviglio-Iänie einzustellen. Nach successivem Kintreffeti mehrerer
Brigaden des französischen III. und IV. Corps am östlichen Ticino-Ufer nahm der
Gegner auf der ganzen Linie seine Offensive wieder auf. Sein rechter Flügel nahm
wieder Ponte vecchio di Magenta, während sein Centrum, sowie sein* inzwischen
völlig entwickelter linker Flügel, concentrisch mit Übermacht vordringend, die k. k.
Truppen nach hartnäckigem Widerstande gegen Magenta zurückdrängten.
Die mittlerweile überRobecco, östlich vom Naviglio grande vorgerückte vierte
Brigade (GM. Ramming) des III. Corps brachte das Vordringen des feindlichen
Centruins gegen Magenta für kurze Zeit zum Stehen. Der rechte Flügel dieser
Brigade drang sogar über Magenta — westlich desselben — hinaus und gegen den
feindlichen linken Flügel vor, warf eine der Angriffs-Colonnen Mac Mahons gegen
Marcallo zurück und wehrte die ersten Angriffe einer anderen von Boffalora vor-
rückenden überlegenen Colonne von Magenta ab.
Digitized by Google
58
CLVIH. und CLIX. Promotion.
Schließlich aber warfen sich des Feindes linker Flügel und Centrum mit
übermächtiger Wucht vereint auf Magenta, infolge dessen die Truppen des I., II.
und VII. Corps den Ort räumen mussten und sich nach Corbetta und bis Cisliano
zurückzogen, wahrend die denselben zuhilfe gekommene Brigade des III. Corps
gegen Robecco zurückwich.
Nach der Wegnahme von Magenta wandte sich das feindliche Centrum
gegen Süden, um vereint mit dem rechten Flügel Ponte vecchio di Magenta zu
nehmen. Der durch frische Truppen verstärkte rechte Flügel des Feindes drang
sogar über Ponte vecchio di Magenta, westlich des Naviglio grande, gegen Carpen-
zago vor, wurde jedoch durch das III. Corps nach heftigem Kampfe schließlich
nach Ponte vecchio zurückgeworfen.
Endlich wurden auch die östlich des Naviglio grande über Ponte vecchio di
Magenta bis Limido vorgedrungenen Colonnen des feindlichen Centrums durch
eine von Robecco über Peralza frisch vorstürmende Brigade (Oberst Dormus) des
V. Corps bei einbrechender Dunkelheit bis Ponte vecchio di Magenta wieder
zurückgeworfen und damit das blutige Ringen dieses Schlachttages beendet.
Über die Linie Magenta und Ponte vecchio di Magenta vermochte der
Feind nicht weiter vorzudringen. Außerdem marschierte auf franco-sardinischer
Seite die bereits üb« r den Ticino gegangene sardinische Armee bis auf die Division
Fanti über den Ticino wieder zurück und lagerte vom 4. auf den 5. bei S. Martino
auf dem rechten Ufer. Auch Mac Mahon räumte Magenta in der Nacht und zog
sich gegen S. Martino zurück. Nur die Division Fanti hielt Magenta besetzt.
Auf österreichischer Seite hielt die k. k. Armee in erster Linie mit dein
linken Flügel und Centrum den südlichen Theil des Schlachtfeldes
vorwärts Carpenzago, Robecco und Ca»tellazzo de Barzi, mit dem rechten Flügel
aber angesichts Magen tas — nächst der nach Mailand führenden Straße — Cor-
betta fest. In zweiter Linie standen noch das halbe VII., der größte Theil des V.
und das ganze VDI. Corps intact da, während sich das IX. in Pavia marsch-
bereit hielt.
Der Armee-Commandant traf noch am i. abends Dispositionen, um den
Kampf am 5. Juni wieder aufzunehmen. Der Rückzug des halben I., des II. und
der Division Reischach des VII. Corps vom Schlachtfelde bis Cisliano bestimmten
ihn jedoch in der Nacht schließlich, für den 5. früh den Rückzug der Armee
anzuordnen.
Theile des III. und V. Corps, welche den Rückzugsbefehl verspätet erhielten,
nahmen am ">. früh den Kampf wieder auf. Erst nachdem ihnen die Weisung zum
Rückzüge zugekommen war, brachen sie das Gefecht ab und schlössen sich dem
Rückzüge an. Derselbe erfolgte, durch das V. und III. Corps gedeckt, in vollster
Ordnung, vom Feinde unbelästigt.
Die Verbündeten nahinen ihren weiteren Vormarsch in die Lombardie erst
am ü. Juni wieder auf; Mailand wurde durch ihre Truppen am 7. besetzt.
Die k. k. Armee zog sich von Magenta in drei Colonnen in südlicher Richtung
auf Pizzighetone zurück und bot am 8. Juni, mit dem rechten Flügel an die wohl-
Digitized by Google
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859.
59
besetzte Adda gelehnt, in der Linie Lodi-Corte Olona nächst des Po, dem
Feinde neuerdings die Stirne, dabei entschlossen, eventuell am 9. selbst die Offen-
sive zu ergreifen.
Die Verbündeten beschränkten sich jedoch darauf, am 8. mit 2 Corps die
Nachhut der nördlichen (rechten) Flügel-Colonne der k. k. Armee — 2 Brigaden
des VIII. Corps — durch das Gefecht von Melegnano zurückzudrängen, sonst
aber auf der Operationslinie Mailand-Brescia sich zu massieren.
Angesichts dessen setzte die k. k. Armee ihren Rückzug nunmehr in
nordöstlicher Richtung langsam hinter den Chiese fort, um sich in günstiger
Position dem Gegner vorzulegen.
Am 15. Juni warf bei der nördlichen (rechten) Flügel-Colonne der k. k. Armee
FML. Frh. von Urban Garibaldi'sche Freischaren, die entsendet waren, um sich
der Chiese- Übergänge bei Ponte S. Marco und Bettole zu bemächtigen, in dem
Gefechte beiCastenedolo zurück.
Ohne sonst vom Feinde im geringsten belästigt zu werden, gelangte die
k. k. Armee am 15. Juni abends hinter den Chiese in die Linie Montechiaro-
Castel Goffredo, mit dem Hauptquartier nach Castiglione delle Stiviere.
Damit hatte sich dieselbe den Verbündeten wieder direct vorgelegt und stand in
dem günstigen Höhen-Terrain südlich des Garda-Sees bereit, dem Feinde eine
Hauptschlacht zu liefern.
Die Verbündeten gelangten erst am 18. Juni an den Chiese, hatten somit,
wiewohl sie auf der inneren Linie vorrückten, in 14 Tagen nur IG Meilen Terrain
zu gewinnen vermocht.
Die oberste Heeresleitung hatte indessen hinter dem Mincio die For-
mierung einer neuen (I.) Armee vorbereitet. Dieselbe wurde nun gebildet, indem
zu dem bereitstehenden XI. Corps und der Reserve-Cavallerie-Division FML. Graf
Zedtwitz von der II. Armee das IX. und III. Corps herangezogen wurden. Das
Commando dieser I. Armee wurde dem FZM. Grafen Wimpffen übertragen.
Die II. Armee bestand fortan nur mehr aus dem VIII., V., I., VII. Corps und der
Reserve-Cavallerie-Division FML. Graf Mensdorff und wurde dem Commando des
GdC. Grafen Schlik unterstellt.
Außerdem standen, und zwar in Mantua das II., am unteren Po das X., in
Tirol das VI., im Innern der Monarchie das IV. und XII. Corps, während 1 neue
Corps — XIII. bis XVI. — in der Aufstellung begriffen waren.
Den Oberbefehl über das Heer übernahm am IG. Juni Seine Majestät
Kaiser Franz Joseph I. in Allerhöchster Person vom Hauptquartier Verona aus,
die Functionen des Chefs des Geneialstabes FZM. Frh. von Hess.
In der Zeit vom IG. bis zum 18. Juni stand die II. Armee zwischen dem
Chiese und Mincio, mit Anlehnung an den Garda-See, in der Linie Lonato-Casti-
glione delle Stiviere bereit, dem Feinde entgegenzutreten, während die I. Armee
hinter dem Mincio in der Linie Roverbella-Mantua eine beobachtende Stellung
gegen Westen und Süden einnahm. Arn 19. Juni wurde auch die II. Armee hinter
den Mineio in Marsch gesetzt, und am 21. standen die beiden Armeen mit
Digitized by Google
CO
CLVII1. uud CL1X. Promotion.
7 Corps und 2 Cuvallerie-Divisionen zwischen Pesch iera, Goito und Villa-
franca — mit dem Hauptquartier in Villafranca — concentriert, um sich
entweder gegen die Verbündeten bei Brescia oder gegen die gemäß verschiedener
Meldungen am unteren Po zu erwartenden feindlichen Sireitkräfte zu wenden.
Am 21. Juni überschritten die französischen Corps Niel und Mac Ma hon, so-
wie die sardinische Armee den Chiese und rückten bis in die Linie Garpenedole-
Montechiaro-Lonato; am 22. wurde das Corps Mac Mahon von Montechiaro bis
Castiglione delle Stiviere vorgeschoben. Am 23. ließ Kaiser Napoleon III. die in
zweiter Linie stehenden Corps der französischen Armee aufschließen, so dass die
Verbündeten die Linie Carpenedole-Castiglione delle Stiviere-Lonato einnahmen.
Eine Reihe von Meldungen ließ die oberste Heeresleitung glauben, dass
Napoleon auch noch das V. Corps unter dem Prinzen Napoleon von dem rechten
Po-Ufer zur Hauptarmee heranziehe, um dann mit überlegenen Kräften — circa
200.000 Mann — das k. k. Heer hinter dem Mincio — circa 150.000 Mann — an-
zugreifen. Daraufhin beschloss Kaiser Franz Joseph I., bevor die Vereinigung des
V. französischen Corps mit der Hauptartnee vollzogen wäre, selbst zum Angriff zu
übergehen.
Nachdem die Anwesenheit starker französisch -sardinischer Streitkräfte,
südlich des Garda-Sees gegen den Chiese, festgestellt war, ließ der Oberste
Kriegsherr das k. k. Heer in drei Hauptcolonnen den Mincio am 23. überschreiten
und bis in die Linie Medole-Solferino-rozzolengo rücken, mit der Absicht, den
Feind am 24. in der Linie Carpenedole-Castiglione delle Stiviere-Lonato an-
zugreifen.
Am 24. Juni rückten jedoch auch die verbündeten Streitkräfte weiter gegen
den Mincio vor, und zwar gleichfalls in drei Hauptcolonnen, mit den Marschzielen
Guidizzolo, Solferino-Cavriana und Pozzolengo.
So kam es zwischen den beiden Heeren am 24. Juni bei Medole, Solferino
und Pozzolengo zu Zusammenstößen, welche sich zur Schlacht bei Solferino
gestalteten.
Die I. Armee — der linke Flügel des k. k. Heeres — trachtete mit drei
Corps von Guidizzolo gegen Medole uud Morino vorzudringen, musste sich aber
damit begnügen, die Vorrückung von drei französischen Corps und drei Cavallerie-
Divisionen gegen Guidizzolo abzuweisen.
Die II. Armee — der rechte Flügel — kämpfte defensiv mit drei Corps bei
Solferino und Cavriana, mit einer Cavallerie-Division zwischen der I. und 11. Armee,
gegen drei französische Corps und eine piemontesische Division und musste —
infolge Misslingens der Offensive der I. Armee in der Front übermächtig angegriffen
und in der linken Flanke gefährdet — zurückgehen.
Das VIII. Corps deckte bei S. Martino die rechte Flanke des k. k. Heeres,
sich gegen zwei, späterhin vier piemontesische Divisionen siegreich behauptend.
Eine Division des II. Corps sicherte — zwischen Marcaria und Castel
Goffredo vorrückend — die linke Flanke des Heeres gegen das französische Corps
Canrobert, ohne zum Kampfe zu kommen.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859.
61
Der Verlauf der wesentlichen Schlacht-Momente innerhalb der drei Haupt-
Kuppen des k. k. Heeres gestaltete sich folgendermaßen:
Vor Medole und bei Morino wurden die Vortruppen der I. Armee von den
Spilzen der Corps Niel und Mac Mahon übermächtig angegriffen und nach vier-
stündigem hartnäckigen Widerstande zurückgedrängt Indes bewirkte die I. Armee
ihren Aufmarsch. Das Gros derselben entwickelte sich vorwärts Rebecco-Guidizzolo
in Gefechtslinie, worauf das IX. Corps gegen Medole. das III. gegen Morino vorgieng.
Dieser Angriff war nicht von Erfolg begleitet. Nach Abweisung desselben ergriffen
die Corps Niel und Canrobert selbst die Offensive und es gelang ihnen, bis zwischen
Medole und Guidizzolo vorzudrängen, wo sie jedoch heftigen Widerstand fanden.
Ein von der I. Armee unternommener zweiter Offensivstoß wurde vom Gegner
abgewiesen. Ein gleiches Schicksal hatte ein bald darauf unternommener dritter
Angriffsversuch der I. Armee, trotz des tapferen Vorgehens der Truppen. Darauf
vollführte bei Einbruch der Dunkelheit die I. Armee, ohne vom Feinde im
geringsten belästigt zu werden, ihren Rückzug in vollster Ordnung und
nahm in der Nacht vom 24. auf den 25. bei Goito auf beiden Ufern des Mincio
Stellung.
Das Misslingen der Offensive der I. Armee zog auch für die II. A r m e e bei
Solferino und Cavriana einen ungünstigen Verlauf der Schlacht nach sich. Auf
die Defensive gewiesen, leistete im Centrum das V. Corps gegen die Angriffe
des französischen Corps Baraguey d'Hilliers lange Zeit den tapfersten Widerstand
auf dem Schlüsselpunkt der Stellung, den Höhen bei Solferino. Auch nachdem
die links vom V. Corps in die Gefechtslinie gerückten Brigaden des I. Corps vor
der anstürmenden französischen Garde gegen Cavriana zurückwichen und dadurch
nicht nur die linke Flanke, sondern auch der Rücken der Position von Solferino
entblößt war, hielt der linke Flügel des V. Corps, von zwei anderen Brigaden
des I. unterstützt, trotz der sich erneuernden heftigen Frontangriffe des Feindes,
die Stellung nächst Solferino hartnäckig fe-t. Schließlich aber, als Colonnen der
französischen Garde — das k. k. V. Corps links überflügelnd — in Solferino selbst
eindrangen und die Rocca-Höhe im Rücken erstiegen, gleichzeitig Sturmcolonnen
de* Corps Baraguey von neuem in der Front unaufhaltsam vordrangen, während
andere Abtheilungen der Garde bereits gegen die Rückzugslinie des V. Corps
selbst losgiengen, musste es die Stellung auf den Höhen räumen. Kämpfend wurde
der Rückzug gegen Pozzolengo genommen und. nachdem der allgemeine Rückzugs-
befehl erlassen worden war, derart weiter vollführt, dass das V. Corps in der Nacht
bei Monzambano den Miucio überschritt, während sich das I. Corps theils am
rechten Ufer bei Borghetto, theils am linken bei Valeggio .sammelte.
Das VII. Corps — die Reserve der II. Armee — deckte deren Rückzug. Es
hatte schon während des Kampfes bei Solferino vorwärts Cavriana Stellung
<t cheval der nach S. Cassiano führenden Straße genommen. Nach dem Miss-
lingen der Offensive der I. Armee, von dem infolge dessen bei Morino entbehrlich
gewordenen Corps Mac Mahon auf den Höhen bei Gradello und auf dem Monte
Fontana angegriffen, wies das VII. Corps die ersten Angriffe Mac Mahons ent-
Digitized by Google
62
CLVIII. und CL1X. Promotion
schieden zurück. Als es jedoch nach erfolgter Räumung der Position von Solferino
überdies durch die französische Garde in Front und rechter Flanke übermächtig
angegriffen wurde, trat dasselbe, hartnäckig fortkämpfend, den Rückzug an. In
der Stellung auf dem Monte Bosco scuro that es dem Vordringen des Feindes
Einhalt. Nachdem es bei Volta noch ein drittesmal Stellung genommen, überschritt
es den Mincio bei Valeggio und Ferri und nahm bei Foroni Stellung.
Die Reserve-Cavallerie-Division der II. Armee überschritt den Mincio bei
Ferri und nahm bei Rosegaferro Stellung.
Glänzend, ja siegreich gestaltete sich indessen, trotz des ungünstigen Gesammt-
verlaufs der Schlacht, der Kampf des am äußersten rechten Flügel des k. k. Heeres
vorwärts Pozzolengo bei S. Martino gegen die Piemontesen fechtenden VIII. Corps.
Gleich bei Beginn des Kampfes wurden die Vortruppen der Divisionen Cuechiari
und Mollard, als sie die Vorposten des VIII. Corps auf Monte S. Giacomo und
Monte Ingrana angriffen, energisch zurückgeworfen, darauf rasch die Höhen von
S. Martino besetzt, sodann wiederholte, überlegene Angriffe der beiden Divisionen
auf diese Stellung von 31/* Brigaden so erfolgreich zurückgeschlagen, dass die
ersteren nach 10 Uhr vormittags in Unordnung weit zurückwichen. Von einer
Verfolgung, sowie von weitcrem Vordringen im Hinblick auf die minder günstige
Entwicklung des Kampfes bei dem links nebenanstehenden V. Corps absehend,
trachtete das VIII. Corps vielmehr durch Vereinigung seiner Kräfte, insbesondere
seiner Artillerie, auf den Höhen bei S. Martino diese Pivotstellung des Heeres
möglichst zu verstärken. Von 1 Uhr nachmittags bis abends wurde das VIII. Corps
bei S. Martino neuerdings wiederholt von den Divisionen Mollard und Cuechiari
in der Front, sodann auch von den Divisionen Fanti und Durando in der linken
Flanke übermächtig angegriffen. Es schlug jedoch alle Angriffe des Feindes, speciell
jene in der Front durch offensive Vorstöße, siegreich zurück. Der um 4 Uhr erlassene,
allgemeine Rückzugsbefehl wurde erst um 9 Uhr abends, als die Kraft des Gegners
vollständig gebrochen war, ohne die geringste Belästigung durch denselben, ange-
treten und in der Nacht der Mincio bei Peschiera und Salionze überschritten.
Am 25. Juni standen nahezu sämmtliche k. k. Heerestheile wieder in den-
selben Stellungen am linken Mincio-Ufer, welche sie am 23. morgens innegehabt
hatten. Hiebei waren jedoch die Übergänge über den Mincio auch auf dem
rechten Ufer besetzt, außerdem auf demselben Vorposten aufgestellt und
Delachemcnts bis an den Feind auf dem Schlachtfelde selbst vorgeschoben.
Das verbündete französisch-piemontesische Heer war nach der Schlacht am
24. abends erschöpft in der Linie Rebecco-Cavriana-Solferino-S. Martino, die fran-
zösischen Cavallerie-Divisionen speciell bei Guidizzolo, stehen geblieben. Das
Hauptquartier des Kaisers Napoleon III. wurde in Cavriana, jenes des Königs
Victor E man uel in Rivoltella aufgeschlagen. Am 25. schob der Feind nur die
beiden Flügel bis Volta und Pozzolengo vor.
über die Linie Volta-Cavriana-Solferino-Pozzolengo hinaus vermochten die
Verbündeten in den ersten drei Tagen nach der Schlacht bei Solferino nicht
vorzurücken. Ihre Offensivkraft war bei Solferino in gleicher Weise wie bei Magenta
Digitized by Google
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859.
63
durch die Tapferkeit und Ausdauer des k. k. Heeres gebrochen worden, so dass
die Österreicher gerade so wie bei Magenta auch bei Solferino einen Theil des
Schlachtfeldes behaupteten.
Nachdem die österreichischen Vorposten im Verlaufe des 26. von dem rechten
Ufer zurückgezogen worden waren und das k. k. Heer am 27. sich auch aus den
Stellungen am linken Mincio-Ufer aus strategischen Gründen zurückgezogen hatte,
nahmen die Verbündeten am 27. den Vormarsch wieder auf und überschritten mit
den Spitzen am 28. den Mincio. Ohne vom Feinde im geringsten gedrängt zu sein,
vollzog das k. k. Herr am 27. und 28. Juni den Rückmarsch vom Mincio hinter das
Festungsviereck an der Etsch-Linic. Während das Allerhöchste Hauptquartier
schon am 25. von Villafranca nach Verona verlegt worden war, gieng die
1. Armee nach Legnago, die II. Armee hinter Verona zurück.
Die Verbündeten führten den allgemeinen Übergang über den Mincio erst am
1. Juli aus und schritten zunächst zur Einschließung von Peschiera. Mantua wurde
nur beobachtet. Die Hauptmacht, zu welcher auch das französische Corps unter
dem Prinzen Napoleon stieß, rückte äußerst langsam in drei Märschen bis zum
3. Juli in nordöstlicher Richtung in eine concentrierte Aufstellung entlang des
Tione zwischen Castelnuovo und Custozza, Front gegen Verona.
Obgleich nun der Feind mit der Hauptmacht bloß einen kurzen Marsch von
der Etsch entfernt war, unternahm er weiter nichts. Nur auf Nebenkriegsschau-
plätzen, gegen Tirol und gegen die österreichischen Küsten im Adriatischen Meere,
blieben die Feindseligkeiten im vollsten Gange.
Am 6. Juli richtete plötzlich Kaiser Napoleon III. an Seine Majestät Kaiser
Franz Joseph I. das überraschende schriftliche Anerbieten eines Waffenstill-
standes behufs Anbahnung von Friedensverhandlungen. Ohne dass die beider-
seitigen Operationen eine Unterbrechung erlitten, wurden am 7. Juli diesbezüglich
Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Bevollmächtigten von österrei-
chischer Seite durch den General-Quartiermeister Sr. Majestät des Kaisers und
des Heeres, FZM. Frh. von Hess — gepflogen, am 8. Juli ein Waffenstillstand
auf fünf Wochen abgeschlossen und sofort die Feindseligkeiten auf allen Kriegs-
schauplätzen eingestellt.
Am 11. Juli folgte auf besonderen Wunsch des Kaisers Napoleon III. eine
Zusammenkunft Sr. Majestät Kaisers Franz Joseph I. mit dem ersteren in Villa-
franca, infolge dessen tags darauf der Präliminar-Friede von Villafranca
unterzeichnet wurde, welchem am 10. November 1859 der definitive Friedens-
schluss von Zürich folgte. Österreich trat die Lombardie, mit Ausnahme Man-
tuas und Peschieras, an Frankreich ab, welches dieses Land an Piemont weiter
übergab, wofür letzteres wieder an Frankreich Savoyen und Nizza cedierte.
Auf Grund der in diesem Kriege vollbrachten ordenswürdigen Waffenthalen
wurden durch die CL VIII. und CLIX. Promotion vom 17. October 1859 und
21. Mai 1860 ein Ritter zum Goramandeur und 15 Ritter des Militärischen
Maria Theresien-Ordens promoviert.
Digiti
64 CLVtll. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Commandeur des Maria Theresien-Ordens
Ludwig Bitter Ton Benedek.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 18Ti9.)
Im Jahre 1804 zu ödenburg geboren, genoss Benedek seine militärische
Erziehung in der k. k. Militär- Akademie zu Wiener-Neustadt, aus welcher er,
der siebente im Range, am 20. October 1822 als Fähnrich zum 27. Infanterie-
Regiment ausgemustert wurde. Am 1. Februar 1825 zum Unterlieutenant im
47. Infanterie-Regiment, am 15. März 1831 zum Oberlieutenant befördert,
wurde er am 28. Juli 1833 zum General-Quarliermeister-Stabe eingetheilt. Am
20. April 1835 avancierte er zum Hauptmanne, am 22. Mai 1840 zum Major
und Adjutanten des General-Commandos in Galizien, am 22. December 1843 zum
Oberstlieutenant in derselben Dienstesverwendung.
Während der im Jahre 1846 in Galizien ausgebrochenen Unruhen that er
sich um 26. Februar durch einen kühnen, erfolgreichen Handstreich auf den von
Insurgenten besetzten Ort Gdöw nächst Wieliczka hervor und wurde hiefür mit
dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens decoriert. Die Stadt Lemberg
ernannte ihn überdies am 25. Mai 1846 zu ihrem Eli renbürg er.
Inzwischen war er am 17. April 1846 zum Obersten ernannt worden, kam
am 26. August 1847 als Oberst und Regiments-Commandant zu Gyulai-Infanterie
und machte den Krieg gegen Piemont in den Jahren 1848 und 1849 in
Italien mit.
Im April 1848 übernahm er das Commando einer Brigade, erstürmte die
Curtatone-Linie am 29. Mai. kämpfte in dem Gefechte bei Goito am 30. Mai,
wurde in Anerkennung der Beweise von Tapferkeit und Ausdauer in den zahl-
reichen Kämpfen „gegen offenen und verborgenen Feind" am 24. Mai durch die
Allerhöchste Zufriedenheit ausgezeichnet, am 14. Juni 1848 mit dem Com-
mandeur-K reuz des Leopold-Ordens decoriert, und speciell für die erwähnte
Erstürmung der Curtatone-Linie am 27. November 1848 zum Ritter des Maria
Theresien-Ordens promoviert . *)
Im Jahre 1849 kämpfte er und zwar in Italien in der Schlacht bei Mortaraam
21. März, dann in jener bei Novara am 23. März mit. Am 3. April 1849 zum
Generalmajor befördert, focht er in Ungarn und zwar bei Raab am 28. Juni, in den
Schlachten bei Komorn am 2. und 11. Juli, bei Uj-Szegedin am 3. August und
bei Szöregh am 5. August. In dem Feldzuge 1849 wurde er dreimal verwundet
und zwar bei Mortara und Szcgedin leicht, bei Szöregh jedoch schwer und zwar
durch einen Granatsplitter. Für die im Feldzuge 1849 bei allen Anlässen neuerlich
*) Sieh.': „Der Militärische Maria Thcresien-Orden und seine Mit^Ii-dn-.* - Wien, 18-">7.
II. Ahtheilung.
Digitized by Google
Digitized
by Google
Digitized by Google
Coinninn<l(.'ur <1cp M. T.-l». Ludwig Itilltr \»>n IkiK'dek.
r.5
bewahrte Tapferkeit und Hingebung wurde ihm am 11. Juli 1849 erneuert die
Allerhöchste Zufriedenheit zutheil, Benedek überdies zum Oberst-
Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 28 ernannt, ihm schließlich am 22. Oclober
IN 19 das Militär- Verdienstkreuz verliehen.
Nach Wiederherstellung von seiner Verwundung wurde er unter F.M.
Radetzky zum Chef des G eneral-Quar! ierme ister-Stabes der II. Armee in
Italien ernannt und bekleidete diesen wichtigen Pusten über 7 Jahre. Am 22. Oc-
lober 1S50 ernannte ihn seine Vaterstadt Ödenburg zum Ehrenbürger.
Am 11. Jänner 1852 bekam infolge Allerhöchster Entschließung ein am
Lago Maggiore neu ausgerüsteter Schraubendampfer den Namen .Benedek".
Am 26. October 1852 avancierte er zum Feldmarschall-Lieutenant,
erhielt mu h dem Hücklritte Radetzky* am 28. Februar 1857 das Cornmando des
II. Corps, am 14. März 1857 die Würde eines Geheimen Käthes, übernahm am
27. März 1857 das Cornmando des IV. und bei Ausbruch des Krieges vor, 1859
jenes des VIII. Corps, an dessen Spitze er im Kriege gegen Frankreich und
Picmont in Italien im Jahre 1859 den Gipfel seines Ruhmes erklimmen sollte.
Vom 4. bis G. Mai unternahm FMK. von ßenedek mit seinem Corps eine
Reeognoscierung über den Po bei Coruale gegen Tortona. Während der Sehlacht
bei Magenta am 4. Juni stand Renedeks Corps bei Restazzo und sollte erst am
5. Juni gegen den Feind vorrücken, gieng aber infolge des allgemeinen Rückzugs-
befehls nach Binasco zurück. Am 8. Juni lieferten gemäß Benedeks Dispositionen
2 Brigaden seines Corps ein Arrieregarde-Gefeeht bei Melegnano.
Am 24. Juni war es dem FML. von Benedek vergönnt, mit seinem ganzen
Corps an der Schlacht bei Solferino ruhmvollen Antheil zu nehmen und in den
Verlauf derselben so wirksam einzugreifen, dass dadurch die Nachtheile des
ungünstigen Gesammtausganges dieser Schlacht wesentlich verringert wurden.
Ras VIII. Corps hatte in der Nacht vorn 23. auf den 24. Juni bei Pozzo-
lengo, wie folgt gelagert. Die Brigaden Watervliet und Kuhn, letztere vom
FML. Berger commandiert, nördlich von Pozzolengo und Östlich der Höhe von
S. Giacomo; die Brigade Lippert /.wischen Monte In^rrana und dem Castell von
Pozzolengo; die zugetheilte Brigade Reichlin östlich der nach Cavriana führenden
Straße in der Höhe von Casa Mondadella; die Brigade Philippovic nördlich von
der Brigade Reichlin näher am Orte; die Rrigade Dauber am nordöstlichen Aus-
gange von Pozzolengo zunächst der nach Ponti führenden Straße. An die letzlere
si hloss sich die Corps-Geschütz-Reserve an, welche um 7 l'hr morgens aus der
Stellung von Prentina bei Pozzolengo eintraf. Die Brigade Watervliet bestritt die
Vorposten, welche von Ca Zapaglia am rechten, bis Oontrada Mescolare am
linken Flügel liefen. Durch Streifpatrouillen, die bis an den Garda-See aus-
sehwärmten, wurde die rechte Flanke dieser Position gesichert; links war die Ver-
bindung mit dem V. Corps gegen Madonna della Scoperta mittels stehender
Posten und Streifpatrouillen hergestellt.
FML. von Benedek war am 2:i. Juni krank in Verona zurückgeblieben, mitter-
nachts jedoch bei seinem Corps in Pozzolengo eingetroll'en. um dasselbe bei dem
Militärischer JUria Thcre.Mon-Onl. ii. ■>
Digitized by Google
6li CLYIIl. und V.I.W. l'ioiii.>U..|i. — Im Km-pc v»u 1850.
voraussichtlichen Zusammenstoß mit dem Feinde am 2-1. persönlich in den Kampf
zu führen.
An diesem Tagt! sollte gemäß der Disposition des II. Armee-Cornmandos das
VIII. Corps in drei Colonnen über Castel Venzago, Contrada S. Pietro und über
Hivoltclla nach Lonato und Desenzano vorgehen und das zwischen beiden Orlen
liegende Terrain zur Deckung der rechten Flanke der Armee besetzen. Dem FML.
Benedek stand die ganze, von Lonato über Desenzano bis Hivollella au (gestaffelte
sardinische Armee gegenüber, mit Ausnahme der Division Cialdini, welche behufs
Unterstützung der Freischaren Garibaldis gegen die südwestlichen Ausgange
Tirols detachiert war.
Am 21. Juni um 6'/t Lhr morgens gieng von den Vorposten des VIII. Corps
die Meldung ein. dass eine etwa 2000 Mann starke feindliche Colonne auf der
Straße von Rivoltella gegen Pozzolengo herankomme. Gleichzeitig ließ das aus
Südwest vernehmbare Kanonen- und Kleingewehr-Feuer keinen Zweifel darüber,
dass der Feind auch das V. Corps (FML. Graf Stadion) vor Solferino bereits ange-
griffen hatte.
FML. Benedek befahl sogleich den Aufmarsch seines Armee-Corps in die laut
Alarm-Disposition bestimmte Gefechtsstellung, und zwar besetzten die Brigaden
Watervliet und Berger den Monte S. Giacomo, die Brigade Lippert den Monte
d'Ingrana, die Brigade Philippovie den Monte Rocolino. die Brigade Reiehlin endlich
mit einem Bataillon die dominierende Höhe von Contrada del Bosco, während
der Rest derselben und die Brigade Dauber rückwärts als Rückhalt aufgestellt
wurden.
Inzwischen hatte ein auf der Strada Lugana marschierendes Reeogno-
sciernngs-Detachement der piemontesischen Division Cucchiari den Ort Ponticello
erreicht, von wo es zum Angriff gegen die Einsattlung zwischen Monte S. Giacomo
und Monte d'Ingrana vorgieng. Fast gleichzeitig unternahm auch eine andere
Recognoscierungs-Abtheilung der piemontesischen Division Mollard. von Co rhu
di sotto über Ceresa und Succole, einen Vorstoß gegen den Monte« S. Giacomo.
Diese Offensivbewegung hatte keinen Erfolg. Das Vortreffen der auf den zuvor
genannten Höhen aufmarschierten Brigaden Lippert, Watervliet und Berger wies
den Angriff unter Mitwirkung einer Batterie der Corps-Geschütz-Reserve mit
Entschiedenheit zurück.
FML. Benedek ließ nun die über Ponticello weichenden Piemontesen durch
die Brigade Lippert und ein Bataillon Hohenlohe-Infanterie Nr. 17 der Brigade
Philippovie gegen die Höhen von Ortaglia verfolgen. Der rechte Flügel des
VIII. Armee-Corps aber blieb noch auf der Höhe von S. Giacomo. um die Vestone
besetzt haltende Abtheilung der Division Mollard von ihrer Rückzugslinie ab-
zuschneiden, was später auch zum Theil gelang.
FML. von Benedek schloss aus der Stärke und dem Verhalten der über
S. Martino vorgerückten piemontesischen Colonne, dass es sich nur um eine
gewaltsame Recognoscierung handelte, und beorderte gemäß der Disposition nun
auch die anderen Brigaden zur Vorrückung.
■
Digitized by Google
Cinmaiulfur ■!«•- M. T. O. Liulwijj Hilter \in Brncdi-k.
67
Auf dem linken Flügel war indes die in der Verfolgung des Feindes begriffene
Brigade Lippert westlieh der Strada Lugana in der Richtung auf S. Marlino, die
Brigade Beichlin gegen des Feindes rechte Flanke vorgegangen. Die Piemonlcsen
wurden aus den Häusern Ponticello, Fenile di Ganibi, Stefano, Campagnola und
Corbu di sopra vertrieben, durch das Vordertreflfen der Brigade Lippert mit dein
Bajonnett aus ihrer letzten Position von S. Martino, durch die halbe Brigade
Reichlin aber über die mehr westlich davon gelegenen Abhänge geworfen.
Bald darauf wurden die feindlichen Abiheilungen verstärkt, rückten neuer-
dings vor. erstiegen trotz der hartnäckigsten Gegenwehr die Höhen von S. Martino
und nöthigten das erste Treffen der Brigade Lippert, sowie die Abiheilungen der
Brigade Reichlin. hinter der nächsten Höhe Deckung zu suchen.
Nach einem kurzen, jedoch lebhaften Feuergefecht, gieng die Brigade Lippert
wieder zum Bajonettangriff über und entriss dem Feinde abermals die Position von
S. Martino. Doch auch diesmal musste diese Stellung dem wieder mit Übermacht
vorstoßenden Gegner überlassen und die Truppe bis hinter die Höhe von Casette
zurückgezogen werden, worauf eine Kampfpause eintrat.
Aus dieser Gefechtsentwicklung, namentlich dem verstärkten Geschützfeuer
des Feindes, zog FML. von Benedek nun den Schluss, dass er es bei S. Martino
nicht mehr mit einer Recognosciemngs-Abtheilung. sondern mit einer starken, von
Desenzano auf Pozzolcngo vorrückenden Colonne des Feindes zu thun habe. Unter
diesen Umständen waren die das Wellenterrain in einem weiten Umkreise beherr-
schenden Hölien von S. Martino von hervorragender Wichtigkeit. Kr gab daher
der Raketen-Batterie Nr. 8 und der Brigade Berger die Weisung, auf der Strada
Lugana gegen die Höhe bei Ortaglia zur Unterstützung der Brigade Lippert und
der Halbbrigade Reichlin vorzugehen und ließ denselben die Corps-Geschütz-
Reserve und die Brigade Philippovic folgen.
Die von der Brigade Berger zwischen Fenile di Gambi und Corbu di sopra
zum Gefecht entwickelten Abtheilungen wurden, um dem Feind keine Zeit zur
Festsetzung auf der Höhe von Casette zu lassen, von dem Generalstabschef
Benedeks, Oberstlicutenant Ritter von Litzelhofen, sofort zum Angriff vorgeführt.
Nachdem sich die inzwischen wieder geordneten Bataillone der Brigaden Lippert
und Reichlin unter persönlicher Führung Benedeks links an jene der
Brigade Berger angeschlossen hatten, drangen dieselben, ohne des äußerst heiligen
Feuers des Feindes zu achten, im Sturm gegen die Höhen von S. Marlino vor
und entrissen nach hartnäckigen Kämpfen diese wichtige Position ein drittesmal
den Piemontesen.
Die auf der Strada Lugana und in dem Terrain östlich derselben zurück-
weichenden Abtheilungen des Feindes ließ FML. Benedek von seiner Artillerie
mit großem Erfolg beschießen.
Um diese Zeit zwischen U und 10 Uhr traf die piemonlcsisehe Division
Cucchiari von Bivoltella auf dem Gefechtslerrain ein. entwickelte sich zu beiden
Seiten der Strada Lugana zum Gefecht und gieng mit ihrem rechten Flügel gegen
S. Martina und Contracania, mit dem linken gegen Corbu di sotto, mit einer noch
•v
Digitized by Google
(IS CLVIll. imd CI.IX. rninolion. — Im Kruge vun 1M.V.>.
•
weiter links detachierten Colonne gegen Ceresu und Vertone vor; außerdem betral
noch eine Brigade der Division Mollard über Nocenta, Pigna und Brugnoli den
Kampfplatz.
FML. Benedek halte nebst der bereits entwickelten Geschützmasse auch
noch den Rest seiner Artillerie in die Gefechtslinie vorgezogen und deren Auf-
marsch auf der Höhe bei Gasette befohlen, so dass mehr als 50 Geschütze im
Feuer standen.
Die piemontesische Division Gucchiari brach nach Verdrängung der Öster-
reicher aus S. Martino über Presea und Ortaglia gegen die Artillerie-Stellung des
VIII. Corps auf der Höhe von Casette gegen Gorbu di sotto vor.
GM. Philippovic warf jetzt von seiner auf der Straße nach Rivoltella vor-
marschierenden Brigade, deren Tete in der Höhe von Gorbu di sopra angekommen
war, 3 Bataillone rasch dem Feind enlgegcn. Im ersten Anlaufe wurden die
Gehöfte Gorbu di sotto und Presea genommen. Doch, den überlegenen Kräften
nicht gewachsen, wichen diese Bataillone zurück und der Feind drang bis auf den
Abhang der Höhe von Gasette vor, unter den Schuss der Batterien, so dass nun
deren Wegnahme zu befürchten stand. Da eilte Benedek herbei und führte das
5. Kaiser-Jäger-Bataillon zum erneuerten Angriffe auf der Straße vor, während
sein Generalstabs-Ghef, Oberstlieutenant Litzelhofen, mit mehreren Abtheilungen
von Hohenlohe-Infanterie das Vordringen des Gegners über Corbu di sotto aufzu-
halten suchte. Das 5. Kaiser-Jäger-Bataillon nahm die Häuser von Ortaglia und
S. Martino wieder.
FML. Benedek begab sich gleich darauf mit GM. Philippovic zu den Abthei-
lungen von Hohenlohe-Infanterie, stellte sich an die Spitze derselben und
erstürmte Presea und Gasette (östlich der Straße) wobei an 200 Piemontesen zu
Gefangenen gemacht wurden. Darauf ließ er die Brigade Philippovic das Terrain
beiderseits der Straße zur Deckung der Batterie-Stellung auf der Höhe von
Gasette-Ortaglia, dann die niederen Terrainwellen bei Gasette und Presea östlich
der Straße besetzen und schob Abtheilungen bis zum Eisenbahndamm vor.
Im Verlaufe des Gefechtes drang eine feindliche Colonne von Pilandro bis
in die Höhe von Hoven? und Geresa, gegen Bcnedeks rechte Flanke, wurde aber
wiederholt angegriffen und nach längerem Widerstande ebenfalls zum Rückzüge
gezwungen.
Die Brigaden Lippert, Berger und Reichlin hatten in den erkämpften Posi-
tionen von Golombare. Gontracania und S. Martino noch einige Vorstöße
abzuwehren, welche der Feind zur Wiedererlangung des Verlorenen versuchte.
Erst nach mehrmaligen Angriffen mit der blanken Waffe gelang es. den Gegner
gänzlich zu werfen und sich in jener Stellung bleibend festzusetzen. Dabei that
sich am linken Flügel Bcnedeks in den Gefechten bei S. Martino vornehmlich
Hauptmann Geza von Fejerväry des Generalstabes durch Umsicht und Tapfer-
keit hervor. *)
*) Si.-lif .Maria Thne^it>ii-Uid. n.< l<iUerü. za Frli. von Fcjcrviiry*. - Sntu 163 LU Ki7.
Digitized by Google
Commandern- de* M. T.-O, Ludwig Ritter von Benedek.
i
G9
Der Feind war um I01/, Uhr vormittags auf allen Punkten in die Ebene
geworfen : seine Kraft schien gebrochen und es trat eine längere Pause im Gefechte
ein. FML. Benedek hatte mit dem VIII. Corps gegen einen überlegenen Feind
den Sieg erfochten und nur mehr die leichtere Aufgabe ihn zu verfolgen. Allein
wegen des zweifelhaften Verlaufes, welchen der Kampf bei Solferino zu nehmen
schien, zwischen welchem Orte und Gavriana der Feind bereits die Durchbruchs-
bewegung vonMorino her begonnen hatte, musste Benedek davon abstehen, durch
• ine Verfolgung gegen Rivoltella die errungenen Vortheile auszunützen.
Er war nunmehr darauf bedacht, der Division Durando, welche über Ma-
donna della Scoperta vornickte und der Division Fanti, welche von Lonato über
S. F'ietro vorrückend, seine linke Flanke bei S. Donino bedrohte, frische Kralle
entgegenzustellen. Auch die rechte Flanke erschien durch die große Entfernung
vom Garda-See selbst nach dem dort zurückgewiesenen Angriff noch immer
gefährdet.
Benedek nahm daher mit der Brigade Eippert und 1 Bataillon der Brigade
Reiehlin bei Golonibara. Contraeania, und S. Martino. mit der Brigade Berger auf der
Höhe bei Casette. mit der Brigade Philippovie bei Ortaglia und C. Presca Stellung,
ließ die Höhen mit seiner gesammten Artillerie besetzt, stellte die Brigade Dauber
bieder Corbu di sopra in concentrierter Aufstellung als Reserve des Gentrums auf
und ließ die Brigade Watervliet in der Stellung von S. Giacomo zur Deckung
der rechten Flanke, zur Aufnahme bei einem ungünstigen Ausgange des Gefechtes
und zur eventuellen Verwendung in der großen Lücke, welche zwischen dem
VIII. und V. Corps vorhanden war.
Bald nach Mittag rückten die Divisionen Mollard und Gucchiari wieder vor.
Zunächst giengen Colonnen der ersteren vor, welche bald die Höhen von S. Mar-
tino und Contraeania umschlossen. Ungefähr gegen 1 Uhr eröffnete der Gegner
sein Geschülzfcuer gegen Contraeania und S. Mai tino und griff bald darauf mit
der Infanterie in mehreren Colonnen zweimal nacheinander an, wurde aber beides-
mal zurückgeschlagen.
Da erhielt Benedek ungefähr um 2 Uhr vom Armee-Commando die Verständi-
gung, dass Solferino vom Feinde stark angegriffen sei, daher sein Corps, wenn
thunlich, auf den feindlichen linken Flügel dieses Angriffs wirken möge. Die zu
besorgende Forlsetzung der vom Feinde soeben wieder versuchten Offensiv«'
bestimmte Benedek, dieser Aufforderung nicht nachzukommen, da der Feind den
zurückgelassenen Theil des Corps unzweifelhaft nach Pozzolengo zurückgeworfen
und nicht nur Benedeks, sondern auch die Rückzugslinie der II. Armee selbst
gefährdet haben würde.
Aus demselben Grunde beantwortete Benedek die durch Major Grafen
Wimpffen des Adjutanten-Corps mündlich überbrachte Allerhöchste Anfrage Seiner
Majestät des Kaisers, „ob das Corps imstande sei. Streitkräfte nach Solferino zu
detachieren, um dort der Schlacht eine andere Wendung zu gehen-"' verneinend.
Gegen 3 Uhr erhielt Benedek von S. Donino die Meldung, dass der rechte
Flügel des V. Corps von starken feindlichen Colonnen gedrängt werde, und bald
Digitized by Google
70
Cl.Vllt. und CLIX. Promotion. -- Im Kriege von tS.V.t.
darauf wurde ihm von Pozzolengo berichtet, dass Truppen dieses Corps in
Pozzolengo angekommen seien. Infolge dessen ertheille er dem GM. Reichlin den
Befehl, auf die Höhen südwestlich von Pozzolengo zurückzukehren und mit diesen
Streitkräften den Rückzug des V. und VII. Corps und Benedeks eigene linke
Flanke zu decken.
Etwas nach 4 Uhr kam Benedek vom Armee-Commando der aus Cavriana.
:J Uhr nachmittags, datierte Befehl zum allgemeinen Rückzug hinter den Mincio
zu, den das Corps bei Salionze überschreiten sollte. Doch auch in diesem Kalle
handelte FMK. von Benedek den Verhältnissen gemäß selbständig. Angesichts
der unverkennbaren Vorbereitungen der Piemontesen zu einem neuen Angriff,
entschied er sich nach einem gegen 5 Uhr mit Generalität und Generalslab
abgehaltenen Kriegsrathe, die vortheilhaften Positionen nicht zu räumen, bevor
nicht der Gegner nochmals entschieden abgewiesen und auf diese Weise der
Rückzug des V. und VII. Corps gedeckt und für den eigenen Rückmarsch Luft
gemacht war. Da der Weg nacli Salionze sehr schlecht und die Auffahrt am
linken Mincio-Ufer sehr steil war und nach dem voraussichtlichen Gange des
Gefechtes Truppen des V. und eventuell auch anderer Corps durch Pozzolengo
passieren mussten. so ertheiltc er überdies den Befehl, dass die Munitions-Unler-
stützung und die Corps-Geschütz-Reserve dann die Brigaden Philippovic und
Watervliet sieh beim Rückzüge auf Peschiera. und die anderen Truppen auf Salionze
dirigieren sollten. Zum Antritt des Rückzuges behielt er sich jedoch den Befehl vor.
Kben als Benedek diese Disposition den Brigaden hinausgab, brach ein
helliger Sturm los, welcher den k. k. Truppen erst dichte Staubwolken, sodann
Regengüsse in das Gesicht schlug. Diesen Moment benützte der Feind, um mit
I risch angekommenen Truppen wieder zum Angriff überzugehen, welchen er haupt-
sächlich wieder gegen Contrarania und S. Martino richtete; zugleich aber
suchte er auch gegen Ortaglia vorzudringen. Zahlreiche Batterien, welche er in
der Ebene aufgeführt hatte, sollten den Angriff der Infanterie unterstützen,
Überschossen jedoch und brachten nur den Reserven einige Verluste bei.
Gleichzeitig drangen die Divisionen Fanti und Durando gegen Benedeks
linke Flanke vor.
Die Angriffe des Feindes gegen Contracania, S. Martino und Ortaglia wurden
dun h die zähe Ausdauer und hartnäckige Tapferkeit der Brigaden Lippert, Berger
und Philippovic immer wieder zurückgewiesen.
Benedek selbst stand im heftigsten Feuer und führte den bedrohtesten
Punkten Unterstützungen zu.
Nach 0 Uhr war der Gegner neuerdings auf allen Punkten mit großen
Verlusten zurückgeschlagen, sammelte jedoch seine Truppen zu erneuertem
Masseuangriffe.
Angesichts dessen konnte sich Benedek auch nach Zurückweisung des letzten
-feindlichen Angriffs nicht entschließen, den anbefohlenen Rückzug in Ausführung
zu bringen. Kr erachtete es vielmehr als geboten, vorher selbst die letzte Krall
des Gegners zu brechen. Zu dem beherrschte die Höhe von Casette das ganze
Digitized by Google
Tommandeur de* M. T.-O. Ludwig Ritler von Benedeit.
71
Terrain bis zum Monte S. Giacomo und Monte d'Ingrana, so dass nach einer bei
Tage erfolgten Räumung jener Höhe, die vom Feinde auf derselben aufgeführten
Geschütze den Truppen Benedeks große Verluste hatten zufügen können. Vor
allem wollte aber Benedek die Waffenehre auf das glänzendste aufrecht erhalten.
Aus allen diesen Gründen betrachtete er es als nnerlässlich. vor Antritt des Rück-
zuges den Feind noch einmal eelatant zu schlagen. Aber auch die tapferen Truppen,
durch seinen Heldenmuth und das glänzende Beispiel seiner Generale Berger,
Uppert und Philippovic in kriegerischer Begeisterung entflammt, harrten mit
Kampfbegierde des Zeichens zu erneutem Ringen.
Mittlerweile hatte am linken Flügel beziehungsweise in der Flanke des Corps
das Gefecht einen ungünstigen Verlauf genommen. Die über S. Rocco und Taverna
auf den Monte Fami marschierende Division Durando, welche die Vereinigung mit
dem Gros der sardinischen Armee anstrebte, war gegen Gontrada del Bosco vor-
gedrungen, und der Feind führte seine Geschütze bereits auf der Höhe von
S. Giovanni gegen einige bei Stefano aufgestellte Abtheilungen des VIII. Corps auf.
Benedek entsendete seinen umsichtigen Generalstabschef Oberstlieutenant latzel-
hofen und ließ durch ihn die zur Sicherung der linken Flanke und Rückzugslinie
erforderlichen Maßregeln treffen.
Indessen dauerte der vom Feinde wieder aufgenommene Kampf bei
S. Martino ununterbrochen fort Ihren vom Glücke mehr begünstigten Ver-
bündeten nicht nachstehen wollend, waren die Piemontesen nach jedem
abgeschlagenen Sturm immer wieder gegen verschiedene Punkte zum Angriffe
vorgegangen. Aber alle Anstrengungen scheiterten an dem unerschütterlichen
Willen Benedeks und an der Tapferkeit und Ausdauer der braven Truppen.
Benedek, welcher bisher seine Steitkräfte mit höchster t'msicht und Spar-
samkeit verwendet und abends noch über eine aus den Brigaden Üauber und
Watervliet bestehende Reserve zu verfügen hatte, hielt es nun für zweckmäßig,
die während des ganzen Schlachttages mit besonderer Ausdauer kämpfende und
durch zahlreiche Verluste geschwächte Brigade Lippert zuerst aus der Schlachtlinie
zu ziehen und gab ihr zwischen 7 und 7'/t Hir den Befehl zum allmählichen
Rückzüge. Zur Deckung desselben wurden 3 Bataillone der Brigade Berger auf
die Höhe von Casette befohlen.
Trotz des mit Übermacht nachdrängenden Feindes bewirkte die Brigade
Lippert in vollkommenster Ordnung den Rückzug. Die zur Aufnahme aufgestellten
3 Bataillone übernahmen das Gefecht und sehlugen, mehrere rasch aufeinander
folgende Angriffe ab. Mit großer Erbitterung führten diese 3 Bataillone, dann die
Brigade Berger und 3 Batterien das Gefecht in der nun eingebrochenen Abend-
dämmerung auf der Höhe bei < lasette fort. Die Piemontesen. welche nirgends
einen Erfolg zu erringen vermochten, mussten sich mit der Besetzung jener Punkte
begnügen, die ihnen die k. k. Truppen mit Rücksicht auf den angeordneten
Rückzug nach und nach überließen.
Das Nachdrängen des Feindes gegen die beiden in der Bewegung nach
Casette begriffenen Bataillone Dom Miguel-Infanterie bestärkte Benedek in der
72
CLVIII. und CLIS. Promotion. — Im Kriege von 1SR9.
Überzeugung, dass der Rückzug seines Corps nicht früher als gesichert betnichtet
werden könne, bevor nicht dein Gegner in einer neuen und entscheidenden
Niederlage das Ubergewicht der Österreichischen Waffen fühlbar gemacht werde.
Benedek formierte daher aus 2 Bataillonen Sachsen- und 1 Bataillon Dom
Miguel-Infanterie Sturmcolonnen und ließ die Überreste der Brigaden Berger und
Dauber sich hinter den Flügeln dieser drei Bataillone als Hückhalt aufstellen. Zur
Verbindung mit. der schon etwas zurückgegangenen Brigade Philippovic schob er
ferner 1 Bataillon Dom Miguel rechts gegen Presca vor und ließ die auf den Höhen
placierten Batterien den beschlossenen Angriff durch ein wirksames Artilleriefeuer
vorbereiten.
Gegen 8*/t Uhr abends setzte sich Benedek persönlich an die Spitze der
Angrifl's-Colonnen und führte sie im Sturm unter einem Hagel feindlicher Geschosse
vorwärts. Die Piemontcsen wurden beim ersten Anlaufe geworfen und in Flucht vor
den Colonnen hergetriebeu. Kaum war Benedek imstande, seinen siegberauschten
Truppen im ungestümen Verfolgen Einhalt zu gebieten.
Bis 9 Uhr abends beließ er die wieder geordneten Abtheilungen auf dem
Gefechtsfelde in Aufstellung und dann erst, nach sicher gewonnener Überzeugung,
dass des Feindes Kraft gebrochen sei. ließ er in imponierender Hube und Ordnung
die rückgängige Bewegung fortsetzen, welche durch 3 auf der Höhe von Corbu di
sopra aufgestellte Bataillone geschützt und nur von unwirksamem feindlichen
Geschützfeuer belästigt, nach Pozzolengo bewirkt ward.
Erst nach dem Abzüge des VIII. Corps besetzte die Hauptmacht der Piemon-
tesen die Stellung bei S. Martino. Nur einzelne Abtheilungen wagten den zurück-
gehenden Truppen des VIII. Corps in großer Entfernung bis in die Nähe von Monte
S. Giacomo zu folgen.
Benedek hielt in Pozzolengo ungefähr eine Stunde, um für die Verwun-
deten Wagen zu requirieren oder dieselben auf den Protzen der Geschütze unter-
zubringen. Erst nach Fortschaffung des letzten transportablen Verwundeten setzte
er mit seinem Corps den Rückzug hinter den Mincio fort, und zwar die Brigaden
Philippovic. Dauber und Watervliet über Peschiera, die Brigaden Berger und
Lippert aber über Ponti und Salionze. Das 2. Bataillon Kaiser-Jäger der Brigade
Watervliet und das 3. Bataillon Sachsen-Infanterie Nr. 1 1 deckten in Pozzolengo
den Bückzug bis Mitternacht.
Nach beinahe vierzehnstündigem Kampfe trat vollständige Waffenruhe ein.
Ungefähr um 2 Uhr morgens des 2ö. Juni bewirkte das VIII. Corps den
Ubergang über den Mincio.
Dies die rühm- und verdienstreiche Antheilnahme Benedeks an der Schlacht
bei Solferino. Durch seine umsichtigen Dispositionen, sein energisches Eingreifen
und seine Tapferkeit gelang es ihm trotz feindlicher Ubermacht, den Gegner zuerst
zum Verlassen aller seiner Stellungen zu zwingen. Sodann verhinderte er durch
die hartnäckige Behauptung der Stellung S. Martino. ferner Pozzolengos bis
10 Uhr abends, trotzdem er schon um 1 Uhr nachmittags den Befehl zum Rück-
züge hinter den Miucio erhalten hatte, den Gegner, auf der .Sirada Cavallara vor-
Digitized by Google
Commandtur de* M. T. O. Ludwig Ritter von Benedek.
n
zunicken und sich des Flussnberganges bei Valecgio zu bemächtigen, was den
Verlust des größten Theiles des Armee-Trains und jenes der Division Prinz Hessen
verhütete.
Schon am zweiten Tage nach der .Schlacht überreichten ihm die bei S. Mar-
tino unter seinen Befehlen gestandenen Generale, Truppen-Conimandanten und
nächsten Kampfgenossen aus eigenem Antriebe ein Tapferkeits-Zeugnis, welches
der Begeisterung und Verehrung des gesammten Corps für dessen Commandanl» n
beredten Ausdruck gab.
Aber nicht bloß in den Reihen des VIII. Corps, sondern in der ganzen Armee
war man sich der Bedeutung und Tragweite seiner Waffenthat vollauf bewussl.
Einstimmig galt es im Heere, dass der glänzende Erfolg bei S. Martino nur der
ungewöhnlichen Charakterfestigkeit Bcnedcks. der Strenge, mit der er das Com-
tnando zu führen wusstc, und dem heldenmütbigen Beispiele, das er, wie immer,
auch da seinen Truppen gegeben, zu verdanken war. Der Armee-Cominandanl.
OdC. Graf Schlik, übermittelte ihm unter vollster Würdigung seiner verdienst-
vollen Leistung aus eigenem Antriebe die schriftliche Aufforderung, sich um das
Commandeur-Kreuz des Maria Theresien-Ordens zu bewerben.
Benedek, mit dessen Waffenthat die höchst verdienstvolle Thütigkeit seines
Generalstabschefs, Oberstlieutenants von Utzelhofen in innigem Zusammenhange
stand, *) hatte jedoch sofort nach der Schlacht, am 25. Juli, in dienstlichem Ein-
schreiten an den Commandanten der II. Armee die Verleihung des Maria Theresien-
Hitterkreuzes für die hervorragenden Leistungen dieses Offieiers erbelen. Die
Schlussworte dieses Einschreitens: „Ich würde für meine eigenen Leistungen als
Cominandant des VIII. Armee-Corps die schönste und theuerste Anerkennung
darin finden, wenn Euer Excellenz geruhen wollen, dieser meiner ganz gehor-
samsten Bitte eine recht baldige allergnädigste Gewährung zu verschaffen», bilden
ein classisches Denkmal der edlen Denkungsart und ritterlichen Selbstlosigkeit
Benedeks.
Obwohl Benedek infolge dessen seine eigene Bewerbung um das Comman-
deur-Kreuz des Maria-Theresien-Ordens unterlassen hatte, geruhte Seine Majestät
Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß in e i s t e r auf Einschreiten des
Armee-Commandanten. GdC. Grafen Schlik, über Antrag des Ordenscapitels den
KML. Ludwig Ritter von Benedek, Maria Theresien-Ordens-Ritter von 18iS her,
für die in der Schacht bei SoITerino am 24. Juni 1859 vollbrachte Wallenthal
kraft der CLVII1. Promolion am 17. October 185*) zum Commandeur des Mar ia
Theresien-Ordens zu promovieren.
Der tapfere General ward nun nahezu der erste Mann im Heere und im Ver-
trauen des Monarchen, der populärste Soldat in der öffentlichen Meinung, und
mehrere Städle, darunter die Residenz Wien, ernannten ihn zum Ehren-
bürger.
*) Sü-tie , Maria Th»>rPsi..n-Onl.MH-ltitter rMuanl Vvh. v->n Kit z.'llinOuu, S.U.* 1:7
bis Hl.
74 f:t.VIU. und Cl.IX. Promotion. — Im Kriege von 18.'.?.
Am 27. November 1850 wurde Benedek zum Feldzeugmeister, am
31. Jänner 1860 zum General-Quarticrmeistcr Seiner Majestät des Kaisers
und Chef des General-Quartiermeister-Stabes der Armee ernannt
Durch Allerhöchste Entschließung vom 19. April 1800 mit der Leitung der
politischen Verwaltung und des Landes-General-Commandos in Ungarn betraut,
wurde er darauf am 20. October 1800 zum Armee-Commandan ten und Chef
des Landes-General-Commandos im lombardisch -venetianischen Königreich»*.
Kärnten, Krain, Tirol und dem Küstenlande ernannt und auf sein Ansurhen am
20. Februar 1801 von der Leitung des General-Quartiermeister-Stabes enthoben.
In Anerkennung des vorzüglichen Zustandes, der musterhaften Ordnung
und des besten Geistes bei der Armee ward er am 14. Jänner 1802 mit dem
Großkreuze des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration des Comman-
deur-Kreuzes ausgezeichnet
Am 24. November 1804 erfolgte auf Benedeks Bitte dessen völlige Enthebung
von der Stelle eines ( Ihefs des General-Quartiermeister-Stabes.
Im Kriege gegen Preußen und 1 talien im Jahre 1800 wurde Benedek
an die Spitze der Nord-Armee gestellt Das weitere Schicksal dieses tapferen
Generals in diesem Feldzuge gehört der allgemeinen Kriegsgeschichte an.*)
„FZM. Benedek* — sagt das ofücielle Werk des k. k. Generalstabes —
„schloss hiemit eine thatenreiche Laufbahn, die lange voll Glanz und Ruhm, ein
minder tragisches Geschick verdient hätte. Das leidenschaftslose, gerechte Urtheil
wird über dem Missgeschicke, das seine letzten Schritte begleitete, der vielen
heldenmüthigen, immer glücklichen und vom Erfolge gekrönten Thaten nicht ver-
gessen, die er früher im Dienste des Kaisers vollbracht und wird ihm, obgleich
er der letzten schweren Last erlag, die er nur zögernd auf sich genommen, ein
ehrenvolles Andenken sichern."
Benedek trat am 1. November 180G in den Buhestand und starb am
27. April 1881 zu Graz.
Killer dos Maria Theresien-Unlens
Anton Ritter von Prockosrh.
(Mit Bildnis aus dem Jahre ImCÜ.)
Als Sohn eines Häuslers, welcher zugleich auch Patental-Jnvaliden-Corporal
aus der Zeit der Franzosenkriegc war, wurde Prockosch in Trohatin bei
Bischofteinitz im Klattauer Kreise des Königreiches Böhmen am 10. Jänner 1817
geboren. Im 21. Lebensjahre, am 24. April 18:57. erfolgte seine Assentierung als
*) Siehe Olingens Ahsclmilt: .CLXIV. his CLXVIII. Promotion. — Im Kriege gegen Preutieii
und Italien 180*»." — ,lm Kriege yi'jren Preußen.* Seit»- .\*>3 Irin :t:!"..
Digitized by Google
Digitized by Google
Digitized by Google
Digitized by Google
Hilter de* M, T.-O. Ant<m Ritter v«.ti Prockosrlt.
Gemeiner zum Infanterie-Regiment Nr. 35. Nach dreieinhalhjühriger Dienstzeit
übertrat er jedoch von der Infanterie zu jener Walle, in der er sich späterhin dank
seiner heldenmütigen Tapferkeit und Klugheit ruhmvoll hervorthun sollte. Am
1. Decemher 1840 zu dem damaligen 1. Artillerie-Regiment*) als L'nterkanoni er
übersetzt, sehen wir ihn nach achtmonatlicher Dienstzeit bei dem Geschütz
zum Oberkanonier und zu Ende seines siebenten Dienstjahres zum Corporal
vorrücken. In dieser Zeit legt er den Grund zu seiner späteren Tüchtigkeit
als Artillerist. Außer in den Fachkenntnissen macht er besonders in den mathe-
matischen Disciplinen gute Fortschritte. Kr vervollständigt aber auch in den vor-
trefflichen Truppenschulen der Artillerie und durch rastloses Selbststudium seine
allgemeine Bildung. In dienstfreien Stunden ertheilt er Privat-Lectionen und
erwirbt dadurch die Mittel zur Anschaffung der ihm notwendigen Bücher. So lebt
er als Unterofficier nur dem Dienste und seiner Fortbildung.
Als Corporal befindet er sich während der 1818er Frager Straßenkämpfe
am 12., 13., Iii. Juni in dieser Stadt in Garnison, ohne aber in ein Gefecht zu
kommen. Im zwölften Jahre seiner Dienstzeit zum Feuerwerker bei dem
bestandenen Feuerwerks-Corps befördert, macht rr den Krieg gegen Piemont
in Italien und zwar den Feldzug von 181'.) mit, kommt aber auch da in kein tiefecht.
Kurz nach beendetem Kriege avanciert er zum Oberfeuerwerker. Als
solcher auch im Kanzleifache, im Verptlegs- und Zeugsrechnungswesen gleich gut
bewandert und bewährt, wird er am II. März 1850 reengagiert.
Im vierzehnten Jahre seiner Laufbahn schwingt sich Prockosch zum
Officier empor, indem ihm zu Neujahr 1851 die Beförderung zum Unter-
lieutenant zutheil wird, und zwar in demselben I. Artillerie-Regiment, in welches
er vor zehn Jahren von der Infanterie übergetreten war. Nach fast vierjährigem
Batteriedienste bei dem 2. und <>. Artillerie-Regimente wird er am 11. November
1854 Oberlieutenant, versieht in dieser Charge den Dienst eines Regiments-
Adjutanten, bis er gegen Ende 1857 zum 8. Artillerie-Regimente**) transferiert wird.
Mit diesem zieht er im Jahre 185'.) gegen Piemont und Frankreich in Italien in den
Krieg, und zwar als Commandant der halben /.wölfpfündigen Batterie Nr. 7/VIII.
Prockosch befand sich in diesem Feldzuge mit seiner llalbbatterie in der
Brigade GM. Graf Schaaffgotsche und mit dieser in der Truppen-Division des
FML. Frh. von Urban eingetheilt, welch letztere die linke Flügel-Colonne derjenigen
Truppen bildete, so am 20. Mai unter Commando des FML. Grafen Stadion die
forcierte Recognoscierung gegen Voghera auszuführen hatten und das Treffen
bei Monte hello schlugen.
Die Brigade Schaaffgotsche rückte an diesem Tage an der Spitze der Division
Urban von Broni um Uhr zunächst gegen Casteggio vor. Dabei war die llalb-
batterie Prockosch in der Marsch-Colonne vertheilt. Hinter dem die Tete bildenden
3. Jäger-Bataillon marschierten zwei, und hinter dem nachfolgenden 3. Bataillon
*) Seil 1. Mai ISS5: 8. Böhmisches Corps- ArlilkTie-Rfgitnent.
*•) Seit 1. Mai 1S85: l± Ungarisches Artilkrie-Hefiment.
Digitized by Google
70
CLVIII. und CLIV. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Dom Miguel Nr. 39 wieder zwei «einer Geschütze, worauf der Rest der Brigade
folgte. Hinter dem vorderen Geschützzug marschierte überdies eine halbe Raketen-
Batterie. Die Geschützbedeckung bildeten Szluiner Grenzer.
Nach 1 1 Uhr stieß angesichts von Casteggio die Vorhut auf feindliche Vor-
posten, welche sieh nach kurzem Geplänkel gegen den Ort zurückzogen. Casteggio
ist ein ziemlich großer, auf einer steilen Höhe gelegener Ort. Am Nordrand der-
selben stand ein großes, castellartiges Gebäude, an welches sich mehrere feste,
gemauerte Häuser anschlössen. Die Örtlichkeit dominierte die Umgegend nach
allen Seiten und wäre daher äußerst schwierig zu erstürmen gewesen, zumal das
Plateau des Castells von einer bewaffneten Menge — wie vermuthet wurde, von
Freischärlern — besetzt, überdies der Ortseingang verbarricadiert war. Aus diesem
Anlasse eröffneten auch die mit dem Tete-Bataillon marschierenden beiden
Geschütze alsbald ihr Feuer. Schon bei dieser ersten Gelegenheit bekundete Ober-
lieutenant Prockosch einen schneidigen Kampfeseifer. Seine Aufstellung war von
feindlichen Tirailleurs flankiert und ein großer Theil der Mannschaft stand über-
dies zum erstenmal im Feuer, wodurch das Einschießen der Geschütze einigermaßen
erschwert schien. Prockosch saß darum vom Pferde ab und richtete die Geschütze
persönlich. Dank diesem persönlichen Eingreifen Prockosch' wurde sowohl Barricade
als Castell von allem Anfang an so wirksam beschossen, dass der Feind bereits
nach dem achten Kanonenschusse den Ortseingang wie den Castellplata räumte.
Nach kurzem Geplänkel konnten sodann die Dreier-Jäger in den Ort dringen
und bald darauf die übrigen Truppen der Brigade ohne weiteren Kampf Casteggio
besetzen. Der durch die Artillerie erschütterte Feind wurde durch die Cavallerie
verfolgt und zog sich rasch aus dem Orte zurück. Die Brigade Schaaffgotsche rückte
ihm dann ohne Kampf gegen Montebello nach, während die Halbbatterie Prockosch
in Casteggio stehen blieb.
Das Gros der Division Urban besetzte darauf letzteren Ort um 3,M Uhr nach-
mittags. Inzwischen hatte die Brigade SchaafTgotsche Montebello sammt dem vor-
liegenden Terrain besetzt, und sämmtliche Truppen des FML. Grafen Stadion
schickten sich über dessen Befehl an. ihre Vorposten aufzustellen und die Lager
zu beziehen, da derselbe an diesem Tage nicht weiter vorzurücken gedachte.
Bald sollte jedoch der eigentliche Kampf an diesem Tage angehen und dem
Oberlieutenant Prockosch Gelegenheit bieten, auf außerordentliche Weise in den-
selben einzugreifen. Von 2'/a Uhr nachmittags angefangen griff der Gegner von
Voghera her die von der Brigade Schaaffgotsche besetzte Stellung von Montebello,
insbesondere die Höhe von Genestrcllo, wiederholt und mit immer stärker an-
wachsenden Kräften an. Der erste Angriff des Feindes wurde abgeschlagen. Beim
zweiten wogte der Kampf hin und her; dabei zeigte es sich, dass die in erster
Linie befindlichen Sechspfünder der Cavallcric-Batterie 10 VIII auf die Daner nicht
zu genügen vermochten. Die eigene Infanterie konnte sich bald nur mehr mit Mühe
behaupten; theilweise war sie sogar gezwungen zn weichen.
In diesem Gefechtsmoment wurde dem Oberlieulcnnnt Prockosch die Aufgabe
zutheil, von der Straße aus das Vorgehen des Gegners zu hindern. Er rückte von
Digitized by Google
Hitler iU-< M T. II. Anl.m Riltcr von IWk..«cli.
77
Caslcggio durch Montcbello über Genestrello hinaus gegen tl«u Feind bis auf
Kartfdschen-Distanz rasch vor und ließ nach Zulass der Straßenbreite zwei seiner
Geschütze sofort ein lebhaftes Feuer eröffnen. Dadurch wurde das Debouchieren der
feindlichen Colonnen von Voghera und Campo Ferro für kurze Zeit gehemmt. Als-
bald concentrierten aber die feindlichen Tirailleurs ihr Feuer gegen seine Position,
welche in der Ebene inmitten der Cullur ohnedem nicht sehr günstig war. Zudem
wurde auch die eigene Infanterie durch die Übermacht des Feindes immer weiter
zurückgedrängt und es drohte Prokosch Gefahr, abgeschnitten zu werden. Er zog
sich daher in strengster Ordnung und unter stetigem Feuer zurück, so dass dem
Feinde auch da noch verwehrt wurde, mit größeren Massen hervorzubrechen. Dies
kam der eigenen Infanterie sehr zustatten. Sie brachte das Gefecht an einzelnen
Punkten zum Stehen; an anderen warf sie, durch frische Kräfte verstärkt, den Feind
mit dem Bajonnett wiederholt zurück.
An einem günstigen Straßenpunkte nächst G enes trel lo nahm Prockosch mit
zwei Geschützen seiner Halbbatterie neuerdings Stellung. Mehr konnte auf der
Straße wegen Raummangel und seitwärts derselben wegen der tiefen, unpassier-
baren Straßengräben nicht ins Feuer gebracht werden. Nach langem heftigen Feuer-
gefecht mussten die Dreier-Jäger und das Grenadier-Bataillon von Hess Nr. W die
Höhen von Genestrello und dieses letztere selbst räumen. FML. Frb. von Urban sah
sich genöthigt, die im Feuer befindliche Brigade Schaaffgotsche durch die Brigade
Braum theilweise abzulösen. Hiebei musste sich die Infanterie der ersteren unter
großen Verlusten und vom Feinde heftig verfolgt, zurückziehen. Mit derselben im
taktischen Verbände hätte auch die Halbbatterie Prockosch zurückgehen sollen.
Er blieb jedoch aus eigenem Antriebe in seiner Aufstellung auf dem rechten Flügel
der Truppen , welche Montcbello zu vertheidigen hatten und zwar anfangs in der
Höhe von Genestrello, später vor dem Nordwesteingange von Montcbello
und kämpfte, da von der ablösenden Brigade Braum keine Geschütze auf dem von
ihm besetzten wichtigen Punkte erschienen, in dieser Brigade beharrlich weiter.
An Prockosch' zwei Geschützen fanden sowohl die in deren unmittelbarem
Bereich kämpfenden eigenen Bataillone als die tapferen Haller -Husaren festen
Rückhalt. An seinem ununterbrochenen, lebhaften Feuer brach sich die Verfolgung
der eigenen Infanterie durch den übermächtig anstürmenden Gegner. An seiner
mit unerschütterlicher Zähigkeit behaupteten Position stockte überhaupt das
Vorgehen der allmählich ins Gefecht tretenden französischen Infanterie-Division
Forcy.
Prockosch verwehrte dem Feinde durchstunden die Wegnahme von Montc-
bello und erzielte dabei überdies den für die k. k. Artillerie höchst rühmlichen
Erfolg, mit zwei Geschützen die gegnerischen, auf mehreren Punkten postierten
sechs Geschütze zeitweise zum Schweigen zu bringen.
Aber auch weiterhin, während des nachfolgenden mörderischen Kampfes um
Montcbello selbst, behauptete Prockosch, mit der Brigade Braum ununterbrochen
weiter kämpfend, die genommene Aufstellung nordwestlieh des Ortes gegen den
Ansturm des entlang der Straße massenhaft vordringenden Feindes. Im heiligsten
Digitized by Google
7S
Cl.Vlll und CI.1X. IV. moti.,1,. - In. Krug.- xou I.N.V.».
Feuer der gegnerischen Infanterie schmelterlen seine Geschütze Schuss auf Schuss
des Feindes Reihen nieder. Bis auf <JO Schritte ließ er schließlich die
Franzosen an seine Position ankommen. Dann erst — nachdem er durch
eine letzte Kartätschen-Salve die anstürmende Golonne deeimiert und erschüttert
hatte — trat dieser heldenmüthige Aitillerie-Offieier. gegen o Uhr ahends, mit der
eigenen Infanterie von Montehello den Hückmarsch gegen Casteggio an.
Diese überaus zähe Ausdauer vermochte Proekosch nur dank seiner außer-
ordentlichen Tapferkeit, ferner aber auch nur dank dem Umstände zu entwickeln,
dass er durch das eigene Beispiel seine gesammte Mannschaft durch Stunden zum
Heldenmulhe entflammte, dass er seine Artilleristen, vom Feuerwerker bis zum
jüngsten Kanonier herab, zur höchsten Anspannung aller Kräfte mit sich fortriss.
Nur auf diese Weise vermochte Pruckosch mit den zwei Geschützen, welche
er ins Feuer bringen konnte, so entscheidend in den Kampf einzugreifen, dass
der Feind erst nach vierstündigem, blutigen Kampfe, um l/t7 Uhr. Montebellos
sich bemächtigen konnte. Aber auch dann noch wirkte der außerordentlich zähe
Widerstand der kaiserlichen Waffen mächtig nach. Der Feind unternahm es nicht,
die k. k. Truppen noch einmal anzugreifen, trotzdem er zum Schlüsse des Gefechtes
durch die Infanterie-Division Bazaine unter persönlicher Führung des Marschalls
Baraguey d'Hilliers und noch durch andere Truppen mittels Eisenbahn auf dem
Gefechtsfelde von Montehello bis zur Stärke von fünf Brigaden anwuchs. Umsonst
erwarteten die kaiserlichen Truppen bei Einbruch der Dunkelheit in der Höhe von
Casteggio, woselbst auch die Ilalbbatterie Proekosch. und zwar wieder auf der
Straße. Stellung nahm, den entscheidenden Angriff des Feindes bis in die Nacht
hinein. Der Gegner verzichtete nicht nur auf weiteres Vorgehen, sondern räumte
auch im Verlaufe des Abends das Gefechtsfeld.
Ein wesentliches Verdienst um diesen Ausgang und den eigentlichen Zweck
des Gefechtes hatte Oberlieutenant Proekosch. Sein tapferes, zähes Ausharren
hatte hauptsächlich dazu beigetragen, den Feind zur Entwicklung seiner Kräfte
zu veranlassen. Proekosch hatte überdies nicht nur die eigene Infanterie vor großen
Verlusten bewahrt, sondern auch den Glanz der kaiserlichen Waffen — insbeson-
dere der österreichischen Artillerie — gemehrt und so sich selbst mit Ruhm
bedeckt. Alle Kampfgenossen Proekosch' und namentlich alle Truppenführer bis
zum FML. Grafen Stadion hinauf wetteiferten, dies anzuerkennen.
Noch weit höhere Anerkennung wurde ihm aber später zutheil, indem ihm
der Oberste Kriegsherr für sein umsichtiges und tapferes Benehmen im
Treffen bei Monlebello das Ritterkreuz des österreichischen Leopold-
Ordens zu verleihen geruhte.
Des höchsten Kriegerluhnes wurde dieser heldenmüthige Oflicier theilhaftig
da auf Grund der Waffenthat von Montehello Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. als Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens über Votum
des Capitels den Obcrlieulenaut Anton Proekosch krall Promotion CLV1II am
17. October 1850 durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren befand.
Digitized by Google
Hitler iK- .M. "IVO. Antun Hilt-.M \<ii 1'r.jckoMli.
70
Im ferneren Verlaufe des Feldzuges von 18.VJ machte Prockosch mit .seiner
Halbbalterio die Operationen und Kämpfe der Division des FML Frh. von Urban
— darunter insbesondere die Beschießung von Varese am 31. Mai — mit.
Am 1. Februar 1860 wurde Oberliculenant I'rockosch zum 1. Artillerie-
Regiment transferiert, kurz darauf — am 4. Juni lSOO — zum Hauptmann
11. Clas sc bei dem 2. Artillerie-Regiment befördert, am ö. Octobcr 1SG3 anlässlich
st'iner füiifundzwanzigjährigen Dienstzeit mit dem Ufficiers- Dienstzeichen
1. Classc betheilt und am 1. Juli 1805 zum Hauptmann I. Classe ernannt.
Im Jahre 18G6 machte er in seinem Artillerie-Regiment Kronprinz Erzherzog
Rudolf Nr. 2*) mit der achtpfündigen Kußbatterie Nr. 9/ II in der Corps-Gesehütz-
Rcscrve des II. Armee-Corps bei der Nord-Armee eingetheilt. den Krieg gegen
Preußen und Italien und zwar den Feldzug gegen Preußen mit. In demselben
kam er mit seiner Ratterie zunächst in dem Gefechte bei Gradlitz näcbst Königinhof
am 30. Juni im Verband der Corps-Geschütz-Reserve ins Feuer. Der Feind wurde
da von den Anhöhen von Kukus und Salnei so wirksam beschossen, dass sowohl
dessen Infanterie als Artillerie trotz wiederholtem Vortücken schließlich zum
Rückzüge gezwungen wurde.
Zum zweilenmale in dem Feldzuge von 18GG kämpfte Prockosch mit seiner
Batterie in der Schlacht bei Königgrätz, und zwar wieder im Verbände der Corps-
Geschütz-Reserve des II. Corps noch mit 5 anderen Batterien des 2. Artillerie-
Regiments, unter Commando des Oberstlieulenants Frh. von Cammerlander. Die
erste Aufstellung wurde auf der Anhöhe bei Sendrasic. die zweite späterhin auf
der Höhe südöstlich von Horenoves nächst den historischen zwei großen Bäumen,
auf dem rechten Flügel des II. Armee -Corps und zugleich der Armee seihst,
genommen. Hiebei kam die Batterie Prockosch als dritte vom rechten Flügel nach
linkshin zu stehen. Das Feuer wurde um 10 Uhr vormittags eröffnet und nach
wechselnden Directionen erst in der Richtung des Swiep- Waldes, dann gegen die
Höhen von Zizeloves-Racic, mit wirksamem Antheil an dem anfänglich günstigen
Gange derSchlacht unterhalten. Auf die Wahrnehmung hin, dass der Feind sich auf
seinem linken Flügel verstärkt hatte, verließ Prockosch aus eigenem Antriebe seine
Stellung und machte eine Frontveränderung rechts. So vermochte er zwei feind-
liche Batterien sehr vorteilhaft zu beschießen. Die Batterie Prockosch s;ih sich
sodann in dem nachfolgenden großen Arlilleriekampfe der Schlacht bei Königgrätz
von feindlichen Geschützmassen in heftiges Kreuzfeuer genommen. Dadurch wurden
zwei seiner Munitions-Wagen in die Luft gesprengt. 3 Pferde seiner Bespannung
erschossen, während I Mann der Batterie todt auf dem Kampfplätze blieb und
3 Mann verwundet wurden. Trotz des heftigen Feuers behauptete die Batterie
durch ungefähr vier Stunden ihre Stellung mit bester Wirkung, bis der Feind den
rechten Flügel der k. k. Armee gänzlich zu umfassen drohte. Nachdem dabei dir
Zahl der feindlichen Batterien stets wuchs, dieselben die Position bei Horenoves
von zwei Seiten enlilierten. die k. k. Truppen bereits den Rückmarsch angetreten
♦) Seit 1. Mai 1885: 10. Mälimch-schlesisches Corps-Artilh rie Hegimeiit.
Digitized by Google
so
CI.VIII. und CI.IX. rn»iii..liu». — Im KricKe vi-n 18.V.).
und fast alle Batterien bis auf wenige Schüsse sich verschossen hallen, trat auch
die Batterie Prockosch mit der Geschüty.roservc des II. Corps auf Befehl des Oberst-
lieutenants Fhr. von C'.ammerlander gegen 3 Uhr nachmittags in größter Ordnung
den Rückzug an. Hiebei wurden noch zwei Aufstellungen hinter einander, und
zwar etwa 2000 Schritte südlich der Stellung von Hofenovcs, dann bei Lochenic,
genommen. Die Batterie Prockosch speciell fuhr überdies während dieses Rück-
zuges ein drittesmal auf, und beschoss die gegen die k. k. Infanterie vorgehende
feindliche Cavalleric so wirksam, dass sich dieselbe zurückzog und die beabsich-
tigte Attaque aufgab
Seine Majestät der Kaiser geruhte dem Hauptmann Anton Ritter von
Prockosch für seine Verdienste in der Schlacht bei Königgrätz das Militär-Ver-
dienstkreuz mit der Kriegsdecoration zu verleihen.
Noch ein drittesmal in dem Feldzuge des Jahres 1800 — und zwar bei dem
Trollen von Blumenau am 22. Juli — stand Prockosch in Aetion, ohne jedoch
mehr mit seiner in der Reserve eingetheilten Batterie ins Feuer zu kommen, da
während des Gefechtes, um Mittag, Waffenstillstand eintrat, aufweichen später der
Fried«* folgte.
Nach dem Feldzug von 1860 diente Prockosch noch durch sieben Jahre mit
stets gleich bleibendem musterhaften Pflichteifer weiter, bis er nach vollendeter
vierzigjähriger Dienstzeit seine ruhmreiche Soldatenlaul'bahn beschloss und am
1. Juli 1873 in den Ruhestand trat. Hiebei geruhte Seine Majestät der Kaiser,
dein Hauptmann Prockosch den Majors-Charakter ml fionorcs allergnädigst
zu verleihen.
Nur kurze Zeit war es ihm vergönnt, der bestverdieuten Ruhe sich zu
erfreuen. Nach kurzer Krankheit wurde er am 7. Jänner 1878 von jähem Tode
dahingeralll.
Ritler des Maria Thcrcsieii-Oideiis
Leopold Freiherr von Kdelshcim-G.vulai.
(Mit Bildnis aus dt-m Jahre 1860.)
Fdelsheim wurde am 10. Mai 182G in Carls ruhe im Großherzogthume
Baden, als Sprössling einer alten, schwäbischen Adolsfamilio geboren. Kaum
10 Jahre alt, trat er als unobligater Regiments-Cadet am 21. Mai IS 12 in das
k. k. österreichische Chevauxlegers-Regiment Nr. 5 ein und schon nach zohu-
nionatlicher Dienstzeit wurde er am 10. März 1843 zum Officier befördert. Nach-
dem er als Unterlieutenaiit zwei Jahre in seinem 5. ( Ihevauxlegers-Regimcnte
und weitere zwei Jahre bei den Württemberg-Husaren Nr. 0 gedient, rückte er
am 10. Juli 1817 zum Capitän-Lieutenant im 38. Infantorio-Regimente vor.
um schon einen Monat darauf bei Wallmoden-Kürassieren Nr. 0 zum Premier-
Rittmeister befördert zu weiden.
Digitized by Google
/
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter des M. T. 0. Leopold Freiherr von Edclsheim.Oyulai.
81
Als schneidiger Führer seiner Kürassier-Schwadron errang er in den Feld-
zögen 1848/49 in Ungarn die ersten Lorbeeren. Am 28. Oetober 1848 machte er
mit dem Corps Jellacic den Angriff auf Wien mit. Noch in demselben Jahre, wie
auch im Jahre 1849 kämpfte er dann in Ungarn unter der Führung eines der vor-
trefflichsten Reiter-Generale, in der Gavallerie-Brigade des tapferen GM. Ottinger,
und zwar 1848 in den Gefechten bei Prellenkirchen (an derLeitha) am 13. Decem-
ber, bei Bäbolna am 28. December und bei Moor am 30. December. Edelsheim
zeichnete sich in allen den angeführten Kämpfen durch hohe persönliche Bravour aus.
Nicht minder rühmlichen Antheil nahm er an den Kämpfen des Jahres 1849,
und zwar in dem Avantgarde-Gefecht bei Teteny am 3. Jänner, in den Gefechten
bei Szolnok am 22. Jänner, bei Czegled am 25. Jänner, bei den Angriffen auf
die Brücke bei Czibakhäza am 4. und 24. Februar, bei dem Überfalle nächst
Szolnok am 5. März, ferner an der Schlacht bei Isaszeg am 6. April, an den
Gefechten bei Czinkota am 10. April und am Räkos am 11. April. In der letzt-
erwähnten Affaire eroberte er mit großer Bravour eine von dem Feinde genommene
k. k. Batterie wieder zurück, wurde aber dabei verwundet.
Kaum zur Noth wieder hergestellt, sehen wir ihn auf hoher See, nämlich bei
der Belagerung von Anco na im Mai 1849. Auf der Flotten-Escadre eingeschifft,
machte er die Beschießung Anconas durch Sr. Majestät Fregatte „Venere"
und Kriegsdampfer „ Cur ta tone* am 27. Mai mit.
Schon nach wenigen Tagen, am 12. Juni, war er aber wieder bei der Ein-
nahme von Neusatz, dann am 25. Juni im Treffen bei Ö-Becse. Weiter machte
er das Gefecht bei Hcgycs am 6. Juli, darauf die Schlacht bei Ilcgyes am 14. Juli
mit. In allen diesen Affairen kämpfte er mit Auszeichnung. Für sein entschlossenes
tapferes Verhalten in der Attaque am Räkos wurde ihm die Allerhöchste
Belobung zutheil. Für seine Bravour im Gefechte bei Hegyes wurde er mit dem
Orden der Eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet. Endlich erhielt er am
4. Jänner 1850 das Militär-Verdienstkreuz.
So schon in dem ersten Kriege, den er mitmachte, mit Ehren reich bedeckt,
gieng er nach demselben wieder an die Friedensarbeit mit Ross und Reiter, wie
ihn dies sein cavalleristisch bahnbrechendes Streben rastlos üben hieß. Rasch
durcheilte er alle Grade der Stabsofficierscharge. Seine Beförderung zum Major
erfolgte am 5. November 1850, zum Oberstlieutenant am 20. December 1851,
und zum Obersten und Regiments - Commandanten des Husaren - Regiments
Preußen Nr. 10 am 5. Oetober 1856, im Alter von 30 Jahren. Schon um jene Zeit
galt er als einer der tüchtigsten und schneidigsten Cavallerie-OfnYiere und Oberste,
welche die k. k. Armee besaß.
An der Spitze seines Husaren-Regiments machte Oberst Fr. von Edelsheim
unter Commando des FMI-. Fürsten Edmund Schwarzenberg im HI. Corps den
Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 mit. Es war
ihm beschieden, nicht nur neuerlich seine persönliche Tapferkeit und kühne
Energie, sondern auch die glänzenden Eigenschaften eines hervorragenden Reiter-
führers zu bekunden.
Militärischer Maria Therecif D-Urde u. 0
Digitized by Google
82 CI.VIII. und CLIX l'romolii.ri. ■— Im Kriege von 18.V.I.
Gleich vom Anbeginne des Feldzuges hatte er bei mehreren kleineren Affairen
Gelegenheit, seinen thatendurstigen Unternehmungsgeist zu bekunden, so bei
einer Requisition, wobei ( ine feindliche Cavallerie-Abtheilung von dem Eisenbahn-
damme bei Torre dei Reretti — 1. Mai — gegen Valenza zurückgeworfen wurde.
Dann machte er die Kanonade am 4. bei Valenza und den Geschützkampf
zwischen Monte und Valenza am 7. Mai mit. Am 2. Juni unternahm er von
Borgo Lavezzaro die wichtige Recognoscierung gegen Ulengo.
Am 4. Juni aber sehen wir ihn in der Schlacht bei Ma genta heldenhafte
Attaquen mit seinem Regimente ausführen. Dieselben bewahrten nicht nur das
eigene III. Armee-Corps, sondern auch andere Anneetheile vor unabsehbaren Nach-
theilen, indem dadurch der ganze feindliche rechte Flügel mitten im siegessicheren
Vordringen zum Stehen gebracht wurde. Edelsheim gab dadurch der Schlacht auf
dem eigenen linken Flügel eine unverhoffte Wendung zu Gunsten dieses Theils der
österreichischen Schlachtlinic. Ks geschah dies in jenem höchst kritischen Augen-
blicke bei Ponte vecchio di Magenta, als nach stundenlang hin- und her-
wogendem Kampfe gegen 7 Uhr abends der Westtheil dieses Ortes neuerdings in
die Gewalt des Feindes gerathen war. FML. Fürst Schwarzenberg hatte für sein
III. Corps den Rückzug ins Auge fassen müssen. Durch eine letzte außerordent-
liche Kraftentfaltung wollte er versuchen, das Gefecht zum Stehen zu bringen.
Kr übersandte durch den Corps-Adjutanten. Oberstlieutenant Pulz, den Befehl au
Kdelsheim, mit den 4 Kscadronen seines Regiments, die vereinigt bei C. Vajano
in Reserve standen, zum Angriff vorzurücken.
Schon aber hatte Edelsheim aus eigener Eingebung selbständig eingegriffen.
.Meine Abtheilungen sind bereits im Anmärsche!"
So lautete Edesheims Rescheid an Oberst lieutenant Pulz.
Immer weit voran, wo er am besten den Gefechtsgang überblicken und ver-
folgen konnte, hatte Edelsheim nicht nur die ganze Gefahr des Augenblicks,
sondern blitzartig auch schon die einzige Möglichkeit ihrer Abwehr erfasst. Aus
eigenen Stücken gab er auch sofort seinen bei C.Vajano haltenden 4 Escadronen
den Befehl zu raschem Vorrücken. Außerdem ließ er auch die bei einer Brigade
des Corps zuget heilte 5. Escadron kurzweg beordern, mit dem Regimente vor-
zugehen. Das durchschnittene und bedeckte Terrain gegen Ponte vecchio di
Magenta hin erschien zwar w enig geeignet für ein Cavalleriegefecht. Aber Noth
bricht Eisen. Zudem war das ganze Regiment Preußen-Husaren, Officier wie
Mann, von dem kühnen Reitergeiste seines Obersten beseelt. Ganz insbesondere
aber war dieses Regiment von Edelsheim während der drei Jahre, seit er es befeh-
ligte und heranbildete, planmäßig und zielbewusst in der Überwindung der größten
Terrain-Schwierigkeiten geschult worden, welche überhaupt von Ross und Reiter
bewältigt werden können. Darin thaten es Edesheims Husaren jeder Cavallerie-
Truppe zuvor. Es gab kein Wagnis, angesichts dessen man mit diesen) Regiment
zurückzuschrecken brauchte, das w ar anerkannt. Am besten wusste es Edelsheim
selbst. Darum hinderten ihn auch bei Magenta weder die tiefen Wassergräben der
Reisfelder, noch die Hindernisse der übrigen italienischen Cultur, noch selbst
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Leopold Freiherr von Edelsheim-fiyulni.
83
die schwebenden Barrieren der von Baum zu Baum geschwungenen Reben-
gewinde.
So sprengten denn die Escadronen unter den Augen des Corps-Commandanten
und angesichts des Corps geschlossen gegen den Feind, ihren kühnen Obersten an
der Spitze. Es war eine Attaque, wie selten eine geritten worden. In Schwadronen
in Divisionen, wie es eben das Terrain mit allen seinen Hindernissen zuließ,
gieng es en carriire auf und mitten zwischen die vorrückenden Colonnen der
Franzosen hinein. In Galopp schwenkten einzelne Escadronen gegen Flanken
und Rücken der feindlichen Massen ein. Was den Husaren unter die Klinge kam.
wurde zusammengehauen, geschlossene Abtheilungen des Feindes gesprengt, und
die Fliehenden bis mitten in die Straße des Westtheiles von Ponte vecchio di
Ma genta am rechten Naviglio-Ufer verfolgt. So drangen die Husaren einzeln und
in Trupps bis tief in den Ort ein. Der Gommandant des feindlichen Armee-Corps,
Marschall Canrobert selbst war nahe daran, von Edelsheims Reitern zusammen-
gehauen zu werden. Der französische Oberst Bellccourt wurde niedergeritten.
Canroberts Generalstabschef, Oberst Senne ville. im Begriffe, einige Abtheilungen
zusammenzuraffen, um sie wieder gegen die Häusergruppe von Ponte vecchio
vorzuführen, fiel in den letzten Augenblicken dieses blutigen Gefechtes. An einen
Halt im Orte aber war für die Husaren nicht zu denken. Nicht nur feindliche
Infanterie, sondern selbst Geschütze hatten bereits vor der Attaque den Ort größten-
theils besetzt. Von allen Seiten prasselte Kugelregen auf die Husaren nieder,
welche dadurch schwere Verluste erlitten.
Das Beispiel der heldenmüthigen Husaren fachte aber die Thutkraft der
erschöpften Infanterie wieder an. Die Tornister von sich werfend, stürzten die
Bataillone der Brigaden Härtung und Dürfeid den Husaren-Escadronen nach und
warfen den Feind auf der ganzen Linie vom Rideau hei Carpenzago herab und bis
hinter S. Damiano zurück. Alle seitens des Feindes vorher errungenen Vortheile
wurden ihm wieder entrissen, ja sein eigener rechter Flügel war jetzt arg gefährdet.
Dagegen blieb FML. Schwarzenberg nicht allein völlig Herr der Situation am linken
Flügel der k. k. Armee, sondern er sah sich sogar in die Lage gesetzt, frischen
Truppen dieses Flügels eventuell die Wiederaufnahme der Offensive am nächsten
Tage mit Sicherheit offen zu halten. Dies die Maria Theresion-Ritterthat des
Obersten Edelsheim in der Schlacht von Magonta. Er hatte mit seinen Husaren
wesentlich dazu beigetragen, diese Schlacht auf dem linken Flügel in einem der
kritischesten Augenblicke zu Gunsten der kaiserlichen Waffen zu wenden. Ilicfür
wurde Oberst Ft h. von Edelsheim mittels Allerhöchsten Armee-Befehls vom 27. Juni
1859 mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet.
Auf Grund der in der Schlacht bei Magenta am 4. Juni 1850 vollbrachten
Waffenthat geruhte in der Folge Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als
Erhabener Großmeister über Votum des Capitels kraft Promotion CLVIII
vom 17. October 1859 den Obersten Leopold Freiherrn von Edelsheim durch
Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien- 0 rdens
zu promovieren.
6«
Digitized by^Google
84
CLVIII. und CLIX. Promotion. — Im Kriegt« vou 1859.
Am 8. Juni, an welchem Tage die k. k. Armee die Offensive wieder ergreifen
sollte, unternahm Oberst Edelsheim die Streifung von S. Angiolo (Bargano)
über Landriano gegen Mailand.
Von weit ausgreifendem Unternehmungsgeiste war Edelsheims kühne
energische Gefechtsführung auch in der Schlacht von Solferino am 24. Juni
erfüllt. Um l/t7 Uhr früh erhielt er vom FML. Fürsten Schwarzenberg aus Guidizzolo
Befehl, von Val del Termine, wo das Regiment Preußen-Husaren Nr. 10 stand,
eine Division vorzuschieben, um die Verbindung zwischen Gassiano und der von
Guidizzolo gegen Ca Morino vorrückenden Brigade Härtung zu erhalten. Zur
selben Zeit ließ FML. Graf Mensdorff, der Commandant der Cavallerie-Division,
bei Edelsheim durch einen Adjutanten um die Beschaffenheit des vorliegenden
Terrains sich erkundigen. Edelsheim benutzte diese Gelegenheit und ließ dem
FML. Mensdorff mit der Auskunft über das Terrain sofort auch den Befehl
melden, den er erhalten hatte. Er fügte bei, dass er mit beiden Divisionen seines
Regiments zwischen Cassiano und Ca Morino durchbrechen und den gegen
Guidizzolo vorrückenden Feind in Flanke und Rücken angreifen werde. Zu
diesem Zwecke bat Edelsheim den FML. Grafen Mensdorff, überdies auch den
GM. Prinzen von Holstein, um entsprechende Unterstützung. Hierauf ritt er mit
einigen Husaren zur Recognoscierung vor. Oberstlieutenant Graf Hunyady führte die
beiden Divisionen dem Obersten Edelsheim nach. Vor dem Abreiten des Regiments
hatte FML. Graf Mensdorff mittheilen lassen, dass er hinter Edelsheim eine Brigade
nachrücken lassen werde. Dabei ließ er wegen des bedeckten Terrains Vorsicht
gegen Überraschungen anempfehlen. Edelsheim verstand dieser Mahnung vollauf
gerecht zu werden, unbeschadet dessen aber auch das Element kühner Offensive,
welches die Seele der Reiterwaffe bildet, bis aufs äußerste zur Geltung zu bringen.
Gleich nach Überschreiten der Straße, welche von Cassiano nach Medole
führt, verwehrte Edelsheim mehreren Abtheilungen der Chasseurs dAfrique
weiteres Vordringen. Kaum ihrer ansichtig, ließ er sein Regiment sofort in Linie auf-
marschieren und den Feind durch vier Escadronen abwechselnd schwadronsweise
angreifen. Die beiderseitigen Reiterkörper kämpften mit Erbitterung. Schließlich
wurde der Feind geworfen. Die feindliche Cavallerie ließ sehr viele Leute auf dem
Felde, aber auch Edelsheims Regiment hatte große Verluste an Leuten und Pferden.
Nach diesem erfolgreichen ersten Kampfe durchbrachen die beiden Divisionen
Preußen-Husaren, durch die Cultur vollkommen gedeckt, an Ca Morino vorbei,
welches von feindlicher Infanterie und Artillerie stark besetzt war, die feindliche
Schlachtlinie bis hinter den etwa in der Höhe von Le Grole gelegenen
französischen Verbandplatz.
Durch die wiederholten Attaquen waren Husaren und Pferde so erschöpft, dass
dort Edelsheim halten ließ. Vorsichtshalber entsendete er Patrouillen nach rück-
wärts, um die Verbindung mit der Cavalleric-Brigade herzustellen, deren Nach-
rücken FML. Graf Mensdorff in Aussicht gestellt hatte. Diese Patrouillen kehrten
jedoch bald mit der Meldung zurück, dass starke Abtheilungen der bei Ca Mo-
rino gestandenen feindlichen Infanterie eingeschwenkt waren und in Edelsheims
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Leopold Freiherr von Edelsheim-Gyulai.
85
Rücken standen, von der eigenen Cavallerie-Brigade aber nichts zu sehen sei.
Letztere hatte wegen des inzwischen eröffneten überwältigenden Feuers fran-
zösischer Geschützmassen nicht nachrücken können.
Edelsheim schob, um gegen Überraschungen von vorne gesichert zu sein,
eine Escadron noch weiter vor. Ungefähr mittags stieß dieselbe auf größere
Cavallerie-Abtheilungen, Husaren, und Chasseurs der Garde, sowie auf feindliche
Infanterie. Die feindlichen Husaren attaquierten alsbald in Colonne. Sie wurden
wiederholt geworfen, erneuerten aber ihre Angriffe immer wieder. Schließlich als
die vorgeschobene Escadron zu sehr bedrängt wurde, ließ sie Edelsheim durch
zwei andere Escadronen heraushauen. Die Schwärme von Chasseurs d'Afrique,
welche diese Escadron in Flanke und Rücken gefasst hatten, wurden theils zu-
sammengehauen, theils gesprengt.
Zum zweitenmale hatte Edelsheim dem Feinde obgesiegt; allein trotz allen
Kampfeifers verlor er keinen Augenblick die Pflichten des Truppenführers aus
dem Auge. Vorn, in linker Flanke und Rücken trat der Feind immer stärker auf.
Da gab es kein weiteres Drauflosgehen mehr. Der höheren Pflicht eingedenk, sagte
sich Edelsheim, dass da nichts mehr auszurichten war und ließ — abtheilungs-
weise, im Schritt — den Rückzug antreten. Die im Rücken stehende feindliche
Infanterie wurde dabei mit Ausnützung des bedeckten Terrains einfach umgangen.
An der Straße, welche von Cassiano nach Medole führt, traf Edelsheim wieder die
erste Abtheilung eigener Infanterie an, und zwar von der Brigade Rösgen, welche
etwa 500 Schritte nach rechts in Cassiano stand. Dorthin führte nun Edelsheim
auch sein Husaren-Regiment, machte halt und blieb bis 2 Uhr gefechtsbereit stehen.
Um jene Zeit meldeten Edelsheims Patrouillen, dass das Regiment Civalart-
Uhlanen nebst Dragonern hinter Cassiano stehe. Da also an diesem Punkte des
Schlachtfeldes nicht nur Infanterie, sondern auch hinreichend Cavallerie vorhanden,
bei dem Regiment Preußen-Husaren aber Mann wie Pferd völlig erschöpft waren,
zog sich Edelsheim gänzlich hinter die Brigade Rösgen zurück, ließ bei Val del
Termine absitzen und ruhen.
Im weiteren Verlauf dieses Schlachttages bekam Edelsheim keine Gelegenheit
mehr in Action zu treten.
Aus diesem zweiten Kriege, in welchem Oberst Edelsheim so glänzend
gekämpft, gieng er als allgemein anerkannter, hervorragender Reiterführer mit
Ruhm bedeckt hervor.
In der dem Kriege von 1859 folgenden Friedensperiode, in welcher die
Heeresorganisation der Monarchie großen Reformen unterzogen wurde, fiel dem
Obersten Edelsheim eine höchst ehrenvolle Aufgabe zu. Er wurde unter Belassung
in seiner Obersten-Charge als supernumerär in seinem 10. Husaren-Regiment
zum Brigadier ernannt und mit der Neuorganisation jener freiwilligen
Cavallerie-Regimenter betraut, welche dank der Initiative des Feldmar-
schalls Erzherzog Albrecht, bei Ausbruch des Krieges von der Bevölkerung der
Monarchie in erhöhter Bethätigung ihrer Vaterlandsliebe durch freiwillige Contri-
butionen errichtet worden. Es waren dies zwei Husaren-Regimenter und ein
Digitized by Google
8G CLVni. und CLIX. Tromotion. — Im Kriege von 1 859.
Uhlancn-Regiment. In anderthalbjähriger energischer Thätigkeit führte Oberst-
Brigadier Baron Edelsheim nicht nur alles für die dauernde Aufstellung dieser
Regimenter Erforderliche durch, sondern brachte auch die Ausbildung derselben
auf einen solchen Grad, dass deren definitive Eintluilung unter die stabilen
Truppenkörper der Armee am 7. Juli 1862 erfolgen konnte. *)
Dem Oberst-Brigadier Edelsheim wurde für die rasche und vorzügliche Orga-
nisation dieser Cavallerie-Truppenkörper die Allerhöchste Anerkennung zu-
theil.Kurz darauf, am 25.December 1S62, wurde er zum General maj or befördert.
In dieser Charge machte Frh. von Edelsheim den Krieg gegen Preußen
und Italien im Jahre 1866 und zwar den Feldzug gegen Preußen mit der
Nord-Armee mit.
Anfangs mit seiner 1. leichten Cavallerie-Division, aus den 3 Brigaden Oberst
Frh. von Appel, Oberst Graf Wallis und GM. von Fratricsevics bestehend, bei den unter
Commando des Kronprinzen von Sachsen an der Iser in Böhmen stehenden Streit-
kräften eingelheilt, beobachtete er die nordöstliche Grenze Böhmens von Zwickau
bis über Adersbach nordöstlich von Trautenau. Schon vom 23. Juni ab kam es zu
Scharmützeln seiner vorgeschobenen Abtheilungen mit vorrückenden preußischen
Cavalleriekörpern. Im weiteren Verlauf der Ereignisse nahm GM. Frh. von Edelsheim
an den Patrouillen-Gefechten bei Liebenau am 2."». Juni, an dem Gefechte bei
Sichrov am 26. Juni, bei dem Nachtgefechte bei Podol vom 20. auf den 27. Juni,
an dem Avantgarde-Gefechte bei Jicin am 28. Juni und an dem Treffen bei Jicin
am 29. Juni theil.
In der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli deckte GM. Frh. von Edelsheim
— mit seiner Cavallerie-Division bei Steinfeld aufgestellt — den in der Stellung
Problus-Nieder-Prim kämpfenden linken Flügel der k. k. Armee. Nachdem Edels-
heim, welcher von der Höhe von Problus aus den Gefechtsgang beobachtete, gegen
1 1 Uhr vormittags eine Brigade zum weiteren Flankenschutze gegen Stezer entsandt
und 2 Batterien gegen die Fasanerie ins Fem r gesetzt hatte, stellte er im weiteren
Verlaufe den Antrag zu einer Offensive gegen die rechte Flanke der preußischen
Elbe-Armee. Nach erhaltener Genehmigung setzte sich Edelsheim um 2 Uhr nach-
mittags mit seiner Cavallerie-Division und der 2. sächsischen Reiter-Brigade von
Steinfeld gegen Techlovic in Bewegung. Um 3 Uhr langte er mit dieser Reiter-
masse, zu der auch die zuvor detachierte Brigade wieder herangezogen worden
war, auf dem Höhenterrain bei Techlovic an. Da zu dieser Zeit preußische
Colonnen, welche sich aus dem Gefechte zurückzogen, eben das Thal zwischen
Hradek und Neu-PHm durchschritten, so setzte die Tete-Brigade Appel sofort ihre
Batterie ins Feuer, welche sogleich den Kampf gegen 4 bei Hradek postierte feind-
liche Batterien aufnahm.
GM. Frh. von Edelsheim war gerade im Begriffe weitere Dispositionen zu
ertheilen. als ihm etwas nach 4 Uhr der Befehl des Armee-Commandos überbracht
ward, dass er sich wegen der im Centrum bei Chlum eingetretenen Katastrophe
') Ks sind dies die Hu.saren-Regim. ntpr Nr. 13 und Ii und das UhhiiK'ii-K^giiii.'nt Nr. 13
Digitized by Google
Ritter des M. T. 0. Leopold Freiherr von Edelsheim Gyulai.
87
dorthin zu wenden und die dort entstandene Lücke auszufüllen habe. Obgleich
Edelsheim sich der Besorgnis nicht eritschlagcn konnte, dass dadurch die linke
Flanke .der Armee sehr gefährdet werden würde, so ertheilte er bei der durch den
Überbringer betonten Bestimmtheit des Befehles nunmehr die Dispositionen zu der
rückgängigen Bewegung. Nächst Steier angelangt, fand aber Edelsheim den Befehl
des Armee-Commandos bereits durch die Ereignisse überholt und stellte daher die
Bewegung wieder ein. Seiner Thätigkeit und tapferen Ausdauer gelang es sodann
im Vereine mit der 2. schweren Gavallerie-Division, die Armee vor zu starkem
feindlichen Nachdrängen auf ihrem linken Flügel zu bewahren. Er kämpfte schließ-
lich mit seinen Batterien noch bis 6y2 Uhr abends; dann erst trat er in Gefechts-
formation den Bückzug an und marschierte nach Pardubitz. Von dort rückte er mit
seiner vollkommen geordneten und schlagfertigen Division am folgenden Nach-
mittage nach Chrudim weiter.
Während das Gros der Nord-Armee den Bückzug auf Oltnütz antrat, wurde
ein kleiner Theil derselben zum Schutze Wims gegen Süden dirigiert. Es wurde
nämlich das X. Armee-Corps per Bahn nach dem Brückenkopfe von Floridsdorf
transportiert, ferner ein Cavallerie-Corps aus 1 Cavallerie-Divisionen unter FML.
Prinz Holstein formiert. Dieses Cavallerie-Corps, in welches auch GM. Frh. von
Edelsheim mit seiner 1. leichten Cavalleric-Division eingetheilt war, führte seine
Aufgabe erfolgreich durch, indem es, einen breiten Baum deckend und nur dem
feindlichen Drucke weichend, in der Zeit vom 7. bis 18. Juli die Vorrückung des
Gegners unter zahlreichen Zusammenstößen und Gefechten verzögerte und sodann
bei Wien die Donau überschritt.
Am 25. Juli 18GG wurde General Frh. von Edelsheim zum Feldmarschall-
Lieutenant befördert, am 6. September 1866 zum Commandanten der 1. Gaval-
lerie-Division in Großwardein ernannt.
Zufolge Bescriptes der Cabinetskanzlei vom 26. October 1866 führte er —
dessen Mutter eine geborene Gräfin Gyulai war — weiterhin den Namen Edels-
heim-Gyulai.
Am 5. December 1867 wurde er zum Oberst-Inhaber des Husaren-
Begiments Nr. 4 ernannt.
Am 28. Jänner 1869 erfolgte seine Ernennung zum General-Cavallerie-
Inspector.
Im Jahre 1871 erwarb FML. Frh. von Edelsheim-Gyulai die österreichische
Staatsbürgerschaft und im folgenden Jahre die Zuständigkeit nach Wien.
Mit Allerhöchster Entschließung vom 19. April 1873 wurde ihm die Würde
eines Geheimen Bathes verliehen.
Während seiner mehrjährigen Function als General- Cavallerie-Inspector
entfaltete er eine bahnbrechende und fruchtbare Thätigkeit. Denselben Grundsätzen,
die ihn als Commandanten seines Preußen-IIusaren-Begiments, späterhin als
Brigadier der Freiwilligen-Cavallerie-Begimi ntcr in der Ausbildung der Truppe
und der Pllege des Beitergeistes geleitet hatten und deren Ersprießlichkeit durch
glänzende Erfolge erhärtet war, folgte er auch, als er an die Spitze der gesammten
Digitized by Google
88
CLVIII. und CL1X. Promotion. — Im Kriege von 18R9.
k. k. Cavallerie gestellt war. Flottes Reiten, leichtes Nehmen der Hindernisse,
außerordentliche Beweglichkeit und Manövrierfähigkeit der k. k. Cavallerie bildeten
das Resultat seines Wirkens als General-Cavallerie-Inspector.
Am 28. Jänner 1874 erfolgte seine Beförderung zum General der Caval-
lerie mit der gleichzeitigen Ernennung zum Commandierenden General in
Ofen-Pest
Am 29. September 1875 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste mit
dem Orden der Eisernen Krone I. Classe mit der Kriegsdecoration der
III. Classe ausgezeichnet.
Infolge der neuen Organisation wurde er mit 1. Jänner 1883 zum Com-
mandanten des IV. Armee-Corps und zum Commandierenden General in Budapest
ernannt.
Am 1. August 1886 wurde GdC. Frh. von Edelsheim-Gyulai auf sein Ansuchen
in den Ruhestand mit dem Domicil Budapest versetzt und ihm bei diesem
Anlasse in Anerkennung seiner vieljährigen, im Kriege wie im Frieden mit Hin-
gebung geleisteten ausgezeichneten und hervorragenden Dienste das Großkreuz
des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration des Ritterkreuzes verliehen, und
ein huldreiches Allerhöchstes Handschreiben an ihn erlassen.
Joseph Dormus wurde im Jahre 1811 zu Drohobycz in Galizien geboren und
als Regiments-Cadet am 20. November 1826 bei dem 27. Infanterie-Regiment
assentiert. Am 16. Februar 1830 zum k. k. Infanterie-Regimente Nr. 31 transferiert,
stieg er am 1. April 1831 zum Fähnrich und am 17. Juni 1833 zum Unter-
lieutenant empor. Am 1. Jänner 1841 avancierte er zum Oberlieutenant.
Während seiner Dienstzeit als Subaltern-Offtcier war er durch 6 Jahre Bataillons-
Adjutant. Am 11. April 1848 rückte er zum Capitän-Lieutenant vor. Als solcher
machte er die Beschießung der Barricaden und die Straßenkämpfe am l.und
2. November 1848 in Lemberg mit.
Am 1. März 1849 ward er zum Hauptmann befördert und am 1. Juni zum
«(/ latus bei dem General-Comtnando in Galizien ernannt. Am 14. November 1849
wurde er Flügeladjutant bei dem IV. Arrnee-Commando in Lemberg. Überhaupt
war er während der Jahre 1848 und 1849 wiederholt zu besonderen Diensten
verwendet worden. Für sein dabei bewährtes muthiges Benehmen und seine auch
sonst ausgezeichnete Dienstleistung wurde ihm mit Allerhöchster Entschließung
vom 24. Decemher 1849 die Allerhöchste Zufriedenheit zutheil und am
29. Jänner 1850 das Militär-Verdienstkreuz verliehen. Inzwischen war er am
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Joseph Freiherr Dormus von Kiliaushausen.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1859.)
Digitized by Google
;
a
s
1
\
ü
it<
w
w
Vi
sc
v<
21
Digitized by Google
.MA GENTA (fc.JUNI 1859
TW-kvF KaraX
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. Joseph Freiher Donnus von Kilianshausen.
89
26. December 1849 zum Major befördert worden. Am 5. April 1850 wurde er in
den supemumerären Stand versetzt und am 17. November 1850 zum Corps-
Adjutanten beim XIV. Armee-Corps ernannt. Am 3. Mai 1854 erfolgte seine
Beförderung zum Oberstlieutenant und am 14. Februar 1856 wurde er in
das k. k. Adjutanten-Corps eingereiht. Am 28. Februar 1857 avancierte er zum
Obersten und wurde als solcher am 27. März 1857 zum Regiments-Comman-
danten des Infanterie-Regiments FML. Frh. von Culoz Nr. 31 ernannt.
An der Spitze desselben machte er den Krieg gegen Frankreich und
Piemont in Italien im Jahre 1859 mit, in welchem es ihm beschieden war, nicht
allein das Regiment Culoz aus den Kämpfen von Monlebello, Magenta und
Solferino als eines der ausgezeichnetsten Regimenter der Armee hervorgehen zu
sehen, sondern auch persönlich reiche Lorbeeren zu erringen.
Schon in dem Treffen von Montebello am 20. Mai griff Dormus mit
seinem in der rechten Flögelcolonne unter GM. Prinz von Hessen kämpfenden
Regimente ebenso tapfer als wirksam ein, wie die verhältnismäßig bedeutenden
Verluste, die für diese Affaire dem Regimente zutheil gewordenen zahlreichen
Auszeichnungen und die Allerhöchste belobende Anerkennung für den
Obersten Dormus bezeugen.
Wahrhaft Außerordentliches mit seinem Regimente zu vollbringen, war
jedoch Dormus in der Schlacht bei Magenta am 4. Juni 1859 berufen. Er hatte
zwar an Stelle des bei dem VII. Corps zum FML. beförderten Prinzen von Hessen
in den letzten Tagen des Mai ad interim das Commando der Brigade übernommen,
in welcher sein Regiment eingetheilt war, befehligte sonach außer demselben
auch noch andere Truppen und Waffen; jedoch war es ihm am Schlachttage von
Magenta beschieden, von seiner ganzen Brigade nur 12 Compagnien seines Regi-
ments gegen den Feind zu führen. Es standen von der Brigade das 4. Kaiser-Jäger-
Bataillon, 10 Compagnien von Culoz-Infanterie und 1 Zug Sicilien-Uhlanen theils
auf Vorposten am Ticino, theils befanden sie sich auf dem Marsche dahin behufs
Ablösung, als Dormus um V,4 Uhr nachmittags zu Morimondo Befehl zum
Aufbruch erhielt. Derselbe lautete dahin, dass die Brigade nach Abbiategrasso
vorzurücken und nördlich des Ortes ä cheral der nach Lugagnano führenden
Straße concentrierte Aufstellung zu nehmen habe. Nach einem Zusätze zu diesem
Befehl sollte zugleich die Brigade Gaal die Truppen der Brigade Dormus auf den
Vorposten ablösen. Demgemäß hinterließ Dormus den Befehl, dass die von den
Vorposten einrückenden Abtheilungen der Brigade nachrücken sollten und trat
mit 12 Compagnien Culoz-Infanterie, 2 Zügen Sicilien-Uhlanen und der Cavallerie-
Batterie Nr. 1 1 /V den Vormarsch an.
Schon einige Tausend Schritte vor Abbiategrasso vernahm er Kanonen-
donner. Aus dieser Ursache bog Dormus nach Passierung von Abbiategrasso
von der nach Lugagnano führenden Straße ab und schlug jene in der Richtung des
Kanonendonners auf Robecco ein. Auch unterbrach er seinen Vormarsch nicht,
um nördlich von Abbiategrasso concentrierte Aufstellung zu nehmen, sondern
marschierte mit aller Beschleunigung auf den Kanonendonner los.
90
CLYJIl. und CLIX. Promotu.n. Im Kriege von 1859.
Vor Robecco angelangt, erhielt er Befehl, eine Aufnahmsstellung südlich
(hinter ) Robecco zu nehmen. Noch bevor dieser Befehl ausgeführt war, bekam er
jedoch vom FML. Grafen Stadion die Weisung, in dem Dreieck Robecco, Ponte
di Magenta und Magen ta, östlich des Naviglio grande, vorzurücken, um die in
der Richtung auf Ponte di Magenta vordisponierte Brigade Ramming zu unter-
stützen. Demgemäß rückte Dormus sofort weiter vor.
In Robecco fand Dormus alle Gassen mit Geschütz-, Munitions-Reserven,
Brücken-Equipagen und Sanitäts-Wagen derart verfahren und vollgepfropft, dass
er die Brigade Mann für Mann einzeln zwischen dem Gefährt abfallen und defilieren
hissen musste. Die Brigade-Batterie konnte jedoch gar nicht vorwärts. Der eben
in Robecco haltende Annee-Commandant FZM. Graf Gyulai befahl überdies dem
Obersten Dormus, seine Geschütze in Robecco stehen zu lassen, und setzte bei.
es seien vorne Geschütze genug. Auch die 2 Züge Sicilien-Uhlanen mussten
zurückgelassen werden. Aber selbst mit der Infanterie konnte Dormus die Haupt-
brücke über den Canal bei Robecco nicht passieren, da auch diese völlig verstopft
war. Indessen fand sich eine Nothpassage südöstlich vom Orte, ein zwar
gemauerter aber nur 3 Schuh breiter Steg, zu welchem beiderseits mehrere Stufen
emporführten; überdies waren zu beiden Seiten desselben am Fuße der Treppen
Gräben eingeschnitten, welche das Überschreiten des Steges verhindern sollten.
Nachdem Oberst Dormus mit seinem Regimente in thunlichster Eile den Steg
überschritten und darnach die Abtheilungen sich wieder formiert hatten,
marschierte er so rasch als möglich auf der gegen Magenta führenden Straße
weiter.
Als die Brigade über Robecco hinaus in den südlichen Winkel des vor-
bezeichneten Dreiecks gelangt war. entwickelte Dormus dieselbe in zwei Treffen.
Während des Aufmarsches vernahm er in der rechten Flanke von Magenta her
lebhaftes Kanonenfeuer; noch heftigerer Geschützdonner war in der linken Flanke
von Ponte vecchio di Magenta hörbar. Damit war der entscheidende Moment
gegeben, in welchem der richtige Entschluss gefasst werden musste, ob sich
Dormus nach rechts oder links halten sollte, um ein günstiges Resultat zu erzielen.
Eine Reihe von Erwägungen drängten sich da auf. Das heftigere Kanonenfeuer
in der linken Flanke näherte sich immer mehr gegen Peralza. Das weitere Vor-
dringen des Feindes auf diesem Punkte musste nicht bloß den Verlust von Robecco
und der gesammten dort verfahrenen Geschütz- und Munitions-Reserve, sondern
auch den Durehbruch der eigenen Schlaehtlinie zwischen dem linken Flügel und
Centrum oder in letzterem selbst nach sich ziehen. Von diesen Erwägungen
geleitet, fasste Dormus, wohl im Sinne des früher erhaltenen Befehls, aber völlig
selbständig, den Entschluss, selbst auf die Gefahr hin, von Magenta aus in rechter
Flanke und Rücken gefasst zu werden, sich gegen die größere Gefahr zu wenden
und mit ungeteilter Kraft gegen Ponte vecchio di Magenta eine kräftige
Offensive zu ergreifen. Dieser Entschluss erschien ihm überdies um so mehr
geboten, als es dringend nothwendig war. dem schon auf Peralza zurückgedrängten,
in schwerem Kampfe befindlichen linken Flügel der Brigade Ramming, der nicht so
Digitized by Google
Ritter des M. T.O. Joseph Freiherr Dormus von Kilian*hau«sen.
Ol
bald eine andere Unterstützung zu erwarten hatte und nur noch mit' großen
Opfern diesen Punkt zu behaupten trachtete, so rasch als möglich unter die Arme
zu greifen. Daraul hin nahm Dormus gegen linke Flanke und Rückzugslinic des
von Ponte vecchio di Magen ta gegen Peralza vorgehenden Feindes Directum.
In der Höhe von Peralza angelangt, wurde die Brigade Dormus von
heftigem Geschützfeuer der Franzosen empfangen. Erwidert konnte dasselbe nicht
werden, weil die Brigade ihre Geschütze hatte zurücklassen müssen. Dormus sagte
sich da, dass sein gewagtes Unternehmen nur mit Raschheit und Ungestüm, ohne
langwieriges und wenig wirksames Feuergefecht gelingen konnte. So säumte er
denn keinen Augenblick, ließ durch die Hornisten Sturm blasen und stürmte
an der Spitze der Brigade unter Hurrah-Geschrei der Abtheilungen gegen die
feindliche Batterie los. Diese Taktik hatte den günstigsten Erfolg. Die französische
Batterie wartete den Bajonnettangriff nicht ab, sondern protzte auf und fuhr davon.
Dormus setzte darauf seine Offensive fort. Bald wurde aber die Brigade von
der feindlichen Batterie, die sich auf entsprechende Entfernung weiter rückwärts
placiert hatte, neuerdings lebhaft beschossen und hart mitgenommen. Dormus
vertrieb auch diesmal wieder die feindliehe Artillerie mit einem Bajonnettangriffe.
Dieses resolute und rasche Vorgehen der Brigade Dormus machte der Brigade
Ramming bei Peralza alsbald Luft.
Durch den sichtbaren Erfolg ermuthigt, setzte Dormus seine Offensive in der
Richtung auf Ponte vecchio di Magenta, mit ununterbrochener Bedrohimg
der linken Flanke und Rückzugslinie des Feindes, weiter fort. So gelangte die
Brigade bis angesichts von Ca Limido, wo der Feind feste Stellung genommen
hatte. Auf diesem Punkte wurde die Brigade Dormus nicht nur von Ca. Limido in
der Front, sondern auch aus der Richtung von Magenta in rechter Flanke und im
Rücken beschossen Besonders heftig war aber das Gewehr- und Geschützfeuer
des Feindes in der Front von Ca Limido. In dieser bedenklichen Situation
forcierte Dormus die Entsc heidung neuerdings durch einen Bajonnettangriff. Er
beorderte zunächst eiligst die rechte Flügel-Division des ersten Treffens zur
Deckung der eigenen rechten Flanke und des Rückens. Dann ließ er aus dem
zweiten Treffen ein Bataillon rasch ins erste Treffen rücken, wieder das Sturm-
signal blasen, zog selbst den Säbel und stürzte mit diesem Bataillon zum Bajonnett-
angriff auf Ca Limido vor. Es war dies der dritte Sturm. Derselbe wurde dank
dem anfeuernden Beispiele Dormus" mit bewunderungswürdiger Tapferkeit unter-
nommen und mit so unwiderstehlichem Ungestüm ausgeführt, dass der Gegner
nicht stand hielt. Der Feind hatte nur Zeit, zwei Dei bargen gegen das Bataillon
von Culoz abzugeben, wodurch zwar mehrere Leute in den ersten Reihen nieder-
gestreckt wurden, dann aber wichen die feindlichen Abtheilungen vor den tapferen
Culozern aus Ca Limido in wilder Flucht zurück. Dormus besetzte den Ort
sogleich mit einer Division, ordnete so weit als thnnlkh seine Brigade-Abtheilungen
und entsendete Patrouillen nach rechts und links, um die Verbindung mit anderen
k. k. Truppen herzustellen. Dies geschah bei bereits eingetretener Dunkelheit, um
%9 Uhr abends.
Digitized by Google
92 CLVIII. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Das feindliche Plänklerfeuer hatte unterdessen merklich in seiner Lebhaftig-
keit nachgelassen. Noch war jedoch Ca Limido nicht eine Viertelstunde lang im
Besitze der Brigade Dormus, als der Feind gegen die Division, welche den Ort
besetzt hielt, eine Decharge abgab und denselben im Sturm zu nehmen suchte.
Dormus zog wieder mit eisener Ruhe den Säbel und warf sich dem Feinde mit
einem Bataillon neuerdings gefällten Bajonnelts entgegen. Auch dieser vierte
Bajonnettangriff war von Erfolg gekrönt. Der Feind musste von neuem weichen.
Aber noch einmal glaubte der Feind einen äußersten Versuch wagen zu
sollen, um sich auf dem linken Flügel der Brigade Dormus des wichtigen Stütz-
punktes von Ca Limido zu bemächtigen. Plötzlich überschüttete er von neuem
den Ort mit Geschütz- und Gewehrfeuer, worauf ein letzter, verzweifelter Sturm-
anlauf der Franzosen folgte. Aber alles umsonst! Auch diesmal kam Dormus im
entscheidenden Augenblicke dem Feinde zuvor. Zum fünftenmale erschütterte
Hurrah die Lüfte, zum fünftenmale drang Dormus an der Spitze seiner unver-
gleichlich tapferen Gulozer — welche nur mehr die im Dunkel flammende
Feuerlinie der Franzosen zur Direction nehmen konnten — mit dem Bajonnett
auf den Feind ein. Zum fünftenmal floh derselbe, diesmal unter dem Schutze der
Nacht, bis nach Ponte vecchio di Magenta. Von dort wagte er es nicht mehr hervor-
zubrechen.
Damit hatte nicht nur das heldenmäßige Ringen der Brigade Dormus,
sondern auch die Schlacht überhaupt ihr Ende gefunden. Die glänzende Offensiv-
Vertheidigung von Ca Limido durch die Culozcr bildete an dem blutigen Schlacht-
tage von Magenta den letzten Kampf und zugleich den Schluss einer Reihe von
siegreichen, für die k. k. Armee wichtigen Waffenthaten des Obersten Dormus.
Dormus behauptete mit den Culozern Ca Limido und überhaupt die ganze
Aufstellung in der Höhe dieses Ortes. Seine Brigade hatte durch das Vorgehen
zwischen den zwei auseinander laufenden Linien des Naviglio grande und der
Straße von Robecco-Magenta zwar immer weiter nach rechts sich öffnen und in-
folge dessen successive in ein einziges Treffen sich entwickeln müssen. Dasselbe
hielt aber die Linie von Ca Limido gegen die Straße Robecco-Magenta durch eine
geschlossene Divisionsmassen-Linie mit vorgeschobenen dichten Plänklerketten
besetzt. Reserven waren zwar um die Zeit des letzten Gefechts von Ca Limido
keine vorhanden, allein jeden Augenblick mussten von den Vorposten größere
Theile der Brigade eintreffen. Thatsächlich rückte auch das 1. Kaiser-Jäger-Bataillon
am Abend noch auf dem Schlachtfelde zur Brigade am rechten Flügel auf der
Straße Robecco-Magenta ein, so dass dieser Flügel wieder zwei Treffen formierte.
Überdies hatte Dormus einen Geschützzug der Brigade-Batterie, welcher sich durch
Robeceo hatte durcharbeiten können, von dort auf der Straße gegen Magenta bis
nahezu auf gleiche Höhe mit der Brigade vordisponiert und auf diese Weise seinen
äußersten rechten Flügel verstärkt. So stand Dormus um 9 Uhr abends mit seiner
Brigade in der Stärke von 18 Compagnien und 2 Geschützen als Sieger und unbe-
strittener Herr innerhalb des ihm ursprünglich zum Vorgehen zugewiesenen
Terrain-Dreieckes Magenta, Ponte vecchio di Magenta und Robecco
Digitized by Google
Ritter des M- T.-O. Joseph Freiherr Dorums von Kilianshausen.
93
inmitten des Schlachtfeldes da, jeden Augenblick bereit, den Kampf wieder auf-
zunehmen, ohne dass es aber der Gegner wagte, ihn anzugreifen — ein Beweis,
wie sehr Dorums dazu beigetragen hatte, dass das Schicksal des Tages auf diesem
Punkte unentschieden geblieben war.
Nur aus Gründen des taktischen Verbandes repliierte sich Dormus freiwillig
im Verlauf des Abends mit dem größten Theile seiner Brigade in vollster Ordnung
von Ca Limido nach Peralza. Von dort aus entsendete er neuerlich Patrouillen,
welche auch alle anderen vorgeschobenen Abtheiinngen und einzelne eigene wie
zahlreiche Versprengte anderer Arnieetheile nach Peralza zurückführten. Die Zahl
derselben wuchs mit den bereits während der Action der Brigade Dormus Gesam-
melten auf mehrere Hundert Mann mit einer Fahne von Hartmann-Infanterie an,
welch' erstere auf diese Weise vor der Gefangennahme gerettet wurden.
Inzwischen hatte Dormus Verhaltungsbefehle für seine Brigade einholen
lassen. FML. Fürst Schwarzenberg (III. Corps), welcher über Anordnung des
Armee-Commandos auch den Befehl über die in Gefechtlinie gerückten Truppen
des V. Corps übernommen hatte, wies Dormus an, seine Brigade zurückzuführen.
Infolge dessen marschierte derselbe nach Bobecco, zog dortselbst alle übrigen
Theile seiner Brigade wieder an sich und rückte infolge eines weiteren Befehles
nach Castellazzo de Barzi. Dort nahm er im Verein mit anderen Truppen behufs
Verbindung zwischen dem FML. Schwarzenberg (III. Corps) und FML. Zobel
(VII. Corps) Stellung, um im Falle eines feindlichen Angriffs Castellazzo de Barzi
zu behaupten. Erst damit war in später Nacht die ruhmvolle Antheilnahme des
Obersten Dormus an der Schlacht von Magenta völlig beendet.
Durch die völlig selbständige Gefechtslcitung und die hervorragende Ent-
schlossenheit des Obersten von Dormus wurde nicht nur die Brigade Ramming
degagiert, sondern auch das Festhalten des höchst wichtigen Punktes Robecco
erleichtert, überdies von den in diesem Orte verfahrenen und angehäuften Geschütz-
und Munitions-Reserven die sonst unvermeidliche Katastrophe ferngehalten und
überhaupt dem Vordringen des siegreichen Feindes auf dem Schlachtfelde selbst
Halt geboten.
Auf Grund der auf diese Weise in der Schlacht bei Magenta am 4. Juni
1859 vollbrachten WalTenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als
Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Capitels kraft
Promotion CLVIII vom lT.October 1859 den Obersten Joseph Dormus — nachdem
er bereits am 27. Juni 1859 durch den Orden der Eisernen Krone III. Classe
mit der Kriegsdecoration ausgezeichnet worden war — durch Verleihung des Klei n-
kreuzes zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren und in der
Folge — am 2. Jänner 1860 — statutenmäßig in den österreichischen Freiherrn-
stand zu erheben.
Auch in der Schlacht bei Solferino zeichnete sich Oberst Dormus, mit
seinem Regimente Nr. 31 am linken Flügel des V. Armee-Corps kämpfend, durch
die sechsstündige heldenrnüthige Vertheidigung der nächst Solferino gelegenen
Höhen gegen dreifach überlegene Kräfte des Gegners rühmlich aus.
Digitized by Google
*)4 n.VIIl. und CI.IX. Tromotion. Im Kricpo von
Nach dem Feldzuge, am 27. Dccembcr 1859, wurde Oberst Dormus zum
Gommandantcn des neu errichteten Infanterie-Regiments Nr. 73 ernannl, am
11. Juni 1803 aber als Truppen-Brigadier zum Generalmajor befördert.
Im Jahre 1864 machte GM. Frh. von Dormus den Krieg gegen Dänemark in
Schleswig und Jütland als Brigadier mit. Bei Ober-Selk am 3. Februar bildete
er mit seiner Brigade die Reserve, ohne jedoch ins Feuer zu kommen. Für seine
sonst verdienstlichen Leistungen in diesem Feldzuge wurde ihm die Allerhöchste
belobende Anerkennung zutheil.
Am 26. Juli 1864 trat Dormus in Disponibilitüt. Nach einem Jahre, am 3. Juni
18<;5. wurde er zum Local-Truppen-Brigadier in Lernberg, am 3. Jänner 1869 zum
Cominandanten der XII. Infanterie-Truppen-Division und zum Militär-Comman-
danten in Krakau ernannt.
Am 1. September 1869 auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt, wurde
Frh. von Dormus indessen schon nach Jahresfrist, am 24. November 1870. wieder
reactiviert und demGeneral-Commando in Lemberg zugetheilt. Auf diesem Dienstes-
posten rückte er am 29. October 1871 zum Feldmarschall-Lieutenant vor.
Anlässlich seines fünfzigjährigen Dienstesjubiläums wurde FML. Frh. von
Dormus am 26. Jänner 1875 mit dem Orden der Eisernen Krone II. Classe
mit der Kriegsdecoration der III. Classe ausgezeichnet; am 28. December 1876
erfolgte seine Ernennung zum Oberst-Inhaber des 72. Infanterie-Regiments.
Bei der auf sein Ansuchen am 1. April 1879 erfolgten Übernahme in den
Ruhestand geruhte Seine Majestät der Kaiser dem Frh. von Dormus in Anerkennung
seiner mehr als fünfzigjährigen, stets pflichtgetreuen, irn Frieden und im Kriege vor-
züglichen Dienstleistungen den Feldzeugmeister-Charakter a<l honores sowie
die Geheime Raths würde allergnädigst zu verleihen.
FZM. Frh. von Dormus starb am 17. Juni 1890.
Hilter des Maria Theresicn - Ordens
Wilhelm Herzog von Württemberg,
Königliche Höh. it.
(Mil ßiMnis aus dum Jahre l$<i0..
Wilhelm Herzog von Württemberg wurde am 20. Juli 1828 zu Carlsruhe
in Preußisch-Schlesien geboren. Kr ist der Sohn des im Jahre 1857 verstorbenen
Herzogs Eugen, welcher sich als kaiserlich-russischer General und Corpscom-
inandant in den Kriegen getreu Napoleon ruhmvoll ausgezeichnet hat.
Wilhelm Herzog von Württemberg wurde am 16. October 1848 vom FM.
Grafen Radetzky zum Oberli eutenant im 1. Infanterie-Reghnente ernannt,
trat seinen Kriegsdienst in Mailand an und bezog einige Tage darauf die Vorposten
am Ticino.
Digitized by Google
RiltiT des M. T O. Wilhelm Herzog von Württemberg.
95
Im Kriege gegen Piemont 184-8/4-9 machte er den Feldzug des Jahres 1840
in der Division Seiner kaiserlichen Hoheit des FML. Erzherzogs Albrecht mit.
Kr kämpfte bei Überschreitung des Gravellone am 20., in der Schlacht bei
Mortara am 21. und bei Novara am 23. März, that sieh bei Mortara rühmlich
hervor, wurde aber dabei im Kampfe von einem feindlichen Artilleristen am Kopfe
verwundet und zwei Tage darauf bei Novara durch das Kniegelenk geschossen.
Feldmarschall Kadetzky ernannte ihn in Anerkennung seiner Tapferkeit am
17. Mai 1849 zum Hauptmann II. Ciassv bei dem 45. Infanterie-Re»imentc. Am
24. April 1850 verlieh ihm Seine Majestät der Kaiser das Ritterkreuz des
Leopold-Ordens.
Nach Wiederherstellung von seiner schweren Verwundung zum Dienste einge-
rückt, wurde er am 1. December 1850 Hauptmann 1. Classe, am 23. November
1853 Major im 21. Infanterie-Regiment, am 16. April 1857 Oberstlieutenant
im 1. Infanterie-Regiment und am 28. April 1859 Oberst und Regiments-Com-
mandant des 27. Infanterie-Regiments. Mit diesem, in die Rrigade CM. Frh. von
Ramming des III. Armee-Corps eingetheilt. zog er in den Krieg gegen Frank-
reich und Piemont in Italien 1859, in welchem er sich ruhmvollst hervor-
thun sollte.
Es war in der Schlacht bei Magenta am 4. Juni 1859, wo dem Herzog von
Württemberg Gelegenheit zutheil wurde, mit einem Rruchtheile seines Regiments
eine Reihe folgenreicher Thaten auszuführen. Nachdem die Truppen des FML.
Grafen Clam und des II. Corps, sowie auch der Division Reischach das westliche
und nördliche Vorfeld Magentas hatten räumen müssen, und auch dieses letztere
nur mehr mit Noth gehalten wurde, disponierte CM. Frh. von Ramming behufs
Rettung des für die Armee so wichtigen Punktes 2 Bataillone vom Regimente
König der Belgier, zusammen 8 Compagnien. unter Commando des Herzogs
Württemberg zu einem energischen Angriffe auf die rechte Flanke des von Mar-
callo gegen Magenta vordringenden Feindes.
Herzog von Württemberg rückte von dem Friedhofe von Magenta, in dessen
Nähe er den Befehl erhalten hatte, in Divisionsstaffeln vom rechten Flügel vorwärts,
längs der Westfront des Or'es rasch vor und warf :ille feindlichen Truppen, trotz
der Übermacht derselben, hinter den Eisenbahndamm zurück. Zwei Regimenter
der französischen Fremdenlegion und das zweite Znaven-Re?iment der Division
Espinasse wurden auf diese Weise gegen Mareallo zurückgedrängt. So gelangte
Herzog von Württemberg über die Bahnstation von Magenta nordwestlich des Ortes
hinaus. Die ihm nachrückende halbe Brigade-Batterie 2/111 verfolgte den weichen-
den Feind mit einem wohlangebrachten Kartälschenfeuer. durch weh lies derselbe
vollends in Verwirrung gebracht wurde. Auch der rechte Flügelstaflei des Herzogs
von Württemberg verfolgte den in einzelne Trupps auseinanderstiebenden Gegner
und brachte dadurch 00 bis 70 Gefangene ein.
Damit war die von CM. Ramming dem Herzog von Württemberg über-
tragene Degagierung Magentas bewerkstelligt. Allein, wenn für die in Magenta
befindlichen Truppen genügende Zeit zum Sammeln und Ordnen gewonnen
Digitized by Google
GLVIII. und CLIX. Promotion. — Im Kriege tod 1859.
werden sollte, so musste der Ort auch gegen weitere unmittelbare Angriffe
geschützt werden. Dieser Notwendigkeit trug Herzog von Württemberg aus
eigenen Stücken selbständig Rechnung. Er lieft seine Divisionsstaffeln in Colonnen-
linie links übergehen, lehnte den linken Flügel an die Eisenbahn, und nahm so
eine Stellung ein, wodurch Magenta gegen Angriffe von Nordwesten her
gesichert wurde.
Nach kurzer Zeit rückten thatsächlich Truppen der französischen Division
Motterouge und zwar von Westen zum Angriff gegen Magenta vor. Dieselben
bewegten sich ä cheval der Straße Boffalora-Magcnta. Diese Truppen stießen zunächst
auf die Stellung des Herzogs Württemberg und zwar hauptsächlich gegen dessen
linken Flügel, aber doch auch zugleich auf einen Theil seiner Front. Zur Deckung
der linken Flanke entsendete er die linke Flügel-Division über den Eisenbahndamm
gegen die Straße. Mit den drei übrigen Divisionen leistete Herzog Württemberg
Widerstand in freiem Felde. Die zur Deckung der Flanke entsendete Division hielt
zwar die Umgehung seines linken Flügels einige Zeit auf, endlich musste sie aber
zurückweichen. So wurde die linke Flanke durch die Obermacht des Feindes
bedenklich gefährdet. Herzog Württemberg sagte sich, dass ein gänzliches Zurück-
weichen nach Magenta die dort herrschende Verwirrung außerordentlich ver-
mehren müsste. Er vollzog daher eine kleine Verschiebung nach links und wagte
zur Hinhaltung der feindlichen Massen mit seinen 3 in der Front übriggebliebenen
Divisionen einen defensiven Bajonnettangriff. Er ließ die Divisionscolonnen rasch
aufmarschieren, die vorn in heftigem Feuer engagierten Plänkler die Front räumen,
sodann ein rasches Frontalfeuer gegen den vorstürmenden Feind abgeben und
stürzte ihm endlich mit seiner tapferen Truppe gefällten Bajonnetts entgegen,
wodurch die Franzosen bis C. Nuova zurückgeworfen wurden. So war das
Gefecht vor Magenta durch Württemberg zum zweitenmal zum Stehen gebracht.
Um diese Zeit erhielt der Herzog eine schwache Division Grenadiere des
Regiments Kaiser Nr. 1 als Verstärkung. Gleichzeitig waren aber auch die Kräfte
des Gegners verstärkt worden und Herzog von Württemberg wurde nicht nur in
Front und beiden Flanken beschossen, sondern auch bald von allen Seiten durch
Sturmcolonnen bedroht. Ein Cavallerieangriff in der rechten Flanke wurde abge-
schlagen. Eine auf die eigene Rückzugslinie losgehende feindliche Golonne ward
durch raschen Angriff einer Abtheilung unter persönlicher Führung des Herzogs
Württemberg verdrängt. Schon aber drang der Feind unter heftigem Feuer auch
in der Front rasch vor. Württemberg sprengte von einem bedrohten Punkt zum
anderen und feuerte die Truppe durch Zuspruch und eigenes Beispiel zur zähesten
Ausdauer an. Der Feind unterhielt im Vorgehen ein heftiges Feuer, und Schuss auf
Schuss schlug in die dichten Reihen von Belgien-Infanterie ein. Doch die tapferen
Belgier erwiesen sich ihres Obersten würdig. Nicht einen Schritt wichen die
Plänkler zurück. Auch die bivisionsmassen dahinter — thnnlichst gedeckt, aber fest
geschlossen — harrten nur des Commandos. um sich von neuem auf den Feind
zu stürzen. Unter diesen Umständen disponierte Herzog Württemberg einen neuen
Vorstoß in der Front. Dadurch wurden die vordersten Tiiailleurs und Schwärme
Digitized by Google
Ritter des M. T.-U. Wilhelm Herzog von WQrtlembcrjr. 97
■
des Feindes für kurze Zeit zum Weichen gebracht. Allein derselbe ersetzte die
geworfenen Abtheilungen rasch wieder durch frische Truppen in stets wachsender
Zahl, während die Belgier, in höchstem Grade erschöpft, sich kaum mehr zu halten
vermochten.
In dieser gefährlichen Lage zu schwach, um den Feind stehenden Fußes
abzuwehren, fasste Herzog Württemberg, um Zeit zu gewinnen und sich Luft für
einen geordneten Rückzug zu machen, den Entsehluss, noch einmal einen kräf-
tigen Defensivangriff auszuführen. Er formierte seine Halbbrigade in Sturm-
colonnen, ließ auf ganzer Linie Sturmstreich schlagen und das Sturmsignal blasen,
stürzte dann mit drei Divisionen Belgier- und einer Division Kaiser-Infanterie gefällten
Bajonnetts dem in der Front bereits ungestüm vordringenden Feinde entgegen.
Während des Vorstürmens bricht der Fahnenführer Mayer des ersten
Bataillons, durch die Brust geschossen, zusammen. Herzog von Württemberg,
mit wenigen Sätzen seines Pferdes zur Stelle, Säbel und Zügel in der Rechten,
reißt mit der Linken die Fahne empor. Hoch in den Lüften das geheiligte Panier
schwingend, sprengt er auf die dichtesten Reihen des Feindes los.
.Soldaten, Eurer Fahne, Eurem Obersten nach!*
Und weiter dringt unter donnerndem Hurrah die Truppe fest geschlossen
mit gefälltem Bajonnett auf den Feind ein. Mehrere Schüsse durchlöchern die
Fahne. Württembergs Pferd, von mehreren Kugeln getroffen, bricht zusammen.
Württemberg — obzwar selbst von einem Prellschuss verletzt — stürmt zu Fuß
weiter mit. Führer Schlösser von Kaiser-Infanterie, die Fahne rasch überneh-
mend, stürmt — immer »Fahne hoch* — zur Seite des Herzogs
Württemberg mit seinen Belgiern und etwas Kaiser-Infanterie hat gesiegt.
Zu Haufen bedeckten Franzosen die Wahlstatt. Auch der Österreicher viele
hauchten ihren letzten Athemzug für Kaiser und Vaterland aus.
Aber die Halbbrigade hat sich Luft gemacht. Sie hat für sich und für die
Truppen in Magenta Zeit gewonnen. Das Centrum des Feindes wurde zum Weichen,
sein linker Flügel zum Stehen gebracht.
Im Kampfe trat für einige Zeit Stillstand ein. Diese Pause benützte Württem-
berg, um sich mit den drei Divisionen seines Regiments und der Division von
Kaiser-Infanterie zurückzuziehen. Kaum hatte dies aber der Feind bemerkt, als er
sofort wieder heftig von C. Nuova nachdrängte. Nur die außerordentliche Energie
des Herzogs Württemberg, welcher den Rückmarsch der einzelnen Abtheilungen
unausgesetzt mit bewunderungswürdiger Kaltblütigkeit und großer Unisicht leitete,
bewahrte die Truppe vor gänzlichem Auseinandersprengen. Württemberg selbst
wich mit der den Rückzug deckenden Plänklerkette nur Schritt um Schritt zurück.
. Schon aber drangen Massen des Feindes von Norden aus Marcallo gegen den
Bahnhof von Magenta vor.
Kaum hatte das 1. Bataillon Württembergs den Bahnhof passiert, als die
denselben bishin vertheidigenden Truppen die Belgier theilweise in ihren Rückzug
mit hineinrissen. Infolge dessen blieb dem Herzog Württemberg, um dem Feinde
das Eindringen in Magenta zu verwehren, nichts übrig, als mit einer Division des
Militärischer Maria Therosien-Ordeu. 7
Digitized by
98
CLV1H. und CHX. PrnmoLion. Im Kriege von 1 8Ö0.
Regiments, welche seinen Rückmarsch deckte, und mit einer kleinen Abteilung
des 14. Jäger-Bataillons unter Lieutenant Klenz, der sich ihm anschloss, die dem
Bahnhofe zunächst liegende Nord-Lisiere von Magenta zu besetzen, die Grenadier-
Division von Kaiser-Infanterie dahinter als Reserve aufzustellen und das 1. Bataillon
von Belgien im Orte selbst sammeln und durch dasselbe die Rückzugslinie sichern
zu lassen.
In dieser Aufstellung hielt Württemberg den Nordeingang von Magen ta
länger als eine halbe Stunde, wodurch den Abtheilungen verschiedener Regimenter
die Möglichkeit verschafft wurde, sich ungefährdet zurückzuziehen. Auch den
Bahnhof selbst gelang ihm, wiederholt für kurze Zeit vom Feinde zu säubern und
teilweise zu besetzen. Besonders hart wurde ein nächst des Bahnhofes aufgestellter
Geschützzug durch heftiges feindliches Kleingewchrfeuer bedrängt. Ein demontiertes
Geschütz befand sich bereits in Gewalt des Gegners. Um dasselbe zu retten und
den beiden Geschützen den Rückzug zu ermöglichen, machte Herzog Württemberg
mit einer Abtheilung wiederholte Ausfälle mit dem Bajonnelt. Die Franzosen waren
da bereits wieder in die den Bahnhof mit Magenta verbindende Straße eingedrungen.
Bei dem Kampfe mit denselben gerieth Lieutenant Schmedes von Belgien unter
eines der abfahrenden Geschütze, wurde aber mitten im Kampfe durch den Herzog
Württemberg persönlich gerettet. Dank den Bemühungen desselben konnten auch
die Geschütze in Sicherheit gebracht werden.
Die im Rückzüge befindlichen Infanterie-Abtheilungen waren nicht nur völlig
erschöpft, sondern litten auch an Munitionsmangel und besaßen daher nur mehr
geringe Widerstandsfähigkeit. Auch befand sich kein höherer Commandant an Ort
und Stelle. In diesem gefährlichen Moment allgemeiner Verwirrung ergriff Herzog
Württemberg das Commando und traf, so gut es gieng, alle Vorbereitungen
zur weiteren Verteidigung Magentas um jeden Preis. Kr ließ mehrere Abschnitte
im Westtheil des Ortes von einigen Zügen seines Regiments und von kleinen
Abtheilungen Kaiser- Infanterie besetzen, griff bei der Verteidigung überall
persönlich ein, feuerle seine eigenen sowie auch fremde Abtheilungen, die er
mitten im Rückzüge zum Stehen brachte, zu fernerem Widerstande an und hielt
auf diese Weise das Eindringen des Feindes von Westen in Magenta solange als
möglich hin. Während dieser ganzen Verteidigung Magentas kämpfte Herzog
Württemberg bei jedem der zahlreichen Rückstöße gegen den Feind, sowie nament-
lich während des Straßenkampfes, persönlich mit Säbel und Pistole zu Fuß, mit
heroischer Selbstüberwindung die Folgen des erhaltenen Prellschusses bemeisternd.
So wurde nach und nach vielen versprengten Theilen von verschiedenen
Regimentern und schließlich auch 4 Geschützen vom Westeingange der Rückzug
ermöglicht.
Inzwischen war der Feind in den Südtheil von Magenta eingedrungen,
wodurch die Rückzugslinie Württembergs ernstlich gefährdet ward. Infolge dessen
gab er, da überdies seitens des Brigadiers GM. Frh. von Ramming — um 8'/t Uhr
abends — der Befehl eingetroffen war, nach Robeceo zurückzugehen, den Wider-
stand in Magenta auf. Zunächst ertheilte Herzog Württemberg den rückgebliebenen
Digitized by Google
I
Ritter des M. T.-O. Wilhelm Herzog von Württemberg. 99
Theilen dos 1. Bataillons den Befehl zum Rückzüge nach Robecco. Dann ließ er die
Division aus dem Westtheil von Magenta nachrücken. Dieselbe fand jedoch bereits
den Südausgang von Magenta vom Feinde besetzt und konnte sich nur auf Umwegen
zu dem übrigen Titeile der Brigade durchschlagen. Zur Deckung dieses Rückzuges
überwies Herzog Württemberg die Verteidigung der letzten Häuser von Magenta
einer Abiheilung vom 10. Jäger-Bataillon. Nun erst sali er sich nach Ersatz für sein
gebliebenes Pferd um und ritt seinen Abtheilungen nach, die er auf dem Wege
nach Robecco einholte.
Vor Robecco traf er den General Frh. von Ramming, welcher mittlerweile
den successiven Rückzug der ganzen Brigade angeordnet hatte und die Sammlung
derselben nördlich von Robecco leitete, aus welcher Aufstellung die Brigade
nachmittags in das Gefecht aufgebrochen war. Um 10 Uhr nachts ward die Ral-
liierung der Brigade in Robecco selbst beendet.
An den mit Tagesanbruch des 5. Juni durch einen feindlichen Angriff auf
Robecco herbeigeführten Kämpfen zwischen Abtheilungen verschiedener Brigaden,
darunter Koller und Ramming, und den Truppen der französischen Division Trochu,
wobei die letzteren zurückgeworfen wurden, nahm Oberst Herzog von Württemberg
neuerdings theil.
Den heldenmüthigen Leistungen des Herzogs von Württemberg in der
Schlacht bei Magenta, sowie den hiedurch erzielten Folgen wurde nicht nur von
seinem Brigadier GM. Frh. von Ramming und vom Befehlshaber aller bei Magenta
im Kampfe gestandenen k. k. Truppen, FML. Grafen Clam-Gallas, sondern auch
von allen Kampfgenossen, welche mit und unter dem Herzog von Württemberg bei
der Vertheidigung von Magenta gefochten hatten, das rühmlichste Zeugnis ertheilt.
Selbst feindliche Schlachtberichte ergehen sich über den heftigen und nach-
haltigen Widerstand, welcher am Nord- und Westeingang von Magenta zu Ende
der Schlacht geleistet wurde und wodurch es den Franzosen unmöglich gemacht
ward, über Magenta hinaus vorzudringen und die sich zurückziehenden Theile der
k. k. Armee zu verfolgen, in rühmendster Weise.
Insbesondere wurde die offensive Vertheidigung Magentas im freien Felde im
Hauptquartier des Kaisers Napoleon III. vermerkt und auch nach der Schlacht forl-
dauernd besprochen : „Notre arrni-e a beaueoup remarqm' Vuttaque rigourmse d'un
rryiment ä collet jaune, tnenee le drapeau ä la main par unjeunv colonel." So äußerten
sich die französischen Generale Montebello und Failly zu dem FML. Prinzen
von Hessen, als dieser späterhin, nach der Schlacht von Solferino, in dienstlicher
Sendung im französischen Hauptquartier erschien.
Die für den unentschiedenen Ausgang der Schlacht von Magenta ebenso
wichtige als glänzend durchgeführte Vertheidigung Magentas hatte dem Regiment
König der Belgier allein 2G Offleiere und /29 Mann gekostet. Mit Ruhm bedeckt
gieng aber auch das tapfere Regiment aus der Schlacht hervor, wie die Aus-
zeichnungen des Offieierseorps nach beendetem Feldzuge erweisen. Von der Mann-
schaft allein wurden bei Magenta 4 goldene, 20 silberne I., und 34 silberne
Tapferkeits-Medaillen II. Classe errungen.
7*
Digitized by Google
100
CLVIII. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Der ebenso tapfere als umsichtigeRegiments-Commandant der Belgier, Obersl
Wilhelm Herzog von Württemberg, winde auf Grund der in der Schlacht bei
Magenta am 4. Juni vollbrachten Waffenthat am 27. Juni 1859 mit dem Orden
der Eiser nen Krone II. Classe ausgezeichnet und in der Folge über Votum des
Ordenscapitels durch Seine Majestät Kaiser Franz Joseph 1. als Erhabenen
Großmeister kraft Promotion CLIX vom 21. Mai 1861 mittels Verleihung des
Kleinkreuzcs zum Ritter des Maria Theresien-Ordens promoviert.
Im weiteren Verlaufe des Feldzuges machte Oberst Herzog von Württemberg,
in die Brigade GM. Dienstl des III. Corps eingetheilt, die Schlacht bei Solferino
am 24. Juni mit. Er kämpfte mit seinem Regimente am äußersten rechten Flügel
der ersten Armee. Vier Stunden im feindlichen Geschützfeuer ausdauernd, feind-
liche Reiterangriffe abweisend, betheiligte er sich sodann durch 21/, Stunden her-
vorragend an dem Kampfe um C. Nuova vorwärts Guidizzolo. Ein neuerlicher
Verlust von 26 Officieren und 569 Mann an Todten und Verwundeten spricht auch
da am deutlichsten für die Tapferkeit dieses braven Regiments und seines Führers.
Nach dem Kriege in die Garnison Wien versetzt, wirkte Oberst Herzog von
Württemberg mehrere Jahre als Commandant seines braven Regiments, dessen
Ausbildung und Geist er nach jeder Richtung hin förderte und auf eine hohe Stufe
der Vollendung brachte.
Den Krieg im Jahre 1864 gegen Dänemark in Schleswig und Jütland
machte er mit seinem Regimente — 2 Bataillonen mit einem Gefechlsstande von
1920 Mann — in der Brigade GM. von Nostitz des k. k. VI. Armee-Corps unter FML.
Frh. von Gablenz mit. Er kämpfte in dem Gefechte bei Ober-Selk am 3. Februar
und machte die Kanonade vor Schleswig am 4. Februar mit. In dem Gefechte
beiOeversee am 6.Februar, welches FML. Frh. von Gablenz mit der BrigadeNostitz
durchführte, war es dem Herzog von Württemberg vergönnt, sich mit seinem
Regimente wieder glänzend hervorzuthun und zum Erfolge des Tages hervor-
ragend beizutragen.
Württemberg selbst wurde hiebei durch einen Schuss in den Fuß schwer
verwundet und sank schließlich bewusstlos nieder. In diesem Zustande wäre er
fast das Opfer eines fanatischen Dänen geworden, der, selbst schwer verwundet
damiederliegend, sich mühsam emporhob und auf den Herzog feuerte, ohne
ihn jedoch zu treffen.
Von Seiner Majestät dem Kaiser für Auszeichnung vor dem Feinde außer
der Rangstour zum Generalmajor befördert, schied Herzog von Württemberg
am 8. Februar von seinem Regimente, dem er durch fünf Jahre mit Leib und
Seele angehört und dessen rückhaltsloses Vertrauen und vollste Anhänglichkeit er
gewonnen hatte.
Am 10. März 1864 wurde Herzog Württemberg in Anerkennung seiner
besonderen Tapferkeit und hervorragenden Leistungen mit dem Commandeur-
kreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet.
König Wilhelm von Preußen verlieh ihm am 22. März die höchste preußische
Militär-Decoration. den Orden pour Ic mfrite.
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. Wilhelm Herzog ron Württemberg.
101
Am 16. Mai 1865 erfolgte seine Ernennung zum Oberst-Inhaber des
Infanterie-Regiments Nr. 73.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte GM.
Herzog von Württemberg denFeldzuggegenPreußen mit, und zwar als Brigadier
im II. Armee-Corps unter FML. Grafen Thun. Er wohnte der Kanonade von Kukus
(Kasow) am 30. Juni an, und führte in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli,
wo es ihm gelang, sich zeitweilig in den Besitz des viel umstrittenen Swiep-
Wal des zu setzen, fernerbin in dem Treuen bei Blumenau und Pressburg
am 22. Juli, seine Brigade mit gewohnter Bravour. Für seine Leistungen in diesem
Kriege wurde dem GM. Herzog von Württemberg am 3. October 1866 die Aller-
höchste belobende Anerkennung ausgesprochen.
Nach dem Feldzuge kam er mit seiner Brigade in die Garnison Triest,
wurde am 23. April 1869 zum Commandanten der IX. Infanterie-Truppen-Division
in Prag ernannt und am 21. October 1869 zum Feldmarschall-Lieutenant
befördert. Am 28. Jänner 1874 erfolgte seine Ernennung zum Commandanten der
VII. Infanteric-Truppen-Division und zum Militär-Commandanten in Triest.
An der Spitze dieser Truppen-Division machte Herzog von Württemberg
die Occupation Bosniens im Jahre 1878 im XIII. Armee-Corps unter FZM.
Frh. von Philippovic mit. Seine Division bildete die rechte Flügel-Colonne des Corps,
welche in Westbosnien, auf dem Operationsfelde der Vrbas-Sana, nach Travnik
vorzurücken hatte, um dann über Vitez der Haupt-, beziehungsweise Mittel-Colonne
die Hand zu reichen.
FML. Herzog von Württemberg überschritt am 29. Juli die $ave bei Alt-
Gradiska, erreichte am 31. Banjaluka, schlug die Insurgenten in dem Gefechte bei
Ro gel je am 5. August und brachte ihnen in dem entscheidenden Gefechte bei
Jaice am 7. August nach achtstündigem hartnäckigen Kampfe eine vollständige
Niederlage bei, wodurch sie zersprengt wurden. Am 11. August, an dem vom
FZM. Frh. von Philippovic vorgezeichneten Tage, besetzte der Herzog, nachdem er
während seiner Operationen alle Communications- und Verpflegsschwierigkeitcn.
sowie den feindlichen Widerstand überwunden hatte, das Marschziel Travnik,
womit seine erste Aufgabe gelöst war. Am 13. August schob der Herzog eine
Gebirgs-Brigade nach Vitez vor, wodurch die Verbindung mit der Mittel-Colonne
durchgeführt war. Infolge der Verhältnisse auf den übrigen Operationsfeldern
erhielt Herzog Württemberg, dessen Division durch Abgabe der erwähnten Gebirgs-
Brigade an die Mittel-Colonne geschwächt war, die Weisung, vorläufig die
geplanten Operationen gegen die Insurgenten im Gebiete beiderseits der Straße
Bihac-Han Cadjavica, sowie in der festen Stadt Livno, bis zum Eintreffen aus-
giebiger Verstärkungen zu sistieren.
Bei der zur Verstärkung der Occupations-Truppen erfolgten zweiten Mobili-
sierung und Aufstellung der II. Armee unter FZM. Frh. von Philippovic geruhte
Seine Majestät der Kaiser den FML. Herzog von Württemberg mit Allerhöchster
Entschließung vom 21. August 1878 in Anerkennung seiner ausgezeichneten Lei-
stungen bei Durchführung der bis dahin der VII. Infanterie-Truppen-Division über-
Digitized by Google
102
CLVIIL and CLIX. Promotion. ~ In Kriege von 1859.
tragen gewesenen schwierigen Aufgaben außer der Rangstour zum Feldzeug-
meister zu befördern und zum Commandunten des XIII. Armee-Corps zu ernennen.
Hiemit fiel dem Herzog die Aufgabe der vollständigen Pacificierung des westlichen
Bosniens zu.
Am 6. September nahm FZM. Herzog von Württemberg die unterbrochenen
Operationen wieder auf, und zwar zunächst gegen Kljue, den Schlupfwinkel und
Sammelplatz der Insurgenten, welche von dort aus den wichtigen Straßenknoten-
punkt Han Cadjavica an der Etapenlinie bedrohten und die Stadt Banjaluka in
steter Aufregung erhielten. Durch persönliches Eingreifen in das Gefecht bei Kljue
am 7. und 8. September gelang es dem Herzog, die Insurgenten von dort zu ver-
treiben und die Hauptverbindungslinie dauernd zu sichern.
Weiterhin schritt der Herzog zu der von langer Hand und planmäßig vor-
bereiteten Operation gegen Livno. Entschlossen, diese von 2000 Mann regulären
Truppen und 3000 Insurgenten besetzte feste Stadt durch eine überwältigende
Kraftentfaltung rasch zu bezwingen, um mit dem militärischen gleichzeitig einen
politischen Erfolg im Interesse der schnellen Pacificierung des Landes zu erzielen,
entschied sich Herzog von Württemberg für die Cernierung und Beschießung des
Platzes. Er beließ das Gebiet von Banjaluka und Travnik unter dem Schutze der
XXXVI. Infanterie-Truppen-Division und schob die VII. Truppen-Division derart
vor, dass am 25. September der taktische Aufmarsch ihrer drei Gebirgs-Brigaden
an der Suica vollendet war; gleichzeitig wurde die durch FZM. Frh. von Hodich aus
Dalmatien entsendete Reserve-Gebirgs-Brigade von Han Prolog zur Mitwirkung
herangezogen. Am 20. und 27. September führte der Herzog die Cernierung und
Beschießung Livnos durch. Die Artillerie in der Stärke von 5 Gebirgs- und
2 Y, Feld-Batterien, zusammen 38 Geschütze, war in der Cernierungslinie aufgestellt.
Die Haupt-Geschütz-Position begann im Süden von Livno, beim Kloster Gorica,
umschloss in einem Halbkreise die Stadt im Osten und endigte nordöstlich der-
selben bei der Vertaca-Höhe ; an diese schloss im Norden, nach Südwest abbiegend,
die Geschützstellung der aus Dalmatien zudisponierten Reserve-Gebirgs-Brigade an.
Östlich des Klosters Gorica war eine Geschützmasse von 2'/, Batterien aufgefahren.
Nach einer zehnstündigen Beschießung durch 38 Geschütze, wobei rund 2300 Schuss
abgegeben wurden, ergab sich die Stadt am Morgen des 28. September. Dieser für
die Bewältigung der lnsurrection in West-Bosnien entscheidende Erfolg wurde
hauptsächlich durch die concentrische Operation gegen Livno, sowie die über-
wältigende Verwendung der Artilleriewane erzielt.
Am 19.0etober 1878 geruhte Seine Majestät der Kaiser den FZM. Herzog
von Württemberg zum Stellvertreter des < Kommandanten der II. Armee zu ernennen
und am 20. October demselben in Anerkennung seiner hervorragend verdienst-
lichen Leistungen bei den staltgehabten Gefechten und Operationen in Bosnien den
Orden der Eisernen Krone 1. C lasse mit der Kriegsdecoration zu verleihen.
Mit Allerhöchster Entschließung vom 18. November 1878 wurde der Herzog
zum Commaudicrenden General und Chef der Landesregierung in Bos-
nien und der Hercegovina ernannt.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Wilhelm Herzog von Württemberg.
103
Dem verantwortungsvollen Posten als militärischer und politischer Chef
Bosniens und der Hcrcegovina, welcher bei den schwierigen und chaotischen Zu-
ständen dieser Länder die größten Anforderungen an die Geistesarbeit, Thatkraft
und Ausdauer des Herzogs stellte, widmete sich derselbe mit vollster Hingebung.
Obgleich fast nur auf militärische Kräfte angewiesen, da noch kein genügendes
Beamtenpersonal zur Verfügung stand, erzielte der Herzog während seiner Amts-
tätigkeit hervorragende Erfolge. Er baute nach wohldurchdachtem, die militärischen
wie commerciellen Interessen berücksichtigenden Plane eine große Zahl von Ver-
kehrswegen, wodurch die solide Grundlage für das spätere Communicationsnetz in
Bosnien geschaffen wurde. Das Schulwesen, besonders das militärisch organisierte
Knaben-Pensionat in Sarajevo, entwickelte sich in der kürzesten Zeit, wie nicht
minder alle anderen Zweige der Verwaltung und Justiz. Sein offenes, leutseliges
Wesen, die vielen Bereisungen des Landes, anderseits seine sprüchwörtlich gewor-
dene Tapferkeit, welche die orientalischen Völker so hoch anschlagen, trugen
wesentlich zur Hebung des Vertrauens der Bevölkerung und zur Consolidierung der
Verhältnisse im Occupationsgebiete bei. Als (kommandierender General belebte er
durch persönliches Beispiel die Truppen, schuf für dieselben bessere Unterkünfte,
rottete das Räuberwesen aus und widmete sich mit Vorliebe der Ausbildung der
ihm unterstehenden Truppenkörper.
Im Herbste des Jahres 1879 war Herzog Württemberg berufen, einen Theil
des Sandschaks Novibazar zu besetzen. Dank seiner Umsicht und Energie
wurde dieses Unternehmen trotz aller Schwierigkeiten derart durchgeführt, dass
Verwicklungen und Blutvergießen vermieden blieben. In den Ortschaften Priboj.
Priepolje und Plevlje wurden ständige Garnisonen etabliert. Ein kaiserliches
Handschreiben voll Huld und Anerkennung wurde dem Herzog für diese hervor-
ragende politisch-militärische Leistung zutheil.
Nach nahezu zweieinhalbjähriger rastloser militärischer und administrativer
Thätigkeit in den occupierten Gebieten stellte FZM. Herzog von Württemberg die
Bitte um Enthebung von seinen» Posten. Seine Majestät der Kaiser willfahrte
derselben am 0. April 1881 mittels eines huldvollst gehaltenen Handschreibens
unter Verleihung des Großkreuzes des Leopold-Ordens bei gleichzeitiger
Ernennung des Herzogs zum Cornmandierenden General in Lemberg. Am
1. Jänner 1883 wurde er bei Einführung des Teiritorial-Sy.-tems zum Comman-
danten des XI. Corps und Cornmandierenden General in Lemberg ernannt. Nach
achteinhalbjähriger Dienstleistung auf diesem Posten wurde der Herzog mittels
Allerhöchster Entschließung am 13. September 1889 zum Commandanten des
III. Armee-Corps und Cornmandierenden General in Graz ernannt
Außer seiner dienstlichen Thätigkeit hat FZM. Herzog von Württemberg viel-
fache größere Reisen zum Zwecke militärischer und geographischer Studien im
Orient, auf der Balkan-Halbinsel, in Italien, Spanien, Nord-Afrika, Frankreich,
England und Amerika unternommen und sich lebhaft an allen militär- wissen-
schaftlichen Strebungen betheiligt.
Digitized by Google
104
CLVIII. uDd CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Joseph Freiherr von Döpfner.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1859.)
Döpfner wurde als Sohn des k. k. Generalmajors Ignaz Edlen von Döpfner
(f 1854) in Verona am 16. Juni 1825 geboren. Dem an Ehren reichen Beispiele
des Vaters folgend, schlug auch der Sohn die Militärlaufbahn ein. Im 13. Lebensjahre,
am 22. October 1837, sehen wir ihn in die k. k. Militär-Akademie zu Wiener-
Neustadt eintreten. Nach sechs Jahren, am 29. September 1843, wurde er als
Dritter im Range ausgemustert und als Unterlieutenant II. Classe zu dem
Linien-Infanterie-Regiment Nr. 1 eingetheilt. Am 30. September 1844 wurde er
zum Unterlieutenant I. Glosse befördert, nachdem er auch den höheren Gurs
der Militär- Akademie zu Wiener-Neustadt absolviert hatte. Am 1. Mai 1848 erfolgte
seine Beförderung zum Oberlieutenant.
Döpfner kämpfte im Kriege gegen Piemont in Italien 1848 und 1849
mit, und zwar im Feldzuge 1848 in den Gefechten bei Vi sc o am 17. April, bei
Treviso am 12. Mai und in der Schlacht bei Gustozza am 25. Juli. Am
1. Juli 1848 erfolgte seine Versetzung zum General-Quartiermeister-Stabe. Im
Feldzuge 1849 machte er in Italien das Gefecht bei Gambolö am 21. März mit.
Darauf kämpfte er in Ungarn, und zwar bei dem Überfall von Nyärasd am
30. Mai, in dem Gefechte bei Böös am 16. Juni, bei der Einnahme von Raab am
30. Juni, in den Schlachten bei Komorn am 2. und am 11. Juli und im Gefechte
bei Dreyspitz am 10. August. In allen diesen Kämpfen that sich Döpfner hervor,
insbesondere bei dem Überfalle von Nyärasd, welchen er mit zwei Gompagnien
und 1 Zug Gavalleric ausführte, ferner bei Böös, dann in den Schlachten von
Komorn, in deren erster ihm das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde. Für
seine bei Böös, dann bei Komorn wiederholt bewiesene Tapferkeit wurde ihm
dreimal die Allerhöchste belobende Anerkennung zutheil. Im Jahre 1850
wurde er schließlich für sein umsichtiges Wirken im Feldzuge 1849 mit dem
Militär- Verdienst kreuz decoriert.
In der Friedenszeit nach dem Kriege von 1849, nachdem Döpfner am
18. August dieses Jahres zum Hauptmann befördert worden war, versah er den
Gcneralstabsdienst, und zwar von 1853 an durch zwei Jahre als Generalstabschef
des V. Annee-Gorps. Am 27. März 1857 avancierte er zum Major und wurde am
1. December dieses Jahres zum General -Quartiermeister-Stab der 11. Armee
transferiert.
Im Jahre 1859 sehen wir ihn mit dem II. Corps als dessen Generalstabschef
indem Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien kämpfen. In der
Schlacht bei Ma genta am 4. Juni wurde ihm Gelegenheit zutheil, sich in außer-
ordentlicher Weise hervorzuthun.
Während der ersten Stunden der Schlacht, als um den Besitz der Verthei-
digungslinie des Navigho gekämpft wurde, versah Major Döpfner an der Seite des
Digitized by Google
i
J
1
I
■
■
-
11
u
K
55*
d
\v
AI
Ii
G
d<
1.
tr.
in
St
or
Digitized by Google
7AA0RNTA. 4. JUNI 1B!>9.
ürvck v V K^fj.
Digitized by Google
Ritler des M. T. O. Joseph Freiherr von Döpfner.
105
Corps-Commandanten die ihm als Generalstabschef des II. Corps zukommenden
Dienste mit großer Umsicht. Von 2 Uhr nachmittags aber ergab sich eine Reihe
von Gefechtsmomenten, in welchen er weit über den Pflichtkreis seiner Dienstes-
stellung hinaus in den Gang der Schlacht einzugreifen berufen wurde.
Der erste dieser Gefechtsmomente war gegeben, als das Centrum der
Gefechtslinie am Naviglio grande nach 2 Uhr nachmittags durchbrochen war.
Die am äußersten rechten Flügel in B off alora noch hailnäckig kämpfende Brigade
Baltin wurde infolge des gleichzeitigen Vorgehens der feindlichen Truppen unter
Mac Mahon gegen die eigene rechte Flanke — in beiden Flanken und im Rücken
ernstlich bedroht und stand in Gefahr, gänzlich abgeschnitten und aufgerieben zu
werden. Major Döpfner erfasste mit scharfem Blicke diese äußerst gefährliche Lage
der tapferen Brigade und erkannte die Unmöglichkeit, dieselbe, trotzdem sie sich
bei Boffalora gegen Westen behauptete, länger stehen zu lassen. Er sagte sich,
dass dort eine Katastrophe drohe, welcher ungesäumt um jeden Preis vorgebeugt
werden müsse. In seiner Eigenschaft als Generalstabschef des Armee- Corps
machte er auf die höchste Dringlichkeit der Rückberufung der Brigade Baltin auf-
merksam. Es wurden auch sofort hintereinander Officiere zu diesem Zwecke zu der
Brigade entsandt. Sie kamen aber unverrichteter Dinge und mit der Meldung
zurück, dass feindliche Trupps soweit im Rücken der Brigade Baltin vorgedrungen
waren, dass man zu derselben nicht mehr durchdringen konnte. Das Gewehrfeuer
des von Westen und von Norden concentrisch vorgehenden Feindes kreuzte sich
bereits zwischen Boffalora und C. Nuova. Speciell Hauptmann Nagy des General-
stabes, welcher versucht hatte, zwischen den beiden feindlichen Feuerünien zu
der Brigade Baltin zu gelangen, wurde, trotzdem er der feindlichen Kugeln nicht
achtete, durch feindliche Reiter daran gehindert. Seine Meldung lautete dahin, er
bezweifle sehr, dass man zur Brigade Baltin nach Boffalora überhaupt noch
kommen könne. Eine Truppe, welche die Überbringung des Rückzugsbefehles
nach Boffalora hätte forcieren können, stand in jenem Augenblicke bei C. Nuova
nicht zur Verfügung. Jede Minute längeren Zögerns erhöhte aber die Gefahr für
die Brigade Baltin, vollständig abgeschnitten zu werden.
„So will ich selbst den Befehl überbringen" — rief Major Döpfner.
Von einem Stabsdragoner begleitet, sprengt er in das feindliche Kreuzfeuer
hinein. Den Schüssen der nächsten Tirailleurs wird bald rechts, bald links aus-
gewichen ; streckenweise entkommen die beiden Reiter nur durch die Schnelligkeit
ihrer Pferde dem Feuer der feindlichen Infanterie. Hinter dem zweiten Treffen der
Brigade Baltin trifft ein Schuss das Pferd des Stabsdragoners. Jede Seeunde Verzug
könnte jedoch der Brigade Baltin Verderben bringen. So jagt denn Döpfner eeutre
ä terre allein weiter. Sein tollkühner Ritt durch den Feind gelingt Glücklich langt
er — unversehrt — bei dem zweiten Treffen der Brigade nächst Boffalora an.
Bis dahin hatte Döpfner die größte todesverachtende Bravour bekundet.
Von diesem Augenblicke an heischte aber die sich selbst gestellte Aufgabe wieder
die Entfaltung der angespanntesten intellectuellen und moralischen Thütigkeit des
Generalstabschefs. Er durfte sich bei der so überaus kritischen Situation der
Digitized by Google
106
r.LVlII. und CUX. Promotion. — Im Kriege von 1850.
Brigade und der ganzen Gefechtslage nicht auf das bloße mechanische Überbringen
des Rückzugsbefehles an die Brigade Bai» in beschranken, sondern musste, auf
eigene Verantwortung hin, gleich vom zweiten Treffen angefangen nach vorwärts
zu. selbständig die Rückzugs-Dispositionen treffen.
Zunächst wies er das zweite Treffen zur Degagierung und Aufnahme des
Vordertreffens an. Auch hielt er zu demselben Zwecke ein eben bei dem zweiten
Treffen aus der Richtung von Ponte nuovo di Magenta von der sich rückziehenden
Brigade Koudelka eingetroffenes Bataillon von .Tellacie-Infanterte Nr. 40 zurück.
Kaum war dies in größter Eile gethan. sprengte Major Döpfner gegen Boffalora
selbst weiter, um den Brigadier zu treffen.
Der kürzeste Weg führte längs des Nordrandes von Boffalora. Hier wülhete
heftigster Kampf, denn die von Norden vorrückende Division Motterouge unterhielt
gegen Boffalora ein lebhaftes Gewehr- und Katätschenfeuer, welches von der
eigenen Infanterie aus den Fenstern der besetzten Häuser kräftigst erwidert
wurde. Ein Umreiten des Ortes nach Süden hätte unersetzliche Minuten gekostet.
So sprengte Döpfner neuerdings zwischen zwei Feuern dahin, in Gefahr, dabei von
den eigenen Leuten getroffen zu werden. Dazu mussten allerhand Hindernisse
genommen, gefallene Pferde übersetzt werden u. d. gl. Allein Döpfner verlor keine
Secunde, um zu dem Brigadier zu gelangen.
In Boffalora traf Döpfner zunächst den Generalstabs-Hauptmann Kal-
mucky, welchem er in aller Eile Richtung und Dispositionen für den Rückzug
zurief. Am nordwestlichen Ausgange endlich erreichte er GM. Ballin selbst. Diesem
meldete Döpfner den Befehl zum Rückzüge nebst den hiezu von ihm bereits selb-
ständig getroffenen Dispositionen. Auch gab Döpfner dem GM. Baltin selbst
genau die Richtung für den Rückzug an, in welcher derselbe nach seinen Wahr-
nehmungen während des Rittes von C. Nuova nach Boffalora noch einzig möglich
und durchführbar erschien.
Nachdem in solcher Weise der Rückzug aus Boffalora eingeleitet war, galt
es schließlich, zwei in der rechten Flanke aufgestellte Divisionen von Sicilien-
Uhlanen zum Anschlüsse zu veranlassen. Major Döpfner vermittelte auch diese
Disposition, forderte überdies die beiden Divisionen zur Deckung des Rück-
marsches auf.
Daraufhin wurde der Rückzug, durch die Zehner- Jäger und 1 Bataillon
Rainer gedeckt, von der Brigade Baltin aus Boffalora in größter Ordnung ange-
treten. Das vom Major Döpfner gleichzeitig mit dem zweiten Treffen zur Deckung
der Flanken und des Rückens disponierte Bataillon von Jellacie-Infanterie Nr. 46
hatte während des Rückmarsches einen heftigen Flankenangriff des 2. Regiments
der französischen Fremdenlegion abzuwehren. Auch die beiden Uhlanen -Divi-
sionen in der Flanke gegen den Feind zu. wiesen wiederholte Vorstöße der Fran-
zosen gegen die Rückzugslirüe der Brigade Ballin zurück. So wurde dank den
von Döpfner getroffenen Dispositionen der Rückzug ohne Verlust einer einzigen
Abtheilung bis C. Nuova glücklich durchgeführt, woselbst die Brigade Baltin auf
gleiche Höhe und wieder in taktische Verbindung mit den übrigen Truppen trat.
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. Joseph Freiherr von Döpfaer.
107
Dadurch waren, von den 2 Uhlanen-Üivisionen abgesehen, G Bataillone (rund
GOOO Mann) mit 8 Geschützen für die Armee gerettet.
Nach dem Thutzeugnisse des GM. Baltin war es nur dem unerschrockenen,
von wahrer Todesverachtung begleiteten Eingreifen des Generalstahs-Majors
Döpfner zu verdanken, dass die Brigade auf ihrem Rückzug nicht ganzlich auf-
gerieben wurde, da dies bei der großen feindlichen Übermacht zweifellos geschehen
wäre, wenn die Überbringung des Rückzugsbefehles auch nur um ein Geringes
verzögert worden wäre.
Major Döpfner war übrigens bald darauf ein zweitesmal berufen, in den
Gang der Schlacht höchst wirksam einzugreifen.
Kurze Zeit nach dem Einrücken der Brigade Baltin in C. Nuova versuchten
bedeutende feindliche Kräfte, von Marcallo direct über C. Medici auf Magcnta
vorzudringen. Die Brigade Baltin war dadurch neuerdings und zwar diesmal in
rechter Flanke und Rücken bedroht. Ihre Rückzugslinie erschien umsomehr
gefährdet, als die inzwischen im Cenlrum vorgerückte Division Reischach auch
bereits wieder im Rückzüge auf Magenta begriffen war.
Von der Briyade Baltin wurde daher das Grenadier-Bataillon von Hartmarin-
infanterie, durch 2 Bataillone des I. Corps unterstützt, nach rechts rückwärts mit
dem Auftrage entsendet, Marcallo zu nehmen. Dreimal griff das Grenadier-
Bataillon den Ort an, vermochte denselben aber nicht zu erstürmen. Im Gegen-
theile. der Feind brach mit Übermacht hervor und bedrohte mehr denn je
den Rückzug sämmtlicher noch zwischen Magenta und Boffalora stehenden
Truppen des II., I. und VII. Corps so ernstlich, dass schnellste Hilfe nothwendig
erschien.
Döpfner erfasste auch da wieder sofort den ganzen Ernst der Gefechtslage,
sowie auch die Notwendigkeit, auf eigene Verantwortung hin selbständig zu
handeln. Er führte aus eigenen Stücken, nachdem er höhere Weisungen nicht
mehr einholen konnte, das 1. Bataillon von Hartmann-Infanterie dem Grenadier-
Bataillon rasch zu Hilfe und forderte auch das 2. und 3. Bataillon auf, dem ersteren
als Reserve zu folgen. Diese Angriffs -Colonne — Major Döpfner mit an deren
Spitze — gerieth mit dem entgegenstürmenden Feind in heftiges Handgemenge.
Der Commandant des Grenadier-Bataillons, Major Merkl nebst zahlreichen Offi-
cieren erlitten schwere Verwundungen, das Regiment überhaupt schwere Ver-
luste — es wurde förmlich deeimiert.
Major Döpfner selbst vermochte >ich nur mit dem blanken Säbel in der
Faust der auf ihn eindringenden Feinde zu erwehren. In den nächsten Augen-
blicken förderte er aber wieder tatkräftigst die Ralliierung der Truppe und
stürmte an deren Spitze wiederholt auf den Feind ein.
Hauptmann Schmid des Grenadier-Bataillons, welcher die vorderste Com-
pagnie commandierte, rief dem Major Döpfner mehrmals zu, er wage sich zu weit
in die Reihen der Franzosen vor, allein Döpfner verharrte mit tapferer Ausdauer
an der Spitze der stürmenden Grenadiere und feuerte die Truppe zu beherztem,
kräftigen Eindringen auf den Feind an.
108
CLVIII. und CLtX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
So gelang es schließlich, denselben bis zum Friedhofe von Marcallo
zurückzuwerfen und den eigenen bedrängten Truppen so weit Luft zu machen,
dass sie sich gesammelt und geordnet gegen Magenta zurückziehen konnten.
Schließlich musste aber auch Major Döpfner gegen 5 Uhr nachmittags mit
den tapferen Hartmann-Grenadieren den Rückzug antreten. Derselbe wurde Schritt
um Schritt, unter unausgesetztem Kampfe ausgeführt. Hiebei wurde der tapfere
Commandant von Hartmann -Infanterie, Oberst Hubatschek, tödlich getroffen,
— Oberstlieutenant Stromfeld schwer verwundet und auch sonst das Regiment
schwer hergenommen. Die feindlichen Plänkler drangen wiederholt bis auf wenige
Schritte Entfernung hinter den Grenadieren auch auf den Major Döpfner ein.
Gleichwohl gelang es diesem, Magenta unversehrt zu erreichen.
Durch den von ihm selbständig gegen Marcallo eingeleiteten und ausge-
führten Gegenstoß, dann den von dort Schritt um Schritt gefechtsweise durch-
geführten Rückzug, halten aber die Truppen der Brigaden Koudelka, Baltin und
des I. Corps Zeit gewonnen, den nordwestlichen Theil von Magenta zu besetzen
und dem Feinde daselbst erneut die Stirne zu bieten.
Und noch ein drittesmal an diesem Schlachttage trat Major Döpfner dorn
Feinde noch im letzten Augenblicke höchst wirksam entgegen.
Er erbat sich vom FML. Grafen Clam. als dem Befehlshaber aller bei
M agenta kämpfenden Armeetheile, die Erlaubnis, die Reserven der den Bahnhof
von Magenta vertheidigenden Abtheilungen verschiedener Regimenter und Armee-
Corps den bereits über den Bahndamm bis an die Ortsumfassung vorgedrungenen
feindlichen Colonnen entgegenzuführen, um letztere zurückzuweisen.
Hiezu stellte sich Döpfner an die Spitze der in Reserve stehenden Abthei-
lungen von Gruber- und Kaiser -Infanterie des VII. Corps und stürmte mit
denselben bis an die Ortsumfassung vor. Dadurch und durch das folgende wirksame
Feuer dieser Abtheilungen wurde der Feind zum Weichen gebracht und dessen
Angriff auf den nordwestlichen Theil von Magenta abgeschlagen.
Um aber auch weiter die eigenen Truppen zum äußersten Standhalten
anzueifern, verharrte Major Döpfner auch während des Feuerkampfes an deren
Spitze. Ermuthigt durch diese tapfere Haltung Döpfners, wiesen die eigenen
Truppen wiederholte heftige Angriffe des Gegners durch längere Zeit erfolgreich ab.
So sehen wir den Major Döpfner in der Schlacht bei Magenta nicht bloß
als Generalstabschef unausgesetzt hohe militärische Intelligenz und wiederholtes
selbständiges Eingreifen auf eigene Verantwortung hin entwickeln, sondern auch
weit über seinen Wirkungskreis hinaus als Truppenführer blitzartige, persönliche
Initiative und energievollste, todesverachtende Tapferkeit entfalten.
FML. Fürst Liechtenstein als sein Corps-Commandant fühlte sich verpflichtet,
ihn unter den Tapfersten der Tapferen durch einen eigenhändigen Zusatz zur
Gefechtsrelation des II. Corps hervorzuheben und sein Verhalten im Kampfe
folgendermaßen zu charakterisieren: „Durch den ganzen Tag zeichnete er sich
durch seine Thätigkeit, durch sein muthvolles Benehmen, durch seine Energie aus.
Er leitete mit der schnellsten Auffassung, mit Ruhe und großer Umsicht und kann
Digitized by Google
Hilter des M. T.-O. Joseph Freiherr von Döpfner.
109
daher nur mit bestem Gewissen vor allen einer besonderen Berücksichtigung
empfohlen werden.*
In den wärmsten Ausdrücken hebt auch der Befehlshaber sämmtlicher bei
Magenta im Kampfe gestandenen Truppen, FML. Graf Clam, das letzte heroische
Ankämpfen Döpfners gegen den übermächtigen Feind, sowie auch seine Umsicht,
glänzende Tapferkeit und Todesverachtung hervor.
Ganz zweifellos ist es auch in hervorragendem Maße seinem wiederholten,
selbständigen Eingreifen in den Gang der Schlacht zu danken gewesen, dass der
nahezu vierfach überlegene Angriff Mac Mahons gegen die rechte Flanke der bei
Magenta kämpfenden k. k. Truppen bis in die sinkende Nacht hingehalten,
dadurch die taktische Entscheidung vereitelt und solchermaßen die Schlacht zu
einer thatsächlich unentschiedenen gestaltet wurde.
Major von Döpfner, am 25. Juni 1859 zum Oberstlieutenant befördert,
wurde am 27. Juni für seine tapferen Leistungen mit dem Ritterkreuze des
österreichischen Leopold-Ordens ausgezeichnet
Auf Grund der in der Sch lacht bei Magenta am 4. Juni 1859 vollbrachten
Waffenthat, geruhte weiterhin Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Er-
habener Großmeister über Votum des Capitels kraft der CLVIII. Promotion
vom 17. October 1859 den inzwischen zum Oberstlieutenant avancierten Joseph
Edlen von Döpfner durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren und in der Folge, am 1. Mai 1860, in den
österreichischen Freiherrnstand zu erheben.
Vom März 1860 bis 1861 fungierte Oberstlieutenant Frh. von Döpfner als
Militär-Attache bei der k. k. Gesandtschaft in St. Petersburg, wurde dann am
1. April 1861 als Generalstabschef zum III. Armee-Corps übersetzt und als solcher
im Jahre 1863 der Österreichisch-deutschen Bundes-Militär-Inspection bei-
gegeben. Am 27. December 1864 erfolgte seine Beförderung zum Obersten.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte Oberst
Frh. von Döpfner den Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee, und zwar als
Generalstabschef des II. Armee-Corps unter FML. Grafen Thun mit. Er wohnte der
Kanonade bei Kukus am 30. Juni an, kämpfte in der Schlacht bei Königgrätz
am 3. Juli und in dem Treffen bei Blumenau und Pressburg am 22. Juli mit.
Nach dem Abbrechen dieses Treffens infolge des Waffenstillstandes setzte Oberst
Frh. von Döpfner, im Einvernehmen mit dem preußischen GM. von Bose, die vor-
läufige Demarcationslinie zwischen den beiderseitigen Truppenkörpern fest.
Für seine Leistungen in diesem Feldzuge wurde ihm am 3. October 1 866 die
Allerhöchste belobende Anerkennung zutheil.
Am 13. November 1866 wurde Oberst Frh. von Döpfner zum Chef des Eisen-
bahn-, Dampfschiff- und Telegraphen-Bureaus des k. k. Generalstabes, sodann am
14. Februar 1868 zum Generalstabschef beim General-Commando in Lemberg
ernannt.
Am 15. September 1869 erfolgte seine Ernennung zum Brigadier, am 29. Oc-
tober 1870 die Beförderung zum General-Major. Am 1. Mai 1875 übernahm
Digitized by Google
HO CIA III utul CHX. Promotion. - Im Kriege von 1859.
GM- Frh. von Döpfner das Cominundo der XXIV. Infaiiterie-Truppen-Division, in
welcher Function er am 1. November 1875 zum Feldmarschall-Lieutenant
avancierte. Am 11. Februar 1878 erfolgte seine Übersetzung zur XI. Truppen-
Division.
Im August 1879 war FML. Frh. von Döpfner mit der Mission betraut, Seine
Majestät Kaiser Alexander II. von Russland in Warschau zu begrüßen.
Am 8. April 1882 geruhte Seine Majestät den FML Frh. von Döpfner zum
Präsidenten des Militär-Obergerichtes allergnädigst zu ernennen und ihm
am 12. April desselben Jahres die Würde eines Geheimen Rathes zu verleihen.
Am 28. December 1882 erfolgte seine Ernennung zum Oberst-Inhaber
des 23. Infanterie-Regiments; am 25. April 1885 geruhte Seine Majestät der Kaiser
ihm den Feldzeugmeister- Charakter ad Iwnores, am 13. September 1889 den
Orden der Eisernen Krone I. Classe zu verleihen und ihn am 12. März 1890
zum Präsidenten des Obersten Militär-Gerichtshofes zu ernennen.
Ritter des Maria Theresieu-Ordens
Friedrich Freiherr von Kleinert.
(Kin Bildnis dieses Ordensritters war trotz allseitiger Nachforschungen weder in Armee- noch in
Wrwandten-Kreisen aufzufinden.)
Friedrich Kleinert wurde als Sohn eines k. k. Hauptmanns der österreichi-
schen Besatzungstruppen in Mainz im Großherzogthum Hessen im Jahre 1829
geboren. Seine Soldatenabkunft führte ihn schon im 16. Lebensjahre der militäri-
schen Laufbahn zu. Er wurde am 30. October 1845 bei dem damaligen 2. Feld-
Artillerie-Regiment *) als expropriis Gemeiner assentiert. Nach zwei Monaten
der ersten Ausbildung erfolgte am 1. Jänner 1846 seine Beförderung zum
Kanonier. Nach fünf Vierteljahren praktischen Artilleriedienstes bei der Truppe
wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Bombardier am 2G. März 1847
zum Bombardier-Corps versetzt. In den Schulen dieses Corps, welche als Fach-
unterrichtsstätten der Artilleriewaffe mit Recht einen hohen Ruf besaßen,
erweiterte Kleinert seine allgemeine Bildung und legt«; auch den ersten Grund zu
seinem theoretischen artilleristischen Fachwissen, namentlich in der Geometrie.
Dank seinem Lerneifer und seiner Begabung kam er im späteren Verlaufe seiner
Ausbildung in den zweiten Jahrgang der Artillerie-Akademie.
Mit kaum 20 Lebensjahren sehen wir Kleinert ins Feuer kommen und wirk-
lichen Kriegsdienst leisten. Kr machte im Jahre 1818 als Bombardier die Belagerung
von Wien mit und kämpfte specull in dem Gefechte aji der Taborbrücke. Bei
der Beschießung Wiens am 28. und 29. October 1848 verrichtete er den Dienst
eines Bombardiere in der Mörserbatterie des Oberlieutenants Wildmoser. Am
•) Seit 1. Mai 1885: B. Böhmische* Curps- Artillerie-Regiment.
Digitized by Google
Ritler des M. T.-U. Friedrich Freiherr von Kleinert.
111
1«. December 1848 wurde er, unter gleichzeitiger Versetzung zum Feuerwerks-
Corps, Feuerwerker. Als solcher machte er den Feldzug des Jahres 1849 in
Ungarn, und zwar speciell die Ccmierung von Komorn, mit.
Wiewohl Kleinert auf diese Weise „von Pik auf* gedient hatte, wurde
er dank seinem frühzeitig erfolgten freiwilligen Betreten der Militärlaufbahn
schon mit 22 Lebensjahren — nach siebenjähriger Dienstzeit — Officier. Seine
Beförderung zum Unterlieutenant II. Gasse wurde ihm am 1. December 1852
zutheil. In den nächstfolgenden fünf Jahren versah Kleinert den Batteriedienst
und zwar seit 1. September 1859 als Unterlieutenant I. Classe, in welcher
Charge er am 1. November zu dem damaligen 9. Artillerie-Regiment*) versetzt
wurde. Am 1. October 1857 erfolgte seine Transferierung zur Artillerie-Schul-
Compagnie in Wien, an welcher er durch ein Jahr als Lehrer fungierte. Darauf
versah er, am 1. October 1858 zum damaligen 3. Artillerie-Regiment**) transferiert
wieder den Truppendienst in der Batterie. Am 1. April 1859 erfolgte seine
Beförderung zum Oberlieutenant im Artillerie -Regiment Erzherzog Ludwig
Nr. 2. ***) Mit der 8. Cavallerie-Batteric dieses Regiments marschierte er im
Verbände des II. Corps auf den Kriegsschauplatz nach Italien in den Krieg gegen
Frankreich und Piemont des Jahres 1859.
In der ersten Zeit machte Kleinert, mit seiner Batterie in die Corps-Geschütz-
Reserve eingetheilt alle Operationen des II. Corps mit. Am 2. Juni erfolgte die
Eintheilung der halben Cavallerie - Batterie Nr. 8 unter Commando des Ober-
lieutenants Kleinert in die Brigade GM. Szabö. Von diesem Zeitpunkte an selb-
ständiger Halb-Batterie-Commandant, machte er mit dieser Brigade von S. Angelo
den Rückzug vom rechten auf das linke Ticino-Ufer über Mortara. Vigevano bis
Magenta mit und bezog mit ihr am 3. Juni die Reserve-Aufstellung bei Magenta.
Am Schlachttage von Magen ta. am 4. Juni 1859. sollte dem Oberlieutenant
Kleinert Gelegenheit zutheil werden, die altbewährte Tüchtigkeit der öster-
reichischen Artillerie in glänzendster Weise neu zu bethätigen.
Um Vi 10 Uhr vormittags, nachdem der Kampf bei Ponte nuovo di
Magenta entbrannt war, wurde die Brigade Szabö alarmiert. Die Brigade rückte
auf der Chaussee von Magenta gegen den Naviglio grande bis zur Höhe von
C. Girola vor und setzte sich in Gefechtsbereitschaft. Kleinert speciell nahm
mit 2 Geschützen seiner Halbbatterie auf der Chaussee Magenta-Ponte nuovo di
Magenta, mit 2 anderen Geschützen auf der links zur Eisenbahn abzweigenden
Straße Aufstellung. Über die beiden letzteren Geschütze behielt Kleinert persönlich
das Commando.
Um jene Zeit war eine jenseits des Naviglio befindliche Schanze, welche die
Eisenbahnbrücke über den Canal sperrte, von französischen Garde-Grenadieren
genommen worden. Dieselben drangen bereits in großer Stärke vor, um auch die
*) Seit 1. Mai 1S85: 11. Galizisches Corps-Artilleric-Regiment.
**) Seit 1. Mai 1885: 5. Ungarische* Corps- Artillerie-Regiment.
**) Seit 1. Mai 1885: 10. Mährisch-*ch]>»sisches Corpa-Artillerie-IU'giinent.
Digitized by Google
112 CLVHI. und GMX. Promoliou. Im Kriege von 1850.
Eisenbahnbrücke selbst zu forcieren. Alle eigenen geschlossenen Abtheilungen
waren zurückgewichen. Die Brigade Szabö bei C. Girola war erst in Aufmarsch
und Entwicklung zum Gefecht begriffen. Das Gentrum der Schlachtlinie Boffalora-
Ponte vecchio di Magenta stand daher in Gefahr, an der Eisenbahnbrücke nächst
Ponte nuovo di Magenta jeden Augenblick durchbrochen zu werden. Dies hätte
namentlich für die Brigade Szabö und den eigenen rechten Flügel verhängisvolle
Folgen haben müssen. Diese Gefahr wurde von dem Generalstabsmajor Fischer,
welcher auf der Eisenbahn bis zum Naviglio behufs Recognoscierung der Gefechts-
lage am Canal vorgeritten war, im äußersten Augenblicke wahrgenommen. Von ihm
wurde Oberlieutenant Kleinert mit seinen beiden Geschützen auf die Eisenbahn
beordert und zu thunlichslem Festhalten derselben angeeifert. Kleinert kam der
Aufforderung, ohne durch Einholung directen Befehls Zeit zu verlieren, mit den
Worten nach, bis auf den letzten Mann in seiner Aufstellung sich halten zu
wollen.
Auf der Eisenbahn, welche von C. Girola in der Richtung gegen die Brücke
zu in den Boden eingeschnitten ist, bot sich aber nur für ein Geschütz Frontraum.
Kleinert führte daher auf dem schmalen Schienenwege nur eines der beiden
Geschütze — eine Haubitze — weiter vorwärts. Bis auf 300 Schritte rückte er
schleunigst an die Eisenbahnbrücke vor. Kaum war seine Haubitze abgeprotzt,
stürmten schon die französischen Grenadiere in dichter Golonne über die Brücke.
Dadurch geriethen sie aber in eine verhängnisvolle Lage.
Der Naviglio grande fließt nämlich zwischen zwei hohen Dämmen. Die den
Naviglio übersetzende Eisenbahn durchbricht diese Dämme durch zwei gemauerte
Schwibbögen, zwischen welchen, knapp ober dem Wasserspiegel, die Brücke führt.
Erst nachdem die vordersten Grenadiere aus dem diesseitigen Schwibbogen heraus-
getreten waren, gewahrten dieselben plötzlich die Haubitze. Ein Zurückweichen
war nicht möglich, weil hinter ihnen Brücke und jenseitiger Schwibbogen von der
nachdrängenden Golonne dicht gefüllt waren.
Der erste Kartätschenschuss schmetterte die Grenadiere im Schwibbogen zu
Boden. Der zweite und die folgenden Schüsse fegten die ganze Colonne von der
Brücke und unter dem jenseitigen Schwibbogen hinweg.
Die Golonnen der Brigade Szabö rückten inzwischen im Sturmschritt vor.
Damm und Brücke wurden wieder genommen, besetzt. Was vom Feinde dahinter
gestanden war. wich rasch zurück.
Oberlieutenant Kleinert hatte durch sein kühnes Vorprellen und rechtzeitiges,
lebhaftes Feuer der Brigade Szabö die Vollendung ihrer Entwicklung zum Gefecht
ermöglicht, ihren Sturmangriff wirksamst vorbereitet und dadurch das Durch-
brechen des eigenen Gentrums seitens des Feindes verhütet. Dies war an diesem
Schlachttage die erste seiner Waffenthaten.
Was dem Feinde an der Eisenbahnbrücke glücklieh verwehrt worden, sollte
ihm an der Chausseebrücke bei den Zollhäusern in Ponte nuovo di Magenta
gelingen. Von dort mussten die eigenen Truppen vor der Übermacht gegen Magenta
zurückweichen und der Feind durchbrach das Gentrum an jener Stelle. Nachdem
Digitized by Google
Ritter de« M. T.O. Friedrich Freiherr von Kleinert.
113
er die Chausseebrücke überschritten, breitete er sich rasch auf dem diesseitigen
Naviglio-Ufer aus und bedrohte bald auch die rechte Flank»' und Rückzugslinie der
Brigade Szabö dermaßen, dass dieselbe genöthigt war. sich dem allgemeinen Rück-
züge anzuschließen. Die französischen Grenadiere drängten dabei so ungestüm, dass
dadurch der Rückzug der Brigade Szabö arg gefährdet wurde.
Da aber war es wieder Oberlieutenant Kleinert, der dem Feinde rechtzeitig
Halt gebot. Unbekümmert darum, dass er allein mit seinen Geschützen einem
übermächtigen Feinde gegenüberstand, harrte er mit kaltblütiger Zähigkeit in vor-
derster Linie aus.
Er hatte die Haubitze von der Eisenbahnbrücke auf etwa 600 Schritte bis
unweit von C. Girola zurückgezogen und dort mit seinen beiden Geschützen
Aufstellung genommen. Aus denselben eröffnete er das Feuer zunächst auf die von
der Chaussee-Brücke bei den Zollhäusern gegen Magenta und C. Girola vordrin-
genden feindlichen Abtheilungen. Abwechselnd ließ er aber auch gegen eine
Colonne der Garde-Grenadiere, welche neuerdings über die Eisenbahnbrücke durch
den Schwibbogen debouchieren wollte, ein energisches Kugel- und Granatkar-
tätschen-Feuer richten.
So wurde dem Feinde in zwei seiner Angriffsrichtungen durch Oberlieutenant
Kleinert wieder das Vorrücken verwehrt. Da, wo dieser Officier stand, war es den
Garde-Grenadieren, dieser Elitetruppe des französischen Heeres, unmöglich durch-
zudringen. Diesem tapferen Ausharren Kleinerts war es zu verdanken, dass der
Feind nicht schon um 2 Uhr nachmittags in Magenta war. So vermochte die
Brigade Szabö und andere Truppen, die im Centrum hatten zurückgehen müssen,
bei Magenta sich weder zu railiieren. Dies war Kleinerts zweite Wafl'enthat an
diesem Schlachttag.
Um jenen Zeitpunkt, gegen 2V4Uhr nachmittags, griff FML. Frh. von Reischach
mit seiner Division in den Kampfein. Im Vereine mit den Truppen, die bisher im
Centrum gekämpft hatten, wurde der Feind über die Chausseebrücke wieder
hinter den Naviglio zurückgeworfen. Gleichzeitig versuchte aber der Feind in
erneutem Sturmangriff die Eisenbahnbrücke zu überschreiten, um sich der Eisen-
bahn, welche zur Behauptung der Chaussee unentbehrlich war. zu bemächtigen.
Oberlieutenant Kleinert erfasste die Wichtigkeit dieses Momentes sofort,
indem er den großen Nachtheil richtig ermaß, der bei dem Gelinter) des feindlichen
Sturmes die linke Flanke der eigenen Truppen im Centrum treffen müsste. Er
rückte auf der Eisenbahn und zwar wieder mit einem seiner beiden Geschütze,
gleichwie das erstemal, auf Kartätschen-Distanz an die Eisenbahnbrücke vor und
trieb die Garde, welche sich schon anschickte, die Brücke zum drittenmale zu
überschreiten, neuerdings zurück.
Daraufhin konnten stärkere Abtheilungen der Brigade Szabö, welche auf
dem linken Flügel der Division Reischach vorgegangen waren, über die Eisen-
bahnbrücke auf das jenseitige Naviglio-Ufer bis in die Nähe der dort befind-
lichen Eisenbahnschanze dem Feinde nachdringen und ihm zwei Geschütze
abnehmen.
MilitJiri»ch»r .Man* Ther»*i. u-Ord«i<
8
1 14 CLVin. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Inzwischen hatte der Gegner bei den Zollhäusern von Ponte nuovo di
Magenta die Truppen der Division Reischach wiederholt zurückgedrängt. Immer
wieder aber waren dieselben vorgedrungen. So befand sich der Naviglio grande
um 4 Ühr nachmittags wieder in der Macht der eigenen Truppen. Hiezu hatte
Kleinerts erneuertes kühnes Vorgehen nach einstimmigem Zeugnis aller Offiziere,
die bei diesen Angriffen mitgekämpft hatten, wesentlich beigetragen.
Um 47a Uhr unternahm der Feind einen erneuten überlegenen Angriff im
Centrum, welcher die Division Reischach und die Brigade Szabö nöthigte, sich
endgiltig gegen Magenta zurückzuziehen. Hiebei deckte Kleinert mit Aufgebot
äußerster Energie den Rückzug, indem er mit seinen Geschützen wiederholt,
zuletzt aber etwa 800 Schritte vor Magenta Stellung nahm. Wiewohl seine
Position von einer französischen Garde-Batterie mit Hohlprojectilen auf das leb-
hafteste beschossen wurde, feuerte Kleinert bis auf die letzte Patrone ausschließ-
lich gegen die vordringende feindliche Infanterie und verwehrte derselben auf diese
Weise jedes weitere Vordringen gegen Magenta, so dass die Ralliierung der eigenen
Truppen noch vor dem Orte erfolgen konnte.
Um diese Zeit verfügte Oberst von Herle, welcher mit der Geschütz-Reserve
des II. Corps an der Westseite Magentas Aufstellung genommen hatte und dem
Vordringen des Feindes durch lebhaftes Feuer entgegenwirkte, die Ablösung des
Oberlieutenants Kleinert aus dem Gefechte, nachdem sich dessen Geschütze voll-
ständig verschossen hatten. Kaum aber hatte Kleinerts Halbbatterie ihre Munition
ergänzt, besetzte derselbe nach kurzer Rast den westlichen Haupteingang von
Magenta an der Chaussee, und vertheidigte denselben gegen den immer mächtiger
anstürmenden Feind. Ein Angriffssturm des Gegners nach dem andern wurde
zurückgeschlagen. Mehreremale drang der Feind so nahe an die Geschütze, dass
dieselben verloren schienen. Immer wieder aber trieb Kleinert die Franzosen im
letzten Moment mit Kartätschen zurück.
Ungefähr nach 6 Uhr, als der Feind nach dem auf Magenta unternommenen
ersten Hauptsturm zurückgeschlagen war, rückte Kleinert mit seinen Geschützen
sogar wieder vor. Etwa 700 Schritte auf der Chaussee vor Magenta setzte er
dieselben gegen jene feindlichen Infanterie-Colonnen ins Feuer, welche zwischen
Magenta und dem Naviglio in der Richtung gegen Robecco vorrückten. Hiedurch
wurde auch deren Vordringen erheblich verzögert.
Bei dem späteren erneuerten Vorrücken des Feindes gegen Magenta zog
Kleinert seine Geschütze wieder bis zum Westeingange zurück und setzte die Ver-
theidigung desselben energisch fort. Dadurch gegen Westen gedeckt, konnten die
an den übrigen Eingängen gegen Norden hart bedrängten Truppen ungehindert
ihren Rückzug bewirken. Schon drang aber hinter denselben der Feind von Norden,
auf der vom Bahnhofe in den Ort führenden Straße, in Magenta ein und bedrohte
dadurch die Position Kleinerts im Rücken. Da trat denn dieser heldenmütige
Oflicier, nachdem er durch fünf Stunden zur Verteidigung und Festhaltung
Magentas, sowie zur Ermöglichung des Rückzuges der nördlich des Ortes im
Kampfe gestandenen Truppen entscheidend beigetragen hatte, unter den letzten
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Philipp Graf von Stadion-Wartbausen und Thannhausen.
115
den Rückzug aus Magenta an. Trotzdem er von seinen 4 Geschützen 8 Mann
und 14 Pferde verloren hiitte und eines seiner Geschütze theil weise demontiert
worden war, brachte er, ungeachtet des schwierigen Rückzuges, sämmtliche
Geschütze aus der Schlacht zurück.
Für seine außerordentlichen Leistungen vor dem Feinde wurde Oberlieute-
nant Kleinert mit dem Ritterkreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet.
Auf Grund der in der Schlacht hei Magen ta am 4. Juni 1859 vollbrachten
Waffenthat geruhte weiterhin Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister über Votum des Capitels kraft der CLV1D. Promotion am 17. October
1859 den Oberlieutenant Friedrich Kleinert mittels Verleihung des Kleinkreuzes
zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren und denselben
gemäß den Ordensstatuten am 4. März 1860 in den österreichischen Freiherrn-
stand zu erheben.
Am 6. Juni 1860 wurde Oberlieutenant Freiherr von Kleinert außer
der Tour zum Hauptmann II. Glasse befördert und gleichzeitig wieder zum
9. Artillerie-Regiment transferiert.
Kurze Zeit darauf schon raffte jedoch der Tod diesen Tapferen dahin; er
starb am 10. Jänner 1862 zu Brünn.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Philipp Graf von Stadion- >V arthausen und Thannhansen.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1859.)
Graf Stadion, zu Kulmbach im Königreich Bayern am 9. Mai 1799 geboren,
wurde schon im Februar 1814 vom Feldrnarschall Fürsten Schwarzenberg zum
Unterlieutenant in seinem k. k. Uhlanen-Regiment ernannt, ohne jedoch wegen
seiner Jugend zum Regiment einzurücken. Nach Einverleibung des Großherzog-
thums Würzburg in das Königreich Bayern trat er als Unterlieuteilant in das damals
bestandene Bayerische 1. Uhlanen-Regiment und machte die Campagne gegen Frank-
reich 1815 mit diesem Regimente mit. Im Jahre 1816 in das damals bestandene
bayerische Garde du Corps-Regiment versetzt besuchte er in den Jahren 1820
und 1821 zu seinerweiteren Ausbildung als beurlaubter Officier die Universität
Würzburg und befliss sich philosophischer, statistischer und militärischer Fach-
studien.
Nachdem Stadion im Jahre 1823 die bayerischen Dienste quittiert hatte, trat
er am 16. Juni 1823 in k. k. österreichische Dienste und zwar als Unterlieu te na nt
bei dem Kaiser- Kürassier-Regiment Nr. 1 ein, wurde am 30.- März 1831 zum
Oberlieutenant befördert, mit 1. April 1831 zum Hauptmann II. Glasse bei
dem Infanterie-Regiment Fürst Alois Liechtenstein Nr. 1 2 ernannt, und war die
Jahre 1831, 1832. 1833 hindurch Adjutant des Inhabers. FZM. Fürsten Liechten-
8«
Digitized by Google
110
CXVin. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 185*).
stein, in welcher Dienstesverwendung er am 16. April 1833 zum Hauptmann
I. Classe befördert wurde. Nach dem Tode Liechtensteins trat er mittel» Tausch
am 1. Februar 1831 als Rittmeister und Escadrons-Commandant in das
1. Uhlanen-Regimcnt, war im Jahre 1835 einer diplomatischen Mission an den
kaiserlich russischen Hof dem damaligen Generalmajor Fürsten Carl Liechtenstein
beigegeben und im Jahre 1837 in der militärischen Hegleitung Seiner k. k. Hoheit
des Feldmarschalls Erzherzog Johann bei seiner Reise in das russische große
Lager bei Wos/.neszensk und in den Orient. Am 25. Jänner 1839 wurde er
zum Major und Flügeladjutanten Seiner Majestät des Kaisers Ferdinaud
ernannt und zum großen Generalstab eingetheilt. In dieser Verwendung blieb er
bis zum Ende Mai 1818 und wurde während derselben am 21. März 1842 zum
Oberstlieutenant und am 17. März 1845 zum zweiten Oberst bei Sehwarzen-
berg-Uhlanen Nr. 2 befördert.
Ende Mai 1848 mit Allerhöchster Bewilligung dem Hauptquartier des
FM. Grafen Radetzky zugetheilt, wohnte Stadion der Einnahme von Vicenza
am 10. Juni 1848, dem Angriffe auf die Höhen von Sommacampagna und
zwar dem Sturm auf Monte della Madonna am 23. Juli, der Schlacht bei Custozza
am 25. Juli bei, bestand am 26. Juli bei Le sei vie an der Spitze von 1 Escadron
Radelzky-Husaren und 1 Escadron Erzherzog Carl-Uhlanen bei Verfolgung des
Feindes mit der im Rückzug begriffenen Brigade Piemont ein Gefecht, wurde
nach dem blutigen Treffen von Volta am 27. Juli dem Streifcommando des
damaligen Obersten Wyss von Erzherzog Carl-Uhlanen zugetheilt. machte mit
demselben die Gefechte bei Brescia am 29., bei Lodi am 30. Juli, bei Zelo
buon Persico am 3. August mit und nahm an der Einnahme von Mailand am
4. August 1848 theil.
Mit Allerhöchstem Handschreiben Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand
dd. Schönbrunn 24. September 1848 wurde dem Obersten Stadion sowohl in
Anerkennung der in der unmittelbaren Dienstleistung bei der Allerhöchsten Person
Seiner Majestät stets bewiesenen Treue und Anhänglichkeit, als des vor dem
Feinde bewiesenen guten und tapferen Benehmens der Orden der Eisernen
Krone II. Classe zutheil.
Im Januar 1849 zum Generalmajor ernannt, übernahm Stadion die Brigade
des damaligen Obersten Benedek und kämpfte in dem Feldzuge 1849 in den
Gefechten bei Dazio S. Martin o bei dem Übergang über den Ticino am 20. März,
in der Schlacht von Mortara am 21. März und in der Schlacht von Novara am
23. März mit. Bei Novara erhielt er eine Schusswunde in die Brust, nahm jedoch
schon am 10. und 11. Mai, mit noch nicht geschlossener Wunde, an der Einnahme
von Livorno theil.
Am 18. Juli 1849 unternahm Stadion mit seiner verstärkten Brigade von
Florenz aus eine Expedition, um das Großherzo^rthum Toscana von den ein-
gedrungenen Garibuldischen Scharen zu säubern, wobei er dieselben auf das
römische Gebiet zurückdrängte und bei deren Verfolgung ein kleines Gefecht bei
5. Angelo in Vado am 29. Juli bestand. Diese beschwerliche Expedition endete
Digitized by Google
11
I.
an
L.
ka
be
de
La
zu
eri
bis
Ol
be:
F1V
anr
zw
uir
Ra
Fei
na<
dai
dei
bu
4. .
dd.
An
Sei
Fei
Kr
de*
Gel
in *
23.
seh
vor
Flo
ged
rön
5. .
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Philipp Oraf von Stadion Warthausen und Thannhausen.
117
mit dem Auseinanderlaufen der Banden auf dem Gebiete der Republik S. Marino
und mit der Flucht Garibaldis, worauf die Brigade am 12. August wieder in Florenz
einrückte.
Infolge Allerhöchster Entschließung vom 14. Juli 1849 erhielt GM. Stadion
für Auszeichnung in der Schlacht von Novara das Co mm andern* kreuz des k. k.
Leopold-Ordens, und späterhin infolge Allerhöchsten Befehl-Schreibens vom
24. April 1850 und Armee-Befehl vom 11. Juli 1850 für erworbene Verdienste in
beiden Feldzügen das Militär-Verdienstkreuz.
Im Jahre 1850, im November, bei der Aufstellung der Armee in Böhmen zum
Qua-Divisionär ernannt stand Stadion in Prag an der Spitze einer Cavallerie-
Division. kam im Februar 1851 nach der Auflösung der Armee als Brigadier und
Militär-Commandant nach Udine, sodann im October nach Florenz. Am 17. April
1852 sah sich Stadion wegen Beschwerden, welche seine Wunde herbeiführte,
genöthigt, die Versetzung in die Disponibilität zum Gebrauche einer längeren Cur
zu erbitten. Am 26. October 1852 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert,
übernahm er jedoch schon im Jänner 1853 in Wien eine Truppen-Division im
IX. Armee-Corps, welches auf den Kriegsfuß gesetzt, bei den Wirren üi Montenegro
im Februar 1853 eine Aufstellung in Kroatien nahm. Im Juni 1853 wurde er als
Divisionär zum V. Armee-Corps in Mailand eingetheilt, im October 1854 zum
VIII. Armee-Corps nach Parma übersetzt, von wo er im September 1855 seine
Eintheilung als Divisionär nach Bologna erhielt. Am 13. Juli 1855 wurde er zum
zweiten und späterhin am 3t. Mai 1859 zum eisten Inhaber des Dragoner-
Regiments Nr. 1 - seit 1807 Nr. 9 - ernannt. Am 28. Februar 1857 mit dem
Commando des V. Armee-Corps betraut, kehrte er wieder nach Mailand zurück.
Mit Allerhöchster Entschließung vom 23. April 1857 ward ihm die Würde eines
Geheimen Rath es verliehen.
An der Spitze des V. Corps kämpfte FML. Stadion im Kriege gegen Frank-
reich und Piemont in Italien im Jahre 1859 mit.
Am 2. Mai erhielt Stadion vom II. Armee-Commando den Auftrag, gegen
denFeind längs der Sesia und des Po zu demonstrieren, um ihn glauben zu machen,
dass ein Übergang über den Po in der Richtung gegen Frassi netto beabsichtigt
werde. Stadion lieh" am 3. Mai zur Täuschung des Gegners Brückenmaterial und
Arbeiter nächst Ca Leardi ansammeln, die Sesia durch Infanterie- und Caval-
lerie-Ahtheilungen an mehreren Punkten überschreiten und die feindlichen Vor-
posten zurückdrängen.
Über Anordnung des Armee-Commandos wurde diese Unternehmung am
4. Mai — unter strömendem Regen — fortgesetzt, musste jedoch wegen des rapiden
Anschwellens der Sesia bald abgebrochen werden. Gleichwohl erfüllten diese mit
großer Umsicht durchgeführten Demonstrationen den angestrebten Zweck, indem
der Gegner thatsächlich beträchtliche Kräfte an der unteren Sesia zusammenzog.
Die nächste Aetimi, welche Stadion mit beträchtlichen Kräften und zwar
selbständig zu leiten halte, war die vom II. Armee- Commando angeordnete
scharfe R e cognoscierung gegen Voghera. welche zu dem blutigen Treffen
Digitized by Google
1 18 CLVIII. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
bei Montebello führte. FML. Graf Stadion befehligte hiebei 3 Brigaden
seines V., außerdem Truppen des IX. Armee-Corps und der Reserve-Division FML.
Frh. von Urban, im ganzen 5 Brigaden (25 Bataillone mit 20.251 Mann Infanterie,
1164 Reitern und 08 Geschützen). Er hatte die Aufgabe, gegen den Feind mit Ent-
schiedenheit vorzugehen, um in Erfahrung zu bringen, ob derselbe etwa einen
Hauptangriff auf dem rechten Po-Ufer durch strategische Umgehung und Obergang
des Po bei S. Cipriano beabsichtige. Im Falle eines Zusammenstoßes mit über-
legenen Kräften hatte sich FML. Graf Stadion gegenüber einer feindlichen Offen-
sive zurückzuziehen.
Stadion versammelte die Truppen am 19. bei Vaccarizza und ließ dieselben
am 20. in drei Colonnen gegen Voghera vorrücken, und zwar am linken Flügel
FML. Frh. von Urban, am rechten GM. Prinzen von Hessen, in der Mitte FML.
Frh. von Paumgartten. Die linke Colonne nahm Casteggio, dann Montebello
und besetzte rasch auch die Höhen von Geuestrello. Während dieses Vor-
gehens der Colonne Urban rückten die Mittel- und die rechte Colonne allmählich
auf gleiche Höhe mit dem linken Flügel in die Linie Fogliarina und C. Giringhelli
vor. Da sich vor Genestrello nirgends ein Feind zeigte und die Truppen einen
beschwerlichen Marsch hinter sich hatten, stellte FML. Graf Stadion die weitere
Vorrückung ein. Als aber die bezüglichen Dispositionen um ys3 Uhr nach-
mittags expediert wurden, drang von jenseits Genestreilos plötzlich Kanonen-
donner ins Hauptquartier nach Montebello. Der Feind griff die von der Avantgarde
besetzte Position von Genestrello auf den Höhen sowohl als in der Ebene nächst
der Eisenbahn mit Ungestüm an.
Die Vortruppen Stadions schlugen den ersten Angriff des Feindes sowohl
bei Genestrello als an der Eisenbahn ab und drängten denselben bis hinter
Cascina nuova zurück. Aber schon um 3 Uhr nachmittags brachte der französische
Divisions-General Forey auch den Rest seiner Division ins Gefecht und griff die
Stellung Genestrello-Cascina nuova neuerdings heftig an. Nach langem blutigen
Ringen musste die Colonne Urban sowohl auf den Höhen von Genestrello nach
Montebello, als auch in der Ebene nächst der Eisenbahn zurückweichen.
Da ein überlegener dritter Angriff des Feindes zu gewärtigen war, so beor-
derte FML. Graf Stadion die Mittel- und die rechte Colonne zu energischer Vor-
rückung in der Ebene, um die P.ehauptung Montebellos zu erleichtern, und ver-
stärkte auch successive den linken Flügel in dem Orte selbst.
Nach nahezu dreistündigem Festhalten Montebellos gegen überlegene
Kräfte des Gegners, wobei sich die Halb-Batterie 7/VIII unter Oberlieutenant
Prockoseh*) durch zähen Widerstand rühmlichst hervorthat. musste schließlich
um Uhr nachmittags der Ort geräumt werden.
Inzwischen hatte die rechte Colonne unter GM. Prinzen von Hessen um
Ys 5 Uhr in den Kampf eingegriffen und den ihr entgegentretenden linken Flügel des
Feindes zurückgeworfen. Ihr Druck auf die linke Flanke der Division Forey machte
•) Siehe , Maria TIif-reMen-Ordtms-Ritter von Prockosch". ~ Seite 74 bis 80.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Philipp Graf von Stadion- Warthausen und Thannhausen.
119
sich bald fühlbar, so dass der Gegner stärkere Kräfte gegen den GM. Prinzen von
Hessen dirigieren musste und nach der Wegnahme von Montebello über diesen Ort
hinaus nicht weiter vorrückte.
FML. Stadion ließ nach der Räumung Montebellos die gesammten Kräfte
der linken und der Mittel-Colonne in der Höhe von Casteggio Gefechtsstellung
nehmen und erwartete dort die weitere Vorrückung des Feindes. Auf Seite des-
selben trafen zum Schlüsse des Gefechtes noch die Division Bazaine unter persön-
licher Führung des Marschalls Baraguey d'Hilliers und auch andere Truppen
mittels der Eisenbahn bei Montebello ein. Allein der Gegner griff nicht mehr an
und Marschall Baraguey ließ auch die Division Forey von Montebello gegen
Voghera zurück marschieren. FML. Stadion erließ sodann ebenfalls um V, 9 Uhr
abends aus Casteggio den Rückzugsbefehl an sämmtliche Colonnen.
Das Armee-Gommando sprach dem FML. Stadion die Anerkennung aus,
dass die von ihm unternommene forcierte Recognoscierung ihren Zweck er-
füllt hatte.
Der Oberste Kriegsherr geruhte zunächst in telegraphischem Wege den
bei Montebello ins Gefecht gekommenen Truppen Seinen Allerhöchsten Dank für
ihre ausgezeichnete Tapferkeit auszusprechen und späterhin dem FML. Grafen
Stadion die Allerhöchste Anerkennung zutheil werden zu lassen.
ha der Schlacht bei Magenta am 4. Juni war es dem FML. Grafen Stadion
zwar nicht vergönnt, persönlich am Kampfe theilzunehmen, doch griff er durch
seine Maßnahmen am 4., noch mehr aber bei Einleitung des Rückzuges am
5. Juni wirksam ein.
Während am 4. auf dem Schlachtfelde die Corps successive in Action kamen,
rückte Stadion um 2'/% Uhr nachmittags über Befehl des Armee-Commandos nach
Rücklassung einer Brigade auf Vorposten am Ticino, von Fallavecchia, Morimondo
nach Abbiategrasso und von dort bis Robe cco vor. Von da schob er über
Weisung desArmee-Commandanten die Tete-Brigade Prinz von Hessen, unter Befehl
des Obersten Dormus, auf das Schlachtfeld, um die vom Feinde bedrängte
Brigade Ramming des III. Corps aufzunehmen und die Verbindung zwischen
Robecco und Castellazzo de Barzi zu erhalten.
Die durch Ansammlung von Trains in Robecco herbeigeführte Verzögerung
in der Entwicklung dieser Brigade veranlasste Stadion, außerdem das 4. Bataillon
Kaiserjäger nach Castellazzo de Barzi vorzudisponiereri . überdies Robecco und
Lugagnano durch die Brigade Koller zu besetzen. Den Rest der bis 9 Uhr abends
bei Lugagnano eintreffenden Truppen des V. Corps ließ Stadion ä cfiecal der
Straße eine Aufnahmsstellung beziehen. Dadurch war gegen einen eventuellen
Durchbruch der Schlachtlinie bei Robecco Vorsorge getroffen. Diese Gefahr
wurde übrigens durch das tapfere Eingreifen des mit der Brigade Hessen vor-
gesendeten Obersten Dormus*) vollständig abgewendet, indem derselbe den
Gegner bis Ponte vecchio di Magenta zurückwarf.
*) Siehe .Maria Theresien-Ordens-Rittcr Frh. von Dormus*. — Seite 88 bis yi.
Digitized by Google
120 CLVIII. und CL1X. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Für den 5. Juni disponierte über Befehl des Armee-Commandos FML. Graf
Stadion sein Corps während der Nacht in der Weise, um im Verein mit dem am
linken Flügel stehenden III. Corps bei Tagesanbruch, unter Festhalten der
Stellung Robecco-Castellazzo de Barzi, den Kampf aufnehmen zu können. Allein
bei Tagesanbruch, als die ersten Schüsse gefallen waren, lief der Befehl zum
Rückzug ein. FML. Graf Stadion erließ daher die nöthigen Rückzugs-Dispositionen.
Der inzwischen erfolgte zweimalige Angriff des Gegners wurde durch Abtheilungen
der Brigaden Ramming und Koller abgewiesen, so dass sich derselbe auf
Carpenzago zurückzog. Sodann trat FML. Graf Stadion um Sl/t Uhr morgens
den Rückzug an. wobei sich das V. und III. Corps wechselseitig aufnahmen. Nach
dem Durchmarsche durch Abbiategrasso behob seine selbständige Einflussnahme
eine Kreuzung des HI. mit dem V. Corps und verhütete dadurch die Verzögerung
des Rückzuges der Armee um einen vollen Marschtag, so dass der anbefohlene
Rückmarsch mit voller Präcision durchgeführt werden konnte.
Während des weiteren Rückzuges der Armee nach der Schlacht bei Magenta
hinter die Adda bewährte FML. Graf Stadion gelegentlich der Überschreitung
dieses Flusses besondere Umsicht. Am 1 0. Juni, als das V. Corps von Casal Pusterlengo
und Codogno gegen Pizzighettone marschierte, wurden starke Detonationen in
der Richtung von Piacenza gehört. Von Seite des Armee-Commandos war dem
FML. Grafen Stadion bekannt, dass Piacenza durch die k. k. Truppen fortdauernd
besetzt gehalten werden sollte. Nachdem aber jene Detonationen gleichwohl eine
Sprengung und Räumung dieser Festung vermuthen ließen, beorderte Stadion die
Arrieregarde-Brigade Bils, ihre Nachhut vor Pizzighettone, am rechten Adda-Ufer
in Maleo bis abends, eventuell so lange stehen zu lassen, bis entweder die
Besatzung von Piacenza anmarschiert oder der Sachverhalt klar gestellt sein
würde. Gleichzeitig entsendete Stadion einen Offieier nach Piacenza. um nähere
Erkundigungen einzuziehen und dem Festungs-Commandanten FML. Röhn unter
Bekanntgabe der zu seitier Aufnahme getroffenen Maßregel mitzutheilen, dass er
eventuell seinen Rückzug über Pizzighettone bewirken könne.
FML. Röhn hatte vom Armee-Commando am 9. Juni den Befehl erhalten.
Piacenza zu räumen und die Vereinigung mit der Armee auf dem rechten Po-Ufer
über Bresecllo und Borgoforte zu bewirken. Am Morgen des 10. Juni, während das
k. k. Geschützmaterial theils auf Schiffen fortgeschafft, theils gleich den Festungs-
werken gesprengt wurde, war aber in Piacenza die ielegraphische Nachricht von
einer Revolution in Parma eingetroffen. Die Straße von Parma nach Piacenza war
an mehreren Stellen abgegraben und Kundschafterberichte sprachen von einer
Annäherung feindlicher Streitkräfte. Unter diesen Umständen wäre also ein Marsch
gegen Brescello und Borgoforte misslich gewesen. Anderseits musste dem FML.
Röhn derGedanke, dass die Adda vielleicht nicht mehr zu überschreiten und auch ein
Flankenangriff des Feindes bei einem Marsche von S. Stefano nach Pizzighettone
nicht ausgeschlossen sei. auch für diese Richtung besorgt machen. Aus dieser miss-
lichen Lage befreite ihn jedoch die Umsicht Stadions, dank welcher er nicht nur
im Falle eines feindlichen Angriffs Unterstützung gewärtigen, sondern über Maleo
Digitized by Google
Ritter de* M. T O, Philipp Graf von Stadion Warthausen und Thannhausen. 121
und die Adda seinen Rückzug nach Pizzighettone thatsächlich unbehelligt durch-
führen und sich glücklich mit der Armee vereinigen konnte.
Stadion ließ ferner auch thunlichst viel von den Vorräthen Pizzig hettoncs
selbst retten, dann erst diesen Platz räumen und die Brücke über die Adda hinter
sich verbrennen.
Mittels Allerhöchsten Armee -Befehls aus Verona vom 27. Juni geruhte
Seine Majestät der Kaiser dem FML. Grafen Stadion in Anerkennung der
besonders angerühmten tapferen Leistungen bei Magenta und des mit großer
Umsicht bewirkten Oberganges über die Adda den Orden der Eisernen Krone
1. C lasse zu verleihen.
Verdienstreich und glanzvoll gestaltete sich Stadions Gefechtsleitung in der
Schlacht bei Solferino am 24. Juni im Gentrum der Schlachtlinie, nämlich auf
den Höhen nächst Solferino, welche den Schlüsselpunkt des Schlachtfeldes bildeten.
Nach den vom Armee -Obercommando und vom II. Armee-Commando
ergangenen Dispositionen rückte FML. Graf Stadion mit seinem V. Corps am
23. Juni nach Solferino und setzte sich rechts mit dem nach Pozzolengo dispo-
nierten VIII. Corps und links mit der I. Armee in Verbindung. Seine Aufstellung
vom 23. auf den 24. war folgende: Die Brigade Puchner hatte die westlich
Solferinos befindlichen dominierenden Höhen besetzt. Die Brigade Festetics stand
als Reserve im Castell von Solferino und hielt den Friedhof, dann den Cypressen-
Hügel besetzt. Die Brigade Gaal hatte ihre Aufstellung am Monte Croce; die
Brigade Koller stand als Reserve zwischen S. Pietro und Monte Croce. Die Avant-
garde-Brigade Bils hatte die Vorposten von le Grole über Monte di Barche,
Monte della Guca, dann längs des Val dei Qiiadri aufgestellt.
Am 24. sollte die vereinigte I. und II. Armee die Vorrückung nach dem
Abkochen um 9 Uhr früh fortsetzen. Doch schon um 61/* Uhr früh kam dem
FML. Grafen Stadion die Meldung zu, dass der Feind in starken Colonnen heran-
rücke und die Vorposten bei le Grole angegriffen wurden. Bald darauf um 6!/s Uhr
erfolgte ein lebhafter Angriff auf die Avantgarde-Brigade Bils. Um 7 Uhr entwickelte
der Feind nicht allein gegen diese, sondern auch gegen die Brigade Puchner ent-
schiedene Übermacht und postierte auf den Höhen Geschütze, die auf 2000 Schritte
gegen die Kirche und den Ort Solferino mit großer Präcision wirkten.
Die Brigaden Puchner und Bils stürmten den herandrängenden feindlichen
Colonnen wiederholt muthig entgegen. Die Brigade Bils musste zwar schließlich
zurückgehen, hielt sich aber auf den Monte Gamal und bei Casece mit bewunderungs-
würdiger Ausdauer. Auch die Brigade Puchner behauptete sich auf der Höhe Con-
trada Pozzo Catena mit heldenmüthiger Standhaftigkeit gegen einen dreifach
überlegenen Gegner.
Während dem war der Feind mit einer anderen starken Colonne. ungefähr
einer Armee-Division, sowohl im Thal von Solferino als auch in Val dei Quadri
vorgedrungen.
Stadion zog zunächst die Brigade Koller zwischen S. Pietro und dein Monte
Croce vor und ließ derselben, da sie Fortschritte machte, die Brigade Gaal in
Digitized by Google
122 CLVm. und CLIX. Promotion. - Im Kriege von 1859.
Staffeln folgen, um durch die Offensivbewegung des rechten Flügels sein Centrum
zu degagieren, gleichzeitig aber auch ein Durchbrechen des Feindes zwischen dem
V. und dem VIII. Corps zu verhindern.
Die im Valle di Solferino vorrückende, feindliche Colonne wurde theils durch
die bei S. Martino stehenden Abtheilungen der Brigade Festetics, theils durch das
flankierende Feuer der Brigade Bils zum Stehen gebracht.
Der Feind löste jedoch seine auf den Höhen mit furchtbaren Verlusten
kämpfenden Abiheilungen immer wieder durch frische Truppen ab, wie aus den
häufig wechselnden Uniformen constatiert wurde, und schob neue Colonnen gegen
die Brigaden Koller und Gaal. Nach 10 Uhr begann der Kampf auf den Höhen von
Solferino trotz der entschiedensten Hartnäckigkeit einer vierstündigen Vertheidigung
eine ungünstige Wendung zu nehmen.
Stadion hatte inzwischen dem Annee-Commando über die einleitenden
Gefec hte Meldung erstattet, das rechts kämpfende VIII. Corps von der Gefechtslage
verständigt und das I. Corps wiederholt um beschleunigte Vorrückung angegangen.
Er war sich bewusst, dass Solferino den Schlüssel der ganzen Schlachtstellung
bilde und als solcher bei der gegen sein Corps gleich anfangs entwickelten Ober-
macht auch seitens des Feindes erkannt wurde. Mit steigender Ungeduld sah er
deshalb dem Herannahen des I. Corps entgegen.
Um 107t Uhr wurde die Brigade Bils gegen S. Martino zurückgedrängt
und sammelte sieh hinter den Abtheilungen der Brigade Festetics. Auch die
Brigade Puchner musste endlich die beherrschenden Vorhöhen verlassen und sich
auf die Höhenkuppen des M. Mezzana zurückziehen. Waren damit auch einige
Hundert Schritte Terrain und die günstige Beherrschung desselben aufgegeben,
so war in der Hauptsache noch nichts verloren, wenn frische und ausgiebige
Reserven dem FML. Grafen Stadion das Ergreifen der Offensive ermöglichten oder
wenn die I. Armee mit Entschiedenheit vorzudringen vermochte.
Um Vi 11 Uhr rückten endlich die Spitzen des I. Corps an. Stadion ließ
sofort die Brigade Puchner durch die im Castell von Solferino befindlichen
Reserven verstärken. Als Ersatz besetzten Theile des I. Corps das Castell, während
andere Theile zur Unterstützung der bei S. Martino kämpfenden Abteilungen
der Brigade Festetics weiter rückten. Der weitaus größere Rest des I. Corps ent-
wickelte sich langsam auf der Höhe des Monte Pelegrino, im Anschluss an den
linken Flügel Stadions, rückte aber nicht weiter als bis Monte alto vor, wo er auf
den Feind stieß, welcher inzwischen mit einer Colonne auch auf der Straße Casti-
glione-Solferino vorgerückt war.
Indes vermochten auch die Truppen des I. Corps das Gefecht nicht zu halten,
noch weniger das Verlorene wieder zu gewinnen.
Die Brigade Puchner musste — nicht ausreichend unterstützt, überdies
mehr als deeimiert — endlich vor 12 Uhr auch die zweite Stellung aufgeben. Jene
Bataillone, welche am meisten gelitten, ließ Stadion hei S. Pietro sich aufstellen;
diese braven Truppen marschierten wie bei einem Feldmanöver, im stärksten
Kanonen- und Kleingewehrfeuer in größter Ordnung zurück.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Philipp Graf von StadiouWarthausen und Thannhausen.
123
FML. Graf Stadion war nun auf das Castell, den Friedhof, die Rucca
und den Cy pressen -Hü gel, welche Punkte durch das Regiment Reischach,
dann 1 Bataillon Culoz besetzt waren, endlich auf Pozzo Gatena, welches durch
Abtheilungen des Regiments Erzherzog Ernst vertheidigt wurde, beschränkt.
Die Wichtigkeit dieser letzteren Stellung erkennend, ließ Stadion auf
besonders vortheilhaften, wenn auch für den Rückzug minder günstigen Punkten
noch 6 Geschütze aufstellen, die trotz großer Verluste mit der zähesten Ausdauer
bis zum letzten Moment höchst vorteilhaft wirkten. Ungeachtet des verheerenden
Feuers des Gegners und seiner gegen Stadions decimierte, meist bereits ohne
Munition befindliche Truppen entwickelten Übermacht wäre die Stellung noch einige
Zeit haltbar gewesen, wenn das I. Corps vorgieng oder nur bis zum Anlangen der
Reserven stand hielt. Dies war jedoch nicht der Fall. Im Gegentheil räumte der
ganze linke Flügel die Höhen und war bald im vollen Rückzüge begriffen. Gleichzeitig
erneuerte der Feind im Centrum. sowohl gegen Contrada S. Martino als gegen
den Friedhof und das Castell, mit verstärkter Heftigkeit den Angriff und vermehrte
auch seine Geschütze. Die braven Truppen hielten sich zwar mit bewunderungs-
würdiger Standhaftigkeit, aber wenige Minuten, nachdem Stadion die Meldung von
dem Rückzüge des linken Flügels empfangen hatte, drangen in seiner linken Flanke
Abtheilungen der französischen Garde-Division Camou in Solferino ein.
Immer noch hoffend, dass nun die Reserve am entblößten linken Flügel
eingreifen werde, vertheidigte Stadion, welcher den Kampf vom Castell aus leitete,
die Höhen bei Solferino hartnäckig weiter. Um l/sl2 Uhr war aber der Feind
bereits bis auf den vom Castell gegen S. Pietro führenden Weg gegen Flanke
und Rücken Stadions vorgedrungen.
Stadion entschloss sich nunmehr nothgedrungen zum Rückzüge. Er ordnete
denselben direct über die Höhen zwischen S. Pietro an, und zwar unter dem
Schutze der im Castell, im Friedhof und auf dem Cypressen-Hügel mit höchster
Aufopferung fortkämpfenden Abtheilungen. Dabei leuchtete Stadion mit seinem
persönlichen Beispiel allen voran. Die Besatzung des Castells hielt muthvoll aus,
bis sie von allen Seiten umzingelt und beschossen wurde. Der Feind hatte ihre
einzige Rückzugslinie verlegt und begann selbst in das Castell einzudringen. Da
der Rückzug auf diese Weise durch den Feind auf das äußerste gefährdet war»
vermochten sich die zusammengeschmolzenen Besatzungen der Rocca, des Castells
und Friedhofs nur mehr zu retten, indem sie sich über die Mauern herabließen.
Stadion selbst hielt im Castell bis zum äußersten Augenblicke aus. Während
ein Theil seiner Suite bereits abgeschnitten wurde, sprengte er vom Castell
querfeldein zur Brigade Festeties, die sich bis dahin zähe behauptete, nun aber
ebenfalls in ihrer Rückzugslinie bedroht war. weshalb Stadion auch bei dieser
Brigade — in der Mitte — den Rückzug einleitete. Demselben schlössen sich
endlich die beiden Brigaden Koller und Gaal am rechten Flügel an. Dieselben
hatten während der Schlacht nach langem, heftigen Hingen Madonna d» Ha Sco-
perta und die nächstliegenden Höhen besetzt. Nun vereinigten sie sich während
des Rückzuges mit den anderen Brigaden des V. Corps.
ILM.
CLVm. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Stadion sammelte die Truppen nördlich S. Pietro am Monte Rola und
Monte Croce. Dort trat an ihn der wichtige Moment der Wahl der weiteren Rück-
zugsrichtung heran. Die Besetzung Solferinos durch den Feind, die Stellung der
Brigaden im Staffel rechts vorwärts, die erlittenen bedeutenden Verluste, haupt-
sächlich aber die rechts bis S. Martino vorgeschobene Stellung des VIII. Corps
bestimmte ihn, den Rückzug auf Pozzolengo anzuordnen. Um diese Bewegung in
Einklang mit dem Rückzüge dieses Corps zu bringen, entsandte er seinen Corps-
Adjutanten zum FML. von Benedek, um sich Einblick in die Gefechtslage des
VIII. Corps zu verschaffen und Benedek von dem eigenen Rückzüge zu ver-
ständigen.
Der Rückzug wurde sodann, nachdem der Feind im Castell Batterien errich-
tete und die Truppen Stadions lebhaft beschoss, in Brigade-Staffeln vom rechten
Flügel rückwärts, über die Höhe von Fontana, fechtend ausgeführt.
Im Rückmärsche ließ Stadion die Höhe von Contrada del Bosco zum Flanken-
schutze des VIII. Corps durch 1 '/t Brigaden besetzen und zog den Rest in die
Aufstellung auf Monte Rocolino und Monte Serino. Der Feind stellte angesichts
der festen Haltung des rückmarschierenden Corps die Verfolgung ein.
Bei dem Herannahen des VIÜ. Corps gegen M. S. Giacomo ließ sodann
Stadion auch Pozzolengo. und zwar durch die Brigade Koller, besetzen.
Um 4 Uhr erhielt FML. Graf Stadion vom Armee-Commando den Rückzugs-
befehl. Unter dem Schutze der Brigade Koller trat er demgemäß den Rückmarsch
zwischen 5 und 6 Uhr von Pozzolengo nach Monzambano an. Als aber das Gefecht
später bei Pozzolengo wieder lebhafter wurde, ließ Stadion die Brigade Koller
neuerdings eine Aufnahmsstellung zwischen Pozzolengo und Monzambano nehmen.
Darüber war es indes Nacht geworden und der Feind stellte das Gefecht
ein. Nun zog Stadion auch die Brigade Koller zurück, ließ jedoch, um Versprengte
aufzunehmen, für die Dauer der Nacht Monzambano durch ein Bataillon besetzen
und Cavallerie gegen Volta und Pozzolengo streifen. Mit dem Gros des Corps
rückte Stadion um 10 Uhr nachts in die Stellung bei Prentina ein. während er die
Brigade Koller gegen die gänzlich unbesetzt gebliebene Stellung von Valeggio
dirigierte.
Wie aus der vorstehenden Schilderung hervorgeht, hat das V. Corps, dank
der zielbcwussten Leitung, des energischen Eingreifens und des glänzenden Bei-
spieles seines tapferen Comrnandanten FML. Grafen Stadion in der Schlacht von
Solferino eine unerschütterliche Standhaftigkeit und bewunderungswürdige Tapfer-
keit an den Tag gelegt. Stadion- hat mit 5 Brigaden nahezu die ganze Last
eines mehr als sechsstündigen Kampfes gegen das französische I. Corps in der
Stärke von drei Armee-Divisionen und gegen die italienische Armee - Division
Durando getragen. Dabei drang sein rechter Flügel sogar erfolgreich vor. Erst
nachdem die Truppen des I. Armee-Corps, welche seinen linken Flügel verlän-
gerten, die eingreifende französische Garde - Division Camou nicht aufzuhalten
vermochten, und diese Stadion von Solferino aus im Kücken bedrohte, trat er
notgedrungen den Rüt kzug an. Seine Gefechtsführung hatte namhafte Theile des
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Alexander Prinz vun Hesseu und bei Rhein.
125
verbündeten feindlichen Heeres so geschwächt und erschöpft, dass der Gegner trotz
Übermacht von jedweder Verfolgung abstand, was dem geordneten Rückzüge und
der raschen Aufstellung des k. k. Heeres hinter dem Mincio wesentlich zu
statten kam.
Für dieses umsichtige und erfolgreiche Benehmen in der Schlacht hei
Soll'crino geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
meister des Maria Theresien-Ordens kraft der CLIX. Promolion am 21. Mai 1800
. den FML. Philipp Grafen Stadion mittels Verleihung des Kleinkreuzes zum
Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Am 1. Jänner 1864 trat FML. Graf Stadion nach vierzigjähriger Dienstleistung
in den Ruhestand, wobei ihm mittels Allerhöchster Entschließung gleichzeitig der
Charakter eines Generals der Cavallerie verliehen wurde.
Er starb am 19. März 18Ü8 zu Wien.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Alexander Prinz von Hessen und bei Rhein.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1859.)
Alexander Prinz von Hessen, zu Darmstadt am 15. Juli 1823 geboren,
begann seine militärische Laufbahn schon im zehnten Lebensjahre in den Reihen
der großherzoglich hessischen Armee seines Stammlandes, trat im Jahr 1840
als Garde-Rittmeister in die kaiserlich russische Armee, wurde in demselben
Jahre zum Obersten im Chevalier-Regiment Ihrer Majestät der Kaiserin und im
Jahre 1843 zum Generalmajor und Commandeur des Garde-Husaren-Regiments
ernannt. Im Jahre 1845 (April bis August) machte er als Cornmandant der
Cavallerie den Feldzug irn Kaukasus gegen Andien und während desselben am
18. Juli den Sturm auf Dargo, die Residenz Schamyls, mit. Für sein tapferes
Benehmen bei dieser Affaire erhielt der Prinz den kaiserlich russischen St. Georgs-
Orden IV. Classe. Nachdem er sodann die Garde-Kürassier-Brigade und später-
hin die Garde-Kürassier-Division befehligt hatte, nahm er im Jahre 1853 seinen
Abschied aus der russischen Armee, und trat als Generalmajor in kaiserlich
österreichische Kriegsdienste über.
Als Brigadier im V. Corps unter dem FML. Grafen Stadion und in der
Division des FML. Frh. von Paumgartten zog Prinz von Hessen in den Krieg
gegen Frankreich und Piemont in Italien 1851).
Gleich zu Beginn des Feldzuges machte er am 3. und 1. Mai die Demonstra-
tionen des V. Corps an der Sesia mit.
Weiter betheiligte er sich am 20. Mai unter Oberleitung des FML. Grafen
Stadion an der scharfen Recognoscierung gegen Voghera und kämpfte dabei in
dem Treffen von Montebellu. Seine auf (J Bataillone. 3 Escadronen und
Digitized by Google
126 CLVIII. und CLIX. Pronv.tion. — Im Kriege von 1859.
12 Geschütze verstärkte Brigade bildete dabei die rechte Flügel-Colonne. Prinz
von Hessen that sich gleich in diesem ersten Gefecht durch Tapferkeit und Um-
sicht hervor. Während der Vorrückung von Branduzzo gegen Genestrello wurde
die rechte Flügel-Division seines ersten Treffens von einem feindlichen Bataillon
plötzlich heftig angegriffen. Der Feind, durch weitere 1 l/a Bataillone successive ver-
stärkt, warf sodann den rechten Flügel des Prinzen von Hessen zurück. Derselbe
zog jedoch rasch Verstärkungen vor, ergriff energisch die Offensive und brachte
das Gefecht zunächst zum Stehen. Darauf ließ er den Feind aus zwei vortheilhafl
placierten Haubitzen mit Granatkartätschen überschütten, und nachdem derselbe
bis la Durona zurückgewichen war, mit Granaten so wirksam bewerfen, dass sich
der Prinz in den Besitz dieses Gehöftes setzen konnte und damit einen wichtigen
Stützpunkt der Stellung entlang des Eisenbahndammes nächst Moni ebello gewann.
Infolge dessen vermochte Prinz von Hessen einen Theil seines linken Flügels bis
zum Eisenbahndamm selbst vorzuschieben und die linke Flanke der feindlichen
Colonnen, welche Fogliarina und Montebello angriffen, so wirksam ins Feuer
nehmen zu lassen, dass dieselben von der Verfolgung der sich zurückziehenden
eigenen Mittel-Colonne ablassen mussten. So erhielt Prinz von Hessen das Gefecht
in der linken Flanke des Gegners, in der Linie la Durona bis la Borra entlang des
Eisenbahndammes stehend, bis der Feind neue Verstärkungen ins Gefecht brachte
und wieder mit Übermacht angriff. Darauf zog er zuerst seine Vordertruppen aus
der Gefechtslinie und bewirkte sodann, nachdem der Rückzugsbefehl vom FML.
Grafen Stadion eingetroffen war, gefechtsweise und in größter Ordnung den Rück-
zug seiner Colonne über Branduzzo nach Bressana.
Für die im Treffen von Montebello erworbenen Verdienste wurde dem FML.
Prinzen von Hessen späterhin — 2. Juni 1859 — der Ausdruck der Aller-
höchsten Zufriedenheit zutheil.
Schon zuvor, am 27. Mai, war der Prinz zum Feldmarschall-Lieutenant
und gleichzeitig zum Oberst-Inhaber des 4G. Infanterie-Regiments ernannt
worden.
Wenige Tage darauf, am 1. Juni zum Divisionär bei dem VI. Corps in Tirol
bestimmt, gieng er infolge dessen von Sannazzaro nach Innsbruck ab. Es war ihm
demnach wohl nicht vergönnt, an der Schlacht bei Magenta theilzunehmen, aber
gleich nach derselben wurde er beordert, an Stelle des verwundeten FML. Frh. von
Reischach das Commando der 1. Division dos VII. Corps zu übernehmen. So rückte
er wieder zur Armee in Italien ein und übernahm während des Rückzuges der-
selben in Orzionovi am 11. Juni 1859 den Befehl über jene Truppen-Division, an
deren Spitze ihm beschieden war, in derSchlnrht bei Solferino am 24. Juni
hervorragende WalTenthaten zu vollbringen.
Infolge der vom VII. Corps-Commando am 24-. Juni morgens erlassenen
Disposition, rückte die Truppen-Division des FML. Prinzen von Hessen, bestehend
aus den Brigaden Wussin und Gahlen/, um 10V, Uhr vormittags von Volta über
Foresto gegen Guidizzolo auf der Straße vor. Die Division hatte die Bestimmung,
über Campidello und Prede die Rückzugslinie des in Castiglione supponierten
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritt« de» U. T.-O. AkxaDd« Prä» von Hessen und b«j Rhein.
127
Feindes zu bedrohen, während der Ort gleichzeitig durch da? V. und I. Corps und
die Division FML. Branden>tein des VII. Corps angegriffen werden sollte.
Anstatt bei Castiglione war aber der Zusammenstoß mit dem Feinde schon
früh morgens am 24. bei Medole und Solferino erfolgt. Als nun die Division des
Prinzen von Hessen um 12' % Uhr mittags in der Höhe von S. Giacomo anlangte,
hatte sich der auf der ganzen Front entbrannte Kampf so hartnackig und gleich-
mäßig gestaltet dass bei der sehr beschränkten Terrain- Übersicht längere Zeit nicht
zu erkennen war, gegen welchen Punkt der eigenen Schlachtlinie sich der feindliche
Hauptangriff richtete, um darnach selbst i ntsprechend eingreifen zu können.
In der Absicht, seine Truppen je nach Bedarf auf dem einen oder dem
anderen Theile des Schlachtfeldes schnell zu verwenden, disponierte der Prinz die
weit zurückgebliebene Brigade Gablenz nebst der Corps-Geschütz-Reserve zur
Unterstützung nach Guidizzolo, rückte aber selbst mit der Tete-Brigade GM. Ritter
von VVussin nach Val del Termine, um sowohl gegen die Flanke von Guidizzolo
als zur Besetzung der Höhen von Cavriana bereit zu sein.
Die zunehmende Heftigkeit des von Solferino hörbaren Geschützfeuers,
während jenes von Guidizzolo schwächer wurde, dann die hohe Wichtigkeit der
Höhen von Cavriana, bestimmten den Prinzen von Hessen sodann zu dem
Entschlüsse, von der erhaltenen Disposition gänzlich abzugehen und mit der
Brigade Wussin sofort auf diese Höhen zu rücken.
Die Brigade Oberst Fleischhacker der Truppen-Division Brandenstein hatte
zwar die Höhen von Cavriana und den Ort San Cassiano besetzt, hätte aber
diese wichtige Position gegen den übermächtigen Gegner unmöglich behaupten
können, da die Truppen des I. Corps, rechts von der Division Brandenstein, bereits
im Weichen begriffen waren.
Prinz von Hessen selbst wählte mit sicherem Blicke die vorzügliche Position
auf dem Monte Fontana und führte persönlich und unter dem heftigsten feind-
lichen Granatfeuor die Brigade Wussin in diese Stellung ein. Sie wurde gegen
1 Vi Uhr nachmittags durch 1 Bataillon Liccaner-Grenzer, 1 Bataillone Kaiser-,
ferner durch 1 Bataillon Hessen-Infanterie des III. Armee-Corps, welches sich
zur Disposition gestellt hatte, besetzt. Nur mit vieler Mühe gelang es, die Brigade-
Batterie Nr. 1/VII auf die Höhe von Fontana zu bringen und hiedurch eine vortheil-
hafte Geschützwirkung nach allen Seiten zu erzielen.
Gleichzeitig zog der Prinz auch von der nach Guidizzolo dirigierten Brigade
Gablenz 3 Bataillone Grueber-Infanterie heran, welche nach ihrem Eintroffen um
3 Uhr nachmittags als Reserve auf dem Monte Mulino aufgestellt wurden;
5 Geschütze des 1. Artillerie-Regiments ließ der Prinz auf dem Monte Mulino zur
Verstärkung der Reserve postieren. Weiterhin, als sich die feindlichen Kräfte immer
mehr gegen den Monte Fontana concentrierten, berief der Prinz auch den Rest
der Brigade Gablenz gegen Cavriana, wohin dieselbe übrigens schon über Befehl
des Armee-Commandos sich inzwischen in Maisch gesetzt hatte. GM. Gablenz
besetzte sodann gegen 4 Uhr nachmittags die südlich von Cavriana gelegenen
Höhen, Ca nuova und Madonna della Pieve.
Digitized by Google
128 GLV11I. und CL1X. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Die französische Division Motterouge, welche bei S. Cassiano durch die
Brigade Fleischhacker erschüttert und in ihrem Ansturm aufgehalten worden war,
hatte sich mittlerweile wieder gesammelt und begann jetzt, durch andere Truppen
verstärkt, die Aufstellung des Prinzen auf dem Monte Fontana mit über-
wältigender Heftigkeit anzugreifen. Aber an der Tapferkeit des Liccaner-Bataillons,
das sich mit 2 Geschützen auf dem westlichen Vorsprunge dieser Höhe hinter
einer brustwehrartigen Feldumfassung festgesetzt hatte, brach sich der erste
Anprall der feindlichen Sturm-Colonnen.
Nachdem Prinz von Hessen den Liccanern noch zwei Bataillone Kaiser-
Infanterie als Verstärkung zugeführt hatte, schlugen diese braven Truppen, von
den beiden Geschützen unterstützt, nicht nur alle wiederholt unternommenen
Vorstöße der feindlichen Division ab, sondern gierigen mit vieler Bravour öfter
selbst zum Gegenangriff vor. Als der Prinz hierauf noch 4 Geschütze, welche auf
der Höhe von Fontana ohnehin nicht mehr gut verwendet werden konnten, zu
thatkräftiger Unterstützung des Gefechts rechts von diesen drei Bataillonen an der
Straße S. Cassiano-Cavriana auf dem Camp. Saradelli in Position bringen ließ, von
wo sie dem Feinde auch das Vordringen zwischen dem Monte Fontana und Monte
Scernadoce verwehrten, sah dieser die Unmöglichkeit ein, in den Besitz des west-
lichen Vorsprunges der Höhe Fontana zu gelangen, und gab, ungeachtet seiner
bedeutenden Überlegenheit, den ferneren Angriff auf diesen Punkt auf. Somit war
da dem Vordringen des Gegners erneuert Halt geboten.
Späterhin jedoch, als der Feind seine Batterien auf den nordöstlich von
S. Cassiano gelegenen Hölien etabliert und von da herab ein den Rücken des
Monte Fontana der Länge nach bestreichendes, mörderisches Geschützfeuer
eröffnet hatte, zog der Prinz jene drei Bataillone von den westlichen Höhenvor-
sprüngen in die Hauptstellung an den östlichen Theil des Rückens zurück, woselbst
nunmehr unter seiner Leitung ein hartnäckiger Kampf entbrannte.
Der Feind, welcher den eben geräumten Höhenvorsprung bald erstiegen
hatte, stürmte in ungestümem Anlaufe auf die k. k. Truppen los. FML. Prinz von
Hessen, das Regiment Kaiser-Infanterie persönlich führend, warf jedoch den
Gegner mit dem Bajonnett zurück und entriss ihm alle mit großen Verlusten
errungenen Vorlheile. Nun wiederholten sich die Anstrengungen der feindlichen
Sturm-Colonnen.
Aber alle Vorstöße des Gegners wurden, da der Prinz einige Abtheilungen
Grueber-Infanterie von der Reservestellung auf dem Monte Mulino zur Verstärkung
des Regiments Kaiser herangezogen hatte, mit opfermüthiger Tapferkeit abgewehrt
und die eingenommene Stellung mit unerschütterlicher Todesverachtung behauptet.
Bereits waren so drei mit concentrierler Kraft unternommene Stürme des
Feindes entschieden zurückgeschlagen worden, als gegen die vierte Nachmittags-
stunde die durch Verstärkungen zur Obermacht angewachsenen Sturm-Colonnen
der Franzosen ein viertesmal vorrückten. Schon begann das Regiment Kaiser
unter dem wuchtigen neuen Stoße zu wanken, als das Grenadier- und ein Theil
des zweiten Bataillons Grueber-Infanterie ans der Reservestellung am Monte Mulino
Digitized by Google
Ritter d*s M. T.O. Ak-xnmlcr lYiiw. von Hessen uud bt-t lllu in
120
aur dem Kampfplätze eintrafen, sich mit dem Bajonnett auf den Feind stürzten
und ihn ein viertesinal vollständig und mit schweren Verlusten zurückwarfen.
Inzwischen gestaltete sich die Gefechtslage zu beiden Seiten der Position
des Prinzen auf dem Monte Fontana immer ungünstiger. Die rechte Flanke
ward durch den Rückzug der Brigade Fleischhacker, welche die Höhen von
Scernadoce lange Zeit tapfer und mit zähester Hartnäckigkeit verlheidigt hatte,
aber schließlich von der ganzen Garde-Division Camou bedroht wurde, vollständig
entblößt. Aber auch die linke Flanke erschien durch den Feind, welcher der lang-
sam zurückgehenden Cavallerie-Division Mensdorff nachfolgte, sehr gefährdet.
Nichtsdestoweniger vertheidigte der Prinz die Position unter großen Opfern
mit wahrem Heldenmuthe noch einige Zeit hindurch. Gegen 5 Uhr erst, als keine
Aussicht mehr auf eine Unterstützung der erschöpften Truppen vorhanden, er auf
beiden Seiten umgangen, überdies seine Rückzugslinie durch die Garde-Division
< !amou von Scernadoce her äußerst gefährdet war, nahm der Prinz die Brigade
Wussin hinter die zu ihrer Aufnahme aufgestellten Truppen der Brigade Gablenz
auf die von Cavriana östlich liegenden Höhen zurück.
FML. Prinz Hessen hielt nunmehr mit seiner Division, und zwar mit der
Brigade Wussin die Höhe von Madonna della Pieve und das südlich anliegende
Terrain als linken, mit einem Theile der Brigade Gablenz — im ganzen 10 Com-
pagnien Grueber-lnfanterie — den Monte Beita und Monte Bosco scuro als rechten
Flügel besetzt: das vorgeschobene Cenlrum bildete der Ort Cavriana, welchen die
Brigade Fleischhacker von der Division Brandenstein festhielt. Die übrigen Truppen
hatte das Corps -Commando zur zeitgerechten Sicherung der rückwärts gelegenen
wichtigen Stellung von Volta disponiert.
Bei dem nun folgenden Angriffe der Divisionen Molterouge und der Garde
räumte im weiteren Verlaufe die Brigade Fleischhacker das Centrum und zog sich
gegen Volta: daraufhin gieng die Brigade Wussin auf den. größere Widerstands-
fähigkeit besitzenden und am Südfuße des Monte Bosco scuro in der Nähe des
linken Flügels gelegenen Maierhof Corte zurück. Von dort musste diese Brigade
auf Befehl des Corps-Conunandos 3 Bataillone nach Volta abgeben.
Während ein Theil der feindlichen Garde-Division Mellinet nach Besitznahme
von Cavriana die Höhe von Madonna della Pieve besetzte und gegen die im Rück-
märsche befindlichen österreichischen Truppen das Geschützfeuer eröffnete,
drängte eine feindliche Garde-Brigade auch die den Monte Beita verteidigenden
vier Compagnien Grueber-lnfanterie in die Hauptstellung auf den Monte Bosen
scuro zurück.
Um den Besitz der nunmehr durch den Prinzen von Hessen besetzten
Stellung, deren hartnäckige Verteidigung Seine Majestät der Kaiser anbefohlen
hatte, entspann sich fortan ein erneuerter Kampf, der mit höchster Aufopferung.
Standhaftigkeit und Erbitterung geführt wurde.
Der rechte Flügel der Stellung am Monte Bosco scuro war von einem
Bataillon und das Centrum von zwei Divisinnen Grueher-Infariteric besetzt; am
linken Flügel bei Corte standen 2 Bataillone Kaiser und 4 Geschütze der Brigade
MiliUri»cb«r M.na 'IWoMim-Urdvn. »
J*
Digitized by Google
130
CI.VIH. und «:L1X. Promotion. Im Kriege von 1859.
Wussin. Der ersteAnprall des Feindes gegen den rechten Flügel wurde abgewiesen
und zog sich letzterer sodann vor der Übermacht vom westlichen zum östlichen
Ende des Höhenrückens Monte Bosco scuro. jede Kuppe hartnackig verteidi-
gend, zurück. An dieser letzten Aufstellung brachen sich in der Folge alle
weiteren, heftigen Vorstöße der Franzosen.
Dem braven Bataillon am rechten Flügel wurde nun vom linken bei Corte
ein Bataillon Kaiser-Infanterie zur Unterstützung gesendet. Vereint wehrten sodann
diese Abtheilungen alle ferneren Angriffe ab, unternahmen sogar selbst mehrere
Gegenstöße und lähmten hiedurch die Offensivkraft des Gegners, der den geringen
nur infolge seiner Obermacht gewonnenen Raum mit unverhältnismäßig großen
Opfern erkauft hatte.
Der nun — o1/« Uhr — mit aller Heftigkeit losbrechende Gewittersturm
gebot, wie auf dem ganzen übrigen, so auch auf diesem Theil des Schlachtfeldes
dem Kampfe für einige Zeit Einhalt.
Kaum hatten sich aber die Gewitterwolken in strömenden Regen entladen,
begann der Feind neuerdings gegen den Monte Bosco scuro vorzustoßen. Die
todesmuthigen Truppen des Prinzen aber, zu welchen mittlerweile das gegen
Volta dirigierte 3. Bataillon Kaiser-Jäger wieder in die erste Linie herangezogen
worden war, vereitelten alle ferneren Anstrengungen des Feindes. Dieser, die
Aussichtslosigkeit seines Angriffes erkennend, begann im Kampfe sichtlich nach-
zulassen und übergieng zu einem immer matter werdenden Tirailleur-Gefechte.
welches bis 9 Uhr abends fortgeführt wurde; dann verstummten die letzten
Schüsse und der Kampf war zu Ende.
Die Tapferkeit der wenigen Truppen unter der Führung des FML. Prinzen
von Hessen bei Behauptung der Positionen von Monte Bosco scuro und bei
Corte hatte den Feind gezwungen, jeden weiteren Offensiv versuch aufzugeben,
so dass es zu keinem Kampfe mehr bei Volta kam, wo der Corps-Commandanl
FML. Frh. von Zobel 15 Bataillone, 2 Batterien und 4 Escadronen, zu welchen noch
5 Batterien der Corps-Geschütz-Reserve stoßen sollten, in vortheilhafter Position
concentriert hatte.
FML. Prinz von Hessen, welcher bis zum letzten Moment an der Spitze
seiner Truppen blieb, verließ erst auf Befehl des Corps-Commandos um 97s Uhr
nachts, ohne mehr vom Feinde beunruhigt zu werden, die unter Mitwirkung seiner
beiden Brigadiere so glänzend vertheidigte Position Monte Bosco scuro-Corte.
Gegen 10 Uhr nachts traf der Rest der Division in Volta ein.
Gemäß den von Seiner Majestät dem Kaiser nach 5 Uhr nachmittags von
Volta aus erlassenen Rückzugs-Dispositionen, wurde, nachdem der gesammte
Train um 1 1 Uhr nachts den Mincio überschritten hatte, nun auch das VII. Corps
hinter den Fluss zurückgenommen. Von der Division des Prinzen von Hessen,
welche den Ufer Wechsel auf der Brücke bei Ferri zu vollziehen hatte, gelangte die
Brigade Wussin gegen Mitternacht zum Übergangspunkte, während die Brigade
Gablenz noch bis 3 Uhr morgens des 25. Juni Volta besetzt hielt und erst um
7 Uhr früh das Gewässer passiert. .
Digitized by Google
Ritter dei= M. T.-O. Alexander Prinz, vou lle«?en und t>ei Rhein.
131
So halle FML. Prinz von Hessen in der Schlacht von Solferino durch die
von der Disposition abweichende und aus eigener Initiative hervorgegangene,
umsichtige Besetzung und hartnäckige Vertheidigung der Position des Monte
Fontana dem ungestümen Drängen des Feindes Halt geboten und ihn zur Con-
centrierung bedeutender Kräfte gegen diesen wichtigen Punkt gezwungen. Durch
volle vier Stunden wurde der Monte Fontana und Cavrhina gegen ein mörde-
risches Artilleriefeuer und die ungestümen Angriffe behauptet, wobei der Prinz
durch das Beispiel glänzender persönlicher Tapferkeit und durch unermüdlirhe
Aufmunterung, von seinen Brigadieren und Truppen-Commandanten unterstützt,
den Muth der Truppen aufrecht zu erhalten wusste. Nicht minder glänzend war
die ihm anbefohlene zähe Vertheidigung der östlichen Höhen von Cavriana, nämlich
der Position Monte Bosco scuro-Corte, mit einer Hand voll Truppen gegen
erdrückende Übermacht bis 0 Uhr abends. Dank diesem eisernen Widerstande
wurde der Rückzug auf Valeggio und Ferri gedeckt und die Rettung beträchtlichen
Kriegsmaterials an Geschützen, Colonnen-Magazinen sowie zahlreicher Fuhrwerke
mit Blessierten ermöglicht.
Auf diese in der Schlacht bei Solferino vollbrachte Waffenthat hin geruhte
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister über
Antrag des Capitels kraft.dcr CLVIII. Promotion am 17. October 1859 den FML.
Alexander Prinzen von Hessen und bei Rhein mittels Verleihung des
Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-Ordeus zu promovieren.
Am 8. üctober 1850 wurde FML. Prinz von Hessen zum Kommandanten des
VII, Armee-Corps, am 30. April 1862 zum Ober st- Inhaber des 6. Kürassier-
Regiments ernannt; am 1. Jänner 1863 trat er mit dem Domicil Darmstadt in
Disponibilität.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte der Prinz
von Hessen den Feldzug gegen Preußen in West-Deutschland mit. Von Seiner
Majestät dem Kaiser zum Commandanten des VIII. Bundes-Armee-Corps
designiert, dabei jedoch auf Wunsch einzelner verbündeten deutschen Herrscher
seines österreichischen Fahneneides entbunden, übernahm er das Commando am
18. Juni. Dieses Corps bestand aus t Divisionen, wobei unter Commando des
k. k. FML. Grafen Neipperg in der österreichisch-nassauischen Division die k. k.
Brigade Hahn eingetheilt war. Prinz von Hessen strebte vor allem, dieses aus
verschiedenartig organisierten, administrierten und bewaffneten Contingenten
bestehende, erst in den Anfängen der Formation befindliche Corps bei Frankfurt
zu sammeln und zu consolidieren. Unüberwindliche Schwierigkeiten politisch-
militärischer Natur lähmten aber seine Bemühungen und gestalteten die Lage des
Prinzen um so misslicher, als anderseits der Oberbefehlshaber der westdeutschen
Bundes-Armee, Prinz Carl von Bayern, das VIII. Corps so rasch als möglich au
sich heranzuziehen bestrebt war.
Prinz von Hessen trachtete, während das VII. Bundes-Armee-Corps nach den
Gefechten bei Dermbach am 4. Juli an die fränkische Saale zurückgieng und nach
dem Gefechte bei Kissingen am 10. Juli noch weiter zurückwich, längs des Main
9»
Digitized by Google
SOLPFRISSO C'i.JüX'l 1859.
Digitized by Google
132
(XVIII. und <X1X. rrom.-lioti. Im Kriege von 185".».
die Vereinigung mit demselben zu bewirken. Prinz von Messen gieng nach dorn
Gelechte bei Aschaffenburg am 14. Juli, in welchem die k. k. Brigade Hahn nahezu
die ganze Last des Kampfes trug, nach üarmstadt zurück und erstrebte von dort
über Miltenberg und Tauber-Bischofsheim bei Würzburg erneuert den Ansehluss
an das VI 1. Corps. Die Preußen nahmen aber in den Gefechten an der Tauber am
24. Juli mit dem Prinzen von Hessen wieder scharfe Fühlung und zwangen endlich
nach einer Reihe von Einzelgefechten bei Würzburg am 25. und 26. Juli beide
Corps zur Räumung dieser Stadt. Bald darauf kam es zum Waffenstillstand.
Nach dem Kriege trat Prinz Alexander von Hessen wieder in sein früheres
Verhältnis als k. k. Feldmarschall-Lieutenant in die österreichische Armee zurück,
wurde jedoch am 1. Mai 1868 in den supernumerären Stand versetzt.
Am 11. November 1868 erfolgte seine Ernennung zum General der Cava 1-
lerie (ui honorcs.
Am 5. März 1874 geruhte Seine Majestät der Kaiser dem Prinzen das
Großkreuz des Stephan-Ordens zu verleihen.
Im September 1883 wurde der Prinz mit Allerhöchster Einwilligung Seiner
Majestät des Kaisers Inhaber des ihm von Seiner Majestät dem König von Preußen
verliehenen schleswig-holsteinschen Dragoner-Regiments Nr. 13.
Prinz Alexander von Hessen starb am 15. Pecember 1888 zu Üarmstadl.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Anton Freitaorr Dobrzen§ky von Dobrzenitz.
(Mit Bildnis aus dein Jahre 1859.)
Freiherr DobrzenskJ, einem der ältesten Adelsgeschlechter des Königreiches
Böhmen entstammend und in Prag 1807 geboren, betrat am 24. Februar 1824
die Militärlaufbahn als Cadet bei dem 36. Infanterie-Regiment und absolvierte
als solcher sodann den Artillerie-Curs. Am 15. Februar 1825 erfolgte, unter
gleichzeitiger Translerierung zum 1. Uhlanen-Regimenl, seine Beförderung zum
U n t e r I i e u t e n a n t, ;i m 5. October 1 829 zum Ü b e r 1 i e u t e n a n t, am 1 . Jänner 1 835
zum Second- und am 19. März 1838 zum Premier-Rittmeister. Am 7. Fe-
bruar 1815 rückte er zum zweiten, am 20. October 1845 zum ersten Major, am
4. Mai 1849 zum Oberstlieutenant vor.
Als Oberstlieutenant machte er mit seinein Uhlanen-Reginient Nr. 1 den
Feldzug 1849 in Ungarn mit. Er war bei der Belagerung der Festung Komorn
bis zu deren Übergabe, führte selbständig zwei Streif-Commanden durch,
wobei er am 2. Mai 1849 eine Insurgenten- Abtheilung, welche die Waag zu über-
schreiten versuchte, zurückschlug.
In Anerkennung der belobten Tapferkeit wahrend dieses Feldzuges wurde
Freiherr Dobrzensk? am 25. October 1849 mit dem Ritterkreuze des Leopold-
Ordens .-nisgezeichuet.
Digitized by Google
Digitized by Google
SOJ-FKRINO ?4.JIjNI 1859.
f
Digitized by Google
Ritter des M. T. 0. Anton Freihorr DobrJensky von Dobrtenitz.
Am 10. März 1851 wurde er zweiter Oberst bei dem 8. Uhlanen-Regiment
und am 27. Jänner 1852 Oberst und Regiments-Commandant. Am 2. Oktober 1858
erfolgte, bei gleichzeitiger Transferierung zum großen Generalstab, seiue Beförderung
zum Generalmajor.
Als Generalmajor und Brigadier im XI. Armee-Corps — Truppen-Division
FML. Frh. von Blomberg — machte er den Krieg gegen Frankreich und
Piemont in Italien 1859 mit. In der Schlacht bei Solferino war es ihm
brschieden, in besonders hervorragender Weise in den Verlauf des Kampfes auf
nnem der umstrittensten Punkte einzugreifen.
Am 21. Juni 1859 rückte GM. Frh. von Dobrzensky mit seiner Brigade über
höhere Disposition aus dem Lager bei Gastel Grimaldo um 8»/» Uhr morgens
gegen Guidizzolo, um diesen Ort anzugreifen, oder falls derselbe vom Feinde
noch nicht besetzt wäre, selbst zu besetzen. DobrZenskv fand im Orte Theile des
IX. Corps und wurde von dem GdC. Grafen Schaaffgotsche, dem Gommandanten
des bereits seit Tagesanbruch im Kampfe stehenden IX. Corps, angewiesen, mit
seiner Brigade den linken Flügel dieses Corps, welcher sich gegenüber dem von
Medole immer stärker vordringenden Feinde in der Linie Robecco-Baite nur
mehr mit Mühe behauptete, zu unterstützen und zu verstärken.
Darauf dirigierte Dobrzensky seine Brigade nach dem südwestlichen Ausgang
von Guidizzolo und ließ dieselbe derart in Gefechtsordnung aufmarschieren, dassdas
21. Jäger-Bataillon und das 3. Bataillon Hannover das erste, das 1. und 2. Bataillon
Hannover das zweite Treffen bildete. Das Terrain erwies sich nach kurzer
Keeognoscierung, welche Dobrzensky im Vereine mit dem Divisionär FML. Frh.
von Blomberg vornahm, von einer Beschaffenheit, die das Vorrücken der Batterie
unmöglich machte. Klafterbreite, tiefe Gräben durchschnitten den mit dichter
Cultur bedeckten Boden nach allen Richtungen. Dobrzensky konnte daher nur
zwei Haubitzen an dem südwestlichen Bande von Guidizzolo placieren. Diese
wies er an, seine Vorrückung durch Granatwürfe zu unterstützen. Zwei Geschütze
ließ er am südlichen Ausgang zurück; die übrigen wurden auf die Straße nach
Castiglione disponiert.
Unter dem vorbereitenden Feuer der beiden Haubitzen begann die Vor-
rückung. FML. Frh. von Blomberg begab sich auf den linken Flügel, Dobrzensky
aber leitete den rechten der Brigade, um die Verbindung mit der Gefechtslinie de-
IX. Corps aufzusuchen und herzustellen. Zu diesem Behufe drang Dobrzensky
trotz aller Terrainhindernisse durch die Cultur mit der Plänklerlinie des rechten
Flügels vor, auf diese Weise die Truppe durch persönliches Beispiel befeuernd.
Seine Absicht war bald, nämlich in halber Entfernung zwischen Guidizzolo-
Robecco erreicht. Er gelangte in die Röhe der Tirailleurkette des IX. Corps
in dem Augenblicke, als der Feind, starkes Geschützfeuer entwickelnd, den Reihen
von Dobrzenskys Plänklern durch einfallende Granaten nicht unerheblichen
Schaden zufügte.
Während Dobrzensky den FML. Frh. von Handel, welcher sich als Divisionär am
linken Flügel des IX. Corps befand, von der hergestellten Verbindung persönlich in
134 CLVIII. und <:LIX. Promotion. — Im Kriepe von 1859.
Kenntnis setzte, entspann sich rasch ein lebhaftes Tirailleur-Feuer auf der ganzen
Linie seiner Brigade, und Hohlgeschosse sowohl als Vollkugeln schlugen in seine
Unterstützungen im zweiten Treffen ein. '
Dobrzensky verstärkte die Plänklerkette und zwang durch verdoppeltes Feuer
den vordringenden Feind zum Stillstand, worauf ein stehendes Feuergefecht fort-
geführt, wurde.
Gleich in der ersten Viertelstunde ereilte den tapferen Regiments-Comman-
danten von Hannover, Obersten Ritter von Pidoll. das Soldatenlos. indem er durch
eine Kanonenkugel niedergestreckt wurde. Wenige Augenblickedarauf zerschmetterte
ein Geschoss dem Major Wallnöfer desselben Regiments den Fuß. Auch Oberst
Streel, Commandant des 21. Jäger-Bataillons, sank infolge einerstarken Contusion
des Kopfes betäubt vom Pferde.
Auf diese Weise in der kürzesten Zeit dreier bewährter Stabsofficiere verlustig,
wurde die Lage Dobrzenskys immer schwieriger. Da geschah es, dass auch FML.
Frh. von Blomberg, durch eine Musketenkugel getroffen, den Kampfplatz verlassen
musste, infolge dessen Dobrzensky von diesem Augenblicke an selbständig den
Kampf zu leiten berufen war.
Diese Verluste der Brigade an Truppenführern wie nicht minder die schweren
Verluste der Abtheilungen selbst, zudem das stets heftigere und verheerender wir-
kende feindliche Feuer erschütterten die junge, noch kampfungewohnte Mannschaft
in bedenküchem Grade.
Der Augenblick war ein hochkritischer.
Bei dem immer mehr zunehmenden feitidlichen Feuer ließ sich nicht ver-
kennen, dass der Gegner namhafte Verstärkungen ins Gefecht bringe. Dobrzensky
schloss hieraus, dass der Gegner alle Kräfte einsetze, in der Absicht, gegen die
Rückzugslinie des linken Flügels der Armee auf der Straße nach Goito vorzu-
dringen. Die Behauptung des linken Flügels um jeden Preis erfasste demnach
Dobrzensky als seine Hauptaufgabe. Die erschütterte Truppe wieder zu beleben,
sie durch den Kampf erneuert zu entflammen, galt als Lebensfrage.
So traf Dobrzensky die Einleitung zum Bajonnett-Angriff, indem er die in
Colonnen formierten Divisionen des zweiten Treffens vorrücken ließ.
Zuerst musste aber Dobrzensky durch eigenes Beispiel wirken. Er sprengte
wieder in die vordersten Reihen der IMänkler; sprach Muth zu, tadelte auch wo
nöthig, und immer vorwärts dringend, gelang es ihm mit Hilfe der Officiere die
erschütterten Reihen an sich zu fesseln. Das Beispiel der ihm zunächst Folgenden,
dann der Umstand, dass er zu Pferd auch von den weiter entfernt Kämpfenden
stets gesehen werden konnte, riss auch die übrigen mit.
Nachdem auf diese Weise bedeutend Terrain gewonnen war, Kommandierte
Dobrzensky den Angriff mit dem Bajunnett und leitet.- denselben in eigener Person
au der Spitze der Brigade. Die Truppe stürmte hinter ihm mit todesverachtender
Iiravour bis gegen Robeceo vor.
Beträchtliche feindliche Kräfte, die sieh daselbst entwickelten, und deren
mörderisches Feuer gegen Dohr/.cnskys Front und Flanke nöthigten ihn jedoch
Digitized by Google
nitter des M. T.-O. Anton Freiherr Pobr/ensky von Dobrieuitz. 135
zum Bückzug. Er nahm dabei wohl von einem Terrain-Abschnitte zum anderen
Stellung, vermochte jedoch dem starken Drängen des Feindes nicht früher
dauernd Einhalt zu thun, bis er mit der Brigade in der Höhe von Guidizzolo
anlangte.
Dort rückte das bis dahin behufs Bedeckung des Haupt quartiers der I. Armee
detai lliert gewesene Grenadier-Bataillon von Hannover zur Brigade ein. Dobrzensky
ließ dasselbe sofort in Divisions-Colonnen formieren und rückte dann mit seiner
Brigade nebst einer Division Titler Grenzer der Brigade Host neuerdings vor.
Diesmal drängte er den Feind bis Bobecco zurück und stürmte selbst die ersten
Häuser dieses Ortes, wurde aber wieder, von Übermacht sowohl in Front als
Flanke beschossen, zum Bückzuge gezwungen.
Je überlegener und heftiger sich aber die Angriffe des Feindes in der Bichtung
gegen Guidizzolo gestalteten, um so fester hielt Dobrzensky an dem gefassten
Entschlüsse fest, diesen Ort, welchen er als den wichtigsten Stützpunkt des linken
Flügels der Armeestellung erkannt hatte, durch offensive Gegenstöße seiner Brigade
festzuhalten.
Nach kurzer Bast und Verstärkung seiner Brigade durch zwei Bataillone
anderer Brigaden unternahm Dobrfccnsky aus eigenen Stücken einen dritten Angriff.
Das 3. Bataillon Hannover am rechten Flügel, die zur Unterstützung herangezogenen
2 Bataillone von Kronprinz- und Erzherzog Joseph-Infanterie im Centrum, das
Titler Grenz-Bataillon am linken Flügel, das 2. Bataillon Hannover im zweiten
Treffen als Unterstützung und das 1. und Grenadier- Bataillon Hannover hinter dem
linken Flügel echelloniert: so rückte Dobrzensky — mit Ausnahme des Flügel-
staffels — auf der ganzen Front zum drittenmal vor. Obzwar er wieder von sehr
heftigem Feuer empfangen wurde, gewann die Brigade dennoch Terrain und das
Feuer des Feindes ließ derart nach, da*s Dobrzensky diesmal noch weiter vordrang,
als bei den ersten zwei Angriffen.
Der Bückzug des Gegners erfolgte ziemlich rasch, doch ergab sich bald, dass
derselbe nur seiner Ablösung entgegeneilte. Kurze Zeit darauf bemerkte nämlich
Dobrzensky, dass sich frische und bedeutend stärkere feindliche Colonnen ins
Gefecht entwickelten. Es begann auch alsbald wieder ein sehr heftiges Feuer,
welches Dobrzenskvs Truppen ebenso lebhaft erwiderten.
Schließlich musste aber seine Brigade aus der gewonnenen Stellung vor dem
neuen übermächtigen Angriffe des Feindes wieder zurückweichen. Die Truppe
war durch die Verluste erheblich geschwächt; die Terrainhindernisse erschöpften
die Mannschaft vollends. Infolge dessen sah sich Dobrzensky neuerlich genöthigt,
von Stellung zu Stellung zurückzugehen, bis er wieder in die Höhe seiner beiden
Geschütze bei Guidizzolo gelangte.
Die Erschöpfung der Truppe hatte durch diese heftigen Kämpfe einen so
hohen Grad erreicht, dass ein vierter Angriff nicht mehr ausführbar erschien. So
fasste denn Dobrzensky denEtitschluss. Guidizzolo nunmehr stehenden Fußes auls
äußerste zu vertheidigen. Durch seine vorangegangenen drei Angriffe war aber
auch die Kraft des Gegners auf diesem Funkte des Schlachtfeldes gebrochen;
Digitized by Google
13«
CLVIlt und CAAK. Promolion. — Im Kriege von isr,fl.
derselbe unternahm keine weiteren Versuche mehr. Dobriensky in seiner Stellung
bei Guidizzolo anzugreifen.
Es mochte ungefähr 5x/a Uhr nachmittags sein, als das feindliche Feuer
gänzlich verstummte. Dobrzensky hatte mit seiner tapferen Brigade durch volle
sechs Stunden im heftigsten Feuer gekämpft. Jetzt erst vom Pferde absitzend,
bemerkte er, dass dasselbe durch einen Streifsehuss am rechten Vorderfuß ver-
windet war.
Während Dobrzenskys Brigade am südwestlichen Rande von Guidizzolo
bei dem inzwischen ausgebrochenen orkanartigen Gewitter gefechtsbereit stand,
begab er sich für seine Person in den Ort. Von den dort angetroffenen Abthei-
lungen des 10. Jäger-Bataillons besetzte er mit beiläufig einer (Kompagnie den
westlichen Eingang. Hierauf begab er sich nach dem nördlichen und sodann nach
dem ostlichen Eingang von Guidizzolo. um auch nach jenen Bichlungen die
Besetzung einzuleiten. Bei dem Ostausgange des Ortes traf er jedoch seinen Gorps-
Commandanten, FML. von Veigl, womit das selbständige Handeln Dobrzenskys
abschloss, indem «1er erstere die weiteren Dispositionen in Guidizzolo persönlich traf.
FML. von Veigl zog die Brigade des GM. Frh. von Dobrfcensky in eine Aul-
nahmsstellung hinter Guidizzolo zurück, führte die successive, geordnete Räumung
des Ortes durch und verließ denselben mit Dobrzensky spät abends in der
Dunkelheit, nachdem alle Verwundeten geborgen waren.
Von feindlicher Seite wurde, wie gesagt, kein weiterer Angriff auf Guidizzolo
unternommen. Die selbständige, tapfere und zähe Vertheidigung des westlichen
Vorfeldes von Guidizzolo durch Dobrzensky bis zum äußersten hatte wesentlich
dazu beigetragen, diesen heißumstrittenen, wichtigen Stützpunkt des linken
Flügels zu erhalten und dadurch den geordneten, vom Feinde unbelästiglen Rück-
zug der I. Armee zu erleichtern.
Auf Grund der in der Schlacht bei Solle rino am 24. Juni 1859 auf diese
Weise vollbrachten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I.
als Erhabener Großmeister über Antrag des Capitels kraft dei GLVIII. Promotion
am 17. October 185'.> den Generalmajor Anton Freiherrn Dobrzensky von
Dobrzenitz mittels Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren.
In der nun folgenden Friedensperiode diente GM. Frh. von Dobrzensky noch
über vier Jahre als Brigadier in den Reihen des k. k. Heeres und trat sodann nach
mehr als einund vierzigjähriger ausgezeichneter Dienstleistung am 1. August 18(»"> in
den Ruhestand. Infolge Allerhöchster Entschließung wurde ihm zuvor im Juli des-
selben Jahres die Feldmarschall-Lieutenants-Charge ad Imnore* verliehen.
Sein Ableben erfolgte am 30. August 1So9 zu Pra«.
^ Hk Digitized by Google
■
Ritler des M. T.-O. Eduard Freiherr von Litz«lh»frn. 1 37
Ritter des Maria Theresien-Ürdens
Eduard Freiherr von Litzelhofen.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1K59.)
Eduard Ritter von Litzelhofen wurde in St. Martin bei Paternion nAelwt
Villach in Kärnten am 15. Jänner 1820 geboren. Seine militärische Erziehung
• •Hängte er in der Wiener-Neustädter Militär-Akademie, aus welcher er am
X. September 1838 als Fähnrich ausgemustert wurde. Er kam zum 17. Infan-
terie-Regiment, in welchem er am 1. November desselben Jahres zum Unler-
lieutenant 11. Classe, am 1. September 1842 zum Unterlieutenant I. Classe und
am 11. April 1848 zum Oberlieutenant avancierte. Im Jahre 1844 erfolgte
seine Zutheilung und am 15. April 1848 seine definitive Übersetzung zum General-
Qiiartienneister-Stab. in welcher Dienstesverwendung er durch nahezu 24 Jahre
bis zur Beförderung zum Generalmajor und Brigadier im Jahre 1868 verblieb.
Den Krieg gegen Piemont 1848/10 machte er in Südtirol und Italien mil
und zwar im Jahre 1848 die Gefechte bei Dolee am 1. Juli, bei Rivoli am 22. Juli,
ferner die Belagerung von Peschiera im Juli und August, sodann im Jahre 1849
die Schlacht bei Novara am 23. Mörz, den Angriff auf Bologna vom 9. bis
15. Mai. die Einschließung von Ancona vom 25. Mai bis 17. Juni, dann während
der Expedition gegen Garibaldi die Gefechte bei S. Angelo in Vado am 29. Juli
und am Monte Cerignone am 31. Juli. Inzwischen war seine Beförderung zum
Hauptmann am 16. Juli 1849 erfolgt.
Für seine Leistungen in diesen beiden Feldzügen wurde ihm am 24. April
1850 das Militär-Verdienstkreuz verliehen.
Im Jahre 1850 fungierte er als Mitglied der Armierungs-Commission in
Italien. Am 29. Februar 1856 erfolgte seine Beförderung zum Major und am
6. Mai 1859 zum Oberstlieutenant.
Als solcher machte er denKrieg gegen Frankreich und Piemont inItalien
im Jahre 1859 als Generalstabschef des VIII. Corps an der Seite des FML. Ritter
von Benedek mit. In der Schlacht bei Solferino am 24. Juni 1*59 wurde ihm
Gelegenheit zutheil, an den Feind zukommen, und aufs wirksamste in den Kampf
einzugreifen.
Auf die um 6 Uhr früh eingelaugte Meldung, dass eine aus zwei bis drei
Bataillonen bestehende feindliehe Colonne auf der Strada Lugana von der Eisen-
hahn über S. Martino vorrücke, eilte Litzelhofen sogleich auf die Höhe von
S. Giacomo und ließ sie schleunigst durch einige Bataillone der hinter derselben
lagernden Brigaden besetzen, weil die Avantgarde des Feindes mittlerweile schon
selir nahe gekommen war. Darüber erstattete er dann dem Corps-Commandanteu
FML. von Benedek Meldung und veranlasste über dessen Befehl die Beziehung der
Alarm-Aufstellung durch alle Truppen des Corps.
Der Angriff gegen die starke und starkbesetzte Position von S. Giacomo und
Monte d'Ingrana wurde schnell abgeschlagen, dann die Brigade Lipperl links, die
Digitized by Google
138 CLVIII. und OJ.IX. Promotion. Im Kriege von 18.10.
Brigade Kuhn (unter Commando des FML. Berger) auf der Slraße nach Rivoltella
zur Verfolgung des Feindes nachgesendet, die anderen Brigaden aber bis zur
näheren Erkennung der Stärke und der Absichten des Feindes noch in der Alarm-
Aufstellung belassen.
Die zwei vordersten Bataillone der Brigade Lippert erreichten ohne erheb-
lichen Widerstand das Höhen plateau von Casa Ortaglia und S. Martino, von wo
sie jedoch der Feind mit überlegenen Streitkräften bis auf den diesseitigen
Abhang zurückwarf, ehe sie von den anderen Bataillonen der Brigade unterstützt
werden konnten.
Die zwei vorderen Bataillone der Brigade Kuhn waren im Begriffe, sich rechts
und links der Straße bei Corbu di sopra zur Aufnahme der sich zurückziehenden
Abtheilungen aufzustellen, al* Litzelhofen. die Wichtigkeit der beherrschenden
Höhe vonS. Mart ino-Ortagl ia erkennend, denselben — in Abwesenheit des mit
der Ordnung der geworfenen Abiheilungen der Brigade Lippert beschäftigten
Corps- Commandanten — selbständig den Befehl ertheilte, unverzüglich auf dieses
Plateau vorzurücken.
Litzelhofen selbst gieng mit einigen Gompagnien des zweiten Szluiner Grenz-
Bataillons. FML. Berger mit den anderen Bataillonen der Brigade Kuhn vor; die
Brigade Lippert wurde vom C.orps-Connnandanten in Person und von ihrem Bri-
gadier vorgeführt, und so setzten sieh diese Colonnen, jene unter Führung Litzel-
hofens als erste derselben, wieder in den Besitz der wichtigen Höhe.
Da es nun klar war, dass man es mit einer aus mehreren Brigaden bestehen-
den, aber noch nicht entwickelten feindlichen Colonne zu thun hatte, die von
Hivoltella gegen Pozzolengo dirigiert war. so musste nunmehr von der, infolge der
allgemeinen Disposition für den 24. angeordneten Vorrückung des VIII. Corps über
S. Donino gegen Desenzano und über Caslel Venzago gegen Lonato abgesehen und
die Hauptkraft des VIII. Corps gegen die Höhe von S. Martino dirigiert werden.
Hiezu wurde die Corps-Ceschütz-Beserve und die Batterie der Brigade
Philippovic und bald darauf auch zwei Bataillone der Brigade Reichlin und die
Brigade Dauber beordert.
Als Litzelhofen zwei Batterien der Corps-Geschütz-Reserve und die Batterie
der Brigade Philippovic auf der Höhe von Ortaglia placiert hatte, gieng der Feind
gegen diese Höhe und gegen Corbu di sotto mit frischen Streitkräften vor und
gefährdete die Aufstellung und den Rückzug der Geschütze.
Das 5. Kaiser-Jäger- Bataillon, rechts derselben aufgestellt, konnte sich kaum
mehr behaupten; es gelang Litzelhofen jedoch, zwei weichende Gompagnien wieder
halten und erneuert vorrücken zu machen.
Dann eilte er zum 3. Bataillon Hohenlohe-Infanterie, um mit demselben
gegen Casa Corbu di sotto vorzugehen; nach dem Eintreffen des Grenadier-Batail-
lons von Hohenlohe, und nachdem die Mannschaft durch das Beispiel des Bri-
gadiers und des Corps-Commandanlen selbst angespornt worden war. wurde der
Feind auch von da wieder vertrieben. Litzelhofcns Eingreifen hatte zur Einleitung
dieses glücklichen Gegenstoßes wesentlich beigetragen.
Digitized by Google
Digitized by Google
<
zu
Ai
lic
<ii
AI
im
AI
HC
dti
Co
PI;
Ba
Hri
jra<
hol
dei
Ri\
allp
S.I
die
Pili
Bri»
der
VW
j:efV
mel
halt
Ions
<radi
dies
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter de« M. T.O. Eduard Freiherr von Litzelhofen .
130
Litzelhofen erhielt hierbei einen Prellschuß am rechten Unterbein, kämpfte
aber unbeachtet dessen den ganzen Tag über zu Pferde weiter mit.
Der Feind versuchte noch einige Angriffe, wurde jedoch auf allen Punkten
kräftig und entschieden zurückgeworfen, und das VIII. Corps setzte sich auf dem
Hnhenplateau S. Martino-Ortaglia und bei Corbu und Presca mit V/t Brigaden
und 8 Batterien — darunter einer Baketenbatterie — fest; die Brigade Watervliet
deckte auf der Höhe S. Giacomo den rechten, 2 Bataillone der Brigade Beichlin
den linken Flügel: erstere bildete zugleich die Haupt- Reserve.
Die besorgniserregende Wendung, welche die Schlacht auf dem Punkte vor
Solferino zu nehmen schien, veranlasste Litzelhofen, auf die sonst gebotene Ver-
folgung des geschlagenen Feindes nicht einzurathen, eine Zurückhaltung und kluge
Mäßigung, in welcher er sich mit FML. von Benedek begegnete, weshalb auch
einr längere Pause im Gefechte eintrat.
Im Kaufe des Nachmittags erhielt der Feind fortwährend Verstärkungen und
schritt dann zu neuen Angriffen gegen die Stellung des VIII. Corps vor. die unter
Aneiferung der Abtheilungen durch FML. von Benedek und Oberstlieutenant
Litzelhofen seitens der k. k. Truppen siegreich zurückgeschlagen wurden.
Die starke Besetzung der Hohe, das Zusammenhalten der Kräfte und ins-
besondere die kräftige Wirkung der bei S. Martino vereinigten zahlreichen Batterien,
trugen zum günstigen Erfolge des Widerstandes gegen den weit überlegenen Feind
entscheidend bei.
Bei einem der heftigsten dieser gegen Casa Contracania gerichteten Angriffe,
als Litzelhofen einen mit einer Abtheilung von Erzherzog Rainer-Infanterie dem
an die Batterien des Corps schon auf 100 Schritte nahe gekommenen Feind
entgegenrückte und ihn zum Unikehren zwang, erhielt er einen Strcifschuss in die
linke Schulter.
Der um 4 Uhr erhaltene Befehl zum Rückzüge hinter den Mincio nach
Salionze wurde wegen der stets erneuerten Angriffe des Feindes erst nach ein-
gebrochener Dunkelheit und nachdem derselbe durch einen letzten Bajonnell-
Angriff entschieden geworfen worden war, durchgeführt.
Während dieser Rückzug in größter Ruhe und Ordnung ausgeführt wurde,
eilte Litzelhofen nach Pozzolengo voraus, weil von der Brigade Reichlin. welche
die Straße von Madonna della Scoperta und Solferino hätte decken sollen, seit
•I l'hr keine Meldung eingelangt war. Statt derselben standen auf dieser Seite,
300 Schritte von Pozzolengo, feindliche Posten. Litzelhofen befahl daher sofort
aus eigenen Stücken, dass der Ahmarschbefehl, welchen eine zunächst stehende
Division des -2. Kaiser-Jäger-Bataillons erhalten hatte, nicht ausgeführt wurde,
vielmehr diese Division den betreffenden Eingang besetzte, bevor dies von Seite
des Feindes geschah, dessen Patrouillen bereits bis Pozzolengo sireilten. Aul
diese Weise wurde dieser Ort, durch welchen die Rückzugslinie des VIII. Corps
führte, gesichert, bis dessen Gros selbst den Ort erreichte.
So hatte Oberstlieutenant von Litzelhofen durch stets zweckentsprechende,
wiederholt selbständig auf eigene Verantwortung erlassene Dispositionen, durch
Digitized by Coogle
140
CLVIIl. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 185?».
kalten Muth sowie durch persönlich bethätigte hohe und unternehmende Tapfer-
keit einen großen Antheil an der Ehre dieses vierzehnstündigen siegreichen
Gefechtes wie auch an der Einleitung und Durchführung des schönen und geord-
neten Rückzuges des VIII. Corps hinter den Mincio. Über seine Verdienste um den
Erfolg, welche nur im Zusammenhange mit der Waffenthat Benedeks *) voll-
ständig gewürdigt werden können, herrschte im Corps nur eine Stimme. FML. von
Henedek selbst erbat sofort nach der Schlacht, am 25. Juni, mittels dienstlichen
Hinschreitens an das II. Armee-Commando . als Belohnung für seinen „in jeder
Beziehung eminenten* Generalstabschef das Maria Theresien-Ritterkreuz
und stellte betreff der Leistungen Litzelhofen in edler Selbstlosigkeit und aus
eigenen Stücken das bereits in Benedeks Lebensskizze erwähnte Zeugnis aus.
gleich ehrend für Litzelhofen wie für Benedek selbst.
Auf Grund der daraufhin erfolgten statutenmäßigen Bewerbung geruhte
Seine Majestät Kaiser Kranz Joseph I. als Erhabener Großmeister über
Capitel- Votum den Oberstlieutenant Eduard von Litzelhofen für die in der
Schlacht bei Solferino am 24. Juni 1859 vollbrachte Waffenthat kraft der
CLVIIl. Promotion am 17. October 1859 mittels Verleihung des Kle inkreuzes
zum Ritter des Maria Theresien - Ordens zu promovieren und denselben
gemäß den Ordensstatuten am 25. April 1860 in den österreichischen Freiherrn-
stand zu erheben.
Am 22. September 1861 wurde Krh. von Litzelhofen zum Obersten im
Generalstabe befördert.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte Litzelhofen
den Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee als Generalstabschof des
I. Armee-Corps mit und kämpfte in den Gefechten bei Podol am 26. Juni, bei
Münchengrätz (Bossin) am 28. Juni, im Treffen bei Jicin am 29. Juni, in der
Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli und im Gefechte bei Roketnitz und
Dlultonitz nächst Prerau am 15. Juli.
Für seine während dieses Feldzuges entfaltete Thätigkeit wurde ihm am
3. October 18uG die Allerhöchste belobende Anerkennung zutheil.
Am 13. November 1866 wurde Oberst Krh. von Litzelhofen zum Generalslabs-
chef beim GeneraUCommando in Lemberg ernannt, am 20. März 1868 zum
Generalmajor befördert und als Brigadier bei der XIV. Infanterie-Truppen-
Division eingetheilt.
Am 19. Februar 1873 erfolgte seine Ernennung zum Commandanten der
XIII. Infanterie-Truppen-Division, späterhin, am 29. October desselben Jahres,
seine Beförderung zum Ke 1 dm arsch all- Lieutenant. Am 21. August 1878 wurde
Litzelhofen zum Militärkommandanten in Krakau, im Jahre 1*79 zum Oberst-
Inhaber des 47. Infanterie-Regiments und am 7. August 1S79 zum Comman-
dierenden General in Lemberg ernannt.
Am 27. April 1SK0 wurde ihm die Geheime Rathswürde verliehen.
') Sich«' .Maria TVresien- Ordens -Commandern' Ritter von Benedeie.' - Seil« (il Iiis 74.
Digitized by Google
RiUer df.H M. T.-O. Adolph Freiherr von <;»t»T.
141
Nach seiner ani I. Mai 1 HS I erfolgten Ernennung zum Commandierenden
General in Prag wurde Frh. von Eilzeihofen am 1. November desselben Jahres
/um Feldzeugmeister befördert.
Er starb, in voller Activitäl schwer erkrankt, nach vienmdvierzigjähriger im
Kriege wie im Frieden bewährter Dienstleistung am 18. Jänner 1882 zu I'rag.
Hilter <k's Maria Theresien-Ordcns
Adolph Freiherr von Catty.
(Mit Bildnis aus dein Jahn: 185'J.I
Adolph Catty, als Sohn eines k. k. Hauptmannes am 23. Uctober 1823 zu
Groß-Enzersdorf geboren, erhielt seine militärische Erziehung und Ausbildung
in der k. k. Militär- Akademie zu Wiener-Neustadt, in welcher er als der Zweite
im Range am 23. September 1812 mit der gleichzeitigen Bestimmung für den
höheren Curs dieser Akademie als Unterlieutenant 11. Classe die militärische
Laufbahn betrat. Am 29. September 1843 erfolgte seine Transferierung zum
4. Infanterie-Itegimente, und zwar mit gleichzeitiger Beförderung zum Unter-
lieutenant I. Classe. Am 11. April 1848 rückte er zum Ober lieutenant vor.
Als Oberlieutenant machte er den Feldzug in Ungarn 1849 mit, und /.war
kämpfte er bei dem Überfalle bei Novoszelicza und Toronya am 20. zum
21. März, in dem Gefecht bei Munkäes am 22. April — wobei er verwundet
wurde — endlich in der Schlacht bei Komorn am 11. Juli. Inzwischen war am
20. Mai 1849 seine Obersetzung zum General-Ouartiermeister-Stabe erfolgt, in
welchem er am 1. August 1849 zum Hauptmann II. Classe avancierte.
Für die während des Feldzuges von 1849 hei der Gren/.vertheidigun^ Gali-
ziens gegen Ungarn geleisteten Dienste erhielt er auf Grund der Allerhöchsten
Anerkennung vom 10. Juni 1849 in der Folge, am 28. Jänner 1850. dasMilitär-
V erdien stkreuz.
Am 18. October 1852 wurde er in den supernumerären Stand übersetzt und
fungierte durch 1 Jahr 10 Monate als Lehrer der Taktik bei Seiner k. k. Hoheit
dem durchlauchtigsten Erzherzog Joseph. Am t. November 185(1 erfolgte seine
Beförderung zum Major im GeneraMjuartiermeisler-Stabe. Als solcher fungierte
er im Jahre 1858 als Mitglied der Commission für die Deutsche Bundes-lnspection
der Contingente Luxemburg, Limburg, Kurhessen und Nassau. Am 1. November
1858 wurde er Chef des General-Quartiermcister-Stabes bei dem III. Infanterie-
Armee-Corps.
In dieser Dienstesverwendung machte er den Krieg gegen Frankreich
und Piemontin Italien 1859 mit, und zwar zunächst die Beschießung von Valenza
am 3. Mai, sodann — nachdem er am 22. Mai 1859 zum Oberstlieutenant in
seiner Stellung befördert worden war - die Schlacht bei Magenta am 4. Juni
142 CLV1H. und CHX. lYomutioii. Im Kriege vod IS.'.H.
1859. In dieser letzteren kämpfte er als Generalstabschef des FML. Fürsten
Schwarzenberg mit dorn III. Corps um den Besitz von Ponte vecehio di Magenta,
indem er sowohl hohe Umsicht als an der Spitze der stürmenden Colonnen glän-
zende Tapferkeit entfaltete, und auf diese Weise intellektuell wie moralisch dazu
beitrug, dass das III. Corps auf dem linken Flügel der Schlachtlinie trotz der
Überlegenheit des Feindes bis zu dem am 5. Juni früh erfolgten Rückzugsbefehl
des Armec-Commandos sich behauptete.
In Anerkennung der tapferen Leistungen Gattys in der Schlacht bei
Magenta geruhte ihm Seine Majestät der Kaiser Franz Joseph 1. allergnädigsl
das Ritterkreuz des Leopold-Ordens zu verleihen.
In noch wirksamerer Weise griff Catty im Verlaufe der Schlacht bei Sol-
ferino am 24. Juni in den Kampf ein und zwar in einem der kritischesten Augen-
blicke auf dem linken Flügel der Schlachtlinie.
Als am äußersten linken Flügel das IX. Corps dem Feinde das Vordringen
von Medole gegen Guidizzolo in der Linie Casa nuova-Baite-Rebecco-Colombaia
/.u verwehren suchte, hatte nach 8 Uhr früh rechts von demselben auch das
III. Corps mit den beiden Brigaden Härtung und Wezlar der Division FML. Habcr-
manri den Kampf gegen Ouagliara-Casa nuova-Rebecco aufgenommen, worauf
eine halbe Brigade Rosgen rechts der beiden Brigaden vorgieng. Die Brigaden
Wezlar und Härtung, welche ursprünglich zum Vorrücken <) checal der Straße von
Guidizzolo nach Castiglionc delle Stiviere und zunächst zum Angriffe auf Morino
in nordwestlicher Richtung beordert worden waren, hatten successive eine Links-
schwenkung gegen Westen ausführen müssen. Nach 10 Uhr vormittags wurde
auch die Division FML. Schönberger des III. Corps aus ihrer Reserve-Stellung
hinter Guidizzolo rechts von der Straße, welche von diesem Orte nach Castiglione
führt, vordisponiert. Infolge dessen stand das III. Corps, von welchem eine halbe
Brigade Rösgen Guidizzolo besetzt hielt, mit 41/* Brigaden in der Gefechtslinie und
zwar in einer Hakenstellung, nämlich die Division Habennann Front gegen
Ouagliara-Casa nuova-Rebecco (Westen), die halbe Brigade Rösgen und die
Division Schönberger gegen Morino (Nordwest».
Von der Division Schönberger wurden gleich nach ihrem Einrücken in die
Schlachtlinie Theiledes rechten Flügels durch feindliche Colomien undBalterien fest-
gehalten, welche in der Richtung nach Cassiano vorrückten, während das Andringen
des Feindes von Morino her nothwendig machte, gegen die Straße zu disponieren,
da die dort kämpfende halbe Brigade Rösgen zurückgeworfen wurde. Die Brigade
GM. Härtung kämpfte schon erschöpft um den Besitz von Casa nuova und
Ouagliara; die Brigade GM. Wezlar war theil weise gegen Baite vorgedrungen.
Da das Corps ohne jede Reserve war, musste unaufhörlich besorgt werden,
dass der Feind die schwache Linie an irgend einem Punkte durchbreche, was von
unberechenbaren Folgen begleitet gewesen wäre, denn rechts hatte sich der Kampf
schon Cavriana genähert, während links dt r Feind seine Umgehung von Medole
her immer weiter fortsetzte und Guidizzolo bedrohte. Das Festhalten in der Auf-
stellung ä <h<<al der Straße bot die einzige Möglichkeit den Kampf bis zun«
Digitized by Google
Digitized by Google
SOT.FKRINO. £<t. JUNI 1859
Google
Digitized by Google
Ritter de* M. T.-0. Adolj.li Freiherr von Catty.
143
Anlangen des in der Vorrückung begriffenen XI. Corps hinzuhalten, und dem
Gefecht eventuell auch eine günstige Wendung zu geben, wie dies die aus-
gesprochene Absicht des FML. Fürsten Schwarzenberg, Conimandanten des
III. Corps, von dem Momente an war, als die ursprüngliche Reserve des Corps —
die Division Schönberger — durch höhere Anordnungen zur Verlängerung der
Schlachtlinie vordisponiert worden war.
Auf dem rechten Flügel des Corps stand verhältnismäßig wenig zu besorgen,
denn die Cavallerie-Division FML. MensdorlT bildete noch immer eine kräftige
Stütze, falls der Feind in die Ebene oder von den Höhen herab vorzurücken beab-
sichtigt hätte. Die größte Gefahr drohte von Casa nuova her, wo sich des Feindes
Kräfte in dem Maße verstärkten, als er den Widerstand des IX. Corps gebrochen
hatte und seine Truppen aus Medole vorschieben konnte.
Nachdem sich Catty von der verhältnismäßig günstigen Gefechtslage des
rechten Flügels Überzeugung verschafft hatte, begab er sich auf den linken, um
dem Corps-Commandanten Meldung über den Stand der Dinge zu erstatten.
Die Chaussee übersetzend, fand er das 2. Bataillon Hessen-Infanterie Nr. 14
in der Vorrückung gegen Casa nuova. Er bemühte sich, mit demselben vorzu-
dringen. Trotz der ausgezeichneten Haltung der Truppe gelang dies nicht Die-
selbe musste vielmehr weichen.
Während des Rückzuges brach der Feind, welcher um jene Zeit auch die
Brigade Wezlar zurückgedrängt hatte, gegen die Straße vor und drängte das
Bataillon Hessen, bei welchem sich Catty befand, immer mehr gegen dieselbe.
Jeder Widerstand war vergebens. Bei dieser Gelegenheit giengen auch 2 Geschütze
der Projects-Batterie 1 1 /III verloren. Schließlich wurden die Truppen über die
Chaussee zurückgeworfen und der Feind folgte denselben auf dem Fuße.
Der Moment war ein überaus kritischer. Der Feind hatte die Mitte des Corps
durchbrochen. Er stand in Flanke und theilweise im Rücken des jenseits der
Chaussee vorgeschobenen rechten Flügels des Corps. Der Rückzug desselben hätte
nur mehr längs der Höhen stattfinden können. Dabei war links das IX. Corps im
Rückzüge auf Guidizzolo, das XI. noch im Anmarsch und nicht entwickelt, die
Rückzugslinie zwischen Guidizzolo und dem Mincio von den Trains der Corps und
von vorrückenden Arlillerie-Reserven verlegt.
Es musste daher, um unabsehbare Folgen zu verhüten, das Gefecht an der
Straße um jeden l'reis hergestellt werden. Dazu stand nur ein Mittel zu Gebote:
den Feind anzugreifen und zu werfen, bevor er die errungenen Vortheile weiter
verfolgen konnte.
Die dem III. Corps und mit diesem allen Abtheilungen der I. Armee drohen-
den Gefahren in ihrer ganzen Ausdehnung (iberschauend und erkennend, das« nur
das entschiedenste Handeln ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Opfer zu
einer etwa noch möglichen günstigen Lösung führen konnte, entschloss sich Catty.
ohne einen höheren Befehl dazu erhalten zu haben, zur nächsten geschlossenen
Abtheilung zu eilen, um dieselbe rasch vorzuführen. Er traf auf eine Division
Belgien-Infanterie, welche nach vorwärts (gegen Nordwesten) disponier! war. Er
Digitized by Google
Mi
CI.Vlll. und LC1X. Promution. - Im Kriege von IS.'.9.
befehligte dieselbe, sich links gegen die Straße (westwärts) zu wenden und führte
diese Truppe selbst vor. Es gelang ihm. die eigenen geworfenen Abtheilungen um
diese Division zu sammeln und mit der auf diese Weise rasch formierten AngrifTs-
Colonne stürmend über die Straße zu dringen. Die früher verlorenen Kanonen
wurden genommen, der Feind bis Casa nuova zurückgedrängt und so die Gefechts-
linie hergestellt.
Darauf begab sich Gatty. welchem bei der geschilderten Action das Herd
unter dem Leibe schwer verwundet wurde, zu dem Corps-Commandanten, um die
Meldung über die Gefechtslage zu erstatten, worauf FML. Schwarzenberg vorwärts
eilte und die zur Behauptung der wieder errungenen Vortheile noth wendigen Dis-
position traf, wodurch die Aufstellung des Corps bis zum Anlangen der Brigaden
Greschke und Baltin des XI. Corps behauptet werden konnte.
Durch das selbständige umsichtige und entschlossene Handeln Cattys wurden
auf diese Weise nicht nur die bereits verlorenen Kanonen rüekerobert, sondern das
Gefecht im Gentium wieder hergestellt, und wesentlich dazu beigetragen, dass die
Kämpfe zwischen Medole und Guidizzolo mit der Festhaltung des so wichtigen
letzteren Punktes ihren Abschluss fanden.
Für seine hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Solferino
wurde Catly am 15. August 1859 mit dem Orden der Eisernen Krone III.
('lasse ausgezeichnet.
Ferner geruhte auf Grund dieser Waffenthat Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. als Erhabener Großmeister über Antrag des Capitels kraft derCLVIll.
Promotion am 17. October 1859 den Oberstlieutenant Adolph Calty durch Ver-
leihung des Kleinkreuzes zum Bitter des Maria Theresie n-Ordens zu
promovieren und in der Folge, im Jahre 18H2, statutengemäß in den Freiherrn-
stand des österreichischen Kaiserstaates zu erheben.
Im Jahre 1SG3 fungierte Oberstlieutenant Frh. von Catty als militärisches
Commissiotismitglied bei der Begehung der Brenner-Bahn.
Am 22. October 1801 erfolgte seine Beförderung zum Obersten.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 18t>0 machte Oberst
Frh. von Catty den Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee als Generalstabs-
ehef des III. Armee -Corps unter Seiner kais. königl. Hoheit FML. Erzherzog
Ernst mit. Er wohnte dem Geschützkampfe bei Königinhof am 29. Juni
bei. machte das Vorpostengefecht au der Bistritz am 2. Juli mit und kämpfte
in der Schlacht bei Königgrätz am 'S. Juli, wobei er durch den rechten Ann
geschossen wurde.
In Anerkennung der vorzüglichen Leistungen in diesem Feldzuge geruhte
Seine Majestät der Kaiser den Obersten Frh. von Catty mit dem Orden der
Eisernen Krone II. Classe auszuzeichnen.
Am TS. Juli 18G9 wurde Oberst Frh. von Catty außer der Bangstour zum
Generalmajor befördert und als Brigadier zur III. Infanterie-Truppen-Division
eingetheilt, am 19. Juni 1*70 zur II. Truppen-Division übersetzt und gleichzeitig
zum Comiuandanten des Central-lufanlerie-Cnrses ernannt.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-ü. Johann Freiherr von Appel.
145
Mit Allerhöchster Entschließung vom 6. September 1874 erfolgte seine
Ernennung zum Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, auf welchem Posten
er am 1. November 1875 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert wurde.
Ober seine Bitte wurde er von dem Dienstesposten als Stellvertreter des
Chefs des Generalstabes am 3. Juli 1876 enthoben und ihm hiebet der Ausdruck
der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben. Frh. vonCatty übernahm
nun das Commando der V. Infanterie-Truppen-Division, am 2. November 1879
aber jenes der IV. Truppen-Division. Am 31. October 1881 wurde erzürn Militär-
Commandanten in Pressburg ernannt.
Mittels Allerhöchster Entschließung vom 12. April 1882 wurde FML. Frhrn.
von Catty die Wörde eines Geheimen Rathes verliehen und am 28. December
1882 ward er zum Oberst-Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 102 ernannt.
Am 1. Jänner 1883 erfolgte seine Ernennung zum Commandanten des
V. Corps und auf diesem Dienstesposten am 1. November desselben Jahres seine
Beförderung zum Feldzeugmeister.
In Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung wurde ihm am 13. Februar
1886 der Orden der Eisernen Krone I. Classe mit der Kriegsdecoration der
II. Classe verliehen.
Am 24. September 1889 wurde FZM. Frh. von Catty krankheitshalber auf
eigenes Ansuchen mit Wartegebür, jedoch unter dem Vorbehalt der Wieder-
verwendung im Bedarfsfalle, beurlaubt, und geruhte Seine Majestät der Kaiser
bei diesem Anlasse ein Allerhöchstes huldreiches Handschreiben an ihn zu richten
und ihm das Großkreuz des Leopold-Ordens zu verleihen.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Johann Freiherr von Appel.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1860.)
Johann Ritter von Appel ist als Sohn des FML. Joseph Ritter von Appel am
11. November 1826 zu Sikirewcze im Broder Comitat in Slavonien geboren
und folgte seinem Vater schon im 14. Lebensjahre auf der militärischen Laufbahn,
indem er am 1. September 1840 mit dem Eintritte in die Cadeten-Compagnie zu
Graz gleichzeitig zum 59. Infanterie-Regiment als Regiments-Cadet assentiert
wurde. Am 16. September 1843 zum k. k. Cadeten befördert, wurde er am
2. November 1843 zum Kaiser Ferdinand 4. Uhlanen-Regiment transferiert, am
16. September 1844 zum Lieutenant und am 11. April 1848 zum Ober-
lieutenant befördert.
Als Oberlieutenant machte er den Krieg gegen Piemont in Italien in den
Jahren 1848 und 1849 wie auch den Feld zu g 1849 in Ungarn mit, und zwar in
Italien 1848 die Recognoscierung von Bevilacqua am 20. April, den Angriff auf
HitiUrUehbr Kirn TWesien-Orden. 10
Digitized by Google
146 CLVIII. und CLIX. Promotion. - Im Kriege von 1859.
die verschanzten Linien bei Curtatone am 29. Mai, das Gefecht bei Goito am
30. Mai, die Einnahme von Vicenza am 10. Juni, das Gefecht bei Somma-
campagna am 24. Juli, die Schlacht bei Custozza am 25. Juli, das Nachtgefecht
bei Volta am 26. Juli und die Einnahme von Mailand am 4. und 5. August;
ferner in Italien 1849 die Schlacht bei Novara am 23. März; dann in Ungarn das
Gefecht bei Csanak am 28. Juni, die Schlacht bei Komorn am 2. Juli, die
Besetzung von Pest-Ofen am 11. Juli, die Schlacht bei Szöreg am 5. August,
das Cavallerie-Gefecht bei Csatäd am 8. August und die Schlacht bei Temesvär
am 9. August. Während der beiden Feldzüge that sich Appel durch Umsicht und
besondere Tapferkeit hervor, entwickelte namentlich in dem Feldzuge in Ungarn
persönliche Bravour und Unternehmungsgeist und eroberte in der Schlacht von
Temesvär am 9. August 1 849 eine feindliche Kanone. Für sein Verhalten und seine
Leistungen wurde er am 18. October 1849 mit dem Ausdrucke Allerhöchster
Zufriedenheit und am 10. Februar 1850 mit dem Militär-Verdienstkreuz
ausgezeichnet.
Am 16. August 1850 erfolgte seine Beförderung zum Rittmeister II. Gasse,
am 1. März 1854, unter gleichzeitiger Übersetzung in das König Ferdinand II. von
Sicilien 12. Uhlanen-Regiment, zum Rittmeister I. Classe, am 15. März die Trans-
ferierung zum Adjutanten-Corps und am 28. November seine Beförderung zum
Major, worauf er am 1. December 1858 zum 12. Uhlanen-Regiment rücktrans-
feriert wurde.
Als Major machte er den Krieg gegen Frankreich und Piemont im
Jahre 1859 an der Spitze seiner 2. Division von Sicilien-Uhlanen mit.
Am 20. Mai 1859 nahm er theil an der scharfen Recognoscierung gegen
Voghera — Treffen bei Montebello — und zwar in der unter Befehl des
GM. Prinzen von Hessen stehenden rechten Flügel-Colonne. Von dem hei Calca-
babbio stehenden Gros der Brigade mit 1 Escadron behufs Streifung auf der süd-
wärts gegen Montebello und Cascina nuova führenden Straße vorgesendet, stieß
Appel 500 Schritt hinter Gasone di Lausi auf eine feindliche, ungefähr fünfzig
Landers starke Cavallerie-Abtheilung. Sein Avantgarde-Zug warf sich alsogleich
auf den Feind, während er die drei übrigen Züge der Escadron östlich der Straße
aufmarschieren ließ, um den Feind in der Flanke zu fassen und von seiner Rück-
zugslinie abzudrängen. Die Attaque des ersten Zuges wurde jedoch mit solcher
Schnelligkeit und Bravour ausgeführt, dass der Feind noch vor der thatsächlichen
Betheiligung der übrigen drei Züge an der Attaque geworfen war und sich mit
Zurücklassung mehrerer Todten und Verwundeten schleunigst westlich der Straße
gegen Lazaretto zurückzog. Die bei diesem Orte aufgestellten feindlichen Infanterie-
Abtheilungen hinderten jede weitere Verfolgung der piernontesischen Cavallerie.
Während des sich hierauf entwickelnden Treffens von Montebello rückte Major
Appel mit einer Escadron unter entsprechender Deckung seiner rechten Flanke
gegen die nördlich von Cascina nuova führende Eisenbahn und bewirkte die Ab-
reißung von Eisenbahnsclüenen, um Nachschübe feindlicher Verstärkungen von
Tortona über Voghera auf das Gefechtsfcld zu vereiteln. Heftiges Kleingewehrfeuer
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Johann Freiherr von Appel.
147
nöthigte jedoch Major Appel, sich wieder außer des Schussbereiches bis Gasone di
Lausi zurückzuziehen. Nachdem sich hierauf die Brigade zum Gefecht entwickelt
hatte, wurde je eine Escadron von der Division Appel hinter den rechten und
linken Flügel des ersten Treffens echelloniert und die dritte Escadron in Reserve
aufgestellt.
Aus Anlass der Verdienste bei diesem Gefechte erhielt Major Appel mit dem
Allerhöchsten Armee-Befehl vom 2. Juni 1859 die belobende Anerkennung
Seiner Majestät des Kaisers.
An der Schlacht von Magenta am 4. Juni 1859 nahm die Uhlanen-Divi-
sion des Majors Appel nur mit einzelnen zu Patrouillierungen verwendeten Zügen
und in der Reserve-Aufstellung des V. Corps, dann am 5. bei der Deckung des
Rückzuges Antheil, ohne ins Gefecht zu kommen.
Dagegen wurde Major Appel von dem II. Armee-Commando am 21., 22.
und 23. Juni 1859 mit einem selbständigen Streif-Commando betraut, dessen
umsichtige und energische Führung in Bezug auf die Aufstellung der feindlichen
Armee weitgehende Aufklärung ergab und dadurch zum Theil selbst auf die
Beschleunigung der Offensive des eigenen Heeres mitbestimmend einwirkte. Die
Hauptaufgabe des Majors Appel bestand darin, das südlich des Garda-Sees
zwischen dem Chiese und Mincio liegende Hügelland zu recognoscieren. Hiezu
brach Appel mit einer Escadron seiner Division und zwei Geschützen am 21. Juni
um 5 Uhr nachmittags von Valeggio auf, verstärkte sich in Monzambano durch
eine von dem VIII. Corps beigestellte Escadron Kaiser-Husaren, marschierte bis
Pozzolengo und bezog dort das erste Bivouac. Die in diesem Orte von den Ein-
wohnern eingezogenen Erkundigungen über die Stellung und Stärke der nächsten
feindlichen Abtheilungen bestimmten Major Appel, am 22. Juni um 3 Uhr morgens
von Pozzolengo seine Streifung gegen Rivoltella fortzusetzen. Feindliche Angriffe
aus der Richtung von Rivoltella veranlassten ihn jedoch, nicht nur von der
ursprünglichen, .nördlichen Marschrichtung gegen Westen abzuweichen, sondern
auch von der anfangs beabsichtigten Vorrückung bis Lonato abzustehen. Appel
vermochte in der letzteren Richtung nur bis Contrada S. Pietro vorzudringen.
Sodann musste er sich südwärts gegen Castel Venzago wenden. Auch diesen Ort
fand Appel vom Feinde besetzt. Erst nachdem derselbe vertrieben war, setzte das
Streif-Commando über S. Rocco und Madonna della Scoperta seinen Marsch nach
Solferino fort, woselbst Appel um 9 Uhr vormittags eintraf und abfüttern ließ.
Von Solferino erstattete er seinen ersten Bericht über die im Verlaufe des
Morgens gemachten Wahrnehmungen und gesammelten Nachrichten an das
II. Armee-Commando. Er berichtete, dass der Feind — vornehmlich Piemontesen
— in bedeutender Stärke bei Lonato und Desenzano sich befand und seine Avant-
garde bis Rivoltella vorgeschoben hatte.
Um 12 Uhr mittags setzte Major Appel seine Streifung fort. Er marschierte
von Solferino weiter südwärts bis S. Cassiano, dann südwestlich quer durch die
Ebene bis Medole und, nach längerem gesicherten Halt bei letzterem Orte, von
dort ostwärts zurück nach Guidizzolo, wo das Streif-Commando um 91/, Ultr abends
10*
Digitized by Google
1 18
CLVIH. und CLIX. Promotion. - Im Kriege von 1859.
einrückte. Während dieser Streifung entsendete Appel Ofh>.iers-Patrouillen bis
zur Stärke eines Zuges und zwar südöstlich nach Volta, nördlich gegen Castiglione
delle Stiviere, dann westwärts zum C.hiese-Fluss gegen Carpenedolo einerseits,
gegen Castel Goflredo anderseits. Diese Patrouillen hatten, mit Ausnahme jener
nach Volta entsendeten, mehrfache Zusammenstöße mit dem Feinde zu bestehen.
Das Streif-Commando hatte an diesem Tage, von den Gefechten abgesehen.
50 Kilometer, einzelne detachierte Abtheilungen nuch mehr und zwar in schärferen
Tempos zurückgelegt.
Um Mitternacht stattete Appel von Guidizzolo seinen zweiten Bericht an das
II. Armee-Commando ab. Darnach gehörte alles, was nachmittags auf der Strecke
von Castiglione delle Stiviere bis Castel Goflredo entlang des Ghiesc gesehen
worden war, der französischen Armee an. Laut den eingezogenen, ziemlich
übereinstimmenden Nachrichten sollte der Feind bei Castiglione, Castenedolo und
Carpenedolo in großer Stärke, in dem letztgenannten Orte allein 10.000 Mann
stark, stehen.
Das Streif-Commando erlitt an diesem Tage in den verschiedenen Gefechten
Verluste von 1 1 Mann und 10 Pferden. Unter den Gefallenen befand sich Kittmeister
Baron Vecsey und Oberlieutenant Graf De la Motte von Kaiser-Husaren Nr. 1.
Am 23. Juni brach Major Appel um 3 Uhr früh von Guidizzolo auf und
marschierte südlich über Ceresara, Solarolo nach Ca dell Gallo, wo das Streif-
Commando um (> Uhr früh eintraf. Während des Marsches entsendete Appel von
Ceresara eine Officiers-Patrouille südwestlich über Piubega bis Gazzoldo, von
wo dieselbe über Solarolo nach Ca dell Gallo zum Commando einrückte. Nach
den hiebei eingezogenen Nachrichten waren in Ceresara und Piubega tags zuvor
französische CHvallerie-Patrouillen erschienen. In Gazzoldo hatte sich der Feind
noch nicht gezeigt.
Major Appel stattete daraufhin von Ca dell Gallo um 8 Uhr morgens an das
II. Armee-Commando seinen dritten Bericht ab. Darnach schien es ihm keinem
Zweifel zu unterliegen, dass sich der Feind zwischen Carpenedolo, Castiglione
delle Stiviere, Montechiaro, Lonato massierte, seinen linken Flügel nördlich bis
Desenzano und Rivoltella vorgeschoben, dagegen südlich der Linie Casalmoro-
Guidizzolo-Volta soviel wie nichts stehen hatte.
Major Appel trat darauf von Ca dell Gallo den Kückmarsch über Goito an.
In letzterem Orte mittags des 23. durchmarschierend, fand er die k. k. Armee,
welche inzwischen über Allerhöchsten Befehl des Obersten Kriegsherrn die
Offensive ergriffen hatte, bereits im Vormärsche über den Mincio begriffen und
brachte dem in Goito anwesenden Coinmandanten der 1. Armee. FZM. Wimpffen,
da> während der Streifung in Erfahrung Gebrachte zur Kenntnis.
Um 1 Uhr nachmittags traf Appel mit seinem Streif-Commando in Volta
ein. Dortselbst hatte mittlerweile Seine Majestät der Kaiser sein Hauptquartier
aulgeschlagen, so dass es dem Major Appel vergönnt war, dem Obersten
Kriegsherrn mündlich den allerunterthänigsten Rapport über die ausgeführte
Streifung zu erstatten.
Digitized by Google
Rilter des M. T.-O. Johann Freiherr von Appel.
149
Während der Recognoscierung des Majors Appel am 22. Juni hatte die k. k.
Armee am linken Mincio-Ufer an demselben Tage vom Allerhöchsten Armee-Ober-
commando ursprünglich den Befehl erhalten, den Mincio am 24. Juni früh zu
überschreiten. Als aber noch am Nachmittag des 22. Juni die höchst wichtige Mel-
dung des Majors Appel über Ansammlung bedeutender StreitkrAfte bei Rivoltella,
Lonato, Castiglione delle Stiviere im Hauptquartier eintraf, beschloss Seine Majestät
der Kaiser, die Überschreitung des Mincio durch die k. k. Arme«1 beschleunigen
und bereits am 23. Juni ausführen zu lassen.
Seine Majestät der Kaiser geruhte in der Folge mit Allerhöchstem Armee-
befehle vom 7. Juli 1859 dem Major Appel , wegen Tapferkeit und Umsicht als
Streif-Commandant" den Orden der Eisernen Krone III. Classe allergnädigst
zu verleihen.
In noch weit hervorragenderem Maße war es jedoch dem Major Appel
vergönnt, sich in der Schlacht bei Solferino selbst, am 24. Juni 1859, auszu-
zeichnen.
Von seinem Streif-Commando am 23. um 4 Uhr nachmittags in Volta ein-
getroffen, erhielt er nach Abstattung des Rapportes über seine Streifung von
Seiner Majestät dem Kaiser den Allerhöchsten Befehl, mit dem Streif-Commando
an Ort und Stelle Nachtlager zu halten und erst andern Tags nach bewirktem
Abkochen zu seinem V. Armee-Corps einzurücken.
Nachdem die dringendsten Herstellungen an Beschlägen bewerkstelligt
worden, war das Streif-Commando um 8 Uhr früh am 24. Juni zum Abmarsch
bereit, umsomehr. als der am Morgen dieses Tages hörbare Kanonendonner mit
Sicherheit annehmen ließ, dass eine Schlacht ihren Anfang genommen hatte.
Doch stellten sich dem Einrücken des Majors Appel zu seinem V. Corps, da die
Truppen alle Straßen occupierten. um in die Schlachtlinie vorzurücken, unüber-
windliche Hindernisse entgegen. Auf eine aus diesem Anlasse beim H. Armee-Corn-
mando wegen seines Verhaltens gestellte Anfrage erhielt Appel die Weisung, die
Truppenmärsche der Infanterie in keiner Weise zu beirren.
Trotzdem brach er um 10 Uhr vormittags auf. und es gelang ihm, die nach
Cavriana führende Straße zu gewinnen und, ungeachtet der Verstopfung derselben
durch Fuhrwerk, in der Richtung gegen Solferino vorzudringen. Die zum Streif-
Commando vom VIII. Corps beigestellte Husaien-Escadron wurde dabei infolge
eines früher vom II. Annee-Commando ergangenen Befehls nach Pozzolcngo ein-
rückend gemacht.
Unweit Cavriana stieß Appel bereits auf weichende Theile des I. Corps. Er
bewirkte deren Ralliierung, und ließ dieselben summt seinen zwei Geschützen
nordöstlich Cavrianas eine Aumahmsstellung beziehen, um das eventuelle Vor-
rücken des Feindes von S. Cassiano aus thunlichst aufzuhalten und den ferneren
Rückzug der Infanterie zu decken.
Zu diesem Zwecke wies der gegen 3 Uhr nachmittags von Cavriana kom-
mende FML. Graf Clam, welchem sich Appel zur Verfügung stellte, diesem von
Kampfeifer durchglühten Reiteroffieier zum Ersätze für die vorher zum VIII. Corps
Digitized by Google
1 50 CLV'm. und CLIS. Promotion. — Im Kriege von 1859.
einrückend gemachte Escadron des 1 . Husaren-Regiments eine Husaren-Escadron
von Graf Haller Nr. 12 zu.
Da sich jedoch die Anstrengungen des Feindes bloß directe auf die Westfront
Cavrianas richteten, so beschloss Appel nach Abzug des I. Corps, sich am westlichen
Ausgang von Cavriana zu postieren, um dort am Kampfe nach Thunlichkeit
Antheil zu nehmen. Bei Passierung des genannten Ortes stieß er auf retirierende
Theile des VII. Corps, säumte daher nicht, sich dem FML. Zobel zur Verfügung
zu stellen. Auch da wurde ihm die Aufgabe zutheil, sich an der Deckung des
bereits allgemein gewordenen Rückzuges nach eigenem Ermessen zu betheiligen.
Nachdem er sah, dass noch die Armee-Division des FML. Prinzen von
Hessen die nahe gelegenen Höhen zu beiden Seiten der nach S. Cassiano führenden
Straße gegen den heftig andrängenden Feind behauptete, nahm er, — um zu
deren Unterstützung möglichst schnell bei der Hand zu sein — unmittelbar vor
Cavriana Stellung.
Die Husaren-Escadron disponierte er dergestalt in die südlich gegen die
Ebene von Guidizzolo mündende Einsattlung, dass er einem vou dort aus kommen-
den ReiterangrifT entgegenwirken konnte; die Uhlanen-Escadron ließ er rechts
von der nach S. Cassiano führenden Straße eine gedeckte Aufstellung nehmen und
placierte die beihabenden zwei Cavallerie-Geschütze auf einem dominierenden
Punkt hinter derselben.
Darauf ritt Major Appel von der Truppe behufs genauerer Recognoscierung
des vorliegenden Terrains, ungeachtet des heftigsten Kugelregens, gegen den
Feind vor.
Da bemerkte er in dem Momente, als der Feind am heftigsten zu drängen
und ein Theil der eigenen Truppe die gedachten Höhen schon zu räumen begann,
starke Schwärme feindlicher Tirailleurs, die sich mit der Absicht heranschlichen,
sich des Detiles zu bemächtigen, welches die Brigaden Wussin und Brandenstein
trennte.
In diesem kritischen Momente führte er mit raschem Entschluss den ihm
zunächst zur Verfügung stehenden Theil der Uhlanen zur Attaque vor.
Dieses eben so plötzliche als unerwartete Hervorbrechen der Cavallerie und
ihr Hurrah-Geschrei ermuthigte diejenigen eigenen Infanterie-Abtheilungen, welche
schon im Zurückgehen begriffen waren, zur Umkehr und Einleitung eines Sturm-
angriffs auf den lebhaft drängenden Gegner, so dass dieser — eine stärkere
Cavallerie-Macht vermuthend — augenblicklich vom Nachdrängen abließ, und die
Division Prinz Hessen sich zu beiden Seiten der Straße abermals festsetzen konnte.
Die feindlichen Tirailleurs flohen vor dein Reiter-Anprall, während derer«
massenhafte Unterstützungen aus den schon gebildeten Sturm-Colonnen auf den
Bergkuppeu Carres formierten und ihr Geschütz- und Kleingewehrfeuer gegen die
Uhlanen eröffneten.
Dabei wurde Appel durch einen Flintenschuss im Gesicht sc.hwerstcns getroffen.
Trotzdem stellte er den weiteren Angriff erst dann ein, als er die sich selbst
gestellte Aufgabe — den Feind zu einer langsameren und mehr vorsichtigen Ver-
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. Johann Freiherr von Appel.
151
folgung zu veranlassen — gelöst sah. Aber auch dann begab er sich nicht früher
auf den Verbandplatz, als nach vollständiger Ralliierung seiner Abtheilung.
Die Verwundung des Majors Appel war eine so schwere, dass er infolge der-
selben das linke Auge verlor und seitdem eine „Schlik-Binde* über dem-
selben trägt.
Die aus eigenem Antriebe in einem der kritischesten Momente der Schlacht
vollführte Reiterwaffenthat des Majors Appel übte nicht nur einen sehr günstigen
Einfluss auf den Geist der Mannschaft, sowie ein anfeuerndes Beispiel auf die noch
standhaltenden Infanterie-Abtheilungen, sondern trug — im Verein mit seinem
vorangegangenen umsichtigen, energischen und tapferen Verhalten — auch wesent-
lich dazu bei, den Rückzug der Division Prinz Hessen durch den Ort Cavriana
zu decken.
In Allerhöchster Würdigung dieser Leistungen wurde zunächst mittels Armee-
Befehls vom 17. Deceniber 1859 Major Johann Ritter von Appel „für Auszeichnung
bei Solferino" mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens decoriert und mit
Allerhöchstem Handschreiben vom 28. Jänner 1860 „in gnädiger Anerkennung der
mit besonderer Umsicht und ausgezeichneter Tapferkeit vor dem Feinde geleisteten
guten Dienste* in den erblichen Freiherrnstand der österreichischen Kaiser-
staates erhoben.
Die höchste militärische Auszeichnung wurde dem Majoren Frh. von Appel
jedoch zutheil, als ihn Seine Majestät der Kaiser als Erhabener Großmeister
durch Verleihung des Kleinkreuzes mittels nachfolgenden Armee-Befehls dd. Wien
am 21. Mai 1860, Nr. 47, — CLK. Promotion — zum Ritter des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren geruhte:
„Die ganz ausgezeichneten Leistungen des Majors Johann Freiherr von Appel
des Uhlanen-Regiments König beider Sicilien Nr. 12 in der Schlacht von Solfe-
rino lassen Mir denselben als der Aufnahme in den Maria Theresien - Orden
würdig erscheinen, daher Ich ihn zum Ritter dieses Ordens ernenne.
Kran z Joseph m. p."
Am 19. Februar 1863 wurde Major Frh. von Appel unter gleichzeitiger Trans-
ferierung zum Uhlanen- Reginiente Kaiser Franz Joseph Nr. 4 zum Oberst-
lieutenant, und am 29. October 1863 zum Obersten befördert.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte Oberst
Frh. von Appel den Feldzug gegen Preußen in der Nord-Armee als Brigadier der
1. leichten Cavallerie-Division unter GM. Frh. von Edelsheim mit. Er kämpfte in den
Gefechten bei Langenbruck am 24. Juni, bei Sichrov am 26. Juni, zwang in
dem Avantgarde-Gefecht bei Jicin am 28. Juni ein preußisches Detachement
zum Rückzüge von diesem äußerst wichtigen Punkte, kämpfte ferner in dem
Treffen bei Jicin am 29. Juni und in der Schlacht bei Königgrütz am 3. Juli und
that sich auch in diesem Kriege bei jeder Gelegenheit durch besondere Umsicht,
Energie und Tapferkeit hervor.
Digitized by Google
Ii
Fr
O)
Ce
ve;
dei
Ce
Li»
anh
ent)
Inst
dun
des
Com
in H
am ^
zum
Infan
zum
zeitig
dieroi
Majes
Allel
gebore
1. Juli
Am 16.
1835 zi
standen
Digitized by Google
152 CLVIII. und CLLX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
In Anerkennung seiner Leistungen in dem Kriege von 1866 wurde Oberst
Frh. von Appel mittels Allerhöchster Entschließung vom 3. October 1866 mit dem
Orden der Eisernen Krone II. Glasse ausgezeichnet.
Am 16. November 1866 wurde Oberst Frh. von Appel zum Commandanten des
Gentral-Gavallerie-Curses in Wien ernannt, auf diesem Dienstposten am 9. No-
vember 1867 zum Generalmajor befördert, weiterhin am 28. Jänner 1874 mit
dem Gommando der XXV. Infanterie-Truppen-Division unter Fortführung des
Gentral-Gavallerie-Gurses betraut.
Am 1. November 1874 erfolgte seine Beförderung zum Feldmarschall-
Lieutenant.
Mittels Allerhöchster Entschließung vom 23. September 1875 wurde Appel
anlässlich der Sistierung des Gentral-Gavallerie-Curses vom Gommando desselben
enthoben und in Anerkennung seiner während der mehrjährigen Leitung dieses
Institutes geleisteten vorzüglichen und vom besten Erfolge begleiteten Dienste
durch das Gommandeurkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration
des Ritterkreuzes ausgezeichnet.
Am 6. April 1881 wurde ihm die Geheime Raths würde verliehen.
Am 2.August 1881 erfolgte die Ernennung des FML. Frh. vonAppel zum Militär-
Gommandanlen in Tcmesvär, am 8. April 1882 jene zum Militär-Gotnmandanten
in Hennannstadt, am 1. Mai 1882 jene zum General der Gavallerie alhonon»;
am 9. August 1882 jene zum Gommandierenden General in Sarajevo und
zum Ghef der Landesregierung in Bosnien und der Hercegovina.
Am 28.December 1882 wurde FML. Frh. vonAppel zum Oberst-Inhaber des
Infanterie-Regiments Nr. 60 ernannt; am 1. Jänner 1883 erfolgte seine Beförderung
zum General der Gavallerie und — infolge der neuen Organisation — gleich-
zeitig seine Ernennung zum Conimandanten des XV. Armee-Gorps und Gomman-
dierenden General in Sarajevo.
Anlasslich seines fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums geruhte Seine
Majestät der Kaiser diesen hochverdienten General am 28. August 1886 durch ein
Allerhöchstes Handschreiben allergnädigst auszuzeichnen.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
David Freiherr Urs de Margina.
(Mit Bildnis ans dem Jahre 1859.)
David Urs de Margina wurde im Jahre 1816 zu Margine in Siebenbürgen
geboren und als Zögling des Naszoder Reginients-Knaben-Eiziehungshauses am
1. Juli 1834 beim 1. Romanen-Grenz-Infanterie Nr. 16 als Gemeiner enroliert.
Am 16. Jänner zum Gefreiten, am 1. Mai 1835 zum Gorporal und am 16. Juli
1835 zum Feldwebel befördert, durchlief er alle Ghargengrade des Mannschafts-
slandes und diente bis 1. März 1841 als Unterofficier, indem er an diesem Tage
Digitized by Google
Fr
O
C<
ve
de
Ct
Li
an
en
ln.<
du
de!
Co
in
am
zur
Inf:
zur
zeit
die
Ma.
Ali
1. J
Am
183
slai
Digitized by Google
SOLFKKINO« £*t. JU111 1B59.
Druck vF Kurql
Digitized by Google
Ritter den M. TO. David Freiherr fr* de Margina.
153
nach einer nahezu siebenjährigen Dienstzeit zum Unterlieutenant 11. Classe
befördert wurde. Am 16. August 1818 erfolgte seine Beförderung zum Unter-
lieutenant I. Classe und am 20. October 1848 zum Oberlieutenant.
Als Oberlieutenant machte er die Feldzüge 1848 und 1849 in Ungarn
mit und zwar focht er 1848 in Siebenbürgen am 5. November in dem Gefecht
bei Maros Väsärhely und bei der Erstürmung von Lorintzfalva, am
5. December in dem Scharmützel bei Crmös, am 22. December in dem Gefecht
bei Hidveg mit. Im Feldzuge 1849 kämpfte er am 28. Juli in dem Treffen bei
Szemerja, am Hl. Juli in dem Avantgarde-Scharmützel bei Käszon-Ujfalu
und am 1. August in dem Gefecht bei Bükszäd mit. Für die in dem letzten
Gefechte bewiesene Tapferkeit wurde Urs mit dem Militär-Verdienst kreuz
ausgezeichnet.
Am 30. August 1819 zum Hauptmann II. Classe befördert, ward er am
19. November 1850 zum 3i. Infanterie-Regiment transferiert, avancierte am
2i. Jänner 1851 zum Hauptmann I. Classe und am 5. Mai 1859 unter gleichzeitiger
Transferierung zum 52. Infanterie-Regiment zum Major.
Als Bataillons-Commandant machte er den Krieg gegen Frankreich
und Piemont in Italien 1859 mit und zeichnete sich in der Schlacht bei
Solferino durch vierstündige heldennuithige Behauptung Medoles mit 10 Gom-
pagnien und 2 Geschützen gegen die ganze französische Truppen-Division Luzy
hervorragend aus.
Am 23. Juni 1S59. nach Wiederergreifung der Offensive und Überschreitung
des Mincio durch die k. k. Armee, hatte die aus dem 52. Infanlerie-Regimente
Er/herzog Franz Carl, dein 1. Jäger-Bataillon und der sechspfündigen Fußbatterie
Nr. 2 IX bestehende Brigade des GM. Frh. von Blumencron der Division FML. Grafen
Crenneville im IX. Corps, das Lager nordwestlich vor Guidizzolo und links der
von diesem Orte nach Castiglione delle Stiviere führenden Chaussee bezogen und
das 1. Jäger-Bataillon nach Ca Morino auf Vorposten vorgeschoben. Auf die Mel-
dung, dass die diesem Bataillon zur Besetzung zugewiesene Strecke zu ausgedehnt
sei, erhielt Major Urs von dem GM. Frh. von Blumencron um 1 Uhr nachmittags den
mündlichen Auftrag, mit 4 Compagnicn des unter seinem Commando stehenden
1. Feldbataillons von Erzherzog Franz Carl zur Verstärkimg des 4. Jager-Bataillons
vorzurücken.
Nach seinem Eintreffen bei Ca Morino bekam Major Urs von dem rangs-
älteren Majoren Grafen Bernstorff im Sinne des diesbezüglichen Corps-Befehls
den Auftrag, mit seinem ganzen Bataillon Medole zu besetzen und die
Vorposten auf der Linie von Ca Morino bis Gambaredoletto auszustellen. Urs
sandte nun seinerseits der im Lager zurückgelassenen Mittel-Division den Befehl
zu. ihm sogleich nach Medole zu folgen und setzte sich mit den beiden
anderen Divisionen und einem halben Zug des König von Sicilien Uhlancn-
Regiments Nr. 12 unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln in Marsch, da er
die Nachricht erhalten hatte, dass Medole vom Feinde besetzt sei. Er stieß dort
auch thatsächlich auf eine halbe Escadron feindlicher Cavallerie, die aber zum
Digitized by Google
154
CLVm. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Abziehen genöthigt wurde. Mittlerweile war auch seine Mittel-Division zu ihm
gestoßen und er verwendete zur Besetzung der Vorposten-Linie von Ca. Morino
bis gegen Ceresole die 1., 2., 3., zur Besetzung von Ceresole und der weitern Vor-
posten-Linie gegen Gambaredoletto die 4. und zur Besetzung von Medole selbst
die 5. und 6. Compagnie.
Bei der sechs Viertelmeilen betragenden Ausdehnung seiner Vorpostenlinie,
wurde er erst gegen Mitternacht mit der Aufstellung vollständig fertig. Nach den
Aussagen der Landleute stand der Feind in Massen bei Castiglione delle Stiviere
und Carpenedolo.
In der That meldeten die Vorposten des Majoren Urs, und zwar schon um
Vjt Uhr nach Mitternacht, dass in den feindlichen Lagern bei Castiglione und
Carpenedolo alarmiert werde. Da er die diesfäiligen Signale selbst vernahm, ent-
sendete er sofort Cavallerie-Patrouillen nach beiden Richtungen und erlheilte unter
einem seinen Vorposten den Befehl, für den Fall eines Angriffs thunlichslen Wider-
stand zu leisten und sich fechtend und nur notgedrungen auf Medole zurück-
zuziehen. Der Zweck dieser Anordnung war, den Feind möglichst lange von
Medole fern zu halten und so den Zeitpunkt des Beginns der Verteidigung
dieses Ortes selbst thunlichst hinaus zu schieben.
Um 21/» Uhr nach Mitternacht meldeten die ausgesandten Cavallerie-
Patrouillen das Anrücken des Feindes sowohl von Carpenedolo, als auch von
Castiglione delle Stiviere. Gleichzeitig fielen die Alarmschüsse der Vedetten.
Urs beauftragte nun die zur Besetzung des Ortes Medole bestimmte linke
Flügel -Division seines Bataillons, sich zur Verteidigung des dem anrückenden
Feinde zugewandten Theiles der Ortsumfassung in Bereitschaft zu setzen und
Patrouillen bis zu den Vorposten zu entsenden.
Um 27t Uhr griff der Feind die Letzteren emstlich an.
Am Abend zuvor, zwischen 9 und 10 Ubr, war die Cavallerie-Division der
I. Armee bei Medole eingetroffen und hatte am nordöstlichen Ende dieses Ortes
hinter dem Friedhofe das Lager bezogen. Unmittelbar vor Mitternacht war schließ-
lich auch das Grenadier-Bataillon von Erzherzog Franz Carl mit 2 Geschützen der
Brigade-Batterie unter Commando des Majoren Frh. von Mylius in Medole ein-
getroffen und hatte sich im Orte selbst gelagert
Als nun in der Nacht das Gefecht begann, machte Urs dein Brigade-Com-
niando Meldung. Dieselbe ließ er in Medole selbst durch seinen Bataillons-
Adjutanten Frh. von Coudenhove dem rangsälteren Majoren Frh. von Mylius mit
der gleichzeitigen Bitte machen, derselbe wolle zur übernähme der Leitung des
engagierten Gefechtes entweder persönlich vorkommen, oder aber dieselbe ihm
(Urs) übertragen, worauf der genannte Adjutant dem Majoren Urs den Bescheid
brachte, dass Major Frh. von Mylius ihm nebst seinem 1. Bataillon und dem
halben Cavallerie-Zug auch noch die zwei Geschütze zur Verfügung stelle, und
sich nur über das eigene Grenadier-Bataillon zu disponieren vorbehalte.
Major Urs placierte nun die vorgefahrenen Geschütze an dem Vereinigungs-
punkte der von Castiglione delle Stiviere und Carpenedolo gegen Medole
Digitized by Google
Ritter des M. T.-0. David Freiherr Cr« de Margina
155
führenden Straßen und vervollständigte so die Besetzung dieses Theiles der Orts-
umfassung.
Da sich weiters auf der Straße von Carpenedolo feindliche Cavallerie-
Abthcilungen gezeigt halten, so unterließ er nicht, hievon auch die Cavallerie-
Division in deren Lager hinter Medole zu avisieren.
Seine Vorposten hatten inzwischen einen tiefen Wassergraben, etwa 300
Schritte vor Medole, besetzt und hielten in dieser Stellung im Vereine mit den
Geschützen das Vordringen des Feindes in der Front bis gegen 4 Uhr früh hin.
Um diese Stunde wurden die Vorposten durch das Vorbrechen starker
feindlicher Colonnen — wie sich spater ergab, der 8.000 bis 10.000 Mann starken
Division unter dem französischen General de Luzy — auf der Straße von Carpene-
dolo und gegen die beiden Flanken namentlich aber gegen die rechte, bemüssigt,
sich nach Medole selbst zurückzuziehen.
Von 4 Uhr an kämpften die Abtheilungen an der Umfassung des Ortes mit
dem Feinde, wobei Urs, persönlich dem heftigsten feindlichen Feuer ausgesetzt,
das Gefecht ununterbrochen leitete.
Obgleich die Aufgabe der Vorposten kein so hartnäckiges Gefecht, wie das
durch Major Urs geführte bedingt, auch der bereits berührte Corps-Befehl keine
Vertheidigung Medoles um jeden Preis gebot, Urs daher durch zweistündigen
Widerstand gegenüber erdrückender Obermacht wohl seiner Pflicht genügend
entsprochen hatte, und sich mit seinem Bataillone zurückziehen konnte, ohne sich
einer Verantwortung auszusetzen, so glaubte er nach genauer Erwägung doch aus
jenem Corps-Befehl schließen zu sollen, dass man auf die Erhaltung des Ortes
Medole einen besonderen Wert legen müsse, und zwar umsomehr, als gegen
Mitternacht Verstärkung dahin gekommen war. Dieser Unistand, sowie die eigene
Erkenntnis der Wichtigkeit Medoles für die weitere Vorrückung der k. k. Armee,
ließen Major Urs den festen Entschluss fassen, Medole auf das äußerste zu
vertheidigen. Und so kämpfte er denn um den Besitz dieses Punktes auf das
hartnäckigste weiter.
Während die ungestümen feindlichen Angriffe auf den westlichen Eingang
des Ortes durch die Lieutenants Munker und Sessler unter Mitwirkung der
Geschütze sammt deren Bedeckung mit seltener Bravour zurückgewiesen wurden,
sah sich Urs genöthigt, den auf seinem rechten Flügel, gegen den so vielfach über-
legenen Feind mit der 2. Füsilier-Compagnie kämpfenden Hauptmann Laudcn-
bacher durch die ganze 5. Füsilier-Compagnie unter Hauptmann Bittner und
hierauf auch durch die halbe 3. Füsilier-Compagnie unter Oberlieutenant Bello-
braidic zu verstärken.
Gleich darauf musste Urs infolge eines Zwischenfalls bald auch zur Unter-
stützung seines linken Flügels eilen. Die nach Ceresole disponierte, den äußersten
linken Flügel bildende 4. Füsilier-Compagnie hatte sich nämlich irrthümlich der ab-
ziehenden Cavallerie-Division angeschlossen, und dem Feinde gelang es. die infolge
dessen auf dem linken Flügel allein fechtende halbe 1. Füsilier-Compagnie — trotz
des hartnäckigsten Widerstandes des Commandanten derselben, Oberlieutenantü
Digitized by Google
156 OLVIII. und CLIX. Promotion. - Im Kriege von 1859.
Sostaric — in den Ort zurückzudrängen. Auf die Meldung liievon eilte Urs mit der
halben C. Compagnie dahin. An der Spitze dieser Abtheilung fiel Lieutenant
Magyar den eingedrungenen Feind mit dem Bajonnett an und trieb ihn wieder ins
Freie. Dadurch war das Gefecht am linken Flügel wieder hergestellt.
Der rechte Flügel war indessen trotz der ihm zugesandten Verstärkungen
nicht in der Lage, die gegen denselben vordringenden feindlichen Massen auf-
zuhalten, sondern musste im Gegentheil fechtend zurückweichen, worauf sich Urs
genöthigt sah, eine weitere Unterstützung dieses Flügels beim Majoren Frh. von
Mylius anzusuchen. Gleichzeitig musste er auch seine Mitte von der äußeren
Umfassung des Ortes zurückziehen und sich auf die Vertheidigung eines mehr
rückwärts liegenden Ortsabschnittes beschränken.
Mittlerweile war es ö1/, Uhr geworden Um diese Zeit war GM. Frh. von
Blumencron von Guidizzolo auf dem Kampfplatze bei dem Major Urs eingetroffen
und rief diesem zu :
„Gehen Sie zurück, Sie sind von allen Seiten umringt."
„Ich kann mich noch halten,* meldete Urs zurück.
Darauf munterte General Blumencron selbst die Mannschaft zu weiterem
Widerstande auf, ritt zum Grenadier-Bataillon, und stellte dasselbe zur Aufnahme
des Majoren Urs auf.
Ungeachtet der inzwischen erfolgten kräftigen Unterstützung des rechten
Flügels durch zwei Grenadier- Compagnien musste derselbe schließlich den immer
stärker andrängenden Massen der Division de Luzy doch weichen. Dadurch wurde
die Rückzugslinie des Majors Urs im höchsten Grade gefährdet. Überdies hatten
sich seine Abtheilungen im Orte gänzlich verschossen. Dies nöthigte ihn. nach
ü Uhr den Rückzug anzuordnen. Kr ralliierte vorerst sein auf ein Häufchen zu-
sammengeschmolzenes Bataillon am Ausgange des Ortes hinter der dort aufge-
stellten 3. Grenadier-Cornpagnie, wo sich auch der durch einen Sturz verletzte
Major Frh. von Mylius befand, und sammelte darin unter energischer Mitwirkung
des GM. Frh. von Blumencron und unter dem Schutze einer außerhalb des Ortes
formierten starken Plänklerkette, sowie der ebendort aulgestellten Division des
König von Bayern Husaren-Regiments Nr. \i. neben den Resten seines 1. Füsilier-
Bataillons, auch die des Grenadier-Bataillons. Nachdem die Abtheilungen beider
Bataillone beisammen waren, setzte Major Urs den Rückzug im Angesichte des
Feindes, jedoch nur von seinem heftigen Geschützfeuer verfolgt, weiter fort und
erreic hte nach 7 Uhr früh die übrigen Abtheilungen der Brigade.
Die vorgeschilderte Waffenthat — die vierstündige Behauptung Medoles
gegenüber vier- bis fünffacher Übermacht — stellt sich umso glanzvoller dar, als
das sehr bedeckte und durchschnittene, keine Aussicht gewährende Terrain um
Medole und die auf sechs Viertelmeilen ausgedehnte Vorpostenstrecke des Majoren
Urs, durch welche ihm anfangs vier Compagnien seines Bataillons sozusagen aus
der Hand genommen waren, die Vertheidigung überaus erschwerten.
Der officielle Schlachtbericht des Gegners im „Moniteur" selbst anerkannte
und bestätigte die außerordentliche Bedeutung der Vertheidigung von Medole.
Digitized by Google
I
Rilter de« M. T.-O. Gu»Uv Adolph Freiherr von Neubauer.
157
Das Verdienst um dieselbe kommt aber ausschließlich den bezeichneten
Abiheilungen unter Major Urs zu, da am Schlachttage andere Truppen der k. k.
Armee weder früher noch später Medole betreten haben. Der Verlust der beiden
Bataillone an Todten. Verwundeten und Vermissten betrug 18 Oberoflieiere und
622 Mann; jener der Uhlanen 3 Mann, endlich jener der Artillerie 1 Officier,
7 Mann, 5 Pferde und ein demontiertes Geschütz. Diese bedeutenden Verluste
waren eine Folge der selbst von dem Gegner anerkannten heldenmütigen Aus-
dauer sämmtlicher Abtheilungen in einem so ungleichen vierstündigen Kampfe.
Doch durch die blutigen Opfer dieser tupferen Abtheilungen wurde die k. k. Armee
vor weitaus größeren Nachtheilen bewahrt.
Für diise hervorragende Leistung in der Sehlacht bei Solferino wurde
Major Urs mit dem Orden der Eisernen Krone III. Glasse ausgezeichnet.
Ferner geruhte auf Grund dieser Waffen! hat Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. als Erhabener Großmeister über Antrag des Capitels kraft der
(1LVHI. Promotion vom 17. October 1859 den Major David Urs de Margina
durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-
Ordens zu promovieren und in der Folge statutengemäß in den österreichischen
Freiherrnstand zu erheben.
Am 1. Februar 1860 zum 64. Infanterie-Regiment transferiert, wurde Major
Urs am 14. November 1861 zum Oberstlieutenant und am 29. October 1863
zum Obersten befördert Als solcher trat er am 18. December 1864 in den
Ruhestand.
Der Krieg gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 rief ihn indessen
wieder zu den Fahnen. Als ob ihm vom Geschick beschieden gewesen wäre, stets
auf Posten zu stehen und zu kämpfen, wo es am schärfsten her^ieng und feind-
licher Obermacht die Spitze zu bieten war, wurde er mit dem Insel- und Festungs-
Commando von Lissa betraut.
Oberst Frh. von Urs übernahm am 21. Mai das Commando. Am 18. und 19. Juli
erfolgten die wiederholten übermächtigen Angriffe der italienischen Flotte auf
die Insel Lissa *) bis die kaiserliche Escadre unter Conlre-Admiral von Tegett-
hoff am 20. zum Entsätze herbeieilte und den Gegner in der glorreichen See-
schlacht bei Lissa schlug.
Am 1. Februar 1867 wurde Oberst Frh. von Urs in den Ruhestand rück-
verset/.t.
Ritter dos Maria Theresien-Ordeus
Gustav Adolph Freiherr von Neubauer.
<Mit Bildnis aus dein Jahr-' 1850.)
Gustav Neubauer wurde in Krumau im Budweiser Kreise des Königreiches
Böhmen im Jahre 1824 geboren und am 3. Februar 1840 bei dem damaligen
*) Siehe „iVunolion CLXIV bis CLXV1I1. — Im Kriege ge^n lVutfeu und Italien im Jahre
ISOti. - Die Kampfe auf dem Adiiaüscheu Meere-, Seite 401, 413 und 414.
Digitized by Google
158
CLVI1I. und CLIX. Promotion. — Im Krieg« von 1859.
4. Artillerie-Regiment als Cadet-Unterkanonier assentiert, begann demnach
seine Militär-Laufbahn schon im Jünglingsalter mit dem 17. Lebensjahre. Am
21. August 1840 zum Cadet-Kanonier befördert, absolvierte er im Bombardier-Corps
den höheren Ours der Mathematik, Physik und Chemie und wurde am 11. August
1842 unter gleichzeitiger Beförderung zum Bombardier in das Bombardier-Corps
übersetzt. Am 11. Februar 1847 erfolgte seine Beförderung zum k. k. Cadeten
im 2. Feld- Artillerie-Regiment und am 26. Juni 1848 zum Unterlieutenant in
demselben.
In den Jähren 1848 und 1849 machte er den Krieg gegen Piemont in
Italien und zwar im Feldzuge von 1848 die Belagerung von Venedig mit. Er
kämpfte bei Ponte della Priula am 19. Mai als Artillerie-Commandant im
Brückenkopf. Im nachfolgenden Jahre 1849 betheiligte er sich ebenfalls an der
Belagerung Venedigs, und zwar bei Malghera im Zeuggarten von Oriogo wäh-
rend der Beschießung am 3. und 4. Mai, dann bei der Beschießung und Einnahme
am 24., 25. und 26. Mai. Er war zuerst zweiter Officier in der achtzehnpfündigen
Strandbatterie am Damme gegen Fusina gewesen, sodann Commandant der
vienmdzwanzigpfündigen Batterie Nr. 30 zu S. Giuliano bis zur Einnahme.
Am 1. August 1849 zum Oberlieutenant befördert, wurde Neubauer für
seine Leistungen während der Belagerung von Venedig in der Folge mit dem Mili-
tär-Verdienstkreuze ausgezeichnet.
Am 1. August 1850 zum 4. Feld- Artillerie-Regiment transferiert, absolvierte
er den Curs an dem Artillerie-Equitations-Institut zu Wien, fungierte 1853/54 als
Commandant und Lehrer der Corps-Equitation des 1. Feld- Artillerie-Regiments
und avancierte am 1. August 1854 zum Hauptmann II. Classe im 4. Artillerie-
Regiment, wurde am 31. Juli 1856 zum 3. Feld-Artillerie-Regiment*) transferiert
und in demselben am 1. Mai 1858 zum Hauptmann I. Classe befördert.
Als Hauptmann und Commandant der seehspfündigen Fußbatterie Nr. 4 des
3. Feld-Artillerie- Regiments machte er in der Brigade des GM. Frh. von Wezlar
des III. Armee-Corps (Division FML. Martini, später FML. Habermann) eingetheilt,
den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859 mit.
Wiewohl Hauptmann Neubauer mit seiner Batterie, von der Überschreitung
des Ticino am 29. April 1859 angefangen, alle Operationen der II. Armee mit-
machte, war es ihm doch erst in der Schlacht bei Solferin o vergönnt, ins Feuer
zu kommen. In derselben wurde ihm aber Gelegenheit zutheil, sieh durch außer-
ordentliche Leistungen glänzend hervorzuthun.
Arn 24. Juni rückte Hauptmann Neubauer mit seiner Batterie im Brigade-
verbamle um 7s 9 Uhr aus dem Lager hinter Guidizzolo durch den nordwestlichen
Ausgang dieses Ortes auf der großen Straße gegen Casliglione delle Stiviere vor,
bis er beiläufig 600 Schritte außerhalb des Dorfes die Brücke über einen kleinen
Torrente passiert hatte. Von diesem Punkte aus wurde ein Bat aillon mit 2 Geschützen
von der Batterie gegen Casa nuova dirigiert, während Hauptmann Neubauer mit
•) Seit 1. Mai 1885: 5. L'ngarisclu-s (k.i|.s-ArtiJk-rie-He|pment.
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritler de» M. T. 0. GusUv Adolph Freiherr von Neubauer. 159
(i Geschützen von dem Corps-Artillerie-Chef angewiesen wurde, nächst der Straße
.un Bande des Campo di Medole Stellung zu nehmen.
Schon während der Vorrückung Neubauers concentrierte sich das Feuer des
Gegners auf seine Batterie-Colonne. Gleichwohl wusste er die Batterie so zu führen
und zu placieren, dass dieselbe vor Verlusten bewahrt blieb, ohne dabei die eigene
Geschützwirkung zu beeinträchtigen. Als Ziel für das Batteriefeuer nahm er die vor
Medole aufgestellten feindlichen Batterien und bewirkte, dass deren Feuer bald
merklich abnahm und endlich vollkommen verstummte. Dieses günstige Resultat
wurde durch richtige Granatwürfe, tadellose Handhabung der Geschütze, haupt-
sächlich aber durch die ruhige kaltblütige Befehlsführung des Hauptmanns Neubauer
erreicht, welcher seiner Batterie mit musterhafter Haltung voranleuchtete.
Nach dem Eintreffen einer Cavaileric-Batterie von der Geschütz-Reserve
rückte Neubauer mit 6 Geschützen seiner Batterie wieder zu seiner Brigade ein,
während die zu Beginn des Gefechtes detachierten 2 Geschütze zur Geschütz-
Reserve gezogen wurden. Neubauer nahm mit der Batterie hinter dem linken
Flügel seiner Brigade nächst Casa nuova Aufstellung, da es die dichte Cultur
unmöglich machte, die Batterie in die Gefechtslinie zu entwickeln. Dieser Umstand
beschränkte die Wirksamkeit der Batterie Neubauers längere Zeit darauf, aus dem
Hintertreffen die Reserven des Gegners, welche gegen den eigenen linken Flügel
vorgiengen, mit Granaten zu bewerfen. Rechts und links der Brigade Wezlar
kämpften Brigaden des III. und IX. Corps unter gleichen Verhältnissen.
Das Gefecht schwankte mit wechselndem Glücke, ohne dass es dem Feinde
anfänglich gelang, die k. k. Truppen zu werfen. Die Kräfte des Gegners verstärkten
sich jedoch zusehends immer mehr, während die k. k. Truppen theilweise weichen
mussten. Unter diesen Verhältnissen war es Nachmittag geworden, als die Regi-
menter Khevenhüller und Hartmann des XI. Armee-Corps in die Schlachtlinie vor
Guidizzolo rückten. Die Brigade Wezlar hatte nur mehr 8 Compagnien des Begi-
ments Liechtenstein Nr. 5 und C Geschütze der Batterie des Hauptmanns Neubauer
nächst Casa nuova disponibel: der Rest der Brigade war theils aufgelöst, theils
so entfernt, dass er nächst Casa nuova nicht mitzuwirken imstande war.
Auch die 8 Compagnien sollten abgelöst werden und ins Reserve-Verhältnis
treten, wurden jedoch sammt der Batterie von GM. Frh. von Wezlar zur eventuellen
Unterstützung der vorgenannten zwei Regimenter in ihrer Aufstellung belassen,
falls deren Vorgehen gegenüber der Überlegenheit des Gegners nicht von ent-
schiedenem Erfolge begleitet werden sollte. Diese Voraussetzung war, wie sich
bald erwies, eine gegründete, indem kurze Zeit nach dem Vorgehen beide Regi-
menter vom Feinde zurückgeworfen wurden. Das Regiment Liechtenstein nahm
daher den Kampf wieder in erster Linie auf, brachte das Gefecht zum Stehen, ja
eroberte, durch die Batterie des Hauptmannes Neubauer nachdrücklich unterstützt,
das verlorene Terrain zurück.
Sowohl Verluste als Erschöpfung waren in den Reihen des Regimentes
Liechtenstein mittlerweile stets gewachsen; es wurden daher erneuert die Regi-
menter Khevenhüller und Hartmann zum Sturme gegen den Feind beordert, welcher,
Digitized by Google
160 CLVlll. CLIX. uud Promotion. - Itu Kriege von 18fi0.
durch dichte Culturen gedeckt, den AngrifTs-Colonnen bedeutende Massen entgegen-
warf. Unmittelbar diesen beiden Regimentern folgten die 8 Compagnien des
Regiments Liechtenstein und an deren linkem Flügel die 6 Geschütze der Batterie
unter Hauptmann Neubauer.
Die Sturm-Colonnen drangen — durch starke Tirailleur-Ketten geschützt —
anfänglich mit vieler Entschlossenheit vor, wurden jedoch nach einem heftigen
Zusammenstoße mit dem überlegenen Feinde wieder zurückgeworfen und
gelangten dabei allmählich in ein stets heftigeres Drängen gegen Guidizzolo, so
dass das Regiment Liechtenstein sich nur mit großer Anstrengung zu behaupten
vermochte.
Hauptmann Neubauer ließ dabei die Batterie an einem solchen Punkte
Stellung nehmen, von welchem sie trotz dichter Cultur bei 60 bis 70 Schritte ziemlich
freien Ausschuss hatte, und wartete ruhig, bis der Feind sich auf diese Distanz
anzunähern begann. Im gegebenen Augenblicke empfieng Neubauer die dichten
feindlichen Reihen mit kräftigem Kartätschenfeuer. Die Wirkung dieses lebhaften
Feuers war augenblicklich bemerkbar; der Feind ließ ab, die weichenden Abihei-
lungen weiter zu drängen, und begnügte sich damit die Batterie mit einem heftigen
Gewehr- und Geschützfeuer zu überschütten.
Allein das Weichen der k. k. Truppen nächst Casa nuova gestaltete sich
bald zu einem allgemeinen Rückzug auf der ganzen Gefechtslinie zwischen Medole
und Guidizzolo. Bereits mussten auch die an der Hauptstraße im Feuer gestandenen
Batterien der Geschütz-Reserven im Galopp nach Guidizzolo zurückgenommen
werden.
Die Folge dieses allgemeinen Zurückweichens war, dass die Batterie des
Hauptmanns Neubauer bald völlig ungeschützt dastand, was der Gegner sogleich
benützte, um gegen dieselbe seine Massen zu dirigieren. Angesichts dessen konnte
auch Hauptmann Neubauer die eingenommene Stellung nicht länger festhalten
und trat in vollster Ordnung den Rückzug an. Während desselben rückten die
detachiert gewesenen beiden Geschütze wieder zu seiner Batterie ein.
Mittlerweile hatten sich einzelne Schwärme verschiedener Regimenter weiter
rückwärts zu einem dichten Haufen zusammen gedrängt, dessen Rückzug gegen
Guidizzolo auf ein schwer zu überwindendes Hindernis stieß. Dasselbe wurde durch
einen Graben gebildet, welcher bei einer beträchtlichen Tiefe sehr steile
Böschungen hatte und über welchen als einzige Communication die gemauerte
Straßenbrücke führte. Dieser Graben lief parallel mit der Nordwestfront von Gui-
dizzolo. ungefähr 600 Schritte von derselben entfernt.
Als Hauptmann Neubauer mit seiner Batterie bei dem Rückmärsche ungefähr
200 Schritte rechts vorwärts jener Brücke anlangte, fasste er angesichts des
kritischen Gefechtsmomentes selbständig den Kntschluss. diesen wichtigen Punkt
um jeden Preis zu halten. Er placierte die Geschütze beiläufig 50 Schritte rechts
vor jenen der dort inzwischen aufgefahrenen Batterie Nr. 3/111. welch' letztere auf
diese Weise den linken Flügel der ganzen Position bildete. Diese Batterie eröffnete
ihr Feuer, sobald der Feind sichtbar wurde.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Gustav Adolph Freiherr von Neubauer.
161
Hauptmann Neubauer dagegen, erkennend, dass hier die Entscheidung
gegeben werden müsse, sollte der Rückzug der k. k. Truppen ermöglicht und der
Feind von einem Angriff auf Guidizzolo selbst abgehalten werden, verbot seiner
Batterie ausdrücklich, das Feuer wieder zu eröffnen, bevor er selbst es anordnete.
So stand die Batterie, mit jeder Patrone geizend, schussbereit einige Zeit da.
Endlich, als schon das Weiße im Auge des Feindes sichtbar war, ließ Neubauer
das Feuer gegen die heranstürmenden Colonnen aus seinen Geschützen eröffnen.
Die Wirkung davon war eine mörderische.
Von den 8 Geschützen der Batterie konnten nur mehr 6 feuern und diese
bloß wenige Schüsse abgeben, aber diese warfen von den in der Front anstürmenden
feindlichen Colonnen ganze Reihen nieder und brachen die Kraft des gegen die
Batterie gerichteten Massenangriffs. Hiebei konnten deshalb nur mehr 6 Geschütze
ins Feuer gebracht werden, weil die Lafette der einen Haubitze vollständig demon-
tiert war, bei einer der Kanonen aber plötzlich ein so großer Verlust an Mann-
schaft eintrat, dass dieselbe während der Dauer des Feuers nicht mehr schlagfertig
gemacht werden konnte.
Während auf diese Weise dem Anstürmen des Feindes vor der Front der
Batterie Halt geboten war. drangen bei der Überlegenheit des Gegners andere
Colonnen desselben unaufhaltsam gegen die Flügel der Batterieposition vor. Die
Wenigen vom Regimente Liechtenstein, welche sich noch am rechten Flügel der
Batterie befanden, wurden von dem Strome der übrigen weichenden Abtheilungen
mitgerissen. Keine der früher zurückgegangenen Batterien vermochte mehr eine
Stellung zur Aufnahme der Truppen zu nehmen; auch die links rückwärts der
Batterie des Hauptmannes Neubauer aufgefahrene Batterie Nr. 3/I1I musste ihr
Feuer einstellen und nach Guidizzolo zurückgehen.
In diesem Augenblicke stand die Batterie Neubauers wieder ganz allein da
— nur noch von kleinen Infanterie-Sch wärmen unzulänglich gedeckt — dem vollen
Anfalle des Feindes gegen die Flanken preisgegeben. Diese verzweifelte Lage der
Batterie machte sich der Gegner sofort zunutze. Den Angriff in der Front erneuernd,
stürmte er mit dichten Colonnen auch gleichzeitig gegen die beiden Flügel der
Position an.
Aber weder die Vereinzelung der Batterie, noch die derselben durch den
concentrischen Massenangriff drohende höchste Gefahr vermochten den Haupt-
mann Neubauer in dem früher gefassten Entschlüsse wankend zu machen. Er ließ
vielmehr im letzten Augenblicke die Flügelgesrhütze seitwärts richten und sowohl
in der Front wie in beiden Flanken nun ein ununterbrochenes Kartätschenfeuer
unterhalten.
Die dadurch dem Feinde beigebrachten außerordentlichen Verluste erschüt-
terten ihn derart, dass seine Sturm-Colonnen stockten, den Geschützen Neubauer?
den Rücken wendeten und schließlich ihr Heil in rascher Flucht gegen Medole
suchten.
Von diesem Augenblicke an war im Nordwesten von Guidizzolo kein
Feind mehr zu sehen.
MiHUriMher Maria Th«reti«n-Ord«n. 1 1
Digitized by Google
102
CLVIII. und CLIX. Promotion. — Im Kriege von 1859.
Dieses durch Neubauers heroisches Ausharren herbeigeführte Resultat trug
wesentlich dazu bei, dass der Rückzug der eigenen Truppen nächst der Straße
durch Guidizzolo gegen Goito unbelästigt vom Feinde ausgeführt werden konnte,
indem der Gegner weiter weder einen Angriff über Casa uuova gegen Guidizzolo
wagte, noch auch den Versuch einer Verfolgung machte. So wurde es ermöglicht,
dass sich die einzelnen, fast gänzlich auseinander gekommenen Truppenkörper,
welche nordwestlich von Guidizzolo gekämpft hatten, hinter dem Orte sammeln
und geordnet nach Goito zurückziehen konnten. Unmittelbar hinter Guidizzolo
befand sich auch der größte Theil der Munitionsfuhrwerke der Geschütz-Reserve
des IX. Corps, theils mit gebrochenen Deichstin, theils in die Straßengräben
gestürzt, sowie auch mehrere Sanitätswagen; all dieses ärarische Gut konnte
später nach Goito gebracht und gerettet werden. Nicht minder konnte ein großer
Theil der in Guidizzolo angesammelten Verwundeten infolge des Zurückwerfens
des Feindes entweder langsamen Schrittes Goito erreichen, oder mit Geschützen
und Munitionskarren zurücktransportiert werden.
Vom jüngsten Batterii officier bis zum Brigadier hinauf herrschte in der
ganzen Truppe einmüthigste, bewundernde Anerkennung der Waffenthat des
Hauptmannes Neubauer und gelangte in geradezu begeisterter Weise in dem ihm
gewordenen Tapterkeits-Zeugnisse aller Kampfgenossen zum Ausdrucke.
Auf Grund der auf diese Weise in der Schlacht bei Solferino am
24. Juni 1859 vollbrachten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. als Erhabener G roßmeister über Antrag des Capitels kraft der CLVIII.
Promotion am 17. October 1859 den Hauptmann Gustav Adolph Neubauer mittels
Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu
promovieren.
Am 4. Juni 1860 wurde Hauptmann Ritter von Neubauer zum 1. Feld-
Artillerie-Regimente transferiert und gleichzeitig zum Major befördert.
In dieser Charge machte er den Krieg gegen Dänemark in Schleswig
und Jütland im Jahre 18G4 als Commandant der Corps-Geschütz-Reserve des
VI. Armee-Corps unter r ML. Ludwig Frh. von Gablenz mit. Neubauer leitete die
Kanonade vor Schleswig am 4. Februar. In dem blutigen Treffen bei V eile am
S. März wirkte er mit der Geschütz-Reserve in so hervorragender Weise, dass er
selbst dem Feinde Bewunderung abzwang.
Der dänische General Lieutenant Hegermann erklärte dem am 10. März als
Parlamentär nach Skanderborg entsendeten Rittmeister Grafen Lamberg, die
Wirkungen der entwickelten 10 Geschütze der Reserve seien unwiderstehlich auf
Distanzen gewesen, auf welchen andere Artillerien nur annäherungsweise Treffer
erzielten. Es gebe keine Truppe, keine Artillerie, welche im Feuer dieser Batterien,
die mit solcher Kaltblütigkeit bedient werden, widerstehen könnte. Der Rückzug
der Truppen des Generals Hegermann sei die Folge des Feuers der öster-
reichischen Batterien gewesen.
Schließlich nahm Neubauer an der Berennung und Beschießung von Fride-
ricia theil, welche durch die k. k. Brigaden Tomas und Nostitz und durch die
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Qöia Freiherr FejervAry de Komlos-Keresztes.
163
Corps-Geschütz-Reserve im Verein mit der preußischen Garde-Division am 19., 20.
und 21. März durchgeführt wurde.
Am 4. Mai wurde Major Ritter von Neubauer für besondere Tapferkeit
in diesem Feldzuge mit der Allerhöchst belobenden Anerkennung aus-
gezeichnet; am 2. Juni erfolgte seine Beförderung zum Oberstlieutenant.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 kämpfte Oberst-
lieutenant Ritter von Neubauer in dem Feldzuge gegen Preußen mit der Nord-
Armee als Commandant der Corps-Geschütz-Reserve des I. Armee-Corps unter
dem GdC. Grafen Clam-Gallas mit und zwar in dem Gefechte bei Münchengrätz
am 28. Juni, in dem Treffen bei Ji ein am 29. Juni und in der Schlacht bei König-
grätz am 3. Juli.
Für seine Leistungen in diesem Kriege wurde ihm die Allerhöchste
Belobung zutheil.
Am 9. November 1867 wurde Ritter von Neubauer unter gleichzeitiger
Translerierung zum 9. Artillerie -Regimente zum Obersten befördert. Im
Jahre 1870 war er bei den commissionellen Berathungen artilleristischer Fragen
betheiligt.
Am 29. Jänner 1872 geruhte Seine Majestät der Kaiser den Obersten Gustav
Adolph Ritter von Neubauer auf Grund der Statuten des Maria Theresien-Ordens
in den österreichischen Freiherrnstand zu erheben.
Am 1. November 1874 wurde Oberst Frh. von Neubauer zum Comman-
danten der 2. Infanterie-Brigade ernannt und gleichzeitig zum Generalmajor
befördert
Am 1. November 1876 trat GM. Frh. von Neubauer in den Ruhestand und
starb am 21. Juli 1888 zu Görz.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Geza Freiherr Fejerviiry de Komltfs-Keresztes.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 18<i0.)
Fcjerväry wurde als Sohn eines k. k. Feldmarschali-Lieutenants am 15. März
1833 zu Josefstadt in Böhmen geboren und erhielt seine militärische Erziehung
in der k. k. Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt. Am 14. August 1851 zum
52. Infanterie-Regiment als Unterlieutenant ausgemustert, avancierte er am
10. Jänner 1852 zum Oberlieutenant im 61. Infanterie-Regiment. Im Februar
1854 erfolgte seine Zutheilung zum General-Quartiernuister-Stab, und zwar im
Hauptquartier des IX. Corps, mit welchem er im Laufe des Sommers den Marsch
von Wien über Neusatz, Siebenbürgen nach der Bukowina machte. Sodann war
er dem Landesbesehreibungs-Bureau für Inneres zugetheilt, absolvierte 1855 bis
1857 die k. k. Kriegsschule und wurde darauf von neuem dem General-Quartier-
il*
Digitized by Google
"X
Digitized by Goc
S 0 LFERINO , 24. JU1 1 L 1859
DruckvFKargl
Digitized by Google
164 CLVUI. und CLIX. Promotion. - Im Kriege von 1859.
meister-Stabe zugetheilt, in dessen Stand er am 8. April 1859 unter Beförderung
zum Hauptmann II. Glasse gänzlich übersetzt wurde, worauf er am 22. Mai 1859
zum Hauptmann I. Classe vorrückte.
Als solcher machte er den, Krieg gegen Frankreich und Piemont in
Italien 1859 mit. Anfangs als Generalstabsofficier bei der Brigade Dürfeid des
III. Corps eingetheilt, war es ihm vergönnt, in der Schlacht bei Solferinoam
24. Juni unter FML. Ritter von Benedek mit dem VIII. Corps bei S. Marlino als
Generalstabsofficier mitzukämpfen, am linken Flügel des Corps in den Verlauf
des Gefechtes wiederholt selbständig einzugreifen und dadurch zu der Besitznahme
und siegreichen Behauptung der Höhen von S. Martino wesentlich beizutragen.
Bereits am Vortage der Schlacht, am 23. Juni, hatte Hauptmann Fejerväry
mit einer halben Escadron Kaiser-Husaren eine erfolgreiche Recognoscierung in
der Richtung gegen Rivoltella ausgeführt, welche hinsichtlich der Stellung des
Feindes ergab, das» die feindliche Vorpostenlinie von Castel Venzago sich über
Centinaro, Venga bis östlich von Rivoltella erstreckte; dass Castel Venzago und
Ccntinaro vom Feinde besetzt, bei S. Zeno, Machetto und Mirabello größere
Abiheilungen, in der Stärke von circa 1 Bataillon, und zwar speciell am Fuße des
Monte Marc ein größeres feindliches Zeltlager (für 4000 bis 5000 Mann) sichtbar,
endlich ein vorgeschobener feindlicher Cavallerie-Posten in der Stärke von 300
Pferden bei S. Martino postiert waren. Weiter brachte Fejerväry bei dieser
Recognoscierung durch Aussagen der Landleute in Erfahrung, dass sich auf der
ganzen feindlichen Linie durchaus piemontesische Truppen befanden und nur eine
kleine Abtheilung französischer Infanterie in Desenzano angekommen war.
Am Schlachltage, 24. Juni, rückte Hauptmann Fejerväry, obzwar er -
entsprechend seiner sonstigen Dienstesobliegenheit in der Operationskanzlei des
VIII. Corps — zur Suite des FML. von Benedek gehörte, aus eigenem Antriebe
gleich zu Beginn der Sehlacht mit dem zur Verfolgung des geworfenen Feindes
am linken Flügel des Corps vorgesendeten Theile der Brigade Lippert freiwillig
in die Gefechtslinie vor.
Er stellte sich mit an die Spitze der gegen die rechte Flanke der Piemontesen
im Sturmschritte vorrückenden 2 Bataillone von Rainer-Infanterie Nr. 59, welche
um 71/, Uhr früh über Casette gegen Ortaglia. S. Martino und Contracania vor-
drangen. Trotz des heftigsten, mit entschiedener Bravour geleisteten Widerstandes
des Feindes, gelang es dem Vordertreffen der Brigade Lippert dennoch, denselben
im ersten Anlaufe zurückzuwerfen.
Bald jedoch rückte der durch frische Truppen verstärkte und von lebhaftem
Geschülzfeuer unterstützte Gegner, trotz hartnäckigster Gegenwehr des Vorder-
treffens der Brigade Lippert wieder vor. nahm die Höhe von S. Martino uud
drängte die beiden Bataillone von Eh. Rainer hinter die nächste rückwärtige Höhe
zurück. Unter successiver Verstärkung beider kämpfenden Theile wurde vom
VIII. Corps allmählich die ganze Brigade Lippert und die halbe Brigade Reichlin
— den linken Flügel Benedeks bildend — in das Gefecht gezogen. So wurden die
Höhen von S. Martino viermal genommen, viermal verloren. Schließlich nahmen
Digitized by Google
>y Google
4
Digitized by Google
S OLFERINO, 24. JUKI 1859
Druck vfYasqi
Google
RitUr des M. T.-O. Csia Freiherr Fejirvdry de Komlos KereMte«.
165
aber die auf diesem Flügel Benedeks kämpfenden 1 '/» Brigaden mit der blanken
Waffe die blutig umstrittenen Höhen nach 10 Uhr vormittags dauernd in Besitz.
Ein weiteres Vordringen erschien aus Rücksicht für den Gefechtsgang im
Centrum der Armee nicht rathsam. Die infolge dessen eintretende längere Pause
im Gefechte kam dem Gegner sehr zu stalten. Durch frisch eingetroffene Truppen
verstärkt versuchte der Feind, nach einem längeren einleitenden heftigen Geschütz-
feuer, von 1 Uhr an mit Ungestüm in mehreren hinter einander folgenden Stürmen
die Position von S. Martino- Contracania den k. k. Truppen wieder zu ent-
reißen, wurde aber immer wieder zurückgewiesen.
Gegen 5 Uhr nachmittags, während eines heftigen Ungewitters, erneuerten
sich diese Versuche des Feindes, wurden aber von Rainer-Infanterie, dann von
Dom Miguel-Infanterie und dem 9. Jäger-Bataillon fünfmal mit der größten Bra-
vour abgeschlagen. Die Position wurde, trotz der vielen mit bedeutender Ober-
macht unternommenen Angriffe von der braven Truppe bis in die sinkende
Nacht behauptet. Auch der letzte, um 81/, Uhr abends unternommene Sturm des
Feindes wurde auf der Höhe von Casette durch einen wuchtigen Gegenangriff ab-
geschlagen. Dann erst, auf Befehl des Corps-Comniandanlen FML. von Benedek.
wurde der Rückzug in vollster Ordnung angetreten.
Von dem Augenblicke der um 7 '/» Uhr morgens erfolgten Vorrückung der
beiden Bataillone Eh. Rainer, welchen sich Fejervary freiwillig angeschlossen hatte,
gieng er während der ganzen Dauer des Gefechtes bis gegen 0 Uhr abends mit
dem wirksamsten Erfolge auf dem linken Flügel des Corps den beiden Brigade-
Commandanten GM. Lippert und GM. Reichlin mit Rath und That an die Hand.
Überall, wo er den geeigneten Moment ersah, sammelte er die Truppen und
führte dieselben selbst zum Sturme vor.
Dabei sorgte er auch für günstige, rechtzeitig wirksame Placierung der
Batterien auf dem linken Flügel des Corps. Besonders den ungefähr um lO'/j, Uhr
erfolgten Sturm, welcher zur definitiven Behauptung der Position Contracania-
S. Martino führte, bereitete er dadurch kräftigst vor, dass er zwei Geschütze der
Cavallerie-Batterie Nr. 8/V1II gegen die vom Feinde sehr stark besetzte Cascine
Colombara placierte, diesen aus dieser Cascine vertrieb, und so seine Absicht
vereitelte, unsere gegen Contracania vorrückenden Sturm-Colonnen wirksam in der
Flanke zu beschießen.
Fejervary bethätigte schließlich auch hohen moralischen Muth. indem er auf
eigene Verantwortung Befehle in Namen des Corps-Commandos ertheilte. welche er
durch die Dringlichkeit des Momentes als geboten erachtete und die zum glück-
lichen Umschwung des Gefechtes angezeigt erschienen.
Dabei bot er mit höchster Tapferkeit jeder seiner Person drohenden Gefahr
kühn die Stirne und wirkte auf diese Weise auch durch sein persönliches Beispiel
auf die Truppen ein.
So trug er durch erfolgreiche Thätigkeit während der ganzen Dauer des
vierzehnstündigen Kampfes wesentlich zu dem Erfolge des Tages bei, an dem das
VIII. Armee-Corps über einen mehr als doppelt überlegenen Gegner einen ent-
Digitized by Google
166
C.LVm. und CI.IX. Promotion. — Im Krieg«
1859.
schicdenen Sieg erfocht, das Schlachtfeld bis in die sinkende Nacht behauptete,
und so den Rückzug der anderen, sich über Pozzolengo zurückziehenden Armee-
I heile decken konnte.
Sämmtliche Truppen-Commandanten und Generäle am linken Flügel des
Corps rühmten Fejerväry s Antheilnahme an den Kämpfen von S. Marti no mit
Worten höchster Anerkennung.
„Im ganzen Verlauf des mit wechselndem Glücke geführten Kampfes*,
berichtete der Brigadier GM. Frh. von Reichlin in seiner Gefechts-Relation, „von
ungefähr 9 Uhr morgens bis '/»3 Uhr nachmittags — um welche Zeit die Brigade
auf die Höhen südwestlich von Pozzolengo dirigiert wurde, — begegnete ich auf
allen Punkten von Wichtigkeit, auf welchen ich mich gerade befand, einer im
höchsten Grade thätigen Individualität in der Person des Hauptmannes Fejerväry
vom Generalstabe, welcher unaufhörlich bemüht war, den hie und da nach-
lassenden Aufschwung der Truppe wieder anzuregen und allenthalben Andeutun-
gen gab, um nachtheiligen Folgen für das Gefecht vorzubeugen. Ich erwähne es
nur zur Steuer der Wahrheit, dass er bei diesem rastlosen Bemühen für den
glücklichen Erfolg, sich meistens auf den Punkten befand, wo das feindliche Feuer
am heftigsten war. Ich traf kaum einen Officier, mit welchem ich nach beendeter
Aetion über den Verlauf derselben sprach, der nicht der ausgezeichneten Thätig-
keit des Hauptmannes Fejerväry aus freien Stücken erwähnt hätte.*
Hinsichtlich der intellectuellen und moralischen Thätigkeit Fejervärys stellte
ihm nicht nur der Generalstabschef Obersllieutenaot Ritter von Litzelhofen,
sondern auch der Corps-Commandant FML. Ritter von Benedek das glänzendste
Zeugnis aus, und war es der letztere, welcher ihn geradezu aufforderte, seine
statutenmäßig wohlbegründeten Ansprüche auf die Aufnahme in den Maria
Theresien-Orden geltend zu machen.
Auf Grund der in der Schlacht bei Solferino am 24. Juni 1859 voll-
brachten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister über Antrag des Capitels kraft der CLVIII. Promotion am 17. Octo-
ber 1859 den Hauptmann Geza Fejerväry de Komlös-Keresztes durch
Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria There sien-Ordens zu
promovieren, auf Grund dessen derselbe späterhin (1862) den Ordensstatuten
gemäß in den Freiherrn stand erhoben wurde.
Am 1. Juli 1862 wurde Hauptmann Fejerväry zum 6. Infanterie-Regimente
transferiert. In dieser Charge zog er im Jahre 1864 in den Krieg gegen Däne-
mark in Schleswig und Jütland unter FML. Frh. von Gablenz im VI. Armee-
Corps. Er kämpfte in dem Gefechte bei Loopstedt am 'S. Februar, machte den
Geschützkampf bei Fahrdorf am 4. und o. Februar, weiterhin die Berennung
und Beschießung von Fridericia am 19., 20. und 21. März, endlich die Cernie-
rung dieser Festung bis zu ihrer am 29. April erfolgten Räumung seitens der
Dänen mit.
Am 12. April 1865 wurde Frh. von Fejerväry zum Major befördert und unter
Eintheiiung in die Rangs-Evidenz des 'SU. Infanterie-Regiments zur Dienstleistung
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. C.eia Freiherr FejervAry de Komlös Keresites.
107
als Flügel-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers berufen. In dieser Dienstesver-
wendung in der General-Adjutantur wurde Major Frh. von Fejervary während des
Krieges gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 zweimal zur Nord-Armee
entsendet. Dabei war es seinem energischen Eingreifen vor dein Treffen von
Blumenau zu danken, dass durch rasche Herbeischaffung von Transportmitteln
das ganze IL Armee-Corps rechtzeitig noch während des Kampfes bei Pressburg
eintreffen und bei dem Festhalten dieses wichtigen Donau-Cbergangspunktes ein-
greifen konnte, so dass derselbe bei dem unmittelbar nach dem Gefecht ein-
tretenden Waffenstillstand im Besitze der k. k. Armee blieb.
Am 28. October 18G8 avancierte er zum Oberstlieutenant im 32. In-
fanterie-Regimente, wurde am 29. October 1870 zum Reserve-Commandanten
des 72. Infanterie-Regiments ernannt und am 1. October 1872 zum Obersten
befördert.
Am 26. October desselben Jahres zur königl. ungar. Landwehr trans-
feriert, avancierte Frh. von Fejervary am 1. Mai 1878 zum Generalmajor und
wurde gleichzeitig zum Staatssecretär im königl. ungar. Landes-Ver-
theidigungs-Ministerium ernannt.
In Anerkennung seiner eifrigen und erfolgreichen Dienste in dieser Function
wurde GM. Frh. von Fej6rvary am 5. October 1882 mit dem Commandeurkreuze
des Stephan-Ordens ausgezeichnet und ihm am 2. November 1882 die Würde
eines Geheimen Rathes verliehen.
Am 1. Jänner 1884 erfolgte seine Beförderung zum Feldmarschall-
Lieutenant.
Nach mehljähriger, erfolgreicher Thätigkeit als Staatssecretär, wurde FML.
Frh. von Fejervary am 28. October 1881 durch das Vertrauen des Monarchen auf
den Posten des königl. ungar. Landes- Vertheidigun gs-Min isters berufen.
Seit seinem Obertritt in die königl. ungar. Landwehr entfaltete er vermöge
seiner hohen militärischen und organisatorischen, sowie auch parlamentarischen
Befähigung eine überaus erfolgreiche Thätigkeit, und zwar sowohl durch außer-
ordentliche Förderung der ungarischen Landwehr-Institution, als auch durch
thatkräftige, erfolgreiche Vertretung aller Angelegenheiten der gemeinsamen
Wehrmacht im Schöße der königlich ungarischen Regierung, wie im ungarischen
Reichstage.
Nachdem FML. Frh. von Fejervary am 25. April 1 887 zum O b e r s t - 1 n h a b e r
des 46. Infanterie-Regiments ernannt worden, geruhte ihm Seine Majestät der
Kaiser am T.i. Mai 1887 den Orden der Eisernen Krone I. Glasse zu
verleihen.
Am 1 Mai 1 890 wurde Frh. von Fejervary zum F e 1 d z e u g m e i s t e r befördert.
168 CLX. Promotion. - Kriegsereigniwc 18ß0/6l in Sicüien.
CLX. Promotion.
Während der dem Kriege von 1859 nachgefolgten Umwälzungen in Italien
in den Jahren 1860 bis 1861 leistete Seine Majestät Franz II., König beider
Sicilien, mit einem Theile des neapolitanischen Heeres sowohl den Freischaren
Garibaldis als den piemontesischen Truppen unter General Cialdini äußersten
Widerstand. Hiebei standen dem Könige, gleich Seiner heldenmüthigen Gemahlin
Ihrer Majestät Königin Marie, auch die königlichen Prinzen zur Seite, wett-
eifernd in Beweisen ritterlicher Tapferkeit.
Auf Grund dessen geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als
Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens, kraft Promotion CLX vom
24. Jänner 1861, Seine Majestät König Franz II. beider Sicilien, dann Ihre könig-
lichen Hoheiten die Prinzen beider Sicilien Ludwig Maria Grafen von Tr.ini.
Alphons Maria Joseph Albert Grafen von Caserta und Franz de Paula Ludwig
Emanuel Grafeu von Trapani durch Verleihung des Kleinkreuzes zu Rittern
des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Seine Majestät
Franz II., König beider Sicilien.
Seine Majestät Franz IL, König beider Sicilien, wurde am 16. Jänner 1836
geboren und bestieg an» 22. Mai 1859 den Thron.
Während der Kriegsereignisse im Königreiche beider Sicilien 1860 und 1861
behauptete sich König Franz II. mit dem ihm treu gebliebenen Theile der Armee
vom 6. September bis 1. November 1860 im freien Felde am Volturno und am
(Jarigliuno, sodann bis 13. Februar 1861 in Gueta. welch' letztere Festung
unter Seiner Oberleitung durch 101 Tage der Belagerung durch die Piemontesen
heldenmüthigen Widerstand leistete. Er versah dabei nicht nur die Functionen
eines Festungs-Commandanteu, sondern kam auch inmitten der Kämpfe allen
Herrscherpllichten mit unerschütterlicher Pflichttreue nach. Gegenüber allen
Aufforderungen zur Einstellung des Kampfes beharrte Er dabei, das? er Sich
vertheidigen werde, so lange Ihm ein Schimmer von Hoffnung auf Behauptung
Seiner legitimen Rechte bliebe. Inmitten der Drangsale und Schrecken der
Belagerung begab Sich täglich Königin Marie persönlich in die Spitäler, um die
Pflege der Verwundeten und Kranken zu leiten, deren Leiden zu lindem, die
Sterbenden zu trösten. Das heftigste feindliche Feuer vermochte die hohe Frau
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. König Pranr n., Graf Trani, Graf Caserta, Graf Trapani.
109
nicht abzuhalten, dieser freiwillig auf Sich genommenen Aufgabe mit bewun-
derungswürdigem Heroismus nachzukommen. — Die Vertheidigung Gaetas wird
stets einen Ehrenplatz in der Kriegsgeschichte einnehmen. — Es erübrigt nur zu
erwähnen, dass der König seit Seiner Thronbesteigung Oberst- Inhaber des
k. k. Uhlanen-Regiments Nr. 12 ist
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Seine königliche Hoheit Prinz beider Sicilien
Ludwig Maria Graf von Trani.
Seine königliche Hoheit Graf von Trani wurde als Stiefbruder des Königs
Franz II. am 1. August 1838 geboren. Er that sich während der Kämpfe am
Volturno in dem Gefechte von Cajazzo am 21. September 1860 hervor. Bei der
Vertheidigung von Gaeta leitete er in den ihm unterstellten Batterien das
Feuer, richtete in entscheidenden Momenten des Geschützkampfes persönlich die
Geschütze und feuerte durch seine Tapferkeit die Besatzung zur äußersten Aus-
dauer an. — Graf Trani wurde im Jahre 1861 zum Oberst-Inhaber des
k. k. Freiwilligen Uhlanen-Regiments Nr. 13 ernannt. — Er starb am
8. Juni 1886.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Seine königliche Hoheit Prinz beider Sicilien
Alphons Maria Joseph Albert Graf von Caserta.
Seine königüche Hoheit Graf von Caserta wurde als zweiter Stiefbruder
Königs Franz II. am 28. März 1841 geboren. Er bekundete namentlich bei der
Vertheidigung Gaetas ein bis zur Tollkühnheit tapferes Verhalten. Wiederholt sali
sich der König veranlasst, dem jugendlichen Prinzen zu befehlen, sich dem feind-
lichen Feuer nicht so sehr auszusetzen. Bei den besonders heftigen Bombardements
am 8. und 22. Jänner 1801 musste ihm aus diesem Grunde ein förmlicher Gase-
matten-Arrest auferlegt werden.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Seine königliche Hoheit Prinz beider Sicilien
Franz de Paula Ludwig Emanuel Trapani.
Seine königliche Hoheit Graf von Trapani — Oheim des Königs Franz II. —
wurde am 13. August 1827 geboren. Er machte den Feldzug im Hauptquartier mit.
Bei der Vertheidigung Gaetas stand er dem Könige bei der Oberleitung zur
Seite und wirkte im Kriegsrathe.
Digitized by Google
170
CLXI. bis CLXIH. Promotion.
CLXI. bis CLXIII. Promotion.
Im Kriege gegen Dänemark in Schleswig und Jütland im Jahre 1864.
Seit dem Jahre 1854 hatten sich in der Bevölkerung der zu Dänemark
gehörigen Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauenburg zunehmende
Klagen über fortgesetzte Verletzung ihrer nach dem deutsch-dänischen Kriege der
Jahre 1848 bis 1851 vertragsmäßig festgesetzten Rechte und über die systematische
Vergewaltigung der deutschen Nationalität vernehmen lassen. Nachdem die unter
dänischer Herrschaft stehenden Herzogthümer Holstein und Lauenburg zugleich
dem Deutschen Bunde angehörten und Schleswig mit Holstein seit Jahrhun-
derten vertragsmäßig untheilbar verbunden war. beschloss der Bund über An-
dringen Österreichs und Preußens gegen Dänemark das Bundes-Executions-
Verfahren, und zwar zunächst rücksichtlich der Herzogthümer Holstein und
Lauenburg.
Während Großbritannien noch diplomatisch zu vermitteln suchte, vollzog der
infolge Ablebens Friedrichs VII. auf den dänischen Thron gelangte König
Christian IX., im Widerspruche mit dem Londoner Protokoll vom Jahre 1 852,
durch Unterzeichnung einer gesammtstaatlichen Verfassung für das Dänische
Reich am 18. November 1863 die Einverleibung Schleswigs in den rein
dänischen Theil Dänemarks und damit die Losreißung Schleswigs von Holstein.
Da das Ultimatum, welches am 15. December 18C3 dieserwegen seitens der
mit der Bundes -Execution betrauten Bundesstaaten Sachsen, Hannover.
Österreich und Preußen an Dänemark wegen Rücknahme jener Verfassung
gerichtet worden, unberücksichtigt blieb, gelangte die Bundes-Execution zum Voll-
züge. Um die Jahreswende 1863/64 besetzten 12.000 Sachsen und Hanno-
veraner die Herzogthümer Holstein und Lauenburg bis zur Eider, während in
zweiter Linie eine k. k. österreichische Brigade in Hamburg-Altona und
eine königlich preußische Brigade in Lübeck als Reserve Autstellung nahmen.
Inzwischen hatten Österreich und Preußen behufs endlicher, vollständiger
Entscheidung des deutsch-dänischen Conflictes am 28. December 1863 am Bunde
auch die militärische Besetzung Schleswigs als eines Pfandes für die Aufhebung
der erwähnten Verfassung beantragt Dieser Antrag wurde jedoch vom Bundestag
abgelehnt Die Mehrzahl der deutschen Mittel- und Kleinstaaten wollte sich mit
der Occupation Schleswigs nur unter Bedingungen einverstanden erklären, welche
Digitized by Google
Im Kriege gegen Dänemark in Schleswig und JQUand im Jahre 1864.
171
der durch das Londoner Protokoll völkerrechtlich festgesetzten Thronfolge-Ord-
nung in Dänemark widersprachen. Infolge dessen erklärten Österreich und Preußen
mit Rücksicht auf das erwähnte Protokoll und auf ihre außerdeutsche Stellung
als Großmächte, die pfandweise militärische Besetzung Schleswigs nun allein
vornehmen zu wollen. Nachdem sie sich zu diesem Zwecke verbündet hatten und
durch das am 16. Jänner 1864 an Dänemark gerichtete neuerliche Ultimatum die
Aufhebung der dänischen Verfassung, welche die widerrechtliche Vereinigung
Schleswigs mit Dänemark enthielt, nicht zu bewirken vermochten, erhielten die
österreichisch-preußischen Truppen, welche ursprünglich zur Bundes-Execution
in Holstein-Lauenburg bestimmt waren, den Befehl, in Schleswig einzurücken.
Es waren dies nachfolgende, im Einvernehmen Seiner Majestät des Kaisers
Franz Joseph I. und Seiner Majestät des Königs Wilhelm 1. unter den Ober-
befehl des kgl. preuß. General-Feldmarschalls Freiherm von Wrangel gestellte
Truppen und zwar
K. k. österreichische Truppen
unter Commando des FML. Ludwig Frh. von Gab lenz, mit dem FML. Grafen
Neipperg als ad latus:
das VI. Armee-Corps, bestehend aus den Infanterie-Brigaden GM. Graf
Gondrecourt, GM. Joseph Frh. von Dorraus, GM. von Nostitz, GM. Tomas,
aus der Cavallerie- Brigade GM. Frh. von Dobr2ensky, aus den erforderlichen
technischen Truppen, der Corpsgeschütz-Reserve und den Reserve- Anstalten.
Diese k. k. österr. Truppen hatten nachfolgende Stärke: 20 Bataillone,
10 Escadronen, 48 Geschütze — mit einem Verpflegsstande von 27.050 Mann.
4.838 Pferden — darunter an Streitbaren 19.244 Mann Infanterie. 1.523 Reiter.
Königl. preußische Truppen
unter Commando Seiner königl. Hoheit des GdC. Prinzen Friedrich Carl:
das I. combinierte Armee-Corps, bestehend aus der 6. Infanterie-Division
GL. v. Manstein, der 13. Infanterie-Division GL. von Wintzingerode, der
combinierten Cavallerie-Division GM. Graf zu Münster - Me inhövel, sodann
aus der Reserve - Artillerie, den technischen Truppen und den erforderlichen
Feldanstalten;
ferner unter Commando des GL. von der Mülbe die königl. preußische
combinierte Garde-Division.
Diese königl. preußischen Truppen hatten nachfolgende Stärke: 37 Batail-
lone, 29 Escadronen, 110 Geschütze — mit einem Verpflegstande von 45.136
Mann, 13.656 Pferden — darunter an Streitbaren 30.823 Mann Infanterie, 4.558
Reiter, 2.923 Artilleristen.
Die verbündeten Truppen zählten demnach im ganzen: 57 Bataillone, 39
Escadronen, 158 Geschütze — mit einem Verpflegsstande von 72.186 Mann. 18.494
Pferden — darunter an Streitbai en 50.067 Mann Infanterie, 6.081 Reiter.
172
CLXI. bin GLX1U. Promotion.
FM. Frh. von Wrangel, welchem als Chef des Generalstabes GL. Vogel von
Falc kenstein zur Seite stand, traf in Betreff der Ordre de bataille die Verfügung,
dass die Truppen unter Prinz Friedrich Carl als rechter Flügel das I. Corps,
die Truppen unter FML. Frh. von Gablenz als Centrum das II. Corps, und die
Garde-Division unter GL. von der Mülbe als linker Flügel das III. Corps
formierten.
Im Armee-Hauptquartier machten Ihre königl. Hoheiten Kronprinz Friedrich
Wilhelm von Preußen und Prinz AI brecht (Vater), im Corpsquartier Sr.
königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Carl auch Prinz Albrecht (Sohn) den
Feldzug mit.
Gegenüber den von Österreich und Preußen aufgebotenen Streitkräften hatte
das dänische Heer einen Kriegsstand von 51.541 Mann. Dasselbe formierte
43 Bataillone, 10 Compagnien, 26 Escadronen mit 96 Geschützen; doch vermochte
Dänemark nach Besetzung Kopenhagens, dann der festen Plätze von Fridericia,
Düppel u. s. w. den Verbündeten im Felde nur einen Theil seines Heeres entgegen-
zustellen. Diese mobile danische Kriegsmacht war bei Ausbruch des Krieges in
3 Infanterie-, 1 Cavallerie-Division und 1 Reserve-Brigade gegliedert und stand
unter dem Oberbefehle des GL. De Meza.
Außer den Streitkräften zu Lande waren auch die beiderseitigen Kriegs-
marinen berufen, in diesem Kriege eine wichtige Rolle zu spielen. Jene Däne-
marks bestand aus 22 Schraubendampfern verschiedener Größe mit 368 Geschützen,
ferner einer Segelflotte von 10 Schiffen mit 420 Kanonen, endlich einer bedeu-
tenden Anzahl von Transport-Dampfern und Ruderschiffen. Der Deutsche Bund
gebot über kein einziges Kriegsschiff. Die Machtmittel Preußens zur See waren
unzureichend. Infolge dessen sah sich Österreich im Verlaufe des Krieges veran-
lasst, außer den zum Schutze seiner Handelsmarine in verschiedenen Seegebieten
bestimmten Geschwadern, eine eigene größere Escadre seiner Kriegsflotte behufs
Cooperation mit den verbündeten österreichisch-preußischen Streitkräften in die
Nordsee zu entsenden und dadurch das Missverhältnis gegenüber den dänischen
Sireitkräften zur See auszugleichen.
So bot Österreich zur See. Preußen zu Lande die größeren Machtmittel auf.
um den Kriegszweck zu erreichen.
Das Ziel, welches die Verbündeten zunächst ins Auge gefasst hatten,
bestand, wie gesagt, in der Occupation Schleswigs. Der Kriegsplan der
Dänen gieng dahin, die Ei der I in ie nur zu beobachten und den ersten ernsten
Widerstand in der Verteidigungslinie des Dane w erks, besonders bei Schles wi g,
zu leisten. FM. Frh. von Wrangel beabsichtigte noch vor vollständiger Conccn-
trierungder verbündeten Streitkräfte die Eiderlinie zu überschreiten, sodann nach
vollendetem Aufmarsche durch das österreichische Corps und die preußische Garde-
Division das Danewerk in der Front, durch das preußische Corps des Prinzen
Friedrich Carl aber die linke Flanke der Dänen über Missunde anzugreifen.
FML. Frh. von Gablenz, um seine Ansicht befragt, erklärte sich, eingedenk
der von seinem Obersten Kriegsherrn empfangenen Weisungen, mit der Absicht
Digitized by Google
Im Kriege gegen Dänemark in Schleswig und JQtland im Jahre 186*.
173
des FM. Frh. von Wrangel sofort einverstanden, trotzdem das k. k. Corps noch
nicht vollständig concentriert war.
Die zum Übergänge über die Eider bereiten österreichischen Truppen
zählten: 14 Bataillone, 10 Escadronen und 40 Geschütze, die preußischen:
24 Bataillone, 23 Escadronen und 96 Geschütze; zusammen 38 Bataillone, 33 Escad-
ronen, 142 Geschütze. Die Brigade Dormus mit 5 Bataillonen stand am 31. Jänner
abends bei Neumünster, die königlich preußische Garde-Division mit 1 2 Bataillonen
bei Glückstadt
Am 31. Jänner richtete FM. Frh. von Wrangel an den dänischen Obergeneral
De Meza die Aufforderung, Schleswig zu räumen. Auf die ablehnende Antwort
erließ FM. Frh. von Wrangel an beide Corps-Commandanten das verabredete
Telegramm :
,ln Gottes Namen — drauf!*
Gleichwie ein halbes Jahrhundert zuvor gegen Frankreich durch Waffen-
gemein?chaft verbunden, überschritten Österreicher und Preußen gegen Dänemark
am 1. Februar 1864 die Eider und rückten in das Herzogthum Schleswig ein.
FML. Frh. von Gab lenz, in zwei Colonnen vorrückend, erreichte die Sorge,
Prinz Friedrich Carl Moschau und Eckernförde.
Die dänischen Vortruppen zogen sich überall zurück und nur bei Windeby
und Eckernförde kam es zu unwesentlichen Zusammenstößen zwischen den preußi-
schen Truppen und den Dänen.
Die Letzteren. 35.900 Mann mit 96 Geschützen unter GL. De Meza, standen
in der stark befestigten Danewerk - Position, mit der Hauptmacht bei
Schleswig.
Am 2. Februar rückte die preußische Garde-Division (III. Corps) als linker
Flügel in die Frontlinie der Armee und bis an die Sorge vor. FML. Frh. von Gablenz
nahm mit seinem Corps die Linie Hfitten-Norby ein, während die Brigade GM.
Dormus Alt- und Xeu-Bündelsdorf erreichte.
Dabei kam es nur zu einem Recognoscierungs-Scharmützel der k. k. Caval-
lerie bei Torfschuppen nächst Lottow. Prinz Friedrich Carl rückte an diesem
Tage mit dem I. Corps in die Linie Kochendorf-Holm vor; eine selbständig geplante
Unternehmung — die Kanonade gegen den wichtigen Schlei-Übergangspunkt
Missunde — blieb ohne Erfolg.
Arn 3. Februar rückte FML. Frh. von Gablenz in die Linie Fahrdorf,
Nieder- und Ober-Selk, Jagel angesichts der Danewerk-Position vor. Diese Vor-
rückung der Truppen führte zn dem ruhmreichen Gefechte bei Ober-Selk und
zu der Erstürmung des Königsberges vor dem Danewerk.
Auf diese Waffenthat hin wollte FM. Frh. von Wrangel das Danewerk ohne
Verzug angreifen und gab diese Absicht bei der am 3. Februar nachmittags statt-
gehabten Besprechung kund. Gegen einen solchen unmittelbaren Angriff auf diese
stark befestigte und wohl armierte Centrai-Position sprachen sich jedoch alle An-
wesenden einstimmig aus, insbesondere aber FML. Frh. von Gahlen/., der thaten-
durstige und kühne, dabei aber innsichtige Cominandant des k. k. Corps.
Digitized by Google
174
CLXI. bis CLXm. Promotion.
Daraufhin fasste das Armee-Commando den Entschluss, FML. Frh. von Gab-
lenz am 4. vor der Danewerk-Position stehen zu lassen, und dieselbe mit dem
preußischen I. Corps im Osten zu umgehen. So kam es am 4. Februar zur Kano-
nade von Schleswig zwischen dem Königsberg und dem Danewerk, ferner am
4. und 5. Februar zum Geschützkampfe bei Fahrdorf, wobei die schweren
feindlichen Kanonen des Gegners wiederholt durch die österreichischen Feld-
geschütze zum Schweigen gebracht wurden. — Prinz Friedrich Carl setzte
sich am 5. Februar gegen die Obergangspunkte der unteren Schlei bei Arnis und
Cappeln in Marsch, während die k. k. Brigade Dormus mit dem Regimente
Windischgrätz-Dragoner zur Unterstützung der vor Missunde belassenen preußi-
schen Beobachtungstruppen disponiert wurde.
Inzwischen waren aber die Kämpfe des 3. Februar, durch welche die k. k.
Truppen die Position von Ober-Selk erstürmt und behauptet hatten, nicht ohne
bestimmenden Einfluss auf die dänische Heeresleitung geblieben. Nach einem am
4. abgehaltenen Kriegsrathe beschloss dieselbe, die Danewerk-Position ohne
weiteren Kampf zu räumen. Diese erfolgte vom 5. auf den (J. Februar.
Der durch die finstere Nacht begünstigte Rückzug der Dänen gelangte gegen
4 Uhr früh des G. zur Kenntnis des FML. Frh. von Gablenz. Derselbe ordnete
unverzüglich die Verfolgung des Gegners gegen Flensburg mit den zur Stelle
befindlichen Truppen des k. k. VI. (II.') Armee-Corps an.
FM. Frh. von Wränge 1 beorderte auch sätnmtliche übrigen Armeetheile zu
beschleunigter Vorrückung gegen Flensburg. Dank dem selbständigen und
energischen Vorgehen des FML. Frh. von Gablenz holte aber dessen Tete den
Feind schon bei Hessemoor ein und brachte ihm bei Oeversee eine entschei-
dende Niederlage bei.
Dieses ruhmreiche Gefecht veranlasste die Dänen, das Festland des Herzog-
thums Schleswig mit Ausnahme der Position von Düppel zu räumen. Das Gros
der dänischen Armee zog sich noch in der Nacht ostwärts hinter Düppel und auf
die Insel Alsen, die dänische Cavallerie nordwärts nach Jütland zurück.
Am 7. Februar übernahm, da die k. k. Truppen nach den Gewaltleistungcn
der letzten Tage unabweislich einer Erholung bedurften, die Garde- Division
(III. Corps) die Verfolgung der Dänen. Sie stieß in ihrer Vorrückung jedoch nirgends
mehr auf den Feind und besetzte Flensburg, sowie den nördlichen Defile-Ausgang
gegen Bau und Crusan.
FML. Frh. von Gab lenz blieb südlich von Flensburg, mit dem Corpsquartier
in Frörup. Prinz Friedrich Carl gelangte nach Gründhof und Groß-Quem und
schlug sein Corpsquartier in Glücksburg auf.
Die Armee genoss nun in ihren Cantonnenients einer mehrtägigen Ruhe.
Während derselben besetzte von der inzwischen neu mobilisierten preußischen
5. Infanterie-Division GL. Tümpling, die Brigade GM. Raven die wichtigsten
Etappenorte des durch die Bundestruppen occupierten Herzogt hums Holstein.
RecognoseMMiings-Detachements der Garde-Divison ermittelten, dass der
Gegner die Position von Düppel festhielt. FM. Frh. von Wrangel erließ Dispo-
Digitized by Google
Im Kriege gegen Danemark iu Schleswig und JQtl&nd im Jahre 1864.
175
sitionen, welche die unverweilte Einschließung derselben, sowie die Besetzung des
ganzen Herzogthums Schleswig zum Ziele hatten.
Prinz Friedrich Carl, dem die Operationen gegen die Düppel-
Stellung übertragen wurden, rückte mit dem I. Corps am 11. und 12. Februar
über Flensburg in die Landschaft Sundewitt und nahm in der Linie Gravenstein,
Fischbeck, Rieding und Beuschau Aufstellung; das Corpsquartier etablierte sich
im Schlosse von Gravenstein. Durch eine Reihe von scharfen Recognoscierungen
und Vorstößen gegen die dünischen Vortruppen in der Zeit vom 12. bis 22. Februar
gewann der Prinz die Überzeugung, dass die starke Düppel-Position nur durch
belagerungsmäßigen Angri ff genommen werden könne. Dies hatte bis zum
Anlangen des Belagerungs-Materials bei dem Corps des Prinzen Friedrich Carl
einen längeren Stillstand der Operationen zur Folge.
Von den inzwischen nach Norden, gegen die jütische Grenze, in Bewegung
gesetzten beiden Corps concentrierte sich die Garde-Division (III. Corps) am 11.
und 12. Februar bei Apenrade, schob sich sodann vom 13. angefangen langsam
nordwärts und war am 17. Februar bei Christianfeld, zwei Meilen von der jütischen
Grenze, concentriert. FML. Frh. von Gablenz folgte als Reserve in der Entfernung
eines Tagmarsches und bezog am 17. Februar mit seinem Corps Cantonnierungen
in und südlich von Hadersleben. Am 18. Februar besetzte die Avantgarde der
Garde-Division die auf jütischem Gebiete gelegene Stadt Kolding und stellte Vor-
posten gegen Fridericia aus.
Da jedoch der Einmarsch in Jütland über das ursprüngliche Kriegsziel — die
Occupation Schleswigs — hinau^gieng, überdies den Einspruch der neutralen Groß-
mächte hervorrufen konnte, wurde die weitere Vorrückung in Jütland vorüber-
gehend eingestellt. Während in dieser Beziehung diplomatisch verhandelt wurde,
blieben auch die an die jütische Grenze vorgeschobenen Truppen unthätig. Es
herrschte sonach Ruhe auf dem ganzen Kriegsschauplatze.
Bei der dänischen Armee, welche diese Pause benützte, um die Positionen
von Düppel und Fridericia möglichst zu verstärken, hatten sieh Wechsel im
Armee-Commando vollzogen. Auf General De Meza war zuerst GL. Lüttichau
gefolgt; seit Anfang März führte aber GL. Gerlach den Oberbefehl.
Die unfreiwillige Ruhepause wurde auch von den königl. preußischen Trup-
pen zu vorbereitenden Maßnahmen, darunter zur Heranziehung des Belagerungs-
geschützes und der Brigade Schlegell der 5. Infanterie-Division benützt.
Am 8. März wurden die Operationen wieder aufgenommen. FM. Frh. von
W ran gel disponierte die Garde-Division (III. Corps) ostwärts gegen die Festung
Fridericia, den FML. Frh. von Gablenz (II. Corps) aber nordwärts, um den Gegner,
welcher in der muthmaßlichen Stärke von 4000 Mann Infanterie und 26 Escadronen
bei Veile stand, niederzuwerfen.
Demgemäß setzte sich die Garde-Division am 8. März früh morgens gegen
Fridericia in Bewegung, warf die dänischen Vortruppen unter Gefecht gegen die
Festung zurück und nahm um Mittag in der Linie Sanddal-Sönderskovgard Auf-
stellung.
Digitized by Google
176
CLXl. bis CLX1II. Promotion.
FML. Frh. von Gablenz, welchem auch die combinierte preußische Cavallerie-
Brigade Oberst Fließ zugewiesen worden war, und der am 7. März seine Truppen
nächst Kolding und Eistrup concentriert hatte, rückte am 8. über die Rolding-Au
in zwei Colonnen nordwärts. Die Haupt-Colonne, unter unmittelbarer Leitung des
FML. Frh. von G ablenz, griff den bei Veile in einer sehr starken Position
aufgestellten Gegner an und schlug denselben in einem blutigen Treffen.
FM. Frh. von W ran gel dankte dem FML. Frh. von Gablenz unter anderem
mit den Worten, er habe viel begehrt, „aber FML. Frh. von Gab lenz und seine
Truppen wussten, bei Gott! auch viel zu leisten-.
In der That hatte FML. Frh. von Gab lenz mit der Hälfte seines Corps die
letzten auf der jütischen Halbinsel in freiem Felde gestandenen dänischen Kräfte
geschlagen und so die ihm gestellte Aufgabe glänzend gelöst
Am 9. concentrierte sich FML. Frh. von Gablenz bei Veile, hielt über
Weisung desFM. Frh. von Wrangel am 10. Rasttag, rückte, unter Zurücklassung
der Brigade Nostitz behufs Unterstützung der Garde-Division gegen einen etwaigen
Ausfall der Besatzung Fridericias, am 1 1 . März nach Horsens und Umgebung und
am 12. gegen die vom Feinde besetzte starke Defile-Stellung südlich von Skander-
borg. Der Feind zog sich jedoch ohne Kampf gegen Aarhuus zurück.
Am 13. März entsendete FML. Frh. von Gablenz, da die allgemeine Kriegs-
lage ein weiteres Entfernen von dem Cent raipunkte Veile nicht zuließ, auch die
vom Armee- Commando für diese Expedition anberaumte Zeit nicht überschritten
werden durfte, von Skanderborg Recognoscierungs-Detachements nach Aarhuus
und Silkeborg und vollzog in der Zeit vom 14. bis 16. März successive wieder den
Rückmarsch des k. k. Armee-Corps in die Centralstellung von Horsens und Veile.
Um die Abgabe von Verstärkungen aus Fridericia nach Alsen zu hindern und
wo möglich feindliehe Kräfte von dieser Insel abzuziehen, ordnete FM. Frh. von
Wrangel die Beschießung, eventuell den gewaltsamen Angriff Frirtcricias an. An
dieser Operation nahmen die Garde -Division und die beiden k. k. Brigaden
Tomas, Nostitz mit der Geschütz-Reserve des k. k. VI. Corps theil. Am 19. März
vormittags erfolgte die Einschließung. Inzwischen hatte aber FM. Frh. von Wrangel
auf den Gewaltangriff verzichtet und die bloße Beschießung der Stadt angeordnet,
um dieselbe zu beunruhigen, eventuell durch Einschüchterung zur Übergabe zu
veranlassen. Die Beschießung begann am Morgen des 20. März, wurde aber schon
am 21. um 1 Uhr mittags eingestellt.
FM. Frh. von Wrangel ließ mit 22. März die Operationen in Süd-Jütland
wieder aufnehmen. Hiebei traf er jedoch die Verfügung, dass nunmehr FML. Frh.
von Gablenz mit seinem Corps die Cernierung Fridericias übernahm,
während die Garde-Division mit der bisher durch die k. k. Truppen bewirkten
Sicherung gegen Norden in dem Rayon Veile bis Horsens betraut wurde, zu
welchem Zwecke die combinierte preußische C.avallerie -Brigade Fließ wieder zur
Garde-Division einrückte.
Demzufolge löste FML. Frh. von Gablenz am 22. März die Garde-Division mit
den beiden Brigaden Nostitz und Tomas vor Fridericia in erster Linie ab, bestimmte
Digitized by Google
Im Kriegt; gegen Dänemark in Schleswig und JGtland im Jahre 1SCI.
177
die Brigade Dormus aus Ilorsens zur Reserve und unterstellte diese 3 Brigaden
dem Befehle des FML. Grälen Neipperg in Brcdstrup, welcher die Cernierung
zu leiten hatte. Die Brigade Gondrecourt rückte von Veile nach Kolding, wohin
auch FML. Frh. von Gablenz sein Corpsquartier verlegte. Um aber die Cernierungs-
Truppen durch ihre vorgeschobene Aufstellung nicht unnöthig zu ermüden, zog
FML. Frh. von Gablcnz am 24. abends das Gros derselben wieder auf das westliche
Ufer der Rands-Aa zurück. Die Vorposten hielten nunmehr die Linie Bredstrup-
Kongsted-Börup-Krislinebjerg beselzt. Die Reserve-Brigade Dorums stand bei
Smidslrup, die Corps-Geschülz-Reserve etablierte sich in Süder-Wilstrup. Die
Cavallerie-Brigade Dobrzensky bezog Gantonnements nordwestlich Kolding. Diese
Aufstellung behielt das k. k. VI. Corps in der nächsten Zeit im allgemeinen bei.
Bei den preußischen Truppen vollzogen sich inzwischen einige wichtige
Veränderungen. Prinz Friedrieh Carl stand mit seinem Corps im .Sundewitt
dem Gegner gegenüber, der noch die wohlbefestigte, für den Krieg entscheidende
Position Düppel-AIsen auf Schleswigs! hem Buden mit Kräften behauptete, die
numerisch jenen des Prinzen nahezu gewachsen waren um! leicht bis zur Ober-
macht verstärkt werden konnten. Angesichts dessen verfügte FM. Frh. von Wra ngel
am 1">. März die Heranziehung der Brigade Raven aus Holstein zum Corps des
Prinzen. Zu demselben Zwecke verlegte das Arinee-Connnatido am 2<i. März
3 Regimenter ("J Bataillone) und sämmtliche gezogenen Geschütze der Gardc-
Division von Veile und Holsens nach Grevenstein.
Die zur Sicherung gegen Norden in und bei Veile belassenen preußischen
Truppen — 3 Garde-Bataillon«1, das Garde-Husaren-Regiuient, die Cavallerie-
Brigade Oberst Fließ und 2 Batterien unter Cununando des GM. G rufen Münster —
wurden dem FML. Frh. von Gablenz unterstellt.
Da verschiedene kühne und erfolgreiche Unternehmungen dänischer Streif-
Commanden, sowie Nachrichten einen feindlichen Angriff auf die wichtige Ccntral-
stellung Veile in Aussicht stellten, ließ FML. Frh. von Gablenz am 31. März die in
Reserve stehende Brigade Dormus nebst einer Batterie der Geschütz-Reserve
nach Veile rücken. FML. Graf Nei p perg aber erhielt Befehl, bei einem Ausfall
aus Fridcricia sich in seiner Stellung zu halten. In der That kam es nicht nur bei
Fridericia, sondern auch bei Veile zu Zusammenstößen mit feindlichen Patrouillen.
Um nun den bei Ilorsens immer dreister aultretenden Gegner zu verjagen, ließ
FML. Gab lenz am 10. April ein gemischtes Detachemetit preußischer Truppen
unter Obersten Fließ eine Expedition dahin ausführen. Der schwache Gegner
wurde ohne Mühe aus der Stadt vertrieben, entzog sich aber der Verfolgung,
worauf das Detachement an demselben Tage wieder in Veile einrückte.
Mittlerweile war auch der belagerungsmäßige Angriff auf die Düppel-
Position seitens der Truppen des Prinzen Friedrich Carl in Gang gekommen.
Derselbe halte seil dem Rccognoscierungs-Gefechte am 22. Februar das Eintreffen
des schweren Geschützes abgewartet. Über Disposition des Armee-Conimandos
ließ der Prinz nach einem Recognoscienings-G efechte am 1. März seine
Truppen die Defensivlinic Wenn ing-N übel Mühle-Satrup beziehen und sich
M.UllrUcher Muria Th crom-.. -Ordern. 1 -»
Digitized by Google
178
CLXI. I.is CI.XIII. Promotion.
bis 9. in derselben verschanzen. Am 14. März wurde das Feuer in Gegenwart
der königl. Prinzen Friedrich Carl und Carl von Preußen gegen die Düppel-
Position eröffnet und die Dänen durch eine Reihe von Kämpfen bis zum 17.
aus dem Vorterrain bis hart an die Werke von Düppel zurückgedrängt.
Nach einem Gefechte am 28. bei Ober-Düppel wurde in der Nacht
vom 29. auf den 30. März mit der Aushebung der Parallelen begonnen. Am 2. April
nachmittags standen 52 schwere Geschütze gegen den linken Flügel der Düppel-
Position im Feuer. Am 3. wurde die Umgehung des rechten Flügels von Düppel
durch Überschiffung des Alsener Sundes bei Ballegaard in Angriff genommen,
scheiterte jedoch an der Ungunst des Wetters. Bis zum 15. April waren alle drei
Parallelen ausgehoben und bis zum 17. im ganzen 120 Geschütze im Feuer. Am
18. April endlich wurden die Düppler-Werke siegreich erstürmt und die
Dänen auf die Insel Alsen zurückgeworfeu.
Damit hatte sich Prinz Friedrich Carl von Preußen des wichtigsten Boll-
werkes der Dänen auf dem Festlande von Schleswig bemächtigt und so einen ent-
scheidenden Schritt zur Wegnahme und Occupation der wichtigen, zum Herzog-
thum Schleswig gehörigen Insel vorwärts gethan.
Nach der Einnahme der Position von Düppel verfügte das Armee-Commando
die völlige Occupation Jütlands auch im Norden, sowie die Belagerung von
Fridericia. Die erstere wurde vom 22. bis 27. April durch die Division GL. Graf
Münster ohne Kampf durchgeführt, da sich die Dänen unter General Heger-
mann hinter den Lymfjord zurückzogen. Unter einem occupierle die Garde-Division
von der Mülbe das Küstengebiet von Veile bis Aarhuus.
Die Belagerung von Fridericia wurde dem FML. Frh. von Gablenz, welcher
diese Festung seit dem 22. März bereits cernierte, übertragen. Bevor jedoch das
ihm zugewiesene Belagerungsgeschütz angelangt war, räumten die Dänen vom
28. auf den 29. in der Stille diesen Platz und zogen sich auf die Insel Fünen zurück.
FML. Frh. von Gablenz ließ die Festung sofort besetzen. Über Befehl des Armce-
Commandos vom 1. Mai führte er sodann die Schleifung der Befestigungen derart
durch, dass Fridericia von da an gegen die Landseite nur mehr als offene Stadt
zu betrachten war.
Anfangs Mai übernahm der bisherige Generalstabschef der verbündeten
Armee, GL. Vogel von Falckenstein, das Commando der sämmtlichen in
Nord-Jütland stehenden preußischen Truppen, welche als III. Corps nunmehr
25 Bataillone, 16 Escadronen und 6 Batterien zfihlten.
Die Leitung des Generalstabsdienstes bei der verbündeten Armee giengaufden
Generalstabschef des königl. preußischen Armee, GL. Freiherr von Moltke über.
Das Armee-Commando fasste nach der Besetzung Friderieias einen Über-
gang auf die Insel Fünen ins Auge. GL. Freih. von Moltke unternahm zu diesem
Zwecke mit dem FML. Frh. von Gablenz eine Recognoscierung. Der Letztere, der
wohl gegen den Vorwurf zu geringer Unternehmungslust gesichert war, stand nicht
an, sich dagegen auszusprechen. Seine Einwendungen fanden Beachtung und
wurde das Unternehmen aufgegeben.
Digitized by Google
Im Kriegt fe'tgtii Dänemark in Sdd.-swi^ und .lüllaud im Jahre 1 Küi.
17<J
In völligem Gegensätze zu dem Verlauf des Krieges auf dein Festlande
bcherrs« hlen die Dänen mit ihrer Marine die See.
Die preußische Marine unter Oberbefehl Seiner königl. Hoheit des Prinzen
Adalbert entwickelte in der Ostsee gegenüber der dänischen große Regsamkeit.
Wiewohl die preußischen Kriegsfahrzeuge dabei den dänischen Schiffen an Kühn-
heit und Ausdauer nicht nachstanden und dieselben wiederholt tapfer angriffen,
so vermochten sie doch gegen deren überlegenes Feuer nicht aufzukommen.
Österreich hatte schon gegen Mitte Februar zum Schutze seines, wie auch
des deutschen Handels die Activierung eines Geschwaders angeordnet. Nach der
Nordsee wurde später eine Escadre von 10 Schiffen unter Befehl des k. k. Contre-
Adinirals Freiherrn von Wüllerstorf-Urbair entsendet. Dieselbe bestand aus
dem Schrauben -Linienschiff Kaiser, den Panzer -Fregatten Don Juan und
Kaiser Max, den Schrauben-Fregatten Schwarzenberg und Radetzky, der
Schrauben -Corvette Erzherzog Friedrich, den Raddampfern Elisabeth und
Lucia und den Kanonenbooten Seehund und Wall.
Die Tete dieses Geschwaders, die beiden Schrauben-Fregatten Rade tzky
und Sehwarzenberg, welchen sich während der Fahrt in Texel zwei preußische
Kanonenboote Blitz und Basilisk nebst dem Dampf-Aviso Adler anschlössen,
traf unter Commando des k. k. Linienschiffs-Capitäns von Tegetthoff am 4. Mai
in Cuxhav en ein.
Auf die Nachricht, dassdrei feindliche Kriegsschiffe bei Helgoland kreuzten,
lief Tegetthoff am 9. wieder aus, traf östlich der Insel zwei dänische Fregatten
und eine Corvette, griff dieselben trotz ihrer Überlegenheit sofort an, lieferte ihnen
das See treffen bei Helgoland, infolge dessen die dänische Escadre die Nord-
see verließ.*)
Contre-Admiral Wül lerslorf lief am IG. mit dem Gros der österreichischen
Escadre in Texel ein.
Am 12. Mai trat infolge diplomatischer Verhandlungen längere Waffen-
ruhe ein. Während derselben vollzog sich am 18. Mai die wichtige Veränderung
bei der alliierten Armee, dass Seine Maje stät der Köni^r von Preußen den FM. Frh.
von Wrangel unter huldvoller Erhebung desselben in den Grafeusland, vom
Commando der Armee enthob und damit den Prinzen Friedrich Carl betraute,
infolgedessen der General der Infanterie Herwarth von Bittcnfeld das Com-
mando des I. Armee-Corps übernahm.
Die dänische Armee hatte um jene Zeit eine Stärke von 41 Bataillonen,
3C> Escadronen und 13 Batterien, welche in vier Armee-Divisionen gegliedert
waren. Dieselben waren in drei Gruppen vertheilt, und zwar standen: die II. und
IV. Division unter GL. Hegermann (10 Bataillone, 27 Escadronen, 21 Geschütze)
in Nord-Jütland am Lymfjord; die III. Division GM. Caroc und 1 Reserve-Brigade
(10 Bataillone, 7 Escadronen. 56 Geschütze) auf Fünen; die I. Division GM. Stcin-
*) Näheres im Abschnitte: „CLXIV. W\« CLXVIII. Promotion. Im Kriege p.pcn Preußen
und Italien im Jahre 1*G6\ und zwar im Lebenslaufe TctreUhorT*, Seite 409.
12«
Digitized by Google
CLXI. bis CLXIII. Promotion.
mann (12 Bataillone, 2 Escadronen, 24 Geschütze) auf Alsen. GL. Gerlach hatte
sein Hauptquartier auf der Insel Fünen.
Am 26. Juni wurden die Feindseligkeiten wieder aufgenommen.
Prinz Friedrich Carl hatte schon vor Ablauf der Waffenruhe die Dispo-
sitionen für die Wiederaufnahme der Operationen erlassen.
GL. Vogel von Falckenstein wurde beordert, mit seinem III. Corps einer
eventuellen Offensive des verhältnismäßig starken Gegners vom Norden über den
Lymfjord her, zu begegnen.
Gdl. Herwarth von Bitten feld erhielt die Bestimmung, mit seinem I. Corps
sofort vom Sundewilt aus eine Landung auf der Insel Alsen zu bewirken.
FML. Frh. von Gablenz hatte mit dem k. k. VI. Corps etwaigen feindlichen
Landungen an der Ostküste zwischen dem III. und I. Corps entgegenzutreten und
bei einer feindlichen Offensive vom Lymfjord her das III. Corps durch Besetzung
der jütischen Osthäfen zu unterstützen. Ferner hatte er, um die Aufmerksamkeit
des Feindes von dem Operationsobjecte Alsen abzulenken, einige Batterien am
kleinen Belt, sowohl nördlich als südlich des Koldingfjords, zu erbauen, endlich
zum Schutze der Westküste ein Detachement nach Tondern zu verlegen.
Zum Zwecke des Küstenschutzes verlegte demgemäß FML. Frh. von Gahlen/,
die Brigade GM. Frh. von Piret (bisher Gondrecourt) nach Christiansfeld, die Brigade
GM. Tomas nach Fridericia, die Brigade GM. von Nostitz nach Herstev und die
Brigade GM. Kalik (bisher Uormus) nach Veile. Die Cavallerie-Brigade stand in
Satrup, das Corpsquartier blieb in Kolding.
Von der Brigade Nostitz gieng das 9. Jäger-Bataillon mit einer Halhbatterie
am 26. Juni nach Rihe ab, um das au die Westküste nach Tondern verlegte Deta-
chement behufs der in Aussicht genommenen Operation gegen die nordfriesischen
Inseln zu verstärken.
In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni wurden die erwähnten Batterien am Belt
erbaut. Um die auf Fünen stehenden beträchtlichen feindliehen Kräfte festzuhalten
und dadurch eine Verstärkung des Feindes auf Alsen zu hindern, demonstrierte
FML. Frh. von Gablenz mehrere Tage hindurch thätigst gegen die Insel Fünen.
Gdl. von Her warth operierte mit seinem I. Corps gemäß den Weisungen des
Arinee-Commandos, um aus dem Sundewitt den Übergang auf die Insel Alsen
bei Ballegaard auszuführen. Da die Dänen aber von diesem Unternehmen
Kenntnis erlangten, forcierte von Herwarth den Übergang an einem anderen
Punkte, bei dem Satruper Holze am 20. Juni, welchen in erster Linie GL. von
Man stein siegreich ausführte.
Durch die Eroberung von Alsen war die Occupation Schleswigs im Osten
strategisch vollendet.
Nach der Wegnahme Alsens blieben für die Verbündeten keine bedeutenden
Operationen mehr durchzuführen. Die Eroberung Fünens lag zwar in den Plänen
des Armee-Commandos, doch unterblieb dieses Unternehmen. Umso größeres
Gewicht wurde angesichts der offenbar in Bälde zu gewärtigenden Friedens-Ver-
bandlungen auf die Verdrängung der nördlich des Lymtjords stehenden dänischen
Digitized by Google
Im Kriege gegreti Dum-mark in Sehlen ig urt.l JCitl.iml im Jahre ISfii.
181
Truppen, dann auf die Besetzung der nordfriesischen Inseln gelegt, welche thcils
zu Schleswig theils zu Jutland gehörten.
Am 1. Juli kam es zu einem Zusammenstoße einer Recognoscierungs-
Ahthcilung der Avantgarde des III. Corps in Habro mit einer dänischen bei
Lundby am Lymljord, welcher mit dem Rückzüge der letzteren endete. Dieses
Reeognoscierungs-Gefecht war d:is letzte auf dem dänischen Fesllande.
Die Dänen räumten vollends den Xordtheil Jütlands. und als das preußische
III. Corps tun 9. Juli gegen den Osttheil des Lymfjords vorzurücken begann, stand
kein Feind mehr an demselben. GL. von Falckenstein übersetzte bei Aalborg den
Fjord, rückte am 1*2. mit seinen Vortruppen in Frederikshaven ein und ließ in Gegen-
wart Seiner königlichen Hoheit des Prinzen Albrecht am 14. Juli die österrei-
chisch-preußischen Fahnen bei Skagen im äußersten Norden Jütlands aufpflanzen.
Die Vorrückung über den westlichen Theil des Lymfjords und die Besetzung
des dortigen Gebietes wurde dem FML. Frh. von Gablenz übertragen und von
demselben mit einein Theil seines Corps in der Zeit vom 7. bis IG. Juli vollzogen.
Der Marsch gierig aus dem Cantonnement bei Kolding mit weit vorgeschobenen
Streif-Commandcn über Nörre-Snede. Ikast und Ürre nach Ilolslebro und von
dort über Skive nordwestwärts an den Fjord. FML. Frh. von Gablenz selbst traf
am 9. in llolstebro ein und führte das Unternehmen persönlich durch. In der
Nacht auf den 14. Juli ließ er nach Bereitstellung des Überschiffungsmaterials den
Übergang auf die Insel Mors ausführen und die Hafenstadt Nykjöbing besetzen.
Am Id. standen die im Lymfjord-Gebiete operierenden k. k. Truppen mit der
Brigade Kalik auf der Insel Mors, mit Detachements östlich des Salli ng-Sundes,
ferner in Skive, Thisted und llolstebro.
Zu derselben Zeit, als die verbündeten Truppen auf diese Weise Xord-
Jütland occupierten, bemächtigte sich das durch FML. Frh. von Gablenz an die
Westküste entsendete österreichische hetachement, durch die Cooperation der k. k.
Flotte unterstützt, in der Zeit vom 11. bis 19. Juli sämmtlicher an der Küste
Schleswigs liegender nordfriesischen Inseln, wobei die dänische Ftotillc unter
Cominando des Capitäns Hammer am 19. Juli durch eine k. k. Flotten-Abthei-
lung und zwei königlich preußische Kanonenbote unter dem k. k. Fregatten-
Capitän Kronowetter zur Übergabe gezwungen wurde.
Am 20. Juli trat Waffenruhe ein. Inzwischen war nämlich von Kopen-
hagen direct bei den kriegführenden Mächten um Einstellung der Feindseligkeiten
und Eröffnung von Friedens-Verhandlungen angesucht worden. Dieselben endeten
am 3. October 18ßl mit dem Friedenschluss zu Wien.
Dänemark trat die Herzoglhümer Schleswig-Holstein und Lauen-
burg an die Verbündeten ab.
In diesem gemeinsamen siegreichen Waffengange Österreichs und Preußens
wurden zuerst aus den Reihen der k. k. Truppen ein Commandern* und ein
Ritter, sodann aus den Reihen der königlich preußischen Truppen zwei
Conunandeure und drei Ritter des Maria Thei esien-Ordens promoviert.
Digitized by Google
Digitized by Google
182 f;LXI. bis CLXIII. l'nnnotion. Krie« gegen Dänemark 18ßi.
Commandern- des Maria Theivsien-Onleiis
Ludwig Freiherr von Gablenz.
(Mit Bil.hiis aus dem Jahre 1864.)
Ludwig von Gablenz, am 19. Juli 1814 zu Jena geboren*) und in der Hilter-
Akademie zu Dresden militärisch erzogen, trat bereits mit 17 Lebensjahren seine
kriegerische Laufbahn an. Kr diente zunächst in den Reihen der sächsischen
Armee und zwar durch 9 Monate als Portepee-Junker und durch 8 Monate als
Lieutenant in der königlich sächsischen Garde zu Pferde. Am G. April 1833 über-
trat er in österreichische Kriegsdienste und wurde am IG. April 1833 zum Unter-
lieutenant befördert. Am 1. März 1835 erfolgte seine Beförderung zum Ober-
lieutenant bei gleichzeitiger Transferierung zum 18. Infanterie-Regiment. Am
IG. August 1839 zum Second- Rittmeister im 6. Kürassier-Regiment, am
30. Mai 1845 zum Premier-Rittmeister befördert, zog er als Inhabers-
Adjutant des GdC. Grafen Wallmoden in den Krieg gegen Piemont im Jahre
1848 in Italien. Er machte die Schlacht bei Santa Lucia am G. Mai, die Kämpfe
am Curtatone und bei Montanara am 29. Mai, das Gefecht von Goito am
30. Mai und den Sturm auf Monte della Madonna bei V icenza am 10. Juni mit,
wobei er im Hauptquartier des FM. Grafen Radetz ky Generalstabsdienste ver-
richtete und unter anderem von Verona als Parlamentär in das königlich sardini-
schc Hauptquartier entsendet wurde. Am 1. Juli 1848 in den General-Quartier-
meister-Stab übersetzt, betheiligte er sich mit dem Hauptquartier an den Gefechten
bei Sommacampagna am 23., bei Salionze und Ponli am 24. Juli, sodann
an der Schlacht bei Custozza am 25. Juli, an dem Streifzuge und Cavallerie-
Gefechte bei Quadern i und Le sei vie am 2G. und an dem Gefechte von Volta am
27. Juli. Darauf war Gablenz Colonnenführer und Generalstabsofficier des fliegen-
den Corps unter Oberst Wyss und machte die Scharmützel bei Brescia am
29. Juli und bei Lodi am 1. August mit. Alses sich um die Zerstörung der
Eisenbahn zwischen Mailand und Treviglio handeile, erbot sich Gablenz
freiwillig hiezu und führte dieses Unternehmen mit G0 Reitern auch glücklich
durch. Schließlich beiheiligte er sich als Generalstabsofficier der Division FML.
Edmund Fürst Schwarzenberg an dem Gefechte bei Marazzone gegen Garibaldi
am 2G. August 1848.
Am 19. September 1848 zum Major im General-Quartiermeister-Stahe
befördert, nahm er noch in demselben Jahre Antheil an dem Feldzuge in Ungarn.
Anfangs dem Hauptquartier des FM. Fürsten VVindischgrätz zugetheill, wurde
er zum Generalstabschef bei dem Armee-Corps des GdC. Grafen Sehlik ernannt.
Zunächst machte er das Gefecht bei Szikszö am 28. December mit. Am
4. Jänner 1849 in dem Treffen bei K aschau schlug er mit der rechten Flügel-
Colonne des Corps Schlik den mehr als doppelt überlegenen feindlichen linken
') Die Familie (Jabli-uz wunle im Jahre 1 837 in den »fichsisch-eohurg-goLha'scIu'ii Frvi-
herrnsland erhöhen.
Digitized by Google
Conimamleur des M. T. O. Ludwig Fieiliorr von (inbUnz.
183
Flügel durch hervorragende Umsicht und außerordentliche persönliche Bravour
aus dem Felde, trug auf diese Weise zur siegreichen Entscheidung des Treffens
bei Kasi hau wesentlich bei und schwang sich durch diese glänzende WalTenthat
zum Maria Theresien-Ritter empor.
Weiterhin betheiligte er sich im Feldzuge 1849 in Ungarn an dem Sturm
auf Tarezal am 22. Jänner, an dem Gefechte bei Tokay am 31. Jänner, an den
l'berfällen auf Szen am 13. Februar und auf Pcterväsära am 24. Februar, an
dem tiefechte bei Sirok am 26. Februar, an der Schlacht bei Käpolna am
27. Februar, an dem Gefecht bei Porös zlö am G. März, an dem Gefecht bei Hort-
Ii at van am 2. April, an dem Reitergefecht bei Hat van am 5. April, an der Schlacht
bei Isaszeg und Gödöllö am G. April, an den Gefechten bei der Pascala-Brüeke
am 10. April, bei Räkos am 1 1. und IG. April, an dem Gefecht bei Puszta
Ilarkäly und Äcs am 2G. April, an dem Recognoscierungs- Gefecht bei Abda
am 5. Mai, an dem Gefechte bei Bö-Särkäny am 13. Juni und an der Einnahme
von Raab am 28. Juni.
Am 11. Juli 1810 zum Oberstlieutenant im 5. Dragoner-Regiment beför-
dert, kämpfte er noch in der Schlacht bei Komorn am 11. Juli und in dem
Recognoscierungs-Gefecht gegen Komorn am IG. Juli.
Während dieses Feldzuges wurde Gablenz gelegentlich einer diplomatischen
Mission des Ministerpräsidenten Felix Fürsten Schwarzenberg an das kaiserlich
russische Hoflager und in das Hauptquartier des russischen General-Lieutenants
Grabbe wegen einer Cooperation gegen Komorn dem Fürsten Schwarzenberg
attachiert.
Am 13. December 1810 erfolgte seine Beförderung zum Obersten.
Für seine Verdienste während des Feldzuges 1840, insbesondere aber in der
Schlacht bei Kapolna, wurde Gablenz im Jänner 1850 mit dem Militär - Ver-
di e n s t k r e u z ausgezeichnet.
Gelegentlich der Truppenaufslellung gegen Preußen im Jahre 1850 wurde
Gablenz neuerdings dem Ministerpräsidenten Fürsten Schwarzenberg beigegeben
und in militärisch-diplomatischer Mission nach Dresden entsendet. Darauf ward
er der sächsischen Armee zugetheilt und während der Conferenz mit Missionen
nach Cassel, Hamburg und Berlin betraut.
Am 10. Februar 1851 wieder zum General-Quartiermeister-Stabe transferiert,
wurde er Generalstabschef des von dem GdC. Grafen Schlik befehligten Armee-
Corps in Mähren, und begleitete späterhin den FM. Frh. von Hess zu den großen
Feldmanövern russischer Truppen nach Warschau.
Am 31. Mai 1851 zum Generalmajor befördert, erhielt er das Commando
einer Truppen-Brigade bei dem Occupations-Corps in den Donaufürstcnthümern
und war von April bis October 185G mit den Functionen eines Truppen-Comman-
danten in der Moldau betraut.
Im Jahre 1857 erhielt er das Commando einer Truppen-Brigade des VII. Corps
unter FML. Zobel und machte in dieser Dienslesverwendung den Krieg gegen
Frankreich und Piemont in Italien 1S50 mit, und zwar specicll die Vorposten-
Digitized by Google
184
Ol.Xl. Li< OLXIU. Promotion. - Krie? gegen Dänemark 1861.
Olefechte bei Vercelli am 21. und 23. Mai, dann die Schlachten bei Magenta am
1. Juni und bei Solferino am 21. Juni. Während der Schlacht von Magen ta ward
er berufen, an Stelle des schwer verwundeten FML. Frh. von Reischach dessen
Division zu führen. Für seine hervorragenden Verdienste bei Magerita wurde er
mit dem Orden der Eisernen Krone II. Classe ausgezeichnet.
Am 15. August 1862 erfolgte unter Eintheilung bei dem V. Armee-f lorps
seine Beförderung zum Feldmarsehall-Lieutenant und am 3. Ortober 1863
seine Ernennung zum zweiten Inhaber des Seiner Majestät des Kaisers Franz
Joseph I. Namen führenden 6. Uh 1 an en -Regiments.
In dem Kriege gegen Dänemark in Schleswig und Jütland im Jahre 1861
stieg FML. Frh. von Gablenz dank seiner vielseitigen glänzenden militärischen Eigen-
schaften auf seiner kriegerischen Laufhahn noch höher empor. Am 12. December
1863 betraute ihn der Oberste Kriegsherr mit dem (Kommando des VI. Armee-
dorps, welches gemeinsam mit königlich preußischen Truppen unter Oberbefehl
des königlich preußischen General- Feldmarschalls Frh. von Wrangel gegen
Dänemark in Schleswig und Jütland ins Feld zog.
Als Commaudaut dieses Armee-Corps, welches in der Ordre de bataille der
verbündeten österreichisch-preußischen Armee anfangs im Gentium als II. Corps
eingetheilt war, führte Gablenz in diesem Kriege die kaiserlichen Truppen ruhm-
voll von Sieg zu Sieg. So schlug die Brigade Gondrecourt am 3. Februar die Dänen
in dem Gefecht bei Ober-Selk und Jagel. Am 1. und 5. Februar folgte die
Kanonade vor Schleswig. Am 6. Februar aber vollführte Galilenz persönlich
eine ebenso hervorragende als den siegreichen Verlauf des Krieges wesentlich mit-
bestimmende Waffen thal.
Infolge der siegreichen Gefechte der Brigade Gondrecourt bei Ober-Selk und
Jagel hatten die Dänen in der Nacht vom .">. auf den 6. Februar, durch die Finsternis
begünstigt, die Danewerk-Position und damit auch die Stadt Schleswig
geräumt. Dieses hochwichtige Ereignis gelangte am 6. um 1 Uhr früh zur
Kenntnis des FML. Frh. von Gahlen/.. Sobald er sich über die Vorgänge auf Seile
des Feindes volle Sicherheit verschafft hatte, erstattete er dem Oberbefehlshaber,
FM. Frh. von Wrangel, zunächst schleunige Meldung. Gleichzeitig verlor er
aber auch keinen Augenblick, ohne erst irgend welchen Befehl abzuwarten, alle
seine bei Selk und Jagel befindlichen Truppen zum ungesäumten Aufbruche
nach Schleswig und zur Verfolgung des Feindes zu beordern. Weiter unterließ
er nicht, auch den ihm mit seiner Garde-Division (III. Corps der verbündeten
österreichisch-preußischen Armee) zunächst stehenden preußischen General-Lieu-
tenant von der Mülbe von der eingetretenen Verfolgung wegen eventuellen Nach-
rückens zu verständigen.
Gegen 7 Uhr früh, nachdem eine Hälfte der Brigade Tomas schon um 6 Uhr
früh in Schleswig eingetroffen war, rückte Gablenz mit der Brigade Nostitz in die
Stadt ein-, dieser folgte die zweite Hälfte der Brigade Tomas und die Geschütz-
Reserve unter Major Neubauer. Um KV, Uhr stand auch bereits die Brigade
Gondrecourt innerhalb des Danewerks auf den Höhen westlich der Stadt.
Digitized by Google
Comiiiaudeur de* M. T.-O. Ludwig Freiherr von (iahlpnz.
185
Zur Verfolgung der Feindes ließ Gablenz die hei diesen Brigaden eingetheil-
ten, sueeessive eintreffenden Escadronen von Liechtenstein-Husaren gegen Flens-
burg vorbrechen, bestimmte eine Hälfte der Brigade Tomas zur Besatzung von
Schleswig und disponierte die übrige Infanterie seines Corps nacli Zulass der
Verhältnisse mit thunlichster Beschleunigung brigadenweise zum Nachrücken. Die
Brigaden Xostitz und (londrecourt beorderte Gablenz, auf der Chaussee, die zweite
Hälfte der Brigade Tomas, auf dem östlich der Chaussee führenden Landwege
nach Wedelspang (bei Tolk), die gegen Missunde detachierte Brigade Dorums
endlich, über Tolk vorzugehen und nach Thunlichkeit hinter der Halbbrigade
Tomas anzuschließen.
FML. Gablenz hatte gerade seine diesbezüglichen Anordnungen beendet und
wollte seinen bereits in Marsch gesetzten Truppen nacheilen, als FM. Frh. von
Wrangel mit Seiner königlichen Hoheit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm
und seinem Stab 10'/, Uhr vormittags in Schleswig eintraf. Der Oberbefehlshaber
hatte inzwischen auf die vom FML. Frh. von Gablenz empfangene Meldung nach
N Uhr morgens durch Couriere au sämmtliche Corps-Commandantcn, darunter
auch an FML. Frh. von Gablenz selbst, Befehl erlheilt, so schnell als möglich
mit allen Kräften in der Richtung gegen Flensburg vorzurücken. Diesem Befehle
war eben Gablenz durch seine selbständigen Dispositionen bereits zuvorgekommen
und hatte dadurch unschätzbare Zeit für eine wirksame Verfolgung des Feindes
gewonnen.
Die an der Tete vordringenden 2 Husaren -Escadronen erreichten infolge
dessen schon bei Hesse-Moor (in der Höhe von ldstedl) die Queue einer feind-
lichen Geschütz- und Train- Colonne, zersprengten deren Bedeckung, erbeuteten
3 Geschütze und viele Proviantwagen und machten 50 Gefangene.
Weiter vorwärts bei Helligbek stießen sie auf das Gros dieser feindlichen
Colonne, attaquierten dasselbe, drangen in den Ort ein, hieben die Bedeckung wieder
theil weise nieder, mussten sich aber endlich, nachdem sie bis an den Stenderup-
busch vorgedrungen und durch heftiges Feuer starker feindlicher Abtheilungen
empfangen worden waren, auf einige hundert Schritte zurückziehen, wo sie
von zwei anderen inzwischen vorgerückten Husaren-Escadronen aufgenommen
wurden.
Die beiden vorderen Husaren-Escadronen hatten es da mit 0 dänischen
Bataillonen zu thun gehabt: trotz dieser Übermacht hielt der Feind nicht stand.
Die Arrieregarde der Dänen selzte, nachdem der, wie die dänischen Berichte be-
sagen, mit großer Verwegenheit ausgeführte Angriff der Husaren abgewiesen war,
den Rückzug fort.
Inzwischen war bei der österreichischen Husaren-Avantgarde FML. Frh. von
Gablenz mit 2 Geschützen der Brigade Nostitz eingetroffen und übernahm nun
selbst die Leitung der Verfolgung. Gablenz ließ zunächst noch 4 Geschütze der
Brigade- Batterie im Trab vorgehen. Die bald vereinigten G Geschütze fuhren nun
wiederholt auf und scheuchten den Feind mit Spitzhohlgeschossen jedesmal auf,
sobald er sich in einem günstigen Terrain festsetzen wollte, worauf ihn wieder die
Digitized by Google
180
r.l.XI. l.is CI.XIU. Fr ulinn.
- Krit-g gegen Dänemark 1864.
Husaren altaquicrten und verfolgton und so im Vereine mit der überaus beweglichen
und wirksam feuernden Artillerie bis nahe an Oeversee drängten.
Die Brigade Nostitz war trotz wüthenden Schneesturmes und trotz Glatteis
bei äußerster Aufbietung der Kräfte raschestens drauf los marschiert. Gleichwohl
war die Brigade etwa eine Marschstunde hinter den Husaren zurückgeblieben.
Infolge dessen mussten die letzteren auch jenseits (nördlich) von Oeversee, gegen
Flensburg zu, den sich dort von neuem entgegenstellenden Feind zunächst allein
angreifen.
Die Dänen hatten behufs Aufnahme ihrer Arrieregarde in der Linie Büsch au-
Schlamtoft und Munkwolstrup mit frischen 4 Bataillonen und 2 Geschützen
eine sehr starke Stellung bezogen, während weitere 4 Bataillone südlich von Flens-
burg, dann das Gros der dänischen Armee theils in gleicher Höhe mit dieser Stadt,
theils hinter derselben Aufstellung genommen hatten.
Es lag nicht in der Absicht des dänischen Oberfeldherrn, diese 4 Bataillone
nächst Oeversee stehen zu lassen, sondern er wollte dieselben nach Aufnahme der
Arrieregarde gleichfalls auf Flensburg zurückziehen und dann die Vorposten-
linie ungefähr auf eine halbe Meile südlich der Stadt etablieren. Doch die rasche
Verfolgung des Feindes durch FML. Frh. von Gablenz vereitelte die Ausführung
dieser Absicht und jene 4 dänischen Bataillone sahen sich, um nicht während des
Rückmarsches in Stücke gehauen zu werden, genöthigt, bei Flensburg den
Kampf aufzunehmen.
Gablenz beorderte zunächst die Cavallerie zu erneutem Angriff. Die öster-
reichischen 4 Husaren-Escadronen giengen, sobald sie des Feindes auf den Höhen
ansichtig wurden, sogleich über Oeversee hinaus mit außerordentlicher Bravour
auf denselben los; doch diese Attaque scheiterte an der Ungangbarkeit des Terrains
und dem heftigen Feuer des durch die zahlreichen Knicks gedeckten Feindes.
FML. Gablenz ließ nun die Escadronen nordwestlich von Oeversee gedeckte
Aufstellung nehmen, während die 0 Geschütze, welche zu beiden Seiten des Ortes^
links und rechts der Chaussee, aufgefahren waren und die Attaque der Husaren
thunlichst vorbereitet hatten, nun deren Ralliierung deckten. Die Artillerie feuerte
mit solchem Erfolge in die vorliegenden Knicks, dass der Feind trotz seiner sonst
unverhältnismäßigen Überlegenheit durch drei Viertelstunden, ob/war die öster-
reichische Avantgarde isoliert dastand, keinen Angriff wagte, vielmehr sich unter
dem Eindrucke der Husaren-Attaque von dem Südrande der besetzten Ilöhenstellung
zurückzog, so das* die nachrückende k. k. Infanterie, vom feindlichen Feuer
unbelästigt, sich zum Angriffe formieren konnte.
In diesem Gefechtsmomente traf um 3% Uhr nachmittags die Tete der Brigade
Nostitz vor Oeversee ein. Gleichzeitig damit erhielt aber FML. Frh. von Gablenz
vom Feldmarschall Frh. von Wrangel einen Befehl, wonach er über Oeversee hinaus
nicht vorzurücken, sondern nur das dortige Delile mit der Avantgarde zu besetzen
und mit dem Gros Cantonnierungcn zu beziehen hatte.
Nach der Gefecht slage erachtete es jedoch FML. Frh. von Gablenz nicht mehr
als zulässig, den Feind in einer Position unangefochten zu lassen, welche von Natur
Digitized by Google
Conimatukur des M. T.-O. Lmlwi« Freiherr von (i.ibleiu.
187
aus überaus stark war und bei etwaigem Verzuge mir umso schwieriger zu bewäl-
tigen gewesen wäre. Um nun die Dänen aus derselben zu verdrängen, bevor die
sämmtlichen Brigaden des Corps eintrafen, war bei den geringen Kräften, über
die FML. Frh. von Gablenz augenblicklich verfügen konnte, rasches, energisches
Handeln unerlässlieh. Auch musslen alle weit ausholenden Bewegungen vermieden
werden, um nicht nur keine Zeit zu verlieren, sondern auch die Kräfte durch
Theilung nicht zu schwächen. Er beschloss daher, die Dänen durch die Bataillone,
wie sie eben hintereinander anlangten, ungesäumt in der Front angreifen zu
lassen.
So ließ denn Gablenz das zuerst eingetroffene 0. Feld-Jäger-Bataillon vor
Oeversee die Tornister ablegen, dann die Ortschaft rasch durchschreiten und sich
« cheval der Chaussee zum Angriff formieren. Dabei wurde die linke Flügel-Divi-
sion beordert, gegen die rechte Flanke der Dänen vorzugehen.
Mittlerweile nahm Gablenz auch die nunmehr wieder vollzählig vereinigte
Brigade-Batterie gleichfalls durch Oeversee und zwar im Galopp auf die Höhen vor.
Dieselbe protzte dort unter dem Feuer der feindlichen Geschütze, 1200 Schritte
von diesen entfernt, östlich der Chaussee ab. Anfangs Shrapnels, dann Spitzhohl-
projeetile schießend, erzielte die österreichische Batterie bald den Erfolg, dass,
nachdem eines der feindlichen Geschütze demontiert worden war, die feindliche
Artillerie nach Bilschau-Krug abfuhr. Die eigene Batterie folgte sogleich nach,
fuhr auf 300 Schritte vor der feindlichen, hinter den Knicks stehenden Infanterie
auf, beschoss dieselbe mit Kartätschen und bereitete auf diese energische Weise
den Sturm der eigenen Infanterie vor.
Die zu beiden Seiten der Chaussee in Divisions-Massen vorrückenden Neuner-
Jäger warfen mit glänzender Bravour die feindlichen Tirailleurs im ersten Anlaufe,
erlitten jedoch dabei bedeutende Verluste und mussten kurze Zeit im Angriffe
innehalten.
Bald griff aber auch das westlich der Chaussee in Compagnie-Massen
entwickelte 1. Bataillon von Belgien-Infanterie (vier Compagnien) ein. Im Sturm
vorrückend, warfen drei Compagnien mit unwiderstehlichem Ungestüm die vor
dem Walde stehenden Dänen in denselben zurück. Die vierte Gompagnie drängte
eine feindliche Abtheilung, welche in diesem Augenblicke die Belgier links zu
überflügeln drohte, ebenfalls zurück.
Nun leistete der Fein 1 im Walde selbst hartnäckigen Widerstand, doch
konnte er den fortgesetzten Angriffen der ihn drängenden Neuner-Jäger und
Belgier auf die Dauer nicht standhalten. Der ganze feindliche rechte Flügel
wurde aus dem Walde getrieben und schob sich auf einem engen Höhenraum öst-
lich des Waldes und der Chaussee vor Bilschau-Krug zusammen. Da drangen
zwei dänische Bataillone aus dem Hintertreffen vor, um den aus dem Walde
weichenden dänischen Abtheilungen Luft zu machen, und bald sah sich der linke
Flügel der Österreicher stark bedrängt.
Schon aber führte Oberst Herzog von Württemberg, um dtjm bedrängten
Flügel Luft zu machen, rasch das zweite Bataillon von Belgien-Infanterie rechts
Digitized by Google
|s,S * " l-X l. CI.XIIF. Promolinn. - Kiie? ve^vu Dänemark 1864.
der Chau>>ee im Sturmschritte vor und brachte dadurch die Vorrückung der beiden
feindlichen Bataillone augenblicklich zum Stillstand, worauf dieselben nur mehr
stehenden Fußes ein lebhaftes treuer gegen die Belgier unterhielten. Ohne Zaudern
«»riff aber das in Divisions-Massen entwickelte Bataillon selbst die Dänen mit dem
Hajounett an und zwang dieselben nach einem erbitterten Handgemenge zum Rück-
zug«'. Zwar nahmen die beiden dänischen Bataillone nochmals Stellung und ver-
suchten sich zu behaupten, allein die unwiderstehlich drauf los stürmenden tapferen
Belgier mit dem Herzog Württemberg an der Spitze warfen die Dänen von neuem.
Durch einen dritten Bajonnett-Angriff wurden dieselben endlich auch aus ihrer
letzten Position, unmittelbar vor Bilschau und Schlamtoft, geworfen.
Nun stürtzten auch die Neuner-Jäger und das erste Bataillon Belgier
aus dem Walde hervor und zwangen im Vereine mit dein zweiten Bataillon
dieses tapferen Regiments den Feind, trotzdem derselbe inzwischen weitere
Verstärkung erhalten hatte und einen neuen Gegenangriff versuchte, vollends
zum Rückzüge. Ein Theil des Feindes gieng über Bilschau, ein anderer über
Munkwolstrup zurück, welch beide Orte durch die nachdrängenden Neuner-
Jäger und beiden Bataillone von Belgien erstürmt wurden. Auch die Batterie
fuhr rasch vor und verfolgte den Feind durch ein lebhaftes Feuer mit Spitzhohl-
geschossen.
In der Abenddämmerung versuchten zwar dänische Truppen, Bilschau
wieder zu erobern, doch scheiterte ihr Angriff an der hartnäckigen Verteidigung
der Ortschaft durch die k. k. Truppen und an dem mörderischen Feuer der Bat-
terie. Bei diesem letzten Zusammenstoße mit dem Feinde erschien auch schon das
Regiment Hessen als zweites Treffen der Brigade Nostitz auf dem Kampfplatze,
allein die Entscheidung war schon gefallen und der Feind auf der ganzen Linie
geschlagen.
An eine weitere Verfolgung des Feindes oder gar auf einen Angriff noch
während der Nacht war bei der herrschenden Dunkelheit, bei der Erschöpfung der
eigenen Truppen und bei den Marsehverhältnissen des Corps überhaupt nicht zu
denken. Auch musste der Anmarsch der übrigen Brigaden des Corps abgewartet
werden. FML. Gablenz ließ daher die Avantgarde-Brigade Nostitz in Ueversee
und Frörup Nachtquartier nehmen, schlug selbst das Corps-Hauptquartier in
Frörup auf, während er das Regiment Hessen auf Vorposten gegen Flensburg
vorschob.
Die Folgen des siegreichen Gefechtes von Oeversee waren ähnlich jenen
von Ober-Selk, von einschneidender Wichtigkeit für den weiteren Verlauf des
Krieges. Der dänische Oberfeldherr besorgte, noch in der Nacht in Flensburg selbst
von Übermacht angegriffen zu werden, und ordnete infolge dessen den ungesäum-
ten Rückzug der ganzen dänischen Armee an. Die dänische Cavallerie mit
i> Bataillonen und 1 Batterie retirierte in nördlicher Richtung nach Apenrade,
alle übrigen Truppen der Dänen bogen hinter Flensburg nach Osten ab und
zogen dann ohne Aufenthalt bis nach Düppel und nach Besetzung der Düppler
Werke mit dem Gros auf die Insel Alsen weiter zurück.
Digitized by Google
Coniniuiuleur des .M. T.O. Ludwig FmlieiT von (wibk-iu.
ISO
Mit dem allgemeinen Rückzüge der dänischen Truppen von Oeversee und
Flensburg war eigentlich die Räumung des Herzogthums Schlesw ig seitens
des Gros der dänischen Armee entschieden. Jedenfalls wurde aber schon am
<}. Februar durch einen Theil des k. k. österreichischen Armee-Corps unter per-
sönlicher Führung des FML. Gablcnz bewerkstelligt, was nach den Intentionen des
Ober-Cornmandos erst am 7. in Angriff genommen werden sollte.
Ein denkwürdiges Beweisthum für die Ordenswürdigkeit der Waffenthat des
FML. Frh. von Gablenz bildet nachfolgender Erlass des königlich preußischen
( Jeneral-Feldmarschalls Frh. von W r a n ge 1 an G a b 1 e n z, welches Document zugleich
ein ehrendes Denkmal echt waffenbrüderlicher Kameradschaft der verbündeten
Armeen in der Person der beiden Führer auf dem Kriegsschauplatze darstellt.
Dieser Erlass lautet, und zwar:
„Ich habe am 6. d. M. Euer Excellenz den aus dem Chaussee -Hause
datierten anliegenden Befehl zugeschickt, mit der Spitze Ihrer Avantgarde bis
Oeversee vorzugehen, das dortige Defile besetzen und die sehr ermüdete
Cavallerie, nachdem sie sattsam gerastet, womöglich gegen Flensburg recognos-
cieren zu lassen. Mit Tagesanbruch des 7. sollte sodann ein allgemeines Vorrücken
gegen Flensburg beginnen, welcher Absicht gemäß ich auch die Disloeation
der andern Corps angeordnet hatte.
Wie mir noch desselben Abends (am (>.) der mit jenem Befehl an Eure
Excellenz abgeschickte k. k. Oberstlieutenant von Schönfeld meldete, fanden sich
Eure Excellenz aber veranlasst, über meine Disposition hinaus den nächst dem
Bilschaner Kruge in einer sehr guten Arrieiegarde-Stellung hier eingehollen Feind
mit der ganzen Brigade GM. von Nostitz und den bereits engagiert gewesenen
Liechtenstein'schen Husaren anzugreifen, wodurch es Ihnen gelang, denselben
von der Chaussee ab und nach Klein-Solt zu drängen, ihm 600 Gefangene nebst
"> Fahnen abzunehmen und überhaupt eine entscheidende Niederlage beizubringen.
Abgesehen von dem Umstände, dass Euer Excellenz schon am Morgen
desselben Tages, als Ihnen die Meldung von der Räumung Schleswigs und der
Danenwerke zukam, ungesäumt Ihre Truppen zur Verfolgung des Gegners in
Bewegung setzten, diese Verfolgung durch das Regiment Liechtenstein-Husaren
und 6 Geschütze mit ebenso viel Umsicht als Erfolg persönlich geleitet, haben
Euer Excellenz mit dem hervorleuchtenden Beispiele persönlichen Muthes in
den Reihen Ihrer Untergebenen, wo der Allmächtige das auf Sie gerichtete tödt-
lichc Geschoss an der Schnalle Ihres Säbelkoppels abprallen ließ, und unterstützt
durch die Tapferkeit und Ausdauer Ihrer braven Truppen in der Forcierung der
Stellung am Bilschauer Kruge aus eigenem Antriebe und in richtiger Erkenntnis
der Kriegslage eine That unternommen und durchgeführt die nicht nur einen
wesentlichen Einfluss auf den beschleunigten Rückzug des Gegners, sondern auf
die noch in dieser Nacht erfolgte Räumung von Flensburg geübt hat.
Nach den eben genannten Thatsachen und nach den mir bekannten
Ordensstatuten halte Euer Excellenz ich der Auszeichnung mit dem Comman-
deurkreuze des Maria Theresien-Ordens vollkommen würdig und ist es somit in
Digitized by Google
190
CI.XI. Iiis CI.XIII. 1'n.moli.m. Krieg wen D&neiiunk lKf,i.
meiner gegenwärtigen Stellung mir eine ganz besonders angenehme Pflicht,
Euer Excellenz hiermit auffordern zu müssen, Ihr dickfälliges Einschreiten beim
hohen Ordens-Capitel mit den nöthigen Docnnienlen belegt, mir vorzulegen,
damit ich solches Se. k. k. aposlol. Majestät in tiefster Ehrfurcht baldigst vorzu-
legen mir gestatten könne.
Hauptquartier Flensburg, den VA. Februar 18GL
Der Feldniarscliall
gez. v. Wrangel.»
Die höchste Gewähr für die hervorragende Bedeutung und besondere Vcr-
dienstlichkeit der Waffenthat des FML. Gablenz bietet aber nachfolgender Auszug
eines Erlasses der k. k. General-Adjutantur, welcher lautete :
„ Allerhöchst Seine Majestät gewärtigen, dass Euer Hochwohlgeborcn
sowohl, wie GM. Graf Gondrecourt dem Capitel des Maria Theresien-Ordens
Ihre Speeles facti und Zeugnisse einreichen werden, indem Seine Majestät der
Kaiser auf die eigene Machtvollkommenheit allergnädigst verzichtend, durch
den Ausspruch des Capitels die VerdienHlichkeit dieser hohen Auszeichnung
noch mehr bekräftigen wollten."
Auf die im Befolge vorstehenden Allerhöchsten Befehls erfolgte statuten-
mäßige Bewerbung geruhte Seine Majestät der Kaiser Franz Joseph I. als Erha-
bener Großmeister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-Capitels
kraft der CLXI. Promotion vom 15. März 18G4 den k. k. Feldmarschall-Lieutenant
Ludwig Freiherrn von Gab lenz für die glänzende und entscheidende Waffenthat
beiOeversee vom 6. Februar zum Commandeur des Maria Theresien-
Ordens zu promovieren.
Aber nicht bloß durch die Waffenthat von Oeversee, sondern durch die
gesammte Führung seines Corps im weiteren Verlaufe des Krieges gegen Däne-
mark tbat sich FML. Frh. von Gablenz in Schleswig rühmlich hervor und trug
wesentlich zum siegreichen Ausgange dieses Feldzuges bei.
So lieferte FML. Frh. von Gablenz den Dänen am 8. März 18G1 das siegreiche
Treffen bei Veile, nahm am 19., 20. und 21. März theil an der Berennung
und Beschießung der Festung Fridericia, eernierte dieselbe vom 22. März bis
29. April, worauf sie an letzterem Tage von den Dänen geräumt und von den k. k.
Truppen besetzt wurde ; sicherte durch Streifungen und Demonstrationen in Nord-
Jütland bis an den Lymfjord und gegen die Insel Fünen, wie gegen den
Kleinen Bell die Belagerung von Düppel, welche von dem I. preußischen Corps
unter Prinz Friedrich Carl durchgeführt wurde, vollzog die Oecupation des
westlichen Jütland jenseits dem Lvmfjordes, und bewirkte, bei Cooperation der
k. k. österreichischen und königl. preußischen Marine, die Besetzung der nord-
friesischen Inseln.
Die höchst verdienstvolle Antheilnahme des FML. Frh. von Gablcnz an dem
Feldzuge auch nach der Waffenthat bei Oeversee erhellt im Detail aus der voran-
gehenden, allgemeinen Darstellung dieses Krieges.
Digitized by Google
Rittor <U's M. T.-O. Leopold llrwf (loD.ln . f.url.
101
Am 20. November 1864 mit der Würde eines Geheimen Käthes bekleidet,
:im 24. November 1864 zum Commandanten des V. Armee-Corps ernannt, wurde
Gahlen/ für seine weiteren Verdienste in dem Kriege von 18G4 mit dem Orden
der Eisernen Krone I. Classe mit der Kriegsdecoration ausgezeichnet und im
September 1865 zum Statthalter im Herzogthum Holstein ernannt.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte FML. Frh.
von Gablenz den Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee mit. Er befehligte
das X. Armee-Corps, lieferte dem preußischen Corps Bonin das siegreiche Treffen
bei Trautenau am 27. Juni, kämpfte in den Gefechten bei Neu-Kognitz am
28. Juni, bei Königinhof am 29. Juni und in der Schlacht bei Königgrätz
am 3. Juli.
Nach Beendigung des Feldzuges trat er am 9. September 1866 in üisponi-
bilität, wurde jedoch am 27. Juni 1867 zum Commandierenden General in
Kroatien und Slavonien ernannt, am 22. April 1868 zum General der
Cavallerie befördert, am 3. Juli 1869 als Commandierender General in
Ungarn nach Ofen berufen und trat am 28. November 1871 in den Kuhestand,
bei welchem Anlasse ihm Seine Majestät der Kaiser das Großkreuz des
Leopold-Ordens zu verleihen geruhte.
Frh. von Gablenz beschloss sein Leben am 28. Jänner 1874 zu Zürich.
Ritter des Maria Tlieresien- Ordens
Leopold Graf Gondreconrt.
( Mit Bildnis aus dem Jabre 1SG4.)
Leopold Graf Gondrecourt wurde im Jahre 1816 in der uralten ehemaligen
Kesidenz der Herzoge von Lothringen, in Nancy, geboren und in der französischen
Militär-Akademie zu Saint Cyr militärisch erzogen. Er trat im 22. Lebensjahre in
kaiserlich österreichische Kriegsdienste, und zwar am 3. Jänner 1838 als Reg i-
ments-Cadet in das 28. Infanterie-Regiment. Am 1. Jänner 1839 erfolgte seine
Transferierung zum Tiroler Kaiser-Jäger-Regiment, in welchem er am 1. Februar
1839 zum Unterlieutenant 11. und am 1. Juni 1844 zum Unterlieulenant I. Classe
befördert wurde. Am 18. Juni 1844 wurde er unter gleichzeitiger Transferierung
zum 28. Infanterie-Regiment zum Oberlieutenant befördert. Am 1. Mai 1818
avancierte er zum Capitän-Lieutenant bei dem dritten Wiener Freiwilligen-
Bataillon.
In dem Kriege gegen Piemont in Italien im Jahre 1848 errang er als
Führer der Wiener Freiwilligen bei dem Sturm auf Spiazzi am Montebaldo am
22. Juli den ersten Lorbeer und wurde für die bei dieser Affaire bekundete
Digitized by Google
192
(XXI. bia (XXIU. I'roniolion.
Krieg gegen Dänemark 1804.
Tapferkeit mit dem Militär- Verdienstkreuz ausgezeichnet. Am 19. August
ISIS erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann und am IG. November lSVS
die Transferierung zum 20. Infanterie-Regiment.
Als Hauptmann machte Gondrecourt den Feldzug 1849 in Ungarn, bezie-
hungsweise in Siebenbürgen mit, that sich auch da durch Tapferkeit rühmlich
hervor und wurde — am 10. August 1849 zum großen Generalstab transferiert —
speciell für sein tapferes Verhalten in der Affaire von Szemerin und Tusnäd
in Siebenbürgen am 10. August 1849 außer der Tour zum Major befördert und
zum Corps-Adjutanten des siebenbürgischen Armee-Corps ernannt.
Am 1. November erfolgte seine Transferierung als Corps- Adjutant zum
I. Armee-Corps, am 14. Juni 1854 seine Beförderung zum Oberstlieutenant, in
welcher Charge er als Corps-Adjutant bei dem II. Armee- und später wieder bei
dem I. Armee-Corps in Dienstesverwendung stand. Am 1. Februar 185»'» in das
Adjutanten-Corps eingetheilt, avancierte er am 28. Februar 1857 zum Obersten.
Am 2. Mai 1859 als zweiter Oberst zum 13. Infanterie-Regiment transferiert
und am 9. Juni desselben Jahres zum Commandanten dieses Regiments ernannt,
befand er sich während des Krieges gegen Frankreich und Pi ein out in Italien
1859 wohl auf dem Kriegsschauplatze, ohne aber mit seiner Truppe ins Gefecht zu
kommen.
Am 27. Deceinber 1859 wurde er zum 23. Infanterie-Regiment transferiert
und am 13. August 1863 zum Generalmajor befördert.
Als Brigadier machte er den Krieg gegen Dänemark in Schleswig und
Jütland 1804 mit und vollbrachte gleich in dem ersten (Jefechte bei Ober-Selk
am 3. Februar eine hervorragende Waffenthat, welche auf die Entwicklung der
Kriegsereignisse mitbestimmenden Einfluss nahm.
An diesem Tage hatte das k. k. österreichische Armer-Corps gemäß der
Disposition des Arrnee-Commandos gegen die Danewerk-Position mit einerstarken
Avantgarde bis in die Linie Fahrdorf, Nieder- und Ober-Selk, Jagel vorzurücken
imd dahinter Alann-Quartiere zu beziehen. Auf Grund der in diesem Sinne von
FML. Frh. von Gablenz erlassenen Detail-Dispositionen erhielt GM. Graf Gondrecourt
Befehl, Nieder-, Ober-Selk und Jagel entsprechend zu besetzen, aber mit Rücksicht
auf das feindliche Positions-Gesc hütz nur die äußersten Vorposten vor den genann-
ten Orten aufzustellen. Gleich den übrigen Brigaden des Corps erhielt auch jene
des GM. Gondrecourt den weiteren Befehl, den Feind bei einem Zusammenstoße
zwar mit Energie anzugreifen und zurückzuwerfen, sich jedoch in einen weiteren
ernsten Angriff nicht einzulassen, sobald die vorbezeichnete Vorpostenlinie er-
reicht war.
Gemäß dieser Disposition des FML. Frh. von Gablenz brach GM. Graf Gondre-
court mit seiner Brigade am 3. Februar um 10 »/, Uhr vormittags aus dem Lager
bei Schulcndamm auf und rückte auf der Landstraße über Groß-Breckendorf
derart vor, dass dieser Ort und damit gleichzeitig die eigene Vorpostenlinie um
12% Uhr mittags passiert wurde. Die aus dem 18. Jäger-Bataillon, einem Zug
Liechtenstein-Husaren und 2 Geschützen bestehende Avantgarde stieß angesichts
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter des M. T.O. Leopold Graf Gondrecourt.
193
To rfsc huppen auf den Feind. Es war dies ein aus dem Danewerk vorgesendetes
dänisches, aus 1 Bataillon und 2 Escadronen bestehendes Recognoscierungs-
Detachement, welches sich, ohne hartnäckigen Widerstand zu leisten, langsam
hinter die Vorposten bei Selk zurückzog. In der Höhe von Lottorf stand es
außer Zweifel, dass bei Ober-Selk eine bedeutende dänische Vorhut stehe.
GM. Graf Gondrecourt detachierte nun 1 Bataillon von Preußen-Infanterie
und 1 Zug Husaren links nach Jagel, ließ seine übrigen Truppen ä cheral des
Weges nach Selk zum Gefechte sich entwickeln, und das erste Treffen — westlich
der Straße das 18. Jäger-Bataillon, auf der Straße 2 Geschütze und östlich
der Straße 1 Bataillon Martini — setzte sich alsbald gegen den Feind in
Bewegung.
Die grundlosen Wege, der aufgeweichte Boden, ausgedehnte Moorstrecken
und unzählige Knicks setzten dem Vormarsche bedeutende Hindernisse entgegen.
Diese Knicks sind die landesüblichen Ackergrenzen, welche aus 4 bis 5 Fuß hohen,
3 bis 4 Fuß dicken, mit lebendigem Strauchwerk bepflanzten Erdwällen bestehen,
aus jedem Acker eine förmliche, geschlossene Redoute machten, deren wenige
Eingänge selten der Spurweite der Geschütze entsprachen. Artillerie wie Cavallerie
fanden an diesen Knicks alle Augenblicke ein Bewegungs-Hindernis und selbst die
Infanterie kam in geschlossenen Körpern nur schwer vorwärts.
Infolge dessen vermochte das erste Treffen Gondrecourts nur unter ziemlich
beträchtlichen Verlusten und mit großer Anstrengung gegen die Vortruppen des
Feindes Terrain zu gewinnen. Die Dänen standen überdies gerade im Begriffe, ihre
Vorposten abzulösen und hatten demzufolge 7 Bataillone, 2 Escadronen und
G Geschütze in der von dem GM. Grafen Gondrecourt einzunehmenden Linie
vereinigt.
Als das Vordertreffen Gondrecourts in die Nähe des Centrums der dänischen
Stellung bei Ober-Selk gelangte, versuchten einige dänische Abtheilungen vor-
zubrechen. Dieselben wurden jedoch von den beiden Avantgarde-Geschützen,
welche nunmehr östlich der Straße, 1300 Schritte vom Feinde entfernt, aufgefahren
waren, mörderisch beschossen. Alsbald gr iff auch das Vordertreffen Gondrecourts
die Dänen mit dem Bajonnett an, warf sie. nahm ihnen ein gezogenes Geschütz ab
und eroberte nach kurzem, aber blutigem Sturme das Dorf Ober-Selk.
Damit war den Intentionen des Armee-Commandos und den im Sinne der-
selben ergangenen Dispositionen des FML. Frh. von Gablenz vollständig entsprochen.
Nachdem sich jedoch jenseits von Ober-Selk eine plateauartige Höhe erhebt,
welche in einem hart an der Straße gelegenen isolierten und nach allen Seiten
dominierenden, ziemlich steil abfallenden Kegel — dem Königsberg — endet,
zauderte Gondrecourt, um den Besitz von Ober-Selk besser zu sichern, keinen
Augenblick, über den erhaltenen Befehl hinaus vorzugehen und sich auch der
jenseits des Ortes liegenden Höhen zu bemächtigen.
Er zog zunächst das aus 1 Bataillon Martini und 1 Bataillon Preußen-Infan-
terie formierte zweite Treffen in die Höhe des ersten vor. Dann ließ er die ganze
Brigade-Batterie nordöstlich von Ober-Selk auf dem ersten Höhen-Plateau östlich
MihUnschvr Maru Th»re*«D-Ord«a. 13
Cfigitized by Google
104
CLXI. bis CLXI1I. Promotion. - Krieg gegen Danemark 1864.
der Straße vereinigt Stellung nehmen. Dieselbe beschoss anfangs die dünischen
Geschütze auf dem Königsberge, sowie die dort postierte feindliehe Infanterie-
Reserve mit Shrapnels; da aber dadurch der hinter zahlreichen Knicks gedeckt
stehende Feind nicht hinreichend zu erschüttern war, wurde ein Geschützzug nach
links detachiert, und die dänische Artillerie mittels eines Hohlgeschoss-Kreuz-
feuers zum Schweigen gebracht und zum Rückzüge gezwungen. Darauf erstieg die
ganze Brigade im heftigsten Feuer der feindlichen Infanterie-Truppen den zweiten
Höhenzug, und das 18. Jäger-Bataillon — mit Gondrecourt an der Spitze —
erstürmte den Königsberg selbst.
Wiederholt versuchten die feindlichen Reserven, durch Gegenangriffe mit
dem Bajonnett die Österreicher in ihrem Vordringen aufzuhalten. Gegenüber dem
unwiderstehlichen Ungestüm der k. k. Truppen, welche von dem Beispiel ihres
mit Todesverachtung voranstürmenden Brigadiers befeuert, demselben nacheiferten,
war jeder Widerstand fruchtlos. Um 4 Uhr nachmittags war Gondrecourt mit
seiner Brigade, welche seit diesem Gefechte in der Armee nicht anders als die
„ eiserne Brigade" genannt wurde, nicht nur im Besitze des ihm durch die
Disposition zur Besetzung zugewiesenen Terrainabschnittes, sondern darüber
hinaus auch der so wichtigen Position auf dem Königsberge.
Aber noch viel weiter an das Danewerk drangen seine siegreichen Trup-
pen vor.
Wahrend die Batterie der Brigade Gondrecourt auf dem Königsberge und
jene der Brigade Nostitz rechts davon sogleich in der erstürmten Position Stellung
nahmen, folgten die k. k. Truppen dem retirierenden Feinde mit Ungestüm nach,
warfen ihn aus Wedelspang und trieben die Dänen bis an das Glacis der Schanzen
von Bus torf zurück, wo die Flüchtenden von ihrer Haupttruppe aufgenommen
wurden, gleich aber darauf das Kreuzfeuer des feindlichen Positionsgeschützes die
kühnen Verfolger zwang, nach Wedelspang zurückzuweichen.
Feindliche Abtheilungen versuchten wohl, die Österreicher zu verfolgen und,
durch nachrückende Massen verstärkt, sogar Wedelspang wieder zu nehmen, so
dass sich um diesen Ort ein neuer Kampf entspann; doch blieben die k. k. Truppen
im Besitze desselben. Auch ein Artilleriekampf zwischen der österreichischen
Batterie auf dem Königsberge und dänischen Geschützen endete bei Einbruch
der Dunkelheit mit dem Siege der Österreicher.
Während des Gefechtes der Brigade Gondrecourt hatte FML. Frh. von Gablenz
die Brigade Nostitz behufs Unterstützung der ersteren vordisponiert; doch Gondre-
court mit seinen tapferen Truppen hatte, bevor die Brigade Nostitz ins Gefecht
eingreifen konnte, den Feind im Centrum geschlagen. Immerhin kam die durch
FML. Frh. von Gablenz vordisponierte Unterstützung der nach links gegen Jagel
detachierten Colonne der Brigade Gondrecourt insoferne zustatten, als das dahin
entsendete Bataillon von PreuRen-Infanterie mit Hilfe der Neuner-Jäger der
Brigade Nostitz nach anderthalhstündigein Kampfe- den Feind, welcher 2 Bataillone
und 2 Geschütze stark war, aus Jagel warf, ihm mehrere Gefangene abnahm
und etliche dänische Coinpagnie- Fahnen eroberte, wobei die Dänen fast zur
Digitized by Google
Ritter de» M. T.-O. Leopuld Graf Uondrecourt.
195
Gänze von ihrer Rückzugslinie t Bustorf) in nordwestlicher Richtung nach Klein-
Dune werk abgedrängt wurden.
So wurde denn, dank dem selbständigen Vorgehen des GM. Grafen Gondre-
courl gleich bei dorn ersten größeren Kampfe der verbündeten österreichisch-
preußischen Armee ein glänzender Sieg über die Dänen errungen. Während nach
dem Plane des KM. Frh. von W ran gel die Einnahme der wichtigen Höhen von
Selk erst den nächsten Tagen vorbehalten war, standen die k. k. Truppen schon
am Tage des Anmarsches auf denselben, den alt berühmten Dänenwall — das
Dane werk — überschauend.
Dieses an sich siegreiche Gefecht übte auf die weitere Entwicklung der
Kriegsereignisse überdies die wichtige Wirkung, dass Gondrecourts Waffenthat den
Anstoß zur freiwilligen Räumung des Danewerks ohne weiteren Kampf seitens
der Dänen gab.
Mit bewundernder Begeisterung und gehobenstem kriegerischen Selbst-
gefühle dankte aber zunächst die «eiserne Brigade" diesen Sieg einmüthig
ihrem ebenso tapferen als umsichtigen Führer. Durchaus unaufgefordert wett-
eiferten die Officiercorps aller Truppenkörper der Brigade, dem GM. Grafen
Gondrecourt diesbezüglich geradezu enthusiastische Tapferkeits- Zeugnisse zu
geben.
Aber nicht allein von den untergebenen Kampfgenossen, sondern auch von
seinem vorgesetzten Corps- Com mandanten als Augenzeugen wurde dem GM. ^
Grafen Gondrecourt rückhaltslose Anerkennung und überdies ein glänzendes
„Theresien-Ordens-Zeugniss" zutheil. Zum Schlüsse desselben charakterisiert
Gablenz nicht bloß in seiner Eigenschaft als Corps-Comuiandant, sondern speciell
auch als Maria Theresien-Ordens-Ritter die Waffenthat Gondrecourts mit folgen-
den Worten :
„Als Ritter des hohen Maria Theresien-Ordens halte ich diese That für
geeignet, einem hohen Ordens-Capitel vorgelegt zu werden und den Herrn GM.
Grafen Gondrecourt des Ritterkreuzes dieses Ordens würdig.*
Ein weiteres denkwürdiges Beweisthum der hervorragenden Bedeutung von
Gondrecourts Waffenthat findet sich in einem „ Gutachten" des Armee-Coniman-
danten, königlich preußischen General-Feldmarschalls Frh. von Wrangel nieder-
gelegt, welches nach Wiedergabe des Thatbestandes mit folgenden doppelt
charakteristischen Worten schließt:
„In Anbetracht dieser aus eigenem Anlriebe ohne höheren Befehl und in
richtiger Erkenntnis der Verhältnisse unternommenen Waffenthat des mehrge-
nannten Herrn Generalen, sowie in voller Würdigung ihres Wertes für die
weiteren Operationen gegen Stadt Schleswig, fühlte ich mich verpflichtet, den
mir vorgelegten Zeugnissen des k. k. Osten-. Corps-Commandanten, FML. Baron
Gablenz, sowie den statutenmäßig beigebrachten Zeugnissen des Officiers-Corps
der k. k. Truppen-Brigade GM. Graf Gondrecourt vollkommen beizustimmen
und nach der in die Statuten des k. k. militärischen Maria Theresien-Ordens
genommenen Einsicht den k. k. (JM. Grafen Gondrecourt einein hohen Ordens-
13*
Digitized by Google
t%
l.UU. bis OLXiU. Promotion. — Krieg gegen Danemark 1864.
Capilel für die Verleihung des Kleinkreuzes von vorbenanntem Orden nach
Pflicht und Gewissen bestens zu empfehlen.'
Endlich aber gab für die besondere Verdienstlichkeit der Waffenthat Gon-
drecourts der Oberste Kriegsherr selbst Allerhöchste Zeugenschaft ab. wie aus dem
Erlasse der General-Adjutantur Seiner Majestät des Kaisers hervorgeht, welcher
in Betreff der statutenmäßigen Bewerbung um Aufnahme in den Maria Theresien-
Orden seitens des FML. Frh. von Gablenz und des GM. Grafen Gondrecourt, an
den ersteren ergangen war. *)
Auf die im Befolge des Allerhöchsten Befehles vorgebrachte statutengemäße
Bewerbung geruhte Se. Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
meister über Votum des Ordens-Capitels kraft der CLXI. Promotion vom
15. März 1864 den k. k. Generalmajor Leopold Grafen Gondrecourt für die
hervorragende Waffenthat am Königsberg bei Ober-Selk vom 3. Februar
1864 durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-
Ordens zu promovieren.
Im weiteren Verlauf des Krieges gegen Dänemark zeichnete sich GM. Graf
Gondrecourt noch in dem Treffen bei Veile am 8. März besonders aus und
wurde dafür am 4. Mai 1864 mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens
ausgezeichnet.
Am 9. Juli 1864 geruhte Se. Majestät der Kaiser den GM. Grafen Gondrecourt
zum Erzieher weiland Sr. kaiserl. königl. Hoheit des Kronprinzen Erzherzog
Rudolph zu berufen und ersterem gleichzeitig die Würde eines Geheimen
Rath es zu verleihen.
Von dieser Verwendung über seine Bitte am 17. October 1865 enthoben,
wurde GM. Graf Gondrecourt zugleich zum Oberst-Inhaber des 55. Infanterie-
Regiments ernannt.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte GM. Graf
Gondrecourt den Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee mit. Er war dem
Commando des I. Armee-Corps zugetheilt und machte die Gefechte, und zwar
Podol 26. Juni. Hühnerwasser 26. Juni. Münchengrätz 28. Juni. Podkost
20. Juni, Jic i n 2'j. Juni. Hofitz 30. Juni mit. Weiler kämpfte er. nachdem er
provisorisch das Commando des I. Armee- Corps übernommen hatte, in der
Schlacht bei Königgrälz am 3. Juli und in dem Gefechte bei Prerau am 15. Juli.
Am 16. Juli 1866 erfolgte seine Beförderung zum Fei dinarschal 1-
Lieutenant unter gleichzeitiger Ernennung zum Commandanten des I. Armee-
Corps.
Am 1. Mai 1868 trat FML. Graf Gondrecourt in den Ruhestand und starb
am 22. Mai 1888 zu Salzburg.
*) Siehe voran gehenden Lehenstauf A>'» Omiinnndeurs FML. Frh. von Guhlenz. Seite 1!*0.
Digitized by Google
Commandeur des M. T. U. kOnigl. preufi. FM. firaf von Wnugel.
197
Commandeur des Maria Theresien-Ordens
Königlich preußischer General-Feldmarschall
Friedrich Graf von Wrangel.
In dem Kriege Österreichs und Preußens gegen Dänemark in Schleswig
und Jütland im Jahre 18G4 wurde der Oberbefehlshaber der verbündeten öster-
reichisch-preußischen Armee, der königlich preußische General-Feldmarsehall Frh.
von Wrangel, von Seite Österreichs der höchsten militärischen Auszeichnung
theilhaftig.
Seine Majestät Kaiser Kranz Joseph I. als Erhabener Großmeister des
Maria Ther» sien-Ordens geruhte kraft Promotion CLX1I vom 19. April 1861 den
General-Feld marschall von Wrangel mittels nachfolgenden Allerhöchsten Hand-
schreibens zum Commandeur des Maria Theresien-Ordens zu promovieren:
.Lieber General -Feldmarschall Freiherr von Wrangel! Angesichts der
glänzenden Siege, welche die Ihrem Oberbefehle anvertraute verbündete Annee
in blutigen Kämpfen gegen einen beharrlichen Feind in schönstem Wetteifer
erfochten, gewährt es Mir lebhafte Freude, Ihnen zur Auszeichnung so hoher
Verdienste das Gommandeurkreuz Meines Maria Theresien-Ordens
zu verleihen.
Uni zugleich der Erinnerung an die in diesem Kriege neubesiegelte Waffen-
Brüderschaft zw ischen Meiner und Meines königlichen Verbündeten Armee Aus-
druck zu geben, ernenne Ich Sie, lieber Feldmarschall, zum Inhaber Meines
2. Kürassier-Regimentes, das von nun an Ihren Namen führen wird.
Wien, am 19. April 1864.
Franz Joseph m. p.*
Die siegreiche Kriegführung der verbündeten österreichisch -preußischen
Armee unter dem Oberbefehl des GFM. Frh. von Wrangel: dies die Wallenthal
auf Grund welcher demselben die höchste österreichische militärische Auszeichnung
zutheil wurde. Eine Darstellung dieser Kriegführung wurde in knappen Zügen
an der Spitze dieses Abschnittes gegeben und damit auch Wrang eis Waffenthat
auf diesen Ehrenblättern bereits verzeichnet. Hier erübrigt nur noch hinzuzufügen,
dass GFM. von Wrangel, der anlässlich dieses Krieges in den Grafenstand
erhoben wurde, zu den hervorragendsten Generalen des preußischen Heeres zählte
und im 90. Lebensjahre 1874 seine Heldenlaufbahn beschloss.
Digitized by Google
198
CLXI. bis CT.XII1. Promotion.
- Im Kriege pegen Danemark 1864.
Commandern- des Marin Theresien- Ordens.
Seine königliche Hoheit
Prinz Friedrich Carl Ton Preußen,
Königlich preußischer General der Cavallerie.
Auf Grund der selbständig und siegreich ausgeführten Operationen gegen
die- befestigte Position von Düppel im Kriege Österreichs und Preußens gegen
Dänemark in Schleswig und Jütland im Jahre 1864 erwarb sich Seine königliche
Hoheit, Prinz Friedrich Carl von Preußen, königlich preußischer General der
Cavallerie, als Commandant des I. Corps der verbündeten Armee, Aufnahme in
den Maria Theresien-Orden als Commandeur.
Diese glänzende Kriegsthat des Prinzen Friedrich Carl, welche in der
Darstellung an der Spitze dieses Abschnittes in Kürze erwähnt wurde, möge auf
nachfolgenden Blättern entsprechend vervollständigt zur Aufzeichnung gelangen.
Den Operationen des Prinzen Friedrich Carl von Preußen gegen Düppel-
Alsen gieng am 10. Februar gemäß Disposition des Armee-Commando eine
Recognoscierung der Position von Düppel durch ein Garde-Detachcment auf
Rackebüll und Nübel voran. Dieselbe ergab, dass die Dänen nicht gesonnen
waren, freiwillig diese feste Stellung zu räumen. Daraufhin erließ das Armee-
Commando eine Disposition behufs Einschließung von Düppel, deren wesentliche
Punkte lauteten :
„Das I. Corps wird mit der Operation gegen Düppel beauftragt. Demselben
bleiben alle im weiteren Verlaufe der Operationen zu treffenden Maßregeln zur
engeren Einschließung des feindlichen Brückenkopfes, zur Etablierung von Bat-
terien etc. überlassen; eine etwaige Erstürmung der Verschanzungen darf jedoch
nicht stattfinden, bevor nicht das feindliche Gesehülzfeuer zum Schweigen gebracht
ist und überhaupt das Gelingen des Sturmes sicher vorauszusehen ist..
Infolge dieser Disposition ließ Prinz Friedrich Carl sein Corps am 11. und
12. Februar über Flensburg in die Landschaft Sunde witt rücken und folgende
Aufstellung nehmen, und zwar:
Auf dem rechten Flügel die 6. Infanterie-Division GL. von Manstein, in
erster Linie die Brigade GM. von Röder bei Gravenstein und Fischbeck, mit
Vorposten von Atzbüll bis Auenbüllgaard, in zweiter Linie die Brigade GM.
Frh. von Canstein bei Alnoer und Rinkenis.
Auf dem linken Flügel die 13. Infanterie-Division GL. von Wintzingerode, in
erster Linie die Avantgarde anschließend an die Brigade Roeder in Kieding und
Ben sc hau, in zweiter Linie das Gros der Division zu beiden Seiten des von
Flensburg nach Sonderburg führenden Landweges in Cantonnements.
Die Reserve-Artillerie und der Train in dem von der Appenrader Chaussee
und dem Flensburger Fjord gebildeten Abschnitt, nordöstlich des Flensburger
Defilr.
Das Corps-Quartier schlug Prinz Friedrich Carl im Schlosse zu Gravenstein
auf. Demselben schlössen sich auch Ihre königlichen Hoheiten der Kronprinz
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-O. königl. preuß. OdC. Prinz Friedrich Carl.
199
Friedrich Wilhelm, Prinz Albrecht (Vater) und der Großherzog von
Mecklenburg an.
Noch am 12. Februar ließ Prinz Friedrich Carl die Gegend bei Nübel und
Satrup recognoscieren und die Recognuscierimgen am 14., 15., 16., 18., 20., 21.
und 22. mit immer größeren Kräften wiederholen. Am 17. und 18. bewirkte der Prinz
den Bau einer Brücke von 546 Fuß Länge auf 5 Böcken mit 32 Pontons über den
Egernsund nach der Halbinsel Broacker, um von dort eventuell die südliche
(linke) Flanke der feindlichen Stellung unter Feuer nehmen zu lassen. Gleichzeitig
wurde an der Brückenstelle eine Batterie von 6 gezogenen Zwölfpfündern etabliert
Eine andere gezogene sechspfündige Batterie ward am entgegengesetzten, linken
Flügel des Corps behufs Sperrung des Alsener Fjords bei Ballegaard placiert.
Während des Brückenbaues am 18. früh kam es zwischen der Zwölfpfünder-
Batterie und dem dänischen Panzerschiff .Rolf Krake* zu einem Geschützkampfe,
welcher eine Stunde währte und mit dem Rückzüge des feindlichen Schiffes
endete. Durch die letzte scharfe Recognoscierung gegen die Büffelkoppel und
die Düppler Schanzen am 22. Februar, welche der Prinz durch 15 Bataillone,
26 Geschütze in erster Linie, mit 6 Bataillonen 24 Geschützen als nächste Reserve,
ausführen ließ, wurden die Dänen auf der ganzen Linie aus Rackebüll und
Umgebung in die Werke zurückgeworfen. General Goeben verfolgte den Feind bis
unter die Kanonen des rechten Flügels der Düppel-Position, um dem Ingenieurchef
Einblick in die Werke zu ermöglichen, musste jedoch aus dem furchtbaren feind-
lichen Geschosshagel bald zurückweichen. Trotz aller Bemühungen wurde der
Hauptzweck der Recognoscierung nicht erreicht, indem auch Schneegestöber
jedweden Einblick in die feindliche Position vereitelte.
Prinz Friedrich Carl hatte übrigens schon seit dem 18. immer festere Ober-
zeugung gewonnen, dass ein erfolgreicher Angriff auf die Position von Düppel
nur auf dem Wege der Belagerung gelingen könne und deshalb im Laufe der
letzten Tage um Zusendung einer hinlänglichen Zahl schwerer Geschütze und
Mörser gebeten. Bis zum Anlangen dieses schweren Geschützmaterials erachtete
der Prinz den Besitz des eroberten Vorterrains der Düppler Werke als von
geringem Nutzen. Überdies hätte, um die in demselben aufgestellten Truppen
gegen Ausfälle der dänischen Besatzung — welche man auf 26 Bataillone schätzte
— zu decken, das ganze Corps hinter den Vortruppen concentriert bereit gehalten
werden müssen. Bei dem Mangel an Unterkünften wären auf diese Weise die
Truppen allen Unbilden der Jahreszeit zwecklos ausgesetzt gewesen. Der Prinz
erachtete es daher als angezeigt, dieselben für die Zeit des entscheidenden
Angriffs zu schonen und ließ das gewonnene Vorterrain von Düppel räumen,
worauf die Dänen in demselben wieder ihre Vorj osten aufstellten. Nun trat bei
dem Corps des Prinzen fast vollständige Waffenruhe bis zum 14. März ein.
Über Befehl des Armee-Commandos bezog der Prinz nach einem am 1. März
bei Rackebüll stattgefundenen Recognoscierungsgefechte am 2. März eine für
Zurückweisung von Ausfällen geeignete Del'ensivlinie, welche von Wenning über
Nübel-Mühle und Satrup lief und bis zum 9. entsprechend befestigt wurde.
Digitizec" by Google
200
CLXI. ins CLXIII. Promoüon.
— Im Kriege gegen Dänemark 186*.
Auch sonst ließ der Prinz alle vorbereitenden Belagerungsarbeiten ausführen. So
wurde schon am 3. März über den Egern sund eine zweite Brücke erbaut, um über
dieselbe das schwere Geschütz auf die Halbinsel Bro ac ke r zu schaffen. Die Samm-
lung und Zurichtung des Batterie-, wie des Holz- und Reisig-Materials, der Bau von
Colonnenwegen u. d. gl. wurde mit allem Eifer betrieben. Der Artillerie-Park wurde
bei Atzbüll, der Genie-Park bei Schmöllehn errichtet, überdies Filialen beider
Parks auf der Halbinsel Broack er etabliert. Prinz Friedrich Carl beschloss nämlich,
alle beim Corps eintreffenden vierundzwanzigpfündigen Geschütze auf dvin rechten
Flügel an der Küste bei Gammelmark in Batterien zu stellen, da von dort eine
Flankierung des südlichen Theiles der Düppel-Position und der Zugänge von
Sonderburg thunlich erschien.
Am 6. März trafen von Kiel die ersten schweren Geschütze, vier Vierund-
zwanzigpfünder, bei dem Corps ein und wurden sofort nach der Halbinsel Broacker
geschafft. Dieser Geschütztransport gieng auf den schlechten, aufgeweichten, zum
Theil neugebauten Wegen nur mit außerordentlichen Anstrengungen vor sich ; jedes
Geschütz musste durch 200 Mann in die bei Gammelmark erbaute Batterie ein-
geführt werden. Am 12. März war dieselbe armiert. Unter denselben Schwierig-
keiten wurde daselbst in der Folge eine Reihe weiterer Battefien errichtet.
Am 14. März vormittags wurde das Feuer in Gegenwart der Prinzen Fried-
rich Carl und Carl von Preußen eröffnet. Von nun an beschäftigten die Gammel-
marker Batterien die feindliche Position stetig in der Flanke, während dieselbe
gleichzeitig auch in der Front beunruhigt wurde. Dies geschah mittels wiederholtei
Alarmierungen der dänischen Vortruppen durch kleinere Recognoscicrungs-Com-
manden, deren Unternehmungen aber vom 1 3. März an die Dimensionen größerer
Recognoscierungskämpfe annahmen und mit dem Gefecht bei Rackebüll und
Kirch-Düppel am 17. März ihren Höhepunkt erreichten. Sie bewirkten die
Zurückdrängung der dänischen Vortruppen, welche sich von da an auf die
Besetzung des Terrains hart vor den Werken beschränken mussten. Inzwischen
hatte sich am 15. die Brigade Schlegell aus Holstein der zu Schleswig gehörigen
Insel Fehmarn bemächtigt.
Am 21. März traf endlich der Rest des schweren Geschützes bei dem Corps
ein. Doch wurde die Aushebung der ersten Parallele noch weitere acht Tage
hinausgeschoben.
Prinz Friedrich Carl trug sich nämlich mit der Idee, statt die Position von
Düppel und dann die Insel Alsen nach einander zu nehmen, durch einen Ober-
gang auf Alsen die befestigte Position von Düppel zu umgehen, solchermaßen mit
einem Schlage nicht nur dieser Position, sondern auch der Insel sich zu bemäch-
tigen und dadurch den Krieg zu entscheiden. Er wählte für diese Operation als
Übergangsstelle über den Alsen-Sund den nördlich von Düppel liegenden Punkt
Ballegaard. Bis zum Eintreffen von Verstärkungen, welche Prinz Friedrich Carl
als unerlässlich erachtete und schon in der ersten Hälfte März bei dem Armee-
Comrnando erbeten hatte, wurde nichts versäumt, um den projezierten Schlag
möglichst gut vorzubereiten, weshalb auch die Mitwirkung des österreichischen
Digitized by Google
Commaiideur de» M. T. O. köuigl. preufl. OdC. Prinz Friedrich Carl. 201
Brückentrains ins Auge gefasst wurde. Zwischen dem 18. und 21. März stieß als
erste- Verstärkung die Brigade GM. Raven aus Holstein zum Corps. Der öster-
reichische Brückentrain stand am 22. in Hostrup zur Disposition. Von der Garde-
Division trafen unter Commando des GL. von der Mülbe aus Veile 9 Bataillone
und 20 Geschütze am 27. abends in Apenrade und Umgebung ein, so dass das
Corps des Prinzen, abgesehen von der allen Anforderungen entsprechenden
Artillerie, auf die Stärke von 41 Bataillonen gebracht war.
Hand in Hand mit den Vorarbeiten für den Obergang auf Alsen bei Ball e-
gaard schritten auch jene für die Belagerung ununterbrochen fort, da es im Plane
des Prinzen lag, den Obergang gleichzeitig mit einer ernsten Beschießung der
Düppler Werke auszuführen. Zu diesem Zwecke unterstellte der Prinz dein
Chef der Artillerie, Oberst Colomier, sämmtliche Geschütze, dem Ingenieur Oberst-
lieutenant von Kriegsheim die technischen Truppen und Arbeiten.
Acht Tage, nachdem das letzte Belagerungsgeschütz eingetroffen war, sollte
zur Aushebung der ersten Parallele in der Linie vorwärts Frydendal zwischen
der Chaussee und dem Wenningbund, auf 1000 bis 1 100 Schritte von den südlichen
Werken der Düppel-Position, und zum Batteriebau geschritten werden.
Zuvor mussten aber die feindlichen Vortruppen in die Werke zurückgetrieben
werden. Dies sollte durch das Gefecht bei Oster- Düppel am 28. März bewirkt
werden. Die Dänen, unterstützt durch das Feuer des Thurmschiffes «Rolf Krake*,
warfen die preußischen Truppen zurück. Trotzdem wurde mit der Aushebung der
ersten Parallele in der Nacht vom 29. und 30. März begonnen. In der Nacht
zum 2. April waren acht Batterien erbaut und armiert, ohne dass der Feind die
Arbeiten gestört hätte.
Um 2 Uhr nachmittags des 2. April begann aus 52 Geschützen die Be-
schießung von vier feindlichen Werken auf dem linken Flügel der Position von
Düppel, wobei auch die Batterien von Gammelmark eingriffen. Die Kanonade
wurde mit aller Heftigkeit bis zur Dunkelheit fortgesetzt.
Während dieser Demonstration sollte am 3. der beabsichtigte aber wieder-
holt verschobene und unauffällig für den Feind bis in alle Details sorgfältig vor-
bereitete Übergang bei Ballegaard nach Alsen durchgeführt werden. Dieses
Unternehmen scheiterte jedoch an der Ungunst der Witterung, indem ein Sturm
die Überschiffung des Sundes verhinderte. Da der Feind nunmehr von dem
überaus schwierigen Unternehmen Kenntnis haben musste und dagegen seine
Maßnahmen treffen konnte, verzichtete Prinz Friedrich Carl gänzlich darauf.
Das Feuer der preußischen Batterien wurde am 3. April und an den fol-
genden Tagen der Belagerung mehr oder minder kräftig, späterhin auch des Nachts
fortgesetzt.
In der Nacht zum 8. April ward zur Aushebung einer von den feindlichen
Werken 800 Schritt entfernten Halb-Parallele geschritten und der Bau neuer
Batterien in Angriff genommen. Am Abende dieses Tages langte nämlich noch
eine Anzahl schwerer Geschütze aus Preußen an; die Geschützzahl wurde dadurch
auf 188 Stück gebracht.
Digitized by Google
■
202 CLXl. bis CLX11I. Promotion. - Im Kriege gre^en Dänemark 1864.
In der Nacht auf den 11. April wurde die zweite Parallele ausgehoben
und der Batteriebau fortgesetzt.
Der Sturm auf die Werke, ursprünglich schon für den 14. April geplant,
wurde auf den 18. verschoben, um zur Vermeidung zu großer Verluste mit den
Trancheen noch näher an die Werke hinanzugehen. In der Nacht zum 15. wurde
die dritte Parallele ausgehoben.
Durch den fortgesetzten Bau neuer Batterien standen am 17. April gegen die
feindliche Position schließlich bei 120 Geschütze im Feuer, und zwar 12 auf dein
rechten Flügel bei Gammelmark, 84 in Gentrum auf der Angriffsfront und 24 auf
dem linken Flügel gegen den Aissund.
Für den Sturm- Angriff auf die Düppler-Position erließ Prinz Friedrich
Carl am 15. April eine Instruction an die Generale und am 17. die eigentliche
Disposition. Nach diesen Anordnungen hatten unter Befehl des GL. von Manstein
6 Slurm-Colonnen in der Starke von II1/, Bataillonen, welche aus Abtheilungen
aller Brigaden zu bilden waren, die südlichen sechs Werke des linken Flügels zu
stürmen und ihnen 2 Brigaden als unmittelbare Reserve zu folgen. An diesen
Haupt-Angriffs-Flügel hatte sich als nördlicher Flügel 1 Brigade anzuschließen. In
zweiter Linie hatten die Garde und 1 Brigade als Hauptreserve bereit zu stehen.
Eine Brigade war zur Demonstration, eventuell zur Übersetzung des Sundes
bestimmt ; 2 Bataillone standen auf Vorposten. Es waren somit für die Action
am 18. April alle 41 Bataillone — nahezu die ganze auf dem Kriegsschauplatz
befindliche preußische Infanterie — in der Stärke von circa 25.000 Mann zur Ver-
wendung bestimmt, welche durch eine imposante Artillerie unterstützt wurden.
Die Dänen hatten in ihrer über 4000 Schritte ausgedehnten Position 7 Bri-
gaden mit zusammen 29 Bataillonen oder circa 18.000 Mann zur Verfügung, die in
den Werken, im Lagerräume, im Brückenkopfe und auf der Insel Alsen, ün ganzen
in fünf Linien echelloniert waren.
Am Morgen des 18. April um 4 Uhr früh steigerten die preußischen Batterien
das während der Nacht mäßig unterhaltene Feuer sechs Stunden hindurch bis zur
vollsten Heftigkeit. Um 10 Uhr brachen gemäß der Disposition des Prinzen
Friedrieh Carl die Sturm-Colonnen unter GL. von Manstein vor und nahmen die
sechs Werke am linken Flügel in unwiderstehlichem Anlauf, so dass die Reserve
zweiter Linie — nämlich die Garde und die Brigade Roeder — gar nicht einzu-
greifen brauchten.
Die Dänen, deren übrige Werke nun im Rücken bedroht erschienen und
deren Reserven vereinzelt und regellos eingriffen, zogen sich nach vergeblichem
Widerslande, wobei auch das Thurmschiff „Rolf Krake" vom Wenningbund
aus eingriff, gegen Mittag in den Brückenkopf, sodann von da bis l1/» Uhr nach-
mittags auf die Insel Alsen zurück und brachen die Brücken hinter sich ab.
Damit war die Position von Düppel, nach fünfwöchentlicher Belagerung
vom 14. März bis 18. April, erobert, und seitens des Prinzen Friedrich Carl die
für den Verlauf des Krieges höchst wichtige Occupation des Festlandes von
Schleswig vollendet.
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen.
203
Auf Grund dieser Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franst Joseph I.
als Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ürdens kraft Promotion CLXII
vom 19. April 1864 Seine königliche Hoheit Prinzen Friedrich Carl, königlich
preußischen General der (Kavallerie mittels nachfolgenden Allerhöchsten Hand-
schreibens zum Commandeur des Maria Theresien-Orden s zu pro-
movieren:
.Besonders lieber Vetter! Mit hoher Achtung erfüllt von den Beweisen der
tapferen und erfolgreichen Führung, welche Euer königliche Hoheit in dem
gegenwärtigen Kriege an den Tag gelegt und in Anerkennung der entscheiden-
den Waffenthat der Eroberung der Düppler Stellung die Ihren Namen mit
bleibendem Ruhme umgibt, sehe Ich mich bestimmt, Euer königlichen Hoheit
das Commandeurkreuz Meines Militär-Maria Theresien-Ordens zu
verleihen, indem Ich weiters durch Ihre gleichzeitig vollzogene Ernennung
zum Oberst-Inhaber Meines 7. Husaren-Regiments das Band, welches
Meine Armee und die Meines erhabenen Alliierten, Ihres königlichen Oheims
umschlingt, um so inniger zu schließen wünsche.
Empfangen Euer königliche Hoheit die Versicherung der aufrichtigsten
Hochachtung und Freundschaft mit der ich verbleibe Euer königlichen Hoheit
Wien, am 19. April 1864.
gutwilliger Vetter
Franz Joseph m. p.*
Vier Wochen nach der Eroberung der Düppler Schanzen, am 18. Mai. wurde
Prinz Friedrich Carl an Stelle des General - Feldmarschalls Grafen Wrangel
provisorisch und am 24. Mai definitiv mit dem Oberbefehl über die ver-
bündete österreichisch- preußische Armee betraut. Sein Wirken in dieser
neuen Stellung wurde bereits an der Spitze dieses Abschnittes verzeichnet. Hier
sei nur kurz bemerkt, dass der Prinz als Armee-Comrnandant den Krieg durch neue
Siege und Erfolge glänzend zu Ende führte. Der weitere militärische Lebenslauf
dieses erlauchten Maria Theresien-Orden- Commandeurs gehört der allgemeinen
Kriegsgeschichte an. Prinz Friedrich Carl beschloss sein durch hervorragende
Kriegsthateti ausgezeichnetes Leben als königlich preußischer Genera 1-Feld-
marschall am 12. Mai 18*5 zu Berlin.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Seine königliche Hoheit
Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen
nachmals deutscher Kaiser und König von Preußen Friedrich III.
Seine königliehe Hoheit Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen nahm
an dem Kriege gegen Dänemark in Schleswig und Jütland zuerst in dem
Hauptquartier des FM. Frh. von Wrangel, dann in jenem des Prinzen Friedrich Carl
Digitized by Google
204
CLXI. bis CLXIU. Promotion.
- Im Kriege gegen Dänemark 1864.
von Preußen theil. Insbesondere betheiligte er sich an der Belagerung und
Eroberung der Position von Düppel. Aus diesem Anlasse geruhte Seine Majestät
Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister des Maria Theresien-
Ordens kraft Promotion CLXII Seine königliche Hoheit mittels nachfolgenden
Allerhöchsten Handschreibens zum Ritter dieses Ordens zu promovieren :
„Durchlauchtig freundlich lieber Vetter und Bruder! Der rühmliche An-
theil. den Euer königl. Hoheit eben so durch persönliche Tapferkeit als durch
erhebende Einwirkung auf den Geist und die Ausdauer Meiner und Meines
königl. Alliierten Truppen an dem schönen Erfolge des gegenwärtigen Krieges
genommen, lässt es Mir zu wahrer Freude gereichen, Ihnen als Merkmal Meiner
Anerkennung das Ritterkreuz Meines Militär-Maria Theresien-Ordens zu ver-
leihen, dessen Insignien Ihnen zu überreichen, Ich Meinen General-Adjulanten
Generalmajor Grafen Coudenhove entsendet habe.
Empfangen Euer königl. Hoheit hiemit die erneuerte Versicherung Meiner
vollkommensten Hochachtung, wie der unwandelbaren Freundschaft, mit welcher
Ich verbleibe Euer königl. Hoheit freundwilliger treuer Bruder und Vetter
Wien, am 19. April 1864.
Franz Joseph m. p.*
Im weiteren Verlaufe dieses Krieges wohnte Kronprinz Friedrich Wilhelm
am 20. und 21. März der Beschießung von Fridericia an und wurde am
30. März mit der Th eilnah me an der Oberleitung der alliierten österreichisch-
preußischen Armee beauftragt. Sein späteres militärisches Wirken, während
dessen erzürn preußischen General-Feldniarschall emporstieg, ist Gegenstand
der allgemeinen Kriegsgeschichte. Im Jahre 1871 wurde Friedrich Wilhelm als
Kronprinz des deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen Oberst-Inhaber
des k. k. österreichischen 20. Infanterie-Regiments. Nach dem am 9. März
1*88 erfolgten Ableben weiland Seiner Majestät des deutschen Kaisers und Königs
von Preußen Wilhelm I. bestieg Kronprinz Friedrich Wilhelm als Friedrich III.
den Thron starb jedoch schon am 15. Juni 1888, tief betrauert, eiues vorzeitigen
Todes auf Schlnss Friedrichskrün.
Maria Tlieresien - Ordens - Kitter
königlich preußischer General-Lieutenant
Carl Eberhard Herwarth von Bitteufeld.
Durch die behufs Eroberung der Insel Alsen selbständig und erfolgreich
ausgeführten Operationen im Kriege Österreichs und Preußens gegen Däne-
mark in Schleswig und Jütland im Jahre 1804 errang sich der königlich preußi-
sche General-Lieutenant Herwarth von Bittenfeld, und zwar in Gemeinschaft
mit dem GL. von Manstein, Aufnahme in den Maria Theresien-Orden.
Digitized by Google
Ritter de« M. T. O. königl. preuß. OL. Herw»rth von Bittenfetd.
205
GL. Herwarth von Bittenfeld betheiligte sich an diesem Kriege nicht von
dessen Anbeginn, sondern erst seit dem 18. Mai 1864, indem er nach Übernahme
des Commandos der verbündeten österreichisch-preußischen Armee durch Seine
königl. Hoheit Prinzen Friedrich Carl, an seiner Statt das Commando des preußi-
schen I. combinierten Armee-Corps übernahm.
Thatsächlich in Action trat GL. von Herwarth mit seinem Corps nach Ah-
lauf der vom 9. Mai bis 25. Juni dauernden Waffenruhe. Gemäß einer zuvor am
22. erlassenen Disposition des Armee-Commandos hatte das I. Corps sofort nach
Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vom Sundewitt aus eine Landung auf der
Insel A Isen zu bewirken, welches Unternehmen durch Batlerienbau am kleinen
Belt und Demonstrationen des k. k. österreichischen Armee-Corps unter FML.
Frh. von Gablenz gegen die Insel Fünen zu unterstützen war.
GL. von Herwarth nahm am 25 mit seinem I. Corps Aufstellung im Sunde-
witt, und zwar so, dass die 6. Division GL. von Manstein die gegen den A Isen er-
Sund, die 13. Division GL. von Wintzingerode die gegen den Alsener und
Apenrader Fjord gelegenen Quartiere bezog. Das Corps-Quartier wurde im
Schloss Gravenstein aufgesehlagen. Das Überschiffungsmaterial war seit Eintritt
der Waffenruhe gesammelt, eingerichtet und per terra nach dem Sunde witt
transportiert worden.
Nach den Weisungen des Armee-Commandos sollte der Übergang bei Ball e-
gaard über den Alsener Fjord ausgeführt werden, da die Küste dort feindlicher-
seits als kaum bewacht oder durch Batterien geschützt betrachtet ward. Demgemäß
wurde sümmtliches Material und schweres Geschütz in die Nähe dieses Punktes nach
Blans und Satrupholz gebracht. Da aber die Dänen am 27. Juni Ballegaard
gegenüber plötzlich gegen einen Übergang der preußischen Truppen Vorkehrungen
zu treffen schienen, und nicht mehr überrascht werden konnten, so besehloss GL.
von Herwarth aus eigenen Stücken, den Übergang, statt von dem Alsener Fjord,
im nördlichsten Theile des Alsener Sundes beim Satruper Holze zu forcieren.
Dort war der Sund schmäler: dies gewährte den Vortheil. dass die Über-
schiffung rascher, also auch die Unterstützung der bereits gelandeten Truppen durch
die nachkommenden schneller erfolgen konnte, als dies über den Fjord möglich
war. Die erforderlichen neuen Batterien am Sunde sowie alle übrigen Vorberei-
tungen wurden bis zum 28. fertig gestellt.
Am Nachmittage des 28. erließ GL. Herwarth von Gravenstein aus folgende
Angriffs-Disposition:
„Morgen vor Tagesanbruch werde ich mit dem Armee-Corps den Cbergang
über den Alsen-Sund beim Satruper Holze forcieren und den Feind in der Richtung
auf Hörup verfolgen.
Der Übergang geschieht mittels 160 Kähnen und durch den Ponton-Train,
von vier, den Führern mündlich bezeichneten Punkten aus, zwischen der südlichen
Lisiere des Satruper Hulzes und Schnabek-Hagc
Die Division Manstein wird zuerst übergesetzt und sucht sich nach Erstür-
mung der Batterien in den Besitz der Fohlen-Koppel, des Vorwerkes Rönhof und
Digitized by Google
-201,
CLXl. bi? CLXIII. Promotion.
Im Kriege gegen Dftncnwrk 1864.
des naheliegenden Terrains zu setaen; sie dringt dann später gegen Ulkebüll und
Hörup vor, um den Feind am Einschiffen zu hindern.
Die Division Wintzingerode folgt unmittelbar, und zwar so, dass die 25. Bri-
gade zuerst übergesetzt wird, und sich dann auf Ulkebüll dirigiert; die 11. Brigade
folgt ihr als Reserve.
Das Herunterlassen der Kähne in das Wasser und das erste Einsteigen der
Mannschaften beginnt um 2 Uhr morgens, und findet das Übersetzen in ununter-
brochener Folge statt. Die Artillerie beginnt erst dann zu feuern, wenn der Feind
in seinen Batterien Geschütz zeigt und zu feuern anfängt.
Die Reserve- Artillerie nimmt bereits um 1 Uhr die ihr angewiesenen Posi-
tionen ein. Die reitende Artillerie wird bei Rackebüll bereit gestellt, um jeden
Augenblick von dort abfahren zu können. Die Divisions-Artillerie der 13. Division
wird am östlichen Ausgange von Blans aufgestellt und bleibt zur Disposition der
Divisions-Commandeurs.
Der GL. von Wintzingerode hat die erforderlichen Anordnungen zur Bewachung
der Küste der Alsener Föhrde durch das Uhlanen-Regiment zu treffen und dafür
zu sorgen, dass der Brückenbau bei Sonderburg durch den Ponton-Train so schnell
ausgeführt wird, als Pontons dazu disponibel sind. Beim Aufstellen der Truppen,
sowie bei allen Bewegungen und Hantierungen mit den Booten ist die allerpein-
lichste Stille zu beobachten, und darf kein lautes Sprechen und Befehlen stattfinden.
Ich werde mich beim Übersetzen der Divison Manstein östlich von Oster-
Schnabek beim Gehöft von Peter Nissen aufhalten und dann der Division folgen.
Anzug: Ohne Gepäck, aber mit Kochgeschirren und in Mützen."
Die zur Einschiffung bestimmten vier Punkte waren, und zwar:
Im Satrup-Holz für 50 Boote und 7-"i0 Mann; — weiter nördlich bei der
Ziegelei für 42 Boote und 600 bis 700 Mann; hier waren auch die Geschütze und
Pferde auf den zu zweien gekoppelten Pontons einzuschiffen; — noch weiter
nördlich für 29 Boote und 400 Mann; — endlich gegenüber der nördlichsten
Spitze der Halbinsel von Kjär bei Schnabeck-Hage für 42 Boote und 750 Mann.
Die Summe der gleichzeitig von allen vier Punkten auf einmal überzuschiffen-
den Mannschaft betrug ohne Ruderer 2500 Köpfe oder 3'/^ Bataillone. Im ganzen
waren 22 Bataillone zu überschiffen, was eine sechsmalige Fahrt erforderte. Jede
Fahrt hin und zurück bedurfte ungefähr bis '/» Stunden Zeit und es konnte
somit diese Überschiffung binnen 4 bis 5 Stunden ins Werk gesetzt werden.
Gleichzeitig mit der Infanterie waren vom zweiten Punkte aus zwei sechspfündige
Batterien, dann ein Cavallerie-Regiment, endlich noch eine Zwölfpfünder-, eine
Haubitz- und eine Sechspfünder- Batterie auf den Pontons nach Alsen zu schaffen.
Die Rosi-rve-Artillerie blieb außerdem mit zwei Batterien bei Sandberg und
mit drei reitenden Batterien bei Rackebüll zur Disposition.
Ein zweites Cavallerie-Regiment des Armee-Corps hatte die Küste am
Alsener Fjord zu bewachen.
Pünktlich nach Herwartbs Disposition bewirkte am 29. Juni 2 Uhr morgens
der erste Truppen-Echellon der Division Manstein trotz feindlichen Feuers die
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. königl. preuß. GL. Herwarth von Biltenfeld.
207
ÜberschilTung, vertrieb den Feind aus den Laufgräben und nahm die Geschütze. Der
zweite Echellon, obgleich kurze Zeit durch das Feuer des dänischen Panzerschiffes
„Rolf Krake* bedroht, folgte nach und bis gegen 31/? Uhr morgens waren die
1 1 Bataillone der Division und mehrere Geschütze jenseits des Sundes.
GL. von Manstein rückte inzwischen schon mit 7 Bataillonen, ohne weitere
Kräfte abzuwarten, von der Fohlen-Koppel zum weiteren Angriff vor, nahm
den Rönhof und brach den Widerstand der Dänen durch die Wegnahme von
Kjär und Bagmoso. Während dessen rückten die restlichen Bataillone der
Division nach und formierten sich zum Angriffe auf Sonderburg.
Inzwischen, um 6 Uhr, hatte der dänische Truppen-Commandant, General
Steinmann, den Befehl zu dem schon bedrohten Rückzüge auf die Halbinsel
Kekenis ertheilt, deren Zugang, die Landenge „Drei", befestigt und besetzt war.
Die ersten gegen 7 Uhr in Sonderburg eindringenden preußischen Compagnien
fanden keinen Widerstand mehr.
GL. von Herwarth disponierte die ersten drei bei der Fohlen-Koppel versam-
melten Bataillone der Division Wintzingerode nach Ulkebüll, um den Feind am
Einschiffen zu hindern. Die Dänen hatten jedoch in ihrem Rückzug einen solchen
Vorsprung gewonnen und die preußischen Truppen waren so erschöpft, dass jede
weitere Verfolgung über Höruphaff hinaus und die Verhinderung der feindlichen
Einschiffung unterbleiben mussten. *)
Die Dänen vollendeten ihre Einschiffung nach der Insel Fünen am 30. Juni
2 Uhr nachmittags.
GL. von Herwarth ließ die Insel Alsen durch die Division GL. von Wintzin-
gerode in Besitz nehmen, die Division GL. von Manstein aber noch am 29. mittags
nach dem Sundewitt rücküberschiffen und am 30. eine Pontonbrücke über den
Sund schlagen, welche späterhin durch eine aus requirierten Schiffen erbaute Brücke
ersetzt wurde.
Auf diese Weise hat dank den vortrefflichen Dispositionen des GL. Herwarth
von Bittenfeld und der glänzenden Ausführung derselben durch den GL. von Man-
stein das königl. preußische 1. Armee-Corps mit einem im Verhältnisse zu dem
Erfolge der Waffenthat ganz geringfügigen Verluste, im Angesichte des Feindes
den Sund übersetzt die seit längerer Zeit vorbereiteten Sund-Befestigungen bei-
nahe unschädlich gemacht, mit den zuerst übersetzten 7 bis 8 Bataillonen die feind-
liche, zur Verteidigung der Insel bestimmte Division von Stellung zu Stellung
zurückgeworfen und dieselbe binnen kaum vier Stunden zum Aufgeben des
Kampfes bestimmt, welcher den Feind nach dessen Angaben das Zehnfache des
preußischen Verlustes gekostet hatte. Die große Zahl von 99 meist schweren
Positionsgeschützen, die ganze Munition, viele Verpllegsvorräthe, die Lazarethe,
mit einem Worte alle die Güter, die den Besitz eines längere Zeit in Position
stehenden Heereskörpers ausmachen, fielen dem Sieger außerdem als Trophäen
in die Hände. Diesem Übergange des königl. preußischen GL. von Herwarth am
*) Die Details dieges ganzen Gefechtes sind in der Beschreibung der Waffenthat des Maria
Tberesien-Kitters, königl. preuß. GL. von Manstein, Seite -209 bis 21 1, dargestellt
Digitized by Google
208
CLXI. bis r.LXIU. Promotion. -
Im Kriege *e*«n D9i
nem*rk 1*64.
29. Juni 18G1 über den Ais-Sund wird stets ein glänzender Platz in den Annalen
des Krieges gebüren.
Auf Grund dieser Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I.
als Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens, kraft Promotion CLXIIl
vom 8. August 1864 den königl. preußischen General-Lieutenant Carl Eberhard
Herwarth von ßittenfeld durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter
des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Die weitere Antheilnahme des GL. Herwarth von Bittenfeld an diesem
Kriege geht aus der allgemeinen Darstellung hervor. Sein späteres militärisches
Wirken, während dessen er zum königl. preußischen General-Feldmarschall
emporstieg, verzeichnet die nilgemeine Kriegsgeschichte. Er beschloss sein an
Kriegsthaten reiches Leben am 17 April 1878 zu Berlin.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
königlich preußischer General-Lieutenant
Albrecht Khrenrei» h Gustav von Manstein.
Die nächtliche Forcierung des Alsener Sundes und die siegreiche, rasche
Eroberung der Insel Alsen durch das preußische I. Armee-Corps unter GL.
Her warth von Bittenfeld im Kriege Österreichs und Preußens in Schleswig und
Jütland im Jahre 1804 wurde durch tapferes, entschlossenes und selbständiges
Vorgehen des königlich preußischen General-Lieutenants von Manstein wesent-
lich gefördert. Dadurch erstritt derselbe in Gemeinschaft mit dem GL. Herwarth
von Bittenfeld die Aufnahme in den Maria Theresien-Orden als Ritter.
GL. von Manstein machte als Divisionär im L preußischen Armee-
Corps unter Seiner königl. Hoheit dem Prinzen Friedlich Carl gleich von
Anbeginn des Feldzuges alle Operationen ond Kämpfe dieses Corps bis zur
Einnahme der Düppler-Position mit. Speciell der Sturmangriff am 18. April
durch sechs Sturm-Colonnen auf die Werke selbst wurde unter seiner Oberleitung
ausgeführt. *)
Bei dem Unternehmen gegen die Insel Alsen hatte gemäß der Disposition
des Corps-Commandanten GL. Herwarth von Bit tenfeld eine zu diesem Zwecke
eigens eombinierte Division von vier Punkten der Küste nächst Düppel nachts
auf lfiO Kähnen in drei Echellons hintereinander unter Befehl des GL. von
Manstein in erster Linie den Alsen-Sund zu überschiffen und sich auf der Insel
Alsen festzusetzen **.;•, während in zweiter Linie GL. von Wintzingerode mit
einer anderen conibinierten Division nachzufolgen bestimmt war.
*) Si.-he Wallenthal Seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Freuden.
Seile io-J.
••) Die Disposition de* GL. Herwarth von Bittenfeld in Betreff des Unternehmens gegen
die Irixel Alsen erscheint in der Darstellung seiner eigenen Waffenthat wiedergegeben, Seite 205
und aar,.
Digitized by Google
Ritter de* M. T.-O. kßnigl. prcuß. GL. von Mntistein.
209
Am 29. Juni 2 Uhr morgens begann der erste Echellon der Division des GL.
von Mansiein — 14 Compagnien — seine Einschiffung auf den vier dazu be-
stimmten Punkten. Die Boote fuhren vom Lande ab, die Mannschaften wateten
ihnen bis an den Gürtel im Wasser nach und stiegen dann ein. Gleich darauf
>etzten sich die bemannten Hoote nach dem feindlichen Ufer in Bewegung. Die
Einschiffung des" Feldgeschützes begann erst um 3'/^ Uhr mit einer Batterie, der
nach drei Viertelstunden eine zweite folgte. Ein beim Corps zusammengestelltes
Wallbüchsen-Commando gieng noch vor der Artillerie über den Sund. Die Nacht
und die Ruhe, mit der die Einschiffung und Abfahrt dieses ersten Echellons aus-
geführt wurde, trugen dazu bei. dass dieselbe ganz unbemerkt vom Feinde
geschah.
Erst nachdem die Boote beiläufig in der Mitte des Sundes erschienen,
wurden dieselben von den dänischen Posten bemerkt. Eine in den Laufgräben
zunächst des Angriffspunktes befindliche dänische < lompagnie. sowie einige Contre-
Batterien eröffneten sogleich das Feuer gegen die heransteuernden Boote, doch
ohne wesentlichen Erfolg.
Die preußischen Batterien erwiderten das Feuer, ebenso die Mannschaft in
den Booten. Zehn Boote wurden von den feindlichen Projeetilen so getroffen,
dass deren Bemannung in Gefahr war unterzugehen. Den meisten derselben
gelang es aber, sich durch Verstopfen der Löcher und Ausschöpfen des ein-
gedrungenen Wassers, so lange flott zu erhalten, bis sie die gegenüberliegende Küste
erreichten. Ein einziges großes Boot, das von 22 Mann beselzt war, wurde von
einem Granatensplitter getroffen, und gieng unter; doch gelang es, die Mannschaft
bis auf fünf Mann zu retten. Trotz des feindlichen Feuers setzten alle übrigen
Boote kräftig die Fahrt fort und warfen endlich ihre Abteilungen aufs Land. Diese
formierten sich rasch, stürzten sich auf die feindlichen Laufgräben und trieben
die feindliche Compagnie aus denselben hinaus. Zwei nacheinander zur Unter-
stützung herbeieilende dänische Compagnien konnten die preußischen Abtheilungen
nicht mehr aufhalten. Nach kurzer Zeit hatten diese viele Gefangene gemacht.
Geschütze erobert und die drei dänischen Compagnien zurückgedrängt.
Die Dänen sammelten sich bei Rönhof. konnten sich aber nur so lange
halten, als die Preußen Zeit brauchten, sieh zu ralliieren und durch die nach-
kommenden Abtheilungen des zweiten Echellons zu verstärken.
Die Überfahrt des zweiten Echellons folgte der des ersten von allen vier
Punkten ohne Zeitverlust. Die südlichste Boots-Colonne dieses Echellons wurde
dabei durch die in der Nähe von Rönhof befindlichen feindlichen Batterien
belästigt. Eine besondere Gefahr erwuchs derselben aber durch das Erscheinen
des dänischen Panzerschiffes „Rolf Krake* an der Spitze des Sundes. Nach-
dem der commandierende Capitän durch den Kanonendonner auf das Unternehmen
aufmerksam geworden war, erschien das Schiff am Ausgange des Sundes. Es war
eben zur Zeit, als der zweite Echellon den Übergang beinahe bewirkt hatte. Von
20 gezogenen preußischen Geschützen heftig beschossen und die mit allen Kräften
der Alsener Küste zusteuernden Boote vor sich, wusste das feindlich Schiff kaum.
Militärischer Maria Tbere«i»ii-Ordea 14
DigitizecJ by Google
210
»XXI. l>i* (XXlll. l'ruluolii.ii. Im Kriege gegen Dänemark 1n*>*.
wohin es sein Feuer frülier richten sollte. Seine Stellung häufig verändernd, schoss
es seine vier glatten Sechzigpfünder bald gegen die preußischen Batterien an der
Küste, bald gegen die bereits auf Alsen gelandeten Truppen, bald gegen die Boote
ab. Doch blieb dies zersplitterte Feuer ohne allen Erfolg; nach ungefähr
25 Minuten machte das Schiff „Kehrt* und zog sich im Feuer der preußischen
Geschütze zurück.
Nun gieng auch die Überfahrt des dritten Echellons vor sich, so dass
zwischen 3 und 3l/2 Uhr morgens alle 11 Bataillone des GL. von Manstein und
selbst mehrere gezogene Geschütze, die sich bald auf volle Batterien vermehrten,
jenseits des Sundes auf der Insel Alsen standen.
GL. von Manstein, welcher die Vortheile der Überraschung gegenüber den
Dänen zur vollen Geltung bringen wollte, wartete das Eintreffen seiner letzten
Bataillone in der Gefechtslinie an der Fohlen-Koppel nicht erst ab, sondern
gieng gegen Uhr mit den daselbst bereits ralliierten 7 Bataillonen aus eigenen
Stücken entschlossen zum weiteren Angriffe vor und nahm zunächst den
Rönhof, wobei ihm bereits mehrere Hunderl Mann als Gefangene in die Hände
fielen.
Erst nachdem der Rönhof von den Preußen genommen war, trafen dänische
Verstärkungen auf dem Kampfplatze ein, versuchten von Kjär einen Vorstoß
gegen Ronhof, konnten aber nicht mehr Terrain gewinnen, sondern mussten
wieder nach Kjär zurückweichen.
Sämmtliche 7 preußische Bataillone, bei denen außer einer Anzahl VVall-
büchsen, die an der Fohlen-Koppel Stellung genommen hatten, noch immer
kein Geschütz eingetroffen war, rückten gegen Kjär vor. Die Haupt-Colonne,
unter GL. von Manstein, welche im Centrum auf den östlichen Theil von Kjär
vorgieng, traf auf zwei danische Bataillone, welche theils aus Bagmose, theils
aus dem östlichen Kjär debouchierten. Diese beiden Bataillone wurden in ihren
Angriffen aufgehalten, sodann zurückgeworfen und GL. von Manstein drang ihnen
nach in Kjär und Bagmose ein. In den Gehöften östlich von Bagmose, die den
Namen Ormstoft führen, suchten sich die Trümmer von 6 geworfenen dänischen
Bataillonen zu sammeln. Als nach einer halben Stunde, gegen 5 Uhr, 2 Bataillone
des preußischen Centrums gegen diese Gehöfte vorrückten, warfen sich die tapferen
dänischen Abtheilungen nochmals den Preußen entgegen. Es kam zu einem heftigen,
aber kurzen Kampfe, der für die Dänen wieder unglücklich endete. Die beiden
preußischen Bataillone hielten den Angriff aus, drangen dann selbst vor und
zwangen die dänischen Abteilungen zum Rückzüge (gegen 5\/4 Uhr). Hiemit war
der Sieg der preußischen Waffen im Centrum entschieden. An dem Kampfe
betheiligten sich von 1% Uhr an auch bereits vier preußische Geschütze, welche,
am Sunde auf den Höhen nördlich von Kjärwig aufgestellt, von hier aus die
dänischen Truppen mit Granaten beschossen und deren Rückzug beschleunigten.
Auf der westlichen Seite des Kampffeldes waren mittlerweile als rechter
Flügel 2 preußische Bataillone bis westlich von Kjär vorgedrungen und stehen
geblieben, um die Ankunft der übrigen Bataillone abzuwarten. Es trafen dort
Digitized by Google
Ritter des M. T.-U. köuigl. preuß. GL. von Manstein.
während des Kampfes um Kjär 4 Bataillone ein, welche sich nun zum Angriffe auf
Sonderburg formierten. Während die Truppen am preußischen rechten Flügel
sich in dieser Weise aufstellten, drangen zwei dänische Bataillone aus der Gegend
von Baadsager gegen das preußische Gentrum mit Heftigkeit vor, doch fehlte
diesem dänischen Angriffe der Nachdruck; die beiden dünischen Bataillone wurden
in Front und Flanke von dem preußischen rechten Flügel angegriffen und
geworfen.
Damit hatte GL. von Manstein die dänische Division auf A Isen bewältigt. Von
ihren auf der Insel befindlichen 12 Bataillonen waren 8 geschlagen, größtentheils
zerstreut und widerstandslos gemacht. Von den noch vorhandenen 4 Bataillonen
standen 2 im Norden der Insel und waren so für das Gefecht im Süden der-
selben verloren; die anderen 2 Bataillone hielten Sonderburg und dessen
nächste nördliche Umgebung besetzt und konnten nicht ohne Gefährdung dieses
wichtigen Punktes zur Unterstützung der kämpfenden Truppen verwendet werden.
General St ein mann, der Gommand;:nt der dänischen Streitkräfte, gab um
0 Uhr sämmtlichen Abtheilungen den Befehl zum Rückzüge auf die Halbinsel
Kekenis. Der Rückzug ward auch bald auf allen Punkten angetreten. Von den in
Sonderburg stehenden 2 dänischen Bataillonen versuchte noch eines den vor-
rückenden preußischen Abiheilungen nördlich der Stadt einigen Widerstand ent-
gegenzusetzen, trat aber auch bald den Rückzug an, so dass die ersten gegen 7 Uhr
in Sonder bürg eindringenden preußischen Compagnien des rechten Flügels
keinen Widerstand mehr fanden und nur auf verspätete kleinen- dänische Abthei-
lungen stießen, welche die Flucht ergriffen und theihvei.se gefangen wurden.
Während dieses ebenso entschlossenen als entscheidenden Vorgehens des
GL. von Manstein mit seiner Division hatte bis ü Uhr früh auch bereits der erste
Eehellon der Division GL. von Wintzingerode den Sund überschifft, sich am Süd-
rande der Fohlen-Koppel formiert und im Gentrum über Disposition des GL. von
Herwarth über Ulkebüll gegen Höruphaff in Actum gesetzt. Dank dem raschen
Eingreifen des rechten Flügels der Division des GL. von Manstein, von welchem
ein Bataillon um 71/» Uhr aus Sonderburg gegen Klintinge weiter vorrückte und
die Dänen auf dem Fuße verfolgte, mussten 16 Ofticiere und 324 Mann vom
10. dänischen Regiment sammt dem Commandanten in Höruphaff die Waffen
strecken.
Kleinere Abtheilungen der dänischen Besatzung von Sonderburg hatten
sich daselbst rechtzeitig eingeschifft. Andere Theile der dänischen Division Stein-
mann vermochten den Rückzug ohne ernstliche Behinderung seitens der Preußen
über die Landenge ,Urei* nach der Halbinsel Kekenis fortzusetzen und sich dort
einzuschiffen. Der Rest der dänischen Truppen auf Alsen schiffte sich bei Norder-
lücke ein und gewann — durch „Rolf Krake" gedeckt — die Insel Fünen. Die
Einschiffung ward jedoch erst am 30. Juni um 2Vt Uhr nachmittags gänzlich
beendet, um welche Zeit auch der dänische GL. Steinmann das Schiff bestieg, um
seinen Truppen nach Fünen zu folgen. Die allerletzten kleinen dänischen Deta-
chements verließen die Insel Alsen erst am 1. Juli.
Digitized by Google
212
CLXI. bis CLXUJ. Promotion. -
Im Kneife Fegen Dänemark 1864.
In Wirklichkeit befand sich jedoch Alsen schon am 29. Juni morgens in
Gewalt der Preußen. Um 10'/, Uhr ließ GL. von Herwarth die erschöpften Truppen
bei Hörup-Kirche halten und die Verfolgung des Feindes einstellen, da derselbe
ohnedem einen zu großen Vorsprung hatte, als dass er an der Einschiffung hätte
verhindert werden können. Die Besetzung Alsens wurde der Division GL. von
Wintzingerode zugewiesen. GL. von Manstein, welcher die ihm übertragene Auf-
gabe so erfolgreich gelöst hatte, verließ mit spiner Division die eroberte Insel
schon zu Mittag desselben Tages und überschiffte sich mit Ausnahme von
wenigen Bataillonen, die über Nacht in Sonderburg verblieben, wieder nach dem
Sundewitt.
Auf diese Weise hat GL. von Manstein hervorragend und wesentlich dazu
beigetragen, dass das Unternehmen des GL. von Herwarth mit dem preußischen
I. Armee -Corps gegen Alsen so rasch, siegreich und mit verhältnismäßig
geringen Verlusten durchgeführt wurde, während die Verluste der Dänen das
Zehnfache der preußischen betrugen. Die Preußen verloren nämlich 31 Officiere
und 342 Mann, während die dänischen Verluste 75 Officiere, 3.126 Mann betrugen,
von denen allerdings nahezu zwei Drittel Gefangene waren. Außerdem ließen die
Dänen 99 meist schwere Positions-Geschütze, die ganze Munition, reiche Verpflegs-
Vorräthe und sonstiges Kriegsmateriale in den Händen der Preußen zurück. Hiebei
fiel aber besonders ins Gewicht, dass GL. von Manstein Alsen streng genommen
mit 7 Bataillonen gegen eine ganze dänische Division von 12 Bataillonen und
angesichts starker Befestigungen mit schwerem Geschütz binnen nicht ganz vier
Stunden eroberte, wubei die nicht minder tapfer kämpfenden Dänen von Stellung
zu Stellung zurückgeworfen werden mussten. Die Art und Weise, wie GL. von
Manstein das auf Forcierung des Alsen-Sundes und die Wegnahme der Insel Alsen
abzielende, wohldisponierle Unternehmen des GL. von Herwarth mit ausführte,
stellt sich demnach als eine ebenso herzhafte wie kluge Kriegsthat dar.
In Anerkennung die-er glänzenden Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser
Kranz Joseph 1. als Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens
kraft Promotion CLXUI vom 8. August 18G4 den königlich preußischen General-
Lieutenant Albrecht Ehrenrew h Gustav von Manstein durch Verleihung des
Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Die fernere Betheiligung des General-Lieutenants von Manstein an diesem
Kriege erhellt aus der allgemeinen Darstellung; sein späteres militärisches Wirken,
während dessen er zum königlich preußischen General der Infanterie vorrückte,
gehört der Kriegsgeschichte an. Im Jahre 1873 zur Disposition gestellt, starb er am
II. Mai 1877.
Digitized by Google
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege pegen Preußen und Italien 18615. 213
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion.
Im Kriege gegen Preußen and Italien im Jahre 1866.
Zum drittenmale seit den Revolutions- und Kriegsjahren 1848/49 musste
die Monarchie im Jahre 186G zum Schutze ihrer bedrohten Rechte, ihrer politi-
schen Stellung und ihres Besitzstandes zu den Waflen greifen.
Österreichs im Jahre 1864 gemeinsam mit Preußen über Dänemark
erkämpfter Sieg, wodurch Schleswig-Holstein und Lauenburg für Deutschland
gewonnen worden, führte schon nach zwei Jahren zum Kriege zwischen Öster-
reich und Preußen. Ersteres wollte, dass die Herzogtümer unter dem Prinzen
Friedrich von Augustenburg vereinigt einen deutschen Bundesstaat bilden;
Preußen strebte deren Gewinnung für sieh selbst, deren Alleinbesitz an.
Solch grundsätzlicher Zwiespalt machte es bald zur Unmöglichkeit, dass
Österreich und Preußen, wie dies bis zur definitiven Regelung der politischen
Stellung der Herzogtümer vereinbart war, in denselben gemeinschaftlich die
Regierungsgewalt ausübten. Aber auch die auf Grund des Gasteiner Vertrages
nachgefolgte getrennte Regierung Österreichs in Holstein, Preußens in Schleswig,
erweiterte nur die Kluft zwischen beiden Mächten. Der Antagonismus wurzelte
eben viel tiefer, als in dem Zwiespalt wegen Schleswig-Holsteins.
Es war der Wettstreit um die Vorherrschaft in Deutschland, welcher Öster-
reich und Preußen immer mehr entzweite. Österreich, welches seit sechs
Jahrhunderten Deutschland so viele ruhmreiche Herrscher gegeben, suchte seine
geschichtliche Vormachtstellung ungeschmälert zu erhalten. Preußen gieng mit
fester Entschlossenheit darauf aus, die Vorherrschaft in Deutschland in eigene
Hand zu nehmen.
Dies führte zu immer schärferen Conflicten in den Herzogtümern und am
deutsehen Bundestage, zu immer herberen diplomatischen Auseinandersetzungen,
zu wachsenden beiderseitigen Rüstungsmaßnahmen. ja zur Gewaltanwendung
Preußens gegen die Holstein'sche Ständeversammlung, gegen Österreichs Landes-
regierung, sowie schließlich gegen dessen bloß aus einer Brigade bestehende
Besatzung in Holstein.
Angesichts dieses Vorgehens Preußens stellte Österreich am Bundestage
den Antrag auf Mobilisierung der außerpreußischen 7 deutschen Bundes-
Armee Corps.
Digitized by Google
214
CLXIV. bis CLXVin. Promotion.
Preußen antwortete zunächst damit, dass es den deutschen Regierungen
mittels Circulare eine Reform der Bundesverfassung in Vorschlag brachte, wornach
neben dem Bundestag eine deutsche National-Vertretung ins Leben gerufen,
Österreich aber gleichzeitig aus dem deutschen Bunde ausgeschlossen
werden sollte.
Österreichs Antrag wurde ungeachtet des Protestes Preußens bei der
Abstimmung der Bundesversammlung am 14. Juni mit 9 gegen 6 Stimmen zum
Beschlüsse erhoben.
Preußen erklärte diesen Beschluss als eine nach dem Bundesrechte, welches
nur die Bundes-Execution kenne, unmögliche Kriegserklärung gegen sich, infolge
dessen den Bundesvertrag als gebrochen und nicht mehr rechtsverbindlich, legte
aber gleichzeitig den erwähnten Reformantrag vor, nach welchem ein neuer Bund
mit Ausschluss Österreichs gebildet werden sollte.
Österreich wies Preußens Erklärung und Antrag als rechtlich wie facliseh
unbegründet zurück, berief sich auf die verbriefte Unauflöslichkeit des Bundes,
verwahrte dessen sämmtliche Rechte und Zuständigkeiten, sowie dessen in voll-
kommen bindender Kraft dauernden Fortbestand.
Damit war der Krieg zwischen Osterreich und Preußen unvermeidlich
geworden. Nur mehr das Schwert vermochte den jahrhundertealten Conflict
zwischen den beiden Vormächten und den zu ihnen haltenden Staaten des
deutschen Bundes zu entscheiden.
Für den Fortbestand des alten Bundes kämpften nebst Österreich:
Bayern, Württemberg, Sachsen, Hannover, Kurhessen, das Großherzog-
thum Hessen, Nassau und Baden.
Für den neuen Bund ohne Österreich, unter Preußens Führung,
erhoben außer diesem, die Waffen: Sachsen-Coburg- Gotha, Mecklenburg-
Schwerin, Braunschweig, Sachsen-Altenburg, Waldek, Schwarz-
burg-Rudolstadt, Lippe, Oldenburg. Bremen, Lübeck und Hamburg.
Der Krieg sollte jedoch noch weit größere J)imensionen annehmen. Preußen
hatte sich nebst den angeführten deutschen Staaten schon lange zuvor auch eines
außerdeutsclien Verbündeten versichert.
Dank den verwandten Bestrebungen, welche trotz des Friedens von Zürich
unablässig auf die Losreißung der italienischen Gebiete von der Monarchie
gerichtet blieben, hatte Preußen für seine Politik gegen Österreich einen bereit-
willigen Verbündeten an Italien gewonnen.
Noch während zwischen Österreich und Preußen über die Schleswig-
Holslein'sche Frage, über Bundesreform, über Wiederabrüstung u.d. gl. diplomatisch
verhandelt wurde, war zwischen Preußen und Italien am 8. April ein Allianz-
Vertrag zustande gekommen, in welchem sich beide Mächte solidarisch ver-
pflichteten, durch Waffengewalt Österreichs Ausschließung aus Deutschland,
beziehungsweise dessen gänzliche Verdrängung aus Italien herbeizuführen.
So sah sich denn Österreich gezwungen, innerhalb zweier Jahrzehnte
zum drittenmale das Schwert zu ziehen.
Digitized by Google
Tin Kriege gegen Preußen und Italien l«6ß.
215
Weit gewaltigere Anforderungen aber als die vorangegangenen Kämpfe von
1848/49 und 1859 stellte dieser Doppelkrieg an die Monarchie.
Österreich vermochte organisationsgemäß nur 600.000 Mann, Preußen
dagegen 660.000, Italien 360.000 Mann zum Kriege aufzubieten. Infolge dessen
war Preußen mit Italien im Bunde, Österreich um 420.000 Streiter überlegen.
Gegenüber dieser gewaltigen numerischen Übermacht der verbündeten Gegner
konnte Österreich seitens der deutschen Bundesgenossen nur auf eine Hilfe
von 120.000 Mann rechnen, so dass auch da Preußen mit Italien um 300.000
Mann mehr in die Wagschale der Entscheidung werfen konnten.
Aber auch hinsichtlich aller übrigen entscheidenden militärischen Factoren,
wie strategische Lage, Organisation und Dislocation, Mobilität, Ausrüstung und
Bewaffnung etc., war die Monarchie im notorischen Nachtheile gegenüber ihren
verbündeten Gegnern, insbesondere Preußen. Politische Schwierigkeiten im Innern,
diplomatische Behinderungen von außen und überdies missliche financielle Verhält-
nisse steigerten noch jene militärischen Nachtheile für Österreich ins Unermessliche.
Mit einem Worte, Österreich hatte im Jahre 1866 einen seiner welt-
geschichtlichen Existenzkämpfe zu bestehen.
Aber gleich allen vorangegangenen Kämpfen dieser Art seit den Türke n-
bis zu den Kriegen gegen Napoleon I. bestand die Monarchie auch diesen
gleichzeitig von Nord und Süd gegen ihren Bestand gerichteten Ansturm.
Infolge der unvermeidlichen Theilung der Kräfte nach entgegengesetzten
Richtungen unterlagen zwar die kaiserlichen Waffen im Norden. Dafür obsiegten
sowohl Österreichs Truppen als die kaiserliche Seemacht, ohne jedwede Bundes-
genossenschaft und trotz der Übermacht des Gegners, im Süden.
Das Missgeschick der kaiserlichen Waffen im Norden zwang Österreich,
nach mehrhundertjährigem Verbände aus Deutschland auszuscheiden, Preußen
die erstrebte Führerschaft zu überlassen und Venetien an Italien abzutreten.
Aber allen weiteren nachtheiligen Folgen des Waffenunglücks im Norden
ward Einhalt gethan durch den glorreichen Sieg bei Custozza, durch
die blitzartig ausgeführten Operationen der kaiserlichen Streitkräfte vom
Mincio nach Norden und die überraschende Machtentfaltung an der Donau.
— - durch äußerste Behauptung Südtirols, — durch siegreiche Beherrschung
des Adria tischen Meeres, — durch neuerliche, entscheidende Machtenlfaltung
am Isonzo.
So wurde selbst im Norden ein ehrenvoller Frieden (Abschluss zu Prag.
23. August 1866) erzielt, der für die Monarchie im Süden (Friedenschluss mit
Italien zu Wien, 3. October 1866) unentbehrliche Bezitzstand gewahrt.
Die Großmachtstellung Österreichs zu Land blieb aufrecht erhalten, ward
zur See sogar gehoben.
So gieng die Monarchie auch aus dem Existenzkampf dieses Doppelkrieges
in ihren Grundfesten unerschüttert hervor, um bald darauf — völlig sich selbsl
und ihren eigenen Interessen wiedergegeben — mächtig und angesehen wie
zuvor da zu stehen.
Digitiz/d by Google
21G
CLX1V. bis CLXVIII. Promotion.
In diesem Schicksal vollen Kriege erstanden dem Maria Theresien-Orden
und zwar aus den Reihen der Verbündeten Österreichs: 1 Cummandeur
und 2 Ritter; — aus dem k. k. Heer und Sr. Maj. Kriegs-Marine 1 Groß-
kreuz, 4 Commandeure und 15 Ritter; — im ganzen kraft der Promotionen
CLXIV bis CLXVIII: 1 Großkreuz, 5 Commandeure und 17 Ritter, welche
aus den nachfolgend verzeichneten Kämpfen in Deutschland, in Italien, in
Roh men (Galizien), in Südtirol und auf dem Adriatischen Meere hervor-
giengen.
In den Kämpfen in Deutschland.
Die Feindseligkeiten wurden von Seite Preußens in Deutschland eröffnet.
Nach der entscheidenden Abstimmung der Bundesversammlung über den Mobili-
sierungs-Antrag Österreichs richtete Preußen am nächstfolgenden Tage.
15. Juni, an Hannover. Kurhessen und Sachsen das Ultimatum im Sinne des
preußischen Bundesreform-Vorschlages und nach dessen Ablehnung noch an
demselben Tage die Kriegserklärung. Am IG. marschierten bereits preußische
Truppen in die genannten drei deutschen Staaten ein, um deren Streitkräfte
lahmzulegen.
Während Sachsen einer solchen Eventualität durch rechtzeitige Mobili-
sierung und beschleunigten Auschluss der sächsischen Streitkräfte an die öster-
reichische Armee in Böhmen zuvorkam und auch das kurhessische Conti ngeul
sich noch bei Zeiten in Sicherheit zu bringen wusste, gelang es den Preußen,
ihren Zweck um so vollständiger in Hannover zu erreichen.
Die Streitkräfte der Verbündeten Österrei chs in Deutschland be-
standen aus dem VII. (bayerischen) Bundes- Artnee-( lorps unter FM. Prinzen Carl
von Bayern und dem Vlll. Bundes-Armee-Corps unter dem großherzoglich hessi-
schen Gdl. Prinz Alexander von Hessen.*) Letzteres Corps setzte sich aus
Contingeiiten von Württemberg, Baden, den beiden Hessen und von Nassau
zusammen. Ferner gehörte zu diesem Corps auch die k. k. Brigade Hahn,
welche wesentlich aus den k.k. Truppen der gewesenen Bundes-Garnisonen bestand
und mit dem Contingent von Nassau die österreichisch-nassauische Divi-
sion unter dem k. k. FML. Graf Ncipperg formierte. Diese Streitkräfte in der
Gesammtstärke circa 1 00.000 Mann mit über 200 Geschützen waren bestimmt,
die ^Westdeutsche Bundes-Armeeu unter dem Ohcr-Commando des FM.
Prinzen Carl von Bayern zu bilden.
Außer dem VII. und VIII. deutschen Bundes-Armee-Corps zählte weiter zu
den .Streitkräften der Verbündeten Österreichs auch das Contingent von
Hannover in der Stärke von circa 20.000 Mann mit 52 Geschützen.
') Priiu Alexander von Hessen, welchvc s--it ii«-r k. k. ö*terr. Armee angehörte,
seit 1S.VJ k. k. rVIdmaivchall-Lieulenanl war, wurde uns politischen Motiven zu Beginn des Krieges
d.-» usterreictiisidieii hihrieti-ides . utl>unden.
Digitized by Google
im Kriege gegen Preußen und Italien 186ß.
— Deu Ischls ud.
217
Gegen dieses Contingent waren eben die ersten Operationen der Preußen
gerichtet, um die Hannoveraner vor deren Vereinigung mit den übrigen Bundes-
trappen durch Kntwaffnung oder Angriff außer Wirksamkeit zu setzen.
Pre ußen hatte, außer dei - Haupturmee gegen Österreich-Sachsen, für
den Kriegsschauplatz in Deutschland aus eigenen und aus Truppen seiner Ver-
bündeten 3 Divisionen, zusammen 50.000 Mann mit 78 Geschützen, unter General
der Infanterie Vogel von Falckenstein, aufgeboten, welche im Verlaufe des
Krieges die preußische „Main-Armee" bildeten. Davon rückten — wie erwähnt,
am 16. Juni — die Division Manteuffel von Altona, die Division Goeben von
Minden in Hannover, die Division Beyer von Wetzlar in Kurhessen ein.
Die Hannoveraner wichen dem Angriffe der Preußen aus und beabsich-
tigten sich in der Richtung Göttingen-Eisenach an den Main zurückzuziehen,
um sich mit den Gontingenten der anderen, zu Österreich haltenden Bundesstaaten
zu vereinigen.
Zunächst versammelte König Georg V., der sich mit dem Kronprinzen
Ernst August am 16. Juni von Hannover nach Göttingen begab, bis zum IS.
die hannoveranische Armee bei der letzteren Stadt. Den Befehl übernahm GL. von
Arentsschildt. Die Armee bezog bei Göttingen eine Stellung, in welcher sie
sowohl gegen die Divisionen Goeben und Manteuffel nach Norden, als gegen
die Division Beyer nach Süden Front machen konnte. In dieser Stellung verharrten
die Hannoveraner vom 18. bis zum 20. Juni. Bei Langensalza erlitten die Opera-
tionen eine weitere verhängnisvolle Unterbrechung.
König Georg wurde daselbst durch eine militärisch-diplomatische Action
Preuße ns veranlasst, den Marsch der Armee am 23. Juni zu sistieren. Er wies zwar
in unerschütterlicher Bmidestreue alle Anerbietungen Preußens entschieden
zurfiek; allein während der Verhandlungen, welche sich durch drei Tage bis zum
26. Juni hinzogen, setzte GL. von Fakke nst ein seine Operationen fort und verlegte
— durch Zuzüge verstärkt — der hannoveranischen Armee bei Eisenach wie bei
Gotha den Weg, so dass König Georg am 27. Juni jeden Gedanken an einen
Durchbruch nach dem Süden aufgeben musste. Damit war das Schicksal der Han-
noveraner besiegelt.
König Georg hatte sich wohl bereits am 19. und 21. Juni an Prinzen Alexa u-
der von Hessen und an Prinzen Carl von Bayern um Unterstützung in seiner
bedrängten Lage gewendet. Ersterer entsendete auch am 22. ein kleines Streifcorps
nach Gießen, schob am 25. seine Vorposten bis Friedberg und Butzbach
vor, stand jedoch am 26. — noch nicht operationsbereit — mit dem Gros des
VIII. Corps nächst Frankfurt und Darmstadt. Prinz Carl von Bayern schob
die in Schweinfurt stehende Division des VII. Corps auf Fulda vor: am 25-
und 26. machten die 4 bayerischen Divisionen eine Bewegung gegen Könighofeu.
Lauringeu, Münnerstaat und Neustadt a 'S., und in der Nacht zum 27. gelangte
d is Gros der 1. bayerischen C ivallerie-ßrigade sogar bis Meiningen. Allein diese
Operationen veruv» •Uten das Schicksal d u' h inrniveranis :h > i Armee nicht mehr
zu wenden. Im Gegentheil. die Annäherung der Bayern beschleunigte nur das cou-
Digitized by Google
218
OLXIV. bis ni.XVIH. Prorantioa.
centrische Vorgehen der preußischen Colonnen gegen Langensalza. Gleichwohl
gab die hannoveranische Armee — mit dem König Georg und dem Kronprinzen
Ernst August in ihrer Mitte — trotz äußerster Bedrängnis im letzten Augen-
hlicke einen glänzenden Beweis ihrer Tüchtigkeit und Tapferkeit. Sie erwehrte sich
noch am 27. Juni der unabwendbaren Katastrophe, indem sie eine der vorrücken-
den preußischen Colonnen in dem Treffen bei Langensalza am 27. Juni
aufs Haupt schlug.
Tags darauf am 28. Juni blieb dem König Georg allerdings nichts übrig, als
mit seiner tapferen, jedoch von dreifacher Obermacht umzingelten Armee
ehrenvoll zu capitulieren.
Das bayerische VII. Corps war mit seiner Spitze eben nicht über Meiningen
hinausgelangt, so dass selbst diese, durch den Thüringer Wald von den Hanno-
veranern getrennt, zwei Tagmärsche entfernt stand.
Die Vorrückung des VII. Corps über Mein in gen führte erst am 4. Juli zur
Fühlungnahme mit dem Feinde in den Gefechten bei Dermbach. Darnach zog sich
Prinz Carl von Bayern wieder an die Fränkische Saale und nach dem Gefechte
hei Kissingen am 10. Juli weiter über Schweinfurt auf Würzburg zurück.
Prinz Alexander von Hessen, welcher mit dem VIII. Corps längs des
Main die Vereinigung mit dem VII. anstrebte, gieng nach einem Gefechte seines
hessischen Contingents und der k. k. österreichischen Brigade mit der preußischen
Avantgarde-Division bei Aschaffenburg am Ii. Juli, nach Darmstadt zurück.
Sodann suchte er über Miltenberg und Tauber-Bischofsheini den An-
schluss an das bayerische VII. Corps bei Würz bürg zu bewirken.
Der Gegner nahm in den Gefechten an der Tauber am 24. Juli mit dem
VIII. Corps wieder scharfe Fühlung.
Nach einer Reihe von Einzelngefechten westlich und südlich Würzburgs
am 2."». und 26. räumte das VII. und VIII. Corps diese Stadt.
Im Zusammenhange mit den inzwischen auf dem Hauptkriegsschauplatze
eingeleiteten Waffenstillstands-Verhandlungen trat Anfangs August auch in West-
deutschland Waffenstillstand ein. Noch vob dem definitiven Friedensschlüsse
zwischen Österreich und Preußen schlössen Württemberg am 13., Baden
am 17.. Bayern am 23. August mit Preußen Schutz- und Trutzbündnisse ab.
Das Großherzogthum Hessen musste mit einem Theile in das neue Bundes-
verhältnis treten, während der Rest desselben gleich Hannover. Kurhessen.
Nassau und Frankfurt, sowie Schleswig-Holstein, dem Königreiche Preu-
ßen einverleibt wurden.
Die Antheilnahme der Verbündeten Österreichs an dem Kriege auf dem
Kriegsschauplätze in Deutschland vermochte auf den Gesammtverlauf des Krieges
keinen anderen Einfluss zu üben, als dass dadurch die preußische Main- Armee
in Westdeutschland festgehalten und so ein geringer Theil der preußischen
Sireitkräfte von dem Hauptkriegsschauplatze abgezogen wurde.
Das Treffen bei Langensalza führte dem Maria Theresien- Orden zwei
erlauchte neue Mitglieder - 1 Commandeur und 1 Ritter — zu.
Digitized by Google
Commandern- de* M. T.-O. König Georg V. von Hannover und RiMer des M. T.-Ü. 219
Kronprinz Krnst August von Hannover.
Commandern' des Maria Theresien-Ordens
Seine Majestät
Georg V., König Ton Hannover,
und
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Seine königliche Hoheit
Ernst August, Kronprinz von Hannover
(nachmals Herzog von Cumberland, Herzog zu Rraunscliweig und Lüneburg).
Im Kriege Österreichs gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 befand sich
das Königreich Hannover unter denjenigen Staaten des deutschen Bundes, welche
als Bundesgenossen Österreichs auf dem Kriegsschauplätze in Deutschland an
dem Kriege gegen Preußen theilnahmen.
Nachdem am 14. Juni 1866 am deutschen Bundestage zu Frankfurt die
Abstimmung über den Antrag Österreichs auf Mobilmachung der Bundescontin-
gente mit Ausnahme jener von Preußen erfolgt war, richtete die preußische
Regierung am 15. Juni unter anderem auch an Hannover die Aufforderung zum
Abschluss eines Bündnisses mit Preußen, widrigenfalls das letztere Hannover als
im Kriegszustande gegen Preußen befindlich betrachten würde. Die Antwort
Hannovers lautete ablehnend, und es erfolgte sonach noch am Abend desselben
Tages die Kriegserklärung Preußens an Hannover, zugleich mit Kurhessen und
Sachsen, während dies an Österreich erst sechs Tage später, am 21. Juni, geschah.
Unmittelbar darauf marschierten preußische Truppen in die genannten drei
Staaten ein, und zwar speciell die preußischen Divisionen Manleuffel von Altona
und Goebcn von Minden in das Königreich Hannover, die Division Beyer von
Wetzlar aus in das Kurfürstenthum Hessen. Das nächste Operationsziel der drei
preußischen Divisionen bestand darin, die hannoveranische Armee zu umzingeln
und zur Capitulation zu zwingen.
Seine Majestät König Georg von Hannover verfügte am 15.. dass sich die
hannoveranische Armee, trotzdem sich dieselbe infolge der widerstrebenden
Haltung der Kammer noch im tiefsten Friedenszustande befand und überdies um
jene Zeit nach vier verschiedenen Übungslagern im Marsche begriffen war, bei
Göttingen zir comentrieren habe, von wo er nach Möglichkeit Anschluss an die
zu Österreich haltenden Bundestruppen gewinnen wollte.
König Georg mit dem Kronprinzen Ernst August fand sich bereits am
10. Juni in Göttingen ein und trachtete die Armee für den Krieg zu organisieren.
Dieselbe formierte 4 Infanterie- und 1 Reserve-Gavallerie-Brigade und zählte
nach vollständiger Goncentrierung circa 20.000 Mann, dabei 2400 Reiter und
52 Geschütze. Den Befehl über die Armee Abertrug der König dein GL. von
Arentsschildt.
Digitized by Google
220 CLXlV. bis CLXVITI. Promotion. — Im Kriege von 186G. - Deutschland.
Am 18. Juni bezog die han.no veranische Armee bei Göttingen eine Stellung,
die darauf berechnet war, sowohl gegen einen Angriff von Norden (gegen die
preußischen Divisionen Manteuffel und Goeben) als eventuell nach Süden (gegen
die Division Beyer in Cassel) Front machen zu können. In dieser Aufstellung blieb
die hannoveranische Armee bis zum 20. Juni. Am 21. setzte sich dieselbe gegen
Süden in Maisch, um die Verbindung mit den übrigen Bundestruppen zu gewin-
nen. König Georg hatte sich am 19. und 21. sowohl an Prinz Alexander von
Hessen (VIII. Bundes- Armee-Corps) als an Prinz Carl von Bayern (VII. Bundes-
Armee-Corps) um Unterstützung in seiner bedrängten Lage gewendet und hoffte
auf das rasche Herankommen dieser süddeutschen Bundestruppen. Nach Stellung-
nahme bei Mühlhausen rückte die hannoveranische Armee am 23. weiter süd-
östlich gegen Langensalza. Von da sollte die Operation über Erfurt oder
Eisenach fortgesetzt werden, um gegen Süden durchzubrechen, bevor die
voraussichtliche Einschließung der Hannoveraner durch preußische Streitkräfte
bewerkstelligt wäre. Diese Operation erlitt jedoch eine folgenschwere Unter-
brechung.
Es fanden sich im hannoveranisehen Hauptquartier Parlamentäre ein, welche
im Namen von Preußen dem König Georg freien Durchzug mit seiner Armee
nach Süden unter der Bedingung anboten, während eines Jahres nicht gegtn
Preußen zu kämpfen. Der König wies in unerschütterlicher Bundestreue gegen-
über Österreich alle diesbezüglichen Vorschläge Preußens ab. Während der
aus diesem Anlasse gepflogenen Unterhandlungen blieben die Operationen der
hannoveranisehen Armee bis zum 26. Juni sistiert. Unter einem setzte aber der mit
dem Oberbefehl über die preußischen Streitkräfte in Deutschland betraute GL.
Vogel von Kalckenst ein die Concentrierung seiner Truppen behufs Umzingelung
der Hannoveraner bei Langensalza derart fort, dass der König schließlich
den bedanken an einen Durchbruch selbst bei Gotha am 27. lallen lassen mussle.
Noch sollte aber selbst an diesem Tage das unabwendbare Schicksal der
hannoveranisehen Armee sich nicht erfüllen, sondern derselben vergönnt sein,
eine der preußischen Colonnen aufs Haupt zu schlagen.
Die preußischen Streitkräfte waren nämlich am 2»>. noch nicht vollständig
concentriert. Trotzdem erhielten GL. Vogel von Falckenstein in Eisenach
und gleichzeitig auch der preußische GM. Fließ in Gotha in der Nacht vom 26.
auf den 27. directen telegraphischen Befehl aus Berlin, die Hannoveraner coüt?
<iut coi'tfe anzugreifen und zurCapitulalion zu zwingen. Daraufhin rückte GM. Fließ
mit den preußischen und coburg-gothaischen Truppen — 13 Bataillone, 3 Eseadro-
iieti und 4 Batterien — am 27. früh von Gotha gegen Langensalza vor.
Die Hannoveraner hielten die Stellung Thamsbrück-Mer xleben-N ägel-
städt besetzt, die Front durch die Unstrut gedeckt, mit Langensalza vor dem
Centrum.
Nach 1) Uhr vormittags fuhren preußische Geschütze auf der von Gotha nach
Langensalza führenden Straße hei Heniiingslehen auf und beschossen die
sich sammelnden hannoveranisehen Vorposten. Unter lebhaftem Tirailleurgefecht
Digitized by Google
Kommandeur des M. T.O. Kflnijr Georg V. von Hannover und Riller den M. T.-U. 221
Kronprinz Ernst August von Hannover.
zogen sich die letzteren vor der coburg-gothaischen Vorhut und vor dem preußi-
schen Gros von dem rechten auf das linke Ufer der Unstrut, durch Langen-
salza und über den Judenhügcl, nach Merxleben in größter Ordnung zurück.
Gegen Mittag hatte das preußische Gros durch Langensalza den Aufmarsch
auf dem rechten Ufer der Unstrut, und zwar auf dem die hannovcranischc
Stellung dominierenden Judenhügel, bewirkt, wahrend sich die Hannoveraner
gegen Merxleben, als den Schlüsselpunkt ihrer .Stellung, concentrierten. überhalb
von Merxleben, auf dem dominierenden Kirchberg war die Artillerie ihres
Centrums postiert.
Dort hatte auch König Georg mit dem Kronprinzen Ernst August Aufstel-
lung genommen.
Es entwickelte sich zwischen der beiderseitigen Infanterie ein heftiger Feuer-
kumpf um die Unstrut, in welchen auch die preußische Artillerie vom Juden-
hügel oberhalb Langensalza, die hannoveranische vom Kirchberg oberhalb
Merxleben kräftigst eingriffen. Einzelnen preußischen Abtheilungen gelang es, die
Unstrut zu durchwaten und sich auf dem linken Ufer festzusetzen. Nach dem
Eingreifen der hannoveranischen Reserven mussten sie sich jedoch wieder über
den Fluss zurückziehen. Inzwischen näherten sich auch die hannoveranischen
Flügel-Brigaden dem Centrum und griffen, namentlich mit ihrer Artillerie, so
wirksam in das Gefecht ein, dass die preußische Artillerie theilweise zum
Schweigen und überhaupt die ganze Vorrückung der Preußen zum Stillstand
gebracht wurde.
Infolge dessen hatte GL. von Arentsschildt, welcher sich auf der Höhe
oberhalb Merxleben befand, nach und nach die Überzeugung gewonnen, dass
er es nur mit einem Theile, keineswegs aber mit der Hauptmacht der Preußen zu
thun habe. Er entschlnss sich daher, zur Offensive zu übergehen. Zu diesem
Rehulc ließ GL. von Arentsschildt im Gentium durch zwei Brigaden die Preußen
auf dem Juden hü gel hinhaltend angreifen, während er seine beiden Flügel-
Brigaden beorderte, die Unstrut zu passieren und dem Feinde in die Klanken
zu fallen.
Von der linken Flügel-Brigade gelang es den im ersten Treffen befindlichen
beiden Bataillonen, die Unstrut theilweise wiederholt zu durchwaten oder zu
durchschwimmen. Die ins Gefecht eingreifende preußische Reserve zwang jedoch
zunächst die hannoveranische Brigade-Batterie zum Rückzüge und warf schließlich
auch die beiden hannoveranischen Bataillone über den Fluss zurück. Die linke
Flügel-Brigade der Hannoveraner nahm sodann auf der von der Unstrut nordwärts
ansteigenden Höhe Aufstellung, in welcher sie bis zu Ende des Gefechtes verblieb.
Glücklicher war die rechte Flügel-Brigade der Hannoveraner. Derselben
gelang es, nicht nur die Unstrut zu passieren, sondern auch die in dem Abschnitte
zwischen der Unstrut und der Salza aufgestellten feindlichen Abtheilung nach
Langensalza zurückzuwerfen und sich selbst in diesem Abschnitte festzusetzen.
Dadurch begünstigt, überschritt auch das Centrum der Hannoveraner von
Merxleben aus successive die Unstrut und setzte sich ebenfalls auf dem rechten
Digitized Jpy Google
■221 CLXIV. bis GLXVIII. Promotion. - Im Kriege vun I8CG. - Deutschland.
Flussufer fest, während die hannoveranisehe Reserve-Brigade theils nachrückte,
theils Merxleben besetzte.
Währenddem setzten sich von der Höhe oberhalb Merxleben und von der
linken Flügel-Brigade suecessive 4'/, Batterien (24 Geschütze) ins Feuer, um die
preußische Artillerie auf dem Judenhügel oberhalb Langensalza zum Schweigen
zu bringen und die in verschiedenen Örtlichkeiten zwischen dem Judenhügel und
dem rechten Ufer der Unstrut eingenisteten preußischen Abtheilungen zum
Hückzuge zu zwingen.
Das Feuer der hannoveranischen Artillerie war su wirksam, dass beides fast
vollständig erreicht wurde und dank dieser kräftigen Unterstützung sowohl die
rechte Flügel-Brigade, als das Centrum der Hannoverauer immer mehr Terrain
gegen Langensalza und den Judenhügel gewannen. Mit ungestümer Tapfer-
keit nahmen die Hannoveraner die meisten der von Preußen besetzten Örtlichkeiten
im Sturm, drangen auch in Langensalza ein und bemächtigten sich sogar des
J udenhügels.
Mittlerweile hatte das aus dein hannoveranischen Gentium entsandte Regi-
ment Cambridge-Dragoner auf dem linken Flügel bei Nägelstädt die Unstrut
passiert und war gegen rechte Flanke und Rücken der Preußen vorgegangen.
Diese Bewegung und eine schneidige Attaque der Cambridge-Dragoner zwangen
auch den preußischen rechten Flügel, sich zurückzuziehen.
Nach 3 Uhr nachmittags befanden sich die Preußen auf der ganzen Linie im
Rückzüge. Nur im Centrum am Fuße des Judenhügels, hielten sich einzelne
Abtheilungen, welchen wahrscheinlich der Rückzugsbefehl nicht zugekommen war.
noch in dem Badewäldchen mit Zähigkeit fest. Doch auch dieser Widerstand
wurde bald durch einen neuen Vorstoß des Centrums gebrochen. Die retirierenden
preußischen Abtheilungen wurden von der hannoveranischen Cavallerie verfolgt,
mit großer Bravour attaquiert und größtenteils zersprengt.
Um 4 '/t t'nr nachmittags stand die Avantgarde der Hannoveraner auf der-
selben Höhe nächst Hermings leben, auf welcher morgens die Vorposten
gestanden waren. Die Hannoveraner hatten über 900 Preußen zu Gefangenen
gemacht, überdies an Trophäen 2 Geschütze und gegen 2000 Gewehre erbeutet.
Die hannoveranisehe Armee war intact ; die preußischen Trappen, fast aufgelöst,
retirierten gegen Gotha, und nur die voraussichtlich in unmittelbarer N&he sich
concentrierende, den Hannoveranern überlegene preußische Hauptmacht ließ die
Hannoveraner darauf verzichten, ihren glänzenden Sieg auszunützen.
Noch am Schlachttage staltete König Georg mittels Armee-Befehles der
Armee und insbesondere allen Truppenführern, mit dem GL. von Arentsschi Idt
an der Spitze, seinen Dank für die bewiesene Hingebung, Treue und Tapferkeit ab.
Nun aber brach die Katastrophe über die tapfere haimoveranische Armee
unaufhaltsam herein. Ein von GL. Arentssch ildt in der Nacht vom 27. zum
2H. Juni beantragter mehrtägiger Waffenstillstand behufs Beerdigung der Todlen
wurde seitens des preußischen Befehlshabers GM. Fließ von Gotha aus abgelehnt.
Am 28. früh rückten die preußischen Truppen der Generale Goeben, von
Digitized by Google
Coinniunduur des M. T.-O. König (ieoijf V. von Huuuuver und Hitler des M. T.-U. -J2'.l
Krunpriiu Ernst Augu&t von Hannover.
Falckenstein und Manteuffel von Gotha, Eisen ach und Mühlhausen
eiligst gegen Langensalza vor. Angesichts dessen blieb nichts als eine ehrenvolle
Capitulation übrig.
Neuntägige Marschstrapazen bei mangelhafter Verpflegung, große Verluste
an Officieren und Lntero ff leieren in der Schlacht bei Langensalza. Mangel an
Munition und Lebensmitteln, hauptsachlich aber die vollige Umzingelung der
hannoveranischen Armee durch bedeutende Übermacht: alles dies ließ den hanno-
veranischen Truppenführern einschließlich des GL. von Arentsschildt nach
abgehaltenem Kriegsrathe jeden weiteren Kampf und Widersland als gänzlich
unnützes und erfolgloses Blutvergießen erscheinen. Auf Grund dieser Überzeugung
richteten dieselben eine diesbezügliche Erklärung an Seine Majestät König Georg,
mit dem gleichzeitigen ehrfurchtsvollen Rathschlag, den Widerstand aufzugeben
und eine ehrenvolle Capitulation anzunehmen.
Infolge dieser Erklärung ermächtigte Konig Georg den GL. von Arents-
schildt, die Capitulation einzugehen. Die hannoveranische Armee, welche am 28.
ihre Aufstellung nicht veränderte, ward hievon mittels eines Armee-Befehls des
Königs verständigt und am 29. wurde die Capitulation vollzogen, nicht ohne dass
auch König Wilhelm von Preußen durch den General von Manteuffel der
tapferen Haltung «1er hannoveranischen Truppen seine Anerkennung aussprechen
hatte lassen.
Überhaupt vermochte der kleinen aber tapferen hannoveranischen Armee
niemand seine Theilnahme ob des tragischen Geschickes zu versagen, welches
ihrer todesmuthigen Hallung bestimmt war.
Insbesondere zollte aber die k. k. österreichische Armee den hannoveranischen
Kampfgenossen aufrichtige Bewunderung. Mit kriegskameradschaftlichem Stolze
verzeichnet sie die Schlacht von Langensalza als eine der hervorragendsten
Waffen thaten des Krieges von 1866.
Die höchste Anerkennung zollte aber den hannoveranischen Bundesgenossen
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. alsbald nach der Schlacht, indem Er als
Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens kraft Promotion CLXIV
vom «L Juli 1866 Seine Majestät den König Georg V. von Hannover zum
Commandeur und Seine königliche Hoheit den Kronprinzen Ernst August von
Hannover (nachmals Herzog von Cnmberland) zum Ritter des Maria There-
sien-Ordens mit nachfolgendem Allerhöchsten Handschreiben promovierte:
.Durchlauchtigster Fürst, besonders lieber Vetter und Bruder! Eure
Majestät! Während der Ereignisse der jüngsten Tage, deren politische Seile
Wir Beide dem Urtheile der Zeitgeschichte getrost anheimstellen dürfen, haben
Eure Majestät, voran Ihrer an Tapferkeit und Hingebung altbewährten Armee,
der Welt ein erhabenes Beispiel königlichen Muthes, von Bundestreue und
Ausdauer in Gefahren und Missgeschick mannigfacher Art, endlich in dem gegen
feindliche Übermacht siegreichen Treffen bei Langensalza, von persönlicher
kriegerischer Tapferkeit gegeben, das Mich mit Bewunderung erfüllt,
Digitized,by Google
224
CLXIV. bis CI.XVIII. Promotion.
Eurer Majestät Sohn, der Kronprinz, hat als würdiger Theilhaber dieses
Ruhmes seines königlichen Vaters Meine vollste Achtung errungen.
Meinen Gefühlen höchster Anerkennung solcher weithin leuchtenden
Kriegertugend Ausdruck zu geben, bitte Ich Eure Majestät, das Commandeur-
kreuz Meines Militär-Maria Theresien-Ordens anlegen und Seiner königlichen
Hoheit dem Kronprinzen in Meinem Namen das Ritterkreuz dieses, dem höchsten
Verdienste im Kriege gewidmeten Ordens übergeben zu wollen.
Die Insignien beischlicßend verbleibe Ich mit vollkommenster Hochachtung
und treuer Freundschaft
Schönbrunn, am 3. Juli 1866.
Eurer Majestät
gutwilliger Vetter und Bruder
Franz Joseph in. p."
Die weiteren Schicksale dieser beiden erlauchten Mitglieder des Maria
Theresien-Ordens gehören der allgemeinen Weltgeschichte an. In diesen Blättern
verbleibt nur hinzuzufügen, dass Seine Majestät König Georg V. von Hannover
vom Jahre 1852 an bis zu seinem am 12. Juni 1878 erfolgten Hinscheiden Oberst-
Inhaber des k. k. österreichischen 42. Infanterie-Regimentes war und dass Seine
königliche Hoheit Kronprinz Ernst August von Hannover (nachmals Herzog
von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg') im Jahre 1879 zum
Oberst-Inhaber desselben k. k. Regimentes ernannt wurde.
Im Kriege gegen Italien.
Der erste große Schlag in dem Kriege Österreichs gegen Preußen und Italien
im Jahre 1866 liel auf dem italienischen Kriegsschauplätze, obwohl Italien erst
eine Woche nach Eröffnung der Feindseligkeiten in Deutschland den Krieg an
Österreich erklärte.
Das Bündnis Italiens mit Preußen verpflichtete ersteres zur entschie-
densten Offensive. Demgemäß hatte Italien bereits seit Mitte April circa 250.00«»
.Mann streitbare n Standes, wobei 10.000 Reiter und 150 Geschütze, in zwei Massen
aufgeboten, um von zwei Seiten, nämlich von Westen über den Mi nein und von
Süden über den Po in Venetien einzufallen.
Die westliche Masse stand in der Lombardie unter dem persönlichen
Befehle des Königs Victor Emanuel, welcher den General der Armee La Mar-
mora als Generalstabs-Chef zur Seite hatte, und zwar: das I. Corps unter Durando
bei Lodi, das IL unter Cucchiari bei Cremona. das III. unter della Bocca bei
Piacenza und die C.avallerie-Division Sonnaz am Oglio nächst Soncino, wobei
jedes der drei Corps aus 4 Infanterie-Divisionen bestand. Diese Armee zählte
120.000 Mann, 7200 Reiter und 282 Geschütze.
Digitized by Google
Im Kriege gegen PreuBen und Italien 1866.
— Italien.
Die südliche Masse — das IV. Corps mit 8 Infanterie-Divisionen unter Befehl
des Generals der Armee Cialdini — stand zwischen Bologna und Ferrara und
zählte 80.000 Mann, 3600 Reiter und 168 Geschütze.
Außerdem sammelten sich 35.000 bis 40.000 Mann Freischaren, wobei 665
Reiter und 40 Geschütze, unter Garibaldi zwischen Brescia und Rocca d'Anfo
mit der Bestimmung, hauptsächlich in Tirol einzufallen.
Endlich bot Italien in diesem Kriege auch seine gesammte Kriegs-Marine
gegen Österreich auf.
Nachdem auf Seite Österreichs derKriegszweck hauptsächlich in der Wahrung
der Machtstellung im Norden lag, wurde dort die Hauptkraft — nämlich mehr als
zwei Drittel der k. k. Streitkräfte — aufgeboten, zur Wahrung des Besitzstandes
im Süden aber nur das restliche Drittel in der Stärke von rund 140.000 Mann
streitbaren Standes nebst 5000 Pferden und 248 Geschützen verwendet, welche
Streitkräfte zum Unterschiede von den im Norden aufgebotenen die Bezeichnung
„Süd- Armee* erhielten.
Hievon entfielen aber 70.000 Mann mit 1800 Pferden und 48 Geschützen
auf die Festungs-Besatzungen und eine mobile Streif-Brigade im Venetianischen,
sodann auf die Truppen in Tirol, in Istrien und Friaul, Krain und Kärnten.
Für die eigentliche operierende Armee im Felde verblieben nur rund
70.000 Mann Streitbare mit 3500 Pferden und 168 Geschützen.
Es waren dies 3 Armee-Corps, und zwar das V. unter GdC. Friedrich
Fürsten Liechtenstein, nach dessen Erkrankung unter GM. Frh. von Rodich,
— das VII. unter FML. Frh. von Maroieic. das IX. unter FML. Härtung, so-
dann eine Infanterie -Reserve -Division unter GM. von Rupp recht und eine
Cavallerie-Brigade unter Obersten Pulz.
Das Commando der Süd-Armee führte FM. Erzherzog Albrecht; als
Generalstabschef fungierte GM. Frh. von John.
Zur Vertheidignng der Küste auf dem Adriatischen Meere war die k. k.
Marine bestimmt. *)
Die zu den Operationen im Felde bestimmte Hälfte der im Süden auf-
gebotenen k. k. Streitkräfte — die eigentliche Süd- Armee — stand bereits um
Mitte Mai zwischen der Etsch und Brenta versammelt, und zwar mit dem
V. Corps bei Verona, mit dem VII. bei Padua, Rovigo, Este und Monta-
gnana, mit dem IX. bei Vicenza.
Vom 4. Juni an trat im Interesse der Geheimhaltung der eigenen Con-
cetitrierungs-Märsche eine abschnittsweise Bewachung und Absperrung der Grenze
vom Garda-See entlang des Mincio und Po bis zur Mündung des letzteren
Stromes ein. Hiebei wirkten von der Ope rations-Armee die Cavallerie-Brigade Pulz
am Mincio von Salionze bis Goito, die Brigade Scudier vom VII. Corps südwärts
Rovigo am Po mit.
*) Si»»he Abschnitt: .Im Kampfe auf dem Arlriatiachen Mper«", von Seite 399 an.
Militärischer H«na Tberetien-Orden. 15
Digitizjjd by Google
226
CLXIV. bis ClLXVIII. Promotion.
Um Mitte Juni concentrierte sich die Süd-Armee am linken Ufer der Et sc h
und zwar mit dem V. Corps bei S. Bonifacio östlich Verona, mit dem VII. bei
Montagnana, mit dem IX. bei Lonigo, während die Beobaehtungs-Truppen
am Mincio und Po in ihren Aufstellungen verblieben. Gleichzeitig formierte sich
die Infanterie-Reserve-Division GM. von Rupp recht und zwar mit einer Brigade
in Verona, mit einer Brigade in Albaredo.
Der Feind näherte sich in der Zeit bis zum 17. der venetianischen Grenze
derart, dass das italienische I. Corps bis in das Hügel-Terrain bei Castiglione
delle Stiviere, das III. und II. Corps bis an den unteren Mincio gelangten,
während das IV. Corps unter Cialdini — von der Hauptmasse der italienischen
Armee noch immer getrennt — am unteren Po von Mirandola östlich echel-
loniert verblieb.
Am 20. Juni um 8 Uhr früh erfolgte die Kriegserklärung Italiens.
Die Süd-Armee wurde trotzdem noch den 21. über in ihrer concentrierten
Aufstellung am linken Ufer der Etsch unbeweglich stehen gelassen; nur von der
Reserve-Division rückte eine Brigade von Albaredo nach Campalto.
Am 22. aber setzte sich die Süd- Armee in Bewegung, um blitzartig die
wohlvorbereiteten Operationen auszuführen, welche darauf abzielten, die unter dem
Könige von Italien am Mincio stehende Hauptmasse des feindlichen Heeres zu
schlagen, während gegenüber dem italienischen IV. Corps am Po nur Beob-
aehtiings-Truppen in der Stärke von 1 Bataillon und 4 Escadronen stehen blieben.
Es rückte das V. Corps nach S. Michele, das IX. nach S. Martino, das VII.
nach S. Bonifacio; die Brigade Scudier des VII. Corps waggonierte sich in
Rovigo ein, um zu ihrem VII. Corps zu stoßen, während die mobile Streif-Brigade
von Conegliano nach Padua vorgeschoben wurde; die Reserve-Division endlich
marschierte theilsbis Parona, theils bis Pastrengo. Mit Ausnahme eines Theils
der Reserve-Division hatte sich demnach die Süd-Armee gegen Verona massiert,
befand sich aber noch immer am linken Ufer der Etsch, mit Vorposten und
Beobachtungs-Truppen am Mincio und Po.
Die italienische Armee unter dem Könige rückte am 22. bis in die Linie
Cav riana-Gazzoldo-Castelluchio nächst des Mincio, die Cavallerie specioll
bis Medole, während das IV. italienische Corps unter Cialdini in seiner Aufstellung
bei Ferrara verblieb.
Am 23. zwischen 4 und 8 Uhr früh begann die italienische Armee den
M in cio auf mehreren Punkten von Monzambano bis Goito zu passieren. Die
Cavallerie-Division Sonn az rückte von Goito über Vill afranca gegen Verona,
wührend sich die k. k. Cavallerie-Brigade Pulz vom Mincio dahin zurückzog. Bei
Dossobuono kam es zu einigen Kanonenschüssen, worauf die italienische Caval-
lerie bis Quaderni und Mozzecane zurückgieng, die österreichische nächst Verona
Bivouacs bezog. Hinter der Kavallerie-Division Sonnaz gelangle am 23. die italie-
nische Armee mit sieben Divisionen des I. und III. Corps am linken Mincio-Ufer bis
in die Linie Monzambano-Valeggio-Belvedere, während fünf Divisionen am
rec hten Ufer verblieben, und zwar behufs Deckung der linken Flanke gegen Peschiera
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866.
— Italien.
227
vom I. Corps eine Division bei Pozzolengo, sodann als Reserve vom II. Corps
zwei Divisionen bei Castelluchio und behufs Beobachtung zwei Divisionen
vor Mantua und Borgo forte. Das italienische Hauptquartier kam nach Goito.
Die feindliche Heeresleitung schloss aus dem Umstände, dass die Über-
schreitung des Mincio ohne Widerstand von Seite der Österreicher erfolgt war,
dann aus der fast gänzlichen Abwesenheit österreichischer Streitkräfte, dass die
Süd-Armee auf die Vertheidigung des Gebietes zwischen Mincio und Elsch ver-
zichtet hätte und hinter der Etsch (auf dem linken Ufer) stände.
Die k. k. Süd-Armee rückte indessen im Laufe des 23. vormittags auf das
rechte Etsch-Ufer. In den ersten Nachmittagsstunden standen: die Infanterie-
Reserve-Division bei Pastrengo, das V. Corps bei Chievo, das VII. bei
S. Massimo, das IX. bei S. Lucia. Die Cavallerie-Brigade Pulz bezog im Verlauf
des Tages, wie erwähnt, Bivouacs bei Verona und zwar nächst Fort Gisela. Das
Hauptquartier kam nach S. Massimo.
Auf Grund der Meldung der Cavallerie-Brigade Pulz und einer vom Haupt-
quartier aus angeordneten Recognoscierung schloss das k. k. Armee-Commando,
dass der Feind im Vorrücken gegen die mittlere Etsch begriffen sei. Infolge
dessen entschloss sich dasselbe, dem Könige in die linke Flanke zu rücken, und
ließ zu diesem Behufe einen Theil der Süd-Armee noch am 23. nachmittags die
Vorrückung in das Hügelland zwischen Sommacampagna und Sandra fort-
setzen. Von der Infanterie -Reserve -Division besetzte eine Brigade Sandra,
während das V. Corps, der für den nächsten Tag beabsichtigten Linksschwenkung
der Armee vorgreifend, in die Linie Sona-Alberello-S. Giorgio in Salice-
Castelnuovo einschwenkte.
Im italienischen Hauptquartier war inzwischen beschlossen worden, am
folgenden 24. Juni das Heer vollends über den Mincio gehen und dasselbe theils
in der Ebene von Villafranca, theils in dem Hügellande von Castelnuovo,
Sommacampagna. S. Giustina Stellung gegen Verona nehmen zu lassen,
dadurch die Aufmerksamkeit der österreichischen Armee auf sich zu ziehen und
so den Übergang des IV. Corps unter Cialdini über den unteren Po, welcher erst
am 26. dui 0eführt werden sollte, zu begünstigen.
Demgemäß setzte die Armee des Königs am 24. Juni ihre Bewegung fort.
Das III. Corps rückte am rechten Flügel zwischen 1 und 2 Uhr morgens behufs
Besetzung der Linie Villa franca-Sommacampagna vor. und zwar Division
Prinz Humbert nach Villafranca, Division Bixio gegen Ganfardine, Division Cugia
am Fuße der Höhen gegen Sommacampagna, Division Govone als Reserve; die
Cavallerie-Brigade des Corps und die zugetheilte Cavallerie- Division Sonnaz
dirigierten sich über Villafranca. Das 1. Corps marschierte am linken Flügel
zwischen 3 und 4 Uhr morgens mit den Divisionen Brignone, Sirtori und Cerale
behufs Besetzung der Linie Sona-S. Giustina sowie zur Beobachtung von
Pastrengo und Peschiera auf dem linken Miricio-Ufer vor, während die Division
Pianeil, ebenfalls zur Beobachtung Peschieras, auf dem rechten Ufer zwischen
Monzambano und Pozzolengo Stellung nahm. Das II. Corps folgte hinter dem
15*
Digimed by Google
228
CLXFV. bis CLXVIII. Promotion.
III. mit den beiden Divisionen Longoni und Angioletti als allgemeiner Reserve
über Goito nach, während die beiden restlichen Divisionen Man tua und Borgo-
forte weiter beobachteten. Obzwar diese, statt auf die Überschreitung der
Ktsch, auf Stellungnahme gegen Verona gerichtete Operation der Armee des
Königs von der Annahme des österreichischen Hauptquartiers abwich, wurden
dadurch dessen Entwürfe dennoch nicht vereitelt, sondern vielmehr deren Aus-
führung nur beschleunigt.
Gemäß der am 23. Juni abends erlassenen Disposition setzte nämlich die
Süd-Armee am 24. um 3 Uhr früh ihren Vormarsch in westlicher Richtung in das
Hügelland zwischen Verona und Peschiera, sodann linksschwenkend gegen
Süden fort. Sie traf zwar nicht mehr auf die linke Flanke der feindlichen Armee,
sondern stieß mit ihr in Front zusammen, jedoch noch bevor dieselbe ihre
Stellungen eingenommen hatte.
Dieser Zusammenstoß gestaltete sich zur SchlachtvonCustozza,in welcher
auf österreichischer Seite rund 70.000 Mann, 3500 Reiter und 168 Geschütze
gegen rund 100.000 Mann, 7000 Reiter und 192 Geschütze zu kämpfen hatten.
Der Verlauf der Schlacht im großen war folgender: Während in der Ebene
am äußersten linken Flügel österreichische Cavallerie den Feind bei Villa-
franca festhielt, warf der rechte Flügel den Gegner aus dem Hügelland
nächst dem Mincio in die Ebene zurück, worauf nach langem, wechselvollem
Kampfe um die Höhen im Gentrum und am linken Flügel durch einen
concentrischen Stoß der Österreicher auf die feindliche Mitte, die Italiener von
den Custozza-Hßhen in die Ebene geworfen und schließlich auch von Villa-
franca zum Rückzüge gezwungen wurden.
Die wesentlichen Momente der Schlacht entwickelten sich folgendermaßen:
Gemäß der am Abend des 23. ergangenen Disposition vollzog die k. k. Süd-
Armee am 24. von 3 bis 8 Uhr früh in Ausführung der eingeleiteten Südschwen-
kung, theilweise unter einleitenden Kämpfen auf beiden Klügeln, den Aufmarsch.
Am schwenkenden rechten Flügel rückte die Infanlerie-Reserve-Division von
Pastrengo und Sandra über Castelnuovo gegen Oliosi, — in der Mitte das
V. Corps aus der Linie Castelnuovo-S. Giorgio in Salice-Sona gegen S. Rocco di
Palazzolo, — am linken und zugleich Pivot-Flügel das IX. Corps von S. Lucia
— über die Disposition hinausgehend — durch Sommacampagna auf die Höhen von
Casa del Sole, — endlich als allgemeine Reserve das VII. Corps von S. Massinio
längs der Eisenbahn nach Sona, mit einer Brigade bis Casazze. In der Ebem>
am äußersten linken Flügel gieng von Fort Gisela auf gleicher Höhe mit dem
IX. Corps — die linke Flanke der Armee deckend — die auf zwei Rrigaden ver-
stärkte Reserve-Cavallerie vor.
Dieselbe stieß bereits um 5l/a Uhr bei Villafranca auf den Feind. Es
waren dies die Divisionen Prinz Humbert und Bixio mit der Cavallerie-Division
Sonnaz. Die kaiserliche Reiterei attaquierle nach 7 Uhr wiederholt die feindlichen
Infanteriemassen, schlug die von feindlichen Cavallerie-Abtheilungen versuchten
Gegenangriffe zurück, nahm dann zwischen Villafranca und Sommacampagna
Digitized by Google
Im Kriege gegen PreuAeu und Italien 1866. — Italien.
229
Stellung und bannte durch ihre Action während der weiteren Schlacht den ganzen
feindlichen rechten Flügel bei Villa fr an ca fest.
Während des einleitenden Reiterkampfes auf dem äußersten linken war
bereits auch am rechten Flügel die Reserve-Division mit einer ihrer beiden
Brigaden in den Kampf um den Monte Cricol getreten. Sie warf die Avantgarde
der Division Sirtori gegen Oliosi zurück, musste dann ;iber, als die Division Cerale
in das Gefecht eingriff, zurückweichen und sogar den Monte Cricol räumen. Die
Reserve-Division wurde indessen durch Unterstützungen aus derMitte vom V.Corps
rasch degagiert. Eine überraschende Attaque dreier Züge Sicilien-Uhlanen führte
auf Seite des Feindes eine solche Verwirrung hervor, dass die theilweise noch in
Marsch-Colonne formierte Division Cerale völlig zersprengt wurde. Der Angriff der
Brigade Piret vom V. Corps auf Oliosi zwang auch die Avantgarde der Division
Sirtori, sich auf den Monte vento zurückzuziehen. Nachdem gleichzeitig auch
die Brigade Bauer vom V. Corps eine über den Tione bis Pernisa vorgerückte
Brigade der Division Sirtori wieder hinter den Tione zurückgeworfen hatte, war
die Schlacht am rechten Flügel und in der Mitte eingeleitet.
Den mittlerweile theils von Erzherzog Alb recht aus Sona behufs weiteren
Vormarsches erlassenen allgemeinen Dispositionen, theils den von dem IX. Corps-
Commando selbständig ausgegangenen Maßnahmen gemäß hatte sich das Gefecht
auch am linken Flügel entwickelt. Das IX. Corps unternahm mit zwei Brigaden
einen Angriff auf den Monte della Croce, wo die italienische Division Brignone
Stellung genommen hatte. Dieser Angriff wurde durch die Division Brignone und
einen Theil der zur Verstärkung herbeieilenden Division Cugia zurückgeschlagen.
Inzwischen rückten von dem in Reserve stehenden VII. Corps die beiden Brigaden
von Sona nach Casazze vor. während von da die Brigade Scudier und zwar deren
linker Flügel mit dem IX. Corps den Monte della Croce, deren rechter Flügel
aber über Monte Godi das Belvedere angriff und mit letzterem um 10 Uhr vor-
mittags stürmend in Custozza selbst eindrang. Die um jene Zeit auf den Höhen
von Custozza eingetroffene italienische Division Govone zwang jedoch die Brigade
Scudier, Custozza und das Belvedere wieder zu räumen, worauf dieselbe, von
der Brigade Welsersheimb aufgenommen, bis Zerbare zurückgieng. Damit war
der erste Angriff des österreichischen linken Flügels auf die Milte der feind-
lichen Armee abgeschlagen. Gleichwohl waren durch diesen Angriff aber auch die
Truppen der italienischen Divisionen Brignone. Cugia und Govone, welche an
diesem Kampfe theil genommen, so erschüttert, dass der Feind trotz seiner
Übermacht gegen das IX. Corps auf den Höhen oberhalb Sommacampagna
— dem Pivot der k. k. Armee — nicht offensiv vorzugehen wagte.
Während auf diese Weise der linke Flügel der Österreicher auf den Höhen
von Sommacampagna sich behauptete, machten der rechte Flügel und die Mitte
weitere Fortschritte. Gemäß der Disposition des Armee-Commandos, wonach die
Reserve-Division nach Wegnahme Oliosis weiter gegen Monznmbano vorzudringen
hatte, nahm diese Division, nachdem die Brigade Piret vom V. Corps Oliosi
erstürmt hatte, im Vereine mit den Ausfalls-Truppen aus Peschiera. Direction
Dig
230
CLXIV. bis CLXVI1I. Promotion.
vom Monte Cricol nach rechts gegen Monzambano. Dieselbe drängte die Reste
der Division Gerale immer weiter zurück, besetzte mit dem rechten Flügel
Salionze und brachte nach heftigen Kämpfen schließlich in der Linie Salionze-
Pasquali die von dem rechten Mincio-Ufer über den Fluss gegen die rechte
Flanke der k. k. Armee vordringende Division Pianell zum Stehen, wobei auch
das Fort Monte Croce der Festung Peschiera durch Beschießung Mozambanos
kräftig mitwirkte.
Mittlerweile gewann die Mitte der k. k. Armee noch entschiedener Terrain
nach Süden. Vom V. Corps nahm die Brigade Piret, nach der Erstürmung Oliosis
linksschwenkend, Direction gegen Monte Vento, erstürmte, von dem linken
Flügel der Reserve-Division unterstützt, diese wichtige Höhe, warf die dort
kämpfenden Truppen der Divisionen Sirtori und Gerale in die Ebene herab und
zwang dieselben, gleichwie auch die Division Pianeil zum Rückzüge nach
Valeggio und Monzambano. Sobald der auf dem Monte Vento eingeleitete
Angriff der Brigade Piret keinen Rückschlag mehr besorgen ließ, ordnete in Ge-
mäßheit der allgemeinen Disposition des Erzherzogs Albrecht, das Commando
des V. Corps den Angriff auf die Höhe von S. Lucia an. Die Brigade Möring mit
einem Theile der Brigade Bauer erstürmte auch diese wichtige Position, warf den
Rest der Division Sirtori gegen Valeggio zurück und besetzte mit sofort vor-
geschobenen Abtheilungen die östlichen Kuppen und Abhänge des Monte
Mamaor. Damit waren die drei Divisionen Sirtori. Cerale und Pianell des italieni-
schen linken Flügels vollends geworfen und konnte nunmehr die feindliche
Mitte bei Gustozza von dem österreichischen Centrum in Flanke und
Rücken genommen werden.
Auch der Kampf zwischen dem italienischen Gentrum und dem
österreichischen linken Flügel dauerte ununterbrochen fort. Nach dem
Misslingen des ersten Angriffes des IX. Corps und der Brigade Scudier
führte das Regiment Thun vom IX. Corps auf das Belvedere einen zweiten
Angriff aus, nahm diese Höhe und vertheidigte dieselbe mit mehreren Ab-
theilungen auf das hartnäckigste. Gegen 3 Uhr nachmittags musste das Belve-
dere zwar zum zweitenmal geräumt werden, allein die zähe Verteidigung der
Höhe durch Thun-Infanterie kam der darauffolgenden Entscheidung wesentlich
zustatten.
Um 4 Uhr nachmittags unternahm der Commandant des in Reserve stehenden
VII. Corps, mit den beiden Brigaden Welsersheimb und Töply, auf das Belvedere
einen dritten Angriff, erstürmte die Höhe und warf den Feind nach Gustozza
zurück. Schon zuvor hatte Erzherzog Albrecht von S. Rocco di Palazzolo einen
allgemeinen Sturm auf Gustozza anbefohlen. Während vom Belvedere die
beiden Brigaden des VII. Corps gegen Gustozza in der Front weiter vorgiengen.
nahm von der Höhe von S. Lucia die Brigade Möring mit einem Theil des Regiments
Nagy des V. Corps, Gustozza in Flanke und Rücken; gleichzeitig rückte von
Berettara das Regiment Maroicic vorn IX. Corps zum Angriffe auf den Monte
della Croce vor. Die Brigaden Möring und Welsersheimb nahmen Gustozza,
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen uud Italien 1866. —
Italien.
331
das Regiment Maroieie. den Monte della Croce im Sturme. Die italienischen
Divisionen Govone und Cugia. welche nach dem Rückzüge der Division Brignone
den Kampf um die Custozza-Hohen fortgeführt hatten, wurden in die Ebene
herabgeworfen und zogen sich theils gegen Valeggio, theils über Vi Ilafranca
zurück. So war auch das feindliche Centrum geworfen.
Der Verlust der Custozza-Höhen und darauf folgende wiederholte Angriffe
der österreichischen Cavallerie auf die von denselben retirierenden feindlichen
Colonnen, dann auf den italienischen rechten Flügel bei Villa franca zwangen
auch diesen — die Divisionen Prinz Humbert und Bixio sowie die Cavallerie-
Divisionen Sonnaz — zum Rückzüge.
Damit war die Schlacht bei Gustozza siegreich entschieden.
Die k. k. Süd -Armee lagerte auf dem Schlachtfelde in der Linie
Salionze-Monte Ven to-Gustozza-Monte Torre, die Cavallerie bei Fort
Gisela; das Hauptquartier nächtigte in Z er bare.
Die unter dem Befehle des Königs stehende Armee sammelte sich vom 24.
auf den 25. und zwar das I. Corps bei Volta-Cavriana, das III. bei Valeggio-
Goito. das II. Corps mit den beiden als Reserve vorgerückten Divisionen nächst
Goito, die Gavallerie-Division bei Pozzolo; das Hauptquartier wurde von Goito
nach Gerlungo rückverlegt. Am 26. setzte die Armee des Königs den Rückzug
hinter den Oglio fort. — Das italienische IV. Corps unter Cialdini hatte schon
am 25. von dem unteren Po ebenfalls den Rückzug angetreten, infolge dessen die
bereits am Tage nach der Schlacht gegen dieses feindliche Corps eingeleitete
Operation der Süd- Armee vom Schlachtfelde bei Gustozza in der Richtung nach
der unteren Etsch nicht zur Ausführung kam.
Darauf bezog die Süd -Armee enge Cantonnierungen zwischen Villa-
franca-Peschiera- Verona, welche bis 30. Juni beibehalten wurden. Am 1. Juli
rückte die Armee über den Mincio und am 2. bis in die Linie Medole-Castel
Venzago-Rivoltella, mit dem Hauptquartier nach Pozzolengo vor. Infolge
der vom Kriegsschauplatze in Böhmen einlangenden ungünstigen Nachrichten
gieng jedoch die Armee am 3. wieder auf das linke Mincio-Ufer zurück. Das am
4. im Hauptquartier vollends bekannt gewordene Missgeschick der Nord-Armee
machte allen weiteren Unternehmungen der Süd-Armee ein Ende, indem alle ver-
fügbaren Kräfte an die Donau eilen mussten.
Noch am 4. abends leitete Erzherzog Albrecht, unter Festhaltung Süd-
Tirols und der Festungen im Venetianischen, die Räumung letzteren Gebietes ein.
Hinter der Etsch angelangt, entsendete die Süd-Armee am 10. das V. Corps durch
Tirol, ferner nach dem Eintreffen des Restes hinter der Piave am 13. das
IX. Corps und die Cavallerie-Brigade Pulz an die Donau, während das VII. Corps
bis zum 23. hinter den Isonzo zurückgieng, um dort dem Vordringen des
italienischen Heeres möglichst Schranken zu setzen.
Erzherzog Albrec Ii t. zum Ober-Cornmandanten der gcsamniten operierenden
Armee ernannt, gieng mit seinem Generalstabschef, FML. Frh. von John, von
Couegliano am 12. nach Wien ab und übergab das Commando im Süden an
Digitized by Google
CLX1V. bis CLXV1II. Promotion.
FML. Frh. von Maroi&ic, nachdem er schon vorher mit der selbständigen Ver-
teidigung Tirols GM. Frh. von Kuhn betraut hatte.*)
Im Süden — außer Tirol — verblieben unter Commando des FML. Frh. von
Maroi£i£ circa 42.000 Mann und 2300 Reiter, wovon jedoch zur Zeit seines
Anlangens mit dem VII. Corps am Isonzo nur 12.000 bis 13.000 Mann unmittelbar
zu seiner Verfügung standen.
Die Italiener hatten mittlerweile am 5. Juli ihre Operationen wieder auf-
genommen. Zunächst griffen sie Borgoforte an, welches jedoch von der k. k. Be-
satzung erst nach förmlicher Belagerung und Zerstörung in der Nacht vom 17. auf
den 18. geräumt wurde. Am 8. überschritt Cialdini mit 180.000 Mann den Po
zwischen Borgoforte und Ferrara bei Sermide. Am 10. setzte sich der König
mit 84.000 Mann vom Oglio gegen Ferrara in Bewegung und am 12. begann sein«
Armee den Po zu überschreiten. Am 13. setzte Cialdini bei Rovigo über die
Etsch und rückte bis 26. an den Torre, mit dem Hauptquartier in Pradamano
südöstlich von üdine, nur mehr einen Marsch von Izonzo entfernt. — Die
Division Medici war von Padua am 21. über Bassano gegen Tirol und zwar
gegen die Valsugana abgerückt. — Die Armee des Königs marschierte in der
Linie Badia-Vicenza — Front westwärts gegen das Festungsviereck — auf;
das Hauptquartier des Königs kam am 17. nach Rovigo, späterhin nach
Padua. Ein Reserve-Corps von 50.000 Mann sammelte sich zwischen Parma
und Bologna.
FML. Frh. von Maroicic hatte inzwischen seine Streitkräfte am Isonzo auf
20.000 Mann, 350 Reiter und 48 Geschütze gebracht. Seine Vorposten waren bis
an den Judrio-Torre vorgeschoben. In Romans stand ein stärkeres Detachenient
unter Oberst Török ab Erdöd, welches durch Streifungen jenseits des Torre die
Verbindung mit der Festung Palmanuova unterhielt. Dasselbe wurde hiebei
am 26. von überlegenen Kräften der italienischen Vorhut -Cavallerie- Brigade
La Forest eingeschlossen, schlug sich jedoch glänzend über die bereits im Rücken
des Dotachements vom Feinde besetzte Torre-Brücke nach Versa durch.
Nach diesem Gefechte trat anlässlich des Waffenstillstands-Abschlusses im
Norden auch auf dem südlichen Kriegsschauplätze Waffenruhe ein, doch fand
damit der Kriegszustand im Süden keineswegs sein Ende. Italien wollte sich
nämlich nur unter Bedingungen zum definitiven Waffenstillstands -Abschlüsse
bereit erklären, welche weit über die seitens Österreichs freiwillig zugestandene
Abtretung Venetiens hinausgicngen, trotzdem die kaiserlichen Waffen bei Custozza
glänzend gesiegt, seitdem auch entschiedene Erfolge in Südtirol aufzuweisen,
überdies inzwischen die k. k. Marine den Sieg von Lissa errungen hatten.
Zunächst forderte Italien den Abschluss des Waffenstillstandes auf der Basis des
uti pos.-ikläis. Darauf konnte Österreich nicht eingehen, weil italienische Truppen
sowohl in Tirol als am Isonzo die Grenze Venetiens überschritten hatten.
Nachdem nun Italien seine Truppen trotz wiederholter Aufforderung Österreich.-;
*i riiebr Absrbnitl: .Hei der Vcrlheiiligung Tirols*, Seite HCl und 378.
■
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866. - Italien. 233
nicht zurückziehen wollte, wurde, um derselben Nachdruck zu geben, wieder ein
Theil der Truppen von der Donau nach dem Süden in Bewegung gesetzt.
Außer kleineren Abtheilungen wurden von Wien mittels Eisenbahn in der
Zeit vom 2. bis 14. August das IL, V. und IX. Corps an den Isonzo, das
III. Corps nach Kärnten geworfen. Außerdem wurde auch die 2. leichte
Cavallerie- Division an den Isonzo, die Brigade Pulz nach Kärnten in Marsch
gesetzt.
Die Gesammtstärke der zur Verwendung im Süden bestimmten Trappen,
welche bis 16. August an der Grenze Venetiens bereit stehen sollten, belief sich
mit Ausschluss aller Besatzungstruppen, dann der Armee-Division in Tirol, an
Streitbaren an 127.000 Mann, 7000 Pferde mit 435 Geschützen. Überdies wurde
noch das IV. Corps bereit gehalten, um zur Verstarkuag der auf diese Art neu
gebildeten Süd-Armee nachgeschoben zu werden.
Noch bevor diese Streitkräfte vollzählig im Süden angelangt waren, wurden
gemäß den am 6. und 7. August erlassenen Dispositionen des Erzherzogs
Albrecht die wohlvorbereiteten Operationen zu Land und zur See eingeleitet.
Bereits am 6. begann das III. Corps in Kärnten von Villach brigadeweise den
Vormarsch gegen die Grenze. Am 9. bezogen die am Isonzo vereinigten Truppen
Cantonnierungen und zwar das VII. Corps zwischen dem Isonzo und Judrio, das
V. Corps zwischen Görz und Monfalcone, das IX. im Wippach-Thale
aufwärts bis Cernica. Am 11. entsendeten diese drei Corps Cavallerie-
Abtheilungen gegen den Feind. Vom VII. Corps rückten zwei Brigaden bis an den
Torre und Natisone, vom IX. Corps eine Brigade bis Morano am rechten
Isonzo- Ufer vor. Kerner überschritten von Kärnten aus das III. Corps bei Pon-
tafel, das k. k. Alpenjäger-Corps über den Plerken-Pass die Grenze ins
Venetianische. Am 11. gieng überdies auf dem Adriatischen Meere die k. k.
Escadre von Fasana nach Triest, um die Demonstration einer Überschiffung
von 35.000 Mann von Triest nach Venedig auszuführen, infolge dessen sich
der um jene Zeit in Strä weilende König Victor Emanuel schleunigst iti sein
Hauptquartier nach Padua verfügte.
Noch vor Einleitung dieser Operationen, schon auf die Nachricht über die
sich vollziehende Versammlung bedeutender österreichischer Streitkräfte am
Isonzo. hatte die italienische Heeresleitung von Padua aus die Waffenstillstands-
verhandlungen am 7. wieder aufgenommen. Erzherzog Albreehl verlangte neuer-
dings kategorisch die Zurückziehung der italienischen Truppen hinter die Grenzen
Venet iens und zwar bis zum 9. abends. Cialdini hatte übrigens schon am (>.,
gleichzeitig mit der Wiederaufnahme der Verhandlungen, damit begonnen, die
italienische Armee rückwärts in dem Räume zwischen dem Tagliamento und
Corno, südlich der Eisenbahn, zu concentrieren und gieng am 9. auf das rechte
Ufer des Tagliamento zurück, so dass nur die Vorposten am Isonzo — jenen
des k. k. V. Corps gegenüber — verblieben. An demselben Tage schlug die
italienische Heeresleitung neuerliche Verhandlungen behufs definitiven Waffen-
Stillstands-Abschlusses vor. Erzherzog Albrecht wies darauf die Truppen an, die
Digitized by Google
234-
GLXIV. bis CLXVI1I. Promotion.
— Im Kriege von 186«.
- Italien.
Demarcations-Linie nicht vor dem 11. August morgens zu überschreiten, verlangte
jedoch nun den Tagliamento als Demarcationslinie, sowie die Erfüllung aller
früher gestellten Bedingungen. Arn 1 1 . stand der Feind thatsächlich hinter dem
Tagliamento, und hielt am linken Ufer nur mehr Codroipo besetzt. Nachdem
auf diese Weise, dank dem entschlossenen und thatkräftigen Vorgehen des Erz-
herzogs Albrecht, der Feind die von Südtirol und von der geforsteten Graf-
schaft Görz-Gradisca occupiertcn Gebiete vollständig geräumt hatte, wurde von
der formellen Bestimmung des Tagliamento als Demarcationslinie Abstand
genommen und auf Grundlage der alleinigen Abtretung Venetiens an Italien
der definitive Waffenstillstand am 13. August abgeschlossen.
Während die am Isonzo concentrierten Streitkräfte, sowie das aus
Kärnten an den Tagliamento vorgerückte III. Corps bereits am 14. Befehl
hatten. Cantonnierungen zu beziehen, kam es an diesem Tage zwischen dem über
den Plecken-Pass ins Piave -Thal vorgedrungenen k. k. Alpenjäger-Corps unter
Oberstlieutenant Graf Mensdorff, welcher von dem Waffenstillstand bis dahin
nicht hatte verständigt werden können, und einer Garibaldinischen Freischar bei
Auronzo noch zu einem Gefechte. Als die österreichischen Alpenjäger die
Garibaldianer bereits von allen Seiten einzuschließen begannen, hissten die letzteren
die weiße Fahne und theilten den Österreichern die Nachricht von dem Abschlüsse
des Waffenstillstandes mit, welche der italienischen Freischar schon am Morgen
zugekommen war, von der diese jedoch bis 2 Uhr nachmittags, so lange die
Chancen des Kampfes minder ungünstig für sie standen, keinen Gebrauch machte.
Darauf wurde auch von österreichischer Seite das Gefecht eingestellt. So war in
diesem Kriege bei Auronzo am 14. August der letzte Schuss gefallen.
Am 3. October 18G6 wurde zwischen Österreich und Italien in Wien
der Frieden geschlossen.
In diesem siegreichen Kriege gegen Italien wuchsen dem Maria Theresien-
Orden 1 Großkreuz, 2 Commandeure und 5 Ritter zu.
Großkreuz des Maria Theresien-Ordens
Feld marsch all Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolph,
kais. und köiiigl. Hoheit.
«Mit Bildnis aus dem Jalirf ls»i6.)
Erzherzog Albrecht wurde als ältester Sohn des Siegers von Aspern, des
Erzherzogs Carl, in Wien am 3. August 1817 geboren. Bereits am 11. Jänner
1830 zum Obersten und Inhaber des 44. Infanterie-Regiments ernannt, genoss
er seit frühester Jugend unter sorgfältiger Anleitung seines zu den Meistern
des Krieges zählenden Vaters kriegerische Erziehung und Bildung. Am 17. Mai
1837 trat er bei dem 13. Infanterie-Regiment die praktische Dienstleistung als
Bataillons-Commandant an. Am 1. März 1831) erfolgte seine Versetzung zum
Digitized by Google
I
1
• i
1
l:
Digitized by Google
Digitized by Google
Oroßkrem de» M. T.-O. FM Eriheriog Albrecht.
235
4. Kürassier-Regiment Im Sommer jenes Jahres führte ihn eine dreimonatliche
Mission nach Preußen und Russland, wo er zahlreichen großen Truppenübungen
beiwohnte. Am 11. September 1810 wurde er zum Brigadier in Graz ernannt und
zum Generalmajor befördert. Als solcher wohnte er zweimal den großen
Manövern in Italien bei und wurde von dem FM. Grafen Radetzky persönlich in
diese praktische Schule des Krieges im Frieden eingeführt. Am 11. August 1843
zum Feldmarschall- Lieutenant vorgerückt, wurde er dem mährisch-schlesi-
schen General-Commando als ad latus beigegeben, auf welchem Posten er mit der
selbständigen Leitung großer Manöver begann. Am 15. December 1844 zum
Commandierenden General in Nieder-, Ober-Österreich und Salz-
burg ernannt, widmete der Erzherzog seine Thätigkeit ebenfalls hauptsächlich der
kriegsmäßigen Ausbildung der unter seinem Commando stehenden Truppen, ins-
besondere der Wiener Garnison, zu welchem Behufe er eine eigene „Anweisung
über den Betrieb des Felddienstes* verfasste.
Im Kriege gegen Piemont im Jahre 1848 begab sich im Monate April
zugleich mit Seiner k. k. Hoheit, dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog, nach-
mals Kaiser und König. Franz Joseph I.. auch Erzherzog Albrecht als Frei-
williger auf den Kriegsschauplatz nach Italien in das Hauptquartier des FM. Grafen
Radetzky. Gleich in der Schlacht bei S. Lucia am 6. Mai, welche der Erzherzug,
ohne ein Commando zu führen, mitmachte, lenkte er durch seinen kalten Mulh
die Aufmerksamkeit des Hauptquartiers auf sich, ja errang dadurch geradezu die
Bewunderung der Armee. Völlig unabhängig von seiner hohen Stellung als kaiser-
licher und königlicher Prinz erwarb er sich in der Folge auch durch sein alle
Gebiete des Kriegswesens beherrschendes Wissen, wie durch maßgebendes Urtheil
in zahlreichen schwierigen Momenten des Krieges autoritalives Ansehen und hohe
persönliche Geltung bei allen bis zum Oberfeldherrn hinauf. Daraufhin wurde
Erzherzog Albrecht noch im December 1848 mit dem Commando der ersten
Truppen-Division des II. Corps D'Aspre betraut.
Nach Wiederaufnahme der Feindseligkeiten im Feldzuge 1849 bildete die
Division des Erzherzogs AI brecht die Vorhut des an der Spitze der Armee
Radetzkys marschierenden II. Corps.
Schon bei dem forcierten Obergange der Armee über den Ticinn bei Pavia.
und dem dabei stattgehabten kleinen Gefechte am Gravellone am 20. März
bekundete Erzherzog Albrecht neuerdings hohen persönlichen Muth.
Bei dem Angriff auf Mortara am folgenden 21. März errang Erzherzog
Albrecht, nachdem durch den Corps-Commandanten Feldzeugmeister Freili.
D'Aspre die Dispositionen im allgemeinen getroffen waren, mit der unterstehenden
Armee-Division gegen eine feindliche Obennacht von mehr als 1G.000 Mann die
ersten Lorbeeren.
Das Gefecht begann abends gegen 6 Uhr. Nachdem die Angriffs-Colonnen
formiert waren, rückte die Division mit ihrem er/.her/oglii hen Führer an der Spitze
zum Angriffe gegen die feste Stellung des Feindes vor. Die eintretende Dunkel-
heit und dichter Saudstaub hinderten jede Obersicht. Die einzelnen Angriffs-
Digitized by Google
236
CLX1V. bis CLXVill. Promotion. - Im Kriege von 1866. — Italien.
Golonnen verloren ihre Verbindung und der Erfolg schien zweifelhaft, um so mehr,
als der Feind den hartnäckigsten Widerstand leistete. Besonders die beiden
Flügel der Division konnten trotz aller Anstrengung nicht weiter vordringen und
waren hinter dem Gentrum zurückgeblieben, welches Erzherzog Albreeht persön-
lich commandierte.
Schon hatte der Gorps-Gommandant den Befehl ertheilt, im Falle des Miss-
lingens des Angriffs auf die Stadt, sich in die frühere Stellung zurückzuziehen, als
dem Erzherzog die Meldung zukam, dass Oberst Benedek mit einem Bataillon
Gyulai-Infanterie in die Stadt eingedrungen sei, hinter ihm aber feindliche Golonnen
aus den Flanken in die Stadt nachdrängten.
Alsogleich ordnete Erzherzog Albrecht einen nochmaligen Angriff des
Gentrums an, drang mit demselben in die Stadt ein und besetzte dieselbe,
wodurch es dem Obersten Benedek möglich wurde, die ihm nachrückenden feind-
lichen Truppen gänzlich abzuschneiden und seine mittlerweile am anderen Ende
der Stadt eingeleiteten Maßregeln mit so glänzendem Erfolge auszuführen, dass
im ganzen bei 2000 Mann mit 6 Stabs- und einigen 50 Oberofficieren. über
130 Pferde, 5 Kanonen, 2 Pionnier-Requisiten wagen, und viele Karren in unsere
Hände fielen.
Am Tage der Schlacht bei Novara am 23. März legte Erzherzog Albrecht
noch höhere Beweise seiner persönlichen Tapferkeit, sowie seines Feldherrn-
talentes ab.
Von Nibbiola, wo das Gros der vor Novara auf Vorposten gestandenen
Avantgarde-Division des Erzherzogs Albrecht sich befand, sollte die ganze
Division mu h der vom Corps-Gommandanten ertheilten Disposition auf der Haupt-
straße nach Garbagna rücken, um von dort den Angriff auf die feindliche Stellung
einzuleiten.
Erzherzog Albrecht hatte jedoch schon am frühen Morgen, noch ehe ihm
die Disposition des Gorps-Gommandos zugekommen war, das vorliegende Terrain
recognoscieren lassen und sich dadurch die Überzeugung verschafft, dass der von
Nibbiola gegen Novara seitwärts der Hauptstraße ziehende, theilweise bewaldete
Höhenzug dem Vertheidiger viele Vortheile biete und besonders Unternehmungen
gegen die Flanke des auf der Hauptstraße vorrückenden Angreifers begünstige.
Aus diesem Grunde hatte der Erzherzog nach der Recognoseierung den
Entschluss gefasst, eine der ihm unterstehenden Brigaden auf jenen Höhen in der
linken Flanke, die andere aber ä rheral der Ghaussee gegen Novara vorrücken
zu lassen.
An diesem Entschlüsse hielt Erzherzog Albreeht im wesentlichen auch
dann fest, als ihm die Disposition des Gorpri-Gommandanten zukam, wonach er mit
seinen gesammten Kräften auf der Ghaussre gegen Novara vorgehen »olltc.
Die Wichtigkeit einer Detachierung auf jene Höhen in die linke Flanke der
Haupt-Golonne mit scharfem Blicke erfassend, übernahm es Erzherzog Albrecht
auf eigene Verantwortung, abweichend von dem erhaltenen Befehle den Obersten
Grafen Kielmannsegge mit einem Bataillon Paumgartten, einer Division Jäger,
Digitized by Google
Groflkreui des M. T.-O FM. Erzherzog Albrecht.
einem Flügel Husaren und 2 Geschützen von Nibbiola auf dem Wege über
Montarsello gegen Novara zu entsenden, um längs des Höhenzuges die linke
Flanke der Haupt-Colonne zu cotoyieren.
Diese Anordnung zeigte sich im späteren Verlaufe des Gefechtes von großem
Nutzen.
Mit ebenso scharfem Blicke erkannte Erzherzog Albrecht gleich nach
Beginn des Gefechtes auf der Anhöhe links der Straße die Häusergruppen von
Bicocca als den wichtigsten Punkt der ganzen feindlichen Stellung. Dieser Punkt
wurde durch das am linken Flügel vorrückende Infanterie-Regiment Erzherzog
Franz Carl im ersten Anlaufe erstürmt und besetzt. Der Feind griff jedoch Bicocca
wiederholt mit überlegenen Kräften an. Nach zweistündigem, hartnäckigen Gefechte
wurden die eigenen Truppen geworfen und zogen sich in ziemlicher Unordnung
zurück.
Im Augenblicke dieser höchsten Gefahr erschien Erzherzog Albrecht auf
dem Platze und traf mitten im heftigsten Feuer mit kaltblütiger Herzhaftigkeit die
erforderlichen Dispositionen.
Mit der rasch vorgezogenen Reserve, bestehend aus 2 Bataillonen Gyulai-
Infanterie nebst kleineren Abtheilungen anderer Regimenter, dann einer Fuß- und
einer Raketen-Batterie, hielt Erzherzog Albrecht den vordringenden Feind auf;
gleichzeitig ordnete er mit aller Anstrengung die versprengten Abtheilungen und
leitete persönlich die Vertheidigung der letzten Häuser.
Dank seinem umsichtigen Eingreifen und der ferneren Behauptung diese?
wichtigsten, zugleich aber auch gefährlichsten Punktes, gegen sechsfache Über-
legenheit, war das Gefecht hier wieder völlig hergestellt.
Während dieses Kampfes hatte sich aber der Feind in der linken Flanke
des Erzherzogs immer mehr ausgebreitet und war schließlich schon so weit
vorgedrungen, dass hieraus die Gefahr vollständiger Umgehung, sowie des Ver-
lustes der mit vieler Anstrengung und mit vielen Opfern eroberten Häusergruppen
bei Bicocca entsprang, umso mehr als dem Erzherzog keine Reserven mehr zu
Gebote standen. Da langte eben das von dem Erzherzog in die linke Flanke ent-
sendete Detachement des Obersten Kielmannsegge zu Torre di Quadro auf
dem Kampfplätze an und leistete dem überlegenen Angriffe des Feindes so
tapferen Widerstand, dass er. dieses Detachement für die Avantgarde eines nach-
rückenden Corps haltend, von weiterem Vordringen in der linken Flanke abließ.
Auch auf den weiteren Verlauf der Schlacht übte die durch Erzherzog
Albrecht selbständig disponierte Sicherung der linken Flanke wesentlichen Ein-
fluss. Es wurde nur dadurch ermöglicht, den wichtigsten Punkt der Schlachtlinie,
die auf der Höhe gelegenen Häusergruppen festzuhalten, bis die Division
Lichuowsky eintraf, mit derselben dann den Feind neuerdings anzugreifen und
nach und nach aus seiner festen Stellung in die Stadt Novara zurück zu werfen.
Erzherzog Albrecht führte auch da die bataillonsweise eintreffenden Ver-
stärkungen persönlich gegen den Feind und leitete dessen Verfolgung bis über
Bicocca.
Digitized by Google
238 MV. bis GLXVIII. Promotion. - Im Kriege von J 800. - Italien.
So hatte es Erzherzog Albrecht, wie ihm der Corps-Commandant bezeugte,
durch sein standhaftes Festhalten auf dem linken Flügel und seine einsichtsvolle
Gefechtsführung möglich gemacht, dass das II. Armee-Corps mit 1G.0OO Mann
gegen 50.000 Piemontesen durch sechs Stunden mit abwechselndem Glück fechten
konnte, bis das Eingreifen des III. Armee-Corps den Kampf und den Bückzug
des Feindes nach Novara noch vor dem Eintreffen der übrigen Armee-Corps
entschied.
FM. Graf Radetzky sprach sich in dem Zeugnisse, welches er dem Erz-
herzog AI brecht über dessen Verhalten gab, unter anderem folgendermaßen aus:
, Zweimal im Laufe des letzten Feldzuges haben Seine kaiserliche
Hoheit sieh die gerechtesten Ansprüche auf den Maria Theresien-Orden
erworben, und zwar in dem sehr rühmlichen Treffen von Mortara, sowie in der
Schlacht von Novara.
Seine kaiserliche Hoheit drang an der Spitze seiner Sturm-Golonnen in die
Stadt Mortara ein. In der Schlacht von Novara bildete der Erzherzog mit
seiner Division die Avantgarde.
Das II. Armee-Corps, insbesondere aber die seinen linken Flügel bildende
Division des Erzherzogs, war nun durch mehrere Stunden den übermächtigen
Angriffen eines mit Entschlossenheil angreifenden Feindes ausgesetzt. Dieser
gewann hier mehrmal Boden, allein die höchst einsichtsvollen Dispositionen, die
unerschütterliche Tapferkeit des Erzherzogs und seine unvergleichlichen Truppen
vermochte nichts zu überwältigen, sie behaupteten ihre Stellung, bis das III. und
IV. Corps in die Linie einrückten und nun die Niederlage des Feindes vollendeten.
Der Erzherzog hat an beiden Tagen die Talente eines einsichtsvollen Generalen,
und den Muth eines tapferen Soldaten entwickelt. Ich unterfertige dieses Zeugnis mit
der Zuversicht, dass er eine Zierde des Maria Theresi en-Ordens sein wird."
Auf Grund der im Kriege gegen Piemont im Jahre 1849 in dem Treffen bei
Mortara am 21. und in der Schlacht bei Novara am 23. März vollbrachten
Waffenthaten geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister über Votum des Ordens -Capitels kraft Promolion CL1II vom
29. Juni 1849 Seine kais. königl. Hoheil den FML. Erzherzog Albrecht zum
Commandeur des Maria Theresi en -Ordens zu promovieren.
In der Folge wurde Erzherzog Albrecht anlässlich seiner Verdienste in dem
Kriege 1848/49 auch mit dem Militär-Verdienstkreuze ausgezeichnet
So gieng Erzherzog AI brecht gleich au* dem ersten Kriege im 32. Lebens-
jahre als siegreicher Unterfeldherr hervor, in welchen der Oberste Kriegsherr
sowie die Armee und das gesammte Vaterland für die Zukunft gleich hohes Ver-
trauen setzten.
Am 11. October 1849 designiert zum Gouverneur der Bundesfestung Mainz,
wo er jedoch nur kurze Zeit zubrachte, ward er kurz darauf, am lfi. October zum
Commaridanten des III. Armee-Corps in Böhmen, am 11. März 1850 zum Militär-
Conimandanten in Prag ernannt und auf letzterem Posten am 11. September 1850
zum General der Cavallerie befördert.
-*
Digitized by Google
Urofikreuz des M. T.-O. FM. Erzherzog Albrecht.
239
Am 12. September 1851 erfolgte seine Berufung zum C om m and ante n der
III. Armee und gleichzeitig zum Militär- und Civil-Gouverneur des König-
reiches Ungarn.
Am 13. Juli 1852 wurde er mit dem Großkreuz des St. Stephan-
Ordens ausgezeichnet.
Im Jahre 1854 marschierte er mit der III. Armee nach Siebenbürgen und
der Bukowina aus, führte dann aber wieder das Commando in Ungarn, im ganzen
fast durch neun Jahre.
Während des Krieges gegen Frankreich und Piemont im Jahre 1850
war Erzherzog Albrecht bestimmt, im Falle sich der Deutsche Bund andern
Kriege gegen Frankreich betheiligen würde, das österreichische Contingeut
eventuell die Bundesarmee am Rhein zu commandieren, aus welchem Anlasse er
vorläufig sein Hauptquartier nach Wien verlegte.
Während sodann der Oberste Kriegsherr auf dem Kriegsschauplatze in
Italien im Felde stand, war Erzherzog Alb recht berufen, die fortgesetzten
Rüstungen und Neuaufstellungen während des Krieges zu leiten.
Erzherzog AI brecht kehrte indessen auch nach beendetem Kriege nur mehr
auf kurze Zeit auf seinen Posten nach Ungarn zurück, indem er von demselben
am 19. April 1860 über seine Bitte enthoben wurde.
Im Laufe des Sommers von 1860 wurde der Erz herzog mit der Inspicierung
der Truppen in verschiedenen Gebieten der Monarchie beauftragt.
Am 20. October 1860 erfolgte, wieder über eigene Bitte, seine Ernennuug
zum Commandanten des VIII. Corps in Italien, wo um jene Zeit einer Erneuerung
des Krieges entgegen gesehen wurde. Er führte dies Commando durch zwei Jahre.
Am 4. April 1863 geruhte Seine Majestät der Kaiser den Erzherzog
Albrecht zum Feldmarschall zu befördern, zum Vorsitze in Commissionen für
Heeresorganisation und sonstige wichtige militärische Angelegenheiten zu berufen
und fallweise mit Inspicierung der Truppen in verschiedenen Generalaten zu
beauftragen.
Im Jahre 1866 beim Herannahen des Krieges gegen Preußen und
1 talien übertrug Seine Majestät der Kaiser dem Erzherzog Albrecht das Com-
mando über die k. k. Süd- Armee, welches derselbe am 9. Mai übernahm.
„Fast Alle. Führer und Truppen* — lautete in dem betreffenden Armee-
Befehl des Erzherzogs Begrüßung — „sind Mir bekannt; mit den meisten ver-
binden Mich überdies die ruhmreichen Erinnerungen an unsere Kämpfe von 1848
und 1849 auf diesem blutgetränkten Boden. ..."
Mit begeisterter Zuversicht begrüßte, trotz mehr als dreifacher Obermacht
des Feindes, die kleine aber von dem Geiste des Siegers von Morlara und
Novara erfüllte Süd- Armee ihren erlauchten Armee- Commandanten.
Bevor nun nachfolgend das persönliche Wirken des Erzherzogs Albrecht
während dieses Krieges in knappen Strichen zur Darstellung gelangt, heißt es
mehrere Momente von wesentlicher Bedeutung für den Verlauf des Feldzuges in
Italien kurz hervorzuheben.
Digitized by Google
240 CLXIV. bis CLXVin. Promotion. - Im Kriege von 18(56. — IUlien.
Die Operations- Armee, mit welcher Erzherzog Albrecht im Felde auftreten
konnte, hatte nur einen streitbaren Stand von rund 70.000 Mann, 3500 Reitern
und 168 Geschützen.
Dagegen zählten die zu Operationen aufgebotenen italienischen Streitkräfte
rund 240.000 Mann, 10.000 Reiter und 450 Geschütze, welche zum Einbrüche ins
österreichische Gebiet bereit standen.
Diese mehr als dreifach überlegenen feindlichen Streitkräfte waren jedoch
in drei Gruppen zersplittert. Außer den gegen Tirol aufgebotenen Freischaren in
der Stärke von 35.000 bis 40.000 Mann standen nämlich und zwar unter dem
König Victor Emanuel circa 120.000 Mann, 7200 Reiter, 282 Geschütze, in der
Lombardie, um von Westen über den Mincio, — ferner unter General Cialdini circa
80.000 Mann, 3600 Reiter, 1C8 Geschütze zwischen Bologna und Ferrara. um von
Süden über den unteren Po in das österreichische Gebiet einzufallen.
Erzherzog Alb recht erkannte den Vortheil, den ihm die nach dieser Kräfte-
Vertheilung muthmaßliche Operations weise des Gegners bot, und hatte auch
den seltenen Muth, diesen Vortheil zu benützen. In einem am 3. Juni Seiner
Majestät dem Kaiser unterbreiteten ausführlichen Berichte legte Erzherzog
Albrecht mit Ruhe und Klarheit seinen Operationsplan mit folgenden präg-
nanten Worten dar:
„Unter diesen Umständen nun kann ich, um beide Gegner gleichmäßig im
Auge und in Schach zu halten, mir nur eine Centraistellung an der Etsch zwischen
Montagnana und Lonigo als zweckdienlich denken, weil ich von dieser aus
theils von Verona, theils von der unteren Etsch bei Badia, nur eines for-
cierten Marsches bedarf, um den zunächst mir eine Blöße bietenden Gegner mit
mehr oder minderer Chance des Erfolges zu fassen."
Hiebei lenkte allerdings eine Reihe von wichtigen Umständen den Blick des
Erzherzogs hauptsächlich gegen den Minc io: die größere Stärke des Gegners im
Westen: die Anwesenheit des Königs bei der westlichen Gruppe; die leichtere
I'assierbarkeit des Mincio-Terrains im Vergleiche mit dem Gebiet zwischen dem
Unterlaufe des Po und der Etsch; die dadurch verhältnismäßig verminderte
Gefahr eines feindlichen Einfalles von Süden für die eigenen Verbindungen,
endlich die größere Chance im Falle eines Sieges über den König.
Erzherzog Albrecht fasste auch schon in der eisten Hälfte Juni endgiltigen
Beschluss. falls sich ihm die Gelegenheit bieten sollte, vor allem den König zu
schlagen, und dazu beinahe alle seine Macht zu verwenden, gegen den südlichen
Gegner aber nur soviel an Truppen zurückzulassen, als zur Beobachtung desselben
und zur Niederhaltung der insurrectionssüchtigen Bevölkerung unumgänglich
nothwendig war.
Zunächst bot Erzherzog Albrecht alles auf, um die Bewegungen des
Königs scharf im Auge, den eigenen Plan aber so geheim als möglich zu halten.
Sowohl um die Übergangspunkte der Min cio- Strecke zwischen Goito und der
Festung von Pcschiera direct zu beobachten, als um jede Auskundschaftung der
eigenen Maßnahmen möglichst hintanzuhalten, ordnete der Erzherzog am 4. Juni
Digitized by Google
»in.ßknu/ de- M. T.-U. KM. Irf.Uwv Albrc lit.
211
die sehfuTsle Bewachung der ganzen Grenze von Peschiera entlang dos Mincio
und des Po bis zu dessen Mündung an.
Das ins Auge gefasste Ziel unersebütterlicb festhaltend, anderseits mit allen
strategischen Factoren unausgesetzt reebuend, fand es Erzherzog Albrecbt auf
('•rund der im Hauptquartier eingelaufenen Naehricbten über die Annäherung des
Feindes gegen den Mincio und Po am II. Juni an der Zeit, die Concentrierung
der Corps am linken Ufer der mittleren Et sc Ii vorzubereiten. Am 12. Juni erließ
er den Befehl zur Durchführung der Concentrierung bis 11. abends.
Im letzten Moment noch schuf sich Erzherzog Alb recht zu den vorhandenen
Corps der Süd-Armee als vierte Einheit eine Reserv e-Infanterie-Di visi on,
indem er nicht zögerte, selbst Truppen der Besatzungen von Verona und
Venedig zwei zum Stabs- oder Festungsdienste bestimmte vierte Bataillone,
ferner die aus Depüt- Compagnien innerösterreichischer Jäger-Bataillone neu
gebildeten combinierten Jäger-Bataillone, endlich ein Grenz-Kegiment mit größt-
möglicher Beschleunigung heranzuziehen.
Am 15. Juni standen die hauptsächlichsten Theile der Süd-Armee auf dem
linken Ufer der mittleren Etsch concentriert.
Damit waren die Operationen eröffnet.
Die weitere Kriegführung des erlauchten Feldherrn sammt der glorreichen
Wallenthal von Custozza am 21. Juni findet ihre lichtvollste Darstellung durch
den an Seine Majestät den Kaiser unmittelbar nach der Schlacht erstalteten
Schlachtbericht Seiner k. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs
Alb recht selbst.
Dieser vom Schlachlfelde. noch unter dem unmittelbaren Eindrucke der
Geschehnisse am Tilge nach der Schlacht — <h dato Hauptquartier Zerbare am
25. Juni 18GG — verfasste und darum doppelt denkwürdige Schlachtbericht
lautet, wie folgt:
»In meinem letzten a. u. Berichte vom 15. d. M. Nr. 061/Op. geh. hahe ich
Eurer Majestät gemeldet, daß ich die Armee auf die Linie zwischen Meglia-
dino San Vitale, Montaguana, (Bologna, Lonigo, Albaredo, Bonifacio
in der Absicht versammelt halte, um dieselbe von da aus in jene Richtung zu
werfen, wo die Hauptkraft des Gegners in das kaiserliche Gebiet einfallen werde.
Die Brigade GM. Baron Scudier hatte hiebei den Pu mit dem DJ.
Hußaren-Begiment und dem 10. Feld-Jäger-Bataillon von Adria bis Ficcarolo
zu beobachten; der Po-Districkt am rechten Ufer wurde zwischen Quatrelle,
Sermide und Revere von zwei Compagnien E. II. Albrecht der Besatzungs-
Iruppeu aus Legnago beobachtet; die Mincio-Linic von Goito bis Salionze
durch die für diesen Zweck zusammengesetzte Cavallerie-Brigade Oberst Pulz.
bestehend aus dem lu" Hußaren-Rgmte Kaiser Franz Joseph, dem L5'1"
Uhlanen-Rgmte Graf Trani, dem zeitlich von der Brigade GM. Möring zuge-
teilten 21u" Feldjäger-Bann.
Am 2Ul,n d. Mls. gegen Mittags übernahm ich das auf den Vorposten bei
Le Grazie zunächst Mantua übergebene Schreiben La Marmora's, welches
Mil.tünscl.c-i M.m> Tlivrciin-Uidni, W>
pigitized by Google
12
■
CLX1V. Li» CLXV1II. hom-tion. - Im Krage von t Stift. - Italien.
die Kriegserklärung enthielt; da dasselbe eine dreitägige Frist für den Beginn
der Feindseligkeiten festsetzte, so war anzunehmen, daß dieselbe am 23,c" Juni
Morgens 7 Uhr. d. i. von der üibergabsstunde bei Le Grazie gerechnet beginnen
würden.
Wie ich jedoch darthun werde, brachen schon am 21'"D sardinische Frei-
willige in s Daone-Thal (ludiearien) ein und vertrieben dort ein k. k. Ticket.
Den eingegangenen Kundschaftsberichten gemäß, schien kein Zweifel, daß
das piemontesische Hauptheer, welches zwischen dem linken Po -Ufer und den
in die lombardische Ebene auslaufenden Gebirgsfüßen mit 3 Armee-Corps stand,
den Mincio au mehreren Punkten überschreiten werde.
In der Voraussetzung, daß dieß im Laufe des 23l"D Juni stattfinden werde,
setzte ich die mir unterstehende Operations-Armee in nachstehender Weise
in Marsch :
Am 22Un Juni konzentrirte sich das 5'" Corps zwischen Montorio und
San Michele, das 0'° Corps bei San Martino, das 7,e Corps mit Ausnahme
der Brigade GM. Br. Scudier bei San Bonifacio; die Brigade GM. Br.
Benko der Reserve-Division rückte schon am 21,r" Juni von Albaredo über
die erst kürzlich durch Pioniere hergestellte Militärsirasse von Ponte Zerpa
über Mambrotta nach Campalto; am 22Un rückte dieselbe nach Parona
und am 23,e" nach Pastrengo. während der Reserve-Divisions Stab mit der
Brigade Oberst Prinz Sachsen -Weimar schon am 22u'n dahin abrückte.
Ich hatte die Absicht, für den Fall als der Gegner den Mincio über-
schreitend und die Armee hinter der Etsch in der vorbeschriebenen Stellung
wähnend, sicli diesem Fluße nähern würde, ihn rasch mit allen disponiblen
Sireitkräften in Flanke und wo möglich im Rücken anzufallen; die Aufstellung
der Reserve-Division GM. Br. Rodich zu Pastrengo hätte dieses Manöver
begünstigen sollen.
Am 23'1" Juni rückte die Armee in den Raum innerhalb der Befestigungen
Verona s auf das rechte Etsch-Ufer. u. /..: das 5,e Corps nach Chi evo, das
7,e nach San Massimo, beide durch die Stadt Verona; das 'J,e Corps
über Campalto und die bei Ca Buri zunächst dem Lazaretto über die
Etsch geschlagene Kriegshrücke nach Santa Lucia.
Die iim 22,ü" Juni heiRovigo konzentrirte Brigade Scudier mit dem
1 '.)'«•' lull. Rgte. Kronprinz E II. Rudolph, den. 4-S1«" Inftr. Rgte. E II. Ernst, der
Brigade-Batterie und Brigade-Train wurde im Laufe der Nacht vom 22' " zum
■>'AU« mittelst Eisenbahn nach Verona überführt;
Oberst Graf Szäpary mit dem 1 3Un IIußaren-Rgmte und dem 10u"Jägcr-
Baon halle die Po-Beobachtung fortzusetzen und war beauftragt, beim Uiber-
schreilcn desselben Seitens des Gegners sich theils über Rovigo theils über
Badia an die Etsch und Wetters über diese zurück zu ziehen.
Die bei Conegliano stehende Streifbrigade Oberst Zastavnikovic
traf, 1 Baun. Wimpfien Inftr. Nr. 22 in Bellum) und Feltre. 2 Kompagnien in
Treviso zurücklassend und mit 2 Kompagnien Vicenza besetzt haltend, theils
Digitized by Google
Oroßkreu* Je* M. T.-O. FM. Er/her/.«.» Albreclil.
21 :i
mit Eisenbahn theils mit Fussmärsehen am 22''° und 23,cn in Padua ein; sie
hatte den Auftrag, für den Fall, als sie durch Uibermacht gedrängt würde,
fechtend nach Vicenza und sofort nach Verona zurück zu gehen.
Die am Mincio stehende Cavallerie-Brigade Oberst Pulz hatte den Auftrag,
sich, jedes nachhaltige Gefecht vermeidend und mit dem Gegner in steter Fühlung
verbleibend, langsam über Villafranca nach Verona zurück zu ziehen.
. . . Der Gegner begann im Laufe des *2Ven Juni bei Molin di Volta
zunächst Po zzolo eine Brücke zu schlagen: unsererseits wurde er hieran in
keiner Weise behindert.
Am 22hn um 11 Uhr Abends überschritt er den Miucio bei Goito,
Pozzolo, Vallegio, Monzambano, wiewohl zögernd: am Vormittage des
23,,tn räumten die Abtheilungen der Cavallerie-Brigade Pulz Villafranca,
nachdem alle anderen südlich davon gestandenen Abtheilungen aufgenommen
waren; der Gegner besetzte Villafranca erst nach 2 Uhr Nachmittags mit
Bersaglieri und entsendete starke Cavallerie-Colonnen mit Geschütz in der
Bichlung gegen Dossob uono, wo gegen 4 Uhr Nachmittags mit der Cavallerie-
Brigadebatterie einige Kanonenschüsse gewechselt wurden. Die Brigade Pulz
lagerte in der Nacht vom 23,K" zum 24,,n Juni zunächst dem Fort Gisela.
Der von mir am Vormittage des 23*«*" zur Recognos» innig entsendete
Generalstabs -Oberst Baron Bueber meldete um 2 Uhr Nachmittags aus
Sommacampagna, daß dieser Ort, so wie das Hügelland gegen Süden vom
Feinde noch nicht besetzt sei: lange gedehnte Staubwolken im Süden von Villa-
f ran ca deuteten jedoch darauf hin, daß der Gegner in mehreren Colonnen gegen
Osten die Ebene durchschreite. Ich beschloß demnach noch im Laufe des
23'"n, das Hügelland zwischen Sommacampagna und Sandra zu gewinnen.
Domgemäß rückte die Brigade Oberst Prinz Sachsen Weimar der
Beserve-lnfanterio-Division, über welche GM. v. Bupprechl den Befehl führte,
da ob bedenklicher Erkrankung des General der Cavallerie Fürst Friedrich
Liechtenstein der General - Major Baron Bodich das Kommando des
5le" Armee Corps übernahm, — nach Satidrä und sollte gegen Castelnuovo
detachiren.
Das 5U' Corps rückte nach Sona und poussirle die Avantgarde südlich
in der Bichtung gegen Zerbare. Ebenso rückte das 9'" Corps am 23,L" nach
Santa Lucia und das 7'" Corps nach San Massimo und mußten, namentlich
das letztere Corps, welches bei drückender Hitze und Staub den langen und
ermüdenden Marsch von San Bonifacio nach San Massimo zurückgelegt
hatte, über Nacht in dieser Aufstellung verbleiben.
Mein Hauptquartier wurde am 23,v" Abends nach San Massimo verlegt.
Um 3 Uhr Morgens des dV"a Juni rückte das 9l" Armee-Corps in gerader
Bichlung auf Sommacampagna;
das 7le Armee-Corps hatte die Bestimmung als Beserve zu dienen, und
erhielt die Bichtung auf Sona. während das ü'" Armee-Corps angewiesen war,
zeitlich Morgens bei Festhallung Sona's bis zum Anlangen des 7'"" Corps San
Digitized by Google
2M
CLX1V U- i:i.XVIII. IYnm..ti..n - Im Kr\egv v.m Italien.
Giorgio in Saliee, — die Infanterie-Rest rve-Division aber Castelnuovo
vollständig zu besetzen.
Ferners wurden den bei den Armee-Corps eingctheilteu Cavallerie-Regi-
mentern 8 Eseadrons entnonunen, selbe dem Obernien Bujanovics als?
Brigadier zugewiesen und mit der Unterstellung unter das Goinmando des
Obersten Pulz mit dessen Brigade vereint; sie halten die Bestimmung, am
24. Juni am linken Flügel des 9ten Corps in der Richtung von Custozza
vorzurücken und derart die linke Flanke der Armee zu decken.
Für den eventuellen Rückzug dienten 3 Brücken und zwar eine halb-
permanente bei Pol di Pastrengo, ferners zwei für diesen Fall geschlagene
Pionnier- Kriegsbrücken, nämlich eine bei Ponton und eine bei Pescantina.
Der Feind, welcher im Laufe der Nacht vom 23,,n zum 24,eu Villafranca,
Custozza, Monte Mamaor und Monte Vento besetzt und auf seinem linken
Flügel bis Castelnuovo poussirt hatte, mochte das Vorbrechen der kaiserliehen
Armee aus Verona in Erfahrung gebracht haben, denn schon mit grauendem
Morgen des 2tUn waren dessen Vortruppen in beträchtlicher Starke auf der
Linie San Rocco di Palazzuolo, Fenile, Corte, Oliosi vorgeschoben,
namentlich Letzteres sehr stark besetzt.
Aus dem sueeessiven Erscheinen großer Heeressäulen auf dem Monte
Vento, Monte Mamaor, Monte Godio, wie nicht minder aus dem Auftreten
größerer Cavallerie- und Infanterie-Massen bei Villafranca und südlich von
Sommacampagua ist zu schließen, daß der Feind alle gegen Osten dirigirlen
Colonnen in der Erkenntniß zurückgerufen habe, daß er die ganze kaiserliehe
Operations- Armee vor sich habe.
Gegen 7 Uhr Morgens entspann sich ein heiliger Artilleriekampf in der
vorbezeichneten Linie.
Die Reserve-Division am rechten Flügel bei Alzarca, das 5le Corps öst-
lich von San Giorgio in Saliee, das 0to Corps bei Sommacampagua mit
Besetzung von Zerbare, bewirkten mittlerweile den Aufmarsch;
unser Karionenfeuer, kaltblütig und mit bewunderungswürdiger Präzision
abgegeben, wirkte nachhaltig, wiewohl die Gegner eine überlegene Anzahl von
Geschützen successive ins Gefecht brachten; sie schössen jedoch übereilt und
meistens zu hoch. Successive entbrannte der Kampf auf der ganzen Linie.
Ich befahl dem \)u" Corps, Sommacampagua und die Höhen von
Casa del Sole unter allen Umständen festzuhalten und nach Thunlichkcit
kräftigst über Staffalo gegen Custozza vorzudringen, die Lücke zwischen
dem 9' und -V Corps wurde durch die Brigade GM. Baron Scudier des 7''"
ausgefüllt.
Dem ■j1"' Corps und der Reserve-Division war, eisterem die Vorrückung
über San Rocco di Palaz/.olo. der Letzteren gegen Oliosi vorgezeichnet.
Diese Aufgabe wurde derart gelöst, daß die Brigade GM. Baron Piret
des .V " Corps im Verein mit der Reserve-Infanterie-Division, den mittler-
weile durch unser Geschützleuer theilweise in Brand gerathenen Ort Oliosi,
Digitized by Google
Gmßkreuz <lo- M. T.-Ü. PM Erzherzog Albre M.
245
trotz hartnäckiger Gegen wehr und Irot/. dem, daß mehrere feindliche, am Nord-
abhang dos Monte Vento aufgefahrenen Batterien unsere Sturmcolonnen mit
einem verheerenden Geschützfeuer empfingen. — mit glänzender Bravour
eroberte.
Die zwei anderen Brigaden des 5'°" Armee-Corps GM. Möring und Oheist
Bauer nahmen mittlerweile die Gehöfte von Corte und San Rocco di Pallaz-
zolo:
Die Brigade GM. Baron Seudier vom 7teD Corps rückte im fortwährenden
hartnäckigen Kampf von Zerbare gegen Monte G od io; — sucecssive rückte
von diesem Corps noch die Brigade Oberst Töply und später auch bei den
unter drückender Hitze stattfindenden blutigen Kämpfen um den Besitz des
Monte Godio die Brigade Oberst Graf W elsersheimb dieses Corps in die
Schlachtlinie.
Zwischen 1 und 3 Uhr Nachmittag nahm das 5'" Corps mit einer Brigade
den Monte Vento — mit den beiden anderen aber Santa Lucia und den
Monte Mamaor unter fortwährenden hartnäckigen Kämpfen.
Die Reserve-Division gelangte inzwischen bis Salionze und pous-
sirte gegen Valeggio.
Trotz den Anstrengungen von Seiten des 9,- n und 5,eu Armee-Corps war es
bis 3 Uhr Nachmittag nicht gelungen, Custozza zu nehmen.
Ich sah mich daher veranlaßt anzuordnen, daß den von sengender Hitze
und Anstrengung zum Theil erschöpften Truppen eine kurze Rast gegönnt und
sodann vom 7,'n Armee-Corps und mit Beiziehung einer Brigade des V'" Corps
ein letzter Versuch gemacht werde, das hartnäckig und mit viel Bravour vom
Feinde vertheidigte Custozza zu nehmen.
Bald jedoch, und noch bevor mein Befehl dahin gelangte, setzte sich das
7. Corps um 1 Uhr Nachmittags in den Besitz der Höhe des Monte Arabica
und Belvedere, wobei es durch das wohlgenährte Feuer der, bei Ca del Sole
aufgestellten Geschütze des 0. Corps wirksam unterstützt wurde. Noch blieb die
schwierige Aufgabe der Wegnahme von Custozza und des Monte Tone, so
wie die Abwehr der feindlichen unausgesetzten und heftigsten Angriffe gegen
das 9U> Corps bei Sonnnacampagna und auf der Höhe bei Ca del Sole; —
der Feind unter der Führung der königlichen Prinzen Humbert und Ama-
deus, versuchte mit seinen Kerntruppen bei Staffalo vorzudringen und Cu-
stozza zu behaupten; allein das *)tr Corps schlug jeden Angriff energisch ab
und das 7'", unterstützt durch die von mir dahin beorderte Brigade des " Corps,
nahmen gegen 7 Uhr Abends Besitz von Custozza.
Die Resei ve-Cavallerie unter Oberst Pulz im Vereine mit den 8 Esca-
dronen der Brigade Oberst Bujanovics hatte von i Uhr Morgens des bis
in die sinkende Nacht in einer R<ihe von Gefechten mit abwechselndem Glücke
gegen den Gegner gekämpft.
Diese tapfere Cavallerie-Truppe, welche in Bravour und Hingebung unter
ihrem vortrefflichen Führer beinahe Unglaubliche-; g« .gm Reiterei und Infanterie
Digitized by Google
C.LXIV. Im CLXV1II. Proinoticu. — Im Kriege von 186C. - Haiku.
geleistet, hatte namhafte Verluste, die sie zumeist durch ihre ungestüme Tapfer-
keit erlitt.
Nach eingebrochener Dunkelheit wurden die 2 Cavalleric-Brigaden hinter
Dossobuono zurückgezogen.
Noch bis Uhr Abends wiederhallte das Geschützfeuer beim °-,en Corps
und bei der Brigade Pulz: der Feind halte jeden Widerstand aufgegeben und
lange Staubwolken gegen Goito und Valeggio bezeichneten seinen Rückzug
über den Mincio.
Man kann dem Gegner das Zeugniß nicht versagen, daß er sich hartnäckig
und mit Bravour schlug; namentlich waren dessen erste Angriffe ungestüm und
die Offiziere gingen mit gutem Beispiel voran.
Der Gegner brachte unter den Augen des Königs und unter der Leitung
der königlichen Prinzen Humbert und Amadeus, welch' letzterer verwundet
sein soll, die ganzen Armee-Corps der Generale Durando und Deila Bocca.
dann, wie durch die Aussagen der Gefangenen erhellt, auch große Theile des
Corps Cucchiari und mehrere Cavallerie-Begimenter, — im Ganzen bei 11 In-
fanterie-Divisionen mit circa 100.000 Mann und den größten Theil seiner Armee-
Geschütz-Reserve in den Kampf: doch der altbewährten und ausdauernden
Tapferkeil und Hingebung der kaiserlichen Truppen vermochte er nicht zu
widerstehen.
Er erlag abermals und zwar gerade an dem Orte, wo das österreichisch«'
Heer schon vor 18 Jahren unter der ruhmreichen Führung des Feldmarschalls
Gnifen Badetzky einen herrlichen Sieg erkämpfte: die jüngeren Krieger waren
ihren älteren Brüdern von Custozza vollkommen ebenbürtig.
Indem ich Eurer Majestät in diesem Berichte nur die Hauptumris.se
dieser Schlacht a. u. zur Kenntniß bringe, glaube ich die Detailberichte der
Commandanten abwarten zu müssen, um hierüber erschöpfend melden zir
können; vorläufig kann ich nur sagen, daß vom Corps-Oommandanten bis zum
Soldaten herab Jedermann in Hingebung und Treue für Monarchen und Vater-
land Alles geleistet hat, w;is in seinen Kräften stand.
Unsere Verluste an Tod teil und Verwundeten sind, wie es bei so ungestü-
mer Tapferkeit nicht anders sein konnte, immerhin nicht unbeträchtlich; —
nachdem die Detail-Bapporte hierüber jedoch norh nicht vorliegen, bin ich nicht
im Stande. Positives zu belichten.
Gelungene wurden nach beiläufiger Schätzung bei 3000 gemacht, worunter
eine beträchtliche Zahl von Offizieren; auch mehrere Kanonen wurden «lein
Feinde abgenommen: die Zahl derselben ist noch nicht koustalirt.
Ich halte den schönen Sieg von Custozza für um so nachhalliger, als
Symptome der Demoralisation und der Aullösung seitens des sardinischen Meeres
sich schon gegen Abend nach dem Verluste Custozza's durch zahlreiche
Gefangene beurkundeten, welche schon seit 18 Stunden ohne Nahrung waren.
Beim Bückzuge über den .Minicio verbrannte der Feind die Brücke
von Valeggio. daselbst über 500 eigene Verwundete zurücklassend: dess-
Digitized by Google
ttroßkreuz ile* M. T.-O. FM. Erelierzo? Albrecht.
247
gleichen räumte er nachts Villnfranca und ließ auch daselbst sehr viele
Verwundete.
Die mir unterstehende Armee hält heute Morgens zur Zeit der Berichter-
stattung nachstehende Punkte besetzt, u. z.
Reserve-Division in Salionze und Monte Vento, das 5,e Corps Monte
Mamaor, Monte Vento und hält mit der Brigade P i rot Valeggio besetzt;
das 7'" Corps Custozza und Monte Torre, Hauptquartier Monte Godio;
das 9'" Corps Sommacampagna; die 2 Cavallerie-Brigaden nordwestlich
Dossobuono.
Wie begreiflich, ist die Armee bei der drückenden Hitze des gestrigen
Tages und bei der anstrengenden Arbeit durch Müdigkeit so erschöpft, daß ich
die weiteren Früchte des Sieges um so weniger zu ernten im Stande bin, als die
Pferde der Cavallerie-Brigade seit 1 1 Uhr Nachts des 22,,n zum 23le" bis 10 Uhr
Abend des 24. Juni in unausgesetzter und anstrengender Thätigkeit waren, in
der wasserarmen Ebene des Trankes entbehren und heute unabweislich mehr-
stündiger Ruhe bedürfen.
Von sonstigen Vorfallenheiten am Kriegsschauplatz melde ich noch aller-
unterthänigst daß der Gegner gestern Morgens bei Polesella über den To
setzte, — unsere Posten haben sich, denselben im Auge behallend, ohne
Gefecht, wie vorne angedeutet, hinter die Etsch zurückgezogen.
Arn Garda-See hat der commandirende Corvetten-Capitän Man fron i
gestern ohne jedweden eigenen Verlust mit unseren Kriegsdampfern eine
Batterie vor Madern o beschossen.
Endlich meldet mir der Truppen-Commandant in Tirol, GM. Hr. Kuhn,
telegraphisch, daß heute Morgens (vom 24. auf den 25.) feindliche Abtheilungen
die Grenze am Tonale überschritten und unsere Vorposten alarmirlen.
Mit meiner Genehmigung wird heute eine halbe Brigade die lombardische
Grenze überschreiten und Sponda lunga aus militärischen Rücksichten
besetzen."
So der Schlachtbericht des Erzherzogs A Ihre cht . den er am Tage nach dem
Siege von Custozza an den Obersten Kriegsherrn erstattete.
Auf die noch am Sehlachttage selbst an Seine Majestät den Kaiser tele-
graphierte Meldung des Erzherzogs, in welcher er der außerordentlichen Tapfer-
keit und Ausdauer der Armee rühmend gedachte, geruhte der Oberste Kriegs-
herr ebenfalls sofort telegraphisch Seine Allerhöchste Anerkennung für den er-
rungenen Sieg mit den Worten kundzugeben:
»Dir und Meinen braven Truppen Meinen wärmsten Dank!"
.Waffenbrüder!" — hieß es dann im Anschlüsse an diese Allerhöchste Kund-
gebung in dem Armeebefehle des erlauchten Siegers — „den uns vom Feinde
aufgedrungenen Krieg habt Ihr mit dem herrlichen Siege von Custozza eröffnet.—
auf denselben Höhen, wo wir vor 18 Jahren gesiegt. Ich war Zeuge Kurer über-
wältigenden Tapferkeit, trotz der Übermacht und den ungestümen Augriffen des
Digitized by Google
24S
CLXIV. \,\- tt.XYlll. IVoHiolion. - Im Kra-fie von IW.O. - ||Mli«rii.
Gegners . . . Jt*ili*r von Eucli hat als Held gestritten, keine Wade ist der anderen
nachgestanden, jede hat in ihrer Eigenschaft das Äußerste geleistet ..."
So theiltc der Sieger von Custozza den errungenen Lorbeer mit seiner
tapferen Armee, welche ihm, als er am Tage nach der Schlacht gegen Abend die
Truppen in ihren Lagern besuchte, mit dankbarer Begeisterung entgegenjubelte.
Nachdem in der Folge über Allerhöchste Aufforderung des Obersten Kriegs-
herrn FM. Erzherzog Albrecht, anlässlich der Erfolge, welche die k. k. Süd-Armee
in der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 18tiü unter seinen Befehlen errungen,
und auf Grund des vorstehenden Schlachtberichtes als Thatbeschreibung, seine
Bewerbung an das Capitel des Maria Theresien-Ordens gerichtet halte, gendite
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister über
Votum des Capitels kraft Promotion CLXVI vom 29. August Seine kaiserl. königl.
Hoheit den Feldmarschall Erzherzog Albrecht zum Großkreuz des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren.
Nachdem Erzherzog AI brecht durch die Schlacht bei Custozza den
ersten Theil seines Kriegsplanes ausgeführt, den König geschlagen hatte, traf
er am 25. alle Dispositionen, um sich auf den General Cialdini zu werfen,
welcher nach Meldungen der Bcobachtungs-Truppen sich anschickte, den Po zu
überschreiten.
Zur Ausführung dieser Absicht des Erzherzogs kam es jedoch nicht, weil die
Niederlage des Köni gs auch den Bückzug Cialdi nis zur unmittelbaren Folge hatte.
Als durch die vorgesetidete Cavallerie-Brigade Pnlz festgestellt worden, dass
dieArmeedes Königs bis hinter den Oglio zurückgegangen war, ließder Erzherzog
am 1. Juli die Süd-Armee über den Mincio vorrücken, jedoch nur, um die even-
tuellen Operationen des Gegners zu beirren oder doch zu verlangsamen und
gleichzeitig diecig» ne Armee der mephitischen Luft des Schlachtfeldes durch eine
nicht allzugroß«' Vorwärtsbewegung auf einige Zeil zu entrücken.
, Wir müssen* — wies der Erz herzog, jedes gewagte Gefecht verbietend. die
Coinmandanten an — .unsere Kräfte schonen und für die näc hste Schlacht zusam-
menhalten, welche — wenn zu unserem Gunsten — wahrscheinlich das Schicksal
dieses Feldzuges entscheiden dürfte. E>iese Schlacht wollen wir. wenn thunlich,
abermals auf unserem Ehrenfeld von Custozza liefern.*
Schon am 3. Juli zog jedoch Erzherzog AI brecht infolge ungünstiger Nach-
richten vom Kriegsschauplätze im Norden die Armee wieder auf «las linke Mincio-
LTer zurück. Die Niederlage der Nord-Armee bei Königgrätz machte vollends
allen weiteren Plänen des erlauchten Fehlherrn auf dem italienischen Kriegs-
schauplätze ein Ende. Das erschütternde Ereignis, wovon Seine Majestät der
Kaiser den Erzherzog am 1. Juli vormittags in Kenntnis setzte, Heß aber dessen
Geist sofort zu der vollen Höhe des gesc hichtlichen Moments sich emporschwingen
und den erlauchten Feldhenu durch Bath und Thal die ganze Größe seines
Charakters entfalten.
.... Die Niederlage der Nord-Armee ist ein großes Unglück, aber des-
wegen do«-h noch nichts verloren. 1*09 folgte auf die Niederlage bei Begelis-
Digitized by Google
«ir.ißkiTiiz <le* M. To. FM. Er/lier/oc AlbrcrM.
hin g der schönste Sieg bei Aspern. Audi diesmal steht ein Gleiches in Aussicht,
wenn man weder bei der Armee noch im Volke Kleinmuth aufkommen lüsst.*
So heldenhaft fasste Erzherzog Albrccht in einem Telegramm an Seine
Majestät den Kaiser das Missgeschick der kaiserlichen Waffen auf; solchen
Sinnes richtete er die erschütterte Zuversicht der Armee und der Völker der
Monarchie durch sein Alle hinreißendes Beispiel auf.
Über sein Andringen wurde alsbald der Abmarsch des größeren Theiles der
Süd-Armee vom Mincio an die Donau beschlossen. Bis der Befehl hiezu eintraf,
suchte er nun die Armee vor jedem größeren Zusammenstoße mit dem Feinde zu
bewahren, anderseits alles zum schleunigen Abmarsch nach Norden vorzubereiten.
Er verstärkte die Besatzungen sämmtlicher venetianischen Festungen, übertrug
dem GM. Frh. von Kuhn die selbständige Verteidigung Tirols, dirigierte das
V. Corps über Tirol an die Donau, den Rest der Armee aber vor dem nunmehr
über den Po vorrückenden Feind hinter die I'iave.
Von Seiner Majestät dem Kaiser am 10. Juli zum Ober-Commandanten
der gesanimten operierenden Armee ernannt, erließ Erzherzog AI brecht
von Conegliano die weiteren Dispositionen für den Eisenbahn-Transport des
IX. Corps und den Marsch der Cavallerie-Brigade Pulz an die Donau und über-
gab das Commando im Süden an den FML. Frh. von Maroicic.
Mittels eines die Geister elektrisierenden Armee-Befehls setzte der Erz-
herzog die rückbleibenden Besatzungen in den venetianischen Festungen, im
Küstenlande und in Tirol zu Erben des Sieges von Custozza ein. denselben voll
ruhigen Vertrauens ein herzliches Lebewohl auf Wiedersehen zurufend, während
er jenen, die mit ihm gegen Norden zogen, mit fester Zuversicht die noch wichtigere
Bestimmung wies, der Welt zu zeigen, dass Österreichs Krall noch ungebrochen
sei, dass sie erst dem eigentlichen Enlscheidungskampfe entgegengehe.
Am 13. Juli Iraf Erzherzog Albrecht in Begleitung seines General Stabschefs.
FML. Frh. von John in Wien ein und übernahm mit derselben Zuversicht, mit der
er zwei Monate zuvor das schwierige Commando im Süden angetreten hatte, jenes
des Gesamnitheeres ebenfalls mit einem Annee-Befeh le. dessen von dem helden-
haften Geiste des erlauchten Heerführers durchwehte Sprache auch die Armee im
Norden trotz des erlittenen Missgeschickes mit neuer, fester Zuversicht erfüllte.
„Soldaten vom Norden und vom Süden! Treue wackere Verbündete aus
Sachsen! Vereint wie unsere Gefühle stets gewesen, wird nun auch unser Wirken
sein . . . Lasst uns mit vereinten Kräften das große Werk vollbringen, und uns
hiebei stets in Erinnerung halten, dass der Erfolg demjenigen zutheil wird, der
Kopf und Herz zugleich am rechten Flecke hat, der gleichzeitig ruhig zu denken
und energisch zu bandeln weiß und dass — möge das Glück begünstigen wen
es wolle — nur derjenige verloren ist, der sich einschüchtern lässt und sich selbst
aufgibt. . . .*
Diesen erhebenden Worten des Erzherzogs Albrecht folgte auf dem Fuße
die kraftvolle Thal. Binnen zwölf Tagen, bis zum 2r>. Juli, bewirkte Erzherzog
Albrecht die Com vnlricrurig der Nord-Armee von Ol mutz und des größeren
Digitized by Google
250
CIJÜV. bi« CLXVIII. Prom .Hon. Im Kriepe von 18f>6. - Italien.
Theiles der Süd-Armee aus Venetien hinter der Donau zwischen Wien und
Presshurg zu einer durch neue Aufgebote auf mehr denn 200.000 Mann ver-
stärkten, schlagfähigen Armee mit 800 Geschützen, welche nur mehr des Befehls
des Obersten Kriegsherrn harrte, um dem Feinde eine Hauptschlacht zu liefern.
Diese Dank der Energie und Feldherrnkunst des Erzherzogs so rasche und
kraftvolle Machtentfaltung trug das Ihrige dazu bei, um den Feind trotz diploma-
tischer Weiteningen zu veranlassen, ohne ferneren Kampf am 26. Juli die Hand
zu einem ehrenvollen Frieden zu bieten.
Eine ähnliche Machtentfaltung, von 130.000 Mann mit 135 Geschützen,
welche der Erzherzog unmittelbar nach dem im Norden geschlossenen Präli-
minar-Krieden. wieder im Süden am Isonzo ins Werk setzte, zwang im Vereine
mit der am 11. August mit aller Entschiedenheit ins Werk gesetzten Offensive
auch Italien trotz allen Widerstrebens, am 12. August den Waffenstillstand auf
Grundlage der seitens der Monarchie festgesetzten Friedenspräliminarien zu
schließen.
So trug Erzherzog Albrecht durch wahrhaft groß angelegte, mit bewunde-
rungswürdiger Energie blitzartig ausgeführte Operationen zu rascher Beendigung
des Krieges und überdies auch wesentlich dazu bei, die nachtheiligen Folge-
wirkungen des Kriegsunglückes im Norden auf ein thunlichst geringes Maß
einzuschränken, — unblutige, doch unvergängliche Thaten durch ihre Bedeu-
tung und Tragweite für die Monarchie.
Gleichwie zu Beginn und wiederholt während des Krieges richtete Erzherzog
Albrecht auch zu Ende desselben, am 17. August, denkwürdige Worte mittels
eines Armee-Befehles an die k. k. Armee, in welchem er ihrer Erfolge wie ihres
Missgeschicks, nicht minder ihrer Leistungen gedachte, zum Schluss aber folgendes
Vermächtnis niederlegte :
„Die österreichische Armee hat, auf zwei Seiten angegriffen von den Heeren
mächtiger Staaten und am entscheidenden Kriegsschauplatze vom Unglück heim-
gesucht, unter den obwaltenden Umständen das Möglichste geleistet und erreicht.
Der Krieg hat dem Kaiserstaate schwere Opfer gekostet; das Blut von Tausenden
seiner Helden ist aber nicht umsonst geflossen. Ks hat dein Stolze und Schilde
Österreichs, seiner Armee ruhmvolle Erinnerungen und wichtige Lehren, die dank-
bare Theilnahme des Vaterlandes, die Anerkennung seiner Gegner, die Achtung
der ganzen Welt erkauft. Bereichert durch die gemachten Erfahrungen möge die
Armee mit unerschütterlicher Zuversicht in die Zukunft blicken. Des Hufes unseres
erhabenen Monarchen gewärtig, werden wir selbem stets wieder freudig folgen
mit der gleichen Losung, mit welcher wir diesen Krieg begonnen haben und
beschließen wollen.
Hoch Österreich! Es lebe der Kaiser!*
Ein Schreiben höchster Anerkennung richtete Erzherzog Albrecht Ende
September an die tapferen sächsischen Waf Hingeführten bei deren Heim-
kehr, als er sich von deren erlauchtem Führer. Seiner königlichen Hoheit dem
Kronprinzen Albert, verabschiedete.
Digitized by Google
Croßkrcux des M. T.-O. FM. Erzher^e Albrecht.
251
Nach beendetem Kriege, am 15. September 1SGG. wurde FM. Erzherzog
Albrecht zum Armee-Ober-Commandanten, nach der dualistisch-consti-
lutionellen Umgestaltung der Monarchie, am 1"». Jänner 18GN, zum Armee-
Commandanten, endlich am 24. Marz 1SG9 zum Gcneral-lnspector des
k. k. Heeres ernannt.
Unter den Auspicien des Obersten Kriegsherrn betheiligte sich Erzherzog
Albrecht seither in maßgebender Weise an allen Reorganisationen und ;m
der Fortentwicklung des gesammten Heerwesens der Monarchie.
Neben dieser organisatorischen Thätigkeit widmete er fast seine ganze
verfügbare Zeit jahraus jahrein der Bereisung aller Theile der Monarchie
um durch regen, unmittelbaren Verkehr mit den Truppen und ihren Führern über
die kriegsgemäße Ausbildung, die .Schlagfertigkeit und den Geist des Heeres ein
sicheres l'rtheil zu gewinnen und durch sein Beispiel und seine Einwirkung dem
Verständnisse der Dienstes- und taktischen Vorschriften, sowie der Dienstesfreudig-
keit immer neue Impulse zu geben.
Gleichen Eifer und gleiche Konsequenz wendete der Erzherzog der Heran-
bildung der höheren Führer zil Nach den vorgeschriebenen Feldübungen
der Truppen bis zur Truppen-Division nahm er persönlich mit ein bis zwei
Armee-Corps und zwar abwechselnd in den verschiedenen Gebieten der Mon-
archie, drei- bis fünftägige Manöver im großen Stile vor, welche soweit
als nur thunlich stets der Wirklichkeil angepnsst waren. Dadurch gestalteten
sich diese Manöver für Truppen, für Generale und selbständige Commandant.cn,
wie für den Gcneralstab nach allen Richtungen zu einer wahren Schule des
Krieges.
Am 25. November 1875 wurde FM. Erzherzog Albrecht zum Oberst-
Inhaber des Dragoner-Regiments Nr. 5 ernannt und führte dasselbe den
erlauchten Namen des Siegers von Custozza bis zum V.\. Mai 1888, an welchem
Tage es anlässlich der Feier der Enthüllung des Maria Theresien-
Denkmals für immerwährende Zeiten den Namen weiland Seiner Majestät des
Kaisers Ferdinand annahm.
Am IS. April 1877 feierte FM. Erzherzog Albrecht in voller körperlicher
Rüstigkeit und Geistesfrische sein fünfzigjähriges, am 25. April 1887 sein
sechzigjähriges Militärdienst-Jubiläum. Speciell aus Anlass des letzteren
wurde Erzherzog Albrecht zum Oberst -Inhaber des 5. Corps- Artillerie-
Regiments ernannt.
Bei beiden Gedenkfesten ehrte Seine Majestät der Kaiser den erlauchten
Jubilar überdies durch Allerhöchste Handschreiben auf das huldvollste.
Auch fanden beidesmal zu Ehren des Erzherzogs großartige militärische
Feste statt, an welchen sich nicht bloß das Allerhöchste Kaiserhaus, sondern
auch die gesammle Generalität, wie überhaupt durch Deputationen die ganze
Wehrmacht der Monarchie — Armee, Marineund Landwehren — betheiligten.
Der allgemeine Aiithcil, den auch die Bevölkerung der ganzen Monarchie an den
begeisterten Ovationen zu Ehren des Siegers von Mortara. Novara und
Digitized by Google
C.LXIV. bi< r:i.XVlll. Promoli..». - Im Kriege von ISG6. Italien.
Custozza nahm, erhob seine beiden Militär-Diensljubiläen zu wahren nationalen
Festtagen für Heer und Volk zugleich.. . .
Und aurh seither obliegt mit immer gleichem, rastlosem Eifer der erlauchte
kaiserliche Prinz als General-Inspector des Heeres der Erziehung, der Heranbildung
der Armee zu künftigen Erfolgen, zu künftigen Siegen. . . .
Maroicic, der Sohn eines k. k. Hauptmannes, erblickte, während die Eltern
mit dem Regimente auf dem Marsche begriffen waren, das Licht der Welt zu
Svidnik im Saroser-Comitat in Ober-Ungarn am G. April 1813. In seinem vier-
zehnten Lebensjahr, am 21. October 1825. wurde er als Hegi ments-Cadet zu
dem (10. Infanterie- Regiment assentiert. Er genoss in der Grazer Cadeten-Com-
pagnie militärische Erziehung und Ausbildung. Dort legte er — stets einer der
Ersten — den Grund zu seinem gediegenen militärischen Wissen, welches ihm
nebst seiner Tapferkeit eine glänzende Laufbahn erschloss.
Im Herbst des Jahres 1828 rückte er zum Regiment als Gadet-Qua-Fcld-
webel ein und verrichtete den unter den damaligen Verhältnissen überaus
schwierigen Feldwebelsdienst durch volle zwei Jahre, eine harte aber lehrreiche
Schule für Maroicic ganzes Soldatenlebeu.
In demselben Jahre, in welchem Seine Majestät Kaiser Franz I. dem Vater
Maroicic auf Grund dreißigjähriger Dienstzeit den ungarischen Adelstand zu
verleihen geruhte, wurde Maroicic Sohn am 1. November 1830 zum Fähnrich
im 1. Ranal-Grenz-Regiment Nr. 10 befördert. Am 21. April 1831 rückte er zum
Lieutenant vor und verrichtete die Dienste eines Bataillons-Adjutanlen, bis er
im Februar 1831 dem General-Quarliermeisler-Stabe in Mailand zugetheilt wurde.
Am 1. December 1831 zum Oberlieutenant befördert, wurde er am 17. Juli
definitiv zum General-Quarliermeisler-Stabe übersetzt und in demselben am
2'.). September 1843 zum Hauptmann befördert.
Rastloses Selbststudium aller militärischen Disriplincn, praktische Verrichtung
der verschiedenen Zweige des Generalstabsdienstes, hauptsächlich aber der Um-
stand, dass Maroicic seit dem Jahre 1831 mit wenigen Unterbrechungen in Italien
diente und so in der Sehlde Radetzkys sich zum wirklichen Kriegsdienst heran-
bilden konnte: alles dies vereinigte >i« Ii mit seiner Tapferkeit, um ihn schon im
Kriege gegen Piemont im Jahre ISLS/P.» in Italien eine Reihe hervorragender
Leistungen vollbringen zu lassen.
Nach einer mit vieler Umsicht und groBem Geschick durch insurgierte Gebiete
von Verona über Tirol nach Triest ausgeführten Courierfahrt, welche die
rasche Verstärkung der Truppen im V enel in nisc heu bezweckte, wurde llaupt-
Conimandeur des Maria Theresien-Ordeus
Joseph Freiherr Maroicic di Madonna del Monte.
(Mit Bildnis au«? «1er Zeit nach lSGfJ.)
Digitized by Google
Digitized by Google
O.niiii.iiideni des M. T. l». .1. -cpli KreiUrr \, n .Yarui- ir.
mann Maroicic als Generalstabsofficier dein vum Isonzu gegen Verona
vorrückenden Corps des FZM. Grafen Nugent und zwar der Division FML. Graf
Thnrn zugewiesen. Mit derselben kämpfte er in den Gelechlen bei Visco und
Privano am 17. April, bei dem Angriff auf Udinc am 21. April, bei den Ge-
fechten auf der Cima Fadalto am 4. Mai, bei Onign und Gomudo am 0. Mai
und gegen den feindlichen Ausfall aus Treviso am 12. Mai. Von da an als
Generalstabsofficier im Corps-Hauptquartier verwendet, verhütete er am 19. Mai
durch forciertes, rücksichtsloses Darauflosgehen mit der Vorhut die vom Feinde
geplante Vernichtung der für die weitere rasche Vorrückung des Corps wichtigen
Drücke über die Brenta, betheiligle sich am 20. Mai an dem Angriff auf das ver-
schanzte Lager von Vicenza und veranlasste, nachdem dasselbe nicht rasch
genug forciert werden konnte, durch seinen Rathschlag die Umgehung dieses
Punktes, welche unter seiner Führung auch vollständig gelang, so dass das Corps
Nugent bereits am 2ö. Mai in Verona eintraf.
Nachdem Hauptmann Maroicic am 30. Mai die Kecognoseicrung und das
Treffen bei Goilo mitgemacht hatte, wurde er wegen seiner genauen Kenntnis der
Terrain Verhältnisse bei Vicenza auf Befehl des FM. Grafen Radetzk y als General-
stabsofficier der Brigade Culoz zugetheilt, welche sich der Höhen oberhalb
Vicenza bei Madonna del Monte zu bemächtigen hatte, während das Gros
der Armee direct gegen Vicenza vorrückte. Maroicic gab bei diesem Unter-
nehmen seinem Commandanten so ersprießliche Rathschläge an die Hand
und wirkte bei der Ausführung derselben so hervorragend und entscheidend
mit,*) dass er damit am 9. und 10. Juni seine eiste Maria Theresien-Ritterthat
vollbrachte, auf Grund deren er späterhin kraft der CLIII. Promotion vom 29.
Juli 1849 zum Ritter des Maria Theresien-Ordens promoviert und am
19. November in den Freiherrnstand erhoben wurde.
Unmittelbar nach vollbrachter That beförderte ihn wegen seines tapferen
und umsichtigen Benehmens FM. Graf Radetzky zum Major im 1. Banal-Grenz-
Regiment, und ernannte ihn zum Chef des Generalstabes bei dem III. Corps des
FML. Grafen Thum.
Als bei der Wiedereröffnung der Offensive der Armee im Juli dieses
Corps von Südtirol aus zu cooperieren berufen wurde, trug Maroicic wieder durch
Rath und That hervorragend zu den Erfolgen desselben bei. Unter anderem wurde
über seinen Vorschlag bei dem Corps, welches nur 7'/t Bataillone Infanterie zählte
die Rangierung der Infanterie, statt in drei, in zwei Gliedern durchgeführt.
Dadurch wurde bei Eröffnung der Offensive am 22. Juli der Feind auf dem Monte
Baldo über die Stärke des Corps nicht nur total getäuscht, sondern auch bei der
verlängerten Front thatsächlich überllügelt, in seiner Aufstellung bei Spiazzi
aufgerollt und in die Stellung von Rivoli zurückgeworfen. Nachdem auch ein aus
dieser Stellung versuchter Gegenangriff des Feindes zurückgewiesen worden, unter-
nahm Maroicic freiwillig noch am Abend desselben Gefechtstages, an welchem er
*) Siehe: .Der Militärische Maria Tliei«-.sii'ii-Orden und x iiu- Mitglieder,* — Wien 1?C>7. —
Seite 1551 bis 1553.
Digitized by Google
2.H
fXXIV. hi« CLXVFII. Promotion. - Im Kdvpi- vn 180(5. — Italien.
selbst bei allen Angriffen hervorragend tapfer mitgekämpft, mit drei Coinpagnien
auf der nach Hivoli führenden Straße gegen Zuane einen Scheinangriff, um das
eigene Corps vor Wiederholung etwaiger Angriffe von Seite des überlegenen
Feindes zu sichern. Dieses Unternehmen erzielte nicht nur den angestrebten
/weck, sondern trug auch noch dazu bei, dass der durch das gleichzeitige
Ergreifen der Offensive seitens der k. k. Armee aus Verona in seinem Rücken
gefährdete Keind am 23. Juli die verschanzte Stellung von Hivoli ohne weiteren
Kampf räumte.
Am 25. Juli rückte Maroicic mit seinem Corps zur Einschließung von
Peschiera vor, doch schon am -29., als FML. Graf Thurn das Commando des
IV. Corps übern. dun. wurde mit ihm auch Major Maroicic als Generalstabschef zu
diesem Corps übersetzt. Mit demselben machte er den Vormarsch der Armee und
am 4. August das Gefecht bei Mailand mit.
In Anerkennung seiner ausgezeichneten Leistungen als Generalstabsofticier
während des Feldzuges 1S1-S in Italien, hauptsächlich aber seiner Umsicht und
Tapferkeit in den Gefechten am Monte Baldo und bei Rivoli wurde Major
Maroicic am 30. November IMS mit dem Ritterkreuze des österreichischen
L e o p o 1 d - O r d e n s ausgezeichnet.
Im Feldzugsjahre 1849 ward Major Maroicic. der sich bereits in der ganzen
Armee eines glänzenden Rufes erfreute, auf den Kriegsschauplatz in U ngarn be-
rufen und machte zunächst den Feldzug in Siebenbürgen als Generalstabschef
des Corps FML Frh. von Puchner und zwar das Treffen bei Mediasch am 1. März,
die Gefechte bei Zeiden am 19. März und im Temeser-Pass am 21. März mit.
Darauf wurde er am 19. Juli Generalstabsehel bei dem I. Armee-Corps des GdC.
Grafen Schlik und machte ein Scharmützel bei Alpär am 29. Juli, den Angriff
auf Mako am 4. August und die Anaire bei Arad am 10. August mit. Während
dieses Feldzuges war Maroicic am 31. Juli zum Oberstlieutenant im Geiieral-
Ouarliermeister-Stabe avanciert.
Bald nach beendetem Feldzuge, am November IS 19. wurde Mariocic zum
Obersten und llegiments-Comniandanlen des Oguliner Grenz-Regiments Nr. 3
befördert, auf welchem Posten er Hand in Hand mit der militärischen Thäligkeit
alle seine Kräfte auch der Verwaltung seines durch die Kriegsereignisse stark in
Mitleidenschaft gezogenen Regiments-Bezirkes widmete und in demselben Land-
wirtschaft. Handel. Gewerbe. Coinmunicatiouswesrn. Rauten und Schule zu hoher
Blüte brachte.
Am 17. Mai \>ö\ erfolgte s. ine Beförderung zum Generalmajor und Bri-
gadier im serbiseh-bauater Annei -t '.oi \<~. Vom Juli 1S.">1- bis August ISöö nahm er
in demselben an der O ' upatioti der .Moldau und Wallachei in Jassy und
Galatz theil. Vom Jänner I >.*>»> an i omni amtierte er eine Brigade in Kaschan
und führte das''lh-t durch L» Monate das Militär-Disti teU- < lommaudo.
Im Kri. je gegen Frankreich und Piemout im Jahre 1S.*>9 wurde
GM. Frh. von Mai.-: . mit seiner Brigade \om l>. bis Ende Mai in Matena zum
Rü./khalt tut Trust oder Fium.-. sodann vom 3. Juni an am unteren Po disloeiert.
Digitized by Google
*
O mni.tmli'iir <lt'^- M. T.-U. J.^oj>li Fnilien von M.umuu, 2~>~t
um im Rücken der Armee das Po-Delta gegen feindliche Landungen und die
Po- Li nie von der Mündung aufwärt«? bis Ferrara zu vertheidigen. ohne dass es
jedoch zu einem Engagement mit dem Feinde gekommen wäre. Bei der grüßen
Ausdehnung des ihm zur Bewachung zugewiesenen Abschnittes behalf er sich
neuerdings mit der Rangierung seiner Infanterie- Abtheilungen in zwei Glieder
und demonstrierte dadurch eine größere Stärke.
Vom September 1859 bis Februar 1860 war GM. Frli. von Maroieie
Brigadier in Komorn, sodann Truppen - Divisionär in Laibach, vom Sep-
tember 1800 an interimistisch, vom 21. November 1861 delinitiv Truppen-
Commandant in Fi u nie.
Am 30. December 1860 erfolgte seine Beförderung zum Feldmarschall-
Lieutenant und Zulheilung zum III. Armee- Corps -Commando in Laibach,
worauf er am 6. März 1861 zum Truppen-Divisionär im III. Armee-Corps ernannt
wurde.
Am 20. November 1860 geruhte Seine Majestät der Kaiser den FML. Frh.
von Maroieie zum Oberst-Inhaber des 7. Infanterie -Regiments zu ernennen.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 war FML. Frh.
von Maroieie berufen, das zur Süd-Armee gehörige VII. Corps zu commandieren.
infolge dessen er im Vereine mit FML. Härtung und GM. Frh. von Rodich
gleich diesen beiden als Corps-Commandant unter Erzherzog Albrecht, wesent-
lichen Antheil an dem Siege der kaiserlichen Waffen in der Schlacht bei Custozza
haben sollte. Seine Ernennung zum wirklichen Commandanten erfolgte am
11. Mai 1866 und kurz darauf übernahm er auf demselben italienischen Kriegs-
schauplatze, auf dem er im Jahre 1848 als Generalstabs-Chef verschiedener
Armee-Corps eine glänzende Befähigung zur Führung größerer Ileereskörper dar-
gethan, nunmehr das Commando des VII. Corps.
Bei der Concentrierung der Süd-Armee vom linken auf das rechte Etseh-Ulcr
bei Verona brach FML. Frh. von Maroieie, gemäß der Bispositionen des Erzherzogs
Albrecht, mit dem VII. Corps am 22. von Montagnana auf und traf am
23. nachmittags bei S. Massimo ein. Nach der am Abend desselben Tages
empfangenen Schlacht-Disposition setzte Maroieie am 21. um 3 Uhr früh die
Brigade Scudicr, um 5 l'hr die Brigade Welsersheimb und unmittelbar hinter der
letzteren die Brigade Töply gegen So na in Marsch, ließ die Brigade Scudier auf
den Höhen bei Zerbare aufmarschieren und die beiden anderen Brigaden über
Befehl des Erzherzogs Alb recht, mehr hinter dem linken Flügel der Armee, als
Reserve bei Casazze Aufstellung nehmen.
Die Brigade Scudier rückte gemäß eines um 7l/t Uhr morgens erlassenen
weiteren Befehls des Armee-Comniandos von Zerbare gegen Monte Godio, und
da dieser Punkt von den vorliegenden Höhen beherrscht wurde, kämpfend weiter
über Monte Arabica. Monte Molimenti bis auf das Bei vedere vor. Auch
Kirche und Friedhof am Fuße des Bei vedere wurden genommen und die 3. Divi-
sion von Kronprinz Rudolph-Infanterie drang stürmend schon gegen 10 l'hr vor-
mittags sogar in Custozza selbst ein. Das übermächtige Vordringen der ilalieni-
Digitized by Google
*7ii\ CLXIV. bis DI.XVIII. IVumot,, u. - Im Kriuiw v.n IS««. • llulu-n.
sehen Truppen-Division Govoue zwang jedoch die Brigade Studier, wieder bis
Zerbare zurückzuweichen.
Zur Aufnalune derselben schob FML. Frh. von Maroicie gegen 1 1 l'br vormit-
tags die Brigade Welsersheimb mit zwei Batterien in die Stellung Nadali ni-
Berettara vor. Kurz darauf ließ er über den inzwischen ergangenen Befehl des
Erzherzogs Albrecht — „mit den beiden Brigaden Töply und Welsersheimb
vorwärts Zerbare Stellung zu nehmen und die Artillerie zweckmäßig zu placieren"
— auch die Brigade Töply aus der Reserve-Aufstellung rechts von der Brigade
Welsersheimb aufmarschieren.
Gemäß eines weiteren Befehls des Armee-Coiumaiidu — „eine Brigade
gegen Monte Godio vorzuschieben und die Verbindung mit dem V. Corps über
Guastalla vecchia herzustellen* — hutte FML. Krb. v. Maroicie sein Corps um
2 Uhr nachmittags vollständig in Gefechtslinie entwickelt. Kr hatte eine Aufstellung,
welche von Guastalla über Nadalini bis Berettara sich erstreckte und durch
zwei vorgeschobene Jäger-Bataillone gedeckt, sowie durch 5 Batterien gestützt war,
während die Brigade Scudier mit ihrem Gros in der früheren Keserveaufstellung
des Corps bei Casazze hielt.
Um die gleiche Zeit stand rechts vom VII. Corps das V. unter GM. Frh. von
Rodich, links das IX. unter FML. Härtung im Kampfe. GM. Frh. von Bodieh hatte
die Höhe von S. Lucia erstürmt und traf Dispositionen, um mit l1/, Brigaden
von rechts über das Tione-Thal Custozza in der Flanke anzugreifen. Härtung
behauptete mit seiner gesammten Artillerie die Höhen von Ca del Sole als Pivot
der ganzen Schlachtlinie, während sein rechter Flügel, nach einem Angriflsversuch
auf Custozza, vor der Front des Corps Maroicie kämpfte und nach langem hart-
näckigen Festhalten des Bei vedere sich genölliigt sah. von dort gegen Berettara,
gleichwie früher die Brigade Scudier, langsam zurückzuweichen.
In der Schlacht war somit durch das neuerliche Misslingen des Angriffs auf
Custozza zum zweitenmal auf dem entscheidenden Punkte der Gefechtslinie ein
hochkritischer Moment eingetreten, der energisches und ausschlaggebendes Ein-
greifen erheischte.
Mit wahrem Falkenblick erfasste Maroicie die Gefechtslage. Ohne Zaudern,
aus eigener Initiative, entschloss er sich um 3 Uhr nachmittags zum Angriff' auf
Custozza mit den beiden Brigaden Welsersheimb und Töply. Ohne Scheu vor Ver-
antwortung warf er die Armee-Reserve in die Wagschalc der Entscheidung.
Nachdem Maroicie seine sänmitlicheu fünf Batterien gegen die dominierenden
feindlichen Geschülzpositioticn ins Feuer hatte treten lassen, rückte er mit seiner
Infanterie in Staffeln links vorwärts, und zwar mit der Brigade Welsersheimb über
den Monte Molimenli. mit der Brigade Töply über Godi und Bagolina, in der
Hauptrichtung auf das Bei vedere vor.
Den Brigaden weit voran, drangen den n Jäger-Bataillone vorwärts, wobei
das rechts befindliche 7. Jäger-Balaillun den vom Belvedere im Bückzuge
begriffenen rechten Flügel des IX. Corps zwischen Monte Arabien und Monte
Godio aufnahm.
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-ü. Joseph Freiherr von Maroiik.
257
Hinter den Jäger-Bataillonen führte Maroicic die beiden Brigaden, jede
derselben mit vier Bataillonen in Divisions -Massenlinie das erste Treffen, mit
zwei Bataillonen in geschlossener Divisions -Massenlinie das zweite Treffen
formierend, in musterhafter taktischer Ordnung gegen das Belvedere und dessen
Vorhöhen.
Angesichts dieses imposanten Vormarsches im stärksten feindlichen Feuer
wiehen die inzwischen bis auf den Monte Arabica vorgedrungenen feindlichen
Abtheilungen wieder bis auf das Belvedere zurück. Damit war der Durchbruch
der eigenen Schlachtlinie zwischen Centrum und linkem Flügel gleich im Augenblicke
des Entstehens verhütet.
Unaufhaltsam drang Maroicic, welcher immer in den vordersten Reihen,
sein Corps mit sicherer und fester Hand lenkte, mit den beiden Brigaden über
die Vorhöhen gegen das Belvedere hinan, den Feind aus allen seinen Stellungen
zurückwerfend.
An 12 bis 14 feindliche Bataillone mit 2 Geschützen vertheidigten die Höhe
von Belvedere selbst Trotz tapferer Verteidigung durch den Feind erstürmten
unter der befeuernden Führung Maroicic" dessen Colonnen im ersten Anlaufe nicht
nur die wichtige Höhe des Belvedere, sondern den ganzen gegen den Punkt
Valle Busa hin streichenden Rücken.
Ins Tione-Thal nach Valle Busa und in der Richtung gegen Custozza
herab wurden die feindlichen Abtheilungen geworfen; hauptsächlich wich aber
der Feind nach Custozza selbst zurück.
Kaiser-Jäger vom 3. Bataillon, Siebener-Jäger und Abtheilungen von Ludwig
Victor-Infanterie eroberten bei diesem Sturme eines der feindlichen Geschütze.
Damit hatte Maroicic um 4 Uhr nachmittags den ersten überwältigenden
Stoß gegen den Schlüsselpunkt der feindlichen Schlachtstellung siegreich geführt.
Der in Kürze nachfolgende, im Verein mit Theilen vom V. und IX. Corps, geführte
Schlag sollte den Feind vollends niederschmettern.
Zunächst galt es, die beiden Brigaden zu Athem kommen, Kraft schöpfen
und wieder sich ordnen lassen. Maroiöid ließ darum die Infanterie ruhen.
Zugleich zog er auch seine gesammte Artillerie auf die Höhen des Belve-
dere und Meinte Molimenti vor. Eine der fünf Batterien nach der anderen
setzte sich gegen Custozza und die Hänge des Monte Torre und Monte della
Croce ins Feuer. Schließlich richteten seine sämmtÜchen 40 Geschütze, von der
Artillerie des IX. Corps unterstützt, ihr überwältigendes Feuer gegen die feind-
lichen Geschützpositionen, um den letzten Sturmangriff auf Custozza vor-
zubereiten.
Um diese Zeit erhielt Maroicic" den Befehl des Erzherzogs Albrecht,
welcher um 3 Uhr nachmittags von S. llocco di Palazzolo erlassen worden war
und das VII. gleich dem V. und IX. Corps beorderte, um 5 Uhr nachmittags den
letzten Angriffsversuch auf Custozza zu machen. Maroicic" war sonach auf Grund
der gegebenen Schlachtidee und der eingetretenen Gefechtslage mit seinem um
3 Uhr nachmittags begonnenen Angriff auf Custozza der völlig gleichen Intention
Digitized by Google
258 CLXIV. bis CLXVII1. Promotion. - Im Krieg« rotf 1866. - Italien.
des Erzherzogs Albrecht entgegengekommen und hatte zur Zeit, als er den
Befehl des Oberfeldherrn empfieng, die ihm zugedachte Aufgabe zur Hälfte bereits
vollbracht, während seine Artillerie im Begriffe war, die Ausführung der zweiten
Hälfte einzuleiten.
Das gewaltige Feuer der Geschützmasse des VII. im Vereine mit jenein der
Geschütz-Reserve des IX. Corps brachte die feindliche Artillerie auch bald zum
Schweigen. Nun führte Maroi6ic die Brigade Welsersheimb vom Belvedere zum
Angriff auf Custozza weiter vor. Nachdem dieselbe einen Offensivstoß des Feindes
zurückgewiesen, drang sie unaufhaltsam über den Friedhof und die Kirche dem
weichenden Feinde nach. Endlich stürmte sie von Norden Custozza selbst,
während Abtheilungen des V. Corps von Westen eindrangen; fast gleichzeitig
langten die Sturm-Colonnen von Nord und West bei dem vom Feinde stark besetz-
ten und muthig vertheidigten Hauptgebäude von Custozza, dem Palazzo
Bevilacqua, an. Unter heftigem Feuer aus den Fenstern des Palazzo und eines
östlich davon gelegenen Gebäudes drangen die Abtheilungen der Brigade Welsers-
heimb von mehreren Seiten in Hof und Park des Palazzo ein. Damit war unter
tausendstimmigem Jubel der Truppen der letzte Widerstand des Feindes in
Custozza selbst gebrochen.
Fast um die gleiche Zeit erstürmte vom IX. Corps das 7. Infanterie-
Begiment, welches Maroicic' Namen führte, den Monte della Croce und den
Monte Torre, mit brausendem Hurrah! den tapfern Stürmern von Custozza
verkündend, dass der Sieg auch auf den östlichen Kuppen der Höhengruppe von
Custozza vollends erstritten war.
Auf Grund dieser in der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866 vollbrachten
Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister über Votum des Ordens -Capitels, kraft Promotion CLXVI vom
29. August 1866 den FML. Joseph Freiherrn Maroicic di Madonna del Monte
zum Commandeur des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Schon zuvor, am 14. Juli, wurde dem FML. Frh. von Maroiciö die Würde
eines wirklichen Geheimen Käthes verliehen.
Nachdem Erzherzog Albrecht infolge der Niederlage der Nord-Armee zum
Ober-Commandanten der gesammten operierenden Armee ernannt worden und am
12. Juli von dem Kriegsschauplätze in Italien an die Donau geeilt war, wurde
FML. Maroicic, der das Commando über das VII. Corps an Se. k. k. Hoheit
den FML. Erzherzog Heinrich abgab, mit dem Oberbefehle über die nach dem
Abzug des V. und IX. Corps an die Donau im Süden am Isonzo und entlang der
Küste verbleibenden Truppen in der Stärkt- von 42.000 Mann betraut. Nachdem
aueh EH. Heinrich nach Wien berufen worden, führte FML. Frh. von Maroicic
das VII. Armee -Corps- und Truppen -Commando für Istrien, Kärnten, Krain,
Küstenland, Görz und Triest vereint.
FML. Frh. von Maroicic traf mit bewährter Umsicht und Thatkraft alle Maß-
nahmen, um der rasch vorrückenden italienischen Armee am Isonzo mit höchst-
möglicher Stärke entgegenzutreten und auch sonst jedem weiteren Vordringen
Digitized by Google
Commandern- des M. T.-O. Joseph Freiherr von MaroiSte.
259
des Feindes über die venetianisch-küstenlandische Grenze in das Innere der Mon-
archie Einhalt zu thun. Es kam jedoch nur mehr zu dem Zusammenstoße bei
Versa am 26. Juli, wonach Waffenruhe eintrat, welcher dank einer neuerlichen
Machtentfaltung gegen die italienische Armee schließlich die endgiltige Einstellung
der Feindseligkeiten folgte.
Nach dem Friedensschlüsse wurde FML. Frh. von Maroiciö zunächst am
14. October 1866 dem General-Commando in Ofen mit der Bestimmung zugetheilt.
die in diesem Generalat dislocierten Infanterie-Truppen zu inspicieren, sodann am
20. März 1868 zum Commandierenden General für Steiermark, Kärnten,
Krain, Tirol, Istrien und das Küstenland in Graz ernannt und am 22. April 1868
zum Feldzeugmeister ad honores befördert. Am 27. März 1869 erfolgte seine
Ernennung zum Commandierenden General in Wien und am 30. April 1870
seine Beförderung zum wirklichen Feldzeugmeister.
In den Jahren 1867, 1868 und 1869 leitete FZM. Frh. von Maroiciö als Com-
mandant des Brucker Lagers die großen Keldübungen und Manöver bei den in
Bruck concentrierten zwei Armee-Divisionen mit mehreren Regimentern Gavallerie
und den zugehörigen Batterien.
Anlässlich des am 13. October 1871 vollstreckten fünfzigsten Dienst-
jahres geruhte Seine Majestät der Kaiser den FZM. Frh. von Maroicic mit dem
Orden der Eisernen Krone I. Classe auszuzeichnen.
Während der Wiener Welt- Ausstellung im Jahre 1873 commandierte FZM. '
Frh. von Maroicic die über Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers zu
Ehren der Souveräne des Deutschen Reiches, Russlands, Italiens und Persiens
abgehaltenen Revuen über die Wiener Garnison und erntete, dank dem vorzüglichen
Aussehen und der musterhaften Haltung der Truppen, nicht nur die Allerhöchste
Zufriedenheit des Obersten Kriegsherrn, sondern wurde auch von sämmtlichen
Monarchen jener Länder durch Verleihung der höchsten Decorationen geehrt.
FZM. Frh. von Maroicic, welcher auf seinem Posten auch mit dem Givile von
dessen Spitzen herab bis zu den breiten Schichten der Bevölkerung unausgesetzt
in Contaet kam, erwarb sich durch sein offenes soldatisches Wesen, durch seine
Humanität und Leutseligkeit sowie durch angeborene Originalität seines Auftretens
auch außerhalb der militärischen Welt in allen Kreisen Wiens große Popularität
und allgemeine Beliebtheit.
Nach vollem zwölfjährigen Wirken auf seinem Posten als Commandierender
General in Wien trat FZM. Frh. von Maroicic am 1. Mai 1881 auf sein An-
suchen aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. In Anerkennung seiner
sechszigjährigen, im Frieden wie im Kriege hervorragend vorzüglichen Dienst-
leistung und insbesondere der großen Verdienste, die er sich durch seine lang-
jährigen instruetiven Bemühungen um die Ausbildung der seinem Gommando
unterstandenen Truppen erworben hat, geruhte Seine Majestät der Kaiser dem
FZM. Frh. von Maroicic bei seinem Scheiden aus dem activen Dienste das
Großkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration des Ritterkreuzes
allergnädigst zu verleihen und gleichzeitig ein Allerhöchstes Handschreiben
17'
Digiti^ed by Google
260 CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Italien.
zu erlassen, welches dem Scheidenden in überaus huldvollen Worten Lob und
Dank spendete.
Am 17. October 1882 beschloss er in Wien sein dem Thron und Vaterland
geweihtes Heldenleben, wobei sich denn noch ein letztesmal bei seinem Leichen-
begängnis zeigte, wie tief in aller Herzen die Verehrung für diesen Kriegsmann
wurzelte, indem ihm außer der Garnison fast ganz Wien das Ehrengeleit? gab.
Commandeur des Maria Theresien-Ordens
Franz Freiherr von John.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1866.)
John wurde zu Bruck an der Leitha in Niederösterreich am 20. November
1815 als Sohn eines Sappeur-Officiers geboren und genoss in der k. k. Militär-
Akademie zu Wiener-Neustadt militärische Erziehung und Bildung. Stets einer
der Ersten unter den Zöglingen, wurde er am 24. October 1835 als Lieutenant
I. Glasse ausgemustert und zu dem Infanterie-Regimente Erzherzog Franz Carl
Nr. 52 in Italien eingetheilt. Nachdem er die ersten vier Jahre seiner Dienstzeit
bei der Truppe gedient, erfolgte seine Zutheilung, sodann am 19. Juni 1845 seine
völlige Übersetzung zum General-Quartiermeister-Stab, in dem er am 20. Juni
zum Oberlieutenant, am 13. März 1848 zum Hauptmann befördert wurde.
Als Generalstabshauptmann machte John den Krieg gegen Piemont in
den Jahren 1848/49 mit. Zu Beginn desselben zum Armee-Hauptquartier gehörig,
bctheiligte er sich im Feldzuge von 1 848 an dem Straßenkampfe während der
Revolte in Mailand am 20. und 21. März, an der Schlacht bei S. Lucia am
6. Mai, bei dem Angriffe auf Montanaraam 29. und an dem Gefechte bei Goito
am 30. Mai.
Vom 7. Juni angefangen Generalstabsofticier der Brigade GM. Friedrich Fürst
Liechtenstein, kämpfte er bei der Einnahme von Vicenza am 10. Juni, in der
Schlacht bei Sommacampagna und Sona am 23. Juli, sowie in der Schlarht
bei Custozza am 25. Juli. In der letzteren hat John, als die Brigade in Gefahr
war, vom Feinde überflügelt zu werden, durch schnelle Anordnung einer Front-
veränderung nicht nur die drohende Gefahr rechtzeitig beseitigt, sondern auch den
mit Obermacht angreifenden Feind zum schleunigsten Rückzug gezwungen. Im
ferneren Verlaufe des Gefechtes hat er durch die vortheilhafte Placierung der der
Brigade zugetheilten Cavallerie-Batterie Nr. 2. welche John in dem lebhaftesten
feindlichen Feuer in die betreffenden Aufstellungen führte, die feindliche Artillerie
zum Schweigen gebracht, aus ihren Positionen verdrängt und so zu dem glücklichen
Ausgange der Schlacht auf jenem Punkte wesentlich beigetragen.
Für diese hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Custozza wurde
Hauptmann John in der Folge mit dem Orden der Eisernen Krone III. Classe
decoriert.
Digitized by Google
Commundeur de» M. T.-O. Frani Freiherr von Johu.
261
Schon am Tage nach dieser Schlacht war es ihm aber beschieden, durch
außerordentliche Tapferkeit und Klugheit noch weit reicheren Lorbeer zu erringen.
Es war dies bei dem denkwürdigen Nachtgefechte in Volta vom 26. auf den
27. Juli, in welchem Hauptmann John wesentlich dazu beitrug, dass dieser Kampf
siegreich geführt wurde.
Bei der Verfolgung des Feindes nach der Schlacht bei Gustozza rückte das
II. Corps, FML Frh. D'Aspre, als Unker Flügel der Armee von dem Schlacht-
felde von Custozza über den Mincio bei Valeggio gegen Volta vor. Die Brigade
Liechtenstein bildete dabei die Vorhut des Corps und Hauptmann John führte den
Vortrab.
Als die Brigade am 26. Juli nachmittags 4*/* L7hr bei Valeggio den Mincio
passierte, um am rechten Ufer des Flusses ein Lager zu beziehen, erhielt John, mit
der äußersten Spitze des Vortrabes außerhalb Borghetto angelangt, von dem
Commandanten des II. Armee -Corps, FML. Frh. D'Aspre, die mündliche
Weisung, statt ins Lager zu rücken, ohne Aufenthalt nach Volta, sodann weiter
nach Cereto zu maschieren und noch in der Nacht vom 26. auf den 27. die Vor-
posten bis Guidizzolo vorzuschieben. Dabei erinnerte FML. Freih. D'Aspre
den Hauptmann John, mit aller Vorsicht zu marschieren, weil er auf den Feind
stoßen dürfte.
Auf die Frage Johns, was in diesem Falle, oder wenn Volta bereits vom
Feinde besetzt wäre, zu geschehen hätte, lautete der entschiedene aber kurze Be-
scheid: „ Angreifen und nehmen!"
Mit dieser Instruction, die später durch eine mit Reißblei geschriebene,
ähnlich lautende ergänzt wurde, setzte die Brigade den Marsch bis in die Nähe,
ungefähr 3 Miglien vor Volta, fort.
Dort wurde etwas angehalten und als GM. Fürst Liechtenstein zur äußersten
Spitze der Avantgarde gelangt war. ersuchte John denselben um die Erlaubnis,
mit einem Zuge Husaren vorreiten zu dürfen, um den Ort zu recognoscieren, was
ihm gestattet wurde.
Mit diesem Zuge ritt er nun im Trab und Galopp gegen Volta, sodann in
den Ort selbst, ließ die Eingänge durch rechts und links abgeschickte Beobachtungs-
posten, und zwar jeden Eingang von 2 Mann besetzen, und gelangte so mit
ungefähr 5 bis 6 Mann — immer in scharfem Tempo fortreitend — durch einen
Hohlweg an den Ausgang des Ortes gegen Goito zu.
Von dort bemerkte John auf ungefähr 1000 Schritte vor Volta auf der
Straße von Goito eine sehr starke Colonne, aus allen Waffen gemischt. Er be-
dachte sich im ersten Augenblicke, dieselbe für eine feindliche zu halten, da
ihm die in Volta am Platze versammelten Einwohr er im Vorbeireiten zugerufen
hatten, es sei von feindlichen Truppen nichts zu besorgen.
Die fortgesetzte Marschrichtung der Colonne gegen Volta belehrte aber John
vom Gegentheile. Da er nur wenige Husaren bei sich hatte, befahl er zweien von
ihnen, die Straße abwärts gegen die äußerste Spitze der feindlichen Vorhut zu
sprengen, den andern aber, auf der hochliegenden Straße in scharfem Tempo auf
262 CLXIV. bU CLXVIH. Promotion. Im Kriege voo 1866. — Italien.
und abzureiten. Kr machte den Husaren begreiflich, dass es sich darum handle,
den Feind zu tauschen, damit derselbe glaube, dass die Österreicher den Ort schon
vollkommen besetzt hätten. Die Italiener sollten dadurch zum Halten veranlasst
werden, damit Zeit gewonnen werde, die eigenen Truppen heranzuziehen.
In vollem Laufe seines Pferdes kehrte John zur Avantgarde der Brigade,
die ungefähr noch eine gute Miglie von Volta entfernt im Marsche war, zurück,
um den Sachverhalt dem GM. Fürsten Liechtenstein anzuzeigen. Dieser letztere
war jedoch seitwärts auf eine Höhe zur Recognoscierung fortgeritten, man wusste
momentan nicht, wohin.
Hauptmann John, der sich wohl bewusst war, dass kein Augenblick zu ver-
lieren sei, gal) daher dem anderen Zuge Husaren, welcher noch beim Gros der
Avantgarde eingetheilt war, die Weisung, mit den ebenfalls bei derselben befind-
lichen 2 Geschützen der Cavallerie-Batterie Nr. 2 im Trab und Galopp nach Volta
an den Ausgang des Ortes gegen Goilo zu eilen und dort Aufstellung zu nehmen.
Weiter ersuchte John den Obersten Weiß, der mit dem 9. Jäger-Bataillon
die Avantgarde bildete und so ein gutes Stück Weges der Haupttruppe voraus war,
mit seinem Bataillon im Laufschritt nach Volta vorzurücken.
Alles dies kam eben zur Ausführung, als Fürst Liechtenstein von einer seit-
wärts der Straße liegenden Höhe herabgesprengt kam und um die Ursache dieser
Bewegungen fragte.
John setzte ihm in Kürze die Sachlage auseinander, behob schnell die ge-
äußerten Bedenken des Brigadiers und bewog denselben, auch den Rest der Brigade
mit größerer Besclüeunigung der vorauseilenden Avantgarde folgen zu lassen.
Darauf eilte John selbst der Avantgarde nach Volta nach, erreichte die
Cavallerie-Abtheilung mit den 2 Geschützen noch vor dem Orte, führte beide an
den Ausgang gegen Goito und placierte dort die beiden Geschütze.
Der beabsichtigte Zweck war inzwischen vollständig erreicht worden. Die
feindliche Colonne. zwei starke Brigaden, hatte ihren Marsch eingestellt und suchte
sich aus der Marschlinie zum Angriffe zu formieren. Ihre zwei Batterien fuhren in der
Ebene 200 bis 300 Schritte von einander auf und eröffneten ein sehr heftiges Feuer
gegen die beiden Geschütze, deren Commandanten John angewiesen hatte, außer
gegen Infanterie-Colonnen, nicht zu feuern, um für die feindlichen Geschütze nicht
als Zielscheibe zu dienen und der nachfolgenden Infanterie das Hervorbrechen aus
dem Hohlwege nicht zu erschweren.
Die zwei Züge Husaren bildeten mit den beiden Geschützen eine Zeitlang
die einzige Besatzung von Volta, bis das 9. Jäger-Bataillon anlangte und durch
Hauptmann John unter dem feindlichen Feuer in seine Aufstellung auf die öst-
lichen Höhenabiälle geführt wurde.
Eine halbe Stunde später langte das Gros der Brigade, nämlich das
2. Kaiser-Jäger-Bataillou, das Regiment Erzherzog Franz Carl mit 4 Geschützen,
2 Divisionen Reuß-Husaren und eine Pionnier- Abtheilung in Volta an. Auch
diese Truppen führte Hauptmann John, je nach der Lage des Terrains, in die zur
Besetzung Voltas geeigneten Aufstellungen, darunter eine Division von Erzherzog
Digitized by Google
Commandeur des M. T. O. Fraoi Freiherr von Jobn.
Franz Carl und 4 Geschütze in die linke, dem feindlichen Feuer am meisten aus-
gesetzte Flanke.
Der Feind entwickelte sich indessen immer mehr und richtete seine ersten
Hauptangriffe auf den linken Flügel der Stellung.
In diesem Augenblicke erschien der Divisionär, FML. Graf Wimpffen und
verfügte sich mit John auf die Höhe nächst der Hauptkirche, um die Aufstellung
der Brigade zu prüfen. Er fand die Lage für dieselbe gefährlich und äußerte
gegen John: »Ziehen Sie schnell alle Truppen der Brigade aus Volta, denn gegen
diese Übermacht dürften wir uns hier nicht behaupten."
Da jedoch diese Äußerung mehr gesprächsweise als befehlend gethan war,
erlaubte sich Hauptmann John, an den FML. Grafen Wimpffen die Bitte zu richten,
nur eine halbe Stunde Verzug zu gestatten, da während dieser Zeit das Gros des
Corps gewiss Hilfe und Unterstützung bringen und die Opfer der Brigade
bei ungesäumter Vertheidigung gewiss geringer sein würden, als bei einem späteren
Angriffe.
FML. Graf Wimpffen stimmte schließlich dem Hauptmann John bei.
In diesem Momente wurde der linke Flügel bereits sehr hart gedrängt. Um
denselben zu unterstützen, war schon ein Theil der Reserve von Franz Carl
verwendet worden. Da bis dahin außer der Brigade Liechtenstein noch immer
keine anderen Truppen in Volta eingetroffen waren, blieb nichts übrig, als einen
Theil der auf dem rechten Flügel aufgestellten Truppen nach dem linken zu werfen.
Inzwischen waren auch die am Ausgange gegen Goito aufgestellten beiden
Geschütze und Abtheilungen vor der Heftigkeit des feindlichen Feuers zurück-
gewichen. Da keine anderen Truppen behufs Abwehr des feindlichen Angriffes
zur Verfügung standen, führte Hauptmann John jene Geschütze und Abtheilungen
neuerdings in die verlassenen Aufstellungen zurück. So behauptete sich der
linke Flügel, bis die durch den Corps -Commandanten vorgesendeten Unter-
stützungen im äußersten Augenblicke anlangten.
Nicht minder wesentlichen Einfluss, als auf die Besetzung Volta s und auf
die Einleitung des Gefechtes, nahm Hauptmann John auf den Verlauf des nach-
folgenden blutigen Nachtkampfes.
So führte er die größtenteils nur mit Schaufeln und Krampen bewaffnete
Brigade-Fionnier-Abtheilung, deren Commandaut verwundet worden war, sowie
die Pionniere der Brüekenequipage, zur Unterstützung einer Abtheilung von Franz
Carl-Infanterie vor, die einen der Straßen- Eingänge nur mehr mit ungefähr
15 Mann zu vertheidigen suchte. Er führte die Unterstützung auch persönlich zum
Sturme und ermöglichte dadurch die Behauptung diese* Punktes.
John errichtete ferner während des Nachtkampfes mit einer Pionnier-Ab-
theilung in unmittelbarer Nähe des Feindes und zum Theile unter dessen Feuer,
Barricaden an dem Ausgange gegen Guidi/zolo hin.
Selbst in dem gefährlichsten Stadium des Kampfes bewährte er unerschütter-
liche Standhaftigkeit, indem er sieh von dem Corps-Commandanten eigens die
Erlaubnis erbat, den Ort in der Nacht nicht zu räumen. Am Morgen des 27. endlich
Digitized by Google
264
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von 1866. - Italien.
war es John, der die etwas entfernte Cavallerie, die 1 . Majors-Division von Reuß-
Husaren, zur Verfolgung des weichenden Feindes herbeirief, durch deren
Erscheinen die rückgängige Bewegung desselben sehr beschleunigt wurde.
Nach den übereinstimmenden Zeugnissen der Kameraden aller an dem
Nachtgefechte von Volta betheiligten Truppenkörper, sowie särnmtlicher Vorge-
setzten bis zum Corps-Commandauten hinauf, hatte sich Hauptmann John durch
rasche Entschlossenheit und hervorragend kluge Rathschläge, sowie durch wieder-
holtes selbständiges Eingreifen und außerordentliche Tapferkeit ein wesentliches
Verdienst um den glänzenden Sieg von Volta erworben.
Auf Grund der Waffenthat bei Volta am 26./27. Juli 1848 geruhte Seine
Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister über Votum des
Ordens-Capitels kraft Promotion CLVII vom 2G. März 1850 den Hauptmann
Franz John des Generalstabes durch Verleihung de» Kleinkreuzes zum Ritter
des Maria Theresien-Ordens zu promovieren und ihn in der Folge statuten-
gemäß in den Freiherrnstand zu erheben.
Im weiteren Verlaufe des Krieges von 1848/49 kämpfte Hauptmann John
und zwar im Feldzuge 1848 noch in den Gefechten bei Gremona am 30. Juli und
bei Mailand am 4. August, — sodann im Feldzuge 1849 in dem Gefechte am
Gravellone am 20. März, in der Schlacht bei Mortara am 21. März und in der
Schlacht bei Novara am 23. März. Daraufmachte er die Expedition nach Tos-
cana. dabei den Angriff auf Li vorn o am 10. und 11. Mai, femer die Expedition
in die Ro magna unter Verfolgung der Garibaldischen Freischaren bis August
1849 mit.
Für seine Verdienste während des Feldzuges von 1849 wurde er in der Folge
mit dem Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit und mit dem Militär-
Verdienstkreuz ausgezeichnet
Hauptmann John hatte schon in diesem Kriege in hervorragender Weise alle
jene Eigenschaften eines Generalstabs-Officiers der Schule Radetzkys entfaltet,
dank welchen er späterhin noch tingleich Größeres und Ruhmvolleres vollbringen
sollte. Eine authentische Charakteristik Johns in seiner Eigenschaft, als General-
stabs-Officier aus den Jahren 1818/49 möge darum dessen militärisches Lebens-
bild vervollständigen. Sie stammt von dem GM. Friedrich Fürsten Liechten-
stein, unter welchem John den Krieg von 1848/49 mitgemacht hatte und lautet:
„Eine Pflicht erfülle ich nur, wenn ich dem Hauptmann Franz John des
Generals-Quartiermeister-Stahes das Zeugniß ausstelle: daß er von dem Tag
als er bey meiner Brigade einget heilt wurde, nähmlich am 4Un Juni 1848 bis
zum 6teQ August, dem Tag des Einmarsches in Mailand, sich in jeder Hinsicht
als ein ganz ausgezeichneter Generalstabsol'ücier bewiesen hat. Wenn an
Schlachttagen bey Vicenza am 10Un Juni, bey Sona am 23t,,n July, bei
Custoza am 25taD und endlich bey Volta am 26,fm und 27 Ua July er die
Beweise seiner Tapferkeit. Entschlossenheit, militärischen Einsicht und seines
richtigen Blickes lieferte und, mir mit Hingebung zur Seite stehend, wesentlich
/.um Gelingen dieser Gefechte beytrug, so waren seine Verdienste, die er während
Digitized by Google
Cominandeur des M. T.-O. Frant Freiherr von John.
265
den angestrengtesten Märschen durch seine Thätigkeit und Sorgfalt für die
Truppe sich erwarb, nicht minder. Er wußte hiedurch sich außer meinem vollen
Zutrauen auch die Liebe und das Zutrauen im höchsten Grade der Truppe zu
erwerben und vereinigt hiemit alle Eigenschaften eines ausgezeichneten General-
stabsofficiers. Nur glücklich kann sich jeder General schätzen, bey dessen
Abtheilung Hauptmann John sich eingetheilt befindet. ■
Diese Charakteristik Johns als Generalstabs-Officier sollte durch seine
späteren Thaten in seltener Weise bekräftigt wei den.
Nach dem Kriege gegen Piemont am 24. October 1849 zum Major
befördert, war John Generalstabschef der k. k. Occupations-Truppen inToscana;
dabei fungierte er vom November 1850 bis Juli 1852 als Präses einer Liqui-
dations-Commission, welche seitens der k. k. österreichischen und toscanischen
Regierung eingesetzt war, um die Verpflegsgebüren der auf toscanischem Gebiete
während der Occupation befindlichen k. k. Truppen zu bestimmen. Major Frh. von
Johns nach beiden Seiten gerechtes Vorgehen hiebei wurde ihm nicht nur seitens
der vorzüglich verpflegten Truppen mit warmer Dankbarkeit, sondern auch seitens
der nach Thunlichkeit geschonten Bevölkerung mit hoher Achtung und aufrichtiger
Zuneigung gelohnt. Vom August des Jahres 1852 war Frh. von John Generalstabs-
chef des VIII. Corps in Bologna.
Am 23. März 1854 zum Oberstlieutenant, am 16. April 1857 zum
Obersten und Regiments-Commaridanten des 1. Infanterie-Regiments befördert,
vertauschte an letzterem Tage Frh. von John auf kurze Zeit den Generalstabs- mit
dem Truppendienste.
Als Comniandant des 1. Infanterie-Regiments führte er im Kriege gegen
Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 bei der Einleitung des
Feldzuges die von Vercelli als Streifcommando gegen die Dora baltea
entsendete Halbbrigade. Dieselbe bildete, nachdem das Armee-Commando statt
Alessandria, am 7. Mai Turin zum Operations-Object genommen halte, die
äußerste Deckung der rechten Flanke der Armee. Oberst Frh. von John brachte in
Erfahrung, dass um jene Zeit 70.000 bis 75.000 Franzosen bereits auf sardinischem
Boden standen und Kaiser Napoleon III. sicher im Lande erwartet werde, stellt*'
aber überdies durch seine am 8. bis Ivrea ausgedehnte, energische Recogno-
scierung fest, dass das ganze Gebiet der Dora baltea für große Armeekörper völlig
ungangbar gemacht war. Er meldete dies dem Armee-Commando mit dem
Bedeuten, dass von jener Seite keine größere Unternehmung zu besorgen stand.
In der That wurde Johns Annahme durch weitere, am 9. einlaufende Meldungen
dahin bestätigt, dass die Linie der Dora baltea vom Feinde gänzlich geräumt
war und die Franzosen sich von Turin nach Alessandria gewendet hatten,
infolge dessen die Offensive eingestellt wurde, die Armee in der Lomellina
eine Centraistellung bezog, Oberst Frh. von John aber von Ivrea mittels eines
Gewaltmarsches in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai nach Vercelli einrückte.
Schon vor dieser Expedition war Oberst Frh. von John am 5. Mai wieder zum
General-Quartierriieisler-Stabe übersetzt worden, und zwar als Generalstabschef des
Digitized by Google
26«
CLXIV. bis CLXVID. Promotion. —
Im K riefe von 1866.
— Italien.
nach Tirol designierten VI. Armee-Corps. Er trug wesentlich dazu bei, dass dasselbe
trotz großer Schwierigkeiten rasch mqbilisiert wurde und nicht minder rasch den
Aufmarsch in Tirol vollzog. Es war jedoch nur einer Brigade des Corps vergönnt,
vor den Feind bei Solferino zu gelangen. Die sonst eingeleitete Cooperation des
Corps mit der Armee blieb infolge dep Rückzuges der letzteren hinter den Mincio
nur auf die Fühlungnahme mit dem Gegner beschränkt, so dass es dem Obersten
Frh. von John in diesem Kriege nicht beschieden war, unmittelbaren Antheil am
Kampfe zu nehmen.
Nach dem Kriege von 1859 wurde Oberst Frh. von John am 2. December 1850
zum Generalstabschef der II. Armee in Verona ernannt. Tn dieser Dienstesstellung
am 19. December 1861 außer der Tour zum Generalmajor befördert, widmete
er sich gänzlich den vorbereitenden Detailarbeiten einer eventuellen Verteidigung
Venetiens und des Südostens der Monarchie mit Rücksichtnahme auf die infolge
des Krieges von 1859 wesentlich geänderten politischen und strategischen Ver-
hältnisse. Diese durch mehr als sechs Jahre fortgesetzte Thätigkeit ließ GM. Frh. von
John, welcher ohnedem seit dem Beginne seiner Laufbahn ausschließlich in Italien
gedient hatte, mit allen Verhältnissen des voraussichtlichen Kriegsschauplatzes
sowie insbesondere jenen des Gegners selbst eine so innige Vertrautheit erwerben,
dass er in dieser Beziehung seitens der ganzen Armee als Autorität anerkannt
wurde und sich auch des Allerhöchsten Vertrauens des Obersten Kriegsherrn
erfreute. Letzteres manifestierte sich unter anderem durch eine allergnädigste
Anordnung Seiner Majestät des Kaisers vom Jahre 1862. gemäß welcher eines
der nach dem Kriege von 1859 neu erbauten Forts von Verona, jenes von
St. Venerio bei Montario, den Namen »Fort John- zu führen hatte.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte GM. Frh.
von John in der That als Generalstabschef der Süd-Armee den Feldzug in Italien
mit und wurde auch von Seiner k. k. Hoheit dem durchlauchtigsten FM. Erzherzog
Albrecht, gleich seit der Übernahme des Commandos über die im Süden der
Monarchie aufgebotenen Streitkräfte, durch vollstes Vertrauen in jeder Richtung
ausgezeichnet.
Johns Wirken auf diesem Posten war nach der Natur der Dinge meisten-
theils auf das geistige Gebiet der Conception strategischer Operationen, taktischer
Dispositionen und sonstiger Maßnahmen der obersten Leitung gebannt. Seine
Thätigkeit konnte darum, außer den grundlegenden Vorarbeiten nur in den ver-
schiedenartigen Ausfertigungen der operativen Entwürfe. Anordnungen zur
Schlacht u. d. gl. individuellen Ausdruck finden. Sonst gieng sein Wirken in der
Feldherrnthätigkeit des erlauchten Armee -Commandanten auf, trat dafür aber
umso greifbarer in den glänzenden Erfolgen des Krieges mit in Erscheinung.
Deshalb gilt es, nebst der vorangestellten Skizze des Krieges in Italien,
auch den diesfälligen Theil des Lebenslaufes Seiner k. k. Hoheit des Erzherzogs
Albrecht, hauptsächlich aber — zumal keine That beschreibung Johns vorliegt —
nachfolgendes autoritative Beweisthum seiner Waffenthat zu würdigen, womit der
erlauchte Sieger von Custozza, lange bevor er über Allerhöchsten Auftrag Seiner
Digitized by Google
CommaDdeur de« M. T.-O. Frani Freiherr von Jobn.
Majestät des Kaisers um das Großkreuz selbst sich bewarb*), jenen wesentlichen
Antheil an seinem Siege, welcher dem GM. Frh. von John als seinem Generalstabs-
chef zukam, demselben auch in wahrhaft erhabener Selbstlosigkeit zusprach und
nachfolgend bezeugte:
„Ich gebe hiemit unaufgefordert und gewissenhalt Meinem Generalstabs-
chef, FML. Franz Freiherrn von John Zeugniß von dem Antheile, welchen der-
selbe an den vollbrachten Operationen und bisher erreichten Resultaten dieses
Feldzuges gehabt hat.
Nachdem der genannte Herr Feldmarschall-Lieutenant sowohl durch seine
über die Grenzen der pflichtgemäßen Defensive hinausgehenden, mit ebensoviel
Präcision und Vorzüglichkeit als moralischem Mute entworfenen Einleitungen der
Operationen, zu deren Gelingen den Grund gelegt — als durch seine mit mili-
tärischem Scharfblicke, mit Ruhe und Festigkeit ertheilten Rathschläge und
auf meine Anordnung ausgeführten Dispositionen, während der Schlacht, zum
glücklichen Ausgange und der entscheidenden Wirkung derselben wesentlich
beigetragen: so beauftrage ich diesen Meinen Herrn Generalstabschef — in
gerechter Würdigung seiner Verdienste um eine hohe Auszeichnung -- statuten-
mäßig um das Commandern-- Kreutz des Mil. Maria -Theresien-Ordens beim
nächsten Ordenskapitel einzukommen.'
bi Ansehung des erlauchten Augenzeugen, sowie der Tragweite der Schlacht
von Custozza für die thunlichste Einschränkung jener unabsehbaren Nachtheile,
welche die Katastrophe im Norden, ohne den vorangegangenen Sieg im Süden,
über die Monarchie heraufbeschworen hätte, kommt dem vorstehenden Beweis-
thum hinsichtlich des Antheiles des GM. Frh. von John an dem Sieg von Custozza
erhöhte geschichtliche Bedeutung zu, umsomehr als Frh. von John, wie erwähnt,
bei seiner Bewerbung um das Commandeur-Kreuz des Maria Theresien- Ordens
keine Thatbeschreibung seiner Waffenthat beigebracht, sondern nur das vor-
stehend wiedergegehene Zeugnis, gemäß des in demselben gleichzeitig enthaltenen
Befehls, dem Ordens-Capitel vorgelegt hat.
Auf Grund des in solcher Weise authentisch erhärteten wesentlichen Antheils
an dem Siege von Custozza und der dadurch vollbrachten Waffenthat geruhte
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph l. als Erhabener Großmeister über
Votum des Ordens-Capitels kraft Promotion CLXVI vom 29. August 18(56 den
noch am Schlachtfelde von Custozza am Tage nach der Schlacht außer der Rangs-
tour zum Feldmarschall-Lieutenant beförderten Franz Freiherrn von John
zum Commandeur des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Infolge der unglücklichen Kriegsereignisse im Norden erfuhr das so ersprieß-
liche Wirken des FML. Frh. von John auf dem südlichen Kriegschauplatze das
•) Wahrend das von Seiner k. u. k. Hoheit dein FM. Erzherzog Albrecht dem GM. Frh. vor,
John ausgestellte Zeugnis aus dem Hauptquartier Sommac am pagna vom 28. Juni 1866 datiert ist,
bewarb Bich der erlauchte Sieger st-lbst, laut des im Ordensarchiv verwahrten statutenmäßigen An-
suchens, erst über Allerhöchsten Auftrag Seiner Majestät des Kaisers aus dem Hauptquartier
(ialliera am 11. Juli lbütt um das Grolikreuz des Maria Theresien-Ordens.
Digitized by Google
CLXIV. bia CLXVUI. Promotion. - Im Kriege vou 1866. - Italieu.
gleiche unerwartet jähe Ende, wie die siegreiche Feldherrnthätigkeit des Erz-
herzogs Alb recht. Unter einem mit Ernennung des Letzteren zum Obercomman-
danten wurde Frh. von John am 10. Juli 186G zum Chef des Generalstabes
der gesammten operierenden Armee ernannt. Mit dem Erzherzog begab er
sich von Conegliano am 12. Juli nach dem nördlichen Kriegschauplatze.
Gleich wie bisher, so gieng auch weiterhin sein Wirken äußerlich ununter-
scheidbar in der Feldherrn-Thätigkeit des erlauchten Ober-Commandanten auf.
Dabei galt es aber, auf dem nördlichen Kriegsschauplatze noch weit größere
Schwierigkeiten zu bewältigen, als vordem im Süden. Unter der heldensinnigen,
zielbewussten und energischen Oberleitung des Erzherzogs Alb recht entfaltete
jedoch auch FML. Frh. von John mit der anwachsenden Riesen-Aufgabe eine
immer umfassendere Befähigung und verdoppelte Umsicht und Thatkraft als Chef
des ( 'eneralstabes. So hatte er auch wieder seinen rühmlichen Antheil an der
außerordentlich laschen Concentrierung der Nord-Armee von Olmütz und der
Süd-Armee aus Venetien an der Donau zu einer neuen gewaltigen Armee,
welche durch rasch herangezogene Ergänzungen verstärkt, binnen zwölf Tagen
nach der Ankunft des Erzherzogs Albrecht mit dem FML. Frh. von John in
Wien, nur des Befehls des Obersten Kriegsherrn harrte, um mit 200.000
Mann und 800 Geschützen dem Gegner eine Hauptschlacht zu liefern.
FML. Frh. von John wusste jedoch nicht bloß den militärischen Anforderungen
seiner Stellung vollauf zu genügen, sondern auch allen Anforderungen der politi-
schen Gesammtlage der Monarchie Rechnung zu tragen. Während er in militärischer
Beziehung wesentlich dazu beigetragen hatte, der Cherschreitung der Donau
seitens des Feindes alle verfügbaren Kräfte in kürzester Zeit entgegenzustellen,
erblickte er gleichwohl in der thatsächlichen Fortsetzung des Kampfes bis zum
äußersten keinen Vortheil mehr für die Monarchie und war daher in den verschie-
denen Berathungen für den ehrenvollen Frieden, zu welchem der Gegner ange-
sichts der Machtentfaltuug an der Donau seine Hand bot. Von dem glänzenden
Siege im Süden, von dem hohen persönlichen Ruhm seines wesentlichen Antheils
daran unbeirrt, bewährte sich da FML. Frh. von John auch als besonnener, weit-
blickender, nur nach patriotischer Überzeugung handelnder Staatsmann.
Endlich aber halt«; er in dem Doppelkriege von 1866 einen weiteren wesent-
lichen Antheil daran, dass dessen Nachtheile für die Monarchie auf das geringste
Maß eingeschränkt wurden. Er trug nämlich durch seine Maßnahmen nach Ab-
schluss der Friedenspräliminarien im Norden ausschlaggebend dazu bei, dass
hinnen nicht ganz zwei Wochen wieder eine Armee von 130.000 Mann von der
Donau an den lsonzo und nach Kärnten geworfen und durch kraftvolle Wieder-
einleitung der Offensive auch Italien gegen Mitte August zur Annahme der
Friedenspräliminarien vermocht werden konnte.
Kaum wrar der Krieg beendet, wurde FML. Frh. von John am G. September 1 860
zum Chef des Generalstabes der Armee ernannt, unter einem aber auch mit
der Leitung des Kriegsniinisteriums betraut, um unter der Oberleitung des
gleichzeitig zum Armee-Ober-Coinmandanten ernannten FM. Erzherzog Alb recht
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-O. Fron« Freiherr von John.
209
an die Heeres-Reformen Hand zu logen, deren Durchführung sich nach den
Erfahrungen des letzten Krieges als unabweislich herausgestellt hatte.
Am 30. October 1866 definitiv zum Kriegsmiriister unter gleichzeitiger
Verleihung der Würde eines Geheimen Rathes und am i. December zum
Oberst-lnhaher des 76. Infanterie-Regiments ernannt, versah Frh. von John
sowohl sein Ressort als Kriegsminister wie auch die Functionen als Chef des
Generalstabes und legte den ersten Grund zu einer neuen Organisation des Heeres.
Den neuen verfassungsmäßigen Staatseinrichtungen gemäß vertrat er die
Angelegenheiten seines Ressorts auch im Reichsrathe. Durch soldatische Grad-
heit, Schlichtheit und Festigkeit gewann er trotz aller Gegenströmungen im öster-
reichischen Reichsrathe wie auch in der Presse dennoch schließlich stets sowohl
die Vertretungskörper als die öffentliche Meinung für die eingebrachten Militär-
Vorlagen.
Am 5. Mai 1867 wurde er selbst Mitglied einer der gesetzgebenden Körper-
schaften, indem ihn Seine Majestät der Kaiser zum lebe nsl änglichen Mil-
gliede des Herrenhauses des österreichischen Reichrathes ernannte.
Infolge der dualistischen Gestaltung der Monarchie erfolgte am 24. December
1867 die Ernennung des FML. Frh. von John zum Reichskriegsminister, doch
wurde er von diesem Posten über seine Ritte schon am 18. Jänner 1868 unter
gleichzeitiger Verleihung des Großkreuzes des Leopold-Ordens wieder
enthoben.
Nach etwas mehr als Jahresfrist, am 27. März 1869, erfolgte, nachdem John
auch um seine Enthebung von den Functionen des Chefs des Generalstabes gebeten
hatte, dessen Ernennung zum Commandierenden General in Graz, auf
welchem Posten er am 23. April 1873 zum Feldzeugmeister befördert wurde.
Nachdem er durch mehr denn fünf Jahre als Commandiererider General in
Graz befehligt, dabei aber wiederholt an dem Marschallsrathe behuls Berathung
der Heeresreformen in Wien theilgenommen hatte, wurde er am 14. Juni 1874
neuerdings zum ChefdesGeneralstabes der Armee ernannt. Den während
des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 gemachten Beobachtungen und
Erfahrungen Rechnung tragend, baute er die von dem Reichskriegsminister FZM.
Frh. von Kuhn als seinem Vorgänger begonnenen Reformen in der Organisation
des k. k. Generalstabes sowohl nach wissenschaftlicher als praktischer Rich-
tung allseitig weiter aus. Die schöpferischen Verdienste Johns um feste Grund-
lagen für die Fortentwicklung des k. k. Generalstabes werden unter den Heeres-
Reformen der Siebziger-Jahre stets einen hervorragenden Rang einnehmen. Seine
organisatorische Friedensthätigkeit hat, wiewohl nicht abgeschlossen, der Armee
ein geistiges Vermächtnis hinterlassen, durch welches im Vereine mit seinen
Waffenthaten von Volta und Custozza der Name John im Heere unvergessluh
fortlebt.
Mitten im eifrigsten und fruchtbarsten Schaffen, bei vollster Thätigkeit im
Allerhöchsten Dienste zum Wohle des Vaterlandes und der Armee, ward er vor-
zeitig am 25. Mai 1876 von plötzlichem Tode ereilt.
Digitized by Google
Digitized by Google
270
CLXTV. bis CLXVIII. Promotion. Im Kriege von 1866. — Italien.
Auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers wurden Johns sterb-
liche Oberreste mit den höchsten militärischen Ehren bestattet. Unter großartiger
Betheiligung der Bewohner Wiens gab die gesammte Garnison, mit den kaiser-
lichen Prinzen an der Spitze, dem Verblichenen das letzte Geleite. Seine zweite
Vaterstadt, die k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien, weihte ihm in ihrem
Pantheon auf dem Centrai-Friedhofe späterhin ein Ehrengrab und der k. k.
Generalstab ehrte in der Folge das Andenken seines ausgezeichneten Chefs in
dankbarer Pietät durch Errichtung eines Denkmals auf Johns letzter Ruhestätte.
Die höchste Huldigung aber brachte den Manen Johns der Sieger von Cuslozza,
Erzherzog Albrecht dar, indem er sofort nach Johns Tod auf den Sarg des Ver-
blichenen einen Lorbeerkranz niederlegte mit der Inschrift:
Meinem Freunde!
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Emst Härtung.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1866.)
Härtung, einer vor Jahrhunderten aus Langensalza in Hannover nach
Österreich eingewanderten Familie entstammend, wurde als Sohn eines k. k.
Staatsbeamten zu Schwechat bei Wien im Jahre 1808 geboren. Er genoss in der
Wiener k. k. Ingenieur-Akademie militärische Erziehung und Ausbildung und
wurde am 12. October 1827 zudem 1. Infanterie-Regiment als Fähnrich aus-
gemustert. In diesem Regimente diente er durch mehr als 20 Jahre. Am 15. März
1831 zum Lieutenant, am IG. August 1834 zum Oberlieutenant befördert,
versah er in letzterer Charge durch drei Jahre die Dienste eines Regiments-
Adjutanten. Am I.März 1841 erfolgte seine Beförderung zum Capitän-Licu-
tenant und am 1. März 1844 wurde er Hauptmann.
Mit seinem Regiment in Italien dislociert, wuchs er sozusagen in der Schule
Radetzkys auf, welche trotz tiefsten Friedens den Officier wie den Mann unaus-
gesetzt für den Krieg vorbereitete und so den Eifer Hartungs als wissenschaftlich
gebildeten und fortstrebenden Officier mächtig spornte. Er war zudem durch und
durch Soldat in der vornehmsten Bedeutung des Wortes, die edelste Verkörperung
des österreichischen Officiers. Er dachte und fühlte, lebte und wirkte nur für die
k. k. Armee: sie galt ihm als seine Familie.
So fanden ihn die Ereignisse des Jahres 1848 als Hauptmann in Mailand,
wo er mit seinem Regiment in der Brigade Wohlgemuth bei dem 1. Armee-Corps
FML. Grafen Wratislaw eingetheilt war. Er machte zunächst die Straßenkämpfe
in Mailand vom 18. bis 22. März, sodann den Krieg gegen Pieniont in den
Jahren 1 848/49 mit.
Na«"h dem Rückzug der Armee nach Verona bei dem II. Armee-Corps Frh.
D'Aspre in der Brigade des GM. Fürsten Wilhelm Taxis mit seinem Regimente
eingetheilt, kämpfte er in dem Feldzuge 1848 in dem Gefechte bei Valeggio am
Digitized by Google
i
I
:
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Ernst Härtung.
271
0. April, in der Schlacht bei S. Lucia am 6. Mai, in dem Gefechte bei Curtatone-
Munta nara am 20. Mai, in der Rccognoscierung bei Cerlungo am 3. Juni und
bei der Einnahme von Vicenza am 10. Juni mit.
In allen diesen Kämpfen bewies Härtung ebensosehr kaltblütige Tapferkeit
als ruhige Umsicht und that sich namentlich bei Vicenza dermaßen hervor, dass
er laut Befehl des FM. Grafen Radetzky am 16. Juni 1848 außer der Tour
zum Major bei dem Infanterie-Regiment Nr. 17 befördert wurde.
An der Spitze seines Bataillons kämpfte er von da an im Jahre 1848, weiter
mit und zwar in der Schlacht bei Custozza am 25. Juli, in den Vorhut-Gefechten
bei Ca di M ari am 30. Juli, bei Basiasco und Turano am 2. August und in dem
Gefechte bei Mailand am 4. August. Für seine Leistungen in dem Feldzuge 1848
wurde er nachträglich — 21. Jänner 1850 — mit dem Militär-Verdienst-
kreuze decoriert.
Im Feldzuge 1849 betheiligte sich Major Härtung an der Erstürmung von
Borgo S. Siro und an dem Gefechte bei Gambolö am 21. März. Sodann machte
Härtung in dem I. Armee-Corps, Brigade GM. Strassoldo, später GM. Pfannzelter,
endlich GM. EH. Ernst, den Zug in die R o magna mit. Er kämpfte mit und zwar bei
dem Angriff und der Unterwerfung von Bologna vom 8. bis 15. Mai, endlich bei Ein-
schließung und Geschützkampf von A ncona vom 5. bis 18. Juni. In diesem Feldzuge
wurde Major Härtung am 31. März 1849 mit dem Orden der Eisernen Krone
III. Classe ausgezeichnet und nach demselben am 1. August 1849 zum Oberst-
lieutenant befördert. Seine Tapferkeit, sein charaktervolles persönliches Auf-
treten, seine Kenntnisse und sein offenes Wesen bestimmten den Feldmarschall
Grafen Radetzky im Jahre 1850, Oberstlieutenant Härtung zum ad latus des
General-Adjutanten zu berufen. Doch schied er nach drei Monaten wieder aus dieser
Stellung, indem er schon am 5. Marz 1850 zum Obersten bei dem 23. Infanterie-
Regiment befördert wurde und bald darauf das Commando desselben übernahm.
Am 25. September 1854 wurde Härtung zum Generalmajor befördert.
Als Brigadier in Wien war er berufen, die damalige Neubearbeitung des
Dienstreglements zu leiten. Wiewohl selbst ein vorzüglicher Militär-Stilist, der
den klaren Gedanken stets in den treffendsten Ausdruck zu formen verstand,
hat er mit richtigstem militärischen Blicke und feinfühligstem Takte aus dem Re-
glement des Erzherzogs Carl vom Jahre 1808 alle jene classischen Stellen sorg-
fältig bewahrt, welche ein bleibendes Vermächtnis für die k. u. k. Armee bilden.
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
kämpfte er mit seiner Brigade, bestehend aus dem niederösterreichischen Infanterie-
Regiment Hessen Nr. 14 und den Dreiundzwanziger-Jägern, im III. Armee- Corps
des FML. Fürsten Edmund Schwarzenberg mit und zwar bei der Kanonade bei
Valenza am 3. Mai. in der Schlacht bei Magenta am 4. Juni und in der Schlacht
bei Solferino am 24. Juni.
In der Schlacht bei Magenta trat Härtung mit seiner Brigade, nach den
Gewaltmärschen der Armee vom 2. bis 4. Juni, am Nachmittag des letzteren
Tages von Casterno über Carpenzago gegen Ponte vecchio di Magenta
Digitized by Google
272 (XXIV. bis CLXVI1I. Promotion. - Im Kriege von 1866. — Italien.
in den Kampf. Ursprünglich hatte Härtung mit seiner Brigade eine Aufstellung
mit der Front gegen den Ticino zu nehmen. Als man jedoch vom Thurme von
Casterno wahrnehmen konnte, dass bei Magenta und Ponte vecchio di Magenta
gekämpft werde, wich Härtung von der empfangenen Disposition ab und befahl
aus eigener Entschließung die Vorrückung seiner Brigade in der Richtung gegen
Ponte vechio di Magenta. Trotzdem auf feindlicher Seite immer wieder frische
Kräfte in den Kampf eingriffen, erstürmte Härtung mit seiner Brigade den Ort
wiederholt und behauptete sich, nachdem er der Übermacht hatte weichen
müssen, schließlich doch die ganz« Nacht vom 4. auf den 5. Juni hindurch ange-
sichts von Ponte vecchio di Magenta in Gefechtsstellung auf dem Schlachtfelde.
Am 5. mit Tagesanbruch nahm Härtung den Kampf sofort wieder auf und trat
erst infolge allgemeinen Rückzugsbefehls den Rückzug an. Für seine Leistungen
in der Schlacht bei Magenta wurde GM. Härtung am 27. Juni 1859 mit dem On'en
der Eisernen Krone II. Classe ausgezeichnet.
In der Schlacht bei Solferino kämpfte Härtung mit seiner Brigade von
8 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags vorwärts Guidizzolo gegen die von Medole
über Casanuova vordringenden Infanterie-Massen trotz verheerenden Artillerie-
feuers und eines gewaltigen Cavallerie-Angriffs des Feindes unerschütterlich bis
zum allgemeinen Rückzugsbefehl und wurde für sein Verhalten mit dem Ritter-
kreuz des Leopold-Ordens decoriert.
Sein Generalstabsofficier im Feldzuge von 1859 schildert Hartungs per-
sönliches Verhalten auf dem Schlachtfelde mit folgenden Worten :
.Härtung war von seltener Unerschrockenheit, und machte die persönliche
Gefahr auf ihn keinen Eindruck; gerade als Brigadier, wo er in engem Contact
mit der Truppe stand und anderseits ihn der Gang des Gefechts nicht ununter-
brochen in Anspruch nahm, verstand er es, der Mannschaft — gewöhnlich in
trockenem Humor — Muth und Ausdauer einzuflößen."
Bei den nach dem Kriege von 1859 in Angriff genommenen Reformen in
dem k. k. Heerwesen betheiligte sich GM. Härtung an den Arbeiten der Commission.
welche berufen war, das Exercier-Reglement der k. k. Infanterie den geän-
derten taktischen Verhältnissen entsprechend umzuarbeiten.
Obwohl vom Fähnrich an der Infanterie-Waffe angehörig und in derselben
nach jeder Richtung als Instructor und Führer thätig, kannte und bcurtheilte er
auch mit scharfem Rüc ke die anderen Watten in allen Details ihres Dienstes. Er
war ein ausdauernder Reiter und stets vorzüglich beritten. Ganz besondere Vorliebe
hatte er aber für das Artillerie-Wesen und kannte kein größeres Vergnügen,
als auf Artillerie-Übungsplätzen tagelang auszuharren, um seine Erfahrungen zu
bereichern. Deshalb wurde er, obgleich nicht eigentlich Kachmann, doch später-
hin auch artilleristischen Versuchen und Erprobungen beigezogen.
Am 15. August 1862 zum Truppen-Kommandanten im Küstenlande und in
Istricn zu Triest ernannt, rückte er am 13. August 1803 zum Feldmarschall-
Lieutenant vor und wurde am 12. Mai 1804 Oberst-Inhaber des 47. Infan-
terie-Regiments.
Digitized by Google
Ritter des M. T.O. Krnst Härtung.
273
Im Winter 1865 brach unter den in Triest garnisonierenden Truppen eine
Cliolera-Epidemie aus. Mit großer Umsicht. Energie und Sorgfalt traf Härtung,
von den Organen des Truppen- Commandos bestens unterstützt, alle Maßregeln,
um die Epidemie zu bekämpfen. Bei diesem Anlasse durchbrach seine wahrhaft
kameradschaftliche Liebe für alle Glieder der Armee, die er als seine Familie
betrachtete, selbst die ernste Strenge seines äußeren Wesens, und wie ein Vater
trug er für Officier wie Mann zarteste, liebevollste Sorgfalt. Nebst der tiefen Dank-
barkeit der gesammten Triester Garnison und Bevölkerung wurde aus diesem
Anlasse dem FML. Härtung auch der Ausdruck der Allerhöchsten Zufrieden-
heit des Obersten Kriegsherrn zutheil.
Im Kriege gegen PreuBenund Italien im Jahre 1866 kämpfte Härtung
unter Erzherzog Albrecht als Gommandant des in die Süd-Armee in Italien
eingeteilten IX. Corps. So war Härtung nebst FML. Frh. von Maroiöic und GM.
Frh. von Bodich berufen, als Unter-Befehlshaber unter der Führung des erlauchten
Feldherrn, wesentlich dazu beizutragen, dass sich die Schlacht bei Custozza am
24. Juni zu einem der glänzendsten Siege der kaiserlichen Waffen gestaltete.
Am 23. Juni um 8 Uhr abends erhielt FML. Härtung in seinem Corps-Haupt-
quartier zu S. Lucia die Disposition des Armee-Commandos für den Vormarsch
am 24. Juni. Nach derselben hatte das IX. Armee-Corps von S. Lucia möglichst
gedeckt nördlich des Eisenbahndammes über Mancalacqua zu rücken und von
da die Richtung gegen Sommacampagna einzuschlagen, diesen Ort, falls er
vom Feinde besetzt wäre, anzugreifen und sich dort festzusetzen. Das Corps hatte
während der zu vollführenden Schwenkung der Armee nach Süden die Höhen von
Sommacampagna als Pivot der ganzen Bewegung festzuhalten und sich gegen
Berettara auszudehnen.
Da die Cavallerie-Brigade Pulz am 23. bis zum Fort Gisela bei Verona den
erhaltenen Dispositionen gemäß zurückgegangen war, so lag die Befürchtung nahe,
dass der Feind den wichtigen Punkt Sommacampagna rasch in Besitz nehmen
und durch einen starken Druck von hier aus die ganze Bewegung der Armee und
insbesondere die dem IX. Armee-Corps zugedachte Aufgabe lähmen könnte. Um
dies zu verhindern, Sommacampagna möglichst vordem Feinde zu erreichen,
dabei auch die schnelle Entwicklung des Corps im Bedarfsfalle mehr zu sichern,
stellte der Generalstabschef Hartlings, Oberstlieutenant Pielsticker, dem Corps-
Commando den Antrag, den vorgezeichneten nördlichen Colonnenweg nur für
eine Brigade zu benützen, mit dem Gros des Corps aber auf dem directen Wege
Hegen Sommacampagna, der um 21/. bis 3 Stunden kürzer war, vorzugehen
und dadurch die Besetzung des Ortes und der Höhen schon um 6 Uhr früh zu
ermöglichen. *)
FML. Härtung acceptierte den Vorschlag seines Generalstabschefs und nahm
damit die volle Verantwortung für diese Abänderung der Disposition auf sich, da
*)±\<i\ie .Maria Tt.cresienOrdrns-Hitter Ludwig Krli. von Pi eis tick.' r.' - ™te im ff.
Militärischer Mari. There««i.-Ord.n. 18
Digitized by Google
274
CLXiV. bis CLXYI1I. 1'roiuol.oii.
- Im Kricfi- vun 1H66.
- Italien.
die Zeit zu kurz war, um die Genehmigung seitens des Armec-Commandos
anzusprechen. Härtung ertheilte nunmehr den behufs Entgegennahme der Vor-
marsch-Dispositionen in S. Lucia versammelten Generalen. Truppen- und selb-
ständigen Abtheilungs-Cornmandanten seines Corps die Weisungen für den koni-
inenden Tag und erörterte mit ihnen auf Grund der Dispositionsänderung den
Kall eines Gefechtes bei Sommacampagna.
Schließlich wurde noch am 23. um 10 Uhr nachts ein Husaren-Zug zur
Recognoscierung nach Sommacampagna mit dem Auftrage entsendet, gegen
Tagesanbruch bestimmte Nachricht zu senden, ob Ort und Umgebung vom Feinde
besetzt sei oder nicht.
Am frühen Morgen des 24. Juni, Punkt 3 Uhr setzte sich das IX. Corps
gegen Sommacampagna in Bewegung. Die Brigade Böck benützte, da sie auf
der ihr zugewiesenen Straße nördlich der Eisenbahn eine Brigade des VII. Armee-
Corps vorfand, den Eisenbahndamm als Marschlinie. Die Brigade Weckbecker
gieng auf der directen Straße nach Sommacampagna, die Brigade Kirchsberg und
die Geschütz-Reserve über Caselle dErbe gegen Madonna della Salute vor.
Bald nach dem Aufbruche traf von dem nachts entsendeten Husaren-Zuge
aus Sommacampagna die Meldung ein, dass der Ort vom Feinde bis l'/t Uhr
nachts noch nicht besetzt worden war.
Die Brigade Weckbecker, deren Tete um 5'/s Uhr in Sommacampagna
eintraf, schob FML. Härtung sogleich nach Berettara vor; die Brigade Kirchs-
berg, die um 6 Uhr einlangte, besetzte Sommacampagna und die Genie-Com-
pagnie des Corps lichtete den Ort zur Verteidigung her. Um ungefähr 7 Uhr früh
hatte die Brigade Weckbecker ihren Aufmarsch auf den Höhen bei Berettara.
Casa del Sole und Zenolino und die Brigade Kirchsberg in Sommacam-
pagna bewirkt. Die Brigade Böck langte mit ihrer Tete erst mn 8V4 Uhr bei
Sommacampagna ein.
FML. Härtung begab sich auf die Höhe bei Casa del Sole. Vor der Front
lies Corps war mit Ausnahme einzelner Reiter kein Feind sichtbar; bald aber
zeigte Kanonenfeuer in der Richtung von S. Rocco di Palazzolo an, dass das
Gefecht dort bereits begonnen hatte. In der Ebene nordöstlich von Villafranca
war deutlich zu sehen, dass sich die kaiserlich»! Reiterei unter Oberst Pulz bereits
im Kampfe mit dem aus dem Orte debouchierenden Feinde befand. Langgedehnte
Staubwolken hinter Villafranca verriethen den Anmarsch starker feindlicher
Massen.
Der Armee-Commandant, entschlossen, unter Festhaltunjr Sommacam-
pagnas dem Feinde entgegenzurücken, erließ um 7 Vi Uhr die Befehle zum
weiteren Vormarsche. Der Befehl für das IX. Arn -Corps, welcher indessen erst
um 8 Uhr bei FML. Härtung eintraf, lautete: „Sommacampagna mit 1 Brigade
halten, die beiden anderen Brigaden über Bereltara, Casa del Sole, bis zum
Thaleinschnitte von Staffalo. ausdehnen."
Noch vor Eintreffen dieses Befehles jedoch, hatte FML. Härtung in richtiger
Erkenntnis der Gefechts- und Terrain -Verhältnisse sogleich nach Besetzung von
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Ernst Härtung.
275
Soinmacarnpagna und Berettara um 7 Vi Ulir den rechten Flügel der Truppen,
Theile der Brigade Weekbecker von Berettara bis Boscone gegen den vom
Feinde bereits besetzten Monte della Groce vorgeschoben; die im Anmärsche
befindliche Brigade Bäck sollte deren Stelle bei Berettara einnehmen.
Gegen 8 Uhr war deutlich zu bemerken, dass der Feind die Höhe des
Monte Torre und Monte della Croce besetzte und sich fortwährend
verstärkte. Es war die italienische Division Brignone, welche dort Stellung nahm.
Der feindliche Aufmarsch auf dem Monte della Croce war noch nicht
vollendet, als ein von der Brigade Weckbecker mit einem Bataillon Bayern gegen
Boscone vorgeschobener Geschützzug zu feuern begann. Die feindliche Besetzung
des langgestreckten, die umliegenden Höhen dominierenden Röckens des Monte
Torre und Monte della Croce erschien dem FML. Härtung umso gefährlicher,
als der Gegner, gedeckt durch die Höhe, im Falle einer unglücklichen Wendung
des Gefechtes in der Ebene, die nur durch Cuvallerie gedeckt war. auf dem
kürzesten und bequemsten Wege Soinmacarnpagna selbst angreifen konnte.
Dem FML. Härtung schien daher der Besitz des Monte della Croce zur
Durchführung der ihm zugewiesenen wichtigen Aufgabe — Festhalten der Höhen
von Sommacampagna als Pivot der Armee — unbedingt nöthig, ebenso, dass die
Festsetzung auf diesem dominierenden Höhenrücken umso rascher erstrebt
werden müsse, als es schien, dass der Feind sich auf demselben fortwährend ver-
stärkte. FML. Härtung ordnete daher nach vollständigem Eintreffen der Brigade
Böck bei Berettara die Erstürmung des Monte della Croce durch diese
Brigade und jene des GM. Weckbecker an.
Der Angriff gegen die vom Feind stark besetzte Höhe war jedoch nicht leicht.
Das Staffalo-Thal war im Angesichte des Feindes, unter den Kanonen desselben
zu durchschreiten und die Ausgänge des jenseitigen Thalrandes, sowie der Abhang
des Berges selbst waren sehr steil. Der Angriff musste jedenfalls durch Artillerie
vorbereitet werden. Die Batterien der beiden Brigaden beschossen daher von
möglichst günstigen Punkten bei Pellizzara und Pezzaroni den Feind.
Die drei Reserve-Batterien des Corps wurden von Sommacampagna auf die
Kuppen bei Casa del Sole vorbeordert, um durch ihr Feuer den Angriff der
Infanterie mit vorzubereiten und zu unterstützen, doch konnte nur eine Cavallerie-
Batterie noch rechtzeitig die ihr angewiesene Aufstellung am Boscone vor dem
Sturme erreichen.
Der Gegner, welcher vom Monte della Croce aus die Vorbereitungen des
IX. Corps übersah und die Sachlage erkannte, traf seine Gegenmaßregeln.
Indessen begann gegen 83/t Uhr früh der Vormarsch der beiden Brigaden
des IX. Armee-Corps in Staffeln vom linken Flügel. Die Brigade Weckbecker gierig
über St äff alo direct gegen den nördlichen Anfall des Monte della Croce vor;
die Brigade Böck folgte ihr in der Richtung über Balconi rossi und Mascar-
pino. Die beiden Brigaden, in Divisionsmassen formiert, rückten unter dem Feuer
der am Monte della Croce postierten feindlichen Geschütze in musterhafter Ordnung
durch das Staffalo-Thal. Der durch den Ungestüm der Conimandanten, welche
18*
Qigitized by Google
27ß
CI.XIV. Lis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von Isfiß. — Italien.
an den AbfAllen des bewaldeten Berges die Vorbereitung des Sturmes durch die
disponierte Geschütz-Reserve nicht abwarteten, verfrühte Angriff, bei welchem es
auf dem Bergrücken selbst zu erbittertem Nahekampfe kam, gelang jedoch nicht
und der Monte dellaCroce blieb vorläufig im Besitze der Italiener, welche in
dieser äußerst festen Position im ganzen 11 Bataillone ins Gefecht gesetzt hatten,
gegen welche die Angriffe von nicht ganz 10 Osterreichischen Bataillonen erfolglos
blieben.
Der Kampf hatte auf beiden Seiten schwere Opfer gekostet. Die am Kampfe
betheiligt gewesenen k. k. Truppen waren außer Zusammenhang gerathcn und
so erschöpft, dass sie erst nach längerer Zeit wieder vollständig gesammelt werden
konnten, daher vor Ablauf mehrerer Stunden auf deren erfolgreiche Verwendung
nicht zu rechnen war.
Aber auch die Vertheidiger des Monte della Croce, welche durch Truppen
der italienischen Division Cugia Verstärkung erhalten hatten, waren aufs äußerste
erschüttert, und es gelang ihnen trotz anerkennenswerter Tapferkeit nur mit
großer Mühe, sich zu behaupten, ja es gab einen Moment, in welchem sie dem völligen
Rückzüge und Aufgeben der Position nahe waren. Die Italiener begnügten sich mit
der Behauptung ihrer Stellung; sie waren außerstande, die sich über das Staf-
falo-Thal langsam zurückziehenden österreichischen Truppen zu verfolgen.
Diese wurden durch das kräftige Feuer der Batterien des IX. Corps gedeckt.
Die Italiener trafen nun Maßnahmen, um sich des Monte della Croce zu
versichern, zu welchem behufe General Cugia Geschütze und Fußtruppen heran-
zog und ein Regiment auf den nordöstlichen Bergabhang bis Cape Ha vorschob.
Überdies wurde nun der Monte Torre gegen 11 Uhr durch die Division Govonc
besetzt.
Die nach Zurückweisung des Angriffes auf den Monte della Croce auf-
fallend passive Haltung des Feindes, wie nicht minder die Rücksicht auf die durch
das Zurückweichen der Brigade Scudier des VII. Corps von Custozza-Belvedere
befürchtete Lücke in der Schlaclitlitiie bewog FML. Härtung zur alsbaldigen
Wiederaufnahme der Offensive.
In der Hoffnung, durch eine Diversion gegen Custozza den auf dem Monte
della Croce stehenden Gegner um seinen Rückzug besorgt zu machen, ihn
dadurch zu schwächen und nach Sammlung der Brigaden Weckbecker und Bück
einen erneuerten Angriff auf den Monte della Croce unternehmen zu können,
ordnete Härtung nach 11 Uhr die Vorrückung des nach Berettara vorgezogenen
Regiments Thun der Brigade Kirchsberg längs des Bosen dei f'it ti und über den
Monte Molimenti gegen Belvedere an, — ein Unternehmen, welches zuvor
die Brigade Scudier ins Werk gesetzt, nun aber aufgegeben hatte. Das Regiment
drang in der vorgezeichneten Richtung unter helligem Geschützfeuer vom Monte
Torre vor. fand das Belvedere nur schwach vom Feinde besetzt, vertrieb ihn
und nahm gegen 12 Uhr mittags dort Stellung. Da es aber hier dem Feuer
mehrerer Batterien ausgesetzt war. in Flanke und Rücken bedroht wurde, so zog
es sich angesichts der anrückenden feindliehen Verstärkungen aus dieser isolierten
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Ernst Härtung.
277
und gefährlichen Position nach Berettara zurück, wo der größte Theil um 3 Uhr
anlangte. Einige Abtheilungen des Regiments, welche der Rückzugsbefehl nicht
erreicht hatte, blieben jedoch auf dem Belvedere zurück, wo sie sich mit Tapfer-
keit und Ausdauer weiter vertheidigten. Die entschiedene Wichtigkeit der Position
für das spätere Vordringen gegen Gu st ozza, bewog den Generalstabschef des
IX. Corps, Oberstlieutenant Pielsticker, ein Bataillon Bayern zur Verstärkung
vorzuführen. Übermacht des Feindes und Bedrohung der Flanke zwang jedoch
diese braven Truppen zum Rückzüge auf den Monte Arabiea, worauf sie, vom
Feinde hart bedrängt, durch das vorrückende VII. Armee-Corps aufgenommen
wurden.
Diese zähe Vertheidigung des Belvedere war indessen nicht ohne günstigen
Einfluss auf den weiteren Verlauf des Kampfes um diese Position, da dem Feinde
bei dem bald darauf erfolgten Angriffe des VII. Armee-Corps die Zeit mangelte,
sich in der eroberten Stellung gehörig festzusetzen, insbesondere aber dieselbe mit
Geschütz auszustatten. Auf eine ausgiebige Unterstützung des Regiments Thun
und den beabsichtigten neuen Angriff auf den Monte della Croce hatte FML.
Härtung verzichten müssen, weil wider Erwarten die Brigaden Weckbecker und
Bück bis 3 Uhr nachmittags sich nicht in kampffähige Verfassung setzen konnten,
Sommacampagna aber, das nur mehr vom Regimente Maroißid besetzt gehalten
wurde, angesichts der Übermacht und Nähe des feindlichen rechten Flügels nicht
hatte ganz entblößt werden dürfen. Nach Rückkehr des Oberstlieutenants Pielsticker,
welcher Nachricht über die Vorgänge im Centruin brachte, entschloss sich FML.
Härtung aber selbst zu diesem äußersten Mittel, um den voraussichtlich baldigen
Entscheidungskampf um die Höhen bei Custozza seinerseits wirksam vorzu-
bereiten und nahm das Regiment Maroicic von Sommacampagna vor.
Erzherzog Albrecht hatte von S. Rocco di Palazzolo um 3 Uhr zum
allgemeinen Sturm auf Custozza, welchen der Commandant des VII. Corps
bereits aus eigener Initiative begonnen halte und zu welchem auch jeuer des V. Corps
schon Vorbereitungen Iraf, die Befehle erlassen. Die das IX. Corps betreffende
Anordnung lautete: „Ein Bataillon und die Genie-Compagnie des IX. Corps werden
in Sommacampagna bleiben: drei ausgeruhte Bataillone dieses Corps werden auf
den rechten Flügel gezogen, wenn Sommacampagna nicht ernstlich bedroht ist."
Gerade im Sinne dieses Befehls war aber auch FML. Härtung bereits im Begriffe
seine Vorkehrungen zu treffen.
Um 4 Uhr nachmittags wsir vom IX. Corps die Geschütz-Reserve mit den
auf dem Monte della Croce stehenden feindlichen Batterien wie bisher im
Kample; von den Truppen des Corps befanden sich die Brigade Weckbecker und
Bück hinter Sommacampagna. die Brigade Kirchsberg zum Theil in diesem Orte,
zum Theil bei Berettara.
Wahrend nun das VII. und V. Armee-Corps den Angriff auf Custozza vor-
bereiteten, traf auch FML. Härtung um 41/, Uhr seine Maßnahmen zu einem neiwit
Angriffe auf den Monte della Croce und Monte Torre, indem er die letzt»-
intacte Truppe des IX. Corps, das aus Sommacampagna vorgezogene Regiment
Qjgitized by Google
278
CLXIV. bi* CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von tSf.fi. — Italien.
Maroicic der Brigade Kirchsberg, zum Angriffe auf den Monte dellaCroce
vorführte.
Dasselbe überschritt, am Bosconc hinabsteigend, das Staffalo-Thal, griff
den vom Feinde vertheidigten nordöstlichen Fuß des Monte dclla Groce an,
warf die auf der Lehne und dem Rücken stehenden feindlichen Bataillone theils
den Bergrücken entlang gegen Custozza, theils direct gegen die Ebene vom
Berge herab, machte viele Gefangene und eroberte auf der Kuppe des Monte
della Croce 5 Geschütze. Diese wurden sofort gegen den Feind gekehrt und
verwandelten, von mehreren kaiserlichen Officieren bedient, durch ihr Feuer den
Rückzug des gleichzeitig in der Ebene von der vorrückenden österreichischen
Cavallerie bedrohten Feindes in volle Flucht. Die feindlichen Truppen waren infolge
der durch das verheerende Feuer der Reserve-Batterien des IX. Corps erlittenen
schweren Verluste so erschüttert gewesen, dass sie dem Angriffe des Regiments
Maroifiic* auf den Monte della Croce nicht zu widerstehen vermocht hatten.
Das persönliche Verhalten Hartungs charakterisiert dessen Generalstabschef
als intimster Augenzeuge folgendermaßen:
„In der Schlacht von Custozza 186G, in welcher sein Armee-Corps zum
Pivot der Armee-Entwicklung und Bewegung bestimmt war, hielt er sich, jede
Gefahr verachtend, fast den ganzen Tag inmitten der exponierten, aber die beste
Übersicht gewährenden Position seiner 24 Reserve-Geschütze am äußersten
linken Flügel bei Casa del Sole auf, durch sein Beispiel Officiere und Mannschaft
erhebend, jede feindliche Bewegung in den vielen Wechselfällen des Kampfes
erspähend, selbst öfters in die Richtung der Geschütze und Wahl der Geschoss-
arten eingreifend, ohne die umsichtige Leitung seiner Truppen aus dem Auge zu
verlieren.
Aus dieser Aufstellung machte er den Sturm des Regiments Maroicic auf den
gegenüberliegenden, vom Feinde so lange erfolgreich bestrittenen Monte Torre mit
und verließ das Schlachtfeld erst in der Dunkelheit, als auch das letzte bis dahin
en reseref gehaltene Bataillon seiner Truppen herbeigezogen war und die Vorposten
bezogen hatte.*
FML. Härtung hat durch seine klugen Einleitungen und geschickten Dispo-
sitionen sich das größte Verdienst um die glücklichen Erfolge des IX. Armee-Corps
und hiedurch um den Sieg bei Custozza erworben. Er hatte in richtiger Erkennt-
nis der Gefechts- und Teirainverhältnisse sogleich nach Besetzung von Somma-
campagna und Berettara um '/,.8 Uhr früh den rechten Flügel der Truppen gegen
den Feind dirigiert, obgleich der um 8 Uhr früh empfangene Befehl des Armee-
Commaudos nur die Ausdehnung bis zum Thale'mschnitte von Sta ffalo vorschrieb.
Durch die während des ganzen Tages von den Truppen aller 3 Brigaden
de- Corps mit großer Tapferkeit und Zähigkeit wiederholten Sturmangriffe gegen
die auf dem Monte Croce autgestellten und -ich stets verstärkenden feindlichen
Truppen wurde die ernstliche Gefährdung des Pivots der ganzen Armee paralysiert,
und der Feind in der weiteren Vorrückung gegen die Höhen von Casa del Sole
und Sommacampagna aufgehalten.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. KrtiBt Härtung.
279
Nach den blutigen Angriffen der Brigade Weckbecker und Böck und nach dem
hartnäckigen Widerstand von Theilen des Regiments Thun auf dem Belvedere
und dem Monte Arabica, wodurch der Angriff des VII. Armee-Corps erleichtert
wurde, konnte Härtung seine Aufgabe stundenlang nur durch das muthige
Ausharren und das vorzüglich geleitete Feuer seiner fast isoliert vorgeschobenen
Artillerie erfüllen, zog aber dann im entscheidenden Augenblicke seine letzte
Reserve, das Regiment Maroicic vor und dirigierte es so glücklich gegen den
Monte Crooe, dass durch den mit glänzender Tapferkeit ausgeführten Sturm die
Position nebst feindlichen Geschützen genommen wurde.
Krzherzog AI brecht bezeugte als Feldherr, „dass der Herr FML. Ernst
Härtung am 24. Juni d. J. sein Corps mit großer Sicherheit geführt — im
heftigsten Feuer demselben stets als glänzendes Beispiel der Tapferkeit und
Kaltblütigkeit vorangeleuchtet und durch seine ganz entsprechenden Dispositionen
— namentlich durch Vorsendung der Brigade GM. Weckbecker auf den Monte
della Croce einen großen Antheil an der siegreichen Entscheidung der Schlacht
von Custozza hat."
Auf Grund der in der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866 vollbrachten
Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
meister über Capitel- Votum kraft der CLXVI. Promolion vom 29. August 1866
den FML. Ernst Härtung mittels Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des
Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Noch bevor Härtung dieser höchsten militärischen Auszeichnung theilhaflig
geworden, hatte ihm Seine Majestät die Geheime Raths würde allergnädigst zu
verleihen geruht.
Nachdem FML. Härtung infolge der Versetzung des IX. Corps aus Italien an
die Donau auch den letzten Theil des Feld zuges gegen Preußen, ohne dass er
aber mehr zu einem Gefechte gekommen, mitgemacht hatte, wurde derselbe im
October 1866 iiiterimi-lisch zum Conunandierenden General für Nieder- und Ober-
österreich. Salzburg, Mähren und Schlesien bestimmt.
Am "20. März 1868 erfolgte seine Ernennung zum wirklichen Commandie-
renden General in Wien, am 22. April 1868 seine Beförderung zum Feldzeug-
meister.
Nachdem ihm am 19. Februar 1869 in Anerkennung seiner mehr als vierzig-
jährigen, ausgezeichneten und treuen Dienstleistung der Orden der Eisernen
Krone I. Classe mit der Kriegsdecoration II. Classe verliehen worden, trat er auf
eigenes Ansuchen am 1. März 1869 in den definitiven Ruhestand in Wien.
Aber auch außer der Activität fühlte sich Härtung mit allen Fasern seines
Wesens mit seinem Stande, mit der Armee verwachsen. Er verfolgte alle militäri-
schen Fragen durch eifrigstes Studium, sowie er auch an allen Angelegenheilen des
österreichischen Heerwesens und der k. k. Armee regsten Antheil nahm.
Seine Majestät der Kaiser geruhte den FZM. Härtung zum lebensläng-
lichen Milgliede des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes zu
berufen.
Digitized by Google
280 CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 18fiff. — Italien.
Seiner politischen Überzeugung nach conservativ in allem, was den Glanz
des Allerhöchsten Kaiserhauses, das Wohl des Vaterlandes und der Armee anbe-
langt, zeigte er sich auch als Mitglied des Herrenhauses, unbeirrt von äußeren
Einflüssen und geachtet von jeder Partei, als selbständig denkender und handeln-
der Charakter. Obzwar er naturgemäß sein Hauptinteresse militärischen Fragen
entgegenbrachte, wohnte er dennoch mit soldatischem Pflichteifer allen Sitzungen
des Herrenhauses regelmäßig an. Kr wurde von demselben auch wiederholt in die
Delegation des österreichischen Reichsrathes entsendet und widmete auch da allen
Heeres- und Marine-Angelegenheiten regste Aufmerksamkeit.
Einfach und schlicht in seiner ganzen Lebensführung, verstand sich Härtung
nie dazu, sich des ihm kraft der Ordensstatulen zukommenden Ritterstandes zu
bedienen. Er schritt auch um den ihm sowohl als Maria Theresien-Ordens-
Ritter wie als Ritter der Eisernen Krone I. Classe zukommenden Freiherrnsland
nicht ein.
Er starb am 1. October 1879 in Wien, tief betrauert von seinen Waffen-
gefährten und von allen, die ihn je kennen gelernt.
Noch in seinem Testament gab er einen letzten, ergreifenden Beweis von
Anhänglichkeit an seinen Stand, von tiefkameradschaftlicher Liebe zur Armee.
Nach den Worten: , Meinem Stande von Kindheit an mit Leib und Seele
ergeben, ist die k. k. Armee meine theuere Familie" und nach der Erklärung, dass
seine nächsten Verwandten wohlhabend seien, setzte er unter Ausscheidung
mehrerer nicht unbedeutender Legate für ihm befreundete Officiere und für seine
Dienerschaft, vier seiner früheren Generalstabsofficiere, welche im Laufe von vier
Feldzügen ihm theils als seine Generalstabs-Chefs zur Seite oder sonst nahe ge-
standen waren, zu Universalerben des Überrestes seines Vermögens ein.
Sein letzter Wille schloss überdies mit Worten, in welchen sich zugleich der
ganze Lebensinhalt dieses wahrhaft edlen Kriegsmannes auspiägte: „Mein letzter
Wunsch ist: .Gott segne Kaiser, Heer und Vaterland!*
Ritter des Maria Theresien- Ordens
Gabriel Freiherr von Rodich.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1806.)
Rodich wurde am 13. December 1812 zu Verginmost im Bezirke des
1. Batial-Grenz-Regimcntes in Kroatien geboren. Im vierzehnten Lebensjahr als
Regiments-Cadet bei dem Infanterie-Regiment Nr. 54- am 1 7. October 182G
assentiert, erfolgte gleichzeitig seine Aufnahme in die Cadeten-Compagnie zu
Graz. Nach vorzüglicher Absolvierung derselben wurde er am 1. Jänner 1831 außer
der Tour zum Fähnrich befördert.
Schon in dem Jahre 1832/33 war ihm Gelegenheit geboten, seine Kenntnisse
theils als Lehrer in der Regimenls-Cadetenschule, theils in anderen besonderen
Verwendungen zu hethätigen. Am IC». Juli 1833 zum I . Baiml-Grenz-Regimente
Digitized by Google
I
Digitized by Googl
r
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Gabriel Freiherr von Rodicli.
281
transferiert, rückte er am 1. März 1834 zum Unterlieutenant vor und ward
vom Marz 1834 bis November 1836 zum Grenz-Truppen- und Bataillons-Adju-
tanten-Dienste, wie auch als bauführender Officier de* Regiments, sodann bis 1841
als Brigade-Adjutant der Generale Taborovich, Ritter von Dahlen und Bossard
verwendet.
In jene Zeit fällt auch Rodichs erste Waffenthat. Am 17. October 183."»
machte er das Gefecht gegen bosnische Mohamedauer bei Volika Kladusa mit
und bewies hiebei viel Bravour mit Umsicht.
Am 1. October 1840 außer der Tour zum Oberlieutenant befördert .
war er in den Jahren 1841 bis 1843 damit betraut, den Cordon des 1. Banal-
Regiments militärisch aufzunehmen und zu regulieren und damit gleichzeitig die
praktische Instruction der Gadeten des Regiments in der Militäraufnahme zu
verbinden.
Im Jahre 1844 zum Brigade-Adjutanten des GM. von Kempen ernannt,
betheiligte sich Rodich am 9. Juli 1845 freiwillig an dem Gefechte gegen die
Pozvizder Mohamedaner, wobei er sich neuerdings hervor that.
Mit 1. Juli 1847 wurde er außer der Tour zum Capitän-Lieutenant im
deutschbanater Grenz-Regimente Nr. 12 befördert; am 1. April 1848 zum 2. Banal-
Grenz-Regimente übersetzt, am 30. Juni 1848 an die Seite des Banus von Kroatien,
Feldzeugmeistcr Frh. von Jellaeic, berufen. Auf diesem Posten fungierte er zunächst
als mitwirkendes Mitglied der Landes -Vertheidigungs-Organisierungs-Section,
sodann, nachdem er am 12. September 1848 zum Haupt mann befördert worden,
beim Aufbruche der kroatisch-slavonischen Armee über die Drau als ad latus
des General-Adjutanten beim Banus, in dessen Hauptquartier er nunmehr die
Feldzüge 1848 und 1849 in Ungarn mitmachte. Während derselben erfolgte
am 14. December 1848 seine Krnennurig zum Major im Warasdin-Kreuzer-Grenz-
Regiment Nr. 5 und zum General-Comuiundo-Adjulanten zu Agram, bei fort-
dauernder Zutheilung im Hauptquartier des Banus als ad latus des General-
Adjutanten.
Im Laufe der Feldzüge 1848/49 hatte er folgende Gefechte und Schlachten
mitgemacht, und zwar 1848: das Treffen bei Päkozd am 29. September, den all-
gemeinen Angriff auf Wien am 28. October, das Treffen bei Schwechat und
Rauchen wart am 30. October, das Gefecht bei Par endo rf am IG. December.
das Treffen bei Moor am 30. December; sodann im Feldzuge 1849: das Avant-
gardegefecht bei Teteny am 3. Jänner, die Schlacht bei Isaszeg am 6. April,
die Gefechte bei Pesth-Steinbruch am 11.. IG. und 21. April, die Kinnahme von
Neusatz am 12. Juni, das Treffen bei O-Becse am 25. Juni und die Schlacht bei
Hegyes am 14. Juli.
In diesen beiden Feldzügen zeichnete sich Rodich besonders bei Päkozd
und bei Hegyes aus.
In ersterem Treffen hatte er sich an die Spitze der in Unordnung gerathenen
Aufgebote desLikaner und Oloeaner Grenz-Regiments ».-stellt, dieselben gesammelt
und mit der hocherhobenen Fahne in der Hand neuerdings in das Oft-cht geführt.
Digitized by Google
282 CLXIV. bis CLXVIU. Promotion. — Im Kriege von 18«6. — Italien.
Sein Verhalten in der Sehlacht bei Hegyes charakterisierte ßanus FZM.
Frh. von Jellacie in seinem Schlachtbericht mit folgenden Worten: „Die Flügel-
Adjutanten Oberstlieutenant Hompesch und Major Gabriel Rodich waren beide an
meiner Seite, als ich die zwei wankenden Bataillone wieder an den Feind führte.
In heftigstem Kugelregen halfen mir diese vortrefflichen Officiere thätigst diese
Bataillone zu ordnen ; ihr begeisterndes Beispiel wirkte mächtig, und in wenigen
Augenblicken rückten diese beiden Bataillone mit lautem Jubel im Sturmschritt»»
wieder vor."
Für seine Leistungen in den Kämpfen der Jahre 1848/49 wurde Rodich am
22. October mit der Allerhöchsten Belobung und dem Militär- Verdienst-
kreuze ausgezeichnet, nachdem ihm bereits am 22. September 1849 das Ritter-
kreuz des Leopold-Ordens verliehen worden war.
Am 9. August 1849 zum Flügel- Adjutanten des Banus Grafen Jellacie
ernannt, kam Rodich in dessen Gefolge nach beendetem Kriege nach Wien, wo
er den Vorsitz in der Commission zum Entwürfe der neuen Verfassungsgesetze für
die Militär-Grenze führte.
Am 24. December 1849 zum Oberstlieutenant befördert, im November
1850 in den Ritterstand des österreichischen Kaiserstaates erhoben, wurde
Ritter von Rodich am 12. September 1851 zum Obersten im Infanterie-Regimente
Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 und am 27. November 1852 zum Commandanten
dos Infanterie-Regiments Graf Jellacie Nr. 40 ernannt.
Am 1. März 1859 wurde Rodich zum Generalmajor und Brigadier zu
Ragusa ernannt und am 10. April erfolgte die Berufung desselben zum selb-
ständigen Commandanten im Kreise Cattaro, in welcher Eigenschaft ihm am
3. Mai auch die politische Leitung dieses Gebietes übertragen wurde.
Angesichts des bevorstehenden Krieges gegen Fran kreich und Italien
war dieser Posten, auf welchen Rodich durch das Allerhöchste Vertrauen gestellt
worden, von großer Wichtigkeil und verlangte die vollste Thalkraft eines Mannes,
um mit den verhältnismäßig schwachen militärischen Kräften, welche das Gebiet
von Cattaro besetzt hielten, im Falle eines Angriffes behauptet zu werden.
Rodich trachtete zunächst die Zahl der Vertheidiger aus der Bevölkerung
selbst zu vermehren. Seinen Maßnahmen und seinem kräftigen Eingreifen gelang es
bald, aus den Wehrfähigen des Kreises eine Landmiliz zu schaffen, welche
binnen kürzester Zeit wohl organisiert, die Wehrkraft namhaft verstärkte. Sein
persönlicher Einfiuss wusste die allgemeine Begeisterung wachzurufen, so dass
Männer jedes Standes und Alters an der Küste, wie nicht minder selbst Angehörige
der sonst übel beleumundeten Stämme in den Bergen, sich um Rodich scharten,
um Gut und Blut der Sache des Kaisers zu weihen.
Seine Majestät der Kaiser geruhte den GM. Ritler von Rodich für diese
verdienstlichen Leistungen am 17. December 1859 durch Verleihung des Ordens
der Eisernen Krone III. Classe auszuzeichnen, sowie ihn weiters in Würdigung
der im Frieden, wie vor dem Feinde geleisteten vorzüglichen Dienste, mit dem Aller-
höchsten Handschreiben vom 8. März 1800 in den Freiherrnstand zu erheben.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. flabriel Freiherr von Rodicli.
283
a
In Dalmatien verblieb GM. Rodich bis zum 21. November 1862, an welchem
Tage er als Brigadier zum VIII. Armee-Corps nach Italien berufen wurde. Anfäng-
lich kurz zu Vicenza garnisonierend, kam er bald nach Rovigo und in der
Folge als Brigadier nach Temesvär.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte GM.
Frh. von Rodich den Feldzug mit der Süd-Armee mit, anfangs als zugetheilter Feld-
marschall-Lieutenant bei dem Commando des V. Armee-Corps. Nach Aufstellung
der Reserve-Division der Süd-Armee übertrug ihm am 11. Juni FM. Erzherzog
Albrecht das Commando derselben. Er befehligte diese Division von der Con-
centrierung der Süd-Armee auf dem linken Ufer der Etsch angefangen, bis zurCon-
centrierung der Armee auf dem rechten bei Verona. Am Vorabende der Schlacht,
am 23. Juni, betraute ihn Erzherzog Albrecht an Stelle des erkrankten Comman-
danten des V. Corps, GdC. Fürsten Liechtenstein mit dem Commando dieses Corps.
GM. Frh. von Rodich war, gleich Maroicic und Härtung, als Unterbefehlshaber
unter FM. Erzherzog Albrecht berufen, an der Schlacht von Custozza mit-
entscheidend theilzunehraen.
Das V. Corps hatte am Tage vor der Schlacht, am 23. im Laufe des Vor-
mittags, auf dem rechten Etsch-Ufer ein Freilager zwischen Chievo und Croce
bianca bezogen. Gegen Mittag dieses Tages erhielt Rodich vom Armee-Coni-
mando mündlich den Auftrag, sofort mit dem V. Corps S. Giusti na und Sona
oder doch mindestens einen dieser Orte noch vor dem Feinde zu besetzen und sich
daselbst, namentlich aber in Sona, durch forlificatorische Anlagen zu verstärken,
um dadurch feste Haltpunkte auf den Höhen zu gewinnen, welche der am anderen
Tage nachfolgenden Armee die Besetzung des Hügellande« erleichtern sollten.
Rodich fasste diesen Befehl dahin auf. dass es in der Absicht des Armee-
Commandos lag, das V. Armee-Corps aus Sona und S. Giustina, und daran
rechts anschließend die Reserve-Division, welche am Abend des 23. Juni
Pastrengo und Sandra zu besetzen hatte, aus diesen Orten am 24. morgens
eine Linksschwenkung nach Süden machen zu lassen.
Er setzte das Corps zu diesem Zwecke am 23. gegen 4 Uhr nachmittags von
Chievo in Bewegung und marschierte über Croce bianca auf der Straße gegen
Castelnuovo.
Bei Casa Presa erhielt er von der Avantgarde die Meldung, dass Sona.
S. Giustina, Castelnuovo und selbt S. Giorgio in Salice vom Feinde nicht
besetzt waren.
Er beschloss demnach aus eigenem Antriebe schon am 23. abends, statt
erst am folgenden Tage, die angedeutete Frontveränderung zu bewirken, S. Gius-
tina gar nicht, dagegen aber die zu einer nachhaltigen Verteidigung geeigneten
drei Punkte Sona, S. Giorgio und Castelnuovo stark zu besetzen und zur
Verteidigung herzurichten.
Die Aufstellung des Corps am Abende des 23. Juni war demnach folgende :
Brigade GM. Möring in Sona, Brigade GM. Frh. von Piret in Castelnuovo.
Brigade Oberst Bauer bei Albere II o und S. Giorgio.
Digitized by Google
284 CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Italien.
Das Armee-Commando , welches um 7 Uhr abends von der Besetzung
Castelnuovos durch Truppen des V. Corps noch nicht unterrichtet war, ordnete
um diese Zeit für den 24. früh 3 Uhr nachfolgende Bewegungen an :
, Das in S. Giustina und Sona stehende V. Corps rückt mit den beiden in
S. Giustina stehenden Brigaden gegen S. Giorgio in Salice, die in Sona stehende
Brigade gegen die Eisenbahn in der Richtung nach Casazze vor; diese letztere
Brigade (GM. Möring) wird in Casazze durch eine Brigade des VII. Corps (GM.
Scudier) abgelöst und von da zum V. Corps, welches mittlerweile gegen S. Roer«
di Palazzolo vormarschiert, einrücken. Die Reserve-Division (GM. Rupprecht»
wurde von Sandra nach Castelnuovo und weiters nach Oliosi dirigiert."
Dem GM. Frh. von Rodich war mithin für den 24. eine Linksschwenkung vor-
gezeichnet, deren Pivot Summa cum pagna mit dem IX. Armee-Corps und deren
beweglichen äußeren Flügel die Reserve-Division (GM. Rupprecht) bilden sollte.
Dank dem selbständigen Handeln Rodichs gemäß der im allgemeinen durch den
erlauchten Feldherrn entwickelten Schlachtidee war diese Linksschwenkung somit
vom V. Corps vor Empfang der vorstehenden Annee-Commando-Disposition zum
Theil vollzogen und damit für den 24. sehr viel Zeit wie Terrain gewonnen.
Den obigen Bestimmungen entsprechend, setzte Rodich am 24. Juni um
3 Uhr morgens die Brigade Oberst Bauer und die Brigade GM. Frh. von Piret mil
den beiden Escadronen Sicilien-Uhlanen Nr. 12 in Bewegung, so dass deren Ver-
einigung nach 4 Uhr früh in S. Giorgio in Salice erfolgte, marschierte sodann
mit beiden Brigaden nach S. Rocco di Palazzolo weiter, traf dort mit der Tete
der Colonnc nach lj^a Uhr ein und machte halt, nachdem der vom Armee-
Commando vorgezeichnete Punkt erreicht und ihm keine weitere Richtschnur vor-
gezeichnet war.
Vor dem Abmärsche von Castelnuovo waren dort von der Brigade Piret
2 Bataillone mit 2 Geschützen bis zum Eintreffen der Reserve-Division rück-
belassen worden. Während des Marsches ließ Rodich außerdem die Verbindung
mit der Division Rupprecht aufsuchen, ohne sie jedoch zu linden. Endlich ent-
sendete er nach dem Anlangen in S. Rocco di Palazzolo Recognoscierungs-
Abtheilungen gegen Oliosi und Serraglio. GM. Frh. von Rodich bemerkte auf der
vom Monte Vento herabziehenden und nach Oliosi-Cast elnuovo führenden
Straße feindliche Infanterie, welche zu rasten schien. Nach 0 Uhr setzten sich
diese feindlichen Abtheilungen gegen Oliosi in Bewegung, und andere feindliche
Colonnen folgten auf dem Fuße nach.
Dieser Wahrnehmung entsprechend, ließ Rodich die Brigade Oberst Bauer
eine gedeckte Aufstellung bei Palazzina und S. Rocco. Front nach Westen
gegen Oliosi zu nehmen.
Um 1 j7 Uhr bemerkte er in derselben Richtung zwischen Busetta und
Oliosi feindliche Infanterie, welche rasch durch die Weingärten nach Oliosi eilte,
gegen welche die Batterie Nr. 3/V einige Schüsse abfeuerte. Alsbald führte der
Feind 2 bis 4 Geschütze südöstlich und nächst der Kirche von Oliosi auf, welche
sogleich das Feuer gegen jene Batterie eröffneten. Während dieser Kanonade
Digitized by Google
■
Rillor d<-s M. T. 0. (Jahne) Kreilicn vun R.ulirh
285
lioß Rodich die Brigade Piret eine concentriertc Aufstellung hinter Ca Brolino
nehmen.
Etwa um Vs^ Uhr entspann sich in der rechten Flanke Rodichs, in der
Richtung von Palazzo Alzarea, ein Kleingewehrfeuer zwischen dem Feinde und
der von Castelnuovo anrückenden Reserve- Division GM. Rupprecht, welches
seinen Gang gegen Oliosi nahm und dadurch den Rückzug des Feindes erkennen
zu lassen schien. Auch die Geschütze der Reserve-Division kamen bald in Thätigkeit
und avancierten bis zum Monte Cricol. wo sie aber auffallend lange verblieben.
Dieser Umstand, der ununterbrochen fortdauernde starke feindliche Zuzug
über den Monte Vento, — ein inzwischen vom Fort Croce in Peschiera eröff-
netes Geschülzfeuer und das bald darnach auf den Höhen am linken Mincio-Ufer
von Monzambano-Salionz e her gegen die Division Rupprecht sich ziehende,
immer lebhafter werdende Kleingewehr- und Geschülzfeuer brachte Rodich zu der
Ansicht, dass die Division Rupprecht überlegenen Kräften gegenüberstehe und
nicht allein in der Front festgehalten werde, sondern auch in der rechten Flanke
angegriffen sei.
Rodich kam zur Überzeugung, dass wenn es dem Feinde gelänge, mit den
starken Massen, wie sie sich hier, aus allen drei Waffen zusammengesetzt, successive
entwickelten, über Oliosi gegen Castelnuovo durchzubrechen, er nicht nur die
Reserve-Division erdrücken, sondern auch das V. Corps zur Defensive bestimmen
und dadurch die Absichten des Armee-Commandos vereiteln konnte.
Rodich zögerte demnach nicht mit seinem Entschlüsse und gab um 8 Uhr
der Brigade Piret den Befehl, sogleich westwärts gegen Oliosi vorzurücken, den
Feind aus diesem Orte zu werfen und so der Reserve -Division Vormarsch und
Lösung ihrer Aufgabe zu ermöglichen.
Gleichzeitig ließ er die Reserve-Batterien Nr. 5 V und 7/V auf seinem rechten
Flügel zwischen Brolino und Corte auffahren, um den Angriff gehörig vorzu-
bereiten. Zur Deckung der linken Flanke beorderte er das Regiment Benedek-
Infanterie Nr. 28 von der Brigade Oberst Bauer, und zur Unterstützung des
Angriffes die Brigade GM. Möring. der Brigade Piret nachzurücken.
Die Brigade Piret erstürmte Oliosi mit großer Bravour und folgte dem
Feinde, der sich südwärts gegen den Monte Vento zurückzog, auf dem Fuße
nach, zu welchem Behufe die Brigade Piret eine Frontveränderung links vollführte.
Bald darauf erhielt Rodich von dem Armee-Commando den Befehl, dass das
V. Corps nunmehr mit aller Kraft südwärts gegen S. Lucia vorrücken solle. Er ließ
daher durch einen Generalstabs-Officier die Reserve-Division des GM. Rupprecht
auffordern, Oliosi, das bereits vom Feinde geräumt war, mit ihren Truppen zu
besetzen und nun allein die Lösung ihrer Aufgabe zu übernehmen.
Er hatte dabei die Absicht, die Brigade GM. Frh. von Piret von dort weg-
zuziehen und sie gegen das möglicherweise stark besetzte und auch in der Stel-
lung sehr starke S. Lucia zu verwenden.
Wie er jedoch schon vordem erkannt hatte, war die Reserve-Division auf
ihrem rechten Flügel mit dem von Monz ambano-Salionze mächtig vor-
Digitized by Google
28G CLXIV. bis CLXVI1I. Promotion. — Im Kriege von 1866. — IUlien.
gedrungenen Feinde, dem sie sich nach dieser Seite mit ganzer Krafl entgegen-
werfen musste, so stark engagiert, dass sie ihrer ursprünglichen Bestimmung auf
Üliosi nicht mehr folgen konnte.
Auch war die Brigade GM. Piret — dem gegen Busetta zurückweichenden
Gegner folgend — im heftigsten Kampfe begriffen, der um Mittag, unter den
Augen des um diese Zeit von der Höhe nordöstlich von Brolino das Gefecht
beobachtenden Erzherzogs Alb recht, langsam aber mit entschieden günstigem
Erfolge für die kaiserlichen Waffen von statten gieng.
Unter solchen Umständen erachtete Uodich das Zurückziehen der Brigade
Piret, ungeachtet des vom Armee-Commando erhaltenen Befehls als unausführbar
und beschloss daher, mit dem Angriffe auf S. Lucia solange zurückzuhalten, bis
die Brigade Piret einen entschieden festen Punkt erreicht halte und deren Stellung
gesichert wäre.
Dieser Moment trat ein, als die beiden dem GM. Frh. von Piret auf sein Ver-
langen zur Disposition gestellten Batterien Nr. 5/V und 7/V der Corps-Geschütz-
Reserve auf den Höhen westlich von Busetta Position gegen den Monte- Vento
nahmen. Es mochte 7*2 Uhr sein, als der Commandant der Corps-Gesehülz-
Reserve durch ein äußerst wirksames Geschützfeuer die feindlichen Batterien auf
dorn Monte Vento zum wiederholten Wechsel ihrer Positionen zwang und
dadurch der Brigade GM. Frh. von Piret die Möglichkeit eröffnete, den Gegner
auch von den Höhen bei Ca nuova und Ca Pasquali mit dem Bajonnett zu
vertreiben, in den Besitz der Stellung am Monte Vento zu gelangen und diese
zu behaupten.
Nun erst und nachdem Rodich während des Gefechtes bei Oliosi einen
Angriff heftig vordringender feindlicher Colonnen gegen die linke Flanke des
V. Corps bei Jese und Pernisa durch die Brigade Bauer zurückgewiesen halte,
die Kraft des Feindes somit im allgemeinen gebrochen war. ließ er die mittlerweile
dazu befehligte Brigade GM. Möring, unterstützt von dem Infanterie-Regimente
Frh. von Nagy der Brigade Bauer, zu dem durch zwei Batterien gehörig vor-
bereiteten Angriff auf S. Lucia schreiten. Derselbe nahm um 2 Uhr nachmittags
seinen Anfang und war um 3 Uhr bereits ausgeführt.
Mit der Erstürmung des Monte Vento und der Höhen von S. Lucia trat
auf der ganzen Gefechtslinie des V. Corps Stillstand ein. Während sich die Truppen
ordneten, erwartete Rodich mit Ungeduld das Eintreffen der durch ihn auf die
Höhe von S. Lucia hinaufbeorderten Batterie Nr. 4/V, um den vor Augen liegenden,
von Truppen des VII. und IX. Corps mit hartnäckiger, aber erfolgloser Anstrengung
geführten Kampf bei Valle Busa wirksam zu unterstützen.
Um V»o Uhr endlich war die Batterie nach vielen Mühen auf der Höhe östlich
von S. Lucia angekommen und eröffnete sogleich das Feuer gegen Valle Busa.
Größere Cavallerie-Abtheilungen des Feindes, welche sich jenseits des
Monte Mamaor in der Ebene Prabiano zeigten, wurden durch einige wohl-
gezielte Schüsse trotz der Distanz von 3800 Schritten aus ihrer Aufstellung ver-
trieben, worauf sie sich gegen Villafranca zurückzogen.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-ü. Gabriel Freiherr von Rodich.
287
Inzwischen hatte Rodich, nachdem er von S. Lucia erkannte, dass von Seite
iles VII. Armee-Corps Vorbereitungen zu einem neuen, kräftigen Angriff auf Custozza
getroffen wurden, den Entschluss gefasst, die Brigade GM. Möring geraden Weges
von S. Lucia auf Valle Busa vorrücken zu lassen, als auch von dem Armee-
Commando der Befehl zum Angriff auf Custozza eintraf. Darnach sollte das
VII. Corps um 5 Uhr noch einen letzten Versuch machen, auf dem Höhenrücken
von Custozza vordringen, sich dieses Ortes bemächtigen und dazu das V. Corps
mit einer Brigade von S. Lucia mitwirken.
Damit aber diese mitwirkende Unterstützung des V. Corps auch rechtzeitig
und wirksam erfolge, ließ Rodich nicht nur die Brigade Möring, sondern auch das
Regiment Frh. von Nagy Nr. 70 von der Brigade Bauer, welche soeben durch ihn
bis ins Tione-Thal nächst S. Lucia herangezogen worden war, und zwar stalt
um 5, schon gegen l/t5 Uhr geraden Weges über Valle Busa gegen Custozza
vorrücken.
Das Regiment Erzherzog Leopold Nr. 53 von der Brigade Möring drang über
I Molini vor und erklomm die Höhen, während das Regiment Frh. von Nagy
Nr. 70 und hinter diesem das Regiment Frh. von Grucber Nr. 51 in der Thalsohle
des Tione über Vantini und Ca nuova und später bis Ca Coro n in i, bereits im
Rücken von Custozza, nach der Ebene vorrückten, woselbst Nagy-Infanteric
nicht unbedeutende Cavallerie-Angriffe des Feindes abzuweisen hatte.
Durch das 21. .läger-Bataillon und gleich nach der Einnahme von S. Lucia
vorgeschobene Abtheilungen von Erzherzog Leopold-Infanterie hatte Rodich den
Monte Mamaor im Rücken des Feindes besetzen lassen.
Dank diesen Dispositionen Rodichs erklomm ein Theil des Regiments Erz-
herzog Leopold Nr. 53, während Truppen des VII. Corps vom Belvedere gegen
Custozza vordrangen, die Höhen bei Valle Busa. Der Rest des Regiments Erz-
herzog Leopold — 7 Compagnien mit GM. Möring — gieng aus dem Tione-
Thal über Ca nuova direet auf den Westeingang von Custozza los und
drang von dieser Seile stürmend in den Ort ein, worauf auch die Angriffs-
Colonnen des VII. Corps von Belvedere aus die Nordseite desselben stürmten,
so dass Custozza durch das Zusammenwirken von Truppen Rodichs mit jenen
der Armee-Reserve fast gleichzeitig erobert und damit die siegreiche Entscheidung
der Schlacht mit herbeigeführt wurde.
Die fördernde Einllussnahme des GM. Frh. von Rodich auf den beschleu-
nigten Aufmarsch des Centrums am Schlachttage durch die bereits am Vor-
abend der Schlacht ( 23. Juni) bewirkte Besetzung von S. Giorgio in Salice, — die
Gefechtsführung am Schlachttage selbst, namentlich das Eingreifen bei Oliosi. —
das Hinhalten mit dem Angriff auf S. Lucia während des Kampfes um den Monte
Vento, — endlich das selbständig beschleunigte und verstärkte Eingreifen bei
dem Angriff auf Custozza: dies waren die Haupt-Momente seiner Waffenthat.
durch welche er mit seinem V.Corps wesentlich zu demSiegevon Custozza beitrug.
Auf Grund dieser Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I.
als Erhabener Großmeister über Votum des Ordens-Capitcls kraft Promo-
Digitized by Google
288 CXXIV. bis GLXV1II. IVomolioii. - Im Kriege von 1866. - Italien.
tion CLXV1 vom 29. August 1866 den noch auf dem Schlachtfeld? am Tage nach
dor Schlacht außer der Rangstour zum Feldmarschall-Lieutenant beför-
derten Gabriel Freiherrn von Rodich mittels Verleihung des Kleinkreuzes
zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Am ß. September 1866 wurde FML. Frh. von Rodich zum Commandanten dor
XII. Infanterie-Truppen-Division und zum Militär- und Festungs-Commaiidanten
in Krakau, am 31. März zum Oberst-Inhaber des 68. Infanterie-Regiments,
am 3. Jänner 1860 zum Commandanten der XVI. Infanterie-Truppen-Division und
Militär-Commandanten in Hermannstadt ernannt und ihm am 1. Februar 1869
die Würde eines Geheimen Rathes verliehen.
Der im October 1869 in den Rocche di Cattaro gegen die Durchführung
des Landwehrgesetzes auf Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht ausgebrochene
Aufstand, dessen Bewältigung wegen der äußerst schwierigen Terrain- und klima-
tischen Verhältnisse des Gebietes von Cattaro zu winterlicher Jahreszeit, sowie
zufolge ausländischer Einflüsse un verhältnismäßige Opfer erfordert hätte, veran-
lasste die k. k. Regierung, eine Pacification ins Auge zu fassen, durch welche der
Insurrection ohne weiteres Blutvergießen mit einem Schlage ein Ende gemacht
werden sollte. Zur Durchführung dieser Pacification wurde, in Anbetracht seines
im Jahre 1859 in den Bocche di Cattaro bei der Bevölkerung erworbenen
Ansehens und Vertrauens, FML. Frh. von Rodich berufen.
Am 11. December 1869 zum provisorischen Commandanten der XVUI.
Truppen-Division und Militär-Commandanten in Dalmatien ernannt, trat FML.
Frh. von Rodich am 30. December seinen Posten an und führte im Verlaufe des
Monates Jänner 1870 die Unterwerfung dor Aufständischen, sowie die Pacification
des Gebietes von Cattaro durch.
Am 22. August 1870 geruhte Seine Majestät der Kaiser den FML. Frh. von
Rodich zum Statthalter im Königreiche Dalmatien, Commandanten der
XVIII. Truppen-Division und zum Militär-Commandanten in Zara zu
ernennen.
Aus Anlass des vollstreckten fünfzigsten Dienstjahres wurde dem FML.
Frh. von Rodich am 13. October 1871 unter Allerhöchster Anerkennung seiner
hervorragenden Verdienste im Kriege wie im Frieden der Orden der Eisernen
Krone I. Classe mit der Kriegsdecoration der III. Classe verliehen.
Im Februar 1873 hielt Frh. von Rodich im Allerhöchsten Auftrage gemäß den
Weisungen des k. u. k. Ministeriums des Äußern Conferenzen zu Trebinje in der
Ilm egovina mit Mustapha Assim Pascha ab, und zwar behufs Wahrung der
Interessen der Monarchie durch Schlichtung langjähriger Grenzstreitigkeiten, welche
die Interessen der österreichischen Nationalen entlang der dalmatinisch-hercego-
vinischen Grenze empfindlich schädigten. Dieser Mission wurde Frh. von Rodich
unter voller Anerkennung seitens der k. u. k. gemeinsamen Regierung gerecht.
Am 23. April 1873 erfolgte Rodichs Beförderung zum Feldzeugmeister.
Anlässlich des im Mai 1875 erfolgten Besuches Seiner Majestät des Kaisers
in Dalmatien geruhte der Monaldi mit huldvollem Allerhöchsten Handschreiben
Digitized by Google
Killer de* M. T.-O. (»"briel Freiherr von Rodich.
vom 12. Mai 1875 dem FZM. Frh. von Rodich das Großkreuz des Leopold-
Ordens mit der Kriegsdecoration dos Ritterkreuzes zu verleihen.
Während der im Juli 1875 aufgebrochenen Insurrection der christlichen
Revölkerung gegen die türkische Herrschaft in der Hercegovina und in Bosnien,
welche stimmt den infolge dessen auf der ganzen Balkanhalbinsel eingetretenen
Ereignissen erst im Herbst 1878 mit der Occupation Bosnien-IIerccgovinas durch
die k. k. Truppen ihren Abschluss fand, entwickelte FZM. Frh. von Rodich eine
politisch-militärische Thätigkeit, welche wesentlich dazu beitrug, bei dieser Ver-
wicklung im europäischen Orient die Interessen der Monarchie politisch wie
militärisch zu wahren und zu fördern.
Gleichwie in früheren Jahrhunderten fanden auch während dieser Ereignisse,
Dank der Hochherzigkeit Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I, Tausende
und aber Tausende von Flüchtigen aus der Hercegovina und aus Bosnien rettende
Zuflucht auf dem Boden der Monarchie. Dem Gebote der Humanität wusste
FZM. Frh. von Rodich durch umsichtige militärische, politische und administrative
Maßnahmen in der Art gerecht zu werden, dass die Sicherheit der eigenen lang-
gestreckten Grenze durch Einfälle türkischer Horden nach Dahnatien nicht ein
einzigcsmtil gefährdet wurde, anderseits aber auch die völkerrechtlich gebotene
1 •llicht der Neutralität auf Seite der Monarchie vollauf gewahrt blieb.
FZM. Frh. von Rodich war übiigens berufen, in den Gang der Ereignisse in
Bosnien-IIcrt egovina wiederholt direct einzugreifen, indem er im Interesse der
Pacification über Auftrag der k. u. k. gemeinsamen Regierung nach einander mit
den türkischen Gouverneuren und Befehlshabern der beiden insurgierten Nachbar-
länder und mit dem Fürsten Nikolaus von Montenegro zu unterhandeln, sowie
auch in diesem Sinne auf die Führer der Insurrection persönlich einzuwirken
halte.
Als aber trotz aller diplomatischen Bemühungen die Insurrection Bosniens-
llrrcegovinas sich mit elementarer Gewalt über die ganze Balkauhalbiusel aus-
breitete, successive sogar Montenegro und Serbien, Russlaud und Rumänien in
den Krieg ge'gen die Türkei mitriss, ja die ganze orientalische Frage zum Aufrollen
brachte, musste die Monarchie zunächst die Pacification der nächstgelegenen beiden
Nachbarländer selbst insAuge fassen und nach dem ihr durch deiiBerliner-Congrcss
gewordenen Mandat schließlich zur Occupation von Bosnien und Hercego-
vina schreiten. Sowohl bei den Vorbereitungen als bei der Ausführung dieses
äußerst wichtigen Unternehmens wirkte FZM. Frh. von Rodich, soweit dabei
Dahnatien in Betracht kam, in hervorragender und erfolgreicher Weise mit.
Da aus Dahnatien die XVIII. Truppen-Division unter Gommando des FML.
Frh. von Jovanovic an der Occupation theilnahm, verblieben unter dem Befehl
des FZM. Frh. von Rodich in diesem langgestreckten Lande, welches von Bosnien-
Her«' egovina bloß durch eine trockene Grenze geschieden war. nur mehr 7 '/a
Bataillone und 7 Fcstungs-Artillerie-Gompagnien. Nichtsdestoweniger hielt Rodich
auch mit dieser verhältnismäßig geringen Truppcnmachl alle Einfälle türkischer
Banden in Dahnatien hintan.
Militärischer Marui TlurtMiii-OrdiM. 1
Digitized by Google
290
CLXIV. bis CLXVIII. IV-motion.
— Im Kriege von 186«.
— Italien.
Insbesondere wurde ein solcher Einfall durch Heranziehung von Matrosen
der k. k. Marine und durch Bewaffnung der Bevölkerung von Breno, Stravca
und Duha di Canali hei Ragusa vereitelt, so dass es in der Nacht vom 26. auf
den 27. Juli 1878 nur zu einem misslungenen Putsch einer hereegovinischen Bande
bei Drieno nächst Ragusa kam. In gleicher Weise wusste FZM. Fhr. von Rodich
einem anfangs August seitens der Mohainedaner von Livno gegen Sinj beabsieh-
t igten Einfall durch Aufstellung eines aus Abtheilungen des 79. und 80. Landwehr-
Bataillons, dann einer Ergärizungs-Compagnie des 22. Infanterie-Regimentes
combinierten Bataillons, sowie durch Bildung einer Territorial -Miliz aus der
Bevölkerung entlang der Grenze von Knin, Sinj und Imoschi zuvorzukommen,
endlich durch successive Organisierung einer Reserve -Gebirgsbrigade mit 2
improvisierten Batterien unter GM. Csikos bei Sinj für die Folge ähnliche Unter-
nehmungen bosnischer Banden gänzlich zu verhüten.
Während diese Brigade noch in der Aufstellung begriffen war, ließ FZM.
Frh. von Rodich. nachdem er erfahren hatte, dass eine 4000 Mann starke Insurgenten-
schar von Livno am 10. August gegen Travnik und Skoplie aufgebrochen
war, um der k. k. VII. Truppen-Division nach den Gefechten bei Jaice in die
Flanke zu fallen, das 79. Landwehr-Bataillon aus Sinj und die Grenzposten aus
Imoschi und Knin am 12. August offensive Demonstrationen über die Grenze
ausführen. Diese Demonstrationen wurden von Abtheilungen der bei Sinj sich
sammelnden Reserve-Brigade am 15. August wiederholt. Dadurch wurde die VII.
Truppen-Division von dem ihr zugedachten Flanken-Angriff degagiert, indem die
Insurgentenschar durch die Demonstrationen veranlasst wurde, schleunigst nach
Livno zurückzukehren.
In noch ausgiebigerer Weise förderte FZM. Frh. von Rodich in der Zeit vom
15. bis 21. August die Operationen der XVIII. Truppen-Division in der Ilerce-
govina gegen Stolac, indem er derselben von seiner eigenen ohnedem knappen
Trappenzahl aus Metkovie das 5. Bataillon des 22. Infanterie-Regiments und das
33. Jäger-Bataillon aus Ragusa, ferner von den nach Dalmatien gesendeten
Verstärkungen über Kiek und Metkovie das 44. Infanterie-Regiment zu-
disponierte, überdies noch das 74. Infanterie-Regiment zu einer Diversion von
Ragusa gegen Stolac in Bereitschaft hielt.
Von wesentlichem Vortheile für die Oecupation der südlichen Hercegovina
war ferner die Cooperation mit der XVIII. Truppen-Division, welche FZM. Frh. von
Rodich durch die 20. Infanterie-Brigade von Ragusa aus gegen Trebinje
ausführen ließ. Nachdem er am 20. August dieserwegen durch den GM. von
Poppenheim die diplomatischen Vereinbarungen mit dem türkischen Gcneral-
Consul in Ragusa halte treffen lassen, und auch das militärische Einvernehmen
mit dem das reguläre Militär in Trebinje commandierendenPascha hergestellt war,
wurde am 29. August das türkische Grenzwachhaus Carina und am 2. September
über Befehl des FZM. Frh. von Rodich das auf der Straße von Ragusa nach
Trebinje liegende wichtige türkische Fort Drieno besetzt. Als endlich nach längeren
Verhandlungen das Einvernehmen mit der XVIII. Truppen-Division wegen der
Digitized by Google
Hitler d^s M. T.O. «ialiricl Freiherr u<ii H"ilieli.
291
Cooperation gegen Trebinje erzielt war und FZM. Frh. von Rodich von der
Reserve-Gebirgs-Brigade bei Sinj ein Bataillon des 21. Infanterie-Regiments mittels
k. k. Kriegsdampfers als Verstärkung nach Ragusa geworfen hatte, erfolgte
schließlich am 7. September durch die von Ragu.sa aus entsendete verstärkte
20. Infanterie-Brigade GM. Nagy nach lebhaftem Kampfe die Besetzung von
Trebinje. Hiedurch, sowie dureh das Gefecht von Gorica am 15. September
wurde die Occupation der südlichen Hercegovina bis zur Einnahme von Klobuk
wesentlich gefördert.
Kin am 7. September auf die in der Stellung bei Hau Prolog nächst Sinj
verbliebene, geschwächte Roscrve-Gebirgs-Brigade Csikos durch Insurgenten-
Banden von Livno erfolgter Angriff wurde gemäß den Weisungen des FZM.
Bodieh glänzend zurückgewiesen.
In der zweiten Hälfte September endlich, nachdem FZM. Frh. von Rodich von
dem II. Armee-Coinmando in Bosnien verständigt worden war. dass eine Opera-
tion des XIII. Armee-Corps behufs Bezwingung von Livno in Angriff genommen
war. setzte derselbe die Cooperation der Reserve-Gebirgs-Brigade Csikos von Dal-
niatien aus ins Werk und leitete dieselbe durch seine telegraphischen Dispositionell
im Einklänge mit den Bewegungen des XIII. Corps persönlich. Dadurch trug FZM.
Frh. von Bodieh nicht nur zur vollständigen Einschließung, sondern auch zu der am
27. September glücklich bewirkten Einnahme von Livno wesentlich bei.
Die in vorstehend geschilderter Weise während der Insurrection in der
Hercegovina und in Bosnien, insbesondere aber vor und während der Occupation
der beiden Nachbarländer, durch länger als drei Jahre erdwickelte Thätigkeit des
FZM. Frh. von Bodieh, und zwar nicht allein in militärischer und administrativer
Beziehung, sondern auch in politischer und staatsmännischer Richtung, trug
überhaupt wesentlich dazu bei, die Interessen der Monarchie glücklich und erfolg-
reich zu fördern.
Seine Majestät der Kaiser geruhte mit dem Allerhöchsten Handschreiben
vom 19. Ortober 1878 «lein FZM. Frh. von Rodich, namentlich für sein besonders
hingebendes und erfolgreiches Wirken während der ereignisreichen Periode der
Occupation von Bosnien und der Hercegovina, Allerhöchste Anerkennung
und Dank auszusprechen.
Im Herbst 1880 war es dem FZM. Frh. von Bodieh vergönnt, ein volles
Decennium seiner Thätigkeit als Statthalter des Königreiches Dalmatien, unter
freudiger Antheilnahme der ganzen Bevölkerung, zu feiern, überdies am 17. Oeto-
ber 1880 auch sein sechszigjähriges militärisches Dienstjubiläum in
voller körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische zu begehen. Auch bei diesem
Aulasse geruhte Seine Majestät der Kaiser mittels Allerhöchsten Handschreibens
vom 15. (Mober 1880 die lange und verdienstvolle Laufbahn des FZM. Frh. von
Rodich durch allergnädi gste Anerkennung seiner Dienste huldvoll auszu-
zeichnen.
Am 12. November 1881 trat FZM. Frh. von Rodich. nachdem er im Februar
desselben Jahres die diesbezügliche Bitte gestellt halte, in den Ruhestand, bei
19*
Digitized by Google
CUSTOZZA 2^. JUNI 1866.
Digitized by Google
IXX1V. hi* C.LXVIII. l'iomotioii. — Im Kriege vuu iSfift. — Italien.
welchem Anlasse Seine Majestät der Kaiser nachfolgendes Allerhöchste Iland-
schreihen an den aus dem activen Dienste Scheidenden zu richten geruhte.
„ Lieher Feldzeugmeister Freiherr von Rodich! Indem Ich Ihre Versetzung
in den bleibenden Ruhestand anordne, willfahre Ich nur Ihrer eigenen, schon
vor längerer Zeit gestellten Bitte.
Nur die Rücksicht auf Ihre geltend gemachten Verhältnisse und Ihr Alter
konnte Mich bewegen, einen Mann aus der Activität scheiden zu hissen, welcher
auf eine mehr als sechzigjährige, im Militär- und Civil-Staatsdienste erfolgreich
verbrachte Laufbahn blicken kann.
Möge Sie der Allmächtige noch viele Jahre ungetrübter Ruhe genießen
lassen! Die dankbare Erinnerung an die Mir und dem Staate mit seltener Hin-
gebung und musterhafter Pflichttreue geleisteten Dienste bleibt Ihnen ebenso
gewahrt, wie Meine Theilnahme an Ihrem ferneren Wohlergehen.
Wien, den 12. November 1881.
Franz Joseph m. p."
Durch diese huldreichen kaiserlichen Worte hochgeehrt, schied FZM. Frh.
von Rodich am 18. November 1881 von dem durch elf Jahre bekleideten Posten
eines Statthalters des Königreiches Dalmatien und Militär-Commandanten von
Zara und trat am 1. December in den Ruhestand.
In Wien domicilierend, wurde FZM. Frh. von Rodich zum lebens-
länglichen Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes
berufen.
FZM. Frh. von Rodich starb am 21. Mai 1800 zu Wien.
Ritter des Maria Theresien- Ordens
Eugen Freiherr PIret de Bihuin.
Eugen Frh. von Piret wurde zu Pesth am 6. Juni 18:21 geboren. Seine
militärische Laufbahn trat er schon im Junglingsalter am 1. November 1837 als
Regitnents-Gadet im 3. Uhlaneu-Regirnent an. Am IG. Juli 1838 Unter-
lieutenant geworden, stieg der schneidige Cavallerie-Officicr rasch empor,
indem er am G. November 1811 zum Oberlicutenant im 1. Uhlanen-Regiment
befördert wurde und am .">. November 1813 bereits zum Second-Ritlineistcr im
Digitized by Googl
VOI
ein
Zar
län
ben
militä
Regi
Ii o u t ■
indem
bel'Öiti
Digitized by Google
CUSTOZZA S&.JUNI 1866.
Digitized by Google
Ritter de« M. T.-O. Eu^en Freiherr von t'irel.
293
4. Uhlanen -Regiment avancierte, mit welchem er, seit dem 1. November 1845
Rittmeister und Escadrons-Commandant, den Krieg gegen Piemont in
den Jahren 1848 und 1849 in Italien und den Feldzug 1849 in Ungarn mit-
machte.
Im Feldzuge 1848 focht er in Italien und zwar in der Schlacht bei S. Lucia
am G. Mai, bei dem Angriffe auf die Linie hei Curtatone und Montanara am
30. Mai, bei der Kinnahme von Vicenza am 10. Juni, in der Schlacht bei
Sommacampagna am 23. Juli, in der Schlacht bei Custozza am 25. Juli, in
den Gefechten bei Cremona am 30. Juli, bei Lodi und Cremona am 1. August,
endlich in den Gefechten bei Mailand am 4. und 5. August.
Im Feldzuge 1819 in Italien betheiligte sich Rittmeister Frh. von Piret nur
an der Erstürmung des Brückenkopfes und an dem Angriffe auf die Stadt Casale
am 24. und 25. Marz.
In der Folge kämpfte er im Feldzuge 1849 in Ungarn, und zwar im Gefecht bei
Csanak am 28. Juni, in den Schlachten bei Komorn am 2. und 11. Juli, bei der
Einnahme von Szegcdin am 5. August, in dem Cavallerie-Gefe. hte bei Csatäd
am 8. August und bei dem Entsatz von Temesvär am 9. August.
In allen diesen Kämpfen stets tapfer und unternehmend an der Spitze seiner
Escadron, that er sich ganz besonders in dem letzten Gefechte bei Temesvär
hervor, in dem er mit seiner Escadron eine feindliche Batterie attaquierte und die
halbe Batterie dem Feinde abnahm.
Für diese Waffenthat wurde Rittmeister Frh. von Piret am 22. November 1849
mit dem Orden der Eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet.
In gleich rascher Weise wie in den Chargengraden bis zum Rittmeister,
stieg Frh. von Piret als Stabsofficier empor, indem er. am 9. Jänner 1851
zum Major befördert, am 28. Februar 1854 zum Oberstlieutenant vorrückte
und am 16. Jänner 1850 zum Obersten und Regiments-Commandanten ernannt
wurde.
An der Spitze seines Uhlanen-Regiments Nr. 3 machte er den Krieg gegen
Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859 mit und zwar kämpfte er
in der Schlacht bei Solferino am 24. Juni.
Am 21. Jänner 1802 zum Truppen-Brigadier ernannt und am 7. März 1802
zum Generalmajor befördert, focht er im Kriege gegen Preußen und
Italien im Jahre 1800 und zwar in dem Feldzuge in Italien, bei der Süd- Armee
im V. Corps als Brigadier eingetheilt. Er war berufen, in der Schlacht bej
Custozza am 24. Juni selbständig in hervorragender Weise in den Verlauf der
Schlacht auf dem rechten Flügel einzugreifen und wesentlich zu deren siegreichem
Ausgange beizutragen.
Am Vorabend der Schlacht. 23. Juni, mit seiner Brigade und 0 Zügen Sizilien -
Uhlanen von dem ins Hügelland vorgerückten V. Corps auf der von Verona gegen
Peschiera führenden Straße bis Castelnuovo vorgeschoben, erhielt GM. Frh. von
Piret in der Nacht auf den 24. um 1 Uhr früh von dem Corps-Commandanlen GM.
Frh. von Rodich den Befehl, um 3 Uhr früh aufzubrechen, nach S. Giorgio in
294
CLXIV. bis M.XVIII. Piumolion. - Im Kriege von l8Cfi. — Italien.
Salice zu marschieren und von dort der nach S. Rocco di Palazzolo vor-
rückenden Brigade Oberst Bauer zu folgen.
Nachdem hiedurch die von Castelnuovo gegen Monzambano und Valeggio
führende Straße bis zum Eintreffen der Reserve-Division, welche als rechter
Flügel der Süd-Armee über Castelnuovo bis Oliosi vorzurücken hatte, vorüber-
gehend unbesetzt geblieben wäre, beließ GM. Frb. von Piret 2 Bataillone mit
einem Zuge Uhlanen in Castelnuovo und marschierte mit seiner Brigade
gemäß dem erhaltenen Befehle über S. Giorgio in Salice gegen S. Rocco di
Palazzolo.
Während die Tete-Brigade Bauer durch einen Geschützkampf von Forni
gegen die feindliche Artillerie bei Oliosi das Gefecht einleitete, ließ GM. Frh.
von Piret seine Brigade, nachdem das in Castelnuovo rückgelassene Detachenient
mittlerweile eingerückt war, rechts von der Brigade Bauer, bei C. Brolino concen-
trierte Aufstellung nehmen. Das 5. Kaiser-Jager-Bataillon marschierte bei und in
C. Brolino auf, rechts davon die beiden Infanterie-Regimenter Crenneville und
Baden; von der Brigade-Batterie 2/V. fuhren vier Geschütze links von C. Brolino,
und die anderen vier weiter rückwärts zwischen C. Brolino und S. Rocco di
Palazzolo auf. Die Brigade Piret bildete so den rechten Flügel des V. Corps und
hatte Front nach Westen gegen Oliosi.
GM. Frh. von Piret sah von Brolino aus den Feind von den Höhen des
Monte vento nordwärts sowohl gegen Oliosi als auch gegen Malvicina
größere Truppenmassen vorschieben. Von seiner Aufstellung musste er nach den
weiter gemachten Wahrnehmungen sogar glauben, dass feindliche Colonnen auch
aus Monzambano gegen Malvicina, in die rechte Flanke der Reserve-Division
dirigiert worden seien. Ks entspann sich nämlich in jener Richtung ein Gefecht,
welches nur von der Reserve-Division geführt werden konnte, da dieselbe von
Castelnuovo längs und zu beiden Seiten der Straße nach Valleggio vorrücken
inusste, um Oliosi anzugreifen.
Mittlerweile hatten in den Geschützkampf zwischen Forni und Oliosi zwei
Batterien der Geschütz-Reserve des V. Corps, weh-he rechts von der Brigade Pirol
in der Richtung gegen Corte aufgefahren waren, emilich auch die Brigade-Batterie
des GM. Frh. von Piret selbst eingegriffen.
Inzwischen gestaltete sich das Gefecht der Reserve-Division immer heftiger
und begann sich nordwärts zu ziehen, wogegen der Gegner immer mehr Truppen
gegen Oliosi dirigierte. Als infolge dessen zu besorgen stand, dass die
Reserve-Division zu stark bedrängt werden würde, erhielt GM. Frh. von Piret
beiläulig um 8 Uhr morgens von dem Corps-Commandanten GM. Frh. von Rodich
mündlich den Befehl, gegen Oliosi vorzurücken und so die Reserve-Division zu
degagieren*).
Die Brigade-Batterie des GM. Frh. von Piret im Verein mit jener der Brigade
Bauer und mit den zwei Reserve-Batterien bereiteten den Angriff vor.
') Si.'h.v .Maria Tlin^ivn-Or.l. iis -Hittor <iul.ri.-l I'rli. von Mo.li. Ii." — Seit.- :?S.r, ft.
Digitized by Google
Riller des M. T.-O. Küpen Kreiht-rr von I'irel.
295
In der linken Flanke durch ein Regiment der Brigade Bauer gedeckt und von
der Brigade Möring als Reserve gefolgt, stieg GM. Frh. von Piret bald nac h S Uhr mit
seiner Brigade die Höhe von Brolino hinab, das 5. Kaiser-Jäger-Bataillon als
Avantgarde voran, das Gros mit vier Bataillonen im ersten, mit zwei Bataillonen im
zweiten Treffen, die ganze Brigade ä cliecal der Straße Brolino-Oliosi.
Fast gleichzeitig mit den Vorbereitungen zu diesem Angriffe der Brigade
l'irot hatte Rittmeister Frh. von Bechtolsheim mit drei Zügen Sicilien-Uhlanen
die feindliche Colonne, welche die Reserve-Division bedrängte, durch einen
Überfall während des Marsches in Unordnung gebracht, was dem Vormärsche der
Brigade Piret sehr zustatten kam.
GM. Frh. von Piret nahm zunächst den rechten Flügel etwas vor, um mit der
Reserve-Division schneller in Verbindung zu treten. Rasch wurde dann der Tione
durchwatet und kaum hatten nach kurzem Tirailleur-Gefecht die Kaiserjäger das
Rideau erstiegen, als sich dieselben ins Innere von Oliosi stürzten.
Sie erstürmten die Kirche und mehrere Gebäude in dem Augenblicke, in
welchem ein retirierendes feindliches Bataillon und fliehende Scharen der durch
den Überfall des Rittmeisters Frh. von Bechtolsheim aufgelösten italienischen
Brigade Forli in den südlichen und westlichen Theil des Ortes eindrangen und
sich dort festsetzten. *)
Schon aber ließ auch GM. Frh. von Piret mit Ausnahme eines Bataillons,
welches er als Reserve zurückhielt, das Gros der Brigade von Nord- und von
Südost Oliosi stürmen. Der Feind wurde, dank der Bravour der Truppen in kurzer
Zeit aus dem Dorfe geworfen.
GM. Frh. von Piret beschloss nun, dem weichenden Feinde von Oliosi so
rasch als möglich zu folgen und nicht eher von ihm abzulassen, als bis seine Brigade
den Gegner aus dessen vortheilhaflen Aufstellungen verdrängt, den Monte vento
erreicht und durch Wegnahme dieses wichtigen Postens einen wesentlichen Vortheil
errungen haben würde. Die Brigade marschierte nun südlieh von Oliosi und
i't checal der Straße. Front gegen den Monte vento, auf und die Brigade-Batterie
bes« hoss von Ragajola mit Erfolg den weichenden Feind. In dieser Stellung von
überlegener feindlicher Artillerie beschossen, ordnete nun GM. Piret, theils um
nicht in dein Feuer unthätig dazustehen, theils um sich in Besitz der wichtigen
Stellung des Gegners auf dem Monte vento zu setzen, ans eigener Initiative die
Vorrückung gegen diese Höhe an.
Nach kurzem Widerstande des Feindes wurde in der Mitte Busetta mit den
nächsten, von der Straße westlich ansteigenden Höhen genommen. Auf diesen
vorteilhaften Punkt zog GM. Frh. von Piret sofort von Ragajola seine Batterie
vor, welche in Kürze das rechts unmittelbar vorliegende Ca bruciata in Brand
schoss. Dadurch wurde es dem rechten Flügel erleichtert, auf den westlich der
Einsattlung sich erhebenden Höhen weiter Terrain gegen Süden zu gewinnen und
mit dem linken Flügel der dort ebenfalls im Kampfe und im Vorrücken begriffenen
') Sieh.-: „Maria TIl.'Il'h.'U Onl<'ii*-nitU>r Aiit«ni Frh. von Be< Ii t o I s Ii -m in." — S<'ih> 'AV> II.
Digitized by Google
2% CLX1V. bis CLXVHI. I'jomoÜ.m. - Im Kriege von 186fi. — Italien.
Reserve-Division in Verbindung zu treten. Unter dein Schutze der durch den
rechten FlQyfl genommenen Höhenposition und des Feuers der Brigade-Batterie
entriss dann, trotz großer Verluste, der linke Flügel dem Feinde die östlich der
Einsattlung liegenden Höhen von Fontana Fredda und auch die Mitte drang
darauf in der Kinsattlung selbst bis an den Fuß des Monte vento unaufhalt-
sam vor.
Hier aber gönnte GM. Frh. von Piret den braven Truppen vor dem weiteren
Angriffe einige Rast.
Die von Natur überaus feste Position, die Masse der feindlichen Geschütze,
ihr mörderisches Feuer, die namhaften Verstärkungen, welche der Feind während
des Kampfes offenbar an sich gezogen haben mussle, indem derselbe auf den
Höhen westlich der Einsattlung, von Canova und Pasquali wiederholt gegen
den rechten Flügel des GM. Frh. von Piret angriffsweise vorbrach, alles dies
gestaltete den letzten entscheidenden Angriff sehr schwierig und erheischte sorg-
fältige Vorbereitung desselben.
Namentlich musste vor allein die feindliche Artillerie zum Schweigen gebracht
werden. Dreißig italienische Geschütze eoncentrierten successive ihr Feuer gegen die
bis auf die Höhen westlich von Ca bruciata vorgezogene Brigade-Batterie des
GM. Frh. von Piret. Bald wurden zwei Geschütze derselben beschädigt, ein drittes
sogar gänzlich demontiert. So kam es, dass die Brigade-Batterie des GM. Frh. von
Piret successive nur aus vier Geschützen das Feuer gegen die feindliche Aitilleric-
masse auf dem Monte vento fortsetzen konnte.
GM. Frh. von Piret hatte in Voraussicht der großen Schwierigkeiten des be-
schlossenen Angriffs sofort nach dessen Einleitung den Gorps-Commandantcn GM.
Frh. von Rodich um Zudisponierung zweier Reserve-Batterien gebeten. Letzterer
war inzwischen von dem Erzherzog AI brecht beordert worden, mit dem V. Corps
die Höbe von S. Lucia zu nehmen, und war anfänglich auch willens, die Brigade
Piret von Oliosi zu dem anbefohlenen Angriff des V. Corps heranzuziehen. Die
ernste Gestaltung der Gefechtsverhältnisse bei der Reserve-Division im Vereine
mit dem so günstig eingeleiteten Angriffe des GM. Frh. von Piret auf den Monte
vento bewog jedoch GM. Frh. von Rodich, mit dem Angriffe auf S. Lucia so lange
zuzuwarten, bis GM. Frh. von Piret eine feste Stellung auf den Höhen des Monte
vento genommen haben würde. Zu diesem Zwecke beorderte GM. Frh. von Rodich
die vom GM. Frh. von Piret erbetenen beiden Batterien der Corps-Geschütz-Reserve
aus ihrer inzwischen genommenen Aufstellung bei Colombarolta zur Unter-
stützung der Brigade Piret.
Unter einem Hagel feindlicher Projectile wurden die beiden Batterien von
dem Commandanten der Corps-Gesehütz-Reserve, Major Pop ov ich, rasch vorge-
führt, über Disposition des GM. Frh. von Piret neben seiner Brigade-Batterie placiert
und ins Feuer gesetzt, so dass nunmehr 20 österreichische gegen 30 italienische
Geschütze im Kampfe standen. Alsbald war der Überlegenheit der feindlichen
Artilleriemasse durch das zielsichere Feuer der österreichischen Geschütze ein Ende
gemacht. Die Heftigkeit des feindlichen Geschützfeuers ließ nach; einzelne Batterien
Digitized by Google
Hilter des M. T.-O. Eucen Freiherr von Piret.
207
wechselten wiederholt ihr«; Aufstellungen; schließlieh zogen sie sich nach einander
auf die I löhenkämme zurück.
Nun erst — gegen 3 Uhr nachmittags — ordnete GM. Frh. von Piret den ent-
scheidenden Angriff der ganzen Brigade auf die Höhen hei Canova und Pasquali,
auf denen der linke Flügel der Reserve-Division sich der Vorstöße des Feindes
kaum mehr zu erwehren vermochte, sowie auf den Monte vento an. MitFreuden-
geschrci erhoben sich die inzwischen etwas ausgeruhten und erholten Truppen
zum Entscheidungskampfe. Diesem Angriffe des GM. Frh. von Piret schlössen sich
auch die nächst seinem rechten Flügel kämpfenden Abtheilungen der Reserve-
Division sofort an.
So wurden zunächst am rechten Flügel die Höhen bei Canova
und Pasquali von dem 3. Bataillon Raden der Brigade Piret, im Vereine mit
Truppen der Reserve-Division, erstürmt. Das 1. und 2. Bataillon Baden, gefolgt
von dem 5. Kaiser-Jäger-Bataillon, drang durch das Defile zwischen diesen
Höhen und dem Monte vento vor. Der Gegner wurde von Höhe zu Höhe,
von Position zu Position gedrängt, bis endlich zwischen 3 und 4 Uhr nach-
mittags das Defile vollständig, bis an dessen südlichen Ausgang bei Fonta-
nello, erstürmt war. Der linke Flügel der Brigade Piret, das 1. Bataillon
Crenneville, rückte über Redolfo gegen den Monte vento vor, wies dabei
eine Cavallerie-Attaque zurück, stürmte bis in die rechte Flanke der auf dem
Berge selbst postierten feindlichen Batterien hinan und zwang dieselben zum
Abfahren. Daraufhin erstieg die Mitte der Brigade den Monte vento zunächst
des Defile ohne weiteren Kampf.
Der Gegner eilte in Unordnung theils gegen Valeggio, theils gegen Mon- .
zambano zurück, GM. Frh. von Piret beschoss die weichenden Truppen durch die
rasch vorgenommenen Batterien und sicherte seinen Erfolg durch die Besetzung
der gegen Valeggio zu liegenden südlichen Hänge und Vorhöhen des Monte
vento bis Tirodella.
Dank der kühnen Initiative und der überaus umsichtigen Gefechtsführung
des GM. Frh. von Piret war ein wesentlicher und glänzender Erfolg der kaiserlichen
Waffen auf dem westlichen Theile des Schlachtfeldes erkämpft. Der festeste Stütz-
punkt des feindlichen linken Flügels, die Höhen am Mincio in der Nähe der
Flussübergänge bei Monzambano und Valeggio. waren genommen, dadurch
die Hückzugslinie des Feindes wirksam bedroht. Bedeutende Theile des feindlichen
Heeres waren theils kampfunfähig gemacht, theils in vollem Rückzüge hinter den
Fluss, demnach für den weiteren Kampf auf dem Schlachtfelde außer Gefecht gesetzt,
was zum siegreichen Ausgange der Schlacht wesentlich beitrug.
Auf Grund dieser in der Schlacht bei Custozza am 21. Juni 186G vollbrachten
Waffenthat geruhte Seine Majestät der Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister über Votum des Ordens -Capitels kraft Promotion CLXVl
vom 29. August 18G6 den GM. Freiherrn Eugen Piret de Bihain durch Ver-
leihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresicn-Ord ens zu pro-
movieren.
298
CLX1V. bis CLXVIII. I'roinoliuu. — Im Kriege von 1S0C. - Italien.
Schon zuvor, am 18. Juli 180(1, hatte Seine Majestät der Kaiser dem GM.
Piret für die tapferen Leistungen in der Schlucht bei Custozza das Comman-
deurkreuz des österreichischen Leopold-Ordens mit der Kriegs-
decoration allergnädigst verliehen.
Im Jahre 18(>7 war GM. Frh. von Piret Seiner k. k. Hoheit dem durchlauch-
tigsten Herrn Erzherzog Ludwig Victor während höchstdessen Bereisung von
Spanien und Portugal zur Dienstleistung zugetheilt.
Am 2. October 1868 wurde GM. Frh. von Piret zu der Ehrenstellung eines
Obersthofmeisters Sr. k. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Feldmarschalls
Erzherzog Albrecht berufen, in welcher Dienstesverwendung er am 24. October
18G8 zum Feldmarschall-Lieuteriant. am 25. November 1875 zum Oberst-
Inhaber des 9. Dragoner-Regiments und am 1. November 1878 zum
G e n e r a 1 d e r G a v a 1 1 e r i e ernannt ward.
Nachdem ihm am 1. Mai 1881 der Orden der Eisernen Krone I. C lasse
mit der Kriegsdecoration der dritten Classe verliehen worden, geruhte Seine Maje-
stät der Kaiser am 25. October 1883 dem GdC. Frh. von Piret aus Anlass seines
fünfzigjährigen Militärdienst-Jubiläums in Anerkennung der jederzeit mit
besonderer Hingebung geleisteten und vor dem Feinde hervorragend ausgezeich-
neten Dienste das Großkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration
des Commandeurkreuzes allergnädigsl zu verleihen.
Rilter des Maria Thcresien-Ordens
Ludwig Freiherr von Pulz.
(Mit Bildnis aus dorn Jahre 1867.)
Pulz wurde zu Unguriseh-Brod in Mähren im Jahre 1822 geboren und trat
bereits im IG. Lebensjahre in die k. k. Armee ein. indem er am 13. Sep-
tember 1838 bei dem 00. Infanterie-Rogimente als Regiments-Cadet assentiert
wurde. Nachdem er den dreijährigen Curs der Cadeten-Compagnie in Graz
absolviert balle, erfolgte am 10. September 1841 seine Transferierung zum 1 1.
Uhlanen-Regiment. in welchem er am 21. Februar zum Cadet-Gorporal, am
10. Juli 1844 zum Unterlieutenant und am 4. April 1848 zum Oberlieutenant
befördert wurde.
Oberlieutenant Pulz kämpfte im Jahre 1848 bei der Einschließung und Ein-
nahme von Wien in der Zeil vom 12. bis 31. October, in dem Scharmützel bei
Regelsbrunn und Stix-Non s i edl am 21. October. in dem Trollen bei
Schwecliat und Raucbenwarl und in den Gefechten bei Bruck an der
Leitha am 4. und 7. November.
Im Feldzuge 1819 in Ungarn betheiligte er sich an dem Einzüge der
kaiserlichen Truppen in Ofen am 5. Jänner, focht dann in dem Gefechte bei
Jpoly-Sägh. Gyerk undTompanm 11. Jänner, in dem Avantgarde-Gefechte bei
Digitized by Google
Riller des M. T. <). Ludwifi Freiherr v<»n Pul/.
299
Windschachl am 19. Jänner, in dem Gefechte bei Schemnitz, Windsehacht,
Siglisberg und Hodrics am 21. und 22. Jänner, in der Schlacht bei Kapo Ina
am 26. und 27. Februar, in dem Cavallerie-Gefecht bei Mezö-Kövesd am
28. Februar, in den Gefechten bei Eger-Farnios am 1. März, bei Poroszlö am
G. März, bei Hatvan am 2. und 5. April, in der Schlacht bei Isaszeg am G. April,
in den Recognoscierungs-Gefechten bei Czinkota, Palota und Keresztür am
8., 9., 10., 11. und 21. April; femer wohnte er der Kanonade am Räkos am
13. April bei, kämpfte sodann in den Gefechten am Räkos am IG. April, bei
Puszta Harkdly und A es am 26. April, in dem Recognoscierungs-Gefechte bei
Ab da am 5. Mai, in den Geplänkeln bei Abda am 12., 18. Mai und 8. Juni, in
den Vorposten-Geplänkeln bei Hochstraß und Kimling am 13. Juni, bei Kim-
lingam 20. Juni, in dem Gefecht bei Abda und bei der Einnahme von Raab
am 28. Juni, in den Schlachten bei Komorn am 2. und 11. Juli, bei dein Angriffe
auf Mako am 4. August, in dem Gefecht bei Vinga am 9. und bei Drey spitz
am 10. August.
Während des Feldzuges von 1849 am 20. Mai zum Sccond-Ritt meist er
befördert, that sich Pulz besonders in dem Gefechte bei Puszta Ilarkäly durch
Tapferkeit hervor und wurde mit dem Orden der Eisernen Krone III. Glasse
ausgezeichnet.
Am IG. Jänner 1851 zum Rittmeister I. Glasse vorrückend, wurde Pulz
am 1. Mai 185G zum Adjutanten-Corps transferiert, bei der 1. Seclion des Armee-
Obercommandos eingetheilt, am 28. Februar 1857 zum Major befördert, sodann
zum Corps-Adjutanten bei dem III. Armee-Corps ernannt.
In dieser Dienstesverwendung machte er den Krieg gegen Frankreich
und Piemont in Italien im Jahre 1859 mit und zwar das Reiter-Scharmützel
bei Torre-Beretti am 1. Mai, die Kanonade von Valenza am 4. Mai, den
Kampf zwischen Monte und Valenza am 7. Mai, die Affaire bei der Eisenbahn-
brücke von Valenza Jim 19. Mai. ein Cavallerie-Gefecht bei Novara am 31. Mai,
die Schlacht bei Magenta am 4. Juni, das Avantgarde-Gefecht zwischen Ponte
vecchio di Magenta und Carpeuzago am 5. Juni und die Schlacht bei Sol-
len no am 24. Juni.
Während des Feldzuges am 22. Mai 1859 zum Oberstlieutenant befördert,
wurde er für sein hervorragend tapferes Verhalten in der Schlacht bei Magenta mit
dem Ritterkreuze des österreichischen Leopold-Ordens ausgezeichnet.
Am 22. Jänner 1860 zum Freiwilligen-Thlanen-Regiment Graf Trani Nr. 13
als Regiment .s-Commandant transferiert, wurde er am 15. August 1860 zum
Obersten befördert.
Bei Ausbruch des Krieges gegen Preußen und Italien im Jahre 1866
befehligte Oberst Pulz auf dem Kriegsschauplätze in Italien eine Cavallerie-
Rrigade, am Tage der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866 aber die aus
zwei Cavallerie-Rrigaden gebildete Reserve-Ca vallerie der Süd-Armee.
Am 6. Juni bezog Oberst Pulz mit 8 Escadronen des Husaren-Regiments
Kaiser Kranz Joseph Nr 1 und des Chlanen-Regiments Graf Trani Nr. 13, dem
S
Digitized by Google
CI.XIV. bis Ci.XVIH. Promution. - Im Kri^i- v.m 18ßß. - Italien.
21. Jäger-Bataillon und der viorpfündigen Batterie Nr. S/V eine Aufstellung entlang
des Mincio von Monzambano bis Goito, mit dem Brigade-Stab und Gros in
Yillafrauca. Die Brigade hatte die Aufgabe, die Mincio-Ühergangspunkte von
Salionze bis Goito scharf zu überwachen, jeden unerlaubten Grenzverkohr zu
verhindern, die gegnerischen Vortruppen bei Goito, Borghetto und Monzam-
bano zu beobachten und Nachrichten über die Bewegungen des Gegners zu
sammeln. Infolge der suecessiven Annäherung der feindlichen Armee gegen die
Grenz«' wurde vom 17. Juni an die Beobachtung der Übergangspunkte zwischen
Salionze und Goito noch verschärft, wobei an den Haupt-Communicationen eine
voi postenartige Beobachtung eintrat. In der Thal häuften sich die Wahrnehmungen,
aus denen hervorgieng, dass der Feind auf der von der Brigade Pulz beobachteten
Strecke Vorbereitungen zur Überschreitung des Mincio traf.
In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni überschritten die ersten feindlichen
Abtheilungen den Mincio bei Goito und fast gleichzeitig bei Pozzolo. Es waren
dies nur schwache recognoscierende Trupps, die sich bald wieder zurückzogen.
Etwa um i'/t Uhr früh passierte aber die Linien-Cavallerie-Division Sonnaz den
Fluss bei Goito und rückte in nördlicher Richtung vor, infolge dessen Oberst Pulz
die in jener Gegend stehenden Abtheilungen nach Villafranca zurückzog, worauf
zwischen 7 un«l 8 Uhr morgens der allgemeine Übergang der feindlichen Armee
bei Monzambano, Molini dellii Volta, Ferri und Goito erfolgte, worüber
Oberst Pulz, soweit seine Wahrnehmungen reichten, genaue Meldung an das
Armee-Commando erstattete.
Während feindliche Cavallerie von Valeggio und Goito gegen Villa-
franca vorrückte, concentrierte daselbst Oberst Pulz seine Brigade, den Weisungen
des Armee -Commandos gemäß jedem ernsten Gefecht mit dem Feinde aus-
wchhend.
So zog sich mittags Oberst Pulz langsam von Villafranca gegen Verona
zurück. Die feindliche Cavallerie folgte von weitem langsam nach. Bei Dosso-
buono ließ Oberst Pulz seine Brigade Aufstellung nehmen und die Brigade-
Batterie einige Schüsse auf den Feind abgeben. Infolge dessen zog sich die feind-
liche Kciterei zurück, zerstörte bei Villafranca Eisenbahn und Telegraphen-
Linie und nahm zwischen Ouademi und Mozzecane Aufstellung, worauf auch
Oberst Pulz seine Brigade weiter bis Verona zurückführte und abends bei dem
Fort Gisela das Lager bezog.
Durch diesen schrittweise, gleichwohl aber mit Vermeidung jeden Kampfes
durchgeführten Rückzug der Brigade Pulz vom Mincio wurde der Feind in der
Meinung bestärkt, dass d'e kaiserliche Armee hinter der Etsch stünd«* und auf die
Vertheidigung des Landes zwischen diesem Flusse und dem Mincio gänzlich ver-
zichtet hätte, was für «las weitete Vorgehen der feindlichen Armee am nächsten
Tage, sowie infolge dessen auf die Schlacht bei < '.ustozza von bestimmerid«'r Ein-
wirkung zu Gunsten der kaiserlichen Waffen war.
Auf die Meldung des Obersten Pulz. im Verein mit den Ergebnissen der
sofort angeordneten Kecognoscierungen und sonstigen Wahrnehmungen des
Digitized by Google
Hiller ilrs M. T.-O. Ludwig Freiherr \<>n Pul/..
301
Armee-Commandos fasste nämlich der Cuimnandaut der Süd-Armee, Erzherzog
Albrecht, den Kntschluss, dorn über den Mincio gegängelten Feinde mit der
inzwischen vom linken auf das rechte Etsch-Ufer eoncentrierten Süd-Armee in
Flanke zu fallen.
Um für diese Vorrückung einen größeren Cavallerie-Körper zur Verfügung
zu haben, befahl Erzherzog Albrecht am 23. Juni, aus den bei den Corps einge-
teilten Husaren-Regimentern Nr. 3 und 11 mit je drei, und dem Uhlanen-
Kegiment Nr. 12 mit zwei Escadronen die Bildung einer zweiten Cavallerie-
Brigade von 8 Escadronen unter Commando des Obersten Bujanovics, und
übertrug die Oberleitung der beiden Cavallerie-Brigaden dem Obersten Pulz. Der-
selbe vereinigte somit am Vorabende der Schlacht unter seinem Befehl IG Esca-
dronen als Rcserve-Cavallerie der Süd-Armee.
Gemäß der Disposition des Armee-Commandos rückten die beiden Cavallerie-
Brigaden mit Tagesanbruch am 24. Juni — nach Entsendung einer Escadron von
der Brigade Bujanovics in südlicher Richtung — aus ihren Lagern bei Fort Gisela
und bei S. Lucia, in westlicher Hauptrichtung, auf gleicher Höhe mit dem
IX. Corps vor. Die Reserve-Cavallerie hatte zunächst die linke Flanke dieses Corps
zu decken, überhaupt aber die ganze Armee in der linken Flanke zu schützen.
Die links marschierende Brigade Bujanovics stieß um l/sG Uhr zuerst auf
den Feind. Ihre Seitenhut drängte die Vorhut der feindlichen Division Prinz
Humbert von Calori südwestlich gegen Villafranca zurück. Hier aber empfieng
der Feind die österreichische Cavallerie-Abtheilung mit so lebhaftem Infanterie-
urid Geschützfeuer, dass sich dieselbe über Calori gegen Accademia auf das
Gros der Brigade Bujanovics zurückzog, welche dort eben in der Entwicklung
begriffen war.
Die rechts marschierende Brigade Pulz schwenkte in der Höhe von Somma-
campagna links südwärts gegen Villafranca und gelangte eben über
Palazzina hinaus in der Richtung la Casetta-Ganfardine, als Oberst Pulz
das Kanonenfeuer von Villafranca vernahm. Da er eine gegen die linke
Flanke der Brigade Bujanovics gerichtete feindliche Vorrückung vermuthete,
beabsichtigte er in der Richtung des Geschützfeuers vorzugehen, um dem aus
Villafranca vorrückenden Gegner selbst in die Flanke zu fallen. Oberst Pulz
ließ dem Obersten Bujanovics diese Absicht bekanntgeben und denselben auf-
fordern, sich deshalb rechts zu halten, um auf diese Weise die Vereinigung der
gesammten Cavallerie zu bewirken.
Kurz darauf erhielt Oberst Pulz von seinen Eelaireurs die Meldung, dass sich
bei Villafranca größere Massen Infanterie, Artillerie und Cavallerie befinden.
In Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche jede feindliche Action in der
Ebene auf den Verlauf des Kampfes auf den Höhen, besonders aber auf jenen des
linken Flügels der Süd-Armee, nehmen musste. beschloss Oberst Pulz ohne Verzug
und ohne jedweden Befehl, ehe noch das Gefecht seitens der Armee engagiert
war, den ihm bei Villafranca signalisierten Feind aufzusuchen und selbst vor
dem Anlangen der Brigade Bujanovics anzugreifen.
Digitized by Google
302
CI.XIV. bis CLXVHI. IWiolion. Im Krh-gc von It.licii.
Er ließ sofort das Uhlancn-Regimcnl Trani von der Slraßo Sommaeampagna-
Villafranca links (östlich), die Kaiser-Husaren — etwas zurückgezogen — rechts
(westlich) in Escadrons-Colonnen, die Batterie auf der Straße seihst, vorgehen.
Südlich von Ganfardine angekommen, ward Oherst Pulz der vor Villafranca
sieh bewegenden feindliehen Truppen ansichtig. Er heorderle sogleich seine
Batterie zum Feuer und die heiden Regimenter seiner Brigade zum Aufmarsch
und Angriff.
Das Regiment Trani setzte sich darauf gegen die vor Villafranca vet-
niuthete feindliche Cavallerie in Bewegung und übergieng alsbald auch zur Attaque.
Die ersten Linien des Feindes südlich von Ca nuova wurden niedergeritten und
aufgerieben, mehrere hintereinander stehende Carrcs von Bersaglieri der italieni-
schen Division Prinzen Humbert überritten und die Bedienungsmannschaft bei
den feindlichen Geschützen zusammengehalten. Der breite und tiefe Chaussee-
graben setzte der weiteren Attaque jedoch ein unüberwindliches Hindernis ent-
gegen und zwang die tapferen Uhlanen. unter schweren Verlusten zurückzugehen
und sich durch die feindliche Infanterie gegen Casino durchzuhauen.
Mittlerweile waren auch die Kaiser-Husaren rechts von der Straße, zwischen
derselben und der Fossa Bereltara, vorgerückt und attaquierten, mit Oberst Pulz
an der Spitze, in der Nähe von Villa fr anca feindliche Cavallerie, welche jedoch
den Angriff nicht annahm, sondern kehrt inachte und sich hinter die in Carrcs
formierten Bataillone der feindlichen Division Bixio zurückzog. Wie Trani-Uhlanen
zuvor, so fiel nun auch das Husaren-Regiment mit unwiderstehlichem Ungestüm
die feindliche Infanterie an, sprengte mehrere Carrcs, drang zwischen den übrigen
durch und jagte eine gegen die rechte Flanke des Husaren-Regiments attaquirendc
feindliche Escadron zurück.
Schließlich mussten sich jedoch auch die Kaiser-Husaren, nachdem sie durch
ihre heldenmüthige Attaque den Feind erschüttert hatten, aus dessen mörderischem
Feuer gegen G anf ardine zurückziehen, wo sich bereits Trani-Uhlanen sammelten.
Schon aber griff auch die Brigade Bujanovies in das Gefecht ein. Nachdem
sich dieselbe von Accademia im Trab bis Ganfardine seitwärts gezogen
halte, marschierte sie südlich dieses Ortes mit Württemberg-Husaren am rechten,
mit Sicilien-Uhlanen, staubförmig zurückgezogen, am linken Flügel und mit Bayern-
Husaren im Centrum auf. Darauf rückte sie mit allen 7 Escadronen im Trab und
Galopp über Caselle in lebhaftem feindlichen Geschützfeuer gegen Villafranca
vor. Die gegen beide Flügel der Brigade anstürmende feindliche Cavallerie wurde
geworfen und bis an die Carres der italienischen Division Prinz Ilumbert zurück-
gejagt. Während sich dann die Flügel der Brigade aus dem feindlichen Infanterie-
Feuer zogen, griff das Centrum die neuerdings vorbrechende feindliche Cavallerie
an und trieb sie endgilt ig zurück.
Nachdem sich die Brigade Bujanovies bei Ca nuova gesammelt hatte, führte
Oberst Pulz beide Brigaden gegen la Gaset ta zurück. Während zwei Escadronen
behufs Beobachtung des Feindes möglichst hart an demselben verblieben, ließ er
das Regiment Trani-Uhlanen. von welchem kaum viel mehr als 200 Reiter übrig
Digitized by Google
Hiller des M. T.-Ü. Ludwig Freiherr von l'uk.
303
geblieben w;ircn, bis in die Nähe von Souunacampagna zurückgehen, wo sieb
dasselbe mit seinen Resten formierte.
Durch diesen gewaltigen, unvennulhet und mit äußerster Energie durchge-
rührten Cavallerie-Angriff des Obersten Pulz, namentlich durch die Attaquen von
Trani-Uhlancn und Kaiser-Husaren, wurde der Feind gleich zu Beginn der Schlacht
bei Villafranca nachhaltigst erschüttert und so seine als rechter Flügel weit in
die Ebene vorgeschobenen bedeutenden Kräfte dermaßen gelähmt, dass sich die-
selben fortan den ganzen Tag hindurch auf die Behauptung von Villafranca
beschränkten.
Die italienischen Divisionen Prinz Humbert und Bixio mit 30 Bataillonen,
3 Cavallerie- Regimentern und ß Batterien, überdies die feindliche Reservc-
Cavallerie-Division Sonnaz mit 4 Cavallerie-Regimenlern. also eine Macht, welche
sonst offenbar berufen gewesen wäre, entscheidend in den Verlauf der Schlacht
einzugreifen, verharrte während derselben nur mehr in der Defensive. Dies war
nicht bloß für den Besitz des wichtigen Punktes von Sommacam pagna, sondern
selbst für den siegreichen Ausgang der Schlacht von bestimmendem Einflüsse.
Im Laufe des Vormittags unternahm der Feind unter größter Vorsicht nur
mit einigen schwachen Abtheilungen Recognoscierungs-Versuche von Villafranca
gegen die Höhen von Gustozza und das Staffalo-Thal. Auch diesem Vorhaben
that Oberst Pulz durch die Vorrückung mit seiner Cavallerie gegen 10 Uhr vor-
mittags von la Casetta südwestlich gegen Cerch ie sofort Einhalt, als er bemerkte,
dass der erste Angriff des eigenen linken Flügels auf den Monte della Groce
missglückt war und eine Vorrückung des feindlichen rechten Flügels immerhin im
Bereich der Möglichkeit lag. Da der Feind jedoch auch diesmal weder von Monte
della Croce noch von Villafranca vorzugehen Miene machte, führte Oberst
Pulz seine Cavallerie später von Cerchie wieder nach la Casetta zurück, um
den durch die Marschfatiquen des 23. und durch den am Morgen des Schlacht-
tages bestandenen Kampf ermüdeten Pferden Rast zu gönnen.
Nachdem Oberst Pulz im weiteren Verlauf der Schlacht durch vorgeschobene
Abtheilungen den Feind fest im Auge behalten und einige Vorrückungsversuche
neuerdings gleich im Entstehen vereitelt hatte, rückte er mit dem Gros nach 2 Uhr
nachmittags zur eventuellen Unterstützung des eigenen linken Flügels von la
Casetta in der Richtung la Fredda-Cerchie wieder vor. zog sich jedoch gegen
3'/2 Uhr gegen Sommacam pagna bis Palazzina zurück, um die Pferde
für den nahenden Entscheidungsmoment wieder rasten und Kraft schöpfen zu
lassen.
Gegen 5 Uhr nachmittags erhielt Oberst Pulz den zuvor um Uhr erlas-
senen Befehl des Erzherzogs Albrecht: „Wenn die Pferde noch bei Kraft sind,
durch eine Vorrückung gegen Custozza dem um 5 Uhr auf Gustozza stattfinden-
den Angriffe Nachdruck zu geben.*
Oberst Pulz rückte nun sofort mit der ganzen Reserve-Cavalierie von
Palazzina über la Casetta vor. Die rechte Flügel-Colonne — (i Escadronen —
persönlich führend, drang er in der Richtung Gerchie-Capella-Pozzo Morelta
Digitized by Google
MM-
CI.XIV. |,> CLXYI1I. Promotion. - Im Kriege von 186G. - Italien.
vor, nahm in Ger chic zwei feindliehe Compagnien gefangen, traf sodann auf jene
Massen feindlicher Infanterie, welche vom Monte della Croee und Monte Torre
herahkominend, Villafranca zu erreichen trachteten und machte hei Pozzo
Moretta weiter bei tausend Gefangene. Die linke Flügel-Colonne — 4 Esca-
dronen unter Oberst Bujanovics — schwenkte gegen die in der linken Flanke
signalisierte feindliche Gavallerie links ab, jagte dieselbe durch eine Attaque in die
Flucht und gelangte bis nördlich von Villafranca, wo sie von feindlicher Infan-
terie zur Umkehr gezwungen wurde. Oberst Pulz ordnete darauf die Sammlung
der beiden Colonnen nördlich von Villafranca bei Ganfardine an, wohin er
die Reserve mit der Batterie disponiert hatte.
Bei der Erschöpfung der Pferde konnte wohl Oberst Pulz an die Verfolgung
gegen Valleggio nicht denken; dafür unternahm er mit 5 Escadronen und der
Batterie noch einen letzten Angriff auf die vor Villafranca stehenden feindlichen
Truppen, bei welchen wahrend des eben vorangegangenen Angriffes Anzeichen
von Demoralisation wahrgenommen worden waren.
Um die letzte Kraft der Pferde für den entscheidenden Moment zu sparen,
rückte Oberst Pulz bis auf Kartatschen-Schussweite im Schritt an die feindlich«.;
Linie gegen Villafranca vor. Vorbrechende italienische Landers wurden von
zwei auf der Straße rasch abgeprotzten Geschützen beschossen und durch «Irei
Escadronen unter persönlicher Führung des Obersten Pulz sofort atlaquiert,
zurückgeworfen und verfolgt. Unmittelbar vor Villa franca geriethen diese dr«*i
Escadronen in das Feuer feindlicher Batterien und mehrerer Infantcrie-Carres.
Trotzdem attaquierte Pulz auch diese letzteren mit größter Bravour. Endlich
griffen noch zwei Escadronen, deren Pferde so erschöpft waren, dass sie in dem
schwierigen Terrain nicht mehr galoppieren konnten, die feindlichen Batterien an.
Wiewohl einzelne Beiter bis in eine der Battcriestelluugen eindrangen, musslen
doch schließlich sä mint liehe Abtheilungen aus dem feindlichen Infanterie- und
Artillerie-Feuer sich zurückziehen. Vorbrechemle feindliche Gavallerie-Abthci-
lungen versuchten zu verfolgen, .standen jedoch bald davon ab: nur die feintl-
lichen Geschütze feuerten längere Zeit ununterbrochen in der Richtung, welche
die österreichische Cavallerie genommen hatte.
Damit endete um 8 Uhr abends der letzte, mit Aufbietung der höchsten
Kraft und mit sellener Tod«'sverachtung durchgeführte Angriff des Obersten Pulz,
dunh welchen der bei Villafranca zusammengedrängte Feind gebunden und
verhindert wurde, irgendwie den Rückzug der übrigen Theile der italienischen
Armee, die sich von den Höhen von Custozza zurückzogen, zu protegieren.
Nachdem Oberst Pulz die beiden Cavallerie -Brigaden bei Ganfardine
gesaimiM'lt hatte, führte er dieselben, da bei Sommacampugna kein Trink-
wasser zu finden war, um 1U Uhr abends auf die früheren Lagerplätze bei dem
Fort Gisela zurück.
So trug Oberst Pulz, der schon am 23. Juni dur«-h das richtig«- Erfassen
seiner Aufgabe die Ausführung der vom Arniee-Command«) gefassten Pläne
erleu hterl h;ilte. am 2L Juni durch seine treffliche, «energische Führung und die
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Ludwig Freiherr von Pulz.
305
mit unübertroffener Bravour ausgeführten glänzenden Reiterangriffe in der Ebene von
Villafranca wesentlich zum glücklichen Ausgange der Schlacht bei Custozza bei,
sieh selbst dadurch den Ruhm eines hervorragenden Reiterführers erwerbend.
Auf Grund der in dor Schlacht bei Custozza vollbrachten Waffenthat geruhte
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph 1. als Erhabener Großmeister über Votum
des Ordens-Capitels kraft Promotion GLXVI vom 29. August 1860. nachdem Oberst
Ludwig Pulz auf dem Schlachtfelde am 26. Juni 1866 zum Generalmajor
befördert worden war, denselben mittels Verleihung des Kleinkreuzes zum
Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren und ihn auf Grund
der Statuten späterhin in den Freiherrnstand zu erheben.
Nach der Schlacht bei Custozza unternahm GM. Pulz im Feldzuge von 1866
in Italien am 1. Juli einen Streifzug über den Mincio ins lombardische Gebiet,
bestand ein Scharmützel bei Medole am 2. Juli, deckte den Rückmarsch der
Süd-Armee hinter die Piave, respective deren Abmarsch an die Donau, bis hinter
den Tagliamento, marschierte sodann mit seiner Brigade bis Villach in Kärnten,
von wo dieselbe mittels Eisenbahn ebenfalls an die Donau versetzt wurde, ohne
jedoch mehr zu einem Kampfe zu gelangen.
Am 22. Juli 1871 zum Commandanten der XVII. Infanterie-Truppen-Division
in Großwardein ernannt, rückte GM. Pulz. am 28. April 1872 zum Feld-
marschall-Lieutenant vor und wurde am 6. März 1878 zum Militär-Comman-
danten in Kaschau, kurz darauf am 8. November 1878 zum Militär-Comman-
danten in Temesvär ernannt.
Anlässlich der Überschwemmungen in Ungarn in den Jahren 1879 und 1881
stürzte sich dieser kühne und tapfere Reitergeneral an der Spitze der zur Hilfe-
leistung aufgebotenen Truppen mit gleichem Todesmuth, wie auf dem Schlachtfeld
gegen den Feind, in den Kampf mit den Fluten. Im Juli 1879 erwarb er sich durch
Rettung von Menschenleben mit eigener Lebensgefahr so hervorragende
Verdienste, dass ihn Seine Majestät der Kaiser mit dem Commandeurkreuz
des Leopold-Ordens allergnädigst auszuzeichnen geruhte, ihm überdies am
20. August 1879 die Würde eines Geheimen Rathes verlieh. Im Juli 1881 ent-
faltete er dasselbe außergewöhnlich todesmuthige und humane Wirken anlässlich
des Hochwassers der Theiß und Körös. Hiefürwurde ihm am 2. August 1881 unter
gleichzeitiger Ernennung zum Commandierenden General in Agram die
Allerhöchste belobende Anerkennung Seiner Majestät des Kaisers zutheil.
Verhängnisvoller Weise hatte sich jedoch FML. Frh. von Pulz bei den
Rettungsarbeiten im Überschwemmungsgebiet den Keim des Todes geholt und
hauchte nach kurzer Krankheit zu Mödling bei Wien am 1. September 1881 seinen
im Kriege wie im Frieden gleich heldenmüthigen Geist aus, womit die k. k. Armee
einen ihrer hervorragendsten Reiter-Generale, eine der bedeutendsten Verkör-
perungen der österreichischen ReiterwafTe, vorzeitig verlor.
Durch seinen bei Custozza erstrittenen Kriegerruhm lebt jedoch Pulz in
dem dankbaren Andenken der Armee unvergesslich fort.
UittUiweh«; Man« Ther«n*o-Or«len. 20
Digitized by Google
30<>
CLXIV. bis GLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Italien.
Ritter des Maria Theresien- Ordens
Ludwig Freiherr von Pielsticker.
Pielsticker — einer hannoveranischen Familie, von welcher schon seit vier
Generationen Mitglieder dem Allerhöchsten Kaiserhause mit Auszeichnung gedient
hatten, entstammend — wurde 1824 in Osnabrück geboren, genoss seine Aus-
bildung am Gymnasium Carolinum seiner Vaterstadt und trat am 1. März 1840
als ex propriis-Cadet bei dem Erzherzog Franz-Kürassier-Regiment Nr. 2 in
Galizien in die k. k. Armee ein. Er avancierte am 16. September 1840 zum Unter-
lieutenant. In den Jahren 1845 bis 1847 besuchte er die Central-Cavallerie-Schule
in Salzburg, wurde 1846 zum Oberlieutenant befördert, und war 1847 bis
1848 Commandant der Regiments-Equitation.
Nach achtjähriger Friedens-Dienstzeit war es dem jungen Cavallerie-OfnVier
vergönnt, im November 1848 ins Feld zu rücken und im Verbände seiner Division
mit dem Graf Schlik'schen Armee-Corps wahrend des Winterfeldzuges 1848/49
fast in sämmtlichen Schlachten, Gefechten und Scharmützeln mitzukämpfen. Es
waren diese: das Gefecht bei Bud am er mit gleichzeitiger Besitznahme von Kaschau
am 11. December, das Gefecht bei Szikszö am 28. December, das Treffen bei
Kaschau am 4. Jänner 1849, die Erstürmung der feindliehen Stellung bei Tarczal
und Keresztür am 22. Jänner, die Gefechte bei Tokay am 31. Jänner, bei Hidas-
Nemethy am 8. Februar, bei Szina am 9., bei Szen am 13., bei Tornalja am
14., bei Peterväsära am 24., bei Sirok am 26.. die Schlacht bei Käpolna am
26. und 27., das Cavallerie-Gefecht bei Mezö-Kövesd am 28. Februar und das
Gefecht bei Poroszlö am 6. Marz.
In allen diesen Schlachten und Gefechten that sich Pielsticker durch
Umsicht hervor, und wusste sich als selbständiger Commandant von Cavallerie-
Abtheilungen bei Streifungen, Recognoscierungen und auf exponierten Posten die
Zufriedenheit und das Vertrauen des Corps-Commandanten in so hohem Maße zu
erwerben, dass er am 15. März 1849 dem General-Quartiermeister-Stabe zugetheilt
und als Generalstabsofficier zuerst im Corpsquartier, sodann bei der Brigade GM.
Parrot (später Bianchi) verwendet wurde.
In letzterer Eigenschaft focht er weiter mit, und zwar in den Gefechten bei
Hatvan am 1. April, bei Hatvan und Hort am 2., bei Hatvan am 5. April, in
der Schlucht bei Isaszeg am 6. April, in den Recognoscierungsgefechten bei
Czinkota, Palota und Keresztür am 8., 9., 10. und 21. April, dazwischen in
den Gefechten am Räkos am 11. und 16., in dem Scharmützel bei Keresztür
am 14., bei dem Angriff auf Pesth am 19., in dem Gefechte bei Acs am 26. April,
in dem Geplänkel an der Rabnitz am 1. Mai, in dem Arrieregarde-Gefecht bei
Abda am 5., in dem Gefecht bei Hochstraß am 12., in dem Geplänkel bei
Ab da am 18., bei Hochstraß am 19. Mai, bei Abda am 8. Juni, bei Hochstraß
am 13., bei Kimling am 20., in dem Gefecht bei Abda und bei der Einnahme
von Raab am 28. Juni, in dem Gefecht bei Acs am 30. Juni, in den Schlachten
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Ludwig Freiherr von PieUticker.
307
bei Komorn am 2. und 11. Juli, in dem Gefechte bei Uj-Szegedin am 3. und
4. August, endlich in der Schlacht bei Szöreg am 5. August.
In diesen 6 Schlachten und 37 Gefechten, in welchen er zweimal leicht
verwundet wurde, erwarb sich so Pielsticker nebst reicher Kriegserfahrung aurh
die ersten Lorbeeren.
Namentlich in der Schlacht bei Komorn am 2. Juli that er sich rühmlich
hervor, indem er aus eigenem Antriebe während des Rückzuges der Brigade
Heischach aus den Schanzen des Komorner Sandberges das 3. Bataillon Erz-
herzog Carl-Infanterie durch den Acser Wald in die feindliche linke Flanke führte,
sieh an dessen Angriffe hervorragend betheiligte und hiedurch zur Degagierung
der hart bedrängten Brigade wesentlich beitrug. Für diese mit Bravour und
Umsicht vollbrachte Waffenthat wurde dem Oberlieutenant Pielsticker über
Einschreiten des Officiers-Corps der Orden der Eisernen Krone III. Glasse
verliehen.
Auch in der zweiten Schlacht bei Komorn am 11. Juli bewährte Pielsticker
hervorragende Bravour, indem er wiederholte Stürme des 1. Landwehr-Bataillons
von Hess-Infanterie leitete und mitmachte, auf Grund dessen ihm der Ausdruck
Allerhöchster Zufriedenheit und am 4. Februar 1850 das Militär-Ver-
dienstkreuz zutheil wurde.
Nach beendigtem Kriege bewirkte Oberlieutenant Pielsticker im Jahre 1850
über Auftrag des Armee-Commandos eine Recognoscierung der sieben nordöst-
lichen Comitate Ungarns und Siebenbürgens behufs Rectificierung der damals sehr
mangelhaften Straßenkarten, rückte am 19. November 1850 zum Hauptmann
II. Glasse im General-Quartiermeister-Stabe vor und zwar mit der Eintheilung
bei der in Böhmen aufgestellten Armee, frequentierte 1851 und 1852 die General-
stabs-Schule in Wien und war in der Zeit von Februar bis Juui 1853 Generalstabs-
Offlcier bei dem zur Ausrottung des Räuberunwesens in Mittel-Ungarn aufge-
stellten Truppen-Commando, in welch' letzterer Üienstesverwendung er sich
durch seine vielseitige, praktische Verwendbarkeit und unermüdliche Thätigkeit
die lobende Anerkennung des Armee-Commandanten Erzherzog Albrecbt erwarb.
Im Sommer 1853 bei der Mililär-Mappierung nächst Pesth commandiert,
sodann Generalstabsoflficier bei dem an der serbischen Grenze aufgestellten
IX. Armee-Corps, darnach im Sommer 1854 bei dem Cavallerie-Corps des Fürsten
Franz Liechtenstein in Ungarn, marschierte Pielsticker im Herbste mit diesem
Corps nachGalizien, avancierte am 14. October 1854 im General-Quartiermeister-
Stabe zum Hauptmann I. Classe und rückte im Winter mit dem Cavallerie-
Corps wieder nach Ungarn ein.
Während der Jahre 1855 bis 1856 im Evidenz-Bureau des Generalstabes
verwendet, betheiligte sich Pielsticker in den Jahren 1856 und 1857 an derMilitär-
Mappierung in der Walachei und bereiste darauf in den Jahren 1857 und 1858
sämmtliche österreichische Eisenbahnen behufs Studium im Eisenbahnwesen.
Im Anfange des Jahres 1859 war Pielsticker mit der Einleitung von Eisen-
bahn-Transporten nach Italien, sodann mit einer Mission nach Deutschland
20*
Digitized by Google
308
CLXIV. bis CLXVUL Promotion. - Im Kriege von 1866. - Italien.
und zwar nach Frankfurt, Darmstadt, Carlsruhe, Stuttgart, München und Dresden
behufs Voreinleitungen zur eventuellen Aufstellung einer österreichischen Rhein-
Armee betraut. Im Mai 1859 erhielt Pielsticker eine zweite Mission und zwar nach
Sachsen und Bayern zur Leitung der Eisenbahntransporte der zur Verstärkung
der k. k. Armee in Italien aus Böhmen und Galizien durch Süddeutschland nach
dem italienischen Kriegsschau platze instradierten Truppen.
Am 25. Juni 1859 zum Major im General-Quartiermeister-Stabe befördert,
fungierte Pielsticker in den Monaten Juli und August als Generalstabs-Souschef
bei dem in Böhmen aufgestellten Cavallerie-Corps.
Im Frühjahre 1860 wurde er Vorstand des militärischen Eisenbahn-Bureau
des Generalstabes. In dieser Dienstesverwendung gab er den Anstoß zu der im
Jahre 1860 durchgeführten Militär-Tarif-Reform, nahm an den bezüglichen
Berathungen theil und verfasste mehrere Instructionen, sowie ein Reglement fin-
den Truppentransport auf Eisenbahnen.
Nach wiederholten commissionellen Verhandlungen im militärischen Eisen-
bahnwesen in München, Stuttgart und Verona im Jahre 1860, erhielt Major
Pielsticker im Februar 1861 die Mission, an einer vom Deutschem Bunde ein-
berufenen Special-Gommission deutscher Generalstabs-Ofllciere zur Erhebung der
Leistungsfähigkeit deutscher Eisenbahnen für militärische Zwecke als österreichi-
scher Delegierter und Obmann theilzunehmen. Die Commission legte nach Bereisung
sämmtlicher deutschen Hauptlinien und Verhandlungen mit den betreffenden Ver-
waltungen im Herbste 1861 einen umfassenden Bericht über ihre Erhebungen vor,
welcher, allen Bundesregierungen raitgetheilt, die Grundlagen für die militärische
Benützung der Eisenbahnen feststellte, und von allen Generalstäben Mittel-Europas
in den nachgefolgten Kriegen verwertet wurde.
In Anerkennung der im militärischen Eisenbahnwesen geleisteten Dienste
geruhte Seine Majestät der Kaiser mit Allerhöchster Entschließung vom 31.0ctober
1H61 allergnädigst anzuordnen, dass dem Major Ludwig Ritter von Pielsticker
der Ausdruck der Allerhör hsten Zufriedenheit bekannt gegeben werde.
Über eigene Bitte von seiner fünfjährigen Verwendung im militärischen
Eisenbahnwesen enthoben und zum Generalstabsdienste bei der Truppe zurück-
gekehrt, diente Pielsticker in den Jahren 1862 bis 1863 als Generalstabs-Souschef
bei dem VIII. Armee-Corps in Vicenza und Padua und als Generalstabschef
unter FML. Frh. von Gablenz im Lager bei Rivoli.
Im September 1863 nahm Pielsticker infolge Einladung Seiner Majestät des
Königs Georg V. von Hannover theil an den Manövern der hannoveranischen
Armee bei Walsrode.
Im Deeember 1863 wurde er als Generalstabschef zum Militär-Commando für
Istrien und das Küstenland in Tri est unter FML. Härtung übersetzt. Aus dieser
Anstellung rückte er im April 1866 mit seinem zum Commandanten des IX. Armee-
Corps der Süd-Armee ernannten Chef auf den italienischen Kriegsschauplatz.
Während des Verlaufs des Krieges gegen Preußen und Italien im Jahre
1866 kämpfte Pielsticker in dem Feldzuge gegen Italien und war es ihm am 24. Juni
Digitized by Google
Bitter des M. T.-O. Ludwig Freiherr von Pielsticker.
309
in der Schlacht bei Gustozza beschieden, eine besonders hervorragende
Waffenthat zu vollbringen, indem er zunächst auf eigene Verantwortung eine
theilweise Änderung der vom Armee-Commando für das IX. Corps erlassenen
Schlacht-Disposition in Anregung brachte, was zum günstigen Ausgange der
Schlacht sehr viel beitrug, — sodann durch persönliches, überaus tapferes und
kluges Eingreifen in einem entscheidenden Moment und auf einem entscheidenden
Punkte des Schlachtfeldes, nämlich auf dem Belvedere, den Angriff der Armee-
Reserve auf Custozza vorbereitete und so den Sieg wesentlich förderte.
Die Änderung der Disposition zum Vormarsche des IX. Armee-Corps
am 24. Juni erfolgte unter folgenden Umständen.
Die am 23. Juni 6% Uhr abends im Armee-Hauptquartier zu Verona
ausgegebene Disposition des Armee-Commandos bestimmte: »Das bei S. Lucia
stehende IX. Armee-Corps rückt möglichst gedeckt, nördlich des Eisenbahn-
dammes über Mancalacqua und schlägt von da die Richtung gegen Somma-
campagna ein, greift diesen Ort an, falls er besetzt ist, und setzt sich dort
fest/ — Nach bewirktem Aufmarsche hatte das IX. Armee-Corps Somma-
campagna als Pivot festzuhalten und sich gegen Berettara auszudehnen.
Diese Disposition langte im Corps-Hauptquartiere S. Lucia gegen 8 Uhr
abends ein, wo in Erwartung derselben schon vor 7 Uhr sämmtliche Generale.
Truppen- und selbständigen Abtheilungs-Commandanten zur Entgegennahme der
Befehle des Corps-Commandanten versammelt waren.
Der Corps-Generalstabschef, Oberstlieutenant Pielsticker, erkannte sofort
nach Durchsicht der Disposition die großen Nachtheile, welche aus der stricten
Durchführung derselben für den Aufmarsch der Armee im Hügelterrain, und
insbesondere für die rechtzeitige Besetzung von Sommacampagna entstehen
könnten.
Es war durch die mit der Cavallerie-Brigade Pulz mittels Officiers-Patrouillen
unterhaltene Verbindung bekannt, dass diese Brigade, vom Feinde bedrängt, sich
schon am Nachmittage über Villafranca gegen Verona zurückgezogen, und der
Feind den ersteren Ort, wenn auch nur mit Vortruppen, besetzt hatte.
Es lag daher die Wahrscheinlichkeit vor, dass der Feind, bei einigermaßen
beschleunigter Vorrückung, das dominierende Hügelterrain von Ca del Sole,
Zenolino und selbst den Ort Sommacampagna bereits besetzt haben werde,
wenn die Vorrückung des IX. Armee-Corps auf dem vorgezeichneten, um 2x/i Dis
3 Stunden längeren Wege, welcher überdies auch den Truppen des VII. Armee-
Corps angewiesen war, erfolgen würde.
Die Aufgabe des IX. Corps, das Hügelterrain südlich von Sommacampagna
als Pivot des Aufmarsches der Armee zu gewinnen und festzuhalten, wäre
hierdurch nicht allein sehr erschwert, sondern auch möglicherweise ganz vereitelt
worden. Es kam daher alles darauf an, dem Feinde zuvorzukommen.
Zwischen dem Corps-Commandanten und seinem Generalstabs-Chef wurde
nun die Frage erwogen, ob es nicht möglich sei, eine Abänderung der Disposition
beim Armee-Commando anzusprechen. Dies ließ jedoch eine Reihe von Umständen
Digitized by Google
310
CLXIV. bia CLXVUI. Promotion. Im Kriege von 1860. — Italien.
als unthunlich erscheinen. Einerseits war es bekannt, dass der Armee-Commandant
Erzherzog Albreeht, mit seinem gesammten Stabe sofort nach Ausgabe der
Disposition sich von Verona entfernt halte, um die Truppen in ihren Bivouacs
zu besuchen. Man konnte daher nicht wissen, wann und wo derselbe zu erreichen
sei. Anderseits war ein bis in die spate Nacht verzögertes Zuwarten der
versammelten Commandanten, wegen deren unerlässlicher mündlicher Instruierung,
ebenfalls unthunlich, da den Truppen hierdurch die ohnehin sehr kurze Nachtruhe
entzogen worden wäre.
Daraufhin machte Oberstlieutenant Pielsticker . in seiner Eigenschaft als
Generalstabs-Chef des IX. Corps dem Commandanten desselben, FML. Härtung,
den Vorschlag auf theilweise Änderung der Disposition, nämlich den nördlichen
Colormenweg nur für eine Brigade zu benutzen, mit dem Reste des Corps aber
unter Zurücklassung aller Bagagen, auf dem directen Wege gegen Somuia-
campagna vorzugehen und hiedurch die Besetzung des Ortes und der Höhen
bis 6 Uhr früh zu ermöglichen.
FML. Härtung beschloss, den Vorschlag des Oberstlieutenants Pielsticker zur
Durchführung zu bringen.
Es wurden dem Gros des Corps die directen zwei Parallelwege — südlich
der Eisenbahn über Camponi und Capelle d' Erbe — bei gleichzeitigem Auf-
bruch um 3 Uhr früh zum Vormarsche vorgezeichnet, während nördlich der
Eisenbahn eine Brigade vorzurücken hatte. Auf Grund dieser Dispositions-Ände-
rung wurde auch sofort für den Fall eines Gefechtes bei Sommacainpagna mit
den versammelten Generalen und selbständigen Truppen-Commandanten alles
Nöthige erörtert und bestimmt.
Der Vorsicht halber beantragte ferner Oberstlieutenant Pielsticker, noch am
23. abends 10 Uhr einen Zug Husaren zur Recognoscierung gegen Somma-
campagna abzusenden, mit dem Aufträge, gegen Tagesanbruch bestimmte Nach-
richt zu übersenden, ob der Ort und Umgegend vom Feinde besetzt sei oder
nicht. Nach Maßgabe dieser Meldung wäre es auch während des Vormarsches noch
möglich gewesen, sAmmtliche Colonnen über die Eisenbahn zu schieben und
Sommacainpagna im Falle starker feindlicher Besetzung von Norden aus anzu-
greifen, während im Gegenfalle durch den directen Vormaisch mehrere kostbare
Stunden gewonnen wurden.
Sämmtliche Colonnen setzten sich Punkt 3 Uhr früh in Bewegung, und zwar
die Brigaden Weckbecker und Kirchsberg, gefolgt von der Geschütz-Reserve, auf
dem directen Wege, südlich der Eisenbahn.
Die Avantgarde erreichte Sommacampagna bald nach 5 Uhr; um 6 Uhr
war die Besetzung vollzogen und eine Brigade bereits bis Berettara vorgeschoben.
Die Brigade Frh. von Böck. welche ebenfalls Punkt 3 Uhr aus dem Lager auf
dem durch die Disposition des Armee-Commandos bezeichneten Wege — nördlich
der Eisenbahn — vorgerückt war, erreichte wegen bedeutenden Umweges und
wegen Kreuzungen mit Truppen des VII. Corps erst gegen J/49 Uhr Somma-
campagna.
Digitized by Google
Ritter de» M. T.-ü. Ludwig Freiherr vuii PieUticktr.
311
Wenn alle Colonnen auf dem nördlichen Colonnenwege vorgerückt wären,
hätte der Aufmarsch des Corps auf den Höhen bei Sommacampagna unter den
günstigsten Verhältnissen nicht vor 10 Uhr derart vollendet sein können, um den
von Südwest vordringenden Feind zu hindern, sich der Höhen von Ca del Sole
und wahrscheinlich auch der den Ort Sommaeanipagna dominierenden Höhen
von Zenolino zu bemächtigen.
In diesem Falle wären auch die beiden Cavallerie-Brigaden in der Ebene vor
Villafranca von den Höhen ganz eingesehen und, auf wirksame Entfernung in
das Kreuzfeuer genommen, genöthigt gewesen, weiter zurückzugehen.
Bereits um 8 Uhr hatte sich der Feind — die Division Brignone — auf dem
Monte della Croce festgesetzt; seine weitere Vorrückung durch das Staffalo-
Thal gegen Sommacampagna wurde nur durch den beschleunigt vollzogenen
Aufmarsch und die vorgeschobene Stellungnahme auf den dominierenden Höhen
südwestlich von Sommacampagna verhindert.
Der Eingriff in die vom Armee-Commando erlassene Disposition war nach
alledem eine besonders umsichtige, durch die Umstände gerechtfertigte Änderung
im Geiste der ersteren bei der Detail-Ausführung. Diese Änderung zählt somit zu
jenen, in den Ordens- Statuten vorgesehenen »ersprießlichen Rathschlägen und
geistigem Eingreifen in unvorhergesehener Lage", welche von Generalstabs-
Officieren vor und in der Schlacht erwartet werden, aber auch bei wesentlichem
Erfolge die höchsle Anerkennung verdienen und finden.
Nachdem Oberstlieutenant Pielsticker nach dem Zeugnisse seines Corps-
Commandanten auch im Verlaufe der an Wechselfällen für das IX. Armee-Corps
reichen Schlacht durch Umsicht, Entschlossenheit und förderliche Rathschläge
große Verdienste erworben hatte, war es ihm beschieden, gegen Ende derselben
noch in einem entscheidenden Momente und auf einem entscheidenden Punkte
durch eine hervorragende Waffenthat eingreifen zu können.
Gegen 11 Uhr vormittags war das Regiment Graf Thun Nr. 29 von
Berettara aus längs des Bosco dei Fitti und den südwestlichen Abfüllen des
Monte Molimenti mit der Direction gegen Custozza vorgeschoben worden.
Das Regiment drang unter heftigem Kampfe mit dem linken Flügel
bis Palazzo Baffi, mit dem rechten auf das Belvedere, und behauptete sich
durch längere Zeit, bis es durch die über Custozza einlangenden feindlichen
Verstärkungen gegen Berettara wieder zurückgeworfen wurde, wo es um 3 Uhr
anlangte und sich sammelte.
Während des Gefechtes des Regiments, welches wegen der dichten Cultur
und der vorliegenden Höhen den Bücken des Corps-Hauptquartiers entzogen war,
machte Oberstlieutenant Pielsticker dem Corps-Comraandanten den Vorschlag,
das Regiment aufzusuchen und je nach den Umständen zu dirigieren, da die Gefahr
nahe lag, dass es in seiner weit vorgeschobenen Aufstellung durch eine feindliche
Vorrückung vom stark besetzten Monte Torre abgeschnitten werden könne.
Der Corps-Commandant genehmigte dies und Pielsticker ritt, begleitet vom
Botenjäger Tognon, durch das Staffalo-Thal gegen den Monte Molimenti.
Digitized by Google
312
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von 1866. - Italien.
Bei Mazzole. südlich des Bosco dei Fitti, fand er das 3. Bataillon Bayern-
Infanterie Nr. 5 unter Commando des Majors Fabrizzi, welcher beim Rückzüge
der Brigade Weckbecker auf Befehl seines Brigadiers dort zurückgeblieben war,
von dem Gefechtsgange des Regiments Thun jedoch keine Kenntnis hatte. Zurück-
kehrende Verwundete veranlassten Pielsticker. über den Monte Arabica gegen
das Belvedere zu reiten, wo er eine Abtheilung im Gefechte sah.
Auf dem Belvedere angelangt, fand er dort die 6. Division des Regiments
Thun und einige andere kleine Abtheilungen, welche sich derselben angeschlossen
hatten. Die schwachen Abtheilungen, welche bereits Mangel an Munition hatten,
hielten das Belvedere und die knapp vorliegenden niedrigen Mauern besetzt
und vertheidigten sich gegen den in Custozza aufgestellten, in Valle Busa,
dem Cimitero und dem Palazzo Maffei logierten Feind mit Ausdauer und
Tapferkeit.
Ein Angriff aus den letzteren Gehöften wurde während Pielstiekers etwa
eine Viertelstunde dauernder Anwesenheit auf der Höhe mit dem Bajonnette
zurückgewiesen. Der dort befehligende Hauptmann Helm bürg sagte ihm, dass
er seit mehreren Stunden dasBeivedere besetzt halte, von seinem Regimente,
welches sich zurückgezogen habe, jedoch keine Kenntnis besitze.
Recognoscierungen in beiden Flanken überzeugten Pielsticker, dass das
Regiment bereits seit längerer Zeit zurückgegangen sein müsse, — eine feindliche
Verfolgung desselben hatte jedoch nicht stattgefunden.
Dies und die Erkenntnis der Wichtigkeit des Belvedere für einen ferneren
Angriff auf Custozza bewog den Oberstlieutenant Pielsticker, den Hauptmann
He Im bürg aufzufordern, mit seiner Truppe noch insolange in der isolierten
Position auszuharren, bis er ihm Verstärkungen bringe. Hierauf ritt er im schärfsten
Tempo über den Monte Molimcnti nach Mazzole zurück, fand jedoch vom
Regimente Thun nichts mehr, traf dagegen bei Mazzole das 3. Bataillon Bayern
noch aufgestellt. Durch die Mittheilung, dass an dem Siege der k. k. Truppen nicht
mehr zu zweifeln sei, diese Abtheilung anfeuernd, forderte Pielstic ker Major
Fabrizzi auf, die bedrängten Truppen auf dem Belvedere zu degagieren. Das
Bataillon setzte sich sofort in Marsch, worauf Pielsticker wieder auf das Belve-
dere voraus ritt.
Dort fand er dieselbe Gefecht slage wie früher, einen großen Theil der Mann-
schaft jedoch ohne Patronen. Er forderte die brave Truppe unter Mittheilung, dass
sogleich Unterstützung anlangen werde, auf, noch kurze Zeit auszuharren und
langsam zu feuern. So vergieng noch eine kritische Viertelstunde, während welcher
bereits einige Bersaglieri-Schwärnie am Abhänge des Tione-Thales sich festsetzten
und die Stellung auf dem Belvedere auch in der rechten Flanke beschossen.
Gerade im Momente, als das Bataillon Bayern-Infanterie auf der Kuppe des
Monte Arabica erschien, machte der Feind von mehreren Seiten einen heftigen
Angriff gegen das Belvedere. Major Fabrizzi. dies bemerkend, durcheilte die
Strecke vom M. Arabica bis auf das Belvedere im Laufschritt und langte dort in dem
Augenblicke an. als die erschöpften, schwachen Abtheilungen von Thun-Infanterie
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Ludwig Freiherr von Pielsticker. 313
1
zu weichen begannen. Auch das Bataillon Bayern, durch die schnelle Vorrückung
sehr ermattet, konnte sich auf dem Belvedere nur wenige Minuten behaupten
und musstc bis auf die etwa 300 Schritte hinter dem Belvedere liegende Kuppe
des Monte Arabica weichen, bei welchem Rückzüge der Commandant der
Abtheilungen von Thun-Infanterie, vom Feinde umringt, gefangen wurde.
Pielsticker geleitete die Truppen bis auf diese Höhe, wirkte bei Besetzung
derselben mit und forderte Major Fabrizzi auf, sich hier mit äußerster Kraft zu
halten, bis er ihm Unterstützung vorbringen könne.
Hierauf ritt er neuerdings, in der Hoffnung weitere Truppen des IX. Corps
zu finden, zurück, fand jedoch schon bei Monte Godi das 7. Jäger-Bataillon
vom VII. Corps in der Vorrückung. Der Commandant desselben, Major von Mai er,
sagte ihm, dass er die Avantgarde einer nachfolgenden Truppen-Division des VII.
Corps sei und den Befehl habe, bei Monte Godi zu halten.
Pielsticker schilderte ihm die Bedrängnis der im Gefechte befindlichen
schwachen Abteilungen und forderte ihn zum sofortigen Weitermarsche auf,
welche r Aufforderung Major Maier auch nachkam, und die ersteren degagierte.
In der Höhe von Marollina fand sodann Piels ticker den FML. Corps-
Commandanten Frh. von Maroicic an der Spitze der Brigaden Töply und Welsers-
heimb in der Vorrückung begriffen. Nachdem Pielsticker demselben das
Geschehene gemeldet hatte, ritt er, über das Schicksal der Truppen des IX. Corps
beruhigt, zu seinem eigenen Corps-Commandanten zurück, um dessen weitere
Dispositionen einzuholen.
Durch die hartnäckige Vertheidigung des Belvedere, deren Verdienst
sowohl der Tapferkeit und Ausdauer der schwachen Abtheilungen von Thun-
Infanterie, als Piel stickers Anwesenheit an Ort und Stelle, sowie der durch ihn
dort ausgeübten Kinwirkung und der Vorführung des 3. Bataillons Bayern-Infanterie
zuzuschreiben ist, wurde der spätere Angriff der Truppen des VII. Corps wesent-
lich begünstigt, denn diese würden den Feind bereits auf dem M. Molimenti und
dessen nördlichen Abfällen aufgestellt gefunden haben, wenn nicht das Belvedere
und der M. Arabica durch die Abtheilungen des IX. Corps solange gehalten
worden wären.
Eine Entscheidung hatte durch circa l1/, erschöpfte Bataillone ohne
Geschütze gegen die feindliche Stellung von Custozza natürlich nicht herbeigeführt
werden können, doch rettete die Vorführung des 3. Bataillons Bayern nebstbei die
schwachen Abteilungen des Regiments Graf Thun vor gänzlicher Zersprengung
oder Gefangennahme, da sie dem lebeten feindlichen Angriffe nicht widerstehen
konnten und vom Belvedere bis Monte Godi keine Unterstützung gefunden
haben würden.
Endlich ermöglichte Pielstickers Anwesenheit an Ort und Stelle am Belve-
dere die beschleunigte Berichterstattung über die Gefechtslage bei Custozza
und über die Vorrückung der 2 Brigaden des Vll. Corps, iowie sein Vorschlag
den Entschluss seines Corps-Commandanten veranlasste, sofort nach Pielstickers
Rückkehr das letzte noch in der Reserve befindliche Regiment Frh. von Maroici6
Digitized by Google
314
CLXIV. bu CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Italien.
Nr. 7 vorzuziehen und einen letzten Versuch zur Erstürmung des Monte della
Croee zu machen, welcher unter persönlicher Leitung des Corps -Coraman-
danten und seines Generalstabs-Chefs glücklich gelang, und nebst der gleichzeitigen
Erstürmung von Custozza die Entscheidung des Tages herbeiführte.
Mit dem Morgengrauen des 25. Juni rückte Oberstlieutenant Pielsticker mit
einem aus Stabs- Ca vallerie zusammengesetzten Zuge, dem Infanterie nachfolgte,
nach Villafranca, besetzte den Ort, veranlasste die Herstellung der unter-
brochenen Telegraphen-Linien nach Verona und Mantua, sorgte für die Ver-
pflegung und den Transport der die Stadt anfüllenden Verwundeten beider
Armeen durch von Verona verlangte Eisenbahnzüge und streifte sodann auf der
Straße gegen Goito bis in die Nähe von Marcngo, wo stärkere feindliche
Cavallerie-Abtheilungen halt geboten. Massen weggeworfener Ausrüstungsstücke
und viele zurückgebliebene Marodeurs zeugten für die Deroute der verflossenen
Nacht. Der Cavallerie-Zug langte nachmittags mit 22 auf der Straße gesammelten
uuverwundeten feindlichen Pferden wieder in Villafranca ein.
Die oben dargestellten ersprießlichen Rathschläge, an deren Ausführung
sich Pielsticker so hervorragend betheiligte, sowie seine eben geschilderte per-
sönliche Mitwirkung in einem entscheidenden Momente der Schlacht werden
durch die im Ordens-Archive aufbewahrten Zeugnisse der Augenzeugen, und zwar
des Corps-Commandanten Härtung, sämmtlicher Ofßciere des Corps-Haupt-
quartiers, der Commandanten und sämmtlicher Officierc der auf dem Belvedere
und dem M. Arabica im Kampfe gewesenen Truppen, endlich des Generalstabs-
chef der Armee, FML. Frh. von John, mit dem Beifügen seitens des letzteren
bestätigt, „dass die vom Herrn Oberstlieutenant beantragte und in Vollzug gesetzte
Änderung der gegebenen Disposition wesentlich zur schnelleren Besetzung von
Sommacampagna, sowie sein tapferes Verhalten in der Schlacht selbst zu deren
günstigem Ausgange sehr viel beigetragen hat.4
Für die in der Schlacht bei Custozza vollbrachten Waffenthaten und
crtheilten ersprießlichen Rathschläge geruhte SeineMajestätKaiserF ranz Joseph 1.
als Erhabener Großme ister des Maria Theresien-Ordens auf Grund des Capitel-
Beschlusscs kraft Promotion CLXV1 vom 29. August 1866 den Oberstlieutenant
Ludwig Ritter von Pielsticker durch Verleihung des Kleinkreuzes zum
Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren, nachdem ihm für
seine Leistungen im Feldzuge in Italien schon am 18. Juli 1866 das Ritterkreuz
des kaiserlich österreichischen Leopold-Ordens verliehen worden war.
In der Folge geruhte Seine Majestät der Kaiser auf Grund der Statuten des
Maria Theresien-Ordens den Oberstlieutenant Ritter von Pielsticker in den
Freiherrnstand zu erheben.
Nachdem Pielsticker infolge der Versetzung des IX. Corps aus Italien an
die Donau auch den letzten Theil des Feldzuges gegen Preußen, ohne dass
er aber mehr zu einem Gefechte gekommen, mitgemacht hatte, wurde derselbe
im Herbst 1866 Generalstabschef bei der Ca vallerie- Division Coudenhove in
Odenburg.
Digitized by Google
Ritter des H. T.-O. Anton Freiherr von Bechtolsheim
315
Am 29. Mai 1867 erfolgte nach ununterbrochener nahezu zwanzigjähriger,
im Frieden, wie im Kriege stets ausgezeichneter und ersprießlicher Dienstleistung
Pielstickers im Generalstabe, seine Beförderung zum Obersten unter gleich-
zeitiger Ernennung zum Regiments-Commandanten des 53. Infanterie-Regiments.
Der Chef des Generalstabes der Armee sprach dein nach allen Seiten so bewährten
Officier bei dessen Scheiden aus dem Generalstabe die vollste Anerkennung aus.
Durch sieben Jahre befehligte sodann Oberst Frh. von Pielsticker das
53. Infanterie-Regiment in Komorn, Wien, Graz und Trient, darnach vom
15. Juni 1874 an die 2. Brigade der XXV. Infanterie-Truppen-Division in Wien.
Auf letzterem Dienstesposten wurde er am 1. November 1874 zum General-
major befördert.
Im Jahre 1878 bei der zweiten Mobilisierung anlasslich der Occupation
Bosniens wurde GM. Frh. von Pielsticker am 21. August mit dem Commando der
XIV. Infanterie-Truppen-Division belraut, nahm jedoch nur mehr an einem einzigen
Gefechte und zwar bei dem Save-Übergange nächst Samac am 14. September theil,
wornach er im September und Oetober das Interims-Gommando des V. Armee-
Corps in Brod zu führen hatte.
Am 18. November 1878 wurde er zum definitiven Gommandanten der XIV ,
darauf am 15. Mai 1879 der XXVUI. Infanterie -Truppen -Division zu Agram
ernannt und auf letzterem Dienstposten am 1. Mai 1879 zum Feldmarschall-
Lieutenant befördert.
Zwei Jahre später, am 1. Mai 1881, trat FML. Frh. von Pielsticker auf eigenes
Ansuchen aus Gesundheits-Rücksichten in den Ruhestand. Bei diesem Anlasse
wurde ihm in Anerkennung seiner mehr als vierzigjährigen, im Kriege wie im Frieden
ausgezeichneten Dienstleistung der Ausdruck derAllerhöchstenZufriedenheit
ausgesprochen.
Im Jahre 1884 erwarb derselbe die österreichische Staatsbürgerschaft mit
der Zuständigkeit nach Schönau in Böhmen.
Am 27. December 1887 geruhte Seine Majestät der Kaiser und König den
FML. Freiherrn von Pielslickcr zum Schatzmeister des Militärischen Maria
Theresien-Ordens zu ernennen, in welcher Anstellung er als sechster dieser
seit der Ordensgründung im Jahre 1757 ernannten Functionäre — nebst der
Leitung der Ordenskanzlei — die Verwaltung des den Ordensmilgliedern, ihren
Witwen, Waisen und Hinterbliebenen gewidmeten Ordensvermögens übernahm.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Anton Freiherr von Bechtolsheim.
Frh. von Bechtolsheim wurde im Jahre 1834 zu Würzburg in Bayern
geboren und trat im 18. Lebensjahre in die k. k. Armee ein, indem er sich am
13. Juli 1852 bei dem 11. Infanterie-Regimente als Cadet assentieren ließ. Auf
Digitized by Google
316
CLXIV. bis CLXVI1I. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Italien.
seine Bitte wurde er im October desselben Jahres zum 11. Uhlanen-Regimente
triinsferiert, wo er am 16. Mai 1853 zum Lieutenant, am 1. Mai 1857 zum Ober-
Ii e u t e n a n t aufstieg. Im November 1 859 zum 1 2. Uhlanen-Regimente König FranzII.
beider Sicilien versetzt, wurde Bechtolsheim am 16. September 1861 zum Ritt-
meister 11. Classe befördert. Als solcher absolvierte er 1862/63 die Central-
Cavallerie-Schule. Am 10. Jänner 1864 rückte er zum Rittmeisterl. Classe vor.
In dieser Charge machte Bechtolsheim den Krieg gegen Preußen und
Italien im Jahre 1866 mit und zwar den Feldzug in Italien. Es war ihm vergönnt,
sich in der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866 durch eine kühne, folgen-
reiche Waffenthat hervorzuthun.
Die Brigade GM. Piret des V. Armee-Corps hatte am Morgen des 24. Juni
1866 ihre Bivouacs bei Castelnuovo verlassen und rückte in südlicher Richtung
gegen C. Bröl i no vor. Als ihre Tete die 300 Schritte nördlich von C. Brolino
gelegenen Höhen erreicht hatte, waren die von dem dominierenden Monte Venlo
gegen Norden vorrückenden feindlichen Colonnen bereits sichtbar, weshalb der
Brigadier die Batterie vorzog und den Geschützkampf eröffnete.
Im Verbände des V. Corps, speciell der Brigade Piret, standen unter dem
Befehl des Obersten Berres de Perez, Commandauten des 12. Uhlanen-Regiments
König Franz II. beider Sicilien, zwei Escadronen dieses Regiments. Eine derselben
war detachiert, von der andern, der 6. Escadron unter Rittmeister Frh. von Bech-
tolsheim, befand sich ein Zug als Bedeckung beim Corps -Commando. Die
übrigen drei Züge stellte Oberst Berres bei dem Aufmarsche der Brigade Piret
bei Corte hinter einen Cypressenhügel in Reserve auf. Im Verlaufe des Gefechtes
entsendete Oberst Berres zwei Patrouillen in südwestlicher Richtung gegen den
Tione-Fluss auf dem nach Fenile führenden Wege. Eine dieser Recogno-
seierungs-Patrouillen kehrte mit der Meldung zurück, jenseits des Tione seien
starke feindliche Abtheilungen im Vorrücken begriffen. Darauf erhielt Rittmeister
Bechtolsheim Befehl, in der rei hten Flanke vorzugehen. Er marschierte, von dem
Führer der Recognoscierungs- Patrouille geführt, ohne weitere Weisungen zu
erhalten, sofort gegen Fenile um 7 Uhr mit seinen 3 Zügen ab. Ohne Kenntnis
über Stärke und Bewegungen des Feindes kannte Bechtolsheim nur im
allgemeinen die Richtung, in welcher der Gegner vom Monte Vento nach
Norden vorrückte. Dicht belaubte Cultur verhinderte überdies jede Fernsicht, so
dass auch von den eigenen Truppen nic hts wahrzunehmen war. Nur in der vom
Führer der Recognoscierungs- Patrouille bezeichneten Direction hörte Bechtols-
heim Kleingewehr- und Geschützfeuer, welches er aus der Richtung der Projectile
als feindliches erkannte. Da ein Versuch, angesichts des Feindes und in dessen
wirksamstem Geschützbereich den Tione zu überschreiten, nur geringe Chancen
des Gelingens hatte, erschien es Bechtolsheim geboten, nicht auf den Feind zu
stoßen, bevor er sich nicht orientiert und einige Klarheit über die Gefeehtslage
gewonnen hatte.
Bechtolsheim verließ daher den direct nach Fenile führenden Weg und
nahm eine nordwestliche Richtung gegen dominierende Höhen, welche Fernsicht
Digitized by Google
«J* I
3
S(
ti-
li
b«
in
Ci
It
si<
re
lfc
ge
g«'i
Bf
Be
Kö
wa
toi
übi
bei
ent
Ti.
seif
Still
Be(
Fül
erh
üb*-
allg
Nor
das>
Füh
hein
als
wirk
stoß«
gew<
Hahn
Digitized bj
Digitizedtfy Google
Ritter des H. T.-O. Anton Freiherr von Bechtolsheim.
317
zu gewähren versprachen. Es war dies das vorn Palazzo Alzarea gegen Fenile
und Mongahia laufende rechtsseitige, die Urngegend beherrschende Ufer-Rideau
des T i o n e.
Bechtolsheim gelangte an einer wegen steiler, abgerissener Ufer unpassier-
baren Stelle an den Tione, wandte sich deshalb flus-aufwärts und übersetzte
200 Schritte oberhalb des Zusammenlaufes der beiden Tioue-Arme, das Gewässer.
Auch hier war jedoch das Übersetzen beider Arme bloß an je ein» r schmalen,
sumpfigen Stelle möglich, konnte daher nur — Heiter hinter Reiter — mit einigem
Zeitverlust durchgeführt werden.
In diesemMomente überbrachte ihm der Regiments- Adjutant den mündlichen
Befehl des Obersten Berres, nach welchem sich Bechtolsheim mit der Escadron
mehr links halten sollte. Er hielt jedoch an seinem Entschlüsse fest, vor allem das
jenseitige Rideau behufs Orientierung zu erreichen.
Zweihundert Schritte von Palazzo Alzarea erstieg Bechtolsheim die steile,
rechtsseitige Tione -Thalbegleitung und formierte, auf deren Höhen angelangt,
zunächst seine 3 Züge in Zugs-Colonne.
Von dem dominierend hohen Standpunkte aus konnte er nun wahrnehmen,
dass der Feind das Gehöfte von Fenile bereits besetzt hatte. In einer anderen
Richtung jedoch, nach Westen, bot sich dem Rittmeister Bechtolsheim ein
geeigneteres Feld der Thätigkeit. Jenseits des Rückens, den er erstiegen hatte, sah
er auf der von Castelnuovo nach Valeggio führenden Straße österreichische
Abtheilungen, von feindlicher Obermacht bedrängt, im Rückzüge.
Die Abtheilungen, welche Rittmeister Frh. von Bechtolsheim wahrnahm,
gehörten zur Brigade Benko der Reserve-Infanterie-Division Rupprecht. Diese
Brigade, nur 1 Bataillone stark, war mit dem Gegner in hartnäckigen Kampf um
den Monte Cricul und um Mongabia verwickelt. GM. Benko hatte bereits die
Truppen des Generalen Villahermosa zurückgedrängt, als gegen 8 Uhr die
italienische Division Cerale auf dem Kampfplatze eintraf, die Brigade Pisa entwickelte, '
und dem Gefechte eine ungünstige Wendung gab. Diese Brigade griff unter leb-
haftem Geschütz- und Gewehrfeuer und wiederholten Attaquen einer Guiden-
Escadron den Monte Cricol, Mongabia und Renati an. Die Truppen Benkos,
theilweise in Unordnung gebracht, konnten dem übermächtigen Stoße nicht wider-
stehen, wichen zurück und der Gegner drängte so lebhaft nach, dass auch die am
Monte Cricol stehende Batterie zum Abfahren genöthigt ward, bei welcher
Gelegenheit zwei Geschütze und drei Karren umwarfen und zurückgelassen werden
mussten. Der Feind bemächtigte sich des Monte Cricol und eines Theiles der
Häusergruppe Renati; sein Angriff auf Mongabia misslang. Eine andere Colonne
hatte, wie erwähnt, Fenile besetzt. Unterdessen war auch die Brigade Forli der
Division Cerale auf der Straße bis in die Nähe von Mongabia nachgerückt und die
Truppen des GM. Benko hatten nun eine noch bedeutendere Obermacht vor sich.
Durch das Eingreifen des k. k. V. Corps sollte jedoch ein völliger Umschwung
der Dinge in der Gegend von Oliosi herbeigeführt, zunächst aber durch einen überaus
kühnen Reiterangriff des Rittmeisters Frh. von Bechtolsheim eingeleitet werden.
Digitized by Google
:ms
CLXIV. bis CLXV1U. Promotion.
— Im Krieg« von 1866.
— Italien.
Bechtolsheim eilte nämlich an der Spitze seiner Truppe die westlichen Hänge
des Höhenrückens gegen die Straße hinab zu den bedrängten Abtheilungen, die
er wahrgenommen hatte. Dieselben gehörten dem 12. deutsch-banater Grenz-
Regimente an. Die Officiere gaben ihm betreffs der Gefeehlslage die Auskunft, sie
seien durch feindliche Obennacht gezwungen wurden, die Höhen des Monte
Cricol zu räumen.
Bechtolsheim gieng darauf mit der Eseadron im Golonnen-Rudel auf der
Straße gegen Monte Cricol vor und stieß bald auf andere Abtheilungen desselben
Grenz-Regiments, die in gleich misslicher Lage sich befanden. Südlich, in der
Höhe von Mongabia und dem Monte Cricol. hörte und sah man Kleingewehr-
feuer, welches an ersterem Punkte besonders lebhalt war. Weiters vernahm man
Geschützdonner und sah auch den Rauch über die Höhen steigen. Schwer-
verwundete wurden zurückgebracht, andere schleppten sich mühsam auf der Straße
fort. Der Moment schien kritisch.
Bechtolsheim ersuchte die Officiere des 12. Grenz-Regiments. wieder offensiv
vorzugehen und forderte — in croatischer Sprache — auch die Mannschaft hiezu
auf, wobei er den betreffenden Abtheilungen kräftige Unterstützung zusicherte.
Erwägend, dass ein überraschender Angriff seiner Cavallerie-Abtheilung von
guter Wirkung sein müsste und einen Umschwung der Dinge herbeiführen könnte,
beschloss er mit 2 Zügen auf der Straße, wo er des Feindes Hauptkraft vermuthete,
vorzugehen; den dritten Zug detachierte er unter Commando des Oberlieutenant
Baron Korb von Weiden heim in die linke Flanke gegen die zwischen Fenile
und Mongabia gelegenen Höhen, wo Geschützraiich sichtbar war und Abthei-
lungen österreichischer Jäger mit großer Ausdauer gegen den überlegenen Feind
kämpften.
Um für seine schwachen Kräfte das Überraschungs-Moment und damit die
Wahrscheinlichkeit des Erfolges zu sichern, befahl Rittmeister Bechtolsheim der
Seiten-Colonne im Galopp vorzugehen, und trat selbst in gleicher Gangart mit
seinen zwei Zügen, welche wegen des Straßen-Deliles einen compacten Rudel
bildeten, gleichzeitig mit der Seiten-Colonne die Vorrückung an. Es war dies
kurz nach 8 Uhr, eine Stunde seit dem Abgehen aus der Reservestellung.
Vom Feinde wenig belästigt, gelangte Bechtolsheim bis 200 Schritte nördlich
der ersten Häuser von Mongabia, denn die dicht belaubten Culturen und einige
leichte Biegungen der Straße hatten ihn bis dahin dem Blicke des Gegners ent-
zogen. Hier erst wurde er in der rechten Flanke durch Kleingewehrfeuer beschossen
und sah gleichzeitig den rechts seit- und vorwärts liegenden Monte Cricol von
feindlichen Massen occupiert. Eine feindliche Abtheilung eilte im Laufschritte die
östlichen, dicht bis zur Straße tretenden Abhänge dieses Berges herab, um sich
den Uhlanen entgegenzuwerfen. Gleichzeitig wurde Bechtolsheim auf der Straße
seihst feindlicher Artillerie gewahr, welche noch einen Schuss, jedoch ohne Erfolg,
gegen ihn abgab.
Der vom Monte Cricol, vermuthlich zum Schutze dieser Artillerie herbei-
stürmenden feindlichen Abtheilung — einem Bataillon des italienischen 43. Infan-
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Anton Freiherr von Bechtolsheim.
319
terie-Regiments — fiel Bechtolsheim in die Flanke, eben als es im Begriffe war,
auf die Straße zu debouchieren. Viele wurden überritten, niedergemacht, und die
Versuche des italienischen Bataillons-Commandanten — Majors Stoppini —
seine Abtheilung zu railiieren, scheiterten gänzlich. Das Bataillon wurde zer-
sprengt. Die Mannschaft warf sich bestürzt in die Seitengraben der Straße und
in die Culturen und floh gegen Valeggio. In gleicher Richtung trachtete auf der
Straße selbst die feindliche Artillerie zu entkommen. Ein Geschütz fiel jedoch bei
dem raschen Vordringen der Uhlanen in die Hände derselben. Berittene feind-
liche Officiere jagten, in Bechtolsheims Rudel eingekeilt, auf der Straße gegen
Vallegio zurück; einzelne wurden verwundet und vom Pferde gestürzt.
Major Stoppini, vom Strome mitgerissen, ritt — auf einem Schimmel —
Bechtolsheim unmittelbar zur Seite und führte einige Hiebe gegen denselben,
wurde aber selbst durch einen Lanzenstich des Uhlanen Kazazevic gelödtet.
Neue und größere feindliche Infanterie-Massen, die auf und zu beideu
Seiten der Straße im Vorrücken begriffen waren, kehrten den heranjagenden
Uhlanen den Rücken; die Panique war im Feinde eingerissen; pde-mele Höh
alles gegen Süden.
An der Kreuzung der Vorrückungslinie der Uhlanen mit der vou Oliosi
nach Salionze führenden Straße wurde Bechtolsheim in beiden Flanken von zahl-
reichen feindlichen Infanterie-Abtheilungen lebhafter beschossen, wobei Lieutenant
von Würth, Wachtmeister Katic, nebst vielen anderen den Tod fanden. Bech-
tolsheims Pferd wurde niedergestreckt; der Rest seiner zwei Züge stürmte aber
über den Rittmeister weg, ohne Officier weiter, bis die kleine Reiterschar wegen
der auf der Straße sich stauenden Massen nicht mehr weiter konnte. Da endlich
kehrten die tapferen Uhlanen um.
Bechtolsheim, der sich rasch aufgerafft hatte, stellte sieh während dessen
zu Fuß seitwärts der Straße auf. Zum Glück achtete die fliehende italienische
Infanterie in ihrer Bestürzung seiner nicht. Als der Rest seiner zwei Züge von
Süden wieder zurückjagte, führte ihm der Uhlane Timas ein erbeutetes lediges
italienisches Otficiers-Pferd — den von weitem kenntlichen Schimmel jenes
gefallenen italienischen Majors Stopp ini — entgegen. Bechtolsheim sprang
auf die Straße, fieng das Pferd beim Zügel, schwang sich hinauf und trachtete,
seine gelichteten Reihen zu ralliieren, um dieselben bald möglichst aus dem Klein-
gewehr-Bereiche der feindlichen Massen herauszuführen.
Da aber der Rückzug in demselben Straßen-Defile, in welchem die Vor-
rückung erfolgt war. bewerkstelligt werden musste, so erlitt Bechtolsheim hiebei
so schwere Verluste, dass er nur mehr mit drei Mann bei Mongabia anlangte.
Den Monte Cricol und dessen Umgebung fand er aber nun vom Feinde
gänzlich verlassen. Von hier ritt Bechtolsheim im Schritt auf der Straße gegen
Castelnuovo zurück, wobei einige leichter verwundete Uhlanen wieder zu ihm
stießen. In gleicher Richtung wurden zahlreiche Gefangene, worunter mehrere
Officiere, durch Grenzer und Jäger abgeführt. Letztere waren Siebenunddreißiger-
Jäger. Sie begrüßten die tapferen Uhlanen mit dem Rufe: „Vi vat Uhlanen!"
Digitized by Google
320 CLXIV. bis CLXV11I. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Italien.
Auf 300 bis 100 Schritt nördlich Mongabia traf Rittmeister Frh. von
Bechtolsheim den Generalmajor Frh. von Benko, den Brigadier der engagierten
k. k. Truppen, mit dessen Generalstabs -Officier. welche beide den Verlauf und
großen Krfolg der Attaque zum größten Theile selbst beobachtet hatten.
Als der Rittmeister, um verwundete Leute und Pferde der Escadron zu
sammeln, weiter ritt, stieß von dem detachierten Zuge, welcher unter Ober-
lieutenant Frh. von Korb die Attaque in der linken Flanke ausgeführt hatte,
Führer Frh. von Übel Ii, und zwar allein, zu Bechtolsheim.
Dieser Zug war über die Plänkler-Schwärme der auf den Höhen zwischen
Mongabia und Fenile im heftigsten Feuer engagierten k. k. Infanterie- und
Jäger-Abtheilungen vorgedrungen, hatte trotz der großen Verluste, die er dabei
erlitt, die feindlichen Linien durchbrochen und den Gegner gezwungen, ein Geschütz
im Stiche zu lassen. Mitten zwischen den italienischen Truppen, die überall zu
wanken begannen, bis zu der von Oliosi in westlicher Richtung nach Salionze
führenden Straße vordringend und in die dichtesten Reihen des Feindes sich
stürzend, war Oberlieutenant Frh. von Ko rb nebst seinem Pferde, von mehreren
Kugeln getroffen, gefallen. Ein gleiches Schicksal traf hiebci viele Leute des Zuges.
Die Italiener, durch den ungestümen Cavallerie-Angriff betroffen, suchten überall
ihr Heil im Rückzüge. Was Führer Frh. von Übel Ii an verwundeten Leuten und
Pferden des Zuges gesammelt, hatte er nach S. Giorgio in Salice geschickt.
Wie er jedoch meldete, war von diesem Zuge auch sehr wenig mehr übrig. Ubelli
selbst war durch zwei Schüsse in den Arm schwer verwundet.
Somit hatte auch der durch Bechtolsheim detachierte Zug in hervorragender
Weise dazu beigetragen die feindlichen Massen, die in den Uhlanen wahrscheinlich
die Avantgarde größerer Cavallerie-Körper vermutheten. zu erschüttern, zur Umkehr
zu zwingen und zwei Geschütze preiszugeben.
Bechtolsheim schied bei der Straßen- und Eisenbahnkreuzung südlich
Castelnunvos die bis dahin gesammelten kampfunfähigen 17 Mann aus. und
instradierte sie ebenfalls nach S. Giorgio in Salice. Er selbst aber gieng mit
fünf Berittenen, worunter der tapfere Führer Frh. von Ubelli, der trotz seiner
Wunden das Schlachtfeld nicht verlassen wollte, wieder vor, um seine Brigade
GM. Frh. von Piret aufzusuchen.
Diese Brigade hatte unterdessen Oliosi genommen. Bei ihrer weiteren Vor-
rückung stieß sie auf dem Wege ßrolino -Sa 1 iotize an der Kreuzung, wo
derselbe von der Chaussee Castelnuo vo-Valeggio durchschnitten wird, auf die
Spuren des kurz zuvor erfolgten blutigen Reiterangriffes. Dieselben waren von
solchem Umfange, dass — als im Verlaufe der Schlacht die Brigade-Batterie über
diesen Kreuzweg vornickte - die Bedienungs-Mannschaft erst die durch Leichen
und gefallene Pferde versperrte Passage frei machen musste.
Das italienische kriegsgesrhichtliche Werk: „Delle eiernde, <M 1. Corpo ti'annata
rfitrante U pnmo perioln ddla campcujna <lel 1860"*) berichtet über das durch
•) I'el Slaygiorc f. ( orsi, Oiä »otto , apo di stato-magyiore dtl pnmo corpo. Milano, Tipograjia
delta l'trttvcranta M67.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-ü. Anton Freiherr von Bechtolsheim.
321
die Waffenthat des Rittmeisters Frh. von Bechtolsheim herbeigeführte Schlacht-
moment folgendermaßen:
.General Cerale, Di visionär der Brigaden Pisa und Forli, ritt, vom Gene-
ralen Dho, dem Commandanten letztgenannter Brigade, und von den betreffen-
den Stäben begleitet, an der Spitze der Brigade-Marsch-Colonne, deren Töte die
Artillerie bildete; es ist allbekannt, dass die drei Herren Generale der Armee-
Division sich stets in den vordersten Reihen den größten Gefahren aussetzten.
Als die Tete der Colonne auf der Straße Valeggio-Gastelnuovo den Punkt
erreicht hatte, an welchem die von S. Giorgio kommende Straße in erstere
mündet, erschien eine zur Attaque vorbrechende Abtheilung österreichischer
Uhlanen. Überrascht und in größter persönlicher Gefahr wandten unsere Generale
ihre Pferde und jagten, von ihrem Stabe gefolgt, gegen die eigene Marsch-
Colonne zurück, wobei sie jedoch von den feindlichen Uhlanen, welche einzelne
Cavallegieri der Suite erreichten und verwundeten, hart bedrängt wurden. Auch
die Artillerie an der Tete machte Kehrt und zog sich schleunig zurück.
Der an der Tete der Colonne befindliche Theil des 2. Bataillons des
43. Infanterie-Regiments — Major Stoppini — warf sich in den Straßengraben
und empfieng mit mörderischem Feuer die feindliche Reiterschar, welche
unseren Divisionsstab so gefährdete. Infolge dessen fiel der Commandant der
Uhlanen todt oder verwundet; zahlreiche Reiter und Pferde wurden binnen
kurzem kampfunfähig gemacht; andere machten Kehrt und jagten zurück.
Leider hatte des Gegners überraschender Angriff, sowie das eilige Zurück-
jagen von Reitern und Fuhrwerken von der Tete unserer Marschcolonne gegen
deren Queue, die allgemeinste Unordnung, ja panischen Schrecken zur Folge,
welch letzterer sich schleunigst verbreitete, und es wich das 2. Bataillon des
43. Regiments, dessen Commandant Stoppini durch einen Lanzenstich getödtet
wurde, in Unordnung zurück. Das 1. Bataillon hielt gleichfalls nicht stand, riss
im Gegcntheile das 4. mit sich, welch letzteres wiederum das 1. Bataillon des
44. Infanterie-Regiments, welches die Fahne trug, zur Umkehr verleitete.
Fruchtlos waren in dieser Verwirrung die Bemühungen der Officiere,
welche trachteten, die allgemeine Unordnung zu zügeln. Zersprengt waren
unsere Reihen; zusehends wuchs die Gefahr in unserer rechten Flanke, und da
ringsum die Befürchtung laut wurde, es sei die feindliche Cavallerie-Masse im
Anrücken, floh ein großer Theil unserer hier engagierten Truppen gegen Valeggio
und Monzambano.
Dennoch wollte General Cerale in Begleitung des Generals Dho und der
übrigen die Vorrückung gegen Castelnuovo fortsetzen, und gab, den Säbel in
der Fland, das Beispiel zu erneuertem Vorgehen; es erschienen jedoch andere
Uhlanen. welche sich auf unseren Stab warfen und denselben abermals zum
Rückzüge zwangen. In diesem Trouble wurde General Dho durch drei Lanzen-
stiche leicht verletzt, der Divisions-Generalstabschef vom Pferde gestürzt *
Wie aus vorstehendem Berichte auf feindlicher Seite erhellt, wurde durch den
aus eigenem Antriebe und in einem für Cavallerie höchst ungünstigen Terrain
MiliUn.eherMari».Th,r»..<,n-Ordcn. 21
Digiti'zed by Google
322
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege vod 1866. - IUlien.
unternommenen, mit ausgezeichneter Bravour und Ausdauer durchgeführten
Reiterangriff des Rittmeisters Frh. von Bechtolsheim beim Feinde eine förmliche
Panik verbreitet und derselbe verhindert, die durch der» langen Marsch und das
vorhergegangene Gefecht ermattete, durch Detachierungen in beide Klanken auf
4 Bataillone geschwächte Brigade Benko mit Obermacht anzugreifen.
Rittmeister Bechtolsheim hat auf diese Weise durch seine glänzende Reiter-
that die Brigade Benko, welche sich in misslicher Lage befand, degagiert, und der
Reserve-Division Rupprecht den Angriff sehr erleichtert, welcher nun auf der
ganzen Linie des Monte Cricol gegen die Brigade Pisa erfolgte. Dem Gegner waren
durch Bechtolsheims Attaque schließlich nicht nur zwei Geschütze entrissen,*')
sondern derselbe war sogar gezwungen worden, die früher genommenen öster-
reichischen Geschütze und Karren im Stiche zu lassen, so dass dieselben beim
erneuerten Vorrücken der Brigade Benko wieder ins Gefecht gebracht werden
konnten.
Auf Grund der solchermaßen in der Schlacht bei Gustozza am 24. Juni
1866 vollbrachten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als
Erhabener Großmeister über nachträgliches Votum des Ordens-Capitels kraft
Promotion CLXVIII vom 10. Februar 1870 den Rittmeister Anton Freiherrn von
Bechtolsheim durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren, nachdem ihm schon unmittelbar nach dem
Kriege, im Juli 1866, der Orden der Eisernen Krone III. Classe mit der
Kriegsdecoration verliehen worden war.
Am 28. August 1868 zum Major befördert und zum Flügel-Adjutanten
Seiner Majestät des Kaisers mit Eintheilung in den Stand des 4. Uhlanen-
Regiments ernannt, fungierte Major Frh. von Bechtolsheim, unter Belassung in
seiner Diensteseigenschaft als Flügel-Adjulant, seit dem 3. Juni 1870 als Militär-
Attachee und seil dem 5. Juni 1872 als Militär-Bevollmächtigter bei der
k. und k. Bolschaft in St. Petersburg. In dieser Dienstesverwendung wurde er
am 11. September 1872 mit dem Ritterkreuze des Leopold- Ordens decoriert
iim 31. Octoher 1872 zum Oberstlieutenant befördert, am 5, März 1874 mit
dem Ritterkreuze des St. Stephan-Ordens ausgezeichnet und am
1. Mai 1876 zum Obersten ernannt.
Im Jahre 1877 machte er im Hauptquartier Seiner Majestät des Kaisers
Alexander II. von Rußland den russisch-türkischen Krieg in Bulgarien bis
zur Einnahme von Plewna mit.
Am 19. Octoher 1880 wurde er in Anerkennung der in seiner Stellung als
Militär-Bevollmächtigter durch länger als zehn Jahre mit hervorragender Umsicht
geleisteten vorzüglichen und ersprießlichen Dienste unter dem Ausdrucke der
Allerhöchsten Zufriedenheit dieses Dienstes enthoben und zum Gom-
mandanten des 2. Uhlanen-Regiments ernannt.
•) Der Preis für die erste eroberte feindliche Kanone wurde spater vom Armee-Gommando
<1.t von liem Rittmeister Frh. von Bechtolsheim befehligten f>. Escadron des 12. Uhlanen-Regi-
menls zuerkannt.
Digitized by Google
Im Kriege gegen PreuAen und Italien 1866, u. tw. gegen Preußen.
323
Mit 1. Mai 1882 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor unter
gleichzeitiger Ernennung zum Commandanten der 5. Cavallerie-Brigade. Am
15. April 1887 zum Commandanten der Cavallerie-Truppen-Division in Krakau
ernannt, rückte er als solcher am 1. Mai 1887 zum Feldmarschall-Lieutenant
vor. befehligte im Jahre 1889 durch kurze Zeit die IV. Infanterie-Truppen-Division
in Brünn, wurde im September desselben Jahres zur Stellvertretung des Comman-
dierenden Generals in Lemberg berufen und am 27. Juni 1890 definitiv mit
derselben bekleidet.
Im Kriege gegen Preußen.
Den Entstchungsursachen des Doppelkrieges von 1866 gemäß lag das ent-
scheidende Schwergewicht in militärischer wie politischer Beziehung naturgemäß
in dem Kriege gegen Preußen, gegen welches Österreich seine geschichtliche
Stellung als erste Vormacht des Deutschen Bundes und damit den Bestand des
letzteren selbst, wie er durch Geschichte, internationale Vertrage und die Bundes-
verfassung begründet war, zu vertheidigen hatte. Demzufolge war der Haupt-
kriegsschauplatz durch die Grenzgebiete Österreichs und Preußens, be-
ziehungsweise Sachsens, bestimmt. In denselben zogen sich die beiderseitigen
Streitkräfte zusammen. Zum Unterschiede von den im Süden der Monarchie gegen
Italien verwendeten Streitkräften (Süd-Armee^ wurden jene im Norden gegen
Preußen aufgebotenen als , Nord-Armee» bezeichnet.
Die k. k. Nord-Armee versammelte sich in der ersten Hälfte Juni in zwei
Gruppen und zwar mit 6 Armee-Corps. 4 Cavallerie-Divisionen und der Armee-
Geschütz -Reserve in Mähren und Schlesien — mit 1 Armee-Corps und
1 Cavallerie-Division in Böhmen. Zu letzterer Gruppe stieß nach dem am 16. Juni
erfolgten Einmarsch preußischer Truppen im Königreiche Sachsen überdies die
königlich sächsische Armee in der Stärke eines Armee-Corps.
Die Nord-Armee bestand demnach von Mitte Juni ab aus dem königlich
sächsischen Armee- Corps unter dem Conimando Sr. königl. Hoheit des Gdl.
Kronprinzen Albert von Sachsen-- dann aus 7 k. k. Armee-Corps und 5 Ca-
vallerie-Divisionen und zwar dem I. Corps unter GdC. Grafen Clam-Gallas, -
dem II. unter FML. Grafen Thun-Hohenstein, — dem III. unter FML. Erzherzog
Ernst, — dem IV. unter FML. Grafen Festetics, — dem VI. unter FML. Frh. von
Ramming, — dem VIII. unter FML. Erzherzog Leopold, — dem X. unter FML.
Frh. von Gab lenz, — ferner aus den 2 leichten Cavallerie-Divisionen und zwar
der 1. unter GM. Frh. von Edelsheira, — der 2. unter GM. Prinzen Thum-
Taxis — endlich den 3 schweren Reserve-Cavallerie-Divisionen und zwar der
1. unter FML. Prinzen Holstein-Glücksburg, — der 2. unter GM. von Zait-
sek. - und der 3. unter GM. Grafen Coudenhove.
81*
Digitized by Google
324
GLXIV. bis CLXVm. Promotion.
Die Nord-Armee sammt dem sächsischen Corps hatte einen streitbaren
Stand von 210.930 Mann Infanterie, 25.406 Mann Cavallerie, 25.332 Mann Artillerie
und technische Truppen, zusammen 26 1 .668 Streitbaren mit 794 Geschützen.
Den Oberbefehl über die Nord-Armee führte FZM. Ludwig Ritter von
Benedek.
Die gegen Sachsen und Österreich aufgebotenen preußischen Streit-
kräfte bestanden aus 9'/2 Armee-Corps, und bildeten drei Armeen, und zwar
den rechten Flügel die Elbe-Armee (21/, Corps) unter Gdl. Herwarth von
Bittenfeld vor Torgau und in Berlin; — das Centrum die I.Armee (3 Infanterie-
und 1 Cavallerie-Corps) unter Prinzen Friedrich Carl bei Görlitz; den linken
Flügel die II. Armee (4 Armee-Corps und 1 Cavalleric-Division) unter dem Kron-
prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen mit dem Gros in Preußiseh-Schlesien
an der Neiße.
Diese preußischen Streitkräfte hatten einen streibaren Stand von 227.564
Mann Infanterie, 32.029 Mann Cavallerie, 32.145 Mann Artillerie und technischen
Truppen, zusammen 291.738 Mann mit 840 Geschützen.
Bei Vergleichung der beiderseitigen Kräfte hatte sonach das preußische Heer
eine numerische Überlegenheit von 30.000 Combattanten und 46 Geschützen.
Den Oberbefehl über das preußische Heer führte Seine Majestät König
Wilhelm 1. Als Chef des Generalstabes fungierte Gdl. Freiherr von Moltke.
Am 16. Juni wurden von Preußen die Operationen durch das Einrücken
der Elbe-Armee in Sachsen eröffnet.
An demselben Tage erhielt FZM. von Benedek von Wien die telegraphische
Weisung, ebenfalls die Operationen zu beginnen. Nachdem er die Gewissheit
erlangt hatte, dass die preußische Hauptmacht zwischen Görlitz und Landshut
Front gegen Böhmen stand, beschloss er am 17. den Abmarsch von Mähren nach
Böhmen in die starke Stellung Josefstadt-Königinhof-Miletin an der
oberen Elbe. Der Marsch der Nord-Armee wurde in der Zeit vom 18. bis
25. Juni auf drei Linien durchgeführt und zwar auf der nördlichen überMüglitz-
Senftenberg- Josefstadt, auf der mittleren über Wildensehwerl-TyniSt-
Smific, — auf der südlichen Linie über Polieka-Hohenmauth-Smifie. Im
Hinblicke auf die preußische II. Armee gestaltete sich der Maisch der Nord-Armee
zu einem Flankerimarsch. Derselbe musste daher anfangs durch das dem
Feinde zunächst stehende II. Armee-Corps und die 2. leiehte Cavallerie-Division,
im weiteren Verlaufe überdies successive durch mehrere andere Armee-Corps
gedeckt werden.
Das k. k. I. und das königl. sächsische Armee-Corps in Böhmen wurden
angewiesen, dem etwa vorrückenden Feinde keinen nachhaltigen Widerstand
entgegenzusetzen, vielmehr vor allem ihre Vereinigung mit der Haupt-Armee
anzustreben.
Die feindliehe Heeresleitung trachtete gleichfalls, durch concentrisehe
Operationen gegen Böhmen die drei preußischen Armeen ehestens zu vereinigen.
Zunächst wurden, während die 11. Armee unter dem Kronprinzen in Preußisch-
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866, u. zw. gegen iVeuAen.
325
Schlesien sowohl zum Einmärsche in Böhmen als zur Verteidigung der Neiße-
Linie bereit stand, die Elbe- und die I. Armee, beide unter Gommando des
Prinzen Friedrich Carl, an die böhmische Grenze vorgeschoben.
Am 21. Juni erklärte Preußen an Österreich den Krieg. Tags darauf, am
22. erhielten beide Prinzen telegraphischen Befehl, in Böhmen einzurücken und
die Vereinigung in der Richtung auf Jifiin aufzusuchen.
Die Elbe-Armee überschritt am 22. bei Rumburg, die I. Armee am 23.
bei Reichenberg, die II. Armee am 25. und 26. Juni in drei Colonnen bei
Trautenau, Braunau und Nachod die österreichische Grenze.
Infolge des Vormarsches der preußischen Armeen kam es bald zu einer
Reihe von äußerst heftigen Zusammenstößen.
An der Iser stieß die preußische Elbe- und I. Armee unter Führung des
Prinzen Friedrich Carl auf die Corps-Gruppe, welche unter dem Oberbefehle
des Kronprinzen von Sachsen folgende Aufstellung inne hatte und zwar die
1. leichte Cavallerie-Division nordwärts der Iser bei Turnau und Sichrow, fluss-
abwärts das k. k. I. Armee-Corps bei Münch engrätz, — das königlich säch-
sische Armee-Corps als Reserve bei Jungbunzlau.
Schon vom 23. Juni ab hatte es nächst der Iser Scharmützel zwischen
österreichischen und preußischen Cavallerie-Abtheilungen gegeben. Am 26. Juni
aber kam es bei Hühnerwasser, Böhmisch-Aicha, Sichrow und bei Podol
an der Iser selbst zu den ersten größeren Gefechten.
Infolge dieser Zusammenstöße, insbesondere aber wegen des verlustreichen
Nachtgefechtes einer Brigade des I. Corps bei Podol, ließ der Kronprinz von
Sachsen einen für den 27. Juni geplanten Offensivstoß gegen Sichrow fallen
und ordnete eine Verschiebung des k. k. I. Corps nach Jiöin, des sächsischen
Corps nach Jicinoves an.
Prinz Friedrich Carl concentrierte inzwischen am 27. seine beiden Armeen
im Halbkreise um Münchengrätz, um die Stellung am folgenden Tage anzu-
greifen. Da aber am 28. vormittags die Gros des k. k. I. und des sächsischen Corps
schon im Abmärsche begriffen waren, so traf dieser wuchtige Angriff — Gefecht hei
Münchengrätz — nur mehr zwei Brigaden des I. Corps.
Am gleichen Tage kam es aber auch schon zu einem Avantgarde-Gefechte
hei Jiein selbst, in welchem eine stärkere preußische Recognosciernngs-Colonne
im Augenblicke des Angriffs auf die Stadt durch ein größeres k. k. Cavallerie-
Detachement zum Rückzüge gezwungen wurde.
In der Nacht vom 28. auf den 29. warf ferner eine Brigade, welche den
Marsch des I. Corps nach .li£in gegen Flanken-Angriffe von Norden her zu decken
hatte, die angreifenden Preußen, welche sich das Feld- und Wald-Defile bei
Kost eröffnen wollten, in dem Gefechte bei Podkost zurück.
Das I. Corps selbst erreichte am 29. mittags J i 6 i n und bezog infolge eines
Armee-Commando-Befehles, welcher das Eintreffen des Gros der k. k. Armee fin-
den 29. und 30. in der Nähe dieser Stadt in Aussicht stellte, eine ausgedehnte
Digitized by Google
326
CLXIV. bis CLXVin. Promotion.
Aufstellung westlich der Stadt, während das sächsische Corps bei Jiöinoves
Aufstellung nahm.
Nachmittags griffen die Preußen heftig an. Das Gefecht war nicht weit über
den einleitenden Kampf hinaus gediehen, als um 7 1/l Uhr abends der Befehl des
Armee-Commandos eintraf, nach welchem Kronprinz Albert unter Vermeidung
ernsterer Gefechte die Vereinigung mit der Hauptarmee — bei Miletin — durch-
zuführen hatte. Es wurde daher der Kampf abgebrochen und der Rückmarsch
angetreten, wobei jedoch durch das Nachdrängen des Gegners alsbald sehr
ungünstige Rückzugs-Verhältnisse eintraten.
Am 30. erreichten die österreichischen und sächsischen Truppen Miletin,
Hofic und Smidar, wodurch deren Vereinigung mit der Hauptarmee voll-
zogen war.
In gleicherweise, wie an der Iser. war es inzwischen auch nächst Josefstadt
zu schweren, für die k. k. Armee verlustreichen Kämpfen gekommen. Dort stießen
nämlich von der II. preußischen Armee die beiden Flügel-Colonnen last gleichzeitig
auf die ihnen behufs Deckung des Flankenmarsches der Nord-Armee successive
entgegentretenden k. k. Streitkräfte, nämlich auf das VI.. X. und VIII. Corp*.
Am 27. Juni wurde in dem Treffen bei Wysokow (Nachod) der anfänglich
von Erfolg begleitete Angriff des k. k. VI. Armee-Corps auf das preußische V.Corps
durch dieses und durch Theilc des preußischen VI. Armee-Corps unter schweren
eigenen Verlusten zurückgewiesen, worauf sich das k. k. VI. Corps auf Skalic
zurückzog.
An demselben Tage warf in dem Treffen bei Trautenau das k. k. X. Armee-
Corps das preußische I. Armee-Corps nach hartnäckigem Kampfe wieder über die
Grenze zurück.
Am 28. wurde das behufs Ablösung des k. k. VI. Corps nach Skalic ent-
sendete k. k. VIII. Corps (nur 3 Brigaden stark) gegen Mittag von dem preußischen
V. Corps (5 Brigaden ) angegriffen, geworfen und zog sich auf das Plateau von
Schweinschädl, wo es durch das k. k. IV. Corps aufgenommen wurde.
An demselben Tage wurde das k. k. X. Corps, während seines Rückmarsches
von Trautenau auf Praußnitz, von der iMittel-Colonne der preußischen
II. Armee, und zwar speciell von dem Garde-Corps, angegriffen und durch das
verlustreiche Gelecht bei Neu-Kognitz und Rudersdorf, welches mit ver-
kehrter Front geliefert werden musste, von seiner Marschlinie westwärts abgedrängt
und gezwungen, sich über Pilnikau nach Neuschloss hinter die Elbe zurück-
zuziehen.
Am 29. wurde bei Königinhof das k. k. X. Corps neuerdings durch das
Garde-Corps und bei Schweinschädl das k. k. IV. durch das preußische
V. Corps angegriffen; doch kam es zu weitaus minder ernsten Gefechten, als an
den beiden vorhergegangenen Tagen.
Am 30. Juni morgens war durch die bereits erwähnte Vereinigung des k. k. I.,
des sächsischen Corps und der 1. leichten Cavallerie-Division mit der Hauptmacht
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1S66. u. zw. geg«n Preußen.
327
der k. k. Nord-Armee bei Miletin und Horic der Aufmarsch der letzteren In
dem Räume Josefstadt-Königinhof-Miletin vollzogen.
Am Tage der blutigen Kämpfe bei Wysokow und Trauten au in Böhmen,
an welchem auch im fernen Nordwesten bei Langensalza die verbündeten
Hannoveraner tapfer fochten, — am 27. Juni — errangen gleichzeitig im Äußersten
Osten des Kriegsschauplatzes die kaiserlichen Waffen bei Oswiecim inGalizien
gegen bedeutend überlegene preußische Streitkräfte einen sehr rühmlichen Erfolg.
Von der k. k. Truppen-Division FML. Rzikowsky in Krakau deckten vor-
geschobene Truppen die Grenze Galiziens längs der Przemsza von Myslowitz
bis zur Weichsel und südlich dieses Flusses über Oswiecim bis gegen
Jawiszowice an der Sola. Von diesen Truppen stand ein Detachement bei
Oswiecim. Der preußische Genoral Graf Stolberg, welcher Preußisch-Schlesien
auf offensivem Wege decken sollte, unternahm am 27. Juni, unter Demon-
strationen auf der ganzen Przemsza -Linie, mit starken Kräften einen Angriff
auf Oswiecim, wurde jedoch durch das k. k. Detachement glänzend zurück-
gewiesen.
Die Vereinigung, beziehungsweise der Aufmarsch der k. k. Nord-Armee in
«lern Räume von Josefstadt-Königinhof-Miletin war, wie erwähnt, am
30. Juni bewirkt; dieselbe befand sich aber um diese Zeit bereits in einer höchst
ungünstigen Verfassung.
Es hatten nämlich 5 Corps gleichwie auch das königlich sächsiche Corps schon
gefochten, so dass nur mehr 2 Corps ('II. und III.) intact waren; 4 Corps aber,
das VI., VIII., X. und I. hatten dabei außerordentlich gelitten. „Die großen Ver-
luste" — meldete das Arrnee-Commando in einem Berichte an Seine Majestät den
Kaiser — »entstanden hauptsächlich durch Zündnadelgewohrfeuer. von
dessen mörderischer Wirkung alle ohne Unterschied impressioniert bleiben, die im
Gefecht waren.* Die Verlustlisten und der Vergleich der außer jedem Verhältnis
stehenden eigenen Verluste mit jenen der Preußen bestätigten diesen Ausspruch
nur zu sehr. Der Gesammtverlust der in den Tagen vom 27. bis 30. Juni im Feuer
gestandenen 5 k. k. Armee-Corps sammt Cavallerie betrug 30.000 Mann. Überdies
waren alle Corps ohne Ausnahme durch die Anstrengungen der letzten Tage
erschöpft
Der Gegner stand mit der kleineren Hälfte seines Heeres unter dem Kron-
prinzen von Preußen im Norden der Position, mit der größeren unter dem
Prinzen Friedrich Carl schon bei Jicin, in der Richtung auf die beinahe
entblößte Rückzugslinie der k. k. Armee.
Unter diesen Umständen ließ das Amiee-Commando die Idee eines Kampfes
in der erreichten Stellung lallen und ordnete am Nachmittage des 30. Juni den
Rückmarsch, zunächst gegen Kön iggrätz an.
Im Laufe des 1. Juli erreichte die k. k. Armee nach einem anstrengenden
Marsche mit dem Gros die Stellung vor Königgrätz; am 2. Juli wurde den Truppen
Digitized by Google
328
GLX1V. bi« CLXVIII. Promotion.
die so nothwendige Erholung gegönnt Am 3. Juli sollte der Rückzug gegen
Pardubitz fortgesetzt werden. Angesichts des ungebrochenen Muthes der
k. k. Truppen fasste jedoch der Armee-Commandant den Entschluss, in der
eingenommenen Stellung dem weiteren Vordringen des preußischen Heeres
entgegenzutreten.
So kam es am 3. Juli zur Schlacht bei Königgrätz.
In derselben kämpften 215.000 Österreicher und Sachsen gegen 221.000
Preußen und beiderseits je circa 800 Geschütze.
Die Schlachtstellung der k. k. Armee bildete ä cheval der Straße König-
grätz-Hof ic einen rechtwinkeligen Haken, mit der Front nach Nord und West.
Im Scheitelpunkte desselben stand als Gentrum nördlich der Chaussee das
III. Corps bei Li pa- Chi um, links davon südlich der Chaussee das X. Corps
bei Ober und Unter Dohalicka- Mokro vous-Langenhof. Den linken
Flügel mit der Front gegen Westen bildete das sächsische Corps in der Stellung
Problus- Nieder Pf im, mit dem VIII. Corps hinter sich, wobei die 1. leichte
Cavallerie-Division bei Steinfeld den linken Flügel deckte. Als rechter Flügel
mit der Front gegen Norden war das IV. Corps zwischen Chlum und Nedelist.
im Anschluss rechts d;is II. Corps zwischen Ned eliSt und der Elbe aufmarschiert:
die 2. leichte Cavallerie-Division stand als rechte Flügeldecknng bei Ned elist.
Die Armee-Reserve bildeten das I. *) und VI. Corps, dann die 3 schweren Reserve-
Cavallerie-Divisionen, beziehungsweise alle 5 Cavallerie-Divisionen.
Zunächst wurde das Centrum der k. k. Armee durch die preußische
I. Armee unter Prinz Friedrich Carl aus der Gegend von HoKc in der Richtung
gegen Sadowa angegriffen. Etwas später erfolgte der Angriff auf den linken Flügel
durch die Elbe-Armee unter Gdl. Herwarth von Bittenfeld von Smidar in
der Richtung über Nechanic. Der rechte Flügel der k. k. Armee dagegen
betheiligte sich an dem Kampfe im Centrum, welcher zunächst dem Swiep-Wald
galt, angriffsweise.
Der Angriff der preußischen I. Armee gegen das österreichische Centruni
reussierte an der Bistritz-Linie, scheiterte jedoch auf den Höhen von Lipa und
Langenhof. Der im Swiep-Walde vorgedrungene linke Flügel des preußischen
Centrums wurde durch den westwärts vorschwenkenden rechten Flügel der
k. k. Armee — das k. k. IV. und II. Corps — auf Benatek zurückgeworfen.
Auch der Angriff der preußischen Elbe-Armee auf den linken sächsisch-öster-
reichischen Flügel wurde anfangs mit Erfolg abgewehrt. Die Stärke der Stellung,
welche das königlich sächsiche Corps, dank der Initiative des Kronprinzen
von Sachsen, bei Problus-Nieder Pfim genommen hatte, nöthigte den Feind zu
weitausgreifenden, zeitraubenden Umgehungen, während welcher die Sachsen selbst
die Offensive ergriffen, um die Mitte der preußischen Elbe-Armee zu durchbrechen.
Angesichts des Misserfolges der preußischen I. Armee im Centrum und des
Umstandes, dass auch die preußische Elbe-Armee gegen den österreichischen
*) Das- Coimnandu des I. Curps hatte vom i. auf d<-n 3. Juli GM. Graf Gondrecourt über-
Dummen.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866, u. zw. gegen Preußen.
329
linken Flügel nicht vorzudringen vermochte, die II. Armee unter dem Kronprinzen
— am feindlichen linken Flügel — aber kaum mehr rechtzeitig eingreifen zu
können schien, um der unter dem Feuer der österreichischen Artillerie verblu-
tenden preußischen I. Armee Hilfe zu bringen, beabsichtigte man bereits im
preußischen Hauptquartier, das Centrum zurückzuziehen.
Die Ereignisse sollten indessen einen anderen Verlauf nehmen.
Zunächst wurde der linke sächsisch-österreichische Flügel trotz hartnäckigen
Kampfes immer mehr in seiner linken Flanke durch die preußische Elbe-Armee
umfasst und dadurch, ungeachtet nachhaltigen Widerstandes, zum Kückzug auf die
Höhen von Rosnitz gezwungen. Infolge dessen gelangte die preußische Elbe-
Armee in die linke Flanke des Centrums der k. k. Armee und bedrohte sogar
deren Rückzugslinie.
Noch nachtheiliger gestaltete sich inzwischen die Gefechtslage auf dem
rechten Flügel der k. k. Armee.
Durch die Vorrückung des k. k. IV. und II. Corps gegen den Swiep-Wald
hatte der österreichische rechte Flügel, statt gemäß der Schlacht-Disposition in der
Hakenstellung Front gegen Norden zu behalten, eine Schwenkung gegen Westen
vollzogen. Infolge dessen wurden die wichtigen Zugänge von Königinhof über
Hofenowes, Racic, Sendrasic und Trotina gegen Königgrätz nicht mehr von der
Front des rechten Flügels der k. k. Armee beherrscht, sondern lagen nun offen in
d^ren rechter Flanke und Rücken da. Gerade gegen diese Zugänge aber rückten
die Colonnen der kronprinzlichen II. Armee von Königinhof — an den Teten die
1 . Garde-Division und das VI. Corps — heran.
Das Annee-Commando hatte zwar auf die Meldung der Festung Josefstadt
über den Anmarsch des Kronprinzen das k. k. IV. und II. Corps wiederholt in die
ursprüngliche Aufstellung zurückbeordert. Während aber die beiden Corps den
anbefohlenen Rückmaisch vollzogen, nahmen bereits preußische Gardetruppen
nach heftigem Geschützkampfe die wichtige Höhe von Horenoves in Besitz. Der
Stoß des Feindes gierig sodann unaufhaltsam gegen die nördliche Flanke und
Rückzugslinie des rechten Flügels der k. k. Armee, welcher infolge dessen, trotz
tapferer Gegenwehr der einzelnen Brigaden und Regimenter, größtenteils auf-
gerollt und hinter die Linie Nedelist-Chlum zurückgeworfen wurde, so dass dessen
Verbindung mit dem Centrum verloren gierig und die rechte Colonne der
preußischen II. Armee mit ihrer Spitze von Hofenoves über Masloved unauf-
gehalten und fast unbemerkt bis Chlum gelangen konnte. Von Chlum ans
überschüttete die preußische Garde, völlig überraschend, das österreichische
Centrum im Rücken mit verheerendem Schnellfeuer. Die nächststehenden
Regimenter des Centrums warfen sich mit rasch verkehrter Front stürmend auf
Chlum. Die Batterie 7/VIll von der Geschütz-Reserve des III. Corps, ebenfalls
nach rückwärts bis auf Kartätschendistanz an Chlum anfahrend, opferte sich voll-
ständig, um den Frontwechsel des Contrums zu ermöglichen. Währenddem drang
aber die preußische Garde, durch ihr Schnellfeuer die attaquierenden Kaiser-
(Jhlanen und Kaiser- Kürassiere aufreibend, bis Rozbefic. Auch die darauf folgenden
Digitized by Google
CLXIV. bu CLXVLU. Promotion.
todesmuthigen, in dichten Massen erfolgenden Angriffe der österreichischen Armee-
Reserve zur Rückeroberung von Chlum und Rozbefic scheiterten.
Damit war die Schlacht zum Nachtheile der k. k. Armee entschieden. Es
inusste Befehl zum Rückzüge gegeben werden.
Durch das heldenmüthige Ausharren der k. k. Armee-Geschütz-Reserve und
das tapfere Eingreifen der k. k. Reserve-Cavallerie, welche jene des Feinde?
zurückwarf, wurde dem Nachdrängen der Preußen noch auf dem Schlachtfelde
selbst halt geboten.
Die Nord-Armee zog sich durch und nächst Königgrätz über die Elbe und
sodann in der Hauptrichtung Holic-Hohenmauth zurück.
Schon vor der Schlacht bei Königgrätz, am 2. Juli, waren von Seite Öster-
reichs durch Vermittlung Frankreichs Verhandlungen behufs Abschluss eines
Waffenstillstandes mit Italien auf Grundlage freiwilliger Abtretung Venetiens
eingeleitet worden. Am Tage nach der Schlacht, 4. Juli, wurden auch Unterhand-
lungen mit Preußen wegen eines Waffenstillstandes angeknüpft.
Während der Verhandlungen vollzog sich die Rückzugsbewegung der Nord-
Armee vom 4. Juli an in drei Golonnen auf den Parallel-Communicationen über
Zwittau, Mährisch-Trübau und Landskron ostwärts aufOlmütz.
Nur ein kleiner Theil der Armee nahm am 5. und 6. Juli behufs Deckung
Wiens Richtung gegen Süden. Es waren dies 4 Cavallerie-Divisionen, zu einem
Gavallerie-Gorps unter Gommando des FML. Prinzen von Holstci n vereinigt, welche
über Brünn und Trebitsch gegen die Donau zurückgiengen, dann das X. Armee-
Corps unter FML. Gablenz, welches am 8. Juli von Lettowitz mittels Eisenbahn
abtransportiert wurde, um den Brückenkopf von Floridsdorf zu besetzen.
Auf Seite der Preußen marschierte die I. und die Elbe-Armee auf der
kürzesten Linie Pardubic - Trebitsch - Znaim gegen Wien, während die
II. Armee hinter der k. k. Nord-Armee gegen Olmütz nachrückte.
Nach kleinen Zusammenstößen mit preußischen Gavallerie-Abtheilungen,
und zwar am 7. Juli bei Zwittau, am 8. bei Abtsdorf und Rudelsdorf, traf
die k. k. Nord-Armee im Laufe des 10. und 11. Juli bei Olmütz ein. wo den
Truppen einige Tage der Ruhe und Rast gegönnt wurde.
Inzwischen hatte FM. Erzherzog Albrecht bereits am 5. Juli, vom Kriegs-
schauplatze in Italien aus, über die Kriegslage im Norden sein Urtheil in seinem
denkwürdigen Telegramm an Seine Majestät den Kaiser dahin abgegeben, dass
die Niederlage der Nord-Armer zwar ein großes Unglück, deswegen aber noch
nichts verloren sei. Nachdem auch die Waffenstillstands-Unterhandlungen kein
annehmbares Resultat erwarten ließen, vielmehr Preußen gegenüber Italien
auf energische Fortsetzung des Krieges drang und letzteres selbst, trotz Gustozza
auf territoriale Erwerbungen außer Venetien Anspruch erhob; so gab es dank
dem Heldensinn des Siegers von Gustozza — trotz der Niederlage von König-
grätz — nur das eine Losungswort in ganz Österreich: den Kampf bis zum
äußersten fortzusetzen.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italieb 1866, u. zw. gegen Preußen.
33 t
Schon am 4. Juli war die Absendung des V. Corps aus Venetien nach
Norden angeordnet worden. Am 9. Juli wurde über telegraphi sehen Vorschlag
des Erzherzogs Albrecht aus Vicenza behufs wirksamer Verlheidigung des
Reiches die Goncentrierung sümmtlieher verfügbaren Streitkräfte an der Donau
eingeleitet und zunächst am 10. das k. k. III. und ein Theil des königlich
sächsischen Corps von Olmütz, dann am 11. das IX. Corps und die Cavallerie-
Brigade Pulz aus Venetien an die Donau in Marsch gesetzt.
Am 10. Juli erließKaiser Kranz Joseph I. ein Manifest an Seine Völker, welches
die Fortsetzung des Kampfes bis zum äußersten feierlich verkündete.
Am 11. Juli ernannte der Oberste Kriegsherr den FM. Erzherzog
Albrecht zum Ober-Commandanten. den FML. Frh. von John zum Chef des
Generalstabes der gesammten operierenden Armee. Mittels eines die Geisler
aufrichtenden und zu neuem Kampfesmuth entflammenden Armee-Befehles trat
der heldenmüthige Sieger von Custozza am 13. Juli den Oberbefehl in Wien an.
Die k. k. Streitkräfte waren um diese Zeit folgendermaßen vertheilt, und zwar
im Norden:
Streitbarer Stund
Bei OlmiHz von der Nordarmee das I.. It., IV., VI., VIII. Corps, die
2. leichte Cavallerie Division, Armee Gtschütz-Reserve 92.126 Mann. 364 Gesell.
I in Transport per Balm von Olmütx nacb Wien das III. und sächsische Corps 41.254 „ 1116 r
Im Rückzüge von der Thaya auf Wien das Cavallerie-Corps 9.400 72
Bei Wien und Lundenhurg das X. Armee-Corps 16.700 , ."6 ,
Im Anmärsche aus Venetien nach Wien das Gros der Süd- Anne»-, V. und
IX Corps und die Cavallerie-Brigade Pulz 57.847 , 120 .
Als Festungs-ßesatzungen in Olmütz, Krakau, Theresienstadt, Josefstadl,
KöniggriUz ■ 40.943 „ 40 .
Zusammen im Norden . 258.270 Mann, 758 Gesch.
im Süden:
Strottbamr Stand
InTirol die Truppen-Division de« GM. Frh. von Kuhn 'ohne Tiroler Landes-
verteidigung) 17.152 Mann, 32 Gesch.
Am Isonzo der Rest der Süd-Armee, nämlich das VII. Corps unter FML.
Frh. von Maroicic 27.773 , 62 .
Als Festungs-Besatzungen in Verona, l'eschiera, Mantua, Legnugo,
Venedig 38.259 , 29 ,
In Dalmatien (ohne Landesvertheidiger) 8.815 , 16 ,
Zusammen im Süden . 91.999 Mann. 139 Gesch.
Außerdem wurden unter einem mit der Goncentrierung der Hauptmacht an
der Donau bei Wien alle Depötkörper ins Feld gezogen, eine zweite Rekrutierung
angeordnet, der Landsturm in den vom Feinde bedrohten Gebieten der Monarchie
aufgeboten, endlich allenthalben Freiwilligen-Corps organisiert, so dass dem Vater-
lande in kürzester Zeit 150.UO0 bis 160.000 Mann neuer Streiter erstanden.
Zur Sicherung der Keichshauptstadt Wien und der Donau- Übergänge
daselbst war am linken Ufer schon bei Kriegsausbruch ein großer Brückenkopf
Digitize^ by Google
332
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion.
in halbpennanenter Weise erbaut worden. Derselbe bestand aus einer circa 22
Kilometer langen, aus 30 Batterien und Schanzen gebildeten Befestigungslinie, die
im Bogen vom Bisamberge bis zur Lobau reichte und innerhalb welcher als
Noyau die zwei Brückenköpfe bei Floridsdorf und Stadlau mit zusammen
14 Werken die Donau-Brücken bei diesen beiden Orten deckten. Am rechten
Ufer waren überdies Uferbatterien angelegt. Die Armierung des Brückenkopfes
bestand aus 400 Geschützen, Zur Besatzung waren nach der Schlacht bei
Königgrätz 3 Brigaden des X. Corps herangezogen worden.
Das Cavallerie-Corps war inzwischen, einen breiten Raum deckend, in vier
Golonnen, mit dem rechten Flügel über Brünn und dem linken über Trebitsch
in steter Fühlung mit dem nachrückenden Gegner und nur dessen Drucke
weichend, langsam südwärts zurück gegangen. Dasselbe erreichte so am 12. die
Thayaund überschritt am 18. die Donau bei Wien. Es hatte während dieser
ganzen Operation zahlreiche Zusammenstöße und Gefechte mit dem nachdrängen-
den Gegner bestanden und hiebei den alten Ruhm und die Tüchtigkeit der kaiser-
lichen Reiterei bewährt.
Erzherzog Albrecht wies gleich nach Übernahme des Ober-Commandos
den FZM. von Benedek an, die Nord-Armee am 14. Juli gänzlich nach Wien in
Marsch zu setzen, und zwar gedeckt durch die March über Pressburg, bei feind-
licher Bedrohung aber im Waagthale über Pressburg oder Komorn.
Die Brigade Mondel des X. Corps hatte bei Lundenburg den Eisenbahn-
Transport Olmütz-Wien zu sichern.
Das IH. Corps wurde nach seinem Eintreffen bei Wien am 14. sofort in das
Tullner Feld geschoben, um die Donau von Klosterneuburg stromaufwärts
bis Linz zu bewachen.
Nach dem Anlangen des Caviillerie-Corps hinter der Donau übernahmen die
drei schweren Reserve-Cavallerie-Divisionen und eine Brigade der leichten Caval-
lerie-Division die Bewachung der Donau stromabwärts von Schwechat bis
Hainburg, während eine leichte Cavallcrie-ßrigade dem III. Corps zur Bewachung
der Donau stromaufwärts bis Tulln zugetheilt wurde.
Auf preußischer Seite trachtete die II. Armee (Kronprinz) von Prossnitz
aus die k. k. Nord-Armee in Olmütz festzuhalten und die Verbindung derselben
mit der Donau, sowie den Eisenbahnbetrieb zwischen Olmütz und Wien zu
hindern. Die I. und Elbe- Armee setzten ihren Vormarsch auf den Linien über
Lundenburg, Nikolsburg und Znaim gegen Wien fort, um die Concentrierung
der österreichischen Streitkräfte an der Donau zu verhindern.
FZM. Ritter von Benedek leitete aber den Marsch der k- k. Nord-Armee, unter
wiederholten Flankenangriffen seitens der preußischen II. Armee, von Olmütz über
die kleinen Karpathen und das Waagthal, sodann gemäß weiterer Befehle des
Erzherzogs Albrecht derart an die Donau, dass die äußerste Spitze — eint4 Brigade
— in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli an der Donau bei Pressburg eintraf.
Inzwischen hatte sich gemäß tclcgraphischcr Befehle des Erzherzogs
Albrecht auch die Brigade Mondel von Lundenburg, unter mehrfachen
Digitized by Google
Im Kriege gegen PreuAen und Italien 1866, u. zw. gegen Preußen.
333
Gefechten mit Colonnen der preußischen I. Armee, in die vortheilhafte Stellung
Blumenau-Kaltenbrunn, nordwestlich von Pressburg, zurückgezogen und
dieselbe am Abende des 18. Juli besetzt, um den Donau-Obergangspunkt bei
Pressburg sichern zu helfen.
Demgemäß hatten die k. L Streitkräfte in Norden am 21. Juli folgende Auf-
stellung:
Am rechten Donau-Ufer zwischen Krems und Hainburg und im Wiener
Brückenköpfe 4 Armee-Corps (III., V., IX., X.) und 4 Cavallerie-Divisionen, außerdem
ein Theil der sächsischen Truppen;
im Waagthale bei Neustadtl das Gros der Nord-Armee mit 3 Corps (I., VI.,
VIII.), 1 sächsischen Infanterie- und der k. k. 2. leichten Cavallerie-Division;
außerdem zur Deckung der Rückzugslinie der Nord-Armee (hinter den kleinen
Karpathen) 2 Corps und zwar das IV. bei Nädas, das II. und die sächsische Reiter-
Division nebst der Brigade Mondel bei Pressburg.
Um dieselbe Zeit, am 21. Juli, war das preußische Heer ä cheoal der March
imDonauthale angelangt. Das Gros befand sich mit 10 Infanterie- und 2 Caval-
lerie-Divisionen auf dem rechten March-Ufer in dem Räume zwischen der Thaya
und dem Russbacho, Front gegen den Wiener Brückenkopf ; mit 2 Divisionen
(IV. Corps) am 1 i n k e n M a r c h - U f e r be i S t a m p f e n, im Vormarsch gegen Pressburg.
Außerdem standen 2 Infanterie- und 1 Cavallerie-Division an der mittleren
March bei Strassnic und Skalic gegen die Nord-Armee; endlich beobachteten
2 Infanterie-Divisionen Ol mutz und 1 Division die böhmischen Festungen; ver-
schiedene feindliche Heerestheile waren vom Norden — Böhmen und Schlesien —
im Nachrücken begriffen.
Als nächstes Operationsziel der preußischen Heeresleitung galt, sich Press-
burgs als eines eventuellen Donau-Überganges zu bemächtigen.
In Voraussicht des feindlichen Operationsplanes hatte jedoch Erzherzog
Alb recht den Rückzug der k. k. Nord- Armee von Olmütz nach Pressburg in
der Weise geleitet, dass bei Press bürg außer der Brigade Mondel auch das k. k.
II. Corps und die sächsische Reiter-Division dem Feinde entgegentreten konnten,
während 41/, Corps und 1 Cavallerie-Division aus dem Waagthale derart im
Anmärsche waren, dass sie bei Pressburg zuverlässig vor größeren feindlichen
Streitkräften eintreffen mussten.
Inzwischen führte die seit dem 5. Juli durch Frankreich angestrebte Vermitt-
lung nach langwierigen diplomatischen Verhandlungen am 21. zur Vereinbarung
eines Waffenstillstandes zwischen den beiderseitigen Hauptarmeen an der
Donau, welcher am 22. mittags zu beginnen und vorläufig fünf Tage zu währen
hatte. Während dieser Zeit sollton in Nikolsburg die Friedens-Präliminarien fest-
gestellt und auch Italiens Beitritt zu denselben bewirkt weiden.
Ganz wider Erwarten führte aber auch der Abschluss dieser Waffenruhe mit
Preußen nicht sofort auch zur thatsächlichen Einstellung der Feindseligkeiten. In
den letzten Stunden, die dem Eintritte der Waffenruhe vorangierigen, machte die
preußische Armee rasch noch einen Versuch, sich Pressburgs zu bemächtigen,
Digitized by Google
334
CLXIV. bis CLXVI1I. Promotion.
und sich dadurch, falls die Friedensverhandlungen fehlschlügen, dieses wichtigen
Donau-Übergangspunktes zu versichern.
Am 22. Juli griff das preußische IV. Corps von Stampfen die verstärkte
Brigade Mondel in der Stellung von Blumenau-Kaltenbrunn an. Es ent-
wickelte sich ein blutiges Treffen, in welchem die Brigade Mondel trotz Obennacht
des Gegners ihre Stellung behauptete. Einer um den rechten Flügel der Brigade
Mondel gegenPressburg dirigierten preußischen Umgehungs-Colonne wurde durch
das II. Goips vor Press bürg Halt geboten. Darauf erst erfolgte mittags die Ein-
stellung der Feindseligkeilen. Pressburg blieb im Besitz des k. k. II. Corps.
Wahrend der Verhandlungen in Nik Olsburg setzten die Preußen ihre auf
eine eventuelle Forcierung des Donau-Überganges und auf den Angriff der Florids-
dorfer Schanzen abzielenden Vorbereitungen mit allem Eifer fort.
Aber auch Erzherzog Albrecht traf für den Fall, dass diese Verhandlungen
zu keinem Resultate führen sollten, alle Maßnahmen, um nach Ablauf der Waffen-
ruhe zur Abwehr eines feindlichen Strom-Überganges bereit zu sein.
So wurde bei den auf dem rechten Donau-Ufer aufgestellten Streitkräften
eine Verschiebung stromabwärts gegen Pressburg vorgenommen.
Gleichzeitig beschleunigte über neuerlichen Befehl des Erzherzogs Albrecht
FZM. von Benedeie seinen Rückmarsch derart, dass in der Zeit vom 25. bis 27. Juli
vormittags das I., II., IV., VI. und VIII. Armee-Corps, dann die 2. leichte Cavallerie-
Divisiou nebst dem Reste deskönigl. sächsischen Corps die Donau bei Pressburg
überschritten, demnach die gesammten k. k. Streitkräfte im Norden nunmehr an
der Donau bei Wien vereinigt waren.
Nachdem damit der durch denKrzherzogAlbreclit anbefohlene Rückzug der
Nord- Armee von Olmütz hinter die Donau vollbracht war, legte FZM. von Benedek
das Commando nieder und die bis dahin unter seinem Befehle gestandenen
Truppen traten unter den unmittelbaren Befehl des Erzherzogs Albrecht, welcher
auf diese Weise die Süd- und Nord- Armee aus Italien und Böhmen an der
Donau bei Wien binnen 14 Tagen concentriert hatte.
Die am 27. Juli an der Donau verwendbaren österreichischen Streitkräfte
betrugen an Streitbaren 202.782 Mann Infanterie, 20.894PI'erde und 800Geschütze,
wozu im Laufe des 27. und 28. noch 12.000 Mann Ergänzungen hinzutraten. Mit
Ausnahme von 3 Brigaden des X. Corps, welche die Besatzung des Brücken-
kopfes zu bilden, dann 1 Infanterie- und 1 Cavallerie-Brigade, welche theils die
Donau von Wien aufwärts bis Tulln-Krems zu bewachen, theils am linken Donau-
Ufer gegen die Verbindungen der preußischen Armee zu wirken hatten, konnte die
ganze k. k. Armee an einer eventuell zwischen Wien und Pressburg zu liefern-
den Schlacht theilnehmen und in derselben mit 190.000 Mann Infanterie,
17.000 Reitern und 800 Geschützen auftreten.
Auf preußischer Seite konnten bei Wiedereröffnung der Feindseligkeiten im
günstigsten Falle 218.000 Mann auf dem linken Donau-Ufer vereinigt und — nach
Abschlag der zur Beobachtung des Floridsdorfer Brückenkopfes, sowie zur Siche-
rung des eventuellen Übergangspunktes erforderlichen 48.000 Mann — höchstens
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866, u. zw. gegen Preußen.
335
1 70.000 Mann zur Bekämpfung der auf dem rechten Donau-Ufer conccntrierten
österreichischen Streitkräfte verwendet werden.
Im ganzen war somit die kaiserliche Armee der ihr eventuell zufallenden
Aufgabe, die Donaulinie zu vertheidigen, wohl gewachsen, l.'berdies standen der
Erzwingung des Stromüberganges durch den Gegner bedeutende taktische Hinder-
nisse im Wege. Zudem hatten sich die strategischen Verhältnisse des preußischen
Heeres durch dessen Vorrückung bis an die Donau und durch die Vertheidigungs-
Maßnalimen der Monarchie in Böhmen, Mähren und Schlesien erheblich ungünstiger
gestaltet. Das Ausschlaggebende war aber die Schlagbereitschaft einer über
200.000 Mann starken Armee unter dem bewährten erlauchten Feldherrn an der
Donau.
Das Wort des Erzherzogs Albrecht, welches er in seinem Abschiedsbefehl an
die Süd-Armee am 12. Juli gerichtet, es gelte der Welt zu zeigen, dass Österreichs
Kraft trota Königgrätz ungebrochen erst dem eigentlichen Entscheidungskampf
entgegengehe, — dieses heldensinnigc Wort war zur achtunggebietenden That
geworden, welche viel dazu beitrug, um die preußische Heeresleitung den Abschuss
von Friedens-Präliminarien einem ernstlichen Versuche, den Einzug in die Kaiser-
stadt zu erzwingen, vorziehen zu lassen.
Allerdings lagen auch für Österreich zahlreiche und gewichtige Gründe vor,
um auf die Fortsetzung des so ungleichen Kampfes gegen zwei Gegner unter den
ungünstigsten Kriegsverhältnissen zu verzichten und auf die von Seite des Kaisers
Napoleon III. formulierten Vorschläge, welche den Verhandlungen über die
Friedens-Präliminarien zugrunde gelegt wurden, einzugehen.
So war das Treffen von Blumenau am 22. der letzte Kampf dieses Krieges
auf dem Kriegsschauplatze im Norden. Trotz der von beiden Seiten bereits
getroffenen umfassenden Dispositionen und Vorbereitungen wurden nach Ablauf
der fünftägigen Waffenruhe am 27. Juli die Feindseligkeiten nicht wieder eröffnet,
sondern die inzwischen vom 22. bis 20. in Nikolsburg zwischen Österreich und
Preußen festgestellten Friedens-Präliminarien sammt Waffenstillstands-Convention
ratificiert. Damit war der Krieg im Norden beendet.
Österreich trat aus dem Deutschen Bunde und willigte in die Annexion
Schleswig-Holsteins durch Preußen, sowie in die durch letzteres vorzunehmende
Neugestaltung Deutschlands ein, jedoch mit der Bedingung, dass der Territorial-
Bestand des verbündeten Königreichs Sachsen gewahrt bleibe.
Aus dem Kriege gegen Preußen erstanden dem Maria Theresien-Orden, außer
einem Hilter in der Person des erlauchten Führers der tapferen königlich säch-
sischen Armee. 2 Ritter aus den Reihen des k. k. Heeres, während die Manen
zweier Tapferen, die auf dem Felde der Ehre gefallen waren, durch deren post
mortem in den Orden erfolgte Aufnahme geehrt wurden.
Digitized by Google
in» vJATLlL Promotion. — Im ?on [Htm. —
v >r tit^ Maria Theresien-Orden*
1 1W« rmWrr Kiebel tob TreueMcfcwtrt.
* . Fücinis »u» dem Jahre 1866.)
: r^hwert wurde am 28. Mai 1817 zu Essegg in
. N erlogen und am 27. September 1S37 aus der k. k.
r \\~ ~ uer-Neustadt zum 51. Infanterie-Regiment als
».■" ! November 1838 zun; i"n terlieutenant II. Classe.
■•■ 'i -i.tnt I. Glasse br^'.^rL wurde er am 20. Xo-
^ . i .'• °r Beförderung zum Gberlieutenant zum
v ■■ >:Vriert.
v- i - 7i ".t 1S4S/49 machte er als Generalstabsofficier
- • , Erstürmung von Castelnuovo am 11. April,
ri i ' v M:ii, den Angriff auf die verschanzten Linien
i : t i ,i:u 29. Mai und — spcciell mit der Brigade
wi' ■:::o von Vicenza am 10. Juni, bei welch
S ' :>> in den linken Fuß verwundet wurde.
> . • < v bv Vierung zum Hauptmann.
^ ;-'\tmi Knebel als Generalstabschef der
\ :i v : an der Beschießung und Erstürmung
^ » <- i :t dorn Angriff auf die Stadt selbst am
. . „ • t .;' Bologna vom 8. bis 16. Mai. endlich
* ■ Au co na vom 24. Mai bis zum
^ -i ti (vn/ge wurde Hauptmann Knebel
i i fveone III. Classe und am
- v •■• i ' tusg^eichnet.
v t 't • wur'itf Ritter von Knebel am
>!••?••! vi iftn VlU. Armee-Corps
v v . • , -i i^ um Adjutanten-Corps,
- iteuant vorrückte.
\-.. ■: ti »ersten.
ü ItaJieo 1859 war er
i ■ i, sodann der mobilen
- vv mtt Landes-General-
v Kavgs-Evklenz des
... <»i .:n Vorstand der
vCTtral-Commandos
nS-^V transferiert und
Digitized by Co
Digitized by Google
336 CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von 1866. - Böhmen.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Albert Freiherr Knebel too Treuenschwert.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1866.)
Knebel Edler von Treuenschwert wurde am 28. Mai 1817 zu Essegg in
Slavonien geboren, militärisch erzogen und am 27. September 1837 aus der k. k.
Militär-Akademie in Wiener-Neustadt zum 51. Infanterie-Regiment als
Fähnrich ausgemustert. Am 1. November 1838 zum Unterlieutenant II. Classe,
am 1. Juni 1842 zum Unterlieutenant I. Classe befördert, wurde er am 20. No-
vember 1846 unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberlieutenant zum
General-Quartiermeister-Stabe transferiert.
Den Krieg gegen Piemont 1848/49 machte er als GeneralstabsofRcier
mit, und zwar im Feldzuge 1848 die Erstürmung von Castelnuovoam 11. April,
die Gefechte bei St. Giustina am 6. Mai, den Angriff auf die verschanzten Linien
vonCurtatone und Montanara am 29. Mai und — spcciell mit der Brigade
GM. Fürst Thurn-Taxis — die Einnahme von Vicenza am 10. Juni, bei welch
letzterem Kampfe er durch einen Schuss in den linken Fuß verwundet wurde.
Am 1. Juli 1848 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann.
Im Feldzuge 1849 nahm Hauptmann Knebel als Generalstabschef der
Truppen-Division FML. Graf Wimpffen theil an der Beschießung und Erstürmung
des Brückenkopfes von Casale, sowie an dem Angriff auf die Stadt selbst am
24. und 25. März, ferner an dem Angriffe auf Bologna vom 8. bis 16. Mai. endlich
an der Einschließung und Beschießung von Ancona vom 24. Mai bis zum
18. Juni.
Für seine tapferen Leistungen in diesem Kriege wurde Hauptmann Knebel
am 14. Juli 1849 mit dem Orden der Eisernen Krone III. Classe und am
4. Jänner 1850 mit dem Militär- Verdienstkreuz ausgezeichnet.
Am 5. November 1850 zum Major befördert, wurde Ritter von Knebel am
IC». November desselben Jahres zum Corps-Adjutanten bei dem VIII. Armee-Corps
ernannt. Am 1. Februar 1856 erfolgte seine Transferierung zum Adjutanten-Corps,
in welchem er am 1. Mai desselben Jahres zum Oberstlieutenant vorrückte.
Am 28. April 1859 erfolgte seine Beförderung zum Obersten.
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien 1859 war er
zuerst Adjutant bei dem Militär-Gouvernement in Mailand, sodann der mobilen
Arrnee-Ober-Intendanz beigegeben.
Am 1. November 1859 zum Sectionschef des Brünner Landes-General-
Commando ernannt, wurde er am 1. Jftnner 1861 in die Rangs-Evidenz des
58. Infanterie-Regiments eingetheilt, am 11. Ortober 1862 zum Vorstand der
vereinigten ersten und dritten Abtheilung des Brünner Landes-General-Commandos
ernannt, am 9. Dccember 1862 zum General-Quartiermeister-Stabe transferiert und
arn 11. Juni 1866 zum Generalmajor befördert.
Digitized by Google
tized by Google
Digitized by Go
Digitized by Google
ff
J/ '"
TRAUTF.NAU. S7. JUNI 1866 i^ vm ■
IttjcV. vr Karg
HilUr de» M. V. O. Albert Freiherr v.l. KtieU-l.
337
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1806 machte er den
Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee, und zwar als Brigadier im X. Armee-
Corps mit.
In dem Treffen bei Trautenau am 27. Juni trug GM. Ritter von Knebel
mit seiner Brigade wesentlich zu der siegreichen Entscheidung des Tages bei.
Wahrend das Gros der Nord-Armee den Flankenmarsch von Mähren nach
Böhmen vollführte, hatte nebst dem VI. auch das X. Corps diese Operation zu
decken, letzteres zu diesem Behufe naeh Trautenau vorzurücken und daselbst
Stellung zu nehmen.
Schon während der Vorrückung des X. Corps leitete die vorausgesendete
Brigade Mondel gegen das anmarschierende preußische 1. Corps südlich von
Trautenau den Kampfein. Suceessive nahmen auch die Brigaden Grivicic und
Wimpffen an dem Gefechte theil.
Die Brigaden Mondel und Grivicic trachteten im Laufe des Tages, trotz großer
Verluste erfolglos, sich in den Besitz des Höhenzuges von St. Johann zu setzen,
welcher im Süden von Trautenau von Osten gegen Westen streicht, auf dem
Kamme theilweise bewaldet und vom Feinde stark besetzt war. Auch die Brigade
Wimpffen machte vergebliche Anstrengungen, die Höhe von St. Johann zu nehmen.
Mittlerweile marschierte GM. Ritter von Knebel mit seiner Brigade bis gegen
Hohen brück vor. Er hatte vom Corps-Commandanten FML. Frh. von Gablenz
den Befehl erhalten, sich mit seiner Brigade zwischen Neu-Rognitz und Hohen-
bruck li dural der Straße als Reserve aufzustellen. Zwischen 4 und 5 Uhr
nachmittags bei Hohenbruck eingetroffen, bewirkte er dort den Aufmarsch,
begab sich aber für seine Person weiter gegen Trautenau vor, um sich über die
Terrain- und Gefechtsverhältnisse zu orientieren.
GM. Ritter von Knebel erkannte sofort, dass von dem Besitze jener Höhe,
auf welcher die Kapelle St. Johann steht, wegen deren dominierender Lage, der
Besitz des ganzen von den Preußen besetzten Höhenzuges abhieng. Bei dieser
Recognoscierung machte GM. Ritter von Knebel gleichzeitig aber auch die beun-
ruhigende Wahrnehmung, dass der um jene Zeit durch das Infanterie-Regiment
Erzherzog Stephan unternommene letzte Sturm der Brigade Wimpffen vom Gegner
abgeschlagen worden war und dieses Regiment unter großen Verlusten zurück-
wich, mithin der Rückzug des ganzen Corps bevorstand.
Es schien dem GM. Knebel jedoch von doppelter Wichligkeil, dass das erste
Gefecht des Armee-Corps gegen die Preußen nicht mit einem Rückzüge ende,
sondern von einem positiven Erfolg«1 gekrönt werde. Ein solcher Erfolg dünkte ihm
nur dadurch ermöglicht werden zu können, dass die Reserve activ und offensiv ins
Gefecht eingriff. Er beschloss daher, ohne erst einen Befehl abzuwarten, mit seiner
Brigade vorzurücken und die den Schlüsselpunkt der feindlichen Stellung bildende
Höhe von St. Johann mit dem Bajonnett anzugreifen. Unverzüglich ordnete er
auch demgemäß die Vorrüeknng seiner Brigade an.
Als rechter Flügel gieng das 28. Jäger-Bataillon, welches schon von Neu-
Rognitz auf die Höhen in der rechten Flanke (1er Brigade vorgeschoben worden
Militärischer Maria There^ien-Orilun.
Digitized by Google
;j;jg (XXIV. bi? CLXVIII. f'.o.n..lion. — Im Krivav von I8fif». — Böhmen.
war. längs der dort befindlichen Waldparcellen gegen den südöstlich der Kapelle
gelegenen Steinbruch vor.
Im Centrum rückte das Regiment Kaiser mit seinen drei Bataillonen in
geschlossenen Divisions-Massenlinien im ersten Treffen, das Regiment Erzherzog
Carl in Bataillons-Massen im zweiten Treffen vor.
Auf dem linken Flügel nahm die Batterie 3/III Stellung und besehoss die
St. Johann -Kapelle, um den Vormarsch der Truppen zu protegieren.
So rückte die Brigade unter Führung des GM. von Knebel in der muster-
haftesten Ordnung gegen die Höhe von St. Johann vor, wo zwei preußische
Bataillone — aus ihren Zündnadelgewehren einen wahren Kugelregen vor sich
herschleudernd — sich zu behaupten suchten.
Bei diesem Angriffe gerieth ein Bataillon von Kaiser in das heftigste
.Schnellfeuer, verlor seinen Commandanten und einen großen Theil seiner Ofliciere
und musste anfänglich zurückweichen. Ein weiterer Versuch die Höhe zu nehmen,
scheiterte gleichfalls, da die bereits im höchsten Grade ermüdete Mannschaft das
letzte, sehr steile Stück nicht zu erklimmen vermochte. Mitllerweile gelang es
jedoch den beiden anderen Bataillonen des Regiments, die Höhe von der west-
lichen Seite zu ersteigen, ungeachtet des feindlichen Kreuzfeuers den Feind aus
seiner Position zu werfen und die Kapelle von St. Johann zu nehmen.
Das Regiment Erzherzog Carl unterstützte den Angriff von Kaiser-Infanterie
wesentlich: es rückte so rasch und so nahe an das erste Treffen vor, dass ein Theil
fast gleichzeitig mit diesem die Höhe erstürmte.
Das Jäger-Bataillon erstürmte die östliche Vorstadt von Trauten au selbst
und drängte den Feind ins Au pa -Thal hinaus; ein Theil desselben stieß mit einer
Division von Kaiser-Infanterie, welche durch die Stadt Trautenau vorgedrungen
war. zusammen und verfolgte im Vereine mit dieser den Feind bis Parschnitz.
Durch diesen mit heldenmüthiger Tapferkeit ausgeführten Angriff der Brigade
Knebel wurde das beinahe schon verlorene Treffen von Trautenau noch in
den letzten Stunden des Tages in ein siegreiches verwandelt. Die Brigaden
Crivicie und Wimpffen rückten alsbald auf die Höhen im Süden von Trautenau
wieder vor und betheiligten sich an der Verfolgung. Die Brigade Wimpffen schob
Vorposten bis auf die Höhen nördlich von Trautenau vor.
Das feindliche I. Corps retirierte bis Liebau und Schömberg über die
Grenze.
Das X. Corps hatte auf diese Weise über den anfangs überlegenen, und im
Verlaufe des Gefechts gleich starken Gegner einen entschiedenen Sieg erfochten
und diesen aus einer der vorteilhaftesten Positionen, trotz dessen weitaus
besserer Bewaffnung, geworfen.
Zu diesem glänzenden Erfolge hatte GM. Ritter von Knebel wesentlich bei-
getragen, und zwar nicht allein durch die ebenso tapfere als umsichtige Führung
seiner Brigade, sondern auch durch hohen moralischen Muth, indem er vor der
schweren Verantwortung nicht zurückscheute, mit der Reserve, ohne einen Befehl
dazu erhalten zu haben, auf eigene Faust in den Kampf einzugreifen.
Digitized by Google
Hilter des M. T.-O. Albert Freiherr von Knebel.
?>:v.)
Auf Grund der in dem Treffen bei Trautenau am 27. Juni lSfiß voll-
brachten WafTenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Kranz Joseph I. als Erhabener
Großmeister über Votuni des Capitels kraft Promotion CLXVI vom 29. August
l8of> den Genendmajor Albert Ritter von Knebel durch Verleihung des
Klei nkreuzes zum Ritter des Maria Theresion-Ordens zu promovieren.
Im weiteren Verlaufe des Feldzuges von 18P>6 machte GM. Ritter von Knebel
die Gefechte bei Neu-Rognitz am 28. Juni und bei Königinhof am 20. Juni mit.
Bei dem Rückzüge des X. Corps am 29. Juni traf Knebel, als er mit seiner
Avantgarde aus Königinhof südlich debouchierte, die ganze Geschütz-Reserve
des Corps unweit der Stadt in einen Park aufgefahren. Bei der unmittelbaren Gefahr,
welche dieser Geschütz- und Fuhrworksmasse drohte, indem der nachdrängende
Feind auf den nördlich von Königinhof gelegenen Flöhen jeden Augenblick
erseheinen und die Geschütz-Reserve mit Geschütz-, ja selbst mit Kleingewehr-
Feuer üherrnschon konnte, verfügte GM. von Knebel wieder selbständig, dass
die Geschütz-Reserve sofort aufbrach und auf die südlich von Königinhof
liegenden Höhen abrückte. Dabei ließ er, da Königinhof bloß von einer Halb-
brigade besetzt war. seine Brigade am südlichen Ausgange der Stadt so lange
hallen, bis die Geschütz-Reserve, deren Fuhrwerke nur einzeln aus dem Parke
auf die Straße gelangen konnten, völlig abgefahren war, worauf er mit seiner
Brigade nachrückte. Dadurch hatte Knebel die Geschütz-Reserve vor großen
Verlusten, wenn nicht vor einer Katastrophe bewahrt.
Seine Brigade hatte hinter der Geschütz-Reserve nämlich die Höhe noch
nicht ganz erstiegen, als schon die ersten feindlichen Geschütz-Projectile einfielen.
Daraufhin ließ Knebel auf der Höhesowohl seine Brigade als die Geschütz-Reserve
Stellung. Front gegen Königinhof. nehmen, und den Feind, nachdem er die Stadt
genommen hatte und aus derselben debouchieren wollte, aus sämmtlichen
Geschützen beschießen. Infolge dessen stand der Feind von weiterem Nach-
drängen ab. GM. von Knebel verharrte in seiner Aufstellung bis 9 Uhr abends,
worauf er erst, durch Truppen des III. Corps abgelöst, den Rückmarsch nach
Dubencc fortsetzte. Durch diese selbständige Aetion Knebels wurde nicht nur,
wie erwähnt, der Rückzug der Geschütz-Reserve, sondern jener des X. Corps
selbst wesentlich gefördert.
In der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli erhielt CM. von Knebel bei Beginn
des Rückzuges von dem Corps- Coimmnandanten FML. Frh. von Gablenz die
Weisung, den Rückzug des X. Corps zu decken. Er erblickte die wirksamste Deckung
wieder dar in, dass er dem siegreich vorrückenden Feind selbst kämpfend entgegen-
gieng und ihn wenigstens zum Stehen zu bringen trachtete. Aus diesem Grunde
sehloss sich GM. Knebel den von Langcnhof gegen die Höhen von Chi um zum
Angriffe vorrückenden Armee-Reserven, und zwar dem I. Corps, freiwillig mit seiner
Brigade an. Er drang mit derselben, an das erste Tieften der Brigade Lehmigen
links angeschlossen, bis auf das südwestliche Vorfeld von Chi um vor und gieng
erst, als der Angriff der Reserve durch das verheerende Geschütz- und Infanterie-
feuer des Feindes abgeschlagen war, wieder mit dem I. Corps zurück, wobei eine
22*
Digitized by Google
;J10 (XXIV. hi< CI.XVIll. 1'roinotimi. - Im Kriege v.m |K«fi. — H.I.iiivii.
feindliche Cavalleric -Attaque durch rasche Formierung von Corres und ener-
gischen Feuerkampf zurückgewiesen wurde.
Nach dem Kriege, als Seine kaiserliche königliche Hoheit FM. Erzherzog
All) recht das Armee-Oher-Commando und FML. Frh. von John die Functionen
eines Chefs des Generalstabes der Armee übernommen hatte, letzterer dabei aber
gleichzeitig mit der Leitung des Kriegsministeriums betraut worden war, wurde
UM. Ritter von Knebel zum Sous-Chef des Generalstabes bei dem Armee-
Oher-Commando ernannt.
Am 12. Februar 18G7 geruhte Seine Majest.1t der Kaiser auf Grund der
Statuten des Maria Theresien-Ordens den GM. Albert Ritter von Knebel in den
Freiherrnstand zu erheben.
Am 30. Jänner 1868 von dem Dienstposten als Sous-Chef des General stabes
bei dem Armee-Oher-Commando unter dem Ausdrucke der Allerhöchsten Zu-
friedenheit enthoben, wurde GM. Frh. von Knebel am 20. März 1808 zum
Brigadier bei der IV. Truppen-Division, sodann am 15. September 1869 zum Com-
mandanten der XU. Truppen-Division und Militör-Connnandanten in Krakau
ernannt. Auf diesem Dienstposten erfolgte am 26. April 1871 seine Beförderung
zum Feldmarschall-Lieutenant und am 28.December 1876 seine Ernennung
zum Oberst-Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 76.
Am 20. Februar 1878 wurde er unter dem Ausdrucke der Allerhöchsten
Zufriedenheit für die auf seinem Commando-Posten geleisteten vorzüglichen
Dienste zum Präsidenten des Militär-Appellations-Gerichtes ernannt
und ihm mittels Allerhöchster Entschließung vom 1. April 1879 die Würde eines
Geheimen Rat lies verliehen.
Am 11. April 1881 wurde FML. Frh. von Knebel zum Präsidenten des
Obersten Militär-Gerichtshofes ernannt und ihm am 20. October desselben
Jahres infolge Allerhöchster Entschließung in Anerkennung seiner vieljährigen,
stets pflichttreuen Dienstleistung der Orden der Eisernen Krone I. Classe mit
der Kriegsdecoration der dritten Classe verliehen.
Anlässig seines fünfzigjährigen Militär-Dienst-Jubiläums, welches
Frh. von Knebel am 22. September 188Ü in voller Rüstigkeit und Geistesfrische
feierte, geruhte Seine Majestät der Kaiser ihm den Charaktereines Feldzeug-
meisters ad honorem z.u verleihen, wobei ihm gleichzeitig in Anerkennung seiner
während eines halben Jahrhunderts im Kriege und im Frieden geleisteten hervor-
ragenden Dienst. • der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt
gegeben wurde.
Am 12. Marz 1890 wurde FZM. Frh. von Knebel aufsein Ansuchen in den
Ruh «stand versetzt und geruhte Seine Majestät der Kaiser ihm bei diesem
Anlasse in Anerkennung seiner langen, stets hervorragend pllirhlgetreuen, im
Kriege wie im Frieden ausgezeichneten Dienstleistung das Großkreuz des
Leopold-Ordens zu verleihen.
Digitized by Google
Ritter de* M. T. O. Rudolph Freiherr Wagiier von Welirhorn.
Rittor des Maria Theresien-Ordens
Rudolph Freiherr Wagner von Wehrborn.
(Mit Bildnis aus dein Julm* 1$G<>.)
Rudolph Wagner wurde zu Wien im Jahre 1815 geboren und trat schon im
jugendlichen Alter, am 10. August 1832, bei dem 3. Kürassier-Regiment als
Cadet ein. Am 1. Juni 1835 erfolgte seine Beförderung zum Un terli eutenaut,
am 1. August 1840 zum Obellieutenant, am 10. August 1847 zum Ritt meist et-
il. Classe.
Im Jahre 1848 kämpfte er bei der Einnahme von Wien vom 28. bis
31. Octobcr, sodann in Ungarn in dem Gefecht«1 bei Friedau am 8. November.
Im Jahre 1849 machte er den Feldzug in Ungarn mit. und zwar das Gefecht
von Feterwardein und Kamenitz am 29. Marz, dann den Angriff auf die Vor-
st jidt und Meierhöfe von Feterwardein am 23. April.
Während dieses Feldzuges am 7. Mai zum Rittmeister I. Classe befördert,
kämpfte er sodann als Escadrons-Commandant in dem Treffen bei Kaaes am
7. Juni unter den Ausgezeichnetsten dieses Tages, indem er mit seiner Escadron
ein feindliches Bataillon attaquierte und zersprengte, wofür er in der Folge am
22. October 1848 mit dem Militär-Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde.
Im weiteren Verlaufe des Feldzuges von 1849 kämpfte Rittmeister Wagner
noch in dem Tieften bei Ö-Becse am 25. Juni, in der Schlacht bei Hegyes am
11. Juli, wohnte der Beschießung von Vilova am 19. Juli an und kämpfte endlich
in dem Treffen bei Mossorin und Vilova am 23. Juli.
Am 11. April 1855 erfolgte seine Beförderung zum Major und am 6. November
desselben Jahres seine Transferierung zum 2. Kürassier-Regiment.
Am 28. März 1863 wurde Major Wagner in den Adelstand mit dem Prä-
dicat von Wehr bor n erhoben.
Am 1. Jtdi 1863 erfolgte unter gleichzeitiger Transferierung zum 6. Kürassier-
Regiment seine Beförderung zum Oberstlieutenant.
Im Kriege gegen Freußen und Italien im Jahre 1866 machte er den
Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee mit, und zwar eingelheilt mit seinem
Regiment Hessen-Kürassiere Nr. 6 in der Brigade GM. Prinz Solms der 1. schweren
Reserve-Cavallerie-Division unter FML. Prinz Holstein-Glücksburg.
Die letztere befand sich während des Marsches der k. k. Nord- Armee aus
Mähren nach Böhmen seit dem 20. Juni an der Tete der nördlichen von den drei
großen Marsch-Golonnen der Armee, nächst der Grenze gegen das Glatz'sche.
Nachdem die Anwesenheit eines größeren feindlichen Heeres an der Neiße eon-
statiert war, nahm die 1 . Reserve-Cavallerie-Division, während die Armee ihren
Aufmarsch bewirkte, am 24. Aufstellung bei Dohm und Skalie behufs Beobach-
tung der Grenzstrecke von Dobrusku bis Kostelec. Hiebci stand ein Theil des
Regiments Hessen-Kürassiere am 26. in Nach od, sah sich aber gegen Abend
Digitized by Google
\W2 r:LXIV. bis HLXVIII. Promotion. — Im Kri <•{:«• von 1*6«. — Böhmen.
durch größere feindliche Abteilungen gezwungen, bis Wysokow zurückzugehen,
wo Oberstlieutenanl von Wagner auf dem Plateau von Wysokow eine Auf-
nahmsstellung innehatte.
Es war die Vorhut des preußischen V. Corps, welche bei Na eh od einge-
troffen war. Infolge dessen rückte noch in der Nacht vom 2G. auf den 27. Juni
das k. k. VI. Armee-Corps unter FML. Ramming von Opoc.no und Dobruska nach
Skalic und gegen Nachod vor. Gleichzeitig wurde die 1. Reservc-Cavalleric-
I>ivision dem VI. Corps-Commando unterstellt.
OberstUeutenant Wagner war noch am 26. abends mit seiner Division —
:t. und 4. Escadron Hessen- Kürassiere — nordwärts nach Kostelec detachiert
worden um das dortseihst stehende Uhlanen-Regiuient Kaiser Max zu verstärken.
Am 27. morgens, beiläufig um 7 Uhr, erhielt er Befehl, von Kostelec nach Skalic
einzurücken, wo der Stab der 1. Reserve-Cavallerie-Division FML. Prinz Holstein
stand.
Am östlichen Ausgange von Skalic angelangt, sah er Theile des im Laufe
der Nacht anmarschierten VI. Armee-Corps aus der Stadt auf der Xachoder Straße
debouchieren, gieng daher seihst auf diese über und nahm seine Direction auf das
Regiment Kaiser Ferdinand-Kürassiere Nr. 4 der Brigade Prinz Solms, welches
er in einiger Entfernung südlich der Nachoder Straße, Front gegen Kleny, auf-
gestellt sah.
Um jene Zeit, da Wagner zu diesem Regiment stieß, war die 1. Division
seines eigenen Regiments noch nicht zur Brigade eingerückt und auch er erhielt
alsbald durch einen Officier vom Stabe des FML. Prinzen Holstein wieder den
Auftrag, sich mit einer Escadron seiner Division zu der jenseits des Waldes von
Kleny disponierten Infanterie-Brigade Oberst von Jonak zu verfügen.
Diesem Befehle entsprechend, ließ er die 4. Escadron in der Cavallerie-
Reserve-Aufstellung zurück und trabte mit der 3. Escadron behufs Aufsuchung
der Brigade Jonak gegen Kleny, um den südlichen Theil des gleichnamigen
Waldes herum.
Jenseits desselben stieß er auf die Brigade Jonak, die um jene Zeit in der
Mitte des bereits in Gefechtsordnung entwickelten X. Corps im Vorrücken in der
Richtung gegen das Plateau vnn Wysokow begriffen war.
In Anbetracht dessen und nachdem mittlerweile das Gefecht am linken
Flügel, welchen Wagner wegen des Waldes zur Linken zu überblicken verhindert
war, sich sehr heftig gestaltete, beschloß er, keine Zeit mit Melden und Aufragen
zu verlieren um! setzte sich mit der Kscadron in das Intervall zwischen der längs
des Waldrandes vorrückenden Brigade-Batterie und dem zunächst derselben vor-
gehenden Bataillon des linken Flügels, entschlossen, je nach den sich ergebenden
Umständen in den Gang des Gefechtes der Brigade selbsthandelud einzugreifen.
Bald darauf - etwa um 11 Uhr vormittags — gewahrte er die Vorrückung
der Cavallerie-Brigade Prinz von Solms, und /.war ebenfalls in der Richtung des
vom Feinde besetzten Plateau von Wysokow, in dem Räume zwischen dem
links der Vorrückmigslime gelegenen Orte Wysokow und einem rechts derselben
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Rudolph Freiherr Wagner von Wehrborn.
343
gelegenen Wäldchen, das von der eigenen Infanterie kurz zuvor gestürmt und
auch genommen worden war. Die Brigade zählte zu jenem Zeitpunkt, da 7'/s Esca-
dronen derselben detachiert waren, nur bei 4'/... Kscadronen.
Da Wagner in dieser Bewegung der Cavallerie-Brigade die Einleitung eines
größeren entscheidenden Cuvullerie- Angriffes nicht verkennen konnte und über-
zeugt war, dass vor Entscheidung desselben die Brigade Jonak, bei welcher er
eben in Zutheilung stand und deren Vorrückung in diesem Augenblicke überdies
unterbrochen worden war, in keinen unmittelbaren Contact mit dem Feinde
gerathen würde, so beschloss er sofort, der Cavallerie-Brigade Prinz Solms nachzu-
eilen, an dem Angriffe derselben theilzunehmen, und setzte auch diesen Ent-
schluß, mit der Escadron in raschem Trabe abrückend, ungesäumt ins Werk.
Von seinein Ausgangspunkte aus gelangte Wagner, auf der kürzesten Linie
vorgehend, zur Rechten des Regiments Kaiser Ferdinand-Kürassiere. Dasselbe
rückte längs des zur Rechten gelegenen Waldrandes vor und war in dem Momenl,
als sich ihm Wagner mit seiner Escadron Hessen-Kürassiere näherte, im Begriffe,
die Saumlinie der Höhe zu erreichen und so auf das allem Anscheine nach von
der feindlichen Cavallerie besetzte Plateau zu gelangen.
Da Wagner, wie erwähnt, erst tags zuvor mit seiner Division zur Aufnahme
und Unterstützung des damals bei Nachod gestandenen eigenen Regiments auf
demselben Plateau gestanden und sich die Position wohl angesehen hatte, so
wusste er, dass bei weiterer Vorrückung des Regiments Kaiser Ferdinand-
Kürassiere durch das Zurücktreten des Waldrandes nach südlicher Richtung
zwischen dem Walde und dem rechten Flügel des Regiments eine große Lücke
entstehen musste.
In rascher Erfassung dieses Uinstandes wurde in ihm die Besorgnis rege,
dass eine geschickte Benützung dieser Lücke von Seite eines das genannte
Kürassier-Regiment etwa überflügelnden Feindes, oder auch nur einer starken
Reserve desselben, umso nachtheiligeren Einlluss auf den bevorstehenden Angriff
des Regiments üben musste, als es hiedurch in Gefahr gerathen konnte, von Über-
macht in Front, Flanke und Rücken angegriffen und zugleich von der kürzesten
Rückzugslinie ab, gegen die Schluchten von Wysokow gedrängt zu werden.
Kr beschloss demnach, selbständig handelnd, seinen Platz zur Rechten des
Regiments Kaiser Ferdinand-Kürassiere zu behalten, sich selbst mit der Escadron
in die Lüt ke zu schieben und so der zu besorgenden Eventualität vorzubeugen.
Er ließ zunächst die 3. Escadron Hessen-Kürassiere, in Colonnc formiert,
etwa hundert Schritt rechts rückwärts der am rechten Flügel des Regiments
Ferdinand-Kürassiere vorgehenden Escadron folgen.
Wenige Augenblicke darauf sah er das Regiment, das die Saumlinie der
Mühe erreicht hatte, in Galopp aufmarschieren, befahl sofort der Escadron,
ebenfalls in Galopp vorzugehen, und sprengte selbst vor. um Übersicht zu
gewinnen.
Da sah er nun »las nach beendigtem Aufmarsch in raschestem Galopp vor-
gehende Kürassier-Regiment Kaiser Ferdinand seiner ganzen Breite nach durch
Digitized by Google
344 CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von IXfifi. - Höhnen.
ein ihm heftig entgegengehendes feindliches Uhlunen-Rogiment gedeckt. Die
4 '/s Escadronen worden durch ü feindlich« Escadronen attaquiert. Überdies
stünnten am linken Flügel des feindlichen Regiments, nur durch ein Intervall
getrennt, in gleicher Höhe mit demselben, wenigstens 3 Escadronen preußischer
Dragoner ebenfalls vollen Laufes heran.
Da diese letzteren im Moment des Zusammenstoßes der beiden großen
Heiterfronten unmittelbar vor sich keinen Gegner sahen, umfassten sie den
rechten Flügel des Regiments Kaiser Ferdinand, um es in Flanke und Rücken zu
attaquieren.
Der Moment war ein hochkritischer, allein schon griff auch Oberstlieutenant
Wagner rettend ein.
Ohne einen Augenblick zu zögern, commandierle er den Aufmarsch der
Escadron. Da aber die Distanz vorn Gegner bereits zu gering war. um den Auf-
marsch vollenden zu können, setzte er sogleich das Commando zur Attaque hinzu
und stürzte sich, ohne einen Augenblick zu verlieren, mit Ungestüm auf den weit
überlegenen Gegner. Durch Wagners plötzliches Auftauchen sahen sich die preu-
ßischen Dragoner gezwungen, von Ferdinands-Kürassieren abzuschwenken und
Wagner selbst anzugehen.
Dadurch war die beabsichtigte Umfassung der Brigade Solms vereitelt.
Wagners Angriff wurde, wiewohl nur mit einer Escadron und in ungünstiger
Formation unternommen, dennoch von derselben mit glänzender Bravour aus-
geführt. Die 1/mie der preußischen Dragoner ward von den beiden vorderen
Zügen, welche den Aufmarsch noch zu vollenden vermocht hatten, durchbrochen
und nach deren augenblicklichem Kehrt der Feind im Rücken angegriffen. Die
beiden rückwärtigen Züge prallten theils mit der Front zweier feindlichen Esca-
dronen, theils mit einer an deren linkem Flügel vorstürmenden dritten Escadron
aneinander, welch letztere im Augenblicke des Zusammenstoßes sich rasch links
ziehend, auch Wagner zu umfassen gesucht hatte.
Es entspann sich nun ein lang andauerndes und erbittertes Handgeniengo,
in welchem sowohl von den Offieieren als der Mannschaft der Escadron Hessen-
Kürassiere mit solcher Wucht droiugchaiieii wurde, dass der überlegene Gegner,
nachdem der Fahrer der preußischen Dragoner gefallen war und diese auch sonst
einen bedeutenden Verlust an Offieieren und Mannschaft erlitten hatten, sich
gänzlich geschlagen eiligst unter den Schutz der am Saume des rückwärts
gelegenen Waldes stehenden preußischen Infanterie begab.
Der Zweck dieser selbständig, aus eigenem, freiwilligem Antrieb und in
richtiger Beurlheilung der Sachlage unternommenen Attaque Wagners war
somit vollständig erreicht. Das Regiment Kaiser Ferdinand-Kürassiere ward davor
bewahrt, durch Übermacht von mehreren Seiten angegriffen zu werden und den
eigenen Angriff trotz aller Tapferkeit scheitern sehen zu müssen. Vielmehr gelang
es den ."»'/, Esc.idn.nen österreichischer Kürassiere der Cavallerie-Brigade Prinz
Sohns'.» Escadronen preußischer t'lilaiieu und Dragoner der Cavallerie-Brigade
von Wnuck zu werfen, wozu eben Oberstlieuleiiant Wagner wesentlich beitrug,
Digitized by Google
Hitlor den M. T.-O. Morit/ Hilter v«n l,«lirnaiit>.
34»
indem er dabei mit einer Escadron Hessen-Kürassiere? allein drei Escadronen
preußischer Dragoner zum Rückzüge zwang.
Durch dieses glänzende Reitergefecht wurde das Vordringen des Feindes
von Nach od gegen Skalic an diesem Tage erheblich verzögert, überdies der
Ruhm der k. k. (lavallerie neu gemehrt.
Auf fii'und der dadurch bei Wysokovv am 27. Juni 1800 v<jllbrachten Waffeti-
Ihat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener (! roßmeislcr
des Maria Theresien-Ordens über Votum des Capitels kraft Promotion CLXVII
vom 4. October 18GG den Oberstlieutenant Rudolph Wagner Ritler von Wehr-
born durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-
Ordens zu promovieren und im December desselben Jahres gemäß den Ordens-
statuten in den Freiherrnsl and zu erheben.
Im Verlaufe des Feldzuges von 1860 machte Wagner noch die Schlacht
bei Königgrätz am 3. Juli 18GG mit.
Am 12. November 1807 erfolgte, unter gleichzeitiger Transferierung zum
10. Dragoner-Regiment, seine Beförderung zum Obersten.
Bei Auflösung des 10. Dragoner-Regiments wurde Oberst Frh. von Wagner
mit 1. October 1873 zum 7. Dragoner-Regiment transferiert, darauf am 2'.*. des-
selben Monates zum Commandanten der 2. Cavallerie-Brigade ernannt, sodann
auf diesem Dienstesposten am 1. November 1874 zum Generalmajor befördert.
Am 1. August 1877 trat (.JM. Frh. von Wagner nach fünfundzvierzigjähriger
effectiver Militär-Dienstzeit in den Ruhestand und wurde ihm bei diesem Anlasse
in Anerkennung seiner vorzüglichen, vor dem Feinde hervorragend tapferen und
ausgezeichneten Dienstleistung der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit
zutheil.
Ritter dos Maria Theresien-Ordens
Moritz Ritter von Lehmann
(Als Gefallener promoviert. — Mit Bildiii." aus- th-in Jahr« 1SHG.)
Ritter von Lehmann winde als Sohn eines k. k. Majors zu Zloczöw in
(lalizien am 15. Juni 183(1 geboren und genoss vom Jahre 181-8 an in der k. k.
Militär- Akademie in Wiener-Neustadl militärische Erziehung und Bildung. Als
Zögling derselben stets unter den Ersten seines Jahrganges, wurde er am 15. Juni
1851 ausgemustert und als Unterlieutenant II. Classe bei dem 1. Uhlauen-
Regiment eingelheilt. Am I. Februar 1855 erfolgte seine Beförderung zum l'nler-
lieuteiiant I. Classe und am I. December desselben Jahres zum Oberlieutenant.
Im Kriege gegen Frankreich und l'iemont in Nahen im Jahre 1850
war es ihm vergönnt, gleich in einem der ersten Kämpfe sich hervor/.uthuu, und zwar
bei der Rerognoscierung eines aus 1 Compaguie. Lehmanns Zuge und 2 (Jeschülzen
bestehenden Coinniandos von Orfengo gegen Borgo Vereelli am 23. Mai.
Oberlieutenant Riller von Lehmann deckte bei dieser Recognoscierung, nach
dem (ielechle bei 1\ Moliuo Camera, mit seinem Zuge den Rückzug des Crns.
Digitized by Google
34C CLXIV. bis CLXVIIl. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Böhmen.
Hiebei attauuierte er die aus einem Hinterhalte nachstürmenden Bersaglieri und
schlug dieselben in die Flucht.
Im weiteren Verlaufe des Feldzuges von 1850 am 28. Mai zum Rittmeister
11. Classe befördert, machte er das Gefecht bei Turbigo am 2. Juni, dann die
Schlachten bei Magen ta am 4. Juni und bei Solferino am 24. Juni mit.
Für seine tapfere Tliat in dem Recognoscierungs-Gefecht Orfengo-Borgo
Vereelli wurde Rittmeister Ritter von Lehmann in derFolge,am 17. December 185'.».
mit dem Militär- Verdienstkreuz ausgezeichnet.
Am 1. März 1800 zum Uhlanen-Regiment Nr. 13 übersetzt, am 1. September
18G2 aber wieder zu seinem früheren 1. Uhlanen-Regimente rücktransferiert,
wurde er am 1. Juni 1864 zum Rittmeister I. Classe befördert.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 180(1 war es ihm
beschieden, trotzdem er sich mit seinem Regiment fern von den großen Kriegs-
schauplätzen befand, an der Einleitung des Feldzuges im Norden theilzunehnieri,
dabei eine der heldenmüthigsten Waffenthaten dieses Krieges zu vollbringen,
gleichzeitig aber auch auf dem Felde der Ehre ruhmvoll zu fallen.
Rittmeister Ritter von Lehmann stand mit seiner 5. Escadron bei Eröffnung
der Feindseligkeiten an der weslgalizischen Grenze bei Oswiecim, eingetheill in
der Rrigade GM. Tretinaglia, welche von der zur Deckung Krakaus bestimmten
Truppen-Division FML. Frh. von Rzikowsky an die Weichsel und Przemsza
gegen Preußisch-Sehlesi en vorgeschoben war.
Lehmanns Escadron bildete dabei in Ravsko den äußersten linken Flügel
der Brigade und zwar speciell des südlich der Weichsel in Oswiecim, unter
dem Obersten von Ziegler stehenden Commandos, welches aus dem 4. Bataillon
Mecklenburg, der 4. und 5. Eseadron von Grünne-Uhlanen Nr. 1, dann der halben
Batterie 6/IV bestund.
Gleich der 4. hatte auch die ö. Escadron Lehmanns einen Zug auf Vorposten
westwärts vorgeschoben und Vedetten entlang der Weichsel aufgestellt. Leh-
manns Feldwache stand in Härmen se. nach rechts angeschlossen jene der
anderen Escadron in Plawy, eine Infanlerie-Gompagnie vorwärts Brzezinka
und eine an den Berunner Brücken. Die Vorposten der beiden Escadronen
standen unter speciellein Befehl des Rittmeisters Lehmann.
Am 27. früh rückte der Feind mit 43/» Bataillonen, 4 Uhlanen-Escadronen
und 2 Geschützen unter GM. Grafen Stollberg aus Prcnßis< h-Schlesien von
Nikolai gegen Oswiecim vor. Derselbe übersrhritt bei Plawy und Jedlin die
Weichsel und bewegte sich mit Überina« ht gegen Brzezinka und den Bahn-
hof von Oswiecim, als gerade die Vorposten-Ablösung im Zuge war. Während
auf die Meldung über den Anmarsch des Feindes der Bahnhof von drei, das nächst-
liegende Zollamtsgebäude von einer Compaguie Infanterie besetzt wurde, zwei
»Jes< hütze südli« Ii vom Bahnhofe auffuhren, und zwei bei dein Zollaiiitsgebäude
blieben, wobei je ein Zug Lhlaneu die Geschützhedeckung bildete, rückte Rill-
nieister Lehmann von Raysko sogleich vor. Angesichts der grollen Übermacht
de- Feindes musste er sieh jedoch bald längs der Eisenbahn gegen Oswiecim
Digitized by Google
Digitized by Google
Digitized by Google
Hilter des M. T.-O. Morit* Ritler von Lehmann.
:U7
zurückziehen. Dabei nahm er die auf Vorposten gestandenen Abheilungen auf
und vereinigle sieh auch mit der halben 4. Escadron des Rittmeisters Bertolelti,
so dass er G Züge befeldigte. Dieselben wurden wahrend ihres Rückzuges von den
jenseits der Bahn vorrückenden feindlichen Schützen heftig beschossen, zogen
sich daher von der Eisenbahn weg zu dem parallel mit derselben gegen Oswiecim
fließenden Sola-Flusse hin.
Inzwischen drang das Gros des Feindes von Plawy, durch die Auen der
Weichsel und den ausgedehnten Ort Brzcziuka gedeckt und begünstigt, rasch
gegen den Bahnhof von Oswiecim vor und wurde nur durch das vereinte
lebhafte Infanterie- und Artilleriefeuer zum Stehen gebracht.
Da trat aber ein kritischer Augenblick für die Besatzung des Bahnhofes, ja
für das ganze Commaudo des Obersten von Ziegler ein. Das feindliche Uhlanen-
Regiment, welches mit einer Compagnie Infanterie als anderster rechter Flügel
der Preußen von Plawy über Czerniehow rasch vorgedrungen war, überschritt
etwa 2000 Schritte südlich des Bahnhofes die Eisenbahn, marschierte in Linie auf
und gieng direct auf die Sola-Brücke zwischen Bahnhof und Oswiecim los.
Dadurch war nicht nur die Rückzugslinie der Besatzung im Bahnhofe gefährdet,
sondern die Stadt selbst ernstlich bedroht.
Rittmeister Lehmann erfasste, sobald er dieses Vorgehen des feindlichen
Uhlanen-Reghnenls wahrgenommen halte, augenblicklich die große Gefahr, in
welche dadurch das ganze bei Oswiecim stehende Commaudo versetzt wurde.
Er verkannte dabei wohl auch das bedenkliche Moment nicht, dass das feindliche
Cavallerie-Regiment drei- bis viermal so stark war, als die sechs Züge Uhlanen,
die er befehligte. Anderseits konnte nur ungesäumtes, energisches Handeln und
vor keinem Wagnis zurückschreckende Selbstaufopferung Rettung bringen. So
war denn Lehmanns Enlschluss augenblicklich gefasst.
Er wendet sich mit den Worten zu Rittmeister Bertoletti:
»Jetzt bleibt nichts übrig, als zu attaquieren, mache mit Deinen beiden
Zügen ineine Reserve !*
Sodann commandiert er seine Escadron durch Linksaufschwenkcn zum Auf-
marsch, sprengt vor die Front, erinnert seine Uhlanen mit einigen Kraftworten an
ihre Sohlaleiipüichl, bringt auf Seine Majestät den Kaiser mit weil hinschallender
Stimme ein .Hoch!* aus, erlässt das Commaudo zur Attaque „Marsch. Marsch!*
und stürzt sich, seiner Escadron weit voraussprengend, mit derselben auf das
preußische Uhlaneu-Hcgiiucut.
Die feindliche Reiterei, welcher die Attaque einer einzelnen Escadron auf
ein ganzes Regiment anfangs als unmöglich erscheinen mochte, rückt in langsamem
Galopp weiter vor.
Allein Lehmann stürmt, seiner Escadron auf vierzig b\> fünfzig Schritte voran,
schnurgerade auf den feindlichen Commaudanteu — Major von Busse — los,
salutiert, attaquiert denselben aber auch sofort mil blanker Walle und verwundet
ihn durch kräftigen Hieb.
Digitized by Google
348
OLXIV. Li« CLXVIII. Pminntion. — Im Kriege von 1*6«. — Rnhmen.
Im rauhsten Augenblicke — von dem Lanzenstich eines feindlichen Uhlanen
durchbohrt — lallt Lehman n seihst. . . .
Schon bricht aber die Schwadron, trotzdem sie ihren heldenmüthigen Führer
fallen sieht, ohne Zaudern in die Reihen des mehrfach überlegenen Feindes ein.
Kine erbitterte Melee folgt. Bald heginnen die einschwenkenden preußischen
Kscadronen das sich lichtende Häuflein österreichischer Uhlanen zu umfassen. Dir
Escadron verliert Leute und Pferd»*. Da fällt auch Oherlieutenant Graf zur Lipp««.
Die kleine Heldetischar wankt. Des Feindes Übermacht ist zu groß. Die Attaque
der österreichischen Uhlanen ist abgeschlagen und sie jagen dem Wäldchen zu.
das ihnen zur Ralliierung bestimmt war. . . .
Aufgenommen durch die von Lehmann in Reserve belassene halbe
4. Escadron unter Rittmeister Frh. von Bertolet ti und unterstützt durch einen vom
Bahnhofe heransprengenden dritten Zug dieser Escadron unter Oberlieutenant
Fürst Lobkowitz, sammelte sich dann di»» Escadron Lehmanns wieder, olin»'
daran von der feindlichen Cavallerie gehindert zu werden.
Di«* von Lehmann unternommene und mit schweren Opfern ausgeführte Attaque
hatte den gewünschten Erfolg. War auch die überlegene feindliche Cavallerie
nicht geworfen wortiVu. so geralh auch sie durch den Kampf aus »tar taktischen
Ordnung, blieb am Platz»' stallen und verlor Zeit mit ihrer eigenen Ralliierung.
Mittlerweil»' hatte?) die bei dem Bahnhofe gestandenen Geschütze nach
WH'derholteiu Positionswei-hsel Zeit gewonnen, auf dem Schlossberge von
Os wiecim dominierende Aufstellung zu nehmen und von dort gegen das preußische
Uhlaneu-Reginicnt das Feuer zu eröflmm. Dadurch wurde die von Lehmann herbei-
geführte Wendung <l»'s Gefechtes vollendet. Das feindliche Reiter-Regiment wankte,
suchte auszuweichen und wandte sich endlich, von den Geschützen Schuss auf
Schuss getroffen, zum Rückzüge.
Dieses Zurückweichen der preußischen Cavallerie veranlasste auch die feiml-
liche Infanterie, welche sich nach wiederholt abgeschlagenen Angriffen schließlich
doch im Bahnhofe einzunisten begann, zum Zurückgehen, worauf der Feind bald
vollständig den Rückzug antrat.
So halte das bei Os wiecim stehend«' Commaudo die forcierte Demon-
stration eiius vier- bis fünffach überl«'g«n«n Gcgm'is zurückgewiesen. Einen
wesentlich«'ii Antheil an diesem Erfolg«' der kaiserlichen Waffen hatte der Helden-
mulh des Rittmeisters Lehmann.
Teli'graphisch geruht«! «ler Oberste Kriegsherr Seinen braven Truppen für
d»'iiSieg bei Os wiecim huldvollsten Dank kundzugeben. dieHeldenthat des gefal-
len«'n Rittmeisters .Moritz Ritter von Lehma n n aber durch Verleihung des Ordens
der Eisernen Krone III. < Hasse mit d«,rKriegsde«,oralion ganz besonders zu ehren.
l'berdi«'s traf noch am Tage des Gele«hl«s, d«'ii 27. nachmittags, von Seite
lies Feimh s durch einen Parlamentär ein Di«'nstschr«Mben in Oswiecim ein, durch
w«'h lies «ler Gegner — sich selbst zur Ehre — nicht allein dem Kriegsbrauch
gerecht zu werden, sondern auch «lie Manen «tas Gefallenen ritterlich zu ehren,
sich angelegen s.'in li«'ß. Das offenbar während des Rückzuges, noch untar dein
Digitized by Google
Hilter lies M. T.o. Morit/. Ritter vm Lehmann.
vollen Kindrucke der Kampfereignissc von dem preußischen Majoren von Busse,
welcher von Lehmann in der Attaque verwundet worden, ausgehende Dienst-
schreiben — zugleich ein Tapferkeits-Zeugnis des Feindes selbst — lautete:
„D. 27/6.«
.Die Unterzeichneten erlauben sich beifolgend ein Medaillon*) zu über-
senden, welches bei dem tapferen, heldenmüthigen Rittmeister Baron von
Lehmann, der auf dem Felde der Ehre gefallen, gefunden worden.
„Den Orden des Helden werden wir uns die Ehre geben, in den nächsten
Tagen zu überreichen.»
von Busse m. p., Baron von Schmidt m. p.,
Major und Regimenls-Couiraandeur. Major und etatmäßiger StahsofTicier.«
So bezeugte selbst der ritterliche Gegner den Heldenmuth Lehmanns.
In gerechter Würdigung des wesentlichen Antheiles, welchen die Tapferkeit
und Klugheit, sowie die selbständige Initiative des Rittmeisters Ritter von
Lehmann an dem Siege von Oswiecim hatte, schritt auf Grund des ihm von
sänimtlichen Offieieren des Cominandos ausgestellten Tapferkeitszcugnisses, sowie
auf Grund der von den Offieieren seiner Division und Augenzeugen seiner Waffen -
that beigebrachten Speeiex facti das Officiers-Corps des Uhlanen-Regiments
Graf Grün ti e Nr. t bei demCapitel des Maria Theresien-Ordens um Zuerkennung
des Ritterkreuzes dieses Ordens an den gefallenen Kameraden ein.
Duraufhin geruhte auf Grund der im Gefechte bei Oswiecim vollbrachten
Wallenthal Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister
des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-Capitels kraft Promotion
C.LXVI vom 29. August 1866 den auf dem Felde der Ehre gefallenen Rittmeister
Moritz Ritter von Lehmann durch Zuerkennung desKleinkreuzes nach dem
Tode zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren und später-
hin im Grunde der Ordensstatuten seiner Witwe sammt der am 1. März 1867
als postltuma geborenen Tochter die Prärogativen des Freiherrnstandes
allergnädigst zu verleihen.
Noch am Tage des siegreichen Gefechtes von Oswiecim wurde der Leichnam
Lehmanns durch seinen ebenfalls bei Grümic-Uhluneii als Oberlieutenanl
Regiments-Adjutunl dienenden Bruder mit anderen Kameraden vom Kampfplatze
nach Oswiecim gebracht. Am Tage darauf wurden alle Gefalleneu. Freund und
Feind zugleich — Rittmeister Lehmann an der Spitze — mit kriegerischen
Ehren bestattet. Was vom Commando nicht auf Votposten oder sonst im Dienste
stand, gab den gefallenen Kriegskameraden das Elirengeleite. Auch die dankbare
Bevölkerung von Oswiecim erwies den tapferen Vertheidigem der Stadt die
letzten Ehren. Ein schlichter Obelisk auf dem Friedhofe von Oswiecim kündet
den Überlebenden, dass unter diesen Tapferen als der Tapferste — Rittmeister
Moritz Ritter von Lehmann ruht.
*) Ks war dies das Medaillon mit dem Portrait von Lehmanns Gattin, welche ihm «echs
Wochen vor seinem Heldentod angetraut worden.
Digitized by Google
3Ö0 CLXIV. CLXVIII. {'mmutmii. - Im KiU*c v-.i. I*««. - HMiiuen.
Ritter des Maria Tlieresicn-Onlens
Seine königliche Hoheit
Albert, Kronprinz von Sachsen
(nachmals S.-in<( Majestät Könit,' von Sachsen).
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1800 zählte das Königreich
Sachsen zu jenen Staaten des deutschen Bundes, die mit Österreich verbündet,
an dem Kriege im Norden theil nahmen.
Nachdem am 11. Juni 1806 am deutschen Bundestage zu Frankfurt die
Abstimmung über den Antrag Österreichs auf Mobilmachung der Bundescontin-
gente mit Ausnahme jenes von Preußen erfolgt war, richtete die preußische
Regierung am 15. unter anderrn auch an Sachsen die Aufforderung zum Abschluss
eines Bündnisses mit Preußen, widrigenfalls das letztere Sachsen als im Kriegs-
zustand«; gegen Preußen befindlich betrachten würde. Die Antwort Sachsens
lautete ablehnend und es erfolgte sonach noch am Abend desselben Tages die
Kriegserklärung Preußens an Sachsen, während dies an Österreich erst sechs
Tage später, am 21. Juni geschah.
Während die preußische Elbe-Armee am 10. morgens in Sachsen ein-
marschierte, concentrierte sich unter (Kommando Seiner königlichen Hoheit des
Kronprinzen Albert von Sachsen die sächsische Armee bei Dresden und
marschierte am 17. in drei Colonnen nach Böhmen ab, um sich mit der k. k. öster-
reichischen Nord-Armee zu vereinigen. Während darnach auch die preußische
1. Armee in Sachsen einmarschierte, gelangte das Gros der sächsischen Armee
am Ii). Juni nach Welemin, die Reserve mit dem Hauptquartier nach Lobosilz.
die Arricregarde nach Teplitz. Dux und Osseg.
Am 20. hatten die königlich sächsischen Streitkräfte eine Stärke von
20.265 Mann mit 7500 Pferden, worunter an Streitbaren 18.811 Mann, 2571
Pferde mit 58 Geschützen (20 Bataillone, 10 Kscadronen und 10 Batterien) und
nahmen die Formation eines Armee-Corps mit zwei Infanterie-, einer Reiter-
Division und der Artillerie-Reserve an.
Am 21. und 25. Juni vereinigte sich das königlich sächsische Armee- Corps
in der Gegend von Jung-Bunzlau.
Kronprinz Albert übernahm den Oberbefehl überdie sächsischenTru ppen
und das an der Iser nächst Münchengrätz concentrierte k. k. I. Armee-Corps
des FML. Grafen Clam-Gallas. Kr beschloss zunächst, am 27. einen Offensivsloß
entlang der Iser gegen Turnau zu unternehmen. Nachdem jedoch Theile des
k. k. I. Corps schon am 20. bei Hühtierwasscr und Röhmisch-Aicha sowie
Sichrow von den Spitzen der preußischen Elbe- und l. Armee angegriffen worden,
ließ Kronprinz Albert das sächsische Armee- Corps noch an demselben Tage
abends aufwärts au der Iser bis zwischen Wesela, Münchengrätz und Bosin
vorrücken und beschloss, am 11. den Offensivstoß über die Iser gegen Sichrow
Digitized by Googl
Ritter <!e* M. T-O. Sc. könivl. Holieit Albert Kn.npi iti/. von Sachsen.
3M
zu rühren, tun Turnau und Münehcngrätz zugleich zu decken. Nachdem aber der
Feind durch das Gefecht in der Nacht vom 2o\ auf den 27. sich Podols bemächtigt
hatte, unterblieb am 27. auch die Vorrückung gegen Sichrow und der Kronprinz
fasstc den Entschluss, mit den beiden Corps die Stellung vorwärts Münc hen-
grät z zu vertheidigen. Da der Feind aber am 27. bereits seinen Vormarsch von
Turnau gegen Jicin einleitete, wodurch die Verbindung des Kronprinzen mit
der k. k. Nord-Armee gefährdet erschien, traf derselbe am 27. mittags Disposi-
tionen, um sich tingesäumt auf dem kürzesten Wege der Nord-Armee zu
nähern.
Unter Deckung durch zwei Brigaden des 1. Corps, von denen eine am 28.
bei Münchengrätz, die andere am 29. bei Podkost größere Gefechte zu bestehen
hatte, ließ der Kronprinz am 28. das I. Corps bis Sobotka, das sächsische Corps,
bis Liban-Unter Bautzen, am 29. aber beide Corps gegen Jicin rücken, wo
in Podhrad Seine Majestät König Johann von Sachsen seine Truppen besich-
tigle. Da der Kronprinz die Verständigung erhalten hatte, dass für den 29. und
30. das Eintreffen des Gros der k. k. Nord-Armee bei Jicin zu gewärtigen sei. so
stand dessen Entschluss fest, die Position von Jicin trotz dem Drängen des Feindes
auf das hartnäckigste zu vertheidigen.
In der That trat er dem Feinde, als derselbe nachmittags des 29. das I. Corps
heftig angriff, auch mit den sächsischen Truppen entschieden entgegen, allein
inmitten des Treffens langte gegen Abend der Befehl des Armee-Commandos ein,
wornach der Kronprinz unter Vermeidung ernsterer Gefechte den Rückmarsch
zur Nord-Armee fortzusetzen' hatte, infolge dessen sogleich die Dispositionen
zum Rückzüge gegeben wurden. Der Abbruch des Gefechtes gestaltete sich für die
österreichisch-sächsischen Truppen, namentlich aber für das I. Corps überaus
nachlheilig und verlustreich. Erst nach einem erschöpfenden Nachtmarsche
erreichten die Truppen am 30. Juni früh Mi 1 et in, Hofic und Smidar.
An demselben Tage trat aber die k. k. Nord-Armee selbst den Rückzug
gegen Königgrätz an und erhielt der Kronprinz abends den Befehl, sich mit
derselben über Neu-Bydzow und Nechanic zu vereinigen. So marschierte der-
selbe in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli von Smidar über Neu-Rydzow,
Nechanic bis Nieder Pfim, zwischen welch beiden letzteren Orten das säch-
sische Corps Bivouaes bezog, während sich das I. Corps bis auf eine Brigade, die
nach Plotist marschiert war. in Kuklena nächst Königgrätz vereinigte. Damit
halte der Kronprinz den Anschluss der österreichisch-sächsischen Truppen an
die k. k. Nord-Armee tinler den schwierigsten Verhältnissen bewirkt.
Am 1. und 2. verblieb gleich der ganzen Nord- Armee auch das sächsische
Corps in den nächst Königgrätz bezogenen Stellungen, letzteres mit seinen Vor-
truppen am Bistric-Bache in Nechanic und in Hradek. Dasselbe bildete mit
der k. k. 1. leichten Cavallerie-Division den linken Flügel der ganzen Armee-
Aufstellung, während rechts von den Sachsen das k. k. X. Corps stand.
Am 2. Juli, gegen Abend, erbat sich der Kronprinz von dem Armee-Com-
niando Verhaltungsbefehle, da sich nach den Meldungen der aufklärenden Caval-
Digitized by Google
3.V2
CIAIV. bis CIAVIII. Piumoli.,11. im Klieve wu ISß«. - Hf.hm.ui.
l«M'ii» der Feind gegen Nechanic nähorte und der Kronprinz für den 3. Juli früh
einem umfassenden Angriff entgegensah.
Infolge dieser und anderweitiger Meldungen erließ der Arrnee-Commaudant
um 11 Öhr nachts aus Königgrätz eine allgemeine Schlacht-Disposition, welche
der Kronprinz gleich den übrigen Corps - Kommandanten nach Mitternacht
erhielt.
Nach dem Wortlaute dieser Disposition hfdte das sächsische Corps links vom
X. Corps die Höhen von Tfesovic und Popovic besetzen sollen. Kronprinz
Albert hielt jedoch die Aufstellung bei Nieder Pf im und Problus für besser
und erwirkte sich auch die Genehmigung des Armee-Commandos zur Besetzung
des dortigen Plateaus.
Bei Tagesanbruch am 3. Juli leitele der Feind seinen Angriff gegen das
Centrum der k. k. Armee ein. Als das Geschützfeuer aus der Richtung von Lipa
zunahm, ließ Kronprinz Albert das sächsische Corps gegen Morgen die gewählte
Stellung mit dem Gros beziehen und sendet»; eine Brigade zur Besetzung der Orte
Tfesovic, Popovic und Uubno sammt den Bist ric- Übergängen und des
Waldes östlich Popovic vor, während die bis Alt Nechanic, Kuncic und
Radikovic vorgeschobenen Vorposten ihre Aufstellung festhielten.
Nach der Disposition des Anuee-Commandos hatte behufs Unterstützung des
sächsischen Corps hinter demselben das k. k. VIII. Corps Stellung genommen, war
somit gewissermaßen von den Dispositionen des Kronprinzen Albert alsComman-
danten des linken Flügels abhängig. Zunächst erließ der Kronprinz an das
VIII. Corps den Auftrag, erst über speciellen Befehl örtlich Problus Stellung zu
nehmen. Als jedoch das sächsische Corps anlässlich des von Lipa hörbaren
Kanonendonners seine Gefechtsslellung bezog, nahm auch das k. k. VIII. Corps mit
einer Brigade hinter dem rechten Flügel der Sachsen, östlich Problus, mit einer
anderen Brigade links rückwärts des linken sächsischen Flügels bei Slefcirek
Stellung, während eine dritte Brigade aus der früheren Aufstellung des Corps bei
Nedelist im Anmärsche war.
Weiter hatte links rückwärts des königlich sächsischen Corps auch GM. Frh.
von Edelsheim mit seiner 1. leichten Cavallerie-Division auf dem Plateau von
Steinfeld Aufstellung genommen.
Während der Kampf im Centrum bereits im Gange war. wurden gegen 8 Uhr
morgens die Vortruppen des königlich sächsischen Corps in Alt Nechanic —
:> Bataillone stark — von der Tete der aus Smidar vorrückenden preußischen
FJbe-Armee angegriffen und zogen sich kämpfend nach Nechanic zurück. Wäh-
rend eines der beiden Bataillone eine Aufnalimsslellung östlich Nechanic nahm,
z<>g sich das andere fechtend hinler die Bistric, brach die über diesen Bach
lülin nde Brücke hinter sieh ab und vertheidigle sodann nahezu eine Stunde mit
aller Zähigkeit den Ort Nechanic gegen den gleich starken Feind, wobei es von
einer reitenden Batterie nachdrücklichst unterstützt wurde.
Gleichzeitig mit den sächsischen Vorposten in All Nechanic waren auch jene
auf dem linken Flügel in Kuncic, und zwar von überlegenen Kräften angegriffen
Digitized by Google
Riller dts M. T.-O. Se. könijrl. IMicil Albert Kronprinz von Sar|is,-n.
35:1
worden. Trotzdem leisteten sie dem Gegner einig«' Zeit erfolgreichen Widerstand,
worauf sie fortkämpfend ihren Rückzug nach Plim nahmen.
Auch die rechts rückwärts von Nechanic stehenden sächsischen Vor-
t nippen in Lubno mussten trotz hartnäckiger, mit großer Zähigkeit und Bravour
geführter Verteidigung des Ortes auf ihre Haupttruppe gegen Problus und
Nieder PHm zurückgehen.
Infolge dessen wurden die beiden Bataillone in Neehanic durch das Aus-
breiten des Gegners gegen Lubno in der rechten Flanke ernstlich bedroht und
zogen sich deshalb — von der sächsischen Gavallerie aufgenommen — nach dem
südöstlich von Popovic gelegenen Walde zurück.
Die preußische Vorhut besetzte darauf die Höhe südlich von Lubno und
eröffnete ihr Geschützfeuer gegen Problus und Nieder PHm.
Während dieses einleitenden Vortruppengefechtes wurde das am rechten
Flüge! der Hauptstellung liegende Dorf Problus mit Hilfe einer k. k. Pionnier-
Abthi'ilung des VIII. Corps thunlichst in Verteidigungszustand gesetzt. Ein
Gleiches geschah mit dem linken Flügel-Stützpunkte, dem Dorfe Nieder PMiii.
Sächsische und österreichische. Pionniere wetteiferten, zum Theil schon im feind-
lichen Geschützfeuer, in muthiger und umsichtiger Ausführung der betreffenden
Arbeiten.
Nach dem einleitenden Kampfe trat eine längere Pause ein. indem der Feind
yeiiöthigt war, die zerstörte Brücke in Nechanic früher wieder herzustellen,
um auf derselben mit 3 Divisionen den Übergang zu bewirken, weil die infolge
liegen* angeschwollene Bistric sonst nicht zu passieren war. Die preußische
Infanterie betrat gegen Uhr dos linke Bistric-Ufer und die preußische Tete-
Division eröffnete um 1 1 Uhr von der Höhe südlich Lub no ein größeres Geschütz-
teuer gegen die Hauptstellung des sachsischen Corps. Die in einer starken Position
entwickelte sächsische Artillerie — 5 Batterien — erwiderte das preußische
Geschützfeuer mit großer Lebhaftigkeit.
Während dieses Artilleriekampfes zog sich die bei Nechanic gestandene
sächsische Reiter-Division aus dem feindlichen Feuer, um den linken Flügel herum,
hinter Pf- im zurück. Infolge dessen räumte auch die ursprünglich vorgesendete
Brigade, nun in ihrer linken Flanke entblößt, die Orte Tfesovic und Popovic,
gieng hinter den rechten Flügel der Hauptstellung, hinter Problus, zurück und
nahm rechts vorwärts der dort aufgestellten Brigade des k. k. VIII. Corps Stellung.
Die bei Stc*irck links rückwärts des linken sächsischen Flügels concen-
trierte Brigade des VIII. Corps erhielt zwischen 11 und 12 Uhr Befehl, auf die
Höhen östlich Ober Pfim zu rücken und den Brizer Wald zu besetzen. Der
Saum des Waldes ward durch Verhaue und Jägcrgrähen zur Verteidigung her-
gerichtet. Im Innern wurden teils die Communicationen verbessert, teils sogar
neue Wege angelegt. Auf diese Weise wurde während des einleitenden Gefechtes,
mit Rücksicht auf die Vorrückung des Feindes, die Gefechtsstellung des aus den
Sachsen, dem VIII. Corps und der Gavallerie- Division Edelsheim bestehenden
linken Flügels der k. k. Armee vervollständigt.
Mi.ltArivctu't Matta TIi«reM<'U-Ur<ieii. 2o
cJLXIV. bis CLXVI11. Promotion. — Im Kiiepe von 186G. — Böhmen.
Auf Seite des Feindes erschien die Forderung der Stellung von Problus-
Nieder Prim um so dringender, als nur dadurch die im Centrum der k. k. Armer
auf den flöhen von Langen hol' entwickelte bedeutende österreichische Artillerie-
kraft, an welcher sich die I. preußische Armee geradezu verblutete, am raschesten
erschüttert und zum Abfahren gezwungen werden konnte.
Doch hatte dank der Initiative des Kronprinzen Albert auch der linke Flügel
der k. k. Armee eine feste Gefechtsstellung, namentlich eine starke Artillerie-
Position auf den Höhen von Problus und Nieder Prim, so dass der Frontal-
angriff auf dieselbe zu gewagt erschien. Der Commandant der preußischen Elbe-
Armee trachtete daher vor allem die beiden Flanken der Stellung des Kronprinzen
Albert zu gewinnen.
Infolge dessen gierig die preußische Division, welche zuerst aus Nechanic
auf das linke Bistric-Ufer debouchiert war, von einer Cavallerie-Brigade gefolgt,
über Hradek, Neu Prim und durch den Wald von Ober Pl im gegen die link«'
Flanke der Sachsen vor, während die nächstfolgende preußische Division nach
Passierung von Nechanic über Lubno und die Höhen südlich von Popovi«
gegen die rechte Flanke der Sachsen auf Problus vorrückte.
Während diese ausgreifenden Bewegungen der preußischen Elbe- Armee
gedeckt vor sich giengen, leitete die Avantgarde — getheilt — den Angriff auf die
Stellung der Sachsen von zwei Richtungen ein, nämlich einerseits von Lubno aus
über die Waldspitze südöstlich von Popovic gegen Problus, anderseits von den
Höhen südlich von Lubno über Jehlic gegen die vor dem linken sächsischen
Flügel gelegene Fasanerie, und gleichzeitig parallel über Neu Prim. durch den
Wald von Ober Prim, gegen diesen letzteren Ort.
Zunächst versuchte die Colonne von der Fasanerie aus, Nieder Prim zu
nehmen, wurde aber von 3 Bataillonen Sachsen kräftig zurückgewiesen, obwohl
die Vertheidiger von preußischer Artillerie auf das heftigste beschossen wurden
und ein Theil des Ortes dabei in Brand gerieth.
Gegen 12 Uhr mittags gewann es den Anschein, dass die Gefcchtslage im
allgemeinen eine günstige und es an der Zeit sei. ans der bisherigen ausschließlich
defensiven Haltung in eine mehr active überzugehen. Kronprinz Albert, welcher
den Verlauf des einleitenden Gefechtes von der Höhe bei Problus mit scharfem
Blicke verfolgte, befahl daher behufs Durchbruchs der sich immer mehr nach Südost
gegen seine linke Flanke ausdehnenden feindlichen Linie einen Offensivstoß über
Nieder Prim gegen Hradek durch die sächsische Leibbrigade und eine Granat-
Kanonen-Batterie an. Er forderte hiebei das k. k. VIII. Corps auf, zur Sicherung der
sächsischen Truppen in der linken Flanke Ober Pf im und Neu Plim zu besetzen.
Von zwei Batterien der Cavallerie-Division GM. Frh. von Edelsheim und der
eigenen Granat-Kanonen-Batterie wirksamst unterstützt, nahm sodann die Leib-
brigade im Verein mit 1 sächsischen Bataillonen aus Nieder Prim die
Fasanerie und den gegen Neu Prim zu liegenden Waldrand im ersten Anlaufe
mit solcher Bravour, dass der Feind unter Zurücklassung von Gefangenen und
einer bedeutenden Anzahl von Gewehren zurückwich.
Digitized by Google
RilUr di'* M. T.-O. Sc. koiiiul. Hoheit Albert Krun|irin7. von Sachsen.
Um dieselbe Zeit machte sich aber auch bereits die Vonückung der preußi-
schen Colonnen über Neu Pfim gegen die linke Flanke der Sachsen fühlbar,
da das k. k. VW. Corps nicht genügend Zeit gehabt hatte, außer Über Pf im
auch Neu Pfim zu besetzen. Der linke Flügel der sächsischen Leibbrigade stieß
in Neu Pfim und an der anliegenden Waldlisiere auf preußische Abtheilungen,
warf dieselben, musste jedoch, da alsbald feindliche Verstärkung in den Kampf
eingriff, wieder zurückgehen.
Der Kronprinz beschloss nun, den Offensivstoß mit größerer Macht zu
erneuern. Er ließ eine frische sächsische Brigade links von der Leibbrigade in
Gefechtslinie vorrücken und wandte sich neuerdings dringend an das VW. Corps,
damit dasselbe einer feindlichen Überflügelung mit den verfügbaren Kräften ent-
gegentrete.
Von dem VW. Corps war eine Brigade in den Wald gegen Neu Pfim vor-
gerückt, während eine zweite zu deren Unterstützung von Ober Pfim nach-
rückte. Schon war aber die feindliche Überflügelung über Neu Pfim hinaus zu
weit vorgeschritten. Die in den Wald gegen Neu Pfim gedrungene österreichische
Brigade wurde durch einen Angriff gegen ihre linke Flanke gezwungen, zurück-
zuweichen. Die zur Unterstützung vorgesendete zweite Brigade des VW. Corps
erlitt das gleiche Schicksal. Dadurch wurde die linke Flanke der beiden sächsischen
Brigaden entblößt und dieselben sahen sich bald genöthigt, unter großen Verlusten
über Nieder Pfim zurückzugehen.
Während der Feind in Verfolgung des errungenen Erfolges Ober und Nieder
Pfim in Besitz nahm, ließ der Kronprinz die beiden zurückgegangenen sächsi-
schen Brigaden hinter der Höhe von Problus wieder Stellung nehmen. Um dem
weiteren Vordringen des Feindes aus Über Pfim wirksam zu begegnen, zog er
drei glatte Reserve-Batterien auf die Höhe vor und ließ dieselben links rückwärts
der von fünf Batterien in «1er Front festgehaltenen Artillerie-Position eine Haken-
stellung gegen Süden nehmen und ein lebhaftes Granat-Kartätschenfeuer gegen
Ober Pfim und die angrenzenden Waldränder richten. Zwei noch weiter nach links
placierte sächsische Divisions-Batterien betheiligten sich an diesem Artilleriekampfe
und steckten bald durch Granatenwürfe mehrere Gebäude des Ortes in Brand.
Außerdem nahm der Kronprinz zur völligen Sicherung der linken Flanke
auch die hinter Problus aufgestellte Keserve-Brigade vor und ließ durch dieselbe
das östlich von Nieder Pfim gegen Bor sich erstreckende Gehölz besetzen.
Endlich entsendete der Kronprinz eine Brigade der Reiter-Division mit
einer reitenden Batterie mit der Bestimmung, im Vereine mit der Cavallerie-Divi-
sion Edelsheim gegen die rechte Flanke des Feindes zu wirken und dadurch das
sächsische und das VW. Corps in der linken Flanke zu degagieren.
Die andere Brigade der Divisions-Reiterei der beiden sächsischen Infanterie-
Divisionen ließ der Kronprinz verdeckte Stellung östlich hinter Problus nehmen,
um seinen rechten Flügel und die Verbindung mit dem X. Corps zu sichern.
Inzwischen griffen gerade auf jener Seite neue preußische Kräfte in den
Kampf ein, und zwar richtete sich nun der Angriff des Feindes gegen Front und
Digiti|«d by Google
(XXIV. Im (XXVIJJ. Promutiuu.
— Im Kruge von 186G. — Böhmen.
n-chte Flanke der Sachsen bei Problus. Zunächst entspann sich ein heftiger
G<*schützkampf, wobei die preußischen Batferien über Jehlic bis auf 2000 Schritte
an die sächsische Artillerie-Position in der Front vorrückten. Ein preußisches
l'hlanen-Regiment, welches die rechte Flanke der Sachsen zu gewinnen trachtete,
wurde durch das Feuer einer sächsischen Batterie bei Stf-ezelie gezwungen,
wieder zurückzugehen. Gegenüber den preußischen Infanterie -Massen jedoch,
welche gegen Problus vordrangen, war der österreichisch-sächsische linke Flügel
der Nord- Armee nicht mehr in der Verfassung, dem mit frischen Kräften unter-
nommenen Angriffe der Preußen zu widerstehen. Der Kronprinz erließ sonach
den Befehl zum Rückzüge auf die Höhen südwestlich von Rosnitz.
Unter fortgesetztem lebhaften Kampfe wurden Nieder Püm und Problus
geräumt, dann zunächst der Brizer Wald besetzt und verlheidigt. Zwei preußische
Infanterie-Divisionen drängten von Süden und Westen gleichzeitig nach. Eine
Brigade des k. k. I. Corps führte mit Theilen des sächsischen Corps behufs Dega-
gierung des Kronprinzen einen Gegenstoß gegen den linken Flügel der preußi-
schen Elbe-Armee bis Problus, welcher Ort auch im ersten Anlaufe wieder
erobert wurde. Bald sah sich die Brigade jedoch durch die in ihren beiden Flanken
unaufhaltsam vordringenden preußisch« n Colonnen genöthigt, wieder zurück-
zugehen. Darauf musste auch der Brizer Wald geräumt werden und Sachsen und
Österreicher zogen sich gegen die Höhen von Rosnitz zurück.
Bei dem späteren allgemeinen Rückzüge der Nord-Armee bewahrte das
sächsische Corps trotz des heftigen feindlichen Geschützfeuers seine taktische
Ordnung und gieng ruhigen Schrittes bis zu den Elbe-Defileen zurück, worauf es
mit Theilen der Nord-Armee vermischt, die Elbe bei Placka, Königgrätz und
bei Pardubic in «hei Colonnen überschritt, welche sich während des weiteren
Rückzuges bei Zwittau wieder vereinigten.
Das sächsische Corps hatte in der Schlacht bei Königgrätz einen Verlust von
."»ö Officieren, 144G Mann.
Das officielle Werk des k. k. Generalstabes „Österreichs Kämpfe im Jahre
1866"*) schreibt über das Eingreifen des Kronprinzen von Sachsen in der
Schiacht bei Königgrätz:
„Es ist als ein Glück zu betrachten, dass der Kronprinz von Sachsen
wenigstens die Besetzung der Position Pi im-Problus (statt jener von Popovio
sich zu erwirken verstand. Hütt«' «las sächsische Corps seine Aufstellung in der
letzteren genommen, wie dies die nur auf eine lineare Nebenciuaiiderslcllung
aller Corps bedachte Disposition gewollt, so wäre die feindliche Elbe-Armee
mindestens um eine Stunde früher auf den Höhen von Problus erschienen, als
dies thatsächlich geschah, und wäre die Lage des kaiserlichen Heeres bedeutend
verschlimmert worden."
In Würdigung und Anerkennung der < '.onunanilo-Führung des Kronprinzen
AI hei l geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
' . hritW Man«], erste Hallte. Seite
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Se. kflnigl. Hoheit Albert Kronprinz von Sachsen.
357
me ister des Maria Theresien-Ordens folgendes Allerhöchstes Handsehreiben an
den Ordenskanzler Fehlmarschall Grafen Wratislaw zu richten:
.Lieber Graf Wratislaw! Ich verleihe Seiner königlichen Hoheit dem
Kronprinzen Albert von Sachsen, dem tapferen Führer des Meiner Armer
verbündeten, in heißen Kämpfen unerschüttert und rnnthvoll bewährten könig-
lich sächsischen Armee-Corps, »las Hilterkreuz Meines Militär-Maria
Theresien -Ordens, und habe Höchstdemselben die Decoration unmittelbar
zukommen lassen.
Wien, am 18. Juli 1866.
Franz Joseph m. p.tt
Durch dieses Allerhöchste Handschreiben wurde der erlauchte Führer der
verbündeten sächsischen Armee, Kronprinz Albert von Sachsen, kraft der
Promotion CLX.V vom 18. Juli 1806 zum Ritter des Maria Theresien-
O rd e n s promoviert.
Im weiteren Verlaufe des Krieges bewährte Kronprinz Albert noch einmal
und zwar bei dem Rückzüge der Nord-Armee nach Olrnütz, als durch ein
preußisches Streif-Commando am 7. Juli lSüü ein Oberfall auf Zwittau aus-
geführt wurde, ebensoviel Kaltblütigkeit als Umsicht, indem seine Dispositionen
alle weiteren nachtheiligen Folgen dieses feindlichen Unternehmens für die Nord-
Armee verhüteten.
Den weiteren Rückzug führte der Kronprinz mit dem sächsischen Corps im
Verbände der Nord-Armee derart aus. dass er am 11. Juli in Olmütz eintraf.
Gemäß weiterer Dispositionen des FM. Erzherzogs Albrecht, welcher
inzwischen in Wien das Armee-Obn-( iomrnando übernommen hatte, brach
Kronprinz Albert mit dem sächsischen Corps von Olmütz am 13. wieder auf und
zwar mittels Eisenbahn nach Wien. Der Transport, sollte in der Zeit, vom Di. bis
Iii. Juli erfolgen. Es gelangten jedoch nur etwas über 5000 Mann und 12 Ge-
schütze unter dem Kronprinzen mittels Balm am 14. und 15. an die Donau,
wo dieselben theils den Stadlauer Drückenkopf nebst mehreren Gürtelwerken
besetzten, theils bei Iii i st listet! en das Lager bezogen, wo der Kronprinz sein
Hauptquartier aufschlug.
Der Rest des sächsischen Corps konnte die Eisenbahn nicht mehr benutzen,
da der Verkehr am 15. durch den Feind unterbrochen wurde, und marschierte
theils von Bisenz über Tyrnau nach Dressburg, theils von Olrnütz mit dem Gros
der Nord-Armee an die Donau zurück, welche die Sachsen am 55. und -JG.
überschritten.
Am 20. Juli war inzwischen der zunächst eingetroffene Theil der sächsischen
Truppen aus dem Brückenköpfe bei Stadlau zurückgezogen und in Cantonnierun-
gen zwischen Wien und Baden verlegt worden, wohin später der Rest der
Sachsen nachrückte. Kronprinz Alberl nahm sein I lauplquartier in Hetzcndorf.
Nach Abschluss des Friedens zwischen Sachsen und l'reußen am 21. Oc-
tober Istiti traten die Sachsen den Rückmarsch in ihre Heimat an. Die letzten
35«
CLXIV. bis CIAVIIT. Promotion. — Im Kri. fre von 1*66. — Rohmen.
sächsischen Abtheilungen verließen, nachdem Seine Majest.1t König Johann von
Sachsen bereits am 3. November in seine Residenz wieder eingezogen war, am
12. November den österreichischen Boden, wo diese braven, tapferen Truppen die
herzlichste Aufnahme gefunden hatten und wo ihnen Heer und Volk eine warme
freundliche Erinnerung bewahrten.
An Seine königliche Hoheit, den Kronprinzen Albert von Sachsen richtete
FM. Erzherzog Albreehl ein überaus herzliches Abschied-Schreiben, dessen
Hauptstellen lauteten:
, . . . Bald werden Eure königliche Hoheit die Armee in die Heimat zurück-
führen . . . Stolz mag das eigene Vaterland auf seine rückkehrenden würdigen
Söhne blicken, denn sie haben unter Eurer königlichen Hoheit so ausgezeichneter
Führung aufs neue die ererbten kriegerischen Tugenden ihres Volkes rühmlichst
erprobt.
Die k. k. Armee aber, mit denen diese wackere Schar Anstrengungen. Ent-
behrtingen und Gefahren jeder Art so treu getheilt. kann in diesem Abschiedsgruße
nicht warm und herzlich genug der hohen Achtung und aufrichtigen Zuneigung
Ausdruck gehen, die unsere scheidenden Waffenbrüder sich in Österreichs Volk
und Heer ervorben durch ungewöhnliche Tapferkeit, strenge Disciplin und
unerschütterliche Standhaftigkeit in allen Wechselfällen des Krieges, durch muster-
haftes Benehmen gegen uns und die Bewohner des Landes, denen sie allerorts
so lieb und wert geworden.
Wer seiner Pflicht so vollständig, als die säc hsischen Truppen genügte, in
harten Prüfungen so ungebeugten Sinnes blieb, darf getrost auf die Vergangenheit
und die Zukunft blicken; - was letztere auch bringen möge, wir wünschen und
hoffen, dass jene Tapferen das Andenken der edlen Kampfgenossenschaft, die auf
Böhmens Schlachtfeldern Tausende mit ihrem Her/blute besiegelten, so lebhaft
und dauernd bewahren werden, als Österreichs Heer die dankbare Erinnerung an
die in ernster Zeit bewährten Kameraden und die innigste Theilnahme an ihren
ferneren Geschicken. Und somit sag.- ich im Namen der Armee den braven
Sachsen herzlich Lebewohl. Gott geleite sie. gehe Huhm und Heil ihren glorreichen
Fahnen ! "
So der Sieger von Custozza namens der k. k. Armee an den tapferen Führer
der königlich sächsischen Armee, Kronprinzen Albert.
Der weitere Lehenslauf dieses erlauchten Maria Theresien-Ordens-Ritters
gehört dm- Kriegs- und allgemeinen Weltgeschichte wie der Geschichte seines
Landes an. Tu diesen Blättern erübrigt nur. zu verzeichnen, dass Kronprinz Albert,
welcher am 23. April 1828 zu Dresden geboren wurde, seit dem Jahre 1S53 bis
187:5 Oberst-Inhaber des k. k. 11. Infanterie-Regiments war und nach
der Thronbesteigung als König Albert von Sachsen am 29. October 1873 von
Seiner Majestät dem Kaiser Franz Joseph 1. zum Oberst-Inhaber des
k. k. 3. Dragoner-Regimeutes ernannt wurde.
Digitized by Google
Ritter de« M. T.-O. August von der Gro«b«n.
359
Rittor des Maria Theresien- Ordens
August von der Groeben
(Als Gefallener promoviert. — Mit Bildnis aus d«m Jahro 1SGK).
Von der Groeben wurde als Sohn eines königlieh hannoveranischen Oberst-
lieulenants zu Ebersburg nächst Osnabrück im Königreiche Hannover im Jahre
1828 geboren. Nach absolvierten Gymnasial-Studien trat er im sechzehnten
Lebensjahre, am 10. Juli 1844, in die k. k. Armee, und zwar als Regiments-
Cadet bei dem 2. Feld- Artillerie-Regiment ein. Am 1. December rückte er zum
C.adet-Kanonier vor. Als solcher frequentierte er durch drei Jahre den mathema-
tischen Curs des Bombardier-Corps, wurde am 1. Juni 184G zu demselben
transferiert und gleichzeitig zum Bombardier befördert. Am 1. April 1848
erfolgte seine Beförderung zum kais. königl. Gadeten.
Als solcher nahm von der Groeben im Jahre 1848 theil an der Einnahme von
Wien vom 28. bis 31. October. Im Jahre 1849 am 1. April zum Unterlieule-
nant im 1. Feld-Artillerie-Regiment befördert und mit der Cavallerie-Balteriu
Nr. 3 bei der Brigade Montenuovo eingetheilt, kämpfte er in dem Feldzuge in
Ungarn, und zwar in der Schlacht bei Isaszeg am 6. April, in den beiden
Gefechten am Räkos am 16. und 21. April, in dem Gefecht bei Szered am
s. Juni, bei der Einnahme von Raab am 28. Juni, in den Schlachten bei Komorn
am 2. und 1 1. Juli, endlich in der Schlacht bei Temesvär am 9. August.
In den nachfolgenden Jahren wurde von der Groeben am 11. März 1850 zum
5. Feld-Artillerie-Regiment transferiert und in demselben am 16. März 1853 zum
Oberlieutenant befördert. Am 11. Juli 1854 erfolgte seine Transferierung
zum 1. und am 31. Juli 1851 zum neuen 4. Feld-Artillerie-Regimeut. Am 12. April
1859 endlich wurde er zum 3. Feld-Artillerie-Regiment transferiert und in dem-
selben am 13. April zum Hauptmann II. Classe befördert.
Im Kriege von 1859 war es ihm nicht vergönnt, ins Feuer zu kommen, da er
mit seiner Cavallerie-Batterie Nr. 13/111 erst nach Ahschluss des Waffenstillstandes
zur Armee in Italien einrückte.
Am l. November 1859 erfolgte seine Trausferierung zum 8. Feld-Artillerie-
Regiment*) und in demselben am 25. Februar 1862 seine Beförderung zum Haupt-
mann I. Classe.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 kämpfte er in dem
Feldzuge gegen Preußen im Norden, und zwar eingetheilt mit seiner Batterie
N'r. 7/ VIII in der Corps-Geschütz-Reserve des III. Armee-Corps FML. Erzherzog
Ernst.
In der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli war Hauptmann von der
Groeben mit seiner Batterie einer der ersten, der sich dem bis in den Rücken des
Centrums bei Chlum unbemerkt vorgedrungenen Feind entgegenwarf, um die
*) Seit 1. Mai 1S8.j: 12. Ungarisches Gorps-Artillerie-Hegiment.
Digitized by Google
,,,öp Hanert o u * <*tiicJi von / >r ^ Ba*teri Kf**»Pfe* „
n, 1 "'»Je. nach der , Bri»,< ^ ^fvnrf ^ f,,,,*rj<W
i^h^*^^^
''«r*vesl,,W , "'^d- dieser ßn ,'W ü»'<d"« < P-"'a'd.> „2
«V, , /'''' '•'"<«" ,el "ÜSS';" «H. ' *' '" f'orp" S Lft'
''"*.\" (V.r. '""a"fd,T||. i L,Pa- die ,-,k„ 'ml •" Go^-h,-., 1 e"ung-
•»... ;"r:" * S:;,:"- -
■swi-/- • , vWo"' "'•«■«< . ir t *» ««. 4, .f^-
^^asS^-w^ÄS
Digitized by Google
360
CLXIV. his CLXVIII. Promotion. — Im Krietrr v..n ISfifi. — Böhmen.
Katastrophe aufzuhalten, wodurch er in der That für sein Corps unschätzbare
Augenblicke gewann, in welchen es der ersten Verwirrung Herr werden konnte.
Gemäß der Schlacht-Disposition hatte das III. Corps im Centrum die Stellung
von Lipa-Chlum zu vertheidigen. Während des einleitenden Kampfes war die
Batterie des Hauptmanns von der Groeben nebst, der Batterie 8/VIU von der Corps-
Geschütz-Reserve nordwestlich von Lipa nächst der gegen Sadova führenden
Straße placiert. Beide Batterien hatten die Bestimmung, während das Corps seine
Aufstellung nahm, den Rückmarsch zweier Brigaden desselben von den Vorposten
im Bistrie-Thale, nach der Stellung Lipa-Chlum zu decken.
Darauf rückte die Batterie von der Grocheu im Verein mit der Batterie 8/VII1
bis in die Höhe von Gistaves vor, um die Brigade Appiano, welche während
ihres Rückmarsches zur Hälfte in den einleitenden Kampf um den westlichen
Theil des S wie})- Waldes verwickelt war und von der feindlichen Artillerie
bedrängt wurde, in ihrem Rückmärsche zum Corps zu unterstützen.
Nachdem sich die Brigade Appiano aus dem Swicp-Walde gezogen hatte,
schloss sich aueh die Batterie von der Groeben sowie die Batterie 8/V1I1 dem
weiteren Rückmärsche dieser Brigade an. Während die letztere Batterie wieder
nordwestlich Lipa nächst der Straße disponiert wurde, nahm die Batterie von der
Groeben westlich von Chlum. auf dem rechten Flügel des III. Corps Stellung.
Links (westlich) an dieselbe schlössen sich, zum Theil in Geschützdeckungen
auf dem Plateau von Chlum gegen Lipa, die übrigen 7 Batterien des III. Corps,
außerdem weiterhin auf der Höhe nordwestlich Langenhof successive 13 Batterien
des X. Corps, der 3. Reserve-Cavallerie-Division und der Armee-Geschütz-Reserve
an. So bildete die Batterie von der Groeben den äußersten rechten Flügel der erst
aus 17. dann 20. endlich 21 Batterien gebildeten furchtbaren Artilleriekraft im
Centrum der österreichischen Schlacht-stellung. an welcher sich die preußische
I. Armee nahezu verbluten sollte.
Während die Batterien von der Höhe von Langenhof den südlich der
Chaussee Sadowa-Lipa über die Bistric vorgedrungenen Theil des preußischen
Centrums (zwei Infanterie-Divisionen ) durch mörderisches Feuer zum Stillstand,
ja selbst theihveise zum Zurückweichen zwangen, unterhielten die Batterien des
III. Corps von der Höhe bei Lipa-Chlum zunächst ein lebhaftes Feuer gegen die
Colonnen der preußischen S. lnlant.erie-Divi.-ion, welche hinter den beiden rüek-
marschierlen Brigaden des Corps <t chenil der Chaussee Sadowa-Lipa vordrangen.
Die Batterie von der Groeben speciell beschoss den aus dem Skalka- gegen
den Hola-Wald und dann in dem letzteren vorrückenden linken Flügel der
feindlichen Division. Darauf richtete sich Crm-bens Feuer gegen den aus dem
Swiep-Wald gegen Cistaves vordringenden rechten Flügel der 7. preußischen
hhision. im weiteren Verlaule des Kampfes aber im Verein mit den übrigen
Batterien des III. Corps gegen die im feindlichen Centrum nördlich der Chaussee
Sadowa-Lipa aufgefahrenen acht preußischen Batterien.
Der Kampf im Cenlium beschränkte sich von lo Uhr vormittags an über-
haupt größtenteils auf <lie Thätigkeit der beiderseitigen Artillerie. Während die
Digitized by Google
Digitized by Google
(GEFALLEN ä
Digitized byTjOOQle
Digitized by Google
Ritter d<>.* M. T.-O. August von der Uropbcn.
361
Infanterie-Divisionen der preußischen 1. Armee in den Dörfern au der Bistric
sowie in den dazwischen hefindlichen Terrainsenkungen und Wäldern deckende
Zuflucht suchten, ffdirte die preußische Artillerie einen erfolglosen Kampf gegen die
österreichische.
Gegen Mittag zählte die preußische Geschützkraft des Centruins in erster
Linie 132, die österreichische 160 Geschütze. Speeiell nördlich des Hola-Waldes
kämpften 48 preußische Geschütze gegen 64 österreichische hei Lipa und Chinin,
welche zeitweilig ihr Feuer auch in der Kiehtung von Cistaves gegen den süd-
westlichen Rand des Swiep-Waldes richteten. Die österreichische Artillerie
hatte den Vortheil der Zahl und des Terrains auf ihrer Seite, dabei schoss sie
aber auch mit solcher Treffsicherheit, dass mehrere preußische Batterien sich aus
der Gefechtslinie zurückziehen mussten.
Dies war der erfolgreiche Artillerie-Kampf im österreichischen Centrum, an
welchem auch die Batterie von derGroehen, und zwar auf dem äußersten rechten
Flügel der Centrum-Stellung theil nahm, — in welcher Aufstellung diese Batterie
eben im weiteren Verlaufe der Schlacht zu ganz besonders hervorragendem Ein-
greifen berufen war. Dieselbe stand anfangs, wie erwähnt, westlich von Chinin.
Gegen Mittag rückte Hauptmann von der Groeben des besseren Schussfeldes wegen
etwas vor, auf den Hang nordwestlich von Chi um.
Angesichts der österreichischen Artillerie -Wirkung begann man zwischen
Ih-, bis 2 Uhr im preußischen Hauptquartier sieh bereits ernstlich die Frage zu
stellen, was weiter zu thun wäre. Länger auszuharren schien unmöglich, und der
Hüekzug des preußischen Centrums schien, wie aus dessen sichtlich erlahmender
Defensive hervorgieng. unvermeidlich.
Da führte das Vordringen und Eingreifen der beiden Flügel des preußischen
Heeres, insbesondere aber des feindlichen linken Flügels — der Armee des Kron-
prinzen — eine jähe, unheilvolle Wendung der Schlacht herbei.
Infolge der blutigen Kämpfe um den Swiep- Wald war der österreichische
rechte Flügel dermaßen geschwächt und darauf infolge der weiteren Gefechte und
anderer unglücklichen Umstände größtentheils soweit zurückgegangen, dass die
Spitze der preußischen Armee — die 1. Garde-Division — völlig unbemerkt bis
in Flank*1 und Bücken des österreichischen Centrums gelangen konnte.
Zwischen 2 und 2 Ys Uhr drangen plötzlich das preußische 1. Bataillon des
I.Garde-Regiments und eine Garde-Jäger-Compagnie, bald darauf auch das
Füsilier-Bataillon dieses Garde-Regiments von der Ostseite in Chlum ein und
überrumpelten das den Ort. besetzt hallende 2. Bataillon Sach>en-Meiningen.
während andere Abtheilungen der feindlichen Garde-Division sich theils vollständig
Chinins bemächtigten, theils unaufhaltsam weiter südlich gegen Rozbefie vor-
drangen.
Die in Chlum eingedrungenen preußischen Abtheilungen besetzten rasch den
verrammelten und durch Verhaue verstärkten Westrand des Ortes und eröffneten
gegen den Rücken der zwischen Chlum und Lipa — Front gegen Westen —
aufgestellten Truppen und der in den Geschützdeckungen placierten Batterien des
Digitized by Google
362
fXXIV. bis CLXVIII. Promotion.
— Im KrieRe von 186«.
— Böhmen.
III. Corps, sowie gegen das auf dem Plateau von Chi um haltende Hauptquartier
ein verheerendes Schnellfeuer.
Der Armee-Commandant FZM. Ritter von Benedek in eigener Person lässt
sofort die nachstehenden zwei Bataillone von Franz Carl die Front verkehren und
auf Chluin im Sturm losgehen. Dieser Angriff scheitert an dem verheerenden Feuer
des Feindes.
Und schon schicken sich auch die preußischen Abtheilungen an, aus Chi um
weiter gegen Lipa, zunächst in den Mücken des III. Corps, zu debotiehieren.
bevor dasselbe seine Front gegen Chi um verändern kann.
inzwischen hat sich aber bereits Hauptmann von der Groeben mit seiner
Batterie dem Feinde entgegengeworfen. Da Groeben in seiner Aufstellung am
rechten Flügel des III. Corps, nordwestlich von Chi um, dem im Rücken erschienenen
Feinde am nächsten stand, bedrohte die Katastrophe seine Batterie mit der
unmittelbarsten, größten Gefahr. Von der Groeben, die Gefechtslage und deren
Tragweite augenblicklich erfassend, war jedoch nur darauf bedacht, das Abfahren
der in den nächsten Geschützdeckungen placierten Batterien der Corps-Geschütz-
Heserve, Nr. 9/V11I und 10/V1I1, zu ermöglichen, für die Infanterie Zeit zur Samm-
lung, zur Front- und Flügelveränderung zu gewinnen, zu diesen» Zwecke aber
seine eigene Batterie und sich selbst zu opfern.
Rasch entschlossen fährt er im Galopp bis auf 200 Schritte an den Westrand
von Chluin an und lässt die debouchierenden preußischen Abtheilungen mit
Kartätschen beschießen.
Das furchtbare Schnellfeuer der Preußen macht jedoch die Batterie, kaum
daß sie zu schießen begonnen, wieder verstummen. Nur einzelne Geschütze
leuern wiederholt, andere gar nicht mehr. Beim zehnten Schuss liegt fast die
ganze Batterie — Mann und Pferd — gefallen da, auch Hauptmann von der
Groeben.*)
Sieben Geschütze sind ohne Bedienung, ohne Bespannung. Das achte rettet
der überlebende Batterie-Üfficier, indem er sich mit demselben und mit einigen
Munitionswägen aus dem Feuer zurückzieht.
So hatte sich Hauptmann von der Groeben mit seiner Batterie in der
That heldenmüthig geopfert. Aber auch sein nächster Zweck war erreicht.
Während seine Batterie das feindliche Feuer aus Chlum auf sich ablenkte,
konnten die beiden anderen Batterien der Cmps-Geschütz-Reserve. Nr. 9/VII1
und 10/VIII, aus dem verheerenden Schnellfeuer abfahren und geeignetere Stellung
unter entsprechender Bedeckung nehmen.
Auch dem Hervorbrechen der Preußen aus Chluin gegen Lipa wurde
augenblicklich und sogar für längere Zeit halt geboten.
Zunächst gewannen zwei Bataillone Sokcevic der zwischen Chlum und
Lipa aufgestellten Brigade Zeit, Front und Flügel zu verändern und einen
*) Es fielen von tir<>>beni Batterie 7/VIU 1 Hiupt iiimt, 1 Oherlieutenant, 54 Mann uml
68 Pferde.
Digitized by Google
RiUer des M. T. O. August von der Oroebcn.
■
■MVA
Angiitis versuch auf Chlum zu machon, welchem sich eines der bei dem ersten
Angriffe geworfenen Bataillone von Franz Carl ansehloss.
Außerdem vermochte ein anderes Bataillon von Franz Carl den zwischen
Chln m und Lipa besetzten Wald gegen andere preußische Abtheilungen noch
einige Zeit zu behaupten, welche von Osten direct zwischen den beiden Orten
gegen die rechte Flanke des III. Corps vordrangen.
Zugleich war es der südöstlich Chlum aufgestellten Brigade Appiano des
III. Corps möglich, sich in eine günstigere Stellung geordnet zurückzuziehen.
Endlich gewannen die westlich von Lipa stehenden Brigaden Prochazka und
Kirchsberg des IM. Corps Zeit, Front gegen Chlum zu nehmen, so dass eine der
Brigade-Batterien den Ort sogar geraume Zeit beschießen konnte und so den beiden
Brigaden ermöglicht wurde, sich in eine Stellung bei Rosnitz vollkommen
geordnet zurückzuziehen.
Kurz, die verderblichen Wirkungen des seitens der Spitzen der kronprinz-
lichen preußischen Armee erfolgten plötzlichen Rücken- und Flanken- Angriffs,
welcher zunächst das k. k. III. Corps zwischen Chlum und Lipa mit voller Wucht
traf, wurden von diesem Corps durch die Batterie Groeben im ersten Moment
abgewehrt und derart verringert, dass das Corps außer den 7 Geschützen dieser
Batterie nur noch zwei, überdies demontierte Geschütze an den Feind verlor und
bis zum Beginn des allgemeinen Rückzuges seine taktische Ordnung bewahren
konnte.
Da die Waffenthat des Hauptmanns von der Groeben sowohl hinsichtlich
des freien Antriebes, als des dabei bewiesenen Heldenmuthes, wie auch in Bezug
auf die erzielte wesentliche Verringerung der sonst unabwendbaren noch größeren
Nachtheile den Bedingungen der Ordens-Statuten des Maria Theresien-Ordens
entsprach, so schritt der Artilleriechef des III. Armee-Corps auf Grund des von den
Offirieren der nächstgestandenen Batterien und Augenzeugen der That verfassten
Spfcies facti (und zugleich Tapferkeits-Zeugnisses) bei dem Ordens-Capitel um die
Zuerkennung des Ritterkreuzes des Maria Theresien-Ordens an den Gefallenen ein,
um das Andenken des heldenmüthigen Kameraden selbst nach dem Tode gebü-
rend zu ehren.
Seine k. k. Hoheit der durchlauchtigste Corps-Commandant FML. Erz-
herzog Ernst selbst erklärte dieses Einschreiten einer Berücksichtigung des Ordens-
Capitels würdig.
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. und Erhabener Großmeister des
Maria Theresien-Ordens geruhte darauf über Votum des Ordens-Capitels kraft
Promotion CLXVI vorn 29. August 18G6 den auf dem Felde der Ehre gefallenen
Hauptmann August von der Groeben durch Zuerkennung des Klein-
kreuzes nach dem Tode zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu
promovieren und so die Manen dieses Helden zu ehren.
Digitized by Go<
364 OLXIV. bis rXXVHI. Promotion.
Bei der Verteidigung Tirols.
Die Verteidigung Tirols im Kriege von 1866 — bei der Übermacht der
Italiener schon von Anbeginn militärisch wie politisch hochwichtig -• gewann im
Verlauf«' der Kriegsereignisse für die Machtstellung der Monarchie im Snden ein«?
geradezu außerordentliche Tragweite.
Anfangs unter dem Oberbefehle Sr. k. k. Hoheit des FM. Erzherzogs
Albrecht, war GM. Frh. von Kuhn vom 9. Juli an selbständig mit dem Truppen-
Kommando in Tirol betraut. Seinem Befehle waren unterstellt, und zwar an regu-
lären Truppen: 12 Bataillone, 12*/6 Compagnien, 1 Escadron und C Batterien
mit 32 Geschützen in der Stärke von 16.485 Mann, wovon 12.22S streitbaren
Standes; — an Landes - Aufgebot : 35 Landesschützen -Compagnien mii
3.«>20 Mann, wovon 3.865 streitbaren Standes; — endlich 4 Freiwilligen-
Compagnien mit 611 Mann, wovon 600 streitbaren Standes. — Alles in allem
21.026 Mann mit 16.61)3 Streitbaren.
Außerdem betheiligte sich an der Vertheidigung Tirols die k. k. Flotille
auf dem Garda-See unter Commando des Corvetten-Capiläns Manfroni von
Manfort mit 6 Kanonen-Booten: Wildfang, Haufbold, Wespe. Uskoke.
Scharfschütze, Speiteufel, und mit 2 Raddampfern: Franz Joseph und
Hess; im ganzen mit 8 Kriegsschiffen.
Hie feindlichen Streitkräfte, zunächst. Freiwillige unter Garibaldi, welche
/.um Angriffe auf Tirol bestimmt waren, zählten anfangs gegen 40.000 Mann.
Außerdem verfügte der Feind auf dem Garda-See über 5 Kanonenboote.
Die in vier Vertheidiguugs-Abschnitte eingeteilte Südwest-Grenze von Tirol
wurde durch je eine Halbbrigade, und zwar nächst des Garda-Sees, in den Judi-
carien. am Sulz- und Noiis-Berge, endlich im Vinlschgau besetzt, während
zwei Reserve -Brigaden im Etseh-Thale und in Trienl Aufstellung nahmen.
Angesichts der Eröffnung der Feindseligkeiten wurde überdies der Land-
sturm von Lana, Kallern und Meran in der Stärke von 2600 Manu aufgeboten,
um nach Bedarf im Sulz-, Kons- und Ulteu-Thale verwendet zu werden.
Der erste kleine Zusammen! oQ fand am 21. Juni am Paso di Bruf-
fione statt.
Am 2t. Juni, dem Schlarhttage von Custozza, kam es in Tirol nur zu
einem geringfügigen Zusammenstoße in der .Nahe des Wurmser-Joches.
Am 2.">. Juni unternahm der Feind eine Kecognos« ierung am Ca ffaro, <lrang
gegen Darzo vor. wurde jedoch zurückgeworfen und Ins Ponte di Gaffaro
verfolgt
Daran! stellte Garibaldi infolge des Sieges bei Custozza am 25. die
gegen Tirol eingeleitete Offensive ein. zog die vorgeschobenen Ahtheilimgen zurück,
conrcnlrierte seine Haupt kratl. zwischen Lonalo und Desenzano und ließ
Brescia in Verteidigungszustand setzen.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und ltaiicu 1866. — Tirol.
365
Dafür ergriffen über Befehl des FM. Erzherzogs Albrecht gleichzeitig mit der
Süd-Armee auch die k. k. Truppen aus Tirol auf allen drei Linien »1er Südwest-
Grenze über den Tonale-Pass, über das Stil fser-Joch sowie zwischen dem
Chiese und dem Garda-See selbst die Offensive nacb der Lombard ie. I)a
inzwischen aber aueb Garibaldi am 29. wieder die Vorrückung aufgenommen
hatte, kam es nun zu einer Reihe von Zusammenstößen.
Zunörhst wurde in den Jud i < arien gekämpft, wo Gariba Idi selbst mil
einer Colonne von 2800 Mann vorrückte. Die Österreicher gierigen da in drei
Cnlonnen gegen Rocca d'Ani'o vor. Die mittlere in der Stärke von 4 Coin-
pagnien unter Hauptmann von Gredler warf im Gefechte am Monte Suello am
Ii. Juli, in welchem Garibaldi selbst leicht verwundet wurde, die feindliche
Colonne trotz deren fünffacher Übermacht zurück. Infolge dessen nahm da der
Gegner erst nach mehreren Tagen seine Vorrückung wieder auf. doch kam es
dann nur zu unbedeutenden Zusammenstößen am 7. und 10. Juli bei Lodrone.
Die über den Tonale in die Val Gamonica vorrückende k. k. Halbbrigade
warf den Feind in dem Gefechte bei Vezza am 4. Juli nach Edolo zurück.
Bei der über das Stilfser-Jocb gegen die Valtellina dirigierten k. k. Halb-
luigade kam es erst am 11. Juli zu Gefechten bei Ponte dcl Diavolo, Bagni
veechi und Spondalunga, wobei dem Feinde jenseits Spondalunga Halt
geboten wurde.
Durch diese Offensive der Vertheidiguiigs-Tmppen wurde der erste allgemeine
Angriff Garibaldis auf Tirol zurückgewiesen.
Da inzwischen infolge ungünstiger Nachrichten vom Kriegsschauplatze im
Norden die Süd-Armee ihre Offensive hatte einstellen müssen, waren auch die in
den Judicarien vorgerückten k. k. Truppen wieder in ihre ursprünglieben Auf-
stellungen zurückgegangen, um die nun voraussichtlichen verstärkten Angriffe
Garibaldis um so gesicherter abzuwehren.
Die ohnehin ungünstigen Verhältnisse der Verteidigung Tirols gestalteten
sa h bald noch weit schwieriger, indem infolge der Niederlage der Nord- Armee
der größte Theil der Süd-Armee an die Donau in Marsch gesetzt und Venetien
geräumt wurde. Nun hatten die, in Anlehnung an die Süd-Armee, zur Vertei-
digung von Tirol kaum ausreichenden Streitkräfte allein und in erster Linie den
Besitzstand und damit die Machtstellung der Monarchie im Süden gegen die
Wucht eines direeten. übermächtigen Angriffes zu behaupten. Während die Ver-
teidigung bisher hauptsächlich den Landestheil westlich der Etsch und des
Garda-Sees nach der Seite der Lombardie ins Auge zu fassen hatte, musslc
dieselbe nunmehr auch auf die Sicherung der ganzen Süd grenze nach der Seite
Venetiens bedacht sein.
Zunächst galt es jedoch, einer neuen Offensive des Feindes gegen die
Judicarien, die Val Ampola und Valle di Ledro entgegenzutreten, durch
welche Garibaldi am 10. Juli einen Weg nacliTrient sich zu bahnen beab-
sichtigte. Zu diesem Zwecke unternahmen die k. k. Truppen in der nächsten
Zeit bis zum 16. Juli wieder auf sämmtlichen Linien Offensivslöße. Einen derselben
Digitized by Google
36ß
CLX1V. bis CLXV1II. Prumoüon.
machte die k. k. llalbbrigade vom Stüfser-Joche bis Spondalunga. Einen
anderen unternahm die k. k. Halbbrigade vom Tonale gegen Vezza, ohne dass
es jedoch zum Gefechte kam. Den dritten führten im Chiese-Thal von Lardaro
getreu Conditio eine Halb- und eine Reservebrigade, welche bei Cimego und
Monte Castello, dann bei Storo und S. Lorenzo den Feind angriffen, während
eine llalbbrigade aus Valle di Ledro über Monte Giovo und Monte Rango
bei Conditio und Storo gegen dessen rechte Flanke wirkte. Nachrichten über
das Vordringen starker feindlicher Kräfte aus Venetien gegen die Val Sugana
und Val Arsa veranlassten den Abbruch des Unternehmens. Nachdem sich aber
jene Nachrichten nicht bestätigten, rückte am 18. Juli wieder eine Halbbrigade
aus Valle di Ledro vor, um den sowohl aus den Judicarien über Monte
Giovo als von dem Garda-See über Monte Notta gegen Valle di
Ledro vordringenden Feind anzugreifen. Infolge dessen kam es am 18. zu
Kämpfen auf dem Monte Notta, sodann bei Pieve di Ledro. Der Feind
drang mit so überlegeneu Kräften vor, dass sich die k. k. Truppen aus Valle
di Ledro auf den Monte Pichen zurückziehen mussten. Das seit dem 10.
eingeschlossene Fort Ampola fiel nach heftiger Beschießung am 19. in die
Hände des Feindes. Garibaldi beherrschte infolge dessen sowohl Val Am-
pola als Valle di Ledro und damit die ganze Verbindung zwischen dem ldro-
und Garda-See.
Um die Festsetzung des Feindes im Ledro- Thale sowie dessen Fortschritte
gegen das Etsch -Thal zu hindern, führte GM. Frh. von Kuhn nach dieser Richtung
rasch einen entscheidenden Schlag. Am 21. Juli, während in den Judicarien
eine Halb- und eine Reserve-Brigade gegen Conditio demonstrierte, griff gleich-
zeitig eine Brigade aus den Judicarien über den G000 Fuß hohen Monte
Pichea im Verein mit einer Halbbrigade und einer Seiten-Colonne die Haupt-
macht des Feindes im Valle di Ledro von drei Seilen, in der Hauptrichtung
gegen Fort Ampola, mit allem Nachdruck an. Dieses Unternehmen führte zu
einem vollständigen Siege, indem die Haupt-Coloniie unter Oberst Baron
Monlluisant Bececa und Locca trotz vier- bis fünffacher feindlicher Über-
macht erstürmte und dadurch der Offensive Garibaldis aus der Lombardie gegen
den Südwesten von Tirol Halt gebot. Der Gegner hatte so enorme Verluste erlitten,
dass Garibaldi am 22. sein Hauptquartier nach Conditio rückverlegte und sich
fortan auf belanglose Vorstöße beschränkte.
Der entscheidende Schlag gegen Garibaldi war auf diese Weise eben
geführt, als am 22. abends neuerliche, diesmal aber bestimmte Nachrichten bei
dem Truppeu-Coiiimando einlangten, dass die reguläre italienische Truppen-
Division Medici in der Val Sugana vordrang und die Val Arsa bedrohte. Der
Feind war mit 18 Bataillonen. 2 Escadronen und 3 Batterien (9000 Mann.
200 Reitern und 18 Geschützen) seit dem 20. von Citadella nördlich Paduas
gegen den Südosten von Tirol in forciertem Votrücken begriffen. Dieser Theil
des Landes hatte nur mit den inzwischen in Süd -Tirol eingetroffenen geringen
Verstärkungen unzulänglich besetzt werden können.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien I8ß6.
— Tirol.
367
Am 122. hatte der Feind die von der k. k. Halbbrigade aus der Val Sugana
jenseits der Tiroler Südgrenze gegen Bassano vorgeschobenen Abtheilungen
trotz hartnäckigster Gegenwehr in den Gefechten von Cismone, Primolano
und Lc Tezze bis Borgo zurfiekged rängt. Am 23. vertheidigten die k. k. Truppen
gegen fünffache Obermacht Borgo aufs äußerste, mussten sich jedoch schließlich
bis Levico zurückziehen. Dort wurden dieselben von der inzwischen aus Trient
vorgesendeten und gefechtsbereit aufgestellten Verstärkung aufgenommen und
nahmen selbst noch einmal gegen 9 Uhr abends Stellung. GL. Medici grill'
Levico noch am Abend des 23. gegen iO Uhr von allen Seiten an. Nach
äußerster Gegenwehr, welche sich theihveise bis zu erbittertem Handgemenge
steigerte, mussten die k. k. Truppen um 11'/, Uhr auch Levico. gleichwie
successive die umliegenden Höhen räumen und zogen sich in der Nacht vom
23. auf den 24. bis Pergin e zurück. Am 24. morgens musste, da die Terrain-
Verhältnisse die Behauptung von P ergine gegen den so sehr überlegenen Feind
erschwerten, der Rückzug bis Civezzano fortgesetzt werden. Dort aber wurde
alles zur hartnäckigsten Vertheidigung vorbereitet. Die Division Medici brach
erst um Mittag des 24. von Levico auf und rückte mit den Vortruppen bis
Viarago-Vigalzano vor, während das Gros in Pergine hielt.
Zur Zeit dieser Kämpfe in der Val Sugana hatte das Truppen-Commando.
gegenüber dem Corps Garibaldis im Südwesten Tirols nur circa 2000 Mann
belassend, alle übrigen Kräfte gegen den Südosten des Landes, zunächst nach
Trient dirigiert. Während in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli und an dem
letzteren Tage die Goncentrierung der Truppen bei Trient mit äußerster An-
spannung aller Kräfte ausgeführt wurde, hatte das Truppen-Commando am 23.
überdies 2 Bataillone aus Verona mittels Eisenbahn nach Trient gezogen, welche
— wie oben erwähnt - schon am 23. abends bei Levico mit eingriffen.
Angesichts der erdrückenden Obermacht, welche der Feind nun gegen Süd-
Tirol aufbot — 50.000 gegen circa 14.000 Mann — ermächtigte das Ober-
Commando der operierenden Armee an der Donau am 23. das Truppen-Com-
mando in Süd-Tirol, sich nötigenfalls an die Eisack-Linie zurückzuziehen. Das
Letztere traf zwar hiezu alle notwendigen Einleitungen, gleichzeitig aber auch
alle Maßregeln, um Trient bis zum äußersten zu vertheidigen. Trient selbst
wurde schleunigst in Verteidigungszustand gesetzt.
Inzwischen versammelte sich bei Trient vom Südwesten Tirols der größte
Theilder kaiserlichenTruppen. Schon am Morgen des 24. Juli besetzten Abtheilungen
die südöstlichen Höhen bei Vigolo. Als um 6 Uhr nachmittags des 2 k die Meldung
vom Einrücken des Feindes in Pergine eintraf, wurden auch die nördlich von
Trient liegenden Höhen bei Martignano und Gardolo besetzt.
Während auf diese Weise der äußerste Widerstand bei Trient vorbereitet
wurde, erhielt das Truppen-Commando um 8 Uhr abends des 24. die telegraphische
Verständigung des FM. Erzherzogs Albrecht, dass am 25. Juli Waffenstillstand
eintreten weide, wobei die beiderseitigen Armeespitzen in ihrer eingenommenen
Aufstellung stehen bleiben sollten.
Digitized by Go<
368
CLXIV. bis GLXV1II. Promolion.
Infolge dessen trachtete das Truppen-Commando, die Zeit bis zum Anbruch
des Waffenstillstandes noch thunlichst zu benutzen, um nicht nur die stellenweise
verlassenen Grenz-Rositionen im Südwesten, sondern auch soviel Terrain als
möglich gegen Südosten wieder zu gewinnen. Die in der Vorposition bei Civez-
zano stehenden Truppen wurden angewiesen, im Falle eines feindlichen Angriffs
hartnäckigsten Widerstand zu leisten. Die Truppen in Trient hielten in der
Nacht vorn 24. auf dem 25. Juli vollste Gefechtsbereitschaft.
In der That leitete GL. Medici am 25. Juli vormittags den Angriff auf
die Stellung bei Trient. zunächst auf Val Sorda, gegen den äußersten
rechten Flügel der vordersten Vertheidigungs-Linie ein. Trotz Überlegenheit
und dreimal wiederholten Angriffs warfen die k. k. Truppen den Feind zurück,
verfolgten ihn bis Vigolo und verdrängten ihn auch aus diesem Orte. Das
Truppen-Commando disponierte Truppen und Geschütze zur Verstärkung des
rechten Flügels. Nachmittags aber, als eine Colonne des Gegners gegen das
Centrum bei Roncogno vorrückte und das Gros der Division Medici behufs
Unterstützung ihres linken Flügels von Pergine gegen Vigolo aufzubrechen
im Begriffe war. trafen beiderseits Weisungen ein, dass Waffenruhe auf 8 Tage
einzutreten habe. Vigolo blieb bei Abbruch der Feindseligkeiten im Besitz der
k. k. Truppen.
Während all der Kämpfe zu Lande hatte auch die k. k. Flotille auf dem
Garda-See au der Verteidigung von Tirol wirksamen Antheil genommen.
Ununterbrochene Kreuzungen entlang der lombardischen Westküste des Garda-
Sees von Desenzano im Süden bis gegen Riva im Norden, größtentheils unter
dem Feuer der feindlichen Strandbatterien, verhinderten jedwede Landung des
Feindes an der venetianischen Ostküste, sowie jedwede Unterbrechung der Ver-
bindung Süd-Tirols mit Verona. Gleichzeitig wurden die Operationen der Frei-
scharen Garibaldis nächst des Garda-Sees auf die Judicarien und die Valle
di Ledro beschränkt, indem die k. k. Kanonenboote nicht nur die feindlichen
Schiffe durch wiederholte Kämpfe von der offenen See in den Hafen von Salo
zurücktrieben und in demselben förmlich blockierten, sondern auch zu Land die
Benützung der entlang der Westküste des Garda-Sees führenden Communa atioiien
seitens feindlicher Streitkräfte verhinderten. Am 20. Juli eroberten die k. k.
Kanonenboote Scharfschütze und Wild fang — unter dem Feuer italienischer
Freiwilligen und einer feindlichen Strandbatterie bei Gargnano — den italieni-
schen Dampfer Benaco. Am 25. und 20. Juli, als eine starke Garibaldi'sche
Colonne aus der Valle di Ledro hervorzubrechen, auf der l'onale-Straße einen
Überfall aut Riva auszuführen und sich dieses wichtigsten Küstenpunktes Süd-
Tirols noch im allerletzten Augenblicke vor Eintritt des Waffenstillstandes zu
bemächtigen suchte, wurde dies durch die k. k. Kanonenboote Speiteufel,
Uskoke und Wespe vereitelt.
Nach Feststellung der Demarcationslinie befand sich der Feind, und zwar im
Süd-Osten Tirols zwei Märsche weit diesseits der Grenze in der Val Sugana, im
Süd-Westen einen halben Marsch weit diesseits der Grenze in den Judicarien,
Digitized by Google
Im Kriege gegen IVcußcn und llalie» 1806. — Tin..].
3o9
wogegen die k. k. Truppen am Tonale- und Stilfser-Joche jenseits der Grenze
standen, demnach lombardisches Gebiet besetzt hielten.
Die Waffenruhe ward zur thunlichsten Erhöhung der Verlheidiguiigsfähig-
keit Tirols benutzt. Zahlreiche Stellungen in den Thfdern und Pässen wurden neu
befestigt, die bestehenden Schanzen verstärkt, die Communicationen in denSeiten-
tbälern ungangbar gemacht, endlich Trient durch Anlage von Außenwerken und
deren Armierung mit 27 von Verona herangezogenen schweren Geschützen zu
einem ansehnlichen Waffenplatze gestaltet. Einem von Seiner Majestät dem Kaiser
ergangenen Aufrufe, den heimatlichen Boden auf das hartnäckigste zu verthei-
digen, folgte das treue, kriegerische Gebirgsvolk Tirols mit Begeisterung. Speciell
die Bevölkerung Süd-Tirols stellte zu dem aufgebotenen Landsturm binnen
48 Stunden über 2.200 Mann. Durch Versetzung von zwei Bataillonen mit einer
Batterie aus Verona und einer Brigade von der Donau naeh Tirol wurden die
Yertheidigungs-Truppen auf 19.000 Mann gebracht, ferner die Landesschützen-
C.onipagnien in acht Bataillone formiert und diese, gleich den Scharfschützen und
Freiwilligen, zu den vorhandenen vier llalbbrigaden und vier Brigaden eingethcilt,
endlich auch sonst alle Vorbereitungen getroffen, um die Division Medici in
der Val Sugana sofort nach Ablauf der Waffenruhe kräftigst anzugreifen.
Die Waffenruhe wurde jedoch am 2. August auf weitere acht Tage verlängert.
Am 10. August standen gemäß den vom Ober-Conimando der operierenden
Armee ergangenen Weisungen 18.000 Mann (ohne Landsturm) mit 42 Geschützen
bereit, die kräftigste Offensive gegen die Division Medici in der Val Sugana zu
eröffnen.
Infolge der inzwischen fortgeführten Verhandlungen räumte jedoch die
Division Medici am 10. August die Stellung bei Pergine und am 11. überhaupt
die Val Sugana gänzlich; gleichzeitig zogen sich an letzterem Tage auch die
Freiwilligen Garibaldis im Südwesten von Tirol zurück. •
Die am 11. August gegen die Val Sugana vorrückenden k. k. Truppen
stießen demzufolge auf keinen Feind mehr.
Am 13. August begann, gleichwie am Isonzo und auf dem Adrialisr hen
Meere, auch in Tirol ein vierwöchenllicher Waffenstillstand, während dessen
der Friede mit Italien zustande kam.
So hatten die k. k. Truppen, von «1er k. k. Flotille und der kämpf-
bewäluten Bevölkerung Tirols unterstützt, gegenüber mehr als doppelter, zum
Schlüsse sogar dreifacher Übermacht, Süd-Tirol für Kaiser und Deich tapfer
vertheidigt und Besitzstand wie Machtstellung der Monarchie im Süden siegreich
behauptet.
Infolge der bei der Vertheidigung Tirols geführten Kämpfe der k. k. Truppen
und der k. k. Flotille wuchsen dem Maria Theresien- Orden 1 Commandeur
und 3 Bitter zu.
Militiri-clicr Muri« Tlicrc^i- n-OrJ. ti.
21
S
Digitized by Go
370
C.LXIV. bi* U.XVII1. ho.uotiun.
— Im Kriege von I8G0.
— Tirol.
Commandeur des Maria Theresieii-Ordeiis
Franz Freiherr Kuhn von Kuhnenfeld.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1S67.)
Sohn eines Majors — welcher vom Cadelen bis zum Hauptmann alle Feldzüge
von 1702 bis inclusive 1813 mitgemacht und wegen seiner Tapferkeit, namentlich
bei Erstürmung der Lauterburger und Weißenburger Linien 1793 und in der
Schlacht bei Dresden, in welcher er mit seiner Division den Rückzug des Regi-
ments Kaiser-Infanterie Nr. 1 gegen anstürmende feindliche Gavallerie deckte, in
der Geschichte des Regiments rühmend genannt wird. Franz von Kuhn wurde
am 25. Juni 1817 zu Prossnitz in Mähren geboren, erhielt militärische Erziehung
und Bildung, wurde aus der k. k. Milit är- Akademie zu Wiener-Neustadt, zu
deren ausgezeichnetsten Zöglingen er zählte, am 27. September 1837 ausgemustert
und kam als Unterlieutenant zum 1. Infanterie-Regiment. Im Jahre 183'.) dem
Generalstabe zugetheilt, am 18. December 1813 zum Oberlieutenant befördert
und definitiv zum General-Quartiermeister-Stab übersetzt, machte er den Krieg
gegen Piemont iti den Jahren 181-8/49 und die demselben vorangegangenen
Straßenkämpfe während der Revolution in Mailand vom 18. bis 21. März mit.
Am 19. abends zerstörte Oberlieutenant von Kuhn in Mailand mit zwei
Zwölfpfündern und einer Division Geppert-Infanterie im Kampfe gegen die aus den
Häusern feuernden Aufständischen eine Rarricade nächst des Platz-Gommandos.
wodurch dessen Verbindung mit dem Gastell hergestellt wurde. In der Nacht
dem zur Verteidigung der Piazza d'armi bestimmten Detachement zugetheilt,
säuberte er am 20. früh mit zwei Raketen-Geschützen, die er auf dem Arco della
Face aufstellte, die bei der Arena liegenden Häuser Rorgo Ortolani von den dort
eingedrungenen Schweizer-Insurgenten. Am 20. vormittags zerstörte er mit zwei
C.ompagnien Infanterie, zwei Zwölfpfündern und zwei Raketen-Geschützen die
nächst des Ponte vetro errichtete Barricade. brachte das seitens der Aufständischen
gegen den Caslell-Platz unterhaltene Feuer zum Schweigen und zwang den nächst
der Carmine-Kirche liegenden Stadttheil, mittags die Feindseligkeiten einzustellen
und um Gnade zu bitten. Am 21. abends zerstörte er mit zwei Compagnien Infan-
terie, zwei Zwölfpfündern und zwei Raketen-Geschützen unter lebhaftem Kampfe
mit den Aufständischen, eine stärkt; Barricade nächst Ponte S. Marco, wobei er
einen Prellschuss an die Hrust erhielt. Sodann drang er unter fortwährendem
Kampfe mit den aus Häusern und von Barrieaden gegen die Truppen feuernden
Aufständischen zum Militär-, und unter Fortsetzung des Gefechtes bis in die Nacht
bis zum Platz-Cnmmando vor. Die Besatzung des letzteren war von den Auf-
ständischen bereits tags zuvor aufgehoben worden, doch gelang es, einzeln zurück-
gebliebene Soldaten zu retten. Die aus einer Infanterie- und einer Grenadier-
Gompagnie gebildete Besatzung des Militär-Gommandos wurde befreit und mit
derselben wie mit der eigenen Truppe der Rückzug ins Gasteil bewirkt, wo Kuhn
um 1 1 Uhr nachts eintraf.
Digitized by Google
Digitized by G<
Digitized by Google
Commandern des M. T. O. Frim/. Freiherr von Kuhn.
371
Am März wurde Oberlieutenant Kuhn der Brigade Oberst Zobol zuge-
wiesen, welche hei der Räumung Mailands und während des Rückzuges nach
Verona sämmtliche Hofwägen mitfühlte. Bei der Porta Gomasina, wo die;
Passage durch eine Barricade gesperrt war und die Truppe beschossen wurde,
ließ Kuhn durch eine Compagnie Kaiserjäger das von Insurgenten Garibaldis
hesetzte Thor erstürmen, und dasselhe solange hesetzt halten, bis die Brigade mit
dem Convoi der Ilofwägen, welche letztere Kuhn im Trabe darauf losfahren ließ,
die gefährliche Stelle passiert hatte.
Am 23. März auf dem Rückzüge vor Melegnano angelangt, fand man
diesen Ort von Insurgenten besetzt. Da die an der Tete marschierende Brigade
UM. Graf Samuel Gyulai keinen Angriff wagte, um nicht die in den Ort unvor-
sichtig vorgegangenen Herren, den Chef des (leneralstabs der Armee, Obersten
(trafen Wratislaw und Hauptmann (irafen Gastiglione, welche von den Insurgenten
gefangen genommen wurden, zu gefährden, richtete Oberlieutenant von Kuhn die
Haubitzen der Brigade-Batterie gegen das an der Südseile des Ortes gelegene
große HeiTschafts-(iebäude und ließ das Feuer eröffnen. Gleichzeitig dirigierte er
je eine Division Infanterie in die Flanken des Ortes, worauf der Ort vereint mit
der Brigade (iyulai genommen wurde.
Weiter wohnte Oberlieutenant von Kuhn den Alfa iren von Valeggio und
Monzamhano am '.>. April bei.
Am 15. April zum Hauptmann im General-Ouarlierincislcr-Stabe befördert,
machte er am 20. April, dem Obersten Heintzel als Generalstabs-OfhVier beige-
geben, die Expedition gegen Be vi lac qua mit, um die dort eingenistet en Insurgenten
aufzuheben. Durch zwei Raketen-Geschütze, welche Hauptmann von Kuhn sehr
günstig aufstellte, wurde sowohl der vom Feinde besetzte Fluss Fratta sowie das
befestigte Bevilacqua von den Insurgenten gesäubert.
In der Schlacht bei S. Lucia am (j. Mai trug Hauptmann von Kuhn wesent-
lich dazu bei, dass dieser Ort auf das kräftigste vertheidigt wurde. Die Brigade
(.traf Slrassoldo. nur aus zwei Bataillonen, einer Kscadron und sechs Geschützen
bestehend, befand sich auf Vorposten, ohne jedoch den Befehl zu haben. S. Lucia
um jeden Breis zu behaupten. Hauptmann von Kuhn stellte die Dringlichkeit,
den Ort zu veitheidigen, lebhaft dar. und bestand, obgleich derselbe von bedeuten-
der Übermacht — drei Brigaden und zwei sechzehnplündigen Batterien — an-
gegriffen wurde, auf der Erhaltung des Ortes als Schlüsselpunktes der ganzen
Stellung am Ridean von Verona. Während des Kampfes führte er im feindlichen
Infanterie-Feuer die im Rückzug begriffene Batterie wieder vor, wodurch es ermög-
licht wurde, den Ort über drei Stunden gegen solche f hermacht zu behaupten.
Als die Brigade endlich weichen musste, gieng sie nur bei 1500 Schrillt: an
das Rideau zurück, wo sie erneuert Stellung nahm.
Hauptmann von Kuhn erwirkte es, dass ein Vorstoß mit einer anderen Brigade
gegen den rechten Flügel des Gegners unternommen wurde und dirigierte ein
Bataillon dieser Brigade selbst gegen Casa Roveggio. Zur eigenen Brigade
zurückgekehrt, wurde letzlere kurz darauf von einem sehr heftigen Kleingcwvhr-
2f
Digitized by Google
CLX1V. I>is OLXVIII. Proinulion. - Int Kriege von lSGfi. — Tiiol.
fcuer beschossen, wobei GM. Graf Salis und der Brigade-Adjutant verwundet
wurden. Während Kuhn wieder vorwärts ritt, um nach der Ursache zu forschen,
kam Rittmeister Brähling mit dem Befehle des Corps-Commandanten GdC. Grafen
Wratislaw, dass die Brigade sich nach Verona zurückziehen solle, da die Brigade
GM. Graf Glam bis zum Rondell vor Porta nuova zurückgeworfen sei.
Diesen Befehl überbrachte Hauptmann Kuhn nicht — die Brigade blieb in
ihrer Aufstellung.
Gleichzeitig kam Hauptmann Steinhauser, vom Corps-Commandanten FML.
Frh. d'Aspre gesendet, um, da das Corps sich nicht halten könne, bei dem Mar-
schall Grafen Radetzky den Rückzugsbefehl zu erbitten. Da dies zu lange gedauert
hätte, so schrieb Hauptmann von Kuhn eine Aufforderung an das II. Corps, um
jeden Preis stehen zu bleiben und womöglich selbst vom rechten Flügel aus
offensiv vorzugehen. Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Ernst, welcher anwesend
war und dem Hauptmann von Kuhn auch das Zeugnis über diese wichtige! That
unterschrieb, erlaubte, dass Major Graf Stürgkh, Dienstkämmerer bei Sr. kaiser-
lichen Hoheit, das Schreiben an d'Aspre selbst überbrachte.
Major Graf Stürgkh traf die Batterien des Corps bereits im Rückzüge; im
Smne des Auftrages ertheilte er ihnen den Befehl, sogleich in ihre frühere Stellung
zurückzumarschieren, und überbrachte jene Aufforderung dem Commandanten
des II. Corps.
Als abends ein Grenadier-Bataillon zur Unterstützung der Brigade anlangte,
drang Hauptmann von Kuhn an der Spitze dieses Bataillons in S. Lucia ein,
welcher Ort jedoch bereits vom Feinde verlassen war.
Wie das dem Hauptmann von Kuhn ausgestellte Zeugnis darthut, hatte der-
selbe wesentlich zur Erhaltung des Rideau und der auf demselben gelegenen
Orte, besonders des Schlüsselpunktes S. Lucia, beigetragen, wodurch ein bedeu-
tender Umschwung in den strategischen Verhältnissen erzielt und auch auf die
politischen Verhältnisse der Monarchie eingewirkt wurde, da mit dem Falle des
Rideau auch jener Veronas, welches nur auf kurze Zeit verpflegt war, wahr-
scheinlich bald erfolgt wäre.
Obgleich Hauptmann von Kuhn für sein Wirken in der Schlacht bei Mai-
land am 1. August um das Theresienkreuz eingekommen war, wurde ihm dasselbe
vom Ordens-Capilel doch für die Schlacht von S. Lucia einstimmig zugesprochen.
In dem Treffen von Montanara am 29. Mai war durch die starke Stellung
des Gegners das Gefecht nach zwei abgewiesenen Stürmen zum Stillstande gebracht.
Es war ungefähr 1 Uhr nachmittags als der Brigade-Adjutant des Fürsten Friedrich
Liechtenstein erschien und meldete, dass die Brigade bis Silvestro vorgedrungen
sei, ohne auf den Feind zu stoßen, und erbitte sich weitere Verhaltungsbefehle.
Hauptmann von Kuhn schrieb den Befehl, dass die Brigade Fürst Liechten-
stein sogleich nach Erhalt dieses Befehles mit drei Bataillonen, zwei Escadronen
und der Batterie die um jene Zeit trockenen Valli übersetzen und Montanara
in Flanke und Rücken angreifen solle. Als nach 3 Uhr noch innner nichts vom
Eingreifen der Brigade Liechtenstein zu hören w;u*, und Oberlieutenant Maravich
Digitized by Google
CininuDdcur des M. T.-O. Franz Freiherr von Kulm. • 373
aus dem Hauptquartier ankam, um über den Stand des Gefechtes Erkundigungen
einzuziehen, ersuchte ihn Hauptmann Kuhn, sogleich zur Brigade des Fürsten
Liechtenstein zu reiten und diesen aufzufordern, den Befehl, den der letztere
längstens y22 Uhr erhalten haben müsse, sogleich in Vollzug zu setzen. Erst jetzt
setzte sich die Brigade in Bewegung, erstürmte Montana ra vom Bücken aus
und nahm sämmtliche dort aufgestellten feindlichen Geschütze.
Am 30. Mai kämpfte er in dem Treffen bei Goito.
Bei Vicenza am 10. Juni führte Hauptmann Kuhn die der Brigade Graf
Strassoldo beigegebene Baketenbatterie des Oberlieutenanls Biedermann freiwillig
auf die Flöhen Monte bella vista, stellte sie neben der zwölfpfündigen Batterie
des Hauptmann Schneider auf. Dieselbe trug durch die vortreffliche Wirkung der
Baketengeschosse wesentlich dazu bei, dass die von den Schweizern so tapfer ver-
theidigte Schanze schließlich genommen werden konnte. Als endlich auch die Kirche
Madonna del Monte erstürmt war, führte Hauptmann von Kuhn eine Haubitzr
Batterie auf der Höhe auf, welche Vicenza bis tief in die Nacht hinein mit Gra-
naten bewarf.
In der Folge nalim Hauptmann von Kuhn auch auf die Kämpfe von Somma-
campagna und Custozza ;im 23., 2i. und 25. Juli durch seine besonnene Um-
sicht und Tapferkeit wesentlichen Einfluss.
Am 23. Juli abends erhielt die Brigade Strassoldo den Befehl, vereint mit
der Brigade Graf Glam den Monte vento anzugreifen, den definitiven Befehl zum
Angriff aber noch abzuwarten. Die Brigade stand in Marsch-Colonne bereit, als der
zweite Befehl dahin lautete, dass, auf Nachrichten basiert, die den Berg als stark
besetzt angaben, und bei dem Umstände, als die Truppen der Brigade Clam von
dem starken Marsche sehr ermüdet seien, der Angriff am 23. zu unterbleiben, die
Brigade Strassoldo eine Defensiv-Stellung bei Valpezzone zu beziehen, und den
Befehl zum Angriff am nächsten Tage abzuwarten habe. Nachdem Kuhn diese
Stellung ausgesucht, recognoscierte er allein den Monte vento. fand denselben
nicht mit Batterien besetzt, und schloss daraus, dass der Feind auf dem Berge nicht
sehr stark sein, der Monte vento also noch am 23. leicht genommen werden
könne. Er machte seinem Brigadier den Vorschlag, diesen Punkt als äußerst wichtige,
Valeggio und die vorliegende Ebene des Prabiano dominierende Stellung noch
am 23. anzugreifen, da vielleicht der Feind den Berg, eben seiner Wichtigkeit
wegen, in der Nacht stark besetzen und die Erstürmung am kommenden Morgen
sehr erschweren, vielleicht ganz unmöglich inachen könnte. Nach mehrmaligen
Vorstellungen Kuhns über die Wichtigkeil des Unternehmens bewilligte endlich
General Graf Strassoldo den Angriff auszuführen. Das 10. Jäger-Bataillon gieng in
Divisions-Colonnen in der Front zum Angriff vor, gefolgt vom 1. Bataillon des
17. Infanterie-Begiruents Hohenlohe, während Kuhn das 2. Bataillon dieses Begi-
ments, von Major Härtung befehligt, in die Flanke führte. Am Fuße des Beiges
angekommen, erhielt er einen abermaligen Befehl, nicht weiter vorzudringen, da
es bereits dunkel zu werden anfieng, und an diesem Tage keinen Schnss mehr zu
thun. Er versprach das letztere genau befolgen zu wollen, äußerte sich jedoch,
Digitized by Google
371 <:LXIV. bis CI.XVIIl. Promotion. - Im Kriege von ISfifi. Tirol.
am Fuße des Berges nirlit stellen bleiben zu können, und bemächtigte sich stür-
mend noch um 10 Uhr nacht» der wichtigen Höhe. FM. Graf Radotzk y, orfreut
vlber diese Unternehmung, bedankte sich am folgenden Tage bei General Slrassoldo:
dieser erwiderte jedoch vor der ganzen Suite: , Nicht mir, sondern dem Haupt-
mann Kuhn gehurt das Verdienst. •
Infolge dieses glücklichen Coups verließ der Feind auch Valeggio, welches
dadurch ohne Schwertstreich besetzt und von Kuhn in der Nacht und am Morgen
»ler Schlacht von Gustozza zu einer hartnäckigen Vertheidigung hergerichtet
winde. Her feindliche General Bava wollte es am 25. Juli forcieren, um die Verbin-
dung mitSonnaz, der beiVolta stand, herzustellen. SeiueAnstrengungenscheiterlen
jedoch an der Tapferkeit der Besatzung.
In der Schlacht von Gustozza am 25. Juli schloss sich Kuhn freiwillig dem
Recognoscierungs-Conunando des Obersten Wyss von Er/herzog Garl-Uhlanen au,
welches rechts von der gegen Villafranca führenden Straße aus Valeggio
vorrückte. Da Oberst Wyss mit seiner Truppe von Casa Ghirla tausend Schritt«'
entfernt stehen blieb, unternahm Kuhn eine Recognoscieruug bis an das die Ebene
Prabiano einschließende Rideau, wo er, etwa 700 bis 800 Schritte von dem-
selben entfernt, eine mehrere Tausend Manu starke feindliche Colonne gewahrte,
welche auf der Straße nach Villafranca und der Wiese sorglos stand. Aus eigenem
Antriebe führte Kuhn ohne Bedeckung die beiden, dein Detachemont beige-
gebenen Gavallerie-Geschütze in aller Eile bis au das Rideau vor. und ließ ein so
schnelles und wohlgezieltes Feuer gegen diese Colonuc eröffnen, dass sie nach
einer kleinen Stunde im buchstäblichen Sinne des Wortes auf dem Prabiano
zerstreut, gegen Villafranca flüchtete. Der Feind hatte zwar diesem mörderischen
Feuer jenes aus mehreren Batterien entgegengesetzt, konnte aber der günstigen
Stellung wegen den österreichischen Geschützen keinen Schaden zufügen. Dies
hatte sich ungefähr um 5 Uhr nachmittags zu einer Zeit ereignet, als die Piemon-
tesen Gustozza noch besetzt hielten. Wie deutlich zu sehen war, verließen sie
infolge dessen in aller Eile Gustozza und eilten gleichfalls gegen Villafranca
zurück. Der von Hauptmann von Kuhn mit großer Umsicht ausgeführte über-
raschende Artillerie-Angriff* bewirkte die Zerstreuung der feindlichen Reserve-
Golonnen und nahm so auf die Räumung der Höhen von Gustozza wesentlichen
Einfluss. Als um diese Zeil die letzte Brigade des II. Armee-Corps — Brigade Fürst
Edmund Schwarzenberg — zum Angriffe auf die Höhen bei Gustozza vorgieng,
fand sie keinen Widerstand mehr, was auch daraus erhellt, dass die Brigade mü-
den Verlust von 1 Todten und 3 Verwundeten aufzuweisen hatte. Der Feind war
eben infolge der Ereignisse auf dein Prabiano abgezogen.
Ferner kämpfte Hauptmann von Kuhn in den Gefechten bei Creinona am
30. Juli, bei Basiasco und Turano vor Lorii am L\ August, endlich neuerdings
mit hervorragender Umsicht und Tapferkeit in der Schlacht bei Mailami am
4. August.
An der Spitze der Avantgarde der Brigade GM. Graf Strassoldo reitend und
auf der von Melegnano nach Mailand führenden Straße bei Casa Palma
Digitized by Google
Cummamleur des M. T.O. Fruiu Freiherr von Kulm.
375
angelangt, erblickte Kulm hinter Laubwerk bei Casa Ganibaloita verdeckt auf-
gestellte feindliehe Geschütze. Um sieh hievon, sowie von der Aufstellung des
Feindes naher zu überzeugen, ritt er nueh weiter vor, erstattete sodann dem
Brigadier mündlichen Rapport, worauf zwei Sechspfünder der Fußbatterie Nr. 2
vorgeführt, drei Compagnien des 10. Jäger-Bataillons links, 3 rechts der Straße
zur Tournierung und Vertreibung dieser feindlichen Geschütze vorgesendet wurden.
An der Tele der links der Straße vorrückenden Compagnien gieng Kulm
selbst bis ungefähr auf gleiche Höhe von Nosedo vor; hier wurde die Colonne
jedoch in Front und Flanke derart beschossen, dass ein weiteres Vordringen
unmöglich ward.
Eine in die Flanke entsendete Patrouille meldete, dass der Feind vor Nosedo
mit zwei Batailloneu und einer Batterie stehe. Kuhn ließ nun die drei Jäger-
Compagnien hinter einem Erdaufwurfe halten, eille im Laufschritte, da das Beiten
wegen der zu durchwatenden vielen Gräben unmöglich war. zurück, führte das
3. Bataillon Warasdiner Kreuzer vor und stellte es links der inzwischen durch die
Übermacht des Gegners zurückgedrückten drei Jüger-Compagnien im Haken auf,
um dem Übergreifen des Feindes, der die linke Colonne gegen die Straße zu
werfen beabsichtigte, Einhalt zu thun.
Da der Feind trotz der Statthaftigkeit der k. k. Truppen seine Überflügelung
fortsetzte und dieselben immer mehr gegen die Straße drückte, führte nun Kuhn
selbst das -2. Bataillon Hohenlohe und zwei Compagnien Oguliner in die feindliche
Flanke, ließ eine doppelte Kette formieren und brachte so das Gefecht für den
Moment zum Stehen.
Die Notwendigkeit erkennend, dass der Feind aus der Flanke der k. k.
Truppen verlrieben werden müsse, damit dieselben wieder die Offensive ergreifen
konnten, und überzeugt, dass der Gegner einem entschlossenen Bajonnett-Augriffe
schwerlich widerstehen dürfte, ließ Kuhn Sturmstreich schlagen, den linken Flügel
vornehmen und stürmte sodann gegen den Feind, der über Nosedo und Betto-
liuo hinaus zurückgeworfen wurde. Durch dieses entschlossene, mit unwider-
stehlicher Tapferkeit ausgeführte Vordringen Kuhns wurde die bei Casa Gani-
baloita aufgestellte sechzehnpfündige piemontische Batterie von ihren eigenen
Truppen entblößt und so auch den drei Jäger-Gompagnien ermöglicht, wieder
vorwärts zu dringen und vereint mit zwei Compagnien des 2. Bataillons Hohen-
lohe die feindliche Batterie mit sämmtlicher Bedienungsmannschaft und Be-
spannung gefangen zu nehmen.
Da die genannten Truppen bei dem vorangegangenen heftigen Feuerkampfe
sich beinahe ganz verschossen hatten, nahmen sie in der geräumigen Casa
Ganibaloita Stellung. Einem verheerenden Kanonenfeuer von Porta Romana
her ausgesetzt, gerieth die Colonne auf dem weit vorgeschobenen Punkte in Gefahr,
nicht nur wieder zurückweichen zu müssen, sondern auch die eroberten Kanonen
zu verlieren, falls der Feind die Offensive mit Krall ergreifen sollte.
Die dringende Notwendigkeit erkennend, dass eine Unterstützung heran-
gezogen werden müsse, wenn der errungene große Vortheil nicht wieder verloren
Digitized by Google
37G
(XXIV. bis «XXVIII. I'iomolion. — Im Kriege von 1800. — Tirol.
gehen sollte, eilte Kuhn im heftigsten feindlichen Gesehützfeucr nach Nosedo,
führte von der dort inzwischen angelangten Avantgarde des II. Armee-Corps ein
Bataillon Erzherzog Emst-Infanterie vor und stellte es vor Casa Gambaloita
zur Deckung dieser Örtlichkeit auf.
Die Brigade Slrassoldu war auf diese Weise bei zwei Stunden allein im Ge-
fechte. Sie hatte in dieser Zeit die Stellung des Feindes, der von Vigentino über
Casa Gambaloita gegen Gastegnedo und Golombo gestanden war, ehe noch
«•ine andere Brigade ins Feuer kam, gesprengt und eine sechzehnpfündige Batterie
von acht Geschützen mit Munitions-Karren und Bespannung gefangen genommen.
Zu diesem großen Erfolge trug Hauptmann von Kuhn durch rasches Erfassen
der Gefechtslage, rücksichtslose Entschlossenheit und Tapferkeit, sowie «lurch
rastlose Thätigkeit und wiederholtes Vorführen frischer Truppen im heftigsten
Feuer entscheidend bei.
Für sein Verhalten in diesem Feldzuge wurde dem Hauptmann von Kuhn
am 26. Mai 1848 die Allerhöchste Belobung, am 30. September 1848 überdies
die Auszeichnung mit dem Orden der Eisernen Krone III. Classe zutheil.
Ferner geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. den Hauptmann
von Kuhn, der sich, wie erwähnt, auf Grund seiner Waffenthat in der Schlacht
bei Mailand um die Aufnahme in den Maria Theresien-Orden bewarb und dem
die Ordenswürdigkeit schon für die Schlacht bei S. Lucia durch einstimmiges
Votum des Ordens-Capitels zugesprochen wurde, kraft Promotion CL1II. vom
29. Juni 1849 zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Im Feldzuge von 1849 machte Hauptmann von Kuhn die Gefechte von
Gambolö und BorgoS. Siro am 21. März mit; bei dem Sturmangriffe auf den
letzteren Ort stellte er sich freiwillig mit an die Spitze einer Compagnie des
10. Jäger-Bataillons und feuert«' die stürmende Truppe durch sein todesveracli-
tendes Beispiel zu unwiderstehlichem Vorgehen an.
Sodann betheiligte er sich an der Expedition in die Romagna und zwar an
dem Angriffe und der Unterwerfung Bolognas vom 8. bis 1">. Mai, sodann an «Irr
Belagerung Anconas vom 24. Mai bis 18. Juni. Bei derselben wusslc er seine
Ansicht im Kriegsrathe, der gehalten wurde, durchzusetzen, «lass man von der
geplanten Escaladierung des verschanzten Lagers von Ancona abgieng und, wie
er geralhen, zwei Drittel der Munition aller Batterien in einer Nacht in die Festung
schleuderte, worauf am anderen Morgen Ancona < apitulierte.
Am 2. September 1849 zum Major vorrückend, kam Kuhn noch in dem-
selben Jahre nach Ungarn, wo er unter FML. Frh. von Csoriih vor Komorn bis
zur Übergabe dieses Platzes am I. Oclober in Verwendung stand.
Gemäß d«'U Statuten des MariaTheresien-Orilens am 11. Jänner 18.")3 in «len
Freiherrnsl and erhoben, wurde Frh. von Kuhn am 18. Juli desselben Jahres
zum Oberstlieutenant befördert. Nach «'iner Reihe verschiedener Dienstes-
verwendungen im General-Ouartiermeister-Slabe wurde er im Jahre 1850 als
Lehrer der Strategie an die k.k. Kriegsschule in Wien berufen, auf welchem
Posten er am 27. März 1857 zum Obersten vorrückte.
Digitized by Google
Corumaiidcui des M. T.-O. Franz Freiln-rr von Kuhn.
377
Am 23. März 1850 zum Chef des General-Quartiermeister-Stabes
der II. Armee ernannt, machte Oberst Frh. von Kuhn in dieser Dienstesverwen-
dung den Krieg gegen Frankreich und Fiemont in Italien 1859 mit. Seine
diesfällige Thätigkeit hatte aber schon nach der zu Neujahr erfolgten kriegerischen
Ansprache des Kaisers Napoleon III. an den österreichischen Botschafter ihren
Anfang genommen. Oberst Frh. von Kuhn entwarf in einem vom 10. Jänner 185*.)
datierten Elaborat den eventuellen Kriegsplan.
Gemäß den officiellen Publicationen des k. k. Generalstabes hätte der Krieg
auf dem italienischen Kriegsschauplatze so bald als nur möglich mit 300.000 Mann
eröffnet, die sardinische Armee erdrückt, eine Centralstellung bei Turin genommen
und die Colonnen der französischen Armee beim Debouchieren aus den Alpen-
pässen vor deren Vereinigung einzeln angegriffen werden sollen.
Aus Gründen der Politik, zu welchen sich später auch Hindernisse
militärischer Natur gesellten, wurde der Krieg erst am 20. April mit 1 10.000 Mann
eröffnet.
Der von dem Armee-Commandanten FZM. Grafen Gyulai gutgeheißene Plan,
bei Bassignano und Valenza die feindliche Stellung zu durchbrechen, wurde
nicht ausgeführt. Ebenso gieng man nicht auf Kuhns Plan ein, am 2. oder 3. Juni
den Feind auf dem Marsche gegen Novara in der Flanke anzugreifen, indem man
es für zu gewagt hielt.
Durch sein energisches Auftreten wusste es Oberst Frh. von Kuhn dahin zu
bringen, dass nicht auch der Ticino aufgegeben, sondern hier der Kampf mit dem
Gegner aufgenommen wurde.
Als am Abend der Schlacht bei Magen la am i. Juni der Kanonendonner
verstummt war, frng FZM. Graf Gyulai den Obersten Frh. von Kuhn um seine Ansicht,
was weiter zu tliun sei. „Fortkämpfe n*, antwortete letzterer, „wir haben die
Schlacht nicht verloren, da Hobecco und Carpen/.ago in unserer Gewalt sind;
Magenta selbst ist von wenig Belang."
Dass Oberst Frh. von Kuhn richtig gesehen, wurde durch die späler
erschienenen Miltheilungen über das Verhalten des Gegners in der Nacht vom 1.
auf den 5. bezeugt. Als am 5. die Brigade Ramming in der Früh meldete, dass der
Gegin-r in der Nacht zurückgegangen sei, sendete Kuhn sogleie.li den Major Neuber
des Generalstabs nach Pavia mit dem Auftrage, die Position bei la Cava auf
piemontesischem Boden zu besetzen, meldete dies dem Armee-Commandanten,
indem er ihm die Meldung Rainmings übermittelte, schlug vor, bei Pavia wieder
über den Ticino zu gehen und den Gegner in der Flanke anzugreifen, welcher
Plan jedoch nicht angenommen wurde.
Als am 8. die ganze Armee in dem Dreiecke Lodi-Pizzighettone- Pavia,
122.000 Mann stark, concentriert war, entwarf Oberst Frh. von Kuhn den Plan zu
einem Flankenangriff auf die von Mailand gegen Lodi vordringende franco-
sardinische Armee. Dieser Operationsplan, den FZM. Graf Gyulai genehmigt und
gut geheißen, win de jedoch um dem inzwischen angekommenen FZM. Frh. von Hess
als zu kühn verworfen.
Digitized by Go<
378
Cl.XIV. Ins a.XYIII. Pmmolioii. —
Im Kriege von IHfili.
- Tirol.
Nach der Schlacht von Solferino wurde Oberst Kuhn zum Truppen-
Brigadier in Süd-Tirol ernannt, übernahm die Brigade in den Judicarien und
versali das nur von einer Seite zugängliche, für Süd-Tirol so wichtige Rocca
d'Anfo in einer stürmischen Nacht mit Lebensmitteln, an denen es bereits Mangel
hatte, konnte aber leider dadurch nicht verhindern, dass dieser für die Vertheidigung
Süd-Tirols so wichtige Punkt beim Friedensschlüsse in die Hände des Gegners fiel.
Nach dem Kriege wurde Oberst Frh. von Kuhn — nachdem er über zwanzig
Jahre im GeneralsUibe gedient — zum Commandanten des Infanterie-Regiments
Nr. 17, sodann am 3. Juni 1862 zum Truppen-Brigadier in Tirol ernannt und als
solcher am 29. Oetober 1863 zum General-Major befördert. Hand in Hand
mit systematischer Schulung der Truppen für den Gebirgskrieg oblag GM. Frh. von
Kuhn ununterbrochen auch wissenschaftlichen Studien und militär-schriftstelleri-
schen Arbeiten. Insbesondere beschäftigte er sich damit, nach Maßgabe der
Praxis seine Theorie des Gebirgskrieges zu vervollständigen, welche er
bereits während seiner Thätigkeit als Lehrer an der Kriegsschule abgefasst hatte.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 wurde GM. Frh.
von Kuhn mit der Vertheidigung Tirols betraut. Anfangs unter Commando Seiner
kaiserlichen königlichen Hoheit des FM. Erzherzogs Albrecht als Commandanten
der k. k. Süd-Armee stehend, führte Frh. von Kuhn vom 9. Juli an das Conunando
völlig selbständig.
Als GM. Frh. von Kuhn das Trnppen-Commando übernahm, fand er anfangs
10.000 Mann zur Lösung seiner schwierigen Aufgabe verfügbar.
Die Notwendigkeit einer neuen taktischen Gliederung erkennend, vollzog er
dieselbe durch Theilung der Truppen in vier zur direclen Vertheidigung der Grenze
bestimmte Halbbrigaden und in zwei Reserve -Brigaden, welche Organisation
wesentlich zur Erleichterung der Vertheidigung Süd-Tirols beitrug.
Von den mit Instructionen Kuhns versehenen Halbbrigaden nahmen seinem
Befehle gemäß bei Ausbruch des Feldzuges die Halbbrigade Major Albertini
und Major Metz die günstigen, bereits auf feindlichem Gebiete gelegenen Stel-
lungen am Tonale und von Spondalonga ein, in denen sie sich während der
Dauer des ganzen Feldzuges nicht nur gegen einen übermächtigen Feind behaupten,
sondern aus welchem sie ihm auch in offensiv geführten, erfolgreichen Gefechten
Abbruch thun konnten. Durch diese Aufstellung «1er beiden Halbbrigaden in
günstigen, gegen große feindliche Übermacht durch längere Zeit zu haltenden
Positionen schuf sich GM. Frh. von Kuhn eine große Freiheit des Handelns auf
anderen sehr bedrohten Punkten und sicherte sich die Möglichkeit einer aus-
giebigen Offensive.
Solange die Süd-Armee dem Feinde in Italien die Stirne bot, konnte dem-
selben mu h von den in erster Linie stehenden Truppen Tirols jeder Schritt in das
Land erfolgreich verwehrt werden.
Als die Süd-Armee siegreich über den Mincio vordrang, überschritt auf
Befehl seiner kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs AI brecht auch GM. Frh. von Kuhn
mit den ihm luderstehenden Truppen auf allen Punkten die Grenze.
Digitized by Google
Coinmaiitieiir de* M. T. 0. Kranz Freiherr von Kulm.
379
Von den Judicarien und vom Ledro-Thale aus gelangten zwei Halb-
hrigadeu bis in den Rücken von Rocca d'Anfo. Abllieilungen streiften bis
Limoue und Treniosine au die Ufer des Garda-Sees. Vom Tonale und
von Spondalunga waren die Hallihrigaden angriffsweise herabgestiegen, niii
sich im Valtellin zu vereinigen. Gleichzeitig hatte Kuhn die beiden Reserve-
Brigaden durch rasche Überschreitung des Ho< hgebirgs-Überganges Madonna
di Campiglio am :i. Juli auf der Einsattlung des Tonale eoneentriert, um
einen kräftigen Offensiv-Stoß in Feindesland zu führen, mit Unigehimg von
Brescia directe gegen Mailand vorzudringen und derart die Flanke der Armee
zu sichern.
Da wurde aber infolge des Missgesehieks der Nord- Armee, gleichwie der sieg-
reichen Süd-Armee, auch den aus Tirol hervorbrechenden Truppen Kuhns halt
geboten.
Die Süd-Armee gieng über den Mincio zurück und eilte andere Kriegs-
schauplätze aufzusuchen. Infolge dessen drang der Feind sogleich mit Übermacht
gegen die Grenzen Tirols vor. wobei Garibaldis Corps auf 40.000 Mann ver-
stärkt wurde.
Dem GM.Frh. von Kuhn war es klar, dass er nun von der begonnenen Offensiv-
Bewegung absehen und die Truppen rasch ihre ursprünglichen Verteidigungs-
stellungen einnehmen lassen müsse. Hasch entschlossen, leitete er den Bückzug
sämmtlicher Colonnen ein. Bei der Vorzüglichkeit der befehligten Truppen war es
möglich, dieselben nach angestrengten Märschen, zum Theile über höchst unweg-
sames Hochgebirge am 5. abends in ihre ursprünglichen Vertheidigungs-Stellungeu
— die beiden Reserve-Brigaden in die Reserve-Stellung bei Guniano — wieder
rückzuversetzen.
Der an allen Funkten nachdrängende Feind fand überall unerwarteten kräf-
tigen Widerstand. Durch Kulms Dispositionen wurde das rasche Eindringen Gari-
baldis in Tirol vereitelt.
Infolge des Abmarsches des größten Theils der Süd-Armee nach Norden
wurde Kulms Vertheidigungslinie zu einer Ausdehnung vom Stilfser-Joch bis zur
Grenze Kärntens verlängert und bot dem Feinde neue günstig»? Angriffspunkte,
die bei seiner Übermacht durch Ya) Arsa und Val Sugana leicht erreichbar
waren.
Garibaldis Corps, wiewohl durch reguläre Truppen, namentlich Artillerie,
verstärkt, konnte doch nur schrittweise in den kaum zu verteidigenden Abschnitten
des Ledro-Thales und der Judicarien bis Conditio Boden gewinnen.
GM. Frh. von Kuhn war genöthigt, die verhältnismäßig geringe Truppenmacht
in Süd-Tirol neuerdings zu theilen, da er Detachements aller Waffen in Val Sugana
und Val Arsa entsenden musste. Er konnte, von allen Seiten vom Feinde umgeben,
diesen nur durch kurze, kräftige Offensivschläge von dem Herzen des Landes und
von der Haupt Verbindung im Elsch-Thale ferne halten.
Einen solchen Schlag führte er mit bestem Erfolge am IG. Juli in den Judi-
carien bei Gimego und Cond in o.
380
CI.XIV. U* CI.XVIII. Promotion.
Im Kriepe v..n 1866.
— Tirol.
Leider konnte GM. Frh. von Kulm diesen Sieg nicht weiter verfolgen, da er
während des Kampfes von dem Festungs-Commandanten Veronas benachrichtigt
wurde, dass General Cialdini im Begriffe stehe, mit 50.000 Mann in die Val
Sugana einzufallen und Trient zu nehmen. Öl)zwar sich diese Nachricht nicht
bewahrheitete, sah GM. Frh. von Kuhn dennoch die von Osten her drohende Gefahr
voraus, und da er Willens war, dieser eintretenden Falls gleichfalls offensiv ent-
gegenzugehen, so griff er, um die mächtigen Massen Garibaldis einzuschüchtern
und auf einige Zeit unthätig zu machen, am 21. abermals an. Indem er in den
Judicarien mehr demonstrierte, ließ er die Brigade Oberst Frh. von Montluisant
den G.0Ü0 Fuß hohen Monte Picliea übersteigen und den in das Ledro-Tbal
eingedrungenen vier- bis fünffach überlegenen Feind angreifen.
Die Erfolge dieser denkwürdigen Waffenthat waren groß.
Es wurden bei Bcceca im Ledro-Thale allein 1.100 Gefangene gemacht, bei
350 Mann getödtet und verwundet, wie es die italienischen Gefechtsberichte selbst
eingestunden.
Von diesem heftigen, überraschenden Schlage getroffen, war die ganze Macht
Garibaldis bis zur Beendigung der Kriegsereignisse wie betäubt, kaum schritt-
weise vorzugehen wagend.
So kam es, dass, als ernste Ereignisse den GM. Frh. von Kuhn gegen die Ost-
grenze des Landes riefen, er nur 2.000 Mann in einer günstigen Flankenstellung
f den 40.000 Mann Garibaldis gegenüber lassen konnte, der Feind aber auch dann
I nicht über Lardaro vorzudringen sich erkühnte.
Kaum von den im Ledro-Thale geführten Schlägen zurückgekehrt-, erhielt
Kuhn die Nachricht von dem Vordringen der Armee-Division von Medici in der
Val Sugana und von der Bedrohung der Val Arsa.
Trotz der heldenmüthigen und ununterbrochen geführten Gegenwehr des
unter Comniando des Majors Pichler vom Infanlerie-Regimente Er/herzog Rainer
Nr. 59 gestellten Detarhements von vier Compagnien Infanterie, zwei Compagnien
Landesschützen und vier Raketen-Geschützen, drang der Feind rasch in der Rich-
tung gegen Trient vor.
Kuhn konnte seinen ermüdeten Truppen nicht die wenige Ruhe gönnen,
wie er es beabsichtigt hatte.
Am 23. nachts 11 Uhr erreichten ihn die durch Unterbrechung der Tele-
graphen-Leitung und durch immerwährende Gefechte verspäteten Meldungen ans
der Val Sugana. Dieselben ließen ihn erkennen, dass der Feind bereits Levico
erreicht hatte, und seiner Übermacht auch nicht durch zwei aus Verona ange-
forderte und in die Val Suga n a disponierte Bataillone halt geboten werden konnte.
Um 11 Uhr nachts wurden die bei Cumano stehenden Truppen alarmiert
und der Befehl ertheilt, den Marsch überVezzano mit Benützung des Lauf-
schrittes derart auszuführen, dass die Tele der Colonne zuverlässig um 10 Uhr
vormittags in Trient eintreffe.
Dem GM. Kaiin halb; er den Auftrag ertheilt. das Comniando über die aus
der Val Sugana sieh nach Tri e n t zurückziehenden Truppen zu übernehmen, bei
Digitized by Google
Coimiiniidcur ik-* M. T. O. Franz. Froihorr von Kulm.
3SI
Givezzano Stellung zu nehmen und dem Gegner das Vordringen nach Trient
wenigstens bis 10 Uhr vormittags zu verwehren. Der Artillerie-Ghef Major Barth
wurde gleichfalls dahin gesandt, um dem GM. Frh. von Kuhn von Stunde zu
Stunde Meldung zu erstatten.
Letzterer fuhr mit seinem Generalstabs-Chef Major Dumoulin nach Trient,
wo er 4 Uhr nachts ankam, zwei Depöt-Gompagnien des Regiments Sachsen
Infanterie auf die Einsattlung von Roneogno disponierte und die nöthigen
Befehle ertheilte, um die Ausgänge Trients gegen Per gine in Vertheidigungs-
zustand zu versetzen.
Als GM. Frh. von Kuhn um 7,8 Uhr früh des 2-1. Juli die Meldung von
Givezzano erhielt, dass der Feind bei Pergine ruhig verweile und noch keinen
Angriff gewagt habe, sah er sich der schwereren Sorgen, in welchen er zwischen
1 Uhr und 7 Uhr geschwebt, enthoben, da er wohl wussle, dass die Stellung bei
Givezzano wenigstens vier bis fünf Stunden gehalten werden könne und um
diese Zeit auch seine Reserven aus Gumano eintreffen würden.
Wirklich trafen die ersten Abiheilungen der braven Truppen, vom besten
Geiste beseelt, den 21. um O'/j Uhr vormittags in Trient ein, und nachmittags
wurden alle wichtigen Punkte besetzt, ohne dass der Feind zu einem ernsten An-
griffe geschritten wäre.
Kleine Patrouillen-Gefechte, sowie die unzweifelhaft bestandenen Verbin-
dungen mit einzelnen Personen der Einwohnerschaft mögen ihm von der neuen
Gestaltung der Verhältnisse in und bei Trient Kenntnis gegeben haben, so dass
während des 21. kein weiterer Zusammenstoß stattfand.
Schon als das Vordringen des Feindes gegen Tirol von allen Seiten begann,
halte GM. Frh. von Kuhn auf seine Meldung hierüber vom Ober-Gommando der
operierenden Armee mit telegraphischem Erlass Nr. 292/Op. vom 23. Juli die
Ermächtigung erhallen, Süd- Tirol schrittweise zu räumen und seine Streitkräfte
zur Verteidigung Deutsch-Tirols zu concentrieren.
Von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen, war namentlich unter den am
23. Juli bestandenen Verhältnissen nahe gelegen, umsomehr als sich Nachrichten
auf Nachrichten häuften, der starke Feind sei in der Ausführung einer Umgehung
durch das Fleimser-Thal begriffen.
Eine Deputation, an der Spitze der Bischof von Trient. Rieeabona, der Vice-
Bürgenneister Dordi und andere Herren, waren am 21. vormittags beim GM. Frh.
von Kuhn erschienen und hatten ihm die bedenkliche Lage geschildert, in der er
sich befinde, da nach zuverlässigen Nachrichten General Medici eine Umgehung in
das Fleimser-Thal und somit auf die Straße nach Bötzen unternommen habe.
Sie forderten GM. Frh. von Kuhn auf. Trient zu verlassen.
Seine Antwort lautete, er werde Trient aufs äußerste vertheidigen, womit
er die Herren entließ.
In Erkenntnis der Wichtigkeit von Trient und im Vertrauen auf den hohen
Grad militärischer Tüchtigkeit der befehligten Truppen war GM. Frh. von Kuhn,
trotz der erwähnten Ermächtigung und der ungünstigen Nachrichten am 21. ent-
Digrfized by Google
CLXIV. I.is CLXVIII IVuin..ti..n. Im Kriege v.m 1*66. - Tirol.
schlössen. Trient auf das äußerste zu halten, und traf hiftiaeli ungesäumt seine
Dispositionen.
Um jedoch voll«* Freiheit der Action zu haben und fest entschlossen, falls es
nach hartnäckiger Verthcidigung nöthig wäre, sich mit der Truppe über Mol veno
ins Yal di Sole und sodann entweder über die Mendel oder über „Unsere
liebe Frau im Walde* ins Etsch-Thal zurückzuziehen, hatte GM. Frh. von Kuhn
die Bagage und allen unnöthigen Tross unter Bedeckung nach Bötzen entsendet.
Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln wurde die Instandsetzung Trient s
zur hartnäckigen Verteidigung und seine Herrichtung zu einem Waffenplatze ein-
geleitet. Das Fleimser- und Fassa-Thal, wohin GM. Frh. von Kuhn bereits
Truppen entsendet hatte, wurden durch Befestigungen zu einer Vertlicidigungslinio
geschaffen, in deren Rücken auf den Übergängen nach Bolzen und in das Eisack-
Thal sich eine zweite befestigte Linie erhob.
Um die Vertheidigung von Trient mit concentrierlcr Krall durchzufühlen,
hatte GM. Frh. von Kuhn Roveredo und den Abschnitt von Riva momentan
aufgegeben und die hiedunh entbehrlich gewordenen Truppen ebenfalls bei
Trient concentriert.
So würde der Feind, wenn er am 21. einen Angriff gewagt hätte, eine kampf-
bereite, heldenmüthige Truppeiimacht in guter, verstärkter Stellung, frei von allen
1 lenimnissen, gedeckt in Flanke und Rücken, gefunden und schwerlich gesiegt haben.
Kr scheint daher unter solchen Umständen trotz seiner Übermacht, am 21.
den Angriff auf Trient gescheut zu haben.
Denn, als GM. Frh. von Kuhn nach den am Abend des 21. vom Ober-Gom-
mando der operierenden Armee erhaltenen Andeutungen über die Möglichkeit
eines baldigen Eintrittes der Waffenruhe und der hiedun h bedingten Wichtigkeil
einer Behauptung Trients, die Truppen während der ganzen Nacht vom 21. auf
den 25. in voller Gefechtsbereitschaft hielt, erkühnte sich der Feind auch nicht zur
geringsten Unternehmung.
Erst am l'ö. mittags raffte er sich zu einem im Falle des Gelingens entschei-
denden Stoß gegen die in der Val Sorda stehenden Truppen auf.
Der Angriff der Brigade Sicilia auf vier Gompagnien des 7. Kaiserjägcr-Batail-
lons und zwei Scharfschützcu-Gompagnieu misslang aber nicht nur, sondern die
braven k. k. Truppen nahmen die Stellung von Vigolo.
Nach diesem Geferhtc theilte t!L. de Medici dem GM. Frh. von Kuhn die
demselben gleichzeitig vom Ohcr-Gommando der operierenden Armee zugekom-
mene Nachricht von dem Abschlüsse der Waffenruhe mit. und forderte Kuhn auf,
dem ferneren Blutvergießen Einhalt zu thun.
So halle GM. Fi Ii. von Kuhn mit einer an der ganzen langen Grenze Süd-
Tirols vertheillen Macht, die ei-t im letzten Momente etwa 1 V.000 Mann regulärer
Truppen betrug, vermocht, einem vielfach überlegenen Feind den Eintritt in das
Herz Süd-Tirols zu verwehren.
Nicht einen Augenblick war die Verbindung im Etsch-Thale unterbrochen;
nicht einer der wichtigeren Dunkle im Lande kam in die Gewalt des Feindes, der
Digitized by Google
Conimundetir des M. T. U. Franz Freiherr von Kuhn.
383
nur voihältnisiuäßig geringe Landcstheilc betreten konnte, während zwei der dum
GM. Frh. von Kuhn unl erstehenden Ilalbbrigaden unvemn kbar aul feindlichem
Huden standen und weit in des Feindes Land streiften.
Erst wflhrend der Dauer der zweimal verlängerten Waffenruhe kamen
nennenswerte Verstärkungen nach Tirol, zwei Bataillone von der Besatzung
Veronas und die Brigade Oberst Frh. von Kleudgen aus Wien.
Trient bildete sich immer mehr zu einem ansehnlichen, achtenswerten
Waftenplatz aus, umso mehr, da 27 aus Verona entnommene, mit Munition
reichlich versehene Geschütze dessen Bedeutung vermehrten.
Auf einen von GM. Frh. von Kuhn an das Ober-Conunando der operierenden
Armee gestellten Antrag, ertheilte Se. Majestät der Kaiser dem Frh. von Kuhn
allergnädigst ausgedehnte Vollmacht zur Errichtung des Landsturmes in
Süd-Tirol.
In der Frist von wenigen Tagen nach Erhalt dieser Allerhöchsten Voll-
macht war es Kuhn gelungen, über 2200 Mann Landsturm, bewaffnet und
vom besten Geiste beseelt, in den verschiedenen Bezirken Süd-Tirols kampf-
bereit aufzustellen.
In erhebendster, loyalster Weise gab die gutgesinnte Landbevölkerung Süd-
Tirols ihren Gefühlen der Treue und ihrer Opferwilligkeit für Kaiser und Heidi
durch Thaten den schönsten Ausdruck. Überdies kam der durch GM. Frh. von Kuhn
aus eigener Initiative ins Leben gerufenen Maßregel in Anbetracht der politischen
Rückwirkung dauernder Wert zu.
So gerüstet fand der Ablauf der Waffenruhe die Truppen in Tirol.
Die Disposition zum Angriffe aul* die Division Medici war derart eingeleitet,
dass diese Division nur unter bedeutendem Verluste den Rückzug hätte aus-
führen können.
Als am 10. August die Weisung von Wien kam, dass der Gegner am 11.
Tirol geräumt haben müsse, und falls dies nicht geschehen wäre, die Operationen
wieder begonnen werden könnten, ließ GM. Frh. von Kuhn am II. um 4 Uhr alle
seine Colonnen concentrisch gegen Pergiue und in die Val Sngana vorrücken,
fand jedoch trotz forcierter Märsche die Val Sugana vom Feinde völlig geräumt.
Auch Garibaldi war mit seinem Corps über die Grenze zurückgegangen,
vor seiner Truppe laut bekennend, dass er mit seinen 40.000 Mann nicht, imstande
gewesen, auch nur einen Berg zu erobern.
In wenigen knappen Zügen wurde hier das persönliche Wirken des GM.
Frh. von Kuhn während des Feldzuges 1806 in Tirol verzeichnet. Es wird für immer
würdig erachtet werden, einen ehrenvollen Platz in der Geschichte nicht bloß der
k. k. Armee, sondern auch in der Kriegsgeschichte einzunehmen.
Auf Grund der durch die Vertheidigung Tirols vollbrachten Waffenthal
geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph J. als Erhabener Großmeister über
Votum des Ordens-Capitels kraft Promotion CLXVI vom 20. August 1800 den
inzwischen kurz nach Abschluss des Waffenstillstandes am 17. August 1800
außer der Tour zum Feldmarschall-Lieutenant beförderten Frau/. Freiherru
Digitized by Google
381 CLXIV. l.is CI.XVIII. Pn.mMlion. - Im Kriege von l»6ß. - Tin.!.
Kuhn von Kuhnenfeld zum Commandern- des Maria Thcresicn-Ordens
zu promovieren.
Am G. September 18GG zum Commandanten der VIII. Truppen-Division in
Innsbruck, kurz darauf, am 13. Ortober desselben Jahres, zum Landesver-
t heidigungs - Ober - Commandunten in Tirol und Vorarlberg, ferner zum
Oberst-Inhaber des 17. Infanterie-Regiments ernannt, wendete sich FML.
Frh. von Kuhn neben den dienstlichen Verrichtungen auch wieder den Studien,
namentlich aber seiner Theorie des Gebirgsk rieges zu. um deren Grundsätze
und Lehren durch die während des letzten Krieges gesammelten unschätzbaren
Erfahrungen und Beispiele zu ergänzen.
Nicht allzulange sollte jedoch FML. Frh. von Kuhn in Tirol verbleiben. Die
dualistisch -eonst Rationelle Neugestaltung der Monarchie, die Mahnungen und
Lehren des letzten Krieges, die einander fiberbielenden Rüstungen anderer Staaten,
alles dies heischte gebieterisch, dass die gleich nach Beendigung des Krieges von
18GG wohl in Angriff1 genommene, aber nicht entfernt abgeschlossene Heeres-Orga-
nisation nach allen Richtungen ausgebaut werde. Zur Durchführung dieser Aufgabe
wind«! durch Allerhöchstes Vertrauen Seiner Majestät des Kaisers FML. Frh. von
Kuhn berufen und am 18. Jänner 18G8 zum Reichs-Kriegsmin ister ernannt.
Während seiner Amtstätigkeit wurde unter Allerhöchster Leitung des
Obersten Kriegsherrn die Armee, basiert auf das neue Wehrgeselz, reorgani-
siert. Als Haupt-Momente sind hervorzuheben: die Fixierung der Kriegsstärke des
stehenden Heeres auf 800.000 Mann und die Bildung der Landwehr in beiden
Reichshälften — wofür Seine Majestät der Kaiser geruhte, Frh. von Kuhn Aller-
höchst eigenhändig das Großkreuz des Leopold-Ordens zu verleihen —
ferner die Errichtung der Reserve-Regimenter der Infanterie, die Erhöhung des
Präsenzstandes der Cavallerie auf den Kriegsstand, die Errichtung eines Artillerie-
Regiments und 13 schwerer Batterien im Jahre 1875, die Erhöhung des Präsenz-
standes der Reserve-Regimenter von 10 Mann per Compagnie auf ö0. die Erhöhung
der Gagen der Officioro bis inclusive zur Oberstens-Charge u. s. w. u. s. w.
Für diese seine Thäligkeit wurde Frh. von Kuhn am 3. April 1873 zum Feld-
zeugmeister außer der Tour ernannt und ihm, als er am 14. Juni 1 874-
seiner Stelle als Kriegsminister enthoben wurde, das Großkreuz des Stephan-
Ordens Allerhöchst verlieben, bei welchem Anlasse Seine Majestät der Kaiser
ihm die Allerhöchste aufrichtige und dankbare Anerkennung seiner Thätigkeit
als Minister huldvollst kundzugeben geruhte.
Gleichzeitig mit der Enthebung vom Posten des Reichs-Kriegsministers
wurde FZM. Frh. von Kuhn am 11. Juni 1874 zum Commandierenden
General in Graz und in der Folge anlässlich der Einführung des Territorial -
Pislocations-Systems am 1. Jänner 1883 zugleich zum Commandanten des
III. Corps ernannt.
In demselben Jahre, am 2:?. September, feierte FZM. Frh. von Kuhn in körper-
licher und geistiger Vollkraft sein durch ein neuerliches huldvolles Allerhöchstes
Handschreiben verl lerrli cht es fünf/, i gj ä 1 1 r i g e s M i 1 i t ä r - D i e n s t j u b i 1 ä u m.
Digitized by Google
Ritter des H. T.-O. Ludwig Freiherr von Gredler.
385
Am 4. November 1886 geruhte seine Majestät der Kaiser und Erhabene
Großmeister des Maria Theresien- Ordens den FZM. Frh. von Kuhn zum
Kanzler dieses Ordens zu ernennen.
Am 16. Juli 1888 wurde FZM. Frh. von Kuhn von dem Commando des
III. Corps und dem Posten des Comrnandierenden Generals in Graz, sowie des
Landwehr-Gommandanten daselbst enthoben und unter Vorbehalt anderweitiger
Verwendung, bei voller körperlicher und geistiger Frische in disponiblen Stand
versetzt, wobei Seine Majestät der Kaiser mittels eines Allerhöchsten
Handschreibens dem nach mehr als fünfundfünfzigjähriger activer Dienst-
leistung in Disponibilität Tretenden allergnädigst Dank und Anerkennung
für die bis dahin geleisteten Dienste auszusprechen geruhte.
Die militärischen Wissenschaften bereicherte Kuhn mit seinem Werke über
den Gebirgskrieg, das beinahe in alle europaischen Sprachen übersetzt und von
allen militärischen Zeitschriften sehr vorteilhaft beurtheilt wurde.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Ludwig Freiherr von Gredler.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1866.)
Gredler wurde als Sohn des Hof- und Gerichts-Advocaten Andreas Ritter
( nachmals Freiherrn) von Gredler in Wien im Jahre 1831 geboren, trat am 20. Sep-
tember 1847 bei dem k. k. Pionnier-Corps als Cadet ein und kam in die Tullner
Pionnier-Schulcompagnie, mit der er sich im Jahre 1848 an der Erstürmung
Wiens bctheiligte.
Am 1. Jänner 1849 zum 7. Infanterie-Regiment transferiert, wurde er am
16. April desselben Jahres zum Lieutenant im 49. Infanterie-Regiment befordert
und kämpfte in dem Feldzuge in Ungarn und zwar bei der Einnahme von Raab
am 28. Juni, dann in den Schlachten bei Komorn am 2. und 11. Juli.
Am 15. Jänner 1852 erfolgte seine Transferierung zum 4. L'hlanen-Regiment,
in welchem er :un 26. März des gleichen Jahres zum Oberlieutenant vorrückte
und am 26. März 1857 zum Rittmeister II. Classe befördert wurde. Nachdem
er kurz darauf am 30. September den Dienst mit Beibehalt des Officiers-Charakters
quittiert hatte, wurde er am 4. Juli 1858 wieder zum 4. Uhlanen-Regiment
eingetheilt.
Am 1. September 1858 zum Tiroler Kaiser-Jäger-Regiment transferiert,
machte er mit dem 3. Bataillon desselben als Compagnie-Commandant den Krieg
gegen Frankreich und Piemon t im Jahre 1859 mit, ohne dass es ihm jedoch
vergönnt war, ins Feuer zu kommen.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 kämpfte er im
Feldzuge gegen Italien und zwar bei der Vertheidigung Tirols als Cornmandant
Militärischer Mar» Th«ro»i«n-Oni«n. 25
Digitized by Google
3su
CLXIV. bis CLXVI1I. Promotion. — Im Kriege von 1 866. — Tirol.
des 6. Kaiser-Jäger-Bataillons fast in allen Gefechten und Treffen in den Judicarien
während des Monates Juli und zwar am Monte Suello am 3., bei Caffaro
am 7., bei Lodrone am 10.. bei Gondino am 16., bei Pieve di Ledro am 18.
und bei Bececa am 21. Juli.
Im Gefecht am Monte Suello, welches Hauptmann Ritter von Gredler
völlig selbständig leitete, vollbrachte er dank seiner ebenso tapferen als klugen
Gefechtsführung eine besonders hervorragende Waffenthat. Der Anlass zu der-
selben ergab sich folgendermaßen.
Seine L k. Hoheit FM. Erzherzog A 1 b r e c h t hatte am 29. Juni, im
Zusammenhange mit der Überschreitung des Mincio durch die k. k. Süd-Armee,
auch für die Truppen an der Südwestgrenze Tirols eine allgemeine Vorrückung
auf lombardisches Gebiet angeordnet. Unter anderm sollten k. k. Streitkräfte
auch zwischen dem Ghiese und Garda-See vorrücken und trachten, das italie-
nische Fort Rocca d'Anfo im Rücken zu nehmen. GM. Frh. von Kuhn setzte dem-
gemäß drei Colonnen gegen Rocca d'Anfo in Bewegung. Eine davon bestand
aus vier Compagnien des 6. Kaiser-Jäger-Bataillons unter Commando des Haupt-
mannes Ritter von Gredler.
Derselbe erhielt vom Truppen-Commando Befehl, den 30. Juni über Nago
nach Storo zu rücken und am 2. Juli von dort ans den Monte Suello zu besetzen.
An demselben Tage sollte die Halb-Brigade Oberstlieutenant von Höffern von
Bagolino aus, die Halb-Brigade Oberstlieutenant von Thour von Turanu aus
über Idro trachten, dem Fort von Rocca d'Anfo in den Rücken zu konunen
und dieselbe einzuschließen. Hauptmann Ritter von Gredler hatte mit seinem
Bataillon diese Cernierung am Monte Suello zu vollenden.
Mittlerweile hatte aber auch auf Seite des Feindes Garibaldi Befehl erhalten,
die infolge der Schlacht bei Custozza unterbrochenen Operationen gegen Tirol
wieder aufzunehmen. Infolge dessen stießen die Freischaren Garibaldis auf ver-
schiedenen Punkten auf die österreichischen Colonnen und zwar speciell auf
Monte Suello am 3. Juli eine Freischar unter dem italienischen Obersten Corte
in der Stärke von mehr als 2.800 Mann und 6 Geschützen auf die Colonne
Gredlers, welche nur ungefär 600 Mann stark war.
Hauptmann Ritter von Gredler hatte gemäß dem erhaltenen Befehle auf dem
Monte Suello am 2. Juli folgende Aufstellung genommen, und zwar:
Drei Compagnien und ein Zug hielten den Berg besetzt: eine halbe Com-
pagnie stand etliche hundert Schritte auf der Straße nach Rocca d'Anfo vor-
geschoben, endlich ein Zug in Ponte Heiuieri gegen Bagolino.
Der Feind rückte mit der Haupt-Colonne auf der Straße von Rocca d'Anfo
über den Monte Suello gegen Bagolino vor; zwei Barken, jede mit zwei
Geschützen armiert, cotoyierten die Colonne auf dein Garda-See.
Als um 1 Uhr der Feind von S. Antonio anzurücken begann, sendete
Gredler noch drei Züge auf der Straße vor und detachierte eine halbe Compagnie in
die rechte Flanke zur Beobachtung des von Bagoli n o gegen S. An tonio führenden
Sauinweges.
Digitized by Google
zed by Google
Digitized by GooqI
Ritter de» H. T.-O. Ludwig Freiherr von Gredler.
387
Die ersten auf der Straße anrückenden Abtheilungen des Feindes wurden
von der in vorderster Linie aufgestellten Halbcompagnie mit dem Bajonnett
angegriffen und geworfen. Die nachgesendeten drei Züge, welche während ihrer Vor-
rückung auf der Straße von den feindlichen Booten mit einem lebhaften Geschütz-
feuer empfangen und gleichzeitig durch die zwischen dem See und der Straße
vorrückende feindliche Seiten-Colonne in der linken Flanke bedroht wurden,
drängten letztere zurück und rückten selbst über S. Giacomo gegen S. Antonio
vor, wo sich mittlerweile die früher auf der Straße zurückgeworfenen vordersten
Abtheilungen des Feindes sammelten und von wo sie dann neuerdings vor-
rückten.
Diesen zweiten Angriff ließ Gredler in der Front durch eine frisch vorge-
sendete Compagnie abweisen und zwang den Gegner überdies durch einen Flanken-
angriff der rechts vorgesendeten Halbcompagnie vollends zum Rückzüge.
Der Feind beschoss nun lebhaft jene österreichischen Abtheilungen, welche
auf der Straße vorgegangen waren und mittlerweile die Kirche und den Friedhof
von S. Giacomo besetzt hatten, durch zwei im Friedhofe von S. Antonio auf-
geführte Geschütze und schickte frische Abtheilungen zum dritten Angriffe vor,
welche jedoch trotz anerkennenswerter Tapferkeit auch diesmal durch das
sichere Feuer der Jäger erschüttert und dann mit dem Bajonnett geworfen wurden.
Die in S. Giacomo kämpfenden Abtheilungen Gredlers verfolgten den weichenden
Gegner, verdrängten einige, S. Antonio besetzt haltende Abtheilungen, giengen
aber dann wieder nach S. Giacomo zurück.
Der Feind schritt nun. nachdem er noch zwei Geschütze vorgenommen hatte,
mit sämmtlichen Abtheilungen zum vierten Angriffe, welcher aber ebenfalls an der
zähen Ausdauer der Jäger scheiterte. Die durch Gredler eingeleitete Verfolgung
konnte, des heftigen feindlichen Geschützfeuers wegen, nicht wirksam fortgesetzt
werden; ermusste vielmehr wegen Munitionsmangels bei Einbruch der Nacht nach
Lodrone zurückgehen, wobei er drei Züge am Ponte di Caffaro stehen ließ.
Der Gegner besetzte in der Nacht S. Giacomo, rückte am Morgen des 4. vor,
zog sich aber bald wieder nach S. Antonio zurück.
Der Feind hatte an Todten und Verwundeten einen Verlust von mehr als
300 Mann. Unter den Verwundeten befand sich auch Garibaldi, welcher dem
Gefechte persönlich angewohnt hatte.
Die hartnäckige Vertheidigung des Monte Suello durch Hauptmann Bitter
von Gredler erleichterte nicht nur den in den Rücken von Rocca d"Anfo ent-
sendeten beiden anderen Golonnen, welche ebenfalls von überlegenen Kräften
angegriffen wurden, den Rückzug, sondern brachte die von Garibaldi ergriffene
Offensive für mehrere Tage, bis zum 7. Juli, zum Stocken.
Auf Grund der am Monte Suello am 3. Juli vollbrachten Waffenthat geruhte
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister über
Votum des Ordens-Capitels kraft Promotion GLXVI. vom 29. August 1866 den
Hauptmann Ludwig Ritter von Gredler mittels Verleihung des Kleinkreuzes
zum Ritter des Maria Theresien-Ürdens zu promovieren.
25»
Digitized by Google
38S
CLXIV. bis CLXVIU. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Tirol.
Wiewohl in dem Gefechte am Monte Suello durch einen Streifschuss am
Kopfe leicht verwundet, machte Hauptmann Ritter von Gredler an der Spitze
seines Bataillons auch alle folgenden Unternehmungen und Kämpfe desselben
während dieses Feldzuges von Anfang bis zu Ende mit.
Nach dem Kriege übernahm Gredler wieder das Commando seiner Com-
pagnie in Bregenz, wo das 6. Kaiserjäger-Bataillon garnisonierte. Er erfreute
sich nicht nur wärmster Liebe und Anhänglichkeit seiner Truppe, die er zu Sieg
und Ruhm geführt, sondern stand auch bei der Bevölkerung Tirols in hohem
Ansehen. Beides manifestierte sich besonders bei der Feier, welche das Bataillon
nach Jahr und Tag zu Ehren der siegreichen Tiroler Kämpfe von 1866 unter
freudiger Antheiluahme der Einwohner von Bregenz begieng und die durch
erhebende Erinnerung*- Telegramme des Commandanten der Tiroler Landes-
verteidigung von 1^60 K.ML. Frh. von Kuhn, unter allgemeinem begeisterten
Jubel von Militär und Civil, gekrönt wurde.
Im Herbste 1867 stand Hauptmann Ritter von Gredler wieder an der Spitze
des Bataillons, das er im Jahre 1866 so hervorragend geführt. Es war dies bei der
Schützen -Concentriening von 1867. bei welchem Anlasse sowohl Gredlers Bataillon
als er selbst hoher Belobung Iheilhaftig wurden.
Leider sollte es das letztemal sein, dass Gredler mit seinen Kaiseijägern
erneute Auszeichnung errang. Während einer Assentiernngsreise erkrankt, ver-
mochte er trotz seines gestählten Körpers in der rauhen Gebirgsluft dem Siech-
thum, in welches seine Krankheit ausartete, nimmer obzusiegen.
Ein letztos freudiges Aufleuchten seines Kriegerlebens ward ihm zutheil.
als ihn Seine Majestät der Kaiser auf Grund der Statuten des Maria Theresien-
Ordens am 7. Jänner 1868 in den Freiherrnstand zu erheben geruhte.
Drei Monate später, im Frühjahr am 9. April 1868. erlag der Tapfere vom
Monte Suello im 39. Lebensjahr dem Tode.
Unter allgemeiner Betheiligung «1er Revölkerung von Bregenz. unter
kameradschaftlicher Antheilnahmo des bayrischen Of fioierscorps ans dem
freundnachbarlichen Lindau, gab das 6. Kaiserjager-Bataillon seinem so früh
dahingeschiedenen Commandanten das letzte Ehrengeleite. Seine sterblichen
fiberroste wurden zur See nach Lindau, sodann mittelst Ei-enbahn nach Wien
überführt. Hier erwies eine eigens aus Mauer nach Wien commandierte Kaiser-
jäger-Compagnie, sowie das OftHorsoorps der Wiener Garnison, darunter
sämnitliche daselbst weilenden Mitglieder des Maria Theresien-Ordens, mit Seiner
kaiserlichen königlichen Hoheit dein durchlauchtigsten Feldrnarsrhall Erzherzog
AI brecht an der Spitze, dem Verblichenen die letzten Ehren.
Im Ferdinandeurn zu Innsbruck bewahrt das dankbare Land Tirol
neben anderen Trophäen auch jene vom Monte Suello — neben anderen Bild-
nissen hervorragender Vertheidigor Tirols auch jenes von Gredler. In der Familien-
gruft auf dem Währinger Friedhofe ruhen in heimatlicher Erde der Vaterstadt
Wien Cieitlcrs sterbliche Überreste.
Digitized by Google
Ritler des M. T.-O. Bruno Freiherr von MunUuiaanL
380
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Bruno Freiherr von Montluisant.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1866.)
Freiherr von Montluisant wurde zu Enzersdorf im Gebirge in Österreich
unter der Enns im Jahre 1815 als Officierssohn geboren, im Regiments-
K nabenerziehungshause des 49. Infanterie-Regiments militärisch heran-
gebildet und am 16. Decomber 1832 als Regiments-Cadet zum 12. Infanterie-
Regiment ausgemustert. Am 1. November 1833 erfolgte seine Transferierung
zum Tiroler-Kaiser-Jäger-Regiment, in welchem Frh. von Montluisant seine ganze
weitere Dienstzeit hindurch bis zum Übertritt in den Ruhestand verblieb. Im
zweiten Dienstjahre, am 1. November 1834, zum Unterlieutenant, befördert,
war Frh. von Montluisant bereits mit 19 Lebensjahren Oflieier. Am 1. September
1815 rückte er zum Oberlieutenant vor. in welch letzterer Charge er in den
Krieg gegen Piemont im Jahre 1848/19 zog.
Im Feldzuge von 1848 kämpfte Oberlieutenant Frh von Montluisant und
zwar in den Gefechten bei Pasti engo am 28., 29. und 30. April, in dem Gefechte
bei Gurtatone am 29. Mai, bei der Einnahme von Vicenza am 10. Juni, in der
Schlacht bei Sona und Sommacampagna am 23. Juli, in dem Gefechte bei
Salionze am 24. Juli, in der Schlacht bei Cust < zza am 25. Juli, in dem Treffen
bei Mailand am 4. August, endlich in dem Gefechte bei Gera und Verceja
am 28. October.
Im Feldzuge von 1849 ma» hte er das Scharmützel bei Vercelli am 23. März
mit und wurde am 1. April zum Hauptmann befördert.
Am 28. März 1855 erfolgte seine Beförderung zum Major.
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont ün Jahre 1859 kämpfte
er in den Schlachten bei Magenta am 4. und bei Solferino am 24. Juni.
Am 7. Februar 1860 zum Oberstlieutenant und am 27. Deceiuber 1864
zum Obersten befördert, machte Frh. von Montluisant den Krieg gegen
Preußen und Italien im Jahr« 1866 und zwar den Feldzug gegen Italien mit.
Er befehligte bei der Vertheidigung Tirols eine Brigade und kämpfte in den
Gefechten bei Cirnego am 16. Juli und bei Bececa am 21. Juli. Durch letzteres
Gefecht vollbrachte er eine der hervorragendsten Waffenthaten während der
Kämpfein Tirol von 1866.
Infolge Abmarsches der k. k. Süd-Armee aus Venetien au die Donau
mussle die Vertheidigung der Süd-Grenze Tirols sowohl westlich als östlich der
Etsch mit größter Energie geführt werden. Zunächst war es nothwendig, die
Festsetzung Garibaldis im Westen — im Ledro-Thale, woselbst die Frei-
scharen bereits das FortAmpola stark bedrängten — sowie seine Fortschritte
gegen das Etsch-Thal zu hindern, um sich dann mit den Streitkräften gegen
Osten — in die Val Sugana — zu werfen, gegen welche die italienische Division
Digitized by Google
300
CLUV. bis CLXVIH. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Tirol.
Mediei im Anmärsche war. Der mit der Vertheidigung Tirols betraute GM. Frh.
von Kuhn hatte daher beschlossen, in ersterer Richtung einen Schlag gegen
Garibaldi zu führen. Er setzte mehrere Colonnen gegen denselben in Bewegung,
um ihn aus dem Ledro-Thale zu vertreiben.
Eine dieser Colonnen war die von dem Obersten Frh. von Montluisant befeh-
ligte Brigade, welche mit den übrigen bei dieser Expedition ihm unterstellten
Truppen eine Gesammtstfirke von 2600 Mann 4 dreipfündigen und 8 Raketen-
Geschützen hatte. Oberst Frh. von Montluisant hatte mit diesen Kräften, während die
Brigade Kaim gegen Condino einen Scheinangriff bewirken sollte, den Hauptschlag
im Ledro-Thale zu führen.
Zu diesem Zwecke erhielt Oberst Frh. von Montluisant am 19. Juli den Befehl,
mit den ihm unterstehenden Truppen seiner Brigade am 20. aus den Judicarien
aufzubrechen, am Abend desselben Tages am Passo Pichea zu lagern und am 21.
in Verbindung mit den verfügbaren Truppen der Halb-Brigade Major Graf Grünne
gegen das Ledro-Thal, und zwar mit der Hauptkraft gegen das Fort Ampola,
vorzugehen.
Diesem Befehl gemäß am 20. in Gapri angelangt, erfuhr Oberst Frh. von
Montluisant. dass das Fort Ampola vom Feinde bereits genommen sei. Die
volle Bestätigung dieser Nachricht erhielt er abends am Passo Pichea, wo das
zur Halb-Brigade Major Graf Grünne gehörende 6. Kaiser- Jäger-Bataillon lagerte.
Zwei Mann desselben waren nämlich von der als Besatzung im Fort gestandenen
und vom Feinde gefangen genommenen 33. Compagnie der Kaiser-Jäger in Ver-
kleidung aus der Gefangenschaft entwichen und hatten dem Bataillon die Kunde
vom Falle des Forts, sowie den starken feindlichen Streitkräften überbracht.
Der Feind stand über 10.000 Mann stark im Ledro- und Conzei-Thale und
verfügte über eine gute Straße nach Rocca d'Anfo, auf welcher er von dort
Munition und Nachschub in kurzer Zeit erhalten konnte.
Oberst Frh. von Montluisant hatte vom Passo Pichea ins Ledro-Thal einen
6000 Fuß hohen Berg hinabzusteigen, um mit dem Gegner in Contact zu
kommen, vermochte seine Munition nicht zu ergänzen und hatte nur die
beschwerliche Rückzugslinie über den Passo Pichea. Er konnte ferner bei der
starken Besetzung des Ledro -Thaies auf keine für sein Gefecht fühlbare Unter-
stützung der gleichzeitig von Riva aus in das Ledro-Thal gegen Molina vor-
rückenden Golonne rechnen.
Trotz der mehrfachen Übermacht des Feindes bedachte er sich jedoch keinen
Augenblick, den Angriff auf denselben ins Werk zu setzen, erließ am 20. seine
Dispositionen und griff am 21. den Gegner mit ebensoviel Unisicht als Energie an.
Gemäß den DispositionendesObersten Frh. von Montluisant nickte vom Monte
Pichea Major Graf Grünne mit fünf Jäger-Compaguien und zwei Compagnien
Großherzog von Hessen, den Landesschützen -Compagnien Kitzbüchel- Hopf-
garten. Rattenberg, Schwaz, den Raketen-Batterien Nr. 1 und 2 auf dem unteren,
— Major von Krynicki mit dem 1. Bataillon Tiroler .läger, dem 3. Bataillon
Kronprinz von Sachsen und der Gebirgs-Batterie Nr. 2/V auf dem oberen Wege
Digitized by Google
\
\
k
\
V
M
6*
k<
b.
st
st»
rü
A>
Di
Pi
Gr.
gar
Digitized by Google
'T
•»8
t-
is)
■ le.
•*n
ei.
fin-
>er-
i id
tnl
■ten
ii te
Ritter des M. T.-O. Brauo Freiherr von Montluisant.
391
gegen Lensumo vor. Weiter wurden vier Compagnien Großherzog von Hessen,
welche sich ursprünglich der letzteren Colonne als Reserve anzuschließen hatten,
gegen den Monte Saval (südlich des Monte Pichea) dirigiert, weil der Feind
starke Abtheilungen von Pieve dahin vorschob. Diese letztere Colonne hatte
sich aber nach Zulässigkeit auch an dem allgemeinen Angriffe zu betheiligen.
Alle Colonnen brachen um 4 Uhr morgens auf; jene des Major Graf Grünne
langte zuerst bei Lensumo an und verdrängte mit der Avantgarde den Feind aus
dem Orte. Dieser zog sich nach Enguiso, musste aber, als die Tete der Colonne
Krynicki eintraf, auch von dort zurückweichen.
Die Raketen-Batterien wurden nun östlich Enguiso, die Gebirgs-Batterie
auf der Straße placiert, und richteten ihr Feuer gegen die starke feindliche Stellung,
welche von der Höhe östlich Locca bis zur oberen Kirche von Bececa reichte.
Die feindliche Reserve stand in Bececa und auf der Straße gegen Tiarno. Zwei
Geschütze waren zunächst der Kirche von Locca, andere zwei Geschütze auf
dem Hügel zwischen Locca und Bececa placiert.
Nachdem diese Stellung durch die Wirkung der österreichischen Batterien
erschüttert worden war. rückte Major Graf Grünne mit drei Jäger-Compagnien,
zwei Compagnien Großherzog von Hessen und den Landesschüfzen sowohl auf der
Straße, als auch oberhalb derselben zum Sturme vor, während eine zur Umgehung
des dominierenden rechten feindlichen Flügels entsendete Compagnie durch ihr
rechtzeitiges Erscheinen entscheidend mitwirkte. Der Feind räumte die Höhen,
erreichte fliehend Locca, ward aber auch von dort durch die unaufhaltsam nach-
stürmenden österreichischen Truppen hinausgeworfen. Während dabei eine Divi-
sion Tiroler Jäger von der Colonne Krynicki von Westen her in das Dorf eindrang,
kam die früher erwähnte, gegen den rechten feindlichen Flügel detachierte Um-
gehungs-Colonne dem Gegner in den Rücken.
Die Folge dieses energischen und umfassenden Angriffes war, dass nach
hartnäckigem Kampfe über 600 Freischärler gefangen wurden.
Oherst Frh. von Montluisant ließ nun sofort auch Bececa angreifen, wo der
Feind, neun Bataillone stark, Stellung genommen hatte. Nachdem ein wirksames
Geschützfeuer unterhalten worden war. drang Major Graf Grünne gegen die Nord-
seite Bececa s vor, während 1 Division Tiroler Jäger (von der Colonne Krynickis)
gegen den unmittelbar nördlich des Ortes befindlichen Felsenriss dirigiert wurde.
Trotz des heftigen Gewehrfeuers seitens des Feindes wurde dieser auf allen Punkten
überwältigt; er verließ, gegen Santa Lucia retirierend. Bececa und verlor dabei,
kräftig verfolgt, neuerdings bei 500 Gefangene.
Oberst Frh. von Montluisant musste sich auf den erreichten Erfolg beschrän-
ken, weil zwischen Tiarno und Ampola eine ganz unverhältnismäßige Über-
macht (12.000 bis 15.000 Mann ) mit Sicherheit vorausgesetzt werden konnte und
die eigenen Truppen sich beinahe ganz verschossen hatten. Der Kampf ward
sonach um H'/j Uhr abgebrochen und dann, unter Mitnahme aller Verwundeten
und Gefangenen, völlig unbelästigt vom Feinde, der Rückmarsch auf den Monte
Pichea ausgeführt, wo abends wieder das Luger bezogen wurde.
Digitized by Google
392 CLXIV. bis CLXVUI. Promotion. - Im Kriege toi> 1866. — Tirol.
Der Gegner verlor beiläufig 100 Manu Todte, darunter einen Obersten, 250
Mann Verwundete und über 1.100 Gefangene, unter diesen 2 Stabs- und 17 Ober-
Oföciere.
So glänzend als diese Waffenthat an sich schon war, so weittragende Folgen
hatte dieselbe für die Verteidigung Tirols. Dem GM. Frh. von Kuhn ward dadurch
ermöglicht, den größten Theil seiner Streitkräfte aus dem westlich der Etsch
liegenden Abschnitte von Süd-Tirol nach dem östlichen Gebiete, namentlich
in die Val Sugana, zu werfen. Schon am 22. Juli konnte infolge des durch den
Obersten Frh. von Montluisant ausgeführten niederschmetternden Schlages GM.
Frh. von Kuhn — ohne von Garibaldis gegen 40.000 Mann starken Scharen im
geringsten mehr belästigt zu werden — mit seinen Kräften nach dem strategisch
wichtigen Trient eilen und sich noch rechtzeitig der bereits in der Val Sugana
bis Pergine vorgedrungenen feindlichen Division Medici entgegenwerfen.
Auf Grund der bei Bececa am 21. Juli 1866 vollbrachten Waffenthat
geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Großmeister
über Votum des Ordens-Capitels kraft Promotion CLXVI vom 29. August 1S66
den Obersten Bruno Frh. von Montluisant durch Verleihung des Klein-
kreuzes zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Wenige Jahre später, am 1. Jänner 1870, trat Frh. von Montluisant nach
vierzigjähriger ebenso ersprießlicher als hervorragend ausgezeichneter Dienst-
leistung in den Ruhestand, wobei ihm Seine Majestät der Kaiser huldvollst den
Charakter eines Generalmajors zu verleihen geruhte.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Moritz Freiherr Manfroni von Manfort.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 18G0.)
Manfroni wurde zu Wien im Jahre 1832 geboren, trat im 17. Lebensjahre,
am 16. September 1819. in die k. k. Marine als provisorischer Marine-
Cadet ein und begann seine Laufbahn an Bord der Fregatte Venus, wo er am
15. Februar 1850 ef fectiver Marine-Cadet winde.
Am 16. December 1851 erfolgte seine Beförderung zum Fregatten-
Fähnrich, am 12. Mörz 1851 zum Schiffs-Fähnrich, am 1. April 1857 zum
Fregatten-Lieutenant und am 1. December 1859 zum Linien-Schiffs-
Lieutenant.
Als solcher Commandant des Kanonenbootes Wall, befand sich Manfroni
mit diesem Schilfe in Rhodus. als er mit der Nachrieht über den Ausbruch des
Krieges gegen Dänemark im Jahre 1864 den Befehl erhielt, sich mit der nach
der Nord-See bestimmten Flotten-Abtheilung unter Befehl des Gommodore Tegett-
hoff in Malta zu vereinigen. Da dieselbe Malta, als Manfroni dort eintraf, schon
verlassen hatte, fuhr derselbe über Algier nach und fand in Gibraltar den
Digitized by Google
Digitized by Google
Digitized by Google
Ritter des M. T. O. Moriti Freiheir von Manfroni.
393
Befehl vor, diese Station zu übernehmen. Conüe-Admiral Freiherr von Wüllers-
torf. welcher mittlerweile das Escadre-Commando fibernommen hatte, ertlieilte
jedoch Manfroni den Befehl, das Panzerschiff Don Juan bis zu dessen Vereinigung
mit der Escadre zu begleiten. Aber auch nachdem dies im Hafen von Brest
geschehen war, verblieb der Wall im Escadre- Verbände, bis demselben der Befehl
ertheilt wurde, bei der Wegnahme der nordfriesischen Inseln, welche der
dänische Gapitän Hammer zu behaupten versuchte, mitzuwirken.
Aus Anlass seiner Leistungen während dieses Unternehmens, welches vom
11. bis 19. Juli dauerte, wurde Linienschiffs-Lieutenant Manfroni am 8. August
18ü4 mit dem Militär- Verdienstkreuze mit der Kriegs-Decoration ausge-
zeichnet.
Die durch das Unternehmen von den Dänen befreite Insel Wyck ernannte
Manfroni aus Dankbarkeit zu ihrem Ehrenbürger.
Nach dem Feldzuge in Schleswig-Holstein wurde Linienschiffs-Lieutenant
Manfroni zur k. k. Flotille auf dem Garda-See versetzt und am 15. April 18GG
zum Corvetten-Capitän befördert.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 18G6 befehligte Corvetten-
Capitän Manfroni die aus 6 Kanonenbooten und 2 Raddampfern bestehende k. k.
Flotille'") auf dem Garda-See. Bei Ausbruch der Feindseligkeiten wurde dem-
selben die Aufgabe zutheil, eine Landung von Freischaren in Tirol zu verhindern,
die feindliche Flotille in Salö festzuhalten und Kiva zu unterstützen.
Schon vor Beginn der Feindseligkeiten waren von den Freischärlern bei der
Spitze von Madern o Strand-Batterien aufgeführt worden und große Freischaren
hatten sich vom 10. Juni an bei Maderno und Gargnano unter den dort auf-
gestellten Batterien unter persönlichem Commando Garibaldis angesammelt.
Als am 2.3. Juni die allgemeine Vorrückung der italienischen Armee über den
Mincio stattfand, und für den 24. ein Zusammenstoß mit der Süd-Armee voraus-
zusehen war, griff Manfroni noch am 23. nachmittags die unter Maderno ver-
sammelten Freischärler an. Es gelang ihm, trotz dem heftigen Feuer der dortigen
Strand-Batterien, den Freiseharen nicht unerhebliche Verluste beizubringen und
sie zu zerstreuen. Durch diesen unternommenen Angriff wurde jeder Versuch von
Seite der Garibaldianer, durch eine Landung an der österreichischen Küste der
Süd-Armee während der Schlacht von Custozza in Flanke oder Rücken zu fallen,
vereitelt und speciell der Reserve-Division GM. von Rupprecht und den Ausfalls-
Truppen von Peschiera der Rücken freigehalten. Manfroni hatte durch dieses
Vorgehen zwar auch beabsichtigt, die in dem befestigten Hafen von Salö liegende
feindliche Flotille herauszulocken und zum Gefechte zu zwingen; die feindlichen
Schiffe ließen jedoch ihre Truppen von der k.k. Flotille beschießen, ohne auszulaufen.
Vom 24. Juni bis 1. Juli sammelten sich große Massen von Garibaldianern
in Desenzano, wahrscheinlich um gegen Peschiera zu demonstrieren. Manfroni
*) Die Namen der Schiff«' sind aus der Darstellung an der Spitze des Abschnitts über die
Verteidigung Tirol», Seite 364, zu ersehen.
Digitized by Google
394 CLXIY. bis CLIVin. Promotion. — Im KrUfe toh 1R66. - Tirol.
begab sich am 1. Juli mit dem Kanonenboote Speiteufel und dem Dampfer Hess
dahin, griff die Garibaldianer an und zwang sie, ihr Lager an der östlichen Seite
der Stadt zu verlassen und sich in wilder Flucht zurückzuziehen. Sie räumten
überhaupt Desenzano und das nächstliegende Küstengebiet gänzlich, infolge
dessen die Süd-Armee bei ihrer Vorrückung am 2. Juli über den Mincio in der
Richtung von Desenzano auf keinen Feind stieß.
Auf mündlichen Befehl Sr. k. k. Hoheit des Erzherzogs Albrecht sollte bei
der weiteren allgemeinen Vorrückung der Süd-Armee, im Vereine mit den aus
Tirol unter Commando des GM. Frh. von Kuhn hervorbrechenden Truppen eine
Landung bei Gargnano bewerkstelligt werden, um die von den Freischärlern auf-
geführten Strand-Batterien zu nehmen. Um die Landung vorzubereiten, wurden
am 2. Juli die bei Gargnano versammelten Freischärler in der Früh sowohl als
auch am Nachmittage von der Flotille angegriffen und gleichzeitig der Ausschiffungs-
brücke von Gargnano sich versichert. Dabei wurden die Garibaldianer aus
unmittelbarer Nähe mit Kartätschen beschossen und denselben neuerdings erheb-
liche Verluste beigebracht.
An demselben Abend versuchte zwar ein feindliches Kanonenboot von Salu
bis Gargnano vorzudringen, wurde aber von einem österreichischen kreuzenden
Kanonenboot angegriffen und zum Rückzüge nach Salö gezwungen.
Obwohl dem Corvetten-Capitän Manfroni schon am 4. Juli die Nachricht
zukam, dass sowohl die allgemeine Vorrückung der Armee, als auch die Landung
bei Gargnano unterbleiben würde, ließ er doch von neuem die dort versammelten
Freischärler am 4. Juli angreifen. Denselben wurden diesmal derartige Verluste
beigebracht, dass Garibaldi, welcher mit seinem Stabe in Gargnano sich auf-
hielt, jede weitere Absicht einer Landung an der österreichischen Küste aufgab
und sich unter Zurücklassung von einigen Abtheilungen jüngerer Mannschaft mit
dem Gros der Freischärler nach Roccad'Anfo zog, um von dort aus das Ein-
dringen in Tirol zu versuchen.
Nachdem Manfroni am 6. Juli die in Gargnano verbliebenen Freischärler
neuerdings angegriffen und denselben wieder empfindliche Verluste beigebracht
hatte, kam es am 7. Juli zum erstenmale zu einem Kampfe mit feindlichen Schiffen.
Fünf italienische Kanonenboote fuhren aus dem Hafen von Salö aus und wurden
von Manfroni mit drei Kanonenbooten angegriffen. Er steuerte direct auf sie los. um
eine Melee herbeizuführen. Die feindlichen Kanonenboote, obwohl stärker, ließen
es jedoch nicht darauf ankommen, sondern zogen sich, sobald sie das entschiedene
Darauflosgehen der österreichischen Schiffe bemerkten, eiligst nach Salö zurück.
Eine Verfolgung war nicht möglich, da sich die feindlichen Schiffe immer im
Schutze der Strand-Batterien befanden, einen Vorsprung von 10 Kabeln hatten
und bei ihrer guten Fahrt bald in Salö waren.
Am 18. Juli erhielt Manfroni die Nachricht, dass starke Abtheilungen aus
Vene tien nach Tirol vordringen. Es war vorauszusehen, dass GM. Frh. von Kuhn,
welcher in Tirol sehr wenig Truppen zur Vorfügung hatte, gezwungen sein werde,
seine ganze Macht zu concentrieren, um Trient zu vertheidigen. Infolge dessen
Digitized by Google
Ritter de« M. T.-O. Moritz Freiherr von Manfroni.
39r,
wäre sowohl Riva, als auch das ganze Sarca-Thal den Freischärlern preis-
gegeben gewesen; auch stand die auf feindlicher Seite offenbar beabsichtigte
Vereinigung der Freischärler mit der von der italienischen Armee nach Tirol
entsendeten Division Medici zu besorgen. Manfroni stationierte demnach ein
Kanonenboot nach Riva, um diese Stadt möglichst zu schützen, und gab einem
zweiten bei Malcesine kreuzenden Kanonenboot den Befehl, im Falle der Noth-
wendigkeit sich ohne weiters ebenfalls nach Riva zubegeben und das dortige
Kanonenboot zu unterstützen.
Am 19. Juli abends kam der italienische Dampfer Benaco aus Salö
heraus und steuerte gegen Gargn an o. Ein im Schlepp steuerndes, schwerbeladenes
Boot ließ die Absicht des Feindes erkennen, seinen Truppen in Gargn an o
Munition und Lebensmittel zur See zu überbringen, da der Landweg sehr weit und
sehr beschwerlich war. Benaco wurde vom kreuzenden Kanonenboot Wild-
fang sogleich angegriffen und bis Gargn ano verfolgt. Manfroni begab sich selbst
alsogleich mit dem Kanonenboot Speiteufel dabin. Auf die vom Commandanten
des Wildfang empfangene Meldung, der feindliche Dampfer habe solche Havarien
erlitten, dass ein Entkommen desselben nicht möglich sei, beschloss Manfroni, das
feindliche Schiff wegzunehmen. Er entsendete, da sich das Kanonenboot Scharf-
schütze ebenfalls in der Nähe befand, den Dampfer Hess nach Maderno zur
Bewachung der Küste, damit dem Benaco von Salö aus keine Hilfe zukomme,
und nahm für die Nacht seine Aufstellung vor Salö, um ein Auslaufen der feind-
lichen Flotille zu verhindern. In der Früh des 20. gegen Tagesanbruch nahm der
Scharfschütze, vom Wildfang gedeckt, in der That das feindliche Schiff weg,
während Manfroni mit dem Speiteufol unter die Batterie von Gargnano steuerte,
um die beiden anderen Kanonenboote bei dem Unternehmen zu unterstützen.
Hiebei wurde der Spei teufe 1 gleich den beiden anderen k. k. Schiffen von der
feindlichen Batterie zwar Überschossen, musste jedoch dafür im feindlichen
Gewehrfeuer steuern, so dass von den Freischärlern zwei Mann an Bord durch
Gewehrkugeln verwundet wurden. Nach gelungenem Unternehmen begab sich
Manfroni mit den Schiffen an die österreichische Küste unter Casteletto, wo die
Lecke des Benaco nothdürftig verstopft wurden. Darauf wurde derselbe, an der
feindlichen Batterie von Maderno vorbei, zur Esiadre geschleppt, ohne dass
die mittlerweile von Salö ausgelaufenen und vor der Batterie von Maderno
ausgestellten fünf feindlichen Kanonenboote durch einen Angriff auf die Kanonen-
boote Speiteufel und Wildfang versuchten, sich des Benaco wieder zu be-
mächtigen.
Erst gegen Mittag desselben Tages, nachdem der Benaco bereits nach
Peschiera in Sicherheit geschleppt und die fünf feindlichen Kanonenboote in den
Hafen von Salö wieder eingelaufen waren, griffen dieselben das vor Salö kreuzende
Kanonenboot Raufbold an. Manfroni sandte demselben sogleich das Kanonenboot
Wespe zur Unterstützung und machte sich selbst mit dem Spejteufel wieder
zum Auslaufen bereit. Kaum war jedoch Wespe auf dem Wege und Speiteufel
in Bewegung, als sich die feindlichen Kanonenboote so eilig nach Salö zurück-
Digitized by Google
396
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 186«. — Tirol.
zogen, dass Manfroni mit dem Speiteufel wieder auf den Ankerplatz zurückkehrte
und auch Wespe zurückrief.
Am 21. Juli fröh ließ Manfroni durch den Dampfer Franz Joseph das Fort
von Lecchi recognoscieren ; dasselbe gab einige Schüsse gegen den Dampfer,
jedoch ohne Erfolg, ab, während die Schüsse des Franz Joseph das Fort mit
voller Wirkung trafen.
Am 21. Juli nachmittags kamen die fünf feindlichen Kanonenboote aus Salb
heraus, anscheinend behufs Deckung einer geladenen großen Barke, welche nach
Gargnano segelte. Manfroni begab sich mit den Kanonenbooten Speiteufel und
Wespe alsogleich nach Torri und steuerte auf die feindlichen Schiffe in der
Erwartung los, dass die fünf feindlichen Kanonenboote gegen die zwei österreichi-
schen den Nahkampf annehmen würden, besonders, da sie sich in unmittelbarer
Nähe der Strand-Batterien von Maderno befanden, ihr Rückzug demnach auf alle
Fälle gesichert war. Kaum halte sich jedoch Manfroni den feindlichen Schiffen
genähert, als sie sich nach einigen gewechselten Schüssen nach Stil 6 flüchteten.
Trotzdem er sodann bis (> Uhr abends vor Salo mit seinen zwei Kanonenbooten
verblieb, wagten dieselben doch keinen Angriff.
Am 22. Juli nachmittags kamen die fünf Kanonenboote neuerdings bis unter
die Batterie von Maderno. Manfroni setzte sich gegen dieselben alsogleich wieder
mit Speiteufel und Wespe in Bewegung. Bei Torri stieß noch der Wild fang
zu ihm. Während letzteres Schiff einige Schüsse mit der Batterie von Gargnano
wechselte, steuerte Manfroni gegen die feindlichen Kanonenboote; diese llüchteten
jedoch wieder nach Salo.
Am 24. Juli um Mittag kamen die feindlichen Kanonenboote aus Salo heraus
und griffen das auf Kreuzung befindliche Kanonenboot Scharfschütze an. Das-
selbe steuerte sofort auf die feindlichen Schiffe los. um sie zum Nahkanipfe zu
zwingen. Manfroni eilte mit dem Speiteufel auf den Kampfplatz; auch das
Kanonenboot Uskoke kam vom oberen See zur Unterstützung heran. Während das
letztere von der Batterie von Gargnano beschossen wurde, fuhr Manfroni bis auf
Schussweite an die feindlichen Kanonenboote heran. Kaum hatte er jedoch seine
Schiffe in Schlachtordnung rangiert, um zum Nahkampfe zu schreiten, als die feind-
lichen Kanonenboote sich eilig-t nach Salö zurückzogen, ohne einen Angriff
anzunehmen.
An demselben Tage um 7'/2 Uhr abends kam dem Corvetten-f .'apit'm Man-
froni von dem bei Riva stationierten Kanonenboote Wespe die Meldung zu, dass
die k. k. Truppen Riva verlassen hatten, bei dem plötzlich erfolgten Abmärsche
derselben viel Material zurückgeblieben war und man das Einrücken der Garibal-
dianer in Riva, sowie deren Vorrückung in das Sarca-Thal von Moment zu
Moment besorge. Manfroni fuhr alsogleich mit Speiteufel dahin ab, bestimmte
zur Deckung von Riva die Hälfte der Schiffe, nämlich die Kanonenboote Spei-
teufel. Wespe. Uskoke und den Dampfer Franz Joseph, während er vier
andere Schiffe vor Salo zurückließ, um die feindliche Flotüle zu beobachten,
sowie einen Durchbrach derselben nach Riva um jeden Preis zu verhindern. Sehr
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Munt/. Freiherr von Manfroui.
397
schlechtes Wetter hielt Manfronis Fahrt derart auf, dass er erst um 2 Uhr nach
Mitternacht vom 24. zum 25. Juli hei Riva ankam. Nachdem er sich mit den
Kanonenbooten Wespe und Uskoke vereinigt hatte, ließ er bei Tagesanbruch
Riva recognoscieren. Da sich kein Feind in unmittelbarer Nähe befand, bargMan-
froni alles Material, das sich in der Kaserne vorfand, auf den Schiffen und gieng
eben daran, auch die dort befindlichen ärarischen Kuhlen einzuschiffen, um die-
selben zu retten, als gegen 9 Uhr vormittags auf der Ponal-Straße Abtheilungen
von Garibaldianern gegen Riva vorrückten.
Manfroui nahm mit den Kanonenbooten alsogleich eine Aufstellung, um
den Feind wirksam beschießen zu können, und schickte Franz Joseph mit
dem geretteten Gute nach Malcesine. Die vorrückenden Freischärler wurden von
den Schiffen und dem Fort S. Nicolo derart beschossen, dass dieselben sieh
eiligst zurückzogen, worauf Manfroui wieder die Schiffe vor Riva anlegen ließ, um
das Bergen des ärarischen Gutes fortzusetzen.
Um 5 Uhr nachmittags rückten die Garibaldianer wieder auf der Ponal-
Straße vor, wurden jedoch wieder zurückgeworfen.
Für die Nacht ließ Manfroni die Schiffe bis auf 50 Klafter Entfernung an das
Land anfahren und die Schutzmauer der Chaussee theilweise abtragen, um jedes
Vorrücken des Feindes unmöglich zu machen.
Gegen 10 Uhr nachts kam ihm jedoch durch den Dampfer Hess die Ver-
ständigung zu, dass inzwischen ein Waffenstillstand abgeschlossen worden war.
Er stellte infolge dessen die Feindseligkeiten ein, ließ aber sofort Riva und das
Sarca-Thal besetzen und durch Patrouillen bewachen. Dadurch bewahrte er das
österreichisch»1 Gebiet auch nach dem Waffenstillstände vor einer Überflutung
durch die Freischärler, welche durch den langen Aufenthalt auf den Bergen, Mangel
an Lebensmitteln und Strapazen aller Art derart demoralisiert waren, dass sie
trotz Waffenstillstandes — zwar unbewaffnet, dafür aber in ganzen Trupps — bis
nach Riva und Arco streiften, um Lebensrnittel aufzutreiben.
Sowohl die als Parlamentäre in Riva angekommenen Officiere, als auch die
Mannschaft der Freiwilligen sagten einstimmig aus, ihre Aufgabe, nämlich Riva und
das fruchtbare Sarca-Thal noch vor Abschluss des Waffenstillstandes zu erreichen,
um dorl durch große Contributionen die Erhaltung eines großen Theiles der Gari-
baldianer zu erzwingen, sei durch das Vorgehen der Flotille vereitelt worden.
Dieser Erfolg war von umso größerer Bedeutung, als er entschieden Einfluss
auf die kurz darauf bestimmte Demarkationslinie übte, indem die Waffenstillstands-
Bedingungen die Bestimmung enthielten, dass die Spitzen der Colonnen dort zu
halten hatten, wo sich dieselben im Zeitpunkte der Einstellung der Feindseligkeiten
befanden.
So hatte unter der tapferen und klugen Führung des Corvetten-Capitäns
Manfroni die Gardesee-Flotille die ihr gestellte Aufgabe auf das glänzendste
durchgeführt, überdies aber dank den auf eigene Verantwortung Manfronis aus-
geführten Unternehmungen zur Sicherung der Operationen der Süd-Armee am
Mincio, sowie zur erfolgreichen Verteidigung Tirols erheblich beigetragen.
Digitized by Google
398
CLXJV. bis CLXVIII. Promotion. — Im Kriege von 1866. — Tirol
Auf Grund der dadurch vollbrachten Waffenthat geruhte Seine Majestät
Kaiser Franz Joseph l. als Erhabener Großmeister Ober Votum des Ordens-
Capitels kraft Promotion GLXVI vom 29. August 1866 den Corvetten-Capitän
Moritz Manfroni von Manfort, nachdem dessen Leistungen gleich nach Abschluss
des Waffenstillstandes am 18. Juli 1866 mit dem Orden der Eisernen Krone
III. Glasse mit der Kriegs - Decoration ausgezeichnet worden, durch Ver-
leihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria-Theresien-Ordens zu
promovieren.
Bei der Übergabe Venetiens an Italien fungierte Manfroni als Mitglied
der Liquidierungs-Commission der Festung Peschiera und wurde ihm für seine
hiebei entfaltete Thätigkeit der Ausdruck der Allerhöchsten Anerkennung
zutheil.
Am 28. October 1868 zum Fregatten-Gapitän befördert, wurde er gleich-
zeitig zum Gommandanten des Artillerie-Schulschiffes Adria ernannt, befehligte
dasselbe bis 13. Jänner 1873 und rückte am 31. October 1872 zum Linien-
schiffs-Capitän vor.
Am 21. Mai 1874 wurde ihm auf Grund der Statuten des Maria Theresien-
Ordens der Frei herrn stand verliehen.
Nachdem er vom 14. Jänner 1873 durch zwei Jahre am Lande in Dienstes-
verwendung gestanden, erfolgte am 14. Jänner 1875 seine Einschiffung auf dem
GasemattschifT Kaiser, wonach er vom 27. Mai desselben Jahres die Fregatte
Radetzky bis 28. October 1876 befehligte.
Als Commandant der Fregatte Radetzky 1876 vollführte Linienschiffs-
Gapitän Manfroni die Mission, anlässlich der Ermordung des deutschen und franzö-
sischen Consuls in Salon ichi die Interessen der österreichisch-ungarischen Unter-
thanen jenes Emporiums zu schützen, und wurde demselben hiefür von Seite des
Ministeriums des Äußern der Dank ausgesprochen.
Nach der Rückkehr aus dem Orient leistete Frh. von Manfroni Dienst zu Lande
durch mehr als drei Jahre, befehligte jedoch dazwischen wiederholt kurze Zeit den
Dampfer Miramare, und zwar von Mitte August bis Mitte September 1877, als an
dessen Bord Seine k. k. Hoheit Kronprinz Rudolph seine erste Seereise durch
Dalmatien und bis Gorfu unternahm, sodann von Mitte April bis Anfang Juli
1879, während der Reise Hö< hstdesselben nach Spanien.
Am 15. Mai 1881 übernahm Linienschiffs-Capitän Frh. von Manfroni das
Gommando des Casemattschiffes Alb recht und gieng mit demselben nach Tunis,
um dort während der französischen Occupations-Campagne die Interessen der
österreichisch-ungarischen Unterthanen zu schützen.
Von Tunis einberufen, wurde AI brecht anlässlich der militärischen Opera-
tionen in Süd-Dalmatien ge^en den Aufstand von 1881 auf 1882 nach den
Bocche di Gatlaro beordert und dort bei Risano stationiert Für die Leistungen
des Gasemaltschiffes bei Überwältigung des Aufstandes wurde LinienschifTs-
Gapitän Frh. von Manfroni am 10. Mai 1S82 mit dem Ausdrucke der Aller-
höchsten Anerkennung ausgezeichnet
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866. — Adriatiaches Meer.
390
Am 24. Juni 1884 wurde Frh. von Manfroni zum Commandanten des
Matrosen-Corps, sodann am 29. November desselben Jahres zum See-Arsenals-
Commandanten in Pola ernannt und auf diesem Dienstposten am 1. Mai zum
Contre-Admirnl befördert. Als solcher befehligte er — vom 1. Juni bis 20. Juli
auf dem Casemattschiff Tegetthoff eingeschifft — während der Kaiser-
See manöv er des Jahres 1884 die zweite Division der Panzerschiffe.
Am 24. Jänner 1888 wurde Gontre-Admiral Frh. von Manfroni von dem
Posten des See-Arsenals-Commandanten in Pola unter Allerhöchster Aner-
kennung seiner in dieser Verwendung geleisteten ersprießlichen Dienste enthoben
und zum Escadre-Commandanten ernannt. Er schiffte sich am 1. März auf
der Fregatte Laudon, am 18. April auf dem Casemattschiffe Gustozza ein und
gieng mit der unter seinem Commando stehenden Escadre nach Barcelona, um
anlässlich der durch die Anwesenheit des minderjährigen Monarchen, Seiner Maje-
stät des Königs Alphons XIII. und Ihrer Majestät der Königin-Regentin von
Spanien Marie Christine, verherrlichten Eröffnung der Weltausstellung
Österreich-Ungarn würdig zu repräsentieren. Contre-Admiral Frh. von Manfroni
und das gesammte Officiers-Corps wurden von der Königin-Regentin auf die
huldvollste Art ausgezeichnet. Ihre Majestät beehrte mit Allerhöchstihrem Besuche
das Fluggenschiff Gustozza und das Panzerschiff Tegetthoff. worauf die
Königin-Regentin mit dem k. k. Torpedoschiffe Panther eine kurze Fahrt
unternahm. Von Barcelona kehrte die k. k. Escadre nach Pola behufs Abrüstung
zurück.
Freiherr von Manfroni trat am 27. August 1889 in Ruhestand, bei welchem
Anlasse Seine Majestät der Kaiser ihm den Vice- Ad mirals- Charakter ad honores
und das Ritterkreuz des Leopold-Ordens zu verleihen geruhte.
Vice-Admiral Freiherr von Manfroni starb am 5. September 1889 in Mo n te-
il ello bei Triest.
Im Kampfe auf dem Adriatiachen Meere im Jahre 1866.
Wie zu Lande, so hatte Österreich im Kriege 1866 auch zur See gegen die
Üb ermacht der italienischen Streitmittel zu kämpfen, denn Italien befand sieb im
Besitz einer verhältnismäßig mächtigen Flotte.
Die Aufgabe der kaiserlichen Marine, das österreichische Küstengebiet zu
beschützen, stellte bei der großen Ausdehnung desselben (480 Seemeilen vom
Po -Delta bis zur Spitze Dalmatiens) außerordentliche Anforderungen an die
Thätigkeil und die Kräfte der österreichischen Flotte.
Der nördliche Theil des Golfes bot für die Flotte in Venedig, insbesondere
aber in dem Huuptkriegshafen Pola gute Stützpunkte. Zur Küstenbewachung und
Vertheidigung des Hinterlandes war eine Anzahl fester Küstenpunkte und die Insel
Lissa in Vertheidigungszustand gesetzt und denselben circa 15.000 Mann als
Besatzungen zugewiesen. Die dalmatinische Küste aber konnte, obwohl an ver-
* Digitized by Google
400
CLXIV. bis CLXV1II. Promotion.
schiedenen Punkten befestigt, bei der schwachen Küstenbesatzung nur vertheidigt
werden, wenn es gelang, Herr zur See zu bleiben.
Am 30. April erfolgte der kaiserliche Befehl zur Ausrüstung einer opera-
tiven Escadro. Der Stand derselben war ursprünglich auf 21- Schiffe bestimmt,
wurde jedoch später auf 30 Schiffe erhöht. Diese Flotte sollte zusammen 11.000
Pferdekraft, 514 Kanonen, 8200 Mann, (50.474 Tonnengehalt zählen. Das Grund-
geschütz und nahezu die Hälfte der ganzen Armierung bildete die glatte dreißig-
pfündige Kanone; ferner die glatte achtundvierzigpföndige Kanone und die
gezogene vierundzwanzigpfündige Rücklad-Kanone; endlich war eine kleine Zahl
von sechzigpfündigen Granat-Kanonen vorhanden.
Am 9. Mai wurde Contre-Adrniral von Tegetthoff zum Commandanten der
Escadre ernannt. Unter seiner energischen Einwirkung nahmen alle Ausrüstungs-
und Armierungs-Arbeiten, sowie die taktische Ausbildung überaus raschen Fort-
gang. Am 5. Juni formierte er die bereits auf der Rhede von Fasana eingelaufenen
Schiffe der Escadre in drei Divisionen nach Panzerschiffen, schweren Holz-
Schraubenschiffen und Kanonenbooten.
Am Tage nach der Kriegserklärung Italiens, am 21. Juni, lag die Escadre mit
nachstehenden 23 Schiffen operationsbereit auf der Rhede von Fasana in vier
Colon nen vor Anker:
6 Panzerschiffe: Prinz Eugen, Drache, Kaiser Max, Salamander,
Don Juan, Erzherzog Ferdinand Max;
5 schwere H olz - Schraubenschiffe : Schwarzenberg, Donau.
Adria, Radetzky, Erzherzog Friedrich;
7 leichte Holz-Schraubenschiffe: Hum, Dalmat. Wall, Vellebich.
Reka, Streiter, Narenta;
5 Raddampfer: Elisabeth, Greif, Stadion, Andreas Hofer, Tri est.
Es fehlten auf den anbefohlenen Stand der Escadre noch 7 Schifte, von
denen jedoch das Linienschiff Kaiser und das Kanonenboot Seehund schon am
25. Juni, die übrigen, worunter Panzerfregatte Habsburg und Schrauben fregatte
Novara successive derart einliefen, dass die Escadre am 10. Juli ihren vollen Stand
erreichte.
Noch bevor Österreich seine Rüstungen zur See begonnen hatte, zählte
Italien schon eine beträchtliche Zahl ausgerüsteter Kriegsschiffe. Am 3. Mai
befahl ein königliches Decret die Format ion einer Operations - Flotte von
31 Schiffen; später wurde die Verstärkung derselben auf den Stand von
38 Schiffen verfügt. Diese Flotte, worunter 12 Panzerschiffe, sollte zusammen
15.460 Pferdekraft, 859 Kanonen, 12.449 Mann. 94.193 Tonnengehalt und überdies
23 Transportschiffe zählen. Das Grundgeschütz ihrer Schiffsarmierung bildeten die
gezogene Kanone von 16 Centimetern, dann die glatte Kanone desselben Kalibers
und glatte Kanonen und Haubitzen zu 20 Centimetern. t'berdies erhielten mehrere
Panzerschiffe 150- und 300pfündige (20 und 25 Centimeter-) Armstrong-Geschütze,
deren bei Kriegsausbruch inj ganzen 10 vorhanden waren.
Digitized by Google
Im Kriege gestio Preußen und Italien 186«. — Adriatisches Heer.
401
Am 1 0. Mai übernahm Admiral Graf Persan o den Oberbefehl der Operations-
Flotte, welche sich in den Hafen von Tarent und Ancona versammelte. Kr erhielt
am 8. Juni Instructionen, „das adriatische Meer vom Feinde zu säubern, diesen
anzugreifen und zu blockieren, wo er ihn fände*.
Am 20. Juni, dem Tage der Kriegserklärung im Süden, ankerten in Tarent
19 und auf der Rhede von Ancona 8, zusammen 27 Kriegsschiffe, worunter
11 Panzer. Die italienische Flotte befand sich an diesem Tage sowohl in Bezug
auf Schiffszahl als Ausrüstung in einem Zustande, welcher sie zum sofortigen
Ergreifen der Offensive befähigte.
Bei dem Mangel jedweder Nachricht über die Bewegungen der feindlichen
Flotte hatte Tegetthoff am 20. Juni den Dampfer Stadium zur Recogn oscierung
der italienischen Küste von Ancona bis Bari entsendet. Derselbe kehrte an» 23.
mit der Meldung zurück, noch keinerlei größere Ansammlungen feindlicher Schiffe
wahrgenonunen zu haben.
In der That vollzog sich die Versammlung der feindlichen Flotte in Ancona
in der Zeit vom 22. bis 25. Juni.
Am 2ti. Juni unternahm Tegetthoff selbst mit einem Theile der Escadre
eine Recognoscierungsfahrt, um über die Stärke der feindlichen Macht im
nördlichen Golfe Positives zu erfahren, eventuell offensiv vorzugehen. Er erschien
tun 27. vor Ancona und bot dem alarmierten Gegner die Schlacht an. Da dieser
jedoch nicht auslief und ein Angriff auf denselben auf der Rhede selbst bei seiner
Übermacht aussichtslos war, kehrte Tegetthoff wieder nach Fasana zurück.
Am <>. Juli gieng Tegetthoff neuerdings in die See und steuerte bis in Sicht
des Monte d'Ancona.
Die italienische Flotte säumte indessen gegen alle Erwartung mit dem Beginne
der Operationen. Am 8. Juli endlich lief Persano von Ancona aus.
Am 10. erhielt Tegetthoff Meldung von der Anwesenheit einer feindlichen
Flotlenabtheihmg von circa 20 Schiffen in den Gewässern von Isola Grossa und
Lis«su. Doch blieb dieses Unternehmen ohne Folgen, indem Persano alsbald wieder
auf hohe See gieng und am 13. nach Ancona zurückkehrte.
Mitte Juli, um welche Zeit bereits diplomatische Verhandlungen ün Zuge
waren, schien es, als ob es zu einem Kampfe auf dem Meere überhaupt nicht mehr
kommen sollte. In Wirklichkeit drängte jedoch in Italien alles darauf hin. sich
die Überlegenheit der eigenen über die österreichische Flott*' zunutze zu machen.
Mit Rücksicht auf den nahenden Waffenstillstands-Abschluss wurde Lissa als das
geeignetste Object für eine rasche Operation ausersehen und ein Handstreirh auf
diese Insel ins Werk gesetzt.
Am IG. nachmittags lief Persano mit der italienischen Flotte von Ancona
aus, lavierte am 17. auf hoher See und erschien am 18. um 8'/, Uhr morgens in
Sicht vor Lissa.
Der Angriff auf die Insel, welche durch 21 Werke mit 88 Geschützen und
eine Besatzung von 1833 Mann unter Commando des Obersten Urs de Margina
vertheidigt wurde, erfolgte an drei Punkten, nämlich auf die Bucht von Gomisa
MüiUmch.r AUn« Tii»r«»i.o-Ord«i. 26
Dkjitizedtiy Google
■102
CLXIV. bis CLXVIII. Promotion.
durch 3 Panzer-, auf den Hafen von Munego durch 6 Schraubenschiffe und auf
die Befestigungen des Haupthafens von S. Giorgio durch das Gros der feindlichen
Flotte unter persönlicher Oberleitung Persanos. Die Kanonenboot-Flotille hatte
die telegraphische Verbindung Lissas mit Lesina zu unterbrechen.
Um 10 Uhr vormittags fielen die ersten Schösse von österreichischer Seite
und um Mittag tobte der Kampf gegen alle Punkte der Insel. Den Angriff auf
Comisa und Porto Manego stellte der Feind nach kurzer Zeit ein. Auf dem
Hauptangriffspunkte dagegen wurden durch das heftige italienische Feuer von
den Befestigungen des Hafens von S. Giorgio die Batterie Schmid in die
Luft gesprengt. Fort Georg und Batterie Mamula zum Schweigen gebracht. Die
hierauf versuchte Forcierung des Hafens durch 3 Panzer wiesen die inneren
Hafenbatterien zurück.
Am Abend zog sich die italienische Flotte gegen Nordwest zurück und gieng
vor Anker; zu derselben stieß auch die Kanonenboot-Flotille, welche die Kabel-
leitung bei Kesina unterbrochen hatte.
Am 19. setzte die italienische Flotte die Beschießung Lissas fort. Durch das
heftige Feuer der mächtigen italienischen Galiber wurde die westliche Befestigungs-
gruppe, nämlich Fort Georg, Batterie Mamula, Thurm Robertson, Bentink,
Batterie Zupparina bis auf 4 Geschütze zum Schweigen gebracht. Der Feind schritt
nun neuerdings, wie am ersten Tage, zur Forcierung des Hafens von S. Giorgio-
Die mit Kühnheit und Bravour eingedrungenen 4 italienischen Panzer wurden
aber durch die inneren Hafenbatterien und Infanteriefeuer wieder zurückgewiesen.
Ebenso wie dieser Angriff misslang auch die viel entscheidendere Ausschiffungs-
Operation feindlicher Landungstruppen bei Karober.
Um 8 Uhr abends gieng die feindliche Flotte wieder auf acht Seemeilen von
Lissa vor Anker. Mehrere Schiffe derselben hatten Havarien erlitten, insbesondere
das Panzerschiff Formid ab ilc, welches als gefechtsuntüchtig am folgenden Tage
nach An co na steuerte.
Obzwar die meisten italienischen Schiffe nur mehr für zwei Tage Kohlen an
Bord führten, beabsichtigte Persano den Angr-i ff am dritten Tage fortzusetzen.
Am 20. Juli 8 Uhr früh jedoch, als sich die italienischen Panzerschiffe zum
erneuerten Angriffe anschickten und die Ilolzsehiffe beim Hafen Karober neuer-
dings Vorbereitungen zur Landung trafen, dampfte plötzlich der Auslugger von
der Pnnta Planka mit dem Signale heran: „Verdächtige Schiffe in Sicht."
Ks war Tegetthoff mit der kaiserlichen Flotte.
Nachdem er aus Telegrammen des dalmatinischen Gouvernements die Über-
zeugung gewonnen, dass es sich um keine bloße Demonstration, sondern um
• -inen ernsthaften Augriff der ganzen italienischen Flotte auf Lissa handle, war er
am l'J. Juli uin 2 Uhr nachmittags von Fasana mit 27 Schiffen *) ausgelaufen
und seitdem — Curs auf Lissa — in Bewegung.
•) Unter diesen 47 Schiften befand sich auch der ^mietete, nicht armierte Raddampfer
Stadium; drei Raddampfer waren von dem 30 Schifte zählenden Stande der Escadre für den
Aviso-Dienst zwischen der Flotte und dem Ceulralhafcn in Pola zurückgelassen worden.
Digitized by Google
Im Kriege gegen Preußen und Italien 1866. — Adriatisclie« Meer.
403
Die österreichische Flotte war dabei in drei Divisionen formiert:
Sieben Panzerschiffe bildeten die vorderste,
sieben größere Hol/schiffe die zweite,
zehn Schrauben-Kanonenboote und Schooner die dritte und letzte Division.
Jede der drei Divisionen hatte außerdem einen Raddampfer als Repetiteur.
Die einzelnen Divisionen waren in vorspringendem Winkel formiert und
folgten einander in Kielwasserlinie.
Tegetthoff befand sich — an der Spitze der Panzer- Division und
gesammten Flotte zugleich — auf dem Admiralsschiff Ferdinand Max.
Am 20. um 10 Uhr vormittags sah die österreichische Escadre gerade vor
sich die feindliche Flotte, eben im Begriffe, sich an der Nordküste von Lissa zu
sammeln.
Admiral Persano war auf das erwähnte Signal seiner Auslugger-Schiffe hin
keinen Augenblick im Zweifel, dass die kaiserliche Escadre im Anzüge war. Er verlor
keine Zeit, sich gegen diesen neuen Gegner zu wenden, und gab der ganzen Flotte
Befehl, sich Westnordwest zu entwickeln.
Während die Holzflotte das Landungs-Materiale beiTravna einschiffte, ver-
sammelte Persano zunächst die Panzer flotte in Frontlinie. Als die Annäherungs-
richtung der österreichischen Flotte nach den Rauchsäulen ihrer Schiffe zu
entnehmen war, fiel er in Kielwasserlinie gegen Nordnordost ab und dampfte mit
der italienischen Panzerflotte der kaiserlichen Escadre entgegen. Die erstere
bestand aus 9 (später 10) Schiffen, welche in drei Divisionen — Vacca (Tete),
Fa di Bruno (Milte) und Ribotti (Queue) — formiert waren.
Admiral Persano selbst befand sich an der Spitze der Mittel-Division auf dem
Re d'Italia, überschiffte sich jedoch auf das Widderschiff Äff ondatore.
In den nächsten Augenblicken entbrannte die Seeschlacht bei Lissa.
Gefechtsbereit, mit vollem Dampfe steuerte die kaiserliche Escadre in ihrer
Keilformation. mit Ours Südsüdost, auf die feindliche Panzerflotte los. Dieselbe
eröffnete um 10 Uhr 13 Minuten das Feuer. Die kaiserliche Panzer-Division
erwiderte dasselbe in vollem Laufe.
Inmitten des dichten Pulverrauches rannte das österreichische Admirals-
schiff und die nächsten Panzer in die — durch die Überschiffung des italieni-
schen Admirals erweiterte — Intervalle zwischen der vorderen und mittleren
italienischen Panzergruppe, wodurch eine Trennung der feindlichen Tete vom
Gros entstand.
Während von der österreichischen Panzerflotte die Schiffe des Unken
Flügels backbord (links) gegen die feindliche Tete, jene des rechten Flügels steuer-
bord (rechts) gegen die feindliche Mittelgruppe abfielen, verkehrte das kaiserliche
Admiralsschiff nach dem Durchbruche der feindlichen Linie den Gurs und stürzte
sich mit den nächsten Schiffen, gleich dem rechten Panzerflügel, auf die italienische
Mittelgruppe.
Die österreichische zweite (schwere Holzsehifl-) Division, von der italienischen
Queue-Gruppe bedroht, warf sich rasch derselben entgegen.
Digitized by Google
404
CLX1V. bis CLXV11I. Promotion.
— Im Krieg« von 1 S66.
- AdriatUche» Meer.
Von der dritten österreichischen Division eilten die Kanonenboote zur
Verstärkung der Holzflotte.
Es entspann sich nunmehr im Centnun und auf dem eigenen rechten Flügel
allmählich eine Melee, welche immer gewaltigere Dimensionen annahm. In steter
Bewegung bekämpften sieh die Schiffe, indem dieselben den Gegner anzurennen
suchten, drohenden Rammstößen auswichen, dabei durch Geschützfeuer wirkten,
eventuell Breitseiten abgaben.
Während sich die italienische Holzflotte in der Nordbucht von Lissa
sammelte, wurde durch das kühne Eingreifen der österreichischen Holzflotte,
welche am rechten Flügel der eigenen Panzer-Division mit der italienischen Queue-
Panzergruppe kämpfte, diese letztere in Schach gehalten und von der Action
gegen die österreichischen Panzerschiffe abgezogen. In diesem Kampfe wurde das
Linienschiff Kaiser von mehreren Panzerschiffen nacheinander heilig angegriffen,
rammte eines derselben, erlitt schwere Havarien und gerieth in Brand. Infolge
dessen nicht mehr kampffähig, musste sich sodann Kaiser, von der übrigen Holz-
flotte gedeckt, aus dem Gefecht und gegen den Hafen von S. Giorgio zurück-
ziehen.
Die österreichische Panzer-Division bekämpfte mittlerweile mit ihrem Gros
die italienische Mitte, von welcher sich die feindliche Tete-Gruppe immer mehr
entfernte. Am heiligsten ward dabei die als italienisches Admiralsschiff angesehene
Panzerfregatte Re d'Italia angegriffen. Der ihr zuhilfe eilende Palestro wurde
in Brand geschossen und musste aus dem Gedränge flüchten. Dem hartbedrängten
Re d'Italia brachte aber das kaiserliche Admiralsschiff Erzherzog Ferdinand
Max einen tödtlichen Rammstoß bei, der diese italienische Panzer-Fregatte sofort
sinken machte (1 1 Uhr 20 Minuten vormittags).
Wiewohl der Kampf auch da erbitterten Fortgang nahm, löste sich doch die
Melee nach und nach und die italienischen Panzerschiffe zogen sich allmählich in
westlicher Richtung aus dem Gefechte. Damit war der kurze aber heftige Kampf
der Panzerflotten im allgemeinen abgeschlossen.
Indessen wurde die österreichische Holztlolte, welche den Rückzug des
brennenden Kaiser deckte, durch zwei Panzerschiffe der italienischen Tete-
gruppe, die nach kurzem Kampfe mit dem österreichischen linken Panzerflügel,
in den Rücken der Holzflotte gelangt waren, sodann auch durch den Affon-
datore angegriffen. Diese Angriffe wurden, unter kräftiger Unterstützung
durch kaiserliche Panzer-Fregatten des rechten Flügels, von der Holzflotte
abgewiesen, worauf Kaiser die Fahrt unbelästigt nach dem Hafen S. Giorgio
fortsetzte, während die übiigen Holzschiffe unter Führung der Schrauben-Fregatte
Schwarzenberg wieder nordwärts dampften, um sich mit der Panzer-Division
zu vereinigen.
Tegetthoff, welcher nach Abschluss des Kampfes zwischen den Panzer-
flotten um 12 Uhr 10 Minuten das Signal zum Sammeln gegeben hatte, steuerte
der Ilolzflotte bereits mit der Panzer-Division entgegen und formierte die vereinigte
Escadre wieder in Gefechtsordnung.
Digitized by Googhf
Commandeur des M. T. O. Wilhelm von Tegellhoff.
405
Admiral Persano sammelte, nachdem er erfolglos versucht hatte, seine
Holzschiffe ins Treffen zu bringen, die italienische Flotte nordwestlich von Lissa
und nahm sodann Curs gegen den Canal zwischen Lissa und Busi.
Da es nicht in der Absicht des kaiserlichen Admirals lag, den Gegner zu
verfolgen, so wurde das Einlaufen in den Hafen von S. Giorgio befohlen. Bei
Beginn dieser Bewegung flog das italienische Panzerschiff Palestro in die Luft
(2'/t Uhr nachmittags), womit die Seeschlacht bei Lissa ihren Abschluss fand.
Am 21. Juli abends gierig die kaiserliche Escadre, einschießlich des Linien-
schiffs Kaiser, von Lissa in See und ankerte am Abend des 22. wieder auf der
Rhede von Fasana.
Der am 26. Juli eingetretene Waffenstillstand ließ es zu keinem weiteren
Kampfe auf dem Adriatischen Meere kommen. Bei Wiederaufnahme der Feind-
seligkeiten am 1 1. August wies zwar FM. Erzherzog Albrecht die Flotte zur Aus-
führung einer Demonstration an, um durch den Anschein der Überschiffung eines
Arinee-dorps von Triest nach Venedig den Gegner zu starken Detachierungen
zu veranlassen. Tegetthoff lief infolge dessen mit der Escadre am 11. August
um ') Uhr morgens von Fasana aus und gieng abends bei Triest vor Anker.
Doch kam es infolge definitiven Waffenstillstandsabschlusses zu keinen Feindselig-
keiten mehr.
Damit fand auch die Thätigkeil der kaiserlichen Flotte in diesem Kriege ihren
Abschluss, nachdem dieselbe unter den schwierigsten Verbältnissen ihre Pflicht
in weitestem Umfange erfüllt und den Feind von den Küsten des Kaiserstaates
siegreich zurückgeworfen halte.
Aus diesem Kampfe Seiner Majestät Kriegs-Marine auf dem Adriatischen
Meere giengen 1 Commandeur und 2 Ritter des Maria Theresien-Ordens
hervor.
Commandeur des Maria Theresien-Ordens
Wilhelm von Tegetthoff.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1866.)
Tegetthoff wurde als Sohn eines k. k. Stabsofficiers am 28. December
1 827 zu Marburg in Steiermark geboren. Nachdem er in seiner Vaterstadt kurze
Zeit das Gymnasium besucht, erhielt er in den Jahren 1840 bis 1845 seine
nautische Ausbildung in dem Marine-Collegium zu Venedig.
Am I.August 1845 zum Marine-Cadeten in der k. k. Kriegs-Marine
ernannt, begann erden Seemannsdienst an Bord der Brigg Montecuccoli, wurde
dann auf der Corvette Adria eingeschifft und kreuzte mit diesen Schiffen längere
Zeit im Adriatischen und Mittolmeere, dann im griechisch-türkischen Archipel. An
Bord der Adria erfolgte am 1. Jänner 1848 seine Beförderung zum Fregatten-
Fähnrich.
Im März des Jahres 1848 nach Venedig zurückge kehrt, wurde Tegetthoff
am IG. April desselben Jahres zum Schiffs-Fähnrich ernannt. Infolge der
Digitized by Google
400 CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. - Iui Kriege von 1866. - Adriatisches Meer.
Unruhen kam er dann nach Triest, machte aber darauf an Bord der Adria und
späterhin anderer Schiffe die Blockade von Venedig mit. Während derselben wurde
sein sehnlichster Wunsch, ins Feuer zu kommen, erfüllt. Wahrend des Geschütz-
feuers der feindlichen Batterie Brondolo vom 3. auf den 4. Juli gegen den im
Schussbereiche aufgefahrenen Vulcano betheiligte sich die Adria an dessen Flott-
machung im lebhaftesten feindlichen Feuer, bis dieselbe unter heftigem Geschütz-
kampfe nach 8 Uhr früh gelang. Der (Kommandant des Vulcano erwähnt in der
Gefechts-Belation unter denen, die sich bei dieser Affaire besonders ausgezeichnet,
auch den Schiffs- Fähnrich von Tegetthoff, „welcher sich sehr gut und tüchtig
benommen hat.»
Nach fünfmonatlicher Blockade Venedigs, welches am 24. August capätulierle.
blieb Tegetthoff in den niederen Oflie iersgraden fast ununterbrochen eingeschifft.
Er wurde am IG. Juni 1851 zum Fregatten-Lieutenant, weiterhin am 1«. No-
vember 1852 zum Schiffs- Lieutenant befördert.
Am 13. Juli 1854 erhielt Tegetthoff sein erstes (Kommando, das der Goelette
Elisabeth, mit der Bestimmung, in den levantinischen Gewässern zu kreuzen.
Ein Jahr später eommandierte er den Dampfer Taurus, der zum Stations-
dienst an den Donau-Mündungen beordert war, um den bedeutenden Handel der
Monarchie zu schützen. Hier bot sich Tegetthoff zum erstenmale Gelegenheit, seine
Tüchtigkeit und Befähigung für schwierige Posten zu beweisen. Anlässlich des
Krimkrieges war nämlich Sulina von den Engländern niedergebrannt worden.
Die Donau-Mündungen waren theils infolge mangelhafter Baggerung und niederen
Wasserstandes unfahrbar, theils durch Maßnahmen der Bussen gesperrt. An der
Barre gab es kaum 8 Fuß Falirwasser, während in der unteren Donau bei
800 Kauffahrer verschiedener Nationen und gegen 1200 Lichterschiffe lagen, mit
dem Auswurfe der Bevölkerung des ganzen Mittelmeeres bemannt. Ohne politische
Behörde, ohne Strompolizei, herrschte förmliche Anarchie. Durch diese hochgradige
Verwahrlosung der Sulina-Mündungen war eine den Donauhandel arg schädigende
Stockung des Schiffsverkehrs hervorgerufen. Tegetthoff brachte durch zielbewusstes
energisches Eingreifen in kürzester Zeit Ordnung in diese chaotischen Zustände,
ohne mit fremden Nationalitäten in (.Kollision zu gerathen. Er organisierte das
Pilotenwesen und den Hafendienst, richtete die Sigualisierung der ankommenden
Schiffe ein, nahm eine gründliche Auslolhuug der Barre vor und traf sonstige, den
Verkehr fördernde Maßnahmen. Für diese erfolgreiche Thätigkeit, die vornehmlich
dem österreichischen Handel zugute kam. erntete Tegetthoff die Anerkennung
sowohl des k. k. Marine-Ober-Commandanteri, Erzherzogs Ferdinand Max, wie
auch des ("Kommandierenden Generals in den Donaufürstenthümern, FZM. Grafen
(Koronini. Er lenkte überdies die Aufmerksamkeit des Ersteren dauernd auf sich,
da der Erzherzog hei dem kaum neunundzwanzigjährigen Linienschilfs-Lieutenant
eine das gewöhnliche Maß weit übersteigende Begabung erkannte und ihm in der
Folge eine Reihe wichtiger Missionen übertrug.
Die erste derselben, die Tegetthoff nach den persönlichen Weisungen des
Erzherzogs durchzuführen hatte, stellte die höchsten Anforderungen an seine
Digitized by Google
Digitized by Google
LISSA. 20 JULI 1866.
Digitized by Google
Cuiiuiuindt-ur lies M. T.-O. Wilhelm von TeKetUioff.
407
geistige wie physische Leistungsfähigkeit. Es handelte sich um eine Explorations-
reise in das Rothe Meer und nach der Insel Sokotora, um an den dortigen
Küsten einen geeigneten Platz für die Anlage einer österreichischen Kohlenstation
ausfindig zu machen, da um jene Zeit das Suezcanal-Project bereits eine greifbare
Form anzunehmen begann. Am 27. März 1857 trat Tegetthoff seine Reise an und
vereinigte sich in Ägypten mit dem berühmten Ornithologen und Afrikareisenden
Dr. Heuglin behufs Durchforschung der genannten Gebiete. Er bereiste zunächst
die Küsten des Rothen Meeres und des Golfes von Aden bis zur Insel Soko-
tora, gieng dann im Juni 1857 am Nil aufwärts bis Theben, von da mit einer
Karawane nach Casseir am Rothen Meere, und befuhr dann wieder beide Küsten
desselben. Diese Reise bildete bei der trostlosen Unwirtlicbkeit der durchzogenen
Landerstriche, dem mörderischen Klima und den seitens der Eingeborenen drohen-
den Gefahren eine fast ununterbrochene Kette- von Entbehrungen und Wagnissen.
An der Somali-Küste in Bender-Garn wurden die Reisenden in der Thiit von
den Eingeborenen überfallen und gefangen genommen und Dr. Heu gl in dabei
durch einen Wurfspieß verwundet. Nachdem beide gegen Lösegeld freigelassen
worden, setzte Tegetthoff, da Dr. Heuglin zu seiner Heilung nach Cairo gieng,
seine Forschungsreise nun allein fort. Er kreuzte in einem offenen arabischen Boote
neuerdings gegen den NO. Monsoon auf, gelangte über Makollah bis Ras
Färtäk und von dort nach Sokotora. Nach Exploration dieser Insel kehrte er nach
Aden und nach sechswöchentlichem Aufenthalte daselbst über Ägypten nach
Europa zurück. Als Resultat seiner Forschungen und einschlägigen Studien empfahl
Tegetthoff, die Insel Sokotora durch Kauf um 100.000 Thaler zu erwerben,
welches Project jedoch, obzwar es auch von dem Erzherzog Ferdinand Max
unterstützt wurde, an politischen Rücksichten scheiterte.
Noch in Aden erfuhr Tegetthoff seine am 2. December 1857 erfolgte Beför-
derung zum Corvetten-Capitän und seine Ernennung zum Vorstande der
ersten Abtheilung des Marine-Ober-Commandos in Triest, in welcher Stellung er
bis zum October 1858 verblieb.
Um diese Zeit wurde ihm eine Mission an die marokkanische Küste zu-
theil, um Nachforschungen über das Schicksal eines dort angeblich im Jahre 1852
gestrandeten österreichischen Handelsschiffes summt dessen Bemannung zu
pflegen, aus welchem Anlasse Tegetthoff das Commando der Corvette Friedrich
erhielt.
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont des Jahres 1859 wurde
Tegetthoff in die Heimat zurückberufen und mit seiner Corvette Friedrich nach
Venedig disponiert, um in Gemeinschaft mit anderen Schiffen zur Verteidigung
der Lagunen Venedigs und speciell der schwimmenden Barricude im Hafen von
Spignon mitzuwirken. Die feindliche Flotte erschien zwar vor Venedig, doch
kam es zu keinem Kampfe.
Nach dem Friedensschlüsse erfolgte die Ernennung Tegetthoffs zum Marine-
Obercommando-Adjutanten. Als solcher begleitete er den Erzherzog Ferdinand
Max an Bord des Dampfers Elisabeth auf der Reise nach Brasilien.
Digitized by Google
408 CLXIV. bis CLXVIU. Promotion. - Im Kriege von I86ß. - Adriatisches Meer.
Von derselben nach Triest zurückgekehrt wurde Tegetthoff am 27. April 1860
zum Fregatten -Capitän befördert und übernahm das Commando der Fregatte
Radetzky in der Levante, welches er durch anderthalb Jahre bis zu deren im
Herbste 18G1 erfolgter Abrüstung führte.
Am 3. November 1861 zum Linienschiffs-Capitän befördert, wurde er
ein Jahr spater zum Commandanten der Schrauben-Fregatte Novara ernannt
und ihm, mit dem "Titel eines Commodore, das Commando der Flottenabtheilung
in den levantinischen Gewässern übertragen. In dieser Eigenschaft begab sich
Tegetthoff nach dem Pyräus. wo er wfihrend der griechischen Revolutions-
Ereignisse mit geringen Unterbrechungen stationierte und die Interessen der
österreichischen Monarchie verlrat, wahrend die anderen seinem Commando
unterstellten Schiffe zu gleichem Zwecke in den griechischen Gewässern kreuzten.
Im November 1863, nach Ankunft des neuerwählten Königs Georg, gieng
Tegetthoff mit der Fregatte Schwarzenberg behufs Kreuzung nach den Küsten
Syriens und Ägyptens und besuchte die Arbeiten am Suez-Canal, über
welchen er einen umfassenden Bericht erstattete.
Am 26. Februar 1864, nach längerer Kreuzung in Rhodus einlaufend, erfuhr
Tegetthoff den Ausbruch des dänischen Krieges und bald darauf, am 28.
Februar, erhielt er den sehnsüchtig erwarteten Befehl, die Flutten-Abtheilung der
Levante in Corfu zu sammeln und nach der Nordsee abzugehen. Am 4. März
gieng Tegetthoff mit den beiden im Augenblicke verfügbaren Schiffen, Fregatte
Schwarzenberg und Kanonenboot Seehund, in See und traf am 17. in
Lissabon ein, wo er den Befehl vorfand, das Gros der für die Operation in der
Nordsee bestimmten kaiserlichen Kscadre unter Contre-AdmiralFrh. von Wüllerstorf
abzuwarten. Nach Eintreffen der Fregatte Radetzky steuerte Tegetthoff am
5. April mit den 3 Schiffen weiter nach Brest. Da das andauernd conträre Wetter
die Ankunft des Gros der Flotte verzögerte, wurde Tegetthoff am 23. April ange-
wiesen, selbständig weiterzugehen und die Blockade der deutschen Häfen zu
brechen.
Tegetthoff verließ am 24. Brest und nahm in Texel die preußischen Schiffe,
u. zw. Dampfaviso Adler, die Kanonenboote Blitz und Basilisk, unter seine
Befehle. Das österreichische Kanonenboot Seehund hatte er behufs Reparatur
in Shee nie ss zurücklassen müssen. Am 4. Mai lief Tegetthoff mit allen fünf
Schiffen bei Cuxhaven in der Elbemündung ein, von Schiffen wie Bevölkerung
freudig empfangen. Von diesem Augenblicke an war die Elbe, wie sich bald zeigen
sollte, nicht mehr schutzlos den dänischen Kreuzern ausgesetzt.
Auf die Nachricht, dass dänische Kriegsschiffe bei Helgoland gesehen
worden waren, unternahm Tegetthoff am 6. Mai mit dem alliierten Geschwader,
welches aus den kaiserlichen Fregatten Schwarzenberg und Radetzky und den
preußischen Schiffen Adler, Blitz und Basilisk bestand, eine Kreuzfahrt, von
der er am '•>. wieder in Sicht von Cuxhaven eintraf. Kaum in der Nähe des
Ankerplatzes angelangt, kam jedoch Tegetthoff neuerdings die Nachricht zu, dass
die Dänen nächst Helgoland gesehen worden. Sofort gab er seinem Geschwader
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-O. Wilhelm von Tegettboff.
409
Befehl, umzukehren, steuerte mit demselben gegen Helgoland und bekam gegen
Mittag, östlich dieser Insel, die zwei dänischen Fregatten Niels Juel und Jylland
nebst der Corvette Heim dal in Sicht.
Tegettboff hisste das Signal „Unsere Armeen haben Siege erfochten, thun
wir das Gleiche*, hierauf „ Klarschiff zum Gefecht" und griff die feindliche.!! Schiffe,
die gegen Helgoland steuerten, sogleich an. Gegen 2 Uhr nachmittags wurde
das Geschfitzfeuer auf 18 Kabel eröffnet. Während die preußischen Kanonenboote
bei ihrer leichten Verletzbarkcit sich auf einen Nahkampf mit Fregatten nicht ein-
lassen konnten und auf große Distanzen feuern mussten, manövrierte Tegettboff mit
seinen beiden Fregatten derart, dass sich die Distanz bis auf zwei Kabel reducierte.
Das Treffen behielt den Charakter eines Artilleriekampfes, der aber beider-
seits mit großer Heftigkeit geführt wurde. An Bord des Haggenschiffes Schwarzen-
berg brach zweimal durch feindliche Granaten Feuer aus. doch wurde es jedesmal,
ohne Unterbrechung des Kampfes, gelöscht. Gegen 4 Uhr, nach fast zweistündigem,
sehr heftigem Kampfe, während dessen Schwarzenberg von 07 Schüssen im
Körper und gegen 50 in der Takelage getroffen worden war. 32 Todte, 44 Schwer-
und 34 Leichtverwundete zählte, gerietb das Vormarssegel der Fregatte durch eine
Granate in Brand, der sich in dem getheerten Tau- und Takelwerk mit rasender
Schnelligkeit verbreitete. Die Schläuche der Feuerspritzen reichten nicht bis in
die Höhe der Vormarsraa; der Schlauch der Maschinenpumpe aber, welche das
Wasser auf diese Höhe hätte treiben können, war durch eine Kugel durchschnitten
worden. Ein Löschen des Brandes in solcher Höhe über Deck war daher zur
Unmöglichkeit geworden. Da der Wind sehr frisch von vorne wehte und das Feuer
nach rückwärts gegen die übrigen Masten trieb, so musste angesichts der drohenden
Gefahr eines allgemeinen Umsichgreifens des Brandes der Curs geändert, das Schiff
vor dem Winde laufen gemacht werden.
Tegettboff gab die Signale: „Man falle ohne Zeitverlust vom Winde ab-,
hierauf: „Man bilde die Frontlinie nach der natürlichen Ordnung" und nahm Curs
gegen Helgoland. Nachdem noch einige Schüsse gewechselt worden, nahmen die
schwer mitgenommenen dänischen Schiffe nordöstlichen Curs und entschwanden
bald völlig in dieser Richtung. Nach Bewältigung des Brandes steuerte Tegettboff
wieder nach der Elbemündung und traf am 10. Mai um 4 Uhr morgens auf der
Rhede von Cuxhaven ein. Das zweistündige Seetreffen bei Helgoland hatte
zur Folge, dass die dänischen Schiffe sich in der Nordsee nicht mehr blicken ließen.
Seine Majestät der Kaiser ernannte den Linienscbiffs-Capitän Tegettboff.
dessen Muth, Entschlossenheit und kaltblütige Besonnenheit die glänzendste
Probe bestanden hatten, am Tage nach dem Treffen nun Contre-Admiral und
geruhte demselben überdies in Anerkennung besonderer Tapferkeit und hervor-
ragend verdienstlicher Leistungen in dem Seetreffen bei Helgoland den Orden
der Eisernen Krone IL Classe mit der Kriegsdecoration zu verleihen.
Maximilian I.. Kaiser von Mexiko, der einstige Chef Tegetthoffs, beglückte
denselben mit einem höchst schmeichelhaften Handbillet, mit welchem er ihm das
Groß-Ol'ficiers-Kreuz des Guadeloupe-Ordens verlieh.
Digitized by Google
410 GLXIV. bis CLXVUI. Promotion. - Im Kriege von 186(1. Adriatiscl.es Meer.
Der Name Tegetthoffs. der mit großer Kühnheit sich auf den Feind geworfen,
denselben hartnackig bekämpft und seine Schiffe, namentlich das eigene, in Brand
gerathene Flaggenschiff mit größter Kaltblütigkeit und Sachkenntnis manövriert
hatte, ward nun weltbekannt und mit Bewunderung blickten Laien und Männer
vom Fach auf den jungen österreichischen Seehelden.
Nach dem Gefechte bei Helgoland, während dessen das Gros der kaiserlichen
Escadre in Texel eintraf, betheiligte sieh Tegetthoff noch an der Wegnahme der
nordfriesischen Inseln.
Als Contre-Admiral und Escadre-Commandant nahm Tegetthoff nach Be-
endigung des Krieges zu Wien an den Marine-Organisationsarbeiten theil, kreuzte
dann während des Sommers mit den Fregatten Schwarzenberg und Donau
im Adriatischen Meere, im Herbst in der Levante, berührte auf der Reise dahin
Corfu, wo er die persönliche Hekanntsehalt seines einstigen Gegners von Helgo-
land, des dänischen Gommodore Sweensen machte, besuchte dann neuerdings
Ägypten und den Suez-Canal und kreuzte und manövrierte mit seiner Escadre an
den Küsten von Syrien und Gypern, bis er im Jänner 18<>6 aus Smyrna ein-
berufen wurde.
Tegetthoff hatte nach dem dänischen Kriege sein Augenmerk auch dem
handelspolitischen Gebiete zugewendet und diesbezüglich eine Denkschrift über
die Hebung der Österreichischen Seescliiffahrt verfasst, in welcher die nöthigen
Maßnahmen dargelegt wurden, um der Monarchie jene commerciellen Vortheile zu
sichern, auf welche deren günstige geographische Lage nach der Eröffnung des
Suez-Canals Aussicht bot. Eine der angeregten Maßnahmen betraf auch die
Anknüpfung von Handelsverbindungen und Verträgen mit den asiatischen Staaten.
Die Regierung zeigte sich zur Ausrüstung einer Expedition bereit und Tegetthofl
ward bestimmt, dieselbe mit der Fregatte Novara durchzuführen.
Inzwischen brach der Krieg gegen Preußen und Italien im Jahre 18G6
aus. In diesem Kriege war es Tegetthoff beschieden, eines der ruhmreichsten
Blätter in die Geschichte der kaiserlichen Marine einzufügen und seinen Namen
mit unsterblichem Ruhm zu bedecken.
Nachdem der Befehl zur Ausrüstung einer operativen Escadre erfolgt war,
wurde Contre-Admiral von Tegetthoff am !). Mai zum Commandanten derselben
ernannt. Lnter seiner energischen Einwirkung nahmen alle Ausrüstungs- Arbeiten
raschesten Fortgang. Diese vorbereitende Thätigkeit Tegetthoffs legte den ersten
Grund zu dem späteren glänzenden Erfolge. Einer seiner ersten Schritte bestand
darin, die Verstärkung der Escadre durch Fertigstellung der neuen Panzer-Fre-
gatten Erzherzog Ferdinand Max und Habsburg, sowie des als minder kriegs-
tüchtig erklärten Schrauben-Linienschiffes Kaiser möglichst rasch durchzuführen.
Er setzte alle Kräfte daran, um die Panzerung der ersteren binnen 4 Wochen zu
vollenden und sie wenigstens zum Theil provisorisch mit glatten Achtundvierzig-
pf Andern zu armieren. Aber selbst für den Fall, dass ihre Ausrüstung und
Armierung bis zum Ausbruche der Feindseligkeiten nicht hätte vollendet werden
können, versah sich Tegetthoff von ihrer bloßen Verwendung als Widderschiffe
Commandeur des M. T.-O. Wilhelm von TetfelthofT.
411
ausgezeichneter Dienste. Auf seine Veranlassung wurden auch die für die dalma-
tinische Küste bestimmten Schrauben-Schooner Narenta und Kerka, dann der
Raddampfer Vulcan der Operations-Flotte einverleibt und diese Schiffe in den
betreffenden Stationen durch gemietete Lloyd-Dampfer ersetzt. Die.se Verstärkung
der Escadre war umso ersprießlicher, als die Schrauben-Fregatte Novara durch
einen am 3. Mai im Hafen von Pola an Bord ausgekrochenen Brand für mehrere
Wochen kampfunfähig geworden, in Reparatur gesetzt werden musste.
Um seinen ungepanzerten Schiffen die möglichste Widerstandskraft zu geben,
ließ Tegetthoff in der ersten Hälfte Juni bei einer größeren Anzahl derselben den
Batteriegang mit Ankerketten und die Zwischenräume der Batterien mit Tau-
Splitternctzen versehen. Da der Admiral seine Artillerie nach Möglichkeit mit der
feindlichen ins Gleichgewicht zu bringen strebte, an die Herbeischaffung stärkerer
Caliber aber nicht zu denken war, so ließ er die Schiff»', soweit die Vorräthe reich-
ten, mit glatten Achtundvierzigpfündern armieren und an Burd derselben Ein-
richtungen treffen, um aus den Achtundvierzig- und Dreißigpfündern glühend»1
Kugeln schießen und so wenigstens halbwegs den schweren Spreng-Projectileti
des Gegners wirksame Geschosse entgegensetzen zu können. Um endlich seinem
Gfschützmateriale, das sich an Calibern mit jenem des Feindes nicht messen
konnte, doch eine möglichst verheerende Wirkung gegen die italienischen Schiffe
zu sichern, führte Tegetthoff bei allen Schiffen die concentrierten Lagen ein.
„Pen Feind anrennen und zum Sinken bringen* bildete den obersten Satz
seiner Taktik und den hauptsächlichen Gegenstand aller Übungen. Farraguts
Parole: .Hölzerne Schiffe — eiserne Herzen" machte er zum Gemeingute der
kaiserlichen Flotte.
Mit den Ausrüstungsarbeiten Hand in Hand gieng die taktische Ausbildung.
Die einzelnen Schiffe waren, sobald sie nach ihrer Ausrüstung auf der Rhede von
Fasana einliefen, eifrigst bemüht, ihre Bemannungen durch Einzelmanöver und
Scheibenschießen auszubilden, worauf die Übungen einen ausgedehnteren
Charakter armahmen. Am 5. Juni formierte Tegetthoff die Escadre in 3 Divisionen
nach Panzerschiffen, schweren Holz-Schraubenschiffen und Kanonen-
booten, von denen jede einen Raddampfer als Repetiteur erhielt. Nun folgten
beinahe ununterbrochen taktische Exercitien mit größeren Körpern, bei welchen
das concentrische Feuer im Nahkampfe, dann das Manöver des Anrennens geübt
und die Escadre mit den am 4. Juni in Wirksamkeit getretenen neuen Flaggen-
und Nachtsignalen vertraut gemacht wurde.
Die Instructionen, welche Contre-Admiral von Tegetthoff Mitte Mai vom
Kriegs-Ministerium für den Fall eines Krieges mit Italien erhalten hatte, lauteten
dahin, dass es die Aufgabe der k. k. Flotte sei. die Armee im Süden kräftigst zu
unterstützen, den feindlichen Streitkräften möglichst Schaden zuzufügen und die-
selben in ihren Unternehmungen zu hemmen. In Anbetracht der bedeutenden
numerischen Überlegenheit der italienischen Kriegsmarine und bei dem morali-
schen Einflüsse, den das Vorhandensein einer österreichischen Flotte auf alle Ope-
rationen des Feindes an den Seeküsten üben mussbi, wurde es dem Contre-Admiral
Digitized by Google
112 CLXIV. bis CLXVItl. Promotion. — Im Kriege vou fsfiß. — Adriatisches Meer.
jedoch zur Pflicht gemacht, keine Unternehmungen zu wagen, welche die Existenz
der Flotte aufs Spiel setzen, oder hei denen die zu erreichenden Vortheile die
voraussichtlichen Opfer nicht aufwiegen würden. Bezüglich der Operationen im
Großen war der Eseadre-Commandant an das Commando der k. k. Süd-Armee
gewiesen, jedoch ermächtigt, innerhalb der vorgezeichneten Grenzen hei sich
darbietender Gelegenheit, sowie bei räumlicher Trennung und Unterbrechung des
Verkehrs mit der Süd-Armee, selbständig vorzugehen.
Dank der Energie Tegctthofls und des allseitigen Eifere lag bei Ausbruch
der Feindseligkeiten mit Italien, am 21. Juni, die k. k. Escadre mit 6 Panzerschiffen,
f> schweren und 7 leichten I lolz-Schraubensehiffen nebst 5 Raddampfern operations-
bereit auf der Rhede von Fasana vor Anker. In den folgenden Tagen liefen die
noch fehlenden 7 Schifte successivo ein, so dass die operative Escadre sich rasch
dem anbefohlenen Stand von 7 Panzerschiffen, 7 schweren Holzschiffen,
9 Kanonenbooten und 7 Raddampfern näherte. Obwohl sich einige der
ausgerüsteten Schiffe erst wenige Tage bei der Escadre befanden, und nahezu die
Hälfte der übrigen Schiffe kaum 4 Wochen Ausrüstungszeit zählte, so war doch
der Zustand der Flotte ein befriedigender, namentlich aber die Equipagen vom
besten Geiste beseelt. Gestärkt durch das Bewusstsein des bisher Geleisteten, sahen
sie mit Zuversicht in die Zukunft und blickten mit grenzenlosem, enthusiastischem
Vertrauen auf ihren Führer. — Bei dem Mangel an Nachrichten über die feindliche
Flotte hatte Tegetthoff schon in der Zeit vom 20. bis 23. Juni durch den
gemieteten Lloyd-Dampfer Stadium eine Recognoscierung an der italienischen
Küste durchführen lassen, die jedoch kein positives Resultat ergab.
Uni die Stärke der feindlichen Macht im nördlichen Golfe zu constatieren,
und in der Hoffnung, Theile der vermuthlich noch in der Versammlung begriffenen
italienischen Flotte angreifen zu können, fasste Tegetthoff rasch den Entschluss,
selbst mit einem Theile der Escadre gegen Anco na als den Stützpunkt der feind-
lichen Flotte vorzugehen. Er lief demgemäß nach telegraphisch erfolgter Zustim-
mung des FM. Erzherzogs Albrecht, der inzwischen am 24. Juni den Sieg von
Gustozza errungen, am 2f>. abends mit 6 Panzerschilfen, 1 schweren Holzschiffe,
4 Kanonenbooten und 2 Raddampfern, zusammen 13 Kriegsfahrzeugen, von
dem Flottenlager Fasana aus. Am 27. bei Tagesanbruch erschien Tegetthoff vor
Ancona, zählte die feindliche Flotte, welche mit 11 Panzerschiffen, 4 Fre-
gatten und 2 Dampfern unter dem Schutze der Landbatterien größtenteils
danipfklnr im Hafen lag. während außerdem hinter der Quai-Mauer des Binnen-
hafens hoch aufsteigende Rauchsäulen sichtbar waren. Tegetthoff blieb durch
i Stunden schlachtbereit auf 2'/, Seemeilen vor Ancona stehen. Da jedoch der
alarmierte Gegner weder die Schlacht annahm, noch auszulaufen Miene machte,
ein Angriff bei der feindlichen Obermacht, den starken Landbatterien und der
Möglichkeit von Minen-Anlagen, zu ungünstige Chancen bot. so kehrte Tegetthoff
um S Uhr wieder nach Fasana zurück.
Schon durch dieses Unternehmen hatte Tegetthoff den Beweis geliefert, dass
die österreichische Flotte, trotz der Übermacht des Gegners, den Kampf nicht
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-O. Wilhelm von TegetUioff.
113
meide, sondern ihn vielmehr suche. Tegetthoff bewirkte durch das Erscheinen
kaiserlich österreichischer Schiffe vor Anco na angesichts der feindlichen Flotte
zunächst, dass die letztere beinahe mich einen ganzen Monat hindurch zögerte,
bevor sie sich zu einer Operation gegen das österreichische Gebiet entschloss.
Thatsächlicb blieb seit Beginn der Feindseligkeiten, vom 20. Juni bis IS. Juli, die
österreichische Küste nicht nur unbelästigt, sondern auch der häulige Seeverkehr
von k. k. Kriegsdmnpfern zwischen Pola, Triest, Venedig und den Häfen Dal-
maliens vollkommen unbehindert.
Tegetthoff lief nach der Recognoscierung gegen Ancona vor Sonnenunter-
gang des 27. Juni auf «1er Hhede von Fasana ein und fand dort einen neuen
Zuwachs an der Panzerfregalte Habsburg vor. Bei den Gerüchten von einer
demnächst erfolgenden Operation der feindlichen Flotte blieben von nun an alle
Schiffe der Escadre mit stillem Dampfe in der Hälfte der Kessel zum augenblick-
lichen Auslaufen bereit. Da sich die italienische Flotte nach den von Ancona
einlaufenden Nachrichten noch erheblich verstärkte, erwartete Tegetthoff, dass
dieselbe, auf ihre Überlegenheit bauend, in kürzester Zeit die Offensive ergreifen
werde.
Tegetthoff benützte daher die ihm gegönnte, allem Anscheine nach nur sehr
kurze Frist, um die Flotte für den Kampf noch besser vorzubereiten. Alles
Schifi'smaterial, welches im Gefechte nur nutzlos im Wege stehen konnte, wurde
entfernt: die Panzer-Fregatten schifften ihre Segel, die Holz-Fregatten sämmtliche
Keserve-Hundhölzer, dann mit Ausnahme eines Marssegels und eines Klüvers,
alle Reservesegel und den vierten Anker aus. Eine willkommene Verstärkung
erhielt die Flotte am 1. Juli an der Schrauben-Fregatte Novara, welche mit
großer Energie in kürzester Zeit wieder in seetüchtigen Stand gesetzt, ausgerüstet
und armiert worden war.
Am 6. Juli gieng Tegetthoff zur Vornahme von Divisions-Manövern mit der
Flotte neuerdings in See und steuerte bis in Sicht des Monte d'Ancona, der um
2Vt Uhr nachmittags Süd zu Ost gepeilt wurde; darauf nahm die Flotte wieder
C.urs nach Fasana, wo sie nach eingebrochener Dunkelheil vor Anker gieng.
Am 10. Juli lief auch das letzte Schiff der operierenden Escadre, Raddampfer
Vulcan, auf der Rhede ein. und hatte dieselbe nunmehr ihren vollen Stand von
30 Schiffen erreicht.
An demselben Tage kamen Depeschen über die Anwesenheit einer feind-
lichen Flotte von 20 Schiffen in den Gewässern von Isola Grossa und Lissa,
doch blieb diese Bewegung des Gegners ohne weitere Folgen.
So rückte der 18. Juli heran. Um II Uhr vormittags liefen vom Festungs-
Commando zu Zara und vom Insel-Comniando von Lissa Telegramme in Pola
ein, welche das Kreuzen italienischer Kriegsschiffe bei Lissa meldeten. Am Nach-
mittage langte eine Reihe weiterer Telegramme ein, welche feindliche Angriffe auf
die Insel an mehreren Punkten, darunter auf den Haupthafen von S. Giorgio,
dann die Besetzung der Westspitze der nächsten großen Insel Lesina durch feind-
liche Kanonenboote und die erfolgte Unterbrechung der Telegraphen-Verbindung
Digitized by Google
411 C.I.XIV bis CLXVUI. Frimotion Im Krie*«- » ' *66. ■■ Adriatische^ Mwr.
zwischen Lissa und Lesina meldeten. Endlich wurde die Ansammlung von
20 feindlichen Schiffen, die erfolgreiche V«-rtheidi^ruiiK der Insel, sowie der sc hließ-
lich um 7 Uhr 20 Minuten abends erfolgt«* Rückzug der italienischen Schiffe
aus dem Schußbereich und ihre langsame Entfernung mit Curs Nordwest
gemeldet.
Tegetthoff hielt diese Unternehmungen des Feindes gegen Lissa anfangs für
eine bloße Demonstration zu dem Zwecke, um die k. k. Escadre von den nördliehen
Gewässern des Golfes wegzulocken und dann einen Hauptangriff gegen Triest
oder dessen nächstes Gebiet mit größerer Leichtigkeit ausführen zu können. Er
meldete diese seine Ansicht dem Kriegs-Ministerium und dem Commando der
Süd-Armee; sie fand an beiden Stellen Billigung. Tegetthoffs Seemannsgeist
konnte sich eben unmöglich vorstellen, dass eine so mächtige Flotte, wie es die
italienische war, kein höheres Ziel vor Augen haben sollte, als die Berennung
einer weit in See vorgeschobenen Insel.
Doch die in den Morgenstunden des 19. Juli vom dalmatinischen Gouverne-
ment eingelaufenen weiteren zwei Depeschen, welche die Wiederaufnahme des
Kampfes bei Lissa meldeten und die Stärke des Feindes auf 22 Schiffe bezifferten,
ließen ihn erkennen, dass die feindliche Flotte keine Operation nach einem anderen
Punkte der Küste plane, sondern einen wirklichen ernsthaften Angriff mit voller
Kraft und allen zu Gebote stehenden Mitteln auf Lissa unternommen habe.
Tegetthoff bcsi bloss daher, sofort in See zu gehen und Lissa zuhilfe zu
eilen. Diesen Entschluss meldete er dem Kriegs-Ministerium und dem Commando
der Süd-Armee mit folgendem Telegramme: »Soeben erhalte ich Nachricht von
Zara, dass Kampf bei Lissa heute 7 Uhr wieder begonnen; '22 feindliche Schiffe;
gehe mit Escadre ab; lasse Dampfer zurück, um mir Weisungen nachzubringen ;
bitte beschleunigte Antwort.*
Darauf berief Tegetthoff um 10'/, I hr vormittags sämmtliche Schiffs-Com-
mandanten an Bord des Admiralsschiffes, um sie mit seinen Absichten bekannt zu
machen und gab um 103/^ Uhr das Signal: .Alle Kessel heizen4 und: , Wer dampf-
klar, in Bewegung setzen."
Ein großer Theil der Schiffe war bereits in See gegangen, als dem Eseadre-
Coinmaiidanteri vom Kriegs-Ministerium die telegraphische Weisung zukam: „Auf
Allerhöchsten Befehl nach eigenem Ermessen handeln: wegen Demonstration
gegen Lissa nicht auslaufen.*
Daraufhin verließ Tegetthoff mit seinem Admiralsschiff, der Panzer-Fregatte
Erzherzog Ferdinand Max. um Mittag die Rhede von Fasana, stieß um
P/t Uhr nachmittags zu der bereits auf einige Meilen in See gesammelten Flotte
und nahm unter den Klängen der Volkshymne und unter donnernden Hurrahs der
auf Reelings und Wanten aufgeenterten Mannschallen seinen Posten an der
Spitze der Aufstellung ein.
Um 2 Uhr nachmittags des 10. Juli war die Escadre mit 27 Schiffen, Curs
Südost, in Bewegung. Sie war, wie erwähnt, nach Panzerschiffen, schweren
Ilolzschiffeii und Kanonenbooten in drei Divisionen eingetheilt.
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-Ü. Wilhelm \<in Tegetthoff.
415
Die einzelnen Divisionen waren in vorspringendem Winkel formiert und
folgten einander in Kielwasserlinie. Diese Formation eignete sieh nicht nur für die
bequeme geschlossene Fahrt, bei welcher die einzelnen Schiffe leicht beobachtet
und Zusammenstöße bei dickem Wetter leicht vermieden werden konnten, sondern
auch vorzüglich für das Gefecht, da sie die ganze verfügbare Macht in compacter
Masse in die Action zu bringen erlaubte und den Übergang in jede andere Forma-
tion leicht und schnell zuließ.
Tegetthoff hatte den Divisions- und Schiffs-Commandanten für den Kampf
folgende Instructionen gegeben:
Die Division der Panzerschiffe hatte beim Zusammenstoße mit dem Feinde
in dessen Aufstellung hineinzurennen und wo möglich feindliche Schiffe in den
Grund zu bohren, jedenfalls aber den Kampf auf kürzeste Kntfernung mit
vollen concentrierten Lagen zu führen, da nur bei solcher Kampfart die Über-
legenheit des Gegners an Schiffen und Armierung einigermaßen paralysiert werden
konnte.
Die Division der schweren Holzschiffe sollte je nach der Aufstellung fies
Feindes entweder vom Finggenschiff aus an einen Flügel der Panzerschiffe
disponiert, oder nach dem Ermessen ihres Gommandanten verwendet werden.
Die Kanonenboote und Schrauben-Schootier, von welchen die ersteren
größere Schnelligkeit als die meisten Fregatten besaßen und zusammen eine Zahl
von 40 Geschützen, worunter 37 des größten Calibers der Flotte, repräsentierten,
waren im allgemeinen angewiesen, sieh nach Herbeiführung der Melee in 3 Gruppen
aufzulösen und gruppenweise oder auch einzeln die größeren Holzschiffe durch
Enfilierung ihrer jeweiligen Gegner zu unterstützen.
In den Abendstunden des 19. Juli besprach Tegetthoff mit dem Flaggen-
Capitan, Liniensehiffs-Capitftn Frh. von Sterneck und den Officieren seines Stabes
die für den kommenden Tag zu gewartigenden Ereignisse und gedachte auch der
Möglichkeit, dass der Feind bereits im Besitze des Hafens S. Giorgio sei. Es
wurde festgesetzt, auch in diesem Falle mitten in die feindlichen Schiffe hinein-
zurennen. Für den Fall, dass er selbst fallen sollte, bestimmte Tegetthoff. dass
dies erst in einem geeigneten Momente der Flotte bekannt gemacht werde und
bis dahin und bis zur Übernahme des Befehles durch den rangsftltesten Unter-
Commandanten. das Admiralsschiff die Leitung der Flotte fortzuführen habe.
Gegen Abend schon hatte sich eine Südost-Brise erhoben und einen mäßigen
Seegang verursacht, so dass die Fahrt auf 5:/t Knoten herabgemindert werden
nmsste, da einige der langsameren Schiffe Mühe hatten, ihre Aufstellung zu
behaupten.
Gegen Morgen des 20. Juli umwölkte sich der Himmel und nahmen Wind
und Seegang derart zu, dass die kleineren Panzer-Fregatten die Stückpforten
schließen mussten und die Gefahr nahe lag, dass dieselben ihre Kanonen nicht
würden gebrauchen können.
Um 7 Uhr morgens meldeten die als Auslugger vorangeeilten Schiffe:
„6 Dampfer in Sicht" und auch vom Admiralsschiffe wurden in südöstlicher Bich-
Digitized by Google
416 CLX1V. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von I8«6. - Adriatische Meer.
tung Rauchsäulen bemerkt. Doch bald darauf war der Horizont iti Dunst und
N«l»«l gehüllt und schweres Gewölk bedeckte den Himmel. Eine jener sturin-
artigen Gewitter-Böen aus Südwesten, wie sie in derAdria heimisc h sind, fegte von
dichtem Regen begleitet daher. Jede Fernsicht war dadurch benommen.
Bei längerer Dauer des dicken Wetters hätte die Nähe des Landes unbedingt
einen Kurswechsel erfordert, da eine Flotte von 27 Schiffen sich unmöglich in den
nicht sehr breiten Gunal von Lissa wagen, aber auch nirgends an der Küste einen
Ankerplatz finden konnte. An eine Trennung der Flotte war bei der Nähe des
Feindes nicht zu denken, ebensowenig als bei dem geringen Fassungsraume für
Brennmaterial ein längeres Verbleiben unter Dampf möglich war.
Nichts konnte TegettholT ungelegener kommen; Wind und Wetter schienen
sich verbündet zu haben, seiue ohnehin so verantwortungsvolle und schwierige
Unternehmung noch gefährlicher und preeärer zu gestalten. Doch ließ er sich in
seinem einmal gefassten Entschlüsse nicht wankend machen. Nur die. wenn über-
haupt mögliche, glückliche Lösung seiner Aufgabe vor Augen und fest durch-
drungen von der Überzeugung, dass Macht und Ansehen des Vaterlandes, das
Wohl und der gute Ruf der Flotte in diesem Augenblicke von seinem Entschlüsse
abhiengen und alles in Gefahr käme, wenn er schwankte — steuerte er. vor allem
bauend auf den vortrefflichen Geist seiner Üfficiere und Mannschaften, ruhigen
und klaren Geistes seinem großen Ziele entgegen.
Und als sollte der feste Wille des entschlossenen Führers schon da den
ersten Sieg davontragen, begann sich der Himmel gegen 9 Uhr aufzuheitern; der
Wind setzte nach Nordwest um, die See legte sich allmählich, wenn auch der See-
gang noch immer stark genug blieb, um das Batteriedeck der Panzerschiffe 2. und
3. Glasse mit Wasser zu überspülen und den Kanonenbooten und Schrauben-
schoonern mitunter noch während des nachfolgenden Gefechtes die Handhabung
ihrer Geschütze nur mit aller Vorsicht und Anstrengung zu gestatten.
/Vis sich gegen 10 Uhr endlich der Nebel völlig senkte, sah die österreichische
Escadre gerade vor sich die feindliche Flotte. Eine Gruppe derselben, die Holz-
schiffe, lag, taklisch wenig geordnet, nordwestlich der Insel Lissa, während die
in drei Divisionen gruppierten Panzerschiffe in Kielwasserlinie mit Gurs Nord-
nordost der kaiserlichen Escadre entgegendampften.
.Klarschiff zum Gefechte" — „Distanzen schließen* - .Auslugger auf ihre
Posten" - ^ mit ganzer Krall fahren* — endlich um 10 Uhr 35 Minuten: „Panzer-
schiffe den Feind anrennen und zum Sinken bringen- — waren die Signale des
k. k. Flaggenschiffes, welche rasch nacheinander gegeben und von der ganzen
Escadre mit einem begeisterten „Hurrah* begrüßt wurden.
Das bereits vorbereitete Signal: „Muss Sieg von Lissa werden», konnte
wegen der raschen Annäherung an den Feind nicht mehr gehissl werden.
Gefechtsbereit und in raschestem Laufe, die kleine Flaggengala im den Masten,
stürzte sich die kaiserliche Escadre, im Keil formiert, das Admiralsschiff Erzherzog
Ferdinand Max mit TegettholT an der Spitze, mit Gurs Südsüdost, auf die
feindliche Panzerflolte.
Digitized by Google
Commandeur des M. T. U. Wilhelm vou Tt'Ktttlioff.
117
Um 10 Uhr 13 Minuten eröffnete die an der feindlichen Tete steuernde
Panzer-Corvette Principe Carignano auf einige Kabel Entfernung das Feuer,
welches alsbald alle übrigen feindliehen Schiffe aufnahmen.
Die kaiserliche Panzer-Division, welche inzwischen ihren linken Flügel
etwas vorgenommen hatte, erwiderte das Feuer, ohne im Laufe einzuhalten.
Dichter Rauch umhüllte alsbald beide Flotten und benahm den Ausblick. Doch das
Admiralsschiff rannte unaufhaltsam vorwärts und stieß, von den nächsten
kaiserlichen Panzern gefolgt, in die Intervalle zwischen der vorderen und mittleren
italienischen Division, in den Raum zwischen den feindlichen Panzer-Fregatten
Ancona und Re d'ltalia hinein, wodurch die italienische Schlachtlinie durch-
brochen und eine förmliche Trennung der feindlichen Tete -Gruppe von dem
italienischen Gros bewirkt wurde.
Als sich das kaiserliche Admiralsschiff im Rücken der feindlichen Linie
sah, verkehrte es sofort den Curs und stürzte sich, von den nfichst.cn Panzerschiffen
gefolgt, auf die italienische Mittel-Division, welche mittlerweile backbord abgefallen
war, verniuthlich in der Absicht, die österreichische Holztlotte anzufallen.
Inzwischen waren von der österreichischen Panzerflotte die Schiffe des
linken Flügels backbord (links) gegen die feindliche Tete, jene des rechten Flügels
steuerbord (rechts) gegen die feindliche Mittelgruppe abgefallen, um sich mit dem
nächsten Gegner zu engagieren.
Die österreichische zweite (schwere Holzschiff-) Division, welche bei
Heginn des Kampfes der Panzer-Division, dem Signale des Admirals folgend, die
Schlachtlinie formierte und die feindliche Holztlotte bei Lissa anzugreifen beab-
sichtigte, warf sich, von der italienischen Queue-Panzergruppe bedroht, raschen
Entschlusses diesem Gegner entgegen.
Zu ihrer Unterstützung eilten die Kanonenboote der dritten österreichischen
Division gruppenweise und einzeln heran.
Es entspann sich nun. namentlich im Centrum und auf dem österreichischen
rechten Flügel, allmählich eine Melee. welche immer gewaltigere Dimensionen
annahm und diesem, seit Anwendung der Dampfkraft und der moderneu Zerstö-
ruugsmittel, ersten großen Kampfe auf hoher See ein eigentümlich wildes Gepräge
verlieh. Die Schiffe, mit voller Maschinenkraft arbeitend, bekämpften sich, indem
sie den Gegner anzurennen suchten oder dem drohenden Rammstoße auswichen
und durch Geschülzfeuer wirkten. In steter Bewegung kreuzten sich Freund und
Feind oder glitten häufig auf Pistolenschussweite vorbei oder selbst Rord an Bord
aneinander ab, um sich dann mit concentrierten Breitseiten zu überschütten,
deren Gedröhne bis Zara vernommen wurde.
Das taktische Bild dieser denkwürdigen Seeschlacht gestaltete sich derart,
dass der rechte Flügel und das Gentrum der österreichischen Panzerschiffe
mit jenen der feindlichen Mitte. — das Gros der österreichischen Holzflotte, die
bald nach erfolgtem Durchbruche der feindlichen Linie steuerbord der eigenen
Panzer-Division hinausfuhr, mit den Panzerschiffen der feindlichen Queue, — der
österreichische linke Panzerschiff-Flügel und die Queue der österreichischen
Militärischer Muri» Thore»im-Or<li>ii. il
Digitized by Google
118 CXXIV bis CLXVJII. Proin„Ü.in. - Im Kriege v.,n l86fi. - Adriatisdus Metr.
llolzflotte aber mit dor feindJiclien Tete im Kampfe sich maßen, — wahrend du*
feindliche Holzflotte nächst Lissa sich sammelte.
Die italienische Mittelgruppe war durch den Umstand, dass die beiden Tete-
Schiffe der vordersten italienischen Panzer-Division ihren Curs mit einer Wendung
gegen Backbord fortsetzten und sich von der zurückgebliebenen Mittelgruppe
entfernten, für einige Zeit gewissermaßen isoliert und gerieth in eine bedenk-
liche Lage.
Insbesondere gegen das Tete-Schiff der feindlichen Mittelgruppe, die Panzer-
Fregatte Re d'Italin, östeneichischerseits für das italienische Admiralsschiff
gehalten,*) richteten sich die heftigsten Angriffe. Es war alsbald vom Admirals-
schiffe Ferdinand Max und drei anderen Panzerschiffen unigeben. Der italienische
Panzer Palestro. welcher dem bedrängten Schiffe zubilfe eilen wollte, wurde in
Brand geschossen und musste aus dem Gedränge flüchten. Das dritte Schiff der
italienischen Mittelgruppe endlich, die Panzer-Fregatte S. Martin o, schlug sich in
südwestlicher Richtung mit Don Juan d'Austria. später auch mit Kaiser Max.
Inmitten dieses Kampfgewoges lag Re d'ltalia momentan isoliert da.
Dem Contre-Admiral von Tegetthoff, der von der Hütte seines Admirals-
schiffes herab in einer Haltung, die selbst den Gegner zur Bewunderung hinriss,
mit ruhigem, kaltem Blick den Gang des Gefechtes beobachtete und leitete, konnte
die bedenkliche Situation des Re d'ltalia nicht entgehen.
In dieser Kampfesphase brachte das kaiserliche Admiralsschiff, vom Linien-
schiffs-Capitän Frh. von Sterneck manövriert dem Re d'ltalia einen tödlichen
Rammstoß bei, worauf diese Panzer-Fregatte sofort versank. Es war um 1 1 Uhr
20 Minuten vormittags, 37 Minuten seit Beginn des Kampfes.
Der erste Gedanke des österreichischen Admirals war die Rettung der Schiff-
brüchigen, welche sich theils an Schiffst rümmer klammerten, theils durch Schwimmen
zu erhalten suchten. Während mit aller Kraft daran gearbeitet wurde, das einzige
noch schwimmfähige Boot zu streichen, wurde das Admiralsschiff plötzlich
durch ein feindliches Panzerschiff (wahrscheinlich Ancona von der italienischen
Tete-Gruppe i angegriffen und entgieng nur durch eine Wendung dem drohenden
Hammstoße. Auch einige andere Schiffe der kaiserlichen Escadre, welche dem Ort
der Katastrophe nahe kamen und Anstrengungen zur Rettung der Schiflbrüchigen
machten, wurden durch feindliche Angriffe in ihren humanen Absichten gestört
und gezwungen, auf ihre eigene Sicherheit bedacht zu sein. Der Kampf nahm so
noch eine Zeit hindurch erbitterten Fortgang. Im weiteren Verlaufe löste sich
jedoch die Melee mehr und mehr und die feindlichen Panzerschiffe zogen sich
allmfdich in westlicher Richtung aus dem Gefechte. Hiemit fand der kurze aber
hartnäckige Kampf der Panzerilotten im allgemeinen seinen Abschluss.
Mittlerweile war die östem i. bische Holzflotte von der italienischen Panzer-
Queue, sowie auch von dem AITondat ore heftig angegriffen worden. Namentlich
das" Fla"gge"nschiff der österreichischen Holz - Division — das Linienschiff
*) Admiral I'ersanu hatte sich bei Berlin der Sdihcht vom Hfdllalia an B«»rd des
Wi.idi'i-*.liiflV- Atfondator.; übersohilTt
Digitized by Google
Oommaodeur dt* M. T.-U. ttilhvlm von Togetthoff. 119
Kaiser — gerieth dadurch in eine Äußerst gefährdete Lage und musste um jeden
Preis degagiert werden. Tegetthoff gab deshalb das Signal ,1. Division dir
Ilolzdivision unterstützen* und dann (12 Uhr 10 Minuten) das Signal „Sammeln* ,
während er selbst dem bedrohten Theile der k. k. Flotte zusteuerte.
Das in Brand gerathene Linienschiff Kaiser musste sich, als nicht mehr
kampffähig, von der übrigen Holzflotte gedeckt, nach dem Hafen von S. Giorgio
(Lissa) zurückziehen. Im Rücken von Schiffen der feindlichen Tete angegriffen und
von dem Affondatore hart bedrängt, jedoch von österreichischen Panzerschiffen
wirksam unterstützt, erwehrte sich Kaiser mit den Holzschiffen aller Angriffe und
erreichte schließlich auch den Hafen, während das Gros der Holz-Division dann
wieder der Panzerdotte behufs Vereinigung nordwärts zusteuerte.
Tegetthoff, mit der Panzer-Division den Holzschiffen entgegendampfend,
gab (12 Uhr 20 Minuten) wieder das Signal .Sammeln*, darauf: „Dem Comman-
dierenden im Kielwasser folgen", und schickte den Raddampfer Elisabeth, nach-
dem derselbe die Signale repetiert hatte, nach Lissa, um dem Kaiser Hilfe zu
leisten.
Nachdem sich hierauf die Panzer-Division mit der Holzflotte vereinigt
hatte, ließ Tegetthoff, um möglichst schnell die taktische Ordnung herzustellen,
zunächst drei Colonnen in Kiel Wasserlinie mit nordöstlichem Curs formieren, die
Panzerschiffe zunächst dem Feinde, steuerbord derselben die 2., dann die 3. Divi-
sion. In dieser Aufstellung konnte durch ein gleichzeitiges Abfallen nach Backbord
die ursprüngliche Angriffsordnung gegen den in West sich sammelnden Feind
rasch wieder angenommen werden.
Während dieser Formation unterhielten einige italienische Holzschiffe aus
der Ferne ein lebhaftes aber wirkungsloses Feuer, worauf sich die Antheilnahme
der italienischen Holzflotte und des feindlichen Panzerschiffes Terribile an der
Schlacht beschränkte.
Tegetthoff, welcher, während die Escadre sich sammelte, auf ungefähr drei
Viertelmeilen in nordwestlicher Richtung den brennenden Palestro in vollem
Laufe der italienischen Holzflotte zusteuern sah. gab «beiläufig um 1 Uhr) dem
Kaiser Max Befehl, ihm den Weg zu verlegen. Das Admiralsschiff selbst fiel
gegen den Feind ab, und andere Schiffe folgten diesem Beispiele, um Kaiser Max
zu unterstützen. Palestro jedoch, der seine Maschine noch immer gebrauchen
konnte, entkam in den Bereich der italienischen Flotte, welche sich nordwestlich
der Insel Lissa vereinigt hatte.
Die feindliche Flotte wechselte nun einigemale den Curs. doch herrschte
jener in weslnordwestlicher Richtung vor. Von beiden Seilen fielen zwar noch
einige Schüsse, aber die Entfernung der beiden Geschwader nahm immer mehr zu.
Der italienische Admiral, welcher den Re d'Italia verloren hatte, die bedenkliche
Lage des Palestro sah, und dem nun auch S. Martino Kampfunfahigkeit signali-
sierte, gab den Gedanken auf eine Erneuerung des Kampfes auf, und die italienische
Flotte nahm Curs gegen den Canal zwischen Lissa und Busi. Damit fanden die
Feindseligkeiten ihr Ende.
27«
Digitized by-Coogle
j-20 ChXIV. ]>is CLXVIll. Proin<.linn. - Im Kriege von 1S66. Adriattsclua M«:«r.
Tegetthoff stand mit der kaiserlichen Escadre bis auf das Linienschiff
Kaiser und ein zweites Schiff, welch' beide .sich im Hafen von Lissa befanden,
in vollkommener Gefechtsordnung auf dem Schlachtfelde. Eine Verfolgung des
retirierenden Feindes konnte nicht in seiner Absicht liegen, denn auf einen Fern-
kampf durfte sich die kaiserliche Flotte der Inferiorität ihrer Caliher wegen grund-
sätzlich nicht einlassen, und der feindlichen Flotte noch einmal mit sämmtliclien
Schiffen nahe zu kommen, war bei deren verschiedener Fahrgeschwindigkeit nicht
mehr möglich.
Tegetthoff ließ, da alles darauf hindeutete, dass der Feind an eine Wieder-
aufnahme des Kampfes nicht denke, mit Contremarsch gegen Südost wenden und
gab um 2 Uhr den Befehl zum Einlaufen in den Hafen von S. Giorgio.
Bei Beginn dieser Bewegung sah man in der Richtung der feindlichen Flotte
den Palestro unter heftiger Detonation in die Luft gehen. Es war Uhr, als
angesichts der beiden Flotten dieser Sehlussact der Seeschlacht sich vollzog, der
letzte schwere Verlust für die italienische Flotte und eine Bürgschaft mehr für den
entschiedenen Sieg Tegetthoffs. *)
Von der kaiserlichen Escadre liefen zuerst die Kanonenboote, später die
Division der schweren Holzschiffe, dann jene der Panzer, endlich das Admirals-
schiff kurz vor Sonnenuntergang in den zwei Tage hindurch so hart bedrängten
Hafen von S. Giorgio ein, von Besatzung und Bevölkerung mit begeistertem
Jubel empfangen.
Zwei Panzer-Fregatten und zwei Kanonenboote kreuzten von Sonnen-
untergang an in den Gewässern nächst der Insel.
Am 21. Juli um 3'/t Uhr morgens war die ganze Flotte bis auf das Linien-
schiff Kaiser, welches noch die nöthigen Herstellungen zu bewirken halle,
dampfklar.
Bei Tagesanbruch meldete die Signalstation auf dem Monte Hilm, dass der
Feind nicht mehr in Sicht sei.
Um 2 Uhr nachmittags überbrachte der Lloyd-Dampfer Vene/.ia von Zara
das Telegramm Seiner Majestät des Kaisers, womit der Monarch — den Oflicieren
und Mannschaften der Flotte den Allerhöchsten Dank aussprechend — Tegetthoff
zum Vicc-Admiral ernannte.
Die ganze kaiserliche Escadre, welcher diese huldvolle Anerkennung ihres
Führers durch Hissen der Admiralsflagge am Vortopp bekannt gegeben wurde,
begrüßte dieselbe mit tausendstimmigem Hurrah.
Nachdem das Linienschiff Kaiser mit seinen Ilerslellnngs-Aibeileii fertig
geworden war. die Forts des Hafens von S. Giorgio ihre Schäden ausgebessert
und die Geschütze wieder in Stand gesetzt hatten, gieng Vice-Admiral von Tegetthoff
mit der kaiserlic hen Flotte, zwei Kanonenboote zur Disposition des Insel-Comman-
dos zurücklassend, um 81/, Uhr abends in der gewohnten Formation mit nord-
*) Am ü. August gieng auch der A ffondat ore, wie e« hieß, infolge der in der Schlacht
erlittenen Havarien, vor der Rhede vou Anco na unier.
\
Digitized by Google
Commandeur des M. T.-O. Wilhelm von Tegetthoff.
421
westlichem Curs in See. Am 22. abends ankerte der Held von Lissa auf der Rhede
von Fasana mit der vollzähligen Flotte, so wie sie vor drei Tagen ausgelaufen war.
Durch den Sieg über die an Schiffen und Kanonen numerisch wie qualitativ
überlegene italienische Flotte wurde zunächst die hart bedrängte Insel Lissa, die
trotz der heldenmütigen Verteidigung ihrer Besatzung einem fortgesetzten
Angriffe hätte unterliegen müssen, entsetzt, überdies allen weiteren Unternehmungen
des Gegners Einhalt gethan.
Auf Grund der durch die Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 186C
vollbrachten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als
Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-
Capitels kraft Promotion CLXVI am 29. August 186ft den, wie erwähnt,
unmittelbar nach der Schlacht von Lissa außer der Rangstour zum Viee-
Admiral beförderten Wilhelm von Tegetthoff zum Commandern- des Maria
Theresien-Ordens zu promovieren.
Drei Wochen nach der Schlacht von Lissa sollte die k. k. Flotte die Wieder-
aufnahme der Offensive der Süd-Armee durch eine Demonstration unterstützen.
Vice-Admiral Tegetthoff lief zu diesem Zwecke am 11. August von Fasana au<
und leitete in Triest die anbefohlene Demonstration — Überschiffung eines
Armee-Corps nach Venedig — ein. Der Abschluss des Waffenstillstandes am
llt. August, dem der Friedensschluss folgte, setzte jedoch dem Unternehmen, sowie
überhaupt der weiteren kriegerischen Thätigkeit Tegetthoffs ein Ende.
Vice-Admiral von Tegetthoff. der durch den Sieg bei Lissa zum Ruhme des
Vaterlandes beigetragen, den Glanz der kaiserlichen Flagge gemehrt und sich
selbst einen Platz unter den Seehelden aller Zeiten errungen hatte, erntete außer
der lluld und Gnade des Monarchen noch zahlreiche auszeichnende Beweise der
Anerkennung. FM. Erzherzog Albrecht. der ruhmgekrönle Sieger von Custozza.
und andere Mitglieder des Allerhöchsten Kaiserhauses beglückwünschten
ihn auf das herzlichste. Aus allen Theilcn der Welt langten Telegramme, Adressen
und Festgedichte an ihn ein: die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, die
Städte Wiener-Neustadt. Laibach. Triest. Zara, Fi u m p, Zengg und Stagno
ernannten ihn zum Ehrenbürger.
Besonders Miete r war dem Admiralen ein Brief, der von jenseits desOceans
von seinem kaiserlichen Freunde und Gönner, dein Begründer der österr eichischen
Marine, Kaiser Max. ihm zukam und der. ganz dem großherzigen Charakter des
hoclisimiigen Fürsten entsprechend, folgendermaßen lautete:
„Chapultepec, 21. August 18GG.
Lieber Contre-Admiral Freiherr von Tegetthoff!
Der ruhmvolle Sieg, welchen Sie gegen eine überlegene, in großen mari-
timen Traditionen erzogene und tapfere Flotte errungen haben, hat mein Herz
mit der reinsten Freude erfüllt. Als ich die Schicksale der mir so Iheuer gewor-
denen Marine in andere Hände legte und der Mission entsagte, mein Geburtsland
dort groß und mächtig zu machen, wo sich die tieschicke hochstrebender Nationen
Digitized by Google
422 CLXIV. bis CLXVIH. Promotion. — Im Kriege von ISfiß. - Adriatisches Meer.
erfüllen, blickte ich hoffnungsvoll auf Sie und die junge Generation von Officieren
und Mannschaften, die ich stolz unter meiner Führung wachsen und in edlem
Wetteifer sich entfalten sah. Mi fühlte mich in dem Gedanken gehoben, der Adria
einen Kern von Schiffen zurückzulassen, denen ein Stab kenntnisreicher und
todesmuthiger Officiere und eine tapfere Mannschaft die kriegerische Seele ein-
hauchte. Hat mich auch die Vorsehung auf andere Pfade geleitet, so lodert doch
deshalb in meinem Herzen noch das heilige Feuer maritimen Ruhmes und es war
ein schöner, ein freudiger Tag für mich, als ich die heldenmüthige Flotte, der ich
meine ganze Jugendkraft geweiht hatte, unter Ihrer heldenmüthigen Führung mit
blutigem Griffel den 20. Juli 1866 in die Bücher der Seegeschichte verzeichnen
sah; denn mit dem Seesiege von Lissa tritt die von Ihnen befehligte Flotte in
die Reihe jener, deren Flagge das Symbol des Ruhmes ist, Ihr Name in die der
Seehelden aller Zeiten. Ich sende Ihnen, den Officieren und Mannschaften
meine tiefgefühlten Glückwünsche und verleihe Ihnen zur Erinnerung an Ihren
Admiral und Freund und als Beweis meiner Bewunderung das Großkreuz
meines Guadelupe-Ordens.
gez. Maximilian in. p.*
Noch im Jahre 1866 besuchte VA. von Tegetthoff England, Frankreich
und Nord-Amerika, um die dortigen Marine-Stationen und Etablissements in
Augenschein zu nehmen und deren Einrichtungen zu studieren.
Nach dem (Jontinente zurückgekehrt und anlässlich der Weltausstellung in
Paris weilend, berief ihn am 1. Juli 1867 ein telegraphischer Befehl nach Wien.
In Salzburg ward ihm von Seiner Majestät dem Kaiser der erschütternde Auf-
trag, die sterblichen Überreste des inzwischen seinem tragischen Geschicke
erlegenen Kaisers von Mexico von der dortigen Regierung zu reclamieren und
dann in die Heimat nach Österreich zu bringen.
Mit unvergleichlicher Hingebung führte Tegetthoff diese Mission durch. Er
eilte über England, New- York, Washington, Cincinnali nach New-Orleans, endlich
nach Vera-Cruz. Wider Erwarten bei der mexikanischen Regierung und bei
Juarez selbst auf Schwierigkeiten stoßend, behob er dieselben endlich und brachte
die Leiche, mit der er sich auf der Fregatte Novara einschiffte, über Havana,
Cadix, Gorfu nach Pola und von dort nach Wien, wo die Beisetzung in der
kaiserlichen Gruft erfolgte.
In Anerkennung der Verdienste Tegetthoffs bei Durchführung dieser Mission
geruhte Seine Majestät der Kaisei demselben am 18. Jänner 1868 das Großkreuz
des Leopold-Ordens zu verleihen.
Anfangs März 1868 wurde Tegetthoff zum Chef der Marine-Section des
Kei.-|is-Krieg>!ninisleriums und Marine-Commandanteu ernannt. Damit begann
für die Kriegs-Marine Österreich-Ungarns eine Ära einschneidender Reformen
und ein nahezu neuer Aufbau ihrer organischen Gliederung. Trotz der kurzen
Zeit. wHhrend welcher es Tegetthoff vergönnt war, an der Spitze der k. k. Kriegs-
Marine zu wirken, zeichnete er die Richtung der künftigen Entwicklung derselben
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Anb.n Freiherr von Pel/.
4-23
in mancher Beziehung vor. Unter ihm wurden die Hills-Corps der Marine, die
Marine-Infanterie und -Artillerie, aufgelöst, dagegen das Matrosen-Corps erweitert,
um aus demselben das Personal für alle Specialfächer zu entnehmen. Zahlreiche
Schulen wurden auf dem Lande und auf den Schiffen errichtet. Besondere Ver-
dienste erwarb sich Tegetthoff überdies um das technische und administrative
Gebiet. Bereits ein Jahr nach TegetthofTs umfassender organisatorischer Thätigkeit.
wurde diese anlässlich der Inspieierung von Pola durch Seine Majestät den Kaiser
mittels eines Allerhöchsten Handbillets in schmeichelhafter Weise anerkannt.
In die Zeit dieser organisatorischen Berufstätigkeit fällt auch'der Beginn
der politischen Laufbahn Tegetthoffs als lebenslängliches Mitglied des
österreichischen Herrenhauses, in das er im April 1867 berufen worden
war und wo er sich ebenfalls bald eine geachtete Stellung zu erringen wussle.
Am 21. Juli 1868 wurde Tegetthoff in Anerkennung seiner verdienstlichen
Leistungen um die Wissenschaft von der kaiserlichen Akademie der Wissen-
schaften zum Ehrenmitgliede ernannt.
Mit Allerhöchster Entschließung vom 1. Februar 1869 geruhte ihm Seine
Majestät der Kaiser die Geheime Rathswürde zu verleihen.
Inmitten seiner rastlosen Thätigkeit wurde Vice-Admiral von Tegetthoff vor-
zeitig vom Tode ereilt. Am 1. April 1871 stellten sich die ersten Anzeichen acuter
Erkrankung ein und am 7. April hauchte Tegetthoff um 7% Uhr morgens zu Wien
seinen Heldengeist aus.
Am Todestage erließ Seine Majestät der Kaiser einen Flotten-Befehl, der
das ehrendste und beredteste Gedenkblatt des Lebens und Wirkens Tegetthoffs
bildet. — „Ich habe in dem Dahingeschiedenen* — so hieß es darin — .einen
treuergebenen, hingebungsvollen Diener, der Staat einen seiner ausgezeichnetsten
Männer, die Marine in ihm den Helden verloren, der sie zu Sieg und Ruhm geführt,
dessen Name für immer unzertrennlich bleibt von den glänzendsten Momenten
ihres Wirkens, dessen Waffenthaten den herrlichsten Blättern der Kriegsgeschichte
angehören. Mit Mir wird die Kriegs-Marine ihrem hingeschiedenen Commandanteu
eine unvergänglich dankbare Erinnerung bewahren und das Andenken an ihn stets
zu ehren wissen."
In Pola, in seiner Vaterstadt Marburg und in der Reichshaupl- und
Residenzstadt Wien erheben sich durch Munificenz Seiner Majestät des Kaisers
und Dankbarkeit des Volkes prachtvolle Monumente, welche in Tegetthoff
Österreich -Ungarns See hei den verewigen.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Anton Freiherr von Pete.
Anton von Petz wurde am 24. Jänner 1819 zu Venico in Siebenbürgen
geboren. Er erhielt seine Ausbildung im Marine-Collegium zu Venedig und
wurde am 25. Juli 1837 zum provisorischen Murine-Corps-Cadeten ernannt.
Digitizetf by Google
121 CLX1V. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege von tsfifi. Adriaüsches Meer
Am 1. August 1842 erfolgte seine Ernennung zum Fregatten-, am 16. August 1815
zum Schiffs-Fähnrich, am 21. April 1818 zum Fregatten-Lieutenant.
Nachdem Petz durch längere Zeit als Professor am Marine-C ollegium zu
Venedig gewirkt hatte, wurde er bei Ausbruch der Revolution im Jahre ISIS
eingeschifft, fungierte kurze Zeit als ad latus beim Seebezirks-Commando in T l iest,
befehligte sodann hintereinander mehrere kleinere Schiffe und ward am 11. Juni
Gesammt-Detail-Ofßcier auf dem Vulcano.
Hei der Blockade von Venedig wurde ihm Gelegenheit zutheil. ins Feuer
zu kommen und sich bei dem Geschntzkampf des Vulcano mit dem vom Feinde
besetzten Werk Brondolo besonders hervorzuthun. Dieses Schiff hatte das Miss-
geschick, wahrend einer Fahrt am Abend des 3. Juli im Schussbereich der Batterie
M auf rin jenes Werkes aufzufahren. Während der Flottmachung wehrlos, wurde
das Schiff durch lebhaftes Geschützfeuer des Feindes die ganze Nacht auf den 1.
hindurch stark beschossen. Nach 3 Uhr morgens, während mit Hilfe anderer
herbeigeeilten k. k. Schiffe an derFlottmachung des Vulcano fortgearbeitet wurde,
eröffnete derselbe dasFeuer. Mit zunehmendem Tageslicht wurde derGeschützkampf
immer heftiger. Der Vulcano konnte zwar nur 1 Geschütz, seinen achtern achtund-
vierzigpfündigen Paixhans, verwenden, aber mit diesem Geschütze — wie es in der
Gefechts-Relation heißt — „that Hauptmann Pelz, der es persönlich leitete, Unglaub-
lichesk. Kr brachte die feindliche Batterie, in deren Inneres mehrere Granaten des
Vulcano einschlugen und dort explodierten, zum Schweigen. Auch sonst ent-
wickelt«; Petz als Gesamml-Detail-Officier die ersprießlichste Thätigkeit, bis es
nach 8 Uhr morgens gelang, mit Hilfe der anderen k. k. Schiffe den Vulcano
wieder flott zu machen.
Am 10. April 1850 wurde Petz zum Schiffs- Lieutenant, am 11. Juli 1853
zum Corvetten- und am 11. December 185(5 zum Fregat ten - Capit An
befördert.
Soweit die k. k. Marine im Kriege gegen Frankreich und Piemonl im
Jahre 185*.) in Action trat, hatte audi Petz daran Aiilheil, ohne aber, dass er dabei
zum Kampfe gekommen wäre.
Am 25. November 1850 wurde er zum Commandanlen der südamerikanischen
Expedition ernannt.
Am 25. August 18(31 erfolgte seine Krnennung zum Linien-Schiffs-
Ca pitän.
Als solcher nahm er an dem Kriege gegen Preußen und Italien im
Jahre 18(5(5 Ihe'tl und zwar an den Operationen und dem Kampfe der k. k. Flotte
auf dein Adriatischen Meere, wobei »s ihm be.schicdeii war, sich in der
Seeschlacht bei Lissa durch eine glänzend«« Waflenlhat ganz besonders
heivorzuthun.
Linienst hitls-Capitän Petz befehligte als Commodnre in der unter Commando
des (;«>ntr«i-Admirals von T«'get thoff aus drei Divisionen — Panzerschiffen,
schweren Holzschiffen und Kanonenbooten — hcslehemlen k. k. Fscadre die
zweite (schwere llolzschiff-i Division. Di« .«,elbe bestand aus sieben Schiffen,
Digitized by Google
Digitized by Google
Rittor de.« M. T. O. Anton Freiherr von Petz.
125
und zwar «lein Linienschiff Kaiser, den Fregatten Novara, Fürst Schwarzen-
berg, Graf Radetzky, Adria, Donau und der Gorvette Erzherzog Friedrich,
überdies ans Hinein Aviso-Raddampfer. Das Flaggenschiff des Gommodore
Pelz war das Linienschiff Kaiser, welches 5.191 Tonnengehalf. S00 Pferdekrfifte.
92 Kanonen*) und 901 Köpfe an Bemannung hatte.
Die Holzschiffe hatten aus natürlichen Gründen die Bestimmung, jedem
Gefechte mit feindlichen Panzerschiffen womöglich auszuweichen und sich nur
mit der feindlichen Holzflotte zu engagieren. Demgemäß fiel Gommodore Petz bei
Deginn der Schlacht, als die österreichische erste (Panzerschiff-) Division den
Kampf mit der italienischen Panzerflotte aufnahm, aus der Kielwasserlinie hinter
der Panzerflotte steuerbord ab, um die nächst der Nordküste von Lissa sichtbare
italienische Holzflotte anzugreifen. Iiisste zu diesem Heimle das Signal .dem Gom-
mandierenden im Kielwasser folgen* und steuerte auf den Gegner zu. Die im
Winkel formierten Schiffe der Division schlössen sich hierauf gegen die Mitte und
folgten dicht geschlossen dem Kaiser. Auch von der dritten Division (Kanonen-
boote), welche die Aufgabe hatten, die schweren Holzschiffe in der Melee gruppen-
weise oder auch einzeln durch Enfilierung des Gegners zu unterstützen, folgten
einige Kanonenboote an der Queue der Holzschiff-Division, während die übrigen
ohne bestimmte Ordnung steuerbord (rechts), oder backbord (links) abfielen und
späterhin zwischen die feindlichen Panzer gelangten.
Während die österreichische Holzschiff-Division auf die italienische
Holzflolfe zusteuerte, bemerkte jedoch Gommodore Pelz, dass die bis dahin an dem
Kampfe der Panzerschiffe nicht engagierte Queue der italienischen Panzerflotle**)
in einer unregelmäßigen Frontlinie direct auf die österreichische Holzflofle
losdampfte.
Befürchtend, dass dieser Gegner die rückwärtigen Holzschiflfe erreichen,
angreifen und abschneiden könnte, fasste Petz den kühnen Entschluss, zur Deckung
dieser Schiffe, entgegen der Schlacht-Disposition, wie auch jeder seemännischen
Regel, die feindlichen Panzerschiffe selbst mit seineu Holzsehiffen anzugreifen. Er
fiel sogleich backbord ab und warf sich ohne Bedenken den italienischen Panzern
entgegen.
Rasch näherte sich die Tete der österreichischen Holzflotte, mit dem Kaiser
an der Spitze, den italienischen Panzerschiffen und es währte nicht lange, so
wurden die sieben Holzschiffe der zweiten österreichischen Division und
der Raddampfer Elisabeth von vier feindlichen Panzerschiffen beschossen, näm-
lich von den drei Schiffen der italienischen Queue und vermuthlich auch vom
Schlusschitfe der italienischen Mittelgruppe, dem S. Martino.
Die österreichischen Schilfe nahmen sofort den Feuerkampf auf. Der Feind
richtete seinen Angriff hauptsächlich gegen das Linienschiff Kaiser, welches er
wegen seiner Größe vielleicht für das Admiralsschiff hielt.
*) Da.- Linien-chilT Kaiser war mit 2 vicrmuf/.waiizitfijfündigeri Kanoimu, Ifi s<-clr/i|f-
I>liin.li>'ii tJranat-Kiinoiii'ii >in.| 7i <lrd>si(n>l'fiinlii,'eii Kanonen bestückt.
") Division Uibulti mit iWu Panz«rs<-liinVri U <• «Ii V ort o^al I o, Maria l'ia und Vart-Sf.
Digitized by Google
426 GLXIV. bis CLXVIH. Promotion. - Im Kriege von lSßfi. - Adriatisches Meer.
Kaiser war denn auch gleich anfangs auf neiden Borden engagiert und wurde
erst von vier, dann sogar von fünf Panzerschiffen hart bedrängt, indem sich seinen
Gegnern alsbald nach Beginn des Kampfes ein neuer furchtbarer Angreifer zugesellte.
Es war dies das italienische Widderschiff Affondatore*), welches bei
Eintritt der Melee mitten in das Gewühl der Kanonenboote und Fregatten hinein-
gerannt war und nach manchem missglückten Rammversuche gegen österreichische
Schiffe plötzlich steuerbord des Linienschiffes Kaiser erschien.
Um sich seiner fünf Bedränger zu entledigen, näherte sich Petz mit dem
Linienschiffe sogleich dem Affondatore auf zwei Kabel, um denselben durch
die Wirkung eoncentrierter Lagen kampfunfähig zu machen.
Affondatore stürzte sich auf das Linienschiff und versuchte es zweimal
anzurennen, wobei er gleichzeitig einige dreihundertpfündige Geschosse abfeuerte.
Eines derselben war von verheerender Wirkung. Es demontierte ein Deckgeschütz
des Kaiser vollkommen, setzte 6 Steuerleute außer Gefecht, riss die Peilscheibe**),
drei von der Commandobrücke zur Maschine führende Telegraphen und einen
Steuer-Compass mit sich fort.
Gommodore Petz wich nicht nur durch geschickte Manöver den Stößen des
Affondatore aus, sondern gab ihm auch zwei concentrierte Breitseiten, die auf
dessen Deck und im Takelwerk Schaden anrichteten. Als nach dem zweiten
Rammversuche des Affondatore die beiden Schiffe nahe bei einander vorbei-
glitten, sendeten sie sich gegenseitig auch Kleingewehrfeuer zu. Das italienische
Widderschiff ward schließlich durch das Feuer des Kaiser veranlasst, sich aus
dem Schussbereiche des Linienschiffes zunickzuziehen.
Kaum hatte sich auf diese Weise das Linienschiff dieses gefährlichen
Gegners entledigt, griff eine große Panzer-Fregatte den Kaiser an. Es war der
Re di Portogallo, welcher mittlerweile im Verein mit den übrigen Panzer-
schiffen der italienischen Queuegruppe die Tete der österreichischen Holzschiffe
beschossen hatte. Dichthagelnd sausten die Kugeln über Kaiser hinweg und
überschütteten Novara, Friedrich und Elisabeth, von denen erstere in
diesem Augenblick steuerbord, die beiden anderen achter backbord des Linienschiffs
standen. Durch dieses Geschützfeuer verlor die Fregatte Novara ihren Comman-
dauteu; die Corvetle Friedrich wurde unter der Wasserlinie getroffen, so dass sie
19 Zoll Wasser per Stunde zog, das jedoch durch die Dampfpumpe bewältigt
werden konnte.
Inmitten des dichten Pulverrauches, welcher die Kämpfenden umballte,
bemerkte Gommodore Petz den Re di Portogallo, als dieser schon auf ganz
kurze Distanz mit voller Kraft auf Kaiser zudampfte, in der unverkennbaren
Absicht, das Linienschiff zu rammen.
*) Das Widd'-rschiff Affondatore. an dessen Bord sich der feindliche commamliereudc
Adiniral liraf Persan» hefand, hatte 70 ) Pferdekräfte, 1070 Tonncngeua.lt, 2 schwere 25 centi-
metrige Armstrong-Kanonen (Dreiümiderlplütid<>r\ welche in je einem Thurine placiert waren, und
2'M) Köpfe Bemannung.
**) Vorrichtung zum Zielen bei Abgabe de« e.mcentrierten Geschützfeuers.
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Anton Freiherr von Petz. 427
»
Wohl hätte Petz durch rasche.- Abfallen dem gefährlichen Angriff ausweichen
können, aber er sah voraus, dass dann die auf kaum ein Kabel entfernten öster-
reichischen Schiffe Elisabeth und Friedrich Gefahr liefen, von dem mächtigen
Panzerschiffe gerammt und in Grund gebohrt zu werden.
In der Absicht, sowohl dem Kaiser als den anderen Schiffen Luft zu schaffen
und einen so gefährlichen Gegner kampfunfähig zu machen, fasste Commodore
Petz, im Vertrauen auf die Größe und Stärke seines Holzschiffes, den heroischen
Eutsehluss, das feindliche Panzerschiff selbst anzurennen, trotz der Gefahr, dass.
wenn dieses Manöver nicht äußerst correct und glücklich ausgeführt ward, das
Linienschiff selbst dabei unrettbar verloren war.
Petz fiel zuerst etwas nach steuerbord ab, gab dann das Ruder backbord an
Bord und rannte, mit ganzer Maschinenkraft vorwärts dampfend, wobei Kaiser
eine volle Lage des Gegners auszuhalten hatte, den Re di Portogallo ungefähr
in der Höhe der Maschine an.
Er war Punkt 11 Uhr vormittags, 17 Minuten, nachdem der erste Schuss
feindlicherseits gefallen war.
Der Zusammenstoß erfolgte unter dröhnendem Gekrache. Der schlank-
geformte hölzerne Schiffsbug des Kaiser wurde an der feindlichen Panzerwand zu
einer Fläche platt gedrückt. Backbord an der gepanzerten Bordwand des Gegners
vorbeistreichend, erlitt Kaiser selbst durch die Wirkung des gewaltigen Stoßes
und eine auf kürzeste Distanz abgegebene volle Breitseite des Gegners, sehr
bedeutende Havarien. Der Bugspriet und das ganze Sc heg des Linienschiffes
wurden herabgerissen, so dass alsbald der schwere Fockmast achter (rückwärts)
überkippte, dabei den Maschinenschlot und das Dampfblasrohr zertrümmerte
und. den noch unversehrten Theil des ersteren mit der Mars zudeckend, bald
selbst in Brand gerieth. Ein Theil des Gallions und die Kaiserkrone der Gallions-
lignr fielen auf das feindliche Deck.
Doch auch Re di Portogallo war. obgleich er, das kühne Manöver des
Linienschiffs erkennend, im letzten Augenblicke noch rasch backbord gewendet
und dadurch die Gewalt des Stoßes abgeschwächt hatte*), wenn auch nicht in
gefährlicher Weise, so doch bedeutend beschädigt.
Er neigte sich unter der Wucht des Stoßes beträchtlich nach der Seite über.
Alles was auf der Backbordseite vom Schiff herausragte, wurde abrasiert. Re di
Portogallo verlor zwei Anker und mehrere Boote; von vier Landungskanonen,
welche sich achter befanden, wurden die Lafetten zertrümmert; eine fiel ins Meer.
— ebenso 11 Stück Pfortendeckel am Backbord; endlich wurde die Schanzenvcr-
kleidung auf eine Länge von mehr als 60 Fuß vollständig zertrümmert.
Commodore Petz hatte das Linienschiff mit beispielloser Kaltblütigkeit.
Unerschrockenheit und Ruhe manövriert. Trotz der furchtbaren Erschütterung und
der großen Verheerungen am eigenen Schiffe im Momente des Zusammenstoßes,
\r LinienschilTs-Capitan Cavaliere Hi botti, S -hinVC unmaidaut dfs Re di Portogallo
r.'turnte in der Folge selbst ein, dass, wenn der Stoß des Kaiser senkrecht erlolgt wäre, dies den
He di Portogallo wahrscheinlich zum Sinken gebracht hätte.
Digitized by Google
!2S CLXIV. bis CLXVIII. Promotion. - Im Kriege \<>u IftfiG. - Adriatioches Meer.
ertönten schon unmittelbar darauf die Commaridoworte des Comrnodore, der die
Batterien beorderte, die Barkbordflanke zu bemannen, um dem Gegner noch
einige Lagen nachzusenden.
Trotz seiner argen Verletzungen sendete denn auch Kaiser dein Re di
Portogallo von der vorderen Division der 1. Batterie, die augenblicklich Bord
gewechselt hatte, eine Lage auf kaum einige Klafter nach, welche unter der Pan-
zerung traf, dann auf das feindliche Beck ein vierundzwanzigpfündiges ProjecÜl,
endlich unmittelbar hierauf wiederholte Lagen der ganzen Flanke.
Re di Portogallo — das zweit mächtigste Panzerschiff der italienischen
Flotte — entschwand darnach, ohne einen Schuss mehr zu thun, aus dem Gesichts-
kreise des Linienschiffs. *)
Der Zweck war vollständig erreicht. Comrnodore Petz hatte den Kaiser
und mehrere Schiffe seiner Division aus der bedrängten, mit sicherem Verderben
drohenden Lage gegenüber dem Re di Portogallo befreit.
Doch kaum hatte sich Kaiser auf diese wahrhaft heroische AVeise seines
zweiten Gegners entledigt, als sich auf vier Kabel eine neue feindliche Panzer-
Fregatte, wahrscheinlich Maria Pia. zeigte.
Comrnodore Petz engagierte sich trotz der erlittenen bedeutenden Havarien
und ohschon bereits das über dem Schlot liegende Holz und Tauwerk heftig zu
brennen begann, sogleich auch mit diesem dritten Gegner.
Da trafen zwei feindliche Hohlgeschosse da< Linienschiff so unglücklich, das-
die /weile Section der zweiten Batterie fast vollkommen außer Gefecht gesetzt,
das Dampfrohr zerschossen, ein Theil der Achterdeck-Division stark verheert
wurde und letztere ihren Gomruaudanten durch schwere Verwundung verlor,
lautlich wurde die Bordwand haekbord in Brand geschossen und die Maschine
meldete, dass sie nicht mehr verlässlich, überdies des zerschossenen und verdeckten
Schlotes wegen, nur mehr mit kleinem Feuer arbeilen konnte.
Dabei nahm der Brand über dem Schlot*1 immer größere Dimensionen an:
das Steuerruder selbst war durch einen Schuss verletzt: die vorderen Divisionen
vom Deck und von der zweiten Batterie konnten kaum mehr Antheil am Gefecht«'
nehmen. Das Schiff war mit einem Wort nicht mehr kampffähig. Comrnodore Pelz
• •utschloss sich, um das Linienschiff zu erhalten, dasselbe außer Schussbereich
zu bringen.
Kaiser nahm Curs gegen den Hafen von S. Giorgio, gefolgt von den
meisten größeren llolzschiffen und auch einigen Kanonenbooten, welche schon
wählend des großartigen Zweikampfes das Linienschiff durch ihr Feuer auf das
kräftigste, unterstützt und dadurch die Aufmerksamkeit der feindlichen Panzerschiffe
auf sich gezogen halten.
Kiu'ige dieser Holzschilfe wurden dabei schwer beschädigt, so Schwarzen-
berg, welcher 7 Schüsse in die Takelage, einen in den Fockmast und einen unter
') Iii.- l'aiuer-Fregatt'' He di r'ortujra) I n hatln SOG l'feiil.'kiäfW», 5700 Tr>nite»irehalt.
.V.0 Köpfe Heuiamiuii£. s»8 Sdiil%.-schütz«, nämlich 1 2~>< •.•nlimetriie' Aiirisl.nntf-Kan.mc-n iHn i-
liUmlml|.rfiu<I.T«, Ü<; ifi;i*nj.-ne IlM cutiinelrigc Kämmen iiiiU ül.er.lies G »tezr.gene I,an.lun;rsges. hfilz.-.
Digitized by Google
Hilter def M. T.-O. Antun Freiherr von Tetz.
V20
Wasser erhielt, worauf alle Pumpen an Bord arbeiten mussten, um das Leck
unschädlich zu maelien. Adria hatte mehrfache Beschädigungen im Takelwerk
und an den Booten erlitten; die Flagge war durchschossen, im Banjerdeck dreimal
Brand entstanden, und 6 Mann waren verwundet. 2 Kulfuter (Arsenal-Civilarbeiter),
tapfere Männer, welche ein nahe der Wasserlinie durch eine achtzigpfündige
Granate entstandenes Lorh stopfen wollten, wurden durch eine /.weile Granate in
Stücke zerrissen: die brennenden Splitter /.findeten in der Vorkammer des Pulver-
magazins, so dass nur durch die Entschlossenheit des Oberstückmeisters das Feuer
verhindert wurde, die Pulverkammer zu erfassen. Novara verlor in diesem
Kampfe außer dem Commandanten G Todte, 20 Verwundete.
Inzwischen waren von der Tete-Gruppe der italienischen Pan/.erllotle zwei
Panzerschiffe, Carignano und Gastclfidardo, nach einem Gcschützkampfc mit
dem linken Flügel der östeireichisehen Panzerschiff-Division im Verlaufe der
Schlacht ganz in den Rücken der kaiserlichen Holzflolte gelangt als sich diese
mit ihrem Gros auf dem Wege nach dem Hafen von Lissa befand. Diese beiden
feindlichen Panzerschiffe wollten sich durch die Holzflotte Bahn brechen, um sich
mit der italienischen Panzerflotte zu vereinigen.
Doch das wohlgezielte Feuer der österreichischen Schlüsselnde hielt sie
dermaßen in Schach, dass die feindlichen Schiffe es nicht wagten, ein oder das
andere der Holzschiffe zu rammen, und sich darauf beschränkten, dieselben mit
schlecht gezielten Schüssen zu enfilieren. Von den kaiserlichen Holzschiffen bethei-
ligten sich an diesem Fernkampfe die Fregatten Donau, Radetzky und Schwar-
zenberg mit iluen Pivotgeschützen.
Sie wurden dabei wieder von mehreren Kanonenbooten auf das thfitigste
unterstützt, obschon diese, des noch immer unruhigen Seeganges wegen, von den
Geschützen, welche oft aus den Pivots sprangen und aus den Schienen glitten,
nur mit aller Anstrengung Gebrauch machen konnten. Von den Kanonenbooten
waren Huni, Wall, Streiter und der Repetiteur Hofer dicht au die Queue der
llolzs< hiff-Division angeschlossen geblieben, während Reka und Seehund sich
mehr der Tete der Holzflotte genähert hatten, Dalmat und Velebich hingegen
etwas zurückgeblieben waren.
Das Linienschiff Kaiser wurde auf Schussdistanz von Friedrich, zunächst
aher von Seehund und Reka begleitet welchen die Fregatten Schwarzen-
berg. Radetzky, Adria. Donau und die Kanonenboote Huni, Wall, Streiter,
endlich der Raddampfer Hofer im Kielwasser folgten.
Während Kaiser bei seiner Fahrt mit aller Anstrengung bemüht war, dem
Brande Einhalt zu thun. fand sich neuerdings und plötzlich an der Steucrbordseite
der österreichischen Hol/.schiffe der Affondatore ein. Fr hatte nach den ver-
geblichen Bammversuchen auf Kaiser, einen großen Bogen über Backbord
beschreibend, seine Havarien möglichst ausgebessert und drohte nun. längs der
Nordküste der Insel steuernd, dem Linienschiffe den Weg zu verlegen.
Dreimal schien er einen Anlauf zu nehmen, um Kaiser zu rammen; doch
das schwer verwundete Linienschiff wehrte sich auf das tapferste, gab trotz
Digitized by Google
130 HLXIV. bis GLXV111. Promotion. - Im K.riegv von 1866. - Adriatiwhes Meer.
Brand und Havarien Breitseite auf Breitseite ab und hielt sich den gefährlichen
Gegner vom Leibe. Kaiser wurde dabei durch die nachfolgenden Holzschifle.
später auch durch die Panzer-Fregatten Don Juan und Prinz Eugen auf das
wackerste unterstützt, welche den Affondatore mit einem waliren Hagel von
Projectilen aller Art überschütteten, unbekümmert um mehrere feindliche Panzer-
schiffe, wie: Carignano, Casl elfidardo, Re di Portogallo, Ancoria und
Varese, welche aus der Entfernung ein wirkungsloses Feuer unterhielten.
Beim dritten Versuche stürzte Affondatore mit großer Geschwindigkeit bis
auf 1 Kabel Distanz heran, fiel aber plötzlich steuerbord ab, folgte noch eine Zeit
lang dem Linienschiffe, das unausgesetzt ein wohlgezieltes Feuer unterhielt, und
kelirte endlich mit beschädigten Ankern, mehreren Kugeln durch Deck, deren eine
im unteren Schiffsraum gezündet hatte, gegen die italienische Holzflotte urn.
Kaiser sandte ihm noch auf 10 Kabel den letzten Schuss nach.
Das Linienschiff, befreit von seinem gefährlichen Gegner, setzte nun
unbelAstigt seinen Weg bis in den Hafen S. Giorgio fort, wo es um l1 % Uhr
anlangte, und sich mit der Flanke gegen die Hafen-Einfahrt aufstellte, um einem
etwa nachrückenden Feinde seine Breitseiten entgegenschicken zu können. Nur
das Kanonenbot Reka, welches auf Kaiser das Signal sah: .Man gibt die
Hoffnung auf, das Feuer zu bewältigen8 folgte bis in den Hafen nach.
Die übrigen HolzschitTe, welche, nachdem Affondatore sich entfernt hatte
alle Gefahr für Kaiser beseitigt sahen, nahmen nun unter Fuhrung de>
Schwarzenberg wieder den Curs in nördlicher Richtung, um sich mit der
Panzer-Division zu vereinigen, die mittlerweile auf die um 12 Uhr 20 Minuten
«•rfolgten Signale Tegetthoffs .Sammeln* und „dem Commandierenden im
Kielwasser folgen4 herbeieilte und der nordwärts steuernden Holzflotte auf halbem
Wege entgegenkam.
Durch den Rückzug der italienischen Flotte und den Verlust eines zweiten
Panzerschiffes, des Palestro, der um 21., Uhr in die Luft flog, fand die See-
schlacht bei Lissa ihr Ende.
Das Linienschiff Kaiser, dessen Schäden nach Bewältigung des Brandes
binnen 21 Stunden ausgebessert wurden, trat schon am 21. Juli abends mit der
kaiserlichen Escadre die Rückfahrt in das Flottenlager von Fasana an und lief
am 22. Juli behufs gründlicher Reparatur in den Hafen von Pola ein.
Das tapfere Linienschiff hatte in der Schlacht 850 Schuss abgegeben, selbst
aber 80 Treffer erlitten; sein Verlust betrug an Todten und Verwundeten 40fficicre
und 1)5 Mann, also bei weitem mehr, als die Hälfte des Gesammtverlustes der
k. k. Kscadre. welche I8 0fficiere und 158 Mann verlor. Unter den Verwundeten
befand sich auch Commodore Linienschiffs-Capitän Petz seihst. Von den übrigen
1 lolzschiffen hatte Novara die meisten Verluste mit 7 Todten und 20 Verwundeten:
Schwarzenberg und Friedrich hatten Lecks bekommen und Wasser gezogen,
welches jedoch, ohne die Kampffähigkeit zu beeinträchtigen, durch Anwendung
der Pumpen hatte bewältigt werden können. Auf mehreren Schiffen war infolge
der Explosion von Granaten Feuer ausgebrochen, das jedoch immer rasch gedämpft
Digitized by Google
Ritter des M. T.-Ü. Anton Freiherr von Petz.
131
wurde. Am meisten war in dieser Beziehung Ad ria gefährdet, die auch ün übrigen
starke Beschädigungen davontrug.
Commodore Linienschiffs-Capitän Anton von Petz hatte durch sein kühnes,
für den Gegner gewiss unerwartetes Eingreifen mit der Holzflotte und durch den
heroischen Kampf de? Linienschiffes Kaiser die Queue der feindliehen Panzer-
flotte in Schach gehalten und von der Actinn gegen die österreichische Panzer-
Division abgezogen, und so indirect in hervorragendem Maße zum Siege beige-
tragen. Er hatte überdies durch die ausgeführten Manöver nicht nur das seinem
Commando anvertraute Scliiff sammt dessen braver Bemannung dem Vaterlande
erhalten und die übrigen Schiffe seiner Division vor Angriffen weitüberlegener
Streitkräfte gedeckt, sondern auch den Feind in seiner Stärke bedeutend
geschwächt. So hatte Commodore von Petz den Beweis erbracht, dass die
Parole Farraguts „Hölzerne Schiffe — eiserne Herzen" in der Brust, der öster-
reichischen Seeleute feste Wurzel geschlagen. Um die verdienstvolle Leistung
des Linienschiffs-Capitäns von Pelz aber nach ihrem vollen Werte würdigen zu
können, muss hervorgehoben werden, dass Seiner Majestät Linienschiff Kaiser
am Tage der Schlacht von Lissa, am 20. Juli, im ganzen nur 20 Ausrüstungstage
zählte.
Die Officiere und Cadeten vom Stabe des Linienschiffs unterbreiteten noch
in See, am 22. Juli, ihrem Commandanten aus freien Stücken ein Tapferkeits-
Zeugnis, während der Escadre-Commandant. Vice-Admiral von Tegetthoff die
Waffenthat seines Commodore in der Folge nachstehend charakterisierte:
„Contre-Admiral Petz als Commandant der 2. Division und des Linien-
schiffes Kaiser hat durch das mit ausgezeichneter Geschicklichkeit, Kühnheit und
Aufopferung ausgeführte Manöver mit dem seiner Führung anvertrauten Schiffe,
eine That vollbracht, die voraussichtlich für immer vereinzelt in den Annalen der
Marine dastehen wird, und durch die er nicht nur sein eigenes Schiff und die ihm
untergeordnete Abtheilung der Flotte unter den erdenklich schwierigsten Umstän-
den vor eminenter Gefahr gerettet, sondern auch dem angerannten feindlichen
Panzerschiffe durch den wuchtigen Stoß. — wie den andern durch gut gezielte
«oncentrierte Breitseiten — die auch nach dem Sturz des Mastes fortgesetzt
wurden — , bedeutende Schäden beigebracht."
Auf Grund dieser in der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1806 voll-
brachten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als
Erhabener Großmeister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-
Capitels kraft Promotion CLXVI vom 20. August 1860 den unmittelbar nach der
Seeschlacht bei Lissa, am 22. Juli, außer der Tour zum Contre-Admiral
beförderten Commodore Anton von Petz durch Verleihung des Kleinkreuzes
zum Ritter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Nach dem Kriege wurde Contre-Admiral von Petz am 4. September 1.S00
zum Commandanten der Marine-Akademie in Fiume ernannt.
Am 24. December 1807 geruhte Se. Majestät denselben statutengemäß in
den österreichischen Freiherrnstand zu erheben.
Digitized by Google
1:12 CLX1V. bis CLXVIJI. Promotion. - Im Kritge von 186ß. - Adriatisches Meir.
Im Jahre 1808 rüstete die k. k. Regierung aus handelspolitischen Gründen
«•ine Expedition nach O.stasien aus, da die Monarchie, vermöge ihrer geogra-
phischen Lage ein natürliche? Mittelglied im Verkehre zwischen Kuropa und Asien,
angesichts der damals zu gewärtigenden Eröffnung des Sucz-Canals nicht länger
zögern konnte, gleich den übrigen großen Staaten Handelsverbindung mit jenen
lernen Ländern anzuknüpfen. Die Aufgabe der Expedition bestand in Abschlug?
von Handelsverträgen. Einsetzung von Beamten und Agenten und in Vornahme
von Studien über die commerciellen Verhältnisse an Ort und Stelle durch beigo-
gebene Fachmänner.
Kür diese Expedition wurden zwei Schilfe, die Fregatte Donau und die
Gorvette Erzherzog Friedrich ausgerüstet, von welchen erstere auf der Rück-
reise überdies die südamerikanischen Häfen anlaufen sollte.
Contre-Admiral Freiherr von Fetz wurde mit Allerhöchster Entschließung
vom 28. Juli 1868 zum Kommandanten der ostasiatischen Expedition und gleich-
zeitig zum bevollmächtigten Miuister und tiesandten in außerordentlicher
Mission ernannt.
Am 18. October 1868 verließ Petz an der Spitze der Expedition die Rhode
von Triest und segelte über Gibraltar und das Gap der guten Hoffnung
zuvörderst nach Ostasien. Nach Berülirung Singapores lief er die Häfen von
Bangkok, Siam, Saigon, Hong-kong, Sangbai und Yokohama an und
schloss sowohl mit Siam als mit Ghina und mit Japan Verträge ab, in welchen
Österreich-Ungarn die Rechte der meist begünstigten Nationen zugestanden
wurden.
Seiner Majestät Corvette Friedrich in Ostasien belassend, von wo sie
späterhin durch den Suez-Ganal heimkehrte, trat Pelz mit Seiner Majestät Schiff
Donau von Yokohama am 14. November 1809 die Reise durch den Stillen
Ocean nach Süd-Amerika an.
Auf dieser Fahrt hatte Fregatte Donau zweimal sehr schweres Wetter.
Schon nach dem Auslaufen aus Yokohama wurde das Schilf durch einen mehr-
tägigen schweien Drehsturm arg mitgenommen. Bei 2$ Segel wurden zerrissen,
die auf beiden Seiten gehissten Boote mit Wasser gefüllt, so dass sie nur durch
Einschlagen der Böden gerettet werden konnten. Auch Bemastung und Takelage
wurden schwer beschädigt. Am 28. November brach erneuert ein Orkan herein,
welchem Schiff und Bemannung nahezu zum Opfer gefallen wären.
Durch die Heftigkeit des Orcans gieng Segel um Segel verloren; die Takelage
wurde immer schadhafter und das Schiff begann unter den heftigen Erschütte-
rungen Wasser zu ziehen, so dass die Maschineiipunipen in Thätigkeit gesetzt
werden mnsslen, um desselben Herr zu weiden. Die Fregatte Donau war da
1 .")(>() Meilen vom nächsten Hafen entfernt, als mit einem mächtigen Rucke das
Steuer sowie auch die Stütze des Propellers abbrachen. Den wüthenden Elementen
nunmehr hilflos preisgegeben, blieb das Schiff durch volle neun Tage ein
Spielball der Wellen. Erst am 8. December gelang es, ein improvisiertes Notli-
steuer zu adaptieren, mit dessen Hilfe am 20. December 1809 Honolulu glücklich
Digitized by Google
Killer iK~ M. T. U Maximilian Freiherr von Slenietk.
erreicht wurde, wo das schwer beschädigte Schiff einer niehrmonallichen Reparatur
unterzogen weiden uiusste.
Kür diese in schwerer Seenot.li bewahrte ausgezeichnete Haltung wurde
Conti»- Adiniral Krh. vun Petz am 27. Februar 1870 durch die Allerhöchste
belobende Anerkennung ausgezeichnet.
Freiherr von Petz reiste von Honolulu mit einem amerikanischen Pakel-
dampi'er nach S. Francisco, besuchte von dort aus Guatemala. Panama. Peru
und verhandelte mit den Ministerpräsidenten der Vereinigten Staaten von Coluni-
bi;i, Kcuador und Chili, worauf die betreffenden Verträge geschlossen wurden
und die Aufstellung von k. mal k. diplomatischen Vertretungen erfolgte.
Am IG. August 1870 schiffte sich Freilu'ir von Petz wieder in Honolulu
auf Sr. Majestät Schill' Donau ein. Um das Cap Horn steuernd, berührte er die
Laplata-Staaten, wobei in Buenos-Ayres mal Montevideo" die handels-
politischen Beziehungen mit der Argentinischen Republik und den Repu-
bliken von Bolivia und Uruguay in gleich befriedigender Weise geregelt wurden.
Am 13. Deceniber 1870 trat der < lontrc-Admiral von Montevideo die Heim-
reise an und langte nach einer nahezu zweicinhalbjfihrigen Abwesenheit am
1. März 1871 wieder in Pola ein.
Wenige Tage darauf, am 15. März, geruhte Seine Majestät die Verdienste de«.
Contre-Admirals Frh. von Petz bei Durchführung dieser österreichischen Expedition
durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone I. ('.lasse auszuzeichnen.
Am fi. October 1871 wurde Conlre-Admiral Frh. von Petz zum Seebezirks-
Conunandanten in Triest ernannt.
MiltelsAllerhöchsten Handschreibens vom 25. Mai 1872 wurde ihm die Würde
eines Geheimen Rathes verliehen.
Am 0. Mai 1S78 trat C.ontre-Admiral Frh. von Petz nach fast fnnfundvierzig-
jähriger Dienstleistung in den wohlverdienten Ruhestund, bei welchem Anlasse
ihm in Anerkennung seiner im Frieden mal im Kriege ausgezeichneten Dienst-
leistung mit Allerhöchster Entschließung der Vice-Admirals-C.harakler ml
Itonorcs verliehen wurde.
Der heldenmüthige Seemann starb am 7. Mai 1885 zu Triest.
Hilter des Maria, Tlieie.sieii-Ordeiis
Maximilian Freiherr Duublebsky von Sterneck zu Klirenstein.
Freiherr von Sterneck wurde im Jahre 1820 zu Klagenfurt in Kärnten
geboren. Er erhielt seine maritime Erziehung im Marine-Coileginm zu Venedig,
wurde am 20. September 18i7 zum provisorischen Marine - (ladeten ernannt
und in demselben Jahre auf der Fregatta Bellona eingeschifft.
Am I.Mai ISIS zuur Officicrsdienst Uiuenden (ladeten designiert, machte
Frh. v. Slerneck die Expedition gegen Ancona mit. Während der Beschießung
der Batterien durch den Dampfer Curtatone am 2. Juni um 1 '/» Uhr nachts
Milil3n>ch*-r Maria TliiTe»i«*ii-Onl«?fi.
Digitizedby Google
(XXIV. LU CI.XVUI. l'roiiiutiou. - Im Krieg« vuii iMk». — Adrkitif c!k'> Meer.
wurden auch 3 Boote mit Raketen-Geschützen bestückt und gegen die Stadl ent-
sendet. Eines dieser Boote befehligte Frh. von Sterneck. Wiewohl seihst vom feind-
lichen Geschütz- und Kleingewehrfeuer lebhaft beschossen, näherte sich Stenieck
von Nordwesten thunlichst nahe der Stadt und wirkte mit seinem Raketen-Geschütz
bei deren Beschießung kraft igst mit, was im Vereine mit dem Feuer der beiden
anderen Boote wesentlich dazu beitrug, das Feuer der Batterien Anconas vom
Gurtatone abzulenken und zu schwächen.
In der Folge nahm Frh. von Sterneck an Bord der Venus an der Blockade
von Venedig theil.
Er wurde am 25. October 1848 zum Fregatten-, am 20. September 1810
zum Schiffs-Fähnrich befördert.
Vom Jahre 1850 bis Ende 1858 mit wenigen Unterbrechungen fast beständig
auf verschiedenen Fahrzeugen eingeschifft , wurde er am 1. April 1852 zum
Fregatten-, am 1. April 1855 zum Sehiffs-Eicutenant und am 24. November
1859 zum Corvetlen-Capitän ernannt. Am 27. April lStJO erfolgte seine Beför-
derung zum Fregatten-Capitän.
Als solcher war Sterneck neuerdings auf verschiedenen Kriegsfahrzeugen
eingeschiffi. Nach der Beförderung des Conunodore Wilhelm von Tegetthoff zum
Contre-Admiral im Jahre 1864 infolge des Seetreffens bei Helgoland wurde das
von demselben bis dahin innegehabte Commando Seiner Majestät Fregatte
Schwarzenberg — dem Flaggenschiff Tegetthoffs — dem Fregatten-Capitän
Frh. von Sterneck übertragen, der somit bereits im Jahre 1861 Flaggen-Gapitän
Tegetthoffs vor dem Feinde war.
Am 4. Mai 1866 zum Liniensehiffs-Capitän ernannt, machte Sterneck
als Commandaut der Panzerfregatte Erzherzog Ferdinand Max den Krieg
gegen Preußen und Italien im Jahre 18G6 auf dem Adriatischen Meere mit der
k. k. Flotte mit. Contre-Adniiral von Tegetthoff wählte auch diesmal Freiherrn
von Sterneck zum Flaggen-Capilän, indem er auf dem Erzherzog Ferdinand
Max als Admiralsschiff seine Flagge hisste.
Sterneck war somit berufen, unter unmittel baier Führung Tegetthoffs an
allen Operationen der k. k. Flotte theilzunehmen und specieH in der Schlacht
hei Lissa am 20. Julian der Spitze der Panzer-Division mit dem Erzherzog
Ferdinand Max als Flaggen-Gapitän Tegetthoffs und Gommandant des Admirals-
schiffes zu kämpfen. Während naturgemäß Tegetthoffs Blick hauptsächlich auf die
Überleitung der gesummten Eseadre und daneben auf die Führung der Panzer-
Division gerichtet bleiben rnusste, war es Stenieck als Schiffs-Gornmandanten
beschieden, während der Melee der eigenen mit den feindlichen Panzerschiffen
völlig selbständig eine der kühnsten Waffenthalen zu vollbringen, die zur sieg-
reichen Entscheidung der denkwürdigen Seeschlacht wesentlich beitragen sollte.*)
Um der Taktik und dem Befehle des Escadre-Gommandanten: „Panzer-
schiffe den Feind anrennen und zum Sinken bringen " Folge zu leisten, legte
*) :riehe vonnigeheuden Lebenslauf Tegel tholTs.
Digitized by Google
Kitlu ik s M. T. 0. Miuiiiiiliun KieJui r \ on SU-nietk.
Steineck im Kampfe nur geringes Gewicht, auf die Wirkung der mangelhaften
Artillerie m s Schiffes, welche den feindlichen Panzern zwar Schaden zufügen
konnte, aher einen grollen Erfolg nicht erwarten Hell. Sterneck richtete vielmehr
sein Hauptaugenmerk auf das Rammen, um durch herechnele.s Manövrieren des
i | im anvertrauten Schifte» zu erzielen, was durch die Artillerie nicht zu erreichen
war. nämlich das feindliche. Schiff in den Grund zu hohren. Dies wurde aher durch
eine ganze Reihe höchst einfiussreicher Umstände ungemein erschwert. Um den
eigenen Rammstoß in seiner vollen Wucht zur Wirksamkeit zubringen, musste das
Schiff möglichst senkrecht auf die feindliche Schiffswand auftreffen. Eine geringe
Irrung konnte verhängnisvoll werden und dem Angreifer das Schicksal bereiten,
das er dein Gegner zugedacht, nämlich seihst zum Gerammten zu werden. Der
durch den Pulverrauch gehemmte Ausblick, w elcher in der Melec zeitweilig Freund
und Feind kaum unterscheiden ließ, — die; Schnelligkeit in der sich die gegen-
seitigen Posit rons - Änderungen der mit voller Dainpfkraft arbeitenden Schiffe
vollzogen, — die Möglichkeil, infolge des Zusammenstoßes selbst eine schwere, da»
eigene Schill' kampfunfähig machend«' Havarie zu erleiden, — endlich die große
Gefahr, unmittelbar nach geglücktem Rammsloße nahezu hilflos einem feindlichen
Rammbuge preisgegeben zu sein, da das eigene Schiff einige Minuten brauchte, um
wieder manövrierfähig zu werden: alle diese mit dem Manöver des Rammens
mitten in der Melec verbundenen Schwierigkeiten und Gefahren waren es, mit
denen Sterneck bei seinem Wagnis unausgesetzt und genauestens rechnen musste.
Er hatte seinen Platz auf dem Achtercastell gewählt und manövrierte den
Ferdinand Max von den Kreuzwanten*) aus mit sicherem Bück und stählernen
Nerven.
Inmitten heftigen Kanonen- und Kleingewehrfeuers, welches der Gegner auf
das kaiserliche Admiralsschiff lichtete, durchbrach dasselbe bei Beginn der
Schlacht die feindliche Linie und stürzte sich sodann, den Ours verkehrend, von
neuem auf den Feind.
Sterneck steuerte sofort gegen ein feindliches Panzerschiff und es gelang ihm,
dasselbe vorn zu rammen, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg, da der Stoß in
schiefer Richtung erfolgt war. Jedenfalls erlitt es Havarien, die durch das
wohlgezielte Feuer der Batterien noch erhöht wurden.
Um diese Zeit erfolgte das Signal des Admirals: „I. Division die Holzdivision
unterstützen*, welch' letztere sich mit heldeiimüthiger Rravonr auf die Oueue der
feindlichen Panzerschiffe geworfen hatte, wobei sich das Linienschiff hervorragend
auszeichnete, aber auch schwere Havarien erlitt.
Bei Ausführung dieses Signals gelang es Sterneck. ein zweites feindliches
Panzerschiff achter an Steuerbord zu rammen. Durch die Wucht des Stoßes
wurden mehrere Panzerplatten des feindlichen Schiffes abgerissen, überdies fügte
ihm auch Sternecks Batteriefeuer schwere Schäden zu. Des Gegners Kreuzmars-
stange und Besalmgaffel, letztere mit einer riesigen Tricolore, stürzten auf das
') Strickleitern, welch«: zum Mastkorbe führen.
Digitized by Google
MG
ÜLX1V. bi> t.'LXVUl. I'ruiiftioii. — Im Kriege vi n |!S<>»5. - Adrittlisches Meer.
Waden astell des Ferdinand Max. Steuermann Carcovich machte nach einem
vergeblichen Versuche, die Leine abzureißen, die Flagge unter heftigem Klein-
gewehrfeuer an einer Belegsklampe fest, und dieselbe blieb, als die beiden Schifte
sich trennten, als Trophäe an Bord des Ferdinand Max zurück. *)
Bei der Melee, in welcher das Oos der österreichischen Panzerschiffe, das
Admiralsschiff Ferdinand Max voran, die mittlere Parteigruppe des Gegners
bekämpfte, war hauptsächlich die öslerrcichischerseits für das feindliche Admirals-
schiff gehaltene Panzer-Fregatte Be d'Italia**) das Ziel der heftigsten Angriffe.
Es war vom Ferdinand Max und drei anderen kaiserlichen Panzerschiffen um-
geben. Das Panzerschiff Palestro. welches dem bedrängten Be d'Italia zuhilfe eilen
wollte, wurde in Brand geschossen und flüchtete aus dem Gedränge, während
sich Sau Martino mit Don Juan d'Austria in ziemlicher Kntfernung südwärts schlug.
Unterdessen schien dem Be d'Italia das Steuerruder zerschossen worden zu
sein, denn von diesem Augenblicke lag dieses Schiff isoliert inmitten mehrerer
kaiserlichen Panzerschiffe. Die Situation des Be d'Italia war eine bedenkliche,
denn seine Bewegungen waren wegen des beschädigten Steuerruders auf jene nach
vor- und rückwärts beschränkt. Das Schiff suchte sich zu retten, indem es volle
Breitseiten nach rechts und links abfeuerte und die ganze Equipage auf Deck
berief, um eine Enterung abzuweisen. Doch es war bereits dem Untergang geweiht.
Mitten unter dem Feuer der Schiffe sah Sterneck von der halben Höhe der
Besahnwanten aus plötzlich die mächtige Panzer-Fregatte Be d'Italia den Curs
des Ferdinand Max kreuzen.
.Steuerbord an Bord* — .Maschine ganze Kraft vorwärts" — , Maschine
hall* — so folgten rasch hinter einander die Cominandos Sternecks, mittels deren
er das kaiserliche Admiralsschiff gegen das feindliche Schiff dirigierte.
Mit ganzer Kraft rannte Ferdinand Max gegen die linke Flanke des
Be d'Italia. Dieser ließ mit aller Anstrengung nach vorwärts arbeiten, um womög-
lich dem Stoß zu entgehen oder ihn abzuschwächen, doch da verlegte ihm eine
österreichische Panzer-Fregalte den Weg: er ließ nun wieder die Maschine mit
voller Kraft nach rückwärts wirken. Aber in dem Augenblicke, als sich die beiden
Bewegungen paralysierten und das Schiff gewissermaßen regungslos dalag, erhielt
• | Kine Anmerkung aus «Iimii V. Bande de;- Genei alslabswerkes pag. 72, sagt diesbezüglich:
.Da n.icli allen italienischen Berichten keines iler aus iler Schlacht zurückgekehrten Schiffe,
«Im Hr di l'nrtogallo ausgenommen, welcher vom Kaiger angerannt wurde, einen Kaminstoß
erhalten hahen will, so muss wohl angenommen werden. dass die heulen gerammten Schifte der
Ite d'Italia und Palcstro (von denen da* erstere während, das letalere nach der Schlacht
untergieinr) gewesen seien, was auch der Situation hei Beginn der Schlacht entspricht. Kür die
Annahme, dass Palotro das iweilgerammte SehilT sei, spricht auch die Angahe des Kanonen-
bootes B.-ka. welches denselben deutlich brennen und ohne Klagte an der tJalTel gesehen hatte.
-- llass |{e d'Italia schon anfangs einen Stoß erhalten habe, dafür sprechen die überein-
stimmenden Aussagen der italienischen Marine, wornach derselbe als vermeintliches Haggenschiff
v..ii Anfang her das Ziel der wüthendMen Angriffe gewesen sei.*
**) Admiral «iral l'ersano hatte sich bekanntlich bei Beginn der Seeschlacht vom Be
d'Italia auf den Afforidatore «bei schifft.
N,
Digitized by Google
Hill« r <kr M. T. O. Mntimiliun Fivih-rr v..n Slenieck.
■1:17
es den verhängnisvollen Stoß in die Backbordseite, etwas achtel seines Fock-
mastes, nah»? an der Maschine, senkrecht auf die Bordwand.
Unter schwerein Gekrach bohrte sich der scharfe Rainmbug des Erzherzog
Ferdinand Max, welcher seine gewaltige Masse von 51 HO Tonnen mit einer
Geschwindigkeit von II1/* Knoten bewegte, in die Flanke des He d'Italia, alles
zerschmetternd — Panzer und Fütterung, Planken und Rippen . . .
Schon war aber auch wieder das Commando Slernecks ergangen: „Ganze
Kraft zurück. "
Der Stoß, welcher in den unteren Räumen des Ferdinand Max, wo
niemand darauf vorbereitet gewesen, alles zu Boden schleuderte, war kaum
erfolgt, als die Maschine auf ganze Kraft rückwärts eingestellt war. Dadurch
gelang es. den Sporn, welcher l)1/* Fuß tief eingedrungen war, zurückzuziehen
und den Ferdinand Max aus der Flanke des tödlich getroffenen tiegners zu
befreien.
Weiter brechend, knarrend und zertrümmernd zog sich der blankpolierte
Rammbug des kaiserlichen Admiralsschiffes aus der feindlichen Schiffswand,
eine weit klaffende Winnie im Umfange von l'.J7 Quadratfuß, worunter 79 Quadrat-
fuß unter der Wasserlinie, in dieser zurücklassend.
Während der Erzherzog Ferdinand Max langsam vom Re d'Italia frei
wurde, neigte sich dieser infolge des furchtbaren Anpralles zuerst langsam auf
etwa 20 Grad gegen Steuerbord, worauf er dann plötzlich nach Backbord über-
rollte und seine klaffende Wunde in die rasch hinein sich ergießende Flut tauchle.
Binnen weniger denn 2'/, Minuten versank, mit dem Vorschiff voraus, Re d'Italia.
der Stolz der italienischen Marine, mit Mann und Maus in den Wogen, unter dem
.Ilurrah!" des Ferdinand Max . . .
Doch war es selbst für den Sieger ein furchtbar großartiger Anblick, als das
ganze Deck des feindlichen Schiffes sich dicht vor seinen Augen aufrichtete, die
wackere Bemannung, welche noch in diesem Augenblicke von Deck und Marsen
ihre letzte Salve abgab, allmählich Boden unter sich verlor, Menschen nach Lee
hinabglitten und endlich das schöne Schiff in einen Abgrund von 200 Faden Tiefe
für immer verschwand.
Während des Sinkens sah man einige Leute nach achter eilen, um wie es
schien, die Flagge an der Gaffel zu streichen, doch zwei wackere Officiere wider-
setzten sich mit Gewalt diesem Unternehmen und so gieng das Schiff mit hoch-
flatterudcr Nationalflagge in sein Grab.
Es war 1 1 Uhr 20 Minuten vormittags. 37 Minuten seit dem Beginne des
Kampfes.
Lautlos blickten die Sieger auf die Stelle, wo kurz zuvor noch ein mächtiger
Gegner gestanden und wo nunmehr zahlreiche Schiffbrüchige, denen es gelungen
war, in das Wasser zu springen, bevor sie von dem reißenden Wirbel ergriffen
worden, mit dem Tode rangen.
Bald aber erscholl tausendstimmiges Ilurrah! von den übrigen kaiser-
lichen Schiffen, welche Zeugen der gewaltigen Thal ihres Admiralsschiffes
Dkjitized by Google
138
CLX1V. bis CLXVIU. Promotion. Im Kriege von l.Hfifi. — Adriatisrhes Meer.
waren, das aus diesem Choe, abgesehen von einer Verletzung des Vordertheile?,
unversehrt hervorgieng.*)
Unmittelbar darauf, als über persönlichen Befehl Tegetthoffs eben Vorberei-
tungen zur Rettung der Schiffbrüchigen getroffen wurden, schwebte aber Erz-
herzog Ferdinand Max selbst in großer Gefahr. Es erschien plötzlich von ba<k-
bord gegen achter ein feindliches Panzerschiff, wahrscheinlich Ancona von «1er
italienischen Tete-Gruppe, und stürmte, in der unverkennbaren Absicht zu rammen,
gegen das kaiserliche Admiralsschiff.
Sterneck. rasch gefasst, wich — obwohl das Schiff der Maschine und dem
Steuer nur langsam gehorchte — durch ein brillantes Manöver dem verderben-
drohenden Stoße aus. Ferdinand Max glitt so dicht an dem feindlichen Schiffe
vorbei, dass auf erslerem die Bedienungsmannschaft der Backbord-Batterie die
Selzer in die Geschützmündungen nicht einführen konnte.
Noch einmal, nämlich nach gänzlichem Ahschluss des noch einige Zeit fort-
dauernden Kampfes der beiderseitigen Panzerflotten, als sich die kaiserliche Flotte
über Tegetthoffs Befehl sammelte, um wieder Gefechtsformation anzunehmen,
nahm Sterneck die Gelegenheit wahr, mit dem Ferdinand Max einzugreifen. Der-
selbe betheiligte sich gegen 1 Uhr an der Jagd mehrerer österreichischen Panzer-
schiffe nach dem brennenden Palestro. welchem es zwar gelang, zu entkommen,
jedoch nur. um später (21/, l'hr nachmittags) in die Luft zu gehen.
Nachdem die Seeschlacht ihren völligen Ahschluss gefunden hatte, indem
die feindliche Flotte da vondampfte, lief die kaiserliche Flotte in den Hafen von
S. Giorgio der Insel Lissa ein. und zwar das Admiralsschiff mit Tegetthoff und
Sterneck kurz vor Sonnenunlergang als letztes Schiff, begrüßt von dem begei-
sterten Jubel der Besatzung und Bevölkerung.
Linienschiffs-Capitän Freiherr von Slerneck hatte durch die schweren
Havarien, welche er zwei feindlichen Panzerschiffen zugefügt, hauptsächlich aber
durch die Vernichtung des Re d ltalia wesentlich zum Erfolge des Tages bei-
getragen.
Um die verdienstvolle Leistung dieses SchilTs-Commandanlen nach ihrem
vollen Weile würdigen zu können, muss noch hervorgehoben werden, dass Seiner
Majestät Panzer-Fregatte Erzherzog Ferdinand Max, welche 5.1 HO Tonnen-
gehalt, 800 Pferdekräfle. 18 platte Acht iindvierzigpfündcr und 489 Mann Beman-
nung hatte, am Tage der Schlacht bei Lissa im ganzen nur 29 Ausrüslungs-
lage zählte. Dagegen war die Panzer-Fregatte He d'Italia das mächtigste Schiff
der italienischen Flotte gewesen. Sie hatte 5.700 Tonnengehall, 800 Pferdekräfte,
30 Geschütze,**) mit einer Bemannung von (»00 Mann, von welchen 180 Manu
geleitet wurden.
Uber das Manöver des Bammens selbst äußerte sich Tegetthoff: „Die den
Panzerschiffen angeordnete Kampfweise: „Anrennen und zum Sinken bringen» —
*) Am Vordersteven war eine Platt»» verbogen worden.
*V2 -20 tenlinietiige Armstrong-. 30 lo centiiiietrige gezogene Kanonen und 1 glatte
centinietrige Kanonen.
Digitized by Google
Ritter des M. T. O Maximiiiati Freiherr von Sterneek.
439
vom Commandanten des Flaggenschiffes (Sterneck) mit hervorragendem Geschick
ausgeführt — wurde auf offener See zwischen, unter vollem Dampf fahrenden
Schiffen zum erstenmal mit bestem Erfolg versucht und lieferte den Beweis, dass
ein noch so mächtiges Schiff von einem weniger großen niedergerannt werden
kann, was bis nun von vielen Fachmännern angezweifelt ward."
In der gcsammten Flotte herrschte nur eine Stimme der Anerkennung über
die Leistung des Ferdinand Max.
Die an Bord des Admiralsschiffes eingeschifften Officiere stellten aus freien
Stücken schon am Tage nach der Schlacht, noch zu Lissa, ihrem Schiffsenmmau-
danten Linienschiffs-Capitän Freihenn von Sterneck ein Tapferkeits-Zeugnis über
dessen Waffenthat aus.
Vice-Admiral von Tegetthoff, welcher das Verdienst der Waffenthal aus-
schließlich seinem Flaggen-Capitän Freiherrn von Sterneck zusprach,
charakterisierte dieselbe nachstehend:
r Linienschiffs -Capitän Baron Sterneck führte mit seinem Schiffe ein
Manöver aus — für welches zwar von allen Seestaaten in neuester Zeit Schiffe gebaut
werden — welches jedoch zur Stunde — auf offener See, wo Freund und Feind
unter voller Dampfkraft in Fahrt — von keiner Marine noch ausgeführt wurde."
„Dass Linieiischifrs-Capitän Baron Sterneck - unter heftigem Kanonenfeuer
mit bewunderungswürdiger Kaltblütigkeit und Unersehroekenheit sein Schiff führte
— bin ich so glücklich als Augenzeuge bestätigen zu können; ihm ist hauptsächlich
der Krfolg des Tages zuzuschreiben."
Auf Grund dieser in der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1866 vollbrach-
ten Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-Capitels krall
Promotion CLXVl vom 20. August 1866 den unmittelbar nach der Schlacht von
Lissa, am 22. Juli, mit dem Ritterkreuz des österreichischen Leopold-
Ordens ausgezeichneten Liniensehiffs-Capitän Maximilian Freiherrn Daublebsky
von Sterneck zu Ehrenstein durch Verleihung des Kleinkreuzes zum
Bitter des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Nach dem Kriege von 1866 wirkte Sterneck im Geiste Tegelthoffs als
Militär-Ilafen-Commandant in Pola und als Leiter sämmtiieher Schul-
schiffe, die behufs Ausbildung von Ofliciercn, Unterofficieren und Mannschaften
in den kriegsmaritimen Disciplinen theils hiezu neu bestimmt, theils den Ver-
hältnissen entsprechend umgestaltet wurden. Das Käsern-, das Artillerie- und das
Schiffsjungen-Schulschiff, sowie die seegehenden Matrosen-Schulschiffe, auf denen
der Nachwuchs für Steuer-Unlerofficiere herangebildet wurde, das reorganisierte
Mulrosen-Corps: dies waren Institutionen, für deren Gedeihen und Emporblühen
Sterneck seine vollen Kräfte einsetzte.
Außer zahlreichen Instructionen und Vorschriften für Schulung und
Ausbildung der Mannschaften am Lande und an Bord der Schulschiffe kam unter
seiner Leitung auch die , Takelung und Ankerknnde*. ein Werk von beson-
derer Gründlichkeit und Anschaulichkeit, ferner das unter seinem Präsidium
Digitized by Google
440 C1.X1V. bi» HIAVIII. Pron.r.ti..ii. Im Krir? v.ii In«;»',. Adriatiarlie« Meer.
commissionell ausgearbeitete .Signalhuch der k. k. Kriegs-Marine- zustande
wodurch wichtige soetaktischo Normen codificiert und ein rationelles Signalisie-
rungs-Svstom eingeführt wurde.
Im Jahre 1*72 führte Slerneck. einen längeren Erlaub nehmend, im Vereine
mit dem eifrigen Förderer der Nordpol-Erforschung. Hans Grafen Wilczek. auf
dessen Yacht Isbjörn, deren Kommando St emeek übernahm, eine Expedit ion
nach den Polar-Hegionen durch, um für die unter den Hefehlen des Linien-
>chitTs-Lieutenant.s Weyprecht unleniominene Nordpol-Expedition auf Novaja-
Semlja ein Lebensmittel-Depot zu errichten. Nach Durchführung dieses Unter-
nehmens bewirkte Sterneck die Heimreise auf der Petschora über Russland.
Nach seiner Hückkehr wurde Freiherr von Sterneck am Hl. October IH1-2
zum Contre-Admiral befördert.
Im Jahre 1S715 wurden sein«' unablässigen Bemühungen um das Zustande-
kommen eines Marine-Casino von Krfolg gekrönt. Für dasselbe wurde in Pola
ein Prachtbau hergestellt, der nicht bloß eine Heimstätte das Seeoflieiers-< lorps
bildet, sondern auch dem Hauptkriegshafen der Monarchie zur Zierde gereicht.
Am Iii. December 1*7:5 wurde Slerneck zum Escadro-Gommandantcn
ernannt. Gleichzeitig geruhte Seim* Majestät der Kaiser ihn in Anerkennung
seiner als Militär-Hafcii-Gommandant geleisteten vorzüglichen Dienste durch den
Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit auszuzeichnen.
Gleich nach Übernahme des Esradre-Commandos wurde Sterneck nach den
spanischen Gewässern eidsendet, um angesichts der dort herrschenden Wirren
die Interessen der österreichisch-ungarischen Fnterthanen wahrzunehmen und zu
vertreten.
Nach sechsmouatlic heiti Aufenthalte von dort mit den ihm unterstellten
Schiffen in die heimischen Gewässer zurückberufen, erhielt er den Auftrag, die
unter seinem Votsitze ausgearbeitete Seetaktik nunmehr praktisch zu erproben
und eventuelle Änderungen oder Zusätze in Antrag zu bringen. Nach mehrmonat-
licher einschlägiger Thätigkeit konnte Slerneck das Signal buch als erprobt zur
Einführung befürworten und galt dasselbe seitdem als ein allen Anforderungen des
Dienstes entsprechendes Dienstbuch, welches das Verhalten der Schiffe im
taktischen Verbände regelte und deren Manövrier-Begleinent «Mithielt.
Nachdem die Escadre noch eine längere Campagne im Orient durchgemacht
hatte, wurde Slerneek am December IS7"> vom Escadre-I lommando enthoben
und ihm hiebei im Namen des Allerhöchsten Dienstes die vollste Anerkennung
ausgesprochen. Gleichzeitig ward Sterneck zum Gommandanttwi des See-
Arsenals in l'ola ernannt.
Nach achtjährigem, ebenso verdienstvollen als ersprießlichen Wirkon auf
diesem Dieiislesposten wurde Sterneck mit Allerhöchster Entschließung vom
17. November 1S8:J zum Vice-Admiral befördert, zum Chef der Marine-
Section des Deich-Kriegsministeriums und Marine-C»)mmandanten
ernannt.
Digitized by Google
Hilter .Je« St. T.-O. Maximilian Freiherr von Slerneck.
Ul
Fntcr den kriegsmuritimen Fragen, welche einer endgilligen Losung bedurften,
nahm zu j«;iior Zeit die Fmgestaltung und der Aushau des schwimmenden
Floltenniateriales den ersten Hang «'in. Die rasche Entwicklung der unter-
seeischen Wallen und des Torpedowesens waren hiehei von maßgebender Bedeu-
tung, denn eine weitgehende Verwendung derselben bot das Mittel, die beimischen
Küsten selbst gegen einen überlegenen Gegner erfolgreich vertbeidigen, überdies
im gegebenen Momente zur Offensive übergehen zu können. Haid nach Übernahme
der Geschäfte unterbreitete Steineck Seiner Majestät dem K aiser diesbezüglich
ein Programm, das die Allerhöchste Genehmigung fand.
Hiernach wurde die heimische Küste in einzelne Vertheidigungsbezirke ein-
getheilt und für jeden derselben eine eigene Torpedo-Flotille gebaut. Diese
Torpedo-Flohllen wurden, um ein einheitliches taktisches Ganze zu bilden,
aber doch auch selbständig aul treten zu können, aus Fahrzeugen verschiedener
Gattung, nämlich Torpedobooten, Vedetleschiffen, Torpedokreuzern, Torpedo-
Hanimkreuzern und endlich Torpedo-Depötschiff'cn gebildet.
Die eigentliche Schlachlflolte, als unerlässliche schwimmende und jedei7.eit
mobile Operationsbasis der Torpedoflotillen, wurde ungeschmälert erhalten, dabei
die veralteten, den Anforderungen der modernen Seekriegführung nicht mehr ent-
sprechenden schweren Schlachtschiffe durch Neubauten ersetzt.
Aus handelspolitischen Hücksichten endlich wurdet» auch leichte Cor-
vetten für Fahrten in ferne Meere gebaut, mit der gleichzeitigen Bestimmung,
als Pflanzstätten seemänischer Tüchtigkeit für Officierc und Mannschaften zu dienen.
Schließlich traf Sterneck auch Vorsorge für die Vertheidigung der Donau
durch eine eidsprechende Flotille.
Mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln führte er im Laufe der Jjdue in
dieser Weise die den technischen Fortschritten entsprechende Neugestaltung
der k. k. Flotte durch.
Dabei brachte Sterneck den Grundsatz zur Geltung, dass die militärische
um! taktische Verwendung der Schiffe in größerer Anzahl, ähnlich den Truppen-
Gonceiitrieruiigen am Lande, alljährlich durch Flotten-Manöver, in der durch-
schnittlichen Dauer von (1 bis 8 Wochen, praktisch geübt wurde. In der übrigen
Zeit aber wurde, außer der Schulung auf den Schulschiffen, die seemännische Aus-
bildung auf den zu Segelkreuzungen bestimmten Fahrzeugen und auf Sc hiffen in
transoceaiiischen Missionen betrieben.
Zu ersterem Zwec ke- fand die alljährliche Indienststellung der Übungs-
Kscadren aus schweren Sc hlachtschiffen. Torpedo-Fahrzeugen und Booten, — zu
letzterem die Ausrüstung von Fregatten, Corvetten und Kanonenbooten statt,
deren einige zu einer Sc hiff'sdivision vereinigt, meist in den heimisc hen Gewässern
kreuzten, während andere- vier, fünf bis sec hs Fahrzeuge alljährlic h in ferne Meere
entsende! wurden.
Sterneck übernahm selbst alljährlich bei der Somnier-Pbungs-Escadre die
Leitung der Manöver und Finnigen, welche auf Grundlage des von ihm entwor-
fenen Programms kriegsmäßig durchgeführl wurden.
Digitized by Google
44;» (XXIV. t,U CLXVHf. Pmm.ili..n. Im Kricfto von 1 «r,f, - .\driati*<-li<~ Meer
Seine Majestät der Kaiser geruhte wiederholt den Manövern der MtHL'S-
Escadres beizuwohnen und über den Verlauf derselben die Allerhöchste Zu-
friedenheit auszusprechen, beziehungsweise im Flotten-Befehle zum Aus-
drucke zu bringen.
Über die durchgeführten überseeischen Reisen wurden Beschrei-
bungen herausgegeben und die mitgebrachten Sammlungen maritimer, ethno-
graphischer, natur-und culturhistorischer Gegenstände theils den k. k. Hofmuseen,
theils dem Marine-Museum in Pola übergeben, welch* letzteres Sterneck auf
diese Weise zur vollen Kntfaltung brachte.
Die unter Sternecks Leitung, zumeist durch seine Initiative, entstandenen
Reglements, Statute, Vorschriften und Instmetionen bilden eine stattliche Samm-
lung. Aus der Reihe seiner mannigfachen Neuschöpfungen in verhältnismäßig
kurzem Zeiträume ist die Errichtung der Operations-Kanzlei, des marine-
technischen Gomites und des Marine-Central-Archivs. sowie die Aus-
schreibung von Preisaufgaben zur Lösung wichtiger kriegsmaritimen Fragen
hervorzuheben.
Auf humanitärem Gebiete baute Sterneck aus, was er in seinem früheren
Wirkungskreise als Militär-Hafen- und See-Arsenals-Gommandant begonnen. Der
von ihm geschaffene Marine-Kindergarten, in welchem die Kinder eingeschiffter
Unterofliciere und Arsenalsarbeiter tagsüber untergebracht werden, während die
Väter dem Dienste obliegen und die Mütter einem Nebenerweib nachgehen, erhielt,
nachdem diese Institution lange mit misslichen finanziellen Verhältnissen zu kämpfen
gehabt, eine deren Bestand und Gedeihen für die Zukunft sicherstellende Grund-
lage. Die trefflich geleiteten Marine- Volksschulen wurden erweitert, ferner
über Anregung Sternecks das Staatsgymnasium von Pisino nach Pola verlegt. An
die über seine Initiative erbauten Wohnhäuser für verheiratete Unterofficiere
reihte sich bald auch ein Complex von Arbeiterhäusern. die den Arbeitern des
Seearsenals eine gesunde und billige Unterkunft bieten.
Am 10. Juli 18*1 geruhte Seine Majestät der Kaiser dem Vice-Admiral Frh.
vnii Sterneck die Würde eines Geheimen Rathes zu verleihen.
Zufolge Allerhöchster Entschließung vom 0. .luli 1SK7 wurde er in Aner-
kennung der in seiner Verwendung als MarineComniandant und Chef der Marine-
Section des Reichs-Krieg-ministeriums geleisteten vorzüglichen Dienste mit dem
<h <|en der Eisernen Krone I. dasse ausgezeichnet.
Im Jahre ISSN überbrachte Vice-Admiral Freiherr von Sterneck als außer-
ordentlicher Gesandter Seiner Majestät des Kaisers, in besonderer Mission
nach Alben. Seiner Majestät dem König Georg von Griechenland die Glück-
wünsche zu dessen fünfundzwanzigjährigem Kegierungs-Jubiläutn.
Während dieser Mission wurde Freiherr von Sterneck mittels Allerhöchster
Entschließung vom •>:>. < Mober 1 SSS zum Admiral befördert.
Digitized by Google
OLXIX. Promotion. 4 V3
Ritter des M. T. 0. Seine Majestät Kaiser Alexander II. von Fus>-]:ind.
CLXIX. Promotion.
Soitio Majestät Kaiser Alexander II. von R nssland hatte als Czesarewitsch,
(«roßfürst und Thronfolger während der Kämpfe im Kaukasus im Jahre 1850
hervorragende persönliche Tapferkeit bewiesen und war aus diesem Anlasse mit
dem russischen Sanct Georgs-Kreuze IV. Classe ausgezeichnet worden.
Zur Zeit, da Kaiser Alexander das fünfundzwanzigjährige Jubiläum als
Ritter des St. (ieorgs-Ordens begieng, geruhte Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. nachfolgendes Allerhöchste Handschreiben an den Kanzler des Maria
Theresien-Ordens zu erlassen.
.Lieber Graf Beust! Ich verleihe Seiner Majestät Alexander II., Kaiser
von Russland, in Erinnerung an Allerhöehstdessen vor 25 Jahren für eine
Waffenthat im Kaukasus erfolgte Auszeichnung mit dem St. Georgs-Orden,
das Ritterkreuz Meines Militärischen Maria Theresien-Ordens.
Gödöllö, am 8. December 1875.
Franz Joseph ni. p."
Kaiser Alexander II. war schon als Czesarewitsch, Großfürst und Thron-
folger von 1839 bis 1849 Oberst- Inhaber des k. k. 4. Husaren-Regiments, seit
1849 des k. k. 7. Chevaux-Iegers-, nachmaligen k. k. 11. Uhlanen-Regiments, dessen
Oberst-Inhaber Er auch nach Seiner Thronbesteigung im Jahre 1855 verblieb.
Sonstiges Leben und Wirken Dieses erlauchten Ordens-Rittera gehört der all-
gemeinen Weltgeschichte an. Hier erübrigt nur zu verzeichnen, dass Kaiser
Alexander II. von Russland Sein Leben am VA. März 1881 in St. Petersburg
auf erschütternde Weise besehloss. Bei diesem Anlasse geruhte Seine Majestät
Kaiser Franz Joseph 1. das nachstehende Allerhöchste Befehlschreiben zu
erlassen:
„Um die innige persönliche Freundschaft, welche zwischen Mir und Seiner
Majestät Weiland Kaiser Alexander 11. von Russland bestanden und ebenso das
besondere Wohlwollen, welches der höchstselige Kaiser Meiner Armee; jeder-
zeit bewiesen, bei dieser in unvergänglicher, ehrender Erinnerung zu erhalten,
befehle Ich. dass das Uhlanen-Rcgimcnt. Nr. 11 den Namen des erlauchten
Inhabers, Weiland Seiner Majestät des Kaisers Alexander II. von Russland für
immerwährende Zeiten beizubehalten habe.
Zum Oherst - Inhaber dieses Uhlanen-Regiments ernenne Ich Seine
Majestät Alexander III.. Kaiser von Russland.
Das Infanterie-Regiment Alexander Czesarewitsch, Großfürst und Thron-
folger von Russland Nr. Ol hat fortan den Namen Alexander HL, Kaiser von
Russland zu führen.
Wien, am 20. März 1881.
Franz Joseph in. p."
Digitized by Google
444
i:l,XX. Promotion. - Insiirrections Kanipfe IS«'.» und IH'*>.
CLXX. Promotion.
Bei Bekämpfung des Aufstandes in Süd-Dalmatien 1869 und bei
der Occupation Bosniens und der Hercegovina 1878.
Nach dem gewaltigen Doppelkriege im Jahre 1 800 hatte die Monarchie in
den nächsten Jahren nur verhältnismäßig kleinere Kämpfe zu fahren. Dieselben
wurden durch Niederwerfung eines Aufstandes in Sad-Dalmat ien im Jahre
1 800 und durch Bekämpfung des Widerstandes gegen die Occupation von
Bosnien und der Hercegovina 1878 herbeigefahrt. Doch galt es auch in diesen
Kämpfen für die betreffenden Theile der k. k. Armee gegenüber dem kriegerischen
Charakter der barbarischen und fanatischen Gegner, sowie infolge außerordent-
licher Terrain-Schwierigkeiten und abnorm ungünstiger Witterungs- Verhältnisse
die höchsten militärischen Leistungen zu vollbringen. Aus diesen Kämpfen wuchsen
dem Maria Theresien-Orden 1 Oomman deur und 4 Bitter zu.
Bei Bekämpfung des Aufstandes in Süd-Dalmatien im Jahre 1869.
Im Herbst des Jahres 1801) waren k. k. Truppen zur Bekämpfung eines
Aulstandes in den Bocche di Cattaro berufen. Die Bewohner dieses Gebietes
weigerten sich, den Landwehrdienst zu leisten, zu welchem allein sie in besonderer
Berücksichtigung der Verhältnisse dieses Gebietes herangezogen werden sollten,
während die gesummte übrige Bevölkerung der Monarchie die nach dem Kriege von
1800 eingeführte allgemeine Wehrpflicht vollständig zu erfüllen hatte.
Nachdem die Renitenten den behufs Durchführung des Landwehrgeselzes
seitens der k. k. Behörden im Monate September getroffenen Conscriptions-Maß-
nalunen offene Auflehnung entgegengesetzt hatten, wurden am 7. October die
Feindseligkeiten durch den Zusammenstoß einer von Risano nach Dragalj
abgesendeten Verstärkung mit bewaffneten Aufständischen bei Ledenice inferiore
eröffnet. Im Verlaufe des October und November wurden von Insurgenten anderer
(Jebiete die Forts Kozniac, Stanjevie. Gorazda nebst anderen befestigten
Objerlen angegriffen. Es war offenbar, dass man es mit einem organisierten Auf-
stande zu thun hatte.
Nach Verstärkung der schwachen Besalzungstruppcn in den Bocche di
Gattaro wurden vom IV). October bis -2'.\. November mehrere Expeditionen in
die Krivosije, in die Zupa, sowie gegen Braic unternommen, theils um die ein-
Digitized by Google
Hiller de* M. T -0. Heinmli Fteilien vuii l'iltrl.
gesc hlossencn Forts zu verproviantieren. theil> um die bewaffneten Randen zu
sprengen und den Aufstand überhaupt niederzuwerfen. Dazwischen hatten die
geringen Besatzungen verschiedener befestigten Punkte überlegene Angriffe der
Insurgenten, zum Theil durch rasch eingreifende Truppen unterstützt, zurück-
zuweisen, anderseits mehr oder minder große Truppen-Abtheilungen die Auf-
ständischen bis in ihre fast unzugänglichen Schlupfwinkel zu verfolgen oder
dieselben aus nahezu unangreifbaren Stellungen im Gebirge zu vertreiben.
Den Hauptkampf sollten jedoch die k. k. Truppen nicht gegen die Insur-
genten führen, sondern gegen außerordentliche Schwierigkeiten des Terrains
im Karstgebirge, gegen elementare Unbilden der während des Herbstes in jenen
Gegenden vorwaltenden Regenzeit und orcanartigen Bora- oder Siroe< o-Stürmc,
endlich gegen unsägliche Entbehrungen und andere zahlreiche Frictionen, wie sie
der unter solchen Verhältnissen gegen einen ebenso kriegerischen als harbarischen
Gegner zu führende Gebirgs-Krieg mit sich brachte.
In dem Gefechte bei S. Trinitä und Gorazda am 23. Oclobcr erstand
dem Maria Theresien-Orden 1 Ritter.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Heinrich Freiherr yoii r Ittel.
(Mit Bildnis aus dorn Jahre 1870.)
Freiherr von Pittel wurde als Sohn des k. k. Hauptmannes und Maria
Theresien-Ordens -Ritters Christoph Freiherrn von Pittel in der damaligen
deutschen Rundesfestung Mainz, wo der letztere in Garnison stand, am Iii. Fe-
bruar 1833 geboren. Gleich dem Vater widmete sich auch der Sohn dem mili-
tärischen Bernte, und zwar bei der Genie- Waffe. Frh. von Pittel trat seine Militär-
Laufbahn am 1. August 1851 beim Stande der k. k. Genie-Akademie als Armee-
Lieutenant au. Am 10. Februar 1852 wurde er als Lieutenant II. Glasse zum
18. Feldjäger-Bataillon finget heilt und in demselben zeitweilig als Pionnier-
Abtheilungs-Commandant verwendet. Am IG. April 1851- erfolgte, bei gleichzeitiger
Trausferiemng zu dem 5. Uhlanen-Reginient, seine Beförderung zum Lieutenant
I. ('.lasse, sodann in demselben Regiment am 13. September 1854 zum Ober-
lieutenant. Während seiner Dienstleistung bei der (Kavallerie als Divisions-
Adjutant verwendet, wurde er am 10. August 1858 zum Hauptmann II. Classe
befördert und am 31. desselben Monats zum 39. Infanterie-Regimente transferiert,
in welchem am 21. April 1859 seine Reförderung zum Hauptmann I. Classe
erfolgte.
Den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
machte Hauptmann Frh. von Pittel als Compagnie-Commandant mit. und zwar
das Treffen bei Montebello am 20. Mai. das Gefecht bei Melegnano am S.Juni
und die Schlacht bei Solferino am 21. Juni, ohne dass es ihm jedoch vergönnt
war, unmittelbar an den Feind zu kommen.
Digitized by Google
HC, CLXX. rr.jiiit.tiuii. - IiisuireLÜ.nis Käiui.ff 1K(VJ uiul IS7S. Sü.l Llahiuilu-ii iSG'.t.
Im Kriegt; gegen Freußen und Italien im Jahre 1806 machte erden
Feldzug in Ilalien mit, und zwar kämpfte er wieder als Compagnie-Commandant in
der Schlacht bei Cuslozza am 24. Juni. Bei dem Angriff auf den Monte Croce
seiner Schützenkette voraneilend, wurde er im Xahkampfe seiner Cumpagnie mit
pieinoiitesisrhen Grenadieren durrh einen feindlichen Bnjonnetlstich in den Hat-,
verwundet. Für .seine Leistungen in diesem Feldzuge wurde dem Hauptmann
Feh. von Fittel die Allerhöchste Belobung zutheil.
Am 23. April 1801), bei gleichzeitiger Transferierung zum 52. Infanterie-
Regiment, zum Majoren befördert, machte er in demselben Jahre die Operationen
behufs Bekämpfung des Aufstandes in Süd-Dalmatien mit.
Zunächst betheiligte er sich an der ersten Expedition in die Krivosije am
F.). und 20. October, dabei an letzterem Tage an dem Geplänkel bei Napoda.
Am 23. October gegen Mittag griffen mehrere Hundert Insurgenten aus der
Zupa das etwa eine Marschstunde südlich von Cattaro an der Straße nach Budua
liegende Blockhaus Trinita, sowie das noch weiter südlich auf der Höhe von
Gorazda liegende gleichnamige Fort an. Die Insurgenten hatten es insbesondere
auf das letztere Werk abgesehen, weil in demselben eine bedeutende Menge von
Miliz-Fatronen aufbewahrt wurde und es dank seiner überdies durch die nahe
montenegrinische Grenze im Rücken gedeckten Lage die Verbindungen Catlaros
mit der Zupa beherrschte. Das Fort war mit 3 Geschützen armiert und von
1 Offieier mit 21 Infanteristen und 0 Artilleristen besetzt. Die Besatzung- leistete
den Insurgenten tapferste Gegenwehr, doch hätte sie das Werk gegen eine so große
Überzahl von Angreifern nicht lange halten können.
Bald nach Beginn des Kampfes waren die Garnison von Cattaro und die in
den nächstliegenden Orten dislocierten Truppen alarmiert worden. Zunächst
wurde das in der Garnison von Cattaro Bereitschaft haltende 1. Bataillon des
Infanterie-Regiments Fr/herzog Franz Carl unter Major Frh. von Fittel mit
3 Gebügs -Geschützen zur Unterstützung der beiden angegriffenen Werke
entsendet.
Major Frh. von Fittel rückte mit Beschleunigung auf der Straße gegen Trinitä
vor. Hinter Skaljari sendete er rechts (westlich) auf einem kürzeren Seiten- i^dem
sogenannten Fandnren-) Wege eine Compagnie gegen Trinitä voraus, währen»!
er eine Halbcompagnie links (östlich) der Straße, welche sich in Serpentinen
hinanwand, durch das Terrain direct gegen Gorazda vorrücken ließ.
Die gegen Trinit ä \orgescndele Compagnie trieb die das Blockhaus angrei-
fenden Insurgenten zurück, so dass die Haupt-Colonne ohne weiteres Gefecht bis
zu diesem Werke vormarschieren konnte.
Von S. Trinitä nahm man wahr, dass die Insurgenten beiderseits der
Buduarier Straße und westwärts so nahestanden, dass ihr Feuer nicht mir die
Entwicklung der Haupt-Colonne gefährdete, sondern auch den Aufgang auf den
Serpentinen nach Gorazda bestrich. Letzterer Umstand erforderte besondere
Beachtung, da bei Gorazda das Feuer immer heftiger und aus diesem Grunde
die rasch«» Gewinnung der Höhe immer dringender wurde.
Digitized by Google
• Ii in,.
Digitized by Google
GORAZDA BEI CATTAHCU3. OCTORKH 1869
IVuckvY Kirql
Digitized by Google
Hitk-i iL-.- M. T.-ü. Heinrich »'reiln-n vuii I'ittel.
117
Major Frh. von Pittel beließ die schon früher gegen Trinitä vorausgeseiidele
Compagnie, sowie dir 3 Gebirgs-Gcsehülze als seinen rechten Findel Ihm diesem
Werke, und zwar niil der Weisung, das Terrain in .seiner rechten Flanke von Insur-
genten zu säubern, zugleich seine Vorrückung gegen Gorazda zu unlerstülzen,
jedoch erst dann selbst nachzurücken, bis diese Kräfte bei Trinitä entbehrlich
würden. Gleichzeitig verstärkte Major Frh. von Pittel die früher gegen Gorazda
direcl vorgesendete Halbcompagnie. welche bereits in den Kampf verwickelt war,
auf eine ganze Compagnie, und wies dieselbe an, als vorgeschobener linker Flügel
gerade auf das Fort Gorazda loszugehen.
Während die beiden Flügel diese Dispositionen ausführten, passierte die
Haupt-Colonne unter Major Frh. von I'ittel im Lauftritt die von den Insurgenten
bestrichene Buduaner Straße bei Trinitä und stieg rasch die .Serpentinen gegen
Gorazda hinan. Bei dieser Vorrückung, auf der halben Höhe des Hanges, wurde
die Haupt-Colonne trotz des bei Trinitä belassenen Rückhaltes, in der rechten
Flanke angegriffen und musste Major Piltel eine weitere Compagnie nach
rechts detachieren. Dafür traf er etwa 200 Schritte nördlich des Forts Gorazda
mit der früher links vorgeschobenen Compagnie zusammen, so dass er trotz der
Detaehienmgen mit 2 Compagnien unmittelbar in den Kampf des Forts Gorazda
gegen die dasselbe heftig bedrängenden Insurgenten eingreifen konnte.
Bei diesem Kampfe wurde der Gegner durch einen besonderen Umstand
wesentlich begünstigt. Dem Fort war auf 150 Schritte südwärts ein aus einer
vier Schuh hohen Mauer bestehendes Sehützen-Emplacement vorgelegt,
welches wegen der geringen Stärke der Besatzung nicht hatte besetzt werden
können. Infolge dessen kam dieses Emplacement den Insurgenten zu statten
indem es denselben eine treffliche Stellung bot. von welcher aus sie, selbst bestens
gedeckt, ihr Feuer gegen die Verlheidiger des Forts unterhalten konnten.
Nur durch Vertreibung des Feindes von jener Mauer konnte das Fort gerettet
weiden, dessen tapfere Besatzung bereits nahezu drei Stunden im Kampfe stand,
sich infolge dessen halb verschossen hatte, demnach kaum lang«: mehr das Werk
zu halten vermochte, umsomehr als sic h alle von Trinitä und vom Westhange
der Gorazda-Ilöhc verdrängten Insurgenten allmählich hinter der Mauer sammelten,
so dass sie einige Hundert Mann stark waren.
Major Frh. von Pittel entwickelte nach und nach von den nächst des Forts
befindlichen 2 Compagnien 7 Züge in eine dichte Schwarmlinie, welche sah bis
auf circa 50 Schritte an die von den Insurgenten besetzte Mauer hinansehoss.
Während dem langten von Trinitä 2 dei Gcbirgs-Geschütze auf der Höhe von
Gorazda an und auch diese setzten sich ins Feuer. Bald jedoch hatten dieselben
den von dem Kampfe bei Trinitä erübrigten Rest ihrer Munition verfeuert.
Infolge dessen wurde die Haltung der Insurgenten immer zuversichtlicher, ihr
Feuer — besonders gegen Punkte, wo Officiere sichtbar waren — immer inten-
siver und nach mehrfachen Anzeichen bereitete sich der Gegner sogar zu einem
Offensivstoß vor. Hievon hielt Major Frh. von Pittel durch „Bajonnetlpflanzen" und
verstärktes Feuer die Insurgenten zw ar ab, allein selbst als die früher bei Trinita
\
Digitized by Google
\.\H <:LXX. rr.juroti. m. lii-urreclion?-KAni|.fe 1 s««.» U1KJ |H~*. Süd-Halm »lii-n 1WW.
rfu-kbelassene Compagnie ebenfalls bei Gorazda eintraf und Major Pitlel <ii<«
Schwarmlini«* auf 10 Züge verstärkt«', wollte sich «las Gefecht nicht günstiger
gestalten. Der weitaus zahlreichere (treuer stand uneingeschüchtert hinter seiner
vorzüglichen Deckung und erwiderte «las Feuer mit ungeschwächter Kraft.
Plötzlich sah sich sogar «lie nächst des Forts in Reserve belassene Halb-
«ompagnie von Insurgenten, welche durch das zerklüftete Terrain begünstigt, sich
am Osthange der (iorazda-Ilöhe gedeckt angenähert hatten, in der linken Flanke
angegriffen. Diese Insurgenten wurden zwar sofort wieder vertrieben, aber unter
solchen Umstunden erschien ein directer Baj«muettangriff auf die hinter der Mauer
aufgestellten Insurgenten um s«> gewagter, als dessen Misslingen unmittelbar auch
den Fall des Forts selbst nach sieh ziehen konnte.
In dieser fiberaus kritischen Gefechtslage fasste Major Frh. von Pitlel den
Entschluss, die Entscheidung durch einen Flankenangriff herbeizuführen, indem
er mit der während «1er Vorrfnkung der Haupt-Colonne auf den Westhan}; «1er
Gorazda-Höh«« re<-hts d«?tnchierteu Gompagni«» g«*gen die linke Flanke «ler Insur-
genten vorzug«*h«'n beschloss. Er verständigt«* die nächst des Forts kämpfenden
Abth«*ilnngen von seinem Vorhaben, wies dieselben gleichzeitig an. auf das , Hurrah!*
der den Flankenangriff ausführenden ( lompagnie si«h der Mauer in der Front zu
bemächtigen, begab sich seihst auf den Westhan}; «ler Gorazda-Höh«' und setzte
den Flankenangriff persönlich ins Werk.
Major Frh. von Pittel stellt«' sich a?j «lie Spitze der dazu bestimmten Gompagnie
und führte dieselbe südwärts so weit vor, dass er nicht nur die linke Flanke der
Insurgenten gewann, somlern sogar in den Rücken «lerselben gelangte und sie mit
S«lmcllf«*uer von rückwärts überraschte. Die Verwirrung des Gegners rasch b«*nü-
tzend, ließ er die Umgehungs-Golonne den b«*i dein Fort Gorazda in der Front
belassenen Abtheilung«-n dun h weithin hallendes Ilurrah! das Signal zum Vor-
hre«hen g<*b«*n, und unh'r dem Sturmrufe „Eljen a «•säszär!* stürzten sich von
beiden Seiten sänuntliche Abtheilungen seines Bataillons mit dem Hnjniiuelt auf die
Insurgenten. Von Panik ergriffen. Hohen di«'selben in der Richtung gegen die moii-
teiu'grinische Grenze, von dem SchmOllener <l«*s Bataillons solange verfolgt, bis sie
in der Schlucht östlich der Gorazda-Höh«* v»'rschwan«len.
Damit war «las Fort Gorazda summt seiner «Besatzung und bedeutendem
Kri«'gsmat«'rial geivltet. während «Ii«* Insurgent«»n über 70 Todte am Platze ließ«'H.
und wie später festgestellt wurde, mehr als 100 Verwundete zählten.
Der durch Major Frh. von Pitlel bei Gorazda gegen die Insurgenten geführt«'
Schlag hatte bei «ler ferneren Bekämpfung «les Aufstund«*s weittragende Folgen.
Zunächst konnte «lie wegen dringender Verprovianlierung unaufschiebbare /.weile
Expe«litiou in die Krivosije am < Mober mit allen, darunter auch denjenigen
Trupp«*n unl«'! iionim» n werdim. welche ohne «lie ras« he und siegivi« he Enlschei-
«hmg bei Gorazda zur Deckung Gut taros hätten zurückbleiben müssen. Weiter
kam die moralische Wirkung d« ■< Schlages von (iorazda auch «ler spät«ir ftdgen-
ilen Expedition in «lie Zupa. welche in iter Zeil vom "2. bis 7. November unh-r-
noinineu wurde und wobei Major Frh. von Pitt« ! in dem Gefechte bei Si.sic am
Digitized by Google
Hill er ilu* M. T. (>. Ikiuri.li Freiherr von Pittel.
3. Novembi t mitkämpfte, wesentlich zustatten, indem die Zupancr. «Iii* bei
liui azda so empfindlich geschlagen worden waren, an den Kämpfen in der eigent-
lichen Zupa nioraliscli stark erschüttert theil nahmen oder sieh gänzlich von
denselben fenie hielten, was die Niederwerfung und Pacifuation des südlich von
Cattaro Hebenden Gebietes von Süd-Dalniutieti wesentlich erleichterte.
So stellte sich das Gefecht von Gorazda alseine auch in ihren Folgen bedeut-
same Waffenthat heraus.
Major Frh. von Pittel wurde für dieselbe, sowie für sein«' sonstigen tapfereu
Leistungen bei den Operationen in Süd-Dalmatien mit dem Militär-Verdienst-
kreuze mit der Kriegs-Deeoration ausgezeichnet.
Außerdem geruhte auf Grund der Waffenthat von Gorazda Seine Majestät
Kaiser Kranz Joseph I. als Erhabener Großmeister nachträglich, nämlich über
Votum des erst zehn Jahre später, nach den Oecnpationskämpfen in Bosnien und
llercegovina. zusammengetretenen Ordenscapitels, kraft Promotion CLXX vom
2. Mai 1S7'.* den inzwischen vom Major zum Obersten vorgerückten Heinrich Frei-
herrn von Pittel durch Verleihung des Kleinkreuzes zum Kitter des Maria
Theresien -Ordens zu promovieren.
Am 1. Jänner 1872 wurde Major Frh. von Pittel dem Generalslabe zugetheill
und fungierte als Generalslabs-Ohef der XXXVI. Infanterie-Truppen-Division. Am
ll.October 1874 erfolgte seine Transferierung zum 7. Infanterie-Regiment, in
welchem er am I.Mai 1870 zum Oberst lieutenant befördert wurde, worauf
sodann am 10. April 1878 seine Ernennung zum Reserve-Commandanten im
Regimente zu Klagen furt erfolgte.
Im Jahre 1878 machte Oberst lieutenant Frh. von Pittel au der Spitze des
Reserve-Regiments Nr. 7 die Occupatio!! von Bosnien und der Hercegovina
mit, und zwar eingetheilt bei der im Rosna-Tbale unter direeter Führung des
FZM. Frh. von Philippovie gegen Sarajevo vorrückenden Ilaupt-Colonne des
XIII. Armee-Corps, nämlich bei der VI. Infanterie-Truppen-! >ivision des FML. von
Tegetthoff. in der 3. Gebirgs-Brigade des GM. Müller.
Nach dem Überfall der 5. Escadron des 7. Husaren-Regiments durch die
Bewohner von Maglaj rückte Oberstlieutenant Frh. von Pittel mit dem Reserve-
Regiment Nr. 7 und einer halben Gebirgsbatterie von Roboj au als detachierte
linke Seiten-Colonne des Gros auf dem rechten (östlichen) Ufer der ßosna vor,
während die Ilaupt-Colonne auf dem linken ihren Vormarsch fortsetzte. Oberst-
lieutenant Frh. von Pittel hatte dabei nicht bloß die linke Flanke der Ilaupt-Colonne
zu sichern, sondern überdies hauptsächlich offensiv und umfassend gegen rechte
Flanke und Rücken der quer über das Bosna-Thal vom Feinde genommenen
Stellungen zu wirken und zu diesem Zwecke auf den Kämmen der östlichen
Begleithöhen des Bosna-Thales vorzurücken.
Nachdem Oberstlieutenant Frh. von Pittel am i. August bei Kamen nach
Überwindung großer Schwierigkeiten die Bosna übersetzt hatte, rückte er. die
Haupt-Colonne während des Kampfes bei Kosna unterstützend, über die Höhen
von Trbuk bis zwischen die Höhen von Paklanica und Osoinica.
MilitUrnchor M.iriu Ttivri<»ioii-Or(U-u- 'l'-i
Digftized by Google
450 CLXX. Pmmoli.ni. - liisurrections-Käinpfi- IHM und 1878. — Söd Daliimlieu 186!).
Am 5. weiter gegen Maglaj vorgebend, beschleunigte er seine Vorrfu kung
derart, dass er sich dieses am rechten Bosna-Ufer liegenden Ortes durch einen
kräftigen Angriff in kurzer Zeit bemächtigte, während die gegen 3 Uhr nachmittags
ebenfalls zum Gefecht sich entwickelnde Haupt- und rechte Seiten-Colonne die
Insurgenten am linken Bosna-Ufer auseinander sprengten.
Am 7. August übersetzte Oberstlieutenant Frh. von Pittel die Bosna bei
Maglaj vom rechten wieder auf das linke Ufer, rückte über Zavidovic auf äußerst
beschwerlichen Fußpfaden gegen Lupoglava und warf den rechten Flügel der
Insurgenten in dem Gefechte bei Zepce.
Bei dem weiteren Vormärsche bis Zeniea kam die Seiten-Colonne des
Obersllieulenants Frh. von Pittel gleich der Haupt-Colonne zu keinem Kampfe,
doch iuusste die ersten! wiederholt die Bosna überschreiten und außerordentliche
Marschhindernisse bewältigen. Diese Vorrückung des Oberstlieutenants Frh. von
Pittel, dessen Seiten- mit der Haupt-Colonne meist nur durch die optische Signal-
Abtheilung verkehren konnte, reihte sich, sowohl was Präcision als Ausdauer
betrifft, den hervorragendsten Marschleistungen während des Occupations-Feld-
zuges in Bosnien an.
Wählend des weiteren Vormarsches gegen Sarajevo war Oberstlicutenant
Frh. von Pittel in dem Gros der Haupt-Colonne eingetheilt und machte die Kämpfe
derselben bei Han Bjelalovac arn 16. mit.
Bei der Einnahme von Sarajevo am 19. August griff Pittel, in der rechten
Flügel-Colonne des GM. Kaiffel eingetheilt, auf dem äußersten rechten Flügel die
auf dem 1.000 Meter hohen Debelo Brdo postierten Insurgenten -Scharen
energisch an. führte, nachdem dieselben geworfen waren, gegen die dominierende
Höhe des Trebevic, sowie gegen die Stadt selbst in der Richtung des Caslells
kräftige Vorstöße und bemächtigte sich nach heftigem Straßenkampfe bis 2 Uhr
nachmittags der südlichen Stadttheile sammt den nächstliegenden Höhen,
ließ dabei sofort das österreichisch-ungarische Consulats-Gebäude von einerSchutz-
wache besetzen und schließlich auf dem Pul verthurm im Südwesten des Castells
die siegreiche Fahne seines Reserve-Regiments Nr. 7 aufpflanzen.
Seine Majestät der Kaiser geruhte den Oberstlieutenant Frh. von Pittel in
huldvollster Anerkennung seiner bis dahin bei der Oecupalion Bosniens geleisteten
Dienst««, insbesondere seiner tapferen Leistungen bei der Einnahme von Sarajevo,
am 2G. August 1878 außer der Rangstour zum Obersten und Commandanten
des 38. Infanterie-Regiments zu ernennen.
An der Spitze desselben machte Oberst Frh. von Pittel unter Commando des
FMh. von Tegetthoff die Recognoscierimg gegeti/Mokro (Han na Romanja)
am 2. und 3. September mit. Pittel führte bei diesem Unternehmen am 2. die
Vorhut bis Hau Bimhasi im Miljac ka-Thale. Am 3. September bildete Oberst
Frh. von Pittel mit l1/s Bataillonen und einer halben Gebirgs-Batterie, die Mittel-
Colonne und griff wählend des umfassenden Vordringens der beiden Flügel den
Feind oberhalb Mokro auf den Weslabstürzen der Romanja Planina in einem
hinhaltenden, dabei aber heftigen und verlustreichen Gefecht wirksam an. Gegen
Digitized by Google
Ritter des M. T. 0. Heinrich Freiherr von Pittel. 451
3 Uhr nachmittags nahm er die am Hochrand gelegene Karaula und erbeutete das
dort für mehr als 1.000 Insurgenten hergerichtete Lager mit allen Zelten, Gewehren
und Verpflegsvorräthen. Die Insurgenten Hohen theils gegen Zwornik, theils
gegen Rogatica, .so dass die heiden Flügel-Golonuen des FML. von Tegel t Ii« »IT
ohne Kampf bis Hau na Rom an ja gelangten. Damit war die Besitznahme des
für die Deckung Sarajevos äußerst wichtigen Cebirgs-Plateaus bewirkt.
Während der nächstfolgenden Zeit betheiligte sich das :$N. Infanterie-Regiment
unter Oberst Frh. von Pittel an der Befestigung und dauernden Besetzung der
Romanja Planina.
Vom 20. bis 22. September nahm Oberst Frh. von Pittel mit seinem Regiment
an der Kxpedition der I. Infarderie-Truppen-Division unter FML. von Vecsey
gegen Visegrad und anlässlich dieses Unternehmens am 21. an dem Treffen
Senkovie-Randin (OdSiak) theil. Er befehligte bei dem Letzteren wieder die
Mittel-Colonne, welche aus zwei Bataillonen seines 38. Infanterie-Regiments,
einem Bataillon des Reserve-Regiments Nr. IG, einem Zug des 7. Husaren-
Regiments und der Gebirgs-Batterie Nr. 1 nebst einer .Sanitäls-Abtheilung bestand.
Anfangs, während der umfassenden Vorrückung der Flügcl-Colonnen, unterhielt
Pittel ein hinhaltendes Gefecht gegen die mit einem Geschütz auf der Höhe bei
Kula Tankovic aufgestellte Insurgentenschar des feindlichen Centrums. Nachdem
die beiden Flügel-Colonnen die Insurgenten in Flanken und Rücken gefasst hatten,
führte er mit einem Bataillon einen energischen Vorstoß gegen die Kuppe bei
Kula Tankovic. Ein von Pittel gegen die linke Flanke des Feindes auf den
Vitanj-Berg dirigiertes Bataillon nahm im Verein mit Abtheilungen der rechten
Flügel-Colonne die Röhe von Mladi im Sturme. Nachdem so durch das präeise
Zusammenwirken der Mittel-Colonne Piüels mit den beiden Flügel-Colonnen von
den feindlichen Positionen und Lagern bei Tankovic und Mladi Besitz genommen
war. wobei zwei Geschütze, Fahnen und massenhafte Vorrat he an Munition und
Proviant erobert wurden, ließ Oberst Frh. von Pittel die im Centrum gestandenen
Insurgenten bis zum Sattel von Hau Kapic energisch verfolgen, wobei dieselben
durch verheerendes Salvenfeuer theils nach allen Richtungen zersprengt, theils
zu Boden gestreckt wurden.
Arn 22. wurde die Expedition bisRogatica fortgesetzt, worauf Oberst Frh. von
Pittel mit seinem Regiment am 23. auf die Romanja-Planiiia zurückkehrte und
nach mehrfachen Streifungeii zwischen Mokro und Rogatica am 5. October
nach Sarajevo einrückte.
Für die während des Occupatiotis-Fcldzuges vollbrachten tapferen Leistungen
wurde Oberst Frh. von Pittel mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens mit
der Kriegs-Decoiation und am 3. December LS7S überdies mit der Allerhöchst
belobenden Anerkennung ausgezeichnet.
Nach der Demobilisierung kam Oberst Frh. von Pittel mit seinem 38. In-
fanterie-Regiment in Garnison nach Wien. Als der ersten aus dem bosnisch-hen e-
govinischen Feldzuge einrückenden siegreichen Truppe wurde diesem, gleichwie
dem unmittelbar nachfolgenden Regiment Franz Carl Nr. 52 von der Haupt- und
20»
Digffizeö by Google
152 CLXX. I'r..m..liuu. liisuiTictk.ii-KiWii|.lV |s<>'.> und 1*7S. - Süd-Daliiuitien lSG«>.
Residenzstadl ein großartiger Empfang zutheil, der sich zu einem wahren Sieges-
Eiuzug gestaltete.
Am 22. März 188i zum Commandantcn der 22. Infanterie-Brigade ernannt,
wurde Oberst Frh. von Pittel am 1. Mai desselben Jahres zum Generalmajor
befördert, sodann am 20. April 1886 als Commandant zur 16. Infanlerie-Brigad«-
transferiert, ferner am 17. April 1888 zum Commamlanten der III. Infantcrie-
Tnippen-Divisioii ernannt und auf diesem Dienstesposten am 1. Mai 188u zum
F e I d in a r s e h a 1 1 - \, i e u t e n a n t befördert.
Am 11. Mai 1800 erfolgte Pitteis aus Gesundheitsrücksichten erbetene Ver-
setzung in den Ruhestand, und geruhte Seine Majestät der Kaiser, ihm bei
diesem Anlasse in erneuerter Anerkennung seiner im Frieden und Krieg gleich
vorzüglichen, vor dem Feinde wiederholt ausgezeichneten Dienstleistung den
Orden der Eisernen Krone II. C lasse zu verleihen.
Bei der Occupation Bosniens und der Hercegovina im Jahre 1878.
Der Aufsland in der Hercegovina 1875, die Erhebung Bosniens und
Bulgariens und die folgenden Kriege Serbiens und Montenegros, dann
Russlands gegen die Türkei, legten Österreich-Ungarn für die Verpflegung
zahlloser Flüchtlinge und für die Aufstellung eines Cordons, schwere finanzielle
Opfer auf und bedrohten überdies fortwährend seine Ruhe und Sicherheit. Sie
legten insbesondere die Gefahr nahe, dass Bosnien und die Hercegovina nach
der neuen Schwächung der Türkei von dieser politisch und militärisch noch viel
weniger ;ds früher zu halten sein und dass sie daher neuen Aufständen sowie den
annexionistischen Umtrieben der Actionsparteien in den benachbarten Gebieten
als Tummelplatz dienen würden. Infolge dessen übernahm die Monarchie auf dem
Berliner Gongresse, gemäß Artikel XXV des Berliner Vertrages vom \\\. Juli
1878, das Mandat, Bosnien und die Hercegovina zu occupieren, selbst zu ver-
walten, eventuell auch den Sandsehak von Novibazar zu besetzen.
Zur Anbahnung und Durchführung dieser Mission war vor allem die mili-
tärische Occupation von Bosnien und der Hercegovina erforderlich. An-
fangs honte man mit Rücksicht auf das mit der Pforte geschlossene Überein-
kommen, wonach der Sultan die Zurückziehung seiner Truppen aus Bosnien und
der Hercegovina anordnete, die Besetzung auf friedlichem Wege mit einem Auf-
gebot von bloß X bifanterie-Truppeii-Divisionen durchzuführen. Ks marschierten
am 2'.>. Juli 187s unter Comniando des FZM. Joseph Freiherrn Philippovie
von Philippsherg das XIII. Armec-Gorps mit der VI.. VII. und XX. Infanterie-
Truppen-Division über die Save in Bosnien, ferner am 1 . August unter Com-
niando des FML. Stephan Freiherrn von Jovanovic die XVIII. Inläntcric-Truppen-
Division aus Dalmatien in der Hercegovina ein, wobei letzterer bezüglich
gemeinsamer Operationen an die Befehle des FZM. Frh. von Philippovie
gewiesen war. sonst aber selbständig vorzugehen halte.
Digitized by Google
Bei <kr Occupiilioi) Bostiirii-Hei in».« I*7s.
Kiiiim war jedoch ilir Grenze überschritten, als die Mohamedaner der
Besetzung der beiden Länder bewaffneten Widerstand entgegensetzten und
anfangs sogar das reguläre türkische Militär theilweisc zu Feindseligkeiten gegen
die k. k. Truppen mitrissen. Infolge dessen mussten alsbald nach Bosnien die
XXXVI., I. und IV. Infanterie-Truppen-Division, nach der Hercegovina. respec-
live Dalmatien, die 20. Infanterie-Brigade und das Infanterie-Begiment Nr. Vi,
außerdem nach beiden Gebieten technische Truppen nachgeschoben werden.
Als trotzdem der Widerstand sich fanatisch gestaltete und selbst bis dahin ruhig
gebliebene Gebiete sich erhoben, musste durch eine noch größere Machtentfaltung
dem weiteren Umsichgreifen des Aufstandes, und zwar mit thunlichsler Beschleu-
nigung vor Eintritt der rauhen Jahreszeit, vorgebeugt werden. Es wurden Jim
21. August noch die XIII., XXXI., XXXIII. und XIV. Infanterie-Truppen-Division
und eine Cavallerie-Brigade nebst einigen Fionnier-Compagnien nach Bosnien
nachgesendet; außerdem erfuhren die Besatzung-Truppen in Dalmatien eine
a n ge in essen e V e rs tä r kun g .
Die sämmtlichen, in B o s n i e n und der Hercegovina einmarschierten
Truppen formierten sodann als XIII., III,, IV. und V. Armee-Corps die II. Armee,
deren Comniando Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. dem FZM. Frh. von
Fbilippovic übertrug.
Die Operationen und Kämpfe hatten gleich nach dem Einmärsche der ersten
Truppen ihren Anfang genommen.
Das XIII. Armee-Corps marschierte, wie erwähnt, über die Save in Bosnien
ein. Um möglichst große Gebiete des Landes zu occupieren, überschritten die VI..
VII. und XX. Division die Grenze an drei weit auseinander liegenden Funkten.
Infolge dessen waren die drei Colonnen anfangs durch weite, von unwirtlichen
Gebirgen durchzogene Gebiete getrennt und jede derselben wegen Mangels an
Querverbindungen auf die eigenen Kräfte angewiesen.
Der Corps-Commandant FZM. Frh. von Fbilippovic überschritt mit der
VI. Division unter FML von Tegetthoff als Mittel- und Ilaupt-Colonne die
Save bei Brod am 29. Juli und marschierte am 30. bis Dervent. Elementare
Wetterunbilden hemmten am 1. August den Weitermarsch, daher derselbe erst
am 2. fortgesetzt werden konnte.
Am 3. wurde eine vorgeschobene Escadron des 7. Husaren-Regiments
zwischen Maglaj und Zepce von bewaffneten Schalen zur Umkehr gezwungen
und durch die Einwohner von Maglaj verrätherisch überfallen. Damit war der
bewaffnete Widerstand gegen die Occupation blutig eingeleitet.
Die VI. Infanterie-Truppen-Division warf die ihrem Vormärsche sich entgegen-
stellenden, durch Zuzüge und selbst reguläre türkische Truppen verstärkten Insur-
genten in den Gefechten bei Kosna am 4.. bei Maglaj am 5., und schlug sie bei
Zepce am 7. so nachhaltig, dass dieselben unter Freisgebung der wichtigen Fass-
sperre Vranduk bis nach Visoka flüchteten. Neuerliche Wetterunbilden und
Communications-Scliwierigkeiten, welche das Aufschließen des Trains verzögerten,
nöthigten wieder zu zweitägigem Stillsland. Am 10. nickte die Ilaupt-Colonne bis
Digitized by Google
Cl.XX. Promotion. — In«urT«lion?-Kampfe 1869 uod 1878.
vor VranduL am 11. bis Zenica weiter vor. Communications-Hindernisse und
Verptlegsrüeksichten zwangen da FZM. Frh. von Dhilippovi« neuerdings zur
Unterbrechung des Vormarsches der Haupt-Golonne.
Inzwischen waren auch die beiden anderen Colonnen des Corps auf Wider-
stand gestoßen.
Die VII. Division unter FML. Herzog von Württemberg hatte als rechte
Flügel-Colonne die Save bei Alt-Gradiska und bei Kostajnica am 29. Juli
überschritten, üanjaluka am 31. besetzt bei Rogelje am 5. August die sich ibr
entgegenstellenden Insurgenten geschlagen, bei Jajee am 7. dieselben auseinander
gesprengt und Travnik am 11. besetzt.
Die XX. Division unter FML. Grafen Szapary hatte als linke Flügel-
Colonne über Gradacae und Dobrovica mit dem Gros am 5. Gracaniea
erreicht. Äußerst ungünstige Witterungs-Verhältnisse hatten den Vormarsch ver-
zögert. Durch Detachierungerl auf die Hälfte der Sollstärke reduciert. rückte diese
Golonne bis Dubosnica am 7.. warf die ihr entgegentretenden Insurgenten bei Ilan
Pirkovac am 8. und rückte gegen Dolnja-Tuzla am 9. August vor. Inzwischen
hatte gerade in Ost-Bosnien der Aufstand am raschesten und mächtigsten um sich
gegriffen und in Du In ja Tuzla seinen Herd gefunden. Nach zweitägigen hart-
näckigen Gefechten gegen den verstärkten Gegner bei Dolnja Tuzla am 9. und
10. zog sich die Golonne kämpfend über Dubosnica in eine Stellung nächst
Doboj zurück.
Inzwischen brach der Aufstand auch in Bücken und Flanke der rechten
Flügel-Colonne. in West-Bosnien bei Novi und Livno aus. Der vun den Insur-
genten am 14. August gegen Banjaluka unternommene AngrilT wurde zurück-
geschlagen. Ein durch die Insurgenten von Livno gegen die rechte Flanke der
VII. Division unternommener Anschlag ward durch eine von FML. Frh. von
Rod ich ins Werk gesetzte Demonstration der Besatzungs-Truppen aus Dal in a-
tien gegen Livno in der Zeit vom 1:!. bis 15. August vereitelt. Bei dem täglich
weiter um sich greifenden Aufstande blieben gleichwohl sämmtliehe Verbindungs-
linien der Colonnen des XIII. Armee-Corps ernstlich gefährdet.
» Trotzdem nahm die Haupt-Colonne im Hinblicke auf das baldige Ein-
treffen der inzwischen aus der Monarchie sueces-ive in Marsch gesetzten Verstär-
kungen und nachdem sie sieh am 13. durch eine von der VII. Division nach Vitez
vorgeschobene Gebirgs-Brigade verstärkt hatte, den weiteren Vormarsch gegen
Sarajevo am 11. August wieder auf.
Eine NYbcn-Colonne dinks» unter FML. von 'feget thoff — 7 Bataillone,
1 Escadron. l'J Geschütze - rückte weiter die Bosna aufwärts auf der alten
Straße vor. warf die Insurgenten bei Kakanj am 15.. bestand ein Vorhutgefecht
bei Kololic am Dl. und drängte den Gegner ernennt bei Visoka am 17. zurück.
Das Gros der Haupt-Colonm 12' /t Bataillone. 2' 2 Est adroneli. lO Ge-
M-hfi(ze — marschierte unter FZM. I'hilippovic auf der neuen Straße weiter,
hrarhtr dein Gros der Insurgenten bei Hau Bjelalovac am 16. eine empfindliche
Niederlage bei, (hang am 17., ungeachtet des Zurückweichens der XX. Division,
Digitized by Google
Bei der Occupatio!! Bosnien-Hercegovinas 18*8.
455
bis Blazuj vor, ließ um 18. gegen Sarajevo recognosciercn und nahm im Vereint'
mit der Nebencolonne Sarajevo am 19. August ein.
Damit war die Occupation Mittel-Bosniens vollzogen.
Während das XIII. Corps auf diese Weise die Occupation Bosniens einleitete,
hatte die XVIII. Division unter FML. Frh.von Jovanovic die Occupation der nörd-
lichen und mittleren Hercegovina durchgeführt. Sie überschritt die Grenze
mit der Ilaupl-Colonne bei Vrgorac und mit einer Xeben-Colonne bei 1 mo.sk i
am 1. August, besetzte Ljubuski am 2., warf die Insurgenten bei Citluk am 4.
und besetzte Mostar am 5. August.
Um die Haupt-Communication von Mostar mit Metkovic zu sichern, rückte
eine Gebirgs-Brigade am 8. nach Stolac, besetzte Stadt und Castell mit einem
Bataillon, marschierte am 9. nach Domanovie, um der seitens des FML. Frh. von
Jovanovic an Ali Pascha gerichteten Aufforderung zur Häumung der Herce-
govina Nachdruck zu geben. Dieser schiffte sich mit G5(X) Mann in Kiek am 10.
ein. worauf die Gebirgs-Brigade wieder nach Mostar einrückte.
Infolge der alarmierenden Xaehriehten über die Kämpfe in Bosnien flammte
der Aufstand auch in der Hercegovina mit verstärkter Macht auf. Eine von der
Besatzung von Stolac behufs Recognosciemng entsandte Compagnie wurde am
KL bei Ravnica überfallen, Stolac selbst am 16. morgens von starken Insurgent en-
scharen vollständig eingeschlossen und die Besatzung in das Castell gedrängt.
Infolge dessen kam es zu einer Reihe von Kämpfen sowohl zwischen den Insurgenten
und der Besatzung von Stolac einerseits, als auch den von Mostar zum Entsätze
entsendeten Truppen anderseits.
Da die Entsatztruppen nicht durchzudringen vermocht hatten, überdies in
Flanke und Rücken vom Gegner umschwärmt wurden, rückte FML. Frh. von Jova-
novic von Mostar, nach einem Xaehtgefechte bei Passie Hau am 19., nach
Crniei am 20. und entsetzte, nach einem Gefechte bei Kremenae. Stolac am
21. August.
Damit war die Occupation der nördlichen und mittleren Hercegovina
bewirkt.
Trotz der auf diese Weise binnen drei Wochen forcierten Besetzung der
wichtigsten Theile Bosniens wie der Hercegovina sammt den Hauptstädten
beider Länder mussteu nunmehr die eingangs erwähnten Verstärkungen successive
nachrücken, um den immer weiter um sich greifenden Aufstand niederzuwerfen
und die Occupation vollständig durchzuführen.
FZM. Frh. von Philippovic übernahm das Commando der am 21. August zur
Aufstellung gelangten IL Armee, während von da an FZM. Herzog von Württem-
berg das XIII.. FML. Graf Szapary das III., FML. Frh. von Dienert Ii das IV. und
FML. Frh. von Rainberg das V. Corps befehligten, FML. Frh. von Jovanovic aber
das Commando der verstärkten XVIII. Division in der Hercegovina weiter führte.
In Brod wurde ein Armee-Geueral-Coiumamlo etabliert.
Digitized by Google
t:,o
Cl.XX. Proin.ili..ii. liiüurrfrtions'KAinpfe ISfi!) und |h7k.
Wahrend der Mobilisierung und des Aufmarst lies der Verstärkungen trat zwar
hinsichtlich aller größeren Unternehmungen ein nichrwöchentlicher Stillstand ein,
doch nahmen auf einzelnen Punkten die Kämpfe ununterhrochenen Fortgang, bis
nach Maßgabe des Eintreffens der Verstärkungen die größeren Operationen wieder
allgemein aufgenommen werden konnten.
Die XX. Division schlug in der Stellung, welche sie behufs Sicherung dor
Nachschuhslinie der Haupt-Colonne im Bosna-Thale am rechten Bosna- und
Spreca-Ufer. östlich von Dohoj, genommen hatte, im Verein mit den inzwischen
eingetroffenen Truppen der I. Division alle Angriffe der Insurgenten in den
(Jefechten am 1."»., JG., 1'.)., 2^1., 20. und 30. August zurück. Vom 2. September an
durch Truppen der IV. Division verstärkt, zwang «las III. Corps die Insurgenten
durch zwei Gefechte am 1., dann durch drei Gefechte vom f>. bis 0. September
zum Rückzüge von der Stellung bei Dohoj.
Die VII. Division in Travnik, deren Nachschubslinie durch das Übergreifen
der Insurrection aus der Krajna nach West-Bosnien — Gefecht bei Velecevo am
24. August — hauptsächlich aber durch das Ansammeln von Iiisurgerden in Klj un-
gefährdet wurde, entsendete eine Brigade auf der Linie Travnik-Bihac, welche
sich nach dreitägigen Kämpleu vom G. bis 8. September dieses wichtigen Schlupf-
winkels der Insurrection bemächtigte und die Insurgenten nach der nordwestlichen
Krajna zurücktrieb.
Gleichzeitig mit dieser Expedition unternahm von der XXXVI. Division zuerst
die 72. Infanterie-Brigade aus Croatien von Zavalje am 7. September einen
Angriff auf Bilme, ohne jedoch zu reüssieren. Dafür wurde diese Stadt späterhin
durch eombinierlen Angriff der 72. und der 28. Brigade der XIV. Division am 11».
in Besitz genommen.
Inzwischen ließ nach der Einnahme von Sarajevo FZM. Frh. von Philip-
povie. während gleichzeitig die politische Organisation des Occnpalions-Gebietes
in Angriff genommen wurde, behufs Sicherung Sarajevos und aus Verpflegsrück-
sichten von dort aus Streifuugeu und Requisitionen vornehmen.
Durch die mit stärkeren Kräften unter GM. von Kopfinger über Mokro
gegen Glasinac vom 21. bis 27. August ausgeführte Expedition wurde die von
der Romauja Planina die llaiiplstadt Sarajevo bedrohende Insnrgentens« bar
ohne Kampf zerstreut.
Da dieselbe jedoch, »buch frische Zuzüge verstärkt, sich neuerdings auf der
Romanja Planiua und zwar in der Position bei Mokro. nur einen Marsch von
Sarajevo entfernt, sammelte, wurde die VI. Division unter FML. von Tegetlhoff
gegen die Insurgenten entsendet, welcher sie in dem Gefechte bei Mokro (Hau
u;i Gomanja i am 3. September in der Richtung gegen Zvornik und Rogatica
warf, und nunmehr die Romanja Planina oberhalb Mokro mit einer Brigade
dauernd besetzte.
Nach dem um Mitte September erfolgten Eintreffen der I. Division in Sara-
jevo wurde dieselbe von FZM. Frh. von Philippovic behufs Niederwerfung des
Digitized by Googl
Hri ilt-r OrriipalioM IWllieli-lh'XTe.ivinas IS*N.
457
Aufstandes im Südosten Bosniens durch gleich/eilig auszuführende Expe-
ditionen treten Visegrad. Vlasenicu und Kladanj beordert. Mit einer aus
Truppen der I. und VI. Division roiuhinierten Colonne führte FML. von Verse y
gegen die auf die Hochebene von lilasinac neuerdings zurückgekehrte und durch
Zuzüge von Amanten ans dem Pasrhalik Novibazar verstärkte Insurgentenschar
in dem Treffen bei Senkovie-Bandin (Odziak) am 21. September einen ver-
nichtenden Schlag, welcher den Aufsland im Südosten Bosniens vollends
niederschmetterte. Unter dem nachhaltigen Eindruck dieses Treffens vollzog sich
sodann die Entwaffnung und Pacitieation dieses Theiles des Oeciipalions-Gebietcs
bis gegen die Grenze des Paschaliks Novibazar ohne weitere Schwierigkeilen,
indem Rogatica am 22., Kladanj und Vlasenica am 23. und 20. September,
endlich Visegrad und Gorazda am 1. Üctober ohne Kampf besetzt wurden.
Mittlerweile hatten gemäß der Dispositionen des Armee-Commandos, und
zwar das IV. Corps von der Save bei Samar-Nova Brcka und das III. Corps von
der Bosna bei Doboj coopcrierend. den Aufstand in der Posavina und Osl-
B os ni e n niedergeworfen.
Das IV. Corps überschritt, bei gleichzeitigem Scheinangriff auf Nova Brcka.
die Sa ve bei Samac am 14. September. Die XXXI. Division rückte als rechte
Flügel-Colonne unter unbedeutenden Gefechten bis Gradacae am lö. und. nach
Fühlungnahme mit den inzwischen in Gradacae eingetroffenen Vortruppen des
III. Corps, ostwärts in der Richtung gegen Dolnja Tuzla. am 17. bis Dubrave.
Die XIII. Division als linke Flügel-Colonne wandte sich nach dem Sa ve- Übergang
südöstlich, nahm nach einem Gefechte am 1<>. Gorica an der Tinja, sodann nach
hartnäckigem Kampfe am 17. die befestigte Stadt Nova Brcka. auf welchen Punkt
sich nunmehr das IV. Corps basierte. Am 21. September überschritt dasselbe mit
breiter Front die Majevica planina. schlug die den Kamm besetzt haltenden
Insurgenten in mehreren Gefechten in Flucht und rückte bis in die Linie Dokanj-
Brcska-Lipnica, im Halbkreise nördlich von Dolnja Tuzla.
Das III. Corps hatte nach der Ziirürkuerfimg der Insurgenten von der Stellung
bei Doboj am o. September durch eine Reihe von Streifimgen und Expeditionen
behufs Entwaffnung und Pacitication des im Opcralionsbereiche von Doboj
liegenden Gebietes vom 7. bis lü. September die Offensive gegen Dolnja Tuzla
eingeleitet. Unter Festhaltung Dobojs durch ein verschanztes Lager rückte sodann
das III. Corps am 17. in drei Colonneti im Spreca-Thale bis Gracanica vor.
wahrend eine Colonne behufs Deckung des Bosna-Thales über Maglaj und die
Kralica planina gegen das Turia- Thal vorgieng. Mit Rücksicht auf die aus-
greifenden Bewegungen des IV. gewann das III. Corps sodann in kurzen Märschen
bis zum 21. den Westausgang des Jala-Dcfiles am rechten Spreca-Ufer in der
Linie Ljubae-llan Pirkovac-Sibic. um den Hauptstoß gegen Dolnja Tuzla
von Westen zu führen und den Insurgenten den Rückzug nach Süden zu verlegen.
So standen am 22. früh das IV. mal III. Corps mit H'J Bataillonen und
72 Geschützen zum umfassenden Angriffe auf Dolnja Tuzla bereit. Die Insurgenten-
Digitized by Google
458
CLXX. Promotion.
— Insuroctions-Kümpfe 1869 und 187*.
schar zerstreute sich aber nach allen Richtungen und Unterwerfungs-Deputationen
aus Dolnja Tuzia erschienen vor den beiden Corps-Gommandanten. Noch am
22. nachmittags wurde diese Stadt, am 27. Zvornik besetzt und am 20. über
Kladanj, am 29. über Vlascnica die Verbindung mit den Truppen im Süd-
osten Bosniens hergestellt.
Damit war unter gleichzeitiger Entwaffnung und Paeification die Oecupation
Ost-Bosniens vollzogen.
Von dem an der Save bei Brod als «iiigemeine Reserve aufmarschierten
V. Corps betheiligte sich von Anfang September bis Mitte October die XIV. Division
mit der 28. Brigade an der bereits erwähnten Einnahme von Bihae, Theile der
27. Brigade an der Besetzung der nördlichen Krajna, wahrend die XXXVI. Division
mit einem Theile Samac und Nova Breka besetzt hielt, mit anderen Theilen
auf der Strecke Brod-Doboj echelloniert war, endlich zwischen der Straße
Samac-Gracaniea-Maglaj und der Unna das nördliche Grenzgebiet West-
Bosniens durchstreifte, entwaffnete und pacificierte, ohne dass es dabei zu
Kämpfen kam.
In der llercegovina hatte inzwischen von der XVIII. Division eine Brigade
aus Mostar am 28. August Nevesinje besetzt. Zwei größere Detachements
streift eti bis Zimje pol je am 7. September. An beiden Punkten zerstreuten sieh
die Insurgenten ohne Kampf.
Aus Dahnatien von Ragusa aus besetzte eine vom FZM. Frh. von Rodich
entsendete Brigade, unter kleinen Gefechten mit den Insurgenten bei Pridvorce,
Mustaci und Gomiljani, am 7. September Trebinje, welches gleichzeitig von
den türkischen Truppen geräumt wurde, die sich dann in Ragusa einschifften.
Ein Versuch der Insurgenten, die Verbindung zwischen Trebinje und Ragusa
zu unterbrechen, wurde durch ein Gefecht bei Pridvorce am 9. vereitelt. Des-
gleichen ward ein zweiter Versuch der Insurgenten, die Verbindung zwischen
Trebinje und Bilek zu unterbrechen, durch das Gefecht von Gorica am 15.
vereitelt.
Mittlerweile unternahm FML. Frh. von Jovanovic mit 2 Gebirgs-
Brigaden eine Expedition in den eigentlichen Herd der Insurrection, in die
obere llercegovina. Die Colonne brach am 11. von Domanovic auf, mar-
schierte sodann über die Hochebene von Da bar, Aber Plana und Bilek nach
Trebinje, wo sie am 18. eintraf. Während dieses Marsches wurde durch ein
Dctachement Gacko besetzt und so linke Flanke und Rücken gedeckt. Die
rechte Flanke wurde durch eine christliche Freischar unter Dom .Ivan Mussic
gesichert. Die Insurgenten wagten es nur bei Jasen am 18., sich der Colonne zu
nähern, wurden jedoch durch einige Shrapnelschüsse zerstreut. Am 20. drang die
Colonne im Verein mit der aus Ragusa nach Trebin je vorgerückten 20. Brigade
weiter in das Korjenici-Gebiet vor, zerstreute durch einige Shrapnelschüsse die
Insurgenten bei Necviece am 20. und durch ein Gefecht bei Granearevo am 22.,
worauf dieselben die Feste von Klobuk und die Höhen von Zastrm besetzten.
Nachdem Klobuk vom 21. bis 27. beschossen worden und die Insurgenten
Digitized by Google
Bei der Occupalion Bosmen-Hercegovina.« 1878.
459
infolge dessen in der Nacht vom 27. auf den 28. über die nahe montenegrinische
Grenze geflohen waren, wurde die Feste am 28. besetzt und sofort demoliert. .
Da dieselbe bei den Einwohnern stets als unüberwindlich betrachtet worden
war, brachte deren Einnahme und Zerstörung einen großen moralischen Eindruck
hervor. Damit war der Aufstand auch in der oberen Hercegovina völlig nieder-
geworfen, worauf der ganze Bezirk in den nächsten Tagen ohne weiteren Wider-
stand entwaffnet wurde.
Am 30. September concenlrierte sich hiezu die Golonne wieder in Trebinje
und wurde auch die Gegend zwischen Trebinje und Lubinje paciticiert.
Arn 5. und G. October legten die sieben hereegovinischen Bataillone, welche
sich bei dem Aufslande der Hercegovina gegen die Türken im Jahre 1875 aus
den christlichen Einwohnern gebildet und im Jahre 1876 den montenegrinischen
Streitkräften angeschlossen hatten, bei Gradina vordem k. k. 7. Jäger-Bataillon
die Wallen nieder.
Am 8. October ward der im Besitze der Montenegriner befindliche Bezirk Bilek
übernommen und durch k. k. Truppen besetzt, worauf der Best der Golonne der
XVIII. Division über Ragusa und Metkovic an die Narenta zurückmarsehierte.
Inzwischen stellte ein aus Mostar nach Konjica entsendetes Detachement
am 8. October in Bacina an der Narenta die Verbindung mit den Truppen in
Bosnien her, während Theile der von Sarajevo entsendeten 8. Brigade Fora
besetzten.
Damit war die Oceupation der gesanunten Hercegovina vollzogen.
•
Während dem hatte aus Travnik vom XIII. Gorps die VII. Division unter FZM.
Herzog von Württemberg die Expedition gegen Livno ausgeführt. Die Division
brach mit :i Brigaden am 20. September auf und bewirkte am 25. ihren Aufmarsch
an der Suica. Im Verein mit einer aus Dalmatien von Hau Prolog nächst Sinj
von FZM. Frh. von Rod ich entsendeten Reserve-Brigade wurde sodann Livno,
welches von 2000 Mann regulärem türkischen Militär und 3000 Insurgenten mit
15 Geschützen besetzt war, unter kleinen Zusammenstößen einzelner Colonnen mit
dem Feinde am 2(1., eingeschlossen und von 5 Batterien am 27. durch zehn Stunden
beschossen, infolge dessen sich die Stadt am 28. früh auf Gnade und Ungnade
unterwarf. Während das Gros der VII. Division nach Travnik zurückmarsehierte,
besetzte außer der aus Dalmatien entsendeten Reserve-Brigade noch die Brigade
des GM. Erzherzogs Johann Salvator die Stadt Livno. Letztere bewirkte die
Entwaffnung und I'ucificierung des umliegenden Gebietes bis Glamoc und Zu-
panjac u. s. w.. ohne weiter auf Widerstand zu stoßen, worauf die aus Dalmatien
entsendete Reserve-Brigade wieder dahin zurückkehrte.
Damit war die Occupalion West-Bosniens beendet.
Endlich bewirkten von dein am 19. September besetzten Bilme aus je eine
Brigade der XIV. und XXXVI. Division unter GM. Beinländer im Verein mit
anderen Detachements von Kljuc. Banjaluka und Kostajnica die völlige Unter-
werfung, und zwar zunächst Ende September jene von Türkisch-Kroat ien
Digitized by Google
4<10 <:LXX. Promr.lioti. ln»nrr. rlions ■K8t«|ij'p isr.0 und 187». - IWnie» llerrfpoviua 1*7*.
zwischen der Una und Sana bis Petrovac und Knien Vakuf. sodann im Vorlauf
des Ortobers jene der nördlichen Krajna. Trotzdem diese letzten? nordwestlich»
Spitze des Oeeupations-Gebietes fast völlig von dein Territorium der Monarchie
umschlossen wird, flammte in diesem unwegsamen, von einer wilden und rauf-
lustigen Bevölkerung bewohnten Gebiete noch im letzten Augenblicke der Auf-
stand neu auf. Eine über '.)000 Mann starke Insurgentenschar mit 300 bis iOO Mann
regulärem türkischen Militär sammeile sich anfangs October bei Reci in einet
sehr starken Stellung, um den k. k. Truppen äußersten Widerstand zu leisten.
GM. Reinländer rückte am A. October mit einer Colonne von Zavaljc übet
Biliar nach Ostro/.ac. am 4. nach Gazin, während rechts eine andere Colonne
am 4. von Krupa über Stjena vorging, daselbst eine Insurgentenschar durc h
Geschützfeuer vertrieb, sodann sich in Cazin mit der ersten Colonne vereinigt«'.
Nach Entwaffnung dieses Ortes sowie der Umgegend am ä. wurden die Insurgenten
in zwei Gefechten am 6. und 7. bei Feci geschlagen und zersprengt, hierauf die
nördliche Krajna durchstreift und entwaffnet. Gleichzeitig wurde die Feste Velika
Kladusa am 9. eingeschlossen, bis 19. beschossen und am 20. October besetzt.
Damit war auch das letzte Aufflammen des Widerslandes in der nördlichen
Krajna erstickt.
Im Zusammenhange mit der Occupation von Bosnien-Hcreegovina
besetzten k. k. Truppen im Jahre 1878 im Süden der Monarchie einerseits das
Gebiet von Spizza. anderseits im Osten nächst Orsova die Donau-Insel Ada
Kaleh, endlich im folgenden Jahre 1879 unter FZM. Herzog von Württemberg
den an Bosnien angrenzenden Theil des l'as« haliks Novibazar.
Seine Majestät Kaiser Franz Joseph 1. geruhte mit Allerhöchstem Armee-
befehle vom 19. October 1878 bei Anordnung der Demobilisierung den Comnian-
danlen. Generalen. Offizieren und der Mannschaft der II. Armee, sowie allen
betheiligten Angehörigen des Heeres, der Kriegs-Marine und beider Landwehren
mit Bezugnahme auf die außerordentlichen Schwierigkeiten, welche bei dieser
Occupation zu bewältigen gewesen, u. a. mit nachfolgenden Worten der Aner-
kennung den huldvollsten Dank des Obersten Kriegsherrn auszusprechen:
.Den Unbilden außergewöhnlich ungünstiger Witterung, den Schwierig-
keiten eines unwegsamen Bodens und unvermeidlichen Entbehrungen aller Art
Trotz bietend, haben Meine braven Truppen in ruhmvollen Kämpfen den
Widersland einer irregeleiteten, fanatisicrlcn Bevölkerung gebrochen, durch
musterhafte Mamiszucbt und ihre altbewährte Tapferkeit die Ehre Unserer
Fahnen stets hoch zu halten gewusst und die ihnen gewordene schwere Aufgabe
in kurzer Zeil erfolgreich gelöst
Aus den Kämpfen bei der Occupation Bosniens und Hereegovinas
erstanden dem Maria Theresien-Ordeti 1 Commandern' und 3 Riller.
Digitized by Google
f :i>miiiiiiiik-ur de- M. T.-O. Joseph Kicilu-ir vun Pliilip|K>vii;.
1G1
Cnmmaiuk'iir des Maria Tliete.sieii-Ünlcn.s
Joseph Freiherr Philippovic Ton Philippsberg.
(Mit Bil.liiis aus «!.m Jahn- IS7S.)
Philippovic wind»' als Sohn eines Ofliciers von altbosiiisehent christlichen
Adel zu Gospic in der ehemaligen Likaner Militär-Grenze Croalicns am
i*S. April ISIS geboren und betrat frühzeitig die militärische Laufbahn, indem er
im 16. Lebensjahre, am 1. September 1 831-, in das Likaner Grenz-Regimenl Nr. 1 als
(ladet eintrat. Am 1. Februar 1830 zum Regiment s-Cadcten mutiert, wurde er
am 1. April desselben Jahres zum Pionuier-Corps transferiert und genoss in der
Tullner Pionnier- Corps - Schule seine militärische Ausbildung. Am
I. April 1839 erfolgte seine Beförderung zum rnterlieutenant II. Classc, am
Mi. Deeember 1812 zum Unterlieutenant I. blasse und am 29. September 1K13
zum Oberlieutenant, bei gleichzeitiger Übersetzung in den General-Ouartier-
meister-Stab. Am 20. September 1 S17 zum Hauptmann befördert, machte von
Philippovic die Feldzüge von 1818 und 1819 in Ungarn mit.
im Feldzuge 1818 betheiligte ersieh an der Unterdrückung des Aufstandes
in Wien und zwar speciell an den Gefechten bei der Sophien-Brücke und bei
Schwee hat. Kr wurde bei der Hinnahme von Wien leicht verwundet, machte
sodann das Gefecht bei Parendorf am lti. Deeember. die Einnahme von Alten-
burg am 18. Deeember und das Treffen bei Moor am 30. Deeember mit. Wahrend
dieses Feldzuges, in welchem von Philippovic als Souschel* der Geiieralslabs-
Abtheilung des I. Corps unter dem Banus von Croatien. FML. Frh. von Jellacic
fungierte, war am 13. November 1818 seine Beförderung zum Majoren bei dem
Warasdiner Grenz-Begiment erfolgt.
Für seine Leistungen in dem Feldzuge von 1S18 wurde von Philippovic im
Jahre 1819 mit dem Militär- Verdienstkreuze ausgezeichnet.
Im Feldzuge von 1819 kämpfte Major von Philippovic in dem Gefechte bei
Teteuy am 3. Jänner, in den Schlachten beiKäpolna am 20. u. 27. Februar, bei
lsaszeg am G. April, in drei Recognoscierungs-Gefechteii bei Pesth am 11., IG.,
21. April, bei der Erstürmung von Neusatz am 12. Juni, in dem Treffen bei
O-Brcse am 25. Juni und in der Schlacht bei Hegyes am 1 1. Juli.
Für seine hervorragenden Leistungen bei Hegyes wurde Major von Philip-
povic mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet.
Am 12. September 1S5I erfolgte unter gleichzeitiger Ernennung zum General-
Adjutanten bei dem Rauns von Croatien. seine Beförderung zum Oberst-
lieutcnant. am 1. Jänner ls.7.5 zum Obersten und Conunamhtnlen des Waras-
diner-Kreuzer .">. Grenz-Regiments, am 19. April 1809 mit Vorbehalt des Ranges
für seine Vorderleute zum Generalmajor.
Im Kriege gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
befehligte CM. von Philippovic eine Brigade im VIII. Armee-Corps unter der
Führung des FZM. Ritter von Benedek. Nachdem es ihm in der ersten Periode
Digitized by Google
4-02 ^LXX. Promotion. - In5urrectious-Kftni|ife 186*J und 1ü7h. — Bosnien lkrcegovina I X7R.
des Feldzuges nicht vergönnt gewesen, an den Feind zu kommen, nahm er in der
Schlucht hei Solferino um 24. Juni unter Benedek an dem Kampfe bei S. Mai-
tino theil.
Philippovic! kämpfte mit seiner Brigade durch zwölf Stunden gegen einen
übermächtigen Gegner, und zwar wie die Monturen der Gefangenen bewiesen,
nacheinander gegen das C, 8.. 11., 12., 17. und 18. piemontesische Regiment.
Dabei hatte seine 4.545 Mann starke Brigade einen Verlust von 23 Officieren und
847 Mann. Wiewohl selbst während des heftigsten Kampfes von dem Luftdruck
einer Kanonenkugel niedergeworfen, focht er den ganzen Tag in den ersten Reihen
seiner Truppen mit und trug in allen Phasen des Gefechtes zu der siegreichen
Behauptung des VIII. Corps von S. Martino hervorragend bei.
In Anerkennung dieser Leistungen in der Schlacht bei Solferino geruhte
Seine Majestät der Kaiser den GM. von Philippovic durch Allerhöchste Ent-
schließung vom 17. Decembcr 185!) mit dem Orden der Eisernen Krone
II. Classe auszuzeichnen, sodann in Gemäßheit derOrdensstatuten am 20. März 1800
in den erblichen Freiherrnstand des österreichischen Kaiserstaates zu erheben.
In den Jahren 1801, 1804 und 1805 fungierte GM. Frh. von Philippovic als
kaiserlicher Coinmissär bei dem serbischen Kirchen-Congress in Carlowilz und
wurde aus diesem Anlasse nach dem zweiten dieser Congres.se, am 24. November
1864, mit dem Ritterkreuze des St. Stephans-Ordens ausgezeichnet.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1860 machte Frh. von
Philippovic den Feldzug gegen Preußen mit der Nord-Armee, eingetheilt bei
dem II. Armee-Corps als Adlatus des Gorps-Gommuuriant.cn, mit. Er wohnte der
Kanonade bei Kukus am 30. Juni bei und betheiligle sich sodann in der Schlacht
bei Königgrätz am 3. Juli an den Kämpfen des II. Armee-Corps um den Swiep-
Walri. Während des Rückzuges der Nord-Armee von Olmütz nach Pressburg
am 16. Juli zum Feldniarschall-Lieutenant befördert, war Frh. von Philippovic
in dem wichtigen Moment unmittelbar vor Eintritt des WalTenstilUtanries berufen,
durch seine Umsicht und Thatkrufl erheblich dazu beizutragen, riass der wichtige
Donau-Übergangspunkt bei Pressburg im Besitze des II. Armee-Corps verblieb.
Es war dies am Tage des Treffens von Blumenau, am 22. Juli, als der Feind diesen
wichtigen Punkt um jeden Preis in seine Gewalt zu bringen suchte.
Das an der Ttte der Nord-Armee marschierende II. Armee-Corps war beor-
dert, von Tyrnau mit thuulichster Beschleunigung nach Pressburg zu rücken,
um der von feindlicher ('hermacht bei Blumenau bedrohten Brigade Mondel des
N. Corps Rückhalt zu bieten und Pressburg zu sichern. Während die Tete-
Brigade des II. Corps theils zu Wahren, theils mittels Eisenbahn von Tyrnau
nach Press bürg geworfen winde und die anderen Brigaden theils per Bahn, theil.«
zu Fuß dahin nachfolgten, eilte über Befehl des Oorps-Commaiirianlen mit der Spitz»'
des Corps auch FML. Frh. von Philippovic von Tyrnau voraus, recognoscierle
am 21. die Stellung bei Blumenau und traf an Ort und Stelle die nöthigen Dis-
positionen, um den Feind im Falle des Angiitis bi* zum vollständigen Eintreffen
des II. Armee-Corps hinzuhalten.
Digitized by Googhf
Digitized by Google
Digitized by Google
(.Viiiiii.ukIkul des M. T. <J Joseph Freiherr \<>n I'liili|>i>u\ it;.
Am 22.. theils vor, theils während des feindlichen Angriffes dirigierte Philip-
povic die suecessive in Pressburg eintreffenden Brigaden und Batterien des
II. Corps in die durch ihn ermittelten Aufstellungen, in welchen theils direcl in das
Gefecht offensiv eingegriffen, theils die Brigade Mündel aufgenommen, unter allen
Umständen aber Pressburg bis zum Eintreffen des nachrückenden Gros der Nord-
Armee behauptet werden konnte. Thalsächlich blieb auch dieser wichtige Punkt,
als der vereinbarte Waffenstillstand um Mittag des 22. eintrat, im Besitze der
k. k. Truppen, wozu die von FML. Frh. von Philippovic getroffenen Einleitungen
das ihrige beitrugen.
Für die Leistungen in diesem Feldzuge wurde »lern FML. Frh. von Philippovic
am 3. October 1866 die Allerhöchst belobende Anerkennung zutheil.
Am 6. September 1866 wurde FML. Frh. von Philippovic zum Commandanten
der I. Truppen-Division in Wien, am 5. December 1867 zum Oberst-Inhaber
des 35. Infanterie-Regiments, am 18. Jänner 1870 zum Commandanten der
VIII. Truppen-Division in Innsbruck, sowie gleichzeitig zum Landes-Vertheidi-
gungs-Ober-Commandanten für Tirol und Vorarlberg ernannt.
Am 28. Jänner 1874 erfolgte die Beförderung des Frh. von Philippovic zum
Feldzeugmeister unter gleichzeitiger Ernennung zum Commandierenden
General in Brünn, von welchem Posten er bald darauf, am 14. Juni 1874, zum
Commandierenden General in Prag ernannt wurde.
Im Jahre 1878 sah sich FZM. Frh. von Philippovic durch das Allerhöchste Ver-
trauen Seiner Majestät des Kaisers zu einer hochwichtigen, ehrenvollen Aufgabe,
zur Durchführung der Occupation von Bosnien, beziehungsweise der Herce-
govina berufen. Er wurde am 3. Juli 1878 zum Commandanten des zum Ein-
märsche in Bosnien bestimmten XIII. Armee-Corps ernannt, dabei gleichzeitig mit
der Oberleitung der zur Besetzung der Hercegovina unter FML. Frh. von Jovanovic
bestimmten XVIII. Infanterie-Truppen-Division betraut. Die Occupation nahm den
bereits im allgemeinen geschilderten Verlauf. Der erfolgreiche Ausgang des Unter-
nehmens in Bosnien war wesentlich das Werk des FZM. Frh. von Philippovic.
Die zur Occupation bestimmten Truppen sammelten sich an den Grenzen
der Monarchie unter der allgemein verbreiteten Annahme, jenseits derselben gar
keinen oder bloß einen kaum ins Gewicht fallenden netiven Widerstand zu finden.
FZM. Frh. von Philippovic traf zwar angesichts der ihm von früherher bekannten
inneren Zustände im Occupations-Gebiete alle Dispositionen, damit das XIII. Armee-
Corps etwaigen offenen Feindseligkeiten begegnen konnte. Gleichwohl wirkte es
überraschend und für die Corps -Leitung wesentlich erschwerend, als kurz nach
dem am 31. Juli erfolgten Grenzübertritte in jeder Marschrichtung der bewaffnete
Widerstand der mohamedanischen Bevölkerung blutig zum Ausbruche kam.
Von den Ereignissen bei Maglaj am 3. August an, als die k. k. Truppen nur
mehr mit Gewalt ihre Aufgabe erfüllen konnten, war es dem FZM. Frh. von Philip-
povic vollkommen klar, dass die für die Occupation zur Disposition gestellten Streit-
kräfte, im Hinblicke auf die Natur des Schauplatzes, unzulänglich waren. Diese
Erkenntnis steigerte sich zur vollsten Gewissheit noch durch den Umstand, dass
Digitized by Google
< XXX. Promotion. Iiimiiw ti->ns- Kampfe ISfi'.i un.i |s7x - lki*uieii-Huritv>\ üi;i l^7s.
die einzelnen Colonnen unter einander in keiner dieselben gegenseitig sichernden
Verbindung zu bleiben vermochten, wäbrend die Insurgenten in dein gebirgigen
Zwischenterrain in ungebindertriu Verkehre unter einander standen.
FZM. Frb. von Philippovic sah sieb daher vor die Alternative gestellt, entweder
erst nach dem Anlangen der Allerhöchstenorts erbetenen namhaften Verstär-
kungen die ParifiVation Schrill für .Schritt durchzuführen, oder die begonnene
Vorrückung entschlossen fortzusetzen.
Er wählte das Letztere, vertrauend auf den Wert der Truppen und geleitet
von den Erwägungen, zu welchen ihn die aus dem Innern des insurgierten Lindes
nach und nach einlaufenden Nachrichten bestimmten. Letztere lauteten dahin,
dass in Sarajevo eine revolutionäre Regierung mit allen erdenklichen Mitteln den
Aufstand forcierte. Darnach ließ sich ermessen, dass die Macht der Insurrection mit
jedem Tage, der ihr uiibekämpft gegönnt würde, wachsen und der Widerstand
bei der Allseitigkeit seiner Basis in kurzem das ganze Ooeupalions -Gebiet
beherrschen musste. Erschien die Bewältigung der Insurrection gegen eine
äußerst kriegerische Bevölkerung in einem Gebirgsland bei höchst mangelhaften
und unzureichenden Oouimuiiicationen überhaupt sehr schwierig, so musste sie
umso schwerere Opfer und umso mehr Zeit erfordern, wenn der Aufstand bei der
demselben durch das Verhalten der türkischen Behörden und Truppen vielfach
gewährten Unterstützung seine Organisation hätte vollenden können.
FZM. Frb. von Philippovic erkannte, dass da eine über alle Bedenken sieh
hinwegsetzende ununterbrochene Offensive von durchschlagender Tragweite war.
Sie durfte nach seiner Überzeugung aber auch aus Gründen der Waffen ehre
nicht mehr rückgängig gemacht werden, sobald die k. k. Truppen in den Bereich
der Insurrection gelangt waren.
In diesem Geiste leitete FZM. Frb. von Philippovic. mit der im Bosna-Thale
als Haupl-Colonne des XIII. Armee-Corps vorrückenden VI. Division marschierend,
persönlich alle Kämpfe dieser Colonne. Mit der den gegebenen Verhältnissen
angepassten Taktik schlug er die ihm sich entgegenstellenden Insurgenten in
den Gefechten bei Kosna am 4.. bei Maglaj am "i. und bei Zepce am 7. August,
während die VII. Division im Vrbas-Thale vordrang.
Nach siegreichen Kämpfen überschritten so die VI. und VII. Infanterie-
Truppen-Division die Gebirgsengen bei Vranduk undRogelje, und schon schien
die Absicht, die Insurreelioii durch Besetzung der Milte des Landes zu spalten und
deren Kernpunkt rasch in die Gewalt zu bekommen, erreicht.
Da trafen in Zetiica am August die ungünstigsten Nachrit hten von der
XX. hifanterie-Triippeii-Divisioii ein. welche in der Dichtung Sainac-Zvoruik
vorzurücken hatte. Diese Division hatte der unvermulhet starken Erhebung der
Bevölkerung in den Kämpfen .im und 10. August nächst. Dolnja Tuzla nicht
Herr weiden können und mussle aus berecbligler Besorgnis, ohne Munition und
Verpflegung dem mächtigen Autstande zu erliegen, auf Graeanica zurückgehen.
In diesem Augenblicke traten dem FZM. Frb. von Philippovic alle jene
Bedenken in verstärktem Maße vor die Si ele, welche die Vorrückung mit unzu-
Digitized by Googl
Commamleur des M. T.-O. Joseph Freiherr von Philippovid.
405
reichenden Kräften widerrathen hatten, umsomehr als nach der Meldung der
XX. Truppen-Division keineswegs zu erwarten war, dass sie bei Graß an ica stand-
zuhalten vermögen werde. Diese Meldung lautete folgendermaßen:
„XX. Infanterie-Truppen-Division, 10. August von D. Tuzla 2 Uhr
30 Minuten. — An das k. k. 13. Armee-Corps-Gommando ibi ubi. — Seit
gestern im heftigen Gefechte bei D. Tuzla, die Insurgenten mit Geschütz
bewaffnet, werde von allen Seiten heftig angegriffen, habe heute mühsam Fort-
schritte gemacht, doch ist Verlust besonders von Oflicieren ziemlich groß. Kann
mich bei Erschöpfung von Mann und Pferd schwerlich hier behaupten, eventueller
Rückzug ist Gracanica-Doboj, werde alsdann trachten bei Gracanie.a mich
zu behaupten. Bitte um Veranlassung, dass bei Doboj Verbindung über Bosna
errichtet werde. Brauche dringend Verpflegsbedürfnisse und Munitions-Ersatz.
Verpllegsbedarf mit Hinzurechnung aller Nachschübe nur mehr für drei Tage.«
FZM. Frh. von Philippovic erfasste die Gefahr in ihrem ganzen Umfange,
trachtete aber Herr derselben zu werden, indem er auf die Fortsetzung der Opera-
tionen in der Richtung Zvornik bis zum Eintreffen von Verstärkungen verzichtete,
dagegen vor allem die Sicherung der durch die westlichen Colonnen erreichten
Vortheile ins Auge fasste.
FZM. Frh. von Philippovic erließ noch am 12. August Befehle, die einen nach-
haltigen Widerstand bei Doboj zum directen Schutze der Etapenlinie im
Bosna-Thale ermöglichen sollten und wies das XX. Divisions-Commando auf
jenes Repli hin.
Trotz wohlbegründeter Besorgnis für die wichtige Operationslinie im Bosna-
Thal unterbrach aber FZM. Frh. von Philippovic seine eigenen Operationen nicht,
sondern ordnete für den 14. August den Weitermarsch gegen Sarajevo an, in der
Erwartung, dass sich der Haupt-Colonne schon bei Han Compagnia eine zweite
Verbindung mit der Basis, jene über Travnik-Banjal uka-Gradiska, eröffnen
musste.
Die Haupt-Colonne durch eine von der VII. Division herangezogene Gebirgs-
brigade auf vier Gebirgsbrigaden verstärkend, drang er von Zenica entschlossen
gegen Sarajevo weiter vor. Etwas über ein Drittel seiner Streitkräfte —
7 Bataillone, 1 Escadron, 12 Geschütze — als Nebcn-Colonne unter FML. von
Tegetthoff auf die alte Prinz En gen .sehe Straße im Bosna-Thale detachierend,
rückte FZM. Frh. von Philippovic" selbst mit dem Gros der Haupt-Colonne —
13 Bataillonen, 2 Escadronen. 40 Geschützen — auf der neuen Straße vor.
Als er jedoch am 15. August in Busovaca einrückte, kamen nun aus
Travnik privative, jedoch völlig glaubwürdige Mittheilungen, dass Banjaluka
von den Insurgenten überfallen worden und genommen sei. Damit war eine in
jenem Momente wichtige Stütze der Operationen des Armee-Corps verloren oder
doch sehr gefährdet und nach den Erfahrungen, welche bei Dolnja Tuzla gemacht
worden, nun eine mächtige Erhebung in der Krajna mehr als wahrscheinlich.
Dazu trat die Überzeugung, dass je weiter der Aufstand im Rücken an Intensität
und Kraft gewann, die Existenz der bereits in die Mitte des Landes vorgedrun-
MiliUnnch r Muri« Th«rt«icn-Orden. 30
Digitized by Google
46G fiLXX. Promotion. — Insunections-Kampfe lK«y und 1»7S. - Bosnien-Hcrcegovina 1878.
genen VI. und VII. Truppen-Division in um so höherem Grade, schon wegen
unausbleiblicher Störungen im Verpflegsnachsehube, bedroht war.
Dennoch bestand FZM. Frh. von Philippovic auch da auf der Vorrückung und
traf zu diesem Zwecke nach rückwärts telegraphisch folgende Dispositionen, welche
sein Verhalten in der hochkritischen Situation des XIII. Armee-Corps um jene Zeit
ebenso scharf als charakteristisch beleuchten:
„XX. resp. XXXVI. Truppen- Di visions-Commando - Busovaea am
IG. August 1878 — Philippovic m. p. — Telegramm. — Die Ereignisse bei der
VII. Division, wornach Banjaluka in die Hände der Insurgenten gefallen sein
soll, bestimmen mich, dem betreffenden Herrn Divisionär folgende Directiven
zu geben:
Der von Tuzla der XX. Division nachgefolgte Gegner ist scharf zu beob-
achten und es ist demselben, falls er sich nach Tuzla zurückziehen oder dort
sammeln wollte, zu folgen, damit nicht — was wahrscheinlich — ■ diese Kräfte sicli
ungeschwächt auf Sarajevo, wohin ich in ".J Tagen zu kommen gedenke, werfen.
General-Gommando Agram im Namen des Corps-Gommando ersuchen,
sofort alle verfügbaren Kräfte der I. Division über Gradiska gegen Banjaluka
zu werfen, um die VII. Division, deren Verbindung gefährdet erscheint, zu
degagieren.
General-Gommando wolle ferner GM. Zach mit der ihm zur Disposition
stehenden Kraft, sofort auf der ihm vorgezeichneten Linie vorrücken machen,
um hiedurch nicht nur die Flanke der VII. Division zu sichern, sondern auch
derselben eine neue Verbindung mit dem Inlande zu eroffnen.
Der Saumweg. welcher von Do boj über Pernjavor nach Banjaluka
führt, ist durch eine Abiheilung zu sichern."
Die speciell an die XX. Division erlassene Directive war völlig von dem Geiste
entschlossener Offensive des FZM. Frh. von Philippovic beseelt. Die im Spreca-
Thale kämpfenden Insurgenten konnten nämlich von der revolutionären Regierung
infolge des siegreichen Vordringen.-, der Haupt-Colonne. nach Sarajevo zuhilfe
gerufen werden. Dieser Eventualität sollte das XX. Truppen-Pivisions-Commando
begegnen, indem es unausgesetzte Fühlung mit den gegenüberstehenden Insur-
genten zu halten und ihnen im Falle des Rückzuges angriffsweise zu folgen hatte.
So wahrte FZM. Frh. von Philippovic, trotz der Gefährdung seiner beiden Nach-
schubslinien bei Doboj und bei Banjaluka, den k. k. Waffen auch weiterhin die
Initiative und rückte kühn weiter vor.
Die Haupt-Colonne jagte am IG. August die das Wuld-Delile von Hau
Bjelalovac besi tzt hallenden ."»000 Insurgenten mit G Geschützen - dieselben
in deren linker Flanke vollständig umfassend — trotz heftigen Widerstandes in
wilde Flucht. Audi die Neben-Colonne FML. Tegel thoff trieb die Insurgenten
durch die Gefechte bei Kakanj am lö., bei Kolotic am IG. und bei Visoka am
17. siegreich vor sich her.
Während aber an diesem Tage die Neben-Colonne noch in hartem Kampfe
bei Visoka stand, traf bei dem mit der Haupt-Colonne vorrückenden Corps-
Digitized by Google
Commaiideur des M. T.-Ü. Joseph Freiherr von Philippovti.
467
Commando auf dem Durchmärsche in Kiseljak am 17. August aus Doboj nach-
folgende erschütternde Meldung ein :
„Telegramm. — XX. Truppen-Division, Gefechtsfeld Doboj, XIII. Armee-
Corps. — Aufgegeben 16. August um \ Uhr 4-5 Min. — Seit heute morgens in
sehr heftigem Gefechte. Halte zwar noch die Stellung, doch wird der Rückzug
über die Bosna eventuell Kotorsko nöthig, mache hierauf Corps-Commando
aufmerksam. — Szäpäry.*
Diese Meldung konnte sowohl nach ihrem Inhalt als nach ihrer Form, ins-
besondere aber im Zusammenhalt mit den in jener Richtung vorausgegangenen
Ereignissen nur im schlimmsten Sinne aufgefasst werden. Darnach war die Etapen-
linie von Brod durch die Räumung des rechten Bosna- Ufers dauernd gefährdet,
wenn nicht gar schon thatsächlieh unterbrochen.
FZM. Frh. von Philippovic stand nun einer überaus ernsten Sachlage gegen-
über. Beide Nachschubslinien waren, wie es schien, in der Gewalt des Gegners
oder nahe daran; — auf der eigenen Vorrückungsfront bestand die Haupt-Golonne
eben ein heftiges Gefecht, welchem unzweifelhiift weitere ernste Kämpfe folgen
mussten. Dies war die Lage des Armee-Corps am 17. inmitten eines insurgierten
Landes ohne Transversalverbindungen: denn noch war es der XVIII. Truppen-
Division nicht gelungen, über Mostar vorzurücken, und voraussichtlich würde sie
dies mit der Unterbrechung ihrer eigenen Nachschubslinie bezahlt haben, wie dies
die Ereignisse bei Stolac vom 13. August an bewiesen.
Unter solchen Umständen hätte FZM. Frh. von Philippovic nicht der leiseste
Vorwurf treffen können, wenn er im Vormärsche eingehalten hätte, ja selbst
zurückgegangen wäre, um eventuell alle Kräfte auf der Broder oder Alt-Gradis-
kaner Operationslinie zu vereinigen. Es war in jenem Zeitpunkte eben in keiner
Weise verbürgt, dass sich der Widerstand bei Sarajevo, wo die Bevölkerung einer
großen Stadt die Insurgenten unberechenbar verstärken konnte, werde bezwingen
lassen.
FZM. Frh. von Philippovic war sich aber dessen bewusst, dass von seinem
Entschlüsse nicht allein der militärische Erfolg abhieng, sondern Wichtigeres auf dem
Spiel stand: das politische Prestige des Vaterlandes. Kam die Operation
in eine dauernde Stockung, dann mussten sich alle jene Gegensätze verschärfen,
welche die Occupatio!! im In- und Auslande erzeugt hatte. Die Waffenehre
würde zudem eine empfindliche Einbuße erlitten haben, denn es hätte einen
geradezu peinlichen Eindruck machen müssen, wenn den Nachrichten aus dem
Spreca-Thale jene von dem Abbruche der Offensive der Haupt-Colonne im
Bosna-Thale auf dem Fuße gefolgt wären.
Diese Beweggründe ließen FZM. Frh. von Philippovic auf die Eindrücke der
Nachrichten von Ranjahika und Doboj nicht weiter achten, ja sie bestärkten
ihn vielmehr im getreuen Festhalten an der ursprünglichen Idee entschlossenster
Offensive. Der heldenmüthige Entschluss, weiter vorzudringen, wurde auch dank
der festen, raschen und energischen Ausführung von vollstem Erfolge gekrönt.
30'
Digitized by Google
4C8 CLXX. Promutiou. - InsurrecÜons- Kampfe 1869 und 1878. - Bosnien-Hercegovina 1»78.
Unaufhaltsam rückte FZM. Frh. von Plülippoviö mit der auf die beiden
Straßen vertheilten Haupt-Colonne auf Sarajevo als das Centrum des Landes los,
um, wie er sich ausdrückte, „der Schlange das Haupt zu zertreten', um mit einem
mächtigen Schlage die Insurrection in Mittel -Bosnien völlig niederzuschmettern.
Fanatiker wiegelten nämlich die Hauptstadt des Landes auf, während es den
Leitern des Aufstandes gelang, trotz der Niederlage hei Hau Bjelalovac und
Visoka. zahlreiche Insurgenten-Banden in Sarajevo zusammenzurotten und
auch die einheimischen Mohamedaner zu weiterem Widerstande zu bewegen oder
zu zwingen, infolge dessen 5000 bis 6000 Insurgenten mit mehreren Geschützen
den k. k. Truppen die Besetzung der Hauptstadt zu verwehren suchten.
FZM. Frh. von Philippovic zermalmte auch diesen fanatischen Widerstand
durch das Treffen von Sarajevo am 19. August.
Er ließ die Neben-Golonne unter FML. von Tegetthoff von Norden über die
Höhen des Pasin Brdo vorgehen, während er selbst mit der Hauptkraft von
Westen, aus der Thalebene über die Höhen des Debelo Brdo und des 1000 Meter
hohen Trebevic vordrang. Tegetthoff griff am rechten Ufer derMiljaeka mit
seinem linken Flügel das Castell. mit dem rechten die größere nördliche Hälfte
der Stadt an. Philippovic richtete im Anschluss an Tegetthoff am linken Ufer
der Miljacka einen hinhaltenden Angriff des schwächer gehaltenen Centrums
auf den südwestlichen Stadttheil, wobei er gleichzeitig mit dem am stärksten
gehaltenen rechten Flügel unter GM. von Kaiffel den linken Flügel der Insurgenten
kräftig umfasste. Während Tegetthoff dem Gegner den Rückzug nach Mokro
verlegen sollte, versuchte Philippovic ihm denselben noch Gor a/. da abzuschneiden.
Die Insurgenten kämpften mit wahrem Fanatismus.
Nach neunstündigem erbitterten Kampfe bemächtigte sich jedoch Tegetthoff
des Pasin -Brdo, während Philippovic, der um zwei Stunden später angriff, nach
siebenstündigem Kampfe die Höhen des Debelo Brdo und den Trebevic in
seine Gewalt brachte. Sodann drangen die Truppen beider Colonnen von Süden
und Norden unaufhaltsam ins Innere Sarajevos ein, worauf ein Straßenkampf
folgte, dessen Feuer erst um 2'/, Uhr nachmittags gänzlich verstummte.
Nach durchgeführter Besetzung der ganzen Stadt samnit Citadelle und Um-
gebung, um \ Uhr nachmittags, ließ FZM. Frh. von Philippovic unter den Klängen
der Volkshymne und 101 Salutschüssen das mit dem kaiserlichen Doppeladler
gezierte Reichsbanner auf dem Castell hissen, telegraphisch dem Obersten Kriegs-
herrn meldend:
.Sieg und Kinnahme von Sarajevo!*
Schon am nächstfolgenden Tage geruhte Seine Majestät Kaiser Franz
Joseph I. dem FZM. Joseph Frh. von Philippovic von Philippsberg „in
Anerkennung seiner ausgezeichneten Führung während der Occupations-Action in
Bosnien* das Großkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegs-Decoration
zu verleihen und ihn gleichzeitig zum Commandanten der II. Armee zu
Digitized by Google]
Commandern- des M. T.-O. Joseph Freiherr von Philippovitf.
409
Die Einnahme von Sarajevo zeigte in ihrer unmittelbaren, wie auch in ihrer
weiteren Wirkung, dass die liisurection, trotz des fortgesetzten Widerstandes im
Tuzlaer, Bihacer und Banjalukaer Kreise, durch die Offensive der Haupt-
Colonne in ihrem Herzen getroffen war.
Der Anschlag auf Banjaluka wurde siegreich abgewehrt und auch die
XX. Division vermochte sich bei Doboj zu behaupten.
Auf die Nachrichten, dass aus dem oberen Vrbas-Thale von Gornji
Vakul über Travnik, aus dem Neret va-Thale über Konjica und Kalinovik,
Dobropolje bedeutende Insurgentenmassen gegen das Bosna-Thal im An-
dringen begriffen waren, konnte denselben von Sarajevo aus durch Entsendung
von kleinen Colonnen leicht begegnet werden. Diese Haufen verschwanden
darauf sofort.
Anderseits halten sich in dem südöstlichen Theil des Kreises Sarajevo
durch Zuzüge aus dem Sandschak Novibazar thatsächlich stärkere Insurgenten-
scharen gesammelt; auch diese konnte FZM. Frh. von Philippovic durch die beiden
gegen Glasinac und Mokro eingeleiteten Expeditionen vom 24. bis 27. August
und 2. bis 3. September aus dem Bereiche von Sarajevo vertreiben und das
Eintreffen der Verstärkungen abwarten.
Der Besitz der beiden Punkte Sarajevo und Travnik inmitten Bosniens
ermöglichte den ungehinderten Aufmarsch der nachgesendeten Verstärkungen und
FZM. Frh. von Philippovic konnte, nach Eintreffen derselben, den Operationsplan
von der gewonnenen Basis der inneren Linie leicht und sicher treffen. Die
feindlichen Kräfte waren, von divergierenden Richtungen ausgehend, ohne Ver-
bindung.
Indem FZM. Frh. von Philippovic das III. Armee-Corps von Doboj, das
IV. Armee-Corps von Samac gegen das nordöstliche Aufstands-Centrum Dolnja-
Tuzla. respective ins Spreca-Thal dirigierte, vermochte er nach beschleunigter
Heranziehung der I. Infanterie-Truppen-Division nach Sarajevo, auch die aus dem
Sandschak Novibazar vorrückenden Insurgenten, welche in richtiger Beurtheilung
der Situation die Verbindung mit Zvomik und Dolnja-Tuzla, sowie die
Sicherung des Rückzuges aus diesen Orten anstrebten, durch den im Südosten
Bosniens auf der Hochebene von Glasinac geführten entscheidenden Schlag bei
Senkovic- Bandin (Odziak) am 21. September zu vernichten.
Nachdem die Insurgenten im Südosfen aufs Haupt geschlagen, nach allen
Richtungen sich zerstreut hatten, ergab sich als natürliche Consequenz davon das
fast spurlose Verschwinden der Aufständischen im Spreea-Thale und die nahezu
widerstandslose Besetzung des ganzen Tuzlaer und Zvorniker Kreises durch
das III. und IV. Armee-Corps.
Aus dem durch die Kinnahme von Travnik und Sarajevo erzielten Vor-
theil der inneren Linie Banjaluka-Travnik-Sarajevo Kraft, schöpfend, konnte
weiter FZM. Frh. von Philippovic auch auf dem westlichen Theile des Kriegsschau-
platzes die Insurgentenlinie Bihac-Kl juc-Livno zuerst durch Forcierung von
Kljuc in der Mitte trennen, dann zum Angriff auf ihre Endpunkte Bihac und
Digitized by Google
470 tXXX. Promotion. — Tnsurreclion*-Kttmpfe 1860 und 1878. — Bosnien-Hercegovina 1S78.
Livno schreiten, auf diese Weise den ganzen Aufstand niederwerfen und Bosnien
in den vollständigen Besitz der k. k. Truppen bringen.
FZM. Frh. von Philippovic hatte aber seit der Einnahme von Sarajevo am
19. August 1878 außer seiner Thfitigkeit als Armee-Commandant auch in poli-
tischer Richtung ein umfassendes Wirken zu entfalten, indem er die gesammte
Verwaltung des der Anarchie verfallenen Occupations-Gebietes von Grund aus
organisieren musste. Ein vollständiges Bild dieser Thätigkeit können diese aus-
schließlich dem militärischen Lebenslaufe der Ordensmitglieder gewidmeten
Blätter nicht bieten. Immerhin muss an dieser Stelle wenigstens die That-
sachc verzeichnet werden, dass FZM. Frh. von Philippovic Hand in Hand mit
der Pacification Bosnien-Herceguvinas auch bereits die Grundlagen civili-
sierter Verwaltung nach allen ihren verschiedenen Richtungen geschaffen hat. Von
den dringendsten militärischen Bedürfnissen ausgehend, wurde inmitten der
Kämpfe und Operationen mit der vollständigen Neuanlage der großen Straße
von Brod bis Sarajevo und dem Baue zahlreicher anderer Communicationen
begonnen, wobei nicht bloß die technischen Truppen, sondern ganze Regimenter
gleich römischen Legionen elassischer Vorzeit wahre Musterstraßen bauten. Bei
dem gänzlichen Mangel an Unterkunfts-Localitäten wurden in den meisten Haupt-
und Etapen-Stationen Baracken-Lager erbaut und unzählige Baulichkeiten für die
Unterkunft der Truppen, Militär- und Civilbehörden adaptiert. In den Städten
wurden, ohne den religiösen Gefühlen der Mohamedaner Gewalt anzuthun, Fried-
höfe aufgelassen, Straßen reguliert, Plätze ungelegt, Beleuchtung bei Nacht ein-
geführt, Gemeinde-Vertretungen aus Christen und Mohamedanern. nach Umstän-
den unter Beiziehung israelitischer Einwohner, gebildet und geregelte Gemeinde-
Behörden unter Leitung der Stations-Cominauden eingesetzt. Im gesammten
Occupations-Gebiet versahen anfangs die verschiedenen Militär-Cornmanden bis
zu den Truppen-Divisions-Commanden hinauf, sodann mit fortschreitender Paci-
tication theils aus Oflicieren. theils aus Civilbeamten gebildete Bezirks- und
Kreisbehörden den politischen Verwaltungsdienst. In Sarajevo, wo sich mit der
militärischen Befehlgebung alle Fäden der Civil - Administration • vereinigten,
organisierte FZM. Frh. von Philippovic Centraistellen für die politische, Justiz- und
Finanz- Verwaltung. Zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit schuf er aus
eingeborenen Elementen unter k. k. Officieren und Unterofficieren eine eigene
Landes-Gendarmeiie. Um mit der Bevölkerung auch unmittelbaren geistigen Con-
tact pflegen und so auf dieselbe einwirken zu können, rief er wenige Tage nach
der Einnahme von Sarajevo eineZeitungin der Landessprache — die „Bosansko-
Hercegovucke Novine" — ins Lehen und begründete zu diesem Zwecke
eine eigene Landesdruckerei. Seihst aus dem altbosnischen Adelsgeschlechte der
Filipovice, deren Stammhaus nch in Glamoc hefindet, stammend, übte er aber
auch persönlich mächtigen Eintluss auf die rasche Beruhigung der Gemüther.
indem er bei aller gebotenen Strenge die vor ihm erscheinenden Deputationen aller
vier Glaubensbekenntnisse des Landes, selbst die Mohamedaner und Orthodoxen
inbegriffen, allmählich mit der Überzeugung erfüllte, dass Bosnien und Her« e-
Digitized by Google
Commnndeur de* M. T.-O. Joseph Freiherr von Philippovif*.
471
govina unter dorn gerechten Scepter Seiner Majestät des Kaisers und Königs
Franz Joseph I. einer neuen Zeit entgegengehen, in welcher Huhe und Ordnung,
Wohlstand und Gedeihen, sowie gleiche Gerechtigkeit gegen alle vier Glaubens-
bekenntnisse in beiden Ländern einkehren werden. Dank dieser directen Einfluss-
nahme des FZM. Frh. von Philippovic begab sich denn auch bereits Ende
November 1878 eine große, aus 40 Mitgliedern bestehende Deputation, aus den
Häuptern der ältesten, seit Jahrhunderten mohamedanisierten Adelsgeschlechter
Hosniens und der Hercegovina. sowie den hervorragendsten Repräsentanten der
Katholiken, Orthodoxen und Israeliten bestehend, unter Füluung des Notablen
und Bürgermeisters von Sarajevo. Mustafa Beg Fazli Pasic, über Wien nach
Budapest, wo sich um jene Zeit das Allerhöchste Hoflager befand, um Seiner
Majestät dem Kaiser und König Franz Joseph I. ehrfurchtsvollst zu huldigen.
Damit halte FZM. Frh. von Philippovic die Occupation Bosnien-Hercego-
vinas nicht bloß militärisch durchgeführt, sondern auch politisch zu erfolg-
reichem Abschlüsse gebracht.
Speciell auf Grund der durch die siegreiche Occupation Bosniens vollbrachten
Waffenthat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
meister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-Capitels kraft Promo-
tion CLXX vom 2. Mai 1871» den FZM. Joseph Freiherrn Philippovic von Phi-
lippsberg zum Commandern- des Maria Theresien-Ordens zu promovieren.
Seiner inzwischen gestellten Bitte willfahrend, geruhte Seine Majestät der
Kaiser mit Allerhöchstem Handschreiben vom 18. November 1878 bei Auflassung
des II. Armee-Commandos den FZM. Frh. von Philippovic auf seinen ihm vor-
behalteneu Posten eines Commandierenden Generals in Prag rückzuver-
setzen und ihm gleichzeitig neuerdings „den wohlverdienten Dank und die
vollste Anerkennung* auszusprechen.
Unter großartigen Ovationen sowohl seitens der Garnison als der Einwohner
von Sarajevo verließ FZM. Frh. von Philippovic diese Stadt am -1. December 1878
und begab sich durch die Hercegovina über Mostar zunächst nach Wien,
sodann an das Allerhöchste Hollager nach Budapest. Seine Majestät der Kaiser
geruhte ihn auf das huldreichste auszuzeichnen. Auch die Bevölkerung feierte ihn
allenthalben als siegreichen Vollbringer der Occupation.
Anlässlich seines fünfzigjährigen Militär-Dienst-Jubiläum? geruhte
Seine Majestät der Kaiser am LNi. October 187'J ein Allerhöchst huldreiches
Handschreiben an den Jubilar zu erlassen.
Am <i. April 1881 wurde FZM. Frh. von Philippovic zum Commandierenden
General in Wien ernannt, am S.April 1882 jedoch auf seine Bitte in dergleichen
Eigenschaft nach Prag rückversetzt und anlässlich des zu Ende desselben Jahres
eingeführten Territorial-Dislocations-Systems der Armee überdies zum Gomman-
danten des VIII. Corps ernannt.
Auf diesem Posten ereilte den FZM. Frh. von Philippovic in der Activität, bei
vollster Rüstigkeit und Geistesfrische, am 6. August 1 SS'.) jählings der Tod.
Digitized by Google
472 CLXX. Promotion. — Insurrectious Kauipfe 1869 und 1878. - Bosnien-Herccgovina.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Stephan Freiherr von Jovanovic.
(Mit Bildnis aus dem Jahre 1878.)
Jovanovic entstammte einer der tapfersten Militärgrenz -Familien von
Ottocae, aus welcher drei seiner Vorfahren goldene Tapferkeits-Medaillen sich
erkämpft hatten. Er wurde als Officiers-Sohn zu Pazariste bei Ottocae am
5. Jänner 1828 gehören. Im fünfzehnten Lebensjahre, am 14. September 1842,
zu dem 40. Infanterie-Regiment als Regiments-C adet assentiert, erhielt er
seine militärische Erziehung in der Cadeten-Compagnie zu Graz, zählte in
derselben stets zu den vorzüglichsten Frequentantcn, wurde im zweiten Jahre
k. k. Gadet im 27. Infanterie-Regiment und trat in demselben im September 1845
seine Dienstleistung an.
Am 7. September 1846 zum Lieutenant befördert, machte erden Krieg
gegen Piemont in Italien in den Jahren 1848/49 mit, und zwar im Feldzuge 1848
die Erstürmung von Gastelnuovo am 11. April, die Kämpfe bei Pastrengo am
28.. 29. und 30. April und die Einnahme von Vieenza am 10. Juni.
Am 1. März 1849 zum Ober Heute na nt befördert, war er zuerst Brigade-
Ordonnanz-Officier. wurde sodann im Mai 1849 dem General-Quartiermeister-
Stabe im Hauptquartier der II. Armee zugetheilt, darauf als Generalstabsoflicier
bei verschiedenen Brigaden, im Jahre 1850 im Hauptquartier des VIII. Armee-
Corps verwendet und definitiv zum General-Quartiermeister-Stabe übersetzt.
Im Jahre 1851 machte er als Generalstabsoflicier bei der mobilen Gnlonne
deren Expedition in die römischen Legationen, dann die Gernierung und
Occupation von S. Marino mit.
Am 28. Jänner 1852 zum Hauptmann II. Glasse befördert, wurde Jovanovic
inzwischen nach Wien versetzt, im Februar 1853 dem mit einer militärisch-
diplomatischen Mission betrauten General-Adjutanten Seiner Majestät, General-
major Freiherr Kellner von Köllen st ein in Gattaro zugetheilt und während
des türkiseh-montenegrinisehen Krieges in das Hauptquartier Omer Paschas bei
Spin-, sodann in jenes des Fürsleu Danilo von Montenegro bei Kcevo entsendet.
Nach Alilauf dieser Mission zum Landes-General-Gommando in Zara übersetzt,
fungierte er durch drei Jahre als Chef der zweiten Section. wurde jedoch während
der fortdauernden türkisch-monfenogrinisehen Verwicklungen wiederholt in mili-
tärisfh-diplomatisehen Missionen an die türkischen Gouverneure der Hercegovina
und Albaniens, sowie an den Fürsten Danilo von Montenegro und 1855
behufs einer Reeognoseierung durch Nord-Albanien bis Novibazar entsendet.
In den Jahren 185(1 und 1857 bei der Landes-Bcsrhreibung in Galizien. in
der Bukowina, in Groatien. Slavonien. Dalmatien, im Jahre 1858 bei der Militär-
Mappiernng in l.'ngarn verwendet, war er von Juli desselben Jahres angefangen
Vertreter Österreichs bei der internationalen Commission für die Grenz-Regulierung
zwischen der Türkei und Montenegro, und zwar sowohl bei der Grenzbegehung,
Digitized by Google
i
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Stephan Freiherr von Jovanovic.
473
als während der diesbezüglichen Conferenzen in Constantinopel, wie endlich
hei den Arbeiten der im März 1859 entsendeten internationalen Delimitations
Commission. Am 22. Mai 1859 wurde dem Hauptmann Jovanovic für den beson-
deren Eifer und die Umsicht, welche er bis dahin in dieser Mission bewiesen, der
Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit zutheil.
Während des Krieges gegen Frankreich und Piemont in Italien im
Jahre 1859 wurde Hauptmann Jovanovic, bei Unterbrechung seiner Mission, wegen
der genauen Kenntnis der Verhältnisse Dalmatiens und der Nachbargebiete dem
Truppen-Commando des GM. Rod ich in Süd-Ralmatien als Generalstabschef
zugetheilt. In Anerkennung seiner mehrseitigen, sehr guten Dienstleistungen auf
diesem Posten wurde er in der Folge am 7. Mai 1860 mit dem Orden der
Eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet.
Im Juli 1859 zum Majoren im Adjutanten-Corps befördert und zum Vorstande
der ersten Abtheilung des Landes-Gcneral-Commandos in Zara ernannt, nahm er
nach Beendigung des Krieges seine Mission bei der türkisch-montenegrinischen
Grenz-Regulierung wieder auf und wurde von den Commissions-Mitgliedern zum
Präses erwählt. Nach bewirkter Aufstellung der Grenzmarken wurde ihm seitens
des Ministeriums des Äußeren am 16. September 1859 für die umsichtige Rethei-
ligung an den conmiissionellen Arbeiten die vollste Anerkennung zutheil.
Im Juni 18*10 wurde Jovanovic zum Flügel-Adjutanten des Banns von
Croatien, FML. Frh. von Sokcevie, ernannt und in demselben Jahre bei Auflösung
des Adjutanten-Corps in den Generalstab rückversetzt.
Im Frühjahre 1801 war Major Jovanovic Vertreter Österreichs bei der
internationalen Commission in Mostar, welche die Aufgabe heilte, einvernehmlich
mit dem Serdar Omer Pascha die insurgierten Districte der Hercegovina
zu paeificieren.
Im December 1861 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst-
lieutenant im Broder Grenz-Infanterie-Regiment Nr. 7. zum Leiter des k. k.
General-Cousulates für Bosnien in Sarajevo ernannt. Auf diesem Posten
leitete er sowohl die Agenden dieses General-Consulates als die Recognoseierungen
und die Landesbeschreibung von Bosnien und der Hercegovina. erwarb sich
nicht nur die belobende Anerkennung des Ministeriunis des Äußern, sondern auch
jene des Chefs des Generalstabes der Armee und wurde am 22. October 1863 zum
Obersten befördert.
Nachdem er im Jahre 1865 das Commando seines Broder Grenz-Infanterie-
Regiments Nr. 7 übernommen, machte er an der Spitze desselben während des
Krieges gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 den Feldzug gegen Italien
mit. Er befand sich mit seinem Regiment bei den Besatzungs-Truppen der Festung
Mantua eingetheilt. Um die vor Mant.ua liegenden 3 Brigaden des II. italienischen
Corps festzuhalten, ließ der Festungs-Coinmandant am Tage der Schlacht bei
Custozza, am 24. Juni, den Obersten Jovanovic mit einem Bataillon seines Regi-
ments, zwei Divisionen Peterwardeiner Grenzer, einer Escadron Württemberg-
Husaren und 4 Raketen -Geschützen einen Ausfall in westlicher Richtung unter-
Digitized by Google
174 CLXX. Promotion. - Insumctionu-Kanipfe 1869 und 1878. - Bosnieu-H.>rcegovina.
nehmen. Die feindlichen Vortruppen wurden überrascht und nach heftigem Feuer-
gefecht nahm Jovanovic die Gehöfte Portinarolo und Terrabo. Die feindlichen
Beobachtungstruppen wurden alarmiert, bedeutende Abtheilungen derselben ver-
anlasst, aus Gurtatone und Montanara g<?gen Mantua sich zu entwickeln und
während des ganzen Schlachttages in der Aufstellung zu verbleiben. Oberst Jova-
novic, bei diesem Ausfalle am linken Arme verwundet, wurde für dieses erfolg-
reiche Unternehmen in der Folge mit dem Militär-Verdienstkreuz mit der
Kriegs-Decoration ausgezeichnet.
Anlässlich der Bekämpfung des Aufstandes in Süd-D almatien im Jahre
1869 wurde Oberst Jovanovic am 24. October zum Brigadier bei den Truppen in
den Bocche di Cattaro ernannt. Als solcher eommandierte derselbe die zweite
Expedition behufs Verproviautierung des Forts Dragalj in der Krivosije. Nach-
dem die Brigade schon bei Napoda am 25. October ein kurzes aber heftiges
Gefecht bestanden, fand dieselbe am 26. October bei dem Defile von Hau
hartnäckigen Widerstand. Trotzdem wurde dem hartbedrängten Fort Dragalj
durch eine detachierte Golonne Verstärkung zugeführt. Bis zur Bückkehr derselben
wurde der Defile -Ausgang bei Han unter fortwährendem heftigen Kampfe, mit
äußerster Anstrengung durch mehrere Stunden festgehalten. Oberst Jovanovic, bei
diesem Gefechte schwer verwundet, wurde für die tapfere, umsichtige und
energische Leitung dieser Expedition mit dem Bitterkreuze des Leopold-
Ordens ausgezeichnet.
Nach Herstellung von seiner Verwundung wurde Oberst Jovanovic im Mai
1870 mit dem Gommando der Truppen in Süd-Dalmatien und gleichzeitig mit den
Befugnissen der gesammten vollziehenden Gewalt im Bereiche der politischen und
polizeilichen Verwaltung im Gebiete der Bezirkshauptmannschaft von Gattaro
betraut. Bis Ende des Jahres stellte er die gesetzliche Ordnung im Gattareser
Kreise wieder her, so dass der Ausnahms/.ustand aufgehoben werden konnte.
Im November 1871 zum Generalmajor befördert, und im Sommer 1874
mit einer militärisch-diplomatischen Mission, den Straßenzug von Gattaro nach
Gettinje betreffend, an den Fürsten Nikolaus von Montenegro betraut,
entledigte er sich derselben zur vollsten Zufriedenheit des Ministeriums des
Äußern.
Bei Gelegenheit der Beise Seiner Majestät des Kaisers in Dalmatien im Mai
1875 geruhte der Monarch den General Jovanovic in den Freiherrenstand zu
erheben.
Am 5. October 1876 wurde GM. Freiherr von Jovanovic zum Conunandanten
der XXV1I1. Infanterie -Truppen -Division ernannt und ilirn in Anerkennung
der auf dem bisherigen Posten unter schwierigen Verhältnissen geleisteten vor-
züglichen Dienste der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt
gegeben.
Am 24. October 1876 erfolgte seine Beförderung zum F^ldmarschall-
Lieutenant. sodann am 22. Juni 1S77 seine Ernennung zum Gommandanten der
XVIII. Infanterie-Truppen-Division in Spalato.
Digitized by Google
Ritler des M. T.-O. Siephan Freiherr von Jovanovk.
FML. Frh. von Jovanovic ward sodann im Jahre 1878 durch das Allerhöchste
Vertrauen des Monarchen berufen, bei der Oceupation von Bosnien-Herce-
govina mit der XVI11. Division die Hercegovina zu besetzen. Er war dabei
bezüglich gemeinsamer Operationen an die Befehle des FZM. Frh. von Philippovie
gewiesen, welcher mit dem XIII. Armee-Corps in Bosnien einzumarschieren
bestimmt war. In Betreff dergesammten Ausführung der Operationen in der Her-
cegovina hatte aber FML Frh. von Jovanovic selbständig vorzugehen.
Er war auf Grund seiner langjährigen genauen Kenntnis aller einschlägigen
Verhältnisse der Hercegovina berufen gewesen, schon an allen Vorbereitungen zu
dem Unternehmen wesentlichen Antheil zu nehmen, indem er in zahlreichen
Anträgen und Berichten au das Militär-Oommando in Zara, beziehungsweise an
das Beichs-Kriegsministerium alle jene Maßnahmen entwickelte, welche er sowohl
bezüglich der Stärke, Zusammensetzung und Ausrüstung der bereitzustellenden
Truppen, als bezüglich der militärischen Vorbereitung im Basisraum durch Her-
stellung von Cornmunieationen. Anlage von Befestigungen und Etablierung von
Depots als zweckdienlich erachtete. Was die Stärke anbelangt, vertrat er den
Gedanken, dass die Division, um ihrer Bestimmung entsprechen zu können, von
drei auf vier Brigaden verstärkt werden müsse. Von ausschlaggebender Bedeutung
war aber der Operationsplan selbst, welchen FML. Frh. von Jovanovic behufs des
Fanmarsches in die Hercegovina von Haus aus ins Auge fasste, trotz aller ihm
entgegentretenden Hemmnisse unerschütterlich festhielt, sowie auch im Verlaufe
der Oceupation mit eiserner Consequenz durchführte.
Der Operationsplan des FML. Frh. von Jovanovic gieng dahin, mit drei
Gebirgs-Brigaden aus Ober-Dalmatien. mit einer aus Süd-Dalmatien gegen die
Hercegovina zu operieren. Die erste Gruppe sollte Mostar, die zweite zunächst
Trebinje zum Operationsziel erhalten. Dabei wies er aber ausdrücklich daraufhin,
dass ihm die Möglichkeit gewahrt bleiben möge, nöthigenfalls auch alle vier Brigaden
in Ober-Dalmatien zu com entrieren. Nachdem jedoch die XVIII. Division in der
normalen Stärke von bloß drei Gebirgs-Brigaden belassen wurde, drang FML.
Frh. vor» Jovanovic bei Beginn der Mobilisierung umsomehr darauf, dass alle drei
Brigaden in Ober-Dalmatien vereint werden und zu diesem Behufe die in Süd-
Dalmatien dislocierte Gebirgs-Brigade nach Ober-Dalmatien verlegt werde. Er
bestand auf diesem Aufmärsche der XVIII. Division, trotzdem sich demselben aus
Besorgnis für Süd-Dalmatien gewichtige Bedenken entgegenstellten. Dank seiner
Beharrlichkeil setzte er es kurz vor Beginn des Aufmarsches schließlich durch,
dass die 1. Brigade, und zwar zur See, von Bagusa nach Spalato überschitlt
und die XVIII. Division in Ober-Dalmatien i oncentriert wurde, infolge dessen er
mit ausreichender kraft die Offensive gegen Mostar zu eröffnen vermochte.
Er gierig dabei von der auf genauer Kenntnis der Verhältnisse beruhenden
I berzeugung aus. dass trotz der Vereinbarungen auf dem Berliner Gongresse ein
hartnäckiger Widerstand seitens der Bevölkerung, eventuell auch der regulären
türkischen Truppen, gegen die Oceupation in sicherer Aussieht stand, und dass es
unter solchen Verhältnissen sehr darauf ankam, sogleich mit imposanter Kraft auf-
Digitized by Google
476 CLXX. Promotion. -- Insurrections-Kflmpfe 1*63 und 187«. - Bosnien-Hercegovina.
treten zu können, umsomehr als die XVIII. Division aller Wahrscheinlichkeit nach
längere Zeit selbständig zu operieren hatte und eine eventuell nothwendige Ver-
stärkung derselben nach Beginn der Operationen schw ierig war. Ein Echee, den
die Division bei ungenügender Kraft etwa erlitten hätte, was hei einer Theilung
zu besorgen war, sollte sowohl aus Gründen der Waffen ehre als des Prestige
der k. k. Truppen von Haus aus vermieden werden. Mit nur drei Brigaden zu
schwach, um zwei Operationsziele gleichzeitig zu verfolgen, begnügte er sa h vor-
erst mit einem — dem Haupt - Operationsohjecte Mostar und der Narenla-
Linie. Gegen dieses wollte er aber mit der gesammten verfügbaren Kraft vorgehen.
Um das Operationsziel zu erreichen, wählte er die Linie Lj ubuski-Mostar
als Operationslinie. Obgleich vielseitig auf das Naren ta-Thal und die in demselben
führende Chaussee als Vorrückungs-Linie hingewiesen wurde, hielt er auch an dem
Gedanken, über Ljubuski vorzugehen, unerschütterlich fest, wiewohl diese Linie
große Schwierigkeiten für Verpflegung und Nachschub mit sich brachte, überdies
jede Möglichkeit ausschloss, schweres "Geschütz und Wagen mitzuführen.
Die durch FML. Frh. von Jovanovic energisch betriebene Befestigung bei
Metkovic samrnt den Überbrückungen an der unteren Narenta verfolgte nicht
den Zweck, als Ausgangspunkt für Operationen im Narenta-Thale. sondern als
Deckung der an jenen Punkten massenhaft aufgehäuften Vorräthe und als .Stütz-
punkt für weitere Operationen nach Krreichung der Naren ta- Linie zu dienen.
FML. Frh. von Jovanovic verstand es auch trotz aller Schwierigkeiten, seine
wahren Absichten so zu verschleiern, dass die gegen Ljubuski eröffnete
Offensive sowohl die hercegovinischen Insurgenten als das reguläre türkische
Militär völlig überraschte. Die Insurgenten der Ilercegovina wurden durch die
Befestigung*- und Brückenbauten an der unteren Narenta getäuscht, erwarteten
den Einmarsch der XVIII. Division über Metkovic im Narenta-Thale und trafen
dort, namentlich in der Duhrava. alle Anstalten zu heftigem Widerstande,
welchem auch die regulären ottomanisehen Truppen, welche unter Ali Pasc ha
vor Metkovic standen, zweifellos sich anzuschließen bereit waren.
Die von FML. Frh. von Jovanovic gewählte Operationslinie umgieng jedoch
alle diese Hindernisse.
Von früheren wiederholten Reisen und Recognoscierungen Weg und Steg
in der Her« egovina aus eigener Anschauung kennend, ließ er am 1. August nach-
mittags die Division in zwei Colonnen und zwar 2 Brigaden bei Vrgovac. 1
Brigade hei Imoski die Grenze überschreiten, die ersteren in der Ebene des
Trebizat bis nahe des Klosters Humac, die letztere bis Tihaljina rücken. Am
i. erfolgte, zwar unter Prolest des Gommandaiiteii von Ljubuski, jedoch ohne
irgend welchen thätlichen Widerstand, die Besetzung dieses Ortes.
Während auf diese Weise FML. Frh. von Jovanovic den Einmarsch in die
Ilercegovina vollzog, ward .Mostar zum Schauplatze einer blutigen Revolte
gegen die fürkischeu Behörden, infolge dessen in der Hauptstadt des Landes
Anarchie ausbrach und der bewaffnete Pöbel unter Zuzug von Bewaffneten aus
der Umgebung den k. k. Truppen entgegenrückte, tun denselben die weitere
Digitized by Googl
Ritter des M. T.-O. Stephan Freiherr von Jovanovic.
Vorrückung zu verwehren. Die Aufständischen setzten sich auf den Höhen bei
Citluk fest und schoben einzelne Scharen gegen Ljubuski auf die Höhen von
Cr na vor, wo die berittenen dalmatinischen Landessehützeu, welche die äußerste
Spitze der Division bildeten, vom Gegner angeschossen wurden.
FML. Frh. von Jovanovic, welcher den Vormarsch von Ljubuski am 4. fort-
setzt*, gab der 2. Gebirgsbrigade den Befehl, den Feind energisch anzugreifen. Es
entspann sich ein sehr lebhafter Kampf, in welchem die Insurgenten von Auf-
stellung zu Aufstellung zurückgeworfen und schließlich durch eine Umgehung
gegen ihre rechte Flanke zum Bückzuge nach Mostar gezwungen wurden.
Am ö. rückte FMK. Frh. von Jovanovic gegen Mostar selbst vor. Er traf alle
Dispositionen, um dort jedweden etwaigen Widerstand zu zermalmen. Die Insur-
genten gaben jedoch, von dem blitzartigen Erscheinen der k. k. Truppen im Herzen
des Landes aus völlig unerwarteter Richtung überrascht, jeden Gedanken eines
Widerstandes in Mostar auf.
So hatte FML. Frh. von Jovanovic mit relativ sehr geringem Verluste Mostar
und die Narenta- Linie gewonnen und in dem von der XVI11. Division betretenen
Landestheile westlich der Narenta gleichzeitig festen Boden gefasst.
Neben der militärischen Thätigkeit hatte FML. Frh. von Jovanovic in Mostar.
wo infolge der vorangegangenen Revolution die Landesregierung vollkonunen zu
funetionieren aufgehört hatte, dieselbe unmittelbar nach seinem Einzüge in diese
Stadt von Grund aus neu organisiert und anfänglich ohne weitere Unterstützung
als jene seines Generalstabes und des der Division zugeteilten Civil-Commissärs
sofort Ordnung in das Chaos zu bringen und Sicherheit herzustellen begonnen.
Gebunden durch die vom Commando des XIII. Armee-Corps erhaltene,
durch die damalige Sachlage gebotene Direetive, sich auf die Festhaltung der
Narenta-Linie vorläufig zu beschränken, war FML. Frh. von Jovanovic trotz
des Umstanden, dass starke Massen von Insurgenten nördlich von Mostar standen,
darauf bedacht, die Zugänge, welche aus dem Narenta-Thale gegen Osten und
Süden in die Hercegovina führten, zu gewinnen und die Verbindung mit dem
natürlichen Basispunkte Metkovic zu eröffnen.
Noch am 6. August nachmittags ließ er durch das 19. Jäger-Bataillon und
2 Geschütze südlich von Mostar die das Mostarko polje beherrschende Stel-
lung am Nordrande des D ubra va-Blateau nächst der Mündung der Buna in die
Narenta, sowie die über ersteren Fluss führende Brücke besetzen. Am 7. ließ FML.
Frh. von Jovanovic durch Theile der 3. Gebirgs-Brigade Tasovic an der Straße
Mostar-Metkovic sichern, dann das Gros dieser Brigade am 8. über Domanovic'
nach Stolac rücken, dort die türkische Besatzung entwaffnen, Stolac sammt
dem Castell selbst besetzen, am 9. wieder nach Domanovic zurückkehren
und am 10. bis an die Krupa vorrücken. Er veranlasste dann den dort mit
«000 Mann türkischer Truppen stehenden Ali Pascha durch die Drohung, even-
tuell Gewalt anzuwenden, zun» sofortigen Verlassen der Hercegovina, respective
zur Einschiffung in Kiek, wodurch die Verbindung Mostars mit Metkovic voll-
ständig freigemacht und hergestellt war.
Digitized by Google
478 (XXX. Promotion. — Ingurrectu.ns-Kampfe lH(i*i und 1*78. - Bosnien-Hercegovina.
Als am 13. August die zur Besatzung von Stolar gehörige 8. Cornpagnic
des Infanterie-Regiments Nr. H2 bei Zegulj-Karaula (Kavnica) überfallen und
Stolar selbst von Insurgenten eingeschlossen wurde, entsendete FML. Frh. von
.lovanovic successive bis zum 18. August die auf 5 Bataillone und 1 '/, Batterie ver-
stärkte :i Gebirgs-Brigade zum Entsalze. Trotz der glücklichen Gefechte zwischen
Domanovie und Krcmenac vom 10. bis UJ. August vermochte aber diese Brigade
den Entsatz nicht zu bewirken, da die Masse der Insurgenten auf 4000 Mann ange-
wachsen und weitere Scharen derselben im Anzüge waren. Der Gommandant der
U. Gebirgs-Brigade bat infolge dessen dringend um weitere Verstärkung.
Die Lage der Division war ohnedem schon kritisch genug. Mostar an und
für sich erforderte eine Garnison von vier bis fünf Bataillonen infolge der ausge-
dehnten Sicherung, welche die militärisch ungünstige Lage der Stadt erheischte.
Nördlich von Mostar zwischen Zimlje und Konjica standen mehrere Tausend
Insurgenten bereit. Mostar anzugreifen, sobald ihnen die Gelegenheit hiezu günstig
erschien; bei Nevesinje, in der Bisina -Schlucht und bei Rotimje befanden sich
ebenfalls Insurgentenbanden. Diese Umstände erforderten eine starke Besetzung
von Mostar und die Kesthaltung der Punkte Blagaj. Buna und der Linie
Suehidö, wozu die Kräfte der Division, von der auch ein Bataillon zur Sicherung
der Linie Mostar-Ljubuski verwendet werden musste, kaum ausreichten.
Die Festhaltung von Mostar und der Narenta-Linie, welche vorläufig
Hauptaufgabe der Division blieb, unter solchen Umständen an und für sich
schwierig, konnte umsomehr bei erheblicher .Schwächung der bei Mostar stehen-
den Truppen in Frage gestellt werden.
Aber erkennend, dass zur Freihaltung des Narenta -Thaies die Gewinnung
und Behauptung von Stola«' und Umgebung nothwendig sei un«l dass der
Brigade «1er Impuls zu en«;rgischer Offensive geg»*ben w«Tdcn musste. sollte
nicht «Ii«- Insurrection «lurch S«hwank«'n un«I Zei«hen von Schwäche neu angefacht
wer«lcn, enlschloss sich FML. Frh. von J«»vanovi«' »l<>nn«>ch, Mostar und dessen
Umgebung der t. Brigade zu überlassen und mit ix't Bataillonen und l '/t Batterien
der -1. Brigade nach Crnici zu eilen. Unmittelbar nach seinem Einlangen bei der
:\. Brigade onlnete er di<> sol'orlig«- Aufnahme «1er Offensive au. wel« he zum Ent-
salze von Stolar führte.
Von» U.>. bis 21. August führt«« er «liese Operationen durch. Nach dem
Narhtgefi'i-hti' in der Buhrava wurden «Ii«- Insurgenten durch die Gefechte bei
K renieiiac-Stolac am 21. August theils vernichtet th«>ils zersprengt und nach
«-ehr l»e«leuten«len Verlusten — bei ÖOO Manu — in wild«' Fhn-ht gejagt, so dass
ein panischer Schrecken sich weit im Lande wibn-itete und ganze Schuren der
Insurgenten nach Montenegi«) Hohen.
Nachdem FML. Frh. von Juvanovic <lie Bezirke Stola«- und Pocitelj
pa.-i!ici«>rt um! entwaffnet hatte, kehrte er nach Mostar zurück, um die Säuberung
lies Bisina-Detiles und die Besetzung von Nevesinje einzuleiten. Unter dem
Eindrucke, den «lie bei Stola«- geführten kräftigen Schläge übten, wurde die
Besetzung beider Punkte ohne Kampf am 2'.>. August dun-hgeführi.
Digitized by Googl
Ritter des M. T -U. Stephan Freiherr von Jovanovic.
470
Dafür sammelten sich die Insurgenten im Südosten der Hercegovina nächst
Trebinje und im Gebiete der Korjenici an. Nachdem FML. Frli. von Jovanovic
über seine erneuerte Bitte durch eine vierte Gebirgs-Brigade verstärkt worden,
unternahm er am 10. September mit der 2. und 3.. sowie einem Theile der
I. Gebirgs-Brigade. welch letzteren er von Nevesinje directe nach Da bar zog,
den Marsch über Stolac. Plana. Bilek nach Trebinje.
Von Biela Hudina aus leitete er die Besetzung des Districts von Gaeko
und des gleichnamigen Ortes ein und erschien am 17. September vor dem
inzwischen von der 20. Infanterie-Brigade bereits besetzten Trebinje.
Am 19. leitete er die Operationen zur Bezwingung des Bezirkes von Korjenici
ein, welche mit dem Falle von Klobuk am 28. September ihren Abschluss landen.
Enorme Terrainhindernisse. Schwierigkeiten der Verpflegung. Ungunst der
Witterung überwindend, forcierte er es, den ganzen Süden der Hercegovina zu
durchziehen und überall mit solcher Kraft zu erscheinen, dass seitens der Insur-
genten, welche bei Predni, dann bei Mosko vor Trebinje und bei Grancarevo
Widerstand zu leisten beabsichtigt hatten, jeder Versuch eines solchen aufgegeben
wurde.
Nach Ordnung der Verhältnisse im östlichen und südlichen Theile des Landes,
während welcher Zeit die Besetzung von Konjica und Foca durch Truppen der
II. Armee aus Bosnien erfolgte, übernahm er in Trebinje die bisher in Montenegro
gewesenen hereegovinischen Bataillone, führte deren, sowie die Entwaffnung der
Scharen des Dom Jvan Music durch und schuf aus den Elementen der Letzteren
das Serezaner-Gorps, welches fortan im Lande die Sicherheit aufrecht erhielt.
Der Commaudant der II. Armee, FZM. Frh. von Philippovic charakterisierte
speciell die militärsehe Thätigkeit des FML. Frh. von Jovanovic in dem ihm hierüber
gegebenen Zeugnisse folgendermaßen:
.Feldmarschall- Lieutenant Br. von Jovanovic erhielt als Gommandant
der XVIII. Infanteric-Truppen-Division. obschon im allgemeinen im Verbände
des XIII. Armee-Gorps, später der IL Armee unterstehend, zur Aufgabe, die
Hercegovina zu o< t upieren. Ihm wurden, als auf ganz getrenntem Kriegs-
schauplatze agierend, von mir nur die Ziele, dann allgemein zu beobachtende
Directiven gegeben, und weiteres naturgemäß nichts!
Er hat unzweifelhaft ebensosehr durch selbständig gelässte kluge Ent-
schlüsse, wie durch thatkräftiges Handeln die Hercegovina occupiert, die in der
Versammlung begriffenen Insurgenten-Banden geschlagen und zerstreut, die
Bildung neuer durch gut gedachtes Dazwisehenfahren verhindert, im ganzen:
höchst verdienstvolle Thaten vollbracht, welche den Anspruch auf den entspre-
chenden Grad des militärischen Maria Theresien-Ordens ganz begründen dürften."
Auf Grund der durch die Occupation der Hercegovina vollbrachten
Waffenlhat geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
meister des Maria Theresien-Ordens den FML. Stephan Freiherrn von Jovanovic
nachdem derselbe schon während des Feldzuges mit dem Orden der Eisernen
Krone 1. Glasse ausgezeichnet worden war. über Volum des Ordens-Gapitels,
Digitized by Google
480
CLXX. Promotion.
- Insurrections Kampfe 1869 und 1878.
- Bosnien-Hercegovina.
kraft Promotion CLXX vom 2. Mai 1879 durch Verleihung des KlfMnkre117.es zum
Ritter des Maria Thcresien-Ordens zu promovieren.
FML. Frh. von Jovanovie entfaltete während des Oceupations-Feldzuges außer
der militärischen auch eine intensive politische Thätigkeit durch die Paciücation
und politische Organisation der Hercegovina. Was in dieser Beziehung FZM.
Frh. von Philippovic in Bosnien gethan hatte, vollhrachte FML. Frh. von Jovanovie
in der Hercegovina.
Am 1 2. December 1878 mit der Würde eines Geheimen Käthes bekleidet,
wurde FML. Frh. von Jovanovie zum Stellvertreter des Militär-Gouverneurs
und Chefs der Landesregierung von Bosnien und der Hercegovina in Sarajevo
ernannt, Auf diesem Posten verblieb er jedoch nur kurze Zeit, indem er im Jahre
1879 zum Commandan len der II. Infanterie-Truppen-Division in Wien ernannt
wurde. Als solcher war er auch Conlmandant des Stabsoffieiers-Curses.
Zu Ende des Jahres 1881 geruhte Seine Majestät der Kaiser den FML.
Frh. von Jovanovie zum Militär-Commandanten in Zara und Statthalter
von Dalmatien zu ernennen. Seine nächste Aufgabe auf diesem Posten war es,
den nach zwölfjähriger Buhe in Süd-Dalmatien anlässlich tl eilweiser Unruhen in
der Hercegovina gegen Ende des Jahres 1881 auch in ersterem Gebiete wieder
ausgebrochenen Aufstand der Krivosijaner niederzuwerfen. Durch eine von der
Küste aus den Bocche di Cattaro und gleichzeitig aus der Hercegovina über
den Orion ausgeführte Operation, dann durch die Gefechte in der Krivosije am
8., 9. und 10. März 1882 warf FML. Frh. von Jovanovie .den Aufstand in Süd-
Dalmatien und in der Folge auch in der Hercegovina nieder, führte das Land-
wehrgesetz in Süd-Dahnalien, gegen welches sich der Aufstand der Krivosijaner
neuerdings gerichtet hatte, nunmehr mit eiserner Strenge durch und stellte über-
haupt in jenen Gebieten nicht allein die volle Autorität des Gesetzes her, sondern
bewirkte auch die bedingungslose Unterwerfung der Bewohner unter die Staats-
hoheit der Monarchie für alle Zeiten.
Seine Majestät der Kaiser geruhte dem FML. Frh. von Jovanovie für die
hiodureh vollbrachte Leistung am 29. Juni 1882 das Großkreuz des Leopold-
Ordens mit der Kriegsdecoration zu verleihen und ihn am 28. December des-
selben Jahres zum Oberst-Inhaber des 13. Infanterie-Regiments zu ernennen.
Das weitere Wirken des FML. Frh. von Jovanovie in den Jahren 1882 bis 1885
galt neben seiner Thätigkeit als Militär-Commandant hauptsächlich der Civil-
Administration von Dalmatien. In dieser Wirkungssphäre, welche in dem knappen
Rahmen dieses Werkes keinen Raum finden kann, begann FML. Frh. von Jovanovie
auch auf politischem Gebiete »««in groß angelegtes Wesen im Dienste der gesammt-
staatlicheri Ideen der Monarchie zu erdfalten, als ihn am 8. December 1885
jählings der Tod ereilte. Vorzeitig verlor in ihm das Heer einen seiner hervor-
ragend befähigten Generale, überdies Thron und Vaterland nicht nur den Eroberer
der Hercegovina und Bezwinger der Krivosije, sondern auch einen durch seine
ganze Individualität insbesondere für die wichtigen Gebiete im Südosten der
Monarchie berufenen Heerführer.
Digitized by Google
Ritler des M. T.-O. Ladislaus C.raf Siap.-iry.
481
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Ladislaus Graf Szäpäry.
(Mit Bildnis aus dem "Jahre 1878.)
Graf Szäpäry wurde zu Pesth am 22. November 1831 geboren und
trat am 13. April 1848 in die k. k. Armee ein. Er wurde Lieutenant bei dem
Husaren-Regiment Nr. 7 und rückte in demselben zum Ober lieutenant, sodann
im Husaren-Regimente Nr. 12 zum Rittmeister II. und I. Glasse vor. In letzterer
Charge diente Graf Szäpäry einige Zeit im Adjutanten-Corps. Darauf ward er
Major im Uhlanen-Regiment Nr. 1 und kam in der Folge als Oberstlieutenant
zum Husaren-Regiment Nr. 13. Als Rittmeister war Graf Szäpäry durch länger als
anderthalb Jahre, als Oberstlieutenant durch ein Jahr und vier Monate Flügel-
Adjutant Seiner Majestät des Kaisers. Darauf ward er Oberst und Regiments-
Commandant des 13. Husaren-Regiments.
Graf Szäpäry hat alle österreichischen Feldzüge in Italien seit dem Jahre 1848
mitgemacht
Im Kriege gegen Piemont 1848/49 kämpfte er in dem Feldzuge 1848
mit dem 7. Husaren-Regiment als Lieutenant bei dem Angriff auf Montanara
und Curtatoneam29. Mai, bei der Einnahme von Vicenza am 10. Juni, in den
Kämpfen bei Sona und Sommacampagna am 23. Juli, in der Schlacht bei
Custozza am 25. Juli, in dem Nachtgefechte bei Volta am 26. und 27. Juli, in
dem Gefechte bei Gremona am 30. Juli und in den Gefechten bei Mailand am
4. und 5. August.
Im Feldzuge 1849 nahm Graf Szäpäry theil an dem Gefechte am Gravellone
am 20. März, an den Schlachten bei Mortara am 21. März, bei Novara am
23. März, an der Cemierung und dem Angriffe Livornos vom 9. bis 11. Mai, an
der Verfolgung der Garibaldischen Freischaren bis Urbino und während dieser
Expedition an dem Gefechte bei Monterchi am 12. Juni.
Den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Italien im Jahre 1859
machte Graf Szäpäry als Major mit dem 1. Uhlanen-Regiment mit und kämpfte
bei mehreren Vorpostengefechten an der Sesia vom 9. bis 22. Mai, in den Treffen
hei Palestro am 30. und 31. Mai, in der Affaire bei Vespolate und Olengo am
2. Juni und in den Schlachten b*>i Magenta am 4. Juni und bei Solferino am
24. Juni. Für seine Leistungen in diesem Kriege wurde dem Major Grafen Szäpäry
die Allerhöchste belobende Anerkennung zutheil.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 1866 machte Graf
Szäpäry den Feldzug in Italien als Oberst und Regiments-Commandant des
13. Husaren-Kegiments mit. Er leitete in Flanke und Rücken der Süd-Armee die
Überwachung der Po-Linie vom 22. bis 28. Juni, betheiligte sich sodann an der
Streifung der Reserve-Cavallerie unter GM. Pulz auf dem rechten Mine io- Ufer
und kämpfte dabei in dem Reiter-Gefechte bei Med ole am 2. Juli. Bei dem Rück-
züge der Süd-Armee aus Italien befehligte Oberst Graf Szäpäry die aus seinem
Milit&mcfa.r Mtrü Th.>re»ien-Or.l«ii. 31
Digitized by Google
4-82 CLXX. Promotion. Insurrections-K&tnpfe 1869 uud 1«7«. — Bosnien-Hercegovina.
13. Husaren-Regiment und dem 10. Feldjäger-Bataillon bestehende Arrierejranle
vom Mincio bis hinter die Piave. Für die vorzüglichen und verdienstvollen
Leistungen in diesem Feldzuge wurde Oberst Graf Szäpäry mit dem Milttär-
Verdienstkreuze mit der Kriegs-Deeoration ausgezeichnet.
Seit dem 23. April 1809 Generalmajor und Cavallerie-Bi igadier. seit
dem 11. November 1874 Feldmarschall-Lieutenant und Oommandant der
XX. Infanterie-Truppen-Division, wurde FML. Graf Szäpäry im Jahre 1876 lYu
hervorragende Leistungen während der Überschwemmung zu Budapest mit dem
Orden der Eisernen Krone IL Classe ausgezeichnet.
Bei der Oecupation von Bosnien und der Hercego vina im Jahre 1S7S
machte FML. Graf Szäpäry, anfangs mit seiner XX. Infanterie-Truppen-Division in
das XIII. Armee-Corps eingetheilt. den Feldzug in Bosnien mit. Gemäß den Dispo-
sitionen lies Corps-Comniandanten FZM. Frh. von Philippovic halte FML. Graf
Szäpäry mit der 40. Infanterie-Brigade und den Divisions-Reserven die Save bei
Samac zu übersetzen, den Kreis Zvornik zu pacilicieren. über Dolnja Tuzla auf
Zvornik vorzurücken, dann bei dieser Stadt eine beobachtende Stellung gegen
Serbien einzunehmen und mit einem entsprechenden Truppentheile über Vluse-
nica die Verbindung mit der von Brod über Sarajevo vorrückenden Haupt-
Colonne herzustellen.
FML. Graf Szäpäry überschritt am 31. Juli bei Samac die Save. Elementare
Wetternnbilden und äußerst schlechte C.ommunications-Verhällnisse setzten jedo« Ii
seinem Vormärsche um so größere Hindernisse entgegen, als der Train an 1 1 00
Wagen zählte und streckenweise ganze Bataillone aufgeboten werden niussten.
um denselben vorwärts zu bringen. Infolge dessen waren Truppen wie Bespan-
nungen bald so erschöpft, dass FML. Graf Szäpäry bis zum 0. August nicht über
Gracanica hinaus vorzurücken vermochte. Ein in diesem Orte am 1. August mit
starker Hand niedergeworfener Aufstandsversuch. Nachrichten von der Haupl-
Golonne im Bosna-Thale. sowie Feindseligkeiten der Bevölkerung gegen die von
FML. Grafen Szäpäry ausgesendeten Cavallerie-Patrouillen ließen ihn erkennen,
dass auch er mit der XX. Division auf einen desto heftigeren Widerstand stoßen
werde, je mehr sich seine Vorrückung verzögerte. Trotzdem der Zustand der
Truppen und Bespannungen eine Erholung für dieselben dringend noth wendig
erscheinen ließ, setzte er dennoch ohne Rücksicht darauf seine Vorrückung fort.
Am 7. August kam die Division nach Dubosniea, am 8- bis über Man
Pirkovac. wo ein Scharmützel gegen Insurgenten stattfand. Erst am \). gelangte
sie unter fortwährendem Geplänkel vor Dolnja Tuzla. und zwar mit zusammen
.V/j Bataillonen, 1 Escadron und 21 Geschützen.
Vor Tuzla entspann sieh gegen I Uhr mittags ein heftiges Gefecht, welches
bis zum Abend andauerte. Die Insurgenten erschienen sehr zahlreich auf den Thal-
begleitungen, daher fast alle Truppen engagiert wurden. Das Resultat des Kampfes
war, dass der Feind vom rei hten Flügel des FML. Grafen Szäpäry zurückgedrängt
wurde, während sich sein linker Flügel gegen die Übermacht der Insurgenten
behauptete.
Digitized by Google
^ Digitized by Google
Digitized by Googl
485
iLf..
\\ ii kung, dass die Insurgenten,
"i. liiert wurden, ihren ünter-
j-tindlichen Verlusten bis nach
I i n Situation trafen den FML.
nmiandos, welche auf eine
' ups gegen Dolnja-Tuzla
riien mit einem Vernichtungs-
.V ~ .
mit den bei Doboj verfüg-
G:
;'••■'•-'->_ .
ii'j :
•- -.
ll.it'.- j
Wü-
hl di.
die V.
interie-Brigade — den Vor-
iv, »r noch durch das in der
1 1 Kecognoscierungsgefecht
-urgenten gegenüber den
: ;im 17. jedoch hatte sich
^ Tages Gracanica von
■iiia statt, wie denn das
•i Szdpäry in steter Füh-
- I izla knapp gegenüber
fahr: _• .
dem IV. Armee-Corps
i festgesetzt.
Insurgenten jedoch
dank den wohl-
'<!^"'u ^ ( ■ j »tember zur selben
(,r;tc;i' i -erische Tliätigkeit
frwilc,J.i - mdant FML. Graf
Nc : — urrection im nord-
1 1 . Au;; . •- •
rnit d,': .-fSft Verluste ge-
^: - - und Kampfes-
geschilderten
Ort und - - . LToßen Theile
• - Kräfte, dann
eeWl^&- :, : III. Armee-
lang^ \\r_ henNach-
in den F.«u..- . i luptkraft
Verbinde _ren das
worden : ^ .
Doboj sta-.v^. ^ . " - die
FML r^ ;ber
Digitized by Google
Ritter des M. T U. Ladislaus Graf Szäpäry.
183
Der Kampf an diesem Tage führte zur Erkenntnis, das«? FML. Graf Szäpärv
es mit einem der Zahl nach starken Gegner zu thun hatte, der durch das Terrain
begünstigt, hartnäckigen Widerstand leistete. Aus der Art der Verteidigung, dem
correeten .Schießen der Artillerie gieng unzweifelhaft hervor, dass nicht allein
Insurgenten, sondern auch reguläres türkisches Militär auf Seite des Gegners
fochten. Dies alles erwägend, wollte FML. Graf Szäpäry dennoch die ihm
gestellte Aufgabe lösen und beschloss. den K;impf am nächsten Tage fortzu-
setzen. Das Gefecht am 10. August währte von Tagesanbruch bis in die sinkende
Nacht. Am linken Flügel, der bis vor Dolnja Tuzla gelangte, wurden die Insur-
genten geworfen, während sie durch ihre Übermacht den rechten Flügel zurück-
drängten und dadurch erkennen ließen, dass sie der Division den Rückzug auf
Gracanica verlegen wollten.
Die Insurgenten erschienen an diesem Tage zahlreicher als am vorher-
gehenden. Es war vorauszusehen, dass sie sich im Verlaufe des nächsten Tages
noch verstärken würden. Längs der ganzen Linie, welche der Train einnahm,
wurden Angriffe der Insurgenten gemeldet.
Es war nun of renbar, dass der ganze Landstrich, in welchem sich die Division
befand, insurgiert war. Wenn es auch gelungen wäre, Tuzla zu nehmen, so
hätte doch die Etapenlinie über Brcka erst erkämpft werden müssen, was mit
den wenigen Bataillonen, die FML. Graf Szäpäry zur Verfügung hatte, nicht durch-
führbar war.
Er beschloss demnach den Rückzug und zwar über Gracanica nach Doboj,
was er noch im Laufe des 10. August telegraphisch dem Corps-Commando meldete.
In dieser Richtung zurückzugehen, bestimmte ihn der Umstand, dass nur dadurch
die Verbindungslinie der im Bosna-Thale bereits über Doboj hinaus vorgedrun-
genen Haupt-Colonne mit Brod gesichert werden konnte, das Rückweichen von
Gracanica nach Samac aber die Nachschubslinie der Haupt-Colonne den Insur-
genten vollkommen preisgegeben haben würde«
Nach einem sehr beschwerlichen Nachtmarsche gelangte die Division am
1 1. August nach Dubosnica. am 12. unter fortgesetztem Gefecht der Nachhut
mit den Insurgenten, nach Gracanica.
Der 12. August verlief ruhig. FML. Gral Szdpär> hatte die Absicht, »»so-
lange bei Gracanica zu verbleiben, als sich die Insurrektion nicht über diesen
Ort und im Rücken der Division ausbreitete.
Der von den Insurgenten am 13. unternommene Angriff wurde zwar zurück-
gewiesen, doch ließ derselbe die Gefahr erkennen, welche der Division durch ein
längeres Verharren bei Gracanica drohte, indem die Insurgenten Zeit gewannen,
in den Flanken und Rücken hinreichende Kräfte zu sammeln. Dadurch wären die
Verbindungen des FML. Grafen Szäpäry nach allen Richtungen unterbrochen
worden und hätte auf einen geregelten Verpilegs-Naehschub, der nur mehr von
Doboj stattfinden konnte, nicht gerechnet werden können.
FML. Graf Szäpäry setzte dalier, nachdem er den Train am 13. nachmittags
vorausgesendet hatte, am 14. den Rückzug nach Doboj fort. Am 15. August
3f
Digitized by Google
484 CLXX. Promotion. Insurrectiong-Klmpfe 1*69 und 1S78. - Bosnien- Uercegovina.
nachmittags passierte der letzte Wagen des ungeheueren Trains die inzwischen
über die Bosna geschlagene Brücke, ohne dass ein Wagen verloren gegangen war.
Da dem FML. Grafen Szdpdry nur zwei Bataillone auf dem Friedensstande als erste
Verstärkung zudisponiert werden konnten, so reichten zur Besetzung der Stellung
auf dem rechten Bosna-Ufer die ihm zur Disposition gestellten Truppen nicht hin.
Trotz der Ungunst des Terrains, der großen Ausdehnung der Stellung,
mit einem Flusse im Rücken, über welchen nur eine Nothbrücke führte, die durch
jedes Hochwasser weggeschwemmt werden konnte — dieselbe wurde auch Ende
September durch plötzlich eingetretenes Hochwasser thatsachlich weggeschwemmt
— beschloss FML. Graf Szdpdry, auf dem rechten Ufer zu verbleiben, weil ein
Aufgeben desselben als gleichbedeutend mit dem Preisgeben der Linie Brood-
Sarajevo anzusehen war. Vom rechten Ufer konnte nämlich die Straße
Kotorsko-Doboj-Maglaj, die dort im Gewehrertrage längs des linken Ufers
hinzieht, derart unter Feuer genommen werden, dass eine Bewegung mit Truppen
und Trains auf derselben nach keiner Richtung möglich gewesen wäre.
In der Aufstellung am rechten Bosna-Ufer, welche nach und nach von den
Truppen durch Jägergräben und sonst flüchtig befestigt worden, wurden am
15., 16., 19., 20., 23., 20., 30. August, dann am 1. und 2. September wiederholte
Angriffe der Insurgenten blutig zurückgewiesen.
Da Kundschaftsnachrichten eine Ansammlung von Insurgenten im oberen
Usora-Thule avisierten, so musste FML. Graf Szdpdry auch auf dem linken Ufer
Vorkehrungen treffen, um einem etwaigen Angriffe begegnen zu können. Er ließ
dort zu diesem Zwecke flüchtige Werke aufführen und diese mit 1 Bataillon besetzen.
Bis zum Eintreffen der in Aussicht gestellten Verstärkung der Division war
aber ;in ein Ergreifen der Offensive nicht zu denken. Das Corps-Commando wies
den FML. Grafen Szdpdry an, sich bis zum Eintreffen der Verstärkungen defensiv
zu verhalten.
Ende August begannen die Insurgenten den Bau von Batterien.
Anfangs September war eine feindliche Bewegung auf der Straße gegen
Maglaj wahrzunehmen. Der Zweck derselben war offenbar die Unterbrechung der
Verbindung zwischen Doboj und Maglaj.
Am 20. August war inzwischen FML. Graf Szdpdry mit dem Gommando des
III. Armee-Corps betraut worden, welches sich aus der XX., I. und IV. Infanterie-
Truppen-Divi<i«.ii bei Doboj zu bilden hatte. Am 3. September traf nun die zur
IV. Infanterie-Truppen-Division gehörige 8. Infanterie-Brigade, am 4. September
der Rest dieser Division bei Doboj ein.
Hiedurch war FML. Graf Szdpdry in die Lage gesetzt, dem Feinde in seiner
neuen Unternehmung zu begegnen.
Am 4. und 5. September wurde derselbe energisch und erfolgreich
angegriffen.
Die vom FML. Grafen Szdpdry eingeleiteten und mit allem Nachdrucke, haupt-
sächlich «regen den entscheidenden Punkt, gegen den feindlichen linken Flügel,
gerichteten und für den Feind außergewöhnlich verlustreichen Offensivstöße
Digitized by Googl
V
Ritter des M. T.-O. Ladislaus Graf S2iipary.
485
waren von so entscheidender und nachhaltiger Wirkung, dass die Insurgenten,
obwohl stark an Zahl, in hohem Grade eingeschüchtert wurden, ihren Unter-
nehmungsgeist völlig einbüßten und sich nach empfindlichen Verlusten bis nach
Gracanica zurückzogen.
In dieser, weiteren sicheren Erfolg verheißenden Situation trafen den FML.
Grafen Szäpäry die Weisrungen des II. Armee - Gommandos. welche auf eine
gemeinsame kräftige Action des III. und IV. Armee-Corps gegen Dolnja -Tuzla
abzielten, um so der Insurrection im nordöstlichen Bosnien mit einem Vernichtungs-
schlage das Ende zu bereiten.
Am 17. September begann FML. Graf Szäpary mit den bei Doboj verfüg-
baren Kräften - IV. Division und Theile der 10. Infanterie-Brigade — den Vor-
marsch im Spreea-Thale. Am 15. September war zuvor noch durch das in der
Stellung bei Doboj befindliche 1. Feldjäger-Bataillon ein Recognoscierungsgefecht
durchgeführt worden, welches die Anwesenheit der Insurgenten gegenüber den
Truppen des III. Armee-Corps noch blutig constatierte; am 17. jedoch hatte sich
der Gegner zurückgezogen, und wurde am Abende dieses Tages Gracanica von
2 Bataillonen besetzt.
Am 18. fand ein Gefecht der Vortruppen bei Gluhina statt, wie denn das
am 21. bis Han Pirkovac gelangte Gros des FML Grafen Szäpary in steter Füh-
lung mit dem Feinde blieb und sich westlich Dolnja Tu'zla knapp gegenüber
dieser Stadt befand.
Wegen der anbefohlenen gleichzeitigen Action mit dem IV. Armee-Corps
wurde der Angriff auf Dolnja Tuzla für den 2*3. September festgesetzt.
In der Nacht vom 21. zum 22. September räumten die Insurgenten jedoch
ihre Stellung westlich Tuzla und beide Armee-Corps rückten — dank den wohl-
t ombinierten Bewegungen des III. Armee-Corps — am 23. September zur selben
Stunde, II Uhr vormittags, in Dolnja Tuzla ein, womit die kriegerische Thätigkeit
jenes Theiles des III. Armee-Corps, welchen der Corps-Commandant FML. Graf
Szäpäry persönlich leitete, ebenso ihr Ende erreichte, wie die Insurrection im nord-
östlichen Bosnien.
Dass dies in letzter Linie ohne hartnäckige Kämpfe und große Verluste ge-
schehen konnte, dass überhaupt die Insurrection rasch an Thatkraft und Kampfes-
lust nachließ, dass der Occupationszweck im letzten Stadium der geschilderten
Action fast unblutig und dennoch sicher erreicht wurde, muss zum großen Theile
auf den hartnäckigen Widerstand der XX. Division gegen überlegene Kräfte, dann
auf die physische und moralische Wirkung der siegreichen Kämpfe des III. Armee-
Corps am 4. und 5. September zurückgeführt werden, denn alle verlässlichen Nach-
richten stimmten darin überein, dass sich im nordöstlichen Bosnien die Hauptkraft
der Insurgenten gegen Ende August und in der ersten Hälfte September gegen das
III. Armee-Corps gewendet hatte.
Der Armee-Commandant FZM. Frh. von Philippovie charakterisierte die
vom FML. Grafen Szäpäry entwickelte Thätigkeit in dem. dem letzteren hierüber
ausgestellten Zeugnisse folgendermaßen:
Digitized by Google
Digitized by Google
Digitized by Google
|8f> CLXX. Promotion. - rnsurrec»ioin=-K&mprp JSf.O und 187*. BosnietiHercogevina.
„Ich bestätige das vom Herrn Feldmarschall-Lieutenant Grafen Szäpäry
verfasste Species facti, der aufhabenden Pflicht gemäß in allen Theilen und füge
insbesondere bei, dass das Festhalten des rechten Bnsna-Ufers bei Dobuj eiiiH
sehr verdienstvolle Handlung war, welche zum Gesammterfolg wesentlichst
beitrug und selben kräftigst förderte."
Auf Grund der durch die hartnäckige Vertheidiguug Dobojs vollbrachten
Wallenthal geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener Groß-
meister des Maria Theresien-Ordens über Votum des Ordens-Capitels kraft Pro-
motion CLXX vom 2. Mai 1879 den FML. Ladislaus Grafen Szäpäry durch Ver-
leihung des Kleinkreuzes zum Kitter des Maria Theresien-Ordens zu
promovieren.
Für die während des Oecupations-Feldzuges vollbrachten hervorragenden
Leistungen war FML. Graf Szäpäry schon zuvor am 20. (Jetober 1S7S mit dem
Commandeurkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecorat ion aus-
gezeichnet worden.
Nach dem Oecupations-Feldzuge wurde FML. Graf Szäpäry am 19. Odober
1878 zum Militär-Commandanten '.n Teniesvär, am S. November 1878 zum Militär-
Conunandant.cn in Kaschau ernannt. Im Jahre 1881 ward er mit der Geheimen
Raths würde bekleidet.
Am 21. April 1882 geruhte ihm Seine Majestät der Kaiser den Charakter
eines Generals der Cavallerie <ul honores zu verleihen und am 28. December
1882 ihn zum Oberst-Inhaber des 40. Infanterie-Regiments zu ernennen.
Kurze Zeit darauf — 28. September 1883 starb GdC. Graf Szäpäry
frühzeitigen Todes in Press bürg.
Ritter des Maria Theresien-Ordens
Joseph Freiherr Veesey de Vecse et Böröllyö-Isagfa.
(Mit Bildnis ans .l.-in .lahn- 1878.)
Joseph von Versey wurde zu Koinorii am 22. Mai 1822 geboren und betrat
frühzeitig die Militär-Lauf bahn, indem er am 10. Ortober 1837 bei dem 21. Infan-
terie-Regiment als Regiment s-Cadet eintrat. Nachdem er die Cadet en-Com-
pagnie in Graz absolviert hatte, wurde er am 1 . September 18:19 zum 14. Infanterie-
Regiment transferiert, in demselben am I.Jänner lSl-1 zum Lieutenant II. Classe.
im :!<>. .Irmnei Isli; zum Lieutenant 1. Classe befördert, in welcher Charge er
den Dienst bei der ( lompagnie und im Jahre ISIS als Bataillons-Adjutant ver-
richtete.
Fr machte den Krieg geg. u Pieinont in Italien 1S18/19 mit, und zwar im
Feldzuge '181-8: Rie Gefechte hei Pontafel am 19. und 23. April, dann die Cer-
nierung vonOsoppo vorn 27. April bis 9. 0< tober. Während dieses Feldzuges
am 1. August 1818 zum () hei l ie utenaii t befördert, betheiligte er sich im Feld-
zuge iSR.t an der Blockade von Venedig vom 18. Juli bis lö. August.
Digitized by Googl
I
Digitized by Google
SENKOVIC -BANDIN t ODZIAK ) 21.SKPTEMBEK 1878
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Jost^th Fn-iherr Vecsey de Wcse et HüröllyO-IstiKfa.
487
Am S. Juni 1850 zum foneral-Quartiermeister-Sfabe transferiert, erfolgte
noch in demselben Jahre am 18. November seine Beförderung zum Hauptmann
II. ('.lasse, am 20. Juli 185Ö zum Hauptmann I. Classe.
Den Krieg gegen Frankreich und Piemont in Midien im Jahre 1859
machte von Vecsey anfangs als Hauptmann und nach seiner am 22. Mai 1859
erfolgten Beförderung als Major im General-Quartiermeister-Stabe, und zwar zuerst
im Hauptquartier des IX. Armee-Corps, sodann in jenem der I. Armee mit. Auf
letzterem Dienstposten Ihat. er sich durch seine Leistungen in der Schlacht bei
So! ferino am 21. Juni hervor und wurde hiefür am 15. August 1859 mit der
Allerhöchsten belobenden Anerkennung ausgezeichnet.
Am 7. Jänner 1865 rückte von Vecsev zum Oberstlieutenant, am
1 1. Juni 1866 zum Obersten empor.
Im Kriege gegen Preußen und Italien im Jahre 18CC machte er den
Feld/.ug in Italien im (ieneralslabe des Armee-Hauptquartiers und in dieserDienstes-
verwendung am h die Schlacht bei Cnstozza am 21. Juni mit und wurde für seine
Leistungen am 18. Juli durch das Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegs-
Dei oration ausgezeichnet.
Mit der Süd-Armee von Italien an die Donau versetzt, hetheiligte sich
Obersl von Vecsey in diesem Kriege auch an dem Feldzuge gegen Preußen, ohne
dass er jedoch mehr ins Gefecht kam.
Am Lt. November 1866 wurde er zum Generalstabschef bei dem Ceneral-
Commamio in Wien ernannt, am 23. April 1869 zum 8. Infanlerie-Kegiment
übersetzt. Am 28. April folgte seine Ernennung zum Heserve-Commandanten. Am
15. September 1869 als Regiments-* iommandant zum 13. Infanterie-Regiment
übersetzt, wurde er am 31. October 1872 zum Commandanten der 1. Infanterie-
Brigade ernannt und auf diesem Dienstesposlen am 29. Od ober 1873 zum
Generalmajor befördert. Am 21. August 1878 erfolgte seine Ernennung zum
Commandanten der I. Infanterie-Truppen-Division.
Während der Occupation in Bosnien und der Hercegovina im
Jahre 1878 machte von Vecsey an der Spitze dieser Division — am 15. Sep-
tember 1878 zum Feldmarsehai I-Lieutenaiit befördert — den Feldzug in
Bus uien mit.
Die I. Truppen - Division, welche zu den behufs Verstärkung des
XIII. Armee-Corps nach Bosnien nachrückenden Truppen zählte, erhielt vom
II. Armee-Cornmando die Bestimmung, den Aufstand im Südosten Bosniens
niederzuwerfen. Nachdem die Division um Mitte September in Sarajevo voll-
ständig eingetroffen war, brach FML. von Vecsey von dort am 19. auf, ver-
einigte sich in Mokro mit Theilen der VI. Division und marschierte noch an dem-
selben Tage auf der Born an ja Planina weiter, wo die Truppen vorwärts der an»
Westramie dieses Gebirgsstoekes angelegten Befestigungen, bei Hau na Romauja
das Bivouac bezogen.
FML. von Vecsey vereinigte unter seinem Befehle 11 Bataillone, eine
halbe Escadron. 12 Gebirgsgesdiütze mit einem Gefechtsstande von 7700 Mann.
Digitized by Google
488 CLXX. Promotion. — Iiisurrections-Kflmpfe 1869 und 1878. - Bosnien-Hercegovina.
Am 20. stellten die von dem Generalstabe der I. Division vorgenommenen
Recognoscierungen, sowie die persönlichen Beobachtungen des FML. von Vecsey
in Bestätigung der bereits von dem Annee-Commando gesammelten Kundsehafts-
nachrichten fest, dass die Insurgenten in mehreren, durch zahlreiche Zelte — am
Abend durch Wachl'euer — markierten Lagern bei Bandin (Odziak) standen und
« cheral der nach Rogatica fülu enden Straße die Abfalle jener Höhen besetzt
hielten, welche im Südosten der Hochebene von Glasinac anstiegen. Die Insur-
genten standen in einer durch die Natur ganz besonders begünstigten, überdies
durch Verschanzungen verstärkten Stellung zum Kampfe bereit.
Kundschafter und Landbewohner sagten übereinstimmend aus, dass diese
verschanzten und mit Geschützen armierten Höhen von mindestens 7000 Insur-
genten besetzt waren, außerdem in der Gegend von Senkovid, welches als zu
weit abliegend nicht recognosciert werden konnte, gleichfalls ein Insurgentenlager
sich befand.
In Übereinstimmung mit den Directiven des Armee-Commandos erkannte
FML. von Vecsey, dass die infolge der Terraingestaltung geradezu formidable
Position der Insurgenten nur durch Umgehung, beziehungsweise durch Flanken-
angriffe genommen werden konnte. Der Schlüsselpunkt der gegnerischen Stellung
war deren rechter Flügel nächst Bandin (Odziak i, indem derselbe auf einer
Höhe stand, welche einen weiten Unfkreis, sowie auch die Milte der feindlichen
Aulstellung dominierte. Außerdem lag dieser Flügel der natürlichen Rückzugslinie
der Insurgenten — Rogatica und Visegrad — so nahe, dass ein umfassender
kräftiger Angriff auf diesen Flügel möglicherweise dem Gegner den Rückzug in
jener Richtung verlegen, eventuell demselben eine Katastrophe bereiten konnte.
Nachdem jedoch die Bewegungen jener Truppen, welche nächst Hau pod
Romanja auf die Visocina oder Hochebene von Glasinac debouchiert wären,
von den Insurgenten gänzlich hätten eingesehen werden können, erschien es dein
FML. von Vecsey als eine Milbeuingung des Gelingens seiner Aufgabe, die Vor-
rückung seiner Division in eine gedeckte Aufstellung unmittelbar vor der feind-
lichen Position, während der Nacht durchzuführen. Ks konnte dies gegenüber den
Insurgenten umso eher unternommen werden, als dieselben erfahrungsgemäß bei
Nacht niemals Patrouillen aussandten, und überdies die Voraussetzung berechtigt
erschien, selbst den Gegner am anderen Morgen überraschend angreifen zu
können.
Auf Grund vorstehender Wahrnehmungen und Erwägungen beschloss FML.
von Vecsey, den Angriff am 21. in drei Colonnen auszuführen, dieselben aber
schon am Nachmittag des 20. und in der Nacht auf den 21. thunlichst nahe gegen
den Feind vorzuschieben.
Demgemäß ließ er als linke Flügel-Colonne ~> Bataillone mit einer Gebirgs-
Balterie unter Obersten König um 4 Uhr nachmittag; von Ilan na Romanja mit
der Weisung aufbrechen, von der Straße abbiegend, auf einem Waldwege bis
nächst Baltiei zu marschieren, dort bis 1 Uhr nachts zu ruhen, zu dieser Stunde —
es war um diese Zeit auf Mondschein zu rechnen — die Vorwärtsbewegung auf
Digitized by Google
Ritter des M. T.-O. Joseph Freiherr Vecsey de Vecse et BörflUyClsAgfa.
ISO
Bandin (OdZiak) und um 7 Uhr früh das Gefecht selbst zu beginnen. Als Auf-
gabe wurde der Colonne König gestellt, die dominierende Höbe zu gewinnen,
hauptsächlich aber zwischen Bandin (Odziaki und Senkovic einzudringen und
so die Insurgenten zum Verlassen der besetzten Höhe (Oitluci Mladi) zu
zwingen. Gleichzeitig wurde dem Obersten König niitgetheilt, dass die Mittel
colonne sich a cheral der Straße Han na Romanja -Rogatica entwickeln und
durch ein hinhaltendes Gefecht in der Front den Angriff seiner Colonne
erleichtern werde.
Als rechte Flügel-( '.olonne, entsendete FML. von Vecsey 3 Bataillone.
0 Husaren und eine Gebirgs-Batterie unter Obersten Rakasovic um 3 Uhr nach-
mittags mit dem Befehle, über Mrvise. in die Gegend von Bjelosavic zu mar-
schieren, dort Nachtruhe zu halten, gleichfalls um 1 Uhr nachts aufzubrechen,
über Han Kapic den dort, von der Straße Han na Romanja-Rogatica gegen
Senkovi6 abbiegenden Weg zu gewinnen und festzuhalten, um die sich eventuell
auf Visegrad zurückziehenden Insurgenten aufzureiben, oder aber nach Umstanden
mit einem Theile der Kraft, ä cheral der Straße Rogatica-Han na Romanja, dem
Kanonendonner nach, gegen den Rücken der Insurgenten vorzurücken und
durch geschicktes Eingreifen an Ort und Stelle, je nach der Lage des Gefechtes,
deren Rückzug zu vereiteln oder doch thunlichst zu erschweren.
Endlich schob FMK. von Vecsey als Mittel-Colonne 3 Bataillone, einen
Zug Husaren und eine Gebirgs-Batterie unter Obersten Frh. von Pittel um 0 Uhr
abends aus dem Bivoauc bei Han na Romanja auf der Straße vor und ließ diese
Colonne vor dem Debouche östlich Han pod Ramanja Nachtruhe halten.
Dieselbe hatte um 3 Uhr morgens aufzubrechen, längs der Straße weiter vorzu-
rücken und auf den seitens des FML. von Vecsey erfolgenden Befehl sich
beiderseits derselben zum Gefecht zu entwickeln.
Dank diesen wohlcombinierten Dispositionen des FML. von Vecsey vollzogen
sich bei sämmtlichen Colonnen. trotz des Nachtmarsches der Flügel-Colonrien
in schwierigem Karst- und Waldterrain, sowohl die einleitende Bewegung vom
20. auf den 21., als der Angriff selbst am 21. mit musterhafter Präcisipn.
Die linke Flügel-Colonne, mit welcher FML. von Vecsey von der Mitte aus
um 5 Uhr 30 Minuten früh die Verbindung herstellte, eröffnete um 7 Uhr 20 Mi-
nuten das Gefecht, gewann langsam aber unaufhaltsam Terrain und hatte um
10 Uhr vormittags die verschanzte Höhe am rechten Flügel der Insurgenten
deren Schlüsselpunkt — genommen.
Die Mittel-Colonne ließ FML. von Vecsey mit 2 Bataillonen — ein Bataillon
als Reserve zu seiner Disposition behaltend — derart vorrücken, dass dieselben
um 8 Uhr das hinhaltende Gefecht gegen das Centrum des Gegners, gleichfalls
eine verschanzte Höhe — bei Kula Tankovic — begannen.
Gegen 1 1 Uhr vormittags besetzte eine Abtheilung dieser Colonne das um
jene Zeit vom Gegner geräumte verschanzte Lager im Centrum.
Die rechte Flügel-Colonne hatte, nachdem sie ungeachtet weit ausgreifender
Umgehung schon nach 5 Uhr früh auf Golo Brdo westlich von Han Kapic, in
Digitized by Google
400 CLXX. Promolion. InsurrectionsKfimjdV tRfif» und 1S7S. - Bosnien Herceguvina.
den Bücken dos feindlichen linken Flügels auf dem Vit .inj -Berge, gelangt war.
nach zweistündigem Zuwarten ihre Action begonnen und um 8 Uhr 30 Minuten
ä cheml der Straße gegen den Vitanj-Borg und das Hahar Brdo das Gefecht
eröffnet. Diese Golonne beherrschte die Straße nach Bogatica und that, nach
Zurückweisung eines Gegenangriffes seitens eines der Insurgentenhaufen, zunächst
den übrigen vor der linken Flügel-Golonno fliehenden Haufen großen Abbruch.
Einige detachierte Abiheilungen der rechten Flügel -dolonne traten mit
Abiheilungen der Mittel-Golonnc. als diese den Vitanj-Berg angriffen, in Ver-
bindung. Dorthin halte sich eine mehrere Hundert Insurgenten starke Schar
in ein. den zurückgezogenen linken Flügel der feindlichen Position verstärkendes,
verschanztes Lager zurückgezogen und leistete verzweifelten Widerstand. Diese
Insurgentenschar wurde fast gänzlich aufgerieben.
Bei der Verfolgung der von der Mitte und dein rechten Flügel des Gegners
zwischen Scnkovic und Hau Kapic fliehenden I laufen wurden durch die Abthei-
lungen aller drei Golonuen gleichfalls sehr viele Insurgenten niedergestreckt.
Bei den nachträglichen Erhebungen wurde folgende Stärke und Vertheilung
der Streitkräfte der Insurgenten in «lein Treffen bei Senkovie-Bandin (Odziakt
constaliort : *i
Bechter Flügel gegenüber der Golonne Oberst König 2Ü00 bis :tOOO Mann
und I Geschütz: Gommandant llad/.i Hassan Kffeudi Krticic aus Zvornik itiel im
Gefecht . Sein Nachfolger war Muhamed Beg Besic aus Visegrad.
Gentium gegenüber den Golonuen der Obersten König und Frh. von Pittel
|.">00 bis 2000 Mann und 1 Geschütz, meistentheils Amanten ans Plevlje und
Kolasin: Gonimandant Ibraja Semsikadic, Bruder des Mufti von Taslidza.
Melienied Nureddin Seinsihadie.
Linker Flügel gegenüber den Golounen der Oberste Frh. von Pittel und von
Bakasovie. 2000 bis :$O00 Mann: Gommandaiit Mohamed Brankovic Beg aus
Kovanj. unterstützt von Omer Beg Sircic ans Gorazda. Letzterer hatte in dem
Kampfe den Tod gefunden. Auch auf diesem Theile des Gefechtsfeldes kämpften
Arnaiiten unter Führung des Nazif Fflondi, jüngeren Bruders des Mufti von
Taslidza.
Reserve: südöstlich Vitanj am Babar Brdo bei Habar gornji Obrtic 4-00 bis
r.oo Mann, zum großen Theile Arnaiiten unter Mohamed Beg Brankovic aus
Brankovic.
Das Ober-Commando über die sämmtlichen Streitkräfte der Insurgenten bei
Bandin führte Ismail Beg Sei m;i novic aus IMevlje. Schwiegersohn des Mufti
Pascha aus Sarajevo; dessen Stellvertreter war llad/.i Adein Vaisovic: beide
flüchteten sich über Gorazda nach Novibazar.
Die Gesammtstärke der Insurgenten belief sich somit auf Ö500 bis 9000 Mann,
2 Geschütze.
*; .!»i<! ' upulio: i Uo-ninis und d«?r H«:n'«v>viii:i durch k. und k. Tiupecn im Jahr«; 187$. *
l)niv. sl« flt durch die Ahllieilun^r für Krie^-^es« liic-h'e dos k. k Kri«'gs-Archivs. Wii-n 1879. Verlag
de~ k. k. lier.cr.ilstahes.
Digitized by Google
Ritter des M T.-0. Joseph Freiherr Verse) <te Vticse et BöröllyA lsagfA.
491
Die Verluste der k. k. Truppen beliefen sich auf 1-78 Mann und zwar
3 Officiere 81 Mann todt. 10 Offieiere 3ü5 Mann verwundet und UJ Mann
vermisst.
Von den Insurgenten waren rirra 300 auf dem Flatze geblieben und gegen
300 Verwundete sollen, wie bei der am Tage nach dem Gefechte erfolgten weiteren
Vorrüekung der Division in Krfahrung gebracht wurde, durch Rogatica allein bei
dem Rückzüge der Insurgenten durchgezogen sein.
In dem Treffen bei Senkt) vic-Rand in (Odziak: hatten sieb zum ersten-
male die durch reguläre kaiscrlieh-ottomanische Bataillone al bau es ist- hei
Nationalität (Amanten) verstärkten Insurgenten des Sandschaks Novibazar
mit den k. k. Truppen gemessen. Wie bei früheren Gelegenheiten kämpften die
hr-urgenten auch an diesem Tage mit fanatischer Tapferkeit bis zu dem Momente,
in welchem die Truppen, voll begeisterten Muthes und Todesverachtung, die
verschanzten Höben mit der blanken Walle eroberten. In diesem Gefechte wurden
die beiden feindlichen (Bogenzug-) Geschütze, welche sehr günstig placiert waren,
durch reguläre türkische Artilleristen mit anerkennenswerter Fräcision bedien!.
Auch wurde auf Seilen der Insurgenten im Vergleich mit der Munilionsver-
schwendung in früheren Gefechten eine unverkennbare Feuerdiseiplin beobachtet.
Der Krfolg des Tages sprach sieh außer durch die verhältnismäßig großen
Verluste, des Feindes auch noch durch die eroberten Trophäen aus, welche aus
zwei Geschützen, drei Fahnen, viel Artillerie- und Kleingewehr-Munition. Zelten
nebst einer großen Menge Froviant bestanden.
Dieser materielle Krfolg wurde durch die moralische Nachwirkung des ver-
nichtenden Schlages von Senkovic-Bandin (Odziak) auf den ganzen südöst-
lichen Theil von Bosnien und die dort sioh herumtreibenden übrigen Insurgenten-
Banden wesentlich erhöht. Dieselben stoben nach allen Bichtungen auseinander,
so dass die k. k. Truppen in diesem Theile des Oceupations-Gebietes nirgends
mehr auf Widerstand stießen und sowohl dessen Entwaffnung als Facilieatmn
anstandslos durchführen konnten.
Zugleich wurde nicht nur der Anschlag der Insurgenten auf die k. k. Truppen,
welche die Romanja Flanina besetzt hielten, sondern auch ihre Absichten auf
Sarajevo selbst vereitelt, überdies auf die kampflustige Bevölkerung des Sand-
schaks von Novibazar. ja sogar auf die kriegerischen und fanatischen Stämme
Albaniens eine heilsame Wirkung geübt. So war denn dieses Treffen ebenso von
militärischer als politischer Bedeutung; überdies wurde durch den dabei errungenen
Sieg der Glanz der k. k. Waffen, sowie deren ruhmvoller Ruf weithin nach dem
Osten verbreitet.
FML. von Vecsey erntete noch am Tage des Gefechtes von Senkovic-
Bandin (Odziak) mit seiner ganzen Division seitens des Armee-Commandanten
im Namen des Allerhöchsten Dienstes vollste Anerkennung.
Tags darauf geruhte Seine Majestät der Kaiser telegraphisch dem FML.
von Vecsey und seinen Truppen für den tapfer erkämpften Sieg die Allerhöchste
Anerkennung auszud rücken.
Digitized by Google
492 GLXX. Promoli<iii. — InsurrectionsK&mpfe 1869 uod 187R. Busoien-Hercegovina.
In der Folge geruhte Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. als Erhabener
Großmeister des Maria Theresien-Ordens kraft der Promotion CLXX vom 2. Mai
1879 den FML. Joseph Vecsey de Vecse et Böröllyö-Isägf'a für die Umsicht,
mit welcher er als selbständiger Commandant der I. Infanterie-Truppen-Division
das wichtige Gefecht von Senkovic-Bandin (Odziak) geleitet hatte, durch
Verleihung des Kleinkreuzes zum Ritter des Maria Theresien-Ordens
zu promovieren und ihn am 27. August 1879 statutengemäß in den Frei her rn-
stand zu erheben.
Am 27. September 1S82 wurde FML. Frh. von Vecsey dem General-Com-
mando in Graz zugetheilt.
Anlässlich der Vollendung seines fünfzigsten Dienstjahres am 11. Oc-
tober 1882 geruhte ihn Seine Majestät der Kaiser in Anerkennung seiner im
Frieden wie im Kriege ausgezeichneten Dienstleistung mit dem Commandeur-
Kreuze des Leopold-Ordens auszuzeichnen.
Mit Allerhöchster Entschließung vom 28. December desselben Jahres wurde
FML. Frh. von Vecsey zum Oberst-Inhaber des Infanterie-Regiments
Nr. 41 ernannt.
Am 1. Jänner 1883 erfolgte seine Ernennung zum Stellverteter des
Commandierenden Generalen in Graz und am (i. Juni desselben Jahres geruhte
ihm Seine Majestät die Würde eines Geheimen Rathes zu verleihen, worauf
am 17. December 1887 seine Übersetzung als Stellvertreter des Comman-
dierenden Generalen nach Budapest erfolgte.
Am 1. August 1888 wurde er über sein Ansuchen in den Ruhestand ver-
setzt, und ihm bei diesem Anlasse der Feldze ugmeister-Ch arakter ad honore*
verliehen, sowie weiter in Anerkennung seiner mehr als fünfzigjährigen effectiven,
im Frieden und im Kriege ausgezeichneten Dienstleistung der Ausdruck der
Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben.
FZM. Frh. von Vecsey starb am 3. März 1890 zu Graz.
Digitized by Google
Schlussbemerkungen.
493
Schlussbemerkungen.
Über Entstehen, Zweck und Ziel dieses Werkes gibt das «Vorwort" Ausschluss.
Dadurch erscheinen auch in der Hauptsache Inhalt wie Form bestimmt. Ober einige
Details der inneren Anordnung mögen nachfolgende Bemerkungen orientieren.
Für patriotisches Fühlen bedarf es keiner Erklärung, keiner Begründung, warum in
der einleitenden Übersicht der Geschichte des Maria Theresien-Ordens die Ordensfeste,
sowie auch jene Feierlichkeiten, an denen der Orden als Ganzes theilnahm, ausführlich
geschildert wurden. Für unsere heranwachsende Jugend, insbesondere jene der Militär-
Bildungsanstalten, wird das den Orden verherrlichende Festspiel mit des Dichters Wort
stets eine Quelle edler Anregungen bilden. Darum möge das Poe" m Friedrich Halm's den
Bildnern der Jugend warm ans Herz gelegt sein.
Den Promotionen jeder Kriegs- und Kampfperiode sind kriegsgeschichtliche
Skizzen vorausgeschickt. Dieselben bilden nicht allein den äußeren Rahmen für die
Waffenthaten, sondern haben auch eine sachliche Bestimmung. Sie sollen die wechsel-
seitige Causalität der Geschichte, insbesondere der kriegsgeschichtlichen Begebenheiten
einerseits, der einzelnen Waffenthaten sowie der Summe derselben anderseits, erfassen
helfen. Der Gang der Geschichte, die Entwicklung der Kriegsereignisse führen zu Maria
Theresien-Ritterthaten hin; diese hinwieder wirken mehr oder minder wesentlich auf Verlauf
des Krieges und dadurch bis zu gewissem Grade mittelbar auf die Gestaltung der Geschichte
nach. Diese Wirkung ist sogar — neben Spontaneität, hervorragender Tapferkeit und
Klugheit — ein Haupterfordernis für die Ordenswürdigkeit der Waffenthaten der Maria
Theresien-Ritter. »Ihre Leistungen oder Rathschläge müssen für den Glanz der Waffen
und das Beste Unseres Dienstes von wesentlicher Wirkung sein." So schreiben es
die Ordens-Statuten vor. Diese wesentliche Wirkung der Waffenthaten kann aber nur dann
vollständig zum Ausdruck gebracht werden, wenn deren Darstellung in dem in sich
abgeschlossenen Lebenslaufe jedes Maria Thercsien-Ritters auch mit dem großen Gang der
Kriegscrcignisso in Zusammenhang gebracht wird. Eben dies bezwecken die kriegs-
geschichtlichen Skizzen. Wiewohl in denselben die Maria Theresien-Ritterthaten als solche
nicht zur Darstellung gebracht werden konnten, vermag der Leser doch unschwer heraus
zu finden, wenn er Waffenthat und kriegsgeschichtliche Skizze im Geiste zusammen hält,
in welchem Moment und in welchem Grade die Waffenthaten, einzeln sowie in ilirer
Gesammtheit, wesentliche Wirkung geübt haben. Erst darnach kann der Leser das
eigentliche Verdienst jedes Maria Theresien-Ritters um Thron und Vaterland vollständig
erfassen und würdigen. Aus diesem Grunde mögen die einen integrierenden Bestandtheil
der Darstellung bildenden kriegsgeschichtlichen Skizzen dem Leser empfohlen sein.
Digitized k?y Google
494
Schlussbeoierkuogen.
Di r Lebenslauf der inländischen Ordensmitglieder. welcher auf deren militärisches
Wirken beschränkt werden musste, findet in den Bildnissen seine Ergänzung. Aus
denselben ist die Persönlichkeit der Maria Theresien-Hitter zur Zeit der vollbrachten
Wallenthal* n zu entnehmen. Dadurch erscheinen gleichzeitig die hervorragendsten Momente
der vaterländischen Kriegsgeschichte aus der Zeit von 1850 bis 1878 gleichsam personi-
fiziert. Da die Iiildnis.se zudem nach den im Ordens-Archiv verwahrten SjwcUs facti der
Maria Theresien-Hitter mit deren Autographen versehen und überhaupt durchwegs nach
Original-Porträts der Abgebildeten aus der Zeit ihrer Maria Thcresien-Ritterthat lebensgetreu
von Künstlerhand ausgeführt wurden, so dürfte nicht nur den Bildnissen erhöhter krkgs-
geschichtlicher, sondern dein Werke im allgemeinen wohl auch künstlerischer Wert
zuerkannt werden.
Um ein vollständiges Gesaiumlbild des Maria Theresieu-Ordetis seit seiner Stiftung
bis auf die Gegenwart zu bieten, wurde die vorliegende neue Folge der Ordens-Geschichte
durch einen „Anhang* erweitert. Zu den darin außer dem .Status* des Ordens in
der Gegenwart wiedergegebeiien „Promotionen* von 1757 bis 1879 ist zu bemerken,
dass Namen, Stand, Charge und Truppenkörper der Promovierten gegenüber der im
Jahre 1857 erschienenen Ordens-Gescbichte vielfach berichtigt sind. Dadurch erklären
sich die Abweichungen dieses Werkes von dem früheren. Dabei wurden in allen Fällen,
in denen die gegenwärtige Schreibweise des Namens von der früheren abweicht, beide
Lesarten in das „Alphabetische Namens-Register* aufgenommen und auf ein-
ander bezogen, so dass die Identität der davon betroffenen Ordensmitglieder gewahrt und
den n Auflindbarkeit gesichert bleibt. So bieten die „Promotionen* im Zusammenhange
mit der „Statistischen Übersicht" ein ebenso verlässliches als erschöpfendes
Gesammlbild des Ordens. Durch die Hcldeuuatnen von nahezu tausend Maria Theresien-
Ritlern finden alle die Waffcnthaten von besonders hervorragender Tapferkeit und
Klugheit lapidaren Ausdruck, welche das k. k. Heer und Seiner Majestät Kriegs-Mariin»
seit dem Ik'steheu des Maria Tberesieii - Ordens vollbracht haben. Es umfasst die
vorliegende neue Folge der Ordens- Geschichte nicht bloß in ausführlicher Darstellung
den Zeitabschnitt von 1850 bis lS'M). sondern auch in prägnanter Zusammenfassung die
ganze Zeit von 1757 bis hS'.H). seit dein siebenjährigen Kriege bis auf die Gegenwart.
So bildet denn dieses Werk ein Ehrenbuch für Heer und Marine Österreich-
Ungarns und damit einen Nationalsehatz kriegerischer Thaten für unser
Gesamintvalerlaiid seit Maria Theresia bis auf Franz Joseph I.
Digitized by Google
ANHAN Gr.
STATUS
DES MII.lTÄlilSCHKN MAKIA THERESIEN-ORDENS BEI DER FEIEK DER ENTHÜLLUNG
DES MAKIA THEKESIEN-DENKMALS 13. MAI 1SHS - BEZIEHUNGSWEISE BEI
ABSCHLUSS DER VORLIEGENDEN III. ABTHEILUNG DER ORDENS-GESCHICHTE
<0CT0BER
PROMOTIONEN
DES MILITÄRISCHEN MARIA THERESIEN-ORDENS SEIT DER STIFTUNG BIS AUF DIE
GEGENWART - I BIS CLXX.
STATISTISCHE ÜBERSICHT
DER PROMOTIONEN DES MILITÄRISCHEN MARIA THERESIEN-ORDENS UND DES
STATUS DESSELBEN IN DEN PROMOTIONS-JAHREN SEIT DER STIFTUNG IM JAHRE
1757 BIS 1879, BEZIEHUNGSWEISE 18U0.
ALPHA BETISCHES NAMENS- REGISTER
ZUR VORLIEGENDEN III. ABTHEILUNG DER ORDENS-GESCHICHTE UND ZU DEN
PROMOTIONEN I BIS CLXX.
Digitized by Google
SUtus de» Orden» 1888,90.
U>7
Status
des
Militärischen Maria Theresien- Ordens
bei der Feier der
Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals
13. Mai 1888
beziehungsweise bei Abschluss der vorliegenden III. Abtheilung der Ordensgeschichte
(October 1890).
Die Ordentmiitglicder. welche der Enthüllung des Maria Theresien Denkmals in
Person anwohnten, erscheinen mit einem * bezeichnet: bei denjenigen, welche seitdem vor
Abschluss dieses Werkes starben, ist der Todestag beigesetzt.
Inländische Ordensmitglieder.
GROSZMEISTER.
Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät Kaiser und König
Franz Joseph I.
GROSZKREUZ.
* ALBRECHT, Seine kaiserliche und königliche Hoheit, Erzherzog. FM., # C. 1849,
# GK. 1866.
KOMMANDEURE.
* KUHN VON KUIINENFELl), Franz Freiherr, FZM., t& 1848, «t C. 1866 (zugleich
Kanzler des Maria Theresien-Ordens).
* PHILIPPOVIC VON PHILIPPSBERG, Joseph Freiherr, FZM., tgt C. 1878. -
t 6. August 1889.
Militärischer Maria Thvresien-OnluD.
Digitized by Google
408
.Militärischer Maria Theresien-Orden."
— Anhang.
RITTER.
CLAMGaLLAS, Eduard Graf, GdC, igt 1848.
HAUSER, Heinrich Freiherr von, GM., # 1848.
PACKENJ VON KiLSTÄDTEN, Friedrich Freiherr, FZM., tgt 1849. -
f 30. Jänner 1889.
MONTENUOVO, Wilhelm Fürst von. GdC, igt 1849.
* STURSBERG, Leopold Graf, GdC, tgt 1849.
* NOSTITZ-RlENECK. Hermann Graf, FML., tgt 1849.
* SCHERTON VON KRONENSTERN, Joseph Freiherr. Major, igt 1849.
* EDELSHEIM-GYULAI, Leopold Freiherr von, GdC, cgi 1859.
D0RMÜ8 VON KILIANSHAUSEN, Joseph Freiherr, FZM., tgt 1859, —
f 17. Juni 1890.
* WÜRTTEMBERG, Wilhelm Herzog von, königliche Hoheit, FZM., # 1859.
* DÖPFNER, Joseph Freiherr von. FZM.. igt 1859.
* HESSEN UND BEI RHEIN, Alexander Prinz von, großherzogliche Hoheit GdC,
tgt 1859, — f 15. Docember 1888.
* CATTY, Adolph Freiherr von, FZM., tgt 1859.
* APPEL, Johann Freiherr von, GdC, tgt 1859.
URS DE MARGINA, David Freiherr, Oberst, tgt 1859.
NEUBAUER, Gustav Adolph Freiherr von, GM., tgt 1859, - f 21. Juli 1888.
* FEJERVARY DE KOMLÖS KERESZTES, Geza Freiherr, FML. (FZM.), tgt 1859.
(tONDRECOURT, Leopold Graf, FML., tgt 1864, - f 22. Mai 1888.
* RODICH, Gabriel Freiherr von. FZM., tgt 1806. - f 21. Mai 1890.
* PI RET DE Hill A IN, Eugen Freiherr, GdC, tgt 1866.
* FIELSTICK ER, Ludwig Freiherr von, FML.. tgt 1806 (zugleich Sehatzmeister des
Maria Theresien-Orden).
* BECHTOLSHEIM. Anton Freiherr von, FML., tgt 1866.
* KNEBEL VON TREUENSCHWERT. Albert Freiherr, FZM., tgt 1866.
* Wagner von Wehrborn, Rudolph Freiherr, gm., % i*66.
* DAVBLEBSKY VON STERNECK zu Ehrenstcin, Maximilian Freiherr, Vice-Admiral
(Ad.niral). igt 1866.
* MONTM'ISANT. Bruno Freiherr von, GM., tgt 1866.
MAN1RONI VON MANFORT . Moritz Freiherr, Contre - Admira), tgt 1866. -
f 5. August 1889.
* PlTTEl, Heinrich Freiherr von. FML., tgt 1869.
*VECSEY DE VECSE ET P,ÖROLYÖ lSA01-A. Joseph Freiherr, FZM.. tgt 1878 -
f 3. März 1890.
Digitized by Goo
Status de* Ordens 1888/W.
499
Ausländische Ordensmitglieder.
RITTER.
CONSTA NTrN Nikolajewitsch, Großfürst von Russland, kaiserliche Hoheit. Oberst-
Inhaher des Infanterie-Regiments Nr. 18, tgt 1849.
Seine Majestät FRANZ II. König beider Sicilien, Oberst-Inhaber des Uhlanen-
Regiments Nr. 12, tgt 1860.
CASERTA, Alphons Graf von, Prinz beider Sicilien, königliche Hoheit, tgt 1800.
TRAPANI. Franz de Paula, Prinz beider Sicilien, königliche Hoheit, tgt 1860,
Seine Majestät FRIEDRICH III., Deutscher Kaiser und König von Preußen, Oberst-
Inhaber des Infanterie- Regiments Nr. 20, als Kronprinz Friedrich Wilhelm
tgt 1864, - t lä. Juni 1888.
* ERNST AUGUST, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg,
königliche Hoheit, Oberst-Inhaber des 42. Infanterie-Regiments, jgi 1866.
Seine Majestät ALBERT, König von Sachsen, Oberst -Inhaber des Dragoner-
Regiments Nr. 3, tgt 1866 (als Kronprinz).
•
Ordens-Kanzlei.
ORDENS- KANZLER.
KUHN VON KUHNENFELD, Franz Freiherr von, FZM., (Ordens-Commandeur).
ORDENS - SCHATZMEISTER.
PlELSTICKER, Ludwig Freiherr von, FML., (Ordens-Ritter).
ORDENS - GREFHER.
ASCHER, Adolph Ritter von, Ritter des Ordens der Eisernen Krone II. Classe.
Comthur des Franz Joseph-Ordens mit dem Sterne, Tit.-Hofrath.
ORDENS -KANZLIST.
VAVRIK VON HEVES, Gabriel, Ritter des österreichischen Leopold -Ordens. Ritter
des Ordens der Eisernen Krone III. ('.lasse, Ritter des Franz Joseph-Ordens,
Hof- und Ministerial-Rath im Ministerium des kaiserlichen Hauses und des
Äußern.
ORDENS- ZAHLMEISTER.
PREGER, Friedrich von, Ritter des Franz Joseph-Ordens, Zahlmeister beim
Ministerium des kaiserlichen Hauses und des Äußern.
32'
Digitized by Google
500
„Militärischer Maria Theresien-Orden." — Anhang.
Promotionen
des
Militärischen Maria Theresien- Ordens seit der Stiftung bis auf die Gegenwart,
I bis OLXX.
Nanien, Stand, Charge etc. der nachfolgend verzeichneten Ürdensroitglieder
entsprechen der Zeit ihrer Promot io u.
Der Orden s rang ist bei den inländischen Mitgliedern gemäß S. M4 der Ordens-
Statuten durch den Zeitpunkt ihrer Waffe nt hat bestimmt, wahrend die ausländischen
Mitglieder nach jenem der Promotion | Verleihung» rangieren.
Die Waffenthaten (Lebenslauf) der Mitglieder finden »ich aufgezeichnet, und zwar
aus den Promotionen:
I bis I.XVIH (Jahr 1757 bis 1402) in der Abtheilung I (Seite 1 bis 748):
LXIX „ C.LVH (Jahr 1805 bis 1HÄ0) in der Ablheilung II (Seite 749 bis 17it>):
CLVIH , CLXX (Jahr 185'J bis 1879) in der als Abtheilung in vorliegenden
selbständigen neuen Folge der Ordensgeschkhte.
I. Promotion vom 7. März 1758.
GROSZKKEUZE.
Lo thringen, Herzog Carl, FM. I N id a »dy auf Fogaraa, Graf Fr»ni, GdC.
Daun. Graf Leopold Joseph Maria. FM. | Kadik von Futak, Graf Andrea», FML.
KLEINKREUZE.
S niedre. Freiherr Claudios, FML. (ward b. d. III. l'rom.
Groltkreuz).
E»torhi7Y de Galantha. Grnf Nikolaus. FML. (ward
b. d. X. l'rorn. Com m a nd e tir).
Wmd-Runkel, Graf Friodri. h Georg. FML. (ward b. d.
VI. l'rom. Gr..Rkr.Mir).
Sturhembcrg. (iraf Johann Ludwig, FML.
London , Freiherr Gideon Ermsl, Ober*! vom LikkuniT
Creni-Reg (wird ).. d. III. l'rom. G r oßkr e n i).
JahnuH von Kb«?r>tsdt, Freiherr Franz Maximilian. GM.
Los Rio», Marquis Fruiu. Oberst von Los Rio»-Inf.
Kir.aky. FOist Franz l lrich, CM. (ward 1>. d. X- l'rom.
Commaiidtf ur>.
Elmendorf, Freiherr Friedrieb Kaapar, Oberst Ton
Botta-lnf.
I» 'Ayas ■>», Graf Joseph Carl. Oberst von I>annstadt-
Urag. (ward b. d. X- Prorn. Com m audeur).
Bojano«»ky. Silvius Alezander, Oberst von Serbel-
loni-KOr.
Amadol. Freiherr Carl, Oberst von .Nikolaus Ester-
hniy-Iuf.
Saint Ignon. Graf Joseph, Oberst von WOrttetnbcrg-
Prng.
l'unintnwski, Graf Andre»». Oberst •Lieutenant bei
Miohaol \Valli»-lur«ut. r*e (ward b. d. X. Prom, Com-
m .in de ui).
Digitized by Google
Promotionen I bis CLXX.
501
II. Promotion vom 1. August 1758.
KLEINKREUZ.
Siskovii s. Frh Joseph. Oberst von Haller-Int. (ward b. d. X. Proin. Co m in .in d e u r).
III. Promotion vom 4. December 1758.
GROSZKREÜZE.
Sine »re. Fr)). Claudius, FML. und Ordenitritter. M »rech all von Biboralein. Freiherr Ernst Dietrich.
I.audon, Frh. Gideon Krn»t, FML. und Ordensritter. FZM.
Arunberg. Herzo> Csrl Leopold. F/.M. Lacy . Ural Praot Muritz F*L
KLEINK
IMunkott. Frh. Thum»«. UM.
Rebbach. Frh. Max. Oboist vou Birkenfeld-KOr.
Saint Ignon, Graf Johann, Oberst von Kalkr.ulli-Ko> .
Sal m-Salm, Prinz Max. Major von Salm-Inf.
Hott ad' Adorno. Marquis Jakob. Oburst - Lieutenant
von Butta-Inf.
Soro. Graf Jolianu, Oberst-Lieutenant von Deutseh-
meislor-Inf.
Do Pastoel, Johann Joseph. Oberst-Lioutenant von
Los-Rios-Inf.
Biettagh, Froiherr Franz Thomas. Hauptmann von
Savoyen-Drag.
Francque, Emanuet Alexander von, Cap. -Lieut. von
Savoyen-Drag.
Norm ann. Frh. Ernst, Major von Harrach-laf.
Bauer, Elias von. Major vom Warasdiner Grenz-Reg.
Dombasle, Graf Carl Frani, GM.
Kranialer von Obereck, Adam Ferdinand, Oberst von
Salm-lnl.
Wallher von Waldenau. Iguaz. Oberst bei der Feld-
Art.
Zorn von Plobsheim, Freiherr Maximilian August,
Oberst-Lieut«nant von Leop. Daun-lnf.
Rummel zu Waldau. Frh. Jo«uph. Hauptmann von
Heinrich Daun-Iuf.
ÜeVins, Frh. Joseph. Grendr.-Hauptm. von Leopold
PalfTylnf. (Ward b. d. XXIII. Prom. Gro«kreuz>.
R E U Z E.
D'Arberg, Graf v. Valentin. Carl. FML.
Pellugriui, Graf Carl Clemens. Oberst von Loop.
Daun-lnf. iward b. d. X. Prom. Commandour).
Sonhay. Iliilipp >., Oberst Lieutenant von Nikolaus
Eati'rhazy-lnf.
BQlow, Frh. Ferdinand Friedrich, GM.
De Ville de Canon. Marquis Carl, FML.
Draskovich. Graf Josoph. FML. (ward b. d. X. Prom.
Comniandcur).
Giannini, Graf Ernst Friedrich, Genie-Oberst (ward
b. d. VIII. Prom. GroBkrouzl.
Alfson, Adolph von. Oberst-Lieutenant bei der Artil
lerie.
Mittorstitlor, Simon, Tranchee-Major.
Rouvroy. Johann Theodor v.. Hauptmann bei der
Artillerie (ward b. d. X. Prom. Commandour).
Tillier, Johann Anton v.. GM.
Gemmingon auf Homberg und Trcschklingen , Frh.
Reinhardt . GM.
Brentano, Joseph v., GM. (ward b. d. IX. Prom Grol»
kreuzt.
Brockhausen. Freiherr Jakob. Oberst von O'Donoll-
KOr.
Ferraris. Graf Joseph Johann, Oberst von Carl Lothrin-
gen-lnf. (ward b. d. XXVII. Prom. Com m andeur).
Bosfort. Frh- Franz. Oberst-Lieutenant von Erzherzog
Ferdinand-Kur.
IV. Promotion vom 9. Jänner 1759.
KLEINKREUZE.
Karolyi von Nagy- Karoly, Graf Franz Anton, j Caldwoll . Chov. Thums. Major von AU-WolfenbOttel
GM. Inf.
V. Promotion vom 23. Jänner 1760.
G R 0 S Z K R E U Z E.
L wcibrOcken-Birkenfeld, Prinz Friedrich Michael. ; Maquire, Graf Johann Sigismund. FML.
FM. | Beck. Frh. Philipp I^vin, FML.
Digitized by Google
502 »Militärischer Maria Theresien-Orden." - Anhang.
K L E I N K R E U Z E.
Guaseo. Graf Franz, FML. (ward b. d. VIII. Prora.
GroBkreuz.)
Pugnetti, Frh. Rudolph , Oberst von He»en - Darm-
stadt-Drag.
Pahlowaky von Rosenfeld . Wenzel. Oberst-Lieu-
tenant iiD Ingen. -Corp«.
Kerekes, Sigmund v., Oberst-Lieutenant von H.iller-
Inf.
Berukopp. Johann Wenzel v.. Major in der Artillerie.
OKelly, Graf Wilhelm. FML. (ward b. d. X. Prom.
Commandeur).
Murray de Melgum, Frcih. Joseph Jakob. Ol t rat Ton
Loa Rios-Inf.
H um bracht. Frh. Alexander. Hauptmann von Thor-
heim-lnf.
Rhedey. Graf Johann. Oberst von Huller-Inf.
Caracciolodt S. Kratno, (iraf Ludwig, GM.
Bechardt. Johann von. Giondr. -Hauptmann von Simb-
Bchon-Iuf.
Caramalli. Graf Carl. CM.
Riese. Freiherr Franz Carl, Oberst vom St. Georger-
Grenz-Reg.
Browne, Graf Philipp Georg. GM.
Treys. Freiherr K.ispar, Oberst bei Hildburghauscn-InL
Koch, Frh. Johann Bupt., Ober*! bei t Ii ich Klnsky-tnf.
De Rosin. Frh. Igoaz Sigismund, Obeml-Lientenaut
von Adolf Batthyanyi-Inf.
Ravizzu, Frh. Anton, Major vm O Douell-Kllr.
» Alton, Chov. Richard, Oberst bei I.oudou-Inf. ward
b. d. XI. Prom. C'Miimuiideur).
Strasser von Xeudegg, Frh. Wolfgang Felix Wib
heim, Oberst-Lientenant von Baden-Baden-Icf.
R o I k e , Carl von. Major von Badan-Baden-lnf.
Lobkowitz. FOrst Joseph, GM.
Gabeikoven, Frh. Sigmund. Obemt \on Schmer-
zing-KOr.
Leihelfing, Friedrieh Christian von. Oberst bei Mar
sehaU-Inf.
Worbeer. Frh. Sigmund, Grendr.- Hauptmann bei
Marschall-Inf.
Gemroihgen auf Homberg und Treaehkliugen, Freili
Sigmund. Oberst von Wied-Inf.
Roth «eh Ott. Georg Sigmund von. Oberst und FlOjcl-
Adjutaut.
Tomiotti de Fabri*. Dominik, Ober*l-Lieutenaut na
GeneraUt.it>*.
Ko^orzowa. GrafFrani, Hauptmann von Sineere-hif.
Pureell. Frh. Juli. Bapi., Rittmeister v. Modena-Pr-iff.
Zedtwitz. Frh. Johann Franz, Oberst vom I. Bsnal-
Grenz-Keg.
Ouasco. Graf Peter Alexander, GM.
Beaulieu de Uarrounay , Kr Ii. Johann Peter, Majur
im GenernUtabe (ward b. d. XXIII. Prom. Comman-
deur).
Torfik, Johann Andreas von, Oberst der Jazygier und
Kuiuanier Husaren.
Oeisalcr, Ignaz von. Rittmeister von Niidasdy-Hu*.
Binder von K ri ege I s lein, Christian. Hauptmann
von Arenherg-luf.
Ripko, Ludwig Rudolph von , Majm im Gcueralstauc.
VI. Promotion vom -2-2. Üecember 17dl.
ÜKUSZKREUZ E.
Wied Kinikel, Graf Friedrich Georg, FZM. und Or- J O'Doncll. Graf Carl. GdC.
densritter. | Buren*, Frh. Adolf, GdC.
KLEIN
Preis«, Johann von. GM.
Slampa. Graf Cajctan. FML.
Lockhart, von, Jakob, Major von Waldcck-lnf.
Kautsch, lgnar. \<>n. Major von Stumpa-KOr.
Se r i man ii , Graf l'uul Anton. Oberst bvi Harrach-Inf.
Zienosar. Frh. Carl Wilhelm, Obern! bei Benedict
D.um-KOi.
Sotff r, Johann Toliiu-., Major im Ceii.r;il«t;ibe.
Itotta d ' A domo . M;iri|iiis Joseph. Ober*t-Liuutciinrit
von Benedict D.iuu-K0r.
Thci llie r eü . Frh Kranz, Ob. i -t von Toscana Inf.
; R E U Z E.
Dönhoff. Graf Friedrich Ludwig, Obernt-Lieutenan
v>m Brooder Grenz -Heg.
Krün) an, Cr.it Kourad. Oberst dos slavnn. Husaren
HeK-
Bethleu, Gr^f Adam Joseph, GM.
Ried, Joseph Freiherr von , GM.
Hurruch. Giuf Franz Xav.. Oberst bei Puebla-Inf.
De V (i » , Fr.uu. Iutrunicur-Oherüt-Lifutenatit.
B.ireo, Vniceliz, Oberst hei Uetlilen-Hu*.
Ny lius. Anton Llrich v.. Lieutenant von Michael Wallie-
Inf
Digitized by Google
Promotionen I bis CLXX.
503
Dijrm und Slritett. Graf Johann <al. Joachim) Wentel,
Rittmeister von Serbelloni-KOr.
HO dt von Gollenberg. F reih. Franz. Hittnieialer von
Schuierxing-KOr.
Slain. Frb. Carl Uopold, Oberst bei Merey Inf.
Hocke. Carl von, Oberst bei Kolowrat-Drag.
Höh e ulohe - K i r c bbe rg . (traf Friedrich, Major von
Loudon-Inf. (ward b. d.XVH. Prom. Conimande url.
Schorletnmor . Freih. Carl Maximilian, Oberst-Lieu-
touant von Carl Lothringou-Inf.
VII. Promotion vom 30. April 1762.
KLEINKREUZE.
Wal Ii». Baron Patricia Olivier. Oberst von Loudon-
Inf.
Pelrovsky. Franz von. Oberst von Sxöchenyi-Hiift.
O Donneil, Graf Heinrich. Major von Angern- Inf.
Siociujici von Heldenfold. Arseniux, Major vom
Gradiskancr Grenz-Reg.
Kinsky, Graf Joseph. Oberst bei Lowonstein-Chevaux-
legers.
Greffens tein, Joseph von. Major bei Niidasdy-Hus.
Terzi. Frb. Ludwig, Oberst-Lieutenant von Audbm-Inf.
(ward b. d. XIII. Prom. Commandeur).
Loox - Cor« wäre m de Nyel, Graf Wilhelm Joiioph.
Rittmeister von Kolowral-Drag.
Elmpt. Frh. Philipp. Major im Generalstabe.
Linbibralich von Trebinia. Hieronymus, Oberst
vom Gradiskaner Grenz-Reg.
Tkalcaevich, Johann v. . Hauptm.iin vou Mercy-
Inf.
Knesevich von St. Helena, Martin. Oberst vou Carl-
«Udler Hu«.
Dimich von Papilla. Paul, Oberst-Lieutenant vom
Gradiskaner Grenz-Reg.
N angle, Frh. Franz. Hauptmann bii He»»en-D.irm-
stadt-Drag.
Ki»s. Franz von. Ober»! - Lieutenant vou Kai««r
Hu*.
Guasco. Graf Franz. FML. und Ordensritter
De Griboauval . Johann Bapt. GM,
VIII. Promotion vom 21. October 1762.
GKOSZKREUZE.
Giannini, Graf Emst, GM. und
KLEINKREUZE.
Freyenfel». Frh. Johann Hubert, Oberst von Starhem-
berg-lnf.
Hasp. Graf Loren* August. Oberst von Kolowrat-Inf.
O'Mulriau, Jakob Patricias, Oberst - Lieutenant von
Baireuth-lnf.
.S t h i n nie t x , Nikolaus von , Major im Ingenieur-Corps.
Fr i r en be rge r , Joseph von, Major bei der Artillerie.
Gier her iui, Nikolaus vou. Major von Battbyanyi-Inf.
Butan l, Graf Johann. Hauptmann bei Do Ligne-Inf.
Brady. Chev. Jakob Bernhard Mac, Hauptmann von
Sincere-Inf.
Schräder, Frh. Gottfried Johann. Hauptmann von
Ncipperg-lnf.
Pablicxuk, Joseph von, Hauptmann im Mineur-Corps.
WaldbOtter von Minenburg. Michael, Hauptmann von
Erzherzog Ferdiuand-Inf.
Lod ron. Graf Dominik Anton, Rittmeister von Savoyen-
Dra«.
D'Aubleux. Anton. Hauptmann von Arborg-Inf.
Sterndahl. Freiherr Carl Joseph. Hauptmann von
PlaU-lnf.
Tioinar, Joseph Von, Lieutenant von KöDigsegp-
Inf
Egehls, Frb. Jakob, Suppeur-Hauptmaun.
Mohr, Carl Christoph Gottlob von. Hauptmann von
SUrhemberg-lnf.
Graffwn, Johann Anton von, Oberlieulenaut von Wort.
temberg-Drag.
IX. Promotion vom 11. November 1763.
GROS Z KREUZE.
llrentano. Joseph von, FML. und Ordensritier. | Lo w e n » toiu- W er the im , FOrst Christian , G. d. C.
Digitized by Google
oOi
„Militärischer Mari« Theresien-Orden." - Anhang.
KLEINKREUZE.
O' Do u n«ll. Graf Johann, FML.
Sauer, Carl von, Oberst-Lieutenant von LBwenatein-
Drag.
Tillior. Freiherr Joseph Max, Oberst boi Bethlen-Inf.
Erbach. Graf Carl, Major von Braunschweig-Wolfeii-
büttel-Inf.
Nugent, Graf Jakob Robert. GM.
Neugebauer, Franz vnu. Major und Flügel-Adjutant.
Kleefeld von Hnogok, Weuzel, GM.
Hoff, Carl v.. Major und FlOgel-AdjutanL
Nassau-Usingen. Prinz Friedrich. Oberst von Zwei-
brocken-Orag.
Lassgallner. Johann Carl von, Oberst vou Anhalt -
Zerbst-KOr.
Haag, Nikolaus von. Oberst-Lieutenant vou
Leopold-Kur.
Gyulai, Graf Samuel. Oberst von Franz Gjrulai-lof.
(i o n i m i , Claudius von, Major von Neipperg-Iuf.
Uhry, Graf Wilhelm. Hauptmann von Loudon-lnf
Fizo, PeUr Franz von. Major von Wied-Inf.
Ham, Chevalier Johann Wilhelm. Major bei Arlwrt-
Inf.
Lanjus von Wellenburg, Graf Carl, Oberst rott
Peterwardeiner Grenz-Reg.
Wal lisch. Christoph, Hauptmann vom Szluiaer Gr*Di-
Rog.
Winkelhoffer von Winkelspurg. Mathias,
Ungar, Johann von,
Inf.
De Fassignies
, Uopold
von Wied-Inf.
X. Promotion vom 15. October 1765.
GROSZKREUZ.
königl. Hoheit Erzherzog Leopold, Grollherzog von Toacana, FM.
Kaiser Leopold II.»
Esterhazy, Für»! Nikolaus , FZM.
Kiusky. Fürst Franz Ulrich. FML.
D'Ayasasa. Graf Joseph, FML.
Poniatowaki, Graf Andreas, GM.
Siskovics, Graf Joseph, FML.
GOMMANDEURE.
I R o u v r o y , Frh. Johann Theodor, GM
Ordens-
ritter.
Pollegrini, Graf Carl, FML. (ward |
b. d. XVIII. l'rom. Grottkreuz).
Draskovich, Graf Joseph, FZM.
OKelly, Graf Wilhelm. FZM.
Ordeu»-
ritter.
XI. Promotion vom 21. October 1778,
COMMANDEURE.
D' Alton, Graf Richard, FML. und Ordensritter. W n r ra s o r . (iraf Dagobert Sigmuud, FML. tward b. d.
XXX1L Prom. Grottkreuz).
XII. Promotion vom 15. Februar 1779.
COMMANDEUR.
Elrich sbausen. Freiherr Curl Reinhard. FZM.
KLEINKKEUZ E.
PalUviririi-Cenluri'itii. Murcjiiis Carl. GM.
Alvintz) ■ d« lierbervk, Freiherr Joseph, GM. i ward
Ii. d. XXVII. l'rom. Com man d v u r}.
Leveneur (auch Levenehr) von Gr On wall. Freiherr
Fran-. Jus.. GM.
Klebeck, Williolm von, Oberst vom Kreuzer Grenz-
Heg. (ward b. d. XIX. Trum. Commaudcur).
Digitized by Google
Promolionen I bis CLXX.
505
Ko u h 1 , Frh. Carl, Oberat von Ulrich Kini.ky-Inf.
Puttet, Carl von. Major von Emmerich Eatrrhazy-
Hm..
Staader, Josi-ph von. Oberst von Migaizi-lnf. (ward
b. <i. XXXIX. Prom. Comniandeur).
Borctyezky, Franz Ignai von . Oberst von Wurmsrr-
Hu«.
Buceow. Frh. Goorg. Oberel-Lient. von Barco-Hus.
Belli von Bellenau, Johann. Major vom Ogutiner-
Grenr.-Reg.
Hurichvou Poiinmy. Franz. Majoi vom Potocki'gclivn
von. Müjor vom Szluim-r Grenz-
O reak o v ic Ii.
Ri'S.
XIII. Promotion vom 19. Mai 1779.
COMMANDE U K.
T.-rti. Bnron Ludwig. OM. und Ordensritter.
KLKINKKKUZE.
Davidovich, Paul von. Major von d'Alton-Inf.
Porzina, Anton v., Oberlieutenaut von der Artillerie.
Nauendorf. Frh. Friedrich. Major von Wunnser-Hu*.
(ward b. d. XLI. Prüm. tomratnJeur).
Quosdanovich, Vitus von. Obcmt drr Slavonirr-1
ward b. d. XXXV. Prom. Co in m an de u rl.
Hutten, Frh. Philipp Ferdinand, Obemt von Ant.
Colloredo-lnf.
XIV
vom 24. April 1788.
KLEIN KREUZ.
De Ligne. Füret Carl, Oberetlieutenanl im logenieur-Corps.
XV. Promotion vom 15. November 1788.
KLEIN KREUZE.
Schlaun von Linden, MoriU Gebhart. GM.
Sokolovich, Paul v., Haupün. beim «erb. Freicoips.
Wukanaovieh. Joseph Philipp von, Oborbeutenant
vom Likkaner Gr*n*-R«>g.
Voith, Johann. Artillerie-Oherlieut«nant.
Hiller. Johann von. Oberst-Lieutenant vom Kräuter
Grenz-Hegim. (ward 1HO0 Commandeur).
Cerrini, Joseph von. Major im 1
Brady. Frh. Thomas. Hauptmann im GeneraUtabe.
Noalingcr von und zu Seh eigengrabe n, Wentel,
Hauptmann von Stein-Inf.
Lipthay, Anton von, Oberst-Lieutenant vom Palla-
schen Froicorp».
XVI. Promotion vom 13. August 1789.
GROSZKREUZ.
Sachsen - Coburg. Prinz Friedrich Josias, GdC.
XVII. Promotion vom 9. October 1789.
COMMANDEUR E.
Clerfayt, Graf Franz Sebastian Carl. F7.M. {ward b. d. XXIII. Prüm. Gro»kreuz).
Hohen) ohe- Kirchberg, FOrbt Friedrich Wilhelm, FML. u. Ordennr. ward b. d. XXV. I'roni. GroBkreuz).
Browne. Graf Johann Georg, FML.
Digitized by Google
500
Militärischer Maria TheresienOrden." - Anhang.
XVIII. Promotion vom 12 October 17*9.
GROSZKHEUZ.
P e 1 1 c g r i u i . Graf Carl Clemens, FM. und Ordena-Comtuandeur.
COMMANDEUR.
D« Ligno , FOrst Carl Joseph. FZM.
XIX. Promotion vom 21. December 1780.
COMMANDEUR.
Kleb eck, Freiherr Wilhelm. FML. und Ordenar.tter.
K L B I N K R E ü Z E.
Borwilz, Franz von, Hauptm. von KhevmhOller-Inf.
Neaxniery. Fraui. Huii|itmann von Erzh. Ferdinand-Inf.
Oeskay von Öcska, Joseph von. Oberst von Enh. Fer-
dinand-Inf.
De Vau x. Chevalier Thiery. Major im logen -Corps
(ward b. d. XLVI. Prom. Cotnmaudeur).
Feozol, Ferdinand von. Hauptmann vou Langlois-Inf.
Dedovicg, Martin, Capt.-Lieut. im lugen. -Corps.
Firquelniont. Graf Joseph, Hauptmann von Kleheck-
Inf.
Pia« sek, Carl Christoph, Major von Krdödy-Hus.
Spleny i. Freiherr Gabriel, FML. (wardb. d. XXIII. Proiii.
Conimand vur).
Kruy. Paul von. Oberst vom 1. Walarhen-Grenz-Heg.
(ward b. d. XXXIV. Prom. Co m in and e ur).
Kulnek, Audrcaa von. GM.
D'Aruat , Johann. Oberst im Ingen. -Corps.
Kuraiezay. Frh. Andreas, GM. (ward b. d. XXIII Prom.
C o ni in a n d p ti r)
I. iude Chev. Joseph, Oherat von Kaunitz-! Iii.
Kionmayer, Freiherr Michael. Oberst von Lcveneur-
Chevaux-Iegers (ward 1809 Command eu r).
Vecscy. Freiherr Siegbert. GM.
KosztoUny. Lndialautf von, Oberst von Erdfidy-Hu*
Fischer vou Eh r« nbac h . Wilhelm, Oberst im Generul-
atahe.
Sztarny, Graf Anl.-n, GM. iward b. d. XLV. Pn>m.
Com man de ii r).
Lauer. Freiherr Franz, GM. (ward b. d. XL. Prom. Com-
mand e ur).
Mack Carl. Oberst im GeueraUtahe.
Esterhazy. FOrst Anton. Major von Anton EMerbaxy-
Inf.
Pellati de Ii Tour, Graf Franz, Hauptmann von
Pcllegrini-lnf.
V e r e b vi y i , Sigmund von, Hauptmann im lugen. -Corps,
(ij ulai, Graf Albert, Grendr.-Haiiptmann von Gyulai.
Inf.
XX. Promotion vom 23. Jänner 1790.
K Ij E 1 N K R E U Z.
Surv.nn) , Joseph von, Rittmeister von Krdftdy-Husaleii.
XXI. Promotion vom "2-2. April 1 790.
COMMANDEUR.
Warten sieben. Graf Ludwig Wilhelm, FML.
K L E I N K R E II Z.
Auerberg, Graf Ctrl. Oberst von Hadeu-Diirlach-luf.
Digitized by Google
Promotionen I. bis CLXX.
507
XXII. Promotion vom 28. Juli 1790.
K L E I X K H E U Z.
W ir h y , Carl, Major vom Krouzer Grenz-Re f.
XXIII. Promotion vom 19. December 1790.
UKÜSZKREÜZE.
Sein* konigl. Hoheit Erzherzog Franz, (ward 1792
Kaiser Franz II.)
Clerfayt. Graf Fr. Seh. Carl, FZM. und Ordensr.tter.
De V i n s , Freiherr Joseph
ritt er.
Heilder. Freiherr BIomup
. FZM. und Orden«
FM.
COMMAXDEURE.
Bcaulieu. Frh. Juhann Peter, FMI.. und Ordensritter I Spl« nyi , Frh. Ualiriel, FML. und Ordensritter,
(ward b d. XXXIV. Prom. C. rnB k reu zt. \ Karaiczay, Fih. Andrea«. GM. und Ordensritter.
KLEINKREUZE.
Ai^helbiirg. Graf Curl . Rittmeister von Savoyen-
Drag.
Wenk ho im. Freiherr Franz. GM.
O rsi n i und Rodenberg. Gruf Franz, Oberst-Lieutenant
von Jatquerain-Knr. b. d. XI.VI. Prom. Commuii-
deur).
Berjc. Carl Gu»!av von. Oberlieutenanl von Wurmser-
Hu«.
Featenberg, Johann von. Oberst von Württemberg-
Drag.
Wodniansky, Frh. Johann. Major von WOrllemberg-
»rag.
Horv uth . Casiniir Freih.. UM.
Froon von Kirrhrath, Joseph, Oberst im Ingen.-
Corp« (ward b. .1. XXIX. Pn.ni. Cumnundcur).
Gomez de Parientns, Otto, Oberst Lieutenant von
Erzh. CarMuf.
Hayd, Carl, Oberwt-Lieutenanl von Loudon-Inf.
Piringor, Mathias. Oberlieutenant de« Pioiinier-Cnrp-.
Harrach. Graf Ferdinand, FML.
Ziggan, Joseph. Major von Nikolaus Et terhazy-Inf.
Vajna. Gabriel von. Major von Enterich EsterhiUy-Hus.
Chatte] er, Marii. Johann Gabriel. Major im Ingen..
Corps (ward b. d. 1.VII. Prüm. Co in ra an d e u r).
Revay. Freiherr Emerich. Obersl-Livutenant von
ErdodyHue.
Pejaeacvich, Graf Anton. Oberst vom I. Banai-Reg.
Hering. Ferdinand. Major von der Feld- Artillerie.
Mahouy. Graf Wilhelm, Major vom i. Kronpruii.
Enh. Franz-Carabinier-Reg.
Wolfskeel. Freiherr Sigmund. Rittmeister von l.eve
neur-Chevaux legere.
I.anfrey, Anton. Hauptmann im Sappeur-Corp-j.
Brentano-Cimurolli. Frh.. Joseph Anton. GM.
Mikowiny Ludwig von, GM.
T 0 r k h e i m , Carl von. GM.
Lichtenberg, Graf Ca je tan. GM.
Wemcek, Frh. Franz. GM. (ward I. d. XLV. Prom.
Com mandeur).
F u n k von S e n f t e n a u, Carl. Oberst vom 3.Artillerie Hex.
Souel, Jobann von, Oberst von Kaiser-Inf.
Bolza. Freiherr Peter Au ton, Obcrst-I.ieatcnanl von
K«i<vr-Chevaui-leger^.
Bydeskuly von Ipp, Freiherr Sigmund. Major v;»n
Anton Eslcrhuzy-Inf.
K o 1 1 o n 1 1 z , Graf Max, Major von Wurmser-Hus.
Fabry. Michuel von. GM.
Latour. Baillet de, Graf Max. FML. (ward b. d.
XXXIV. Prom. Coro mandeur).
Co rl i . Marquis Cflaar, GM.
Pforzheim. Frh. Phili|>p Carl, Oberst von l.atoui -Dra/.
Vogolsang, Frh. Ludwig, Oberatl. von Clerfayt-Inl.
Lusignan, Marquis Franz Joseph, Oberet-Lieuten.m
vou Bender-Inf.
Vincent. Carl von. Rittmeister von Latour-Drag, (ward
b. d. LXX1. Prom. Commandeur).
Koos. Andrea» von, Oberst-Lieutenant vom «.Artillerie-
Heg.
(iavassini, GrafAloys, Hauptmann von Pellegnn.- Inf.
Gr landin i. Graf Franz, Hauptmann im Ingenieur-Corps.
Digitized by Google
508
Militärischer Maria Theresen Orden." — Anhang.
Rirhler. Leopold von. Ohrrlieutenant von Pellegrini-
Inf
Prtigglaeh . Freiherr Carl. GM.
Spindler. Krh. Johann Joseph, Oberst von HrUky-lnf.
Ott von Batork ez. Carl IVter. Ob* r*i von Er/h. Leo
IkiIiI-Hu«. (ward h. «I. I.VIII. Proin. Commnndcur).
K o I o w rn t - 1. ie hg t« in » k y , Graf Vinconz , Ober«:! von
Jordis-IliC (b. d. LXY'l. Proin. Comiunndeurl.
H e • se Ii - Ho m hu r g , F.rbprinr Friedricli. Major von
I.evrneur - Ch vaux-legcr» (ward 1813 Comniiii-
Juur).
Älbell. Ludwig von. Hauptmann von Jordis-Inf.
Peharnik von Hotkovich. Frh. Daniel. GM
Liechtenstein, FOrst Johann. Oberst von Kiusky-
Chevaux-Iegers (b. d. XL VI. Prom. Co mm and e 11 ri.
Aiikenbrand. Philipp Jakob von. Oberst-Lieutenant
von dar Arlilloric.
Martoiiitx, Andreas von, Mitieur-Hiniptmann.
Onllot, Johann von. Obcrlieutenant von der Artillerie.
Ta rtler, Bartholomaus von, Oherlieutenaut von Wilhelm
.Schröder-Inf.
D'Asprv von Hoobreuck, Constantm. Hauplmann von
Ligno-Inf.
Jouve, Antou von, llitlmmster von Latour-Drag
XXIV. Promotion vom 19. November 1 792.
KLEINE II EU Z.
Keim, Konrad von, Oberst von Bender-Inf
XXV. Promotion vom 31. December 1792.
GROSZKREUZ.
Hohenlohe-Kirchberg, FOrst Friedrich Wilhelm, F7.M. und Ordens-Corumaudeur.
XXVI. Promotion vom 1 . April 1 793.
GROSZKREUZ.
Sein« kaiserliche Hoheit Erzherzog Carl Ludwig. UM.
XXVII. Promotion vom 28. Mai 1 793.
COMMASDEÜR E.
Ferrari», Graf Johann Joseph , F/M. und Ordensritter
(ward b. iL XXXI. Proin. GroBkreiiz).
Colloredo, Graf Weuzel. F/.M.
Alvintzy do Bcrberek. Frh. Joseph. FML. und
Ordensritter (ward h. d.XXXIV Prom. (iro»kr*u,t.
XXVIII. Promotion vom 23. Juli 1 793.
COMMANDEUR.
WOrttombei jr. Prinz Ferdinand Friedrich August, FML. (wurd b. d. XXXIV. Prom. GroBkreux).
XXIX. Promotion vom 19. August 1793.
COMMANDEUR.
Froon von Kirchrath, Frh. Joseph. Ob. rst im In«. n.-<trps und Orden»nlt«ir.
Digitized by Google
Promotionen I bis CLXX.
KLEINKREUZE.
Unterbergar, Leopold von, GM. (ward b. d. XL. Ptom.
Commandern-).
Dietrich« tein, Graf Fraux Joseph. Oberst - Lieutenant
im Ingen. -Corp».
Hackenborger. Fran* vou
Corp».
Thierry, Ludwig von, Hauptmann
Inf.
im Mineur-
von Wartenaleben-
XXX. Promotion vom 22. September 1793.
KLEINKREUZ.
Salie, Frh. Paul, Oberet von Stuart-lnf.
XXXI. Promotion vom 20. October 1793.
ÜROSZKREUZ.
Ferraris, Graf Joseph Johann, FZM. und Ordens-Coinmandeur.
XXXII. Promotion vom 25. October 1793.
GROSZKREÜZ.
Wurmeer, Graf Dagobert, GdC. und Ordcns-Coinmandour.
COMMANDEUR.
Waldeck, Prin* Chrisuan, FML.
KL EINKREUZE.
Mesiaro», Johann von, GM. (ward b. d. XL1I. Prom. i Hotte, Friedrich von. GM. (ward b. d. LI. Prom.
Commandeur). Commandeor).
XXXIII. Promotion vom 25. Mai 1794.
KLEINKREUZE.
Otto, Ghev. Rudolph, FML.
Schwanenberg. Forst Carl. Oberst von Zeschwiti-
KOr. (ward b. d. I.XXI. Prom. Commander)
Beltegarde. Graf Heinrich . GM. (ward b d. LXIX.
Prom. C o in m a n d o n r>.
XXXIV. Promotion vom 7. Juli 1794.
GROSZKREUZE.
Württemberg, Prin» Ferdinand Fnedrich Augunt.
FML. und Ordcns-Commandeur.
Uo au Ii eu. Frh. Joh. Pot., FML. u. Ordfns-Commandenr.
Alvintzy de Derbere k , Frh. Joseph. r/M. und
COMMANDEURE.
Latour. Ba illet d.i. Graf Max, FML. und Ordensritter
(ward b. d. XLII. Prom. «iruHkmun.
Kray de Krajova. Frh. Paul, GM. und Ordensi
Ponxen«ter von Penzenstcin, Frh. Johann
»bigitized by Google
510 „Militärischer Moria Theresien-Orden." — Anhang.
KLEINKREUZE.
Goulroeul. Graf Carl, Oberst bei Wnrttemberg-Iuf.
(wardb. d. XLIX. Prora. Com m and e u r).
Ghislain Beaumonl de Saint Quontin, Che».
F.manuel. Oberlieutenantvon Latour-Chevaux-legers.
Dnvay. Paul von. GM.
Stephaie». Kran* von, Oberst-Lieutenant vou Erxh.
Ferdinand- Hua.
Smola, Joseph, Oberlieutenant vom 1. Artilloric-Reg.
(ward 1809 Commaudeur).
Rouvroy, Freiherr Carl, Oberst beim 3. Artillerie-Reg.
HartelmQIIer, Simon, Oberst Lieutenant von Zeseh-
wiU-KOr.
Stipsicz, Joseph von, Ob«r»t bei Kinsky-Chevaux-
legers.
Merveldt, Graf Max, Oberst im GeneralsUbe.
Duka, Peter. Oberst-Lieutenant im Generalstabe.
EotvOs, Carl von, Major von Barco-Hu».
Geringer von ödenberg, Gabriel, Major und FiOgel-
Adjalant.
Wilson. Chev. Johann, Hauptmann boi den Tiroler
Scharfschützen.
Warnsdorf, Freiherr Gottfried, Oberst und Gsnenü-
Adjutant.
Baum, Johann von, Oberlieutenant vunKinsky-Chevaux-
legers.
Rogovsky, Christoph vun, Hauptmann von Splenyi-Inf.
Nobili, Graf Johann. Major im Ingen-Corps.
Triangi, Graf Anton. Hauptmann im Ingen. -Corp*.
Du Blaisel, Marquis Camill. Oberlieutenant von Lc
Loup-Jagern.
Bechard. Freiherr Joseph. Hauptmann von «yulai-Inl
Bechthold. Philipp Christoph. Rittmeister von Kava-
nagh-Kor.
Speth von Zwiefalten. Freiherr Sebastian, Oberst-
Lieotenunt vom Rnyal-Allemand-Reg.
Nesslinger von und zu S ehelg nn gr abe n , Freiherr
Joseph Aoton, Oberlieutenant vom 4. Artillerie-
Reg.
Schuhay, Franz, Major vom Rombardicr-Corp».
Sc h abix. Heinrich. Oberlieutenant vom 2. Artülerit>-Reg.
Gyulai. Graf Ignax. Oberst • Lieutenant vom Gynlai-
•chen Freicorps (b. d. LXlll. Prom. Commaudeur».
Thiel, Wentel. Oberlieutenant von der Artillerie.
Barco, Felix von. Oberst-Lieuteuant von Barco-Htis.
Pesler, lgnar von. Major vou Latour-Cli<i*aui-leg.r*.
Hadik. Graf Carl. GM. (ward b. <L LI. Prom. Co mm an
denr).
Sxcreday, Anton von, Oberst-Lieut, im Ingen. -Corps
(ward b. d. LXVI. Prom. Commandeur).
Lat>chanvk, Johann, Rittmeister von Mack-Kür.
XXXV. Promotion vom 2. October 1 795.
COMMAKUEUK.
guosdanovich, Freiherr Vitus, FML. und Ordensritter.
XXXVI. Promotion vom 1 1. Uctober 1795.
KLEINKREUZE.
Bajalic«, Freiherr Adara. GM. \ Oreskovich. Pelor, Oberlieutenant und Adjutant.
XXXVII. Promotion vom 30. Octobcr 1795.
KLEINKUEIZ.
Klenau, Graf Johutin. Oberst bei Wurm »er Husaren »ward IKO'J Com man den 1.
XXXVIII. Promotion vom 7. November 1795.
KLEINKHEUZ.
Boroa , Adam vun, GM.
Digitized by Google
Promotionen I bis CLXJL
511
XXXIX. Promotion vom 11. November 1795.
COMMANDEUR.
Staader, Freiherr Joseph. FML. und Ordensritter.
K L E I N K R K U Z.
Neu. Andrea* von, GM.
XL. Promotion vom 27. November 1795.
COMMANDEURE.
Liunr. Freiherr Franc. GM. und Ordensritter. | Unterberger, Freiherr Leopold, GM. und Ordensritter.
K L E I N K R E U Z E.
Ebner. Wenzel von. Major im Ingen. -Corps.
Lauer. Frh. Joseph. Hauptmann im Ingen. -Corp».
Perezel von Bouy had . Carl. Hauptmarin iraBombai-
dicr-Corps.
XLI. Promotion vom 18. Decenmcr 1795.
COMMANDEUR.
Nauendorff. Graf Friedrich August. GM. und Ordensritter.
XLII. Promotion vom 11. Mai 1796.
GROSZKREUZ.
Latour. Baillet de, Graf Max, FZM. und Ordenscommandeur.
COMMANDEURE.
Mem.irondoSzoho.ilo.Joh., GM. und Ordensritter. | Lothringen, Prinx Carl Eugen. GM.
KLEINE
Schustekh, Emanuel, Major von Karaiczay-Chovaux-
logers.
Spindler. Graf Leopold. Rittmeister von Waldeck -
Drag.
Voga, Georg, Major im Bombardicr-Corps.
Lopper. Franx von. Major von Erih. Ferdinand-Hn».
Pulsxky. Ferdinand von. Hauptmann im Ingen. -Corp».
Nagy, Franz, Oberst von Kaiser-Hu».
Gottesheim, Frh Friedrich, Oberst von Snxe-Hti».
Mecsöry . Daniel von, Rittmeister von Er/Ii . Ferdinand-
Hus. (ward b. d. LXXII. Prom. (Kommandeur).
Prochaska .Johann von. Major im GeueraJslabe.
ächwarzinger. Johann. Oberst-Lieutenant vom 3. Ar-
tillerie-Re.g.
Sinzend ort, Graf Rudolph. Major von Le Luup-Jageni.
Morzin, Graf Ferdinand, Oberst von Ant. Esterhizy-liif.
Bayer werk Joseph von, Rittmeister von Nassau-Kar.
Kinsky, Graf Carl, Major von Kineky-Chcvaux-lvgurs.
Moller, Johann Erhard von, Rittmeister von Saxe-
Hus.
R E U Z E.
L'Aisne. Anton. Major von Erzherzog Carl-Inf.
Buday, Ignaz. Rittmeister von Wurm««r-Hu».
.Spiegelberg, Joseph von. Oberst von Vocsey Hu».
R os «ich, Georg, Oberlieutenant vom Sxluiner Gronz-
Reg.
I v i c h i e h , Simon. Hauptmann von Lacy-Inf.
Brochowski, Thaddäus von, Rittmeister von Meszaros-
Chi.
Argentvau, Graf En en. GM.
Hardegg. Graflgua*. Rittmeister von Hobonzollern
Kflr. (ward 1809 Co m m and eil ri.
Zuehmeister, Thovphil, Hauptmann im Genvralet*l>e.
Sehellenbnrg, Frh. Joseph, Oberst (Qua- Brigadier».
Williams, James Ernest. Major bei der Rhoiu-Flolille.
Weyrother, Franz von. Major im Gencralstabc.
C o 1 1 e n h a c h , Frh. Gabriel. Oberlieiitenant von Clerfayt-
Inf.
Frimont, Johann von, Rittmeister vn
' (ward 1809 Commandeur).
Plexger, Adam. Rittmeister von Mack-KQr
Digitized by Google
2 „ Militärischer Murin TheresienOrden." - Anhang.
XLIII. Promotion vom 10. August 1796.
COMMANDEUR.
Canlo DYrles. Graf Joseph, FML.
KLEINKREUZ.
Rokavina, Mathias , GM.
XLIV. Promotion vom 7. September 1796.
K L E I N K K K U Z.
Weydonfeld. Carl von. Oberst von Prems Inj.
XLV. Promotion vom 18. September 1796.
COMMANDEURE.
Uray, Gral Anton. FML. und Ordensritter. | Werncek, Freiherr Franz, FML. und Ordensritter.
XLVI. Promotion vom 26. September 1796.
COMMANDEUR.
Liechtenstein. Fürst Johann. GM. und Ordensritter (ward b. d. LXVX Prora. Großkreuz).
XLVII. Promotion vom 26. October 1796.
KLEINKREUZ.
Sachter, Johann, Oberst im Generalstabo.
XLVIII. Promotion vom 30. Jänner 1797.
KLEINKREUZE.
outen und Naseau-Dict z. Priuz Friedrich Wil- I Zopi) Johann, GM.
heim Georg, GM. | Muuk.te«y, Joseph von. Hauptmann von SzUray-tuf.
XLIX. Promotion vom 15. April 1797.
COMMANDEUR.
Gontroenl, Graf Carl. GM. und Ordensritter.
L. Promotion vom 18. April 1797.
KLEINKREUZ.
(Hin, Freiherr Josnph, Oberst vom Wenkhcim-Inf.-RvK.
Digitized by Google
Promotionen 1. bi« <;LXX.
LI. Promotion vom 29. April 1? 1*7.
C UMMANDEU R E.
HM/*, Ch. v. Friedrich, FML. und Ordi-nsrittt-r. I üadik. Graf Carl. FML. »lud Urdeiisritler.
KT. EINKREUZ.
Huhniizollern-Hi chingen. Graf Frani Xaver, GM. (ward I80U Com ni u nd o u r).
LH. Promotion vom 15. Mai 17!*7.
COMMANÜEUR.
Kulowral-Krukowiky, Graf Johann Curl F.MI,
LIII. Promotion vom 8. Juli 171*7.
K L K I N K R K U Z.
London. Freiherr Alexander. GM
LIV. Promotion vom h. April W.»'.*
KLE1NKHEÜZ.
J- Ilachicli. Franz von, GM
LV. Promotion vorn 7. April 1 7V»«-*
KLEIXK HEUZ.
latt ermann, Freiherr <hri»t<i|ih GM
LVI. Promotion vom 17 April 1 71*0.
K L E I N K R E U /. E.
■m> imiiriva, V.inpiis llimnihal . " )l" ist von l,..bkowllz- ] Huinwaldt Adrian
Drap.
Joa«idi, Major von W
LVII. Promotion vom 15. Ma. 17«*«.*
M. ■las. Mirhaid von. GdG.
CO MM AND KUR K.
I Gluslol r. Marquih Joh GhIhioJ. GM
KLE1NKREUZ.
K.i .jaontli. Viiicniu von, Oberst n.u Lrili oriop Joriuh-Husareii
Mjlilan-chor Maria Thert>*ioii-Orden, 33
514 .Militärischer Moria Thcresien-Ürden," — Anhang.
LVIII. Promotion vom 13. October 1709.
COMMANDEÜll.
Ott von Batork« z. Carl Peter, FML. und Ordensritter.
KLEIN KREUZE.
Zach. Anlnn von. UM. ] Gillat. Antoo. Major im 1. Artillerie R**-
Olivier de la 'frobia, Ludw., Major von Clerfayi-Jnf. |
LIX. Promotion rora 14. October 1799.
K L E I N K H E U Z.
Salm. Rhoiograf Carl Augttal von. Reich»-General-l,ietiU'nant
LX. Promotion vom 21. November 1799.
K L E 1 N K H E U Z E.
Hohenlohe - 1 n p r 1 f i ti n . F0r»t Friedrich Carl. FML. | Ktcs, Bernhard von. Major von Kaiaer-Drag.
LXI. Promotion vom 15. Deccmber 1799.
KLEIN KREUZE.
Hanno, Jo»«ph von. Ohcrsl im Ingen, -Corps. | Reisner, Anton. Oberst dea 5. Artillerio-R«»- (war«
1813 Co mm and cur).
LXII. Promotion vom 31. Decen.ber 1799.
fiROSZKREUZE.
r.nnatantin Paulo« itach, UrutfOrat von Rusalaud. j Suworow-Hyinnik*k i .GrafAIciander.FOrat Italiek».
russischer Generalissimus.
COMMANDEUR.
ßagratinn. Forst Peter, russischer Genoral-Lieuteuant.
KLEINE
Gortschakow. FOrst Aldi;-, nigrischer Geiiernl-I.ieu-
t< nant.
Gf>rlj>rhaKiiw, F0r»l Andren-. rU"iHclur General-
Major.
Sil » «. r o » ■ H j in n i k s k i . (irn(. Fflr-t ltali?ki, rn»^i«. Iii r
Ueiipral-Miijnr. Giriieral-Adjnlant St. kai«. Maje-
«tat.
R E U Z E.
kuscluuküW, von, Obcrs-t und Adjutant des GeneraJis-
sirau*.
Roi.rn. Frh. Gregor. M.»j»r und Adjutant de- «ienara-
1 ia - ■ in ti - .
SUwrakow. Mm, Stal^-Gupilain und Adjutant de»
i;.'i>emlifMtou».
R « m a n Grif. Major n. Adjutant des Generalissimus.
LXIII. Promotion vom 11. Octolur 1800.
COM MANUEL' R.
Gy ulai , (.raf I^naf. GM. und Ordensritter.
Digitized by Google
Promotionen 1. bis CLXX.
515
LXIV. Promotion vom 7. November 1800.
K L E I N K H E U Z K.
Aylelt, William. Oberst - Lieutenant im kAnigl. grott-
l.ntann. 15. Chevain-lepcrs-Rog.
Poch ling ton. Rodert. Major im kAnigl. grollhritann.
15. Chevaux-Iegers-Reg.
lty.in. tdward. Major im königl. groabritannisclien
15. Chovaux-legurs-Reg.
Galcraft. Granl.y, Major im königl. gntbritaaD.
15. Chevaux-legers-fUg
Klar, William, Major im könig'. groBbriUnmschca
15. Chevaux-Iegcrs-Reg.
Butler. Edward. Major im königl. groSbriUnnischcn
15. Chcviuu-legers-Reg,
Wilsou. Rol»rt, Sir, Major im königl. gioßbritannMChon
15. Chevaux-iegers-Hg. (ward I Hl* C o m m a n d o u n
Blount. Charles. Capitain im königl. großbritannisihen
15. Chevaux-lefera Heg.
LXV. Promotion vom 6. Decembcr 1800.
KLEIN KREUZ.
Jünger, Vincent. Rittmeister von Veesey-Hu».
LXVI. Promotion vom 1 1. Juli 1801.
GROSZKHEUZ.
Liechtenstein, FOrst Johajui. FML. und Ordern»
nOMMANDEl'R K.
Kolowr at-l.ieh stoinsky. Graf Vincen*. FML. und
Ordensritier.
De Vau*. Freiherr Thiery, CM. im Ingen -Corps und
Ordensritter.
Szereday. Freiherr Anton. GM. im Ingen. -Corp»
Ordensritter.
Orsini und Holenberg, Kur.-.t Fran*. FML
Ordensritter
K L E I N K R E U Z E.
.Hchmiedl, Joseph von, Oberst-l.t«utteoanl von Neu-
gebauer-lnf.
Hranaky, Johann v<.n. Hauptmann von SzUray-Inf.
M.iuroy von Morville. Franz, Obcrst-Liauteuant von
Gcmmingen-Inf. | ward 1811 Commandeur'.
Domokos. Frh. Joseph, Rittmeister von McrveMt-lhl.
Vecaey, Peter von, Oberst-Lieutenant von Liechtcn-
stein-Hus.
S/enlkeres/ti, Freiherr .Sigmund. Feldmarsehall-
Lientenant.
Wolf de Lamarselle, Ludwig. GM.
Salamon, Michael von, Rittmeister von Kavanagh-
KOr.
Scharfenberg , Graf Friedrich, Hauptmann von
Reisky-lnf.
Drechscl, Frh, Anton. Oberst -Lieutenant von Er/h.
Carl-Inf.
l'laehl. Anton von, Oborlieutenant von Kin-ky Drag
Fasching. Johann von, Hauptmann vom 1. Artillerie-
Reg.
Loy, Mathias von. Riltmei.-lor von Krrh. Johann-Dra-
goner.
Prochaska, Joseph von". Oberst von ttl.itikriislein-
Lnti. Peter von, Oberst im Generalstab
Mayer von Heidensfeld. Anton. Oberst im General
Stabe.
Levachich, Joseph von. pens. Oberst
Wolfskeel. Frh. Christian. GM.
Revay, Frh. Anton. GM.
Mnrberth, Johann von. Oberst-Lieutenant von Szekler-
Hus.
Köky. Sigismund, Rittmeialer von ■tetiroa-Hn
Rairaoudi, I.oreni, prns. Oberst-Lienlenant.
Gr äff, Johann von. Hauptmann bei den Tiroler Landes
-chOUen
33'
by Google
.Militärischer Maria Theresien-Orden." — Aiihanp.
I'o d z t r e !io wsk y \nn Millenburg, Franz, GM.
Oberdorf, Ernst, Major von Gcmmingen-Inf.
Mier. Graf Adam. Oberst Lieutenant bei Erzh. Carl-
DU.
Tegelthoff. Josoph von, Oberst Lit-iiU-naut vou Oliv.
Wallislnf.
Du Corron. Nikolaus von. Major im Ingenieur-
Corps.
/. a t u r e 1 1 1 ; y , Ladislaus vuu , Rittmeister von El dndy
Hu».
Trauttenberg, Frh. Leopold, Oborst von Auersperg
Inf.
Schuster, Joseph von, Rittmeister von Enh. Joliauii
Drf.p.
Fcdak, Michael von, Oberst und Commundaut zu Carls
bürg.
Neipperg. üruf Adam. Major bei Ott Husaren (ward
1815 Commundeur).
O IU-illy. Graf Andreas, FML. (ward b. d. LXX1. l'rom.
Comniandeur).
Diese h. Graf Johann Sigismund, FML.
Fichtl, Franz von, Rittmeister von Erzh. Ferdinand-
Drag.
l'aar, Graf Johann Carl. Oberst von Luttermann Inf.
Montfleiiry, Ludwig von. Oborliriitenant von De
Ligne-Inf.
Pestiaux, Johann von, Hauptmann von De Lignc-Inf.
Ouosdanovich, Carl von, Major im Pioiinier-Corp»
(ward 1814 Comniandeur).
G ii v e n d » , Mainaus, Rittmeister vou Ott Um.
Hcrtrlendi, Gabriel von, Oberst von l'alatinal-Hus.
Rohan. Prini Carl, GM.
I.ippa, Guido Ferdinand, GM.
Nimptsch, Graf Joseph, (»M.
Schimpf, Friedrich von , Major \oni i. Artillerte-Rug.
lUdet/ky, r.i .f Joseph. Uberst bei Herzog Albert-
Kßtassieren (ward ISOD Commandcur).
Rnkovsky, Martin von. Major von Erzherzog Joseph
Hu-,
Dogenfeld < Sclmnburg , Graf Friedrich, Oberst-
I ieiltenant von Kai-er Drag.
Fulda, Wilhelm von, Oberst-Lieutenant von Enlody
Hu«.
De Best, Albert Johann. Oberst bei Kaiser-Dragonern.
Gordon, Anton. Oberlicutunaut von Enh. Johaun-
Drug.
LQtzow, Frh. Friedrich, Rittmeister von Nauendorf!
Hu«.
Scheibler, Frh. Carl, Rittmeister von Merveldt-t'hl.
Fisson du Moutet, Frh. Joseph, Hauptmann von
M-iriansy Jag.
De Baut, Franz, Oberst von DehVgardc Inf.
Mei<ko, Joseph von, Oberst Lieutenant bei Liechten-
stein-Hu*. (waid 1 8<)tl Comm an de ur).
•irppert, Meura. 1 von, Hauptmann im Gcneralntabe
Nu geiil, GrafLaval, Major im Generalstabe (ward 1814
Com munden r).
Andrassy, Johuuu von. Oberst von Erzh. Ferdinand
Hu«.
Le Brom, Michael von. Hauptmaun von Teni Inf.
Jugenitz, Anton von, Oberlieutenant von Splenyi Im*.
Papp, Ludwig von, Oberst-Lieutenant von Benjuwsky-
Inf.
Wartonsieben. Graf Ferdinand . Major von Blanken
stoin-Hns.
Se. kfinigl. Hoheit. Erzh. Ferdinand D'Este, FML.
Liechtenstein, FOrst Moritz , Oberst bei Sehwarzen
berg-Uhl.
GrOnne, Graf Philipp, GM.
Stokart von Barnkopf, Joseph, Hauptmann von Franz
Kinsky-Inf.
Cazan zu Griossfold, Frh. Dominik, Major der
Tiroler LandesschOtzen.
Liechtenstein, Fürst Aloy*, Oberst-Lieutenant von
Manfredini Inf. (ward 1800 Comniandeur).
Horvath, Anton von, HittmeUte von Kaiser Hus.
Crossard, Ludwig von, Oberlieutenant im General
stabe.
Dali Aglio, Vincenz vou, FML.
Bussy de Miguot, Graf Anton, GM,
Hundt, Freiherr Frauz , Hauptmaun im Goncral-
LXVII. Promotion voni 5. November 1801,
K I< E l N K H K U Z.
Lindenau, Carl Friedrich von, FML.
LXVIII. Promotion vom 30. April 1802.
K ; L E I N K R E U 7. E.
Ii ru c Ii -N • n be m . RH Irr Franz , Ober-I I.ii-uteiinnl
von Vida-dy-lnf.
.Maroni Michael v..n. Oberst Lieutenant von Sztaray
Int.
Digitized by Google
Promotionen I. bis CLXX.
517
Sudan. Georg, Hauptmann von F.rxb. Cart-Inf.
Sardagna. Simon Ton, Rittmeister von Lobkowitz-
Drag.
Bochard, Frh. Johann, Oberstim Ingenieur-Corps.
De Lopez, l'hilipp. Oberst-Lieutenant im Ingen. Corp*.
Stwrtnik, Augustin. Major im Bombardier Corps.
Bogdan, Joseph von. Major von Mcrveldt-Uhl.
Auersperg. Graf Franr Xaver, GM.
Hromada, Joseph. Oberlieutenant bei Stuart-Inf.
Häszthory, Melchior, Hauptmann im Kreuzer Grenz
Regiment.
Toaasnieh. Franz von. Oberst Lieutenant im General
stabe (ward 181.! C o m nu nd our).
Vetler von Lilienberg, Wenzel, Major vou Jordis-
Inf.
Csorieh. Franz. Hauptmann von Erzh. Ferdinand-Inf.
Gasser. Peter von. Rittmeister von Kaiser Chevaux
Ugw
Simonyi. Joseph von, Oberlieutenant vou Blankenstein
Hua.
Henne<iuin De Frenel, Graf Johann. GM.
Banniza. Franz von, Hauptmann von Freiich- Inf.
Lnszonsky, Frh. Franz. Rittmeister von Kienmayer
Hus.
Seheither, Frh. Heinrich Georg. Major bei Lobkowit/
Chevaux-Iegers (ward 1813 Co mm an den r).
LXIX. Promotion vom 6. November 1 805.
COMMANDEUR.
Bellegarde. Graf Heinrich. GdC. und Ordensritter.
LXX. Promotion vom 22. Jänner 1806.
G R 0 S Z K U E U Z.
GolonitschefT-Kutuao» , Michael v..u. kai»erl. russ. General der Infanterie.
COMMANDEUR.
Se. kais. Hoheit Erzherzog J o h an n Baptist. GdC (ward I80B Grottkreuz).
KLEIN KREUZE.
Moh , ffh. Johann Friedrich. Oberst von He-<Bun-Hoiii- : Tio s e n h au s e n, Graf Nikolaus. kai*erl, ms». Capitata
bürg Hu «. und Flügel-Adjutant.
LXXI. Promotion vom 28. Mai 1800.
C O M M A N DE Uli I..
Schwarzenberg, FOrst Curl. FML. und Ordensritter, j Vincent. Frh. Carl, GM. und Ordensritter.
O ' R eilly , Graf Andreas, FML. und Ordensritter.
KLEINERE UZE.
Roussol, Kran/. \ Oberst-Lieutenant bei Latour-
Chevaiix-Iegers iward I80S» C o m m a n de u r).
Civalart, Graf Curl. Ob«-rst von Roseuberg-Chevaux-
Ieg.T».
tjiick. Jakob von, Rittmeister bei Rosenberg-Chevaux-
leger».
Tettenborn, Freiherr Carl, Rittmeister bei Klenau-
Chevaux-legers.
Sloyrer. Carl, Oberst - Lieutenant bei Erzh. Curl-
Leitung, a zu Westerburg, Graf August, "
Erzh. Rainer-Inf.
S i ra Ii s c Ii e n , Frh. Joseph Anton. FML.
H a r d e g g . Graf Autou, Oberst bei LeveOMU
Xovak. Joseph, Major von AuffeuLerg Inf.
Collorcdo - M annsf e Id. Graf H • r mymiis.
1 S09 C o m m a n d e u r).
N o r d ra a n n . Armand \ on. GM.
Hilmer, Joseph. Rittmeister von Hohe
leger*.
lenzolleru-G
A
„Militärischer Maria Theresien-Orden."
- Anhang.
V»esoy deHamaeskeo, Freih. August. Oberst-Lieu-
tenant von Hesnen-Huinburir-Hus.
Swinburne. Robert, Ober»t-Lieutouanl von £rzh.
Ludwig-Inf.
ßt'fiin, Carl von. Ritttneititir von Krzb. Ferdin.ind-Hu*.
Montluisanl, Chev. Joliunn, Oberlieutenant bei
Düutkchm«i«tnr-Iuf.
K a k o n y i , Franz. Rittmeister von Ott-Hus.
H oh an . I'rinz, Ludwig Victor, GM.
Del Rio, Joseph, Hauptmann von Duka-Inf.
Wimpffen. Froih. Max, Oberst von (lyulai-Inr. wart
180Ö Commandeor),
Fnrenberger, Wenzel, Major im Bonibardii-r-Corp».
Zocehi, Johann. Hauptmann vom 1. Artillerie -R«-*
LXXII. Promotion vom 1. März 1808
COMMANDEUR.
Meesery, Freiherr Daniel. GM. und Ordensritter.
KLEINKREUZE.
to«cu. Franz von. ÜMl. vom Tiroler Ja*er- Reg. Mengen. Freiherr Wilhelm , Rittmemter von Merv-Idt-
Karove, Luilinlaui« von, Capitän-I.ieut, von SpWnyi-lot. l'hl.
My Ii us . Freiherr Friedrich, Oberlieutenant von F.rzh. Schneider, Carl von. Major vom Tiroler Jkret
Carl-lnf. Reg.
LXXIII. bis LXXXVII. Promotion in den Jahren 1809-1810-1811.
Von uai hfolgeuden 15 Promotionen wurden im Jahre 1809 wahrend des Krieges
ü unmittelbar durch Allerhöchste Handbilicte (Armeebefehle! Seiner Majestät des G roß-
meist er* und 7 durch Verleihungen des hie/.u mit unbeschränkter Vollmacht ausge-
statteten Generalissimus Erzherzog Carl vollzogen: außerdem erfolgten i nach sLututen-
niat% abgehaltenen O rd v ti s - <: a pi U 1 n m deu Jahren 1S10 und 1811. Es bilden jedoch
die aus diesen Klimmt liehen l."> Promotionen hervorgegangenen Ordensmilglieder einen
einheitlichen Rang-Status aus dem Kriege von 1809.
GROSZKREUZ.
Se. kais. Hoheit Erzherzog Johann Baptist, GdC. und Ordeu»-Commaudeur.
COMMANDLURE.
Hohenrollern-Iiechingen, FOrst
Frani Sav., GdC.
1. i e c h t e n -i t e i n , FQr.-t Aloy... G M .
Hilter. Freiherr Johann, FZM.
Hailnt/.ky, Graf Joseph, FML. iwardb.d.
CXI, IV. l*i um. Crotikrenzk
F r i in o u 1 . Fr. lh-rr Johann, FMI..
Collore do- Mann« f» Iii. (iraf Uo-rou.,
FML.
1
Ord.n«.
rilt-r.
Smola, Joseph von. Oberst im Bombard.-
Corps.
Wiiupffan. Freiherr Max, GM.
Rondel, Chev. Frau». GM.
Mesko du Fels ö - Ku 1. i n y i , Freiherr
Joseph. GM.
Kionraoyer, Freiherr Michael, GdC.
Ha-degg, Graflgnaz, GM.
Kl enau, Graf Johann. FMI..
Ordens-
ritter.
K L E I X K R E U Z E.
Wintzingerode, Freiherr Fe r dm and. FMI..
Stfffanini d- Monte Ano n e . Joseph. Oberst und
Conmaudant .Ii s 7. Jager -Rataillou*.
V o 1 k m a u u , Anton von. Ober«! von Joh. Jellachicb-Inf.
Favergn, Graf H.iurirh. Hauptmann bei Krzherzuf
Franz Carl-lnf.
Digitized by Google
Promotionen I. bis CLXX.
519
Teimcr. Martin. Major dir Tiroler Landesschotzen.
Men »dar ff, Graf Eraanuel , Oberst-Lieutenant ron
Merveldt-Uhl.
Hol Di «eh, Ignaz von. Oberst-Lieutenant im Geoeral-
Mirljn, Chev. Mm, Rittmeister bei Hohcnzollern-
Chevaux-Icgers.
Csivich von Rohr, Ignaz Oberst de« Oguliner Grenz-
Reg.
0»t, Joseph. Hauptmann von St. Julien-lnf.
La kos. J«h. Bap»., Hauptmann im GeneraUtabe.
Wal per. Mathias, l'nterlieulenant im Bomb. -Corp«.
Bogst«. Johann von, Hauptmann von Siiubscheii-Ini.
B e r « i n a von S i e ge n t h al . Heinrich. GM.
Leiningen, Graf Christian. Oberst von Hnhenlohe-Irif.
Sachsen - Co I. u rg. Prinz Ferd.. Oberst von Erzherzog-
Ferdinand-HuN. iward 1813 Co m m a nd e u n.
Cöldlin von Tieffenau. Frh. Carl. Ohersl-Lieut. de«
9. Jag T-Hataillnn«.
Kr. Iniann von Kappler, Garl, Oberst - Lieutenant m
CcneiaUIal e.
B ak on y i, Emench von. Oberst von Duka-Inf.
U E * <\ ii i 1 1 - s, Marqu» Joseph, Hauptmann von Lusiguan
Inf.
Fasln er, Georg. Obrrlieutonant von Klebcck-Inf.
D'Andrais. Graf Julius, Hauptmann im Ingenieur-
Corp».
Lenk von Wolfsberg, Jakob, Oberlieulenalit im
V Artilleric-Heg.
Rossel von Ehrenfeld, Joseph, Oberlieulenalit im
I.ikkaner Grenz Reg.
S t ein d I . Carl von, Lieutenant von Schwarzenberg-Till.
Latour, Graf Janus. Hauptmann im GeneraUtabe .
Paumgartten, Johann von. Oberst-Lieutenant nnd
Corps-Adjutant.
Sigler. Ileinrirli von, Hauptmann von WOr/burg-lnf.
Klopstein, Clinv. Joseph (al. Anton), Oberst von
Deutsehmeister-Inl.
Geramb.Frh. Leopold, Ober«) von Erzherzog Joseph-
Hu.
«:b i in a ni tun Manusberg, Anton. Major von Smib-
sthen-luf.
Itartholeiny, Peter, Hauptmann bei Alvintz) -Inf.
Veyder von .Malberg. Frh. Carl, Obcrst-Lieut. bei
Erzherzog Carl Inf.
O'Hrien . Frh. Johann, Oberst-Lieutenant von Kerpen-
Inf.
G soll ich, Frh. Martin. Oberstim Generalstabe.
Fleischer von Eichenkrauz. Frh. Ferdinand.
Ohrr»t-l.ieutenarit im GeneraUtabe.
Hack her zu Hart. Franz. Major im lugen. -Corps.
Koller, Franz ton. CM
Frelieh. Fih. Franz. GM.
Gollner. Alnyv Oberst im GeneraUtabe.
Magdeburg. Frh. Friedrieh. Hauptmann im Ceneral-
Bnresch von G r e i f f e nb ac Ii . Wenzel. PUL.
Wacquanl »on Geozelles, Theodor. FML.
Wied- Runkel, Prinz Friedrich Ludwig. GM.
Andra-s} , David von. Oberst von Froon-Inf.
FBI sei«, Joseph von, Oberst von Erzherzog Carl-
Inf.
Meesery, Frh. Job. Carl. Oberst von Frei ich
Inf.
Fasching, Carl von. Oberst de« *. Artillerie-
Reg.
Seovaud. Heinrich". Oberst Lieutenant von Haillet-
Merlemont Inf.
Wieland. Georg von , Oberst Lieutenant von Blanken-
stein Hus.
Renss Kostritr. Forst Heinrich L\IV\, Major und
Flügel Adjutant.
K i n ■ k > . Fdrsl Ferdinand. Major bei .ler Landwehr.
Murmann, Frh. Georg. Major hei der Land wahr.
Poruhsky. David. Major von Hieron. Colloredo-Iuf.
Vernholz. Stephan (a). Cri-toph). Hauptmann bei Erz-
herzog Hainer Inf.
Bienefeld. Wilhelm. Hauptmann von Kolowrat Inf.
Dietrich von Htrm.i Husberg. Ernanuel. Hauptmann
im I. Artilleric-Reg.
Moriz. Johann. Oberlieulenant im Bomb. -Corps.
Christ . Josppli, Oberiieutenam im M. Artillnric-Reg.
Khrnatain, Joseph von, Oberlieuteiianl im Geueral-
sUbe.
Hümmel, Ludwig. OberMt-Lieutenaul beim Cordon.
Bianchi. Friedrich von, FML. iward IM3 Co in m a n-
deur).
Haas von Martvny, Stephan. Hauptmann vo
Jellacliich-Inf.
Wielow ieyski. Ladislaus. Lieutenant im 2. Art
Reg.
Szily von Nagy Sa iget. Anton, Major in der
risihen Insiirreclion.
Schmelzern v<oi V i ld in a Ii aeg g , Johann. GM
Galterburg, Graf Joseph. Major von Kaiser-H
Kinaky . (iraf Christian, Major im GeneraUtabe
Voilh, Frh. Wenzel. Major im GeneraUtabe.
Ulgyay, Balthasar von, Rillniei-ter m der ung
lnturreetiou.
t-t. rhaty, Graf Job. Xep. . Oberst in 4«
rischen liwurrrction.
Maroevich, Johann, Hauptmann des Wi
Kreuzer Greuz-Heg.
Hessen- Ii o in b u r g . Prinz Philipp. GM,
»
•t.lUrie-^-J pp^^
•r ung*J|
ii
am
...
ized by Google
„Milit.1ri*cher Marin Thcrcien-Orden.*' - Anhang
520
Bentheim-Steinfurt. Graf Friedrich (kl. Wilhelm).
Oberst von Vog«lsang-Inf.
Maurich, Franz von, Hauptmann im Generalstub«.
l*it t mayer , Mathias, Oherlieutcuant bei Argcnteau-
Inf.
Wal I m ii .1 o n - G i in bor n . Graf Ludwig. FML
S tut ter heim . Freiherr Carl. GM.
Mayer, Joseph, GM.
Flachcufcld. Carl von. Oberst von Liechtenstein -
KQr.
Rousseau (»1. Rurs o). Joseph von , Oberst in der Arüll .
Portner, Frh. Leopold. Obsr*l-L»«ul#n anl von Batla-
garde-lnf.
Ilaberoin, Franz von. Hauptmann von Kolowr.it-
lnf.
Kurz, Laurenz. Hauptmann von Hieron. Colloredo-
Inf.
Mariadsy von Marentfalva. Andreas, GM.
Senitzcr, l'aul von, Oberst von Beujowsky -Inf.
Gries«. Franz. Major von Stras-i,|do-Inf-
Ruober von Rueb-rsburg, Heinrich. H-itiptiuanr
bei den Jägern.
Nedotzky, Anton von, Rittmeister bei Blankenstein
Hu..
Rouss - Plauen. Forst Heinrich XV.. FZM.
Kleboliborg, Graf Johann. GM.
Hardegg, Graf Heinrich. Oberst von Erzbcr/njc Carl-
I hl.
Sali». Graf Rudolph. Oberst-Lieutenant der Land wejn
Rosiner, Johann v< n . Oherst-I.ieuten.ini im fleneraJ-
stabe.
Altraann. Joseph. Oberlieuten.mt von Hohon/.olli'rn-
Chevaux-leger*.
Hrabovsky. Johann von. Major im GeneraULabc.
LXXXVIII. bis CXLIV. Promotion in den Jahren 1813 bis 1816.
Voll nachfolgenden 57 lVi»ui"! innen wurden wahrend der Kriege von 181:!. daun voii
18 13, IS 14 und 1815 54 durch Ulerhöchslr Haudsfhreibou Seiuer Majestät des ü roß-
meisters vollzogen: außerdem fanden :( nach statutenmäßig abgehalten«« Urdm-
Uapilchi stall. Die aus diesen s.iniiuUichei) 57 Promotionen hcrvorgi-^.m^'-iii ii Dnleiis-
Mitglieder hildeu Wiedel einen einheitlichen Rang Status aus deu Kriegen 1812,
1819, 1814 und 1815.
<} R ü S Z K R K U Z E.
Kronprinz von Schweden <B e i n a d <> 1 1 o . nachmals
König Carl Johann XIV.).
Schwarzenberg. Fllrsl Carl. FM. und Ordens-Com-
maudeur.
BlOcher, Gebhard Lebrecht von. kon. premsisiliet
F.M. und Ordens-Commandeur (s. Comruandeure».
Wellington. Marq. Arthur, kön. engl. FM.
York. Herzog Friedrich . Prinz von Großbritannien,
englischer, auch k- k. FM.
COM MAN
Neippcrg, Graf Adam. FML. un'l Ordensritter.
.Sachsen -Coburg, Prinz Fer linand. (iM un'l Ordens-
ritter.
Os t o rmann -Toi s to y . Graf Alexander , kais. russi-
scher GL.
Barclay de T«lly, tiraf. kais. ru>s. Generalen Chef.
Bin eher. Gebhard Lebrecht von, kon. preußischer
General der Cavalleue (ward bald nachher Groß-
kreuz; s. Großkrouze).
Nugent, Graf l.aval. GM. und Ordensritter
S^heilher, Frh. Heinrich Georg, Gen. -Major und
Or<len«ntter.
Hessen-Homburg , F.rhprin/ Friedrich. GdC. und
l Irdeusrilter.
Bianrhi, Freiherr Friedrich. FML. und Ordensritter
N...lilz. Graf Johann. FML
DEURE.
Reisner, Freiherr Anton. FML. und Ordensritter.
Wittgenstein. Graf Ludwig, kais. russischer General
i D Chef und Ordensritter (s. Kleinkreuze).
Bennigsen. Graf, kais. russ. GdC.
Gnciseuau. Graf August, kon. preußischer GL.
Kleist, Graf Friedrich, kon. preußischer GL- und
Ordensritter is. Kleinkreuze).
Wrede, Frh. Carl Philipp, kon. bayerischer Genera
der Cavallene.
Ti.m.msich, Freiherr Franz, GM. und Ordensritter.
Wilson, Sir Robert, englischer General und Ordens-
ritter.
Freeuiautle, Sir Thomas, kon. engl. Admiral.
W 0 r t te in b e rg , Kronprinz von (nachmals König
Wilh.lmH, — Ordensritter (s. Kleinkreuze).
Sacken, Freiherr, kais: ru~«. GL.
Promotionen I. bis CLXX.
521
York, Graf Haus David Ludwig von, kön. preuO. (iL.
.M n ii roy de M er v i II»', Frll.Fr.in/. FML und Ordensritter,
n <i<. s.l an>> v ic h . Carl von, UM. im«) Ordensritter.
Mil.radowitsch. von, kai». russischer Ol..
PrcuÜtn, Prinz Wilhelm von. Ordensritter (s. Klem-
V reute).
HO low. Frh., kön. preußischer (ii,
Adlerkreutz. Graf, kön, schwedischer GL.
Uranien, l'riu/. von (nachmals König Wilhelm II,
der Niederlande).
Anglesea. Mariinis. kön. englUcher GL.
Hill. SirRowland. kön. englischer (iL.
Tauentxieu von W i 1 1 o ti b e r g, firaf. kirn, preußi-
scher GL.
KLEINKREUZE.
Wittgenstein. Graf Ludwig, kais. russischer GdO.
(ward bald darauf Cn m m a u d e u r. s. oben).
Pirquet , Peter von. Capitan-I.ieulenanl im*. Jag.r-
Butaillou.
Pauüuy , Michii.'l von. Major vou Kais. -Hu».
Ilessen-Homliurg, Prinz Gustav. Oberst vr.u Hessen-
Homhurg-Hus.
Baillct de Latour, Graf Theodur, Oberst im General
«Uhu.
Pfistor, Joseph, Rittmeister bei Riesch-Drag.
I rjtliot von Crenneville. Graf Carl. FML.
Laudenau. Ferdinand von, GM.
Feld eng, Ritter von Christoph. Hauptmann im 0. Jitger-
Kataillon.
l'liilippi. Johann, pens. Capitaii-Licutetiaiit.
Moll, Frh. Anton. Hauptmann im «. .IJtger-RaUillou.
Hi th. Joseph von. Oberst-Lieutenant von Duka-Inf.
Do Vaulx, Chevalier Carl. Major bui Erzh. Toscana
Ura,:.
Sem« Majestät Alex a u d e r I., Kaiser von Hussland.
>e Maj. Friedrich Wilhelm III , König von PiciiKen.
Klei st, liraf Friedlich, köm^l. preuft. GL. (ward bald
darauf Co m m au d e u i , s. oben).
Württemberg, Kronprinz Wilhelm von. (ward bald
darauf Coinmandour, t. oben).
Y e r mo 1 off. von. i
> kais. niss. Gencral-Lieuten.iut*.
K u o r ri ti g , von. )
I.azaric !i. Joseph von. Ma,"»r, Kommandant des Ut Hauer
Landw. hr liataitlons.
Miliitmovich, Theodor von. Oberst de.- Grad. Lauer
Grenz. -Reg.
Kehruvich, Mathias von, GM.
Esterha/y , Graf Vincenz. Major von R id. t/ky -Hu».
Hodiczk y, Carl von. Hauptmann im GcneraUtaho.
Ii .".ry von J oh bahazj. Joseph. Rittmeister bei Hessen
Homburg Hus.
Kirr», Johann von. Killmusler bei Fl uiiout-Hus.
.tetzer. August vou. Oberlieutenaut im (ieueraislabe.
1' HC Huer, Anton, Major bei Lothringen -KQras»it<ren
(wird b. d. (XIII. Proin. Com in a n d e u n.
l'Utuw, Graf von, kais. russischer General .-n Chef,
Ib-lman der Kosaken.
FQll er Maximilian. Unterlieutenant bei Erzherzog Franz
Carl-Inf.
F e n n e r von Fe n n e b o rg , Franz. FML.
Huher. Paul. Hauptmanu bei Erzherzug Cml-Inf.
Horn. Kaspar, Hauptmann hei Erzherzog Carl Inf.
Gallois, Frauz von, Oberst von Viuceul-Chevaux-Iegei s.
Haugn itz, Graf Eugen, GM.
Desfours. Graf Franz, GM.
Auen per g. Graf Max, GM.
Heesen- Homburg, f'rmz Ferdinand, Oberst von
Lothriugen-KQr.
Slutterheiin, Franz von, Oberst vou Hossen-H
burg-luf.
Rotsey. Adam vou, Ob.'i it von Hier. Colloredo-lnf.
Dressory, Wilhelm. Oberst von Simbschen-Inf.
W i n d i s c h - G r k 1 1 . Fürst Alfrod. Ob rst von lirottf. Oou
stantiu-KOr ward h. d. CLVII. l'rom. (i r o Ii k r e u ri .
C all. Carl. Oberst-Lieutenant von Argenteau Inf.
Volny, Johann. Major von Stranch-Iuf.
Sterubach, Frh. Eduard, Hauptm. im 2. Jäger-Rat.
We i - se ii wolf, Graf .Vilolan FML.
Bubua, Graf Ferdinand. FML.
Stein, Emerich, Oberst de» 2. Artillerio-Reg.
Ho th ki rch, Frh. Leonhard, Oberst inj Generals Übe. .
Simbschcn. Frh. Joseph, Oberst de» Gradiskanei
Grenz-Rcg.
"jlietka, Maximilian. Rittmeister bei Riesch-Dr.ig.
Weiss. Johann. Oberiieutenanl bei Hossen-Homhurg
Hin.
W Q r 1 1 e m Ii e r g.I'rinz Eugen von.
I) i e b 1 1 » c Ii , Frh., I kais. russische
Pa h Ion . Graf. ( General-Lieutenant-..
Hajew-ky . mn, '
Pi euUen, Prinz August von, kön. prent. General.
Zielen , liraf von, . , , „. .
/ kön. preußisch.
KlOcks (aha, Glnck- oder auch •
l (»euerale.
K l Q x'i. von
(ioltz.Graf von, k.'.n. pr liKischer Oberst,
Eckhardt. Ludwig, ti.M.
Urettschu eider. Friedrich von, Oberst von Fnmoiit
Hu*
Schön. Antun von. Hauptmann im Getieralstah«.
Digitized by Google
">2H ..Militärischer Maria Theresien-Orden." — Anhang.
General-Adjutanten
des Kaisers
von Russlaud.
Via» sito. Franz von, GM.
Ulagoevich. F.merich. Major im Generalstabe.
Weis », Bernhard, Grenadier-Hauptmann bei Reisky-lnf.
Wolkonsky. Fürst Polor, kais.
russischerGenerul derCaval-
lerie,
Ouvaroff. von. kais. russ. GL,
Osaroffsky, Graf, kai«. niss.
GL.
Orlow. Graf Fedor, kais. ras... \
GL.
Becker:', Graf, köni;rl. bayerischer GL.
De la Motte, Frh., königl. bayerischer GL-
Pappenheim, Graf, königl. bayerischer GM.
Paar zu Traut, Joseph von, Obstlt. bei Kottulinsky-Inf.
Preußen, Prinz Willn Im von. i ward, bald darauf Com*
ma ndeur, h. oben».
Murrt ich. Gideon, Oberst-Lieutenant im Generalstabe.
W i d m a y c r , Aloy «. Oberst des Likkniicr Greuz-Reg.
Kropfreiter, Johann. Lieutenant 1n-i der Artillerie.
Starhctoberg, Graf Gundaker, GM.
Proehasku, Adolph. Oberst von Hadeizky-Hu«.
Cadoga u. Georg, königl. englischer See-Copitfln,
Mass in a(ul. M e « t e. n »). Juhann, Oberl.imö. Hu*. -Reg.
W i 1 1 m a n n . Joseph, Major von Erzherzog Franz Carl-Inf,
Pflüg er von L i n de n f e 1 * . Philipp. GM.
Mengen, Frh. Carl, Oberst von Schwarzcnberg-l'hl.
Paar, Graf. Joh. Bapl.. Oberst und General- Adjutant.
St. F.nnoy, Desire von, .Major im :\. .läger-Bataillon.
Hoste. -
Itovloy. , konigl. engl. See-C.ipitane.
Mores b y - Fairfax, )
S c h ö Ii n e r m a r k , Carl Ludwig. Major im Generalslabe.
• Voll, Frh. Carl, kais. russischer (iL.
MOfriing, von, königl. preußischer <iM.
Prinz Carl von Ray e r n.
Stutterheim , Joseph von, GM.
Eberl. Raimund. Oberst vnn St. Julien-Inl.
Muy er. Johann. Major im Grneralstabr.
Horvath, Nikolaus, Rittmeister bei Er/h. Joseph-Mus.
(rusky, Jakob. Oberlieolcnant im 'i. Artillcne-Rep.
Rinder, Wilhelm. Hauptmann \ on Toscaus-Inf.
Berg er, Johann n,n, Oberst von Wcn/el-Colloredo- Inf.
Potier, Chcv. I.enp., Hauptmann im (Jeneral-lube.
(jer'Uckcr, Wenzel, Haupliuann im 0. Jager- Rat aillon.
Franquemont. Grf.,
Döring, von.
k. wOrtlcmbergisehe Generale.
Lederer, Frh. Igua*. FML.
äzent-iväny, Carl von, Oberst von Hessen-Hoiuburg-
Inf.
Kelenier. Stephan von, Rittmeister vou Erzherzog-
Joseph Hus.
GM.
Werohardt. Paul von. Oberst hei GrolfOrst Con-
stanlin-KOr.
Gall , Frh., großb»rzoglich hessischer GM.
We i$ 1 von LOwenwarlli Joseph. GM.
Bourguignon. Freiherr von Bnuinlirrg, Antun
Oberst -Lieutenant von Lusignan-Inf.
Zn Horn. von. königlich bayerischer Divisions-Geueral
Mecklonburg-Slrelitz, Prinz Carl, königl. prrii»
General -Lieutenant.
Worouzoff, Graf, 1
D'Auvray, Graf. • kais. russische Ul.
De Pre r ad n w i t s c h, Graf. <
G u r i e w , liraf von, \
T xcher nit scheff, von,
Langeron. Graf,
Soukhozanett, von,
G aly ezin , Fürst,
Kaiserof f. von.
Seslavine. von.
Roth, von,
Wasailtschikow, von,
Trubelzkoi, Fürst,
Hake, xon. j
Airsnsieben, von. ' kön. preutt. General.
Roeder.von, >
Block, von. königl. preußischer Obers».
Rechberg, Graf, konifil. bayerischer GM.
Besserer, von, königl. bayerischer Mi«j>'r.
Blake, königl. englischer See-Capitan.
BlOchor. Graf. Friedr. Gebhard, köni).'!. preuB. Ubers!
JohnFane, genannt ß u r g h e r s h , Lord, {spiller Graf
Westmoreland), königl. englischer Oberst.
Diez, von, königl. bayerischer GM.
C Ii r I a n d . Prinz Biron von, königl. preußischer General
Sachsen-Coburg, Prinz Leopold nachmals Köuig
der Belgien, kaiserlich russischer (Jener «t-l.ieul.
nant.
Liechtenstein. Fürst Wenzel, Oberst und FlOgel-
Adjutant.
Sipiagin, von. kaiserl. russischer General-Major.
Putelnkin, FQrst, kaiserlieh russischer Gsneral-Lieu
tenant.
Bergen s l rill e . Gustav.
Oller, Freiherr,
H o s s e n - H o in b u r g . Prinz Lu<lwig. königl. preußischer
General-Lieutenant.
Thum vonValle Sassiua, Graf Georg. Hauptmann
Ii. Kaiser-J.lgero, (b. d. CLIII. Prom. C oouiuiidcui
D'Aspre, Frh. Constantin, Major im S. Jlger-Batailloti
iward b. d. CLIII. Prom. Co m tn a n deu r).
Weldeu, Frh. Ludwig, Oberst im Generalslabe iward
b. d. CLL Prom. Co in m a n d e 0 r)
lav. 1
\ königl. ?
sehwed. Oberste.
Digitized by Google
Pmmotionen I. bis t;LXX.
Hessen-Darmstadt, Prinz Emil.
Pit tel. Christoph, Hauptmann im Ingun.-Curp*.
Wetzlar. Ki Ii. Ignui. Oberlieutenant t" i Fonncr-Jagerii.
Schaff er, von. (frolM.erzoglirh budi'cher General-
Lieutenant.
Clinton. Sir Heory, königl. englischer General - Lieu-
tenant.
kempt, Sir Jame.., j
Somerset, Lord Edward. > kün. engl. General-Majore.
Barne», Sir Edward. >
Elley , Sir John.
R ey.nell, Thomas.
Uarnard, Sir Andrew,
Abercrombie. Alexander,
rable,
Campbell, Sir Colin.
Wuod. Sir Georpe.
C o I b o t n e . Sir John, »plter Lord
Seaton\
Woodford. Alexander.
kflmgl. englische
Ohe. ,4,.
königl. englische
Oberste.
königl. englische Oberst-
Lieutenaiilx.
l'onnoDby, Frederik. Honorable.
Hervey, Felton Bathhur*t,
S mit Ii , Carinx liuol,
Filz-Roy Somerset, Lord Hein-
rich spater Lr.rd Raglan).
H.II. Sir Hubert
S 11 1 1 o u n . Lord, f
Macdonneil. Sir J«mer>,
Dyk. Robert,
Douglas". Neil, '
Grollmann, von, kOn. preuB. GM.
Noslitj, Graf August, kouigl. preu». Major und FlOgol-
Adjntant.
Bing. John (später Lord \
Strafford). > k. «ngl. General-Majore.
Ada 10. Sir Fredrrik, )
Hepburn. kouigl. engl. Oberst hei der Garde.
Clifton, Sir Arthur, kfinigl. englischer Ob'-rst-Liru-
tenant bei Dragonern.
Lowenhjelm, Graf Gustav, k. schwedischer General.
CXLV. Promotion vom 5. December 1823.
GROSZKREUZ.
Angrtuteme. Ludwig Anton Herzog von, königl. französischer Generalissimus.
CXLVI. Promotion vom 5. Jänner 1 828.
KLEINKREUZ.
Savoyen-Carignan. Priui von. nachmals Konig Carl Alh«rt von Sardinien.
CXLVII. Promotion vom 25. Octol.t r 1*40.
K I, E I N K R E l' Z.
Sein* kai». Hoheit Erzherzog Friedrich. Oberst and CupiUn der Fregatte Guerriwra.
CXLVIII. Promotion vom 18. Jänner 1841.
KOMMANDEUR.
Stopford. Sir Robert, königl. englischer Admiral.
K L E 1 N K R K U Z.
> a pi • r. Sir Charles, kfinigl. englischer C-imnodore.
CXLIX. Promotion vom 30. Juli 1848.
GROSZKREUZ.
Radetzk y. Graf Joseph. YM. und Ordens-Commandeur.
Digitized by Google
524
.Militärischer Maria Theresien-Ordon." — Anhau«.
CL. Promotion vom 19. August 1848.
K L E I X K R E U Z E.
Hess. Heinrich. Hitler von. FML. (ward b. d. CLVII.
l'rom. ComiBinili' u r).
SchOn hals Carl von. FML.
Stwrtnik. Fih. Anglist, GM.
CLL Promotion vom 27. November 1848.
COMMANDE U R.
Weiden. Freiherr Ludwig. FML. und Ordensritter.
K L E I X K R E U Z E.
Itossharh, Heinrich Ritter Ton. fiM,
■je h neiiler, Franz, Hauptmann im i. Artillerie-Reg.
Wohlgemuth, Ludwig von. GM. (ward b. d. CLVII.
l'rom. Co mm and nur).
Gorzkowaki, Carl von, GdC.
I'irquet, Frli. Aut<m . Hauptmann vou Kaiser-Jauern.
Zobel, Frh. Thomas, Oberst von Kaiser-Jagern.
Wralislaw. Gruf Eugen. FML.
C I a in - G a 1 1 a ü . Graf Eduard. GM.
Liechtenstein, Fürst Friedrich, GM.
Henedek, Ludwin von. Obersl von Cyulai-Inf. (ward
b. d. CLVIU. l'rom. C » in in a n d e ur.)
He ist- hoch. Frh. Sigmund. Oberst von IVnchaska-
Itif.
Doli. Carl von. Oberst von I'aumgartten-Inf.
Culoz, Carl von. FML.
Kopal, Carl Ton. Oberst, Commandatit de* 10. Jager
Bataillons.
Jablonsky, Joseph. Hauptmann im 10. Jtger-Batuillr'ti .
Weiss. Franz von, Oberst, Commandant dos ö. Jäger
Bataillon*.
Feldogg, Frh. Carl, Oberliculonant bei Wocher-Inf.
Fröhlich. Johann, Unterlieuleuant hei Wochcr-Inf.
Mayer von Low ensehwerdt, Franz, Major Lei Erz-
herzog Franz Carl-Inf.
Wimpffeu, Graf Franz, FML. (ward b. d. CLVII. Prom.
Commandeur).
Hauser, Heinrich, Hauptmann bei den Kaiser-Jägern.
CLII. Promotion vom 31. Mai 1849.
COMMANDE ü R.
Fi I an £ ie r i. Carl, Duca di S.itriano, königl. neapolitanischer GL. und General-Adjiitaiil.
CLIN. Promotion vom 29. Juni 1 849.
CüMMANDKl'RE.
h'Aspre, Frh. Constantiii, FZM. und Ordensritter.
Haynau, Frh. Julius. FZM. iward b. d. CLVII. l'rom
GroUkrcuzl.
Jellaci. , Frh. Joneph FZM.
Thum von Valle Sassina. Graf Gcorf. FML. und
Ordensritter.
Seine kais. Hoheit Erzherzog AI brecht, FML (ward b.
<t. CLXV'I. l'rom. G r o » k re u i.)
Tuchner, Frh. Anton. GdC. und Ordensritter.
KLEIN KREUZ F..
>:nola, Frh. Carl. Oberst im Genei .ilst.iW .
-> t r a s s o I d o , Graf Julius, GM .
Kuhn. Fruu^ von, Hauptmann im Generals!. ib.- \w,u • ! b.
d. CLXV1. Fron». C iiamlfiir.)
-.chwarzeub. rg, FGr>t Felix, FML.
Maititlich, Franz von. Obers! Lieutenant \ ,,n Ka.-ir-
Jugern.
MaruicU. Joseph icii. Major im Geiicralst abu (ward b.
d. CLXVI. l'rom. Cuuiin jiuleu r.l
lV r„ eu, Graf Ludwig. GM.
Cnstiglioue. (iraf Johann. Major bei Kaiser-Jagern.
Sunateuan. Fi Ii. Friedrich, Obor.it-Lieutenanl von
Prinz Lnul-Inf.
Becsoy, Stephan von. Major von GroCh. Baden-luf.
Streicher, Heinrieh, Hauptmann von Kai-er-JAgciu.
Schwarzenberg, Fürst Edmund, FML.
Martini, Joseph von, Oberst von Kaiser Inf.
Kiikavina, Frh. Georg. FML.
Zui.sberg, Carl von, GM.
Hart lieb , Carl von, FML.
Digitized by Google
Promotionen 1. bis (XXX.
525
Simnnleh, Balthasar von, FML.
Ottinger, Franz von, FML.
Mayrhofer, Ferdinand von. GM.
Schlik, Graf Franz, FML. (wurd b. «I. CLVIL Prüm.
Commandenr).
Üablenz, Freih. Ludwig, Major im Generat.Ube (ward
b. d. CLXl. Prom. Com m a nd o u r).
Oollery. Eduard von, GM.
Urban. Carl von, Oberst des l. Rom Grenz-Reg
Kolowrat-Krakowsky . Graf Leopold. GM.
Bar co, Freiherr Joseph. GM.
Bianehi, Freiherr Friedrich, GM.
Kislmanseggc, Graf Alelander. Oberst von Paum-
gartten-lnf.
KQIinK, Josif von, 0b< rst-Liautenatit, Commandant
di'R i. Wiener Freiwilligen-Bataillon*.
Hu bei, Christian, Major von Kaiser Jl»g»rn.
Zhehovini, Andreas, Lieutenant von der Artillerie.
Mamula, Lazarus von, Oberst im Ingenieur-Corps.
Bcrnay »OB Fuvancourt, Graf Juliu*, Oberst von
GroUhorzog Badcn-Inf.
K a I e h 1- e r g, Wilhelm von, Hauptmann bei Pruchaska-Iuf .
Rastich, Daniel, GM.
Jurku v \t, Paul, Lieutenant beim Ottuchaner Grenz-Reg.
CLIV. Promotion vom 12. August 1841).
KLEINKREUZ,
Konstantin Nikolaj« witsch, GroüfQrst von Russland.
CLV. Promotion vom 22. August 1819.
GROSZKREUZ.
Warschau. Fürst von, Graf Paskewitsch von Erivan, kais. russ. Feldmarschall.
COMMANDEUR.
I.Oders , Alezander von, kais. russischer General dsr Infanterie.
KLEINKREUZ.
P a n i n t i n e , Nikolaus \ on, kais. russi ,cher (! I..
CLVI. Promotion vom 2. September 1840.
K L E I N K R E 1/ /..
Kniranin, Stephan von, serbischer General.
CLVII. Promotion vom 26. März 1850.
GROS Z K R E U Z E.
Windiseh-GrAtz, Fürst Alfred, FM. und Ordensritter. | Haynau, Fi h. Julius. FZM. und Ordios-Conim.tndeiir.
COMMANDEURE.
W n 1, 1 g « in u t h . Ludwig von, FML. und Ordensritter.
Hess, Freiherr Heinrich, FZM. und Ordensritter.
Wiropffen, Graf l'ratiz. FML. und Ordensritter
Schlik GrafFranz, GdC. und Ordonsritter.
KLEINKREUZE.
John, Franz. Hauptmann im Genvralstabe (ward b. d.
CLXVI. Prom. Commandenr).
Ramberg, Georg TOD, FMI..
Csorich, Freiherr Anton. FML
Lnukic, Georg, Hauptmann bei SlnwtoUb-Iaf.
Herls. Johann, Hauptmann im 5. Arlillerie-Ri-u
V, vi, Carl, Hauptmann bei Bianchi-Inf.
üegenfeld, Graf Augu»t, FML.
Digiti^
loogle
„Militärischer Maria Theresier» Orden * — Anhang.
Packen.), Friedrich von. Major im General »tabe.
Monte nuovo. Graf Wilhelm. GM.
Wildburg, Krh. Adolph, Rittmeister von Kaiser Niko-
laus-KOr.
Hentzi, Heinrich von, GM.
Scherpon, Oswald von, Obe rst-Lieutenant de* l. Ar-
tillerie-Ri-g
Stirnburg, Graf Leopold, Oberst von Kaiser Kran/
Joseph-Drag.
I'ott, Gustav von. GM.
Uurits, Freiherr Anton. FML.
Simbschcn,' Freiherr Curl, GM.
Mcnndorff Graf Alexander, Oberst von Liecbt«o«t«tc
Chovauxl.-g.-r-.
Sostitz, Graf Hermann, Oberst von Ovalart Uni.
Scherpon, Joseph von, Oborhout. im 1. ArtüJcric-Rc(r.
Haus lab, Franz von, FML.
Kam ming, Wilhelm von. Oberst im GcneralsUbc
Liechtenstein. Fürst Franz, FML.
Szlaukovics. Ludwig von. Oberst von Ciiloz-ltif.
August, Georg von, Oberst und Fesluugs-Comm.ui -
danl.
Sehaaffgotscho, Graf Franz, FML.
Grotenhjelm, von. kais.
GL
CLVIH. bis CLIX. Promotion vom 17. October 1859 und 21. Mai 1860.
C 0 M M A X D E U R.
Bencdek, Ludwig, Ritter von, FML. and Ordeosritter.
K L E 1 X K R E U Z E.
P r o r k o s c h. Atiton. Obrrlulitenant im H. Artülerie-Reg.
F.du I s heim . Leopold. Freiherr von, Oberst und ft.-g -
Cmn. von Preiiden-Hu». Nr. 10.
Do rinu ».Joseph v , Oberst v. Culoz-Inf. Nr.::i iBngadierl.
Württemberg, Wilhelm Hrr/op von, Oberst und
Reg. -Com. von B'lgien-Inf. Nr. 37.
Pö pfne r, Jos j. Ii um, Ohersllieutenant im GeuoraUtahe.
Kl ein er t, Friedrich, Üborlioutenant im 2. Artillene-Reg.
S I a d i on- W a r t Ii a u s e n u nd T h a n n h au *e ti, Philipp
Graf von, FML.
Hessen uud bei Rheni. Alexander Prinz, FML.
Dobrienskv' von Dobrzonitz, Anton Freiherr. GM.
Lilzelhofsn. tduard. Ritter von . Oberst-Lieutenant
im Gencralatabc.
Catty , Adolph. Obersl-I.ieiitrnanl im (ioneralstabt
Appel. Johann, Freiherr von. Major de» 15. Ulli. -Heg.
Urs de Margina, David, Major von F.riherzog Franr
Carl-Inf. Nr. lt.
Neubauer, Gustav Adolph, Hauptmann im 3. Arlit-
l.r.e-R.g.
Fi jervary de Komlos K. resztes, Grza. Haupt
manu im Ganeralstabe.
CLX. Promotion vom 24. Jänner 1861.
K L E 1 X K R E T Z E.
Sr. MajestAl Franz IL, König beider Sicilien, Obcrst-
Inh. des 12. Uhl.-Rop
>e. konigl. Hoheit Ludwig (iraf von Tum, Prinz beider
Sinlien.
S. . konigl. Hoheit Alphorn« Graf von Gas e r t a , Pnnz
beob r Stallen.
*e. konigl. Hoheit Kram de Paula T.raf von Trapatn.
Prinz beider Siciliuu.
CLXI. Promotion vom 15. März 1864.
0OMMANDE U R.
G a h I • n z , Ludwig Freiherr von, FML." «lud Ordensritter.
K L E I X K R E U Z.
Gondrocourt, Leopold Graf, GM.
CLXII. Promotion vom 1 0. April 1 864.
KOMMANDEURE.
Wrangel. Friedrich Fr. iherr von, konigl. preuftierher
G<vn»ral-F«ldoiarschall.
Se. kTmi^l. Hoheit Friedrieh Carl. Pnnz v. PrenaVn
konigl. preußischer GdC.
Digitized by Google
Promotionen I. bis CLXX.
527
KLEINKREUZ.
Se. konigl. Höhnt Friedrich Wilhelm, Krooprini von rrruten (nachmals Friedrich III , Peutscher Kaiser
König von Prcu»cn).
CLXIII. Promotion vom 8. August 18G4.
KLEINKREUZE.
Herwarth von Rittenfeld, Carl Eberhard, königl, I M a n s t ein . Alhrcrht Ehrcnreich Gustav von. königl.
prent. GL. preu». GL.
CLXIV. Promotion vom 3. Juli 1 866.
COMM ANDEUR.
Se. Majestät Georg V., Konig von Hannover, Oberst-lnh. de» 42. Inf.-Reg.
K L E I X K R K U Z.
Se. konigl. Hoheit Ernst August. Kronprinz von Hannover (nachmals Herzog von Cumherland, Herzog r«
Braunschweig und Lüneburg).
CLXV. Promotion vom 18. Juli 1866.
KLEIN KREUZ.
Se. konigl. Hoheit Albert, Kronprinz von Sachsen, Oberst-Inh. de» 11. Inf.-Reg. (nachmals Konig von Sachsen)
CLXVI. bis CLXVIII. Promotion vom 29. Aupust, t. October 1866 und 10. Februar 1870.
UROSZKKEUZ.
Sc. kaiserliche Höh. Erzherzog A 1 b r e c h t . FM. und I
COM M ANDE ü R K.
Marinrir diM.idoniiu del Münte. Joseph Freiherr.
FML. und Ordensritter.
John . Franz Freiherr v.. FML. und Ordensritter.
Tegetthoff. Wilhelm von. Vice-Adtuiral ,
Kuhn von Kuhucnfeld, Franz Freiherr. FML. und
Orden*rilter.
K Ii K I N K R K U /, K.
Härtung. Ernst. FML.
Hodu h. Gabriel, Freilu ir von. FML.
Pirelde Bihain, Eugen Freiherr. GM.
Pul*. Ludwig. GM.
Piclsticker. Ludwig Ritter v.. Oberst-Lieutenant im
tieuerulülalie.
Bechtolsheim. Anton Frriherr von. Rittmeister des
Ii. Uhl.-Heg.
Knebel von T r e o ense h w e r t . Albert. Ritter, GM.
Wagner von Wehrborn. Rudolph. O i r-t Lieutenant
den 6. KOr. Reg.
7 Lehmann. Moritz, Ritter v . Rittmeister d*S l.lhl.-
Heg.
tirodler. Ludwig Ritter von, Hauptmann im Tiroler
Kaiser Jager Reg.
- Grocben, August von dor, Hauptiii im .V Art. -Heg.
Petz, Anton von, Contre-Admira!.
Uaublehsky v. Sterneck »u Eh reu* Irin, Maxi»
nlliU Freiherr. LinicnschiBVOpitan.
Montluisanl, Bruno Frcih. v.. Oberst irr. Tiroler
Kais T-Jager-Heg. uU Brigadier).
V.iofron i von Manfort, Moritz, Corv«Ucn-Capitta.
ioogle
528 „Mililiiri*« Ih i Maria Thfresicn Unli-n." - Anhang.
CLXIX. Promotion vom S. Lhei-mlni 1S75.
KLKINKKEÜ Z.
S*. Mnjo-ISt Kaiser Alcxaud-jr II. vou Hus--lanil, Obersl-Inh. dei i.Iuf.-lUj;. und dus II. Ulil.-KdR.
CLXX. Promotion vum 2. Mai 1870.
C (I M MAND K ü R.
i'hilippovi«' von Vh i 1 1 |>p ab e r* . .loseph Freiherr, FZM.
KLEINKREUZE.
I'ittul. Heinrich, Kreilurr von. OI.it»! und Coniiniiu-
l <k>^ HH. lul.-Kog.
fit, Stoplian Freiherr v., KML.
S.-.üpäry. Ladi*Uu? Graf. KMJ..
Vochc) du Vvcnv vi ßni ü! lyft- I .^agfa , Joseph.
FML.
I
Digitized by Google
Statistische Übersicht
der
Promotionen des Militärischen Maria Theresien-Ordens und des Status
desselben in den Promotions- Jahren seit der Stiftung im Jahre 1757
bis 1879 (1890).
530
Statistische Übersicht der I'romntiojieu des Militärischen Maria Theresien-Ordens
■ I 1 UIIJUlll'll
Vom Ordens-Capitel
Vom Allerhöchsten
Großmeister aus eigener
Machtvollkommenheit
in den Orden aufge-
nommen
l
X
L-
ix
1 Intimi
L'U l'J III
geprüfte Canilidaten
zur Aufnahme vorge-
schlagen und Allerhöchst
bestätigt
Inländer
*
0)
N
«ä *
1 t
3 ^
3T
w
Summe
o.
O u
i
c
lt
3 3
C
© 'S
u
Z>
V
3
1 Gründung
22. Juni 1757
•
■
-
2
2
2
1 1
7. März 1758
77
2
14
16
•
•
16
2
1. August 1758
1
•
1
1
•
1
3
4. Dec. 1758
110
5
33
38
•
38
4
9. Jänner 1 759
1
2
o
i
•
2l
5
23. Jänner 1760
1 14
3
37
40
*
40
6
-2. Dec. 1761
196
3
23
'26
•
*
•
26
7
30. April 1762
92
15
15
15
8
21. Ottober 1762
22
3
18
21
21
<>
11. Nov. 1763
126
t)
- 1
23
•
23
10
15. October 1765
i
1
«1
10
10
11
21. October 1778
•
•
*
2
2
12
15. Februar 1779
•
•
1
12
13
13
13
19. Mai 177H
117
i
6
•
*
*
6
14
24. April 1788
•
■
•
*
*
1
1
■
15
15. Nov. 1788
34
9
9
■
16 ).is IS
1789
•
2
t
4
6
0
19
21. Dec. 1789't
?
i
25
26
26
j 20 Iiis 22
1790
1
3
4
t
4 1
23
19. Dec. 17911
71
56
56
4
3
7
63'
! 24 und 25
17!»2
•
•
1
1
2
2 1
1 26 bis 32
1793
•
•
3
6
7
16
16
33
25. Mai 1794
•
3
3
3
34
7. Juli 17'.'+
247
3
3
31
37
•
37
35 bis 41
Oil.-n.c 1795
5
8
13
13
42
11. Mai 1796
215
1
2
29
32
1
1
33
13 l.is H5
1796-1800
•
12
23
35
Digitized by Google
und des Status desselben in den Prumotious Jahren
■
Vi»in AlM'liO. -listen
»"iiTißnifiriter in den
< »i-itcn ;uif^f't)onitncTi
e
Zahl iUt l.'bi-wUMi Uni,-iis-MOgIi.',l.M-1'
Aiiin.'i-kim-
A H s ! ;'i n (1 <■ f
i
!
Ii ] a
n d t1
r
4
A
U S 1 ii 1) i\ •
1 r
i_i
£i
-
*->
—
u
h
7\
-
-
7.
*_j
d V
w • 1
-.
7.
■T.
■J
IG
1
■
♦
•
*
I M. IL rv.,c i
vi n l.i>! Iir iiji.nii '
uir! f'M . <w;»l
1 >;mi n .
:ts'
1 7,7o
:t
■
•
4H
07
07
10
170D
1 1
Si i
Ol
01
20
1701
n
:u
in.")
In.")
!;">
21
•
1 702
l:t
l i;i
126
■
■
120
•j:s
1 Till
1 7
•
li:.
102
102
lo
1 7n.'i
1 ~ 7 H
1 ,'i
i
s
1 1 7
1 ,;j
1 K
•
•
•
■
102
' '. s
Kr;:,-|,tiiM; .). T
f., •!• r !
' ■ .14 1 1 1 . [ 1. 1 ' III' -
i:j
■
*
0
l
;i
Ii
i ;t.>
t>
:u
112
12s
*
1 2t<
1 7 .v>
.
7
IM
10:;
•
lit2,
"J l >
i
i ;sm
1 v
IIS
1 10
i :'.")
Ii; • 1. .n.iuLi'.i ii-
1 -1, .Ii
* .' .1 1 1 1 1 • ' 1 1 - '. 1 1 1 V . - -
iii^I r =■ 1 Ii - - ii
0!'.
■ i
1 700
] 7;i2
<
7
1 ;
M
hm;
,,„
101
120
LH l
10
170 t
M
147
1 17
i .
1
L
;;s
l:t
;«
1701
1 70.")
1700
in
io
i:i
9
11
KS
127
1.70
1f>4
140
1SJ
I
1
I
1
1
1
1 17
t ^ 1
2
1
].S
isOi)
s
21
io:<
102
1
1
s
10
2U2
Digitized by Google
I
532 Statistische Übersicht .1er Promotionen des Militärischen Maria Theresien Ordens
Vom OrdensCapitel
Vorn Allerhöchsten
Großmeister aus eigener
Machtvollkommenheit
in den Orden aufge-
nommen
Promotion
Datum
zur Aufnahme vorge-
schlagen und Allerhöchst
bestätigt
1 !
c
Inländer
geprüfte Ge
tu
• 3
— 0,
•3"
Comman-
dern-»
Ritter
c
s
as
M
eä $
•
c
Ritter
i
Summe
£
3
•Ji
1
66
11. Juli 1801
308
1
4
75
80
•
80
67
5. November 1801
•
•
1
1
1
68
30. April 1802
111
•
20
20
•
•
•
20
6?) und (0
« OA' 4 CmJ .fr
180o — 1806
■
•
•
•
2
1
3
3
71
28. Mai 1806
81
3
22
25
•
•
25
72
1. Män 180H
66
1
5
6
•
•
0 I
1 7H bis 79
Mai-Nov. 1809
•
.
•
1
28
32
32
80
10. Marz 1810
321
1
35
36
•
•
3'.
81
8. April 1810')
?
2
13
15
•
•
15
82 bis 86
1809— 1810
.
7
12
19
19
87
17. April 1811
(54
8
88
2. Sept. 1813
17
1
4
4
:• 89 bis 124
1813 und 1814 i
1
u
50
50
125
9. Mai 1815
297
2
30
32
32
126 bis 134
1814 und 1815
2
2
2
135
27. Juh 1816 \
28
6
136 bis 144
1 813-1816
*
1
1
2
2
145
5. riec. 1823
•
*
•
146
5. Janner 1828
.
147
25. Oct. 1840
•
1
1
1
148
18. Jänner 1841
•
149
30. JuU 1848
1
1
1
150
Ii». Aug. 1848
•
3
3
3
151
27. Nov. 1848
21»
1
21
22
152
31. Mai 1849
:
1*3
29. Juni 1849
Hl
6
35
41
41
>
1
!
Digitized by Google
und des Status desselben in den Promotions-Jahren.
533
Vom Al]<>rh(Vhstf'ii
(IrofitiieisttT in i\i?ft
Unlt'n aulVeiioinni'-ii
Zahl der ]rl>t>ndi')i < »Rleny-Mit-Ii^kr1.1
\ 1 1 in i't kunt*
A ii s 1 ü
II (1 *'
r
rr
I
n 1 ;t n (1 c r
A uslii
iL (1 *'
p
1
. i
—
rs:
■z
« t.
7.
H
7
— ?
-
—
1
- 7
- !
-
1 ?
■— ■
7.
E
•/.
N)
1
s
21
l.v'
IM
1
I
]f)
) 7
■
■
2<l
1S02
s
•21
2C.S
1
1
lf)
17
2«:>
•
I
1
■
•2.)
■ '->
22s
•2.">>
1
! 4
1 7
277)
I
■
ö
7
21
21"
217
* >
1
1 1
17
201
■
•
:5ti
i;.
1 8' ■'. 1
_
2S
22'.«
L!t,4
1
i
11
17
2M
Uli < :.i!i-i.<j..i i-n -
LlSl. dl — , -r- C.l-
in'Vl-, i-t 1:1 Wr-
.u.-l ^.T.itln r:.
■
r.)
1S]|.
8
■ J 1
M
2 . 2
Hl
- '
1
11
1 7
:J2*
W.-.lir. n.>. nr, 1
11:, ..Ii ■ 1 • ■ rr: J 1-
. . 1 1 1- 7 ■ 1 V. :.
s
1
IM 1
1 s l : ;
7
S
*'
27;,
2i>
M2
:;u:i
>
:;
l
7
12,
2:t
Mi
:',2S
:!12
S. nu r U,o--t..t
t 1 r i- 1 1 1 .*■ 1 1 ! * ■ ' 1 1 • ■ _
!» 1 I - « 1 > » I | *. 1 1
i-'iien.
.
i;>
IV'
1 III
:»■_>
IM 4
::t.
2,")t,
2'.n
:<
;
21*
:','•
:v.s
M,i A II. M.,-,.1
-, 1 1 r . it..
i- rli. 'i.-n.
a
.
H
' ! i
! r. )
Ii
im:.
<>
2! '7
:U<>
:>
r.«
in:;
127
h.7
V.i, *.,.(..r M.>-
•h.-.U ,. Lii.- \ Ii.
II „nU. 'i: ■ .i .Mi
•>
1
IL'
1
17
1
1
l:i
l
1
1M<>
im::;
1>2>
■1
4
22
['.«
2: ü
;
IM
:::;t
2 1 7
1
4
!:i
1 7
12
Ir.'i
','»'
H2
1 IV
IMS
l»i:l
. ',S' '
::2f>
mm Ii. ., 11.
\ 1 ^- ii, .'l M i-
1.- -'.'1- L.iiL :i ■■■ l>-
!i.i^"i-:-n : l..l|.-
I'"n(f enfonl
.1 ■ \ , 1 1.I...1
1
1
IM"
•j
1 L2
12->
:<
r,s
7:i
2i i2
1
1
>
• J
l
IM 1
2
m:;
1 1.;
7s
IM
I.Ms
1
71
1
<
;>]
1
1
122
1
1
1
1
*
•
•
Digitized by Google
534 Statistische Übersicht der Promotionen de« Militärischen Maria TheresienOrdens
Vom Ordens Capitel
Vom Allerhöchsten
Großmeister aus eigener
Machtvollkommenheit
in den Orden aufge-
nommen
Promotion
Datum
laten
zur Aufnahme vorge-
schlagen und Allerhöchst
bestätigt
Ander
geprüfte Candi«
Inländer
i
Groß-
kreuze
es
c '■
c «-
p 3
o r~
Ritter
Summe
Groß-
kreuze
s e
i s
Ritter
Summe
-a
E
•T
154
12. Aug. 11J49
. 1
loo
Ä . ... 1 ü IQ
aa. Aug. ltv*y
i
156
2. Sept. 1849
1
157
26. Marz IsoO
134
2
t
24
30
1
1
31 ,
1
10Ö
1 #. Uctober löoy
50
1
12
13
13 i
Nachtrag lDf
ä1- Mai lobU
2
1
1
2
2
3
lbO
24. Juinirr 1861
.
1
161
In. Marz 1864
2
1
1
o
•
162
19. April 1864
•
•
loo
o. August Ioo4
*
•
164
3. Juli 1866
»
•
•
I Iba
1 1> t..i: iql'i1
18. Juli lr>bb
•
•
•
166
29. August 1866
35
1
4
12
17
17
Nachtrag 167
4. October 18K6
21
•
a
'>
2
168
10. Februar 1870
7
i
1
1
169
8. Dec. 1875
•
170
2. Mai 1*79
50
•
•
1
3
1
1
1
5
1 ,
3128
26
;J8
6iy
713
16
64
153
238
*-)
946
1
1
i
Anmerkungen: Zur Hirhtigwtellung Zahl der in den Ordens-Capiloln geprOflen Caudidaten und der wirk -
liehen Ord. riMnilgli.Ml.-r kommt iu beuchten:
'l Die Candida trn der l'.t. und M. I'ioniotinn konnten nicht aufgefohrt wurden, da die betreffenden Listen
in Wrlii-t (tc-nethen. Wenn diese I" ni. n Prctiedioucn carui' ht l.ernci-icl.ti^t »erden «»betrugt da» Verhältnis aller
t.'undi i.itcii zu den «uf «trund ein- * Captte!* rrc.inu werten I<mi : -J 1 ■ l . Nach die-er Scala berechnet. *ind daher in
den au-gewn-Minntn 3t ib Caudidaten in>ch weiiu/edcn« lt»i /uni»chl.igen, *v da»s die Zahl der in den Capilelu
geprüfte» CMjdidateti zum mindesten .'J.iio betragt.
;) Die l'ro:iii. vierten wurden auf llnmd der r'r^metinn-iirten. <>lin<t Htkksichl daraul, ob »ie !<chon früher
Mitglieder einer im-der-n C:.i-*o de* Or ein waren, in die (bei-icbt aufge»,rinl»e». t" Itter <len I 109 l'rontoviert en
Ii nden uch y liillmter. w elf lr dreimal i hihi Ritter. Cum in nie lein und tiiel>kreii/.i. und H'.\ Inländer, ilauu 3 Au«-
länder. welche zweimal priuiiuvicrt wurden. Ks sii d daher 1 s + Mi ich der lier-amtut* ahl der Proinmierteii ahiu-
iei liiien «odiir« Ii .-ich «Ii" /. ihl der wirklichen Orden- niituheder .»eit dem Jahre 1 ;»T mit KXJ") herausstellt.
Cber die l'rmn. dienen de: Jahre UMdbi- IM» herrschte h.shcr .•rr.üe Verwirrung, llicaelhe entstand
dadurch, da-* <lie win Seiner Muj.»ut dem Kai-er franz. welcher »ich ISI.i und ISI t hei der Armee un leide
licland. -..uiy prui ^ in ^rolSer Zahl iimrkanntei) und ult oitrouhiiidig Qbert/. henen Decoraüonon de« OrdeD».
Digitized by Google
und des SUtus desselben in den Promotions-.Iahmi.
535
Vnm AII.'i-Ik'h hsti'ii
GrulonHster in dvM
Onlon jiufjjciionniK'i
A u s I :"i n d >■ r
■ -
5 :
-
-
'/.»Iii .Ivr k-beml'Ti Unlivis-Mit-litirlci-'''
1 Ii I ;i II <1 r
I
-
,
]
•
•
4
:>,
•
•
■
1
1
■>
7
1 7
n
;>i
I u
;
i
lH,':t>
4
ll
Mi
i.",:s
2
ti
ii.
:>i
1>7
-
!:'.
[Söll
1
7
M
.< •>
■
3
-y j
1 1 ö
*
iMin
1
7
S.i
MI
!'.'
IJ<>
4
1
•>
■ w j - r
. IM 1 1
i
i
7
. i
:i
■>■•>
—
1 1 *
■
■
•j
1 Ml 1
Ii
cm
i ■ l
5
Ii h I
i
■>
i
1
1
-
17
; s i >i >
,s
7 (
; i
J7
;u-i
i
1*7"
1
.v_>
1
4
1 i
1,-
7!i
i
1
1
l*|.'l
i
!
v-
1
1 (
i:>
t,;<
K-7'.i
1
1
w
i"
1
in
i ;
1
'>
--
_!ti
r,
ti
1 S', 11 1
1
]
Iii
f t
1 1
n,:i
A II s 1 ;i n ll I
.2 - - r
iL- - -_
-
An'iifci-Lnn/
inabasoadetu aii die (![«■•: Au4*oichnnn|r sehr anittrhcuih-n rViislandvr im irroJton Hdu|>(<)ua'tii»r«
«■vidvol gullilteli und div OrdtfiiCkonzlri I" k ;>niit atpvriKtl » ur j.ju Pi>- Fvlgv w.iron imnllich« I*" <' ■ "
l»iiKW!i>riKi' trb^lmn ([<•!• . welfdi* kh-r l'in m «in» Jahr lältt t-r*lrvrklcp. In <l«r ,Ci>nchitlit<- d?s Mar
Ordm*" von Dr. HirtonfHd vom Jahn» lMai sind dletir I'tmiioUihm!» - Nr. Hh ttn IU - nur C
««tragen. Nach sorgfältiger Sichtung der AcLvll nind dicselbt-n luiumelir in diu 'Iure Ii €>[»!- 1 1>< *' Kl'
fworuntur i Hilti'r fOr doi Kriu^sjuiir IMii und in jene Promoviert*'!! KVBChi«>nVn. waldwn Sein!
kaimtr und GroUnx-riaU-r dtü Ordi-n Itaeil» mit. tkieil* ohne AllerhGrh-t.im r|jind*elire.:lien verlieh,
lj Die&ihl der lv'h<Mid'-i« Or(trii«mit)$H>'<l''r wurd« vom i»hr« it.Vj hin 1 74» i aus dem vollzählig im 0['j"*itj!4
>; Ii v erli«geoden Jahresi-uchnii4igi>n «uln »•■ i: V.tm Jahr« IV'.o u, :i . !• ':-m J.ikrc d
Almanach »rschifln. wurdu ujch dtu^dr i-ur CuTitrot* fOr ji nn l'oriadon (N.nQt/.t Di«1 alteren Sc'
jedoi I : ii hl .: .n > . i :.. -tiich, sowohl bezD/.' Ii Ii n iudtschi-a, ula taabwundere d«r ausl.tndl^
dfrr«o TodasfUtu oft «rat Bach Jahren rur Kennlnis gi-lainfifn und in d«n»«l3ji?p Lt?rQc)i »ichtuft wurden. I
■■tr«^ u< d /in ro dal ' »I lODamilflieder boiiahen »ich .lahar im vuri(j*n Jahrhuudort auf i<rn Ahaehl«**. in di^aai»
-l.i.-lii:.i. Ii ['. .■u::i.-i-l -i.-li \uf iu b - • ' : ■ Ii !• h , : Jal.« - r. i j> il.^ . .: I-. :» b-n n*! • V.. ..r ;
ji di-n J.ili-. h i ■ r - 1 k.. ii. ii *i 'ii*
ntiv cii
rii-iunlcn
<^Ut dar
r-.U. Mililir
itinman «nid
Mi' JieA
Digitized by Google
536
Statistische Übersicht — Rekapitulation.
Recapitulation.
Zahl aller in 13^2 Jahren abgehaltenen Ordens-Capiteln 35
„ aller in 35 Ordens-Capiteln geprüften Gandidalen (vide Anmerkung 1, S. 531) 3320
, der von einem Ord<*ns-Capitel vorgeschlagenen und A. h. bestätigten Mitglieder . 713
, der vom A. h. Ordens- Großmeister motu proprio Promovierten: Inländer .833)
Ausländer . 163 f
, aller Ordensniitglieder in 132 Jahren (vide Anmerkung 2, S. 534-) lOOö
, aller inländischen Promovierten in 132 Jahren 946) 1109
„ aller ausländischen . , 132 , 163 '
Verhältnis aller Candidateu zu den auf Grund eines Capitels Promovierten (ohne Prom.
19 und 81) 100:211
Verhältnis aller inländischen Mitglieder zu den auf Grund eines Capitels Promovierten 100: 75
Verhältnis aller inländischen Mitglieder zu den durch den A. h. Großmeister motu
proprio Promovierten 100 : 25
Verhältnis der inländischen Großkreuze zu allen inländischen Mitgliedern 4 : 100
Verhältnis der inländischen Commandeure zu allen inländischen Mitgliedern .... 10 : 100
Verhältnis der inländischen Großkreuze und Commandeure zu allen inländischen Mit-
gliedern 15:100.
Wien, im September 1890.
Pielsticker FML.,
Ordens-Schatzmeister.
Digitized by Google
AlaMiscta Namens-Reoister
zur
vorliegenden III. Abtheilung der Ordens-Geschichte und zu den
Promotionen I bis CLXX.
Digitized by Google
538
„Mililarischer Maria Theresien-Orden." — Anhang.
In diesem Namens-Register erscheinen die Namen inlandischer Ordensmitglieder
in gewöhnlicher, stellender. die Samen ausländischer Ordensmitglieder in liegender
Schrift.
Weiter sind in dem Register mit romischen /.iifern die Promotionen der
betreffenden Ordensmitglieder bezeichnet. Bei denjenigen, welche fDr mehrere Ordens-
rlussen promoviert wurden, sind zwei, beziehungsweise alle drei Promotionen angeführt.
Mit arabischen Ziffern sind die Zahlen der Seiten in dieser vorliegenden
III. Abtheilung bezeichnet, auf welchen der Ordensmitglieder aus den Promotionen
I • CLVII (1757 — 18501 gedacht wird, oder auf welchen die Darstellung 'ier Waffcnthatcn
(des Lebenslaufes) der Ordeusmilglieder ans den Promotionen CI.VI1I bis (XXX
(1859- 1*7*» anhebt.
Es wird hier neuerdings bemerkt, dass sich die Aufzeichnung der WafTenthuten
sammtlicher Ordensmitglieder nachfolgend vertheilt, und zwur aus den Promotionen:
I bis LXV1II (Jahr 1757 bis 180*1 auf die Abtheilung I (Seite 1 bis 7*8):
LXIX bis CLVII (Jahr 1805 bis 18501 auf die Abtheilung Ii (Seite 74'J bis 17*«);
CLVIll bis CLXX (Jahr 1850 bis 1879) auf die al- selbständige neue Folge der
Ordenxgeschichtc vorliegende Abtheilung III.
Alphabetische« Namens-Register.
r»39
A.
Abercrombie, Alexander. LXXXVIII-CXLIV.
533.
Adam, Sir Frederik. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Adlerkreutz, Graf. LXXXVIII-CXLIV. 631.
Aichelburg, Carl. XXjII. 507.
AI bell. Ludwig. XXIII. 508.
Atbrrt, Kronprinz, nachm. Kor.ig von Sachsen
CLXV. 350. +99. 537.
Albrecht, Erzherzog. CLUI., CLXVI. 33. 3:*4-
497. 534. 537.
Alexander, Prinz von Hessen u. b. Rhein.
CLVIII. 135. 536.
Alexander L, Kaiser von Russland. LXXXVIII-
CXLIV. 521.
Alexander IL, Kaiser von Russland. CLX1X.
4*3, 53*.
AI fron. Adolph. III. 501.
Altmann, Joseph. LXXIULXXXVII. 530.
D'Alton, Richard. V., XI. 503. 604.
AlctnsUbe», von. LXXXVIII-CXLIV. 533.
Alvintzy, Joseph. XII . XXVII , XXXIV. 504.
508. 509.
Amadei, Carl. I. 500.
Andrassy, David. LXXIULXXXVII. 519.
And ras sy, Johann. LXVI. 51«.
D'Andreis, Julius. LXXI11-LXXXV1I. 43.519.
Anylesea, Marq. Henry. LXXXVIII-CXLIV.
531.
Ant/ ou lerne, Herzog.' von. CXLV. 533.
An ken bi and, Phil. Jak. XXJII. 508.
Appel, Frt'ih., Johann von. CLIX. 145. 498. 53«.
D Arberg, Carl. III. 501.
Arenberg, Carl. III. 501.
Argenteau, Eugen. XL1I. 511.
D'Arnal, Johann. XIX. 50«.
Asciier, Adolph Ritt. v. 4W.
D'Aspre von Hoobreuck, Conataiitin. XXIII.
508.
D Aspre, ConsLuitin. LXXXVIII-CXLIV., CLUI.
."»23. 534.
DAuMeux. Anton. VIII. 501!.
Auersperg, Kranz Xav. LXVII1. 517.
A uersperg, Carl. XXI. 606.
Auersperg. Max. LXXXVIII-CXLIV. 531.
August, Georg. CLVH. 536.
DAuvray, Graf. LXXXV1II CXLIV. 533.
D'Ayasasa, Josepli. I., X. 500. 504.
Ayeu, recte Ryan. Edward LXIV. 515.
Aylett, William. LXIV. 515.
B.
liagralion, Peter. LX1I. 511.
Baillet de Latour, Max. XXIII. XXXIV..
XLII. 507. 509. 511.
Baillet de Latour, Theodor. LXXXVIII-
CXLIV. 531.
BajalicB, Adam. XXXVI. 510.
Bakonyi, Ernerich. LXXIULXXXVII. 519.
Balcraft, recte Calcraft, Grnnhy. LXIV. 515.
Banniza, Franz. LXVII1. 517.
Barclay de Tally. LXXXVIII-CXLIV. .V20.
Barco, Felix. XXXIV. 510.
Barco, Joseph. CLUI. 35. 535.
Barco, Vincenz. VI. 503.
Barnard, Andrew. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Bat nm, Edward. LXXXVIII-CXLIV. 533.
Bärnkopp, recte Bernkopp, Johann. V. 503.
Barthol emy, Peter. LXXIII LXXXV1I. 519.
Bastcel, recte Pasteel De, Johann Joseph. III. •
501.
Batorkez, 8. Ott. XXIII., LVIII. 508. 514.
Bauer, Elias. III. 501.
Raum. Johann XXXIV. 510.
De Baut, Franz. LXVI. 516.
Bayer,,, Prinz Carl von. LXXXVIII-CXLIV.
13. 522.
Bayerweck, Joseph. XLII. 51 1.
Reaulieu, Johann Peter. V., XXIII., XXXIV.
502. 507. 509.
Reautuont de St. Qnenlin. Emamul. XXXIV.
."»10.
Bechard, Johann. LXVIU. 517.
Bechardt Johann. V. 502.
Digitized by Google
»40
.Militari acher Mari» Theresien-Orden." - Anhang.
Becbard, Joseph. XXXIV. 510.
Bechtold, Philipp. XXXIV. ölü.
Bechtolsheim. Freib. Anton von. CLXVIII.
316. 498. 527.
Beck, Phüipp Lewin. V. 501.
Beekers, Graf. LXXXVm-CXLIV. 522.
Becsey, Stephan. CLI1L 32. 52t.
Belgien, König v., s. Leopold von Coburg.
LXXXVHI.GXLIV. 44. 522.
Bellegarde, Heinrich. XXXIII., LXIX. 509.
517.
Belli von BeHenau, Johann. XII. 505.
Bender, Blasius. XXIII. 507.
Benedek, Ludwig. CLL, CLVIII. 28. 64. 524.
526.
Bennigsen, Graf. LXXXVIU-CXLIV. 520.
Bentheim Friedrich (alias Wilhelm), LXXIII-
LXXXVII. 520.
Berg, Carl Gustav. XXIII. 507.
Bergenstrdle, von. LXXXVM-CXLIV. 522.
Berger, Johann LXXXV1II-CXLIV. 26. 522.
Bernay, s. Favancour». CLIIl. 37. 525.
Bernkopp (alias Barnkopp), Johann V. 502.
Bersina von Siegental. Heinrich. LXXIII
LXXXV11. 519.
Besän, Carl. LXXI. 518.
Besserer. LXXXVIU.CXLIV. 522.
De Best, Albert Johann. LXVI. 51«,
Bethlen, Adam. VI. 5o2.
Beu.t, Graf. 49.
Bianchi. Friedrich (Vater). LXXI II-LXXX VII
LXXXVUI-CXLIV. 519. 520.
Bianchi, Friedrich (Sohn). CLIN. 3»;. 525.
Bienefeld, Wilhelm. LXXUMXXXVII. 519.
Bi et tagh, Franz Thomas. DI. 501.
Binder, Wilhelm. LXXXVIU.CXLIV. 522.
Binder von Kriegelstein, Christian. V. 502.
Bing (alias Byng) John, später Lord Strafford.
LXXXVUI-CXLIV. 45. 523.
Biro, Johann. LXXXVIIl-CXLIV. 521.
liironvon Curlund, Prinz. LXXXVUI-CXLIV
522.
Blake. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Blagoevich, Em.rich. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Blaisel, siehe Du Blaisel. XXXIV. 510.
Block, von. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Blount, Charles. LX1V. 515.
Macher, Gebhard Lebrecht. LXXXVIIl-CXLIV.
(als Commandeur und Grollkreuz) 520.
Blücher, Friedrich Gebhard. LXXXVUI-CXLIV. i
522.
Bogdan, Joseph. LXVUI. 517.
Bojanowsky, SUvius. I. 500.
Bolza. Peter Anton. XXUL 507.
Borczyczky, Franz Ignaz. XU. 505.
Boros, Adam von XXXVIII. 510.
Borwttz (alias Borvitz), Franz. XIX. 50«.
Bosfort, Franz. III. 501.
Botta d'Adorno, Jakob. III. 501.
Botta d'Adorno. Joseph. VI. 5<>2.
Bourguiguon, Anton. LXXXVUI-CXLIV. hii.
Brady, Jakoh Bernhard. VIU. 503.
Brady, Thomas. XV. 505.
Brentano-Cimarolli, Anton. XXIU. 507.
Brentano, Joseph. HL. IX. 501. 503.
Brenner, von 19.
Bretts, hneider. Friedrich. LXXXVIU-CXLIV
521.
Brochowski, Thaddäus. XLU. 511.
Brockhausen, Jakob. III. 501.
Browne, Philipp Georg. V. 502.
Browne, Johann Georg. XVU. 505.
Brun) an, Konrad. VI. 502.
Brüse h. Franz. LXVHI. 51«.
Bubna, Ferdinand. LXXXVUI-CXLIV. 5*1.
Buccow, Adolph Nikolaus. VI. 50-J.
Buccow. G. org. XU. 505.
Buday, Iguaz. XLU. 511.
Bü low. Ferdinand. III. 501.
lUilow (von Dennewitz), Friedrich Wilhelm.
LXXXVIU-CXLIV. 521.
Bure eil (recte Purcell), Johann Bapt. V. 502.
Buresch, Wenzel. LXXIII LXXXVII. 519.
Burgherth, (John Fane) Lord, später Graf
Westmoreland. LXXXVIU-CXLIV. ». 522.
Burich, Franz. XII. 505.
Burits, Anton. CLVII. 39. 526.
Bussy. Anton. LXVI. 516.
liutler, Edward. LXIV. 515.
Bydeskuty, Sigmund. XXUI. 507.
Byng, recte Bing, John, später Lord SlraObrd
LXXXVIU-CXLIV. 15. 523.
C.
Cudogan, Georg. LXXXVUI-CXLIV. 43. 522.
Calcrajt (alias Balcraft), Granby. LXIV. 515.
C a I d w e 1 1 , Thuine. IV. 501.
Call, Carl. LXXXVIU-CXLIV. 521.
Call ott, Johann. XXIII. 5t W.
j Cumpbcll. Colin. LXXXVUI-CXLIV. 523.
I Canto d'Yrles, Joseph. XLIU. 512.
Digitized by Google
Alphabetisches Namens-Register.
541
Caracciolo, Ludwig. V. 502.
Caramelli. Carl. V. 502.
Cnriynan, Herzog von Savoyen-, (nachmals
König Carl Albert von Sardinien). CXLVI.
b-l'i.
llarl Ludwig, Erzherzog. XXVI. 7. 508.
Car/, Prinz, v. Rayern. siehe Bayern. LXXXVIll-
CXUV. 43. 522.
Cnserta, Graf, Prinz beid. Sicilien. CLX. 161).
199. 526.
Castiglione, Johann. CIJH. 30. 524.
Catty. Freih. Adolph von. CLVllI. III. 198. 526.
Cazan, Dominik. LXVI. 516.
Cerrini, Joseph. XV. 505.
Chasteler, Johann Gabriel. XXIII., I/VII. 507.
513.
Chimani, Anton. LXXIIILXXXVII. 519.
Christ. Joseph. LXXIIILXXXVIL 519.
Civalnrt.Carl. LXXI. 2». 517.
Clam-Gallas. Eduard. CM. 27. 198. 521.
Clerfayt, Carl. XVII.. XXIII. 505. 507.
Clifton, Arthur. LXXXVU1 CXMV. 15. 523.
Clinton (alias Klinton), Henry. LXXXVIII-
CXMV. 523.
Coburg, Ferdinand Prinz. LXXIIILXXXVII;
IAXXVHl-CXLIV. 519. 520.
Coburg. Friedrich .losias Prinz. XVI. 50.5.
Coburg, Leopold Prinz (nachmals König der
Belgier). LXXXVI1I-CXLIV. 14. 522.
Culbornr, John (später Lord Seaton^
LXXXVIII-CXLIV. 14. 523.
Collenbach, Gabriel. XLII. 511.
Cottenbach, Freiherr. 49.
Collery, Eduard. CLIII. 52:..
Colloredo, Hieronymus. LXXL, LXXIII-
LXXXVII. 517. 518.
Colloredo, Wenzel. XXVII. 50i>.
Vonstuntin A i k olajew it sc/« , Großfürst.
s. Russland. CLIV. 15. 499. 525.
Con.ttantin Paulowitseh, Großfürst, s.
Russland. LXII. 514.
Corti, Cäsar. XXIII. 507.
Corron, s. Du Corron. LXVI. 516.
Crenneville, Car). LXXXVIII-CXLIV. 531.
Ciossard, Ludwig. LXVI. 516.
Csivich. Ignaz. LXXIIl LXXXV1I. 51!».
Csollith Murtin. LXXIII LXXXVII. 519.
Csorich. Anton. CLVI1. 33. 525.
Csorich, Kranz. LXVI1I. 517.
Culoz, Carl. CLL 29. 524.
Cumherland, Herzog von. vordem Kronprinz
Ernst August von Hannover. CLXIV. 219.
499. 527.
Curland, s. iiiron. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Czecheriny, Nikolaus. VIII. 503.
I).
Dali' Aglio. Vincenz. LXVI. 516.
Hanno, Joseph. I.XI. 514.
Daublebsky, s. Sterneck, Freih. von. CLXVI.
433. 498. 527.
Daun, Leopold. I. 500.
Davidovich, Paul. XIII. 505.
De Ligne, 9. Ligne (Sohn und Vater).
De Vaulx. 8. Vaulx. LXXXVIII-CXLIV. 521.
De Vaux. s. Vaux. XIX., LXVI. 506. 515.
Devny (alias Vay de Vaya) Paul von. XXXIV.
510.
De Villc, s. Ville. III. 5<>L
De Vins, s. Vins. III.. XX11I. 501. 507.
De V os, s. Vos (alias De Voss). VI. 502.
Dedovics (alias Dedovich). Martin. XIX. 506.
De ge Ilfeld, August CLVII. 35. 525.
Degenfeld, Friedrich. LXVI. 516.
Del Rio, Joseph. LXXI. 518.
De l'rrradou iuch. Graf. LXXXVIII-CXLIV.
522.
Desfours, Franz. LXXXVIII CXMV. 521.
Deym, Johann (alias Joachim). VI. 503.
Diel, (rede Dyk). Robert. LXXXVIII-CXLIV.
523.
Diebitsrh, Freih. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Dietrich. Emanuel. LXXIII LXXXVII. 25.519.
Dietrichstein, Franz Joseph. XXIX. 509.
Diez (alias Dietz), Carl. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Di mich. s. Papilla. VII. 503.
Dittmayer. Mathias. LXXIIl LXXXV1I. 520.
Dobrzensky. Freiherr, Anton von. CLV11I.
132. 526.
Döll, Carl. CLL 524.
Dombasic, Carl Franz. III. 501.
Domo kos, Joseph. LXVI. 515.
Dönhoff, Friedr. Ludw. VI. 502.
Döpfner, Freiherr, Joseph von. CLVII1. 104.526.
Döring, von. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Dorums. Freiherr. Joseph von. CLV1I1. 88.498.
526.
Döry, Joseph. LXXXVIII-CXLIV. 621.
Douglau, Neil. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Digitized by Google
542
„Militärischer Maria Theresien-Ürden " — Anhang
Draskovich, Joseph. III.. X. 501. 501.
Drechsel, Anton. LXVI. 515.
Drewer, Friedrich von. 199.
Dressery, Wilhelm. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Du Blaisel, Kamill. XXXIV. 510.
Du Corron, Nikolaus. LXVI. 516.
Duka, Peter. XXXIV. 510.
Du Montct, s. Fisson. LXVI. 5 IG.
Dyk (alias Dick). LXXXVIII-CXLIV. 5*1.
E.
Eberl. Raimund. LXXXVIII-CXLIV. 5*2.
Ebner, Wenzel. XL. 511.
Eckhardt, Ludwig LXXXVIII-CXLIV. 521.
Edelsheim - Gyulai, Freiherr, Leopold.
CLVIII. 80. 498. 526.
Egehls, Jakob. VIII. 503.
Ehrnstcin (alias Ehrensteiii), Joseph. LXXIII-
LXXXVII. 519.
Elley, John. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Elmendorf, Fried ich. I. 500.
Elmpt, Philipp. VII. 503.
Elrichshausen, Carl Reinli. XII. 504.
Ensch, Franz. LXXII. 2t, 518.
Eölvös (alias Eöttves), Carl. XXXIV. 51u.
Urbach. Carl. IX. 50*.
Erdmann von Kappler. Carl. LXXIII
LXXXVII. 519.
Ernst August, Kronprinz von Hannover,
nachm. Herzog von Cumberland etc.
Cl XIV. 219. 498. 527.
DEsq Hilles, Joseph. LXXIII LXXXVII. 43. 519.
Esterhäzy, Anton. XIX. 506.
Esterhäzy, Johann Nepoinuk. LXXU1-
LXXXVII. 519.
Esterhäzy, Nikolaus. I.,X. 500. 504.
Esterhäzy, Vincenz. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Eugen, Prinz von, s. Württemberg. LXXXVIII-
CXLIV. 43. 521.
F.
Fabris, Dominik, s. Tomiotti. V. 502.
F.ibry (alias Fabrii, Michael. XXIII. 5<>7.
Fasching, Johann. LXVI. ."• 1 5.
Fasching, Carl. IAX1II-LXXXVII. 519.
Fassignies, De, Emanuel. IX. 501.
Fastner, Georg. LXXIII LXXXVII. 519.
F.i vancourl, Julius. CL11I. 37. 525.
Favcrge, Heinrich. LXX1II-LXXXVII. 51*».
Fedäk, Michael. LXVI. 516.
Fejervary, Geza de. Freiherr. CLVIII. 1«3.
498. 526.
Feldegg. Christoph. LXXXVIII-CXLIV. 531.
Fcldegg, Carl. CLL 31. 52 V.
Fenner, Franz. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Fenzt-I Ferdinand (alias Joseph Leopold
Jobann). XIX. 506.
Ferdinand I., Kaiser. 51.
Ferdinand d'Este, Erzherzog. LXVI. 516.
Ferraris, Joseph Johann. III., XXVII.. XXXI.
501. 508. 509.
Festenberg, Johann. XXIII. 507.
Fichtl, Franz. LXVI 516.
Ficquelmont, Joseph. XIX. 5<>6.
Filangieri, Satriano, Carl. CLII. 42. 52 t.
Fischer, Wilhelm. XIX. 506.
Fi s so n du Monte t, Joseph. LXVI. 516.
Fitz-Roy Somerset Heinrich, spater Lord
Raglan LXXXVIII CXLIV. 523.
Flachenfeld, Carl. LXXIU-LXXXVII. 52t).
Fleischer, Ferdinand. LXXIU-LXXXVII. 519.
Föky. Sigismund (alias Joseph). LXVI. 515.
Folseis, Joseph. LXXIU-LXXXVII. 519.
Francque alias Franquet Eman. Alex. III. 501.
Franquemunt, von. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Franz, Kaiser. 2. 3.
Franz, Erzherzog (1792 Kaiser.) XXIU. 51. 507.
Franz Joseph I., Kaiser. 19. 17. 48. 19. 497.
Franz IL, König beider Sicilien. CLX. 168. 499.
526.
Freemautle, Admiral. LXXXVIII-CXLIV. 520.
Frei ch. (alias Freldich), Franz. LXXIII-
LXXXVU. 519.
Freue!, (alias Fresnel) s. Henncquin. LXVII1.
517.
F r e y t> n I e I s, Johann. VIII. 503.
Friedrich, Erzherzog. CXLVH. 523.
Friedrich C<irl, Prinz von Preußen. CLX11.
198. 526.
Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen,
nachm. Kaiser Friedrich UI. — CLXII.
203. 199. 527.
Frirenberger, Joseph. VIII. 503.
Frircnberuer, Wenzel. LXXI. 518.
Frimont. Joh.XLIL.LXXIU-LXXXVll. 511.518
Fröhlich. Johann. CLL 31. 52L
Froon, Joseph. XXIII., XXIX. 507. 508.
Fulda. Wilhelm. LXVI. 516.
Füller, Max. LXXXVIII-CXLIV. 25. 521.
Funk, Carl. XXIII. 507.
Digitized by Google
Alphabetisches Numenp-Register.
543
G.
Gabelkoven. Sigmund. V. 502.
GabLnz. Ludwig. CLIII., CLXI. 34. 1K2. 525.
526.
Gaisler (alias Geissler). Ipiaz. V. 502.
Freih. LXXXVIII CXLIV. 522.
Gallois, Franz. LXXXVHICXLIV. 521.
Galyczi». Fürst. LXXXVIII -CXLIV. 522.
Gasser, Pet. r. LXVIII. ".17.
Gatteiburg, Joseph. LXXIH-LXXXVII 51!).
Gavassini Aloys. XXIII. 507.
Gavenda. Mathäus. LXVI. 51«.
Geissler (recte Gaisler), Ijfiia/.. V. 502.
Gemminge», Heinhardt. III. 501.
Gemmingen. Sigmund. V. 502.
Genimi, Claudius. LX. 5(4.
Georg F., König von Hannover. CLXIV. 210.
5-27.
Geppert, Menrad. LXVI. 51«.
Geramb, Leopold. LXXIII-LXXXVH. 519.
Geringer, Gabriel. XXXIV. 510.
Gerstäcker. Wenzel. LXXXVIII CXLIV. 522.
Gh isla in, s. Beaumonl. XXXIV. 510.
Giannini. Ernst. III., VIII. 501. 503.
Gillet. Anton. LVHI. öl*.
Gntisenau, August. LXXXVHICXLIV. 520.
Goldlin, Carl. LXXIIl LXXXVI1. 51«.i.
GolenifHChe/f . s. Kutusovv. LXX. 517.
Gollner, Aloy>. LXXHI LXXXVII. 519.
Goltz, Graf. LXXXVHICXLIV. 521.
Gomez de Parientos, Otto. XXIII. 507.
Gondiecouit. Graf, Leopold. CLXI. 191. 408.
52«.
Gontroeul, s. Viuchant. XXXIV., XLIX. 510.
512.
Gordon, Anton. LXVI. 51«.
Gorttchakow, Alexis. LXII. 514.
G ort&chakuw, Andreas. LXII. 514.
Gorikow ski, Carl. CLL 2«. 524.
Gottes heim. Friedrich. XLII. 511.
(Jraff, Johann. LXVI. 515.
Graffen, Johann Anton. VIII. 5o3.
Gratfenstein. Joseph. VII. 503.
Gl edler, Ludwig, Frh. von. CLXV1. ;tH5. 527.
De Gribeauval. Johann Baptist. VIII. 503.
Griess (alias Gries), Franz. LXXUI-LXXXVIJ.
520.
Groeben, August, von der. CLXVI. 359.527.
Grollmann, von. LXXXVHICXLIV. 523.
Grotenhjelm, von. CLVII. 45.526.
Grünne, Philipp. LXVI. 51«.
(Suasco, Franz. V., VIII. 502. 5n3.
Guas'-o, Peter Alexander. V. 502.
(für irr, Gral. LXXXVIH-CXLI V. 44. 522.
Gyulai, Albert. XLX. 50«.
Gyulai, Igi.az. XXXIV.. LXIII. 510. 514.
(iyulai, Samuel. IX. T.04.
H.
Haag, Nikolaus. IX. 50 L
Haas, Stephan. LXXHI LXXXVII. 519.
Haberein, Franz. LXXIH-LXXXVII. 520.
Hackenberger, Franz. XXIX. 509.
Hack her, Franz. LXXIII-LXXXVH. 519.
Hadik. Andreas. I. 500.
Hadik, Carl. XXXIV.. LI. 510. 513.
Hake, von. LXXXVIII CXLIV. 522.
Harn, Johann Wilhelm. IX. 5(4.
Hannover, s. Emst August, Kronprinz v., oder
s. Ciimberland. Herzog v. CLXIV. 219. 49S.
527.
Hu ii ho r er, s. Geor^r V. Konig von. CLXIV.
219. 527.
H ardegg, Anton. LXXI. 517.
Hardegg, Heinrich. LXXHI LXXXVII. 520.
Hardegg. Ignaz. XLII., LXXIH-LXXXVII. 511.
518.
Ilaring, Ferdinand: XXIII. 507.
Harr ach, Ferdinand. XXIII. 507.
Harr ach, Franz Xaver. VI. 502.
Hartelm All er. Simon. XXXIV. 510.
Hartlieb. Carl. CLIII. 33. 524.
Härtung, Ernst. CLXVI. 270. 527.
Hau g witz. Eugen. LXXXV1IICXLIV. 25.521.
Hau? er, Heinrich. CLL 3t. 498. 524.
Hauslnb. Franz. CLVII. 40. 526.
Hayd, Carl. XXIII. 507.
Haynau, Julius. CL1I1., CLVII. 524. 525.
H e n n e q u i n de F r e n e I (alias Fresnel), Johann .
LXVIII. 517.
Hentzi, Heinrich. CLVII. 526.
Htpburn. LXXXVHI CXLIV. 523.
Herle, Johann. CLVII. 34. 525.
Hertelcndy, Gabriel. IJCVI. 51«.
Utrtty, BathursL LXXXVHI CXLIV. 523.
Iltrwarth von Bittenfeld Carl. CLXI11. 204.
527.
Hess, Heinrich CL., CLVII. 23. 524. 525.
Hessen-Darmatadt, Prinz Emil v on . I AXX VI H -
CXLIV. 523.
Digitized by Google
544 „Militärischer Maria Theresien-Orden." — Anhang
Hessen, u. b. Rhein, s. Alexander Prinz von.
CLVIII. 125. 498. 526.
Hessen- Homburg, Ferdinand. LXXXVIII-
CXLIV. 25. 521.
Hessen-Homburg, Friedrich. XXJII.,
LXXXVIII-CXLIV. 508. 520.
Hessen -Horn bürg, Gustav. LXXXV1U CXLIV.
521.
Hessen-Homburg, Ludwig. UtXXVIIICXUV.
522.
Hessen- Homburg, Philipp. LXXIIILXXXVH.
519.
//•//, Sir Rowland. LXXXVIII CXLIV. 521.
Hill, Sir Robert LXXXVIII CXLIV. 52.?.
Hiller. Johann. XV.. LXXHI-LXXXVIL 505.518.
Hilmer, Joseph. LXXI. 517.
Hocke, Carl. VL 503.
H o h e n 1 o h e - 1 n g e I f i n g e n , Friedrich Carl. LX.
."»Ii.
Hohenlohe-Kirchberg, Friedrich Wilhelm.
VI., XVII., XXV. 503. 505. 508.
Hohcnzollern-Hechingen, Franz Xav. LI.,
UCXHI LXXXVU. 513. 518.
Horn, Kaspar. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Horvath. Anton. LXVI. 516.
II orvath, Casimir. XXIII. 507.
Horvath. Nikolaus. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Rössel. Joseph. LXXUI -LXXXVU. 5I9.
Hoste. LXXXVIII-CXLIV. 52-2.
Hotze, Friedrich. XXXU., LI. r»09. 513.
Hrabovsky, Johann. LXXIII LXXXVU. 5-20.
Hranaky, Johann. LXVI. 515.
Hromada, Joseph. LXVTU. 517.
Hu bei, Christiati. CLIII. .{6. 525.
Hub er, Paul. LXXXVIII CXLIV. 621.
H u d e 1 i s t , Freiherr. 49.
Huff, Carl. IX. 504.
H umbracht, Alexander. V. 50-2.
Hummel, Ludwig. LXXIII LXXXVH. 519.
Hundt, Franz. IJtVI. 516.
Hutten, Philipp Ferdinand. XIII. 505.
J.
Jablonsky, Joseph. CLL 29. 524.
Jahn ii s, Franz Max. I. 500.
Jollachich, Franz. UV. 513.
Jellatic, Joseph. CLIII. 22. 524.
Jetzer. August. IJtXXVIU-CXLIV. 25. 521.
Johann Baptist, Erzherzog. LXX.. LXXIII-
LXXXVH. 19. 517. 518.
John Fane, genannt Burghersh (siehe Burgh-
ersh). LXXXVm-CXLIV. 44. 522.
John, Franz. Freih. von. CLVU., CLXVI. 32.
260. 525. 527.
Joseph U., Kaiser. 5. 51.
Jouve, Anton. XXDX 508.
Jovanovic, Stephan Freih. von. CLXX. 472.
528.
Irasky, Jakob. LXXXVIH-CXLIV. 522.
Jugenitz, Anton. LXVL 516.
Jünger, Vincenz. LXV. 515.
Jurkovid, Paul. CUU. 38. 525.
Ivichich, Simon. XLII. 511.
K.
Kaisero//, von. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Kakonyi, Franz. LXXI. 518.
Kalchberg, Wilhelm. CUU. 37. 525.
Kappler, s. Erdmann. LXXHI-LXXXVIL 519.
Karaiczay, Andreas. XIX., XX1U. 506. 507.
Kärolyi, Franz Anton. IV. 501.
Karove, Ladislaus. LXXII. 518.
' Kaunitz-Rietberg, Fürst. 3. 49.
• Kautsch, Ignaz. VI. 502.
I Kees, Bernhard LX. 514.
Keim, Konrad. XXIV. 508.
Keir (rette Kier), LXIV. 515.
Kelemer, Stephan. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Kcmpt, James. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Kerekes. Sigmund. V. 502.
Keuhl, Carl. XII. 505.
Kielmannsegge, Alexander. CLIU. 525.
Kier (alias Keir), William. LXIV. 515.
Kienmayer, Mi.hael. XIX. LXXIII-LXXX VII.
506. 518.
Kinsky, Christian. LXXHI-LXXXVU. 519.
Kinsky. Ferdinand. LXXHI-LXXXVIL 519.
Kinsky, Joseph. VU. 503.
Kinsky, Carl. XLU. 511.
Kinsky, Franz Ulrich. L, X. 500. 504.
Kiss, Franz. VII. 503.
Klebeck. Wilhelm. XH. XIX. 504. 506.
Klcbelsberg, Johann. LXXHI-LXXXVH. 540.
! Kleefeld. Wenzel. IX. 504.
Klcinert, Friedrich Freih. von. CLVUI. 110.
526.
Kleixt, Friedrich. LXXXVUI-CXLIV (als Ritter
und Commandeur l. 520. 521.
! Kien au, Johann. XXXVU.. LXXHI-LXXXVU.
510. 518.
Digitized by Google
Alphabetisches NuraensRegister.
54r,
Klinton frecte Clinton), Henry. LXXXVIII-
CXLIV. 523.
KlopsUin. Joseph (alias Anton). LXXIII-
LXXXVII. 519.
Klücks (aliasGlÜcks oder Klus), von. LXXXVIH-
CXLIV. 521.
Knebel, Albert Freih., von. CLXVI. 336. t'JS.
527.
Kn ose vieh, Martin. VII. 503.
Knesevich, Vincenz (alias Johann). LVII.
513.
Knicunin, Stephan. CLVI. 525.
h'norrüig, Carl von. LXXXVHJ-CXLIV. 521.
Koch, Johann Baptist. V. 502.
Knkorzowa, Franz. V. 502.
Koller, Franz. LXXHI-LXXXVH. 519.
Kollonilz. Max. XXIII. 507.
Kolowrat-Krakowslcy, Johann Carl. LH.
513.
Kolowrat-Krakowsky. Leopol.l. CLIH. 35.
525.
Kolowrat-Liebsteinsky, Vincenz. XXIII..
LXVI. 508. 515.
Kopal, Carl. CLL 521.
Kosztolanyi, Ladislaus. XIX. 506.
K rammer, Adam. III. 501.
Kray, Paul. XIX., XXXIV. 506. 609
Kropfreiter, Johann. LXXXVII1-CXL1V. 25
522.
Kuhn, Franz Frh. von. CLIH.. CLXVI. 27. 370.
497. 524. 527.
K u In ek, Andreas. XIX. 506.
Kurz, Laurenz. LXXHI-LXXXVH. 520
Kuschnikou. LXIL 514.
Kutusow, Michael. LXX. 517.
I,
Lacy, Morilz. III. 501.
Lacy, W'ilh. L\. 5u|.
L'Aisne, Anton. XLII. 511.
Lakos, Johann. LXXIII-LXXXVII. 51!».
Lamarselle, s. Wolf. LXVI. 515.
La Motte, De, s. Motte. LXXXVIII-CXLIV. :.-_>2.
Lanfrey, Anton. XXIII. 507.
Langenau, Ferdinand (alias Friedrich i.
LXXXVIU-CXLIV. 521.
Lanyeron, Graf. IAXXVUI-CXL1V. .Vj-J.
Lanjus, Carl. LX. 501.
Las chan eck, Johann. XXXIV. 510.
MüiUriMher 11 «na Th.r..ieu-Orden.
Lassgallner, Johann Carl. IX. 5iH.
La Tour, Franz. s. Fellati. XIX. 506.
Latour, Janus. LXXHI-LXXXVH. 511».
Latour, Maximilian, s. Baillet. XXIU., XXXIV.,
XLII. 507. 509. 511.
Latour, Theodor, s. Uaillet. LXXXVIII-CXLIV.
521.
La tt er mann, Christoph. LV. 513.
Lauer, Franz. XIX., XL. 506. 511.
Lauer, Joseph. XL. 511.
Lazar ich, Joseph. LXXX VIII-CXLI V. 25. 521.
Le Breux, Michael. LXVI. 516.
Lederer, Ignaz. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Lehmann, Moritz Ritter von. CLXVI. 315. 527.
Leibe Iting (alias Leubelfink). Friedrich Chri-
stian. V. 502.
Leiningen, August. LXXI. 517.
Lei n in gen, Christian. LXXJII-LXXXVII. 519.
Lenk, Jakob. LXXHI-LXXXVH. 519.
Leopold, Prinz, nachmals König v. Relgien,
s. Coburg. LXXXVIII-CXLIV. 44. 522.
Leopold, Großherzog von Toscana, nach-
mals Kaiser. — X. 51. 50L
Lcvachich, Joseph. LXVI. 515.
Leveneur (alias Levenehr), Franz. XII. 504.
Liechtenberg, Cajetan. XXHI. 507.
Liechtenstein, Aloys. LXVI, LXXHI-LXXXVH.
516. 518.
Liechtenstein, Franz. CLVU. 41. 526.
Liechtenstein, Friedrich. CLL 28. 524.
Liechtenstein, Johann. XXIII., XLVL, LXVI.
508. 512. 515.
Liechtenstein, Moritz. LXVI. ölfi.
Liechtenstein, Wenzel. LXXXVIII-CXLIV
522.
De Ligne, Carl (Sohn). XIV. 505.
De Ligne, Carl Joseph (Vater). XV111. 506.
Lilienberg, s. Vetter. LXVHL 517.
Linde. Joseph. XIX. 506.
Lindenau, Carl. LXVII. 516.
Lij.pa, Guido. LXVI. 516.
Lipthay, Anton. XV. 505.
Litzelhofen, Eduard Freih., von. CLVIIL
137. 526.
Liuhibratich, Hieronymus. VII. 503.
Loh kowitz, Joseph. V. 502.
Lock hart Jakob. VI. 502.
Lodron, Dominik. VIII. 503.
Looz-Corswarem, Wilhelm Joseph. VII. 5o.'{.
De Lopez, Philipp. LXVHL 517.
Löpper, Franz. XLII. 511.
35
Digitized by Google
54G
.Militärischer Maria Theresien-Orden." — Anhang.
Los Rios, Franz. I. 500.
Lothringen, Herzog Carl. I. MO.
Lothringen, Prinz Carl Eugen. XL1I. 511.
Loudon, Alexander. LUI. 513.
Loudon, Giileon. I., III. 500. 501.
Löwenhjdm, Gustav. LXXXVÜI-CXL1V. 523.
Löwen stein, Christian. IX. 503.
Loy, Mathias. LXVI. 515.
Laders, Alex. Nikolaus. CLV. 43. 525.
Lusignau, Franz. XXIII. 507.
Luszensky, Franz. LXVIII. 517.
Lutz, Peter. LXVI. 515.
Lützow, Friedrich. LXVI. 51G.
M.
Macdonnel, James. LXXXVHI-CXLIV. 523.
Mack, Carl. XIX. 506.
Magdeburg, Friedrich. LXXUI-LXXXVIL 51».
Mahony, Wilhelm. XXIII. 51)7.
M amula, Lazarus. CL1II. 37. 525.
Miiiifroni, Moritz Freih. von. CLXVI. 392. 198.
527.
Man»ttin, Albredit Ehrcnreich Gustav von.
CLXIII. 208. 527.
Maquire, Johann Sigismund. V. 501.
Marcant, Michael. LXVIII. 51 ß.
Maretich, Gideon. LXXXVM-CXLIV. 522.
Maria-Theresia, Kaiserin-Königin. 2. 4». 51.
Mariassy, Andreas. LXX111-LXXXVH. 520.
Maroevich, Johann. LXXIIILXXXVH. 51».
Maroicic, Joseph, CL11I ., CLXVI. 29. 252. 524.
527.
Marschall, Ernst. III. 50 1.
Martini, Joseph. CL1I1. 32. 524.
Martiuich, Franz. CLUI. 29. 521,
Martonilz. Andreas. XXIII. 508.
Martyn, Feter. LXXIH-LXXXVII. 519.
Maurich, Franz (alias Friedrich). LXXIH-
LXXXVII. 520.
Mauroy von Merville, Franz. LXVI.,
IjXXXVM-CXLIV. 515. 521.
Mayer von Heidensfeld, Anton. LXVI. 515.
Mayer von Löweuschwerdt, Kranz. CLL
31. 524.
Mayer. Johann. LXXXVHI-CXLIV. 522.
Mayer. Joseph. LXXIH-LXXXVII. 520.
Muyrhofer (alias Heyerhöfen, Ferdinand.
CLII1. 31. 525.
Mccklenhut y - Strelit ; , Carl. LXXXVHI-
CXLIV. 522.
Mecsery, Daniel. XL1L. LXXIL 511. 518.
Mecsery, Johann Carl. LXXUI-LXXXVIL 519.
Melas, Michael. LVII. 513.
Mengen, Carl. LXXXVHI-CXLIV. 522.
Mengen, Wilhelm. LXXIL 518.
Mensdorff, Alexander. CLV11. 39. 52«.
Mensdorff, Emanuel. LXXUI-LXXXVIL 51 ;t.
Mensshongen. Fieiherr. 49.
Mervcldt, Maximilian. XXXIV. 510.
Merville. 8. Mauroy. LXVI., LXXXVHI-CXLIV.
515. 521.
Mefiko (alia* Mesco), Joseph. LXVL, LXXIH-
LXXXVII. 516. 518.
M e s s i n a (alias M e s z e n a), Johann. LXXX VI11-
CXLIV. 522.
Meszaroe, Johann. XXXII., XLH. 509. 511.
Metternich, Fürst, Clemens. S. 49.
Mier, Adam. LXVI. 516.
Mikowiny, Ludwig. XXIII. 507.
Miluradou-itseh, von. LXXXVHI-CXLIV.
521.
Milutinovic!!, Theodor. LXXXVHI-CXLIV.
521.
Mitterstiller, Simon. III. 501.
Mohr, Johann Friedrich. LXX. 517.
Mohr, Carl Christoph. VUI. 503.
Moll, Anton. LXXXVHI-CXLIV. 521.
Montenuovo, Wilhelm. CLVU. 38. 498.526.
Montlleury. Ludwig. LXVI. 516.
Montluisant, Bruno Freih. von. CLXVI. 3*9.
498. 527.
Montluisant. Johann. LXX1. 518.
Mürber th, Johann. LXVI. 515.
.V« resb y-Fairfax. LXXXVHI-CXLIV. 43. 522.
Moriz (alias Moritz). Johann. LXXUI-LXXXVIL
51».
M orzin, Ferdinand. XLH. 511.
Motte, Dt ta. LXXXVHI-CXLIV. 522.
Müffling, von. LXXXVHI-CXLIV. 522.
Müller, Johanu Erhard. XLH. 511.
Munkäcsy, Joseph. XLV1II. 512.
Murmann, Georg. LXXUI-LXXXVIL 519.
Murray, Joseph. V. 502.
Mylius, Anton Ulrich. VI. 502.
Mylius, Friedrich. LXXIL 518.
N.
! Naclasdy, Franz. I. 500.
Nagy, Franz. XLH. 51 1.
\angle. Franz. VII. 503.
I
i
i
Digitized by Googlp
Alphabetisches NiuuensRegister.
r>47
Napier, Sir Charles. CXLVHI. 45. 523.
Nassau-Usingen, Prinz Friedrich. IX. 50*.
Nauendorff, Friedrich. XIII., XLI. 5&5. 511.
Nedetzky (alias Nedeozky), Anton. LXXIll-
LXXXVII. 540.
N.-ipperg, Adam. LXVI.. LXXXVIIICXLIV.
51«. 520.
Nesslinger, Joseph Anton. XXXIV. 510.
N v s 1 i n g e r, Wenzel. XV. 505.
Neszmery, Franz. XIX. 506.
Neu, Andreas. XXXIX. 511.
Neubauer, Gustav Adolph Freih. von. CLVIII.
157. 498. 526.
Neudegg, s. Strasser. V. 504.
Neugebauer, Franz. IX. 50t.
Niederlande, König Wilhelm II. der, s.
Orauien. LXXXVUI-CXL1V. 521.
Nimptsch, Joseph. LXVI. 516.
Nobili, Johann. XXXIV. 510.
Nordmann, Armand. LXXI. 517.
Normann, Emst. III. 501.
Sostitz, August. LXXXVIII-CXLIV. +5. 523.
Nostitz. Hennann. CLV1I. 40. *98. 526.
Nostitz, Johann. LXXXVIII CXLIV. 540.
Xovak, Joseph. LXXI. 24. 517.
Nugent. Jakob Hoheit. IX. SO*.
Nugeut, Laval. LXVI., LXXXVIII CXLIV. 22.
51«. 520.
O.
Oberdorf. Ernst. LXVI. 516.
ü Brien. Johann. LXXIII-LXXXV1I. 510.
Öoskay. Joseph. XIX. 506.
0' Don eil. Heinrich. VII. 50:4.
U' Don eil, Johann. IX. 50*.
«»'Doneil, Carl. VI. 502.
O' Kelly, Wilhelm. V.. X. 502. 501.
Olgyay, Balthasar. LXXHI-LXXXVH.
Olivier, Ludwig. LVI1I. 514.
OMulrian, Jak. Patrkius. VIII. 503.
Uranien. Prinz Friedr. Willi. XLVIII. 512.
Oraniett, Prinz (nachmals König Wil-
helm II. der Niederlande). LXXXVIII-
CXLIV. 541.
O Heilly, Andrejs. LXVI.. LXXI. 516. 517.
Oreskovich, Peter. XXXVI. 510.
Oreskovich, Thomas. XII. 505.
Orlandini, Franz. XXIII. 507.
Orlow, Fedor. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Orsini u. Rosenberg, Franz Graf. XXIH.,
LXVI. 507. 515.
Ottaroffsky, Graf. LXXXVIII CXLIV. 522.
Ost Joseph. LXX1U-LXXXVII. 519.
Ostermann-Tolstoy, Graf. LXXXVIII CXLIV.
520.
Ott von Bätorkez, Carl Peter. XXIII. LV1II.
508. 514.
Otter, von. LXXXVIII CXLIV. 522.
Ottinger, Franz. CLIII. 33. 525.
Otto, Rudolph. XXXIII. 509.
Ouvaroff, von. LXXXVIII CXLIV. 522.
P.
Paar, Johann Hupt. LXXXVIII CXLIV. 522.
Paar, Johann Carl. LXVI. 51«.
Pabliczek, Joseph. VIII. 503.
Pablowsky (alias Pawlowsky), Wenzel. V.
502.
Packenj, Friedrich. CLVII. 36. *!>S. 526.
Fahlen, Graf. LXXXVIII CXLIV. 13. 521.
Pallavicini, Carl. XII. 50*.
Paniutine, Nikolaus. CLV. 45. 525.
Papilla, Dimich v., Paul. VU. 503.
Papp, Ludwig. LXVI. 51«.
Pappen heim, Carl. LXXXVIU-CXLIV. 522.
Paskewit sch% s. Warschau. CLV. 525.
Pasteel, De. (alias Basteel), Johann Joseph. III.
501.
Paszlhory. Melchior. LXVIH. 517.
Pauliny, Michael. LXXXVIII CXLIV. 521.
Paumgartten, Johann. LXXHI-LXXXVH.
511».
Paur zu Traut. Joseph. LXXXVIIICXLIV. 522.
Pawlowsky (rede Pablowsky), Wenzel. V.
502.
Peharnik, Daniel. XX111. 508.
I'ejäcsevich, Anton. XXIH. 507.
Pellati de la Tour, Franz. XIX. 506.
Pellegrini, Carl. III., X.. XVIII. 501. 50*. 506.
Penzcneter von Penzenslein, Johann.
XXXIV. 509.
Perczel. Carl. XL. 51 1.
Pergen, Ludwig. CLIII. 52*.
Pcrzina, Anlon. XIII. 505.
Pesler. Ignaz. XXXIV. 510.
Pestiaux. Johann (alias Joachim). LXVI. 516.
Petrovsky, Franz. VII. 503.
Petz, Anton Freih. von. CLXVI. *23. 527.
35»
Digitized by Google
54S
„Militftrischer Maria There&ien-Ordeii." — Anhang.
Pfister Joseph. LXXXVIII-CXLIV. 521.
PflQger, Philipp. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Pforzheim Philipp Carl. XXm. 5(17.
Phil ippi, Johann. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Philippovid, Joseph Freih. von. CLXX. 161.
497. 528.
Piacsek (alias Piacseck), Carl Christoph. XIX.
506.
Pielsticker, Ludwig Freih. von. CLXVI. 306.
498. 527.
Pirct, Eugen Freih. CLXVI. 292. 498. 527.
Pi ring er, Mathias. XXIII. 507.
Pirquet, Anton. CLL 52 L
Pirquet, Peter. LXXXVIII-CXLIV. äi. 521.
Pittel, Christoph. LXXXVU1-CXLIV. 26.523.
Pittel, Heinrich Freih. von. CLXX. 415. 198.
528.
Piza, Peter. IX. 50t.
Plächl (alias Hüchel), Anton. LXVI. 515.
Plutou; Graf. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Plezger (alias Pietzger). A.l:un. XLII. 511.
Plunkett, Thomas. III. 5ol.
Pochlinyton, Robert. LXIV. 515.
Poniatowski, Andreas. I., X. 500. 50L
Ponsouby, Frederik. LXXXVIII-CXLIV. 523
Portner. Leopold. LXXI1ILXXXVII. 520.
Porubsky, David. LXXIU-LXXX VU. 519.
Posztrchowsky, Kran/. LXVI. 516.
Pvttmkin, Für*t. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Polier, Leopold. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Pott, Gustav. CLVII. 526.
Preis?, Johann. VI. 5o2.
PrtHastn, Prinz August von.LXXXVIll-CXLIY.
521.
I'mtsmn. s. Friedrirli Carl, Prinz von. CLXII.
198. 526.
P,iut>ntn, K''niii Friedrich Wilhelm III.
LXXXVIII-CXLIV. 521.
Preussen, s. Friedrich Willn-lm, Kronprinz von,
(nachm. Kaiser Friedrich III i — CLXII.
203. 199. 527.
/Vm/ss,,/, Prinz Wilhelm von. LXXXVIII-
CXLIV (als Hitler un<l Commandeur^. 521.
522.
Prochaska, Adolph. LXXXVIII-CXLIV. 26.522.
Prochaska, Johann. XLII. 511.
Pro chaska, Joseph. LXVI. 515.
Prockosch. Anton Hilter von. CLVIII. 71.526.
I'rupt-'lach. Carl. XXIII. 5'»s.
Puchner, Anton. LXXXVIII-CXLIV., CLIU.
521. 52 v.
I Pugnetti, Rudolph. V. 502.
Pulszky, Ferdinand. XLII. 511.
Pulz, Ludwig Freih. von. CLXVI. 298. 527.
Purcell (alias Bureein, Joh. Rapt. V. 502.
Pnttet, Carl. XII. 505.
Q.
Quosdanovich, Carl. LXVI., LXXXVIII-
CXLIV. 516. 521.
Quosdanovich, Vitus. XIII., XXXV. 505. 510.
K,
Radetzky, Joseph. LXVI.. LXXIU-LXXX VII..
CXL1X. 20. 516. 518. 523.
Raglan, Lord Heinrich, s. Fitz-Roy SuHierst-t.
LXXXVIII-CXLIV. 523.
Raimond i (alias Raymundii. Lorenz. LXVI.
515.
Rujeirskg, von. LXXXVUI-CXLIV. 521.
Rakovsky, Marlin. LXVI. 516.
Hamberg, Georg. CLVII. 525.
Ra nun in g. Wilhelm. CLVII. 4L 526.
Hasp, Lorenz. VIII. 503.
Haslich. Daniel. CLIII. 525.
Rath, Joseph. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Ravizza, Anton. V. 502.
Kaymundi (recte R.iimondi), Lorenz. LXVI.
515.
Rel.rovich, Mathias. LXXXVIU-CXJJV. 521.
Ra hberg, Anton. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Hehl. ach, Max. HL 501.
R einisch, Ignaz. LXXIU-LXXXVn. 519.
Heinwal dt, Adrian Joseph. LVI. 513.
Heischach, Sigmund. CLL 28. 52*.
Rcisner, Anton. LXI., LXXXVIII-CXLIV.
514. 520.
Hetsey, Adam. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Reuss-Köstritz, Heinrich. LXXHI-LXXXVIL
519.
Heu ss-Plauen, Heinrich. LXXIII-LXXXVII.
520.
Revay, Anton. LXVI. 515.
Revay, Emcrich. XXIII. 507.
Reunett, Thomas. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Ilhedey (alias Rheday), Johann. V. 502.
R ichler, Leopold, XXIII. 508.
Ried, Joseph. VI. 502.
Digitized by Google
Alphabetisches Namens-Register.
54U
R i esch, Johann. LXVI. 516.
Riese (alias Ries.se), Franz. V. 502.
R i p k e, Ludwig. V. 502.
Röder, von. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Rod ich, Gabriel Freih. von. GLXVI. 280. 498.
527.
Rodiczky, Carl. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Rogats, Johann. LXXIU LXXXVH. 51«.».
Rogovsky, Christoph. XXXIV. 510.
Rühan. Carl. LXVI. 516.
Roh an, Ludwig Victor. LXXI. 518.
Rolke, Carl. V. 502.
Romanzow, Graf. LXII. 511.
R oos Andreas. XXIII. 507.
Rosen, Gregor. LXII. 51*.
Rosenberg (Orsini u.), Franz Graf. XXIII..
LXVI. 507. 515.
De Kos in, Ignaz. V. 502.
Rossbach, Heinrich. CLL 26. 524.
Boss ich, Georg. XL1I. 511.
Roszner, Johann (alias Joseph). LXX11I-
LXXXV1I. 520.
Roth, von. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Rolhkirch. Leonhard. LXXXVIII-CXLIV. 521.
Rothschütz, Georg Sigmund. V. 502.
Rousseau (alias Russo). Joseph. LXXI II-
LXXXVU. 520.
Rou b sei, Franz. LXXI., LXXIU-LXXXVII. 517.
518.
Rouvroy, Johann Theodor. LH., X. 501. 501.
Rouvroy, Carl. XXXIV. 510.
Rovleg. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Rueber. Heinrich. LXX1II - LXXXVH. 25.
520.
Rüdt, Franz. VI. 503.
R üling. Joseph. CL1II. 36. 525.
Rukavina, Georg. CLIII. 524.
Rukavina, Mathias. XLIH. 512.
R um ine], Joseph. III. 501.
Husslu/t d, Alexander I., Kaisei von. LXXXVIII-
CXLIV. 521.
Hunsland, Alexander IL. Kaiser von. CLXIX.
443. 528.
Rustlond, Grotilürst Constantin Nikolaje-
witsch. CLIV. 45. 4U9. 525.
Hussland, Großfürst Constantin Paulowitsth.
LXII. 511.
Russo, recte Rousseau, Joseph. LXX11I-
LXXXVII. 520.
Kulant (alias Ruttaut), Johann. VIII. 503.
ffyo« (alias Ayen), Edward. LX1V. 515.
s.
Sachsen, s. Albert, Kronprinz, nachm. König
von. CLXV. 350. 499. 527.
Sachsen-Coburg, s. Coburg.
Sacken, Freih. LXXXVUI-CXLIV. 520.
Saintenoy, recte St. Ennoy, Desire.
LXXXVIII-CXLIV. 522.
Saint Ignon, Johann. III. 501.
Saint Ignon, Joseph. I. 500.
Saint-Quentin, s. Reaumont. XXXIV. 510.
Salamon, Michael. LXVI. 515.
Salis, Paul. XXX. 509.
Salis, Rudolph. LXXHI-LXXXVH. 520.
Salm (alias Salm-Grumbach), Carl August. LIX.
514.
Salm-Salm, Maximilian, ni. 501.
Saltoun, Lord. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Sardagna, Simon. LXVIII. 517.
Sardinien, König von, s. Carignan. CXLVI.
523.
Sntriano, Carl, s. Wam/uri. CLII. 12. 524.
Sauer, Carl. IX. 504.
Schaaffgotsche, Franz. CLVII. 30. 526.
Schubiz, Heinrich. XXXIV. 510.
Sch äff er, von. LXXXVIII-CXLIV. 523.
Schärffenberg. Friedrich. LXVI. 515.
Scheibler, Carl. LXVI. 516.
Scheither, Heinrich Ge->rg. LXVIII., LXXXVIII-
CXLIV. 517. 520.
Schell enberg, Joseph. XL1I. 511.
Scherpon, Joseph. CLVII. 40. 498. 526.
Scherpon, Oswald. CLVII. 38. 526.
Schimpf, Friedrich. LXVI. 516.
Sc blau n, Moritz. XV. 5< »5.
Schiit. Franz. CLII1.. CLVII. 24. (Als Ritter
und Commandern:.) 525.
Schmelzern, Johann. LXXlll -LXXXVH. 519.
Schmiedt (alias Schmidt), Joseph LXVI. 515.
Schneider, Franz. CLL 521.
Schneider, Carl. LXXII. 51\
Schön. Anton. LXXXVHI-CXLIV. 521.
Schonnermark (alias Schöneniark), Carl
Ludwig. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Schönhals. Carl. CL. 521.
Schorlemmer, Carl. VI. 503.
Schröder. Gottfried. VIR. 503.
Schuhay, Franz. XXXIV. 510.
Sc hustekh, Emanuel, XL1L 511.
Schuster. Joseph. LXVI. 516.
I Schwarzenberg, Edmund. CLUI. 32. 521.
Digitized by Google
550
.Militärischer Maria Theresien-Ürden." — Anhang.
Sc!) warzenbcrg, Felix. (XIII. oäi-.
Schwarzenberg'. Carl. XXXIII., LXXI.
LXXXVIU-CXLIV. 509. 517. 520.
Seh warzinger, Johann. XLII. 511.
Schweden, Kronprinz v. (nachmals König Carl
Johann XIV.). - LXXXVIU-CXLIV. 520.
Scovaud, Heinrich (alias Franz Friedrich)
IAXU1-LXXXVII. 519.
Seuton, Lord, 8. Colborne. LXXXVIU-CXLIV.
41. 52H.
Sachter, Johann. XLV1I. 51-2.
Seeger. Johann Tobias. VI. 502.
Senitzer, Paul. LXXIII-LXXXVII. 520.
Seriinann, Paul. VI. 502.
Seslavine, von. LXXXVIU-CXLIV. 522.
Sicilien, s. Caserta, Graf, kön. Prinz beid. CIA.
169. 499. 520.
Sicilien, s. Franz II., König beider. (XX.
168. 199. 526.
Sicilien, s. Trani, Graf, kön. Prinz beid. CIA.
109. 520.
Sicilien. s. Trapani, Graf. kön. Prinz beid.
CIA. 169. 199. 52(J.
Sie Ren thal, s. Bersina. LXXIII-LXXXVII.
519.
S i g 1 e r (alias Sieglet Heim i. h. I AX I Ii i AXX VII.
21. 519
Simbschen, Carl. CLVII. 39. 520.
Siiubseben. Joseph Anton. LXXI. 517.
Simbschen. Joseph. LXXXVIU-CXLIV. 521.
Simon vi. Joseph. LXVI. 517.
Simunich, Balthasar. CLI1I. 33. 525.
Sint ere. Claudius. 1.. III. 500. 501.
Sinzendorf, Itudolph. XLII. 511.
Sipiagi», von. LXXXVIU-CXLIV. 522.
Siskovirs, Joseph. IL, X. 501. 501,
Smith, Cannicltael. LXXXVHI-CXLIV. 523.
Smola. Joseph. XXXIV., LXXIII-LXXXVII.
510. 5 IN.
Smola, Carl. CLI1I. 20. 521.
S o k o I o v i c h. Paul. XV. 505.
Somerset, Lord Edward, LXXXVIU-CXLIV. 523.
Sommariva, Hanuibal. LVI. 5i:t.
Soro. Johann. III. 501.
Souel. Johann. XX III. 507.
Souhay, Philipp. III. 501.
Souhhosanctt, von. LXXXVIU-CXLIV. 1 1.522.
Speth, Sebastian. XXXIV. 510.
Spiegelberv'. Joseph. XLII. 511.
Spie Im an ii. Freiherr, 4!*.
Spin dl er, Johann Joseph. XXIU. 50,>.
Spindler, Leopold. XLII. 511.
Splenyi, Gabriel. XIX., XXIII. 506. Ö07.
Staad er, Joseph. XIL. XXXIX. 505. öl 1.
Stadion. Philipp Graf. CLIX. 115. 52«.
Stain, Carl Leopold. VI. 503.
Stampa, Cajetan. VI. .502.
Starhemberg, Gundaker. LXXX VllI-CIXLIV.
522.
Starhemberg, Johann Ludwig. I. 5t K).
Slawrakotc, von. LXII. 514.
S teffa ni ni, Joseph. LXXIII-LXXXVII. 518.
Stein, Eiiierich. LXXXVHI-CXLIV. 521.
Steindl, Carl. IAX1II-IAXXVU. 519.
Steinmetz, Nikolaus. VIII. 503.
St. Ei. uo y (alias Saintenoy), Desire. LXXX VII J-
CXL1V. 522.
Stephaics, Franz. XXXIV. 510.
Sternbach, Eduard. LXXXVIU-CXLIV. 5*1.
Sternberg, Leopold. CLVII. 39. 498. 520.
St er u da hl, Carl Joseph. VIII. 503.
Sterneck, Freih. Max Uaublebsky von. CL.XVI.
433. 498. 527.
Steyrer, Carl. LXXI. 517.
Stietka, Maximilian. lAXXVUI-CXLiV. 521.
Stipsicz. Joseph. XXXIV. 510.
Stokart von Bärnkopf, Joseph. LXVI. 51t».
Stop find, Hoben. CXLV1II. 523.
Strafford, Lord, s. Bing (ol. Hy,,g>. LXXXVIU-
CXLIV. 15. 523.
Strasser von Xeudegg, Wolfg. Felix Willi. V.
502.
Strassoldo, Julius. CLIII. 524.
Streicher. Heinrich. CLIII. 32. 521.
Stu Her heim. Franz. LXXXVIU-CXLIV. 521.
St ii Her heim. Joseph. LXXXVIU-CXLIV.
522.
Stulterheim, Carl. LXXIII-LXXXVII. 52(1.
Stwrtuik. Augustin (Vater). IAVIll. 517.
Stwrtuik, August (Sohn). CL. 20. 521.
Suck (alias Stick), Jakob. LXXI. 517.
Süden, Georg. LXVIII. 517.
Sunstenau, Friedrich. CLIII. 524.
Suu ormc, Alexander (alias Peter Alexei. Ge-
neralissimus1). LXII. 514.
Sutvorotr, Sohn (GM.). LXII. 514.
Swinbume, Hitbert. LXXI. 5IS.
Szäpary, Ladislaus Graf. CLXX. 4SI. 528.
Szarvassy, Joseph. XX. 506.
Szerzujaez, Arsenius. VII. 503.
Szent lvany, Carl. LXXXVIU-CXLIV. 522.
Szentkeresz Ii, Sigmund. LXVI. 515.
Digitized by G(
Alphabetische* Namens-Regi«ter.
551
Szereday. Anton. XXXIV., LXVI. 510. 515.
Szily, Anton. LXXIII-LXXXVII. 519.
Sztankovics, Ludwig. CLVII. 42. 52«.
Szläray, Anton. XIX.. XLV. 500. 512.
T.
Tartier, Bartholomaus. XXIII. 508.
Tuuentzien von Wittenberg. LXXXVIII-
CXL1V. 521.
Tegetthoff, Joseph von. LXVI. 51«.
Tegetthoff, Wilhelm von. CLXVI. 505. 527.
Te im er, Martin. LXXIII-LXXXVII. 519.
Terzi, Ludwig. VII.. XIII. 503. 5(»5.
Tettenborn. Carl. LXXI. 517.
Theillieres, (alias ThelHers). Franz. VI. 5<hJ.
Thiel, Wenzel. XXXIV. 510.
Thierry. Ludwig. XXIX. 509.
Thum, Georg. LXXXVIII-CXLIV., CLIIL 23.
522. 52 t.
Tie mar, Joseph. VI II. 503.
TiesenhuuftH, Nikolaus. LXX. 517.
Ti Iiier, Johann Anton. III. 501.
Tillier, Joseph Max. IX. 50t.
Tkalcse vich. Johann. VII. 503.
Tod, Carl. LXXXVIU-CXLIV. 522.
To massich. Franz. LXVHI., LXXXVIU-CXLIV.
517. 520.
To in i o t ti, s. Fabris. V. 502.
Török, Johann Andreas. V. 502.
Trais, recte Treys. Kaspar. V. 502.
Trani, Graf. Prinz beider Sicilie... CLX. 109.
52«.
Tiapani, Graf, Prinz heider Sicilien. CLX.
169. 499. 52«.
Tra.ittenborg. Leopold. LXVI. 51«.
Treys (alias Trais!, Kaspar. V. 502.
Triangi, Atiton. XXXIV. 510.
Trübet g koi, Füret. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Tsehernitaeheff, Alexander. LXXXVIU-
CXLIV. 14. 522.
Türkheim. Carl. XXIII. 507.
u.
Ulm, Joseph. L. 512.
Ungar, Johann von. IX. 50t.
Unter her gor, Leopold. XXIX., XL. 509. 511.
L nukir, Ceoiy. CLVII. 33. 525.
Urban, Carl. CLIIL 34. 525.
Urs de Margina, David. CLVIIL 152. t98. 52G.
V.
Vajna, Gabriel. XXIII. 507.
Vavrik von Heves. Gabriel. 499.
De Vaulx, Carl. LXXXVIU-CXLIV. 521.
, De Vaux, Thiery. XIX., LXVI. 50«. 515.
I Vay de Vaya, recte Dovay. Paul. XXXIV. 510.
| Veesey. August. LXXI. 518.
! Vecsey, Joseph Freih. v. CLXX. 486. 4SS. 528.
I Vecsey, Peter IjXVI. 515.
i
Vecsey, Siegherl. XIX. 50«.
Vcga, Georg. XLIL 511.
Verebelyi, Sigmund. XIX. 50«.
Vernholz, Stephan (alias Christoph i. LXXlll-
LXXXVII. 519.
Vetter v. Lilienberj?, Wenzel. LXVIII. 517.
Vever. Carl. CLVII. 31. 525.
Veyder, Carl. LXXIII-LXXXVII. 519.
De Ville, Carl. III. 501.
Vincent, Carl. XX1IL, LXXI. 507. 517.
Vinchant de Gontroeul, reite Contreul,
Carl Grar. XXXIV., XLLX. 510. 512.
De Vins, Joseph. III., XX111. 501. 5i>7.
Vlassits. Kranz. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Vogelsang, Ludwig. XXIII. 507.
Voit h, Johann. XV. 505.
Voith, Wenzel (alias Ferdinand). LXX III-
LXXXVll. 519.
. Volkmann. Antuu. LXX11I-LXXXVI1. 518.
V o 1 ii y ulias Woi u y j. Johann. LXXX V 1 1 1 CX LI V.
521.
Do Vos (alias De Voss» Franz. VI. 502.
w.
Wacquant, Theodor. LXXIII-LXXXVII. 519.
Wagner. Rudolph Freih. CLXV1I. 311. 49s. 527.
Waldeck, Prinz Christian. XXXII. 5otf.
W ald hü tt er. M chael. VIII. 503.
' Wallis, Palricius Olivier. VII. 503.
Wal lisch, Christoph. IX. 504.
Wallmoden, Ludwig. LXXIII-LXXXVII. 25.
520.
W alper, Mathias. LXXIII-LXXXVII. 519.
Walt her, Ignaz. III. 501.
Warnsdorf, Gottfried. XXXIV. 510.
Warschau, s. Paskewitsch, Fürst, von. CLV.
525.
Wartenslehen. Ferdinand. LXVI. 51«.
: Wartensleben, Ludwig Wilhelm. XXI. 50«.
I \\'u».iilt*rhikoff, von. LXXXVIII-CXLIV. 522.
Weidenfeld, recte Weydenfeld, Carl. XLIV.
512.
Digitized by Google
552
„ Militärischer Maria Theresien-Orden." - Anhang. — Namens-Reirister.
Weigl, Joseph. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Weiss, Bernhard. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Weiss, Kranz. CLL 30. 524.
Weiss, Johann. LXXXVUI-CXLIV. 521.
Weissenwolf, Nikolaus. LXXXVUI-CXLIV.
521.
Weiden. Ludwig. LXXXVUI-CXLIV., CLL
522. 5:24.
Wellington, Herzog Arthur. LXXXVUI-CXLIV.
520.
Wenkheim, Kranz. XXUI. 507.
Werneck, Kranz. XXIII., XLV. 507. 512.
Wernhardt, Paul. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Westmoreland, Lord. s. Burghersh. LXXXVUI-
CXLIV. 44. 522.
Wetzlar, Ignaz. LXXXVUI-CXLIV. 523.
Weydenfeld (alias Weidenfeld) Carl. XLIV.
512.
Weyrother. Kranz. XLII. 511.
Widmaycr, Aloys. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Wied-Runkel, Kriedrich Georg. L, VI. 500. 502.
Wied-Runkel, Kriedrich Ludwig. LXXIII-
LXXXV1I. 519.
Wieland, Georg. LXXUI-LXXXVII. 519.
Wielowieyski, Ladislaus. LXXUI-LXXXVII.
519.
Wiesy, Carl. XXII. 507.
Wildburg, Adolph. CLVU. 38. 52«.
Wilhelm, Kronprinz, nachmals Konig. s.
Württemberg. LXXXVUI-CXLIV (als
Kitter und Commandeur). 42. 520. 521.
Williams, James Ernst. XLII. 511.
Wilson, Johann. XXXIV. 510.
Wilson, Sir Robert. LXIV., LXXXVUI-CXLIV.
515. 520.
Wimpl'fen, Kranz. CLL, CLVU. 23. 524. 525.
Wimpffen, Max. LXXL, LXXUI-LXXXVII
(als Ritter und Commandeur). 518.
Windis. h-Grätz, AlfreJ. LXXXVUI-CXLIV.,
CLVU., 21. 521. 525.
Winkclh«»ffer, Mathias. IX. 504.
Wintzingerode, Kerdinand. LXXUI-LXXXVII.
5 LS.
Wittgenstein, Ludwig. LXXXVUI-CXUV ia)s
Ritter und Commandeur). 520. 521.
Wittmann, Joseph. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Wodniansky, Johann. XXJII. 507.
Wohlgemut!!, Ludwig. CLL, CLVU. 524 525.
W..|fik* Lamarselle, Ludwig. LXVI. 515.
Wolfskeel (alias Wolfskehn, Christian. LXVI.
515.
Wolfskeel (alias Wolfskehl), Sigmund. XXUI.
507.
Wolkonskg, Peter. LXXXVUI-CXLIV. 522.
Wolny, recte Volny, Johann. LXXXVUI-CXLIV.
521.
Wood, George. LXXXVIU-CXLIV. 523.
Woodford, Alezander. LXXXVUI-CXLIV. 45.
52:.
Worbeer, Sigmund. V. 502.
Woronzoff, Michael. LXXXVIU-CXLIV. 522.
Wränget, Kriedrich Graf. CLXIl. 107. 526.
Wratislaw. Eugen. CLL 27. 524.
Wrede, Carl Philipp. LXXXVIU-CXLIV. 520.
Wukassovich, Joseph Philipp. XV. 505.
Wurmser, Dagobert. XL, XXX IL 504. 509.
Württemberg , Eugen, Prinz von. LXXXVUI-
CXLIV. 43. 521.
Wfirttem berg, Ferdinand, Prinz von. XXVHL
XXXIV. 508. 509.
Württemberg, Kronprinz von inachmais Könw
Wilhelm L). LXXXVIU-CXLIV (als Ritter
und Commandeur). 42. 520. 521.
Württemberg, Wilhelm Herzog von. CL1X.
94. 498. 526.
Y.
Ytrmoloff, von. LXXXVUI-CXLIV. 521.
York-, Graf Hans. LXXXVUI-CXUV. 5a 1.
York, Herzog Kriedrich. LXXXVUI-CXLIV
520.
z.
Zach, Anton. LVIU. 514.
Zaturetzky, Ladislaus. LXVI. 510.
Zechmeister, Theophil. LXII. 511.
Zedtwitz, Johann. V. 502.
Zeisberg. Carl. CLIII. 33. 524.
Zhehovini. Andreas. CLIII. 525.
Ziegesar, Carl. VI. 502.
Zieten, Graf. LXXXVIU-CXLIV. 521.
Zig Ran, Joseph. XX1U. 507.
Zobel, Thomas. CLL 27. 524.
Zoe chi, Johann. LXXL 518.
Zollern, von LXXXVUI-CXLIV. 522.
Zorn, Max August. III. 501.
Zoph, Johann. XLVIII. 512.
Zwei I» rücken, Kriedrich Michael. V. 501.
Digitized by Google
CR 4979 18
Militärischer Mari«
Stanford Unh
iSii
3 6105 041 338 265
III
Stanford University Libraries
Stanford, California
Return this book od or before date due.
I
Digitized by Coogl
Digitized by Google